Verwaltung:
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Schristleitusa: RatbauSgass« Nr 5
Telqcho» Kr. II. intnarban.
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30 880.
(»iachdruck verboten.)
Ueter und Aaul.
Bon Dr. Ewald Heiger.
Wenn die ein- Hälfte des IahreS sich zur anderen hinüberneigt, dann ist der Peter- und Paulstag gekommen, der vielfach noch nach uralten Sitten und Gebräuchen festlich begangen zu werden pflegt. Sommersonnenwendsestsitten sind es vielfach, die hierbei in Betracht kommen; sie sind natürlich stark mit einem Einschlag christlicher Kultgebräuche versehen, wie wir weitcr unten noch ausführlicher zu zeigen Gelegenheit haben werden.
Dieser Doppelheiligentag gehört zu den söge-nannten sommerlichen Lostagen, die sich etwa vom 24. Juni bis zum 2. Juli erstrecken und einen Gegensatz zu den winterlichen .Zwölften" bilden, die fast genau ein halbes Jahr später fallen. Der Volksglaube hat hier in meteorologischer Beziehung viel gefabelt; aber in Wirklichkeit sind denn auch an unserem Tage mancherlei WitterungSabsonder-lichketten zu verzeichnen. Gegen diese Abnormitäten glaubt man in diesem oder jenem Sprüchlein, in diesem oder jenem Brauch ein gutes Abwehrmittel zu haben. Die Tradition hat es geheiligt, und das von Urvätern Ueberkommene soll meist immer in der einen oder andern Art wirksam sei*, wenn sich auch die Wirkung nicht gleich aus den ersten Blick offenbart.
Aber auch mancher ethnologisch nicht uninteres. sante Brauch, so der der Gesinde» oder Heirats-Märkte hat sich erhalten, wir kommen weiter unten
HiM. Dienstag» 28. Juni 19W.
gerade hieraus noch ausführlicher zu sprechen und werden dort zeigen wie konservierend der Peter- und PaulStag teilweise für unser Bolkstum gewesen ist, wo gerade die moderne Zeit so überaus rücksichts« los mit allem Altüberlieferten und Hergebrachten aufzuräumen gewohnt ist.
Ein paar alte Kinderverse kommen mir da in die Erinnerung, die recht bildlich gemeint sind, und die es verdienen, nicht der Vergessenheit anheim zu fallen, sondern vielmehr an dieser Stelle zitiert u werden. Von St. Peter heißt es da:
St. Peter steht vor der Tür,
Hat eine nasse Kapuze für,
Macht ein säuerlich Gesicht,
Doch sein Mund kein Wörtlein spricht,
Droht mir mit dem Finger drein:
Kinder wollt ihr artig sein!
Auch St. Paul wird natürlich gleichfalls ge-nannt, denn die beiden Heiligen gehören nun ein» mal zusammen und wollen nicht voneinander ge-trennt werden. Das Berslein dieses Heiligen lautet also:
Ernst schaut gleichfalls drein St. Paul,
Reitet auf dem falben Gaul,
Lenkt ihn rechts und lenkt ihn links, —
Aber, ach, es regnet ringS,
Regnet, bis es höret auf, —
Das ist so des Regens Laus!
Im allgemeinen gelten Peter und Paul als die Bringer von schlechtem Wetter. Sie haben in
lichen Wege, das heißt im Herbst, einberufen werden wird. Um für die Verhandlungen ge« nügend Zeit zu gewinnen, wollte die Regierung, daß die nächste Plenarsitzung erst am Montag stattfinde, allein die Opposition hit mit Hilfe der Polen den früheren Termin durchgesetzt und es ist nicht unmöglich, daß angesichts dieses Pressionsversnches die Tagung um 14 Tage früher schließt als bisher angenommen wurde.
An unsere deutschen Volksgenossen!
Das Los der Privatlehrerinnen.
In den folgenden Zeilen möchte ich versuchen, die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf einen Verein zu lenken, der, drängender Not gehorchend, in« Leben gerufen wurde, um die ärmsten und beklagen?« wertesten unserer Mitschweftern zu stützen in ihrem Kampfe umS harte Dasein. Ich meine den „Verein der deutschen Privatlehrerinnen Oesterreichs."
Schon öfters ist aus die ganz unwürdige soziale Stellung der Privatlehrerinnen hingewiesen worden. Das Bedürfnis nach Privatunterricht ist nun einmal vorhanden, man muß Privotlehrer und Lehrerinnen haben. Aber in den meisten Fällen ist bei der Wahl einer Lehrerin nicht ihre Tüchtigkeit maßgebend, son-dern beschämenderweiie ihre Billigkeit. Ja, bedenkt man denn nicht, daß jede, die sür eine schlechte Bezahlung unterrichten muß, auch eine schlechte ^'ehr» kraft ist? Denn keine Privatlehrerin wird wohl ihren Beruf aus purem Vergnügen ergreifen; zu» meist ist sie durch die Sorge ums tägliche Brot dazu gezwungen. Und diese Sorge lastet um so schwerer auf vielen von ihnen, die in der Jugend in Wohl» habenheit, ja Reichtum lebten, sich keinen Wunsch zu versagen brauchten und nun infolge verschiedener Un-glücksiälle die bitterste Armut kennen lernten.
dieser Beziehung keinen guten Ruf, sind gefürchtet und nur dann gepriesen, wenn sie einmal gnädig sind und eine Ausnahme von der sonstigen Regel machen. Der Städter hat freilich nur selten Gele« genheit, das zu beobachten. Er lebt, wie man so sagt, in den Tag hinein, und nimmt die Stunden, wie sie kommen. Nur in seinen Ferien paßt er auf, denn dann glaubt er, ein privilegieres Anrecht auf gutes Wetter zu besitzen. Ueber die Peter - Paul»-Wetteraussichten gibt es natürlich auch eine Anzahl alter Volksreime, von denen wir hier mit einigen aufwarten wollen. Da heißt es:
Schön zu St. Paul '
Füllt Taschen und Maul. .
Gutes Wetter muß der Tag der Doppelhei-ligen bringen:
Wenn die Sonne am St. PaulStag scheint. Dadurch wird ein fruchtbar Jahr gemeint.
Auch windig kann es sein, das schadet nichts:
Wenn Peter und Paulus rücken den Hut,
Gerät das Sommerkorn immer gut.
Nur Niederschläge sind und bleiben unerwünscht:
Regen an Peter und Paul Wird die Weinernte saul.
Die nächste Sitzung.
Die nächste Sitzung des Abgeordnetenhauses ist für nächsten Freitag anberaumt worden. An dieser Unterbrechung der Pienarberatungen auf eine Woche wäre nichts abfond:rliches, da die Ausschüsse noch genug zu tun haben, allein in der Obmännerkonferenz fiel, als man über den Tag der nächsten Sitzung beriet, ein ominöses Wort: Man solle — so schlug ein Abgeordneter vor — den Tag der nächsten Sitzung im schriftlichen Wege bekanntgeben. Derlei pflegt man bekanntlich zu tun, wenn man nicht weiß, ob die Tagung überhaupt noch fortgesetzt werden soll; daß aber ein solcher Borschlag gerade un« mittelbar nach Erledigung des Staatsvoran« schlage« gemacht wurde, hat wesentlich dazu beigetragen, die umlaufenden Krisengerüchte zu verstärken.
In der Tat sind die Differenzen zwischen der Regierung und dem Polenklub in der Kanal-frage noch nicht geschlichtet. Wohl heißt e«, daß im Kreise der polnischen Abgeordneten eine sachliche Beurteilung der Angelegenheit die Oder-Hand gewinne und man einsehe, daß ohne neue Geldbewilligungen der Bau deS Donau-Oder« Weichselkanales nicht begonnen werden könne, allein der Polenklub hat seine anderslautende Resolution nicht nur noch nicht zurückgezogen, sondern hat seine oppositionelle Stimmung in den letzten Tagen wiederholt dadurch markiert, daß er, allerdings in einigen wenigen belang-reichen Angelegenheiten, von der Mehrheit sich absonderte und mit der Slawischen Union stimmte. Dadurch abrr erhält die Absicht der
Slowenen, die italienische Universi« tätSvorlage zu obstruieren, eine stärkere Bedeutung. Gewiß ist eS bezeichnend, daß gerade die Partei, au« deren Schoße die neue provi-sonsche Geschäftsordnung geboren wurde, und die damals die heilige Versicherung abgab, daß eö sich ihr darum handle, der Obstruktion im österreichischen Abgeordnetenhause den GarauS zu machen — daß gerade diese Partei die erste »st, die der neuen Geschäftsordnung eine Nase drehen und die Obstruktion wieder aufleben lassen will. Man kann daraus entnehmen, wie vorsichtig slawische Beteuerungen einzuschätzen sind. Die Slowenen aber sind über derlei moralische Bedenken erhaben und werden von der Slawischen Union in ihren Obstruktion»-absichten auf» kräftigste unterstützt. Ihre Au»« führung würde indessen an sich noch kein Un-glück bedeuten, wen« nicht, wie schon erwähnt, die Weiterungen mit dem Polenklub beständen, Weiterungen, von denen in erster Linie der Finanzminister von BilivSki betroffen wird, der überdies mit den Parteien noch um den sogenannten „kleinen Finanzplan" zu kämpfen hat. Auch hier spielen die Polen schließlich die Schwierigen und man wird erst im Laufe der Woche ersehen, ob e« gelingen wird, die Hin-dernisse zu bewältigen, die der Erledigung deS restlichen Arbeitsprogrammes: Hausiergefetz, italienische Universitätsvorlage und kleiner Finanz-plan entgegenstehen.
Ist dos nicht der Fall, dann gilt eS in unterrichteten Kreisen nicht für ausgeschlossen, daß die nächste Sitzung, die auf Freitag anbe-räumt ist, abgesagt und wirklich erst im schrist-
Leben möchten die armen Geschöpfe! So hat denn bei schlechter Bezahlung die Masse der Stunden herzuhalten, um ein Einkommen zu sichern, da» wenigstens vor der ärgsten Not bewahrt. ES gibt manche Lehrerin, die 72 Stunden monatlich für 24 Kronen gibt. DaS ist oft ihr ganzes Ein-kommen, von dem soll sie leben! Wie arm diese» Leben beschaffen sein muß, danach fragt kein Mensch. Die Wohnung einer solchen Lehrerin besteht zumeist auS einem kleinen, finstern, schlecht möbliertem Zimmer (Schreiberin dieses hat sich selbst überzeugt, daß eine arme Lehrerin keinen Polster, kein Zudeck halte, daß selbe nur aus blankem Slrohsack liegen mußte. Weder ein Waschtisch noch Schrank war in dem Zimmer zu sehen, ja selbst einer Lampe mußte doS arme Wesen entbehren.) An ein Heizen im Winter ist nicht zu denken, nicht zu denken ist auch an ein regelmäßiges, genügendes Mittagessen oder Abendbrot. Wie oft gehen diese armen Geschöpfe hungrig in die Stunde und hungrig zu Bett. Nach einer schlaflosen sorgenschwere» Nacht eilen gar viele der ärmsten unserer Kolleginnen in die geheizte Halle ber Hauptpost, um die starren Glieder zu erwärmen. — Eine andere Privatlehrerin wird plötzlich krank und ist vielleicht monatelang erwerbsunfähig. Wo-von soll sie leben? Wovon sich stärken? Arzt und Apotheke verschlingen die paar Groschen, welche sie sich mühsam erspart und eines Tages sieht sie ihre Börse leer. Keine Hilfe, wohin sie auch blicken mag; niemand ahnt ihr Elend und sie selbst kann unmöglich betteln gehen; — was bleibt ihr zu tun übrig ? Noch einmal versucht sie sich aufzuraffen, umsonst! — vor ihr sähnt der Abgrund! Um nicht Hungers sterben zu müssen, gibt sie sich selbst den Tod.
Sehen wir uns nun einige andere Kolleginnen an. Kommt die Zeit des StundengebenS eilen sie hastig auS einer stunde in die andere; freudlos und abgespannt kommen sie ihrer schweren Pflicht nach.
Und gerade der Lehrberuf ist eS, der neben der Befähigung eine ganz besondere Liebe und Aus-opfeiung erfordert. Denn die geistige Kraft, welche die Lehrerin, will sie anregend und fruchtbringend wirken, beim Unterrichte verbraucht, ist bedeutend; gibt sie doch ein Stück ihreS Wesens, ihr eigene« Selbst dem anvertrauien Zögling zu eigen, inSbe-sonders dann, wenn sie dessen ganze Erziehung und Unterricht zu leiten hat.
Kann aber ihr Wirken diesen auch von den Parteien gewünschten und erwarteten Erfolg haben, wenn sie von der Sorge um daS tägliche Brot be-drückt wird, wenn sie nicht weiß, ob sie sich in Zu-kunft auch entsprechend uud standesgemäß wird kleiden können? Das ist auch ein wunder Punkt, der daS Dasein der Lehrerin ganz besonders erschwert. Denn die Parteien verlangen stetS, daß die Lehrerin ein-fach, aber modern gekleidet fei, ohne aber zu be-denken, daß dies meist bei der armseligen Bezahlung
Sehr spaßig ist der folgende Vers:
Petrum Purzel
Bricht den Korn die Wurzel.
Landwirtschaftlichen Rat gibt die folgende Bauernregel:
Peter und Paul Harke den Kaul (Kohl).
Schließlich können wir auch mit dem folgen-den, längeren Verslein aufwarten:
Da Pedertsdag,
Da hackt der Ha«,
Da jongt da Koh,
Da lät dat Höh,
Da kriegt de Husfrau Vel zu doh.
Um auch einige« von dem zu St. Peter-Paul üblichen Hnrats- und Gesindemärkten zu berichten, will ich einiges au« Maria-Theresienstadt erzählen, da« mir dort passiert ist. Es war ein glühend-heißer Tag, so heiß, wie es die Mittsommersonne nur in der Pußta meint. Der Zufall — eine schlechte Eisenbahnverbindung — hatte mich am Peter-PaulS-Tage hieher geführt. Ein dichtes Men-schengewoge füllte an diesem Hauptsommermarlttage die Stadt. Dcch nicht nur Warren wurden feilge-boten, sondern auch — Menschen. Die heiratsfähigen Töchter der ganzen Umgegend machten hier eine Art Defiliercour. Sie haben ihre besten Ge-wänder angezogen, und den kostbarsten Schmuck
nicht möglich ist. Wohl jenen, die ein entsprechendes Honorar zahlen l denn bei solchen setzt die Lehrerin ihre volle Kraft gern und willig ein, und der Er-folg. den ihr Schüler macht, bereitet ihr Freude und spornt sie immer mehr an. Und wie gern gibt eine Lehren« von Beruf ihr ganzeS Können, ihre Kraft hin, wenn sie sieht, daß die Eltern ihreS Zöglings, ihre Leistungen auch zu würdigen wissen. — Wie hart daran sind oft die Erzieherinnen, welche im Hanse leben! Wie häufig werden sie nur als besserer Dienstbote angesehen, wie oft verlangt man von ihnen Arbeitt», welche nicht dazu geeignet sind, die Achtung der ihnen anvertrauten Kinder zu wahren.
Und welcher Zufluchtsort harret denn einer armen, alten erwerbsunfähigen Privatlehrerin oder Erzieherin? Wie viele Hunderte armer Lehrerinnen mußten Hungers sterben, wie viele Hunderte konnten diese entsetzliche Not nicht ertragen und gaben und geben sich selbst den Tod, sie haben nicht die Kraft, daS elende Leben weiter zu führen.
Niemand hat bisher an die armen Privat-lehrerinnen gedacht, niemand sich ihrer voll und ganz angenommen. — Und doch muß es anders werden! — Im Dezember vorigen JahreS beschlossen einige arbeit«- und opferfreudige Privatlehrerinnen. ihre deutschen Standesgenossinnen in einem Verein der deutschen Privatlehrerinnen zu vereinigen und im Wege dieses Vereines Abhilfe tu suchen gegen die rechtlose, sozial unwürdige Stellung der Privat-lehrerinnen, der Forderung nach einer allgemeinen Sozialversicherung größeren Nachdruck zu verleihen um überhaupt die deutschen Privatlehrer« innen nach Möglichkeit zu fördern. Der Verein sührt den Namen „Verein der deutschen Privat-lehrerinnen Oesterreichs" und hat seinen Sitz in Prag II, Zerusalemsgasse 15.
Vor allem will der Verein sich die geistige und materielle Förderung der deutschen Privatlehrerinnen Oesterreichs angedeihen sein lassen, will seinen Mit-gliedern Stellen vermitteln, einen UnterstützungSfond für Darlehen und Unlerstützungeu schaffe» und ein Heim gründen, in welchem kranke oder alte arme deutsche Privatlehrerinnen Zuflucht finden können. Doch soll dieses Heim auch den noch tätigen Mitgliedern eine Erholungsstätte sei» nach des TageS harter Mühe; sie sollen dort Gelegenheit finden zu Vorträgen, zu kleinen geselligen Zusammenkünsten, sollen ein Lesezimmer haben und eine Fachbibliothek, um sich geistig weiter ausbilden zu können; denn gerade der Lehrberuf erfordert öfterS geistige An-regung und Entlastung der abgespannten Nerven, soll er nicht zum mechanischen. unfruchtbaren Hand-werk herabsinken.
Der Verein entwickelt eine außerordentliche, segensreiche Tätigkeit und voller Dank gebührt den Damen der VereinSleitung für ihre opferfreudige Wirksamkeit, welche ihre ganzen Krä'te für das Wohl ihrer Milschwestern einsetzen. Für die schwer
angetan. In starren, schweren Seidenkleidern von oft sabelhastem Wert rauschen sie einem bestimmten Teil der Hauptstraße hinaus und hinab. Bunt ge-blümt sind die Stosse, oft in den grellsten Farben, seltener zart und dezent, aber stets leuchten große Blumenmuster in allen erdenklichen Farben auf. Keine Modesachen sind e«, sondern meistens Fami-lienstücke, in denen sich schon Großmutter und Ur-großmntter ihren Mann geholt. DaS eine Kleid gleicht dem andern im Schnitt, wie ein Ei dem andern. Ein ungeheuer weiter, tiesgefälteter Rock, der glatt herunterfällt und bis über die Knöchel geht. Die hochgeschnürte Taille mit niedrigem Steh-kragen und glatten, langen Aermeln endet in einem faltigen Schoß, der bis über die Hüften reicht. Eine lange, breite Schürze vom Stoff des Kleides und ein seidenes Kopftuch, wie eS hierzulande die Landarbeitennnen tragen, vervollständigt den Feier-tagsanzug. Recht« und links von den zu zweien oder zu dreien Promenierenden stehen die Burschen. Auch sie sind in Feststaat, tragen großgeblümte, seidene Westen und kurze, schwarze Tuchröcke mit talergroßen Silberknöpfen, und den kleinen Ungarhut aus dem Kops. Sie taxieren die Mädchen nach ihren körperlichen und finanziellen Qualitäten, necken sie, schäkern mit ihnen, kneifen sie in die prallen Arme und tätscheln ihnen auch wohlwollend die frischen Wangen. Hier und da schließt sich einer einem Mädchen an, das ihm besonders gefällt. Au« dieser „Peter-Pauls-Besichtignng" entsteht dann später manche Hochzeit
In ähnlicher Weise wird der Peter- und Paulstag noch an manchen Orten begangen. Die nahende Erntezeit braucht emsige Hände. Da gilt
Geprüften ist stetS ein freundliches Wort, ein Rat, Hilfe bereit
Auch nach Außen findet der Verein immer mehr Anerkennung. So schrieb unter anderem Seine Exzellenz Dr. Gustav Schreiner, Minister a. D.: „Sie haben sich eine national und sozial so wichtige Aufgabe gefetzt, daß wohl jeder Volksgenosse gerne dazu beitragen wird, ihren Verein zu fördert,."
Es wäre nur zu wünschen, daß alle jene, welche dem Vereine noch fern stehen als Mitglieder (or-dentlicheS oder beitragendes) Jahresbeitrag 2 Kronen beitreten. — Auch an alle deutschen Volksgenossen wie die deutschen Gemeinden und Bezirke, an die deutschen Sparkassen und an die vermögenden deut-schen Kreise ergeht das dringende Ersuchen, durch Spenden, oder Beitritt als gründende« Mitglied (50 Kronen einmal) das auch in nationaler Be-ziehung hochbedeutsame Werk zu fördern, ein Werk, daS nicht eine Laune deS Augenblicks ist. sondern da« Ergebnis einer jahrelangen Bedrängnis und Unterdrückung, das mit unabwendbarer Notwendig-keit reifen mußte. Tausende armer, alter, hart be-drängter Menschenkinder schreit nach Hisst, nach Rettung. Hier ist Möglichkeit geboten, ein Werk der Barmherzigkeit, der Nächstenliebe zu erfüllen, und ich wünsche vom Herzen, daß mein« Worte nicht unerhört verhallen, daß sich Menschen finden, welche helfen können und gerne ihr Scherflein bei-tragen, um die große Not zu lindern. Für jede auch noch so kleine Gabe danken lausende von arme» Wesen.
_ Otto Keimar.
Politische Rundschau.
Inland.
Reichsrat.
In der Sitzung vom 27. d folgte die zweite Lesung der Regierungsvorlage über die Aenderung der Bestimmungen über die Revision, die Berufung und den Rekurs. Die Vorlage wird in zweiter und dritter Lesung angenommen. Hieraus wurden die beiden im Zusammenhange stehenden Berichte der Spezialkommission zur Vorberalung der Gesetzesvor-läge, betreffend die staatsrechtliche Behandlung und den strafrechtlichen Schutz Jugendlicher in Verhand-lung gezogen. Die Gesetze wurden auch in dritter Lesung angenommen. DaS Lokalbahngesetz wurde in allen drei Lesungen und die Vorlage betreffend die Erhöhung der Bezüge der Altpensionisten in 3. Lesung angenommen.
Herrenhaus.
Montag fand eine Obmännerkonferenz der Parteien des Herrenhauses zur Besprechung der Tages-ordnung statt. Nachmittags 3 Uhr beginnt die Sitzung deS Herrenhauses, auf dessen Tagesordnung folgende Punkte stehen: 1. DaS Gesetz, betreffend
es für den Landmann sich bei Zeiten nach geeig-neten Kräften umzuschauen, damit er, wenn die Erntewochen heranrücken, nicht in Verlegenheit kommt. Unser Landmann aber läßt sich in dieser Beziehung keine Nachlässigkeit zu Schulden kommen; er tut aber eher etwas zu viel, als zu wenig und wägt genau ab, aus Zeichen Gebieten vorsorgliche Vorkehrungen zu treffen sind. Und so rechnet er denn auch auf feine Art mit dem Peter- und PaulStag.
Schließlich sei an dieser Stelle auch noch kurz darauf hingewiesen, daß nnser Doppelheiligen-tag als das älteste der Apostelfeste gilt. Die römische Kirche fetzte bereits im 4. Jahrhundert den Gedenk-tag an den gemeinsamen Märlyrertod der beiden Hauptapostel ans den 29. Jnni fest, an welchem Tage daS Fest auch heule noch begangen wird, wie das uns unser Kalender lehrt.
Wir aber beschließen unsere Peter und Pauls« betrachtung mit den folgenden poetischen Worten:
Peter und Paul, Euch trau ich nicht,
Denn Ihr macht ein schief Gesicht:
Halb ein Weinen, und halb ein Lachen, —
Weiß nicht, was ich aus Euch soll machen!
Seid gar zwei eigenart'ge Gesellen,
Die sich bald freundlich, bald feindlich stellen. Besser ist'S: man bleibt auf der Hut,
Traut Euch nicht gleich mit leichtem Mut l Habt schon manchen mit Hohn bedacht, Ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht, Der ihm alle Hoffnung zerbricht . . .
Paul und Peter, ich trau' Euch nicht!
©lässet zur Unterhaltung und Belehrung für Haus und Familie.
^OBKtaflsSeifaflf der „vcntscheu Wacht" t» KUli.
„Die Süd mark" erscheint jeden Sonnlag als unentgeltliche Beilage für die Leser der „Teutschen Wacht". — Einzeln ist „Die Südmark" nicht Uuflich.
Jrau Zoes Mache.
Roman von Heath HoSken. — Einzig autorisierte Bearbeitung von HanS von Wentzel.
>4. Fortsetzung.
Die Liebe war erst sehr spät in sein Leben getreten und schien sich nun bei ihm für die ^verlorene Zeit ent« schädigen zu wollen. Wie herrlich war der bloße Gedanke daran. WaS war sie doch für ein piächtige» Wesen, seine kleine Frau, seine liebreizende Di. die so geduldig in ihren Zimmern im Eavoy auf ihn wartete I
DaS heftige Gewitter, da« sich während des EssenS über London entlade» hatte, war von keinem der Männer beachtet worden. Am wenigsten von Brooke, für den ein Unwetter in London gar nichts bedeutete. Er hatte in Südafrika ganz andere Stürme erlebt. Er erinnerte sich eines Falles am Ufer de« Ubangi, wo sieben seiner Boy» vor seinen Augen vom Blitz erschlagen wurden. Dadurch kam er auf ein anderes Erlebnis zu sprechen, dem Lord Lemonvale und seine Freunde mit scheinbarem Interesse zuhören mußten.
„Nahmen Sie Lady Brooke denn nicht mit nach dem Kongo?* fragte Lemonvale mit schlecht verhehltem Cynismus.
«Du lieber Himmel, nein!" rief Brooke. „Da« ist doch kein Platz für Frauen, kaum für Männer, wenn es daraus ankommt Obgleich gerade meine Frau mir — daS weiß ich ziemlich genau — ohne Bedenken dahin gefolgt wäre, wenn ich es nur gewollt hätte." Und dann fügte er mit einem strahlenden Lächeln vollkommenen Vertrauen« hinzu: „Meine geliebte Di würde mir bis an daS Ende der Well folgen. Gott segne ihr gute» Herz!'
Zum sechstenmal in der letzten halben Stunde sah er nach der Uhr und bereute im stielln den nutzlosen Zeitaufwand.
»Potztausend, meine gute Frau würde da» nicht tun," enlgegnete Lemonvale ärgerlich und gähnte. »Wenn die London verlassen sollte, wäre e» ihr, als ob sie von einem geliebten Tolen Abschied nehmen müßte. Sie sind zu beneiden, Brooke. Wie lange sind Sie jetzt eigentlich verheiratet?•
„Zwei Jahre," erwiderte Brooke freudig.
Er war sehr stolz darauf, und doch tat eS ihm leid, er bis dahin so viel entbehrt hatte.
„Haben Sie Kinder ?"
„Noch nicht." Ein eigentümlich zärtliche» Lächeln kam in seine harten Züze.
Lemonvale bemerkte e» und verstand. Damals, eS war schon sehr lange her, hatte er ebenso gelächelt. Jetzt
iWaiftOrud verdate« )
betrachtete er seinen Sohn und Erben al» den kostspielig-sten Gegenstand seiner reichen Besitztümer.
Ein sehr unbefriedigende« Gespräch in dem prächtigen Rauchzimmer — unbefriedigend von Lemonvale» Gesicht»« Punkt au» — ein langweiliges Spiel und dazu Whisky und Soda füllten den Rest le» Abend». Nachdem Brooke ungefähr zum zwölften Male nach der Uhr gesehen hatte, erhob er sich.
,,E» tut mir schrecklich leid, aber ich glaube, eS ist jetzt Zeit zum Aufbruch."
„Warum so früh? ES ist doch erst halb elf.*
Brooke versuchte seinen Aufbruch zu rechtfertigen. „Ich muß noch Korrespondenz erledigen und habe um zehn Uhr meinen Motor bestellt."
„Schlechtes Wetter," bemerkte Hermann und sah mißgestimmt aus dem Fenster.
»ES regnet noch immer. Eine gräßliche Nässe draußen,' ergänzte Polita.
,91j, der Sturm ist wenigsten« vorüber," bemerkte Lord Lemooval. „Ich vermute, er wird wieder viel Schaden im Süden von London angerichtet haben." Dabei lachte er. Die Schädigungen, die ein Unwetter seinen ärmeren Mitmenschen zufügte, ließen ihn ziemlich kalt.
Fünf Minuten später saß Brooke in seinem Auto, an der Seite de« durchgeregneten Chauffeur«.
„Schlechte« Wetter, wa«?' bemerkte rt.
„Fürchterlich l* erwiderte der Mann. „Man sagt, der Blitz habe in Doulton« Schornstein eingeschlagen. Der Chalsea Weg ist grundlos geworden "
„Pah l Im schönen England weiß man gar nicht, wa« unter Umständen ein Gewitter bedeutet."
»Da« mag schon sein, Sir," erwiderte der Chauffeur, der vor ungefähr zwei Stunden durch einen Blitzschlag erschreckt worden war.
An den Straßenecken wurde ein Extrablatt au»t>e-rufen. ES brachte die Nachricht, daß eine Frau in South-Lambet vom Blitz erschlagen worden war und daß die Westminst^rabtei Schaden erlitten hatte.
»Hm!* bemerkte Brooke, »wa« ist eine Frau in einer großen Stadt? Al« ich in Banziville war — am
Ubangi, weißt du--"
»Ja, Sir.'
Dann erzählte Brooke dem Chauffeur seine Liebling«« geschichte.
.Sieben von ihnen, Snook»," schloß er, «sieben auf einen Schlag! Und du regst dich über ein einzige» Opfer aus? Merke dir mal: man schätzt im allgemeinen da« menschliche Leben viel >u hoch ein. Da» kommt von der Ueberkultur, von den Nerven u»d der Hysterie."
»Ja. Sir," sagie der Chauffeur ehrerbietig. »Und doch kann ein Menschenleben für manchen sehr viel be-deuten."
.Unsinn," enlgegneie Brooke, „sentimentaler Quatsch! Ich denke nie an die einzeln« Person. Man kann doch nicht an SSHne und TSchter denken, wenn man von Ge witterstürmen spricht?"
„Natürlich nicht, auch nicht an die Ehefrauen."
»Ganz recht, auch nicht an die. Aber da sind wir ja schon."
Sie fuhren langsam in den Hof de« Savoy ein.
Brooke blickte »u den Fenstern de« Hotel« empor. Welch ein Hochgefühl.
In der nächsten Minute würde er fein Weib, seine kleine Di in die Arm» schlichen können.
E» war doch «in köstliche« Ding um die Liebe.
20. Kapitel.
»Lady Brook«," sagt« der prächtig galoniertr Portier »u dem Weltr«isend«n, al« dieser seinem Automobil ent-stieg, »wurde unerwartet abgerufen und bat mich, Ihnen mitzuteilen, daß sie «rst spät zurück fein würde."
Brooke« Enttäuschung war groß. Ei« stand d«utlich aus seinem Besicht gesckrieben.
»Unerwartet fortgeru'en?" wiederholt« «r. ,Wa« meinen Sie damit?"
»So sollt« ich b«stiUtn, hat mir di« Lady aufgr-tragen."
Brooke bemüht« sich, dem Menschen sein Mißbehagen zu verbergen. Trotzdem war «r nicht btsonder« begierig, die B«ra«lassung der Abwesenheit seiner Frau zu erfahren. Dergleichen gab e« für ihn nicht. Hätt« sie ein Wort hint«rlass«n, daß si« ur:Wm«id!ich nach d«n Orkney-Jns«ln oder nach Tang«r abreisen mußt«, so würd« «r r« auch «hn« weitere« hingenommen haben. Im heutigen Falle h«g>« er «in« unbestimmt« Vermutung, al« ob ihr« Mutter krank geworden sei oder ein andere« Glied der Familie. Mochte e« sein, »>>« e« wollte. E« derührt« ihn nicht. Da« Gefühl seiner herben, fast kindlichen Enttäuschung verdrängte jede ander« Empfindung au» seinem $tt?<n.
.Brauchen Sie mich heute abend noch?" fragte Enook», der Chauss«ur
„Wart«» Ei«," sagt« Brook« kurz, „G« kann sein."
Dann ging er hinaus in feine Zimmer. Sein Diener Collier la« gerade den zweiten Band au« Rutkin« »Stein« von Venedig."
»Wo ist dtin« Herrin?" fragt« Brock« barich.
„Ich weiß nicht, Sir," antwortete Eollier, dem Bogeahöhlen, Spitzen und venetianische« Gla« im stopft umherschwirrten. »Lady Brook« ist au«g«gang<n. Ich will di« Berenger fragen."
Louis« Berenger war Lady Brooke« Jungfer. Sie lag zu Bett und schlief. Schon vor drei Stund:n hatte sie von ihrrr Herrin die Erlaubn!« erhalten, sich zurück-zuziehen.
„Na, e« tut nicht«," sagte Brook«. „Laß nur. Ist auch fein ©rief von meiner Frau da?"
„»kein Sir."
»Bestellen Si« der Lady, wenn sie zurückkommt, daß ich noch auf ein Plauderstündchen zu Mister Milner ge-gangen bin. Ich würde bald wiederkommen."
„Jawohl. Sir." Eollitr kehrt« zur Ltktür« seiner v«n«tianischen Fenster zurück und Lonist Berenger schlief in ihrem Zimmer den Schlaf der Gerechten.
E« war eben «lf. Brook« ging hinau« und sprach mit seinem Chauffeur.
»Ich habe die Absicht, zu Mister Milner zu fahren." sagte er. »Ich brauche dich aber nicht dazu. Ich werde den Wagen nachher hier laffe». Morgen früh um elf kannst du wieder da sein."
Da« war Snook« s«hr angenehm. Trotzdem ant «ortete er zuvorkommend, daß er seinen Herrn gern be-gleiten wolle, wenn dieser e« wünsch«. E« komm« {ihm auf Zeit nicht an. Brook« wollt« aber hrut« abend allein fahren.
Diana« Abwesenheit hatte für den Augenblick all seine Pläne über den Haufen geworfen. Er fühlte sich, wenn er sich di« Wahrheit gestehen sollt«, nicht wenig beunruhigt. Jedenfalls konnte er zu Milner fahren und dem alten Fr«und« sein Herz auSlchütten. DaS war sein gut«« Recht und würde ihm wohltun. Ueberdie» gab e« verschieden« Dinge, die er mit ihm besprechen wollte, und dazu ergab sich jetzt zufällig eine passende Gele-genheit.
Er sagt« Snook« gute Nacht, l«nkt« den Wagen den Hügel hinunter nach dem Deich und dann in waghalsigem Tempo nach der Grosvenor Road.
Ein Lichtschimmer drang durch Milner» Fensier. Brook« bemerkte ihn schon von ferne mit ein«r gewissen Befriedigung. Er hätt« sich sehr geärgert, wenn er auch hier zum zweitenmal an diesem Abend enttäuscht wordtn wär«. Außerdem regte sich in ihm v«r lebhaft« Wunsch nach einem gemütlichen Plauderstündchen bei einem Glase Whi«ky und Soda. Er sehnte sich geradezu danach. Fred Milner zu sprechen.
Nachdem er den Motor zum Stillstehen gebracht, legte er eine wasserdichte Decke auf den Sitz und stieg au«. Den Fahrstuhl verschmäh!« er und sprang eine Etage nach der anderen die Treppen hinaus, bi« er atemlo« vor Milner« Tür anlangte. Hier trommelte er ansang« sehr lebhaft mit den Fingerknöcheln gegen die Tür und zog dann, al» diese» Geräusch nicht« zu fruchten schien, die Klingel.
E» meldete sich niemand, Brook« wartete wohl voll« zwei Minuten
Noch immer keine Antwort.
Dann trommelte er von neuem noch stäiker gegen die Tür und drückte seinen Daumen eine halbe Minute fest auf den elfenbeinernen Knopf der elektrischen Klingel.
Immer noch ohne Erfolg. Und er hatte doch hinter dem großen Bogenfenster de» Atelier« Licht gesehen, ebenso hinter den anderen Fenstern. Auch hier durch die Eingang»-tür drang ein geheimnisvoller Lichtschimmer.
»Wa», zum Teufel, mag «r nun treiben?" mur-melte Brooke, trat einen Schritt zurück und betrachtete die geschlossene Tür mit ärgerlicher Reagier. Dieser Erzschelm von einem Maler! Immer hat er irgend welch« Geheimnisse!"
Er zuckte die Achseln. »Ich werd« e» aufgeben," murmelte er: „Die Arbeit ist doch vergeblich. Mir scheint, ich habe heute abend wenig Glück!"
(Et wandte fich verdrießlich zum Gehen und wollte
eben die Treppe hinuntersteigen, al« Milner« Tür geöffnet wurde.
Brooke drehte sich um. „Hallohl" knurrte er. „Na, endlich l Warst wohl Ichon im Bett, du Schlafratte ? Wal?" Dann verstummte er plötzlich und blickte fest auf den Menschen, der, vom elektrlschen Licht der Treppe voll beleuchtet, tn der offenen Tür stand.
„Kroßer Gott I' keuchte er und ging schnell auf ihn zu. »Wa« ist dcnu passiert, Fred? Du siehst ja wie ein Gespenst au«.'
Brooke hatte recht. Dee Maler war fürchterlich an-,'usehen. Al« er seinen Besucher erkannt halte, schoß ein Bt<ck unsäglichen Schrecken« in seine wildflackernden Auze.i. Sein schon ohnehin blassei Gesicht nahm eine geisterhaft weiße Färbung an. Godfrey hatte guten Grund zu der Annahme, daß fein alter Freund entweder ernstlich krank geworden sei oder feinen Verstand ver« leren habe.
Da« Aussehen de» Künstler« war tatsächlich da« eine« Wahnsiinnigen. al» er so, mit weitgeössneten, wild-starrenden Augen, in namenlosem Schrecken vor ihm stand
»Mein Gott!' rief Brooke ärgerlich. »Was »um Henker, ist denn lo«? Sieh mich doch nicht so stier an! Ich will di» ja nicht fressen. Nimm dich zusammen! E» ist etwa» nicht richtig, da« sehe ich schon. Aber nur Mut, mein Kcrlchen, nur Mut!"
Dabei legte er seine große, behaarte Tatze liebevoll aus de« jungen Manne« Schulter. Doch Milner wich dieser Berührung mit unterdrücktem Stöhnen au«.
„Komm, alter Junge,' sagte Brooke mit seiner tiefen, wohltönenden Stimme. „Laß un« reingehea und über die Sache reden. Du weißt doch, du kannst dich auf mich verla„en.'
Er wollte in den Korridor gehen, doch Milner drängte ihn angstvoll zurück.
„Nein, nein, Brooke I" stammelte er.
E« waren die ersten Worte, die er vorbrachte. Der Freund erkannte feine Stimme kaum wieder, so gebrochen klang sie.
»Nein, du darfst nicht herein. Auf keinen Fall! Alle« andere, nur da« nicht I'
»So! Da« ist ja golden I' rief Brooke. „Wa« habe ich dir denn getan?'
„Geh' fort! Geb' hinunter I' winfette Milner wie ein beltelndl« Weib. »Um Gölte« Barmherzigkeit willen, geh' wieder fort!"
»Da« sollte mir einfallen I* brummte Brook«. »Nun rasse dich mal erst auf. Du bist ja ganz au« dem Häu«° chen! Komm endlich !' schrie er ihn an. »Sei keine Memme! Wa« auch geschehen sein mag, für einen Mann gibt e« keinen Grund, sich wie ein Frauenzimmer zu ge» bärden. Also lo«! Erzähle! Wa« ist dir in die Quere gekommen e Miß Warren?'
Milner schüttelte den Kepf.
»Also nicht Miß Warren? Ah — ich begreife!' Dem Afrikaforscher ging plöt,lich ein Licht auf.
,,E» ist doch nicht etwa — — da« andere Weib, dein Teufel von Zoe?'
»Natürlich! — Da« ist'«!'
Der Gedanke versetzte Brooke in wilde Wut.
' Also diese« infame Stück hat dich scho» wieder tn
den Krallen gehabt 7 Und du hattest nicht den Mut--
Fred, ich verstehe dich nicht —*
Er unterbrach sich plötzlich und sagte eindringlich: „Sei doch um G-t«t«»illen ein Mann I Du benimmst dich wirklich wie ein fünfzehnjährige« Mädchen."
»Geh', Brooke! Ich bitte dich um alle« in der Welt. Geh' und laß mich allein I*
»Nicht um» Verrecken!" entgegnete Brooke rüde, »Ich «eiche nicht von der Stille, bevor ich dich tn guter Obhut weiß. Du mußt jetzt mindesten« zwei Männer zu deinem Schutze haben."
«r lachte unbändig^ Man sah ihm ordentlich an. wie erlöst er sich fühlte, daß nicht« schlimmere« vorlag al« irgend ein Tanz mit dieser Zoe. Wa« für ein Narr der Fred doch war. Sich deshalb zu ereifern!
„Na, mein Sohn,' redete Brooke ihm zu. ,Wa« hat'« denn gegeben? Hat sie dir Angst einjagen wollen mit ihrer Rachsucht ? Sieh, Fred, du mußt bei solchen Abenteuern deinen Verstand besser zu Hilfe nehmen. Sine Frau wie die müßte einfach gehenkt werden oder ringe-sperrt, damit sie achtbare und allzu gemütvolle junge Künstler nicht au» dem Gleise bringt. Weißt du, wa« ich mit ihr gemacht hätte? Ich hätte sie unter den Arm genommen und die Trepp« hinunterspediert, aber ohne Murren Und auf der Straße hätte ich sie dem ersten besten Schutzmann übergeben. Glaub« mir! Frauen wie die sind eine P«st für die Menschheit. Sie müßten au»-gerettet werden!'
Brooke stampfte mit den Füßen, al« ob er Zoe zertreten wollte, und leistete einen weithin vernehmbaren Schwur.
Milner faßte ihn am Rock.
„Laß da»!' k«uchtr «r, „du weiß« nicht, wa« du sprichst. Si« ist tot, Brooke, sie ist tot!"
»Tot!' Eine plötzliche Ruhe kam in de« Afrikaner« Stimme. Da« hatte er nicht erwartet. »Dann . . ." sagte er, al« ob er die augenblickliche Gefühl«aufwallung feine« fönst so rauhen Herzen« ersticke» wollte. „Tot ist sie i Hm! Na ! Da« ist auch da« beste l Frauen wie die--'
.Hör' auf!' rief Milner. »Du «ollst hier nicht so von ihr sprechen! Verstehst du da» nicht?"
Brooke fuhr auf und blickte den Sprecher neu gierig an. »
»Du meinst, daß--* Er hielt inne.
„Sie hat ihre Drohung wahr gemacht!" stieß der Maler hervor, ohne auf seine Worte oder deren Folgen acht zu geben. »Sie hat sich getötet!"
»Huh! Wann ifNda« passiert?'
»Heute abend!"
»Wo?'
„Hier, hier, In meinem Atelier! hauchte Milner entgeistert.
„Großer Gott!" murmelte Brooke und wurde plötz-lich ernst. Dann entblößte er ehrfurchtsvoll fein Haupt.
Ein tiefe« Schweigen herrscht» zwischen den beiden Männern. D»r Malers hielt seine bleichen, zitternden Hände gegen die klopfend« Stirn gepreßt und stöhnte laut.
»Geh'. g«h' hinein^ und erzähle mir alle«," sagte Brooke endlich.
Seine tiefe^Stimme hatte einen heiseren Klang. Auch er war blaß geworden — eine Bläffe, unter der sich die Lohe verriet
»Ich bitte dich inständigst, geb' fort!" wiederholte Milner dringlich. „ES ist besser so, wenn du es auch nicht verstehst. Deine »»Wesenheit hier, ist nicht gut. Niemand kann mir helfen. Niemand. — Geh', geh' doch!'
»Ich will verdammt sein, wenn ich gehe/ stieß der Forscher hervor und steckte seine braunen Hände tief in die Hosentaschen. »Bin ich der Mann, davonzrlaufen, wnnn einer in der Patsche sitzt? Und du, mein lieber Junge, sitzest ganz gewaltig darin. Verflucht »och mal! Wa« kann man da tun?"
„Da ist nicht« zu machen," stöhnte der Künstler. »ES ist au« mit mir, da« ist alle«. Und je eher ich mich damit abfinde, desto besser ist t«.fc
Brooke warf dem junge» Mann einen scharfen, forschenden Blick zu: dann schüttelte er trotzig seine Löwen-mihne und bahnte sich trotz Milner« Abwehr seinen Weg in den Flur.
„Paß auf. alter Junge, wir müssen den Sache in« Gesicht sehen I" murmelte er und schob den Freund bei' feite. »E« hat keinen Zweck, sich au« Furcht zu verkriechen oder den Vogel Strauß zu spielen. ES gibt nicht« im menschlichen Leben und wird nie etwa« geben, womit ein Mann nicht fertig werde» kann, wenn er den Kopf oben hält und fest im Sattel sitzt. Ich will dir nach Kräften bcistehen. Also Mut! Lieber Gott, daS wäre wirklich nicht die erste verzweifelte Sache, mit der ich mich trotz aller Kopfschmerzen schließlich abgesunden hätte. Wahrscheinlich wird tt auch nicht die letzte sein I"
Fred Milner blickte den tapferen Menschen hilflos an. Brooke« Haltung flößte ihm unbegrenzt« Hochachtung ja fast Begeisterung ei». Er vergaß im Augenblick ganz, daß e! Brooke» Frau war, die tot im Nebenzimmer lag. Er vergaß, daß, wenn Brooke die Tür öffnete, er ihn wie eine» Hund umgebracht hätte. Er vergaß alle» — außer der starken, kraftvollen Persönlichkeit de« Manne«, der sich seinen Freund nannte.
»Wo — wo ist sie?" fragte Brooke.
„Dort, im Atelier,' antwortete Milner schaudernd.
„Gut l Wir wollen einstweilen hier in dein Zimmer gehe». Weiß noch jemand darum ?"
Der Maler schüttelte den Kopf. „Hutton ist ausgegangen.'
„Wann erwartest du ih» zurück?"
„Nicht vor Mitternacht."
»Da« ist gut," sagte Brooke und sah nach der Uhr. »Bi« dahin haben wir noch reichlich Zeit. Laß mich überlegen. Vor allem wollen wir un« nicht beunruhigen lassen. Wir müsse» nachdenken und dürfen keine Zeit verlieren."
Mit gefalteter Stirn begann er im Zimrner auf und abzugehen. Endlich machte er am Seitentisch Halt, goß sich ein Gla» Brand» ein und leerte eS auf einen Zug
»Du solltest meinem Beispiel folgen,' brummte er.
„Nicht nötig!" stöhnte Milner und kauerte sich in einen der große» Lehnstühle neben den Kamin. „Es nützt mir doch nichts !"
„9la, dann bleib' eine Weile da sitzen und rede keinen^Ton, Ich werde schon eine» AuSweg finden. Wann ist sie zu dir gekommen?"
Der Maler berichtete tn aller Kürze wahrheitsgetreu, wa» sich am Abend zugetragen hatte.
„Und null," schloß er heißer, »bleibt mir nicht» weiter übrig, al» die Polizei zu benachrichtigen. O Gott,
wie habe ich mich bemüht, diese« Schreckliche abzuwenden — und doch . . . und doch . . .'
»Still! Davon kann gar keine Rede sei»,' erwiderte Brooke rauh. »Bist wohl toll, überhaupt an die Polizei zu denken? Willst du etwa einen Skandal heraufbeschwören! Die Rolle, die du darin spielen dürftest, würde deinen Ruin bedeute» — mehr als da» "
»Ich weiß — ich weiß l" jammerte Milner. Er bedeckte sei» Gesicht mit den Händen und begann wie ei« Kind zu schluchze».
„Wenn du mit deinem Gejammer nicht endlich auf-hörst' wetterte Brooke, „dann zwingst du mich, dir ein« auszuwischen! Sei doch nicht so ein HauSnarr, Fred! Willst du denn alle« zunichte machen? ES ist mir unfaßbar, daß du ruhig milansehen willst, wie diese fcheuß-liche Geschichte vor der Oeffentlichkeit kommt und dein Name gebrandmarkt wird. Und nur. weil ein verlotterte« Weib wie diese — diese Zoe sich dir an den Hals wirft und sich au« Aerger in deinem Zimmer umbringt! Be-denkst du denn garnicht, wa« eS für einen Mann deiner Position heißt, wenn er zur Sensation für die TageS-presse wird, wenn jede« Revolverblatt sein Bild bringt und jeder Schrihvutzer Verleumdungen und Schmutz auf ihn häueen darf? Derartige Situationen sind so gräßlich, daß >«an sie gar nicht auSdenken mag. Du hast als Künstler einen Namen erlangt und einen bedeutenden Ruf, du hast eine große Zukunft vor dir und — — ja, und vergißt du denn ganz deine Eva?'
»Nicht welter, Mensch--nicht weiter!" schluchzte
der Künstler, der bei diese» Vorhaltungen Folterqualen ausstand. „Ich bin schon vorhin durch diese Hölle gegangen. Ich habe mir alles klar gemacht, habe erwogen, was e« für mich zu bedeuten hat. Wollte Gott, ich be-säße die Kraft, dem allen ei» Ende zu machen. Ich ver sichere dir, Brooke — und ich meine e» ernst damit —, ich könnte die Folgen diese« Unglücks nie überlebe» ; niemals, ich schwöre eS dir."
»Daß darfst du dir gar nicht einrede»,' erwiderte Brooke barsch. .Jedenfalls werde ich versuchen, dir solche Gedanken au«zutreiben. Für jetzt lasse sie gefälligst ruhen! Betrachte die Angelegenheit wie ei» zivilisierter Mensch! Raffe dich auf, Fred! Sei energisch! Wa« nützt e«, sich so schwächlich zu gebärden? Die Sache ist nun einmal geschehe». Da« Geschehene können wir nicht ungeschehen machen. Aber die üblen Folge» müssen wir abzuwenden suchen. Sage mir, bist du ganz sicher, daß niemand sie zu dir kommen sah?'
„Meine« Wissen« hat sie niemand gesehen,' antwortete der Maler malt.
„Kam sie mit dem Fahrstuhl heraus?"
„Nein, Hutton war au«, und — — ja, ich glaube nicht, daß irgend jemand sie gesehen hat."
„Das ist gut. Selbstverständlich sind wir dessen nicht ganz sicher; wenigstcn» j-tzt noch nicht." — Er unterbrach sich jäh und schlug derb auf sein Knie. „Donner-Wetter I Ich hab'»! Paß mal auf l Da» geht! — Wahr-haftig ! — Bei Gott, ich glaube, daß ließe sich machen. Natürlich! E» muß geschehen!"
Milner richtete sich auf und blickte mit verglasten Augen auf den Sprecher.
»W^S meinst du?"
„Wir müssen sie gleich von hier fortschaffe»."
(Fortsetzung folgt.)
die Haltung von Druckpressen und anderen Verviel-sältigungSapparaten; 2. das Gesetz, betrefseud daS Verbot der Nachtarbeit sür grauen; 3. die zweite Lesung des Gesetzes, betreffend die Aenderung von Bestimmungen über die Revision. die Berufung und den RekurS; 4 die zweite Lesung des Gesetzes, be-treffend die strafrechtliche Behandlung Zugendlicher; 5. die zweite Lesung des Gesetzes über die Fürsorgeerziehung.
Der Budgetausschuh und die italienische Rechtsfakultät.
Die Mitglieder des Deutschen Nationalver-bandeS, Dr. D'Elvert, Marckhl, Pacher und Dr Sylvester haben, weil sie mit der Errichtung der italienischen Fakultät in Wien nicht einverstanden sind, ihre Stellen im BudgetauSschusse niedergelegt, an ihrerftati wurde» die Abgeordneten Bernkopf, Dr. Geßmann, Professor Redlich und Dr. Skedl in den Ausschuß gewählt. Abgeordneter K. H Wolf behielt sein Ausschußmandat, um im Budgetausschuß gegen die Fakultätevorlage Stellung nehmen zu können.
Ausland.
Ungarn.
Nachdem bei der Stichwahl in Szarwar der Kandidat der Nationalen Arbeitsparlei, der gewesene Staatssekretär ZsilinSzky, gegenüber dem Kandidaten der Justh Partei mit 82 Stimmen Mehrheit zum Abgeordneten gewählt wurde, liegt nunmehr das endgültige Resultat in sämtlichen 413 Wahlbezirken vor. Der Mandalsbeiitzstaiid der einzelnen Parteien gestaltet sich nunmehr folgendermaßen: 257 Regier« ungsportei, 55 ztossuth-Partei, 41 Justh Partei 21 parteilose Siebenundsechziger, 13 Volkspartei, 10 parteilose Achtundvierziger, 8 Nationalitäten, 5 Bauernpartei, 2 Demokraten und 1 Christlich sozialer.
Der antigriechische Boykott.
Die Athener Telegrafenagentur hebt hervor, daß nach den einlaufenden Meldungen der antigriechiiche Boykott i» der Türkei einen höchst beunruhigenden Charakter annehme. In verschiedenen Städten sei der Boykott selbst aus türkische Kaufläden ausgedehnt worden, in denen Griechen beschäftigt sind. Die griechischen Konsuln hätte» überall energischen Pro test eingelegt, doch zeigten die Behörden keine Neigung zu intervenieren.
Ans Stak»! und sauft.
gum Gauturnfeste in Tilli. Der Gau-turnrat des südösterreichischen Tnrngaues hat anläßlich des glänzend verlaufenen GautnrnfefteS in Cilli nachstehendes Schreiben an den Bürgermeister der Stadt Cilli. Herrn Dr. Heinrich v Jaborn egg gerichtet: „Hochgeehrter Herr Bürgermeister! Der Gauturnrat des südösterreichischen Turngaues sühlt sich angenehm verpflichtet, der ehrenfesten Vertretung der Stadt Cilli und insbesondere Ihnen, hochgeehrter Herr Bürgermeister, im Namen sämtlicher Turner des südösterreichischen Turngaues für den ungemein herzlichen und freundlichen Empsang, den Sie ihnen anläßlich des Gauturnfestes in den Mauern Ihrer schönen Stadt bereiteten, den aufrichtigsten und wärmsten Dank auszu'prechen. Ihr Eintreten und der Umstand, daß sich Herr Bürgermeister und die ehren-seste Stadtvertretung von Cilli überall selbst an die Spitze stellten und als Beispiel vorangingen, trugen in erster Linie dazu bei, daß das Gauturnsest den schönen und hehren Verlauf »ahm und bei allen Fefttcilnehmern in dauernder, schönster Erinnerung bleiben wird. Dieses Vorgehen erfüllte die Turner mit wahrer Freude und versicherte sie, daß ihre Be-strebungen in der alten Südfeste Cilli verstanden und entsprechend gewürdigt werden; es lieferte ihnen den Beweis, daß unsere deutsche Turnkunst in Cilli wirklich eine Heimstätte hat und spornte sie zur Weiterarbeit an Und dasür sagen wir nochmals ausrichtigst Dank. Mit ergebenem »««deutschem Gruß und Handschlag, sür den Gauturnrat: Dr. Karl Podpeschnigg in. p., Gauvertreier; oanä. me«!. Hans Otter m. p.. Gauschristwart.
gur Gemeindewahl in der Umge-bung. DaS »indische Tagblatt ist infolge der Ent-
scheidungen der Bezirkshauptmannschaft über die Gemeindewahlberufungen tobsüchtig geworden und droht den Deutschen Cillis und den dentichfreund« lichen Bauern der Umgebung für den Fall als der wiudisch liberalen Geschästsklique die Gemeinde Um-gebung Cilli entrissen werden sollte, mit einem furcht« baren Kampfe. Die Herren sollen drohen, wieviel sie wollen. Am Wahltage sehen wir unS wieder und eS wird sich 'chon sie Zeit finden, wo man den Leuten, die jetzt die Gemeinde und die dauern in so ge-wissenloser Weise ausbeuten, den Brotkorb höher hänge» wird. Es ist begreiflich, daß Dr. Bojii und seine Leute übe«- die erregte Stimmung der gesamten Wählerschaft in der Umgebung sehr ungehalten sind. Ihr Versuch, in Lokrowiy, Loschnitz und Ostroschno Wählerversammlungen abzuhalten, ist kläglich ge» scheitert. In Loschnitz und Ostroschno wurde vor leeren Bänken gepredigt und in Lokrowitz vor einer großen Mehiheil stadtsreundlicher Bauern, welche sich von Hetzaposteln nichtS vormachen lasten. Die ganze Bevölkerung der Umgebungügemcinde lechu darnach, daß mit der gegenwärtige» Wirtschaft ausgeräumt werde »nd daß geordnete Verhältnisse Platz greisen und daS Zntereste der Steuerträger nicht mit Füßen getreten werde In den nächsten Tagen wird im Gasthofe zum Mohren eine allgemein zugängliche Wählerversammlung statlsinde», bei welcher die Gegner hinlänglich Gelegenheit haben werden, sich davon zu überzeug-», daß in der Gemeinde Umgebung Cilli ihr letztes Stüudlein geschlagen hat.
Beteranen-Bolksfest. Der Cillier Militär-veteranenverein trägt sich seit Jahren mit dem Ge-danken der Erbauung eines Versorqungsheimes sür alte, erwerbsunfähige Veteranen. Um den zur Er-reichung dieses löblichen Zwtckes notwendigen Hond zu stärken veranstaltete am Sonntag der Veteranen-verein ein großes VolkSse»« auf der Festwiese, dessen ReinerträgniS dem erwähnten Zwecke zugedacht war. Schon seit Wochen war ein l ühriger Festausschuß emsig an der Arbe t und sand seine reichlich au'ge-wendete Mühe und Arbeit durch einen glänzenden Verlaui des Festes belohnt. Eingeleitet wmde das Fest durch ein Sireichkonzert der vollständigen Kapelle t»>g 27. Infanterie-Regimentes, welches am Vorabende, Samstag im Deutschen Hause stattfand. Wir können dem Vereine dafür nur den beste» Dank sagen. Obwohl unserer musik und kunstliebende» Bevölkerung durch den hiesigen Musikverein manch auserlesener Kunstgenuß geböte.i wird, haben wir hier doch selten Gelegenheit eine so ausgezeichnet geschulte, vollbe-setzte Kapelle zu hören. Die Vortragsordnung war eine vornehm gewählte. Es war eine wahre Blüten-lese auS den Werken der besten Meister, was uns Herr Kapellmeister Christof an diesem Abende bot, und der rauschende, nicht enden wollende Beifalls» stürm, der jedem einzelnen Vortrage folgte, war ein wohlverdienter. Der Besuch des Konzertes war sehr gut. Es hieße Eule» nach Athen tragen, wenn wir die Leistungen der rühmlichst bekannten, trefflichen Militärkapelle und der strammen Leitung besonders hervorheben wollte». Wir wollen nur besonders lobend die Vortrüge der Tonschöpfungen Wagners, Griegs, LisztS. Bachs und Gounods und der uuge« mein zarten Wiedergabe deS reizenden vom Kapellmeister Herrn Christos vertonten Menuettes he vorheben. Mit einem Worte es war ein genußreicher Abend und wir wünschen uns nur bald wieder einen solchen. Sonntag vormittag sandeu sich die Mitglie-der des Vereines mit den aus verschiedenen Orten eingetrossenen Kameraden und vielen Freunden im Hotel Mohr zusammen, wo die Militärkapelle gleich-falls konzertierte. Auch hier erntete die Kapelle reichen Beifall. Um halb 4 Uhr nachmittag fand dann das Volksfest auf der Festwiese statt. Trotz der Ungunst des Wetters — es regnete in der Nacht vorher in Strömen und auch vormittag machte der Wettergott das grämlichste Gesicht — war der Festplatz sofort nach Beginn des Festes mit einer Unzahl von Festbesuchern gefüllt. Nahezu an 3000 Personen hatten sich an diesem Nachmittage am geftplatze eingesunden und sehr rasch entwickelte nch ei» recht fröhliches buntes gesttreiben. Die Ge-schichte unserer Stadt ist reich an glänzenden Festen und die festlichen Veranstaltungen Cillis erfreuen sich weit uud breit de» beste» Ruses; das Fest aber vom Sonntage kann sich allen vorhergegangenen würdig zur Seite stellen. Schon der bloße Anblick des gänzlich abgeschlossenen Fcstplatzes bot mit seiner stilvollen Anordnung der Buden, seinen geschmack-
vollen Dekorationen einen prachtvollen Anblick und es gehörte gar nicht viel Phantasie dazu, sich mitten in den wirklichen echten Wienerprater versetzt zu fühlen. Der rührige Ausschuß hat aus alleS gedacht und, was daS Herz deS verwöhntesten Volksfest-freundes sich nur wünschen kann, wurde hier geboten. Gleich beim Eingange hatte sich dir Regimentskapelle niedergelassen und wir hatte» reichlich Gelegenheit die außerordentlichen Leistungen dieser Kapelle mit türkischer Besetzung zu bewundern und zu genießen. Eß> und Trinkbuden, Zuckerbäcker- und Lebzelter» zelte, die alle recht gut besucht wurden, sorgten sür daS leibliche Wohl in ausreichendster Weise. Selbst die k. k. Tabakregie hatte hier ihr Zelt aufgeschlagen. Recht flott ging es beim „Höchsten Heurigen" zu, wo nicht nur dem kräftigen Landweine, sondern auch dem perlenden Schaumweine wacker zugesprochen wurde. In einer lauschen Ecke hatte sich ein „Schrammelquartett" niedergelassen, welches mit ihren flotten Wienerweisen die urgemütlichste Wiener HeurigeN'Slimmung erregte. Hart daneben ließ „da? l. und 3. Kaffeehaus" den frohen Zecher nicht vorüber gehen, kredenzten dort doch liebenswürdige Frauen den duftenden Trank der Levante. Fröhliche ungezwungene Heiterkeit lachte uns aus dem Teile deS FestplatzeS entgegen, wo sich der eigentliche „Praier" in staunenswerter Vielseitigkeit entsaltete. Groß und klein. Männlein und Weiblein, alleS was noch ein empsängliches Herz für harmlosen heiteren Scherz hat, kam hier auf seine Rechnung. Gab eS doch nebst anderen eine Elücksfischerei, eine Rutsch-bahn, einen Schießstand, eine Luftkegelbahn, Kasperl-theater, ein Schaukelreiten, Sacklausen, Preivtorten-effen u. dgl. m Auch die tanzlustige Welt, die sehr stark vertreten war, kam nicht zu kurz und am Tanzboden drehte» sich die Paare bei den recht gut zum Vortrage gebrachten Weisen der Cillier Eisen-dahnerkapelle bis zum Schluße fortwährend im flotten Wirbel. Auch diesmal hatten sich deutsche grauen und Mädchen in den Dienst der guten Sache gestellt und den Verlaus von Blumen und des leider un-vcrmeidlich gewordenen Konfettis übernommen; ihnen dankt der Verein eine» beträchtlichen Teil feiner Ein-nahmen. Unter diefen Umständen war eS kein Wunder, daß selbst die drohendsten Wolken, die wiederholt schon ihren naßen Gruß herunterjendeten, die Festbesucher nicht zu vertreiben vermochten und der frohe Festtrubel bis zu den frühen Morgen-stunden währte. Wie wir hören, wird wegen des UmstandeS, daß die Ungunst des W/tterS den er-warteten vollen finanziellen Ersolg des Festes nicht erbrachte, das Fest am nächsten Sonntag den 3. Juli im gleichen Rahmen wiederholt. Auch die Kapelle des 27. Infanterie-Regimentes ist für diesen Tag wieder verpflichtet. Wir begrüßen dieS bestens und schließen diesen Bericht mit dem Rufe: Auf Wiedersehen am Sonntag bei den Veteranen auk der Festwiese.
Evangelische Gemeinde. Morgen findet um 10 Uhr vormittags ^pünktlich) die seierliche Ein-segnung von süns Konfirmanden der Gemeinde statt. Aus diesem Anlaß wird Frau Pinler und die Herren Musiklehrer CourtoiS, Musiklehrer Eckl. Oberleut-»ant Hofmann, Sparkassebuchhalter Pinter, Musiklehrer Stryeck und Bankbeamter Swozilek den vom Organisten Ed. Jnterberger als Septett arrangierten KonfirmationSchoral „Lo nimm den» meine Hände" zum Vortrag bringen. Nach der Einsegnung findet die Feier des heil. Abendmahles statt. Zu diesem FestgotteSdienst hat jedermann freien Eintritt.
Konzert zugunsten des Deutschen Hauses. Samstag den 2. Juli 1910 findet im Speisesaale des Deutschen Hauses ein Konzert der Cillier Musikvereinskapelle zugunsten des Deutschen Hauses statt. Wir bezweifeln nicht, daß angesichts des edlen Zweckes der Saal bis auf das letzte Plätzchen gefüllt sein wird.
Ernennung im administrativen Dienste der Postdirektion. Der Postamtspraktikant und absolvierte Rechtslehrer Max Paulic wurde zum Postkonzeptspraktikanteu ernannt.
Todesfall. Am Montag starb hier der Schneidermeister Herr Josef. Jamscheg nach kurzem Leiden im 63. Lebensjahre.
Bezirksfeuerwehrtag. Sonntag, den 3. Juli findet in Tüffer der Bezirkstag Z des Feuerwehrbezirkes Cilli statt. Vormittag fiudet der Empfang der auswärtigen Wehren und die Be-grüßung derselben durch die Gemeindevertretung statt. Nachmittag um 2 Uhr wird eine Schul- und Schau-Übung abgehalten. Um 3 Uhr nachmittag findet im Gemeinderatssaale die Sitzung der Delegierten statt. Von 3 Ubr an konzertiert im Gastgarten des Hotel Henke die vollständige Cillier Musikvereinskapelle.
Stajerc-Iubilöum. Am 1. Juli l. I. werden es zehn Jahre, seit das bekannte für den nationalen Frieden und gegen die perwakische Hetze so erfolgreich verbreitete Wochenblatt „slajerc" er-scheint. Zuerst ein bescheidene», alle l4 Tage er-scheinendes Blättchen. ist es unter der Redaktion des Schriftleiters K. Linhart zu einem großen, aus mindesten? 8 Seiten erscheinenden Wochenblatt geworden, welches in letzter Zeit auch Illustrationen bringt. — DaS Blatt hat unter der slowenisch geschriebenen Presse SteiermarkS und Kirnten» die größte Auf-läge (rund 15000). — Außerdem gibt eS jährlich (feit 3 Jahre») einen großen .Stajerc-Baucrn-Ka-lender" heraus. UebrigenS ist es bekanntlich das Organ einer bedeute'den politischen Parier. — Zu dieser zehnjährigen Feier erscheint das Blatt in einer fechzehnseitigeu zweifarbigen und auf feinerem Papier hergestellten Nummer, die bei 10 Bilder bringen und in doppelter Auflage erscheinen wird. — Kommenden Freitag (1. Juli) verläßt diese Festnummer die Druckerei Der Preis der Nummer ist wie immer 6 Heller. Hoffentlich werden die Deutschen diese Angelegenheit benutzen, um das erfolgreiche Werk durch Massenbestellung der Festnummer zu unterstützen. Auch fordert der „Stajerc" alle für die Gedanken des völkischen Friedens uud der wirt-schaftlichen Arbeit eingenommenen Leute auf, die Tage vom 1. bis 4. Juli zur Gewinnung neuer Abonnenten deS Stajerc zu gebrauchen Bekanntlich erscheint daS Blatt jede Woche auf min-destenS 8 bis 12 Seiten mit wenigstens 3 bis 5 Bildern und kostet jährlich nur 3 Kronen. Möze also jeder ein Scherflein beitragen l Es gilt die uns allen gemeinsame Sache.
Hl Das Benefiz-Konzert der Cillier Musik-Vereinskapelle zu Gunsten der Mitglieder der Kapelle findet am 10. Juli im Deutschen Hause statt.
Falsche Guldenstücke. In Untersteier-mark kommen fasche Guldenstücke der Prägung 1858 vor. ES wurde auch schon versucht, solche bei staatlichen Aemtern nnterzubriugen, jedoch ohne Er-folg. Die Bevölkerung hingegen wird mit solchen Fälschungen leicht betrogen, da sie sich von den echten Stücken nur durch den matten, ins Bläuliche gehenden Glanz und fettiges Anfühlen unterscheiden. Die Prägung des Kaiserkopfes, des Adlers auf der Rückseite und der diese umgebenden Schriftlichen ist voll gelungen. Das „BiribuS unitiS" ist nicht vorhanden, dafür sind an dieser Stelle kleine Ein-kerbungen.
gigeunerkonzert. Heute Dienstag und morgen Mittwoch abends finden im Hotel Mohr Konzerte der tüchtigen Zigeunerkapelle Sarkozy statt. Die Kapelle befindet sich aus einer Konzert-Reise durch Europa.
Brand in einer Lederfabrik. In der Knvppernmühle der Lederfabrik des Herrn Paul Hirsch in Pettau brach am 27. ds. um halb 10 Uhr vormittag Feuer aus. Es wurde rechtzeitig ent-deckt und konnte von den Arbeitern unterdrückt werden. Die rasch herbeigeeilt? Feuerwehr brauchte nicht in Tätigkeit zu treten.
In die Drau gesprungen. Aus Mar-bürg wird berichtet: Am 24. d. um einviertel 9 Uhr abends sprang vom Draustege eine junge Frauen»-person in die Drau und ertrank. Wie einige Fuß-gänger bestätigen, war die LebenSüberdrLssige mit vlarttm Kleide und einem Kopftuche bekleidet, ohne Schuhe und dürfte somit dem Arbeiterstand« ange-hören. Der Leichnam konnte noch nicht geborgen werden.
Auf unaufgeklärte Weise den Tod gefunden. Am 22. d. um ungefähr 5 Uhr früh wurde der 44 Jahre alte AuszüglerSiohn Franz Heric in Terlitschno, Gemeinde St. Rochus bei Rohitsch auf der Wiese des Michael Prah von diesem, als er aus die Wiese kam, um zu mähen, tot aufgefunden. Prah verständigte hievon sosort den Vater Franz Herik sen. und dessen Bruder Mattin Herii. welche die Leiche besichtigten und gar keine Verletzung fanden. Die Leiche wurde in die Wohnung deS Michael Prah überführt und dort ausgebohrt. Franz Herii war durch längere Zeit kränklich und als Hirte bei Michael PraS beschäftigt. Am 21. Juni nachmittag weidete der Verblichene noch das Vieh auf der Hutweide deS Prah und bekam auch zur Jause einen Wein, von dem er jedoch nur einen Teil austrank. Gegen abend verschwand er spurlos und ließ das Vieh aus der Weide, von wo eS von den Taglöhnern des Prah nach Hause ge-trieben werden mußte. Ran vermutet, daß Franz Heriö. welcher geisteSbeschränkt war, zum Platze, wo er gefunden wurde, gekommen, sich dort auf den Rücken gelegt, ruhig eingeschlafen nnd den Tod ge-funden habe, weil er in solcher Lage, ohne eine Ge-
walttat zu bemerken, gesunden wurde. Da jedoch ein fremdes Verschulden nicht vollkommen auSgeschlosseu ist, wird die Todesursache die Gerichtskommission zu konstatieren haben
Bon den Puffern getötet. Aus Mar-bürg wird geschrieben: Sonnabend mittag wurde der Werkstättenarbeiter Pnlko am Kärntnerbahnhof (Werkstätte), als er das Geleise überqueren wollte, von einem heranrollenden Wagen zwischen Pfosten und Puffer derart eingeklemmt, daß ihm der rechte Arm gequetscht und der Brustkorb eingedrückt wurve. Der Bedauernswerte blieb aus der Stelle tot.
Tötender Blitzschlag. Während des snrcht-baren Gewitters am Donnerstag, das in der Um-gebung von Pettau niederging, schlug der Blitz in daS Haus des Bauers B l a s i n e c in AltmannSdors am Drauseld in dem Augenblicke ein, als der Bauer mit seiner Frau und seinem 27jährigen Sohne unter dem Heuftadl Schutz gesucht hatte. Der Blitz tötete den Sohn, während die Eltern bewußtlos zusammen-stürzten. Das Haus wurde gänzlich eingeäschett.
Keine Poliomyelitis - Epidemie tn Steiermark. Um manigfach verbreiteten gründ-losen Gerüchten über eine herrschende Kinderlähmung»-epidentie in Steiermark entgegenzutreten, hat sich der Landesverband für Fremdenverkehr in Steiermark an den Landes-Sanitätsrat im Wege der steier-märkischen Statthaltern gewendet. Wie in dem nun-mehr vorliegenden Berichte deS LandeS-SanitätsrateS festgestellt wird, haben sich in Steiermark so wie in ganz Europa nur vereinzelte Fälle dieser Krank-heit ereignet, die auch amtlich in der Wochenschrift „Das österreichische SanilätSwesen" ausgewiesen wurden. Es kann also von einer KinderlähmungS-«pidemie in Steiermark keinesfalls die Rede sein und kann wahrheitsgetreu festgestellt werden, daß für Sommerfrischler und Touristen, die Steiesmark als ihr heuriges Sommerziel ausgewählt haben, nicht die geringste Gefahr besteht.
Fahrtbegünstigung für durch gemein» nützige Arbeitsvermittlungs - Anstalten vermittelte Personen (Arbeiter) auf K. k. Staatsbahnen. 1. Arbeiter, denen durch eine von der Bahn anerkannte, gemeinnützige ArbeiiS-vermittlungSanstalt eine auswärtige Arbeitsstelle ver-mittelt worden ist. werden bei Fahrten auf Ent-sernungen über 50 Kilometer in der 3. Klaffe der Personen- und gemischten Züge zum halben tarif-mäßigen Fahrpreise befördert. 2. Die Fahrkatten zum Halden Preise werden von den Fahrkarten-ausgabestellen gegen Vorlage eineS von der Arbeit»-vermittlungSanstalt nach dem vorgeschriebenen Muster auSgesertigten Ausweises verabfolgt, in d?m die Per-son de» Arbeitsuchenden, die zu besahrende Strecke und der Reisetag angegeben und bescheinigt sein muß, daß dem Inhaber eine Arbeitsstelle vermittelt worden ist. 3. Der Ausweis wird von der Fahrkartenausgabe-stelle bei der Verabsolgung der Fahrkarte abgestempelt. Er ist bei der Fahrkartenprüsung vorzuzeigen und bei der Beendigung der Fahrt mit der Fahrkarte abzugeben. 4. Die Eisenbahn kann bei Gewährung der Fahrpreisermäßigungen für bestimmte Zeiten, unbesetzte Haltestellen oder bestimmte Züge aus-schließen. Der ReichSverbaud der allgemeinen Arbeitsvermittlungsanstalten in Oesterreich macht hievon mit der Bemerkung Mitteilung, daß die näheren Be-stimmunge» über diese Fahrpreisermäßigungen sich in dem 1. Helt 1910 de» Organes dieses Verbandes, der Zeitschrift „ArbeitS-Nachweis" finden und daß die zur ermäßigten Fahrt berechtigenden Ausweise von der Steiermärkischen Arbeits-Vermitt-lungSanstalt, Graz, Hosgasse 14 täglich von 8 bis 4 Uhr ausgegeben werde».
gwei Millionen Mitglieder könnte der Deutsche Schulverein in Oesterreich haben, w-nn alle Gemeinden dem Beispiele des Dorses Auherzen Bezirkshauptmannschaft Mies, folgen würden. Dort sind von 422 Deutschen nicht weniger als 105 Mitglieder des Deutscheit SchulvereineS, also ein volles Viertel der Bevölkerung. Wenn wirklich einmal dieses Ziel erreicht würde, wenn einmal alle Volksgenossen an dem großen Werke teilnehmen, dann brauchte ^niemand um die Zukunft unseres Volkes bang zu sein. Dann wären nicht nur die Schutzvereine in der Lage, alle völkische Not zu beseitigen, dann wäre unser Volk auch national so erzogen, daß es jeden Eingriff mit Leichtigkeit zu-rückweisen könnte. Einstweilen ist der Deutsche Schulverein mit 160 bis 170.000 Mitgliedern noch nicht ganz auf einem Zehntel des Wege» angelangt. Die Gemeinde Auherzen solle alle Deutschen daran erinnern, was ihre Pflicht ist, und sie anfeuern, den Deutschen Schulverein ein Stück WegeS weiterzubringen. Schon wirkt das wackere Beispiel in der nächsten Umgebung. In
dem benachbarten Przeheischen wurde kürzlich eine Ortsgruppe gegründet, die sofort bei der Gründung ll5 Mitglieder zählte. Die Begeisterung die bei der Gründung herrschte, löste eine herzlich« Ver-brüberung der Bauern und Bergarbeiter au», die die Gewähr bietet, daß auch diese Ottsgruppe, deren Mitgliederanzahlauchschon 12% der Bevölkerung ausmacht, auf die Höhe der Auherzener Ottsgruppe kommen wird.
Die klerikale Südmarkhetze beginnt neuerdings auch in Steiermark und nimmt hier die Formen bedrohlicher Gewalttätigkeit an. Wie Hagen-hoser seinerzeit mit seinen Bauern zur Eroberung der Universitäten auszog, um dort die klerikale Denkart einzubleuen, so wüten auch Kapläne und Bürgermeister, wenn die Südmark in einem Orte zur Werbung erscheint. Am Herz Jesu Sonntag johlten sie wieder in Wieselsdorf bei Preding wo Wanderlehrer Hoyer eine Werbeverfammluog ab-hielt. Unter der Fühtttng des Bürgermeisters von Preding erschienen rauflustige Bauernburschen und tranken sich Mut an. Dann wurde das „schwarze Aufgebot der handfesten Banern" lebendig und der Bürgermeister hielt unter Beihilfe eines hemdäc-meligen und derbknochigen Gemeinderates sülzende Ansprache in schwarzechter HengSberger Mundart: „do wird nix aghaltn. Hobt» a Dalabni» von das Bezirkshauptmannschaft, oft zeigtS es: wonn nöt, dann sann m>r die Herren." Aus die Erwiederung, daß es eine § 2 Versammlung sei, wurde er etwas verblüfft, der Ausdruck klang ihn wohl spanisch. Die Versammlung wurde trotz deS Kriegsgeheuls der srommen Kreuzzügler rasch abgewickelt. Mehrmals versuchten sie, die Türflügel zum Nebenraume au« de». Angeln zu heben, der anwesende Gendarm konnte eS nicht verhindern. Die Ausgeregten be gleiteten dann die Versammlungsteilnehmer unter Jndianergeheul und unter Aufführung von allerlei BeschwötttngStänzen zum Bahnhos. In dieser Ge-gend scheint die DnmmheitSepidemie ungehindert jortzuwuchern. Klerikale Führer faseln ron einer Gemeinbürgschaft aus dem Gebiete der Schutzarbeit, natürlich unter klerikaler Leitung und insgeheim werden die Bauenirotteu aufgewiegelt, mit Gläsern Sturm aus die verhaßte Südmark zu laufen. Wenn die klerikalen «ampshähne da» zur Bekämpsung der Südmark bestimmte Geld doch zur Unterstützung armer Volksgenossen verwenden würden.
Eisenbahn Rohitsch—Rann—Rudolfs-wert. Am 19. d. sand im Rittersaale des Schlosses Rann an der Save die dritte Hauptver-sammluug de» Eisenbahnausschusses Rohitsch—Rann —Rudolsswett statt. In Vertretung des Obmannes Feldmarschall-Leutnants i. R. Ernst Soldan, den Krankheit am Erscheinen verhinderte, fühtte Bürger-meister August FaleSchini den Vorsitz. Er drückte seine Freude darüber aus, daß der zahlreiche Be-such der Versammlung, insbesondere die große A«< zahl auswärtiger Verlrcter das lebhafte Interesse an dem Zustandekommen des Eisenbahnprojektes be« kuude. Namens des geschästSsührenden Ausschusses erstattete Dr. HanS Janesch den Tätigkeitsbericht für die Zeit feit der letzten Hauptversammlung am 8. September vorigen Jahres. Der geschäft»< führende Ausschuß bat in AuSsührung der bei dieser Versammlung gefaßten Beschlüsse zur Er-Werbung eines generellen Projektes Anbote verfchie-dener technischer Firmen eingeholt und nach ein-gehender Prüfung dem billigste» Offerenten Herrn Theodor Schenkel, behördlich autorisierten Zivil-ingenieur in Graz. die Ausarbeitung des generellen Projektes übertragen. Im Dezember 1999 wurde sodann die ganze Strecke vom geschäftssührenden Ausschusse unter der Führung des Feldmarschall-Leutnants Soldau und unter Beiziehung der Inge-nieure Theodor Schenkel und Alexander von Appel-tauer befahren, wobei man die Wünsche der In-teressenten, insbesondere der Gemeinden wegen An-läge der Stationen, entgegennahm. In der kurzen Zeit von nur fünf Monaten wurde das generelle Projekt fertiggestellt und abgeliefert. Herrn Ingenieur Schenkel gebührt neben der tadellosen Aus-führung noch ein besonderer Dank dasür, daß er das generelle Projekt weit über den Rahmen eine» solchen ausgearbeitet hat. Nach dem TätigkeitSbc-richte erläuterte Ingenieur Schenkel in mehr als einstündiger Rede sehr übersichtlich daS Projekt und den Kostenvoranschlag und betonte insbesondere, daß das Projekt allen Ansorderungen einer Hauptbahn entspreche, da sowohl Krümmungshalbmesser unter 400 Meter al» auch Steigungen über 10 auf 1000 vermieden worden sind und sämtliche Kunstbauten, von denen er besonder» die 400 Meter lange Brücke über Save und Gurk bei Rann hervorhob, und Stationsanlagen den Verkehr von 24 fünzigachsigen
Zügen m jeder Richtung, wie sie die KriegSver« Wallung fordert, ermöglichen. Zum Kvstenvoran-schlag in der Höhe von 24 Millionen Kronen sür die ganze 96 Kilometer lange Strecke erwähnte er, daß alle einzelnen Posten so hoch eingesetzt wurden daß eine Kostenüberschreitung ganz ausgeschlossen ist. zumal man noch eine Reserve von fast einer Million Kronen vorgesehen hat. Im Kvstenvoran« schlage sind 1,600.000 Kronen für Jnlerkalarzim'en und über zwei Millionen für den Fahrpark inbe-zrisien. Langandauernder Beifall folgte den Aus-führunzen. Das aufliegende Projekt wurde in allen seinen Teilen eingehend besichtigt und eS ergab sich, daß alle Wünsche der Interessenten zum Ausdrucke gebracht sind. Die Versammlung beaustrage daher den geschäjtSführenden Ausschuß, d. h. die Borkon-zessionäre, unverzüglich das Projekt beim Eisen«, bahnminifterium einzureichen, und dieses um die baldigste Durchführung der Trafseurevision und Stationskommisnon zu ersuchen. Nach Bekannt-
?;abe der Kosten deS DetailprojekteS uud dem Er-uchen, die versammelten Interessenten wollen schon jetzt daraus hinwirken, daß zu diesen Rosten Sub-ventionen des Staates und der beteiligten Krön-länder erwirkt werden sollen, schloß der Vorntzende nach dreistündiger Dauer die Versammlung mit dem Wunsche. eS möge dieses letzte Glied einer zweiten Verbindung Wiens mit der Adria baldigst verwirk-licht werden.
Wie soll man zur Rapssaat düngen? Nach den Versuche» vin P>osessor Dr. Paul Wagner in Larmstadt braucht die Rapspflanze infolge kurzer Vegelationsdauer, schneller Entwicklung, sehr viel Stickstoff und wasserlösliche Phosphoriäure. Dieier hervorragende Forscher fand, daß 15 Prozent -lick-stoff nötig sind, um rund 180 Kilogramm Raps-kirner zu produzieren. Der leichtlösliche Stickstoff, ebenso die wasserlösliche Phosphorsäure müsse» den Pflanzen zur richtigen Zeit zur Verfügung stehen, denn die Zeitdauer sür Aufnahme dieser Nährstoffe ist eine verhältnismäßig kurze und eS kommt bei allen Rapsarten sehr daraus an, daß ichon die erste Entwicklung eine ungestörte und kräftige, den feindlichen Angriffen einen genügenden Widerstand entgegen-setzende sei ES empfiehlt sich dem Winlerraps 5iJ bis 60 ki! lösliche Phosphoriäure in ^orm von Euperphosphar per b.t und überdies 30 ins 40 kg Stickstoff per ha, zur Hälfte in Form von Salpeter und zur Hälfte in Form von fchwefelfaurem Ammoniak zu geben. Eine Beidüngung von 4t) bis 60 kg Kali per Hektar ist besonders aus kaliarmen Böden iehr zu empfehlen. Die meisten Fabriken liefern einen Miichdünger für RapS, welcher gewöhnlich 10 Prozent wasser lösliche Phosphorsäure, 3 Prozeni Ammoniak-stickstosf und 10 Prozent schwe'elsaures Kali enthält, von welchem Düngemittel per Im 4 bis 50 j kg ein
{geackert oder eingeeggt werden müssen. Der Stick-toff im e> wähnten Mischdünger wird auch von den Fabriken auf Bestellung zur Hälfte als Ammoniak-und zur Hälfte als Salpeterstickstoff geliese-t. Eine tkopsdüngung mit Salpeter kann je nach Stand der Pfla»»e auch »och im Frühjahr erfolgen. Wenn das NührstofferforderniS der Rapspflanze »icht zur rechten Zeit und ausgiebig befriedigt wird, fo pflegt ein guier Erfolg auszubleiben.
Sachsenfeld. (Ertrunken). Der sieben-jährige Karl Jordan iu Gutendorf ging mit einer Sense aus die Wiese. Beim Ueberschreitc» eines Steges blieb er mit der Sense an einem Baumast hängen, verlor das Gleichgewicht und fiel ins Wasser. Der arme Knabe, der ein sehr talentierter Schüler war. ertrank.
Pettau. (MSd chenheim.) Am 30 Juni findet um 5 Uhr abends im Deutschen Mädchen-Heime die Schlußseier statt, wozu alle ehemaligen Heimchen, Freunde und Wohltäter der Anstalt höflichst eingeladen sind. Die HandarbeitS-, Näh-und Flickausstellung ist am 29. und 30. Juni von 10—12 Uhr vormittag und 2—5 Uhr nachmittag zur Besichtigung geöffnet. Besondere Einladungen werden nicht vorschickt.
Pettau. (Da findet der Pervak die Deutschen.) In einem, deutfchnationalen (nach pervakiichcr Lesart, al?o preußeuheuchleriichen) kärntnerischen Blatte finden wir zu unserem Erstaune» eine Weinverkaufsankündigung deS verbissenen Per vakeil D. Tombah auS S. Beil. Wenn er etwas »erkaufen will, da wendet er sich an die von ihm sonst so gehaßte deutsche Bevölkerung, der er über-Haupt seine ganzen Erzeugnisse vorkaust und mit der er ausschließlich in Geschäftsverbindung steht, weil seine eigenen Gestnnungs cnossen ihm nichts abkaufen können So wunderlich ist das Spiel der Verhältnisse. nicht wahr, Gospod Tombah! Die Deutschen ermöglichen eS Ihnen, Ihre drutschseind
liche Existenz zu fuhren: man sieht auch daran», daß die nationale Gulmiiligkeit immer bei unS Deutschen, die Hetze aber immer bei den Pervaken zu finden ist!
Lichtenwald. Morgen, Sonntag, findet um halb 5 Uhr im Saale des Gasthauses Kovac ein öffentlicher evangelischer Gottesdienst statt, an wel-chen sich eine Proiestversammlung gegen die in der päpstlichen Enzyklika enthaltenen Beschimpsnngen der evangelischen Kirche anschließt.
Hrastnigg. ( Zonnwendseier.) Die deutsche» Vereine Hrastniggs veranstalte» heute im Gasthause des Herrn Loger eine Sonnwendfeier, bei welcher Reichsratsabgeordneter Herr R. M a r ck h l die Sonnwendrede hält.
Windischgraz. (L i e d e r t a f e l) Die „Win-difchgrazer Liedertafel" veranstaltete am 19. ^uni im Gasthose «Post" bei iehr gutem Besuche ihre diesjährige FrühlingSliedertafel. Sowohl die Chor-aufführungen der „Windilchgrazrr Liederla el" als auch die Musikvorträge des Salonorchesters des „Windijchgrazer Musitklubs". beides unter der vor-züglichen Leitung deS Lehrer« Herrn Max Dobai ernteten stürmischen Beisoll. Den Glanzpunkt der Veranstaltung bildeten die Einzelvorträge des Xon> zertsängers Herrn Alois Sonne aus Marburg, der mit seiner fchönen Baritonstimme die Zuhörerschaft fesselte. Die Klavierbegleiiung hatte Herr Joses Klinger in liebenswürdiger Weise übernommen. Nichi unerwähnt sei der .vünszesang der Herren Lchuller. Dobai, jur. Honiig. Zollneritsch und Debelak, di mit ihre» Kärntner- und Steirerliedern allgemein gefielen. Mit Slo>, kann der Verein aus die in allen Teilen gelungenen Liedertafel zurückblicken.
Windisch-Graz. (Verdiente Absuhr eines DeutscheufresserS.) Vor kurzem sand im Gasthaus Bernhard in Sechen bei Wininschgraz eine BauernhochzeitSseicr statt, bei welcher sich, wie es bei derartigen Anlässen eben Sitte ist. viele Gäste einsandcn, um mit dem jungvermählten Paar einige fröhliche Stunden zu verbringen. Unter den vorwiegend aus Slowenen bestehenden Gästen be-fanden sich auch einige Deutsche aus der Stadt Windischgraz. die sich mit der Hochzeitsgesellschaft im besten Einvernehmen unterhielten. Kein Mißton trübte die Freude, die Stunden verflogen in unge-störtet Heiterkeit als gegen die Mtternachtstnnde der als verbissener Slvivene und Deutschenfresser sattsam bekannte, dem Windischgrazer Steuerreserate zugeteilte k. k. Osfizial Bla'zon in angeheiterter Stimmung, wie es bei ihm ja nicht selten vor-kommt, in die Hochzeitsgesellschaft hineinplatzte. Diesem schien daS gute Einvernehmen, das zwischen den deutschen und slowenischen Gästen herrschte, durchaus nicht zn passen, denn er trat sofort an einen slowenischen Bauer mit dem Menschenfreund-liche» Ansinnen heran, derselbe möge einen der an-wesenden Deutschen, der ihm scheinbar nicht zu Ge-sichte stand, verprügeln nnd aus dem Gasthause hinauswerfen. Seine Aufforderung erreichte jedoch bei der HochzeitSgefellschaft. wie er eS zu feinem Leidwesen ersahren mußte, gerade die entgegenge-setzte Wirkung. Ohne Rücksicht aus den Stand des sür die Reinerhaltung des slowenischen Charak-terS der HochzeitSseier besorgten Herrn wurden ihm unter dem Bei'all der ganzen Hochzeitsgesellschaft ein paar kräftige Ohrfeigen verabsolgt nnd ehe er noch den ganzen Vorgang so recht ersassen konnte, besand er sich wieder aus der Straße, wo es ihm klar geworden sein wag. daß er besser daran getan hätte, wenn er seinen Deutschenhaß etwas weniger gezeigt haben würde. Vielleicht sühlen sich doch einmal die kompetenten Behörden bewogen, ans die „Tätigkeit" dieses Herrn ein Augenmerk zu richten.
Windischgraz. (Sem eindew ahl.) Bei der am 23. Juni vorgenommenen Wabl erhielten im 3. Wahlkörper die Herren August Günther 148, Jng. ylinrich Pototschnig 148. Michael Prusch 146, Ädaldeit Steinhauer 147. als Ausschüsse und die Herren Johann Trettler l50, Johann Schuster 144 Stimmen alS Ersatzmänner; im 2. Wahlkörper die Herren HanS Krämer, Franz Pototschnig. Johann Pungarscheg, HanS SchuUer mit je 20 Stimme» als Ausschüsse und die Herren Johann Debelak. Franz Siwetz mit je 26 Stimmen als Ersatzmänner; im 1. Wahlkörper die Herren Dr. Max Kielewetter, Mr. Karl Rebul, Ollvkar Reiiter, Emil Straczowski mit je 6 Stimmen als Ausichüsse und die Herren Karl Bastiantichitz, Franz Lobe jun mit je 6 Stimmen als Ersatzmänner. Im 3. Wahlkörper wurden 151. im 2. 27 und im 1. Wahlkörper 6 Stimmen abgegeben. Im ganze» beteiligten sich von 269 Wahlberechtigten 184 an der Wahl. DaS ein» mutige Vorgehen der deutschen Wahler von Windisch-graz ist nur zu begrüßen.
Windisch-Feistritz. (Nachahmenswert.)
Die Tischrunde „Kornblume" in ZorziniS Gasthaus ist auf Anregung des Buchhalters Watzek dem Deutschen Schnlvereine mit einem Beitrag von 50 K. als Gründer beigetreten. Heil!
Windisch-Feistritz. (Versammlung.) Die hiesige Südmarkortsgruppe veranstaltet am 18. Juli abends eine Versammlung, in welcher ein her-vorragender Fachmann aus dem Gebiete des Ge-Werbestandes über die Organisation der Gewerbe-treibenden sprechen wird. Außerdem wird Wander-lehrer Hoyer über die Ziele und Zwecke der Südmark sprechen. Alles Nähere durch die An-schlagzeiiel.
Windisch-Feistritz. (Ertrunken.) Der in Graz wohnhaste, nach Windisch-Feistritz zuständige Reisende F. P i t s ch l. ist in Linz beim Baden in der Donau ertrunken. Der Unglückliche war 56 Jahre alt »nd ein Bruder deS verstorbenen Ganwirtcs
Joses P'tschl.
Windisch-Feistritz. (Volksfest). Der Verschönerungs- und FremdenverkehrSverein Win-dischseistritz veranstaltet am 3. Juli, bei ungünstiger Witterung am 10. Juli, im Äatzschen Gasthaus-garten ein großes Volkssest verbunden mit den ver-ichiedenften Belustigungen und Ueberraschunge». Die Vorbereitungen sind im besten Gange und verspricht daS Fest wie alle bisherigen Veranstaltungen des junge», rührigen Vereines, einen guten Verlaus zu nehmen. Der Beginn ist mit 3 Uhr festgesetzt. Die Musik besorgt die beliebte Sankl Mareine? Kapelle unter der persönlichen Leitung des Kapellmeisters Wergles.
Kerichtslaal.
Cilli, 24. Juni 1910.
gwei berüchtigte Raufbolde. Im
Gasthause des Martin Pirc in Vertetsche bei Tüffer befanden sich am 29. Mai l. I. mehrere Gäste darunter auch der berühmte Raufer Anton Viso-visek. Wiederholt kamen mehrere Burschen, unter welchen sich der gleichfalls berüchtigte Rausbold Mathias Voriua befand, aus dem nächsten Gast-Hause Kokoiec in das des Martin Pirc, um zu pro-vozieren; es kam jedoch zn keinem ernstlichen Zu-sammenstoße. Als schließlich Martin Culk und Mathias Vorina sich abermals vor dem Gasthause des Pirc zeigten und sich heraussordernd benahmen, traten der Wirt Martin Pirc und Anton Vifovisek in» Freie. Während ersterer den Mattin Culk zur Ruhe vermahnte, begann Bisovisek mit Vorina einen Streit, wobei sie sich eine Zeit lang ohrfeigten. Schließlich zog Visovisek das Messer und versetzte dem Vorina unter die Rippen einen Stich, wodurch dieser eine schwere und lebensgefährliche Verletzung erlitt. Anton Vifovisek, welcher sich selbst der Gendarmerie gestellt hat, findet seine Tat unerklär-lich und entschuldigt sich mit Trunkenheit und Not« wehr. DaS Kmsgericht Cilli als Erkenntnisgericht verurteilte ihn unter dem Borsitze des Landes-gerichtsrateS Dr. v. Kocevar zu acht Monaten schweren Kerker, verschärst mit einer Faste monatlich.
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AuskQnfte erteilt Anton Patz, Sparkasse-Sekretär in Cilli.
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aus. Nur eiu Betrag von mindestens 4 Kronen, welcher wie jede sonstige Einlage verzinst wird, ist gleichzeitig in ein Einlage buch einzulegen und wird erst bei unversehrter Rückgabe der Sparbüchse wieder hinausgegeben. Der Schlüssel der Sparbüchse wird von der Sparkasse zurückbehalten nnd hat der Einleger in ihm beliebigen Zeiträumen die Büchse der Sparkasse zu übergeben, woselbst in seiner Gegenwart die Oeffnung erfolgt uud das Geld gezählt wird. Der vorgefundene Betrag nium in das mitgebrachte BQcbel eingelegt werden und darf am gleichen Tage eine Behebung nicht erfolgen, an jedem anderen Tage ist die Behebung bis auf den Betrag von K 4.— frei.
Die Bestimmungen über die Ausgabe der Heim-Sparkassen sind den bezügliches Einlagebüchern beigeheftet. Bei Bestellungen von auswärts sind ausser dem Mindest-betrage von K 4.— noch 80 Heller für Porto beuuschliessen. Die Sparkasse der Stadtgemeinde Cilli hofft auf die weiteste Verbreitung dieser schon viel bewährten, Volks-wirtschaftlich und erziehlich wertvollen Einrichtung.
Sparkasse der Stadtgeineinde Cilli*
Wiederholte Ausschreibung einer
Lehrerstelle.
An der fünfklassigen mit 4 Parallelen ausgestalteten Knabenvolksschule in Cilli kommt mit Beginn des Schuljahres 1910/11 eine definitive Lehrerstelle, mit der die Bezüge nach der ersten Ortsklasse verbunden sind, zur definitiven Besetzung.
Bewerber um diese Stelle haben ihre mit dom Reife- und Lehrbe-fäh igungszeugnisse und mit dem Nachweise des Besitzes der österreichischen Staatsbürgerschaft belegten Gesuche im vorgeschriebenen Dienstwege bis 25. Juli 1910 an den Stadtschulrat Cilli zu leiten.
Es wird hiemit bekannt gegeben, daß die
Gemeindeumlagen
auf die Grund- und Hauszinssteuer für das erste Halbjahr 1910 bis spätestens
10 Juli d. J.
weiters die Umlagen auf die allgemeine Erwerbsteuer und die Erwerbsteuer von den der öffentlichen Rechnungslegung unterworfenen Unternehmungen. sowie die Zinsheller- und Wasserauflage für das dritte Quartal 1910 bis zum gleichen Termine bei sonstiger Anrechnung von Verzugszinsen, beziehungsweise zwangsweiser Einbringung bei dem städtischen Zahlamte einzuzahlen sind. Die Vorschreibung der Umlagen auf die Hauazinssteuer ist gleich derselben im Vorjahre. Die Vorschreibung der Renten- und Besoldungssteuer erfolgt im Monate Juli.
Stadtamt Cilli, am 20. Juni 1910.
Der Bürgermeister:
Dr. m Jabornegg.
schützt man sich vor Magen leiden?!
Solch«» Leiden, mit denen die Menschheit der Jetztzeit vielfach bebosiet ist, risolgreich vnrzubeuqen und energisch «ntqegenjutreien, empkehll sich der rechtzeitige Gebrauch be*
IDr. Engersclien 2>Tecta-r.
Denn
ein kräftiger Magen u. eine gut- Verdauung
bilden die Aundamcnte e>,ies gesunden Körp-rS. Wer also seine Gesundheit di' in sein spätestes Lebensalter .rhalten will, gebrauche de» durch seine ausgezeichneten Ersolge rühmlichst bekannten
Dr. Engel'schen Nectar.
Diener Nectar, hu» erprobten nnd vorzüglich befundenen KrÄnt«r»ttsten mit «tatem Wein bereitet, übt infolge seiner eigenartigen nnd sorgfältigen Zusammensetzung ans da» Verdauungssystem änsaerst wohltätige Wirkungen ans ähnlich einem guten Magenlikör, beziehungsweise Magenwein, nnd hat abaolnt keine schädlichen Folgen. Oeannde und Kranke können Nectar also unbeschadet ihrer Gesundheit geniessen. Nectar wirkt bei vernünftigem gebrauche förderlich auf die Verdauung und anregend auf die Säftebildnug.
Deshalb empfiehlt kich der Genuß des
JDx. Engel'sciien I>Tecta,r
für alle, welche sich einen guten Magen erhalten wollen.
Nectar ist «in vorzüalicheZ Borbenze-Mittel gegen Ma^en-totanb, Magenkrompl. Mageuschaier^ei. schwere Berdauun« oder Ver-schltimnng. Ebenso läßt Ntttar gewöbnlick weder Snihlvnftopw»? nocd Beklemm un» nock »«Mschmcrzri noch Her;tt«»se> aufloinmen, erholt vielmehr guten S<dlas und regen Appetit und verhütet also Schlaf-losigteit. Gemüisverstörun >. «opfiÄmerzen und nervös- Abspannung
In weuen Kreisen dee Volke» durch seine Wrrtungen gelchävt. erhält Äeclir Frohsinn u»d Lebenslust.
Nectar m z > haben in Flasiden zu K 31— und K 4*— in den Apotheken von Cilli, Lad NeuhauS. Wind. - Landsberg, W > n v. - F e i it e > tz. G o n o b, tz, Rohilsck, Windischaraz, Marburg, L i»t u i, Gurkseld, Mann, Latbach usw. sowie in ollen größeren und kleineren Orten Steiermark» und ganz Oesterreich Ungarns in d»n Apotheken.
Äu» versenken die Apotheken in Cilli Nectar zu Original-preisen nach allen Orten Oestecretch-Ungarns.
36* Vor Nachahmungen wird gewarnt! ~9G
Man verlange ausdrücklich
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Es ist dem Stadksmte zur Kenntnis gekommen, dass für den 14. und 15. August 1910 ein Sokolfest in Gaberje geplant ist, an welchem sich an 1000 Sokolisten, die den slowenischen, kroatischen, tschechischen und serbischen Sokolvetbänden angehören, in Tracht beteiligen sollen.
In der Erwägung, dass es bisher bei jedem in der Stadt Cilli veranstalteten Sokolsejte zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Angegehörigen der beiden hier wohnenden Volksstämme und zu sehr bedauerlichen Ausschreitungen gekommen ist, welche traurige Polgen nicht nur im Gerichtsäaale, sondern auch im gegenseitigen wirtschaftlichen Verkehre zeitigten und insbesondere auch den Frjmdenverkehr in der Stadt Cilli unl deren Umgebung erwiesenermassen ungünstig beeinflussten; in der weiteren Erwägung, dass am 14. August 1910 auch die feierliche Eröffnung der Sokolturnhalle in Gaberje stattfinden soll, die an dem der Stadtgemeinde Cilli sowie der Gemeinde Umgebung Cilli gemeinsamen Teile der Keichs-strasse gelegen ist; endlich in der Erwägung, dass alle die oben erwähnten Zusammenstösse und Ausschreitungen sich ausschliesslich nur auf dem Wege zwischen dem Bahnhofe in Cilli und dem Festorte abgespielt haben, wird hiemit für den 14 und 15. August 1910 im Stadtgebiete aus Gründen der öffentlichen Ruhe und Ordnung das Tragen jeglicher Ver-elnsabzeicheu und Verelnstrachte.il und von nationalen Abzeichen, sowie das Passieren der Strassen und Plätze in Gruppen von mehr als fünf Personen verboten.
Zuwiderhandelnde werden sofort in Verwahrungshaft genommen uud gegen sie die Strafamtsbandlung nach § 47 des Gemeindeatatutes für die Stadt Cilli vom 21 Jänner 1867, L.-G.-Bl. Nr. 7 bezw. nach dem Gesetze vom 2. Dezember 1890, L.-G.-Bl. Nr. 34, eingeleitet.
Gegen die Erlassong dieser Verfügung kann die Beschwerde an den Gemeindeausschuss der Stadt Cilli binnen der vom Tage der Kundmachung laufenden Fallfrist von 14 Tagen beim Stadtamte Cilli eingebracht werden.
Stadtamt Cilli, am 18. Juni 1910.
Der Bürgermeister: Dr. von Jabornegg.
23.449 " 3.438 1910
Kundmachung.
An der Landes-Lehrerinnen-Bildungsanstalt mit deutscher Unterrichtssprache in Marburg beginnt das neunte Schuljahr am 12. September 1910.
Hiezn sind folgende Belege beizubringen:
a) Der Tauf- oder Geburtsschein; b) das zuletzt erworbene Schul zeugnis; c) ein von einem Amtsarzte ausgestelltes Zeugnis über die körperliche T fleh ti g ke i t zum Lehrberufe ; ii) in den Fällen, in welchen eine Aufnahmsbewerberin nicht unmittelbar von einer Schule kommt, ein ordnungsgemäß ausgestelltes Sittenzengnis.
Ausserdem ist die im Schönschreiben, Zeichnen und Handarbeiten erworbene Fertigkeit durch Vorlage von Schriften, Zeichnungen und Handarbeiten nachzuweisen.
Aufnahmsbewetberinnen müssen das 15. Lebensjahr zurückgelegt oder vom k. k. Landesschulrate in Graz die erforderliche Altersnachsicht, die aus besonders rücksichtswürdigen Gründen bis zu sechs Monaten bewilligt werden kann, erlangt haben.
Der Nachweis der erforderlichen Vorbildung wird durch eine am 3. Juli um 3 Uhr nachmittags beginnende Aufnahmsprüsung erbracht, die sich auf folgende Gegenstände eistreckt: Religion, deutsche Sprache, Geographie und Geschichte, Naturlehre, Naturgeschichte, Rechnen, geometrische Formenlehre, Schönschreiben, Zeichnen und Handarbeiten. Auch wird darauf gesehen, dafl die Aufnahmsbewerberinnen musikalische Kenntnisse besitzen, oder ob sie nach ihrem musikalischen Gehör und rhythmischen Gefühl ausreichende Erfolge im Musikunterrichte versprechen.
Bei gleichem Ergebnisse der Aufnahmprüfung gebührt den Aufnahmsbewerberinnen mit dem vollen gesetzlichen Alter der Vorzug.
Zu Beginn des Schuljahres 1910/11 findet eine Aufnahme nur statt, wenn und soweit zu diesem Zeitpunkte die zulässige Maximalzahl der Zöglinge nicht erreicht ist. — Für diesen etwaigen zweiten Aufnahmstermin erfolgen die Anmeldungen am 9. September von 3 bis b Uhr nachmittags, die Aufnahmsprüfungen beginnen am 10. September um 8 Uhr vormittags.
FürdieZöglinge, welche die Anstalt bereits besucht haben, findet die Einschreibung am 9. September von 10 bis 12 Uhr vormittags statt.
Bei der Einschreibung ist eine Aufnahmsgebühr von 10 K zu erlegen; das Schulgeld, welches vorauszuzahlen ist, beträgt 10 K monatlich.
Entsprechend begründete, mit dem letzten Schul- und dem Mittel-losigkeitszeugnisse versehene Gesuche um Ermässigung oder Nachlaß des Schulgeldes sind an den steiermlrkiscben Landes-An bsc husi zu richten und bis 10. Oktober bei der Direktion der Anstalt zu
überreichen.
Die Teilnahme am nicht obligaten Unterricht im Violinspiel, in der slowenischen oder französischen Sprache ist bei der Einschreibung anzumelden. .
Graz, am 16. Juni 1910.
Vom steiermärkischen Landes-Ausschusse.
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geben die Unterzeichneten hiemit allen Verwandten, Freunden und Bekannten Zy die traurige Nachricht von dem Ableben ihres iunicstgeliebten guten Gatten, Vaters, Schwiegervaters und Onkels, des Herrn
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welcher am 27. Juni um 10 Uhr vormittags im 63. Lebensjahre nach kurzem Leiden selig im Herrn entschlafen ist.
Die entseelte Hölle des teuren Verblichenen wird am Mittwoch den 29. d. M. um 4 Uhr nachmittags in der Leichenhalle des städtischen Friedhofes eingesegnet und hieraus im eigenen Grabe zur ewigen Ruhe bestattet.
Die heilige Seelenmesse wird Donnerstag den 30. d. M. um 8 Uhr fiüh in der Deutschen Kirche zu Cilli gelesen.
Cilli, am 27. Juni 1910.
JoaeBne OacnjaU
als Tochter.
Marie Jamschcgg, als Oattin. Franz Jamüchegg
als Neffe.
Joliann OaenjaU
als Schwiegersohn.
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