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Narodna in univerzttetna knjižnica _____________v Ljubljani_____________

36119/

Oesterreich Mngarn^

ben von I»r. Friedrich Ilmlanft.

Kroatien

und

Slavonien.

^I, ^ ' ' und sintn, Cilell'ilde. ' WI

^ Verlag von Rar! Graeser.

Die

Lander OesterreiH-UngarnZ

in Wort und Vild.

Herausgegeben von

Prof. Vr. Friedrich Umlauft.

vierzehnter Vaiid.

Die vereinigten Königreiche Kroatien u. Slavonien.

Geschildert von

Mit zahlreichen Nb bild linden im Texte und einem Titclbilde.

Wien.

Verlag von Aarl Graesor. 1889.

Die vereinigten Aönigreiche

Rroatien und Slavonien.

Geschildert

von

Dr. Friedrich S. RrausF.

Mit znhlicichcn Abbildungen im Texte und cinem Titclbilbe.

Wien.

Verlag von Aarl Graeser. 1889.

^ ^^. ^ ^^

Alle Rechte oolbel,alten.

"' ^im.

3«11D

I.

^^^                        Zur (andeökunde.

'^ >1m4 roatien und Slavonien, die »Perlen der heiligen ungarischen Stephans-?<5^sW^ krone«, wie unser durchlauchtigste Kronprinz und Erzherzog Rudolf

,' "' diese Länder nennt, so reich an Liebreiz nnd Anmuth in mannigfacher Abwechslung, würdig zu schildern, das vermöchte in so engem

' ^' ' Nahmen anch die Feder des besten deutschen Schriftstellers nicht. ^ Hier trifft man in kleinerem Maßstabe an die Prächtigkeit des steirischen Alpengcbietcs, dann schier endlose frucht- und maistragende Niederungen längs der schlammführenden Flüsse wie im weiten Ungarland, aber auch gegen das Meer zu himmelanragendes, zerklüftetes, höhlcnreiches Karstgebiet, und in den Buchten, wo Meeresbrandung die Felsen kost, des Südens üppigen Pflanzenwuchs. Trotz der vorwiegenden Hochgebirgsnatnr fehlen in Kroatien und Slavonien meist die scharfen Gegensätze des ranhen bosnischen Gebirgsklimas, die sengend heißen Tage, denen grimmig kalte Nächte folgen, nnd selbst in den Karstgegenden sind Gcbirgscinöden wie jene in der Hercegovina und in Dalmatien sehr spärlich.

Die Natur hat mit ihren Gaben nicht gekargt, wo sie den Übergang von Mitteleuropa zur Balkanhalbinsel und weiter zum Oriente deutlich schuf. Wie absichtlich ist die Gemarkung Zwischen Westen und Halbosten vielfach ausgezeichnet. Die Vermittlung zwischen Ost und West erfolgt nicht sprnng-wcise, doch immer in Begleitung von unverhofften Überraschungen. Darum sind Kroatien nnd Slavonien Übergangsgebiete ohne einheitlichen, leicht übersehbaren geographischen Charakter.

Das kroatisch-slavonische Gebiet grenzt westlich mit Steiermark, Kram und Istrien, östlich mit dem Vanat, im Süden mit Dalmatien, Bosnien und Serbien. Kroatien und Slavonien hat eine Oberfläche von 42.516 015 /c»^ und eine Bcuölkcruug von 1,892.499 Seelen. Dnrch ein königliches Gesetz vom 5. Februar 1886 ist das ganze Land in acht Gespannschaftcn mit sechs-unoscchzig Bezirken eingetheilt worden. Es sind dies die Gespannschaften: 1. Lika-Krbava, 2. Modruz-Nijeka (Finme), Z. Zagreb (Agram), 4. Varaxdin

«                                   Di« vereinigten Königreiche Kroatien und Slavonien.

(Warasom), 5. Belovar, 6. Po/ega, 7. Virovitica (Verocze), 8. Srijem (Sirmien).

Die einzelnen Landstriche führen aber ihrer geographischen nnd mich anderer Eigenthümlichkeiten halber ältere volksthümliche Namen, die sich anch im Verkehre zumeist behaupten. Der Name Krbava oder Grbava') wie, man in Bosnien richtiger sagt, ist zu Gunsten des Namens Lika in den Hintergrund getreten. Die Gespannschaft Modrn3-Nijeka heißt allgemein Primorje (Küstenland), der schönste Theil des Agramcr Comitatcs Zagorje (Hintergebirge). Nach den Flüssen heißen Striche Podravje, Posavjc nnd Pokupje (Dravc-, Save-, Knlpagebiet); Moslavina wird das herrliche Weinland im kroatischen Gcbirgsland genannt;^ Srijem ist Sirminm, "^/'das Thal von Poöega heißt turzweg «ijadija (l^ijakei, das Gebiet der 9^ Cr'avattcnträger), sowie das Flachland zwischen Vinkouci und Brod Porcu-" lanaZi (die Porzellanleute). In dieser Gegend tragen die Baueru nämlich flache Filzhüte, die den Porzellantellern gleichen. Die große Landzunge zwischen der Save, Dräu nnd Donan nennt man anch Zuweilen Megju-rjeöje (Zwischen den Flüssen, Mesopotamien). Die felsigen Gegenden von der Kulpa an bis Cattaro heißen Kra^ oder Kr^ d.h. soviel als ödes Gestein, daraus ist der uns geläufige Namen Karst(-land) abzuleiten. Neben Kra3 findet sich vereinzelt auch der Name Golija (das kahle oder nackte Laud), trotzdem die Militargreuze schon seit langem aufgelöst ist, hat sich im Volksmunde noch immer frisch der Name Krajina oder Granica für den schmalen Grenzstrich längs der bosnischen und serbischen Grenzen erhalten.

Durch die Flüsse Kulpa und Save wird in orographischer Hinsicht das Land in zwei Territorien getheilt. Im nördlichen Theile endigen zwischen der Save und Drave die Ausläufer der mitteleuropäischen Alpen, während der südliche Theil dem System der dinarischen Alpen und deu Bergen der Balklltlhalbinsel angehört. Das kroatisch-slavonische Gebirge zwischen der Drave und Save umfasst allein 14.490 /.',»2. Die mittlere Höhe dieser Gcbirgszüge beträgt 630 m. Die Besiedlungen reichen selten höher als bis 300 ,tt. In Slavonien herrscht vorwiegend im Gebirge dichter Wald vor, obgleich in Entforstnng seit zwanzig Jahren unglaublich viel zum großen Schadeu des Nationalvermögens gearbeitet wird. Die höchsten Spitzen weisen in Kroatien auf der Gebirgsrücken Ivanöica (1062 »,) und ßljeme im Agramer Gebirge (1036 ,»), in Slavonien Papnk (954 i») und Krndija (786',»).

Östlich von Vnkovar in Sirmien erhebt sich die Fru^ka gora längs der Donau von West gen Ost nnd schließt ab bei Slant amen

') Wir nennen analog i,l Nicderosterreich unser welliges GebirgZlaild »die bucklige Welt.«

Zur Landeskunde.

an der Mündung der Theiß in die Donau. Zur Nömerzeit hieß dieses Gebirge im Norden Sirmiens Mons almus, und im neunten Jahrhundert, als dort die Franken, ein germanisches Volk, hausten, Francavilla, oder l/»,)«xx"/^l?k<"> bei den spätgriechischen Schriftstellern. In neuerer Zeit bekam ein Theil des Gebirges nach dem serbischen Kloster Vronik den Namen Vrdniker Gebirge (Vrdniöka g o r a).

»Neu-Slankam en, ist ein ganz ncn angelegter Ort gemischtcrBevölkerung^Es wohucu hier Kroatcu, ßlovakeu, Böhmen (Rechen) und Deutsche. Ist mau au der -Kavana« (Kaffeehaus) vorüber und östlich in eine der ausnehmend breiieu Gasse» abgebogeu, so steht mau ganz unverhofft vor der in 150 ,« Tiefe mit der Theiß zusammenfließenden Donau, Titel gegenüber. Zu Füßen liegt Alt-Slankamen, links, doch etwas tiefer, auf einem Hügel die Neste einer alten Burg des Zmaj Vuk Brankovic, der daselbst 1497 starb, rechts auf einer audereu Auhöhe, dessen alte Kirche byzantinischen Stiles, gut erhalten, uud weiterhiu gegen Süden hinter Ncu-Slau-kamcu uud Alt-Pazva das Schlachtfeld, auf dem Ludwig vou Baden 1697 das Heer des Vczirs MustapH a (>upri-li6 vollends schlug uud aufrieb. Der Weg führt zwischen hohen, nackten Wänden harter gelblicher Erde in Windungen hinab. In der Mitte wird er noch steiler uud da taucht auch der schwarze hölzerne Glockenthurm der katholischen Kirche hinter Bänmen auf. Die Burg Slankamen muss sehr groß gewescu sein, denn sie um-ficng, wie dieMauerreste andeuten, den ganzen Ort nebst der griechischen Kirche. Letztere ist, von wenigen Sprüngen abgesehen, in gutem Zustande. Hiuter der Ikouostasis (Bilderwaud) in der Kirche befindet sich Vuk Braukovi^'s Betstuhl, der oben eine Krouc trägt. In ihm stand der Despot

Aclstiihl dcs Despoten Vul in der oithod. Kirche zu Slantameii.

g                                     Tie vereinigten ilönigleiche Nroalicn inid Llauoiucn.

Während des Gottesdienstes. An die Kirche knüpft sich die Sage, dass Vnk seine Lanze vom Berge geworfen, und die Kirche auf dcm Platze habe erbauen lassen, wo die Lanze hingefallen war. Unweit von der Wirtschaft steht eine C'esma (Brunnen), aus der reichlich salziges Ouellwasscr flicht. Diese Quelle, die nnr zum Tränken des Viehes dient, gab dcm Orte den Namen. Slankamen bedeutet nämlich Salzstein. In der Ufcrwaud, an der Stelle, wo die Donan die Wendnng nach Süd-West macht, gähnt ein weites Erdloch, geschwärzt von Nauch, anf schmalem Stege erreichbar, ohne Thür, wohl aber mit einem Fenster verschen, die Wohnnng eines Mannes, der

Tas Tchloss des Fürsten ObeLcalchi bei Ilol.

nach Troglodytenart darin fortwährend hanst. Er kauerte mit einem völlig nackten Kinde in der Öffnung und legte seine auf Bindfaden hängende getrocknete Leibwäsche zusammen. Dazu wischte er sich die vom Rauche juckenden Augenwinkel fleißig mit der Hand«.

In geographischer Hinsicht lässt sich die Frnska gora zutreffend mit dem Leithagebirge bei Wien vergleichen. Beide Gebirgszüge sind Anslänfer der östlichen Alpen; das Leithagebirge erstreckt sich gegen Norden zn, die Frn3ka gora gegen Süd-Ost. Die Fru8ka gora gehört zum Mittelgebirge und hat zahlreiche leicht überschreitbare Sättel und Pässe mit guten Vcrkehrs-straßen. Über diese Sättel führen Zum Theil wohlgebaute Kunststraßen aus

Zur Landetzlunde.                                                                9

öalma nach Ilok, aus Radince über Kru^evdol nach Karlovci, aus Irig uach Kamenica und aus Stara Pazva nach Karlovci. Bei Ilok verlohnt sich ein Ausflug nach dem alten Burgschlosse, welches den Fürsten Odescalchi gehört uud jetzt von herrschaftlichen Beamten bewohnt wird. Der Ansblick von hier auf die Donan ist wunderbar. An den Abhängen der Fruäka gora lagern sich viele bedeutendere Handelsstädte und große Markt-, flecken. Am nördlichen AbHange liegen nahe oder unmittelbar an der Donau Vukovar, an der Mündung des Vukaflüsschens in die Donau, Ilok, umrahmt von Weingebirgen und Karlovci, der Sitz des Patriarchen der südungarischen Serben. Auf der Südseite trifft man die größeren, sehr reichen Marktflecken Tovarnik, 8id, Erdevik, Ruma, Irig, Ingjija u. s. w. Alle die hier geuannten Orte haben vorwiegend eine serbische Bevölkerung nnd blühende, deutsche (schwäbische) Bauerncolonien.

Bei Irig finden sich ausgiebige Steinölquellen, die leider von der modernen Industrie noch nicht gebürend beachtet worden sind. Bei dem Dörfchen Beoöine ist ein Steinbruch, der für ganz Sirmien ausgezeichnete Mühlsteine liefert. Weit im ganzen Lande berühmt, seit einigen Jahren auch bei uns in Niederösterreich, sind die schwarzen Weine von Doljnji Karlovci und Nakovac.

Die Fru3ka gora gilt den Serben wegen der dreizehn alten griechischorientalischen Mönchsklöster nnd vieler Kirchen und sonstiger Heiligthümer als besonders heilig. Es sind dies die Klöster Vrdnik, Beoöin, Öftovo, Kru^edol, Grgeteg, Iarak, Kuvexdin, Privina glava, Besenovo, HiZatovac, Nemete, Navanica nnd Nemetica. Das Kloster Grgeteg ist darunter am reichsten an Stiftungeu, besitzt eine reichere Bibliothek uud eine Gallerie von Bildnissen der Herrscher ans unserem Kaiserhause.

Eigenartig lieblich und würdig, dass man ihn gleich nach Sirmien besucht, ist der große Thalkessel weiter südlich, den der Fluss Orljava durchströmt. Von allen Seiten von stattlichen, dichtbewaldeten Höhen umkränzt, mit zahlreichen Dörfern die Abhänge nnd die Mnldc wie besäet, fast in der Mitte der Mulde am rechten Flmsnfer das k. Freistädtchen Po/cga (mit 3294 Einwohner), erscheint dieses von Gott und der Natur gesegnete Thal als die eigentliche Perle Slavoniens. Einst standen in diesem Thal zwei römische Lager: Racotina nnd Inicernm. Vom Mittel-alter an bis gegen den Anfang des vorigen Jahrhunderts war beinahe jeder Hügel dieser Landschaft von einer Vnrg gekrönt. Besonders stattlich waren der Kamengrad (Steinburg) im Gebirge von Kamcusko, auf der Straße von Poöcga nach Pakrac, nnd die Burg von Velika, und nicht zum Geringsten die steile Feste auf dem nunmehr arg verstümmelten Stadtberg von Po/ega. Zur Türkeuzeit stand gerade dieser Theil Slavoniens in größter Blüte, wie dies aus den Guslarenliedern dcr nach Bosnien und

zy                                  Die vereinigten Königreiche Kroatien und Tlaoomcn.

der Herccgovina verdrängten mohammedanisch-slavischen Bevölkerung zur Genüge ersichtlich ist. Auf Bnrg Poxcga hauste der Ajan (Burgherr) Zestolrilovi6, von dem das Lied kündet:

Der Burgherr war von dreizehn Sprache,, Meister, Und jede sprach er besser noch als bosnisch.

Die Ortschaften tragen noch vorwiegend türkisch-slavische Namen, so z. B. Drvi«-aga, Alilouci, Snljlouci, (5-minouci, Bcgte/., Kara-manovci, Kula u. s. w. (Derwisch-aga, Halilsdorf, Snleimansdorf, Emins-dorf, Gntsherrnbesitz, Schwarzdorf, Warte u. s. w.). Auch der Bnrgname Krndija (Gerölle) ist türkischen Ursprungs.

Eine Viertelstunde von Pakrac lagert sich anf einem freundlichen Hochplateau der iu neuerer Zeit wegeu seiuer ausgezeichneten Iodbäder weltberühmte Badeort Lift ik. Eines gnten Nufes erfreut sich sciuer Bäder wegen Daruvar nnweit Pakrac. Zwischen Pakrac uud Daruvar liegt in der Mitte der schöne freundliche Ort Badljeviua. »Vou Badljeviua geht es fortwährend bergab bergau bis Doljaui. Hier seukt sich der Weg allmählich bis zum letzen Hügel, auf dem mau gerne weilt, um einen Augenblick die gauz eigenthümliche Landschaft recht zn betrachten. Links erhebt sich unter der laugen nach Nord laufeuden, mit Häusern besetzten Hügelkante eiu mäßiger Hügel mit Maisfeldern nnd niedrigem Gebüsch mitten in einer ausgedehnten Wiese, die Stätte, wo einst die große Benedictiner-Abtei St. Helena de Podborje stand, gestiftet unter Stefan V. im Jahre 1270. Münzen uud anderweitige Alterthümer, die man hier gefunden, zeugeu vou dem hohen Alter des Platzes. Vor dem Beschaner dehnt sich eine kurze Pappelallce bis in die Hauptstraße des Marktfleckens, der aus dem Thalc wieder bis auf die hohen Hügelrückeu im Hintergründe weit hinanfreicht uud nnr eine oder Zwei kurze Gassen als Seitenarme nach Westen entsendet. Weingärten und Winzerhäuser, Wald uud Berg reiheu sich im Osten aneinander; darüber hinaus ragt der Kegel des Petrov vrh in die Lüfte. Über eine kleine Steinbrücke betritt man Darnvar. Den Sommer über strömen viele Fremde Hieher um zu baden. Die Bäder werden aus fünf Quellen mit einer Temperatur von 40 bis 47" C. gespeist. Das an uud für sich indifferente Wasser wirkt durch gleichmäßige Wärme sehr heilsam; ebenso die Schlammbäder.«

Bemerkenswert ist eine weitere Angabe unseres Reisebeschreibers: »Hinter dem Gasthansc gibt es in einer großen Wagenscheuue immer fremde Landleutc, sehr oft sogar aus Uugaru über der Dräu, die hier eiuige Tage zum Curgebrauche verweilen. Ganz Arme baden im Canale, der das Wasser ans den Bädern sammelt und dem Bache (Toplica) znführt, ihre kraulen Hände oder Füße. Ich traf einen Baner, der in seinen Pelz gehüllt in glühender Mittagssonne lag. Anf meine Frage, ob ihm denn kalt sei, antwortete er, „nein, aber ich curicre mich vom Fieber". Er sei ans der Dräu-

Zur Landeslunde.

11

Gegend, habe einen Fremden hergeführt, und benutze jetzt die günstige Gelegenheit um sich vom Fieber zu heilen. Der Mann hatte den ganzen Vormittag im heißen Wasser gesessen, bis ihm übel geworden war, und er am Schlagflusse zu sterben glaubte. Da erst eilte er aus dem Bade, aß, trank Wein, hüllte sich in seinen Pelz ein, und lag mm in der Sonne, um zu dunsten. Nachmittags stieg er wieder ins Bad. Solche Ansichten über den Nutzen des Schuellbadens, die vorgeschriebene Curzeit vou vierzehn Tagen in zwei bis drei Tagen abzuthun, hegt das Volk im allgemeinen.«

Nördlich von Poöega zwischen Gebirge eingeklemmt, ist das Dörfchen Vclika, welches gleichfalls ein freilich schwach besuchtes Bad

Vodborje mii dem Peirod drh bei Tnnivai. Im Vordergrund die Kirche der Aligläiilngcii.

ausweist. Eine gewisse locale Berühmtheit besitzt im Papukgebirge unweit der ehemaligen Glasfabrik vou Duboka eiu in englischer Manier angelegter, doch stark verwahrloster Park, Iautovac, wo der ehemalige Besitzer Josef Iankovi« einen künstlichen Wasscrfall mit einem kleinen Fischteich hatte herrichten lassen.

Die katholische Bevölkerung dieser Gegend heißt wegen der Cravatten,<, durch die sie sich in ihrer Tracht auszeichnen, 8ijaci (Cravattentrager)."' Westlich im Thale reihen sich aneinander blühende deutsche Ortschaften Kul a, Nesuik, Pori^, Iak5i6. Suilna u. A., lauter Piounier-Vorposten deutscher, schaffender Volkskraft.

12                                  Die verelnigttn Königreiche Kroalicu und «lauonicn.

Der Merkwürdigkeit halber sei hier angeführt, dass die ßijaken den Laut h nicht anssprechcn können.

Eine schmale sanft abgedachte Gebirgskette trennt südlich das PoZegacr gijakenthlll vom Savcland (Posavina). Das Saveland stellt sich dar als ein langes, stellenweise aber sehr schmales Tiefland; es erstreckt sich diesseits nnd jenseits des Savestusses von der kroatisch-krainischen Grenze bis hinab nach Semlin, wo der Fluss in die Donau einmündet. Zu Kroatien beziehungsweise zu Slavonien gehört die Posavina von dcr Mündung der Sutla bis zur Mündung der Una nach links uud rechts, von dcr Unamündung aber bis zum Einfluss der Save in die Donau uur die linken, südlichen Ufer. Nördlich wird die Posavina umrahmt vom Agramer-, Moslavinaer-, Pa-kracer-, ßujniker-, Po/.egaer- uud FrMa-Gebirge, südlich von den Gorjanci, der Samoborska gora, der Vukomereöka gorica, der Zrinjska gora uud vom bosnisch-serbischen Gebirge. Die mittlere Höhe der Posavina beträgt 95 m oder 100 m, die gerade Länge 400 Km. Bei Sisek begegnet sich die Posavina mit der Niederung des Flusses Kufta (Pokupje), in Slavonien aber geht sie über das niedere Hügelland von Djakovar ins Dravegebiet über und bildet durch dieseu Arm eine Fortsetzung der mächtigen südungarischen Donau-nicderungeu. Am schmalsten ist die Posavina bei Suscd (4 bis 6/.m) und bei Brod (7 km), am breitesten bei Rajevo selo (45 km).

Man unterscheidet im Savelande sechs größere Kesselausbuchtungen und Niederungen.

1.  Kommt in Betracht der Kessel zwischen der kroatisch-steierischen Grenze und Podsused. In diesem Kessel nimmt die Save auf die Zuflüsse Sutla, Lu2nica und Krapina vom Norden, und die Bregana vom Süden. Durch das Krapinathal ist dieser Kessel mit dem eigentlichen kroatischen Hintergebirgsland (Zagorje) verbunden.

2.  Der große Kessel auf beiden Ufern der Save von Sused bis Sisek. Dieses Stück Land führt für einzelne Theile auch besondere Namen, so heißt jener Theil zwischen Agram und Lekeuik Turopolje (454 K,« Länge, 22'7 Km Breite, mittlere Höhe 110 in), und der gegen Sisek zu Odransko polje. Turopolje wird fast ausschließlich von hoffärtigen uud stolzthuerischen, vielfach bettclhaften bäuerischen Adeligen bewohnt. In den ältereu officielleu Documenten heißt die Gegend: eawzms nodilium ^uropol.j6. Am linken Ufer unterhalb Rugvica führt der Kessel den Namen Ieioveöki und Trebo-veöki öret.

3.  Der Kessel zwischen Sisek und Alt-GradNka wird vorwiegend aus dem Lonjsko polje gebildet, welche Ebene das Flüsschen Lonja durchschneidet. Als Fortsetzung des Lonjsko polje erscheinen am linken Ufer der Save zwischen Plesma nnd Alt-Gradizka Mokro polje uud Mra-morsko polje. Am rechten Ufer zwischen der Sunja und der Save erstreckt

Zur Landeskunde.                                                              13

sich das Ribarsko ftolje (Fischer-Ebene). Lonjsko polje könnte der fruchtbarste und glücklichste Strich im ganzen Lande sein, würde man die erforderlichen Trockenlegungen dieses fieberreichcn und höchst ungesunden Sumftfgebietes vornehmen. Vor Jahren wollte eine französische Aktiengesellschaft dieses an 1000 /.-,«2 große Snmftfland der Cultur gewinnen, doch die Unterhandlungen zerschlugen sich infolge der volkswirthschaftlichen Unklugheit gewisser Parteiführer in Kroatien.

4.   Der Kessel zwischen Alt-Gradi3ka nnd Brod, welchen die aus dem Poöegaer Thal fließende Orljava mitten durchschneidet. Der westliche Theil der Ebene von Gradiäka bis zur Orljava heißt 6rnec polje, der östliche Ielasi.

5.  Der Kessel zwischen Brod nnd Mitrovica; die Gegend ist durch und durch ungesund und verwahrlost. Von Vinkovci her nimmt die Save das Flüsschen Bosut auf.

6.  Von Mitrovica ab bis Semlin dehnt sich der sechste Kessel aus, der die Wässer der Fru3ka gora in sich aufnimmt. Weite Sümpfe, die Obedska bara, Galovaöa und Erveuica verpesten die Lnft. Der Sumpf Obedska bara hat eine Breite von einem halben und eine Länge von 11'/.. /.m und bietet eine der schönsten Jagden, die es geben kann. Die Mannigfaltigkeit und Menge des in der Obedska bara brütenden Sumpfwildes wird annähernd auf dreißigtauseud Paare geschätzt. Im Sommer 1887 fuhr Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este in Begleitung des Grafen Hoyos nach Semlin, um iu der Obedska bara Zu jagen. Trotz des regnerischen Wetters brachte der Erzherzog in wenigen Tagen zur Strecke: 1 Kaiser-, 1 Schrei- und 2 Seeadler, 1 Nohrweihe, 2 Milane, 14 graue Reiher, 30 Garsctten, 235 Schopfreiher, 264 Nachtreiher, 15 Löffelreiher 182 Ibisse, 5 Zwergscharbcu und 5 Stück Verschiedenes; Graf Josef Hoyos: 9 Garsetten, 20 Schopfreihcr, 19 Nachtreiher, 4 Löffelreiher uud 39 Ibisse. Gesammtcrgebnis der Jagd 847 Stücke! Bei Semliu geht dieser Kessel ins Draugebiet (Podraviua) über.

Das links Zwischen der Dran uud Mur liegende Gebiet heißt Mur-infel oder Murgebiet (Megjumurjc); eigentlich bildet es nur eine Halbinsel. Die Bewohner sind Slovencn, Kroaten, Deutsche uud wenige Magyaren. Das kroatisch-slavonische Draugebiet erstreckt sich mir am rechten Donau-Ufer; zwischen Essegg (Osjek) uud der FrMa gora geht es in die Donauuiederungen über. Von der steierischen Grenze bis Vukovar hat die Drave eine Länge vou 265 /.'m und weist zwei größere Kesselformationen auf: 1. die kroatische Podravina, deu Kessel zwischen VaraZdin und Virovitica (Verücze), welcher mit dem benachbarten Murlandc ein Ganzes ausmacht. Diese Niederung durchziehen die Flüsschen Bcdnja, Vistrica und Plitvica. Die Bistrica tritt häufig aus und erzeugt Sümpfe. Bei Varazdin dehnt

14                                  Die vereinigten Königreiche Kroatien und Tlnuonien.

sich das Froschmoor (Sabniüko blato) aus; 2. die slavonische Podra-vina; sie erstreckt sich von Virovitica bis Vnkovar zwischen dcr Trau und dem slavonischen Gebirge (Erni vrh, Pavuk, Krndija) und umfasst einen Flächcnraum von mehr als 3254 /.?«". Bei Alm a 5 unweit Es feg ergießt sich die Dräu in die Douau.

Nahe zum Drau-Ufcr an dcr großen Straße, die von Virovitica nach Essegg führt, liegt Valpo. In der Zeit dcr Türkenkriege wnrde das Schloss von Valpovo erbaut und bis auf uusere Tage unverändert erhalten. Es ist ein mächtiges Gebäude mit dicken Mauern, vorspringenden Thürmen, mit Wallgraben und Zugbrücke versehen.

Das Drauland, besonders um Essegg herum, ist sehr arm au gesundem Trinkwasser. Das böse Sumpffieber ist dort nicht auszurottcu, und doch könnte eine rationelle Bewirtschaftung dieses Tiefland zu einem wahren Eldorado umgestalten!

Fährt man von Esseg mit der Bahn nach Brod an der Save, so sieht man links bei Dalja ein Stück von der Donau und die vorgestreckte» Weinberge, die als die äußersten Ausläufer der Fru3ka gora gelten. Dalja, ein unschöner im Sumpfland liegender großer Marktflecken mit vorwiegend deutscher Bevölkerung, gehört zum Großgrundbesitz des (altglänbigcn) Patriarchen von Karlovci. Eine und eine halbe Stuude Bahnfahrt bringt uus uach Vukovar an der Vuka. Dcr Ort ist der bedeutendste Handelsplatz in Slavonien nach Scmlin und Gssegg. Unweit Vukovar an dcr Donan liegt das liebliche deutsche Dorf Sotiu, wo die Bauern, ein biederes, strebsames und gastfreundliches Völkchen, ausgezeichneten Wein ziehen. Die nächste Stadt an der Bahn, nachdem wir Sirmien bei Vukovar vcrlasseu, ist Vinkovci. Es ist ein freundliches, sauber gehaltenes Landstädtchen. Im Friedhofe sieht man das schlichte Steindenkmal des größten slavonischen didaktischen Dichters aus dem vorigen Jahrhundert Matija Nclkovi6. Wir werden später seiner noch gedenken. Anf dem endlos langen Felde zwischen Vinkovci nnd Vrpoljc soll im vierten Jahrhundert jene große Schlacht entschieden worden sein, nach welcher die Lostrennung des oströmischen vom weströmischen Neiche endgiltig erfolgt ist.

In Vrpolje, einem hübschen ehemaligen Grcnzdorfe, steigen wir von der Bahn ab und fahren mit dem landesüblichen Wagen ohne Federn in zwei Stunden uach Djakovo (Djakovar), dem Sitz des (katholischen) Bischofs I. G. Stroßmayer, eines deutschen Mannes, des opferwilligsten Förderers aller dentfch- und magyarenfeindlichen Bestrebungen. Ikm verdankt Djakovar das schönste Baudenkmal in Slavonien, die an 2000 Menschen fassende, großartige Domkirche, welche nach 16 jähriger Bauthätigkeit am 1. October 1883 unter feierlichstem Gepränge eingeweiht wnrde.

Zur Lllndcl'lmlde.

15

Diese neue Kathedrale ist im romanischen Stile gebaut, als eine Vereinigung byzantinischer nnd gothischer Formen. Dem Baustile gemäß zeigt sich die Kirche in der Form eines lateinischen Kreuzes, dessen Stamm das Längsschiff, und dessen Arme das Querschiff bilden; sowohl das eine Ende des

Sl. Pcteridom in Tjatovar.

ersteren, wie auch die beiden des letzteren lanfen in Apsiden, die mit hohen Bogcnwölbungen geschmückt sind, ans. Die Haupt-Fa^ade besteht aus zwei, ebenfalls im romanischen Stile gehaltenen, über 50 m hohen, mit Uhren nnd Ruudbogcnfcnstcru versehenen Glockcuthürmen. Die obersten Etagen der letzteren

Iß                                   Die ueieimgten Königreiche Kroatien und Slavonien.

sind mit vier Eckthürmchen geziert, und mit Fialen geschmückten Gibcldächern flankiert. Drei vordere Portale, dnrch die man in das Haupt- nnd die zwei Ncben-Längsschiffe gelangt, ruhen auf attischen Säulen mit würfelförmigen Capitalen. Im oberen Felde des Haufttportales befindet sich ein Neliefbild des Heilands, während St. Peter, der Schutzpatron des Domes, und die Slaven-Apostel Cyrill nnd Method die Drcicckfelder der Nebenftortale ausfüllen. Oberhalb der Viernng, dort, wo sich nämlich das Längsschiff mit dem Qncrschiff kreuzt, erhebt sich in der Form eines Octogons und gekrönt mit einem auf vergoldeter Kngel ruhenden, ebenfalls vergoldeten, großen Kreuze, die Kuppel des neuen Domes, die Kuba, wodurch der Bau die Formen der alten Basiliken annimmt. Die Seitenwände des Domes sind mit vielen großen nnd kleinen Halbbogen- nnd Nosettenfenstern geschmückt, während drei Apsiden des Längs- und Qucrschiffcs je fünf dnrch Pilaster gestützte Bogenwölbnngen ausweisen, ober welchen eine Blendgallcrie längs der ganzen Halbrundung der Apside hinläuft. Der iunere Ban des Domes ruht auf korinthischen Sänlcn und Halbpfeilern, deren Capitale mit Lanbwerk-Ornamenten verziert sind. Entsprechend dem oberirdischen Bau weist anch die Krypta vier Altäre und ebensolche Säulenreihen auf. Das Sanctnarinm nnd das Querschiff siud getreu den Traditionen des romanischen Baustiles nm vier Stufen höher angelegt, als die drei Längsschiffe. Die Kathedrale zählt neben dem, dem heil. Peter geweihten Hanptaltar, noch sieben Altäre.

Den Plan zn dieser in jeder Beziehung prachtvollen Kathedrale entwarf Karl Rösner, Professor an der Akademie der Künste in Wien nnd Erbauer der Cyrill- und Methodkirche in Prag. Die anerkanntesten Caftacitäten anf dem Gebiete der Architektur wurden bei der Wahl der Concurrcnzplänc zu Rathe gezogen. Ginen hervorragenden Antheil an dem Baue hat auch Dombaumeister Freiherr von Schmidt in Wien nnd dessen Schüler Hermau Bolli: in Agram. Mit den Malerarbeiten wurden die beiden Scitz, Vater (-<- 1888) und Sohn, betraut, die ihre Aufgabe auch thatsächlich meisterhaft durchführten. Sowohl die Traders, als auch die Seitenwändc der Schiffe sind mit Fresco-Gemälden, Scenen ans dem Testamente und dem Leben der Heiligen darstellend, bedeckt. Anch die Sculptnr nnd Ornamentik in der Kirche lässt nichts zu wünschen übrig.

Das bischöfliche Palais ist ein schmnckloser Kascrnenbau, der nnr störend den Eindruck des Domes beeinflusst, sowie auch die geschmacklosen Bürgerhäuschen beim Dome nicht stehen dürften.

Von Vukovar führt eine schlechte Straße nach Soski dol, wo auf einem hohen Berge ein krystallheller, fischreicher Bergsee zur Nast einlädt. Die Landschaft von Soski dol bis NuZevo, von wo die Straße nach dem allerliebsten Dorfe Pleternica ins Po/.egacr-Thal sich hinabzieht,

Zur Lll!lde?l!»idc.                                                              17

ist voll unbeschreiblicher Herrlichkeit und Fruchtbarkeit, wird aber von Fremden äußerst selten bcsncht. Von Soski dol sselangt man in drei Stunden nach Brod an der Save. Hier ist einc kleine Festnug nnd die kunstvolle Eiscn-bahnbrückc, die über die Save nach Bosnien führt, der Besichtigung wert.

Kehren wir nochmals nach Pleteruiea znrnck, nm von da über Svi sveti an Kntjevo vorbei nnd durch Bcgte5 die alte seit einigen Jahren verlassene Türkenstraßc entlang, das steile waldbewachscne Krndija-Gcbirge hinanzuklimmcn. Der Aufstieg dauert gute fünf Stunden. Tie Aussicht aber ist. wie Touristen sagen würden, gottvoll. Auf der höchsten Spitze der Krndija hart am Wege rechts erheben sich die noch stattlichen Ruinen einer Türkenbnrg, links vom Wege liegt das Dorfchen Grad ac (kleine Bnrg). Von der Burg ans überschaut mau mit freiem Ange das ganze Po/.cgaer Thal nnd mit einem Fernglasc erblickt mau Fünftirchen nnd den sagcn-umsponncnen Berg Ar.^an bei Sziklos (ßiklu«). Gradac auf der Krndija muss seiuerzeit strategisch vou größter Wichtigkeit gewesen sein. Der Abstieg gegen die Dran zu ist in hohem Grade lohnend. Vor dem Marktflecken Na^ice, wo ein altchrwürdiges Frauziskancrkloster und das Schloß des Grafen Pcjaöcvi'6 sich befinden, liegt im wahren Sinne des Wortes ein Zigennerdorf in der Erde begraben. Das Dorf erscheint rein änßerlich betrachtet, als eine regellose Ansammlnng bescheidener Düngerhaufen. Das sind die Dächer der iu der Erde befindlichcu Gruben oder Wohnungen der Zigenner. Noch vor fünfzig Jahren waren im ganzen Lande derart die Behausungen der braunen indogermanischen Nachzügler der asiatischen Völkerwanderung. Nomadisierende Zigenner gibt ctz nur mehr wenig in Kroatien nnd Slavonien. Die Zigeuner haben schon zum mindesten ihre festen Winterquartiere. Fast jede Stadt besitzt ihre eigene, gewöhnlich verrufene Zigenner-gasse. Es ist ein gar armes, mitleiderrcgendes, arg verschollenes, oft mit grausamem Hohn verfolgtes Völkchen, diese Zigeuner (Cigani) die ßnnte-gage, wie man sie schimpfend höhnt, oder Nomi (Menschen), wie sie sich selber nennen.

Gewiss sind die kroatischen Zigenner besser als ihr Nuf. Ein Zigeuner, der seinen Namen Kalo^cra in Lui6 nmgeändert hatte, besuchte mit mir fünf Jahre lang das Gymnasinm nnd war einer der besten Schüler der Anstalt. Ans Noth nnd Verzweiflung wird der Zigenner zuweilcu zum Verbrecher. Es gibt aber uuter diesem Volle sehr viele rechtschaffene Leute. Es kommt mitunter vor, dass die hernmzichcnd^n Zigeuner einen Genossen, der ihnen als Dieb oder Schläger Schande gemacht, aus ihrer Mitte aus-stoßen. So einc Strafe ist härter als Kcrkcrstrafe, weil dcr Ansgestoßcne nirgends Aufnahme findet.

Bis zum siebenten oder achten Jahre läuft das Zigcnnerkind so gut wie nackend hcrnm. Es wurde zwar getauft, vielleicht gar zehnmal wegen der

z< rn!IsZ: .ffroalieil lüid Tlnvoiiie».                                                                            2

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Tic ucveiuigttu >tüniss«iche >lroaiieu und ^llllionic».

Pathengcschenke, dic c^ bei jeder neuen Taufe erhält, doch weiß es von der katholischen Religion, zu der es sich angeblich bekennt, sehr wenig. Es besucht keine Schule nnd keine Kirche. Der Zigeuner glaubt au Del), das ist der Name für Gott, und au mächtige Geister, die man in Krankheitsfällen beschwören kann. Anf dem Zuge commandirt ein Frauenzimmer die Gesellschaft. Die Männer müssen der Zigennermuttcr Gehorsam leisten. Vorzüglich geben sich die Zigeuner im Drave-

nud Saveland mit Holzschnitzerei ab. Sie fertigen mit bedeutender Geschicklichkeit ans Holz Wiegen, Mnldcn, Schüsseln, Teller,Löffeln, dgl. an. Andere sind wieder Kleinschmicde, nicht wenige aber Pferdctänschcr. Ans den ansässigen Zigennern rekrutieren sich die sog. Zigeuner-»Vandas«, das sind fahrende Mnsikcrgesell-schaftcn von vier bis zwölf Mann, Violin- und Tambnricaspieler, Trommler und Flötcnbläser. Die Franen schachern mit Amnlcten, sagen »wahr« ans der Hand, ans Karten und Würfeln, und wissen verschiedene Liebeszau-bcreicn anznstclleu. Wenn sie jemandem aus der Hand die Znknnft prophezeien wollen, so heißt es regelmäßig: »mstni 8ßkZor na älan!« (Leg' ein Silberzehnkrenzerstück anf die Handfläche).

Die Zigeuner kleiden sich mehr nach Art rumänischer nnd

südnngarischer, magyarischer Bauern. Die Zigeunerinnen haben die Tracht schwäbischer Bäuerinnen angenommen, bevorzugen aber hellgelbe nnd rothe, recht schreiende Farben. Unser erstes Bild zeigt sehr arme Zigeuner vou der Na^icer Horde. Die Zigeunerin hat die wohl ihr geschenkten Kleider einer Bäuerin an. Der Zigeuner hat den Oberkörper mit einem alten Soldatenrock bekleidet. Dieser Zigeuner ist ein Kesselflicker. Alle drei Personen sind barfüßig. Die Pfeife im Mnnde der Alten kann nicht auffallen. Alle Zigeunerinnen sind leidenschaftliche Nauchcrinnen.

Zigeuner aus Na>icc.

Zur Landeskunde.

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Das zweite Bild stellt wohlgenährte Zigeuner aus der Gegend der Fru.^ka gora dar. Man sieht es dem feisten Gesichte des Zigeuners ab, dass ihm die Sorgen nnd Kümmernisse der wandernden Stammesbrüder fremd sind. Er ist ein ansässiger Gewerbetreibender, lebt in guten Verhältnissen und. kleidet sich darnach.

Nur die nomadisierenden Zigeuner sprechen noch ihre eigene, freilich sehr stark dnrch slavische, rnmänische, magyarische und deutsche Worte versetzte altindischc Sprache, sind aber anch der slavischen Landessprache, und häufig daneben der deutschen, wie z.B.dicZigeuner in Essegg, gut mächtig.

Vielleicht der herrlichste Theil im Lande nach der Fru^ka gora und dem Po/.egaer Thalkcsscl ist das kroatische Hintcrgebirge, das sog. Zagorje. Entlang der steierischen Grenze

dehnt sich längs des Sn t laflüsschcns vom Süden gegen Norden das niedrige, grüne Kostel-gcbirge in der Länge von 23 /^m aus. Die höchsten Gipfel desselben sind die Kuna gora nnd Iapica. Nördlich schließt sich die Ivanöicakettc iu der West-östlichen Nichtnug an. Die Höhen heißen: Stra-hinöica, Vcteruica, Su^cc, Ivanüica und Srdanica.

Vom Iuauöicagcbirgc östlich bei dem nenen Meieihof (Novi Marhof) zweigt sich das lange Agramer-Gcbirge ab uud läuft von Nordost gegen Südwest bis zur Save bei Sused hin. ^Der höchste Gipfel des Agramer Gebirges heißt »Gipfel« Ml oxoolwncn (öljcmc). Die breite und fruchtbare wellenförmige (5'benc, die vom genannten Gebirge nmschlossm wird, heißt das eigentliche Zagorje. Sie hat einen Flächenranm von 1487/>'m'-. Steinkohlen bester Qualität werden hier in den Gruben bei Nogatac, 5?rapina, Nadoboj, Golnbovac, in Oöura und bei Vela gewonnen. Berühmt find

Iigcmier aus dci,' Fiu^ka gora.

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Die uercimnlc» iiöiiinrciche jiroatieu und Slavonic!.

die ausgezeichneten Schwefcllager von Radoboj. Weit bekannt silld die Warmbäder imZagorje: 5trapinskc toplicc (Krapina-Töplitz), Stnbi<^kc toplice (Warmbäder von Stubica) und Sutiuske toplicc. Das Wasser vou Slubica hat eine Wärme von 58'0" C.

In eiuem lieblichen Thalc, das sich westlich gegen Ungarn zn einer großen Ebene ausweitet, liegt Varazdin. Schattige Alleen führen znr Stadt, wo einem das alte mit Laufgraben nnd Schntzwall vcrsclicnc Schloss der Frankopan ins Auge fällt. Ter Ban ist ohne künstlerischen Wert. Tnrch die Agramerstraßc, welche anf den Hanptplatz ansmündet und in ihrer

Vaiazdm.

Fortsetzung als Zakanycrstraße die ganze Stadt durchschneidet, bewegt sich der Hanptverkehr des Ortes. Das ehemals berühmte Franziskancrklostcr :nit seinen herrlichen Fresco-Malereieu im Ncfectorinm, sowie das neue, deutsche Theater, in welchem aber uicht mehr gespielt wird, siud die einzig hervorragenden Gebäude der Stadt. Dass das so theure Haus, das Theater, unbenutzt dasteht, habcu jene übereifrigen, falschen Patrioten auf dem Gewisses die der Bevölkerung lieber gar keine als deutsche Schauspiele und deutsche Bildung znkommcn lassen wollen.

Die Agramcrstraße, von einer Kastanienallee umsänmt, führt über den Oriö nach Kravina(To'ftlii5).

Der Badeort Toplicc sWarmc Quellen) anderthalb Stunden von Varazdin, ist von der Eisenbahnstation ('akovcc (Csäktornya) mittelst

Zur Lllüdcetiindc.

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Stellwagcu ani leichtesten zugänglich. Nach der politisch-militärischen Eintheilung Constantin des Großen zu Unter-Pcumonien, der i-e^io !^ll,v6n3i«, gehörig führte das Bad den'Namen Aqnac Iasiae, Thermae Iassae und später die Benennung Thermae Constantinac. Kaiser Constantin der Große ließ zu Anfang des vierten Jahrhunderts den dnrch Fenersbrunst zerstörten Badeort mit allen Säulenhallen und der vollen Pracht, wie er ehedem bestand, wieder herstellen uud bestimmte den Sonntag znr Abhaltung von Märkten. Das besagt eine vor mehreren Jahren anfgefnndene, jetzt über dem Schlossportale angebrachte Tafel. Sie lantct:

Töplitzer Qlielle.

IMF • CAES ■ FL ■ C0NSTANT1NVS • l'IVS FELIX • MAXIMVS • AVG • AQVAS • JASAS • OLIM • VI • IG

NIS • CONSVMPTAS ' CVM ' PORTICIBVS •

ET- OMNIBVS • ORNAMENTIS ' AD • PRISTINAM • FACIEM • RESTITVIT-PROVISIONS • ETIAM • PIETATIS • SVE • N VNDINAS •

DIE- SOLIS • PERPETI • ANNO • CONSTITVIT ■ CVRANTE • VAL ■ CATVLLINO • VP • P • P • P • P • SVPER •

Die Hauvtquelle dieses in der Neuzeit wieder stark besuchten Badeortes sprudelt auf der unteren Esplanade der parkartigcn Anlage hervor. Sie ist mit antiken römischen, vor mehreren Jahren ansgegrabenen, mit gut

22                                  Tie veicimgtel! s>ön!ii.

erhaltenen Nclicffigurcu gezierten Marmorplattcn cingcfasst. Um dcn (5nr-brmmcli herum bildet sich Schwcfelschlamm in bedeutendem Umfang nnd großer Tiefe; doch wird znm eigentlichen Badcgcbrauch jener von Gn8i-evcc genommen, wo sich in einer Schlucht große Mengen davon angesammelt haben. Die neueste gedeihliche Periode von Toplicc datirt vom Jahre 1822, da au dcsscu Wiederherstellung begonnen wurde; denn im Laufe der Türken-kricge uud der vielen inuercu Wirrcu litt ebenso wie alles andere anch dieser Curort.

Bemerkenswert ist, zwei Stuuden von Krapina, das ans dein C-ndc des vierzehnten Jahrhunderts stammende Panlincrklostcr Lcpoglava, im Macclj-Gebirgc, welches nach Aufhebung des Ordens unter 5taiser Josef II. in eine Corrections-Anstalt für schwere Verbrecher umgewandelt worden ist. Nordwestlich von Lcvoglava ist ein stattlicher See, der ins Bcdnjaflüsschcn abfließt. Hart am See erhebt sich steil abfallend ein massiger Felsen, auf dem die alte, in gothischem Stile erbantc Ritterburg Trako.^an des Grafen Dra3kovi6 steht. See uud Burg werden gerne vou Touristen heimgesucht.

Nicht minder reizvoll ist das Agramcr-Gcbirge, welches sich von der Klaftiua und Lonja südlich bis znr Save hinzieht. An Erzen finden sich Eisen, Silber, Blei nnd Knvfcr vor. Am AbHange des Gebirges gegen die Save zu, liegt in die Ebene hinein weit schon vorgebaut, die Hauptstadt des Landes: Agram (Zagreb). Genannt zu werden verdienen die Ruinen vonMcdved-grad (Bärcnburg) auf der Auhöhe bei dem Dörfchen 6cstin uud das Kloster Ncmctc am Abhänge des Mirogoj im Thale gelegen. Als herrlichster Theil der Umgebung von Agram wird der Park Maksimir (Maximilians-rnh) vielfach gepriesen.

Agram, die Haupstadt vou Kroatien hat eine wunderbar schöne Lage, die jener von Preßbnrg merkwürdig ähnelt. Freilich wenn man vou der steicrmärk'schen Grenze über Zapre«i6 gen Agram gefahren kommt, ahnt man lauge nicht, was für Überraschung eines harrt. Die belebteste Straße ist die Ilica, wo namentlich au Markttagen die bäuerliche Bevölkerung vom Lande mäkelnd und schachernd, drängend und stoßend unter viel Gelärm auf-nnd abwogt. Schlägereien kommen aber doch sehr selten vor, denn der Bauer lässt sich in der Stadt ans vielen Rücksichten znr Nachgiebigkeit bestimmen.

Die Ilica mündet auf den Ielaöi6- (Icllachich) Platz aus, den Mittelpunkt der Stadt, wo mitten auf dein Platze eines der Meisterwerke des Wiener Bildhauers Fernkorn, die Neiterstatue des Ban Iclaöiö, dcn geschwungenen Säbel in der Rechten, die kühnen Augen gegen Ungarn gerichtet, anf-gcstellt ist.

Baron (seit 1854 Graf) Franz von Icla6io, war einer der von den Kroaten gefeiertsten Vane dieses Jahrhunderts. Im Jahre 1848 über-

Zlli Lllndesliinde.

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schritt er mit 40.000 Mann dic ungarische Grenze, wirkte bei der Einnahme von Wien mit, ward im Jahre 1849 als Feldzeugmcistcr mit der Beilegung des Bürgerkrieges in Südnugaru betraut nnd erlitt am 14. Inli bei Heg yes eine schwere Niederlage. Nach der Revolution wurde er zum Bau und Civil-imd Militärgouverueur von Kroatien uud Slavonien ernannt. Iclaöi6 war ein trcncr Diener uuscrcs Kaisers, ein tapferer Soldat nud verfügte über eine bedeutende schöngeistige Bildnng. Übereifrige kroatische Patrioten vergleichen ihn mit dem altscrbischen Helden Kraljevk- Marko. Das soll das

Tnö Icla>ii

höchste Lob sein, in der That aber ist der Vergleich durchaus windig; denn Prinz Marko, ein Verräthcr seines Vaterlandes, diese ssaricatur ciucs echten Helden, verdankt seine unverdiente Popularität uur deu Guslarcu-liedern der Serben nnd Bnlgaren. Ban Icla6i6 ist in dieser Weise nicht volksthümlich geworden.

Vom Iclaöi6-Platzc führt die vornehme Marie Valericgasse, in welcher der im maurischen Stile erbaute israelitische Tempel, eine der Bauzierdeu der Stadt steht, auf dcu Zriuyi-Platz (ZriuM trg), die Promenade Agrmns. Ten Park schmücken viele Büsten berühmter Kroaten. Hier sieht mau auch die süd-slavische Akademie der Wissenschaften, ein recht bescheidenes Gebäude, welches anch das Museum

24                                   Tie ucrcmiglcil >iü»!grcichc ilvoaiic» uild 3lauo!ii>.'ii.

An die Akademie schließt sich das chemische Institut an nnd damn reihen sich an die schönsten Ballten der Stadt.

Vom Zrinjski trg gelangt man dnrch die elegante Knkovi^gassc zur Universität, der ehemaligen Cigarrcnfabrik, einem anspruchslosen, doch geräumigen Hanse nnd zum Vercin-dhansc des Agramer Turnvereines Sokol (der Falle).

Das alte Agram, die Oberstadt (Grc5) liegt ans einem etwas abschüssigen Hügel. Die Unterstadt ist jüngeren Ursprnngs. Das bedeutendste Gebände Agrams ist hier aufgeführt, die prachtvolle, ehrwürdige Markuskirche, die im Inneren freilich sehr einfach gehalten ist. Anf dem Markns-platze befindet sich auch das gleichfalls sehr alte Palais der Bane uud das kroatische Parlamentsgcbäude. An öffentlichen Anlagen weist die Altstadt nur die Stroßmayer- und die Stanko Vraz-Promenade anf. Von der ersteren genießt man einen herrlichen Ausblick auf die Unterstadt und die Ebene bis an die Save.

Der Capitelsplatz bildet den natürlichen Übergang zwischen der Alt-uud Nenstadt. Der Erzbischof bewohnt das mächtige Schloss bei der Kathedrale. Der Dom ist der großartigste Bau ans älterer Zeit in Kroatien. Ein Erdbeben im Jahre 1880 hat ihm zwar bösen Schaden zugefügt, doch erfolgte nnter emsiger Fürsorge des kunstsinnigen Kardinals und Erzbifchofs von Agram, Josef Mihalovich eine gründliche Neugestaltung des Domes. Namentlich sind das ncne Portal und der Hochaltar knnstgerecht ncn ans-geführt worden. Der Dom besitzt einige gediegene Gemälde alter italienischer Meister. Berühmt ist das Bildnis des hl. Scbastianns.

Das Leben in Agram ist angenehm und billig. Die Verkehrssprache der gebildeten Kreise und selbst der besseren Bürgerschaft im Handel nnd Wandel ist die deutsche. Es ist ein frohes, munteres, spießbürgerlich ehrbares Treiben unter diesen sehr fleißigen und strebsamen Leuteu. Die höhere Geistlichkeit und die Zahlreiche Beamtenschaft geben den gemüthlichen Ton an, der nur ab uud zu vom wüsten Gejohle nnd Gekläffe sog. Straßen-Politiker, unterbrochen wird. Das dies möglich ist, daran trägt der Gruudzug des kroatischen Charakters die Schuld. Aus purer Gemüthlichkeit, aus Freude an der Hetze und zum Theile auch aus falscher Scham, lässt mau oft jahrelang verzweifelte Existenzen ihr Unwesen treiben. Wie gewöhnlich muss die noch nicht ausgereifte Iugcud am ersten den Volksverführern zum Opfer fallen.

Im Gruude genommen ist die argbeleumdete goldene Jugend in Agram nicht schlechter nnd nicht besser als die Burschenschaften in manchen kleinen deutschen Universitätsstädten. Wohl empfmdet mau diese Erscheimmg in Agram viel schmerzlicher, weil sie noch neu ist und vielleicht zn grell zu Tage tritt, doch ist es cm großer Irrthum, wenn man glaubt, dass die staatsfeindlichen

Zur Landcöluüdc,

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Streber in Agram oder gar im Lande etwas mehr als Lärm und Skandale machen können. In Wahrheit sind die Kroaten gute Patrioten.

Auf 4 Km südlich bei Sused nähern sich dem Agramer-Gebirge die Ausläufer der kraiuischcn Alpen, welche das Krkathal uud die Posavina vom Kulvagebiet treuuen. Die einzelnen Theile dieses Gebirgszuges siud: 1. Gorjauci oder Uskoöka gora uou der kraiuisch-kroatischen Grenze bis zu den Bächen Brcgana nnd Kupi-ina. Die höchste Spitze dieses Mittelgebirges heißt St. Gcra (1175 ?»). 2. Das Samoborer-Gebirge oder

Bischöfliches Palais und Touilirchc iü Agram.

Oki6er-(Äebirgc, von der Vregaua und Kupöina bis zur Agram-Karlstädtcr Bahnlinie. Die höchste Spitze ist die Ple^ivca (781 ,»). 3. Das Nieder-gcbirge von Vutomcrica, von Iaska bis Pctrinja (Kozja6a 232»,).

Im Thale, durch welches das Msscheu Oradna fließt, liegt der Marktflecken Samobor. In: weiteren Lauf von Tamobor bis Nndc heißt das Thal Draga.

Zu den landschaftlich schönsten, in einzelnen Partien überraschendsten Theilen Kroatiens gehört die Strecke längs der Üouisenstraße, neben welcher her jetzt die Eisenbahn von Karlstadt nach Fiume läuft; auch wenn wir die Hauptliuic verlassen, rechts nnd links abschweifen, finden wir stets

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Die oerciiiigtcn Königreiche ^lloati^i mid ^laoouici:,

Neues, immer lohnende Partien und historisch denkwürdige Punkte. Zn den letzteren gehört anch Ozalj, im Agramcr Comitatc, anderthalb Stnndcn von Karl'stadt entfernt, wo sich anf einem hohen Hiigcl, dessen Fnß die

Burg Ozalj.

Knlva bespült, die ziemlich wohlerhaltenc Bnrg erhebt. Im dreizehnten Jahrhundert gehörte sie den Babonio, Grafen von Gorica. Am Ende des vierzehnten Jahrhunderts kauften die Frangivani (oder slav. Frankopan) die Burg, die im Jahre 1577 iu den Besitz der Familie 8nbio von Zriuy nberssicng.

Das südwestliche odcr auch libnrnischc Hochland Kroatiens, welches das Finmaner Comitat ausmacht, gehört schon zum Gebiet der Karftgcbirge. Nördlich bildet die Grenze die Kulpa. südlich die Adria, östlich bei Zengg der Velebit und gegen Westen der Meridian der Stadt Kastel. Die höchste Spitze (1379^) ist die von Obru6 nördlich vom Gräberfeld (Grobnit). Das Hochplateau ist nicht znm Geringsten stark verkarstet nnd weist mehrere besonders ausgedehnte Mulden auf, so chas Liöko polje oder Liö (das Likaer Gefilde), Platak, Crni kal, Navno. Lukovu, Okruglovo. Gegen das Meer zn fällt die Hochebene in drei Terrassen ab- zwischen der ersten und zweiten liegt das Grobniöko ftoljc, berühmt wegen der Niederlage, welche im Jahre 1242 die Tataren hier erlitten haben sollen. Durch die Ebene fließt der Bach Sirica. Zwischen der zweiten uud dritten Terrasse erstreckt sich von Nordwcst gegen Südost ein langes Thal, welches in vier kleinere Mnldcn getheilt erscheint und zwar das Thal des Flüsscheus Njeöina, der Draga, das Thal von Bakar nnd das Weinland Vinodol, welches bei Cirkveuica gegen das Meer zu offen ist. Gleich hier verdient angemerkt zu werdcu, dass Vinodol wegen der alten, uns erhaltenen Statuten der freien Gemeinde von Vinodol, in der kroatischen Literatur und Nechtsgeschichtc hochberühmt ist.

Etwas länger wollen wir bei Fiume (Rijeka, Neka) verweilen, obgleich die Stadt selbst nicht zum Königreich Kroatien, sondern zn Ungarn gehört, doch ist sie rings hernm von kroatischem Land umgeben. Finme liegt an der Mündung des Karstflüsschens Fiumera in der tiefsten Bnchtnng des Quarnero. Seit 1868, nach der Herstellung der ungarischen Constitution, kam Fiumc unter directe ungarische Verwaltung, und seit dieser Zeit stammt der nngeahntc Aufschwung Fiumes als einer Seehafenstadt her. Ungarn hat für diese Stadt ungeheuere Opfer an Geld nnd Arbeit gebracht. Die Verkehrssprache in der Stadt ist dentsch und italienisch, uud nur zum Theil magyarisch. Kroatisch spricht nur mehr die unterste Schichte der Bevölkerung. Der Export-Handel wird fast ausschließlich von ungarischen Indcn betrieben.

Finmc hat eine Ober- und Unterstadt. Die obere oder die Altstadt erstreckt sich auf der Berglehne, die Unterstadt liegt aber am Meere. Die Oberstadt, gleich so vielen mittelalterlichen vcnctianischen Städten, ist schmal, eng und ungeregelt. Die Häuser zwängen sich ängstlich in die Höhe. Hier wohnt die ärmere Classe der Fabriksarbeiter uud Taglöhner. Die Unterstadt begann sich erst am Anfange dieses Jahrhunderts zn entwickeln. Der Boden für die Neustadt muss Schritt für Schritt dnrch Anschüttungen dem Meere abgerungen werden, Die Straßen sind hier breit nnd geräumig. Am Lebhaftesten geht es anf dem Corso zn, wo sich die größten Warcnnicderlagen befinden. Geht man vom Meere ans znm Corso, so gewahrt man rechter

28

Die liercim'glcn Königreiche Kroatic» >md Tla>,w!!ic!!.

Flume

Iui Lmideöllmdc.                                                             29

Hand in einer Gasse ciu allrömisches Thor, welches man alo die Trinmph-ftfortc Raiser Elaudius II. bezeichnet.

Am Ende des Eorso eröffnet sich links, der anderen Seite des Meeres zu, der Adamil/-Platz (Piazza Adamich), der Hanptsammclort der Fremden und Einheimischen. Dort stehen auch die vornehmsten Einkehr-, Gast- und Kaffeehäuser. Weit ins Meer hinein erstreckt sich der Ad ami6 Molo, an welchem die meisten Schisie Anker auswerfen. Hier genießt man den Anblick eines recht bewegten Schiffsverkehrs und Hafcnlcbens. Der Bau des herrlichen Hafens wnrde im Jahre 1847 in Angriff genommen. Weil der Eingang znm Hafen dnrch Inseln verstellt wird, erscheint der Hafen gleich einem Binnensee. Setzt man seinen Weg an der serbischen Kirche weiter fort, so gelangt man zum schattigen Platanenhain an der Finmcra. Der Hain heißt Scoglietto. Eine andere nicht minder schöne Anlage weist der Elisabeth-Platz der Stadt ans.

Fiumc allein hat vielleicht mchr Fabriken als ganz Kroatien und Slavonien; es hat Tabak-, Papier-, Chemikalien- uud andere Fabriken und große Tamvfmühleu. Die Arbeiter wohnen nicht bloß in Finmc, sondern in der ganzen Umgegend herum. Das arme Volk lebt ausschließlich vom Verdienst in den Fabriken. Morgens nnd abends sieht man ganze Truppen Männer uud Frauen zu und von den Fabriken gehen. Auf dem Wege versehe» die Fraueu meistens Strickarbeiten und pflegen anßerdcin auch noch Lasten zu tragen. Anch hier, wie sonst überall bei den Serben und Kroaten, mnss die Fran für den Mann die schwersten Arbeiten leisten.

Über die Finmcra führt eine kleine gemauerte Brücke hinüber ins kroatische Gebiet in das Dörfchen Su^at, welches seinesgleichen in ganz Kroatien und Slavonien nicht mchr hat. Palast reiht sich au Palast, schöner als in Agram. Thatsächlich ist aber Sn^ak nur eine Vorstadt von Fiumc. Steigt man links gleich beim Brückenübergangc die 411 Stnfeu im Felsen hinauf, so kommt man ans dic alte Burg von Trsat, von wo ans man die Bnchi des Qnarncro, die Inseln und Fiume überschaut. Hier sieht man den Anfang der Loniscnstraße, die im Jahre 1820 gebaut wurde nnd bis uachKarlovac führt. Auf dem Schlosse gibt es eine sehenswerte Sammlnng griechischer, römischer nnd ctrnskischer Antiquitäten.

Gleich gegenüber vom Schloss ist die im ganzen Knstenlandc hoch-berühmte Wallfahrtskirche znr heiligen Maria von Lorctto gelegen, die im Ialirc 12!N von Martin Frangipaui den Franziskanern erbant wurde. Die Sage erzählt, Engel hätten Mariens Heim hiehergcbracht, nm es vor Entheiliguug zu schützen.

Westlich von Finme. an der kroatischen nnd istrianischen Grenze, in einer Stunde vou Finme ans mit Dampfschiff leicht zn erreichen, liegt die Abtei, (kroatisch Opatija), dic unter dem Nameu Abbazzia als Seebade«

30                                   Tie ucrcim'sttcn Königiciche Kroaucii imd 3lnuo»ic>i.

und Luft-Enrort einen Weltruf genießt. Abbazzia gehört freilich auch llicht zu Kroatien, wird aber von Kroaten bewohnt nnd erscheint nnr politisch von Kroatien getrennt. Eine Beschreibung dieses Ortes rechtfertigt sich hier von selber.

Das Schiff fährt hart an dem isttianischcn Ufer dahin und hält vor dem Städtchen Volosea (VoloZka) an, das sich am Fuß des Monte mag-giore (Uöka gora, 1394,«) lieblich hingelagert. Das Volkslied feiert den Ort so:

Piedrago Volosko, lip moj tlijaniaute, u tebi se goje tri lipe vile galante.

»Allerliebst Voloska, du mein schönster Diamant, nährst der schmucksten Vilen drei, und jede ist galant.«

Vor VoloZca östlich hat das Meer aus dem steil abfallenden Felsen eine Bnchtnng ausgehöhlt, die für die Fischerei von großer Bcdeutnng ist. Diese Bnchtnng führt den Namen Preluk. Die große Insel, die weiter südlich sichtbar wird, heißt Chcrso (Crez), die grüßtcntheils von italiani-sirten Kroaten bewohnt ist. Nach einigen Minuten erreicht man Abbazzia. Ein von den Schönheiten dieses Ortes begeisterter Reisender entwirft folgende farbenprächtige Schilderung davon:

>Zu den schönsten Wegtouren im Bereiche des Ouarnero gehört die Küstenstrccke zwischen Moschenizza nnd Fiumc. Legt man diese Strecke des Abends zurück, so ist der Pfad bereits beschattet, währeud auf dem kroatischen Ufer die Sonne noch in breiten Bändern liegt nnd die Hafeneinbuchtungen von Buccari und Porte Rö mit goldigem Dampf füllt. In der Mitte des Qnarnero schweben einige Segel, weißleuchtcnd und phantastisch bemalt, je nachdem eine istrianischc oder chiozzotische Barke sie trägt. Es geht an Fischerhütten vorüber, die so tief liegen, dass die Brandung fast bis zum Herdfcncr heraufreicht. Eudlich treten wir in den Schatten der Lorbecrhaine von Abbazzia nnd athmen balsamische Düfte ein. Mau hat diesen reizenden Fleck Erde das »Nizza Österreichs« genannt; der Vergleich ist nicht zutreffend, soferue man bloß das landschaftliche Moment vor Augen hat. Nizza stellt sich zu Abbazzia etwa wie eine heransgeftutzte stolze Salonkönigin oder Modedame zn einem reizenden, anmuthigen — Landmädchen. Dort die aufdringliche Fashion, welche jeden Natnrgenuss verkümmert — hier die idyllische Einsamkeit, wo der Schlag der Nachtigall nicht profaniert wird dnrch das Drommetengeschmettcr einer vcrehrlichen Curcaftelle. Abbazzia ist gleichwohl kein Stiefkind, wenn es auch vorwiegend mit wilden Neizen prunkt. Was hier die Hand des Gartenkünstlers geschaffen, ist nebensächlich; Haufttschmuck bleibt, was die Natur in ihrem wilden, heißen Triebe hervorgebracht hat. Wie sich hicr das künstlerisch geschulte Auge erquicken kann, wird man inne, wenn man unter eines der immergrünen Lanbdächer tritt und so einen Theil des

Zur Lmidcilluldc.

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Vlbbnzzin.

32                                   Tic velcmiglcn ilcmi^rcihe Kroatien u»d Tlavonic»,

Finmaner Golfs in üppiges Blätterwcrk wic in einem Nahmen gefasst sieht. Der weiße Streifen im Hintergrund ist Finnic; blancr Himmel bricht in azurcneu Flecken zwischen den Ästen hindurch, so dass diese scharfe Silhouetten Zeigen.

Dieses tränte Plätzchen hat eine große Zukunft vor sich. Nachdem die Südbahn-Gcsellschaft dnrch die Erbannng ihren beiden H»'»tcls anf der Wasserscheide am Toblach und anf dem Wolfsberg am Scmmering, in richtiger Erkenntnis der Bedürfnisse der Sommergäste in den Stationen ihrer Linien, dem reisenden Publikum einen großen Dienst erwiesen hat, brachte sie im Juli 1883 auch die »Villa Chorinsky« in Abbazzia käuflich an sich, um dieselbe zu einer comfortablcn Wintcrstation umzugestalten. Wie anf dem Semmering, sind anch am lieblichen Gestade von Volosca Privatanwescn im Bereiche des künftigen Cur-H0tcls erstanden, nnd haben so jene stille Landschaft, die bisher fast ganz abseits des Touristen-Verkehrs lag, mit reichem Leben erfüllt. Vorwiegend aber wird von nnn ab Abbazzia anf jene Kranken große Anziehungskraft ausüben, die behufs Linderung oder Behebung ihres Gebrechens des milden Wintcrklimas bedürfen. Die klimatischen Verhältnisse Abbazzias nnd des ganzen Finmancr Golfes haben sich bisher als gleich günstige, wic in viel entlegeneren, nnd auch sonst thcnreren Winter-Curorten der Adria (Korfu) nnd des Mittelmeercs (Riviera) erwiesen. Das Klima im Golf von Finme charakterisiert sich durch Conccntriernng der Ncgcn-fälle auf den Spätherbst (October, November) nnd den Frühling (April); ferner durch geringen, an der Küste auch ganz mangelnden Schneefall, durch frühen nnd plötzlichen Eintritt der Wärmcperiode, so dass meist schon der Mai einen vollkommen sommerlichen Charakter trägt. Vor der Bora ist Abbazzia vollkommen geschützt. Zwar hat der Qnarnero eine große Zahl von Schlnchtcnwinoen, welche aus den Qnerthälern des Küstengcbirges hervor-stürmcn; doch werden dieselben nnr an jener Örtlichkeit gefühlt, wo sie eben auftreten, also gleichfalls nicht in Abbazzia, das am Küstenhangc liegt. Was die landläufigen Vorstellungen von den »Schrecken des Qnarnero« als »Sturmmecr<- anbetrifft, gehören dieselben in den Bereich der Fabel. Zweifler und Irregeführte mögen an einem reizenden Spätwintcrmorgen von einem der Aussichtspunkte bei der Station Plase aus den Qnarnero sich ansehen. Sie werden statt des Sturmes Frieden finden, statt der vermeintlichen Monotonie Formen- nnd Farbenfülle, statt der eingebildeten Stnrm-schrccken ein zanbervolles Meer mit weißen Segeln daranf, oder die langgestreckte Nauchpinie eines heranstenerndcn Dampfers. Besonders auffällig ist das unbeschreiblich schöne Blau dieses Gewässers. Sicher gibt es in der Adria keine zweite Stelle, die ein so reines Indigo auszuweisen hätte, und Kahnfahrten im Fiumancr Golf gehören denn auch zn den gennssreichsten nnd erquickendsten Zerstreunngen.^

Zur Llludeslunbe.

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In markanten Zügen schildert mit besonderer Anschaulichkeit die Lage Bakar's Herr Erzherzog Lnowig Salvator^): »Unter allen Punkten des Finmaner Busens gibt es keinen wichtigeren, wie die tiefe von Bergen ein-gefasste Bucht von Bnccari-Porto N6. Sie ist sozusagen der Hafen, den die Natur selbst im Grunde der breiten Nhede angelegt hat. Dnrch drei Mnndnngen kaun man aus dem offenen Meere in den Golf von Finme und aus diesem in jenen von Bnccari gelangen; wenn man sich aber vor dem Eingänge dieses letzteren befindet, vermag das Auge durch keine jener Mündungen das offene Meer zn entdecken, so reiht sich coulissenartig Berg an Berg, Insel an Insel, nm diesen herrlichen Golf zu umgürten. Im Hinter-grnnde ist es das langgezogene, waldbedeckte Cherso, dann die Insel

Aufgang zu dcu Nela uraca.

Vcglia mit ihren zahlreichen Spitzen nnd von Castcllcn gekrönten Höhen, nns näher der nackte San Marco, die friedliche Stätte der Ziegen und zugleich das Sigual, die Nicsenvyramide, welche den Kanal nach Dalmatien scheidet und bezeichnet, fortan grünende Hänge bis zum wcißblinkcnden Fiume und Volosca im Grnnde des Busens und von hier ab die Halbinsel von Istrien mit dem 1580 i« hohen Kolosse des Monte Maggiore. So groß ist die Täuschung einer völligen Abgeschlossenheit des Golfes, dass man

") In dcm Prachtwcrke: Der Golf von Buccari-Porto N»'-, Prag 1871. Mit besonderer Vcfriedissuug und mit Stolz theilen wir cinc Probe aus diesem Werke mit, nm der Jugend, fiir welche dieses Büchlein in erster Linie bestimmt ist, zn zejgen, mit was fnr Liebe nnd nnmolichem Sachverständnis ein Mitglied unseres hehren Kaiserhauses über eine Gegend des klroatenlandes schreibt. Tie znm Text gehörigen Bilder sind gleichfalls dem genannten Werke entlehnt.

Urausö: Kroatien »nd Slavonic».                                                                            3

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Die ueleiiiigteii Königreiche Kroatien und Slavonien.

sich an windstillen Sommcrtaa.cn, wenn die Wogen schlummern, viel eher ans den Gewässern eines Landsers, denn ans dem Meere Zu befinden wälint. Auf dem bedeutendsten Vorsprung des Thales von Vnccari liegt die Stadt. Die Hänge sind ganz mit Weinbcrgterrasscn bedeckt nnd nnr in den höheren Regionen treten die kahlen Kalkstcinblöckc zn Tage. Eine schwache Einsattluug verbindet den sonst vollends selbstständigcn Stadthügel mit dem sanft ansteigenden Thalbodcn, und dieser folgt anch die alte Fahrstraße, welche von den Abhängen von Bukovo hcrabkommt. Sie führt zuerst an dem bescheidenen Hospital (Spedale) vorüber. Sehr imposant stellt sich schon

Das Schloss der Flangipani.

von hier aus das Städtchen mit dem die Höhe krönenden Schlosse der Frangiftani dar, au welches sich das einzige Thor von Buccari, die Vela vrata (großes Thor), ein einfacher, ziemlich moderner Thorbogen anschließt. Durch denselben begeben wir uns in das malerische Städtchen. Anf einer Höhe nahe der Ortschaft Porte-R<>, (Kraljevice) steht das alte Schloss der in der Geschichte Kroatiens und Slavoniens hochbcriihmten Frangiftani (Kroat. Frankoftan). Das Gebäude liegt auf der Höhe eines sichelförmigen Vorsprunges und wird ringsum von einer Mauer umzingelt, welche zwischen sich und dem Schlosse einen breiten, mit Gras bewachsenen Raum freilässt.

Jenseits des kleinen Nebeuhafens von Porto-Nü, Draöica genannt, führt ein steiler Fahrweg zum Schloss der Zriuy hinauf. Gewöhulich heißt das Schloss ssastello Vecchio. Es ist ein weitläufiges dreistöckiges

Zui Lllndesluilde.

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3*

Hos de« CastellD del Frangiftani in Nu«ar<.

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Tic vercilliglcii Königreiche Kroatien und Slavonic».

Gebäude, dessen schmale, anf die Contrad a(Gasse) hinausgehende Seile weiß getüncht nnd mit nnr liier Fenstern versehen ist. Das erste Stockwerk geht ans eine nntermancrte Terrasse hinaus nnd erscheint somit als Erdgeschoss. Mitten zwischen dem Grün der luftigen Ncbcngeländcr nnd der farbenreichen Blnmen dieser Terrasse erhebt sich, wie zur Erinnerung an die ehemalige klösterliche Stille nnd Einsamkeit dieses Ortes, eiuc magere, windgefegte, einsame Cypresse.

Erster Hof des Zriny'schen Schlosses.

Durch den Eingang des Schlosses gelangt man zugleich in die dem Schlosse angebaute Kirche. Sie war in früheren Zeiten ein Salzmagazin und ist ein ganz gewöhnliches Gebäude, mit einem, der schmalen Front des Schlosses angeschmiegtcn Thurme, der einen abscheulichen rothen Helm trägt. Das Innere der Kirche ist sehr klein nnd zopfig; es enthält ein Orgclchor nnd vier Altäre. Auf dem Hochaltar steht der hl. Nikolaus, dem die Kirche geweiht ist, und neben einem garstigen Frcscobilde der hl. Iunfrau hängen einige Darstellungen von wunderbar erretteten Schiffen, denen am dunklen Himmel die hl. Jungfrau und der bischöfliche Schutzpatron erscheint, naive Producte eines gewiss aufrichtigen nnd innigen Glanbens.«

Zur Landeskunde.

37

Eine kurze Fahrt von Cirkucnica längst der Küste südwärts in den Meerescanal, den die gegenüberliegende Insel Veglia und das Festland bilden, bringt uns in die Bucht von Novi. Dieses Städtchen eignet sich wegen seiner herrlichen nnd gesunden Lage am Meere und der angenehmen Wohnungsverhältnisse besonders als Aufenthaltsort für Brustleidende.

Das südliche kroatische Hochland schließt sich dem liburnischen an, und bildet den nordwestlichen Theil der Valkanhalbinscl. Die Grenzen sind gegen Norden die Kulpa nnd die Save bis znr Unamündung, östlich die Una,

Noui.

südlich das dalmatinische Flüsschen ButUnica und der Irmanjafluss, westlich die Adria bis Senj.

Scnj (Zcngg, einst Se::ia zubenannt), die k. Frcihafenstadt, liegt am Nusgangc einer engen Klamm, am Fuße Zweier kahler Gebirgszüge. Über die steile Vratnitgora führt eine Knnststraße, die Iosefsstraße, von Zengg nach Karlovac. Südlich oberhalb Zengg steht ans einem circa 82 m hohen Felsen die vom Icnggcr Capitän Johannes Lenkovi« im Jahre 1558 erbaute Burg Nchaj (Nehaj grad), von wo ans man einen wunderbar herrlichen Ansblick über die Inseln bis zum schneebedeckten Monte maggiorc mid östlich bis nach Novi in der Lika genießt. Im Osten vor der Stadt erstreckt

3ij                                   Tie uercimglcn ,u!)»igicichc itiülltic» imd ^lauonicn.

sich auf der Abdachung des 602 «i hohen Strmac die Icuggcr Vorstadt Varo^. Zengg selbst ist eine enge, winkelige Stadt von italienischer Bauart, ohne aber italienische Kunstbauten auszuweisen. Schön ist einzig der Hauvt-vlatz mit einem Kastell ans dem vierzehnten Jahrhundert, welches gegenwärtig als Kaserne Verwendung findet. Ein beachtenswcrthcr Bau ist die hl. Marienkirche, eine romanische Basilika ans dem zwölften oder dreizehnten Jahrhundert. Der Glockcnthnrm vor dcr Kirche soll noch unter der Negierung König Drxislav's um das Jahr 1000 u. Chr. erbaut worden sein. Die jüngste Zeit hat erst einige moderne, gefällige Nutzbantcn geschaffen.

Wären die umliegenden Höhcnzüge bewaldet, so wäre Zengg seiner anmuthigen und sonst gesunden Lage wegen ein berühmter Curort. So aber wird die Stadt nur zu häufig von dcr verheerenden Bora heimgesucht. Ein Sprichwort sagt von der Bora: »in 8<^na na8oo, in I^iumL »i marit.i, eä a Iriesto muore.« (In Zengg wird sie geboren, in Fiume vermählt sie sich und in Trieft findet sie ihren Tod).

Vom fünfzehnten bis zum siebzehnten Jahrhundert genoss Zcngg den Ruf, das böseste Piratennest an den adriatischen Gestaden zu sein. Die Stadt und die Burg von Klis waren die sichersten Zufluchtsorte bosnischer und hercegovinischer Überläufer und Ausreißer (Uskoci), die durch ihre unersättliche Raubsucht sowohl den Türken, als auch den Venetianern fortwährend schweren Schaden zufügten und auch der österreichischen Regierung zahllose Ungelegenheiten bereiteten. Nach dem Madrider Frieden vom 27. Sept. 1617 übersiedelte die österreichische Regierung zwangwcise die Uskoken in die Gegend von Otoöac und Aumberak. Die Häuser wurden ihnen genommen und dic Schiffe verbrannt. »Seit dreißig Jahren bis heute«, sagt ein Augenzeuge, 'kosten die Zcnggcr Uskoken den Venetiaucrn zwanzig Millionen Gold-ducati, theils durch die im Golf von ihnen gemachte Beute, theils durch den an die Türken gezahlten Schadenersatz und die Kosten, die man aufwenden musste, um sie im Zaume zu halten.«

Vom Jahre 1640 bis 1871 war Zengg eine freie Grenz-Comnmnität. Die Befreiung der Lika nnd Krbava von der türkischen Herrschaft ist nicht zum Geringsten dcr Tapferkeit dcr Zengger Grenzer zn danken.

Das südliche Land hat einen Flächenraum von 13.000 /c,»2; die mittlere Höhe beträgt 700 m. Es ist vorwiegend Karstformation, mit einer Unzahl Einsenkungen, Mulden nnd Trichtern. Zu nennen sind die Gebirgszüge: Velebit, Velika und Mala kaftela, Ple^ivica, Reznik Planina, Vrba^ka staza, Kamenita gorica, Petrova gora und Zrinjska gora.

Dieses gewaltige Stück Land ist in Folge seiner ungünstigen Configuration und Unwirtlichkeit schwach und zwar nur in den größeren Muldeu recht bewohnbar. Im südwestlichen Theile nimmt den grüßten Flächenraum die Hochebene der Lika ein. Sie liegt zwischen dem Velebit westlich und der

Zur Laubcslunde.                                                              39

Vrbaöka staza und der Pleöivica östlich (595 /.-,«-). Nach der Lika kommen die Hochebenen von Gacka, Krbaua, Korenica und das Thal vonZrmauja. Im nordöstlichen sind folgende Thäler nnd Kessel erwähnenswert!): Plavöa drag a und die Thäler von Dobra, Korana, Olina und Una.

Die Lika, dieses so weltvergessene und so wenig beschriebene Gebirgs-land, verdient wegen seiner vielen Eigenthümlichkeiten, dass wir es hier und später auch noch mehr berücksichtigen. Hübsch charakterisirt das Volk die Armut dieses Gebietes durch die Legende: Als Christus, der Herr auf Erden herumwandcrlc, sprach einmal St. Petrus zu ihm: Überall, wo wir gewesen, ließen wir eine Gnade zurück, uud nur die Lika sollte leer ausgehen?« Darauf antwortete der Herr: »Ja, was denn? So möge ihr Gesundheit und Freudigkeit zu Theil werden!« Daher erzählt man, dass die Menschen nirgends so gesund wie in der Lila wären, und dass sie bei aller Noth nud Entbehrung doch allcwcil guter Dinge seien.

Der Slavonier nennt den ganzen Landstrich von Kar 1st ad t bis an die dalmatinische Grenze Lika, während znr Türkeuzcit nur, wie es scheint, die Hochebene mit dem Dorfe Ribnik, dem Sitz des berühmten Aga von Nibnik, des Acg Mnstajbeg, so benannt wurde, wohl nach dem Flüsschen Lila, welches am Fusse des Velebit's beim Dörfchen Brn3ani seinen Ursprung nimmt. Als noch die Militärgrcnze bestand, unterschied man das Slunjer, Ogu-liucr, Oto 6 acer uud Lika er Regiment. Letzteres zählte zwölf Landes-Compagnicn. Das waren die jetzigen Gemeinden: Zrmanja, Srb, Doljni Lapac, Vruvno, Uobina, Podlapac (Mclinjar), Graöac, Louinjac, Medat, Kanid/a (Gospio), Smiljan und Kula (Osjek).

In der Lita spricht die Bevölkerung serbisch, in enger Anlehnuug an die hercegoviuische Mundart. Nur in der Küstcnlandgemeinde Karlobag hat sich die kroatische (5a-Sprache behauptet.

Die Likaer sind durchwegs Bauern. Wer keinen Grund und Boden besitzt, zählt nicht mit. Einmal die äußerst bescheidene Ertragskraft des Bodens, dann die dcmoralisircnde Nähe der feindlichen Mohammedaner im Grcnzland, ließen die Likaer bis in die Neuzeit nicht zur Nuhe kommen. Bei den Kroaten uud Tlavonicrn waren Likaer und Räuber siuuverwandte Worte. Es gibt ein Sprichwort:

Ni go in be/- viika ni Likst bez hajduka.

»Weder ist das Hochgebirge ohne Wölfe, noch ist die Lika ohne Räuber.« Der Likaer wurde seltener ans Habsucht, gewöhnlich aus gekränktem Ehrgefühl, Räuber. Unter dem strammen Grenzregimeme wurde einer leicht wegen cincs geringen Vergehens zn Stockstreichen verurtheilt. Um der entehrenden Strafe zu entgehen, floh der Verurtheiltc ins Gebirge und wurde aus Verzweiflung Strauchritter. Erst seitdem unser Kaiser die Leibesstrafen

40                                  Tie vereinigten Kijnlgleichc Nroatien und Tltwonien.

abgeschafft, hörten auch in der Lika die Nänbercien auf. Im Jahre 1872 wurde der letzte Hajduk, ein gewisser Tomi6 Kovaöevic- aus Vranik, eingefangen und hingerichtet.

Der Bezirk von Zrmauja hat gar keine Ebenen, nur ein einziges kleines Feld »Vclita Poftina«, das aber wegen seiner bedeutenden Höhe überm Meer und der Wasscrlosigkeit, ganz unfruchtbar ist. Heftige Regengüsse im Frühjahr nnd Herbst schwemmen die letzte Krume Schwarzerde weg, so dass dann Graben an (traben, öde Fnrche an Furche dableiben. Nördlich vou Zrmanja erhebt sich die Portal planina, die vom October bis Mai schneebedeckt ist.

In fünf Stuuden Weges durch dcu Zrmanjcr Engvass (Zrmanjski klanac), über die kleiue und große Poftina uud vorbei au Kupirova gelangt man nach Srb. Hier gibt es viele Bäche und Flüsschcu und hier ist auch der Ursvruug der Una. Trotzdem ist auch diese Strecke recht uufrucht-bar. Das ebeuc Land östlich gehört schon zu Bosnieu. Sechs Stuudeu davou bietet sich dem Reisenden ein herrlich romantischer Anblick: die tiefe zwei Stunden lange und stellenweise cine Stnnde breite, vom riesigen Gebirge umsäumte Thalmulde von Unter-Lapac. Das gleichnamige Dorf ist eine halbe Stunde lang. Auf beiden Seiten des Fahrweges reiht sich Haus an Haus, eines sauberer als das audcre. Der Ort besitzt nur vier dürftige Oucllbruuueu. Der Boden ist mit sonnverbrannter Erde und Schwemmgcrölle stark bedeckt.

Der Weg von Lapac nach Udbiua schlangelt sich über dic Kilt planina hinüber. Jenseits des Kuk auf einem Hügel liegt das jetzt ärmliche Städtchen, einst aber, zur Türkenzeit, der vielbesungene Sitz des greisen, 130jährigen Ojvauaga uud so vieler anderer Helden, die das mohammedanische Gnslarenlied noch gegenwärtig feiert. In der Hcrrenkneifte zn Ndbina wurden im Laufe von 200 Jahren unzählige Raub- uud Plünderzügc ins »wegsame« Küstenland (ravno primorjc) berathen und beschlossen. Auch Mustapha Dickwaust oder Hasenscharte (Hrnjica) weilte am liebsten hier unter seinesgleichen. Noch jetzt singt der Guslar:

Vino pi.ju />T<3 Hcldin^ni,

Cs trinken Wein die Udbinaer Edlen;

sie erzählen von kühnen Waffenthaten nnd verwegenen Überfällen uud muutern einander auf zu neuem Ruhme.

Nördlich von Udbina erstreckt sich das breite Krbava-Fcld, das bis an Otoöac grenzt. Lang ist es fünf bis sechs Stuudeu uud zwei bis drei Stunden breit. Das war einst der Tummelplatz schneller Rosse nnd waghalsiger mohammedanisch-slavischer Raubritter, der Stammsitz des großen Grdau Omer, heute ist es eiu wenig bebautes vernachlässigtes Stück Land, kein Schatten einstigen Glanzes mehr.

Zur Landeskunde.                                                              41

Inmitten der Krbava ist ein großer Weißbuchenhllin, der Landov gaj. Im Volke hat sich die Sage von einem berühmten General Laud (Laudon) erhalten, der soll diesen Hain gepflanzt haben. Laudon ist bei den Likaern vergessen!

Des Helden, der die Likaer in so vielen ruhmreichen Schlachten zum Sieg geführt, gedenkt das Volk nur mehr des Haines wegen! Und dasselbe Volk träumt noch immer von der nichtigen Gloriole jener Raubritter uud Buschklepper, die hundert und Zweihundert Jahre vor Landon, selber in untergeordneter Stellung, sogenannte Heldenthaten vollbracht! Die Volksseele ist ein schweres Räthsel.

Im Herbste, wann sich große Regengüsse einstellen, geräth die ganze Krbava-Mnldc, besonders der nördliche Theil gegen Oto6ac zu, unter Wasser, so dass vom Landon-Hain nur einzelne Wipfeln hervorragen.

Von Ndbina südwärts an den Dörfern Komi6 nnd Kurijak führt durch Tu^ice der Weg ins Dorf Plo6a, wo vor 250 Iahrcu ciu gefürchtetcr Naubrittcr Ploöauiu Alija gehaust. Tusice aber war bis in die Neuzeit die Zufluchtsstätte der Hajdukcu. Südlich oberKomi6 erbebt sich das steile Haupt Trovra, auf dem noch alte Burgruinen mit einem Bruunen sich befinden. Mein Wahlfrenud Herr Lazar Tadi6, dem ich so viele Angaben über die Lila vcrdauke, theilte mir von Burg Trovra folgende Sage mit. Die Sage erzählt, ciust habe hier ein Herrscher Namens Knrlovi« Ivan gethront. Dem Volke hatte er aufgetragen, ihm Wein ans Dalmaticn zuzu- /^ führcu. Der Zug der Leute (tnrma) sei von Dalmaticn bis zur Trovra-/^^ Spitze laug gewesen, Manu an Mann. Pferd an Pferd. Den Wein musstcu die Leute in den unergründlich tiefen Brunnen gießen, um ihn zu füllen. Die dem Volle aufgelegten Lasten wurden immer unerträglicher. Eines Tages sah der Herrscher in allen Thälern Ranch und Qualm mächtig aufsteigen. Bald berichteten ihm seine Diener, das Volk wäre ausgewandert, nachdem es vorher seine Behausungen in Brand gesteckt. Als dies Karloviö vernahm, sagte cr: »Nun habe ich auch fürdcr keinen Bestand mehr da.» Dann zog er fort nach Karlovac (Karlstadt) nnd nach ihm soll die Stadt benamt worden sein. In Bnrg Trovra dürfen wir den Sitz Grdan Omeraga's von der Krbava vermuthen. Ihre Zerstörung fällt in die Zeit der Gründung Karlstadt's. Südöstlich von Udbiua an den Dörfern Mutili6 und Ondi6 vorbei und über die karstigcu Sättel des Kiemen, Stola6 nnd Opöuv gelaugt mau uach Nruvuo. Op^uv ist ein völlig kahler, glatter, eiförmiger Berg, au ihu lchut sich förmlich Stola<- an. An letzteren Berg knüpft sich cme Sage an, die sachlich mit einer bekannten Rübezahlsagc ans dem Nicsengcbirgc identisch ist. Die geringeren, dnrch die verschiedene Stammes-angchöl'igkcit bedingten Sondcrcigcnthümlichteiten in einzelnen Strichen sind natürlich hier belanglos.

^2                                  Tie vereinlssttil Kllnlgrcichc Kraalicn u»d Zlavonien.

Jill Stola6 ist eine Höhle, darein ungeheuere Schätze, Gold und Edel-gestcin aufgespeichert liegen, doch niemand kennt den Eingang zur Höhle. Einst, man sagt es soll um das Jahr 1830 gewesen sein, träumte einem Hirten, der auf dem Stola<- übernachtete, er brauche nur eine Fclsplatte da nnd da aufzuheben, nm zn den Schätzen zn gelangen. Richtig, kaum war er darüber erwacht, sah er die Platte, hob sie auf und trat in die Höhle ein. Da lag das gleißende Gold in Haufen und an der Wand hicng die »Halsschnur der Königin« (Kraljiöiu gjerdan). Mitten in der Höhle stand ein steinerner Tisch und auf dem Tische lageu kreuzweise zwei flammende Schwerter. Flugs füllte der Hirtenknabe alle Taschen mit Gold an, doch als er fort wollte, fand er nicht mehr den Ausgang. Da erscholl eine Stimme ans der Dunkelheit: »Wirf das Gold hin. So ohne weitcrs schleppt man es nicht weg von hier. Finde vorerst „die Schlüssel der Erde" (zcmaljske kljnc-e). Die bring her, erlöse mich mit ihnen, dann wirst du auch den Schatz heben können.« Der Knabe leerte alle Taschen aus, konnte aber doch nicht den Ausgaug finden, bis sich die Stimme wieder hören ließ: »Du hast noch Geld bei dir!« Der Hirte war ganz rathlos. Er suchte nochmals alle Taschen durch, doch vergeblich; endlich fand er in der Beschuhung noch ein Goldstück. Das warf er weg, und dann zeigte sich ihm die Öffnung, und er kam glücklich heraus.

Die Hö'hlcnpforte blieb anch ferner hin offen. Von der Sache bekam anch Hauptmaun Pilipovi6 Kunde, der damals zu Bruvno Compagnie-Commandant war. Eines Tages begab er sich im Geleite mehrerer Herren nnd des Pfarrers Peter Kovaöevi6 aus Mazin in die Höhle. Der Pfarrer hatte die Stola (petrailj), geweihte Wachskerzen und das Evangelium mit. Alsdann beriethen sie, wie man am ehesten die Schätze wegtragen soll. Der Pope zündete die Lichter an und fieng an zn beten, doch die Stimme aus der Dunkelheit ertönte: 'So hebt Ihr nimmer den Schatz. Trollt euch von hinnen!« Der Haufttmann aber fluchte gotteslästerlich und drohte eine solche Macht mitzubringen, dass er den ganzen Berg dnrchgraben lassen werde. Die Stimme rief Zur Antwort: »Nur gemach, mächtiger Pilipovi6!« Auf einmal blies ein heftiger Wind, die Kerzen verlöschten, es erhob sich ein Gedonner nnd Getöse und darauf folgte ein fürchterlicher Steinregen, dass alle entsetzt flohen und mit harter Noth das Leben retteten. Der Pope hatte in der Eile sein Evangelium drinnen gelassen, nnd als er es abholte, bekam er noch einige tüchtige Püffe von unsichtbarer Hand. Seit der Zeit blieb das Loch verschollen. Die Theilnehmer an jenem Besuche starben bald darauf. Nur der Pope lebte noch bis zum Jahre 1861, war aber stets verschlossenen Gemüthes und gedachte am liebsten gar nicht dieser Geschichte.

Mit geringer Abwechslung gleichen einander die vielen Poljen in der Lika aufs Haar. Überall steile Höhen, Schluchten, großes, umherliegendes

Zur Landeskunde.

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Wnsscrsällc dci Plilvicci Sccil.

Pli!vicel-2ccn.

Zur Lllndeslundc.                                                              45

Gestein, wenig Ackerboden in den Mulden, geringe Weideplätze. Von der Art sind auch das Narinsko polje zwischen Lapac und Bruvno und das Rudopolje (mit einem gleichnamigen Dorfe), westlich von Bruvno. Nördlich am Abhänge der Vclebithöhen liegt Gra6ac, von wo man über Nibnik und das Liöko ftolje nach acht bis zehn Stunden nach Otoöac gelangt. Dieses, stellenweise vier bis fünf Stunden breite »Feld« ist mit einer Zähen, für das Vieh als Nahrung sehr minderwertigen Grasart stark bewachsen. Dieses Gras heißt man Vri^tina. Gospio ist der größte Ort in der Lika. Hier gibt es sogar mit Ziegeln gedeckte stockhohe Häuser, während sonst in der Lika die Vauernhäuser halb in die Erde hincingegraben und mit Stroh und Dünger gedeckt sind. Berüchtigt sind die strengen Winterszeiten in dieser Gegend. Gospi6 ist der einzige Ort in der Lika, der eine Apotheke besitzt. Der Likaer braucht keinen deutschen Arzt und keine Apotheke. Er traut weit mehr den trauter- und zauberformelknndigen Weibern im Dorfe, als der gesammten modernen medicinischen Wissenschaft.

Von Otoöac führt der Weg über Vrhovina nach Osten bis zum Dorfe Iezero, wo man das größte Naturwunder der füdkroatischen Gebirgsgegend, die Plitviccr Seen (Plitviöka jezera) zu bewundern Gelegenheit hat. Von Iezero muss man zu Fuße zu den 800 m über dem Meere gelegenen Seen gehen. Es sind deren dreizehn, von denen zwölf durch schöne Wasserfälle mit einander verbunden sind. Die Seen sind folgende: ProZäansko jezero (1264 ,« lang und 442 m breit); dieser See fällt mit einem 10?« hohen Fall in den zweiten See, Ciginovac (lang 152 m breit 320 ,n), aus diesem See führt ein gleichfalls 10 ?« hoher Wasserfall in den dritten See: Otrngljak gornji, der wieder durch eiuen 7 m hohen Wasserfall mit dem vierten See: Crno jezero, verbunden ist. Es folgen durch Wasserfälle verbunden der fünfte See Vir und der sechste Galovac. Den letzteren verbindet ein 28 m hoher Fall mit dem siebenten See, Gradinsko jezero. Gradinsko fällt in den See Kozjak, den größten und schönsten von allen (er ist 3075 i« lang nnd 613 m breit). Auf den Kozjak folgen, durchwegs durch fchöue Wasserfälle verbuuden, noch vier Seen: Milanovo jezero, Okrugljak doljni, Kalugjcrovo jezero und Novakoviüa brod. Der letzte See fällt mit einem 29 Meter hohen Fall in das Flussbett der Korana und beschließt die Plilviccr Seen. Wasserfälle sind im ganzen 25 bis 30, von dencn jedoch drci besonders bemerkenswert sind: der Fall des Galouac, der des Novalovi^a brod nnd besonders der 78 m hohe Fall der Plitvica in der Korana. Die Berge und Wälder gestatten nicht einen einheitlichen Überblick über alle Plitvicer Seen, es gibt jedoch einige Aussichtspunkte, von denen man aus mehrere Seen mit einem Blick umfassen kann. Solche Punkte sind die Wiese vor dem See Galovac, von der aus mall sieben Wasserfälle erblickt; ferner die Quelle des Flnsscs von Korana, wo aus man einerseits

4g                                   Tie ueremlgten Königreiche Kroatien und Slavonien.

den gewaltigen Fall der Plitvica, andererseits den Fall des Galovac erblickt. Der beste Aussichtspunkt wärc jedenfalls der Berg Metla, von wo aus man alle Seen übersieht, jedoch ist dieser Berg sehr schwer zugänglich nnd seine Besteigung Fremden tauni auzurathcn, znmal das Führerwesen dortzulande noch sehr viel zu wünschen übrig lässt.

Mit der Hauptstraße gegen Westen gelangt man von Gospi'6 über die Lika-Brücke nachKani/a und von da nach Dorf Bru^ani, wo die Töpfer-waare für die ganze Lika erzeugt wird. Die Scheibe, auf welcher die Ess-und Kochgeschirre geformt werden, dreht der Töpfer, auf der Erde kaucrud, mit der linken Hand. Der Thon wird vorher mit den bloßen Füßen weich aus-gestamftft. Die Öfen gleichen den üblichen Brodöfen. Die Geschirre find nicht ohne Formensinn ausgefertigt nnd die Zierraten mitunter geschmackvoll in Farben ausgeführt. Die Technik ist primitiv, der Brand schlecht, die Ver-glasuug nicht dauerhaft. Die hohen Drehstöcke, bei welchen der Arbeiter die Scheibe mit dem Fuß bewegt, sind erst neuereu Urspruugs.

Von Bruöaui schlangelt sich über den Velcbit zum Meere hinab eine Kunststraße nach Bag (Karlobag). Die Bewohner Bag's nnd der umliegenden, armseligen Dörfer sind wirtliche Kroaten und katholisch.

Das Klima Kroatien und Slavoniens und die Feuchtigkeitsverhältnisfe der Luft zeigen bei der eigenartigen und abwechslungsreichen orografthischcn Gestaltung des Landes große Verschiedenheiten. Man findet hier wie im Ungarland alle Abstufungen vom rauhen Alpenklima bis Zur subtropischen Hitze im Küstengebiete und (im Sommer) bei Semlin. Die mittlere Sommertemperatur betragt in Fiume (Rjeka) 234" C., in Semlin (Zemun) 238" C., die Wintertemperatur für Fiume 6 2" C., für Semlin — 05" C.

Im slavonischen Savelande und in der Drauniederung finden im Frühjahr starke Niederschläge statt, in der Lika wieder ist der Schneefall im Winter außerordentlich groß und der strenge Winter dauert oft sechs bis sieben Monaie an. Wie überall im Hochlande so folgen auch in Kroatien zuweilen auf heiße Tage kühle, auch kalte Nächte. Im Durchschnitte fällt in Kroatien im Jahr Negen und Schnee an 982 m»l hoch. Der gesammtc Niederschlag wird mit 55 256 «» angenommen. Eine allgemeine Dürre tritt äußerst selten ein, weil der Boden das Wasser nicht ganz aufzusaugen vermag. Indessen erinnert sich das Volk des außergewöhnlichen trockenen Jahres 1837, wo man die Save bei Altgradißka trockenen Fußes überschreiten konnte nnd der Boden weit im Lande klafterbreite Risse und Sprünge zeigte. Der südliche Theil von Kroatien (bis zu 45" nördl. Breite) gehört zur Zone der äquiuoctialen (oder Herbst- und Frühliugsregen), der nördliche Theil aber zur Zone der Sommerregen.

Zur Landeilunde.                                                             47

Im Küstenlande und auf der südlichen kroatischen Hochebene wüthet häusig in den Monaten October bis December und Februar bis März ein heftiger Nordostwiud, die berüchtigte Bora (burn), der nichl minder als der berüchtigte feuchte Südostwind (Scirocco) Menschen und Thieren gefährlich zu werden pflegt. Besonders furchtbar sind die Wirbclstürme uud Windhosen (Ncfolli), die mit Leichtigkeit Dächer abheben, Bäume ausreißcn, Menschen wie Federn fortblasen und oft dem größten Schiffe anf dem Meere den Untergang bringen.

Im Küstenlande sind Lnftspiegelnngen (Fata morgana) an heißen Sommertagen eine nicht ungewöhnliche Erscheinung.

Einen großen, weder gebürend gewürdigten und noch weniger ausgenützten Reichthum besitzt das Land an seinen Heilquelle». Eiuige sind schon zuvor genannt worden. Es sollen aber alle bedeutenderen und wichtigeren hier aufgezählt werden. In Aftatovac (natronsaures Wasser; 12" Wärme); Daruvar (zur Nömerzcit tkermas .jagorvonges, Warmbäder von 40 bis 47" C.); Iamnica (Sauerbrunn 15" (5.); Kamena gorica; Ka-mensko (bei Karlstadt); Krapina Töplitz (toplice, 406" bis43'1"C.); Lasinja ill" C.); Le^öe (unweit Karlstadt 36" C.); Lipik (jod- uud natronhältig); Slani potok (Salzbach; in einem Pfund Wasser 122 Gran Salz); Slanje (bei Varazdin); Warmbäder von Stubica (58-6" C.); Sutina (gleichfalls im Zagorje, 31-25" bis 37 5" C.); Topusko (56'25" bis 61-25" C.); Valpovo (zur Römerzcit ^ovulinm, Eiscnbad); Varazdin er Bäder 0

Die Flora Kroatiens und Slavoniens weist znfolgc genauer wissenschaftlicher Erhebungen an 6200 Spccicn anf, wovon 3400 auf Phancro-gamcn entfallen. Zur Flora des mittelländischen Meeres gehört das kroatische Küstenland von Fiume bis Bag. Dieser Strich liegt unter demselben Brcitegrad wie Süd-Frankreich und Nord-Spanien. Hier gedeihen Gewächse, die sonst nur noch in der Gegend von Neapel, in Süd-Frankreich und in Spanien im Freien fortkommen, so z. B. der Granatbaum (^m^äaiis ooiu-numis), die Myrche (klvrtlius oommuni«), der Lorbeer (Naurus nudills), die Eitrone ((,'itru» msäica), die Orange (l'itru« auraininm), die indische Feige (I^ioun iiicUeu), der Ölbanm (01«», europaea) n. s. w.

Znr mitteleuropäischen Flora gehört das eigentliche Kroatien uud die (aufgelöste) Militärgrcnzc, während fast das ganze Gebiet von Slavonien der ungarischen Steppenflora zuzuzählen ist.

Slavonien war noch vor zwei Jahrzehnten berühmt wegen seiner dichten Eichen- nnd Buchenwälder. Seit der Zeit ist ungeheuer viel behufs Erzeugung von Fassdaubcn, Eisenbahnschwellen und Pottasche ansgchauen und abge-forstet worden.

48                                    Tie uercminlcn Äömgiciche Kroatien und Slavonien.

Der Handel in Kroatien nnd Slavonien ruht zu neun Zehntel in Handen der Serben und Juden. Der Jude vermittelt den Import- nnd Exporthandel. Sein ganzes Sinnen nnd Trachten ist darauf gerichtet, sich daheim für die ausländischen nnd im Auslande für die einheimischen Erzeugnisse ein Absatzgebiet zu schaffen. An Intelligenz und Thatkraft, an geschäftsmännischem Muth und au Beharrlichkeit übertrifft der Jude sowohl dcu Kroaten als den Serben, wobei ihm seine Mäßigkeit und Anspruchslosigkeit zu statteu kommen. Der Inde drängt sich in die bestehenden Gesellschaftskreise nicht ein; er selber wird zum Mittelpunkt eines Kreises. Man kann sich ^heutigen Tags ein slavonisches Dorf ohne Iudeu kaum mehr vorstellen. Des Juden Geschäfts-laden ist die Börse, wo die Preise für alles, was in der Gegend aufkommt, bestimmt werden. Der Jude ist der Makler für alles nnd jedes, er ist der Rathgeber und in vielen Fällen Schiedsrichter des Baucrnvolkcs. Das Verhältnis zwischen dem Inden und dem Bauern ist nahezu ciu patriarchalisches. Von Iudenhass ist daher im Bauernvolke keine Nede.

Die Sprache des Volkes spricht der Jude durchgehends tadellos rein. Die Erlernung derselben fiel ihm um so leichter, als er in seiner früheren Heimat, — die meisten Juden sind aus den Zlovakischen Comitaten Ungarns eingewandert — schon eine slavische, der serbischen nud kroatischen nahe verwandte Sprache kannte.

Vor fünfzig Jahren gab es in diesen zwei Königreichen nur sehr spärlich Juden. Ein Großhandel war im Lande so gut wie unbekannt, den Kleinhandel betrieben aber fast durchgängig Serben, die man fälschlich Cinc ari nannte. Der Kaufmann war gewohnt mit Zweihundert Procente Gewinn zu arbeiten. Bis er nicht das letzte Stück von seinem Lager verkauft hatte, zog er nicht nach Wien oder Pest zu einem neuen Einkauf. Da erschienen die ersten Juden aus Ungarn und begnügten sich mit einem Nutzen von bloß fünfzig Procenten und drückten schließlich die Preise bis auf fünf Proceut Nutzen herab. Die wohlthätigen Folgen dieser Reibung zeigten sich bald.

So betrng Z. B. der Umsatz in Poöega vor 25 Jahren nicht mehr als 170.000 Gulden an Waren jeder Art. Heute ist in Poöega eine stattliche Indengemeinde. Der Umsatz beträgt über 700,000 Gulden. Damals kamen die Banernmädchen barfuß iu die Stadt, nur an Sonn- und Feiertagen hatten sie Opanken an, heute hat beinahe jedes Mädchen an den Füßen schöne Zugstiefletten, die fünf bis sieben Gulden kosten, sowie ein Banernjunge nicht ohne hohe Stiefel in die Stadt kommen mag. Damals hatte das Mädchen nichts auf dem Leibe als ein ranhes Leinenhemd und ein grobes Fürtuch (pregaöa), das ganze im Werte von vier bis fünf Gulden, heute mnss sie ein Seidentüchel im Werte von fünf bis zehn Gulden, eine bunte große Seidenschürze im Werte von fünfzehn bis zwanzig Gulden und wertvolle Brochen, Armbänder und Korallen haben. Sie kann es thun, denn der

Zui LllndeLlunde.                                                             49

Wohlstand des Hauses erlaubt es. Vor 25 Illhreu musste der Bauer seine Schweine mit Weizen füttern, weil er die Frucht um keinen Preis losschlagen konnte; heute kommt der Jude zu ihm ins Gehöfte nnd zahlt in barem Gelde den vollen Marktpreis. Infolge der Betriebsamkeit des Juden ist der Wohlstand im Lande in einer vor drei Jahrzehnten ganz ungeahnten Weise gestiegen.

Weit in der Welt sind die sirmischen und kroatischen Weine der Mosla-vina und des Zagorje bekannt und geschätzt. Eine besonders gute Sorte, die man getrost dem besten Tokayer an die Seite stellen mag, gedeiht im Kalkgebirge Klikon bei Pleternica im Poxegaer Comitate. Die Ausfuhr war bisher eine verschwindend geringe. Kroatien und noch mehr Slavonien ist ein echtes Obstland. In Sirmien wachsen die trefflichsten honigsüßen Kaiserbirneu, Aprikosen, Marillen und Äpfel so groß wie ein Kindskopf (Muscatelleräpfel), und in der Poxegaer Gegend die wohlriechenden Sröika-Äpfcl, die an Güte den Tiroler Äpfeln nichts nachgeben, nur sind sie weniger haltbar. Einen europäischen Nuf genießt aber vor allem der slavonische Zwctschkenbranntwein iäljivovica). der in der Negcl für den Handel 20 bis 23" stark gebrannt wird, und das Zwetschkenmus (türkisch: pekmes, öechisch: povidli), welches man in die hnnderttausende Centner jährlich erzeugt und sogar über das Meer nach Amerika versendet. An Güte und Größe suchen ihresgleichen namentlich die faustgroßen, zuckersüßen Poicgaer Zwetschken.

Getrocknete Poöcgaer Zwetschken werden gerne von Franzosen aufgekauft, nach Frankreich verfrachtet, dort Stück für Stück aufgefrischt, in saubere kleine Holzschächtelchen verpackt und als »echte frauzösische Pflaumen« wieder nach Österreich verschickt. In Wien kostet ein solches Schächtclchcn 20 bis 30 Kreuzer! Der mohammedanische Slave in Hcrceg-Bosna schwört:

a tako mi jauklija /.iv.a

i tako mi PožeškinjA šljiva!

so soll mir meine Elleliebste leben!

auch schwör' ich's bei den Po^egaer Zwetschken!

so hoch schätzt das Volk diese Frucht!

Slavonien liat unermcsslich reiche Kastanien- und Nusswaldungen. Kastanien edelster Sorte gerathen so viel, dass die Wälder für Schweinc-züchtung jährlich verpachtet werden.

Ein beträchtlicher Handel in Knoppcrn und Eicheln setzt Jahr aus Jahr ein fast eine Million Gulden in Umsatz.

Slavonien, namentlich Sirmien ist ein ausgezeichnetes Getreideland. Der sirmischc Weizen steht dem Banater nicht im geringsten nach. In der Save- uud Dravcgcgend werben in die Millionen Centner Kuknrnz (Mais) gebaut. Die Maisstangcu wachsen so hoch, dass man, wie das Volk sagt, den Reiter hoch zu Ross nicht heraussieht!

«la»,',: zlioaiiei, und Elauonicn.                                                                  4

HH                                     Tie vereinige!! Noiiitzrciaic ilrc'lilici: u»d ^lüviincn.

Es braucht nach dem kaum noch betont zu werden, dass in Slavonien jede Art Feldfrüchte prachtvoll gedeiht, besonders aber die Erdäpfel (Grundbirnen, slav. Krtolj. Körnn, Krompir Klomftir). In der Gegend von Zveöevo wachsen Niescncrdäpfel von 1^2 bis 2 /.^ Schwere.

Aus Sirmien werden alljährlich in die Millionen Wasser- nnd Zuckermelonen und Gurken donauaufwärts verfrachtet. Melonen von 30 bis 40 /.-? Schwere und von Halbeimergröße sind gar nicht selten.

Die kroatisch-slavonische Viehzucht liegt stark im argen. Nur die fast mühelose Schweinezucht ist von größerem Belang. Die Seiden- nnd Bienenzucht stand vor drei Jahrzehnten noch in großer Blüte. Der Honig ist aber seit langem schon infolge des importirten spottbilligen Syrups zu stark im Preise gesunken.

Im Küstcnlande ist die Ziegenwirtschaft eine der größten Landplagen, denn die Ziegen vernichten jeden Waldwuchs. In nenestcr Zeist bemüht sich die Regierung die Ziegenwirtschasten einzudämmen.

Der Bergbau beschränkt sich in Kroatien auf die Gewinnung von Schwefel, Kohlen und etwas Naphtha. Letztere wird im Inland als Wagenschmiere verkauft. Eisen- und Kupferkies gewinnt man in unbedeutenden Mengen in der Trgovska gora und bei Samobor.

Die heimische Industrie leistet in künstlerischer Hinsicht viel, Beachtenswerthes, doch vermag sie kaum den Bedarf im Lande zu decken. Das eigentliche Handwerk kann gegenüber dem Import aus Deutsch-Österreich und Ungarn gar nicht aufkommen. Slavonien besitzt aber doch zwei große Glashütten zu Zveöevo und Ivankovo, die Waren vorzüglichster Qualität auch für den Export liefern.

Die Verkehrsmittel im Lande sind durchschnittlich trefflich, besonders in der ehemaligen Militärgrenze, wo sie vorwiegend militärischen Zwecken dienten. Die Eisenbahnen in Kroatien und Slavonien kommen in erster Linie dem Durchfuhrhandel zu statten. Der Binnenhandel ist wie gedacht gering nnd liegt in der Hand deutscher Juden aus Ungarn, von Zinzaren (Rumänen) und Serben. Der Kroate widmet sich nur in Ausnahmsfällen dem Handel.

Auf dem Gebiete der geistigen Cultur hat Kroatien und Slavonien erst seit den jüngsten 25 Jahren beträchtliche Fortschritte gemacht, und zwar im engeren Anschluss an die serbische Sprache und Literatur. Indessen dominiert noch immer, trotz aller Abwehrmaßregeln, die deutsche Cultur; die eigentliche Handels- und Verkehrssprache nnter der gebildeten Bevölkerung ist die deutsche Sprache; im Küstenlande macht ihr freilich die italienische den Rang streitig.

Das Gros der Intelligenz im Lande stellt vor allem Slavonien. Die bedeutendsten kroatischen Schriftsteller, Künstler und Politiker stammen aus Slavonien. Die eigentliche kroatische Sprache, beziehungsweise Mundart hat

Zur Landeskunde.                                                              51

der slavonisch-serbischen, die als allgemeine Schriftsprache der Kroaten auch in den Schulen gelehrt wird, Platz machen müssen. Dieser Vermischuugs-Process zwischen kroatischem und serbischem Wesen ist derzeit noch im besten Gange und noch lange nicht abgeschlossen. Sowohl die Serben als die Kroaten gewinnen zusehends durch diese Kreuzung; und je mehr sie noch dazu deutsche, italiänische und magyarische Elemente aufzusaugen, oder ihrem Volksthume anzupassen vermögen, desto eher werden sie sich im Kampfe um den Bestand ihrer Nationalität behaupten und desto leichter werden sie mit der Zeit auch in dcn Neigen der productiven europäischen Culturvölker eintreten können.

An guten Schnlen leidet das Land keinen Mangel. Selbst das geringste Pfarr-Dörfchen hat eine Knaben- und Mädchen-Elementarschule. Obergymnasien sind in den Städten: Agram, Essegg, Fiume, Varazdin. Poiega, Zengg, Vin-kovci, Gosviö nnd Karlovac; ein Ober-Realgymnasium zn Nakovac, ein Unter-Nealgymnasium zu Velovar; Oberrealschulen in Agram, Essegg und Semlin; Unterrealschuleu iu Mitrovica und Petrinja; Lehrerpräparandien in Agram und Petrinja und eine Lehrerinnen-Bildungsanstalt in Agram; eine Landwirtschaftsschule in Kreuz (Kriöevci), eine Ackerbauschule in Poöega, eine nautische Schule in Bakar, Handelsschulen (mit Realschulen vereinigt) in Agram und Semlin, eine Gewerbeschule in Agram, eine Weberschule in Brod, und einfache Handelsschulen in Zcngg, Agram und Varazdin. In Agram ist schließlich die k. Franz Iosefs-Universität (einstweilen noch ohne medicinische Facultät), eine Landes-Musikschule und der Sitz der südslavischen Akademie der Wissenschaften und Küuste.

Bei so vielen und meist musterhaften Lehr- und Bildungsanstalten ist es kein Wunder, dass das Angebot an »Stndirten« schon vielfach die Nachfrage, um kaufmännisch zu rede», übersteigt.

Die Königreiche Kroatien und Slavonien sind autonom gegenüber Ungarn, zu dem sie gehören. Sie besitzen Rechte und Vorrechte, wie keine zweite Provinz Österreich-Ungarns. Zu erörtern, wieso das gekommen, gehört in die politische Geschichte des Landes, über welche uns der nächste Abschnitt Aufschlüsse gcbeu wird.

II.

Geschichtliches über Kroatien und Slavonien.

Die Griechen des Alterthums nannten alle Volksstämme im Nordwesten der Vlllkanhalbinsel Illyrer. Die Römer nahmen späterhin diese unbestimmte Bezeichnung kurzweg auf. Der Name Illyricum bezeichnete bei den Römern das Gebiet aller der Völker, die von den Alpen östlich bis zu der Donaumündung und von der Donau südlich bis zum Balkan und dem adriatischen Meere hausten. Darunter verstand man die römischen Provinzen Dalmatien, Pannonien und Moesien. Zeitweilig wurde unter dem Collectivnamen auch Dacien, das Land nämlich auf dem linken Donauufer, sowie ursprünglich auch das Küstenland Zwischen dem Epirus und Dalmatien mitinbegriffen. Unter Augustus umfasste die Provinz Illyria nur das Land vom Drilus-flüsschen (bei Skutari) bis zur Arsia in Istrien, bis zurColapis (Kulpa, Kupa) und bis gegen den Savus; dann zwischen dem adriatischeu Meer und dem Drinus (Drina); also das jetzige östliche Istrien, das kroatische Küstenland, die kroatisch-(slaoomsche) Militärgrenze, Dalmatien, Bosnien und Nordalbanien.

Der kroatisch-slavonische Stamm der Slaven hatte nur einen Theil Illyriens und zwar vorzugsweise Dalmatien und das Save-Pannonien in Besitz genommen. Das Save-Pannonien (?annonia Lavia) wurde von Con-stantin dem Großen zu Unter-Pannomen (?aunoma inferior) geschlagen. Der Kaiser sah wohl ein, dass das Gebiet zwischen Save und Drave (kannonia riparsnsis und intkramußusis) geographisch von der ungarischen Tiefebene nicht zu trennen sei.

Zur Zeit der römischen Invasion war das Save-Pannonien ein stark versumpftes und größtentheils mit Urwaldbeständen bedecktes Land. Die Römer wandelten es in ein Culturgebiet ersten Ranges um. Kunstvolle Heerstraßen durchzogen das Land, die Flüsse waren belebt mit frachtbeladeneu Schiffen, große und bedeutende Städte zeugten von dem Gedeihen und der Blüte der römischen Colonien. An erster Stelle sind zu nennen die Städte Siscia (Sissek), Sirmium und Mursa (Essegg), eine Colonia Aelia (Hadriana).

Geschichtliches über Äroalieii unk Slavonien.                                         53

Von den Urbewohnern Kroatiens und Slavoniens, den Illyrern, weiß man eigentlich sehr wenig. Man kennt weder ihre Sprache, noch ihre Sitten und Gebräuche. Es ist oft die Vermuthung aufgestellt worden, die heutigen Albanesen oder 86ipetaren wären Nachkömmlinge jener Illyrier. Slaven waren die Illyrier ganz bestimmt nicht. Einige Geschichtsforscher nehmen an, das Volk der Karpianen oder Karpier, die mit den Gothcn über die Donau gezogen, wären die ersten Slaven auf dem Balkan gewesen. Der Einbruch derselben fand gegen Ende des dritten Jahrhunderts statt. Ein Agramer Geschichtschreiber identificiert die Karpier kurzweg mit den Kroaten. Während der Völkerwanderung ist die Balkanhalbinsel und Pannonien nacheinander von Gothen, Sarmaten, Quaden, Alanen, Sandalen und Marko-mancn heimgesucht worden. Wahrscheinlich, dass mit den Hünen unter Attila um die Mitte des fünften Jahrhunderts als Verbündete gegen die Gothen, auch Slaven in der Geschichte auftreten. Die Slaven ließen sich nach Abzng der Hünen, hundert oder zweihundert Jahre später in der Donau-und Theißniederimg nieder und suchten sich von da ab immerweiter in die östlichen Theile der Balkanhalbinsel auszubreiten.

Was der NameKroate (slav. Horvat, Harvat, Hrovat, Hrvat, Xrvat, Horvaeanin) eigentlich bedeute, weiß man nicht gewiss, klar ist, dass lange Zcit, bis zur Mitte des sechzehnten Jahrhunderts der Name Slavonier, (ital. Sclavoni, woraus das deutsche »Sclave« für »gekaufter Knecht und Leibeigener«, entstanden), viel gewöhnlicher gewesen, »slavon« oder »ßlovin« bedeutete soviel als »der Redende« im Gegensatze zu den anderen Völkern, die mit dem »Slaven« nicht reden konnten, das sind die Nijcmci (Stummen), welche letztere Bezeichnung nachträglich auf die Völker deutscher Zunge allein determiniert erscheint.

Über die urheimatlichen Sitze der Kroaten hat man ebensowenig, als über jene der Serben irgendwelche glaubwürdige Nachrichten. Wahrscheinlich klingt die Annahme, dass man die Urheimat der genannten zwei Völker jenseits des Tatragcbirgcs, wohl in den llcinrussischcn, fruchtbaren Niederungen zu suchcu habe, deuu die Ankömmlinge waren mit Ackerbau uud Viehzucht wohl vertraut. Sie waren schon ein Halbculturvolk, als sie vom asiatischen Völker-hccrzugc mitgerissen, auf Kriegspfade nach Südcuropa mitziehen mussten.

Der bekannte Fabulant. Kaiser Konstantin PorplMogennetes (um die Mitte des zehnten Jahrhunderts) erzählt oder erfindet entsprechend der Geschichtsauffassungsweise jener Zeiten, auch eine Stammgründnngssage der Kroaten. Ihre Heimat sei »das große kroatische Land« »jenseits der Türkei, nahe dem Frankenlaude«, wo bic »Bclochrobatoi« (Weißen (5hrowatcn«) hausen. Cme Sippe, bestehend ans den fünf Brüdern Klukas, Lobelos, Koscnzes, Muchlo und sshrobatos uud zwei Schwestern Tnga und Vuga, riss sich von ihren Angehörigen los und zog nach Dalmaticn. Dort stießen die Geschwister

54                                  Tie vereinigten Königreiche Kroatien u»d Slavonien.

auf die Auarcn, über die sie nach langjährigen Kämpfen obsiegten. Eine wo möglich noch undankbarere Sage ist von einem Kroaten in den dreißiger Jahren, zu Beginn des nationalen Erwachens, erfunden worden. Drei Brüder Oech, Lech uud Mech sollen die Urväter der Rechen, Polen uud Russen sein. Der Erzähler will die Sage aus dem Volksmunde bei Kraftina in Kroatien gehört haben. Das wäre der einzige Fall, dass sich bei einem europäischen Volke eine derartige Sage ans der Zeit der Völkerwanderung bis auf unser Jahrhundert mündlich fortgepflanzt hätte.

Wie bemerkt, treten die Kroaten in der Geschichte zuerst im Gefolge der Avaren auf. Um das Jahr 558 schloss der byzantinische Kaiser Justinian, den ein kroatischer nationaler Heißsporn gar zn einem Slaven Namens »Upravda« gestempelt, mit den Avarcn nnd Slaven ein Schutz- uud Trutzbüudnis. Doch schon dreißig Jahre später musste Kaiser Mauritius seinen Feldherrn Priscus mit einer Armee gegen die Slaven ins Donaulaud absenden. Um das Jahr 602 waren aber die Avaren nnd Slaven schon,Herren des unteren Donan-, Dran-, und Save-Gebictcs. Im Jahre 610 konnten die Kroaten wohl schon Dalmatien als ihre neue Heimat bezeichnen.

Zu jeuer Zeit gab es noch kein kroatisches oder slavonisches Königreich uud keine kroatischen Könige. Das Volk war eingetheilt in Stämme (plemc, Mehrzhl. plemena), Brüderschaften (bratstvo, Mchrzhl. bratstva), und Hausgemeinschaften oder Sippen (zadruga, Mehrzahl zadruge). Mehrere territorial zusammengehörige Bratstva bildeten eine /nva, eine große Ver-waltungsgemeiude. Die gewählten Oberhäupter der duften nannte man ^npani oder Vojvode (Herzoge), späterhin auch Knezi. Aus der Vereinigung mehrerer ^upen und der betreffenden Bratstven entwickelte sich das Pleme.

So wie sich mit der Zeit ein Bratstvo, wenn sich die Zahl seiner Mitglieder zu stark vermehrt hatte, in mehrere Bratstven schied, die aber durch das gemeinsame Band eines Pleme unter einem Xupan-vojvoda in Fühluug blieben, so entwickelten sich aus den einzelnen Plcmena allmählich neue Plemena, die untereinauder in demselben Verhältnisse standen wie die Bratstven eines Plemc. Das mächtigste Pleme beanspruchte für sich eine gewisse Oberhoheit über die übrigen, uud sein Oberhaupt der ^upan, nahm einen dem entsprechenden höheren Rang über den übrigen /upani ein. So entwickelte sich bei den Kroaten wie bei den Serben aus gleichen Anfängen der Staat. Ursprünglich war der bedeutendste der ^upani bloß der »Erste unter Gleichen«; in Serbien nannte man ihn »veliki öupan« (den Groß-2upan), bei den Kroaten aber Knez und Bau (Befehlshaber oder Herr). Der Name Ban hat sich bis in die Gegenwart erhalten als Bezeichnung für den obersten Civilbeamten oder Gouverneur von Kroatien und Slavonien.

Geschichtliches über Kcoaiicn und Slavonien.                                         55

Jede Suftll hatte zu ihrem Schutze wenigstens eine oder auch mehrere feste Burgen, die gewöhnlich an unzugänglichen, von der Natur selbst schon wohlgeschützten Orten, an steilen Gebirgsausläufern, auch Flussdeltas oder auf Inseln aufgeführt waren. Es war Pflicht einer jeden Supa, eiue Burg aufzuführen und für ihre Erhaltung Sorge zu tragen. Diese Burg war der politische nnd in älterer Zeit auch der religiöse Mittelpunkt der ganzen ^upa. Hier versammelten sich die Ältesten der ^upa zn gemeinsamen Berathungen, von da zogen sie in den Kampf aus, hier fanden sie Zuflucht vor Feindesangriffcu.

Die Burgen verloren bei den Kroaten frühzeitig an Bedeutung, besonders im Küstenlandc, wo sich anf Grund der altrömischen Municipicn, freie Städte entwickelten. Die übrigen Ortschaften einer /upa unterschieden sich vom Hauptsitz eines Pleme dadurch, dass sie nicht mit Ringmauern versehen waren uud auch uicht dieselben Rechte genossen. Um die Burgen hernm legten ver-büudete Hausgemeinschaften den Grund zn Dorfmederlassnngcn.

Das System der Einzelnwirtschaften war den Kroaten ganz und gar fremd. Das Individuum gilt in letzter Linie nnr als Mitglied einer Hausgemeinschaft (zadrnga), d. li. der vereinigt, unter einem gemeinsamen Hausvorstande lebenden Familien, die ihren Ursprung von ein- und demselben Groß- oder Urvater ableiten. Das gemeinschaftliche Erbgut iu Liegeuheiten hieß und heißt noch gegenwärtig, wo sich die Institution der Hausgemeinschaft vereinzelt noch erhalten hat, ba.^tina oder djedina. In einer kroatischen Chronik wird sogar der ganze Staat als Didina (Großvatersgut) benannt. Für Erbgut des Stammes gebrauchte man aber die Bezeichnung Plemen«tina.

Der Ban war der oberste Richter im Pleme. Er urtheilte gewöhnlich uach gepflogener Berathuug mit den Ältesten, den Vorständen der Bratstven, den Glavari. Im Fcldc war er der Befehlshaber, dem die Übrigen bündig gehorchen mussten.

Im sechsten und siebenten Jahrhundert wurden die Kroaten durch Missionäre aus Rom bekehrt. Mit der Verbreitung des Christenthums und der Festsetzung des römisch-päpstlichen Einflusses, gewinnen auch die Zustände nntcr den Kroaten in der Geschichte festere Umrisse. Die kleineren Bannte gehen allmählich in zwei größere ans: in das dalmatinische nnd das Saveland-Banat. Im ersterenBanat herrschten vom Anfange des siebenten bis zum Ende des nennten Iahrhnndcrts folgende Bane: Nadosl av (derRuhmvolle), Borna (der Kämpfer), Ladislav (der Macht und Ruhm besitzt), Mojslav (mein, Stolz oder Rnhm). Trpi mir (der Sanftmüthige), Domogoj (der sich daheim wohl befindet), Sedcslav (der festen Ruhm besitzt), Aranimir (der im Kampf maßvolle) und Mutimir (der Besonnene); aus dem Savelande sind

56                                   Die vereinigten Königreiche Kroatien und Slavonien.

aus derselben Epoche bloß die vier Namen erhalten: Ljudvit (bis 822), Ratimir (Krieg und Friede), Mutimir und Braslav (Brüderruhm).

Im Jahre 838 überzog Ludwig der Deutsche das Vanat Natimirs mit Krieg und unterwarf das Land der Botmäßigkeit der Franken. Im Jahre 842 wurde die vereinigte Flotte der Venetianer und der dalmatinischen Kroaten bei Tarent von den Sarazenen völlig vernichtet. Schon zwei Jahre später hatten die Sarazenen im Quarnero-Golf festen Fuß gefasst. Van Trftimir (um 850) wusste sich eine ziemliche Unabhängigkeit von Byzanz und von König Lothar von Italien zu sichern, und nahm schon königliche Allüren an. Um 860 führte er gegen den bulgarischen Fürsten Boris mit Erfolg einen Vertheidigungskrieg. Während Trpimir's Regierungszeit entstand jene für die Geschichte aller Slaven höchst bedeutsame Spaltung (Schisma) zwischen griechischer und römischer Kirche. Indem die griechischen Priester beim Gottesdienste der slavischen Sprache sich bedienten, gewannen sie die überwiegende Menge des Volkes für sich. Als der Papst zu Rom, um dagegen anzukämpfen, ausnahmsweise den Kroaten den Gebrauch ihrer Sprache in der Kirche gestattete, war für den Katholicismus der günstige Zeitpunkt schon halb verpasst. Als Stoßballen zwischen römischen und byzantinischen Kirchenstreitigkeiten durch Jahrhunderte dienend, hatte das Kroatenthum heftigen Schaden gelitten, von dem es sich bis jetzt noch nicht vollständig erholen gekonnt.

Unter der Negierung Domogoj's, Trftimir'Z Nachfolgers, verheerten byzantinische Truppen das kroatische Gebiet, während die kroatischen Scharen in Italien gegen die Sarazenen kämpften. Darauf verlegten sich die Kroaten auf Piraterei und wurdeu namentlich den Kanffahrern von Venedig äußerst gefährlich. Die Folge davon war, dass schon Domogoj's Nachfolger Sede-slav sich zmn Vasallen des Kaifers Basilius von Byzanz erklärte, um Schutz vor den Venetianern zu finden. Von da ab war der dalmatinische Ban nur mehr ein byzantinischer Gouverneur. Sedeslav wurde von seinem Nachfolger Branimir getödtet. Branimir's Hauptbeschützer war Papst Johannes VIII. Als der zu Rom geweihte Bischof Theodosius im Jahre 887 zu Spalato seinen Sitz aufschlug, vereinigte Branimir mit Hilfe des Bischofs fast ganz Dalniatien unter seiner Herrschaft. Ihm folgte in der Herrschaft sein Sohn Mutimir.

Um das Jahr 886 kamen die aus Svatopluk's Mährenreiche vertriebenen Apostel Gorazd, Klement, Sava, Naum und Angjelar, Jünger des Bibelübersetzers Methodius nach Kroatien und Dalmatien, wo sie mit gutem Erfolge für die slavische Liturgie Propaganda machten.

Bestimmend für das Schicksal der Kroaten war das Auftreten der Magyaren gegen das Ende des nennten und zu Anfang des zehnten Jahrhunderts. Im Jahre 907 trugen die Magyaren auf dem Pressburger Felde

Geschichtliches über Kroatien und Slavonien.                                         57

einen entscheidenden Sieg über die Deutschen und Slaven davon und fassten festen Fuß in Ober-Pannonien. Hätten sie gleich damals ihren Siegeslauf statt gegen Deutschland, Italien und Frankreich, südwärts gegen die Kroaten gerichtet, so wäre wahrscheinlich auch der größere Theil der Balkauhalbinsel magyarisch geworden. Angesichts der großen Gefahr von Seite der Magyaren, gelang es dem Ban Tomislav um das Jahr 920 sich zum König über ^,^ alle Kroaten krönen zu lassen und die übrigen Banen in ein Abhangigkeits-verhältnis zu bringen. Er legte sich den Titel: »König von Kroatien und Dalmatien« bei. Die Bane waren dem König nicht eigentlich Unterthan. Sie verpflichteten sich bloß zu Ghrenabgaben an den König und zur Heerfolge für den Kriegsfall.

Im Jahre 924 fand zu Spalato ein großes Concil aller kroatischen Bischöfe statt. König Tomislav und seine Bane waren zugegen. Die slavische Liturgie wnrde hier anf dringenden Wunsch des Papstes zu Gunsten der lateinischen wieder abgeschafft. Nur der niederen Geistlichkeit wurde, wohl mit Rücksicht auf deren Unkenntnis der lateinischen Sprache, auch für die Zukunft der Gebrauch der slavischen Sprache in der Kirche gestattet. Im Jahre 927 glückte es Tomislav die Angriffe des Bulgarenkaisers Simeon, von Kroatien zurückzuschlagen.

Sein Sohn Kriesimir I. übernahm im Jahre 930 die Regierung./^^ Auf ihm folgte sein Sohn Miroslav (945), den im Jahre 949 der Ban «t^ Pribina erschlug. Unter Pribina's schwacher Negierung riss sich der größere Theil Dalmaticns und ein Theil des Küstenlandes von Kroatien los. Die Venetianer fassten ums Jahr 950 festen Fuß im Narentagebiet, die Magyaren aber in Istrien, wo sie Pola zum Hauptstaftelplatz ihres Handels machten. Bemerkenswert und culturhistorisch wichtig ist die wohlbeglaubigte Thatsache, dass zu jener Zeit der Handel ganz so wie in der Gegenwart beinahe ausschließlich von Juden betrieben wurde. Jedenfalls gab es in beiden Pan-nonien früher Inden als Slaven und Magyaren. Man wäre fast geneigt, einen geschichtlichen Untergrund in manchen füdslavischen Sagen zu snchen, die von zerstörten Städten erzählen, deren Bewohner Juden gewesen sein sollen. Kriesimir's Sohn nnd Nachfolger Dr/islav hatte einen schweren Stand, weil einerseits sein älterer Brnder Svetoslav auf die Krone Ansprüche erhob, andererseits weil der Doge von Venedig Orseolo, von Byzanz unterstützt, im Jahre 993 endgiltig Dalmatien von Kroatien lusriss. Orseolo wnrde im Triumph von den versammelten dalmatinischen Städteabgcordneten zn Zara empfangen. Alle Städte, nnd selbst der Brnder des kroatischen Königs, leisteten den Eid der Treue. Die wiederholten Versuche Dr/islau's Dalmatien wieder Kroatien nntcrzuordncn, misslangen vollständig. Den lange ersehnten Frieden scheint das Land erst unter der neunjährigen Negierung des genannten Svetoslav, des Eidams des Dogen von Venedig, gefunden zu haben. Nach

58                                   Tic vereinigten Mmssicichc Kroatien »nd Tlavoiucn.

seinem Ableben (1009) bemächtigten sich zu gleicher Zeit die zwei Brüder Kriesimir II. und Gojslav der Herrschaft. Kriesimir ll. bekriegte wieder Dalnillticn, musste aber im Jahre 1018, um der droheudeu Vernichtung seitens Venedigs zn entrinnen, dem byzantinischen Kaiser Basilius II. sich als Vasall unterwerfen. Im Jahre 1019 eroberten die Griechen ganz Sirmien und machten es zu einer griechischen Provinz. Im Jahre 1024 kam auch Dalmatien wieder unter byzantinische Botmäßigkeit. Die Königin von Kroatien mit ihrem Sohne wurden kriegsgcfangen nach Byzanz geführt.

Im Jahre 1035 bestieg den kroatischen Thron Stephan I., der Sohn jenes Svctoslav. Seine Regiernngszeit war nicht minder blutig, als die seines Vorgängers. Erfolge hatte Stephan keine auszuweisen.

Sein Sohn Peter I. Kricsimir (1058 bis 1073) gewann dank den kirchlichen Streitigkeiten wieder in Dalmalien die Oberhand. Die Kämpfe zwischen römischer und griechischer Kirche hielten das Volk fortwährend in Athem. Der König behauptete sich auf dem Throne durch die römische Partei. Es scheint, dass er nicht anderes gewesen als das willfährige Executiv-organ des Papstes.

Seinem Nachfolger Slauiä (1075) war schlimmes Glück beschieden; denn noch im Jahre seines Regierungsantrittes wurde er von Normannen aus Unteriialien, die einen Streifzng nach Kroatien unternommen, in die Sclaverei geführt. Es ist die Vermuthung aufgestellt worden, es haben ihn die Kroaten selber den Normannen ausgeliefert.

Im Jahre 1076 übernahm jener in der Neuzeit von den Kroaten so hoch gefeierte und gepriesenste König Demetrius Zvonimir die Negierung. Er verdankte die Krone in erster Neihe dem Einflüsse Papst Gregor VII. Zvonimir erklärte sich als päpstlichen Vasallen. Dafür schenkte ihm der Papst Fahne, Schwert, Scepter und Krone. Er musste dem Papste eiuen Iahrestribut von 200 Ducaten zn jeden Ostern erlegen. Der uns im Wortlaut erhaltene Krönungscid ist nichts anderes als der Schwur eines Dieners seinem Gebieter. Der König,,verpflichtete sich bedingungslos, die Anordnungen des Papstes jederzeit zu vollziehen. Der Bischof vou Spalato wurde die mächtigste und tonangebende Persönlichkeit im Königreiche.

Im Jahre 1082 unternahm König Zvonimir einen Kriegszug nach Kärnten. Sein Heer wnrde anfs Haupt geschlagen. Die Kroaten empörten sich aber gegen den König. Mit harter Mühe uud Noth schuf er Ruhe im Lande, doch nnr für kurze Zeit, denn schon vier oder fünf Jahre später ermordeten ihn die Großen des Reiches im Landtage. Der Chronist erzählt die Begebenheit also:

»Und die treulosen Kroaten fassten bösen Gedanken und ungerechten Rathschlnss und verursachten sich und ihrer Nachkommenschaft Zerfall nnd in Ewigkeit Versündigung. Und sie huben an zn schreien allwie die Indaeer

Geschichtliches über Kroatien mid Slnvoiiie».                                        59

gegen Jesum Christum geschrieen, als das Oberhaupt von ihnen den Ausspruch that: „Wohler, dass er allein sterbe, als dass solch großes Volk umkomme". Also begannen auch die schändlichen und ungetreuen Kroaten zu sprechen, gleich Hnnden oder Wölfen heulend: „Besser, dass er allein soll ums Leben kommen, denn dass er uns gottuerlasseu aus unserer Urväter Erbe wegführe, damit wir in fernen Landen anderen Völkern Plätze, Land nnd Städte wegnehmen und besetzen". Und nicht anders als wie Hunde bellend und kläffend auf Wölfe losgehen, so fielen auch sie her über den guten König Zvonimir; sie ließen ihn auch nicht eine Silbe mehr reden, sondern hnben an unter Gelärme und Getöse mit Gewaffen anf ihn loszuhauen, und den Leib ihm zu verwunden nnd das Blut zu vergießen, ihres gnten Königs und Herrn, der im Blnte liegend mit großen Wnnden bedacht, die treulosen Kroaten und ihre Nachkommenschaft verfluchte bei Gott, feinen Heiligen, bei sich und seinem unverdienten Tode, auf dafs die Kroaten nun nnd nimmermehr haben sollen einen Herrn von ihrem Volke, sondern sie mögen in alle künftige Zeit Fremdländern Unterthan sein. Und also verwundet liegend und die Kroaten verfluchend, athmete er die Seele aus.«

Von seinem Nachfolger Stephan II., einem Greisart, der schon im zweiten Jahre seiner Negieruug verstarb, ist nichts zu vermelden. Mit ihm starb die Linie der Könige kroatischer Abstammung aus.

Noch im selben Jahre eroberte Ladislaus Konig von Ungarn das Gebiet zwischen der Save und Drave nnd setzte über diesen Theil von Kroatien (Slavonien und Sirmien), Almo znm König ein. Alino erwählte sich Agram znr Residenz nnd verlegte auch deu Sitz des Bischofs dahin. Im Küstenlande warf fich Van Peter Svaöi6 Znm König der Kroaten anf. Im Jahre 1097 schloßen sich wieder sämmtliche Städte Dalmatiens an die Republik Venedig an. So war Kroatien gar sehr zusammengeschmolzen und überdies von zweien Seiten aufs Heftigste bedroht.

Im Jahre 1102 sammelte König Koloman von Ungarn ein mächtiges Heer, um den letzten Nest von Kroatien zu erobern. Schon stand er mit seiner ganzen Macht an der Drave, als zwölf kroatische /npane als Abgeordnete vou zwölf Plemen zn König Koloman bittend kamen und ihm die kroatische Königskrone antrugen, damit er das Land nicht verwüste. Der König nahm gerne die Wahl an und zog ins Küstenland, wo er nach Besiegung des widerspänstigen Bans Peter, in Belgrad am Meere, anf der königlichen Burg, znm König von Kroatien gekrönt wnrdc. Seitdem führt noch jeder ungarische König anch den Titel: »rex Ooutia« atcju« O.^matiaL . So verdauten die Kroaten ihre Rettung vor dem drohenden Untergänge dnrch Venedig nud ihre (Erhaltung bis in die Gegenwart vor allem dem Schutz und der Obsorge der ungarischen Könige, die sich auch kroatische Könige nannten.

ßy                                   Die veitinlgten Kömgleiche Kroatien Uüd Slavonien.

Im nächsten Jahre unterwarfen sich auch die dalmatinischen Städte dem König Koloman, als er nahe daran war, Spalato durch Sturm einzunehmen. Ein Widerstand wäre ohnehin vergeblich gewesen. Nur Zara und die Insel Rab leisteten einige Zeit lang Widerstand. Seit dem Jahre 1105 bilden die Königreiche Kroatien und Slavonien nur mehr Anhängsel — pai-ten aänßxae — wie es in den Urknnden heißt, des Königreichs Ungarn. Kroatiens und Slavoniens Geschicke sind von da ab auf das allerinnigste mit denen Ungarns verwoben. In der Geschichte spielen sie nur mehr eine secundäre Rolle, immer im Gefolge der Ungarn.

Unter der Regierung König Vela's suchten die Mongolen Ungarn heim und verheerten auch Kroatien. Im Küstenlande, der Sage nach auf dem Grobniöko polje, wurden sie aber im Jahre 1242 von den vereinigten Truppen der Magyaren und Kroaten der völligen Auflösung zugeführt. ^ Gegeu das Ende des dreizehnten Jahrhunderts gelangten in Kroatien zu großer Übermacht die Adeligen 6ubiö. Sie verstanden es, sich selber neben dem König Andreas eine entscheidende Stimme in Kroatien und Ungarn zu sichern. Auf das Betreiben Georg ßubiö's bestimmte Papst Bonifazius VIII. zum König von Ungarn nnd Kroatien Karl Robert von Anjou. Letzterer langte im Jahre 1300 in Agram an uud wurde dort Zum König von Kroatien gekrönt. Im Jahre 1325 erhöhte Karl Robert als König von Ungarn die Macht des Bans, um der überhandnehmenden Zügcl-losigkeit einiger reicher und vielvermögendcr, kroatischer adeliger Geschlechter endgiltig zu steuern; namentlich mochten sich die 8ubi6 nnd Nelepio der staatlichen Ordnung nicht fügen. Zum Ban bestellte er in Kroatien einen energischen Mann/Namens Mikac. Die 8ubi6 unterwarfen sich erst im Jahre 1347 König Ludwig nnd übergaben ihm ihren Stammsitz Ostrovica, wofür er sie mit der Burg Zrin belehnte. Von da ab hielten die ßubio treulich zu Ungarn. Einen unsterblichen Namen erwarb sich in der Geschichte Ungarns durch die ruhmvolle Vertheidigung der Festung Sziget gegen die Türken einer der letzten aus diesem Geschlechte, Niklas Zriny.

Im Jahre 1385 wählten die kroatischen Stände mit dem Agramer Bischof Paul Horvat an der Spitze, gegen Marie, die Königin von Ungarn, zum Gegenkönig Karl von Durazzo. In Ofen wurde er zum König von Ungarn und Kroatien ausgerufen. Am 7. Februar schlug ihn Blasius Forgaö in den Gemächern der Königin halbtodt. Bald darauf wurde er in Vi3egrad hingerichtet. Seine kroatischen Partisane flüchteten sich theils nach Bosnien,

theils nach Kroatien.

Nicht lange nachher entbrannte unter Anführung Horvat s, Bans der Maöva und Johann Paliöna's, der sich als Ban von Kroatien, Slavonien und Dalmatien gerierte, eine heftige Revolution gegen die Königin. Als sich die Königin Marie und ihre Mutter Elisabeth im Geleite des Palatins

Geschichtliches über Kroatien und Slavonien.                                         61

Nikolaus Gorjanski und Blasius Forgaö's nach Slavonien begeben, mn die aufgeregten Gemüther zu beruhigen, wurden sie bei Djakovar meuchlerisch aus dem Hinterhalte vom Ban Horvat überfallen und nach vielem Elend in Novigrad in Dalmatien eingekerkert. Die Königin Elisabeth wurde von den kroatischen Verschwörern in Gegenwart ihrer Tochter erwürgt. Das geschah im Jänner 1387. Ihre Hauptstütze fanden die kroatischen Empörer in Stephan Tvrtko, König von Bosnien, den es nach der Krone von Kroatien gelüstete.

Mit Hilfe der oerrätherischen kroatischen Adeligen vermochte Tvrtko auch Slavonien für einige Zeit zu erobern.

Die letzten Jahrzehnte des vierzehnten Jahrhunderts waren für Kroatien und Slavonien verhängnisvoll. Das Land hatte einmal sogar zu gleicher Zeit drei Gegen-Bane; den einen hatte Stephan Dabi3a, der König von Bosnien ernannt, den Zweiten Lad is laus von Neapel, der auf die Krone von Ungarn prätendierte, und den dritten König Sigmund von Ungarn. Das Land wurde bald von den Kriegsschaaren des einen, bald des andern Bans verwüstet. So wnrde das Land nach jeder Richtung hin entkräftet und unwillkürlich der türkischen Invasion der Boden geebnet. Schon im Jahre 1391 drang ein türkisches Heer über Serbien in Sirmien uud in Südungarn ein, mordend, sengend uud brennend. Freilich wurden sie diesmal noch mit Erfolg von König Sigmuud zurückgeschlagen. Trotz der äußersten Gefahr seitens der Türken ließen die kroatischen Adeligen nicht ab, gegen König Sigmund zu revoltiereu. Der König musste auf dem Landtage zu Kreuz in Kroatien den in offene Gewaltthätigkeit ausbrechenden Vojvoda Lackoviä auf der Stelle hinrichten lassen. Lackoviä's Partisane, Stephan Prodaniö, legte sich aber darauf im Saveland in einen Hinterhalt, um den König auf seiner Rückkehr nach Ungarn gefangen zu nehmen. Der Plan missglückte; denn das königliche Geleite trug im Kampfe den Sieg davon über die Strauchritter und Buschklepper. Der König lies; diesmal unter den kroatischen Adeligen um des daueruden Friedens willen gründlich aufräumen.

Eine der lichtvollsten Gestalten nntcr den uugarischcn Herrschern Kroatiens ist König Mathias Corvinus (reg. 1458 bis 1490), der Sohn Johann Hunli adi's. Er lebt noch im kroatischen und bosnischen Volke, ja im ganzen Südslaventhum bis Constantinopel tren in der Erinnerung fort. Vom Kralj Matja^, vom Gavran, dem Türkcubezwinger, weis; jedes Bauernkind zu sageu. Unter fünf kroatischen Bauern heißt gewiss einer Matija, dem Heldenkönig zn Ehren. Anch der Beiname Gavran (Nabe) wurde im ganzen slavischen Süden außerordentlich häufig, Bei Lipovlani außerhalb des Dörfchens Kraljcva velika, sechs Stunden von Nengradi3ka in Slavonien, sind noch die Trümmer einer tleineu Burg zu seheu, die vom Volke als die Burg des Königs Mathias bezeichnet wird. König Mathias wird fast immer in Verbindung mit seinen kühnem Freund, dem Ban Peter Doji-in von Wardein

62                                   Die vereiniglel! Äünigreichc Xronticn und Elauouic»,

genannt. Sie theilten freundschaftlich Freud und Leid. Von Dojöin singt der Kroate das Trinklied:

Am Wein ergekt sich Doj^m Peter, Der Van von Waradcin. Er zecht die Nacht hindurch und später, Und lässt es uimmer sein.

Verzecht hat er seiu schcckes Nö'sZlcin, Den Kolben golden fein Und dreimal hundert goldue Füchslein, An einem Tag allein.

Nach einem bosnischen Gnslarenlied meiner Sammlung war Dojöin unter König Mathias, Oberbefehlshaber in einer großen Entscheidungsschlacht am Rabflusse, die mit einer völligen Niederlage der Türken endete. Noch zwei Jahrhunderte später tritt »der mächtige Mathias« (silau Matija3u) im Guslarenliede als ein noch lebender Held auf.

Nach der furchtbaren Niederlage des Königs Ladislaus von Uugarn bei Varna am 11. November 1444 war die ganze Balkanhalbinsel den Türken verfallen. Im Jahre 1469 überzogen sie Kroatien und Slavonien nnd gelaugteu bis nach Kram ohne irgendwo auf einen nachhaltigen Widerstand zu stoßen. Im Jahre 1474 nahmen die Türken auch Groß-Wardein in Ungarn ein. Kroatien und Slavonien waren für Uugaru so gut wie verloren. Nur die wohlbefestigte Stadt Agram behauptete sich noch. Nach der Schlacht auf dem Mohaöer Felde (26. August 1526), wo König Ludwig verschwand, gerieth fast das ganze Ungarland längs der Donau bis Pressburg in die Hand der Türken. Bald daraufwandten sie die »allerletzten Überreste des einstigen Königreiches Kroatien« srM^mlw rMyuiarnni oUm rsFiii Ooatias) an den mächtigen deutschen Kaiser, den Habsburger um Rettung und Hilfe vor völligem Untergänge. Am 1. Jänner 1527 wurde Erzherzog Ferdinand Zum König von Kroatien erwählt.

Im Jahre 1541 nahmen die Türken Slavonien, die Lila und Krbava vollständig in Besitz uud besiedelten die verödeten Gebiete mit mohammedanischen Serben aus Bosnien und der Hercegovina und legten den Grund zurVerserbung des Landes. DieHaufttplatzewarenPoxega und Essegg in Slavonien und Udbina in der Lika. Die Türken schufen aus den ritterlichen Nachkommen der slavischen Renegaten ein GrenZheer, welches zwei Jahrhunderte hindurch nächst den Ianitschareu die bedeutendste militärische Stütze des türkischen Reiches gegen Westen bildete. Slavonien und die Lika wurden einfach Zu Bosnien gerechnet. Selbst der Name Slavonien und Slavonier gerieth ganz in Vergessenheit. Die mohammedanischen Slaven nannten sich nie Kroaten, sondern Turci oder BoZnjaci, oder sßrkatli^s ot ößnarg,

Geschichtliches über Kroatien und Slavonien.

63

(Grenzbewohner lion der Grenze). Die feindlichen Kroaten wurden von ihnen mit den Magyaren und Deutschen identificiert.

Die kroatischen Adeligen hatten in ihrer Weise die schweren Schicksalsschläge und Heimsuchungen, denen das Land unterworfen war. Zu noch größerer Unterdrückung und Ausbeutuug dcs heimischen Baucrustandes auszunützen gewusst. Der Bauer war nicht um ein Haar besser daran als im

llralj Matja5.

ersten Jahrhundert vor Chr. die Sclaven in Unter-Italien. Wie der Gladiator Spartacns ans Thrakien, so wusste auch der kroatische Bauer Matija Gubec aus Stubica im Jahre 1573 die Enterbten, Rechtlosen und Verzweifelten im Lande nm sich zu scharen, um die kleinen Tyrannen zu vernichten. Damals kam wohl das Sprichwort auf:

5>i^v 2lo l..'lr vs

Nicht der Kaiser ist ein Übel sondern die »Kaiserlem«.

ß^                                   Tie vereinigten Äönigieiche Kroatien und Slavonien.

Der Aufstand breitete sich bald auch über die krainischc und steierische Grenze aus. An 20.000 Mann folgten Matija Gubec, doch die Masse war schlecht bewaffnet, zügellos und maßlos im Hasse gegen die Adeligen und mnsste der disciplinierten Macht unterliegen. Die Adeligen ließen den gefangenen Oubec zu Agram auf dem Markus-Platz zur Strafe auf einen glühend gemachten Eisenthron niedersetzen und dann viertheilen. Nachher wurden wieder die alten Zustände im Lande hergestellt.

Im siebzehnten Jahrhundert versuchte es der Van Peter Zriny im Verein mit seinem Schwager Frangipani (Frankopan) zuerst durch Verrath an die Türkei, nnd als er vom Sultan verächtlich zurückgewiesen worden war, durch Hilfe Poleus, Kroatien vom Neiche loszureißen. Die Verschwörer wurden aber rechtzeitig festgenommen, nach Wien gebracht') und im Jahre 1671 zu Wiener Neustadt hingerichtet.

Im achtzehnten Jahrhundert gab es wiederholte Bauernaufstände, der hart bedrängte Adel schloss sich aber zur Wahrung seiner Privilegien noch inniger an Ungarn an. Im Jahre 1779 wurde Kroatien, nach dem die Statthalterei aufgelöst worden war, Ungarn als Provinz einverleibt.

Vie Militeirgrenze.')

Nach dem Fall Serbiens, Bosniens und der Hercegovina begann allmählich aus diesen Ländern die altgläubige und katholische Bevölkerung um der drohenden Türkennoth auszuweichen, anf österreichisch-ungarisches Gebiet Zu flüchten. Als auf einmal im Jahre 1535 an 3000 Überläufer (Uskoci, verkürzt: Zokci) nach Krain kamen, räumten die Landstände den Flüchtlingen die verödete Sichelburgcr Herrschaft (^nmberak) und noch einiges angrenzendes Land zu danernden Wohnsitzen ein. Die Uskoken übernahmen dafür die Verpflichtuug, für die erhaltenen Wohnsitze das Land gegen Türkeneinfälle zu schützen. Kaiser Karl V. setzte ihnen im Jahre 1540 den Kramer Landesverweser Bartholomäus v. Raub er als ersten Kriegshauptmann vor. So bildete sich der erste Grenzdistrict, der Anfang der späteren kroatischen Militärgrenze.

Zu gleicher Zeit (1538) erhielten serbische Ansiedler aus Nascien Wohnsitze in Kopreinitz (Koprivnica), Kreuz (Kriöevac) und Ivaniö

') Man hielt sie eine Zeit lang während der UntersnchuuaZhaft in Wien im I. Bezirk in der Schönlaterngasse in dem soa. Vasiliskenhause eingekerkert. Der einstige Keikerraum ist gegenwärtiss eine ärmliche Weinstube.

-) Die nachfolgenden Angaben lehnen sich hauptsächlich an das vorzügliche Werk Dr. I. H. Schwicker's an: Geschichte der österreichischen Militärgrenze. Wien, 1883, S. 446.

Geschichtliche« über ssioalien und Slavonien.

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angewiesen. So entstanden die drei obers lakonischen Capita» ate der windischcn Grenze. Die Ansiedler erhielten wichtige, schützende Privilegien. Im Jahre 1557 bestellte Kaiser Ferdinand I. für diese Nationalmiliz einen selbständigen Grenzobristen. Das war der erste bedeutsame Schritt zur Organisierung der besonderen Militär-Administration in den neugebildeten Grenzer-Colonien. Im Jahre 1578 zählte die kroatische Grenze an »Hnßareu, Arkcbnsicrcn, deutschen Knechten nnd Nationalfußtruppen (Harcnnije)- 3N98, die windische Grenze aber 3082 Köpfe; somit beide Grenzen zusammen 6780 Mann Soldaten.

>llll'l'':iid: (5larlouac),

Mii wesentlichem Belange für die kräftige Fortentwicklung der Grenz-institution war auch die Anlegung neuer Festungswerke, nnter denen die Anlage der Festung Karlstadt an der Mündnng des Koranaflüsschens in die Kulpa die bedeutsamste war. Der Grnndstcin zn dieser Festung wurde am 13, Juli 1579 gelegt, wobei als Curiosum angeführt wird, dass unter die Grundmauern Wl) Türkcnschüdel als Banopfer ciugcgrabcn wurden. Die neue Festung erhielt ein besonderes Privilegium, nach welchem unter anderem den Soldaten ohne Unterschied der Nation gestattet wnrde, unmittelbar au den Schutzwerkcu des Fcstuugsrayous Häuser mit vollem Eigcuthnmsrechte zn erbauen. Auf diese Weise entstand im Schutze der Festung bald eine neue Stadt. In kurzer Zeit wnrde diese Festung auch der Mittelpunkt eines bcsoudereu Grenzgebietes, indem man die kroatische Grenze in die Theile

,»ra»!Zl >!iün!ien und Tlavmiifi!.                                                                            5

Hß                                   Die vcreiniglc» Köni^rcichc Kloalic» und Tlauonic».

diesseits utld jenseits des Kapelagebirges unterschied. Die letztere hieß die Meergrenzc, erstere die Karlstädtcr Grenze.

Dem kroatischen Grenzobristen war anch die Meergrenzc untergeben wo das Flibustiertreibcn der Zengger Uskoken die meisten Schwierigkeiten bereitete. Nur die äußerste Strenge, mit welcher der Tecraub schonungslos gezüchtigt wurde, konnte das Piratenthum einigermaßen in Schranken halten. Es war ein wildes Kriegerleben, welches in jenen Grcnzstrichcn, die von der Türkenmacht aufgescheuchten, verjagten und stelig bedrohten Völker trieben. Kampf, Raub. Plünderung und Mord standen anf der Tagesordnung. Dieser beklagenswerte Znstand dauerte Jahrhunderte hindurch. Die serbische- Volkspoesie hat aus diesen Kämpfen reiche Stoffe gewonnen. Zahllose Guslarcn-liedcr künden vou den Heldenthaten eines Ivan ot Senja, eines Tadija ot Senja, des Komljen barjaktar nnd von der Iugendschöne so manches Burgfräuleins.

Mit Recht hebt Schwicker hervor, dass der Ruhm, die rauhen und verwilderten Volkselemcntc allmählich an ein geordnetes und gesittetes Staats-bürgcrthum eingewöhnt zu haben, größtentheils jener Zucht und Ordnung gebühre, die durch die militärische Verwaltung Österreichs eingeführt und aufrecht erhalten wurde. Die österreichische Negierung widmete der Militär-grenzc unablässig ihre Sorgfalt nach jeder Richtung hin; vorzugsweise ließ sie es sich augelegen sein, eine geregelte Administration einzuführen. Denkwürdig ist in diesei Hinsicht das vom Kaiser Ferdinand II. am 5. October 1630 erlassene Verfafsungsstatut.

Für die weitere Gestaltung der Militärgrenzucrhältnissc waren im Laufe des siebzehnten Jahrhunderts von besonderer Wichtigkeit die massenhaften Zuwanderungen serbischer Flüchtlinge aus der Türkei. Von größter Vedeutunq war aber die im Jahre 1690 und später erfolgte Einwanderung der Serben unter ihrem Patriachen Arsen Crnojevio. die 30- bis 36.000 Familien auf einmal betrug. Diese Leute fanden iu Südungarn bis nach Ofeu hinauf Unterkunft. Der Aufenthalt dieses eingewandcrten Volkes sollte nur ein vorübergehender sein, da ihnen der Kaiser in wiederholten Patenten die Versicherung ertheilte, dass die Emigranten bei dem siegreichen Vordringen des kaiserlichen Heeres in ihre alten Wohnsitze zurückgeführt werden sollten, wo sie sich dann jener Privilegien, die ihnen Kaiser Leopold I. in den Jahren 1690, 1691 und 1695 verliehen hatte, erfreuen könnten. Diese Zusicherung gieng nicht in Erfüllung; der Friede von Karlowitz (1699) war für den Kaiser zwar sehr günstig, allein die Heimat der serbischen Flüchtlinge blieb dennoch in türkischer Gewalt. So musste denn für die definitive Ansiedlung des zahlreichen und kriegsgewandten Serbenvoltes Sorge getragen werden. Hiemit war der Anstoss zu neuen Bildungen im Militärgrenzgebictc gegeben.

Geschichtliches übci Kioalien und Slauonien.

«7

Die Grenzer (Graniöari, Krajiänici) wurden schon im Laufe des siebzehnten Jahrhunderts nicht bloß in den Kämpfen gegen die Türken verwendet, sondern man begegnet den »Kroaten < (Chrowotcn, Chorwotcn, Char-waten) bald auf allen Kriegsschauplätzen Österreichs. Im Laufe des dreißigjährigen Krieges machte auch Deutschland ihre Bekanntschaft. Die Grenzer waren ebenso wegen ihres tollkühnen Muthes als wegen ihrer Beutegier und Grausamkeit gefürchtet. Als Erinnerung aus jencn Zeiten hat die deutsche

«5 l l! N >.

Volkssprache den Namen »Kroate« als Schimpfwort beibehalten. In gleichem Sinne gebraucht aber auch der mohammedanische Bo^njakc nnd auch der Bulgare dic Nebenform »Hrvatin«.

Im Jahre 1696 erklärten die kroatischen Stände den Ban zum Obcrcapitän des allmählich durch Eroberung erweiterten Militärgebictes von Petrinja. So wurde das dritte Gicnzgcneralat, die Banalgrenze geschaffen.

In den Jahren 1701 und 1702 wurden an der Save, Donau, Theiß und Maro^ zwei ueue Grenzgcncralate errichtet. Das Gcncralat an der

5*

68                                      Tie uerei!lim ^»igvcichc.^roaticu und Slavu»,.,'!',.

Save und Donau begann bei Gradi^ka und reichte bis oberhalb der Theißmündnng; hier nahm die Theiß-Maroser Grenze ihren Anfang und erstreckte sich bis nach Siebenbürgen. Die ganze lange Linie war in Zwischenräumen von je einer halben Stnnde mit cincm Grenzwachthause (<^'ardak) versehen, so dass eine ununterbrochene militärische Postenkette den Verkehr gegen die Türkei überwachte. Die Grenzmiliz wurde in reguläre Landmiliz und in das öardakenvolk getheilt.

Durch den Karlowitzcr Frieden war auch das Gebiet der Grafschaften Lika, Krbava und Zvonigrad nach 162jähriger Herrschaft wieder iu die Hände des rechtmäßigen Herrn Zurückgelangt; der verdienstvolle Erzftriester Marko Mesio aus Bründl (Vrinj) bevölkerte diese verödeten Landstriche durch zugewanderte Familien aus der Meergrenzc, aus der oberen bosnischen Krajina, der Hercegovina und Dalmatien; ein Theil der iu Peru^ice und Udbina Zurückgebliebenen Mohammedaner nahm das Christenthum an. Bald darauf wurde auch hier auf dem Hochkarst eine Grenzmiliz aufgestellt. Der neuen Militärgrenze wurde aber nur die Grafschaft Krbava und die obere Lika zugeschlagen.

Dadurch gewann auch das Ogulin-Slnujer Grenzgebiet an Bedeutung. Slunj, der Hauptort des Districtes, ist cm ganz nach bosnischtürkischer Bauart angelegter Marktflecken. Die Gegend erinnert aufs lebhafteste an das vom Vrbas durchzogene Thal von Vugojno iu Bosnien, nur ist sie weit zerklüfteter und freudloser. Seitdem Sluuj nach Auflösung der Militärgrenze aufgehört hat, Stabsort zu fein, ist es ein bedeutungsloses Dorf geworden. Die Umgegend ist reich an alten Burgruinen aus der Türkenzeit.

In die Zeit vom Poöarevacer bis zum Belgrader Frieden (1718 bis 1739) fallen mehrere tumultuarische Bewegungeu in den Grenzdistricten; diese arteten zumeist in offene Meuterei und blutige Empörung aus uud hatten noch andere bedauerliche Folgen. Ihre Ursachen lagen theils in den unzureichenden inneren Einrichtungen der Grenzverwaltung, theils in der Zwiespältigkeit dieser Administration, theils in der Nohheit und Ungcbunden-heit der Grenzer selbst oder endlich in religiösen und nationalen Umtrieben, oder in der Willkürherrschaft der Ofsiciere und Beamten. Wesentliche Verbesserungen erfuhr die Bevölkerung, als im Jahre 1733 Graf Khevcu-hüller an die Spitze des slavonischen Gcneralats trat, ein Mann fähig iu der Trupftenführung nnd geschickt in der Administration. Das kaiserliche Patent vom 8. Februar 1735 legte den Savegrenzern die Pflicht auf, auch außerhalb des Landes zu dienen, doch sollten sie niemals in die Verhältnisse der Bauern und der steuerbaren Grnndholden übertreten, sondern immer Grenzsoldaten bleiben. Dafür wurden sie von aller Contribution befreit.

Geschichtliche« iibcr Krualic» mid Slnuanic».

68

Nach dem Feldzug 1737 bis 1739 und dem darauf erfolgten Belgrader Frieden (18. September 1739), der so unglücklich für Österreich ausgefallen,

Naisciiu Maria Theresia.

kamcn mit dcu sich zurückziehenden österreichischen Truppen wieder serbische nud auch albancsischc Flüchtlinge mit. Die katholischen Albanesen wurden

7^)                                   Die vcleinigien iiüüigreiche jnoaueii u»d Slavoilicn.

m Sirmieu angesiedelt. Sic gründeten die Ortschaften Hcrttovci nnd Nikince, wurden ebenfalls in den Verband der Mililärgrenze anfgenommen nnd haben ihre Nationalität und Sprache znm Theil bis auf den heutigen Tag bewahrt. Diese Ansiedlung der österreichisch-serbischen unb albanesischen Miliz bildete die Grundlage der sirmischen Militürgrenze oder des nachhcrigen Petcr-wardeiner Orcnzregimentes.

Zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia konnte das so wenig umfangreiche Grenzgebiet, das nur einen kleinen Bruchtheil der österreichischen Länder ausmachte, über 65.000 Mann Bewaffnete stellen. Die gesammten österreichischen Streitkräfte betrugen aber damals nicht mehr als 113.544 Mann! Die große Kaiserin schenkte der Entwicklung der Militärgrcnze eine besonders liebevolle Aufmerksamkeit und Obsorge. Unter ihrer Regierung wurden auch zur Hebung des bürgerlichen Handels und Wandels Militär-Communitäten errichtet. Die Vorrechte der Militärcommunitätcn bestanden in der Befreiung vom Kriegsdienst und in der Erhebung zur freien Militärbürgerschaft; ferner in der Administration durch eigene felbstgewählte Magistrate als ersten Instanz mit der Befreiung von der Jurisdiction der Regimenter und in der unmittelbaren Unterordnung unter die Landesstelle; in der Befreiung von der grundherrschaftlichen Robot; in dem Rechte die Contribution selbst zu bestimmen und uuter sich zu vertheilen, endlich im freien Holzgenusse und im Tragen des Primavlanasäbels.                                                   .                      . „« .

Zur Beförderung des Wohlstandes war es eine lobenswerte Maß-rcqel dass im Jahre 1764 die Orte Karlstadt, Gospi6, Otoöac, Brinj im Karlstädter, Belovar, Kovrivnica und Ivaniö im Varaz-diner Generalate zu Oetreidehandels-Communitäten erhoben wurden. Maria Theresia wollte die in militärischer Hinsicht gut bewahrte Grenzinstitution nicht bloß erhalten, sondern auch weiter entwickeln. Es sollte ein qanz abgeschlossenes Soldatenland geschaffen, in demselben möglichst gleiche Verhältnisse hergestellt, die Dienstbarkeit gleichmäßig vertheilt, alle zweckmäßig bewährten Einrichtungen verallgemeinert und überhaupt das Soldatenvolk einer gedeihlicheren Entwicklung entgegengeführt werden. Zur Erreichung dieses Kieles wurde im Jahre 1765 das General-Grenzinsvectorat errichtet.

Im Jahre 1763 erfolgte die Errichtung der ttajkisten-Grenze im Donau-Theißwinkel, sajka heißt serbisch: das Boot, der Kahn. darnach sind 8ajka«i Bootsleute, Schiffsleute. Die 8ajka3i oder (_!ajkisteu hatten die Pflicht zu Wasser und zu Land in Friedens- und Kriegszeiten Dienste zn leisten, namentlich aber an der Donau, Theiß und Save Sicherheit zn erhalten und zu diesem Zweck das Raubgesindel zu verfolgen, die Ein- und Ansschwärzungen verbotener Waren, Münzen und Naturalien, die Überschreitung der Coutumazen nnd andere Unterschleife nach den behördlichen Anweisungen zu verhüten.

Geschichtliche.? über Kroatien und Tlauoiiic::.                                                71

So war denn das letzte Glied in dem eisernen Grenzgürtel, der die Südgrenze Österreichs von der Zrmanja bis znr Bukovina in einer Länge von 227 7 Meilen umspannte, eingefügt. Die Grcnzarmee kostete im Frieden dem Staate nur ein Geringes, kaum den dritten Theil der Feldtruppen; in den Tagen der Noth hatte man aber ein wohlgeübtes Heer vom kriegerischem Geiste beseelt, das anf den vielen Schlachtfeldern Österreichs auch im Verlaufe des achtzehnten Jahrhunderts ruhmvolle Thaten der Tapferkeit vollbracht hat.

Während der Regierungszeit Maria Theresias nahmen die Grenzer an allen gefahrvollen und blutigen Kriegen mannhaft theil. Im spanischen Erbfolgekrieg und im Aufstande Franz II. N.-ttoczi in Ungarn zeichneten sich die Varazdiner, Karlstädtcr und Lilaer Grenzer besonders aus. Im Kriege mit Spanien und Frankreich (1733 bis 1730) wurden die Grenzer zum erstenmale außerhalb der Monarchie ohne Werbung verwendet. Im Kriege um die österreichische Thronfolge (1740) machte sich iu anßergewöhn-licher Weise tranrigcn Angedenkens der slavonische Baron von der Trenck mit seinen Pandnren und Adraftovcen bemerkbar. Das Corps bestand aus des reichbegüterten Freiherr» Hanssoldaten, die er zum Schutze gegen das überhandgcuommene Ränbernnwescn auf seineu slavonischen Herrschaften unterhielt. Er erbot sich beim Bcgiuu des schlesischen Krieges zur Aufstellung cines Hilfscorps von 1000 Panduren, das er theils ans seinen Pandnren, tlieils ans ehemaligen Räubern, theils ans angeworbenen Savegrenzern binnen drei Wochen gesammelt hatte. Diese wilden Bursche behielten ihre Nationaltrachten als Montnr und giengen unter (türkischer) Musikbegleitung in den Kampf. Charakteristisch für sie war der rothe Reitermantel; daher nannte man die Pandnren auch »Rothmäntler^. Von der Trenck wurde Major seiner Truppe; der später zur großer Berühmtheit gelangte London trat bei ihm als Hauptmcmn ein. Tie Hauptaufgabe dieses Corps war die Belästigung des Feindes, die Abfangung der Zufuhren, der Kundschafter-dienst n. dgl. Dadurch wurde es dem Feinde ebenso lästig, wie durch seine Gewaltthätigkeiten der Bevölkerung furchtbar uud uerhasst. Die Gcwaltacte mid Ausschweifungen dieser wilden Soldateska bewogen aber nicht bloß den Fcldmarschall Ncippcrg zu ernsten Beschwerden beim Hofkriegsrathe, sondern veranlassten auch die dem Corps zugetheilten Savcgrenzer, dass sie am 27. September baten, man möge sie entweder in die Heimat entlassen, oder aber als rcgnlärc Truppen in die Armee einreihen. Trenck fiel späterhin in kaiserliche Ungnade uud cudctc schmählich. Auf seinen ausgedehnten Besi-Kungcn in Slavonien, die an Umfang nnd Reichthum größer als so manches deutsche Fürstcnthum gewesen, liattc er in bedeutenderen Orten, su in Pakrac, Kntjcvo, Pletcrnica. Kasernen aufführen lassen. Das Dörfchen Mitrovim bei Po/.cga war fein Lieblingsaufenthalt, Cr ist beim slavonischen

72                                  Tic ucrcnngic» ilöiiigrcichc >lro^nic!l m,d Zlauoüicn.

Volke verschollen und vergessen, als hätte er nie existiert. Keine Sage, kein Lied knüpft an seinen Namen an. Trenck hat unsäglich viel dazu beigetragen, dass der Name »Kroate« in deutschen Landen fluchbeladen wurde.

Es würde zu weit führen, sollten wir auch nur alle die bedeutenderen Schauplätze der Heldenthaten des Grenzervolkes ans dem vorigen Jahrhundert hervorheben. Die Grenzer waren eine der zuverlässigsten und tüchtigsten Stützen des Kaiserreiches.

Eine vorübergehende territoriale Verändcrnng erlitt die kroatische Grenze im Jahre 1809, da infolge des ungünstigen Wiener Friedensschlusses (14. October) unter anderem auch die vier Regimenter des Karlstädter Gcneralats und die beiden Regimenter der Banalgrenze an den französischen Kaiser Napoleon abgetreten wurden. Napoleon behielt die österreichische Grenz-verfassung bei; das Militärgebiet kam zur Provinz Illyricu, deren General-Gouverneur Marschall Marmont war. In den ersten Tagen des Fcldznges 1813 schlössen sich die beiden Grenzgebiete sofort dem rechtmäßigen Landes« fürsten wieder an und nahmen an dem Befreiungskämpfe gegen Napoleon rühmlichst Antheil. Der Pariser Friede vom Jahre 1814 sicherte den getrennt gewesenen Grenzern abermals ihre Zugehörigkeit zum österreichischen Kaiserstaate und ihren dauernden Verband mit dessen Herrscherhause. Die französische Zwischenherrschaft ist im Volke vollkommen vergessen.

Im Jahre 1815 zählte die Grenze 473.000 männliche Einwohner; darunter betrug die Zahl der felddiensttauglichen Männer 135.824 Mann. Dazu kamen noch 88.602 Hausdiensttaugliche, so dass die Zahl der Bewaffneten 224.426 Männer, also nahezu die Hälfte der männlichen Bevölkerung ausmachte. So hielt an der Grenze ein Volk in Waffen Wacht!

Damals bestanden zehn slavonisch-banater Grenz-Commuuitäteu: Alt-Gradizka, Neu-GradMa, Brod, Vinkovci. Mitrovica, Semlin, Karlowitz, Bukowitz, Peterwardein und Weißkirchen. Die Bevölkerung schied sich in den Bürger- und Contribuentenstand. Die Proveaten der Communitätenbestanden aus der Contribution, aus der Verpachtung der Gefalle und aus zufälligen Einkünften. Die Communitäten in der kroatischen Grenze erfreuten sich geringerer fördernder Aufmersamkeit. Nur den beiden Seehäfen Zengg nnd Carlopago, sowie den älteren Communitäten Kastajnica und Petrinja wurde größere Beachtung geschenkt.

Im Jahre 1807 wurde das Hauscommunionswesen »mit der gewissenhaften Rücksichtnahme auf die Volkssitte« geregelt und damit >dcr Grund-vfeiler, auf welchem die Militärgrenz-Verfassung beruht« in angemessener Weise erhalten und gefestigt. In der Ginführnngsverordnuug heißt es: »Die Haus-Communionen sind nicht durch die Militär-Grcuzgrundgcfetze geschaffen, sondern von denselben nur nach uralten Nationalsitten und Gebräuchen als System aufgenommen worden«.

Geschichtliches iibcr stroaiic» und Tladcüicn.                                         73

In der großen nationalen Bewegung des Jahres 1848, die ganz Enropa erschütterte, spielten auch die Grenzer eine bedeutende Nolle, die ihnen aber nicht zum Segen gedeihen sollte. Das Volk in Waffen, ergriffen von Nationalitätswahnvorstellungen, musste unter allen Umständen für den Freund nicht minder als für den Feind schrecklich werden. Die 300jährigc Ausnahmestellung der Militärgrenze hatte sich, wie jede menschliche Einrichtung, auch mit der Zeit überlebt. Die Auflösung war eine Naturnotwendigkeit geworden. In der That war die Grenze schon anfgelöst, lange ehe noch officiell die gänzliche Aufhebung und Einverleibung der kroatisch-slavonischen Militür-grcnze in die Königreichen Kroatien und Slavonien verordnet worden war. Die Militärgrenze hatte als Bollwerk gegen den Andrang der Türken ihre Zwecke erfüllt; ihre Mission war beendigt, und so mnsste sie im Interesse des Volkes, wie zum Heile des Staates anderen zeitgemäßen Institutionen weichen.

In Provinzial-Kroaticn bereitete sich schon seit den Dreißiger-Jahren ein Umschwung vor. Anfangs bediente man sich der »Literatur« als eines Deckmantels, um dahinter die wahren Ziele zu verhüllen. Die Agramer »Voltsführcr« erinnerten sich urplötzlich sehr genan, dass die Kroaten direct von den Illyriern abstammen, und dass sie eine eigene Königin Namens Tenta gehabt. Man plante nichts Geringeres als völlige Losrcißung von Ungarn, nnd Gründung eines selbständigen Reiches. Die damals in Schwung gebrachten Redensarten und Schlagworte haben noch bis in die Gegenwart bei nnreifen Leuten im Lande etwas Bestrickendes behalten. Ihren Höhepunkt erreichte die Bewegung im Jahre 1842. Die »kroatisch-ungarische« Partei uud die «illyrische« gericthen im ungarischen Landtage, und mehr noch in der kroatischen Landes-Congregation in heftigen Conflict, der im Mai 1842 einen blutigen Ausgang nahm. Die Folge war ein allerhöchster Befehl vom 11. Jänner 1843, womit der Gebrauch der Bezeichnungen: >Illyricn, Illyricr und Illyrismus« sowohl in Druckschriften als in amtlichen Ver-hanolnngen strenge untersagt wnrdc. Die Erregung der Gemüther hatte aber dadnrch nur noch neue Nahrnng erhalten. Am 25. März 1848 hatte ein provisorisches Natioualcomitö zu Agram eine 'Nationalversammlung der drei vereinigten Königreiche Dalmatien, Kroatien nnd Slavonien« einberufen. Diese Versammlung, welche im Agramcr .Nationalgebände« abgehalten wurde, wählte einstimmig den Obersten des ersten Banal-Ncgimentcs, Baron Josef Icla."i^ znm Ban, und entsendete eine große nationale Deputation an den kaiserlichen Thron, welche anhcr der Bestätigung des Bans noch nm die allerhöchste Gnthcißmig von 30 Punkten anzusuchen hatte.

7«                                   Tic u«eimglc>i ttönigreiche ilroaticn mid Tkiuoiiic»,

Die grauenerregenden Ereignisse des Jahres 1848 zu schildern ist nickt hier am Platze. Der Wahrheit zu Ehren muss aber mit Nachdruck hervorgehoben werden, dass das Bauernvolk in Provinzial-Kroatien und Slavonien für die Iela^'schen Unternehmungen sich durchaus nicht hatte begeistern lassen und dass die Theilnahme daran nur eine mit Militärmacht erzwungene gewesen.

Den größten Segen schenkte dem Volke unser Kaiser beim Regierungsantritte durch Aufhebung der Leibeigenschaft (Kmctstvo) uud der Zwangsarbeit (Nobota). Es ist rein unbeschreiblich, wie der Adel in erbarmungsloser Weise das Volk ausbeutete und schmählich vergewaltigte. Der Adelige musste fünf Gulden Strafe für die Tödtung eines Baueru zahlen, doch fand sich niemand, der selbst diese fünf Gulden eingetrieben hätte. War doch der Adelige selber auf seiner Herrschaft oberster Richter und hatten doch seine Beamten das Recht nach Belieben über die »Unterthanen« Freiheits- und Prügelstrafen zu verhängen. Seit der Regierung unseres erhabenen Kaisers Franz Joseph I. haben Kroatien und Slavonien einen nie geahnten Aufschwung in jeder Beziehung genommen. Aus besitzlosen Knechten hat sich ein reichstreues, wohlhabendes Volk von freien Baueru herausgebildet. Unter der Adelsherrschaft war eine allgemeine Volksbildung ein Ding der Unmöglichkeit. Olme Aufhebung der Leibeigenschaft gäbe es jetzt keine kroatische Universität, noch eine Akademie der Wissenschaften.

Dass ehemals Privilegirte nnd Strebernaturen, die Privilegien um jeden Preis gerne erriugcn möchten, uicht ruhen und rasten, ist selbstverständlich im Gang der Welt. Auch die Kroaten hatten bis in die allerjüngste Zeit darunter viel zu leiden. Alleweil tauchen Volksbeglücker auf, die in der Menge böse Instincte zu wecken suchcu, um dann im Trüben fischen zu können. Die Angriffe richteten sich hauptsächlich gegen die Ungarn. Seit dem Ableben Iclaöiö's verstand sich keiner von den Bauen darauf, die Störefriede nieder-zudämmen. Es kam sogar zu Ausständen. Das anfgewiegelte und irregeführte Volk musste mit seinem Blnte das Verbrechen der Verführer sühnen. Im Jahre 1882 verhieng die ungarische Regierung über Kroatien einen Ausnahmezustand und setzte an Stelle des in Ruhestand getretenen Bans Peja5cvi<-den General der Cavallerie Baron Ramberg zum königlichen Commissär ein. Dem strammen und dabei tactvollen Auftreten General Namberg's gelang es die Gemüther zu beruhigen. Zum Glück fand im Jahre 1884 die ungarische Regierung in der Person des Raabcr Obcrgespanns Grafen Karl Khuen-Hederv.-'lN) einen charakterfesten Mann, der alle Eignung zum Ban besaß. In der That hat er die in ihn gesetzten Erwartungen glänzend zu rechtfertigen gewusst. Graf Karl entstammt dem alten tiroler Adelsgeschlcchte der Khuen-Belasi, die auch iu Slavonien begütert sind. Der Ban wurde am 23. Mai 1849 zu NjuZtar bei Vinkovci geboren.

Geschichllichcs über Kroatien und Slauanim.

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Hedervnry ist der Zuname semer Mutter. Die Eltern ließen sich die Ausbildung ihres Sohnes sehr angelegen sein. Graf Karl widmete sich dem Studium der Rechte in Agram und Budapest. Anfangs der Siebenziger-Iahre trat er in

llaiser Franz Joseph.

ungarischen (5o,uitaie-Tienst. Er war auch kroatisch-slavonischer Landtags-abgeordnctcr nnd wurde uom Landtag in den Reichstag nach Budapest entsendet. Ban Khuen ist reich und völlig unabhängig und für jede Partei-

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Tic vcrcinissicii xöm'nrciche Vcoalicii lind Llavoiucü.

beeinflussung unzugänglich. Mit rücksichtsloser Offenheit und Strenge hat cr das Lügengewebe der sogenannten Großkroatcn bloßgclcgt nnd den Hauftt-führern, darnnter einigen gemeingefährlichen Volksanswicgleru das Handwerk gründlich gelegt. Die endliche Regelung der Verwaltung ist ein besonders hervorragendes Verdienst Ban 5thuens. Nicht zum geringsten mnss hervorgehoben werden, dass er dem Volksbildnngswesen nnd den höheren Bildnngs-anstalten allezeit eine besondere Förderung angedeihcn lässt.

Graf Khuc»-Hcdciväni, Ban von ilroaiic:!.

Die Litcraturg e schichte der Kroaten ist von ihrer politischen Geschichte in neuer Zeit unzertrennlich. Die Literatur ist nämlich durchwegs mit Patriotismus verquickt. Die ältere kroatisch-serbische Literatur von Nagnsa, Sftalato und Zara ist nur eine Stubeupflauze gewesen, von deren Dasein das ländliche Volk keine Ahnung hatte. Dem Volke geuügten oder mussten genügen die Guslarenlieder und andere Überlieferungen, die durch Jahrhunderte von Mund zu Mund giengcn. Die neuere kroatische Literatur, die mit den Dreißiger-Jahren anhebt, ist nur ein Ableger der serbischen, welche

Geschichtliches über Kroatien und Llaliomeü.                                         77

von Tosilheus Obradoviö und Vnk Karadxiü auf volksthümlicher Grundlage geschaffen wurde.

Unsicher und tastend begannen die kroatischen Literaten nach serbischem Muster zu arbeiteu. Tie lroatisch-slavouische Kaj-Sprache wurde als Verständigungsmittel gewählt, doch zeigte es sich bald, dass dieses Mittel unzureichend war, denn die überwiegende Menge des Volkes verstand besser Serbisch oder sprach eine kroatisch-serbische Mischsprache. In einem glücklichen Augenblicke verschmolz man Serbisch mit Kroatisch uud bestimmte so endgiltig die Litcratursprache. Der -Macher«, nicht etwa das Haupt, der politisch-litera-rischcn Bewegung, die sich des Schlagwortes >IIllirier< bediente, war der seinerzeit hochberühmtc Dr. Ljndcvit Gaj, ein Kroate ans Krapina (geb. 1809). Er war ein ganz unbedeutender Literat, ein beschränkter Politiker, doch ein vortrefflicher Redner für die Menge auf der Straße und ein ausgezeichneter Redacteur. Sein Lobrcdncr weis; ihm nichts Nuderes nachzusagen, als dass er ein guter Patriot gewesen, der es doch ehrlich mit seiner Sache gemeint.

Die eigentlichen Hänptcr der jungen kroatischen Literatur waren die unermüdlich thätigen und strebsamen Dichter und Gelehrten: Vraz, Vuko-tinovn-, Knknljevic-, Bogovi«, Demeter, Trnski, Prcradovi<5, Puci«/, Simeon Ljnbi<5. Kurelac u. s. w., aber sie haben so viele beinahe gleich ausgezeichnete Genossen, dass es fast gehässig klingt, wenn man einzelne Namen ucnnt nnd bei der Aufzählung ebensoviele andere übergeht.

Die neukroatisäic Literatur ist wesentlich eine Provinzliteratur, deren nicht genug hoch anzuschlagendes Verdienst darin gipfelt, dass sie die Ergebnisse westlicher Cnltnr dem kroatischen Volke zugänglich macht, und dadurch das Volk dem segensreichen Fortschritt der Neuzeit zuführt. Den rnhigen Beobachter von Volksentwicklnngen kann es nicht Wnndcr nehmen, wenn er anf Schritt und Tritt in einer so jungen Literatur anf hässliche Auswüchse stös;t. Schnöde Undankbarkeit gegen das Dentschthum, den Lehrer des kroatischen Volkes, grenzenloser Hochmuth einzelner Litcratcn, Wissensdünkel nud eine Absprechnngswuth sondergleichen, das alles kann man in mannigfachen, meist derben Formen in der kroatischen Zcitungs- und schöngeistigen Literatur täglich finden. Mit Besorgnis blickt der ehrliche Kroate auf diese Erscheinungen. Von ^eit zu Zeit ertönt wohl auch ein Warnnngs-ruf, der zur Umkehr mahnt.

Im Jahre 1885 feierte die Akademie in Agram das fünfzigjährige Jubiläum der Wiedererstchung der kroatischen Literatur. Die Spccialforscher in der Akademie gaben in öffentlichen Vortrügen, jeder ein Bild der Entwicklung und der Pflege ihrer Sondcrwisscnschaft zum besten. Es wurde da so mauchc hochtönende Redewendung angebracht, doch fehlte auch die klare.

58                                   D!e vereiniglen Kön!gic

besonnene Erwägung nicht. Unter Anderen sprach auch der Lexikograph Peter Budmani am 4. December 1885 folgende denkwürdige Mahnung aus, die jeder Kroate auswendig kennen und beherzigen sollte:

»Öto nas največo (ti napretkn) sraeta, to su xiprav naüe mane: Ijenost s koje ne čemo da se trndimo mijenjajuči ono na hto smo naueni; tajtina s koje bismo se hfjeli pokazati kao odrasli Ijudi megju kulturnijem narodima, a ne kao djec/i, koju još treba odgajati. A kao djeca česte se podnosimo i to kao razmažena, piemda nas doduše doslije ni udes ni drugi narodi nijesu razmazili: kao takovi shvatamo ne-prijateljem onoga koji u eem druki'ije misli i koji nas kovi.«

»Die, größten Hemmnisse unseres Fortschrittes bilden ausdrücklich unsere Fehler: die Trägheit, eiu Hemmnis, dass wir mit unseren eingewurzeltcu Gewohnheiten nicht brechen mögen, der eitle Hochmuth, der uns verleitet die Rolle gereifter Männer unter den Eulturvölkern spielen zu wollen und die Einsicht nicht aufkomme» lässt, dass wir erziehungsbedürftige Kinder sind. Im Grunde genommen aber führen wir uns häufig wie Kinder, und ' zwar wie verzärtelte Kinder auf, obgleich uns, Gott sci es geklagt, bisher, weder das Schicksal uoch andere Völker verzärtelt haben. In unserem Wahn befangen, betrachten wir jedermann als Feind, der anderer Meinung als wir in irgend einer Beziehung ist, und vollends den, der über uns einen Tadel laut werden lässt.«

Man kaun die Geschichte der neuen kroatischen Literatur nicht besprechen, ohne des rührigsten Förderers aller kroatischeu Bestrebungen, des viel gefeierten und viel gelästerten Djakovoer Bischofs I. G. Stroßmayerzu gedenken. ' Stroßmayer wurde am 4. Februar 1815 in Esfegg von deutschen Eltern, eingewanderten Schwaben, geboren. Sein Vater war Pferdemäkler und sprach nur unvollkommen slavisch. Der Sohn ist durchgehends in deutscher Gesittung groß gezogen worden. Nachdem er mit ausgezeichnetem Erfolge die Gymnasialstudien in Essegg zurückgelegt hatte, wurde er ins Djakovoer Priesterseminar aufgenommen, wo er bald alle seine Mitschüler au Fleiß überflügclie und den Grundstein zu seiner glänzenden Zukunft legte.

An der Pester Universität hörte Stroßmayer theologische und philosophische Vorlesungen und kehrte 1838 als Doctor der Theologie und Philosophie nach Djakovar zurück. Der 23jährige Dr. Stroßmayer zählte schon zu den gelehrtesten Männern des Landes. Als er Professor des Djakovoer Seminares war, drang der Ruf seiner Gelehrsamkeit in Kurzem bis an den kaiserlichen Hof, und so kam es, dass Stroßmayer nach Wien berufen wurde, wo er vorerst als Vorstand des Augustineums wirkte, an welchem junge Priester für den Lehrstuhl vorbereitet werden, später Hof-kaplan wurde und eine beliebte Persönlichkeit am Wiener Hofe war. Im Jahre 1848 resignierte der Djakovoer Bischof Josef Kukovi6 auf seinen Stuhl, und Stroßmayer, folgte demselben in dem Djakovoer Bisthum.

Geschichtliche« über .i und ölavcnicli.                                         7g

Von da an beginnt die eigentliche Periode seines unermüdlichen Schaffens für die Kirche nnd das deutschfeindliche Slaventhum. Getreu seinem Wahlspruche: »5v« 2.-! vjoru i 2a aonmvimi- (Alles für den Glauben und' für das Vaterland) suchte er mit allen Mitteln, die ihm zu Gebote standen, die Stellung des kroatischen Volkes, zu heben und ist ein Mäcen der

Vlschof I. O. Euosüüllücr.

Kroaten geworden. Seiner Freigebigkeit danken zum größten Theile ihr Dasein: die südslavischc Akademie der Wissenschaften und Künste in Agram, deren Protector er noch heute ist; ferner die kroatische Universität, für deren Gründung er oftmals das Wort im kroatischen Landtag ergriffen; dann der »Verein für südflavische Alterthümer« und mehrere andere. Es gibt im slavischen Tüdeu vielleicht lciueu slavisch-culturcllcu Zwecken dienenden Verein, zu dessen Gründung Stroßmayer nicht irgendwie beigetragen hätte, ja selbst

80                                  Tic vereinigten Königreiche Äroalim und Slavonien.

Viele andere ausländische slavische Gesellschaften fanden ihn stets bereit, ihre Zwecke thnnlichst zn unterstützen.

Stroßmaycr nahm anch sonst an dein politischen Leben der Kroaten regen Antheil nnd zog sich dadurch zahlreiche Feindschaften Zn. Gegenwärtig lcbt Bischof Stroßmayer znrnckgczogcn von unmittelbarer politischer Thätigkeit, auf seinem Djakovoer Sitze und könnte in glücklicher Ruhe Knuste nnd Wissenschaften hegen nnd Pflegen, wenn ihm der verzehrende Ehrgeiz eine politische Rolle zn spielen, die verdiente Ruhe anch gönnen wnrdc.

III.

Cultur und Oolksthmn.

liber den Culturzustand der Slaven in Kroatien und Slavonien in der Zeit vor der Annahme des Christenthums wird uns vielleicht einmal die vergleichende vorgeschichtliche Völkerkunde, und selbst die nnr vermuthungsweise Aufschlüsse geben; denn keine Schrift- uud keine Baudenkmäler fprecheu aus jeneu Tagen zu uns. Für uus find die ältesten nud zuverlässigsten Zeugnisse die unzähligen noch erhaltenen volksthümlich religiösen Anschauungen und Volkssittcn, aber auch diese sind noch lange nicht durchforscht, ja nicht einmal erschöpfend beobachtet worden. Was unser Büchlein in dieser Hinsicht darbietet, erscheint hier zum größte,: Theile zum erstenmal gesammelt, nnd soll im allgemeinen über die culturclle Stellung der breiten Volksschichtc der Ackerbauer Aufklärung geben. Diese späte, und infolge des geringen Raumes spärliche Auslese, wehrt es uus, daraufhin Schlüsse auf die vorgeschichtliche Vergangenheit des Volkes zu ziehen.

Die Schrift. Treten wir in die geschichtliche Zeit ein, so bleibt unser Blick vor allem auf der altkroatischen Schrift, der sogenannten Glagolica haften, die nachweislich schon im zehnten Jahrhundert unserer Zeitrechnung bei den Kroaten im Gebrauche war. Das charakteristische Merkmal der Glagolica ist, dass alle ihre Buchstaben gleich hoch geschrieben werden, alle auf einer Zeile stehen, kein Buchstabe ciue Ober- und Unterlänge hat. Die (Glagolica blieb allezeit eine wcuig lesbare Schnörkclschrift. Sie ist ein Ableger, der einzige, der albancsischcn Schrift von Elbassan, die eigentlich cincn römischen Gruudcharaktcr hat und nnr einige Buchstaben der griechischen Schrift entlehnt hat. Fast alle slavischen Buchstabcnnamcn, das gilt anch von den clmlliri scheu, z.B. az (a), buky (b), vjcdjc (v) u. s. w. siud slavisicrtc albancsischc Worte. Die Glagolica hat aber anch einige wichtige Zeichen der Cyrillic« (serbische Schrift) entnommen. Die Entstehung beider grnnd-vcrschicdcuen Schriften ist nach den grundlegenden Nntcrsnchuugeu Dr. Leopold Geitlcr's (Die albancsischcn nud slavischen Schriften, Wien 1883) zeitlich nud räumlich geschieden, ihre Bcrühruug und wechselseitige Aus-glcichuug vou uutcrgcorducter Bcdcutuug. Dicsc Eutlchuungcn wurden dnrch

Krans»: »«rocüicn und Slavonlt».                                                                            6

82

Die vereinigten Königreiche Kroatien und Slavonien.

Glagolica»Inschrift von Va3la.

Cultur und VoMthum.                                                 83

die anfängliche Unvollkommenheit der beiden slavischen Schriften hervorgerufen. Es liegen Anzeichen vor. dass die Anfänge beider Schriften unabhängig von einander im Gebrauche bestanden. Die glagolitische Orthographie ist aber nach dem Muster der cyrillischen gebildet.

8 «WlUlHovUlt» MN><^ V«U>»!N, »>8«l>. Vllbll ««252 «VVLV^f^, HllUUÜwl, ll"2<3<"ll, Vlll>p> ,

Glagolica-Drucl au« dem Iah« I635.

Die Heiluat der Glagolica ist, wie bemerkt, das mittlere Albanien. Diese historisch unbedeutende Schrift, sagt Gcitlcr, welche nie ein eiuzigcs Volk ganz erobern konnte, immer nur für gewisse Gegenden für kirchliche Zwecke beschränkt war, hat im Quarncro auf der Iusel Veglia, ihrer zweiten

6*

84                                  Die v««ln

Heimat, wohin sie aus Bulgarien verpflanzt wurde, als üb erleb sel bis in die Jetztzeit sich erhalten. In reichen Vauernhäusern anf der Insel sind noch jetzt glagolitische Documente zu finden. Außer wenigen Popen bedienen sich noch einige alte Bauern dieser Schrift. Im vierzehnten Jahrhundert drang die Glagolica zwar tiefer nach Dalmatien, nach Agram, Süd-Kram, in dessen hart an Kroatien anstoßenden Theilen es Inschriften mit ganz jungem Datum geben soll, aber es gibt keinen im Binnenland tiefer liegenden Punkt, der für ihre Geschichte erwähnenswert wäre.

Unser erstes Bild zeigt die berühmte Inschrift lion Baäka im Süden der Insel Veglia. Die dreizehnlinige Steinplatte wurde zum erstenmal durch Safarik bekannt gemacht. Sie ist wegen der Wichtigkeit des Inhalts mit einer übermäßigen Sorgfalt ausgearbeitet. Es ist eine steinerne Schenkungsurkunde der uralten St.Lucienkirche. Darin wird eines Königs Zvunimir und zweier 2upane gedacht. Geitler (-j-in Wien 1885) weist die Inschrift dem Anfang des zwölften Jahrhunderts zu. Die besten Kenner der glagolitischen Schriften sind Knkuljevic, Racki, Crncic und besonders der Dalmatiner Vid Vnletic Vukasovic. der Erforscher südslavischer, alter Steindenkmäler in Bosnien und der Herccgovina.

Das zweite Bild ist das in Versen abgefasste Widmungsblatt eines im Jahre 1635 zu Nom von der katholischen Propaganda gedruckten Kirchenbuches: Igpravnik 2«, orsi ispovicluiei u. s. W. ispikÄU, i nap6-öaten, 0 Nalailom I^ovakoviäßm (Auleiter für Beichtväter — herausgeschrieben und gedruckt von P. Rafael Levakovic). Die ersten drei Zeilen lauten in unsere Schrift umschrieben:

Lull Bulineov.

Otcu Rafaelu Levakovicu, Knjigo?tii Slovinjskomu.

(Lukas Sohn Bnlin's an Vater Rafael Levoviä, den slavischen Bücherlescr),

Glagolitische Druckereien gab es zu Venedig (1483 bis 1812), Zeugg (1507 bis 1508), Fiume (1531), Tübingen (1561 bis 1564) und Nom (1621 bis 1791). Man druckte ausschließlich kirchliche Bücher.

Handelsverkehr in alter Zeit. Über den wichtigsten Culturvermittler, den Handel bei den Kroaten in alter Zeit, wissen wir nur wenig. Slavonien war damals nach den Völkerwanderungen tief gesunken. Endlose Sümpfe und Urwälder bedeckten Slavonien und Kroatien. Ackerbau wurde mit den primitivsten Holzackergeräthen betrieben. Man baute meist Gerste und Hafer. Lohnend war die Viehzucht und Fischerei, der Weinbau und am lohnendsten die Jagd auf Wild. Als Werteinheit im größeren Verkehr nahm man ein Marderfell (Kuna) an; drei solche Felle galten einen großen byzantinischen Gold-Ducaten. An der Küste warf die Meersalzgewinnung

Cultur und VollSthum.                                                         85

großen Nutzen ab. Der Verkehr nach Constantinoftel, dem Hauptftaftelplatz für Nohftroducte aus Kroatien, vermittelten zu Lande Griechen und Bulgaren, zur See auch Italiäner und die Inden aus Ungarn und Maccdonien. Verhältnismäßig spät begannen die kroatischen Könige Geld prägen zu lassen, immer aber blieb das ungarische Gold- und Silbergeld in vorwiegender Verwendung.

Alte Gesetze. Sehr merkwürdig sind in cultureller Hinsicht die alten kroatischen Gesetzbücher, weil sie so scharf die culturelle Abhängigkeit der Kroaten von anderen Völkern beweisen. Das wichtigste Denkmal dieser Art ist das »Statut von Vinodol« (22K0N Vinoäolgki) aus dem Jahre 1280 (erhalten in einer Abschrift aus dem sechzehnten Jahrhundert), das für die Erforschung der dalmatinischen Gemeindeverfassungen sehr lehrreich ist. Daran schließt sich ein ähnliches »Statut vou Veglia« vom Jahre 1388 und das in der Aukvica, der besonderen slavischen Schrift Bosniens, geschriebene »Statnt von Poljica« aus dem Jahre 1400. (Die Abschrift ans dem sechzehnten Jahrhundert). Wertvolle Notizen liefern auch die wenigen Urkunden kroatischer Könige; ein wirklich befriedigendes Bild kroatischer Cultur kann man sich aber aus alledem nicht verschaffen.

Cultur ist das Ergebnis einer oft gar nicht übersehbaren langen Zeit friedlicher, schaffender Thätigkeit in Handel, Gewerbe und Bodenbestellung, wo sich allmählich ein bedeutender Überschuss an Reichthum im allgemeinen beim Volke und bei Einzelnen ansammelt, so dass mit der freieren Lebensauffassung und Stellung, den sittlichen und geistigen Bedürfnissen, weit hinaus über die Anforderung des Tages, Rechnuug getragen werden kann und der hervorragende Vortheil des Einzelnen unbedingt auch der Gesammtheit zum bleibenden Nutzen gereicht und zu deren geistigen nnd greifbaren Fortschritten beiträgt. Eine Cnltur in Wahrheit beginnt bei den Kroaten erst, seitdem sie mit den Ungarn sich vereinigt haben nnd unter das Scepter der Habsburger gelangt sind. Die alte kroatische Cultur, von der niemand nichts Bestimmtes weiß, die niemandem etwas nützt, ans bie^ sich aber die modernen kroatischen Volksaufwicgler fortwährend berufen, diese Cultur ist für die heutigen Kroaten und Slavonier nicht ein gebrochenes Pfennigstück (ni prM-.i"n« ixn-«) wert.

Volksmusik. Ein verhältnismäßig hohes Alter muss man der süd-slavischeu Volksmusik, einem wirklichen Ansdrucksmittel der Volkscultur, zusprechen. Die Volksmusik hat aber die nachhaltigste Beeinflussung von ans-wärts erfahren. Der Musikcrlehrcr Koch in Agram hat wohl eine großartige, doch leider zugleich ganz nukritischc Sammlung südslavischer Volksweisen veröffentlicht. Die echt slavischen Weisen alter Zeit dürfen wir uns nicht anders vorstellen, als die Weisen der Kinderlieber und der Guslarenlicdcr. Die

gß                                   Die vereinigten .Königreiche Kroatien und Slavonien.

einfache rhythmische Recitation herrscht vor. Bedeutsamer sind fnr uns die slavischen Musikinstrumente, die zum Theil noch jetzt dem Volke lieb sind.

Oben: Guslen; nnten links: Tamburica; rechts: Vijala; in der Mitte: Hirtenflöten.

Das einzige Bogenstreichinstrument der Südslaven, das man nur mehr vereinzelt in Kroatien und Slavonien antrifft, sind die Guslen, von welchen auf unserem Bilde die zwei oberen Stücke eine Vorstellung geben. Die Guslen werden vorzugsweise aus Ahornholz als ganzes geschnitzt. Wie man sieht, sind die Guslen eine Art höchst primitiver Geigen, bei denen

Cultur und Vollsthum.                                  .                      87

die Schllllkastendecke mit einem rohaegärbten Felle, in welches Schalllöcher hineingebrannt find, überzogen ist. Das Vorbild der Guslcn dürfen wir im alten Persien suchen. Für die Annahme, dass die Guslen eine urslavische Erfindung seien, lässt sich kein wissenschaftlicher Nachweis erbringen.

In Slavonien dienen die Guslen den landstreichernden blinden und verkrüppelten Bettlern als Begleitung bei der Recitation der Bettellieder und Epen. Die musikalische Begleitung verdient zuweilen kaum die Bezeichnung Musik. Am liebsten versammeln sich die Gnslaren auf Jahrmärkten, weil sie da die besten Geschäfte machen. Mit bosnisch-hercegovinischen Guslaren können sich die slavonischen Bettler bei weitem nicht messen.

Es gibt verschiedene Weisen, die man auf den Guslen spielt. Alle sind in moll. Nachfolgende Weise gehört zn einem epischen Liedes)

') Slug ffllljač'8: Priloj? zh povjest glasbe južnoslovjenske. 2(gram 1877,

3m Jiab jiißoölaü. afabcmije,

Die Weise eines Schnurrliedes:

inf.             Go-rom jez-di kral-je - vi - ču Mar-ko

baš sa svo - jom lju - bom An - gje - li - jom

pa be - se - di kra - lje - vi - ču Mar-ko.

Andante agitato J = 48.

recitativo

O riä-c-a-m mi-la bra-t'o i ii5 - can-ke mi-Ie maj - ke

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Die vereinigten Königreiche Kroatien und Slavonien.

po - da - ruj - te, ob - ra - duj - te         po - rad

Bo - ga         je - di - no                  ga.

Während die Guslen einsaitig sind, die Saite besteht wie beim Bogen aus einem dünnen Büschel Rossschweifhaare, hat die im Küstenlande und in Dalmatien hie und da vorkommende entwickeltere Form der Guslen, das Vijalo, drei Darmsaiten. Darauf wird nur Tanzmusik gespielt. Das Vijalo ist ein Soloinstrument. Bei den bulgarischen Gärtnern an der Save sah ich ein ganz gleiches Instrument, doch mit Rosshaaren bespannt. Sie nannten es aber Gusle.

Das linke in der Ecke abgebildete Saiteninstrument ist die vielgerühmte Tambura (dim. Tamburica) oder PrimaZica (in Bosnien Baglama). Es ist mit drei bis fünf Metallsaiten bespannt und dient hauptsächlich zur Begleitung von Ständchenliedern.

In der Mitte sind zwei Hirtenflöten; die kleinere, mit einem zugeschnittenen Mundstück und sechs Stimmlücken auf der oberen und einem Stimmloch auf der unteren Seite des Rohres, wird einfach Svirala (Blasrohr) oderZveklja (Sveglja) (Lauterzeuger) genannt. Das größere Rohr ist oben wie unten abgestumpft. Die Blasritze wird bloß an den Mund leicht angedrückt. Das Instrument heißt Saltva. Hier ist eine serbische Weise, die auf der Hirtenflöte gespielt wird:

Cultur und Vollsthum.              .                                          gg

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Nie z>ei«in!gten Kiinigleiche Kroatien und Slavonien.

Zu den beliebtesten Musikinstrumenten des Bauernvolkcs gehört unstreitig der Dudelsack (Dude oder Oajda). Die Dude fertigt sich jeder Dudelsackpfeifer (Dnda« oder Gajda3) selber aus einer Zicgeuhaut an. Der Duda« oder Gajdaz darf bei keiner Hochzeit und anf keinem Jahrmärkte beim Neigentanz der heiratsfähigen Jugend fehlen. Er steht immer inmitten des Reigens. Den aufgeblasenen Sack hält er unterm linken Arme. In den Pansen singt er kurze, meist unflätige Lieder (Poskocuice) und ergötzt

dnrch seine possierlichen Sprünge die Tanzenden und die übrigen Zuschauer und Zuhörer.

Die Tracht der bäuerlichen Bevölkerung von Kroatien und Slavonien ist nicht einheitlich, noch von einer Art. Im Küstenlande neigt sie zur dalmatinisch-bosnischen, in Kroatien zur steicrmärkisch-deutschen,in der flavonischen oberen Niederung Zur magyarischen, uud längs der bosnischen Grenze zur bosnischen Tracht hin. In neuerer Zeit schwinden die älteren Nationaltrachten mit unbegreiflicher Geschwindigkeit, indem sie der vordringenden, billigeren deutschen Bekleidung (aus Cattun, Percail. Seide und mährischemTuch) weichen. Jedenfalls war die alte Nationaltracht theuerer, bunter und farbenprächtiger. Die Kleidungsstücke waren durchaus Erzeugnisse der Hausindustrie. Die Ornamentik wies köstlich schöne und femgegliederte Zeichnungen auf, die auch jetzt noch nachgeahmt zu werden verdienten. Im Sommer trägt der Bauer breite Leinwandhosen und ein weites Hemd; der Saum der Kleidung ist gewöhnlich mit Blau- und gtothgarn ausgestickt oder auch einfach mit weißem Zwirn ausgclückt. In Slavonien trägt man auch einen Stehkragen und dazu eine Cravatte, häufiger aber eiue Chemisette; um den Leib gürtet mau sich einen rothen gewebten Gürtel von 1'/^ bis 2 m Länge; die Füße sind mit Leinwandstücken umwunden oder mit Socken (Corape) versehen. Darüber trägt man Putianci (Ledersohlen, die statt mit Oberleder

Ein Dubaz aus der Poiegaer Gegend in Slavonien.

Cultur und Vollsthum.

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mit kunstvollem Flechtwerk aus Spagat am Fuß festgehalten werden) oder Oftanci (Sohlen mit breitem Oberleder; die Form ist die unserer Bundschuhe, doch auf einer Seite offen); in kühlerer Jahreszeit, aber auch an Festtagen trägt man eine blaue, mit dunklen oder röthlichen schmalen Bändern hauptsächlich iu den Winkeln ausgeschmückte Weste; im Winter einen schwarzen oder weißen Lodenrock, mit oder auch ohue Ärmeln (Kudmen, Kepenik) oder einen Pelzrock (Curak, Bunda). Als Kopfbedeckung dient im Sommer ein Strohhut mit breiter Krampe, im Herbste und Frühjahr ein schwarzer schwerer teller- oder kochschüsselförmiger Filzhut, im Winter eine dicke Pelzmütze (Subara).

Im Sommer tragen dieFrauen derKatholikcn als ganze Bekleidung bloß ein langes sackförmiges Hemd, das an der linken Hüfte ungebührlich hoch auf-gespendelt wird, und als Luxusartikel noch eine Schürze. Ärmel, Brustlatz, Seitenstreifen und Saum sind immer ausgestickt. Der Schurz (Prcgaca, Oprcga) ist mit Silber- auch mit Goldfaden eingeschlagen und meist aus feinerer Schafwolle gewoben.

Um den Hals schlingt sich die verheiratete Frau ein weißes oder buntes oder blaues Tüchlein, die Mädchen aber tragen Perlen und Korallenschnüre (Kraljuze, vom Deutschen: Korallen), freilich meist unechte Ware, oder auch Silber- und Goldmünzen. Die Frauen haben das Haar mit einem Kopftüchlein (Paculica, vom Italiänischen Fazoletto) bedeckt oder tragen es m einem buntfarbigen — Noth wiegt

vor — gestickten Haarsäckchen. Die Haare der Mädchen find kunstvoll zu einem zwanzig bis vierzig Strähnchen starken, bretterartig flachen Zopf verflochten uud über die Maßen stark eingefettet. In den Ohren stecken gewöhnlich hübsche, uach vcnctianischen Mnstern gearbeitetete Silberohrgehänge. Die Mädchen schmücke» sich am liebsten mit Sandruhrkraut (Smilje) und mit Aasilicnm (Vosiljat), daö am Wcgrain wächst uud stark duftet.

Iu Ermanglung von Taschen an den Kleidungsstücken tragen die Frauen und Mädchen Gelb uud audcre Wertsachen von geringem Umfang unterm Hemde. Mädchen haben den Branch, allerlei wohlriechende Blumen in den Kleidern zu tragen, so dass man ein Mädchen thatsächlich schon auf mehrere Schritte erkennt. Darauf bezieht sich auch eiu Voltsliedchcu, in welchem der Bursche frägt:

Tracht in Tinmen.

Sprich, o Mädchen, meiner Seele, was ist deine Licliliilgtzblume?

oj djevojko duso iiioja oim iniriMu njodra tvojn?

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Tie vereinigten Königreiche Kroatien und Slavonien.

Die Küche. Die kroatischen und slavonischen Weiber find nach deutschen Begriffen von Reinlichkeit mittelmäßig reinlich. So ist das Heim, so die Küche beschaffen. Die Kochkunst der Bäuerin ist primitiv. Reisfleisch und Sarma (vom türkischen Saurma) d.i. gehackeltes Fleisch mit Reis in Kraut-blätter eingehüllt und sauer abgekocht, dann ein Fladen von fünf bis sieben Butterteiglagen mit Honig, Zucker, trockenen Weinbeeren, Zimmt, Äpfel-schnittchen zwischen den Lagen, die sogenannten Pita maslenica und schließlich der unvermeidliche Suvi kolac, ein wie Schiffszwieback harter, aus Eierdotter,

Mundmehl und Zucker bereiteter rundlicher oder brezcnförmig gewundener Kuchen, gelten als die höchsten Leistungen der culinarischen Kunstübung. Im Allgemeinen isst der Kroate und noch mehr der Slavonier sehr schlecht. Er schaut weniger auf die Güte als auf die Menge der ihm vorliegenden Nahrungsmittel. Wein und Branntwein, (meist guten, einfach gebrannten, fünf-höchstens neungrädigen Naki) trinkt der Bauer ohne Maß und Ziel. Es ist erstaunlich, was der Kroate durchschnittlich für gewaltige Verdauungskraft besitzt. Ein Bauer vertilgt mit Leichtigkeit zum Mittagsimbiss (Objeo) zwölf hartgesottene Gier, ein halbes Pfund Speck, drei große, scharfe Zwiebel oder fünf Stück eingesäuerte Paprika, ein halbes Pfund Topfen und trinkt dazu zwei Liter Wein.

Böser als das Vielessen ist die Unmäßigkeit der Kroaten und Slavonier in Bezug auf Wein und Branntwein. In neuerer Zeit decliniert der Branntweinsuff die Bevölkerung, besonders seitdem es auch das Bäuerlein versteht aus Erdäpfelspiritus billigen Branntwein zu pantschen. Hand in Hand damit schreitet auch eine leichtere Auffassung der Sittlichkeitsgesetze einher.

Männer und Frauen. Der Kern des Volkes ist bieder und rechtschaffen. Unter allen Slaven sind vielleicht die Kroaten und Serben in Slavonien an Wuchs und Gestalt die schönsten. Man sieht unter dem Bauernvolke, namentlich im Küstenlande und in der Lika, häufig prachtvoll entwickelte, große kräftige Männer, die einem Phidias Modell stehen dürften. Der Bauer ist muthig, aber auch bis zur Kriecherei demüthig, gastfreundlich

Kroatisches Vauernvolt im Küstenland.

Cultur und Vottsthum,                                                         93

und stolz auf sein Besitzthum. Im Hause und im Dorfe gilt hauptsächlich der Mann etwas, das Weib wenig oder nichts. Sie ist des Mannes lebendig Hansgeräth, sein Hansknecht, Stallknecht, Ackerknecht; das Weib mnss den Mann kleiden nnd ernähren. Trotz aller Aufopferung erfährt sie selten eine nach unseren Vorstellungen anständige Behandlung. Scheltworte und Schläge erlebt sie mehr als gnte Tage im Leben.

Schöne Flauen gibt es im eigentlichen Kroatien wenig. Im Durchschnitt sind es dralle, pausbackige, kleine Frauenzimmer, breithüftig und kurzbeinig, mit auffällig zarten Händen und kleinen Füßen. Die Likaerin ist aber geradezu hässlich, sie ist groß, kuochig, von breitem Munde, hervorstehenden Backenknochen nnd von männlichem Auftreten. Liebreizende Frauen, zuweilen von ausnehmender Schönheit, trifft man aber an in der Savegegend von Sissek bis Scmlin und wo möglich noch herrlichere im Knstenlande. Da haust aber ein starkes Mischlingsvolk, wo dcr kroatisch-hunnische Typus durch ungezählte Kreuzungen veredelt nnd verfeinert auftritt. Lange hält die Schönheit dcr Kroatin nicht an. Mit 28 bis 32 Jahren sind die meisten Frauen schon abgelebte Matronen. Viel trägt wohl dazn bei, die übergroße Arbeitslast, die auf dem Weibe ruht.

Die Lebensweise. Über die Lebensweise, Sitten und Bräuche der Kroaten nnd Slavonier ließen sich ganze Bände schreiben, und man käme doch kaum zn Ende. denn wie jedes Volksthnm ist auch dieses in seinen Änßcrnngen reich und mannigfaltig und zeigt immer nene Seiten, von welchem Gesichtspunkte ans man es eben betrachtet. Ter ausgezeichnetste Schilderer des Volksthums jener Gegenden, besonders Slavoniens, wo die Türken so lange die Herrschaft ausgeübt und die Entwicklung der Slaven nachhaltig in Sprache und Brauch beeinflusst haben, ist oder war Mathias Anton Neltovic aus Svilijar in Slavonien (1732 bis 1798). Als Grenzsoldat kämpfte er im siebenjährigen Kriege bei Köln nnd Brcslau, gericth in Gefangenschaft und veröffentlichte im Jahre 1761 zn Dresden ein Büchlein >8.-nir ili äiv^i öov^lik« (Der Satyr oder der wilde Mann), in welchem er den Slavonicrn einen treuen Sittenspicgel vorhält. Seit den 128 Jahren hat sich die große Menge des Landvolkes so wenig verändert, dass jene Charakteristiken fast durchwegs noch heutigentags als zutreffend bezeichnet werden müssen. »Der Satyr« ist aber noch jetzt das gclcsenste Volkc-bnch im Lande. Ncllouic nennt die Landessprache serbisch. Seine moralischen Betrachtungen nnd Erwägungen dürfen wir füglich übergehen und wollen die wesentlichsten Angaben über das Volksleben hier mittheilen.

Der Satyr tadelt den Slavonicr also: »Der Slavonicr schickt seine Kinder nicht das A-B-(5 lernen. Hältst Dn ihm dies vor, so antwortet er: „Mein Vater hat auch uicht lesen können, war aber doch ein besserer Trinker als ich. Unsere Alten haben sich anfs Schreiben nicht verstanden, sind aber

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in besserem Wohlstand gewesen, als wir es sind." Du Slavonier schickst lieber dein Kind mit den Schweinen aus, als in die Schnle. Kaum kann das Kind laufen, lehrst du es schon der Mutter fluchen, fängst an mit ihm zu spielen und lehrst es allerlei schändliche Neden, es soll die Mutter verhöhnen und dann beim Väterlein Schutz snchen. Du sagst: „Sie darf dich nicht anrühren, sonst jagen wir diese Hündin hinter den Ofen und prügeln sie!" Und versetzt das Kind der Mutter einen Hieb, so lachst dn höllisch ausgelassen, weil das Kind schon so viel gescheit» ist.«

Jedes Dorf befitzt drei Schulen, erzählt der Satyr, die erste heißt Prelo (Spinnstube), die zweite Divan (Gespräch) oder Posijelo (Sitzung), die dritte Kolo (der Reigen).

»Die erste Schule fängt abends an und dauert bis Mitternacht. Sie wird von Burscheu uud Mädchen besucht. Die Mädchen bringen allerlei Handarbeiten mit, die eine einen Rocken, die andere blaue Seide, um Busentheil und Ärmel zu sticken. Die Mädchen lernen spinnen, die Burschen zur Tambura spielen, beide aber stehlen und eitel tändeln. Sie stehlen Mehl und Rindsfette, backen Pita und allerlei Naschwerk aus Honig (Gurabije), und Leckerware (Pekmesetice — Powideldalken), Zuckerteig (Alva) und Vögel aus Mehl. Und da behaupten die Mädchen noch, sie stehlen nicht, sondern bekämen es jede von ihrer Mutter. Das ist wohl möglich, doch das übrige Hausvolk weiß davon nichts, wundert sich vielmehr, wieso denn die Sachen aus dem Haus wegkommen. Indessen hat sie das Iüngferchen in die Sftinnstube mitgenommen. Das junge Herrchen wieder stiehlt den Tabak, der unterm Dach auf Fäden aufgehängt ist, und geht es unbemerkt, so greift er auch zu Geld und Kleidungsstücken, bis es Prügel abfetzt. Doch daraus macht er sich nichts, ja er brüstet sich damit sogar, wenn ihn sein Mädchen fluchen und Schandreden führen hört. Es ist nachtheiliger Mädchen in die Spinnstube, als Schafe zu Wölfen zu schicken. Ich sage absichtlich wie Schafe unter die Wölfe schicken; denn zn fünfzig Burschen packen einander von rückwärts und „spielen Wolf" (igraju se vukova). Sie ahmen das Geheul der Wölfe nach, und wenn der Vorderste in der Kette das gewundene Sacktuch mit dem geschürzten Knoten darin (Holjudina) schwingt, da schreien alle: „Halt ein, lieber Isegrimm!" Nächtlich umkreisen sie den Mädchenreigen und umfassen ihn in der Runde. Dann setzt der letzte Hintermann die Kette in Schwung, dass sie alle auf die Mädchen hinpurzeln und sie Zu Boden werfen.«

»Die zweite Schule wird gerade an Sonn- und Festtagen abgehalten. Junge Frauen nnd Mädchen besuchen dieselbe, nm dort allerhand Lieder Zu singen. Kaum graut am Festtag der Morgen, erhebt sich die Maid schon von ihrem Lager, geht in den grünen Garten, pflückt rothe Rosen ab, schmückt

Cultur und Vollsthum.                                                          95

sich aufs beste heraus und begibt sich gleich ins Kolo (den Reigen), oft ohne auch nur in die Messe hinzuschauen. Manche Mütter begleiten ihre Töchter sogar zum Reigen, denn sie können nicht daheim bleiben, sondern möchten es gerne sehen, wie im Reigen ihre Töchterchcn mit den Herzliebsten dahinhopscn nnd hören was für Liedchen gesuugen werden. Schlagt man das ruhigere Tempo im Reigen an, da erhebt sich die Mutter flugs und ordnet auf dem Tüchterlein die Tüchlein und die fein aufgereihten Perlen. Und wenn ihr eiu Sträußlein zu Boden fällt, hebt es die Mutter sogleich auf, damit es die Kinder nicht erwischen. Wenn dann der Reigen im Dreischritt (u troje) sich in Schwingung setzt, hüpft der Mutter Herz im Leibe mit. Sie glaubt sie müsste mitfliegen, weun sie die Tochter mit dem Schatz spielen sieht. Von einer Heiligung des Tages ist dabei keine Rede. Die Mädchen singen derbe Lieder und entblöden sich nicht, den Verräther, Säufer uud Mänuermürder Kraljevi« Marko zu feiern. So fängt man an, im Neigeu zu fingen:

„O! heimlich nährt der Königssprössliiig Marko, er nährt im Stalle wohl ein gutes Rösslem."

Inzwischen kann man iu der Kirche die Litanei nicht absingen, weil keine Sänger anwesend sind».

Die dritte Schule das Posijelo (die Sitzung), ist die Schule des Klatsches uud Tratsches. Die alten Weiber setzen sich zusammen und üben sich im Ehrabschueideu der Nichtanwcseudeu. Nclkovi« erzählt in 518 Zeilen einen solchen Tratsch, infolge dessen eine Verlobung rückgängig gemacht wnrdc und alle Dorflcnte in bittere Feindschaft miteinander gcriethen. Jedem der Dorfbewohner wissen die alten Weiber irgend etwas Schlechtes nachzusagen.

Die besondere Schnle der Männer heißt Divan (Gespräch, Sitzung, Berathung). »Da sitzen sie an Sonn- nnd Arbeitstagen unbeschäftigt jeder mit der Pfeife im Munde nnd fanlcnzen. Bis nm Mitternacht hockt der Hausherr in der 5ineipc, und kehrt er dann endlich spät nachts heim, erhebt er im Hause ein heillos Lärmen, jagt das Gesinde aus dem Gehöfte, verflucht ihnen Seele uud Glanben uud frägt: „Warum seid ihr nicht arbeiten gegangen? Habt erst auf mich warten müssen, he? Kaun denn ohne mich gar nichts geschehen? Warum lasst ihr mich nicht in Ruhe ein bischen Wein trinken«.

Hierauf schildert Nclkovic das Gebaren eines tüchtigen Haus-vorstandcs. Jedem Mitglied der Hausgcnosscuschaft wird abends für dcu kommenden Tag die Arbeit anbefohlen. Im Hanse gibt es huudcrt Diuge zu thun. Vor allem mnss sich der Hansuorstand hüten, mit seiner Frau vom gemeinsamen Vermögen der Gemeinschaft, etwas für sich zurücklegen zu wollen. Denn das gibt Streit und führt zur Thciluug der Genossenschaft.

ga                                    Die vereinigten Königreiche Kroatien und Slavonien.

RelkoVic's Schilderung der Hauswirtschaft, Viehzucht und Landbestellung ist für die Gegenwart beinahe veraltet; Vieles ist seit hundert Jahren in Slavonien und Kroatien in dieser Hinsicht besser geworden, besonders unter dem segensreichen Einfluss deutscher uud ungarischer Ansiedler und der eingewanderten Juden, die als Handelsleute im Volke Bedürfnisse schufen und die aufkommenden Naturprodncte des Landmannes in Handel brachten. Für die stark gebirgigen Theile des Landes, die abseits von den größeren Verkehrsstraßen liegen, gilt aber noch immer, was Nelkov^ hier erzählt: »Dein Haus taugt zu uichts. Es ist weder von innen noch von außen vermalter: oder auch uur mit Lehm verputzt. Von außen sieht man durch die Balken deu Greis im Ofenwinkel hocken, uud auch da kann er sich nicht erwärmen, denn die Fenster sind nicht zu. Sie stehen aufgerissen den ganzen Herbst und Winter. Umsonst habt ihr den dichten Wald verwüstet uud daheim auf die Feuerstätte aufgelagert. Weuu du die Hälfte vou dem Holz, das du im Winter hineinschlevvst, in Klafterholz schlagen und verkaufen würdest, könntest du dir leicht Glasfeuster kaufeu. Dann hättest du wirklich eine warme Stube. In der Stube steht kein Tisch nnd kein brauchbarer Schrank, und von einem Kasten ist keine Spnr zu sehen, wo du ein Brütcheu oder sonst etwas aufbewahren könntest. Ihr sitzet nach türkischer Art auf der Erde uud esset hockend. Brot schneidet ihr auf einmal so viel ab, dass nicht die Halste davon verzehrt wird. Es geht mehr Brot des Tages verloren als man anfisst. Von den Schweinen habt ihr schon gar keinen Nutzen. Sie wühlen euch das Feld durch uud die Wiesen auf, so dass sich das Vieh nicht einmal satt grasen kann. Im Winter fressen sie euch die Frucht auf; und dann werden sie, noch ehe die Eicheln reifen, aus Nahrungsmangel hin. Wenn ihr auch fchon sieben bis acht Kühe haltet, so habt ihr keinen Stall für sie, sondern werft ihnen im Zwetschken garten Heu auf die Erde hin. Im Winter stehen sie im Schnee nnd Regen im Freien. Brauchst du aber als Arznei ein wenig Milch, da hast du keine im Hause. Ist auch kein Wunder; denn niemand versteht sich auf Wartuug der Kühe«.

»Noch ein Übel richtet den Slavonier zn Grunde, das ist das Brannt-wcinkesselein. Wann sich der Mann zum Kessel hinsetzt, lässt er ruhig das gauze Haus lieber zerfallen, als dass er nach der Arbeit schaute. Gesellschaft hat er immer, fortwährend kommen die Koster, und niemand lässt er vorüber gehen, jeder muss mittrinken, so lange der Branntwein aus dem Rohre abrinnt. Mit dem letzten Maische-Aufguss geht auch der Branntwein auf; auf der einen Seite ist also die Sommeraussaat, auf der anderen der Branntwein dahin. Beholfen hast du dich Landmann gar nicht«.

»Mit der Ackcrbestellung steht es vollends schlimm. Ihr könnt an einem Tag nicht einmal einen Morgen Land aufackern, denn ihr steht spät auf und spannt noch später die Ochsen ein, gleich zu acht Ochsen oder

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wo möglich Pferde. Dann schreiten vier Mann neben dem Pflug einher, und cm fünfter pflügt. Rechts nnd links geht nun der Lärm los, da wird geflucht und geschimpft, dass die Ochsen nicht ziehen mögen. Dann wird drauf losgeschlagen, bis die Ochsen störrig und scheu werden, und oft zerbrechen sie Pflug und Joch. Bis man mit der Ausbesserung fertig wird, ist's schon Mittagszeit. Alle lugen nach der Speisenträgerin ans, ob sie schon nahe mit dem Speiscnlorb auf dem Kopfe und dem Krug Branntwein, damit sich der arme Landmaun antrinke; denn heute hat er schon so viel gearbeitet und ackernd den Pflug verdorben. Ohne Branntwein kann nichts geschehen, ohne Branntwein lässt sich nicht ackern. Also setzen sie sich hin zum Essen und kräftigen sich in tiefsinnigem Gespräch volle drei Stunden. Endlich sagt der eine: „Lasst uns ackern, denn sonst ackern wir es heute uicht auf. Ihr seht, dic Soune neigt schon zum Untergange, und noch ist die Hälfte nicht bestellt". Der andere ist aber audereu Sinnes nud rügt den Ersteren: „.halt Aürschlein! Was drängst du so hastig? Ich hab' mir noch nicht einmal meine Pfeife gestopft. Das liebe Vieh mnss doch anch ein wenig rasten. Willst denn du, dass es uns ganz zu Grunde gehen soll? Ich bin nicht schuld, dass es sich hente nicht ackern lässt. Der Hausvorstand soll selber kommen und schanen. Wäre uns der Pflng nicht gebrochen, wir hätten das Bischcu noch leicht aufgeackert". Darauf trinkt er, weil es ihm im Halse aufstoßt, sucht die Pfeife, klopft sie auf der Handfläche aus, nimmt den Bentel hcrans und schneidet Tabak, schlägt Feuer an uud erhebt sich allmählich. Bis er seine Pfeife angezündet, geht eine Viertelstunde vorüber. Endlich mit harter Mühe setzen sie nach dem Mittagsessen die Arbeit fort, doch sie ackern nicht den ganzen Tag, bis sie das Joch anfgeackert haben würden, sondern nnr bis zur Iausezeit. Dann heißt es: „Schau dir mal einer diese Länge an! Das kann man hente nicht anfackcrn; wir müssen ja die Ochsen auch füttern. Die drei letztcu Ackcrbcetc mag morgen einer noch vor Morgcugrancu anfackcrn" u. s. w. Eiu einziger Baner in deutschen Landen, in Schlesien oder Sachsen ackert allein mehr auf au einem Tag, als euer fünf mit dcu zehn Ochsen oder zehn Pferden.«

'Noch einen schönen Branch l,at der Slavonier, jedes Kind weiß davon zn sagcu. Das ist die Bittarbcit (Moljba, M.'.ba), die mau an Festtagen armen alten Lcntcn oder hilflosen Witwen leistet, welche niemand znr Feldbestellung haben oder einen, der sic erhalten würde. Leider geschieht die Bittarbeit immer seltener zn Gunsten eines Armen, sondern gewöhnlich eines Reicheren, der die Arbeiter gnt bewirtet. Freilich bekommen sie sonst keine Bczahluug. That aber der Reiche erwägen, was ihm die Bittarbcitcr gekostet, er hätte sie gar uicht zusammenbcrnfcn. Wenn er z. B. hundert Leute, mehr junge als alte, einberuft, damit sie ihm das Hen einlösen oder die Frncht einfcchsen, muss er gleich einen Ochsen uud einige Lämmer abschlachten. Er gibt ihnen

>tra>lsü>: Kroatien imd Tlauonit».                                                                                         '

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dreimal des Tags satt zu essen und Getränke, soviel einer verträgt. Nnn trifft sich gerade eine schlechte Zeit, die Frucht wird vom Unwetter vernichtet, und der Mann hat doppelten Schaden. Aber selbst wenn kein Gewitter eintritt, hat er doch keinen Nutzen, denn die Bittarbeitcr schädigen ihn mehr, als sie ihn fördern. Giner sucht den anderen zn übertrumpfen, und daher wird schlecht gearbeitet. Oft fangen sie mit dem Herrn Streit an: „Bin ich dir znr Vittarbeit gekommen, ist's nicht Geldes wegen. Geld gibst du mir ja keines. Was ich mag, das werde ich anch ohne dein Geheiß arbeiten". Schließlich überzeugt sich der Herr, dass er mehr auf die Leute verausgabt habe, als die eingeheimste Fcchsung wert ist. Mehr wert sind dir, Freund, am Werkeltage vier bezahlte Arbeiter als die linudert Bittarbciter mit denen du dich am Festtage herumbalgen musst. Dn glaubst nur, du wärst billiger drausgekommcu, in Wirklichkeit bist du dabei eingegangen«.

Ackerbau. Vieles hat sich seit jener Zeit in Slavonien gebessert, besonders infolge der deutscheu Ausiedlungeu; im eigentlichen Kroatien war es aber schon damals mit der Landwirtschaft günstiger bestellt. Nur in der Lika haben sich bis auf den heutigen Tag in Bezug auf Ackerbau höchst primitive Zustände erhalten, die ihresgleichen in ganz Österreich-Ungarn nicht mehr finden dürften. An den kümmerlichen Verhältnissen in der Lika ist der karstige Boden und das nnwirtbare Klima schuld. Trotz allem Fleiß kaun es der Likacr in der Wirtschaft nicht vorwärts bringen. Es verlohnt sich, den Ackerbau in der Lika eingehender zu schildern. Mein Wahlbrnder, Herr Lazar Tadiö, ein geborener Likaer aus eiucm Bauernhause stammend, lieferte mir reichhaltige Angaben, deucu folgende Darstellung ihre Entstehung verdankt.

Schon das Ackergeräth und die einschlägigen Behelfe des Landwirtes sind gar primitiv und unzuläuglich. Hervorzuheben sind 1. Ljesarija (das Geräth zum Einspannen der Ochsen und Pferde). 2. Plug (der Pflug) mit dem Otik, dem Beil, das zur Reinigung des Pfluges von der anklebenden Erde dient. 3. Kolica oreca, die zwei Pfähle uuterm Pflug beim Ackern. 4. Brana, der Ackerrechen. 5. Dlrjaca, die Egge. 6. Kolica oder Saj-truge (vom Deutschen Schiebtruhe) der Schubkarren. 7. Maäljun oder Trnokop, die Rodehacke und 8. Motika, die Schaufel.

Alle Holzbestandtheile des Ackergcräthes fertigt der Bauer meist selber an, nur für das »Ackereisen« »Oraca gvozgja« braucht er die Beihilfe des Schmiedes. Besitzt der Bauer eigenes Eisen, so vereinbart er schon lange vorher mit dem Schmied im Dorfe den Tag, wann er ihm das Eisen zur Bearbeitung (»graditi gvozgja«) bringen darf. Für diesen Tag trifft der Bauer bald wie zu eiuer Hochzeit Vorbereitungen. Er lädt Zu zwei, drei Freunde ein und bringt Fleisch- und Milchspeisen im Überstuss mit. Einige Liter Wein und Branntwein fehlen gewiss nicht. Der Bauer hat auch die

Cultur und Voltslhum.                                                          99

nöthigen Kohlen für den Feuerherd und zum Weicheisen den erforderlichen Stahl mitgebracht. Der Mann arbeitet von früh morgens bis spät abends als Gehilfe (»Pokovac«) des Schmieden (»Kovac«) mit, denn nebst dem Ackcreisen, dem »Eisen« (»Gvo;gje«) par exeellene«?, gilt es auch alle übrigen Eisengeräthe auszubessern. Der jeweilige Pokovac tritt den Blasbalg und schwingt nach Bedarf den großen Hammer. Der Schmied bekömmt eine Iahrcsbczahlung in Gcld von zwei bis fünf Gulden oder je nach Abmachung einen Metzen oder auch mehr Frucht.

Wie bemerkt ist der Bauer selber Erzeuger seines Ackergeräthcs, nur deu Pflug versteht nicht jeder gut anzufertigen. Der kundigste Verfertigcr von Pflügen wird »Majstor ot pluga« (Meister vom Pflug) genannt. Er genießt ein entsprechend hohes Ansehen. Man nennt ihn kurzwcg auch >Plu;ar«. Wcuu er selber das Matcriale zum Pfluge liefert, so zahlt man ihm zwei Guldeu, stellt ihm der Vancr das Holz ins Haus, so bekommt er nur eiuen Guldcu, arbeitet er aber im Hause des bctrcffeudeu Baucru, erhält er nebst der Kost noch zwei Silbcrzwanziger (ein Stück im Werte von 35 kr.). Tie Arbeit bezwingt er wohl an einem Tag. Er muss das Eisen in den Pflug einfügen (»nagjclati gvo;gja«) nnd durch ein Probe-ackcrn die Tüchtigkeit seiner Leistung beweisen. Tic Holzthcile des Pfluges werdcu am Feuer augebrannt, um sie gegcu Fäulnis zu schützen. Stumpf gewordene Eisen trägt man zur Schärfung zum Schmied. Das heißt man 'poklcvati gvo;gja«, stark beschädigtes Eisen muss aber »verstahlt« werdcu (»zanaditi gvozgja-).

Man sagt im Sprichwort: »Der hat es leicht zu ackern, wann es ihm beliebt, der seinen eigenen Pflug uud eigene Fcldarbeiter hat« (lai«, .jo 0IWM6 oi-ati kat Iwl-6 k»ä ima «v«j pIuF i »vojo t^ialiy). Unter Pflug versteht man nämlich anch die Ochsen, die Zugthiere. Da nicht jedes Hans die zur Ackcrbestcllnng nöthigen Zugthicrc besitzt, so pflegen sich mehrere Häuser zu eiucm »Pflug« zu vcrciuigcu oder zu vergesellschaften. So eine Eompagnie wird »Suv cz«') (Mitucrbaud) geuannt. Gewöhnlich ackern bloß vier Ochsen, sind es aber schwächere Thiere, so muss man anch ihrer sechs vor einen Pflng spannen.

Die Verabredungen zum Suvez werden noch im Winter frühzeitig getroffen, wer sich mit wem »verbinden« (svezati), d.h. wer je eiuen oder zwei Ochsen zu dem gemeinsamen »Pflug« beistellen wird. Oft stellt der eine die Ochsen, der andere die Fcldarbciter, der dritte den Pflug bei, nicht selten aber vier Hausherren jeder je einen Ochsen. Bei der Abmachnng wird festgesetzt, dass dcr Suvcz nicht eher aufgelöst (razdrijc^iti) werden dürfe, als bis Alles aufgeackert sei. Es gilt als Regel, dass jeder Eompagnon

') In Slavonien Sftrcya. Die Gesellschafter Svreinjaci.

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1W                                 Tie vereinigten Königreiche Kroatien und Slavonien.

mit dem ganzen Pflug seine Felder so viel Tage nacheinander bestellen darf, als er Ochsen im Pflug hat, dann kommt die Ncihc an dcu anderen. Die Abwechslung im Ackcru wird ->Crca« »Furchung« gcnanut (von crtati — Linien, Furchen ziehen). Der Bauer sagt z. B. »Morgen ist meine Cna«. Bei der Vereinbarung (»Suvezivaujc«) wird auch bestimmt, welche Acker-gcräthe der einzelne uoch beizustelleu hat. Ist uur Einer Besitzer des Pfluges, so wird ihm dafür cineu Tag mehr geackert. Auch bezüglich der Fcldarbeitcr für jeden Tag insbesondere trifft man eine Abmachung. EZ kommt auch vor, dass Einer alles Ackergcräthe und die Ochsen besitzt, doch über keine Arbeitskräfte verfügt, und sich daher mit jemand vergesellschaftet, der neben dem Pflug einhcrgehen wird. Die technische Wcndnng lautet: »Er bindet den Mann neben den Pflug au« (privezc covjcka us plug). Letzterer hat natürlich keine Zngthicre. Zum Entsatz für seine Mühewaltung, kommt an ihn jeden fünften Tag die Eroa. Der Mann, dem man ackert, muss au dem betreffenden Tage für die Fcldarbcitcr und die Ochsen die Nahrung liefern.

In der Wahl seines Gesellschafters (Suvczuik, Suoznik) pflegt der Bauer fehr vorsichtig zu seiu; der ehrenhaftere, tüchtigere nnd zuverlässigere Arbeiter wird immer hoch geschätzt, während der Krakehlcr keine Genossen im Dorfe findet, sondern genöthigt ist, im nächsten Orte sich einen Suvcznik aufzutreibcn. Der Suveznik mujs freundlich, nachgiebig und hilfsbereit sein, für den Genossen sich aufs eifrigste wie für sich selber einsetzen nnd anch mit der Zeit nicht zu sehr kargen, wenn die Leistung für den anderen geschieht. Der gewohnhcitsrechtliche Spruch lautet: »sun^nik suoxnikli no muro na älaku Zieäati, Man äruxom mora preg-Ieäati i popustiti.« (»Ein Suveznik darf es dem anderen nicht aufs Haar gcuau nehmen; sie müssen einander in manchem und in vielem Nachgiebigkeit zeigen nnd durch die Finger sehen«.)

Oft setzt es freilich Streit ab, wenn jeder seinen eigenen Willen haben will; dann löst man die Verbindung auf (razdrijc^c Mez), und jeder müht sich selber wci

Sobald die Winterszeit vorüber ist, der Boden aufthaut uud schöne Zeit ohne Ncgcn eintritt, trifft man alle Vorbcrcituugen, den »Acker zu durchfurchen« (da ubrazdi orati). Das Volk rechnet die Zeit von einem Feiertag bis zum andern, nach Monaten und öfter noch nach Wochen von oder bis zu einem Festtage. So rechnet man z. B. den Anfang des Ackerns: »so und so viel Wochen vor dem (alten) Georgstag«. Wenn es irgendwie angeht, beginnt man 13 oder 12 oder erst 11 Wochen vor Gcorgi die Durchfurchung, also schon im Februar. Eine Bauernregel besagt: »Wenn du iu der ucuuten (Woche) die Furchen uoch nicht gezogen, hat dich leicht auch die fünfte betrogen« (ako us udraxM äevotß, N6

Cultur «nd Vollsthum.                                                       101

Landmann dcr härteste Schlag, denn die Ochsen fressen inzwischen alles Futter auf, so dass ihnen für die Ackcrzcit keine Nahrung bleibt. Aus Noth, nur nm die Ochsen nicht verhungern zu lassen, beackert der Bauer für das bloße Vichfuttcr einem anderen das Feld. In dcr Lika bleiben die Felder zumeist mir darnm unbestellt, weil es den Landleutcu au Nahrung für die Iugthiere gebricht. Hält die ungünstige Zeit länger an, stirbt leicht das Vieh den Hungertod. Da verkauft der Bauer auch die letzten Wertsachen gern um Futter »Pi^'a« (Hafer, Heu u. s. w.) anzuschaffen. Für eincu Centner (56 ^) Heu bezahlt er sechs bis acht Gulden; mitunter ist freilich um keinen Preis eines z« erhalten. In dcr Verzweiflung hebt man sogar das Halbsaule Stroh vou den Dächern der Wohnhäuser und Stalluugcn ab, lässt es trockucn nnd gibt es den Thieren, und schließlich kargt sich die Bauernfamilic das tägliche Brod fo weit ab, um für die Ochsen Frucht zur Nahruug zu habcu.

Stellt sich aber früh schönes Wetter ciu, so werdcu noch in der zwölften Woche vor Gcorgi alle Äcker durchfurcht. Die Ochsen werden also vorgespannt, den ältesten und gelehrigsten Ochsen spannt mau vorne »von rechts« (iz desna) znm »Ostkanje« s>Ost«-Nufen) ciu. Er dient als Lciwchs dem übrigen Gespann. Jeder Ochs wird vom Treiber (»Goncin«) namentlich gerufen. Ochscnnamcn kennt man hoch über siebcnzig. Es sind meist Kosenamen. Hie nnd da spornt dcr Trciber deu einen und den anderen Ochsen, mit einem Pfahl oder einer Pciische an.

Dcr erste Ochse rechts wird 'dcr Vordere« (Prednjak) gcnanut. Man spannt ihm zur Seite entweder einen gleich kräftigen odcr den schwächsten oder jüngsten Ochsen ein. Den letzten Ochsen rechts nennt man »Pod kolica« (unterm Wäglein) odcr »Ubrazdu« (in die Furche). Es muss ein ebenso kräftiges wie kluges Thier sein, denn dieser Ochs ist förmlich die Stütze des Pfluges; er muss nämlich eine ganz gerade Gangart haben und gleichmäßige Furchen zichcu. Seiu Scitengespann heißt >Iz lijeva< (»der von links«).

Sind im Gehöfte die Ochsen schon vor den Pflug gespannt und bereit aufs Feld hiuaus zu ziehen, kommt das älteste Mädchen oder falls kein Mädchen im Hanse ist, die jüngste Schnnr (Schwiegertochter) mit einem rothen Seidcnfaben und wickelt den Faden dem ersten Ochsen rechts ums Horn von der Spike bis znr Stirne. Hierauf füllt dic Hausfrau (»Gosfto-darica«) einen l^irng ('Bukara«) voll Wasser an, schlägt ein frischgclcgtcs Ei hinein und reicht den Krng dem Frauenzimmer, welches den Faden dem Ochsen mns Horn gewunden. Sobald sich der Zug in Bewegung setzt, gießt das Mädchen odcr die jnngc Fran dcn Inhalt des Kruges über den letzten Ochsen links bis znm ersten Ochsen recht« hin ans. Den Sinn des Brauches kennen die Bauern wohl nicht mehr. Offenbar ist dies noch ein Slimbol eines vergessenen alten Opfcrbrauchcs. Das Ei gilt bei dcn meisten Völkern der Erde als das Sinnbild dcr Zeugung, des Werdens odcr dcr Fruchtbarkeit.

1H2                                Die vereinigten Königrcichc Kioaticn und Tlavonicn.

Bevor man die Ochsen zur »Fnrchnng« hinaustreibt, begibt sich einer der Fcldarbciter mit cincm Nüthchcn ins Haus hinciu, schlägt auf die Wände und das Gebälk kräftig los, und spricht dazu die Beschwörung: Verlässt Fliegen und Flöhe das Haus, damit wir ackern gehen können!« (»isll^ty NuIie i dnv6 12 kuäe, äa iäsmo na or^o!«) Hierauf zieht mau mit deu Ochsen auf den Acker hinaus. Man nimmt jene drei Stäbchen mit, mit welchen man am Weihnachtsabend das Festlaibbrod (»(^'esnica«) im Ofen zngc-schürt und das »Weihnachtsschultcrblatt «(»Bo/i6no ftleue«), das Schulterblatt vom Schafe nämlich, das man zum Wcihnachtsfcste geschlachtet. Anf dem Acker angelangt, wird der Pflug an den Zug geheftet uud dänu legt jener, der die Fliegen und Flöhe ans dem Haufe gejagt, das Rüthchen, die drei Stäbchen nnd das Schulterblatt so auf die Erde hin, dass die Sachen von der ersten ausgeworfenen Furchcuschollc bedeckt werden. Das Rüthchen nnd die Stäbchen werden darum vergraben, damit das Ungeziefer nnd Geschmeiß nicht wieder ins Haus zurückkehre, die drei Stäbcheu besonders, damit die Frucht großkörnig und ergiebig ausfalle, das Schulterblatt wohl des Feld-segeus halber überhaupt.

So klein oder groß ein Acker auch sein mag, die Aussaat muss am Vormittag früh vorgenommen werden, weil man dann auf eiuc reichere Ernte hofft. Am ersten Ackertage wird für die Arbeiter eiu breiter Weizcnssaden (Pogaoa) zum Morgenimbiss gebacken; diesen Fladen nennt man »Arazd-ionica« (Furchcnfladcn). Der vorderste Ochs bekömmt auch ein Stück davon, damit das Jahr besser gedeihe. Kehren abends die Feldarbciter heim, so müssen sie, wenn es irgend wie möglich ist, die Bcschuhung (Obnc'a) vor dem Hause ausziehen. Die Mädchen oder die Fraueu nehmen ihnen die Schuhe (Opanken, Putranci) ab uud klopfen dieselben im entlegensten Winkel des Hauses von der anhaftenden Ackererde aus, »damit die Fliegen und Flöhe nicht wieder ins Haus zurückkehren«.

Neben dem Pfluge müssen immer zwei Mann cinhcrgchcn, der eine hält den Pflug, der andere spornt die Ochsen an. Der Ochscntrcibcr heißt Goncin. Er geht links neben oder hinter den Ochsen einher und hält mit der rechten Hand die Pflugstange (»Krcalo«), welche er bald an sich zieht, bald von sich stößt, damit der Pftng gleichmäßigere Furchen schneide. Sobald man ans Ende des Ackers Zur »Kehr« (»na nvrati«) ankommt, rufen beide Arbeiter »jojü!« aus, worauf die Ochsen stehen bleiben. Schwenkt man nach links um, so ruft der Gonöin »oft!» aus und dazu den besonderen Namen des vordersten Leitochsen, z.B. »oft Peronja!« (ost großer Peter!); der Ochs wendet sich selber nach rückwärts und hält die Fnrchcnrichtung nach abwärts ein. Bei einer Schwenkung nach rechts schreit der Goncin „stu!«>

Die säumigen Ochsen werden mit einem Stecken oder einer Peitsche angetrieben. Im Küstenland und in Dalmaticn trägt der Arbeiter eine drei

^CiiIiur mid Vollilhum.                                                103

bis vier Meter lange Latte oder Stange (Sprulja) mit, die an dcm einen Ende mil einer spitzigen Nadel versehen ist. Mit der Nadel wird der lässige Ochs gestichelt. Die so zugerichtete Stange heißt man »Bad« (der Stecher). Tic Feldarbeitcr sagen, die Ochsen segnen die Smngc und verfluchen die Pciische. In Slavonien gilt es in den meisten Dörfern bei den Bauern als Sünde, das Zugthicr im Pfluge anders als mit Koscwortcn anzncifcrn.

Ist der Treiber guter Laune, so ahmt er gerne liebevoll die Stimme des Ochsen nach. Man nennt das: cakati, eitctti, mnjkati. Der Treiber dehnt auch übermäßig im Singsang nnd Zuruf die Worte z. B.: ecsjuu vüüiü ?ö6ronjn! muüiii! ^ncl5«n no lii^c»! ?un68l to v! Xekonjü! a Lo^ mu clü I p^mo^ü: liako mu jo tosko, volßü! Hluj ni^e ^:»I<; n üran^ü! ^ r:nw iu<)ja! Drü^on^i! llüiuonja! ^V ori vnie, äll, w N6 ziloäajem! ^. x«, liamato älv t6 ne äao! ^. roäilo nam ako Ilo^ äa v-Mo m^'! u. s. w. (Ei Öchslein groß Peterlein! Much! Sollst nicht elend sein! Zieh an dies Zeug, mein Öchslein! Mach einen Zug auf dieser Aue, mein Öchschen! He Groß-Hase! Gott möge es ihm geben nnd ihm helfend bcistchen! Wie schnier es ihm fällt, Öchschen! muj, 's ist tein Spaß beim Ackern! O du meine Nahrung! Ich soll dich nicht als Zinsen hingeben müssen! Es soll uns gedeihen, so Gott will, mein Öchslein! u. s. w.)

Der Mann, der den Pflng hält, wird Pln;ar (Pfluger) genannt. Legt sich der Pflug zu sehr nach links, so schreit der Pflüger >c'a, ca!« zum Zeichen, dass der Treiber (Gomin) die Pflngstange von sich zn stoßen habe. Schneidet das Pflngcisen die Furche zn dünn, rnft der Plnzar: »k sevi! l sebi!< (zn dir, zn dir!) Gewöhnlich hält der ältere Arbeiter den Pflug, während der Jüngere, meist ist es ein Knabe, die Ochsen treibt.

Selten sieht man jemand mit bloßen Pferden ackern. Manche spannen vor zwei Ochsen ein oder zwei Pferde vor. In diesem Falle führt ein Knabe oder ein Mädchen das Pferd beim Kopfzaum und geht voran.

Nachdem ein beträchtlicher Theil des Ackers schon aufgeackcrt ist, füllt ein älterer Mann einen Qnersack voll Samen, hängt den Sack über die linke Schulter, greift mit der Rechten die Hand voll Frucht und strent sie mit einem Handschwuug von rechts nach links ans. Hinterher folgt sein Gefährte mit der Egge nud schaut achtsam dazn, dass die Frncht gut verdeckt wird.

Die Wintcranssaat nennt man »Ozim«. Man spricht von einem Winter-Weizen, einer Wintergerste und einem Wiutcrroggen (ozima «enica, o,'>imi jecam, ozima ra;). Die Winteranssaat wird oft »nnter die Furche« (pod brazdn) gcsäct, d. h. mau wirft den Samen anf das brache Feld, ackert es dann auf und belasst es so ohne Eggnng. Dies geschieht, damit die Aussaat tiefer nnter die Schollen komme nnd vor winterlicher Kälte geschützter sei. Stirbt die Aussaat infolge der Kälte ab, so wird im Frühjahr das Feld nen aufgeackert nnd neu besäet. Diese Aussaat heißt: »Pro-

104                                 Die veieinigien Königreiche Kroalien und Slavonien.

ljecna sjetva«. Beide Saaten nennt man aber weiße Saat« (bijela sjetva«) oder ^Weißfrncht« (»bijela nta«). Die Frncht von der Frühliugs-anssaat wird allgemein 'jara zita« genannt, (jara scnica, jari jccam, jara ra;, jari pir ^^ Speltfrucht und jara zob ^: Hafer). Die Wcißfrucht muss spätestens bis znm 10. April schon ausgesäet sein, sonst verdirbt die Frucht anf dem Felde.

Nach der Aussaat folgt eine Nast lion fünfzehn bis -zwanzig Tagen, die man der' »grünen Saat» (»zcleua sjctva«) widmet. Den Anfang macht man mit den Erdäpfeln (Kumpjcri, vom deutschen Grnudbirnen). Man sagt Grundbirncn »säen« (sijati) oder auch -.setzen« (saditi). Znr grünen Aussaat gehören: Mais (Kukuruz), Hirse (Proso), Buchweizen Oljda), alle Hülsenfrüchte (Socivo) und Gartcngemüse (Povrce).

Die Feldbestellung für den Maisban fällt dem Litaer am schwersten, weil er in der Negel kein Futter mehr für die Ochsen hat. Da müssen sich wohl Menschen vor den Pflug einspannen. So zogen 3. B. vor einigen Jahren sieben bis acht Männer aus der Sippe Sasi«! im Dorfe Dnopoljc am Pflug.

In die Ackerzcit fallen einige Halbfeiertage, sogenannte »Arbeitsfeiertage« (poragjivani sveci), an welchen mau ärmeren Lenten, die keine Ochsen besitzen, die Felder umsonst bestellt. Man nennt diese Arbeit: >Dem Öchslein Leinwand ackern« (»orati bez vücu«). Solche Feiertage sind: das Fest der vierzig Märtyrer (9. März), der Armen-Seelentag nnd der St. Lazarustag.

Die Bittarbeit (Mi>ba) muss in der Lika bezahlt werden, freilich fällt der Lotm geringer aus als bei regelrechter Arbeit. Der arme Likaer kann eben nicht ganz umsonst arbeiteu.

Die alten schönen Erntelieder sind durch neuere gleichgültigen Inhaltes verdrängt worden. Nur der Ausruf nach jedem Verse hat sich aus älteren Zeiten erhalten. Der Chor ruft: «Ladolc mile! oj Lado oj« oder »Lclizo« z.B.

Feld- nnd Festgebräuche. Ein alter beinahe schon abgekommener Brauch, der sich nur mehr vereinzelt im slavonischen Gcbirgslande vorzugsweise unter den Katholiken erhalten hat, ist der Bittgang (Kolcda, Kolc-dovanje), den Burscheu und Mädchen einen oder mehrere Tage vor Weih-

sunce zagje Leližo! strah me nagje Leližo! mlad na konju Lellžo! bliže sela Leližo! i u selu ogmij |jori Leli'/.o! i u og'njii kolo igra Leližo!

Culiui und Vollsthum.                                                ^05

nachte::, vor Christi Himmelfahrt und vor Pfingsten, aber auch zur Sommerzeit begehen, wann lang anhaltende Dürre den Feldfrüchten großen Schaden anthnt.

Der Name Koleda ist lateinischen oder griechischen Ursprungs (von Oalonäa« oder ^«>.<:,'(?«,). Die Bittgänge oder Umzüglcr heißen zu Weihnachten und zu Neujahr Kolcdari (Kolcgjari, fem.: Kolcgjarice), zu Christi Himmelfahrt Kri^ari (Krcnzträger) zu Pfingsten Kraljicc (Königinnen), bei dcn Bittgängen um Negcn Lagjaricc nnd Lelje weil im Refrain der Lieder ein Flurciidämon Lada so wie ein Lcljo angerufen wird.

Es versammeln sich die Burschen des Dorfes, der eine mit einem Mehlsack in der Hand, der andere mit einem Milch- oder Schmalztopf, ein anderer kommt mit einem Korb für Eier, einige mit Handwägelchen oder Schubkarren, dann ziehen sic mit einem Dudelsackpfeifer (Gajdaä) oder ciucm Geiger an der Spitze von Haus zu Haus, um »Glück zu wünschen« uud sich dafür beschenken zn lassen.

Zu Weihnachten fingen sie: »Wir ziehen, — Koledo! wir ziehen Koledari! — Von Osten Koledo! — gen Westen Koledari! — nnd bringen Koledo — und bringe Koledari — Eneren Bergen Kolcdo! und Wiesen Kolcdari — und Triften Kolcdo — ein fruchtbares Jahr Koledo — ein fruchtbares Jahr Koledari — Euerem Heime Kolcdo — Enercm Heime Kolcdari

—  Gesundheit nnd Glück Kolcdo! — Und Freude Koledari! — Eueren Herden Kolcdo — Gute Weide Koledari — Enercn Fluren Koledo — schwere Ähren Kolcdari!«

Im Frühling: »Wir ziehen, Ljeljo! durch ebcue Triften. König Ljeljo! und dnrch grünen Hain. Das ebene Feld, Ljcljo, das cbenc Feld ist voll Anssaat! der grüne Hain voll Schatten, liebste Lada, Ljeljo, o Ljcljo!«

Ein Bittgesang nm Negen: »Wir beten Lada! — wir beten zum höchsten Gottc, O Lada, o! — es hebe an zu wehen, Lqda! es hebe an 5u wehen ein milder Wind, O Lada o! — es hebe an, Lada! es hebe an Zu regnen cm frnchtbarcr Rege». O Lada o! — Er möge bcthauen, Lada!

—  er möge bcthanen nnserc Fluren, O Lada o! — Und das liebe Gras, Lada! — und das liebe Gras so fein, so weich, O Lada o! — damit unsere Herden, Lada! — damit nnscre Herden feist werden, O Lada. o!«

Die hauptsächlichste Frühlings-Feierlichkeit findet am Georgstag slatt. Diesen Tag feiern die Serben ebenso wie die Katholiken bei allen Sübslavcn. Der Hirte glaubt, wenn das Vieh dicseu Tag frisch nnd gesund "lebt, so wcrde es durchs ganze Jahr gedeihen. Zeitlich vor Sonnenaufgang säet der Gärtner Meloncn, Kürbisse uud Blumeu, im Glaubcu, diese Aussaat werde ihm besonderen Segen iu Fülle bringen. Die Vra.cn uud Aracariccu sammeln im Morgcugraneu anf den Flnrcn nnd Halden heil-

106                                Die vereinigten Königreiche Kroatien und Zlavüilicü.

bringende Kräuter und Wnrzelwerk; die gute Hanswirtschafterin macht zeitlich früh frommen Gemüthes einen Umgang ums Haus nnd die Stalluugcu und bespritzt sie mit geweihtem Wasser. Manche aber sucht mit aufgelöstem Haar und entgürtct, mit einem Nnthcnbcscn und Lolch in der Hand, insgeheim des Nachbars Kühe heim, schlägt die Kühe uud kehrt daun wieder zu den eigenen Kühen ins Haus zurück und bestreicht diese einigemal. So wird den fremden Kühen die Milch weggezaubert. Zudem werden die Guter der Kühe mit Butter eingerieben, die in derselben Nacht ansgeschlagen wurde. Dann springen die Euter nicht auf, mciut das Volk. Der einschlägige Zanberglaubc besonders der Liebeszanber, hat viele Erinnerungen aus heidnischer Zeit aufbewahrt.

Vom Georgstage an, hält man, sei es schon gerathen im Freien auch zu nächtigen und in Flüssen nnd Seen zu baden, deun der Georgstag eröffne den Sommer, verjage jedes Gespenst (Sablast) aus Luft uud Wasser und feßle alle Drachen nnd Würmer. Im Volksliede heißt es:

Nema ljeta prez Gjurgjev.i danka.

Ohne Georgstag gibt's keinen Sommer.

Die Jugend versammelt sich am Nachmittag im Walde oder noch lieber auf Anhöhen und tanzt zum Spiel des Dudelsackpfeifers bis in die siukcnde Nacht hinein. Der Gcorgstag wird auch in den Städten festlich begangen, so begibt sich z.B. in Po/ega in Slavonien die gesammte löbliche Meisterschaft sammt Kind und Kegel ins Weingebirge, besonders in das Sokolovac (Falkenhorst) genannte, nnd treibt den ganzen Tag Ulk. Nach Brauch wird auch viel Pulver verpufft. Tic Ortsüberlieferung bringt dieses Fest auch mit der letzten Türkenvertreibuug in Verbindung. Die Türken hätten, erzählt man, als sie das Schießen im Gebirge vernahmen, vom Schreck ergriffen, fahrende und liegende Habe im Stich gelassen und nach Bosnien die Flucht ergriffen. Natürlich hat sich die Auswanderung anders zugetragen.

Ein anderes allgemein verbreitetes Volksfest, das noch aus der Heidenzeit stammt ist das Iohannisfest oder -Iohannisfeuer« (Ivaujski kres). Auf Lichtungeu vor dem Dorfe, zuweilen auch im Dorfe felbst, am liebsten aber auf Auhöhen werden am Vorabende große Feuer aus dürrem Nadelholz angefacht. Die Feuerstätten werden parallel angelegt, zwischen den kleineren aber brennt lichterloh ein sehr großes Feuer, um welches herum die Burschen nnd Mädchen singend Reigen tanzen. Der Tanz ist wildes ausgelassenes Kolo (Kreistanz). Bald löst sich der Neigen auf, man rennt wie rasend zwischen den Feuern herum, und so mancher beherzte Junge wagt nackt den Sprung durch Feuer nnd Flammen. Die schönen alten Iohannisfestlieder, deren nicht wenig schon aufgezeichnet sind, werden allmählich durch Schnadahüpfl (Poskocnicc) unanständigen Inhalts verdrängt. Um

Cullui und Volli-llMü.                                                ^7

Mitternacht ziehen die Burschen heim, jeder mit einer meterlangen Fackel aus dürrem Holze in der Hand. Es gibt ein arges Wettrennen, in welchem derjenige den Sieg davonträgt, der im Laufen die Fackel brennend zu erhalten vermag.

Es soll hier zugleich als Sprachprobe der kroatischen Mundart bei Agram ein Iohannisliedchen mitgetheilt werden:

Stoji nam pole £irükö

Lado je Lado lepi hlad!1)

— Jeli so v gradu gaspädu?

—  V gradu so, v gradu gaspada.

—  Da bi jim Ježuš zdrävje dal,

— Blažeua deva Marija!

'Es steht nns das weite Feld (in Ähren) o Lada, schöne Lada! — sind in der Stadt die Herrschaften? — Ja in der Stadt sind die Herrschaften. — So möge ihnen Jesus nud die glückselige Iuugfrau Maria Glück beschecren!«

Im Dorfe pflegen die Burschen am Johannistage von Gehöfte zu Gehöfte zu gehen, Muck zu wüuscheu und milde Gaben cinznsammcln. In neuester Zeit suchen die Obrigkeiten diesen Umzügen zn stcneru, weil die Burschen milde Gabcu uud freiwillige Geschenke dnrch Drohungen nnd dnrch Gewalt zu crzwiugcu anfiengen.

Das Osterfest (Ilskrs — Anferstehung) wird bei den Katholiken bei weitem einfacher als bei den Altgläubigen gefeiert. Alter, cchtslavischer Gcbränchc findet man bei den Katholiken weitaus weniger als bei deu Alt^ gläubigen, nur der uiedcrc Volksglaube ist beiderseits gleich stark, wiewohl auch hieriu die einseitig strenge kirchliche Ordnung nnd Zucht auf der einen Seite unverkennbar mildernd und veredelnd eingewirkt hat. Namentlich zeigt sich dies in Bczng auf Reinlichkeit nnd Saubcrhallung iu Hans und Hof. Der Katholilc beginnt mit seinen Vorbereitungen für Osteru schon am Aschermittwoch. Das ganze Hans wird aufs gründlichste gesäubert, alle Geschirre werden gerieben und gescheuert, nnd man legt sich in Speise und Trank grofze Mäßigkeit auf. In der Woche vor der Palmwochc (Glnänica, glüha ucdclja — taube Woche) werdcu alle Heiligenbilder nnd Schnitz-Wette mit fchwarzcm Flor umhüllt. Iu der Quadragesima (Korizma) enthält mau sich jeder Lustbarkeiten nnd geräuschvoller Vcrgnüguugen. Allabendlich kniet der .vansvorstaud mit den Hansleutcu iumittcu der großen Stnbe nieder nnd betet vor. Es ist die Zeit der Buße und der Kastciuug.

Iu der Palmwochc (Euijetuica — Vlumcuzeil) trägt Jung nnd Alt grüne Reiser von Weiden, Flieder, Hasel- und .Mrnelkirschcnrüthchcn in die

') Dieser Vers wird nach jeder Zcilc vom (5hor gesungen.

108                                D!e vereinigten Königreiche Kroalien und Slavonien.

Kirche zur Einsegnung. Die Blüthen und Neiscr werden hinter dem Iimmer-gebälk und in den Stallnngen über den Eingängen bis Zum nächsten' Jahr verwahrt als Abwchrmittel gegen Unheil und Bezanbcrung. Man legt sie auch auf die Dächer als Nbwehrmittel gegen Donner. Am Charmittwoch, Char-donnerstag und Charfreitag besucht man mit Rüthchen die Kirche. Nach der Messe schlägt man einander: »frisch und gesund.« Eine besondere Unart der goldenen Jugend besteht darin, dass die Bnrschen in Haufen von zwanzig bis dreißig Köpfen im Gänsemarsche durch die Straßen ziehen und mit den Stöcken auf die Zaunftlanken und Hausthore losschlagen, bis die Stücke in Stücke zerfallen.

Die farbigen Ostereier kennt der Bauer in Kroatien und Slavonien ebensogut wie der in Niedcröstcrreich. Anch das »Eicrpecken« ist bei der Ingend sehr beliebt. Am ersten Ostertage bringen die Bauern und Bäuerinnen Körbe voll Esswaren zur Ginsegnung in die Kirche. Nach der Messe eilt jeder Bauer mit seinen Angehörigen zum Wagen und nun beginnt eine rasende Wettfahrt nach Hause. Wer zuerst daheim anlangt, der bringt das beste Glück nach Haus. Dieser Glaube hat schon manchen Unglücksfall verursacht. Bei der Fcstmahlzeit wird in Menge gegessen nnd getrunken und in herkömmlicher Weise toastirt. Nachmittags finden wie üblich vor der Kirche oder auf dem Marktplatze Kolotänze statt. Bei diesem Tanze so wie an vielen Orten zu Georg: ist es Brauch, dass die Mädchen, aufs allerbeste herausgeputzt, zuerst allein den Neigen drehen. Die heiratsfähigen Burschen stehen mit den Eltern abseits und berathen über die Mädchen. Sind die Eltern mit der Wahl ihres Sohnes zufrieden, so hängt er sich an der Seite seiner Auserwählten in den Reigen ein. Abends finden die weiteren Vereinbarungen mit den Eltern dcs Mädchens statt. Die Werbungs- und Ver-lobungsbräuche folgen fpäter selbstverständlich, als ob eine Abmachung gar nicht getroffen wäre.

Das herrlichste und erhebendste Fest ist das der winterlichen Sonnenwende, welches in christlicher Umgestaltung als Weihnachten (Bo;ic — der jnnge Gott) vom Volke hoch und heilig gefeiert wird. Die schönsten und auserlesensten Feld- und Gartenfrüchte, die dem Landmann das Jahr bescheert, spart er für diese Festtage auf. Einer sucht es dem anderen zuvorzuthun. Die Adventzeit gilt als die Vorbereitung zur Festfreude. Allabendlich versammelt man sich bald in diesem bald in jenem Heime in der Spinnstube zur »Sitzung« (Posijelo, Sijelo) uud zum »Spinnen« (Prelo) und frischt beredten Mundes alte Überlieferungen auf. Am Lucientage (zwölf Tage vor Weihnachten) beginnen die im alten Volksglauben befangenen Lente ihre Zaubermittel zur Erkundung der Zukunft einzuleiten nnd anzn-fertigen, so z. B. den Zauberstnhl, von dem ans man in der Mitternachtsmesse alle Hexen in der Kirche erkennen kann, oder Mädchen schaffen Liebes-

Cultur mid Vollithum.                                               1W

orakel, in der Auhoffung, das Orakel werde ihnen ihren zukünftigen Ehegemahl kimdthun. Manche glauben, dass um die Mitternachtsmette die Hausthiere im Stalle menschliche Sprache gewinnen und prophetischen Geistes das Schicksal ihres Gebieters für das kommende Jahr ankündigen, ob er glücklich sein, und wer vom Hausbolke am Leben bleiben oder sterben werde.

Der Vorabend vor Weihnachten heißt Aadnjat, die Nachtwache. In übertragener Bedeutung wird der Baumstamm, den man für die Nacht zum Brennen auf den niederen Feuerherd legt, Badnjak genannt. Dieser Baum wird bei den Serben und bei den Katholiken aufgeputzt. In jedem Heime müssen überdies drei Wachskerzen brennen. In dcu Stuben wird Stroh ausgestreut zur Erinnerung, dass der Erlöser in einem Stall geboren wurde. Auf dem Tische steht ein Topf voll jeder Art Mehlfrüchte. Nach dem Segen steckt der Hausvorstand eines von dcu Wachslichtern mit dem brennenden Theil in den Topf hinein. Von welcher Frucht die meisten Körner an der Kerze kleben bleiben, dicse werde am besten im nächsten Jahr gerathen.

Der erste Besucher am Weihnachistage wird Polazajnik (Besucher) genannt. Bei den Katholiken nöthigen ihn die Fraucu, sich auf cm Polster zu setzen. Er muss sich ruhig verhalten, damit auch die Heuncn im Jahre die Eier ruhig bebrüten. Man bestreut ihn mit Weizen, Mais, Leinsamen u. s. w., um ein fruchtbares Jahr zu haben. Bei den Serben prophezeit der Polazajnik aus dem Schcnkclstückc des Fcstovferthicres die Zukunft des Hauses für das kommende Jahr. Darnach begibt er sich in die Küche, ergreift den Schürhalcn und schlägt damit ins Feuer, dass die Funken weit aufsprühe». Dazu spricht 'er den Segen übers Haus: Eucre Kühe sollen kalben, die Stuten werfen, die Säue Junge kriegen, die Bienen schwärmen, die Äcker fruchtbar sein, die Hennen, Gänse, Eutcu, Truthühuer Eier legen, fo viel als da Fuukcn stieben.« Der Polaöajnik wird mit Würsten. Obst und Kuchen beschenkt.

Am Weihnachtsabend wird auch die wichtige Beschwörung der Wölfe vorgenommen, damit sie das kommende Jahr über keinen Schaden anrichten. Am Abend müssen alle Hanslcntc ihre Kleider, die sie an diesen Festtagen tragen »vollen ans den Kisten herausnehmen, dann die Kislcn fest znschlicßen nud dcu Baun sprechen: »Ito/.o i j?<»<^« i ov.i.j Iw^ i Iw/'i6! Xukc) .j.i ovo nw>»>! 5N!!ll!i1<<' /..'ltvolijo, nilLko 5<' l

11H                                Vic verewigten Königreiche Kroatien und Slavonien.

vsiieru. ^2 ti äajeiu »aäa Faäi3n^i voöeru. la ti ^ voo c»ä mony!^ (>O Wolf! Komm zu mir zum Nachtmahl. Ich reiche dir jetzt ein Iahresnacht-mahl dar. Damit fertige ich dich endgiltig ab!«) Er wirft das Stück Brot hin und fpricht: »^0 ti jo oä meno Lo^oiu dIaF08ovna! (»Das gebe ich Dir mit Gottes Segen!«) Nun schleudert er deu Stein dem Brote nach und sagt den Bann: »^0 di ti na moM marvu po^o, ovako ti 80 N8ta 0K.1,-Nßnila 1i0 ov^' kaiußn!« ('Solltest du auf mcin Vieh losgehen, so soll dein Maul so wie dieser Stein versteinern!«)

Den Mittagstisch am Weihnachtstage muss selbst im ärmsten Heime ein Festbraten, gewöhnlich ein gebratenes Ferkel, schmücken. Der Begütertere hilft diesmal dem Armen nach. Am dritten Tag wird das Stroh aus der Stube hinaus in die Gärten getragen. Man legt von dem Stroh auf jeden Obstbaum ciue Handvoll, damit das Jahr Obst in Hülle und Fülle gerathe.

Die Weihuachtslieder der Katholiken sind ausnahmslos kirchlichen Ursprungs. In den kleineren Städten und Märkten ziehen Burschen mit einem Krippenkästlein, Betlchem genannt, von Haus zu Haus, siugen ihr Sprüchlein und werden beschenkt. Der Christbaum ist dem Bauernvolke ganz unbekannt.

Bedeutungsvoller, weil mehr volksthümliche Elemente darbietend, sind die Weihnachten der Serben. Bosic (der kleine Gott) wird redend eingeführt. Er ermuntert die Leute, dass sie zur Festfeier sich vorbereiten. Im Gebirge ermahnt die Vila ein Mädchen znr zeitlichen Heimkehr. Am Himmel ruft Suuce (die Sonne, als männliches Wesen gedacht) seine Schwester Danica (Morgenstern, ein weibliches Wesen), sie möge am morgigen Tage ihn erwarten, um im Reigen Zur Feier der Geburt Christi zu tanzen. Nach einem Weihnachtsliede hat Bo;ic drei Schwestern, die eine hütet seine Lämmer, die andere ist seine Weinschenkin, die dritte waltet in seinem Heime als emsige Schaffnerin. Das ist jüngere Volksdichtung, nicht aber wirklicher Volksglaube.

Die Heiratsgebräuche der Südslaven habe ich in meinem Bnche »Sitte und Brauch der Südslaven« anf mehr als 200 Seiten behandelt, doch ist der Stoff derart reichhaltig, dass ich leicht noch zweimal soviel Neues wieder beizubringen hätte. Ohne Übertreibung darf man behaupten, dass fast jedes Dorf seine eigenen Hochzeitsgebräuche, namentlich seine eigene, sinnige Symbolik der Ehe besitze. Ich will hier die Hochzeitsgebräuche meines heimatlichen Dorfes Pleternica schildern. Die Mittheilung verdanke ich durch Vermittlung meiner Mutter dem Bauer Mato Nikolic, einem ehrlichen Manne und den Bäuerinnen Iela Zariua, Kata Terzijic und der alten

Cultur und VolkZ

(Baba) Liza Gavric; alle drei sind wohl bewandert und erfahren in den Geheimnissen der Volkssymbolik.

Die Ehen werden von den Eltern der jnngen Leute beschlossen, doch schant man darauf die Fiction aufrecht zu halten, als scien die Brautleute ein Liebespaar. Die Ehe geschieht aber dnrch Brantkanf. Ein Mädchen kommt auf 200 bis 300 Gulden zu stehen. Nachdem der Bnrsche die Wahl feiner Eltern gebilligt, begeben sich im Frühjahr oder Sommer Zwei Weiber, die eine ans dem Hanse des Bnrschcn, die andere eine Verwandte oder eine Nachbarin, eines Abends ins Hans des Mädchens, um ihre Einwilligung eiuzuholeu. Gibt sie ihr Jawort, so entfernen sich die zwei Frauen nnd kehren bald zurück mit einem Holzkrug Branntwein nnd mit Kuchen. Kuchen und Branntwein werden mm gemeinsam verbraucht. Am uächstcn Abend kommt der Bursche und überreicht dem Mädchen ein Drangcld (tako jn lapariöc) von acht bis zehn Gulden, nach Vermögen anch mehr. Das Drangeld ist in den Zipfel eines Sacktuches eingewickelt. Von da bis znm Hochzeitstage dauern unablässig die Gastmahle mit geringen Unterbrechungen, alle natür-lich auf Nukosteu des Bräutigams. Es werdcu die Leiter des Hochzcitsfestcs bestimmt. Am Tage nach der Verlobung schlachten die Eltern des Burschen ciu Schwciu, braten es ans dem Spieße, schaffen zehn und noch mehr Pfund Rindfleisch herbei, dann einen halben oder einen ganzen Eimer Branntwein, Körbe voll Kuchcu, mehrere Laibe Brot nnd bringen die Bescheernng dem Mädchen ins Haus. Alle beiderseitigen Verwandten haben sich zn dem Feste cingefnndcn. Es wird die ganze Nacht bis znm nächsten Mittag gegessen und gctrnnken. Tann lehren die Lente des Bräutigams singend und jnbelnd zu Wagen heim. Die Geschirre der Pferde sind mit buutcu (weißrothcn) Tüchlcin, blanen, rothen und weißen Bändern aus Seide und mit Blnmenbüschchen geschmückt. Nach drei, vier Tagen müssen die Eltern des Bräutigams mit der Brant und deren Eltern in eine Warenhandlung gehen und der Braut vor allem den Rohstoff für die Ausstattung kanfen nnd zwar einige Bündel Webwolle anf Hemden nnd Noth- uud Blangarn auf Handtücher, welche die Brant am Ehrentag als Geschenke vertheilen wird. Die Eltern des Mädchens müssen mit Leinwand n. dgl. beschenkt werden. Die Brüder, die Schwestern, die Oheime und die Tanten der Braut stellen gleichfalls verfchicdenc kostspielige Fordcrnngcn an die Eltern des Burschen. Alle müssen befriedigt werden, fuust wird ans der Hochzeit uichts.

Dies ist die Eiuleituug. Der Hanvtstnrm aber auf den Geldbeutel des Bräutigams erfolgt im Herbste auf einem Jahrmarkt. Die Eltern des Burschen müssen der Arant vor allem kaufen: eine seidene Schürze, ein seidenes Tüchlcin Mld einen Tnchrock, zusammen im Werthe von 40 bis 5)0 Gulden, dann Strümpfe und Sticflettcu, Halsbänder und Ohrringe nnd was drnm nnd dran hängt. Der Wunschzettel der Braut ist lang. An diesem Tag, nur an diesem einzigen

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im Leben, ist das Weib Dictator. Wenn nachher auch die Wünsche der Sippschaft des Mädchens erfüllt worden sind, gibt es wieder cm Festgclagc wie am Tage nach der Verlobung. Die Speisen und Getränke haben die Eltern des Bräutigams auf einem besonderen Wagen mitgebracht.

Kurze Zeit vor der Trauung muss eiu uoch reichlicheres Festmahl der Sippe der Braut gegeben werden, ein ganzes Schwein wird ansgebraten, ein zweites ganz gekocht, n. s. w., es steht aber der Braut frei, statt des Festmahles einen entsprechenden Geldbetrag sich auszahlen zu lassen, dann aber wird nur eiu ciufaches Nachtmahl bereitet, zu dem sich alle Verwandten einfiudeu. Gin Eimer Wein und ein halber Eimer Branntwein müssen in der Stube angezapft stehen. Während des Nachtmahles flicht die Braut mit ihrer Bnfenfreundin einen Blumenkranz, umwiudct eiu großes Trinkglas mit dem Kranze und reicht jedem am Tische sitzenden Gaste das umkränzte Glas voll Wein dar. Der Gast muss den Truuk auf einen Zug leereu und ins leere Glas einige Silberzehner hineinwerfen. Das Geld gehört der Brant.

Gegen Schluss des Nachtmahls verkleiden die Köchinnen eine von den Genossinnen als Pestfrau (Kuga). Die Pcstfrau hat einen umgewendeten Schafpelz an, so dass die Wolle nach außen gekehrt ist, das Gesicht ist mit einem grauen Tuche verhüllt uud um den Hals und Gürtel trägt sie eine schwere Eisenkette. An der Kette führen sie ihre Freundinnen von Gast zu Gast und stellen sie vor: »I^vo ku^s; 8V6 60 na» pomoriti, aka M »valvi po roäu äarivati ns csiuo!« (»Hier steht die Pestfrau; sie wird uns alle hinwürgen, falls wir sie nicht der Reihe nach beschenken«). Diese Mahlzeit wird immer an einen Sonntag angesetzt uud dauert bei aller Einfachheit bis Montag mittags. Am Dienstag abends stellen sich alle hochzeitlichen Würdenträger im Heime der Braut ein: der Gevatter (Kum), der älteste Vorstand der Hochzeit (Stari svat), der Brautführer (Djever), der Fahnenträger (Barjaktar), der Bote (Mu3tulnnd;ija), der Possenreißer (CauZ oder Cajo), der Gevatterstellvertretcr(Priknmak) nnd der Bräutigam (Gjuvegija) und deren geladenen Freunde. Auf jeden Teller wird eiu Apfel gelegt, in den ein Rosmarinzweiglein gesteckt ist. Jeder Apfel aber trägt den Blumeu-namen eines Gastes, so dass jeder Gast seinen Platz kennt nnd ein Streit wegen der Rangordnung bei Tische vermieden wird. Den Blumen- oder Kosenamen behält jeder Gast bis zum Ende der Hochzeitsfeier bei. Um Mitternacht geht man auseinander.

Ums Morgengrauen erhebt sich der Cajo, um in Begleitung des Dudelsackpfeifers (Dudaö) den Knm und den Stari svat zum Frühstück (Frustuk) einzuladen. Die Hochzeitsgästc versammeln sich gegen eilf Uhr vormittags bei der Kirche auf dem Hügel, indessen begeben sich die Brautführcrin (Svadbica oder Ieugja) und der Brautführer (Djever) ins Dorf hinab und holen die Braut ab. Nach der Trauung kehren alle ins Haus der Braut

Cultur und Vollsthum.                                                        113

zum Festmahl zurück. Es wird im Neigen gesungen und viel getanzt bis gegen Abend, wo man die junge Frau ins Heim ihres Gatten abführt. Zum letztenmal muss der junge Gatte seine Frau loskaufen.

Vor dem Hause des Gatten tanzen Mädchen Reigen und begrüßen die Braut und die Würdenträger einzeln:

Projdi nam drugo pros kolo, povedi svate za sobom, najprvo kuma vinčenog pak onda svoga djevera!

Die Braut wird vom Wagen herabgehoben. Der Weg vom Wagen bis ins Zimmer ist mit Teppichen und Leinwand bedeckt, damit die Braut nicht über den bloßen Boden dahinschreite. Wann sie ins Zimmer kommt, ist ihr erstes, dass sie sich unter den Durchzugsbalken stellt und mit dem Scheitel an den Balken leicht anstößt. Das ist ein Symbol, dass die Neu-eingetretcne von nuu au, mit eine Stütze des Hauses sein wird. Hierauf setzt sie sich auf ein knrzes, dreibeinigcs Schemmelchen und nimmt ein Kind auf den Schoß und herzt es ab, zum Zeichen, das» sie eine gute Mutter werden will. Während des Nachtessens bedienen die Brautleute stehenden Fußes die Gäste.

Während die Braut aus ihrem Elternheime ins Gattenheim übergeführt wird, treibt der Can5 den Hauptulk. Dieser besteht darin, dass der Kum (Computer) den Cau^ wegen groben Unfugs zu zehn Stockstreichen verurthcilt. Eine lange Bank wird mitten in die Straße hingestellt. Der Cau3 wirft sich über die Bank, einer aus dem Hause legt ihm auf den Sitztheil ein Polster nnd nun streicht ihm der Brautführer mit einem Stock zehn feste Hieb: auf. Beim zehnten Hieb aber zieht jemand flugs das Polster weg, so dafs der heftige Hieb über die bloße, dünne Leinwandhose fährt und der Cau^ von der Bank hinabpurzelt. Das Gejohle und Gelächter der Zuschauer ist uubeschrciblich.

Der Kum geht nicht ungeschoren aus. Er muss fortwährend den Beutel offen halten. Nicht einmal während der Mahlzeit lässt man ihn in Nuhc. Unablässig brüllt die Dorfjugcnd vor dem Hause: »Kum«! ix^rila tl ko»»!« (»Gevatter! dein Beutel möge verbrennen!«) Nlleweil steht er auf und wirft eine Hand voll Kupfermünzen durchs Fenster den Schreiern zu. Während sich die Leutchen herumbalgen, kann er essen und Trinksprüche ausbringen.

Der symbolischen Gebräuche, welche die Braut bis znr Kirche nnd von der Kirche bis zum Brantgemach beobachtet, gibt es eine Unzahl. Einige noch nicht bekannte, sollen hier mitgetheilt werden. Die Braut trägt bis uach der Trammg ein Nosmariuzweiglcm am Herzen. Nach der Trauung steckt sie eö ihrem Gatten hinters Hutband nnd spricht: »Xako ^2 nosila

Xlauss.' Kioaticil und Tlavonicu.                                                                            8

114                                 Die veleinlgten Königreiche Kroatien und Slavonien.

lu/iuarin na 8l 8Iatka .js meni jaduka, «1aNSo wie sich dieses Brot und Salz, so sollen auch wir zwei uns gut vertragen bis ans Lebensende!«) Kata Tcrziji6 erzählt: »Ich trug um den bloßen Leib gewunden ein Handtuch und übernachtete so umwickelt. Als ich von der Trauung am anderen Abend ins neue Heim Einzug gehalten, ließ ich alle Hausleute nach der Waschung mit demselben Handtuch die Hände abtrocknen, damit mir alle gnt gesinnt sein nnd nichts anhaben sollen können. Ich sprach dazn:

Volksmedicin. In Krankheitsfällen sucht der Bauer nur in der äußersten Noth, wann dem Kranken kaum mehr zu helfen ist, einen wissen-

Faljem Isus, bjeli dvor! prit ku('om ti scelen bor; \i kuči ti vi.inja triSnja, men ne more nitko nižta.

(»Gelobt sei Jesus, weißes Gehöfte! Vor deinem Hause steht eine grünende Fichte im Hause eine Weichselkirsche; mir kann niemand etwas anhaben«.)

Die Hochzeitsgäste erlustigen sich bis nach Mitternacht. Morgens vor dem Morgengrauen, steht die junge Frau auf, ergreift ciuen Kübel und geht mit dem Dudelsackpfeifer und Brautführer zum Brunnen, um Wasser zum Waschen für die Gäste zu holen, die im Hause übernachtet, dafür wird sie von den Leuten beschenkt. Von der Frühe bis zum Abend steht dann die junge Frau, eine Flasche Branntwein in der Hand, an der Seite ihres bekränzten Brautführers vor der Hofthüre, hält jeden Vorübergehenden anf, nöthigt ihn aus der Flasche zu trinken und ihr, der Fran, einen Kuss zu geben. Dafür bekommt sie von jedermann ein Geschenk. So geht es fünf Tage nach einander, denn so lauge währt der Hochzeitsschmaus.

Cultui und Volkslhum.                                                      115

schaftlich gebildeten Arzt (Doctor) auf. Seine Ärzte sind der Vra6ar, die Vracarica und die Aajalica. Die Bajalica sucht der Krankheit, welche nach der Volksauffassuug als ein Krankheitsdämon sich eingenistet, durch Beschwöruugs- nnd Zauberformeln beizukommcn. Der Vraöar ist ein halber Zauberer und ein ganzer Kurpfuscher. Er gebraucht bei seinen Cnren sympathetische Mittel und auch allerlei heilkräftige Kräuter uud Wurzeln. Aber anch die Massage, die Kaltwasser- nnd die Schwitzcur wird vom Vraöar nach Thunlichkeit verordnet nnd vorgenommen. In Einrenkung verrenkter nnd gebrochener Glieder nnd besonders in Wundenbehandlung sind viele 2>ra«I'ari anerkanntermaßen oft sehr geschickt nnd tüchtig. Mancher Chirurg hätte etwas von einem Vralar zuzulernen. Großes Zutrauen setzt das Bauernvolk in die Heilkraft von Amuleten, mit denen leider noch immer von Leuten, die gesellschaftlich einen geweihten Sland repräscntiren und ihn auch ehren müßten, ein ergiebiger Schacher getrieben wird.

Hochgeschätzte Behelfe bei Beschwörungen (»Bajanja«) sind uuau-gegänztes Wasser (»nena^eta uoda<) nnd unangegänztes Feuer (»nenaceta vatra«). Wenn vom Sonnenuntergang bis zum nächsten Morgengrauen aus dem Brunnen oder der Quelle kein Wasser geschöpft wurde, so gilt das erste Wasser, das mau am Morgen schöpft als nenaceta. Nnangegänztes Wasser wird vorzüglich bei Beschwörung von Kopfschmerzen nnd von Nothlauf gebraucht. Haben sich die Kopfschmerzen infolge einer Beschreiung eingestellt, so nimmt man ein Glas voll nnangegänztcn Wassers und wirft drei glühende Kohlen (;iva vatra — lebendiges Feuer) hinein; sinken die Kohlen zn Boden, so rührt gewiss das Leiden von einer Be-schreinng her; dann steckt man beide Daumen ins Wasser und reibt mit den Danmcn kreuzwcis die Stirne, die Augen und die Halsadern und spricht indessen den »Maricugruß«. Hat man gewöhnliches Kopfweh, so lässt man sich die »Hündchen aufschneiden« ('5cence izrezivat«). »Hündchen« heißt man die kleinen Hitzbläschen unter der Zunge. Das »Mütterchen< (»Baka«) fährt mit cincm Rasiermesser nnter die Zunge und schabt die Bläschen ab, worauf sie aufplatzen uud das Wasser aus ihnen ausfließt. Geht cs dem Kranken sehr schlecht <>'»r inu je), so wird man ihn in gewärmtem unangegänzten Wasser ein Bad nehmen lassen. In dieses Badwasscr gibt man vorerst neun Wipfel von neun verschiedenen Obst-bäumrn sÄpfel-, Birnen-, Nußbaum u. s. w.; während des Abschneidens der Wipfel spricht man den Maricngrnh), ferner drei Krumen Brod, drei Tropfen Wein, gleichviel Tropfen Weihwasser und drei verschiedene Eisen-gcgenständc, z. B. einen Schlüssel, ein Messer und eine Gabel. Man glaubt, wcnu cs dem Kranken bestimmt sei zu sterben, so müsse er schon zwei bis drei Tage nach dem Bade sterben, ist cs ihm aber bcschicdcn zu gesunden, so werde die Genesung in kürzester Zeit erfolgen.

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Hg                                 Die vereinigte« Königreiche Kroatien und Slavonien.

Wenn man auf dem Herd oder auf dem Feldc ein Holzfencr anmacht und es niederbrennen lässt, ohne neues Holz aufzulegen oder auch nur nach-zuschüren, so gilt ein Brandstück oder eine glimmende Kohle von diesem Feuer als »unangegänztes Feuer«. Die Kohle ist »gut« zur Beschwörung von G icht('Kost ob olja«). Der Kranke wird gedünstet über »unangegänztem Wasser und Feuer«. Vor allem wird eine große Kanonenkugel rothglühend gemacht. Mau gibt sie in einen Kessel mit gewärmtem, unangegänztem Wasser, setzt den Kranken auf den Kessel, überdeckt ihn mit einem Leintuch und lässt ihn dünsten. Nach der Dünstung muss sich der Leideude über uuangcgänzte Glut niederhocken, die vorher mit Zinnober bestreut wurde. Den Nauch und Qualm muss er durch Mund und Nase einathmen. Nach diesem Ncccvt vertreibt die Bajalica Stana Pakovic in Mikanovci im slavonischen Savelande die Gicht aus den Gliedern ihrer Patienten.

Bei jeder Art von Krankheitsbeschwörung hat man zufolge der Erklärungen der Bajalica Manda Butkovic in Komljetiuci auf Zweierlei besondere Achtung zu haben: auf die Worte, die man spricht nnd auf die Beschwörungsmittel. Das Bcschwörungsmittel wird behutsam uud langsam um die leidenden Körpertheile gezogen, so dass man mit dem Umkreisen nnd der Beschwörungsformel zugleich fertig wird. Die Formel muss in einem einzigen Athemzuge ausgesprochen werden. So beschwört man dreimal nacheinander an je drei aufeinander folgenden Tagen.

Gliederreißen oder Rheumatismus (»Ko3tak«) beschwört man mit folgendem Spruch: Ii-i äivoKy u !wmi pasle. .leäna nima, ärn^a «WI,^ treea »lipa; äßvot i-ika, äovot dra6s pl.ivo 80 8pr.ivi5o na voj»ku, piavo oäo^ piavo u doj uäari^e, plavo po^inuLe. II koöu, is Kais, u knjn, i« kojs; u kost, is kosti; u leäinu, «äo^e, u 'no wigto, äi2vono ns 2voni, äi pita^ uo piva, äi brat drata ne 20V6. Oä äsvet äo 08aw, oä o8am äo 86äam, ot 86äam äo .'yyt ot 3e8t äo pet, ot pst äo öetir, ot öetir äo tri, ot tri äo äva, oä äva äo ißäuo^a, oä^oäiioFa lio ni^äno^a. II ims ooa i 8in.-r i äuka »votoza!« (»Drei Mädchen weideten im Walde. Die eine ^war^ stumm, die andere taub, die dritte blind; neun Flüsse, nenn Brüder rüsteten sich flugs zum Heer. flugs zogen sie fort, flugs stürzten sie sich in den Kampf, flugs kamen sie um. In die Haut, aus der Haut, iu welche, aus welcher; ins Gebein, aus dem Gebein- zogen unter den Nasenboden, an jenen Ort, wo keine Glocke läutet, kein Hahn kräht, wo ein Bruder den anderen fteim Namens nicht ruft. Von neun bis acht, von acht bis sieben, von sieben bis sechs, von sechs bis fünf, von fünf bis vier, von vier bis drei, von drei bis zwei, von zwei bis eins von einem bis zu keinem. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes!«).

Den »Frosch« (»Faba«) eine harte bewegliche Geschwulst unter der Hanr, beschwürt man am Körper eines Täuflings mit einem Messer also:

Cultur und Nolksthum.                                                        117

»u imo oea 1 8inn, i äub.3, »votoza! L03 voli, äa Fori; Fospoäin I8ukr8t, äa doli; dwxenk äiviea Nari^a: dilo pa ni.j'! Oä 9 — 8, oä 8 — 7, ot 7 — 6, ot tt — 5, ot pot äo öotiri itä. II imo itä.« (»Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes! Gott spricht: es brennt; Herr Jesus Christus: es schmerzt; die gebenedeite Jungfrau Maria: ist gewesen und ist nicht mehr! Von neun bis acht u. s. w. Im Namen des Vaters u. f. w.«).

Den »Frosch« an einem Nind beschwört man mit einem Maiskolben (Kocanj kukuruza): »Ovo svo, 5to je, uok iäo u 3u

Den »Wurm<' (»Crv«) wie mau die Skropheln am Halse nennt, beschwört man unter freiem Himmel, wobei der Kranke das Antlitz gegen Sonneuaufgaug richtet. Der Spruch lautet: >>NoF veil, äa Fc>ri; äraFa Fospa, äa doli; ^onpoäin Igukrst: dllo pa nij'. 2ll,I

Einen Bruch (»Prosad^ beschwört man mit einem Messer: »8u-protl, supi-ot tri, ntuä iäo put I^rnno i on iwsi <^trn rnliou, uäara M ^idionm, x.^klinjo.j« inukom i krvl^il ^o^ioäinil, I^ukr^ta, äa on iäo ix ov«^ tiw lil8tit<»3 i /namenovanoF u tu ^<»ru puMn.ju, äi 30 Vo^ «0 moli, äi 80 ni^t ne^ovoi-i. Oä äovot äo 08»iQ itä. U imo ooa itä.<> (»Dagegen, gegen drei. Des Weges kommt Franz daher und trägt eine scharfe kleine Keule, schlägt sie mit einem Stäbchen, beschwört sie bei den Leiden und dem Blut des Herrn Jesus Christus, das Leiden soll aus diesem getauftcu uud gezeichnetem Leibe dahin ins wüste Hochgebirge fahren, wo man Gott nicht verehrt, wo man keine Silbe spricht. Von neun bis acht u. s. w. Im Namen des Vaters u. s. w.«).

Kreuzschmerz (»Krstina«) wird mit einem Messer beschworen. 'X»K-lin^om t« xli doho^a, No^anl 5ivim, Iwssniu volikim, tornjom no^o«llim, Iiornm nn^i^n^im, ä:l iäe5 i/ nvi ^r«tin» na U8ta; jor «0 äo« »voti H,ntun i/ ril<(> ^<^o

Hß                                Die vereinigten Königreiche Kroatien imb Slavonien.

heilige Antonius kommen aus dem Oenezarcthflllsse, wo Gott geboren worden ist. Vater nnd Sohn und heiliger Geist. Von neun bis acht u. s. w. Im Namen des Vaters n. s. w.«).

Nothlaufbeulen (»Micina«) wird mit einem Schürhaken (Vatralj) beschworen: »Laklinjßiu to troi-o, öim 80 vati-a prec^o, äa ne ra3te3 vs^e. ttaLpoäin» VoF«, inoei, dla/eno ^lari^ pripoiuoöi. L02 ao«, gy raäiw, K02 matore roäiw, ds8 popa »0 ki-stilo, dox imsna ixFinulo. 8ii'ilk, oä äevet äo 08am itä. Kriii, ime Igu80vo. U imo ooa itä.^ (»Ich beschwöre dich das drittemal s?> womit man Feuer anschürt, du sollst nicht größer auwachsen. Gott des Hcrru Schutzmittel, der gebenedeiten Maria Hilfe. Ohne Vater, ohne Mutter geboren, ohne Priester getauft, möge das Lcidcu deun ohne Namen umkommen Dahinschwinden^. Anstrockunng. Von neun bis acht u. s. w. Ein Kreuz. Der Namen Jesu. Im Namen des Vaters u. s. w.«).

Milzgeschwulst (»Nateka dalak ) wird mit einem Zwetschkenkern beschworen. Der Kranke steht nnter freiem Himmel unter einer Eiche, unter den Füßen muss er Koth von Hausrindern haben. In der Hand hält er ein Fett, bestreicht die Verhärtung und spricht: »Nw vslik Kao i-ast, dio ^irok kao plagt, ra8t0pio 86 kao ova ma«t. 0ä äßvet w ogam itä.^ itä.« (»Magst so groß wie diese Eiche, so breit wie ein Heuschober sein, und zerfließen wie dieses Fett. Von nenn bis acht u. s. w., u. s. w.«).

Gewöhnliches Unwohlsein oder schwer zu bestimmende Leiden werden meist bloß mit der Hand beschworen. Dazu spricht man: Opäinska vsöe-rioa, sirkova postoijiea, kameniti v.inM^i6, roFvxna poklivaöie». /slim oü FOZpoäina Lo«a mo6i, dla/.6ne (Uvios Hlai-ije pripoiuo^i. .^inon. 0ä äovet äo 08ÄM itä., itä.« (»Das Gemeindenachtmalchen, eines Waisenkindes Bettchen, ein steinern Pölsterchen, ein Schilfrohrbettdeckchen. Ich wünsche von Gott dem Herrn Schutzmittel, von der gebenedeiten Jungfrau Maria Hilfe. Amen. Von neun bis acht u. s. w., u. s. w.«).

Zur Charakterisierung der Volksmedicin mögen diese Beispiele ausreichen.

Todtengebräuche. Wenig freundliche Züge weisen die Todtengebräuche auf. Wenn der Kranke schon die Sprache zn verlieren beginnt, wenn ihn kalter Schweiß bedeckt uud ihm die Finger und Zehen blänlich zu werden anfangen, so drückt man ihm eine Wachskerze, die sog. Marienkerze (Marijinska svijeca) in die Hand. Beim Todtkranken hält man Tag und Nacht Wache. Den in den letzten Zügeu liegenden bettet man anf die bloße Erde, denn man glaubt, es sterbe sich schwerer auf Federn und Stroh im Bette. Dem Verstorbenen wird gleich das Hemd auf dem Leib Zerrissen, darauf wäscht man ihn und bekleidet ihn mit reinem Linnenzeug und

Cultur und Vollsthum.                                                       119

seinen besten Gewandstücken, die er bei Lebzeiten getragen, gewöhnlich mit dem Hochzeitsanzug. Das Bettstroh, auf welchem der Verstorbene gelegen, wird sofort verbrannt. Hundc und Katzen sperrt man sorgfältig ein, damit kein solches Thier iiber die Leiche hinwegschreite, weil sonst, so glaubt das Volk, der Verstorbene als Vampir oder als Wehrwolf (Vulodlak) zurück aus dem Grabe käme, nm den Dorfleuten das Blut auszusaugen.

Fürchtet sich eine Frau vor dem Todten, so setzt sie sich auf die Decke, auf welcher er gclegcu, und während der Priester vor der Thüre über den Leichnam den Segen spricht, sagt die auf der Decke Sitzcude den Spruch: »So wenig als sich diese Decke vor dem Todten fürchtet, ebensowenig soll ich mich vor ihm fürchten. (,X»ko nva iirostijßlka imu 8trak oä mrtvaoa, im.il2 ssa wko i ja<). Sobald die Träger den Sarg aufheben, bedecken die Frauen die Tifch'e, auf welchem die Trulic gestanden und sprechen dazu: 'So wie diese Tische zugedeckt werden, so soll anch er zugedeckt sein. damit er nimmer wieder ins Haus zurückkehre«. (>kako 86 ovi nwlovi iioklozx;, nek» ßo i on poklopi, äa se viio knöi no vrati«). Gleich nachdem man den Todten an" dem Zimmer getragen, werden alle Zimmcrthuren, die Frucht-scheuer Stalluugen nud Schlaftämmerchen geöffnet. Stirbt der Hausvorstand, so bestrcnt mau ihn mit jeder Gattung Feldfrncht, damit uian wisse, dass der Älteste dc5 Hauses das Zeitliche gesegnet habe. Die Frauen, welche fur die Todteugräbcr nnd das übrige Tranergcleite das Mahl bereiten, werfen dem Todten, wann man ihn zum Hof hinausträgt, cmen oder zwei Töpfe nach mit den Worten: Aller Schaden folge ihm!« (»sva ötota /a Him!«)

Ehedem, noch vor fünfzig Jahren, war es allgemeiner Brauch, dass an der Leiche bis zur Bestattung eigens dazu bestellte Franen Klagelieder anstimmten in welchen man der guten Eigenschaften des Verblichenen gedachte. Derzeit versammeln sich nur mehr die alten Weiber aus dem Dorfe zur Nachtwache bei der Leiche, erzählen einander die gruseligsten Vampir- und Hercngcschichtcn und trinken sich mit Branntwein Mnth zu.

Klagelieder anzustimmen gilt gegenwärtig m Kroatien und Slavomen mehr als Vorrecht der nächsten Blutverwaudten des Verstorbenen. Stirbt z. B ein heiratsfähiges Mädchen, so treffeu zum Schmaus vor allem die Freundinnen und Bekannten als Gäste (Karmcnici) ein. Man schlachtet ein »lind oder ein Schwein ab, schafft im Ubcrflnss Wein uud Branntwein (N akija) her nnd bewirtet jeden, der da kommt. Beim Leichenzug gcheu die Mädchen voran. Eines trägt eine mit Scidentüchcrn bchaugenc Art vom spanischen Flieder vorans. Die Mädchen singen Litaneien. Hinterm Sarg folgen die Eltern und Geschwister. Die Mutter stimmt die Klage an; die übrigen wiederholen einzelne Ansrufc. Meist siud die Klagen in Versen. In größtem Leide wie in größter Frcnde wird der Mensch uubcwusst zum Dichter. Nachstehende Klage rührt von einer Bäuerin in Plctcrnica her, die im Monate

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April 1888 ihr einziges Kind, ein reifes Mädchen, zu Grabe geleitete. Eine ältere Tochter war vor Jahren schon gestorben. Um den Leib ohne Gürtel, das Haupt unbedeckt, die Haare ungekämmt, die Hände auf die Schläfen gepresst, so wankte iammcrklageud die Alte hinter dem Sarge emher:

»Jqj cerko moja, Sto ču pres tebe? Tko ce mi tkati i presti i marame vesti? Jqj moja čerko Ijubezna! kut si se tako nagizdala? Valjda češ svqjqj seki u goste? Jqj cerko moja , goro zelena! Koga če majka sada kititi i u crkvu otpravljati? Jqj cerko moja, goro zelena! Koga če majka sada kititi i u crkvu otpravljati? Jqj cerko moja, kaka ti je kuca tvoja, na kqjqj ni vrati ni pendžera nema otkale češ majku izgledati i od majke milošcu dobivati! Joj, srce moje! joj golubice moja! kom ostavljas staru majku svqju: der pogledaj, vec ti majka ne more ni po putu odati al sad ne ce ni dalje od jeda za tobom! . . .«

»Weh, mein Töchterchen, was fang ich ohne dich an? Wer wird mir weben und spinnen und Tüchlein sticken? Weh, mein liebreiches Töchterchen! Wohin Ziehst du, dass du dich so herausgeputzt? Ziehst du etwa zu deinem - Schwesterchen zum Festschmaus? Weh, meiu Töchterchen, du grünendes Gebirge! Wen wird nun die Mutter schmücken nnd zur Kirche schicken? Weh, mein Töchterchen, wie arg ist dein Hans beschaffen, das weder Thür noch Fenster hat, von wo dn nach deiner Mntter ausschauen und von der Mutter eine Liebesgabe in Empfang nehmen könntest! Weh, du mein Herz! Weh, du mein Täubchen! Wem überlässt du deine alte Mutter? Schau dir sie nur an, schon vermag deine Mntter nicht einmal auf der Straße zu gehen und nun wird sie es gar nicht mehr können ans Herzeleid nach dir! . . .«

Am Grabe eines unverheirateten reifen Burschen spricht ein Iugend-genosse als Grabrede einfach: »I? oiHu is pameti!« (Aus den Augen, aus dem Sinn!)

Dem Sarge wirft man einige Geldmünzen ins Grab nach, angeblich, wie das Volk sagt, zum Beweis, dass die Stätte bezahlt worden sei; den Ankömmling frägt nämlich der an selber Stelle seit Urgedenken Bestattete: »Wie unterstehst Du Dich, auf meinen Platz Dich Zu legen?« Darauf entgegnet ihm der jüngstangekommene Todte: »Was geht es Dich an, hab' ich doch meinen Platz bezahlt!« (»8to »i ti na inojs in^to IsFo?« — »ßto te driF6, ^a Sam platio 8voj6 n^68to«).

In älteren Zeiten pflegten Burschen uud Mädchen in Neunzahl einen verkehrten Reigen (Kolo naopako) d. h. nach rückwärts um das Grab herum zu tanzen. Das Grab wird mit Rasen bedeckt und man pflanzt späterhin Rosen, Weinreben oder auch Gpheu aufs Grab. Trauerweiden findet man nur auf städtischen Friedhöfen.

Nach der Bestattung ist es Brauch, ein Todtenmahl (Karmine) im Leichenhause abzuhalten. Es wird wie bei einem Hochzeitsmahle festlich

Cultur und Vottsthum.                                                       121

gegessen mid getrunken. Während des Speiscns — Neis, Öl, Honigkuchen, Fische und Hammelbraten sind die Hauptspeisen — hält man Ruhe. Selten aber geht das Fest ohne Gejohle und fast unvermeidliche Keilerei ab. Am dritten Tage nach der Bestattung pflegten noch vor einigen Jahrzehnten die älteren Weiber aus dem Dorfe am Grabe einen Schmaus abzuhalten und sich ein tüchtiges Näuschlein anzutrinken.

Zum Zeichen der Trauer tragen die nächsten Angehörigen des Verstorbenen die Kleidungsstücke, Hosen, Hemde, Röcke u. s. w. umgewendet, d. h. mit der Innenseite nach Außen, die Außenseite nach Innen gekehrt. Im Winter wird sogar die Pelzmütze (^ubara) gewendet getragen. »Trauern« beißt in der slavonischen Volkssprache der Sache gemäß ruöiti se, nicht aber wie in der kroatischen Schriftsprache zaliti (bedauern, bemitleiden).

Sonst sind die Trauerkleider weiß, wie bei den Chinesen; schwarz dagegen gilt als die Farbe der Freude und Fröhlichkeit. Einem alten Weibe z. B. verargt man es, wenn es sich schwarz kleidet. Man hört spöttische Bemerkungen Wie (iixäu, so wbn. kaico 86 na^i-äala dada; orni t'erwn i nna marama! (Die Vettel putzt sich jugendlich! Wie sie sich herausgeputzt hat! Sie trägt ein schwarzes Fürtuch und ein schwarzes Tüchleiu!)

Bezeichnend für die gesellschaftliche Stellung des Weibes ist das Gebaren dcs Mannes nach ihrem Ableben. Es gilt als unschicklich, dass der Maun seiner Frau Thräuen nachweine. So mancher hat ja Giund, sein Lebelang hindurch um die liebende, treue Ehegattin zu trauern, doch der Branch wchtt es ihm. In der Regel aber nimmt der Bauer die Sache mit Gleichmut!) hin. Nach dem Begräbnis seines Weibes trägt der Mann das Grabwerkzeng nach Haus, wirft es gleich in den Winkel und spncht: "Xako ja ovaj .iiat'dacam, tako mi L03 äao, äa .j.i dr/ijo äru^l 2omi äodijom!« ?>So 'schnell als ich das Werlzcng hinwerfe, wo mügllch noch schneller, möge mir es Gott geben, soll ich ein anderes Weib bekommen.«) Eine bestimmte ^rauerzcit gibt es für den Mann nicht. Mancher verehelicht sich schon acht Tage nach dem Ableben seiner ersten Frau. Eltern uud Geschwister, besonders den Brndcr mnss man mindestens vierzig Tage lang betrauern.

Recht sonderbar wirken anf nnscre sittlichen und geläuterten Anschauungen die Misbräuche, welche der slavonische Volksglaube mit dem Todten zu treiben zulässt. Es ist eiu arger Fetischismus, gräulich und abstoßend wie bei irgend einem Naturvolkc auf den Eüdsecinseln. Eiuiges soll davon hier mitgetheilt werden.

Der Leiche legt man einen Apfel in den Busen, lässt ihn über Nacht liegen nnd dann nimmt am Morgen ein Mädchen dcn Apfel an sich und gibt ihn ihrem Burschen zu essen. Da, meint man, werde er sie gewiss nicht sitzen lassen.

.-«22                                 ^>c ucrcimgte» Königreiche Nroaticn und Elauouien.

Hat der Verstorbene einen Ring am Finger, so trachtet ein Mädchen den Ring zu stehlen. Schaut sic durch den Nina, dcn Burschen an, den sie liebt, so muss er ihr gehören.

Hat ein Witwer oder eine Witwe dic Absicht sich wieder zn verheiraten, so hcbt° z. B. der Mann das Tüchlein auf, mit welchem der Leiche das Kinn unterbunden gewesen, nnd wann er wieder anf die Freite geht, nimmt er das Tüchlein mit nnd fährt damit dem Frauenzimmer nnters Kinn. Darauf mnss sie zu ihm sagen: >Ia ich will die Deinige werden!« (»Iloim, pa^i mi x<>r t«.«)

Aus der Leicheudccke ausgezupfte Fäden bewahren Frauen und Mädchen sorglich auf, nähen sie später iu dcn Hemdkragen und dic Manchettcn des Mannes oder Bräutigams ein, und sprechen während des Einnähens: »Wann der Selige, von dessen Decke ich diese Fäden entnommen, die Hand gegen mich erhebt, dann soll auch mein Mann gegen mich die Hand erheben!« (»Kat polvojnik, 5ö^6F »am pokrova ßkwula xioe, äi^nß proti mkni ru^u, äiß^o ^n i waj öavjelc.«)

Einer Leiche steckt man ein Stück Zucker in dcn Mund, lässt den Zucker sich ansaugen mit Speichel und Schaum, löst daun den Zucker in eiueni Glas Wein oder Branntwein auf nnd reicht dcn Trank einem Säufer. Darauf wird er sich. glaubt mau, das Trinken abgewöhnen.

Allgemein ist der Glaube an die Niicklehr böser Menschen nach dem Tode als Vampire (Vukodlak, Mehrz.: Vnkodlaci). Indem man in den Leichnam des vermeintlichen Werwolfs oder Vampirs einen Weißdorn eintreibt, macht man den Vampir unschädlich. Die Verstorbenen erscheinen aber auch als Gespenster (Utv or a, Sablast, Prikaza) in Menschengestalt, um den Menschen Fnrcht und Entsetzen einzujagen oder um Erlösung durch eine reine und opferwillige Seele zu erlangen. Mit einem Geschichtchen dieser Art will ich die kurze Schilderung der Todtengebräuche hier abschließen.

Im Dorfe Malin bei Pleternica lebte ein alter Mann, der ging einmal Zur Nachtzeit WZ Dorf Orjovac, da trat urplötzlich vor ihn ein Knabe und fragte ihn: »Wohin des Weges?« Der Alte mochte keine Antwort geben, sondern beschleunigte seine Schritte. Der Knabe begann ihn zu zerren und zn zwicken (grabusat) und hub an, ihn arg zn beschimpfen. Als dies nichts half, verlegte sich der Knabe anfs Bitten, doch auch das half beim Alten nichts. Nun zerrte ihn der Knabe wiedermn heftig. Endlich wurde es dem Alten zu viel und er sagte: »Ich gehe nach Orjovac.« Sprach der Knabe: »Das also hast Du mir nicht gleich sagen können? Ich hätte Dich nicht fo bös hergenommen!^ Sprach's und verschwand. Als der Alte heim kam, wurde er bettlägerig und starb am dritten Tage. Dann erschien er fünf Nächte hindurch feiner Fran nnd fragte sie bloß: »Weib, wie ist dir auf dem Herzen?<- nnd aß alles anf, was die Fran vom Nachtmahl stehen gelassen. Nach der fünften Nacht erschien er nimmer wieder.

Cullur und Vollsthum.                                                       123

Volksreligion. Den breitesten Raum im gläubigen Volksgcmüthc nehmen dicVilcn ein, weibliche Wesenheiten von selber Art wie im deutschen Volksglauben die Elfen oder Waldfranen. Der Vilenglanbc beherrscht alle Verhältnisse des Bauernlebcns. Vilen erscheinen selten einzeln, meist in Gesellschaft zu zwei, drei nnd sieben. Sie zeichnen sich durch ungewöhnliche mädchenhafte Schönheit, hellen Teint, schlanken Wuchs und ein bis zu den Fersen herabwallendes dunkles Haar aus. Sie bewegen sich leicht und frei dnrch die Lüfie, weil sie beflügelt sind, doch sind die Flügel für gewöhnlich unsichtbar. Die Vila kann die Flügel anch ablegen. Die Bekleidung ist sehr einfach: auf dem Haupte sitzt eine Perlcnkrone, die das flatternde Haar wie eine Spange zusammcnhält, den Leib umhüllt ein langes, weißes, bis znm Boden reichendes Hemde, wie es die Bäuerinnen bei der Arbeit tragen, ein Oberkleid fehlt. Umgürtet ist die Vila mit einem sieben Ellen langen, handbreiten Scidengürtel vou rother Farbe.

Die Vilen siud von ewiger Jugend, der Weissagung nnd des Heilens kundig, können sich aller Schätze, weil sie ihnen ohne weiteres zugänglich siud, bemächtigen, uud vermögen bei den Menschenkindern nach Belieben Liebe nnd Hass zu erzeugen. Die Vilen siud besondere Freundinnen der Nehe, Hirsche. Pferde, Schafe und guter, gottesfürchtiger Menschen. Sie können die Gestalt grauer Gcbirgswölfe annehmen. Unter Umständen sind sie lannisch, boshaft nnd rachsüchtig. Sie pflegen Kinder zu stehlen, nehmen sich aber ans Mildhcrzigkeit anch verlassener Weisen an.

Die Vilen weilen am liebsten anf oder in Bäumen, auf der Linde und dem Nnssbaum. Sie fahren in Wolken oder im Wirbelwinde dahin. Sie tanzen gerne Neigen auf Auhöhcn, grünen Auen, au Quellen, anf Dächern nnd einzeln stehenden Bänmcn uud singen dazu Lieder. Helle, markerschütternde Aufschreie (Iuchhczer) find ihucu eigeuthümlich.

Die gewöhnlichste Beschäftigung der Vilen besteht darin, dass sie Neh-kühe melken, mit golducm Kamme das Haar sich kämmen, dass sie ihre Wäsche waschen nnd in klarer Flut rauschender Bäche im Schatten überhängender Bäume badcu.

Will mau der Vilcn nnd sonstiger vilenhafter Erschcinnngcn ansichtig werden, so muss man, sofernc man mit keinem zweiten Gesicht begabt ist, alle Kleidungsstücke, die man anlegen will, verkehrt, d. h. mit der Innenseite nach außcu anziehen. Dienstags- nnd Sonntagskinder haben ein solches »zweites Gesicht«. Freitagskindern und rothhaarigen Menschen zeigen sich die Vilen niemals.

Wahrhaft gänbigc nnd vileufürchligc Meufchcn scheuen sich in Bangnis und Ehrfnrcht den Mmcn »Vile« ansznsprechcn. Sie sagen bloß: one« («sie«, »jene«) oder z. B. »njia dvi« ('ihrer zwei«), wenn von Zweien die Nebe ist.

124                                Die vereinigten Köiligielche Kroatien und Iladonien.

Die Vilen pflegen auch sonst in ihre Gemeinschaft Menschen aufzunehmen. Wer sich mit den Vilcn einmal freiwillig oder unfreiwillig vergemein-schaftet hat, der kriegt sie nimmer los nnd mnss zuletzt die Neue mit dem Leben büßen. Wenn es gut geht, so wird die cutführte Frau Zur Vila, ein Mann aber zum Vilenjak. Das heißt man ftoviliti se (in ein Vila sich verwandeln).')

Gelingt es einem Menschen einer Vila die Flügel zu rauben, so gelangt sie ganz in seine Macht. Verlust der Krone nnd des Hemdes hat aber bloß eine längere Ausscheidung der Vila aus der Gemeinschaft ihrer Gespielinnen Zur Folge. Die Bäuerin Iulka Beri6 in Pleternica kennt folgendes, leider unvollständiges Lied davon:

l) Diese sowie alle nachstehenden, auf die Vilcu bezüglichen Nachrichten hat meine hochbetagtc Mutter Eva in dcr unmittelbaren Gegenwart im Jahre 1887 dis 1888 in Pleternica erhoben.

Kupala se bila vila u potoku kraj b.ijira; na brig ruvo ostavila, biser krunu i košulju.

Kraj nje pala tanka staza; stazom ide mlado momče. On uzima biser krunu, biser krunu i košulju pa se mani preko polja kano zvizda preko neba.

Za njim leti bila vila, al govori bila vila:.

—  Ovo jesi mla o morače, ostavi mi biser krunu, biser krunu i ko.sulju, kazaču ti troje znanje; jedno ču ti znanje kazat: bičeš sretan niegj družinom; drugo öu ti znanje kazat: ljuba de ti sina rodit; trede ču ti znanje kazat: konjic de ti igrom igrat.

Al govori mlado momče:

—  Dok je mene majke moje, bidu sritan megj družinom, dok je mcne ljube moje, ljuba ce mi sina rodit,

dok je mojem konju zobi, konjic če mi igrom igrat.

Cultur und VottSthum.

Es badet eine weiße Vila im Bächlcin an des Ufers Lände. Sie ließ dic Kleider anf dem Ufer, die Perlcnkrone und das Hcmdchen.

Es führt vorbei ein schmaler Fußsteg; es naht den Steg ein junges Bürschlcin; es zieht an sich die Perlcnkrone, die Perleukrone und das Hemdchen und flicht beflügelt übers Feld hin wie übcr'u Himmel flugs ein Stcrnlein.

Es läuft ihm nach die weiße Vila, es ruft ihm nach die weiße Vila: — He! Heda, he! du junges Äürschlein, lass mir in Fried die Perleukrone, die Perlenkrone und das Hemdchen; ich künde dir ein dreifach Weisthnm.

Ein erstes Weisthnm ich verkünde: du wirft in deinem Heim beglückt sein; ein zweites Weisthnm ich verkünde: dein Ehlicb schenkt dir wohl ein Söhnchen; ciu drittes Weisthnm ich verkünde: dem Nösslcin wird sich tummelud spielen.

Zur Anwort gibt das junge Vürschlein: — Ist mir mein Müttcrlcin am Leben, leb' ich beglückt in meinem Heime. Ist mir mein Ehelieb am Leben, mein Ehlicb schenkt mir wohl ein Söhnchen, und kennt mein Noss nicht Hafermangcl, wird's Nösslciu stets sich tnmmclnd spielen.

Über Vilengcwohnheitcn geben uns nachfolgende drei Geschichten Ausschluss.

Adam Odvorcie fnhr zu Wagen aus Tulnik nach Kaleniö. Auf dein Hügel (na bri>ku) tanzten siebeli Vilcn Neigen. Als er mit seinem Wagen dort ankam, stiegen die Vilcn von der Anhöhe herab nnd nun zerrissen ihm die gcängstigtcn Pferde dcn Nagen und das Geschirre. Da blieb er lange Zeit anf dem Wege stehen nnd wartete bis sich die Vilen entfernten. Nun lenkte er einen Seitenweg ein und kehrte heim. Er erblickte noch zwei Vilen, die saßen unter einer Linde, kämmten sich die Haare und sangen. Etwas weiter stirs; er auf ihrer fünf, die wuschen Wäsche.

Neza Barjanouic aus Didina Nika, in Pleternica verheiratet, erzählt, sie sei einmal im Sommer (1887) mit ihrer Schwägerin unterm Nnsöbaum im Gehöfte gesessen. Oberhalb ihres Heimes befindet sich ein Hügel. Wie sie da sitzt, hört sie auf einmal auf dem Hügel ein Tanzen und Singen. Plötzlich erhebt sich ein Wirbelwind und stiebt durch ihr Gehöfte

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126                                Tie ucrcimgteil Königreiche Kioalicn und Tlavonien.

hart an ihnen vorüber. Beide erschraken gewaltig, und während sic noch hin- und herricthen, was das wohl sein könnte, blickte ihre Schwägerin zufällig aufs Dach hinauf, siehe da! auf dem Dache sind Vileu. Sie sagte zu Theresen: »Schau mal, Schwiegertochter Thcrcsc, wie Vilcn auf unserem Hause Reigen tanzen!« (»3I0 nevo K020 äi vilo n«, niV6«nnl krovn i^r.'iju!«) Im selben Angcnblicke verschwanden die Vilen. Beide Francn haben das (zweite) Gesicht. Sie gehen häufig früh morgens in den Wald und haben Gelegenheit manches zn sehen, was nicht geheuer ist (koje«ta ualaze).

Der 80jährige Opankenmachcr Koprivcevic in Pleternica schrieb mir am 25. April 1887 eigenhändig folgende selbstcrlebte Nlengeschichtc: »Vor vielen Jahren in alter Zeit gieng ich mit meinem Großvater ins Gebirge. Es war spät im Herbste, und ich half ihm die Ochsen in den Zwetschkengarten auf die Weide treiben. Aus der Ferne vernehmen wir, wie sie mit Prackern pracken, sie waschen Hemden (i ix äalßka (wjoiiw lupHju 8 prai/akovi Ico^lch'o pern); je mehr wir uus ihuen uäheru, desto lauter wird das Geprackc. Schou wollteu wir aus Furcht zurückkehren, doch fassteu wir uns ein Herz (ali 8N0 8s opet oglodoäili) nnd kamen ihuen auf drei Klafter in die Nähe. Es wnschen ihrer Zwei Hemden. Wir boten ihnen Gott zum Gruße an. Die Zwei aber richteten sich anf, hiengcn sich den Pracker rückwärts an und ließen die Haare bis zur Erde herabwallen. Als wir ein wenig weiter gegangen waren, sprach die eine zur andcreu: „Was solleu wir ihnen anthun?" („8to ("-6M0 njiwa?"). Sprach die andere: „Nichts, weil sie uns Gott zum Gruß angeboten, dafür lassen wir sie unbehelligt" („niöta Mi «u LoFH nÄ2va1i-M ^im no <5em0 uiöt"). Hierauf begaben wir uus in den Zwetschkeugarten und legten uuö unter einem Zwctschkenbaum nieder. Und der Großvater schlummerte ein wenig ein. Da packte es den Großvater bei den Haaren und begann mit seinem Kopfe an den Zwetschkenbaum anzuschlagen. Wir sprangen aber rasch auf und flüchteten in den Keller.«

Treueste und zuverlässigste Freundschaft in Leid uud Freud Zum gegenseitigen Beistand wird beim südslavischcn Baucrnvollc äußerlich durch Ab-schlicßung einer Wahlbrudcrschaft (Pobratimstuo) oder einer Wahl-schwcstcrschaft (Posestrimstvo) zum Ausdruck gebracht. Es liegt nahe, dass cme Vcrschwistcrung mit so viel vermögenden Wesen, wie die Vilcn es sind (vilovsko posestrinstvo) als gar kostbar und vorthcilhaft erscheinen muss. In den Sagen uud Heldenliedern (Gu^larcnlicdcrn) ist jeder hervorragende Held mit den Vilcn vcrschwistcrt. Wie man aber diese Verschwisterung erreichen kann, das war mir so gut als jedem anderen südslavischcn Schriftsteller unbekannt. Ein derartiges Geheimnis gibt das Volk nicht so lcicht dem Frager preis. Mein altes Mütterchen hat es doch crfahrcu. Das Stück ist überaus wertvoll, es wiegt ciu Buch auf, dieses Zeugnis eines uralten Cultes

Vultur und Nollsthum.                                                      127

in bcr unmittelbaren Gegenwart aus dem Volke geschöpft, der schlagendste Beweis, dass der Cult noch besteht. Ter Bericht ist vom 28. Februar 1888.

Will eine Person mit den Vilcn Wahlschwcstcrschaft eingehen (8 vilamu 86 po^triti) so muss sie sich folgende Dinge zu verschaffen suchen: einen Pferde-Huf, ein Stück unterm Pfcrdchuf herausgeschnittener Haut, desgleichen wenigstens je zwei, drei Haare aus den Mähnen, aus dem Schweife und vom Kopfe des Pferdes; ferner mnss sie sich einen neuen Birkenrnthcnbcscn, mit dem noch nicht gelehrt worden, anschaffen, darf aber beim Kauf des Besens nicht feilschen, und zuletzt mit etwas Pfcrdcmist sich versehen. Dann muss die betreffende Person am nächsten Sonntag im Neumond vor Sonnenaufgang im Gehöfte oder im Hofe um sich herum einen Kreis auskehren und in die Mitk' des Kreises den Pfcrdehuf und alle übrigen vom Pferde entnommenen Dinge hinlegen und barhäuptig, fo Mann als Frau, mit dem rechten Fuß auf den Huf fich siclleu, die beiden Hände mit den Flächen gegeneinander ^nsammenfalten, dreimal kräftig zwifchen die Handflächen hmcmhuucn (>Hn<-Nufe ausstoßcn), dreimal sich sammt dem Huf um die eigene Achse nmdrchcn und den Spruch hersagen:

^o^tlin? vile! ja va-, traxim prsko äevet po^a, prsko äevet livaäa, preko äevot voä», proko äovot ^mua, preks äevot ^ora, preko äovot kamoniti planina. i äevet ^raäin-., <1a di k mem äo,;io, äa 8« .>, vama

N0868tliw!                                                        ^ „^               ^, ,.        „^

(»Wahlschwestcrn Vilen! Ich snche ench nber neun Felder, ubcr neun Auen über neun Gewässer, über nenn Wälder, über neun Berge, über neun felsige Hochgebirge uud neun verfallene Burgen, ihr sollt zu mir herkommen, damit ich mich mit euch verschwistcre!«)

Sobald die Vilen erscheinen, spricht die beschwörende Person:

»?()8e8trin6 vile! 8:»t »am V28 na^I» i «at «am va?a ii«8e8triea vila!«

(»Wahlschwestcrn Vilcu! Jetzt habe ich euch gefunden und nun bin ich eucrc Wahlschwcster Vila!«)

Tic Bcschwörcrin haucht wieder dreimal in die geschlossenen Handflächen und fährt dann fort:

»?l>8yLtrin6 vils! duäit« nü u pomoüi kaä^oä va» duäom «vala, oua 5to di lall» «,^-l nii Wille u ^nmo6i!

(Wahlschwestern Vilen! Leiht mir eueren Beistand, so oft ich euch anrufcu werde. Es soll diejenige (erscheinen), die ich gerne zn Hilfe haben möchte!«)

Hicranf muss der Beschwörende sagen, was er im Leben am Liebsten haben möchte, der beschwörende Mann bezeichnet das Mädchen seiner Wahl, die beschwörende Frau nennt den geliebten Mann (Sreüu). Zum Schluss des Wunsches muss der Beschwörer noch sagen:

(»Wahlschwester Vila! Ich beschwöre dich beim lebendigen Gottc und den Wahlschwestern Vilen, dass mir jenes zuthcil werden muss, was mir von aller Welt Anbeginn gebührt!«)

Unter dem »lebendigen Gott« ist die Sonne zu verstehen.

Die Wahlverschwisterung mit den Vilen hat nicht selten zur Folge, dass der aufgenommene Mensch nach Belieben in ein Thier, z. B. in ein Pferd oder einen Wolf sich verwandeln uud viel Unheil stiften kann. Die Zauberer und Heilkünstlerinnen berühmen sich durchgeheuds, ihre Kenntnisse und ihre Macht dem Umgang der mit ihnen verwahlgeschwisterten Vilen zu verdanken. Von der Verwandlung einer Frau in einen Wolf erzählt Toma Milinkovi6 in Pleternica folgende Geschichte, für deren Wahrheit er sich verbürgt, Zumal er die handelnden Personen Aug' in Aua/ gut zu kennen vorgibt. Zu Trapari lebt ein sehr reicher Mann, der besitzt eine große Herde Schafe, über die er zwei Hirteu bestellt hat und sechs Hunde. Jeden Tag erschien urplötzlich ein Wolf. fraß einige Stück Schafe bei Putz und Stengel auf und verschwand wieder, ohne dass ihn je einer hatte sehen köuneu. Der Hausvorstand wetterte immer, weil die Schafe abgiengen; denn schon waren drei Viertheile von der Herde dahin. Endlich wurde der Haus-Vorstand ganz zornig. Jemand aber sagte ihm, das wäre kein wirklicher Wolf (äa to nijs pravi kurM). Der Hausvorstand soll mal zeitlich morgens aufstehen und die ganze Bekleidung, von den Opanken bis zur Mütze, verkehrt (umgewendet) anziehen, dann die Schafe znm Bach hinabtreiben, damit sie weiden, selber aber auf einen Baum hinaufsteigen und abwarten; also werde er in Erfahrung bringen, wer denn eigentlich dieser Wolf sei. Der Hausvorstand befolgte den Rath. Als es um die Mittagsstunde war, kommt dir da ein altes Weib aus der Nachbarschaft mit einem Kübel auf dem Kopfe hergestiegen und schöpft Wasser ein. Darauf legte sie sich auf den Rasen hin, schlug kopfüber drei Purzelbäume, verwandelte sich in einen Wolf, packte den feisten Leithammel, der schon vier Jahre alt war und fraß ihn auf sammt der Wolle, den Gedärmen und den Klaueu. Der Mann wollte die Alte vom Baum herab zusammenschießen, doch besann er sich eines Besseren, denn als er das Weib erkannte, fand er es für rathlicher, sie iu ihrem Hause durchzubläuen. Nachdem der Wolf den Hammel aufgefresseu, schlug er wieder drei Purzelbäume uud verwandelte sich Zurück in das alte Weib. Sie nahm den Kübel auf deu Kopf und kehrte heim. Nuu stieg der Mann vom Banm herab, gicng dem Weibe nach und begann sie furchtbar zu schimpfen und wollte sie gar in ihrem eigenen Hause ans dem Gewehre erschießen. Als die Söhne des alten Weibes davon erfuhren, was ihre Mntter treibe, prügelten sie dieselbe schrecklich durch, dass sie sich kaum mehr

(»Posestrimo vilo! ja te zaklinjem živim Bogom i poaestrima vilama, da mi mora ono biti, žto je moje iskonje!«

128                                 Die vereinigte»! Königreiche Kroatien und Slavonien.

Cultur und Volksthum.                                                       129

rühren konnte; und von der Zeit ließ es sich die Alte nimmer beifallen, sich in einen Wolf zu verwandeln und fremde Schafe aufzufressen.

Die rein menschliche Frauennatur der Vilen zeigt sich deutlich in ihrer unersättlichen Rachsucht wegen verschmähter Liebe. Die nachfolgende Sage ist mit jener allerweltbekannten von dem Bürschlcin, der das Gruseln nicht kannte, in eines verschmolzen. Der Ausgang muss in unserem Falle zu Ungunsten des tollkühnen Menschen ausfallen; denn statt der üblichen Gespenster, wicdcrauferstandener, körperlosen Todten, erscheinen die Vilen als Nachegeister.

Es war einmal ein Magyare, der war cin so schöner Mensch, dass man sich seiner gar nicht satt schauen tonnte. Eines Nachts trugeu ihn aber die Vilen davon und lehrten ihn zwölf Jahre hindurch tanzen (igrat), doch er konnte nnd wollte auch nicht tanzen lernen. Am ersten Tag des dreizehnten Jahres nm elf Uhr vormittags entwischte er und gelangte in einen Wald und verkroch sich hier in einen hohlen, großen Eichenbaum. Als es um die elfte Stunde nachts war, kamen plötzlich die Vilen als Wolke (als wie eine Wolke? Im Texte einfach: ai 6w iäu vilo kao odwk) hergezogen und fahndeteu nach ihm. Sie riefen ihn: »Komm Liebster (Dragane!) zu uns. Sei ganz ohne Furcht!- Er aber wollte sich gerade nicht anmelden. Als der Tag anbrach, machte er sich wieder ans den Weg und kam auf eine Wiese, wo Hirten Schweine hüteten. Er bat sie, sie möchten ihn vor dem Unglück bewahren. Sie gaben ihm zu csseu und zu trinken. Darauf legte er sich in der Mitte nieder und die Hirten lagerten sich im Kreis um ihn herum. Als es gegcu zwölf Uhr uachts war, erschieueu die Vilen wiederum uud riefen ihn neuerdings, er follc sich ihnen zugesellen, doch er trotzte ihnen fortwährend nnd mochte ihnen wirtlich nicht folgen. Als cs Morgen wurde, zahlte er den Hirten cin hübsches Geld und zog weiter fort und gelangte in cin Wirtshaus uud bat um cm Nachtlager. Antwortete der Wirt: »Bei Gott, ich kann Sie nicht aufnehmen, denn ich habe nur eiu Zimmer, doch wagt sich niemand in dieses Zimmer, denn wer noch drinnen übernachtet ist, keiner hat mehr lebendig den anderen Tag erschaut.« Darauf sagte der Magyar: 'Ich habe gar keine Furcht; geben Sie mir nur genug Rauchtabak uud drei Kerzen nnd stellen Sie mir in die Stnbe einen Tisch und Sessel hinein und cin Päckchen Zündhölzchen. Ich werde Sie schon zu befreien wissen von dieser Furchte So zündete er alsdann die Kerzcu an, setzte sich hin und ranchtc. Gegen zehn Uhr nachts erschienen plötzlich die Vilcn, das ganze Hans dröhnte und schepperte. Als sie kamen, riefen sie ans: »Aha, jetzt habcn wir Dich erwischt!« Und da trugen sie ihn fort nnd er wurde selber zu einer männlichen Vila (povilijo se). Später kam er allnächtlich zu einer Frau und drückte sie so lange, bis sie daran starb.

Jene Tänze, zu welchen auserlesene, wahlocrschwistcrte Frauen Zntritt haben, halten die Vilen nächtlicher Weile ab. Die Theilnchmerin darf die

llrauss: Kroaücii >md Slavonien.                                                                            9

<>,^                                 Tic oercmiglci! ,Nönil!«iche Kroalicn »»d Zlaoonicn.

Sache nie verrathen, sonst kostet es ihr Leben. Ein bekannter Tummelplatz der Vilen und ihrer menschlichen Wahlschwcstern war der Berg von Pod-borje bei Darnvar, den wir anf S. 11 im Vilde bringen.

Im Dorfe Trcnovci lebte eine jnnge Fran von fünfundzwanzig Jahren, die pflegte allnächtlich, sobald ihr Mann einschlief, mit den Vilcn herumznschweifcn (ona, di «a vilama oäala). Einmal erwachte der Mann, fand aber sein Weib nicht vor nnd blieb wach, bis sie ums Morgengrauen gegen 3 Uhr früh, heimkehrte. In der Frühe fragte der Mann: »Weib, hast Du Dich ausgcschlafen?« Sie antwortete: »Bei Gott nein, ich habe die ganze Nacht schwer nachgedacht!« In dcr nächsten Nacht zog sie wieder fort mit den Nilen. Der Mann blieb die ganze Nacht wach. Als sie gegen drci Uhr morgens heimkehrte, fragte sie der Mann gleich, wo sie gewesen. Sie wollte ihm aber gar keine Antwort geben, und bis znm Morgen war sie gestorben.

Was einmal in den Besitz der Vilen gelangt, ist für die Menschen verfallen. Indem man also ein nnbcqncmcs Ding an die Vilen wegschenkt, wird man seiner gewiss für immer ledig. Eine Bänerin erzählte meiner Mutter: »Wenn mein kleines Kind, die Kalhrcin, viel weinerlich ist ipid Nachts nicht schlafen kann, trage ich es abends, wenn die Ninder heimkehren, vors Hans, gebe dem Kinde einen Schwung und spreche: »Lo/o pomo-i i F08po! ^eni vil.-l, »vo^a sina, xove I5aw u Zvatavo, Xata no co äa iäß, ve6 Zahe plai- 8voj.« (»Hilf Gott nnd Dn liebe Fran! Die Vila verheiratet ihren Sohn und lädt Kalhrem znr Hochzeit ein. Kathrcin mag aber nicht gehen, sondern schickt ihr Geweine hin!«) So kriegt mein Kind das Weinen los.«

Durch den Einfluss mittelalterlich westeuropäischen Volksglaubens sind die holden Lichtgcstalten der Vilen bei den Kroaten mehr als bei den Slavoniern zu Hexen (VjeMce) entartet. Wie die deutschen Hexen auf dem Blocksberg, haben die kroatischen ihren Sammelplatz anf dem Berge Klek bei Ogulin nnd auf der Ivancica-Höhe bei Kreuz. Die Hexen fahren anf Nussschalen, reiten zu Pferde verwandelte Menschen halb zu Tode, sind des Teufels Buhlinncn, fressen den Menschen das Herz aus, stehlen Milch-nutzen, erzeugen böse Unwetter n. dergl. Das Statnt von Poljica enthält die Bestimmung, dass man Hexen foltern, und falls sie nichts eingestünden, verbrennen soll.

Die Kroaten glauben anch an einen nächtlichen Quälgeist Mora, welche der Mar oder Trut oder dem Alp unseres Volksglaubens gleich kommt.

Weit verbleitet ist der Glaube an die Pcstschwestern (Kuga, Mehrzahl: Kuge).

Die merkwürdigste Gestalt des Volksglaubens ist die Göttin des Glücks Zlsö a, welche auch ein Gegenstück in der ^68re6a (Frau Ungelücke) findet.

Vullur und Vollslhum,                                                      1Z1

Tas Volk glaubt auch an Schicksalsfräulein oder Norneu. In Slavonien heißen sic Sngjenice, in Kroatien Rodjenicc (Geburtsfräulein). Sie erscheinen meist drei an der Zahl als weißgekleidete Mädchen in mitternächtiger Stnndc an der Wiege des Kindes in dessen Gcburtsnacht und bestimmen seine Lebensjahre, seinen Beruf, ob es einst reich oder arm sein nnd wann und wen es einmal heiraten werde.

Fchluspworr.

Der knapp zugemessene Raum beißt mich abschließen. Übrigens, glaube ich, wird hier für den verständigen Leser genug Anregung zum Nachdenken dargeboten. Kroatien und Slavonien haben ja eine ausführlichere Schilderung als jedes andere der Länder Österreich-Ungarns in dieser Sammlung erfahren. Ferne von der kroatischen Parteien Guust uud Eifer lebend, und doch durch meiuc Studien in steter Fühlung mit dem Volke, dessen Seele zu erforschen ich als meiue Lebensaufgabe betrachte, konnte und durfte ich immer, nach bestem Wissen und Gewissen der Wahrheit allein folgen. Möge man diese Schilderungen gut aufnehmen. Der Nolksthumserforscher stellt die Erscheinungen des Volkslebens fest und sucht sie zu erklären. Beschönigen stünde ihm schlecht an, würde ihm auch nichts frommen. Es sollen nun diejenigen, in deren engeren Wirkungskreis es fällt, dazu schauen, wie sie das Gute uud Schöne im Volke erhalten und fördern, das Böse und Nach-theiligc aber durch mehr Bildnngszufuhr ausmerzen können. Nicht die »kroatische« Politik, sondern die Volksbildung wird die Zukunft Kroatiens und Slavoniens bestimmen. Mögen es sich mcine Landslente gesagt sein lassen: nicht ilirc Politik und nicht Grohrednerei, Arbeit und Bilduug machen das Volk frei, doch allererste Bedingung ist: Treue zu König und Reich!

Bur Aussprache der slavischen Warte.

C entspricht immer dem deutschen Z, 3. B. cigan — Zigeuner, cintrlica —

Zündhölzchen.

L -^ tj oder tj als eine Lautverbindung (Schnalzlaut), die durch Anschlag der Zungenspitzen an den Obergaumen erzeugt wird. b — dem Deutschen tsch, z. B. in rutschen, Kutsche. S immer scharf auszusprechen wie im Deutschen fs oder ß, z. B. in reißen, Straße,

Gasse.

§ — wie im Deutschen sch, z. B. in rasch, Gebüsch, Wafch-Schüssel. 5 -- ein Zischlaut dem 8 verwandt. I wird wie das Zeichen g in französischen Wörtern vor i und t ausgesprochen, z. B.

Gilet — ^ile (die Weste), oder auch wie j in jour (der Tag) — iur. ^ — cin dem i verwandter Zischlaut. Oj wird als ein Lautcomplex durch weiches und schnell abbrechendes Anlegen der

Zunge an den Obergaumen erzeugt. Verwandt ist dem gj der Lautcomplex di,

z.B. otadibiua (Vaterland). Manche schreiben otagjbina, die Kroaten in

der »Schrift« auch otaöbina. 3t zwischen Consonanten ist ein Halbvocal und kann als solcher auch der Träger des

Haupttons im Worte sein. V vor und zwischen den Vocalen ist gleich dem deutschen W, z. B. voda — woda

(Wasser), navada — uawada. Vor harten Consonanten und im Auslaut wird

v gleich f ausgesprochen.

Jedes mehr als einsilbige Wort hat mindestens zwei Accente, einen Haupt-und einen oder zwei Nebenaccente. Der Accent ist in der kroatischen und serbischen Sprache (namentlich in der Volksdichtung) von geringer Bedeutung. Fast jedes Dorf hat seine eigenthümliche Accentierungsweise. die man nur im Umgänge mit den Leuten erlernen kann. Accentrcgeln hier anzuführen, ist sachlich nicht geboten.

üc 8 istc r.

(Auf der mit ^ bezeichnete» Seitenzahl befindet sich dic bezüglich? Abbildung).

2lbba;ia 29, 51*. Abschliehuog einer 23al>l-

biuderschafi mil Vilc»

127, Abwechslung im Aclcrn

100,

Ab)ug der Huiten 5,3, Achse, um die eigene, sick

dreimal iimdiclicn 127. Ackerbau 53, 98, 99. Acterbauichule ül. Acterbeclc 97. Ädami«- molo 29.

—  Platz 29. Adel »I», 64. Adeliger , «3, 64, 74. Adrapovccn 71.

Abria 27, 37. Adriatischc« Meer 52. Aduentzcit 108. Llcllcslc des Hauses 119. Aclieslcr Vorstaxd der

Hochzeit N2. Acauinoclialc oder Herbst-

u»d Frülilingsrcgcn 46. Aga von Nibuit 3!», »lgram 2*, 5. 25*. 12, 22,

bl,

—  Gebirge , 22,

—  (^eichicht^schrciber 53.

—  Ztrasze 20.

—  Turnverein 24. Aaram-Narlslnbtcr Aay»-

linic 25. ?l,an X», Aladcmic, lübilaviichc 2-«,

5l.

Alane,! 53. '.'llbancsen 53.

—  lmlwlilchc 69.

—  »öchrifi ftl. Alüouic! 1V. Älma^ l<. AImo 5»!).

slip, der I3l.

! Alpe,! 52.

l — -Gcbicl 5.

, — -Kliina 4

^ Altar 1

> Altgläubige lN7, vcrg!.

' Tcrbcn.

?!llcrtl,!lm 10.

'.'Ili-Orabi^a 12, 13, 4«.

HUtscrbischcr Held 23.

Al!in)ischc Sprache I».

Altrömische!i.>tuniclpicn 55.

3ll

Alt-Vazva 7.

Alt-Tlaillnmc» 7.

Aloa !'l.

Amci'ila ^!».

Amulcl IU. 1l5.

AndVainn aller Welt 12«.

»Anbinds»« an dcu Psiug 100.

Andreae U0. ! Angjclar 5l>. ! Anl,öl,m 1UN, 123. ! slnjou, Karl Robert von ! «0.

^ Anlliv liegen Ionne»-! ulna,«»,, richten li7. ! Antonind. lieil. 118. ! Ansiedler «5, 98.

'.'Ipfel lü, Nil, 114, 122.

Apr!tose 49,

Apside 15.

! «rmbanb 48.

Armenscelenillss 104.

Arbcil und Bilduna 13l.

Archlietlur 16.

Arlc» (5rnojco>6 66.

Alsia 52, ! Llr^an 17.

Arvllt 53.

Asiatischer Aollcrlicerzua 53.

Asialische Völlirwan» derung l7.

' Aschermittwoch !07.

Attila 53. ! Illtischc Säule 16. ' Auaustils 52,

Anferste!,!»,« 107.

Aüfaelöstce Haar 106. ^ Anflösung der Militnr-! grenze 72. ! zlufichreie der Nilen 113. ! Aufstand «4.

Ansbcuninn des Bauernstandes !>3.

AuZnesloßencr 17.

Anzsaat 102.

^ Nntziprache der slavischen , Woric 132.

Autonomie 51,

Ävaren 54.

Az (Büchstab.'nnamc) 8l.

Naba III.

Aaboniö 26.

'Vad« (^ Stichel) 103.

Bad 10. — siir ilranle 115.

Badedranch 22.

Vaden 10, 10

Vadnjal IU3.

Bären bura 22. , Bag 47. ! Vaalama 88. ^ Vajalica il5.

Vajanja 115.

Balar 27, 33. ül.

Vallanhalbinscl 5, 37, 62.

«an 54, 55.

! — al« Obcicapitän 67, l — Horval U1. ! — Peter 5».

-------Doj'-in 61.

-------2va<'i

Vanalnrenzc N7.

Bannt 5,

Bannspruch gegen Wölfe ! 10».

Barjaltar 112. , Barjanovil' Neza 126.

Baitliolomäus v. Räuber , N4,

>  Basilicum 9l.

>  Basilika 16.

' Vasili?le»l,aus 64. Basil,us 56,

—  II. ü8.

Va^la, Inschrift von 82,84.

Va

Bauer 39, 63, 45, 48.

Bauernaufstand 64, ^ Bäuerische Adelige 12. ! Bauernregel 100.

Vauopfer 65.

Baumstamm zu Weih-! nachten 10».

>  Neamienschaft 24. Vcdnia 13.

—   ^lüszchen 2.». Nlfc!,Ill,aber 54, 55.

! Äcg Mnftaibcg 39. l Begräbnis! I2i. l Bc,iic/., 10 17.

Bcla 1!». 60,

Bc!asi-,>!l>uen 75, , Belgrad am wiccrc 59.

Belgrader Frieden 69.

Vclochrobatoi 53,

Bclovar 6, 51,

Bencdictiner-Abtci 10.

Bcocinc 9,

Beratliung 55, ! Bergbau 50. ^ Bergfcuer 106.

>  Bcrgaeist 42. ^ Berniee 16.

! Beri^ Iulla 124. ! Bcsicdclung 6.

—  der Lila 6«, Beinchcr am Weihnachtl-

>ag« 109. Vestieueu mit FeldflUcht

119. ! Besanovo 9.

136

Rcglst«.

Beschäftigung d.Vilenl23. Betriebsamkeit der Juden

49.

Bettellieder 87. Aellehem 110. Betstuhl des Despoten

Vul7.* BevöllcrungvonK. u.2.5

Bezauderung 108. Bezirk 5.

Bibelübersetzer 5«. Bibliothek 9 Bienenzucht 50. Bijela sjetva 104. Nildenvand ?. Bildnisse der Herr,cher

Oesterreichs 9. Binnenhandel 50. Bisclwf Paul Horvat «0.

—  ThcodosiuZ 56.

—  von Spalato 58.

Bistiica 13. Bittarbeit 97, 104. Bittgang 164.

—  um Regen 105. Nlasius Forgaö 6<1. Blaugarn 111. Blei 22.

Blcndgallcrie ie. ^ Blocklberg 131.

Blohe Erde, auf, betten 119.

Blumen 105, 10?, 111.

Bogovi« 77.

Boll« 1«.

Böhmen 7,

Nonifacius «0.

Börse 48.

Bora 32. 28, 47.

Boris 56.

Noina 55.

Bosiljal 91.

Bosnien 5, 52, 60, 62, S4.

Bosnische Schrift 35.

Bosnische und serbische Grenze 6.

Bosnisches GuZlarenlico 62.

Bosnisch - serbisches Gebirge 12.

BoZniaci 62.

Bosui 13.

Bllž,!6 108, 110,

Boiwno pleöe 102.

Nrana 98.

Brand 46.

Brandstück 116.

Brandung 30.

Branimir 55, 56.

Branloviö 7.

Branntwein 98, 96, 97, 98, 111 ff. 1!9.

Braelav 56.

Bratstvo 54.

Braut 111, 112, 112.

Nrazdionica 102.

Bregana 12, 25.

Brini 63.

Vrod a. Save 6, 12, 13,

14, 1?. Broche 48. Brot 111.

—  und Salz Il4. Bruch 117. Bruderschaft 54. Bründl 66. Brunnen 8, 41, 115.

—  ^asscrholcn vom 114. Brisant 39. 46. Brustleidendcr 97. Bruvno 39, 41, 42, 45. Borg Slankamen 7. Nuccari-Porto N6 30, 33. Bucht 5.

—  von Novi 37. Buchweizen 104. Budmani 78. Vugojno 68. Bürgerkrieg inSüdungarn

Buka'ra 101.

Vulovo 27.

Vulvica 85.

Nuty 81.

Bulgaren»Kaiser Simeon

! Bulgarien 84. ! Bulgarischer Fürst Boris 56.

Vnlin 84.

Bunda 91.

Bura 47.

Burg 9. 56, 61.

Burgherr 10.

Burgruine 41, 68. I Burg von Vclita 9.

Burschenschaft 24. ! Buschklepper 41, 61. ^ Vuschwäldcr 46.

Büsten berühmter Kroaten

23. ' Buße 107.

Nutiünica 37.

Butko?iö Manda 1l6. , Byzantinischer Goldduca-ten 84.

—  u. gothische Form 15,

—  Kaiser Basilius 58. ,-------Justinian 54.

—  Gouverneur 56,

—  Stil 7. Nyzanz 56.

(Illlenä.'ve 105.

polje 12;

! Capilanale der windischen Grenze 65,

Capital l6.

CapilelZulatz 24.

Carlobag 46. ! Castello uecchio 34.

Cllttara 6.

Charakteristik der kroatischen Literatur 77.

Chardonnerstag 108.

Charfreitag 108.

Khar,nittwoch >N8. Chemilalicnfabrik 29. EhemlschcsInstilnt 24. Chinesen 121, Chiozzolischt Barke 30. Christenthum 155, Christi Himmelfahrt 105. Christus, s. ^esus. Chrobatos 53. Chrowoten 67, Cigani 17, l3^!. Cigarrcnfabrik 2i. Ciginouac 45. Cincari 48, Cillvenica 27. 37. Öitru8 nuslliitluin 47.

Claudius II, 29. ColapiS 52. Colonia Äclia 52. Compagnie-Suvez 99. Concil 57. Constant,» der O. 52.

—  Porvhyrogencta 53. Conirada - Oasse 36. Corrcclionsanstalt 22. Corso 27.

Corvinus 6l,

Crüa 100.

Crez 30.

Crniiü 84,

Crni vrh 14,

Crno iezcro 45.

Crnojcvi« Arsen aa.

Ertllti 100.

Crv ^ Scrovlielu H7.

Csalatornya 20.

Cultur 50.

—  der alten Kroaten 85ff. Curorte 33. Cvijelnica 107. Cyvrcsse 36.

Cyrill und Method 16. Cyrillica-Schrift 8l. Ü 132.

s!a-Svrache 39. c'allistcn 70. Hajo 112. öakovec 20. ^lllma 3. s!arbolcnvlllk 66. l'!auü 112. ^ech 54. hecken 7, 54. ^ernec volje 13. <'!e?ma 8. s!esnica 102. « 132.

^a-lll ^i Rufe. Halali 103, l^ejuan-aga 40. öurak 91.

Nabi^'a 61. Dacien 52. Dalja 14. Dalmatien5,52,53.57,102.

! Dalmatinische« Vanat 55.

Danica 110.

, Daruvar l». 47, vergl. ! Podoorje. ! Demetcr 77. ' Demetrius Ivonimir 53.

Despot 7.

Teutsche 7, 13, 63.

Deutsch und üalienisch 27.

Deutsche Ansicdlnngen U8.

—  Bancvnlolunien 9.

—  Bevölkerung 14.

—  Cultur 50.

—  Qrischaft !0.

—  Sprache 50.

—  Theater 20.

—  Verkehrssprache 24.

—  Voltstraft 10. Deutscher Arzt 45.

—  Jude aus Ungarn 50.

—  Kaiser 62, Dev 18. Tidiua 55.

—  Nika 126, Dienstags tinder 124. Tinarische Alpen 6. Tivan 94. TjaloUllr(— Djalovo) l2

14, 15*. 61. Dicdina 55. Tjcver 112. Dnopolje 104. Dobra 39.

Doctor (— Arzt) 115. Doge von Venedig Or-

seolo 57. Dojüin 61, 62. Doljani 10. Doljni 39.

—  Karlovci 9. Domogoi 55, 56. Donau 7. Donaumündung 52.

! Donauniederuug 13. ! Draüica 34.

Draga 25, 27.

Traganja 103.

Drangeld 111.

Dra^kovi^ 22,

Trau 17,

Draugebiet 6, 12, 13,

Trauniederung 46. l Drei 109, 113, 116, 123, ! 130.

>  Drehstock 46.

! Drillusflützchen 52.

! Drina — Drinus 52.

j Drohungen 107.

^ Trliaca 98.

! Druckereieu für die Gla-

! golica 84.

' Drvi^-agll 10.

z Dr/islav 33, 57,

Dubota, englischer Parl in. 10.

Dutale 58.

>  Duda« 90*, 112. z Dude 90.

Dudelsack 90, 106, 112.

Negist«.

137

Durchfuhrhandel 50. Durchzugsbaltcn 113. Dürre 105.

Ei INI. 105, 109. Gierpectcn 108, Vichel 4!».

Eichenwälder 47. 129. Einnahme von Wien 23. Tinseanuna vo» Feld-

früchte» 107, 1U8. Vinzelnwirthschaf! 55. Eisen 22, »8. Eücnbad 47. Eisenbahn 5(1. Nisenbahnbrücle über die

Save nach Bosnien 17. Eiienacgcnslänbe fiir's

»kranlenbad 115. Eisenletie 112. »tilenkie« 50, Eisenihroil «4. Eilail i<>3. Elbassan «l. Eldorado 14. Elfen 123, Elisabell, 60, Elisabeihplalj 29. Nljdll IN4. Ellernheim 113. Eminovci (-- Einin^dorf)

Entehrende Strafe »9. Eme» 109.

Nabflusse 62, Epirus 52. Erdäpfel 50, W4, veral.

Grnnbbirne. Erdbeben 24, Erdeoil 9. E-rdloct, «. 17, Vrnle 102, Erntelieder »04. Eruenica 13. »r, 22. Erzherzog Ferdinand L6.

—  Franz 13.

—  Ludwig Salualor 3».

—  u.Kronprinz Nudolf5, Esplanade 21.

Essega 1", l3, 14, 51,

52. ,!2. Essen 97^

lttruölischellmiqnitäienlil», Gvangeliuin 42. Elporlhandel 27, 4».

Faljem fiir Faljen 114. Fall« 24. Fallcnhorst !N<>,

FeindlicheMoliauüneda»»

3l). Feld- und Festgtbiäuch«

1U4. Ferdinand, Erzherzog 62,

—  I.

Feinkorn 22. Festtage 97.

—  Zahlung nach 100. Festung 17. Fetischismus 121. Feuchtigleil3-Verhältni„e

4L.

Feuerslätlen 106, Fiale Kl. Fichte 114.

Fiebercur 10.

Fische beim Tobtenmahl

121.

Fischer-Ebene 13. Fiscu« 54. Fiume 5. 25, 27, 28*, 30,

33. 3«. 4«, 47, 5l. Fiumancr Comitat 27.

—  Golf 32 Fiumera 27. 29. Flachland «.

Flammendes Schwert 42. Flieder, spanischer H». Fliederrülhchcn 107. Flölenbläsei 18.

Flora Kroatiens und Slavoniens 47.

Flurendämon 105.

Fluhdclia 55.

Flühchcn Lita 39,

Forgaö UN. 61.

Francavilla 7.

Franssipani 26, «4.

Franle» 7, 5«.

Franlenland 53.

Franlopan 20, s. Frang!» pani.

Frankreich 57.

Franz Josef I.. 39,74,75'.

Franzi«caner 29.

—  -Kloster 17. 20. Franzose 49. Fraozösischc Actiengeiell-

schaft 15.

—  Iwischenhcrrschaft72. F««c0'»'ld 3«.

—  Gemälde !»!.

—  Malerei 20.

Friede von Karlowiy 65.

Fro!ch(—eine Geschwulst) 110.

Froschmoor I«,

Frn«la goia U, «, 12, 13. 14, 19,

Flnütul 112.

Führerwesen 4U,

Fünflirchen 17.

Funrenstiebeu (als Symbol) 109.

Gajda so. Eajba^ IU5. Oaj Liudcuil 77, Oalovac 45, Galovaia 13. Gacla 39. Garselte ill, Gauran 61,

Gaviic Liza 111-Gebirge von Kamensko 9. ! Gebirgsausläufer 25. Gebirgteinöde 5. Gebirgsklima 5. Gebiraswolfe 123. Gegen-Ban «1. Geiger 105.

Geist, heil. 113.                  I

Geistige Lultur 50. Geistlichkeit 24.                   !

Geitler 81. 83. 84. Gelbliche Erde 7. Gelb prägen 85. Gemäldegallerie 23. General Laud 41. Genezarethfluß 118. Geographischer Lharal-

ter 5.

Georgitaa 100. 105. 106. i I«»- ^

! Georg 8ubi« 60.                !

Gera. St. 25. Gericht 10«

Gespannsäiaft 5.                 ,

Gespenst 106. 122. 129. , Gttreidehandels-Lommu- !

nitäten 70.                      .

Gelrcideland 49.                l

Gewihie «erzc 42. Geweihtes Wasser 106. , Gewerbeschule 51. Gewohnheitsrechtllcher

Spruch 100.

Giebeldächer 16.                 ,

Gjuuegijll 112.                    ^

Gladiator 63.                     !

Olllgolica 8l ><2*.

—  »Druck 83.                   l Glassabrit 10. Olasfenster 96. Glashütte 50.

Glavari 55.

Glina 39.

Olockenthunn 7. 1o. 33.

Gluha nedelja 107.

Glu^nica 107.

Glücksgöttin — Sreia. i Gojslav 58. i Goldbucate 33, l Gold und Edelstein 42,

Golf von Buccari Porto-«>' 33. ____Fiume 33.

Goliia 6.

Golubovac 19. ! Oonöin l«l, W2. ! Ooiazd 5«.

Gorica 26. ! Oorjanci 12, 25.

Goriansli «>.

Gospi« 39, 5l.                   '

Gosvodarlca IUI.

Gothen 53.

G°!l 18.

—  der junge i»s, s'ehe lebend. Gott.                  ,

Gouverneur von Kroatien nnd TIavonien 54.

Grabusat 122. Gralac 39. Gradac 17. Gradi»ka 13, 67. Giadna 25. Oiadinjslo jezeio 45. Graditi guoigja 98, Grafschaft Lita, Krbava

und Zvonigrad 66. Gianatbaum 47. Granica 6. Grammar! 67. Gräberfeld 27. Gibaua 6. Gldan Omer-aga von der

Krbava 40. 41. Gree 24. Gregor VII. 58. Grenzdistrici 38. 39, S2,

63, 64, 67. Grgetcg 9. Grii 20.

Grieche des Alterthums 52. Griechen 58. Griechische Antiquitäten

23.

—  Provinz 58.

—  und römische Kirche 26. Griechisch - orientalisches

Wönchsllofler 9. Grobniükovolie 27, 60. Groh-Hase 103. Großes Thor 34. Groß-Wardein 62.

—  slnpan 54. Grundbirne 50, 104. Gründung Karlstadt« 41. Gubec 63. 64. Gu»>:evec 22.

Guslar 40, Guslcn 86*. 88. Guslarenlied 9, 62, 66, 127.

—  der Serben und Bulgaren 23.

Ovoigje 99.

H. Aussprache 10. Habsburg 62. Hadrianus 52, Hafer 101. 104. Hajouken 30, 41. Halbcnllurvolt 53. Halbinsel 13.

—  von Istrien 33. Halilsdorf 10. »Halsschnur der Königin«

41.

Hammelbraten 121. Hanbwägelchen 105. Haramijc 65. Haruat 53.

Hasenscharte (Hrnjica) 40. Hausthiere sprechend 109. Hausuorstand 55, 97, 109.

119, 128.

—  als Vorbeter 107. Hauswiilhschllft 9L. Hauswirthschafterin 106.

138

ülcglsier.

Heerfola« für dcnNllcae»

fall 57. Hcerstranc 52. Heilquelle« 47, Heiratsacbraullic 110. Hcizuna^weise 96. Heldenlieder 127, s.

lareuliedcr.

Helena.St..dePodborieK». Herrcnlneipe n> Udbinc40. Hcrtlovci 70. Herceg-Bosna 5», 49, «l.

—  Mundart 3». Heu 10l.

—  einlösen 97. Helen >»«, N9, 130. Himmlischer Thurm 11?. Hirsche 123. Hochaltar 24. Hochebene der Lila 38. Hochgebirge 39. Hochnaiui 5. Hochland K', . Hüüigluckcn I2l. Haruai 53, 60. Horvll'-anin 53. Hospital 34.

Ho»os, Graf uon 23. Hohen 42.

—  der Gebirgtzziiac 6. Höhle 42.

HölzernerGlockenlhurm 7. Hinjica 40. Hünen 53. Hunnadi 61. Hülsenfrüchte IU4.

Ibis 13. Ikonostasis 7. Ilica 22. Illyrer 52. Importhandcl 4«. Inajija 9. Indische Feige 47. Individuum 55. Industlie 50. Iniceium 9. Insel 55.

—  Rab eo. Irig 9. IZlonje 123. Istrien 5, 52, 57. IstrianischeZ Ufer 30, Italien 57.

Italianisinc Kroaten 30. Italicniich 27. Italienische Sprache 50. Italienischer Meister 24. Iucim'ica 6, 19. Iuani^ 64.

Ivllnisti Krcö 106. Iuantovo 50. Ivan ot Senja 66. Iz lijeua 101.

Jagd 13. Jahrmärkte 87.

Iatti.' w. Ian»»erlla„en um V«r«

storlxne 12«. Janilschar «2. Jantouac lO. Iaiisoui^ io. Iapila i!', Iarit9. ^ Jara /iin 104. Ia«ta 25. Ie 22. 23". 73. Iclasi 13

>  Ieiiaia 112.

Jesus Lliristus 59. 107. ^ 117. ! Iezero 45. ' Ieioue^li ^cri 12.

Iobbad 10.

> Johannes VIII. 5ü. ' Iohanniifesl IU6.

Ioliannisfeuer 1W. ! Johannislicd 107. ^ Idj» Rufe 102. 5 Josef II. 22,

Josefislraüc 37.

Joualium 47.

Juden 27,48. 57. 58. 55. ! Iuuafrau, heil. 36, 107, ^ 117.

Justinian, fälschlich: ! Uprauda 54.

slaliufahrl int Fiumancr

Golf 32. Kaiseradler 13,

>  »taiser Ferdinand I. 65.

— Fran, Josef 3!). ! - Josef II. 22. ! — «arl V. «1,

Kaiserlani 63,

Kai-Sprache 77.

staling 126.

iialkgebirge 49.

Kaltsteinblock 34.

>illlo5cra 17.

Kalugierouo jezcro 45.

Kamena gorica 47.

Kameiissrad 9.

Kamenica 9.

Kamcnita gorica 38.

»tainensto 47,

Kanal nach Dalmatien 33.

Kanid^ci 39, 46,

>tapaia 111.

Karab/i.' Nut 77.

Karamanovci 10.

ilardiual und Erzbischof von Agram 24.

Karl V. 64,

Karlobag 59.

Kllllovac 25, 26, 29, 37, 39, 41, 51, 65'.

Karlovci 9.

Karloui« Ivan 41.

«arl von Dnrazzo 60.

Karmeuici 119.

Karmine 121.

Karpiancr 53.

Äiirslaebict 5>, 10. ,Narsislü«chcn 27. ss^rsifornialian 38. NarMner Boden 9«, ziascriicn Trcül« 7l. zualdu»gen >ü. ^«^.tll^tt, 105. Katholiken I«4, »05. 107. ziaiholischc ?llba»csen

—  Veuüllernnii 10. .«lll!)olici?!nn>> 56. ütaussalner uon Ncncdia5L, Kauana 7.

xeilerci 12!. «epcnic 9l. ztessclauibuchtuna 12. zkeüelformation 13. Kesselflicker I». xhevcnküllcr «8. Khuen Heberv»rn 74, 76». Kirche 9, 3ü, 56, Kirchenbesuch 10». >tirchenstrcitiaceit 50, 58. Kirchliche Zucht 107. Meine»! 56. Kliton 49. ülliuill 32, 46. 98. Mis 3«. ztlompir 50. Kloster Remcte 22. >«lcinr»ssiichc ilticdcruna

53.

KlutaK 53. iinezi 54.

zioc!i'>t»ha>' 85, 87. ltoiani Mltnruza 117. Kohle 50, 99.

— zu Beschwörungen 116, itolica 93.

—  ore^a 98. Kolcda 103 f Koledouanje 104, Kolll 94, 95, 106.

—  naopala 108. I2U. Koloman 59.

Komil' 41.

Komljcu barjaltar «6. Komljctinci 1l!>. Konstantin der Orohe 21. Konstantinovel 61. Koprcinitz - itoprivnica

64.

Koprivlcvi»: 126. Koralle 48. Korallcnschnüre 9!. Korana 39, 45, 65. Korenica 39. Korfu 32.

Korinthische Säule 16, Korizma 107. Korneltirschc» 107. Korun 50. KoscnzeZ 53. KoZtal 116. Kostajnica 72. Kostel 19. Kostobolja 116. Kovaö 99. ssozjaöa 25.

«tozial 45.

Nonia Andrea« N0.

—  «ela 60,

—  Kolmnan 59.

—  ^adiilauö >'. U»,ialu 62.

—  ^olhar 56.

—  Ludwig

—  Malth. <5oruin»« «,.

—  Eigmundv,ll,!aaru6l.

—  uon Vosnicn 61.

—  von Kroatien u. >3la» vonicn 57.

»Könia i.'jcljo< 105.

'Köniainncn. --»zlrallice« 105.

Königin Marie 60.

.«öniaslrone 29.

Krajina 6. ! Kraji^nici

Kralji^i» ajerdan 42.

«ralicva Velila 6l.

>tralieuice 34. ' »lalieuil' Marko 23. 95.

>trali Matia» 6l, 63».

>traliu/.c 9l,

itrapina 12, 19,20 22 54

—  .Thal 12, 47, Kra« 6.

Kräuter »5, I06. 115.

Klbava 6, 38, 39, 62 66 ! — -Feld 40. ! — -Mulde 4l.

Xivalo 1U2. ! Krcmcu 41.

Kreu, 51. 61. 118.

Kricssshauptmcmii 64.

«ricsimir I. 57. , — II. 58. ! Kri/ari 105.

»ri/euac 51, 6<. ^ Krlaihal 25.

Kroate 7, 13, 46 56 62 ' 92".                      ' '

Kroansche Gebirge 6, 12.

—  Sprache 50.

—  Zigeuner 17. Kroatischer Charakter 24.

—  König 54.

—  Stamm der3lavcn5L. Kroalijch-llllinische Grenze

12.

Krompir 50, Krone uon Kroatien 6l. Kronprinz und Erzherzog

Rudolf 5. Krönungseio K. Zvoni»

mirs 58. Kr« e. Krstina 117. «rtoli 59.

Krudija 6, 10, 14, 17. Krusedol 9. Krypta 16. Kudmen 91.

Register.

13!)

5iugll 112.

itul planina 40.

Nululjev!»: 77, 84.

ztull.i!!', 43, 104.

Kltta 10, 39.

«Nlpa6, 25, 26, 27,37, 52.

ilum 112.

Kume izgorila li lesa 113.

Kumpjeri 104.

«una «4.

—  gora 13. Kunslslrane 8, 37, 46. Kupa 12, 52. iiuplünn 25. Kupfer 22. zlnpserlics 5«. ilupirova 40. tturelac 77.

,'turiak 128. icurijak 41. >tu>ievo 17, 7l. «üstengebict »», 4S, 52, 55,

57, 59, «0, 102. Nliueidin9.

Lada 104, 105, 107. Ladielano von Neapel LI.

—  .Honig von Ungarn 59, 62.

Ladislau 55. Lagjarice I»>,',. Landes-Compaauic A!».

—  Musikschule 5l.

—  Verweser 64. Landing 5». Landwirth li«. Landwirthschafisschule 51. Lapac 39. 40, 45. Lasinjn 47. Lateinische LiNmrgic 57,

-^ Eprachc 57. Laicinischeslkreuz 15. Laüc 103.

Lcinbwcrk-Olnamcnt 16. Lanbou >l. Laudovgaj -li. Laufgraben 20, ^.»ui-i!« „«In!!!, 47. Lazaruttag 104. »Lebendiger Ooit« li?. »Lebendiges Feuer. 115. Lebe», socinlc?, in Ägranl

Leben«weis«de»Vauern!i3. 2tch 5:l. Lchrerinnenl'ilbnng» - A,,»

s!c>!i 51.

Leibcigcnc 5ü. 74. Leiche Hü. Leichfn-Leclc 122.

—  Hau« I2l. ^ Zna, iiü.

Lcinjame» n>!>. Leithagcliilgc 8. Legende 111. Lelenil 12. Lel!e 105. Lelio 105. Leliio 104.

, Lenlooic- Johannes 37. ! Leopold I. <>6. ! Lepoglavll 22,

Le^^c 47.

Lcvllll,U!>' 84.

LibnrnischeK Hochland 27, , 37. i Li« 27.

! Li^to volie 27, 45. ^ Liebster — Vmganc I2l». ! Lied ocr Nolcbari 10o, ! «ila

Literainr 73, 76 ft.

Liesanja 98.

Liubi<- Simeon 77.

Ljnlwii 56.

Lobelos 53.

«oniü 12. 22,

Lonisto volic l2. 13.

Lorbeer 47,

—  -Hain!!0. LoUiar 56.

^ London 71. Lovinjac 39. Ludwig 60

—  uon Baden 7. , Lui>' 17.

Luinica 12.

^ Macelj-Gcbilgc 22. Macin 42. Manila 60.

Madrider Frieden 3». Magxarc ill. 56, 60, 63. Magyarisch 27. Maa»aiisckcLsslcme»t5i. Mai« w. 4!», 104, 10'.».

—  -Kolben, beschworen mit 117.

Majiior ot vlliga !)!>. Matsimir 22. Mala «apcla 38. Mali» 122. Mar (- Tn») «31, Maria, Xönigiil uon Nn» gar» 6«.

—  Theresia 6l>*.

—  von LoreNo 29 Mariengru« ii'>. Maricnlcrzc II». Maricnlirche. 2t. 38. Marille 49. Vlarlomanüen 53.

! Marltfleclen 9. , Marltftlau l>»8.

Marltprci« 49. ! Markttag 22. ' Marluslirche «4.

Marlu«vlay «4.

Maroi! 67.

Marmonl 172.

Ma^ljl»! W. ^ Matija 61.

Maiija Gubcc 63.

—  Reltovi»! 14. Maurischer 2til 23.

>  Mauritius 54.

' Marimilianöruhc 22.

>  Mcch 54. Medat 39.

, Mcdicinische Wissenschaft 45.

—  Facultät 51. , Medvedgrad 22.

Meer 33. ! Meerc3nrcn,;e 66.

MeercZbrandmia 5.

MeereZcanal 37. ^ Mcgiumnric 13. l Megjurie^ie 6. ! Melilfriichie 109. ! Mehlsact 105. ! Melinjar 3!». ! Melone» 105. j Mesiä Marko 66.

Mesopotamien 6.

Methodius 56.

Metla 46.

Meuterei 68.

HlÜcina 11«.

Militär-^ onllnunilätcn 70.

—  -Grenze 6, 39, 47, 50, 52, 64.

Milan 13.

Milanooo inero 45.

Milinlcw" Toinc, 128.

Milzgeschwulst 118. , Milac 6».

Milanovci 116.

MiroM 22.

Mischsprache 77.

Missionäre au« Nom 55.

Mitrovica 13, 5l. , Mittelalterlich - wcsteuro-

>     valschcrVoltsglllube^o. ! Mitteleuropäische Alpe» 6. z — Flora 47.

, Mittelgebirge 8. , Milrouica 13, 45,

—  bei Po?.ega ?!-

' Mitternachiemeltc 109. j Miülcrc Hohe der Posa« ' uina 12.

Müba!>?, il)4 — moliba.

Modrl!«Rijela 5, 6.

Mocsicn '>2.

Hloha>'crfcld 62.

Mohammedaner 68.

—  Zerbc 62.

—  Tlauc 10. 49.

—  Guslarcnlieb 40,

—  Raubritter 40. Mojölau 55. Motro poljc 12. Mongole 60,

Monte maggiore 30,33.77. Monsalmue 7. Mora 131. Mlhalov!«' Joses 24, Moschcnizza 30. Moslavina 6, 12, 49. Molita 9«.

i Mramorelo ftoljc 12.

Mnchlo 53. ! Mujlaii il>3. > Mulden i«, 38. ! Municipien 58. ! Murinicl 13. ! Murland 13. j Muria 52, 5 Museum 23.

Musik 85 ff.

Mmilergcsellschaft 18.

Muslllpha cüiprilw 7.

—  der Tickroanst 40 Mu.itulundiija 112. Mutili>' 41. Mlltimir 55, 56. Mütterchen — bata 115. Myrchc — m^i-tl»,» eom-

Nadclholzfcuer 106.

Nagjelllt! gvoigia 99.

Nachireiücr 13.

Nachtwache - Weihnachten 109. 119.

Naphia 5i0.

Nllicntaaebict 57. , Narinslo polje 45. ! Na3ice 17.

Naziccr Zigeunerhorde 18. , Naieta dalak II^. ! Nationaler .vcißsporu 54. ^ Nationnlce Erwachen 54. ! Nationalität 51. ! Nauonal-Miliz 65.

—  -Pcrmögcn 6.

—  -Versammlung 73. Nalronsaures Wasser 47.

! Naum 56.

Nautische Zchule 5l.

Na uuraii 102.

Neapel 47.

Nehaj 37.

Neippcrg 7l.

Nelep!>: 6«.

Nenll>>c>a vatra 115. , — voda 115. ' Neerela 131.

Neugradi«ka 61.

Nculroatische Literatur 77.

Neu-2laucamen 7.

Niederes Hügelland 12. , Niederlage der Türken 62. z Niedcrosterrcich 9, 108. , Niederung 5, 12, 13. ! — der »nlpa 12. j »Njia dvi« 124. ' Nijemci 53. , Nilincc 70. , Nikolaus, heil. 36. 5 Nikolk' Mato 110.

Ninülar 75.

Nizza Oesterreichs 30.

Nomadisirende Zigeuner 17.

Nordalbanicn 52.

Nonnannen auö Unter» italic» 58.

Norucn 131.

140

Register.

Novlltovi>1a Vrod 4',. Novi in der Lila 37*.

—  Marhof 19, Nouigrad in?al!»alic!i61, Nuszbaum 123, Nußwaldunneu 49,

Obedsta bara 13. Oberhaupt der s^uuen 54. Ober-Pannoüie» 57, Obcrslavonisches (5apita-

nat «5. Objed 92.

Obradovi6 Tos. 77. Obru? 27. Obst 109. Obstbaum 110. Obstland 49. Obu^a il,2. Oiura 19.

Odescalchi 9. Schloss 8». OdranSlo 12. Odvotöi6 Adam 126. Oguliner Regiment 3».

—  Elunier Grenze 68. Oel 121.

Oelbaum 47. OIe«l europlle» 47. Omcr 4«. Ondiü 41. »One« 124. Opanken 48. 91. 102.

—  verlchit anziehen 128. Opatija 29. Opaiovac 23.

Opiuv 41, Opovo 9. Oprega 9. Otiüer Gebirge 25. Oliugliat doljni 45.

—  gornji 45. Otruglovo 27. Oraöa gvoigja 98. Orati bcz vücu 104, Oijooac 122. Orljava 9, 13. Orographische Gestaltung

4«.

Orseolo 57. Orthographie der Glago«

lica 83. Osjek 13, 39. Ostereier 108. Osterfest 107. Ostern 58. O estliche Alpen 8. Oftkanje 101. Ostrufe 102. Oströmisches Reich 14. Ostrovica 60. Otil 98. Otoöac 38, 40, 41, 45.

—  Regiment 39. Ozalj 26». Ozim 103.

Paculica 9l. Paloviü Stana 116, Palrac 9, 10.

' Pacracer Gebirge 12. ! Palaiin «0. Pali/.»a 6<». ! Vandnrcn 71.

»l». I'. 8nvl» 52. Pannonicn 52. Papst 5«, 58.

—  Bonifaciuö VIll. 60.

—  Gregor VIl. 58.

—  Johanne« VIll. 5«, Paplll

18.

Patriarch 9. 14.

Paul Horval L0.

Pauliner Kloster 22.

Pejaöevi,,- 74.

Pekmez 49.

Pelmcseti^i 94.

Perlcnkrone der Vilen 123, 125,

Perle Slavoniens 9. , Peronia 1<>2. j Peru«icc ««. ! Pestfran 112.

Peter I. Kriesimir 53.

—  Zriny 64. Petersdom St., in Djalo-

var 14. Petraili 42.

Petrinja 25. 51, 67, 72. Pctrovagora 38. Petrov vrh 10. ^ Pferde 97. 123.

—  ackernd l«3. Pferdchuf 127, Pfcrbemist 127. Pferdcläuscher 18. PflanzcnwuchZ 5. Phllncrogamc 17. Pi^a 101.

Pir jari 104. Pilaster 16. Pilipouic- 42, Piraicrei 56. Piratennest 38.

Plaje 32.

Plalak 2?. l Platanenhain 29. ! Plavöa dragll 39. ^ Pleme 54.

Plemenstina 55. ! Ple3ivica 38.

Pleslula 25.

Plesma 12.

Pleternica 16.17, 49. 110, 119, 122. 124, 126, 128.

Plitvica 13, 43*, 44*, 45.

Ploöa 41.

Ploianin Alija 41.

Pübralimstvo 127.

Podborje bei Daruvar i», II*, 130.

Pod brazdu 103.

'lobsuseo 12. j Podraviiia 6, 13. ! Voolapac »9. ! Poaaia 102.

Pollevaii gvo/gj» 99.

Polova« 9!),

Polupje S. 12.

Pola 57.

Polaiajnit 10». ! Poraajiuani sveci 104.

Porculana^i 6.

Pori« 10, l Poilll'ül»! 30, 34. , Posavje 6. ! Posaoiua 12, 15,

Pofijelo 94, 95. 108, ^ Post0l',iice 90. 106,

Poscstrimstvo IL7.

Po^tat planina 40. i Pot lolica 101. ! Pooideldnlten 94.

Povidli 49. > Vovilüi se 1ö4, 130.

Povr< e 104.

Poiarevacer Friede 68.

Poiegll N. 9, 10, 48, 51, l 62, 106. ^ — Comilat 49. ! — Gebirge 12. I — Thal 13, 16. I?. ,9.

—  Zwetschken 49. ! Prcdnjak 101,

! Pregaöa 48, 91.

Prelo 94, 108.

Prelut 3». ^ Preradovil: 77.

Pretzburg 22. 62.

—  Feld 56. , Pribina 57.

! Pritaza 122.

i Prituniat 112.

! Primaplanllsäbcl 70.

Prima^ica 88.

Primorje 6,

Privilegien 64, 65.

Prioina glava 9. 5 Probanic «!. ! Piolje

Prosad 117. , Pro^ansto ie;eio 45, ! Proso 104. i Proveaten 72. , Proviiizial-Kroatien 73. ! Puciä 77.

Putranci 90, 103.

Pyramide 33.

! Quaden 53. ! Ouadragesima 107. i Quarnero 27, 29. l — .Golf 56.

O.uellbr>mnen 40. ! Quelle 115, Il3. ! Quersack mit Samen 103.

Querthal des Küstengebirges 32.

Ät als Halbuocal 32. Rab 60.

' Nait! 84.

' Nacolina 9.

! Mablnce l>.

! Nadotzlau 55.

! ÜlaguMche Literatur 77.

! lllajevo selo lL.

Nalila 119. s. Vrannt-wei».

Nall

Äalouac!».

Namberg 74. ! »lamonja 103.

Naicicn 64.

Nalimir 5«:.

Räuber, von 64.

Räuber »9.

Naubriller 40, »>,

Rauchende Zigeuner 18.

Rauchtabal :3».

Ravanica 9.

Ratmo 27.

—  primorie 40, Razdriie«!!, suvcz 99. Ra/ oziina 103. Refolli 47,

Regen 32, 40, 41, 16,

—  Bittgesang 105. lie^lo «»von«!!, Ll. Rehe 123. Rehlühe melken. Reiher 13.

Rci» 121.

Reiser von Weiden 107.

Reilerstatue des Van Iclaöiü 22,

Rcka 27.

Religiöser Mülclpunlt 55.

Relloui,' 14, 93, »5.

Rcmete 9, 22.

Nemeiica 9. ! Renegat 62.

Republik Veuebig 59.

Reznik 10. ^ Revolution 60. 5 liex Orn»tia« »t^u« v»l-

Reznik planina 38.

Nheumntismnö 116.

Ribarito polie 13.

Ribnik 39, 45. > Richter im p!omc> 58. ! Rijeka 27.

Riviera 32.

Rie^ina 27. ! '«icla 46.

! Robot in der Grenze 70. i Rodehacke 98.

Nodjenice 131.

Rogatac 19.

Romanische Basilika 38.

Romanischer Stil 15.

Romi 17.

Rothlauf 115.

Rothlaufbeulen 113.

Roth- und Blaugarn 111.

Römer 52,

Römische Antianitäten 2g.

—  Partei 53.

Register.

141

Römisch-päpstlicher Nin-

flus; 55.

Römische? Lager 3. Rösner 16. Rude 25.

Rudolf, Kronprinz 5, Nubopolje 45. Ruguica 12.

Ruinen der Türtenburgi?. Ruma 9. Rumaene 50. Ru3euo l6. Russen 54, Rübczahlsagc 41.

Cablas: 10«. Sachsen 97. Saditi kninpjere 104. Engen 8, 41, 5l. 57, 127, Salzbach 4?, Salziges Qncllwasser 8. Salzmagazin 36. Salzneiu 8, Samobor 25, 50. Samoborsla gora 12, 23. Sanctnarium 16. Saudruhrlraul i»1. Sarazene 5», Sarina 92,

Saüir liü, Saubeilialtunn im Hanse

107.

Säulcnlialle 2l. Save 22. 37, 52, 56. Savcgebiet 6. Saucland 12, 46.

—  -Aancn 55. Sauc-Pannonic» 52. Schacher »nil ^nuilelen1i5. Schaf 102, 123.

—  vom Wchrwolf gefressen 128.

Schafpelz zur Verkleidung

112,

Schaffner!» 110. Schaue wegtragen 42. Echeiicl. mü dcm. an dcn

ballen auslohen 113, SchemnielHic«, breibeiui-

ge» 113, Schiffe 52. Schisma 56. Schlaflämmerchen 119. Schlammbad 10. Schlauiinfi!hrc!!dcrFluh5. Sclilcsicu 97. Schlos!^ra»glpani34,35^.

—  dcr Vcia^cvn- 17, >- von Valpovo 14.

Echlnchl 42. Schlnchtwind 32, Schlüsse! der Yrdc 42. Schinidl 16, Schncc 4

Schönheit der Leute 93.

Schopfreiher 13.

SHotz, auf den, ein Kind , uehmen 113.

Schrecke» desQuarnero 32. ! l Schrciadler 13, j Schrift dcr Kroaten 81. ! Schriftsprache 5l. ! Schulen 51.

Schutzpatron 36.

Tchutz^all 20,

Schwäbische Bauern-Colo-

nic 9. ! Schwarzdorf 10.

Schwarzerde 40.

Schwein 49. 9«. ! Schweinebraten 111.

Schweinznäming 49, 50.

Schniefe! 50,

Zchwefllschlamm 22.

Zchwcfcllager von Nado» boj 20.

Tchwemmgerölle 40.

Hchwicker 64. 66.

Schiviycnr i>5.

Scirocco 47.

Sclave 53, 63.

Sclavcrei 58.

Sclavon! 53. ! Scoglietlo 29.

Scbastianu?, St. 24.

Tcdctlau 55, 56.

See 45.

Seeadler 13.

Seebadccurort 29.

Zeehäfen 72. ^ Seidenzucht 101.

Seil) Vale!' 16.

Scmlin 12,13,14. 46, 51.

Scmmcring 32.

! Serbe 48^, 50. 105.

«erbieu 5, 61, 64.

Serbisch 39.

! SerbifÄie Ansiedler L4. ' — Bevölkerung 9. , — Sprache «ubLitcratur ! 50, 77.

Scrliatlije ol öenara 6s.

Sichclburger Hc> rschaft 64.

Sigiunnd von llügarn 6l. ! Sijati llün^ierc 104,           ,

! Ziielo IW, ! 2ila» Maiija^u 62.           j

Silber 22,                           !

^ Silberzwauzigcr 99. ! Simeon 57.

! Zippe 54.                           ^

, Sippschaft des Mäbcheu« ! i 112.                                  !

! Sirmic» 6. 49, 52. 58, ! l 59. 6l, !>l*. ^ SirmischcMili!ärgrenze70, ! Siecia (Sisscl, 52,

Si!i dc3 Patriarchen 9.

Slropncl» 117. ^ Skutari 52. j Tlani potok 47. > Sianlameu 6, 8.

Slaven 53. Slav!« 58. Slavische Lithurgie 56,57.

—  Sprache 56. Slavonier und «lavonien

39, 50, 59, 61, 62. Slavonisches Torf 48.

—  Gebirge 14. 104.

—  Podravina 14. Slavonisch - serbische

Sprache 5l. Slovalen 7. Slovene 13. Slovii: 53. Slunj 67*. 68. Slunler Regiment 39. Smilian 39. 2o<'iuo 104. Sokol 24. Sololovac 106. Tommcrgast 32. Sommcrtag 34, «ommcrllmperatur 46. Sommerzeit 105. Sonne (vcrsonificirt) 110.

—  (— lebend. Gott 128. Sonnenaufgang 105, Sonnenwende, winterliche

108, Sonntag 48, 112.

—  im Neumond 127.

—  zur Abhaltung von Märkten 21.

Sonntllgökiudcr 124.

Soski dol 1»I, 17.

Soti» 13,

Spalato 56, 57, 58, 60.

Spalatocr Literatur 77.

Spaltung 56.

Spanischer Flieder 119,

Spanacns 63.

Spcdale 31.

Spinneu 108,

Spiuustnoe 108.

SpraHe 2?,

Sprachprube dcr kroatischen Mundart 107.

Zprega 99.

Sprcinjaci 99,

Sprichwort 39, 50. 99.

Srb 39, 40.

Sre^a (die (der) Auserkoren?) 128.

—  Glücksgöttin 131. Srmla Acpfcl 49.              ! Srdanica 19.

Vrijem, s. Sirmicn.           !

Staat 54, 55.

Stadt 52.

Stadlbcrg von Po/.ega 9.

Städteabgeordnetc 57.

Stahl 99.

Stall 109,

Stnlliingcn 101. 106,108,

119.

Stange 103. Stamm 54.

—  -Orilnduugssllge dcr Kroaten 53,

Stara Pazua 9. Stari suat 112. Statute» 27. 85, Statthllltciei 64. Stecher -- Stichel 103. «teiermark 5. Sleirische Grenze 13, 19,

22. Siefan I. 58.

—  II. 20.

—  V. 10.

—  Tortko 61. Siefanslrone 5. Steinburg 9. Steinbruch 9. Steinkohle 19. Steinölquelle 9. Steinregeu 42, Steppenflora 47. Stiftung 9.

Stimme der Ochsen nachahmen 103. 2l0la6 41. Strahintica 19. Strickarbeit 29. Stimac 38. Stroh als Futter 101.

—  auf die Vaume legcn 110.

—  im Veite 1>9.

—  in den Stuben 109.

—  und Dünger 45. StrofzmcNicr 14, 78 79».

(23. 23),

Stübica 63.

Stubiüto loplice 20,

Stufen im Felsen 29,

Slurmmcer 32.

St»! Nnf 102.

Stütze dei Hauses 113.

Subtropische Hitze 46.

Sndbahngcsellschaft 32.

Südliches kroatisches Hochland 37.

Südilaventhum 61. 105.

Südsiaoische Akademie 23, 51.

—  Sa.-,e 57. Siidungarn 6>, s. Donau-

niederung 12, s. Serbe 9. Sngienice 131. Snleiniauusdorf 10 (gleich

Snlilovci), Sultan 64. Sumpsgebiet 13. Sumpssieber 14. SüMpfland 14. Sumpfwild 13. Sunce 110. Sunja 12. Suseo 12. 19, 25. S»5at 29. Su^ek 19. S»5ica 27, Sutiua 47. Sntinske toulice 2U. Sutla 12, 19. Snvcz 99. Suvczuanjc 100.

142

Realster.

Tuvi lola>' 92, Eva.':!.' Peter 5!». Euadlnca ll2. Euatovlul 56. Tuetoslau 57. Eveznli99. Cuilna 10, Evirala «8. Svisvcti 17. Slimbolischcr Ackerbranch

101,

Symuaih«tischeMittel1l5. Sz'gci 60. Eziclos.

>! 132 kafa^l84, ^ajta^i 70, ^ajiruge 98.

saliva 88,

^asi^ 104. >,^ipeiari oil. >!cnica o^ima 103. >lestin 22. ^estolrilovi,'! IN, >lid 9, l^iiaci 10. ^iiadija a, xiiatcuthal 12. ^ittu^ 17. ki^aiouac 9. ^Ijcme 6, 1!». kljivovica 49,

louakischei d'omilat 48. kokci «4. ^prnlja 103. l^tence izreziuai 115. ^ubara 91.

^ubiü von Zrin 28, 60. ^njniter Gebirge 12. ^iintegaae 17. !6vegl!a «».

Tarent 56. Tutragcdirge 52. Tabakbcuiel 2». Tabalfabrik 29. Tlldi«,' Lazar 41, 98. Tadija ot 2e»ja 66. Tainburica 86. Tllmbuiicaipielor 18, Tanze« 1U6. Tanzmusik 88, Taube Woche 107, Taufe 13.

Täufling 116.                    ,

TerzM' Kam 110, 114. !

Tcitta 73.                          !

Thal von Äuccari 34. !

— »on Zrmanjll 39. !

Thalmulde üon Uiüei- ^

Lapac 40.                      ,

Thei« 7.

Thcißmcdcnmg 53. Theodosius 56.                  !

1'liei-i!,a«(I!o!i«lanlin!!,e2I.

Ttion 46. Thrakien 63.

Thurm, liimmlischei N7.

Tiefland >^.

Tirolerapscl ^9.

Toblach i!2,

Todtexaebläuchc 1l8.

Todlen^räbcr 119.

lodleiimahl I2i.

Tolllüer 4ü,

Tomi^ ^ouaucui^ 40,

Tomi^lav 57.

Toplicc 10, 20, 21*. 22.

Topusto !7,

Tourist 17.

Lovarnil 9,

Tracht der Vaucrn 90.

—  dcr Vilc» 123.

—  der Zigeuner 18, Trat»«»-«!» 22, Trapari 128. Trauer !19. s. Trauung 112, ilii. Travels 1

Trinkglas umkränztu 112. Trinllied «2. Trinlsprüchc ausbringen

108, 113, Trlnlwasser 14. Triumvlipfo«e 29. Irnolop 98. TrnSti 77. Troglodntenarl 8. Troura 41. Trviinir 55, 56. Trsai 20. Trut 131. Truihühner 109. Tuchrock 111. Tliga 53. Tulnit 126. Tummelpla!j der Vilen

130.

Türkei 53, 64, Türken 38, ea, 62. Türken-Vezwinger 61.

—  Kriea 14.

—  Notl, 64.

—  «chäbel eingemauert 63,

—  Straße 17.

—  Vertreibung 106.

—  Icit 9. 3

—  Inuasion 61. Türkisch-slavischer Name

10.

Turma 41. Turovolje 1.^. Tu.^i^e 41. Tvnko 61.

Uelicigangsaebiet 5. Ueberläufcr 38, 64. Ueberlieferungen des Volles 77. Ubrazdu 101,

ll«''la gora :>0.

lldbiini !!9, !0, LL, 68. ! Umgang ums HemL 106, , Umzüalcr l<>5, ! Una 12. 3U.

—  -Milndnng .^7. Unanaeganzles Feuer 115»,

—  Wasser 115. Unnarland 5>. Ungarisch c^onsiitution 27.

—  Ziefanöllone 5. Ungarischer König üü. Ungelüclc, Frau I3l, Universität 24, 51 Umcriialic» 6!l. Unlerlapac 4«. llutcrmauerle Terrasse 36. Uuicr-Panumücn 2l, 52. 'Uniertlinoen« 74. Unwirtnbarcö «lima 9«. llpravda 54.

Ursprung der Uun 40. Urwaldbesland 52. Uskoci 38, 6l. Uslo>'ca gora 25. Uslrs 107. Utvora 122.

Valpovo 14, 47. Vampir 119. 122, 128, Vandalen 53. Vaia/.bin 5. 13,20^,47,5!. Varna <>2. Vasall 56, 5«, Vatrali 11». Vealia 32, 37. 83 f. Vela vram 83», 34. Velcbit 27, 38. 39, 46.

—  -Hohe 45, Velika 9, 10, 38.

—  Popln« 40. Vclili ?.»van 54. Venedig 56. 58, 5ü. Venclianer 38, 56, 57. Vcnetianischc 2iadt 27. »Verbinden» 99. Verbrecher 17, 22. Vereinbarung zur Feld«

bestellnng 100.

Vergrabene Zchätze 42.

Verlehrsminel 50.

Vcrlehri die Kleidung anlegen 124. 128.

Verkehrten Neigen tanzen 120.

Vermischungsproceh zwischen >lroaton u. Serben 51.

Verocze6,13,14(--Viro-uilica).

Verschwörer 61, 64.

Verserbung 68.

Vcrsiahlen 99.

Verstorbene 119.

Vcrlhcidigungskricg 56.

Vcrwalnlnghgemcindc 54.

Verwandlungen in Wolf oder Pferd 128.

Veiernica 19.

Vieh 97. Vichfimcr l«i. Vichzaubcr 105. V!ch,,ucht 50. 53. V>crzia Tage Trauer I2l.

—  Märtyrer 104. Viialo 86, 88. Vila 110, ,23.

—  als Wolle 12!', Nile» i at 124. Vilovötc> poscstrinstuo »27. Violinspieler ,8. Vinkovci «>, 13. l4, ',l, Vinodol 27, 85».

Vir 45,

Virovitica, s. Vcroczc.

Vi«egrad 6U.

Vjedie 8>.

Vojuoda 54.

Volker deulscher Zunge 53.

Völkerwanderung 53, 54,

84.

Aoloila 30. 32, 33. Voltsauffassilng d. »«rank-

hcit 115, Volts-Äiloung 131

—  Tich!N!ig,iü,!gcrci10.

—  Dichtung 132.

—  Fest 106.

—  Führer 73.

—    klaube lio.

—  Lied 106.

—  Medicin 114.'

—  Muud 54.

—  Üilusik 85.

—  Neligion 123.

—  ^ecle 41.

—  ZMnbolit ill.

—  Verfnhler 24. Voltötyum 51. »Vordere«, der, Och« INI. Vorstand der Vraistva 55.

—  der Hochzeit II^. Vra^en und Vra^ariccn

105, 115. Vranik 40, Vratnik gora 17, Vraz Tlanko 77. Vrba

Vrpolje 11. Vuga 53. Nutll 7. 9.

! Vukoblak 119, 122, 128. Vutomerica 25. Vulomcill'ta gorica 12. Vukotinoui<^ 77. Vukouar an der Vuta 6

9. 13, 14. Vuletn',Vid-Vukasovi>,' 84.

Wachskerzen 109, 118. Wagenschmiere 50. Wagenwenfahit 1W. Wahlbruderschast 127.

Register.

143

Walilschwesxrscha't 12?. »Wahr»saacn 18, Waisen 123. Wald 6,

Waldfranen 123. Wallfahrtölirchc 29. Wallssrabcn und Zugbrücke 14. Warmbad 47.

—  uon ^tnbica 47.

—  !>!! Za^orie 2u. 2?aiüödiü. s. Varaibin. Wardcin 61. 2'^ärmeveriode 32. Vcnte 10.

Nasser 46.

—  »nd Zuckermelone 50. Wassersälle Kl. 45. Wasserlosiglcit 40. Webcrschnlc 5l. Wcbwolle HI. >WcgsameL>c Küstenland

40.

Wehrwolf 119, 122. 128. Weib 1l2. s. Fin». Wcichsellirsche 114, Weihnachten 104. l05.108. Weihnachtsabend lU2, Wcihunchtilicder ilU. Weihwasser 115, Wcin 14, 4!). 9«.

—  nils Dalniaiicn 41. Weinbernlcrrassc 34. Weingarten 10. Weingcbirgc 9, 14, IW. 2^e!nrebcii auf Gräbern

120.

Weinschciüin 110. Weiüland U. Wciübucheüliain 40, Wcinchrowoi 53. Wciiidorn 122.

Weißfrucht l<^. Weijzlirchen 72. Weizen 109. Wcizcnfladen 102. WerbungS-n.VerlobungZ-

brauche 108. Wcrlcltnne!)8-Wer!l,einl,eit 84. Weltrömischeö Reich 14. Weilfahrc» 108. Wettrennen 107. Wiege 18. Wien 48. 04. WienerFliedenKschluiz 72.

—  Äensladt «4. Windhose 47. Windiscke Grenze 65, Wimer-Lurort 32.

—  Ausiaai 103.

—  O,uartier 17.

—  Station 35,

—  Temperatur 46. Winterszeit 45, 100. Winterliche Eonnemvende

108.

Winzcrhau« 10, Wipsel von nenn Bäumen

115.

Wirbelstürme 47, 123. Witwen 97.

—  und Witwer 122. Wolf 39. 59. »Wolf« spielen 98, Wolfelicr« 32. Wolfsrachen 10!). Wölfebcschivörnna 109. Wollen, Vilcn auf 123. Wundcubehandlung 1l5. Würfel 15.

Wnrm Zlrophelu 17, Würste 109. Wurzelwerl IN«.

Hadruga 54, 55, Zanorjc 6. 12, 19. 47,49. Zassieb 5, 22 ( Aqram). Zahl der Grenzer 72. Zahltriinl 112. Zahlen nach rückwärts 116. Zahlung in Ncnnralien 99. Zalalnierslianc 20. Zanaditi guo/,gja 99. Zapre^l,' 22, Zauberer 128, Zauberformeln 115. Zaubcrglaubc 10L. Zauberlre!« 127. Zaubernüticl 108. Zauberstuhl IU8. Zaunplanlen 108. Zara 57, eu, Zaracr Literatur 77, Zarinn Zela 110, Zeitrechnung der Bauern

100,

Zelouja 103. Zclcna sjetva 104. Zemaljsti Nju^i 42. Zeinun 46 s'^ «cmlin), Zenga 27.37, 38. 51 (siehe

Zcnia).

Zcrstorle Stadt 57. Ziege 33, Ziellenkaut 90, Zieaenwirthschaft 50. Ziegel 45. Zierralen 4«. Zia,cnncrbnndc17,i8*.19*. Zigeunerdorf !7, Zigeuner^asse 17, Zigcnuermutter 18. Zimmcrglbäll 108. Zimnierihüren 119. Zinnober H6, Zinssaren 50,

Zmaj 7.

Zob jara 104.

Zone der Zommenegcn46.

Zrini 34.

Zrinisla gura 12. 38.

Zrinn'sches Schloü 36'.

Zrinjsl! trg 23. 24.

Zrmaniaflun 37. 39, 40.

Znnllnisli «lanjac 40.

Zngthicre 93.

Zulnnft au? der Hand

propnezeien 18. Zockcuo 50. Zuellja 88. Zvonigrad 66. Zvonimir 58, 59, Zmmimir 84, Zwanssöcirbeii 74, Zwei 123.

Zweites Gesicht 124, 126. Zwelschienbranniwcin 49. Zwetichlenlcrn 118. Zwctschlciiiniii; 49. ZmerMmrbe 13. »Zwischen den Flüssen» 6. Zwölf Jahre bei Vilcn

129.

—  kroatische ^upane 59.

—  Uhr Nachts 129.

^ 132, xaba 116. /.llbni

Druck von Friedrich Iasp« in Wien.

24, ^ ""

Trm« 5°» Hlicdiich I>ljf« i» Wien,

 
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