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Österreich in Wort und Bild
Avtor(ji): Laurencic, Julius (avtor)
Vir: Knjige
Izvor: Narodna in univerzitetna knjižnica
(Digitalizirano v okviru projekta Europeana Travel)

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OSTEDEICH IN WOHT UND ßlliD

VATERLÄNDISCHES JUBILÄUMS-PRACI ITWERK.

EINE SAMMLUNG VON PRACHTVOLLEN PHOTOGRAPHISCHEN REPRODUCTIONEN DER HERVORRAGENDSTEN STÄDTEBILDER, BAUTEN UND MALERISCHEN LANDSCHAFTEN ÖSTERREICHS,

HERAUSGEGEBEN VON JULIUS LAURENCJC

UNTER MITWIRKUNG DER BEDEUTENDSTEN VATERLÄNDISCHEN SCHRIFTSTELLER UND KÜNSTLER.

WIEN

GEORG SZEHNSKI, K. K. UNIVERSITÄTS-BUCHHANDLUNG L, STEPHANSPLATZ G.

Ii 131809

DRUCK:

BUCH- UND KUNSTDRUCKEN Kl „STEYRERMÜIIL", WIEN. CLICHES:

C. ANGERER & GÖSCIIL, K. U. K. 11ÜE - PIIOTOGRAPHISCHE KUNSTANSTALT, WIEN

PAPIER:

FREI & STIEBER's NACIIEOKGER, PAPIERFABRIK, WIEN.

VORWORT.

ffl ,

er 2. December 1848 ist der historische Tag, an welchem unser allgeliebter Monarch Kaiser und König Franz Joseph 1. das Scepter übernommen hat. Wenn man zurückschaut auf die verrauschten Jahrhunderte der Geschichte, auf eine fast zweitausendjährige Historie der Reiche und Völker, so ist dieser Zeitraum allerdings nur ein geringer, es ist aber eine lange Epoche, wenn man die Regierungszeit eines und desselben Herrschers in's Auge fasst. Ein halbes Säculum hat in der Welt gar manche Veränderung herbeigeführt, hat Staaten gebildet, verändert, und dem politischen Leben überhaupt eine andere Physiognomie aufgedrückt.

Auch unser Oesterreich ist dem Geiste der Zeiten gefolgt und hat unter der Aegide eines weisen Regenten die Entwicklung auf sein Banner geschrieben. In seinem inneren Gefüge und in dem Aeusseren seiner Städte ist diese Entwicklung in segensreicher Weise zum Ausdruck gelangt. Das Prachtwerk, welches aus Anlass der erhebenden Feier des 50jährigen Regierungs-Jubiläums unseres innigst verehrten Monarchen hier geboten wird, soll ein Bild davon geben, wie die Länder der österreichischen Krone zur Zeit dieses Jubelfestes sich in ihren hervorragendsten Bauten, in ihren herrlichsten landschaftlichen Punkten zeigten. Es sind in diesem Werke in vollendeten Abbildungen die baulichen Monumente vorgeführt, die während dieser glorreichen Regicrungs-Epoche, zuvörderst in der Kaiserstadt Wien, aber auch in den Hauptstädten der einzelnen Kronländer erstanden sind. Ausserdem erscheinen die schönsten Gegenden, die prächtigsten Bauten, Burgen und Schlösser, die mit den Geschicken des Reiches zusammenhängen, hier im Bilde. Wie Vielen werden wohl erst durch unser Werk die zahlreichen alten und neuen monumentalen Schönheiten der Reichsmetropole Wien, der alten, herrlichen Landeshauptstädte, wie Vielen erst die malerischen, oft wahrhaft paradiesischen Gegenden und Scenerien in den einzelnen Provinzen näher gebracht, vielleicht zum erstenmale in treuer Abbildung vorgeführt. Mancher mag wohl erst durch diese Jubiläumsgabe zu einem Besuche der einen oder anderen Stadt, des einen oder anderen Kronlandes der Monarchie angeregt werden und auf diese Weise sein grosses Vaterland Oesterreich erst wirklich kennen lernen. Dieses literarische Kaiserdenkmal soll zugleich aber auch ein nationales Friedenswerk im vollsten Sinne des W'ortes sein. Durch eine unparteiische, sich auf alle Kronländer gleiehmässig erstreckende Berücksichtigung hoffen wir allen Lesern vollkommen gerecht zu werden. Die Herausgeber rechnen jedoch nicht nur auf die Anerkennung, sondern auch auf die Unterstützung jedes wohlwollenden Patrioten. Die Auswahl der Bilder ist eine strenge, gleichwie der textliche Theil, für welchen hervorragende Schriftsteller aus den einzelnen Kronländern gewonnen wurden, mit Sorgfalt zusammengestellt wurde. Wir können diesem Werke bei seiner Uebergabe an die Oeffentlichkeit wohl kein edleres Geleite mit auf seinen Weg geben als den weisen Wahlspruch unseres Kaisers und Königs:

VIRIBUS UNITIS!

DAS NEUE RATH HAUS.

s wird wenige Städte geben, die sich eines ähnliehen imposanten Gemeinde-Palastes rühmen können, wie Wien einen in seinem neuen Rathhause besitzt. In dieser im (leiste mittelalterlicher Prunkbauten gedachten monumentalen Schöpfung, die ihrem Erbauer Meister Friedrich V. Schmidt zum unvergänglichen Ruhme gereicht, ist das alte Wort der allen deutschen Steinmetzen und Bauführer »Saxa loqtutului-

(»Steine sprechen«) wieder vom Neuen lebendig geworden. Aus diesem herrlichen, im Style einer freien Gothik durchgeführten Bau, spricht die grosse Architektur-Epoche, die ihre hervorragenden Vorbilde!- der Nachwelt gegeben hat. Das in den Jahren 1872 bis 1883 von Dombaumeister Schmidt ausgeführte neue Rathhaus, welches einen Flächenraum von 18.700 Quadratmetern einnimmt bietet in seiner Totalität ein wahrhaft sinnberückendes Bild. Jedes einzelne Detail dieses Palastes, ganz besonders die Hauptfront mit dem schlank aufstrebenden, fein gezeichneten Mittelthurm, den verjüngten beiderseits desselben sich erhebenden Thürmchcn, dem reichen liguralischen Schmuck, der wunderbar duftigen Ornamentik und Linienführung, wirkt als ein Meisterwerk ganz eigener Art. Der Saalbau längs der Facade mit seinen wie in Filigranarbeit erscheinenden mächtig aufstrebenden Fenstern und die vortretende offene Loggia im Obergesdhöss des Häuptfractes - von dem sich der dorrfinirende Thurm kühn emporhebt - sind trotz ihrer markig entworfenen Figuration doch überaus zarte Einzelheiten des ganzen Hildes. Der einheilliehe ('harakter, den Meister Schmidt den alten Formen der Gothiger ungezwungen und phantasiereich nachgebildet hat, ist von der Spitze des Haüptthurmes, ehe der -eiserne Mann« krönt, bis herab zu Jen Steinbänken in den Arkadengängen strenge aufrecht erhalten. Der Mittelbau hebt sich von einer breiten terrassenförmigen Freitreppe empor und baut sich die ganze Facade entlang in einer Arkadenstellung auf, die in der mittleren Partie verdoppelt ist.

Wo im 1 laibstock der Thurm drei freie Seiten zeigt, sind grosse Reliefs angebracht, welche ostwärts Kaiser Franz Josef I., den Schöpfer der freien Gemeinde und des neuen Wien, gegen Süden Rudolf von Habsburg, den Gründer der Dynastie und nach Norden Herzog Rudolf, den Förderer des Aufschwunges

Wiens im XIV. Jahrhundert darstellen. Andere historische Figuren und die Porträtköpfe des Erbauers und der Bauführer schmücken die prunkvolle Vorderfront des erhebenden Gebäudes, Leber dem Hauptgesims, an der den Palast umziehenden Galerie ist Vor dem grossen Thurm die Statue der Vindobona mit zwei Bannerträgern angebracht. Weiterhin bemerkt man Schildträger, welche die Wappen aller Kronländer Oesterreichs zeigen. Die kleineren Thürme sind mit Jen Figuren von Bürgersoldaten aus den Türken-kriegen (1529 und 1683), der Franzosenzeit (18Ö5 und 1800) und Wiener Freiwilligen aus den Jahren 1707, 1805, 1848 und 1850 geschmückt. Die plastische Zierde der Seitenfaeaden bilden Typen der verschiedensten Stände, und zwar zur Rechten die in wahrhaft künstlerisch vollendeter Weise ausgeführten allegorischen Gestalten der Gerechtigkeit und Starke, der Kunst und Wissensehalt und zur Linken die der Weisheit, Treue, Erziehung und Wohlthätigkeit.

Ein Kleinod des Rathhauses ist der umfangreiche Hof mit den stimmungsvollen Arkaden rings um denselben (rechtsseitiges Detailbildchen). Bei festlichen Anlässen gelangt die malerische Scenerie dieser Hoftracte erst zu voller Bedeutung. Eine Sehenswürdigkeit allerersten Ranges - ist der grosse Festsaal, de?- einen Flächenraum von 1080 Quadratmetern einnimmt und 133 Meter hoch ist (links oben). Eine Reihe von historischen Persönlichkeiten, denen Wien sein Emporblühen zu danken hat, ist an den Pfeilern des Saales durch Standbilder verewigt. An diesen pompösen Festraum reihen sich die Speisesäle, Büffets und Salons. Im linksseitigen Flügel liegen die Repräsentationszimmer des Bürgermeisters, im Mittelbau des grossen Hofes der ('eremoniensaal für festliche Ämtshandlungen mit den Nebengemächern und der grosse Magistratssaal mit den Bildern der Monarchen Oesterreichs. Imposant ist der mit Fresken, welche die Löcalgeschichte illustriren, gezierte Gemeinderathssaal. Zahlreiche Räumlichkeiten sind den kostbaren städtischen Sammlungen: der Bibliothek, dem Archiv, dem historischen Museum und dem Waffenmuseum zugewiesen. Fin lieber trauter Raum aus stilleren Tagen ist das (ii illparzer-Zimmer« und das »Liechtenstein-Zimmer^, das erstere enthält Erinnerungen an den Dichter, das letztere werthvolle Gemälde der älteren Wiener Schule.

Fu,;l..uiiil.

WIEN. Neues Rathhaua.

Hof mit Arkaden.

DER ST. STEPHANS-DOM.

judolf der Stifter, der am 7. April 1359 den Grundstein zu dem herrlichen Gotteshause gelegt, das seit Jahrhunderten ein Wahr/eichen der Kaiserstadt geworden ist, wird als der eigentliche Erbauer des Domes genannt. Allerdings berichtet eine Sage, dass die Kirche schon mehr als zweihundert Jahre früher, 1 144, von Heinrich Jasomirgott gegründet worden sein soll. Als erster Baumeister, der von der Grundsteinlegung bis 1404 die Ballführung geleitet hat, gilt Meister Wenzla von Klosterneuburg. Seine Nachfolger waren Ulrich I lelbling, Hans von PrachatitZ, der 1433 den Hochthurm vollendete, und Hans Puchsbaum, welcher 1446 die Fundamente zu dem zweiten Thurm legte, der nicht ausgebaut wurde. Puchsbaum hat auch das Langhaus eingewölbt, An dem Steinleibe des Domes, hauptsächlich aber an dem prachtvollen Hochthurm, rüttelte mächtig durch vier Jahrhunderte die Gewalt der Zeiten und Ereignisse. Erdbeben und Gewitterstürme bedrohten den hehren Thurmbau, der 1809, als die Stadt von den Franzosen beschossen wurde, nicht wenig litt, so dass seine Spitze, Decennien später, sich bedenklich zu neigen begann. 1839 wurde dann mit der Abtragung derselben in einer Länge von 18 Metern begonnen. Die Einflüsse der Temperatur hatten die Sicherheit des Baues in ernstlicher Weise gefährdet. Als 1853 Dombaumeister Leopold Ernst die vier grossen Giebel vollendet hatte, machte er sich an die Neuherstellung des Thurmhelmes, den Dombaumeister Friedrich Schmidt, der Erbauer des neuen Rathhauses, 1804 als Steinconstruction vollendete. Schmidt, der grosse Gothiker, hat bis zu seinem Ableben noch eine Reihe von hervorragenden Arbeiten in vorzüglichster Weise durchgeführt und seinen Namen mit der Renovirungsgeschichte der Stephanskirche für Jahrhunderte hinaus ruhmvoll verknüpft.

Blickt man heute von der Grabenseite auf den ehrwürdigen Bau, auf das stimmungsvollste Denkmal der mittelalterlichen Wienerstadt, dann tritt der imposante und zugleich so duftige Charakter der deutschen Gothik in geradezu plastischer Art in die Erscheinung. Die Zartheit der Zeichnung der Masswerk-Constructionen, die Zierlichkeit der Fialen und Blumen, der Aufbau und die Gliederung der Längenfaeade, aus deren Mitte der Hochthurm

gleich einer himmelanstrebenden Nadel in classischer Ruhe aufsteigt, geben dem grossangelegten Bilde bewegtes Leben. Wie viele reizende Details Hessen sich aus diesem weihevollen Gemälde herausheben, auf wie viel märchenhaft-schöne Veduten liesse sich aus dem ganzen Tableau, das sinnbestrickend auf den Beschauer einwirkt, hinweisen, wenn hier der Raum hiefür zur Verfügung stehen würde. Keine Beschreibung jedoch wird den Thurm in seiner zarten Verjüngung, in seinem Charakter der filigranen Leichtigkeit, in jener meisterhaften Formvollendung zu kennzeichnen vermögen, in der er sich so unvergleichlich präsentirt. Und wie das Aeussere des Stephans-Domes durch zahlreiche, stylgerechte Anbauten, Kapellen und Eingangshallen harmonisch belebt wird, so fehlt es auch im Innern der Kirche, im Mittelschiff und in den beiden Seitenschiffen nicht an hervorstechenden Baudetails, an kunstreichen Seulpturen, an werthvollen Grabmälern und kostbaren alten und neuen meisterhaften Glasmalereien. An Denkmalen ist die Kirche reich. Da ist vor Allem das berühmte Marmordenkmal, welches Friedrich III. (1493 f) gewidmet ward, ein Sarkophag, auf dessen Deckel die Figur des Kaisers im Thronornate ruht. Das Monument soll 40.000 Ducaten gekostet haben. Es wurde 1467 von Meister Lerch aus Leyden begonnen und 1513 von einem Wiener Steinmetz Namens Dichter vollendet. Aus der Neuzeit verdient das Denkmal der Befreiung Wiens im Jahre 1683 von Prof. Helmer, das sogenannte »Türkendenkmal«, die aufmerksamste Beachtung. Es stellt einen von Säulen flankirten Triumphbogen dar, durch den Graf Ernst Rüdiger Starhemberg vor dem jubelnden Volke der befreiten Stadt zureitet. Zu beiden Seiten des Helden sind auf Postamenten der Rector der Universität, der Arzt Sorbait und der Bürgermeister Johann Andreas von Liebenberg angebracht. Ausserdem sind Bischof Kollonitz und Papst Innocenz XL, sowie die fürstlichen Persönlichkeiten jener weltbewegenden Tage in ganzer Figur angebracht. Zahlreich sind die Kapellen, deren eine das Grabdenkmal des Prinzen Eugen von Savoyen aufweist. . . Der St. Stephans-Dom wird den Wienern stets eine lebendige, überaus interessante Chronik bleiben, da er einen Theil der Geschichte des Reiches und der Kaiserstadt widerspiegelt.

Stephanskirche: Inneres.

WIKN.

Stephanskirche: Aeusserea.

DER GRABEN.

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irgends in Wien lindet man auf verhältnissmässig so wenig ausgedehntem Raum so viel prunkvolle Verkaufsläden, so viel blendende Geschäfte, wie auf dem Graben, dem vornehmsten Platz der alten Kaiserstadt. Eigentlich ist der Graben, wie sein unmittelbarer Nachbar, der Kohlmarkt und wie die nahe Kärntnerstrasse, die fashionabelste Strasse der Inneren Stadt. Er zeigt den ganzen Tag über ein buntes, überaus reges Verkehrs- und Promenadeleben, das sich in freundlichen Abendstunden noch steigert und Heimische und Fremde in hohem Masse anzieht. Man mustert da im angenehmen Dah inschlendern und Klaniren die feenhaft beleuchteten Auslagen der Firmen und widmet nebenher noch den zahlreichen Passanten und hübsehen Passantinnen eingehende Aufmerksamkeit, Der Name dieses Platzes stammt aus einer langst vergangenen Zeit, als noch an der Stelle des heutigen Grabens wirklich ein tiefer Stadtgraben lag, der durch die dermalige Naglergasse bis zum jetzigen -Tiefen Graben« sich fortsetzte. Als man im 13, Jahrhundert die Stadt-wälle hinausgerückt und sozusagen die erste Erweiterung Wiens durchgeführt hatte, Hess man den Stadtgraben verschütten und gewann auf diese Weise einen ansehnlichen Marktplatz, auf dem bis in die halbvergangene Zeit die öffentlichen Festlichkeiten abgehalten wurden. Hei Huldigungsaufzügen im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert wurden Münzen unter die Volksmenge geworfen, floss Wein aus öffentlichen Brunnen und gab es sonst verschiedene Belustigungen. In unseren Tagen kann man eigentlich nur mehr von einer Festlichkeit, und zwar einer kirchlichen sprechen, die auch den Graben in Anspruch nimmt. Fs ist dies die glanzvolle Procession am Frohnleichnamstage, welcher der Kaiser mit den in Wien weilenden Erzherzogen, den Ministern und sonstigen hohen Würdenträgern des Reiches beiwohnt. Auf diesem Platze concentrirt sich dann während des prunkhaften Aufzuges der hervorragendste Theil der Procession und Tausende von Neugierigen betrachten von hier aus das erhebende Schauspiel. In den letzten fünfzig Jahren wurde dieser altberühmte Wiener Platz, dem Geiste der Zeit folgend, mannigfachen Veränderungen unterzogen. Das Bestreben, auch im Innern der Stadt Licht und Luft

und freieren Verkehr zu schaffen, hat ihn nicht nur vergrössert und gleichsam mit dem einst bestandenen Stock im Eisen-Platz vereinigt, es hat auch eine Reihe neuartiger Zinspaläste hervorgerufen, die eine Zierde des Grabens geworden sind. Von den alten Bauten auf diesem Platze wird alsbald nur mehr die Drei-faltigkeitssäule allein übrig bleiben. Kaiser Leopold I. Hess das Denkmal im Jahre 1682 zur Erinnerung an das Erloschen der Pest in Wien nach den Entwürfen J. E, Fischer's von Erlach mit den Figuren von Strudel, Frumüller und Rauchwirth von Burnaccin errichten. Zwei Brunnen, die sich zu beiden Seiten der kunstvoll erdachten und meisterhaft ausgeführten Gedenksäule befinden, stammen aus dem siebzehnten Jahrhundert. Den einen dieser Brunnen schmückt die Figur des heil. Joseph, den anderen jene des heil. Leopold. Es ist eine stolze Reihe von durchwegs vornehmen und grossangelegten Wohngebäuden, die beiderseits den Graben begrenzen. An den Prachtbau der Gesellschaft «New-Vorkist pietätvoll an der Ecke gegen die Kärntnerstrasse in einer hohen Porphyrnische, das alte Wahrzeichen Wiens, der »Stock-im-Eisen« (links unten), ein dicht mit Nägeln beschlagener Baumstrunk angebracht. Line ganze Reihe von Sagen umrankt diese Wurzel eines Lärchbaumes. Die verbreitetste der schönen Mythen, welche wiederholt schon durch Dichtkunst und Musik verewigt worden ist, erzählt von einem Schlosserlehrling Namens Martin Mux, der sich in längstverrauschten, märchenhaften Tagen dem Satan verschrieben haben soll. Der Teufel sei dem Burschen dann behilflich gewesen, das angeblich unaufsperrbare Schloss und das den Stamm umschliessende Kisenband zu verfertigen und damit das Meisterrecht zu erlangen. Nach vielen Jahren sei Mux eines Sonntags zu lange beim Frühschoppen im Kreise seiner Genossen gesessen und habe auf diese Weise die Messe bei St. Stephan versäumt. Die Seele des Mux war nun, dem abgeschlossenen Pact mit dem Bösen gemäss, diesem verfallen. Satan entführte nun den jungen Meister in die Lüfte, um ihn dort zu zerreissen.

Seit jener Zeit musstc jeder von Wien abreisende Schlossergehilfe einen Nagel in diesen Stamm schlagen und dazu ein kurzes Gebet für den armen Berufsgefährten sprechen.

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Miut. Aug. Stautlu.

"WIEN. Graben.

RINGSTRASSEN - BILDER.

eit der Erweiterung Wiens zieht dort, wo einst die Festungswerke die alte innere Stadt gegen die ehemaligen Vorstädte abgeschlossen hatten, die welt-städtische Ringstrasse hin, Eine nahezu kreisförmige Anlage, die aus einem breiten Strassenzuge mit Alleen für Fussgänger zu beiden Seiten der Hauptfahrstrasse besteht, wird theils von monumentalen Bauten, theils von palastartigen Zinshäusern begrenzt. Diese imposante Anlage, kurzweg die Ringstrasse genannt, theilt sich in eine Anzahl von Strassenabschnitten, die verschiedene Nauun führen. Beginnen wir unsere Ringstrassenschau mit dein Schottenring, so folgt als nächster sich anschliessender Ringstrassen-theil der Franzensring, dann der Burgring, der Opernring, der Kärntnerring, der Kolowratring, der Park- und Stubenring, an den sich zur Herstellung der Verbindung mit dem Fnde des Sehotten-ringes, der Franz Josefs-Quai (rechts oben) längs des Donaucanals anschliesst. Die letztgenannte Strasse, welche allerdings nur auf der Stadtseite von vier- und lünfstockhohen Zinshäusern abgeschlossen ist, während die dem Donaucanal zugewendete Seite die Trace der Stadtbahn aufnehmen wird, war die erste, die aus Anlass der Stadterweiterung im Jahre 1800 durch den Kaiser Franz Joseph in festlicher Weise eröffnet w^urde. Auf dem Franz Josefs-Quai und dem angrenzenden Stadtviertel befinden sieh die Magazine und Comptoire der Manufacturwarenfabriken Oesterreichs und zahlreiche hübsche Verkaufsläden, In den prachtvollen, aus den letzten Jahren stammenden, thurmhohen Bauten linden wir mehrere moderne vornehme Cafes, wie Cafe Edison, Cafe Residenz u. a. Das grosse Hotel Metropole, das Eigenthum einer Actiengesellschaft ist, bildet einen Schmuck des Morzin-Blatzes, der auf den Quai mündet. Es ist ein palaisartiges Gebäude, dessen Erbauung zwei Millionen Gulden kostete. Vom Franz Josefs-Quai führen mehrere stattliche Brücken in den II. Bezirk. Die schönste derselben ist wohl die Stephanie-brücke, eine Fisenconstruction, die auf massiven Widerlagern aus Quadersteinen ruht. Ebenso ist die ältere Aspernbrücke mit allegorischen Figuren bemerkenswerth. Unmittelbar neben der Fahrstrasse zieht sich an der Donaucanalseite eine Gartenanlage hin, die zum Erholungsplatz für Kinder geworden ist. Der imposanteste Theil

der Ringstrasse ist nächst dem Burgring zweifellos der Franzensring. Fr wird von den herrlichsten Monumentalbauten des neuen Wien begrenzt, die hier zwei Detailbildehen (links oben, links unten) in trefflichen Ansichten vorführen. Da zeigen sieh auf dein einen Bälde in wirkungsvoller Perspective die gewaltigen Bauten des Parlaments, des Rathhauses, der Universität und des Burgtheaters; auf der zweiten Vedute die stolzen Miethhäuser, das Burgtheater, hinter demselben ein Theil des naturhistorischen Museums und im Vordergrunde rechts die Facade der Universität, gewiss ein effect-voller Ausschnitt aus einem blendenden Diorama. Dazu das bewegte Verkehrsleben, welches den bewunderungswürdigen Bauten ein scharffacettirtes Relief verleiht. — Der Kärntnerring (rechts unten) trägt wieder eine ganz andere Physiognomie zur Schau. Er reicht von der verlängerten Kärntnerstrasse bis zur Schwarzenbergstrasse und ist der eigentliche Flaneur- und Promenadering Wiens. An schönen Sommerabenden, an sonnenhellen Winternachmittagen stellt sich hier ein überaus stark bewegter Corso ein, auf dem nicht nur die »schöne Welt« unserer Kaiserstadt erscheint, sondern in dem auch alle jene grossstädtischen Figuren und Gestalten nicht fehlen, die man an anderen Orten selten so zahlreich vereinigt sieht. Hier fluthet im gleichmässigen Auf und Nieder ein bunter Menschen-ström, in dem die reizvollen Gesichtchen der Mädchen und Frauen Zeugniss ablegen für den Reichthum Wiens an berückender, bestechender Lieblichkeit. In dieser langen Reihe von Flanirenden spiegelt sich im Antlitz der Männer wie der Frauen gewissermassen auch deutlich die geographische Lage der Donaustadt, die sozusagen an der Eingangspforte in den Orient liegt, ab.

Auf dem Kärntnerring befinden sich die drei vornehmsten Hotels Wiens: das »Hotel Imperial«, ehemals Palais des Herzogs von Württemberg, das »Grand Hotel« und das in den letzten Jahren entstandene »Hotel Bristol«. Vor der Stadterweiterung, die vom Kaiser am 20. December 1857 sanetionirt wurde und zu Anfang der Sechzigerjahre in's Leben trat, zogen sich an der Stelle der heutigen Ringstrasse, zu Füssen der Stadtbasteien, die Glacis hin, grüne Wiesenflächen, die Kaiser Josef II. anlegen liess und auf denen die Jugend wie das Alter in Mussestunden sich gerne erging.

Phot I., II. J. Löwy; III., IV., A, Wiiumcr.

Frauzensring.

WIEN.

Franz Josefs-Quai. Kärntnerring.

DIE NEUE UNIVERSITÄT.

lausenddreihundertfünfundsechzig ist das Gründungsjahr der Wiener Universität, die Herzog Rudolf IV., der Stifter, in's Leben rief und mit grossen Vorrechten und reichen Schenkungen ausgestattet hatte. In dem Be-heutigen Schaufler- und Herrengasse, dem Minoriten-dem Landhause wurde damals Lehrern und Studenten ein Raum zugewiesen, der von Mauern und mit Thoren abgeschlossen war. Unter Albrecht III. erhielt die Hochschule durch die Anreihung einer theologischen Facultät ihre Ausgestaltung. Damals kam sie auch in die Nähe des Dominikanerklosters, auf den Universitäts-Platz in der inneren Stadt. Kaiser Ferdinand II. übergab die Leitung dieser Akademie den Jesuiten und unter Maria Theresia wurde das dermalen noch bestehende alte Universitätsgebäude aufgeführt. In unseren Tagen erwies sich der alte Bau als zu enge und so erstand in den Jahren 1872 bis 1883 der neue Universitätspalast am nördlichen Flügel des Franzensringes, eine der hervorragendsten Baulichkeiten des neuen Wien. Heinrich Ferstel, der Schöpfer der unvergleichlichen Votivkirche, ist auch der Meister, der das im italienischen Renaissancestyl errichtete grossartige Heim der Wissenschaft erstehen liess. Der lein erdachte und formvollendet durchgeführte, in seinen Dimensionen und C'ontouren mächtig wirkende Monumentalbau, der einen Flächeiiraum von 21.720 Quadratmeter umfasst, bildet ein Rechteck, das aus vier Baulichkeiten besteht, die einen umfangreichen, centralen Arkadenhof umschliessen. Im Vordertracte belinden sich im ersten Stockwerke die Festlocalitäten, die aus drei grossen Sälen bestehen und die durch zwei Etagen reichende, säulengetragene Aula, während der rückwärtige Tract die Bibliothek umschliesst; die eine Grundfläche von 2000 Quadratmeter aufweist. Die innere Einrichtung der Bibliothek, die zwar durchaus isolirt ist, obgleich sie sich dem ganzen Universitätsbau harmonisch einfügt, ist aus Fasen hergestellt und der berühmten Bibliothek von St. Genevieve in Baris nachgeahmt. Mehr als ',YAO.000 Bände stehen den Besuchern, die in einem hohen, mit elektrischen Lichtem taghell erleuchteten Lesesaal 100 bequeme Sitzplätze finden, zur Verfügung und mehr als 500.000 Bände vermag die Bibliothek aufzunehmen. Den Stamm zu diesen, allen

wissenschaftlichen Diseiplinen angehörigen Bücherschätzen lieferte die einst berühmte Sammlung des Grafen Windhag, die später durch die Bibliotheken der Klöster, die unter Josef II. aufgehoben wurden, eine Vergrösserung und Erweiterung erfuhren.

Die Seitentracte des Universitätsbaues sind den Lehrzwecken gewidmet, doch vermochte das Gebäude, trotz seiner Ausdehnung, doch nicht alle Institute und Sammlungen aufzunehmen und mussten einige derselben anderwärts in eigenen Baulichkeiten untergebracht werden. Ein Schmuck des Baues sind die Arkaden, welche den grossen Mittelhof einschliessen. An den Wänden dieser luftigen, an classisehc Vorbilder gemahnenden freien Gänge sind Votivbilder jener berühmten Männer der Wissenschaft angebracht, die sich um die Wiener Alma matcr verdient gemacht, die zu ihren Zierden gezählt haben. Bs fehlen nebst den Leuchten der übrigen Facullätcn wie Hermann Bonitz, Franz Fxner, Julius Glaser, Melchior Neumann, Barth, Kudler, Zeiller, Josef v. .Sonnenfels u. A. selbstverständlich auch jene Reliefs und Büsten nicht, welche die Erinnerung an die einstigen Leitsterne der weltberühmten medicinischen Schule Wiens, an Frnst Brücke, Franz Schuh, Karl Braun, Josef Hyrtl, Gerhard van Sudeten, Andreas v. Stuft, Johann Qppolzer, Ferdinand Hebra etc. wachrufen. So reich wie im Innern ist auch die Facade ausgestattet. Da ist die Freitreppe mit der Doppelrampe, der stimmungsvolle Porticus mit dem herrlichen Giebelfeld von Josef Taütenhayn, das die »Geburt der Athene«, Zeus und die Olympier thronend darstellt und die Loggia. Das sind Details, die dem vollendeten Meisterwerk Ferstel's wohl die Weihe verleihen.

Die Wiener Universität ist die drittälteste deutsche Hochschule; nur Heidelberg und Prag sind älter. Hatte die einst so berühmte Akademie ihr ganzes Ansehen in der Zeit der Religionswirren auch eingebüsst, die Reformen Gerhard van Swieten's erhoben sie doch wieder zu neuem Ruhme. Gegenüber der Hauptfront der Universität, au! einer im Türkenjahre 1683 heissumstrittenen Stelle der damaligen Befestigung, erhebt sieh seit Jahren ein schönes Denkmal des Bildhauers Johann Silbernagel, das zur Erinnerung an Johann Andreas V. Liebenberg, den pflichttreuen und opfermuthigen Bürgermeister der Kaiserstadt in jenen schweren Tagen des Kampfes errichtet wurde.

Phot A. Wii,

WIEN. Universität mit Liebenbergdenkmal.

SCHWARZENBERG - PLATZ.

laum ein zweiter Platz in Wien gewählt ein so freies, lichtvoll-heiteres und doch auch so vornehmes Bild, als der Schwarzenberg-Platz (Längsbild), auf dem sich das imposante Reiter-Monument des Fürsten Karl Schwarzenberg, des Siegers in der Völkerschlacht bei Leipzig erhebt, welches Kaiser Franz Josef 1807 zum ruhmvollen Andenken an den siegreichen Oberfeldherrn der verbündeten Heere im Befreiungskriege errichten liess. Das von dem Dresdener Bildhauer Ernst Hähne! modellirte, von Fernkorn in Bronee gegossene Denkmal des Fürsten wird durch eine einheitliche architektonische Umrahmung noch wesentlich gehoben. Ringsum begrenzen nämlich den weiten Platz ZU beiden Seiten stolze und doch anmuthende Paläste. Zur Linken beginnt die Reihe der vornehmen Bauten mit dem schönen Palais des Erzherzogs Ludwig Victor, des Bruders des Kaisers. Dasselbe wurde in den Jahren 1803 bis 1864 nach Plänen FerstcTs im glanzvollen Style der Renaissance erbaut. Das herrliche Gebäude weist im ersten Stockwerke prunkhafte Räume auf, in denen in der Carnevalszeit alljährlich mehrere Feste veranstaltet werden. Der nachbarliche stylvolle Bau, vom Architekten Romano entworfen, ist Eigenthum eines Wiener Bankiers. Das nächste Palais befindet sich im Besitze der Staats-Eisenbahn-(Gesellschaft, welche dort ihre Verwaltungs-Bureaux untergebracht hat. Auf der rechten Seite des Platzes, von der Kingstrasse ausgesehen, stehen die beiden in reicher Renaissance ausgeführten, den Erben des Cassenfabrikanten Baron Wertheim gehörigen monumentalen Bauten, die nach den Plänen FerstcTs aufgeführt wurden. Das letzte Gebäude dieser Häuserfront ist gleichfalls ein Werk Komano's und zählt zum Besitze der Familie R. v. Ofenheim. Die früher hier bestandene 1805 auf Kosten der Gemeinde nach den Plänen des Architekten v. Hornbostel erbaute Steinbrücke musste den Bauten weichen, die aus Anlass der Errichtung der Stadtbahn durchgeführt werden. Als effectvoller Abschluss des weiten Stadtbildes erhebt sich aus dem Grün der parkartigen Anlagen der 1 lochstrahlbrunnen und dahinter auf massiger Erhöhung als letzte Decoration, das Sommerpalais der fürstlich Schwarzenbergischen Familie mit dem schönen, in Terrassen aufsteigenden Garten, der reich an lieblichen Details ist.

Unmittelbar auf dem äusseren Burgplatze, auf jener Stelle, wo sich bis 1809 die damals von den Franzosen gesprengten alten Festungswerke befanden, breitet sich der Volksgarten (links unten) aus. Er ist 1823 auf den Trümmern dieser Festungsmauern, zum l'heil über dem verschütteten Stadtgraben entstanden und wurde nach Abtragung des auf der Bastei befindlichen sogenannten Paradiesgartens namhaft vergrössert. Der Volksgarten ist ein beliebter Erholungsort, und das Kaffeehaus mit seinen Abend-COncerten im Sommer vereinigt stets ein zahlreiches Publikum. In den Anlagen dieses kaiserlichen (Gartens erhebt sich Peter v. Xobile's Theseustempel mit seinen dorischen Säulen, der 1819 dem gleichnamigen Tempel in Athen nachgebildet wurde. Bis 1890 befand sich in demselben die berühmte Marmorgruppe von Canova »Theseus besiegt den Minotaurus«, welche nunmehr die Besuchendes kunsthistorischen Museums fesselt. Wohl der schönste Schmuck des Gartens ist das seit 1889 in einem Bosquet aufgestellte Grill-parzer-Mönument von Kundmann undWeyr, In einer Metopenwand zu beiden Seiten der in Lebensgrösse und in sitzender Stellung angebrachten Figur des Dichters, belinden sich Marmorreliefs, welche Scenen aus Grillparzer's Dramen darstellen.

Eine nicht minder beliebte Anlage ist der Stadtpark (rechts unten). Derselbe wurde in den Jahren 1862 und 1803 nach einer Skizze des Malers Sclleny von dem rühmlichst bekannten Landschaftsgärtner Dr. Siebeck an der rechten Seite des Parkringes, auf einem Theile des ehemaligen sogenannten Wasserglacis, errichtet. Der Park, welcher im englischen Style angelegt ist, besitzt reizende Partien, Bosquets und schattige Sitzplätze, von denen man hübsche Perspectiven nach allen Seiten hin geniesst. Von ganz besonderem Zauber sind manche Durchblicke in die Ferne, die pittoresken Charakter zeigen. Auf der Terrasse vor dem ('ursalon, den Architekt Garben in geschmackvollem Styl erbaut hat, findet sich im Sommer ein vornehmes Publikum ein, um hier die Jause zu nehmen. Im Winter werden in dem schönen Festsaal Promenade-Concerte abgehalten. Auf dem kleinen WTeiher, den in sommerlicher Zeit Schwäne und anderes Gevögel beleben, tummeln sich in winterlichen Tagen flotte Eisläufer in reger Lust.

Phot. I , H. Steimel & Cie ; III. A. Wimmer.

Volksgarten.

WIEN. Schwarzenbergplatz.

Cursalon im Stadtpark

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DAS HOFOPERN-THEATER.

ine der ersten monumentalen Bauten, die entstanden sind, nachdem die Basteien gefallen waren, ist das mii Hofopern-Theater, welches von den genialen Architekten Hl van der Null und Siccardsburg in den Jahren 1801 bis 1800 aulgeführt worden ist. Keinem der beiden Künstler war es jedoch vergönnt, das Kaule der Bauzeit dieses gross angelegten Werkes zu erleben, denn beide starben schon im Jahre 1868, ein Jahr vor der festlichen Eröffnung des Hauses. Der im französischen Renaissance-Bogenstyl errichtete Bau nimmt eine Fläche von 8708 Quadratmetern ein und steht zum grössten Theil auf den Gründen des ehemaligen Stadtgrabens. Wird dem Opernhause auch vorgeworfen, dass sein Niveau ein zu tiefes sei und es daher an imposanter Wirkung einbüsse, so nuiss doch zugegeben werden, dass hier eine bewunderungswürdige Idee in bewunderungswürdiger Weise zur Ausführung gebracht wurde. Der Fachmann wird die harmonische Verbindung der verticalen Linien mit den horizontalen, im Vereine mit der im fanklang gebrachten Bogen-führung rühmen und in dem ganzen Aufbau, namentlich in der Vorderfront, jenen grossangelegten Zug entdecken, der nur aus einem feinen Empfinden, aus einem abgeklärten heiteren Charakter hervorgehen kann. Aus dem ganzen Werke, wie aus seinen Theilen spricht ein heiteres, lebensvolles und lebendiges Element, das gewissennassen das Element der alten Wienerstadt seit jeher gewesen ist. Mit unbeschreiblicher Feinheit, die ihre Grazie überall verräth, mit jenen reizvollen luftigen Verhältnissen, die der echten Wienerart entsprechen, ist die Facade aufgebaut und namentlich die Loggia durchgeführt worden. Mit ebensolcher Zartheit ist der Vorbau mit dem Haupteingang, das Stiegenhaus, das Foyer, der Zuschauerraum, der in vier Stockwerken 3000 Personen fasst, die grossartig angelegte Festtreppe erbaut. Der Saal, in hellem Gold ton gehalten, harmonirt wunderbar mit dem Gesammtcharakter des Hauses. Leber diesen wahrhaft majestätischen Kaum ist eine vornehme und wohlthuende Ruhe ausgegossen, die ihre behagliche Wirkung auf den Besucher niemals verleugnet. Ein sinniger Zauber sprüht aus allen Details des Saales und lässt uns im Vereine mit der ausgezeichneten Akustik und Ventilation die gesanglichen

wie die instrumentalen Vorführungen ganz und voll gemessen.

An der decorativen Ausschmückung dieses hehren Tempels der Musik waren alle damaligen künstlerischen Kräfte Wiens betheiligt. Von Meister Schwind stammen die enkaustischen Gemälde in der Loggia, welche die Personilicationen jener Kunstzweige darstellen, denen das Haus dient. Auch erscheinen in diesen Gemälden die Hauptscenen der berühmtesten Opern festgehalten. Rahl, Engerth und Laufberger haben an anderen Punkten des Hauses die malerische Zierde in reichster Weise besorgt. Den sculpturellen Schmuck des Opernpalastes hatten die Bildhauer Hähnel, Hans und Josef Gasser, Radnitzky, Bauer und Melnitzky übernommen. Die Schüler RahTs, Griepenkerl und Bitterlich, haben nach den Entwürfen ihres Meisters die Vorhänge, sowie die Gemälde an der Decke ausgeführt. Das Bild, welches der vollbesetzte Saal im Glänze der elektrischen Beleuchtung bietet, die seit 1888 im Opernhause eingeführt ist, ist unstreitig ein überaus effectvolles. hu Carneval bilden einige Opernbälle, bei denen Bühne und Zuschauerraum verbunden sind, glanzvolle heitere Feste, die Alles vereinigen, was in Wien Namen von Bedeutung besitzt. Da herrscht ein Auf-Lind Niederwogen der carnevalslustigen Besucher, ein Intriguiren und Kokettiren der Masken schier ohne Ende.

Mit der Theater-Geschichte Wiens ist das vom Wiener Magistrat 1708 für eine italienische Operngesellschaft erbaute erste Kärntnerthor-Theater auf's Innigste verknüpft. Dieses Haus stand hinter dem heutigen Opernheim, und zwar zum Theil auf dem Albrechtsplatz, zum Theil in der Augustinerstrasse und der May-sedergasse. Der Hanswurst Stranitzky war vom nahen Mehlmarkt herübergekommen, um hier seine lustigen Stegreifpossen aufzuführen. Nach dem Brande dieses Komödienhauses Hess 1761 der Hof dort ein neues Theater, das zu hohem Ruhm gelangte Opernhaus aufführen, in dem die hervorragendsten Sänger und Sängerinnen der Welt aufgetreten sind.

Namen von strahlendem Glanz wie Ander, Erl, Scaria, wie die Lutzer, Dustmann, Murska u. v. a. sind für immerwährende Zeiten eingegraben in dem Buche der Erinnerungen. Im Jahre 1871 wurde das neue Kärntnerthor-Theater demolirt

KUNST- INSTITUTE.

Immer ist das lebensfreudige Wien die Stadt der Musik, der bildenden Kunst, der Theater gewesen, immer hat cjjjjsii es in der alten Kaiserstadt nicht nur liederfrohe Menschen, JJ^Jl sondern auch berühmte Meister der Harmonien, namhafte Maler und Bildhauer und nicht zuletzt gefeierte Sänger und Sängerinnen, Schauspieler und Schauspielerinnen gegeben. Das Bedürfniss, eine höhere Musikschule zu begründen, war längst vorhanden. Im Jahre 1<SI I entstand die Gesellschaft der Musikfreunde, welche sowohl die Aufführung classischer Werke ermöglichte, wie auch Schulen für Gesang und die verschiedenen Instrumente etc. unterhielt. 1825 bezog die Gesellschaft unter den Tuchlauben ihr eigenes Gebäude, in dem bis 1870 die Yereins-Productionen und Schulcurse stattfanden. In diesem Jahre übersiedelte der Musikverein in das nach den Plänen von Theophil Hansen im Style der italienischen Renaissance in der Künstlergasse errichtete Gebäude (links oben), das nebst den Vortrags- und Kanzleiräumen auch einen ausgedehnten C'oncertsaal und einen kleineren Saal für intimere musikalische Aufführungen enthält. Von nahezu stimmungsvoller Pracht ist der ersterwähnte, für Concerte und Festlichkeiten bestimmte Saal, der mit farbenreichem Ornamentschmuck, mit künstlerischen Gemälden auf der Decke geziert ist. Sehenswerth ist die grosse Orgel, welche bei Oratorien zur Geltung gelangt. Die Gesellschaft besitzt eine werthvolle Bibliothek von Musikwerken, Musikalien, Partituren, die viel Interessantes enthält. Am Eingänge in das Vestibude sind die Statuen der hervorragendsten deutschen Tondichter angebracht. In nächster Nähe dieses Baues, in der Lothringerstrasse, erhebt sich das Künstlerhaus (rechts oben), welches Lagenthum der Genossenschaft der bildenden Künstler ist. Die Ausführung des gleichfalls in italienischer Renaissance hergestellten Gebäudes erfolgte in den Jahren 1805 bis 1808 nach den Plänen des Wiener Architekten August Weber, welcher aus der Preisbewerbung sieggekrönt hervorging. Die zahlreichen Räumlichkeiten dieses Baues finden nicht nur zu Ausstellungen von Gemälden und Seulpturen heimischer und fremder Meister regelmässige Verwendung, es wird alljährlich im Carrteval daselbst auch ein Künstlerfest veranstaltet, das in den 'Pagen des Farbenzauberers Plans Makart wohl

seinen berückendsten Glanz aulgewiesen hatte und das in unserer Zeit noch durch sprühenden Witz und unverwüstlichen Humor glänzt. Im ersten Stockwerke des Künstlerhauses fesselt den Besucher der vornehm ausgestattete Stiftersaal, an dessen Wänden die von dem bekannten Porträtisten Aigner gemalten Bildnisse der Stifter angebracht sind. Die Marmorfiguren vieler Heroen der Kunst, darunter Dürer, Michel Angeln, Raffael etc. zieren den Fingang und die Aussen-seite dieses freundlichen der bildenden Kunst gewidmeten Gebäudes.

Die beiden anderen Detailansichten des nebenstehenden Bildes führen links das Deutsche Volkstheater, rechts das Raimund-Theater vor. Das erstere Schauspielhaus, ein freundlicher Bau an dem Zusammentreffen der Bellariastrasse und Burggasse, ist ein meisterhaftes Werk der auch im Auslande als Theater-Architekten rühmlichst bekannten Fellner und Hellmer. Das Haus, welches 1889 im Zeichen Anzengruber's eröffnet wurde, hat sich rasch die Gunst der Wiener Theaterfreunde erworben; es ist heute unbestritten die Lieblingsbühne der Kaiserstadt. So anmuthend wie sein Inneres, ist auch sein Aeusseres. Der sculpturelle Schmuck der Facade von Franz Vogl, wie jener im Interieur von Theodor Friedl und das Deckengemälde von Veith sind vollwerthige künstlerische Leistungen. In Hinsicht auf die dramatische Bedeutung steht das Deutsche Volkstheater gleichwie in seiner räumlichen Lage nicht weit vom Burgtheater. Es pflegt das Lustspiel, das moderne Schauspiel und das gute Volksstück, in erster Linie das Wiener Stück. - Einfacher im Bau, bescheidener im Kunstprogramm ist das nach dem WTiener Volksdramatiker Ferdinand Raimund der noch heute in hohen Ehren gehalten wird - benannte Raimund-Theater. Es wurde von dem Architekten Franz Roth entworfen und 1803 in der Wallgasse, unweit der ehemaligen Mariahilfer und Gumpen-dorfer Linie erbaut. Die Bildhauer Benk und Weyr haben die bildnerische Ausschmückung besorgt. Von dem Erstejren stammt die allegorische Gruppe »Die gefesselte Phantasie-, die das Gesimse krönt; von dem Letzteren sind die ernste und heitere Muse. Die maschinelle Einrichtung des Hauses entspricht dem sogenannten Asphaicia-System, welches ermöglicht, das Haus auch während eines allfälligen Brandunglückes auf das Rascheste zu leeren.

Pilot. I., IV. J. Lö.vy; II. A. Wimmer; III. Stengel & Cie.

Musikvereinsgebäudo. WIEN, Künßtlerhaus.

Deutsches Volkstheater. Raimundtheater.

   
           

DER ALBRECH'I SBRUNNEN.

"Otz mancher baulichen Zierde, die Wien seit 1869, dem Jahre der Errichtung des Albrechtsbrunnens auf dem Albrechtsplatze erhielt, ist doch bisher im Bannkreis unserer Capitale kein Brunnendenkmal erstanden, das an Lieblichkeit der Conception, an Grossartigkeit der Anlage sieh mit dem Geschenk des Kaisers an die Donaustadt hatte messen können. Der Albrechtsbrunnen war gewissermassen eine Notwendigkeit, denn die Stirnseite der Rampe, welche auf die Augustinerbastei führt, musste unbedingt eine seulpturelle Verkleidung erhalten, da sie einmal nicht abgetragen werden konnte, weil auf derselben das ältere Baiais des verstorbenen Erzherzogs Albrecht steht. Gleichwie ein Corridor vom Schweizertracte der Hofburg, der sogenannte Augustinergang, die Verbindung des erzherzoglichen Baiais mit den Appartements des Allerhöchsten Hofes bis zur Inangriffnahme des Baues des neuen Burgflügels herstellte, diente gleichsam auch der intact gebliebene Theil der alten Stadtumwallung dazu, vom Baiais directe auf den äusseren Burgplatz zu gelangen, l'm nun die Stirnwand des letzten Restes der Bastei zu maskiren, wurde der monumentale Albrechtsbrunnen geschaffen, der nach seiner Vollendung vom Kaiser in das Eigenthum der Commune übergeben wurde. Der Brunnen ist ein Werk des Bildhauers Johann Meixner und gliedert sich in eine Hauptgruppe mit den überlebensgrossen Gestalten des Danubius und der Vindobona, von denen sich nach rechts Lind links eine Reihe von Nischen hinziehen, welche kleinere Flüsse der Monarchie symbolisch in den Figuren von Erwachsenen und Kindern ausdrücken. Wir sehen zur Rechten der dominirenden Gruppe symbolisirt die Theiss, Raab, Enns, Traun und den Inn; zur Linken die Nebenflüsse Save, March, Salzach, Mur und Drau. Die kleineren Flüsse sind als reizende Kindergestalten gedacht, dienen, wie den grösseren Figuren, die charakteristischen Merkmale des betreffenden Landes beigegeben sind. Der ganze Brunnen, aus weissem Marmor hergestellt, dient, wie bereits erwähnt, als künstlerische Verkleidung eines übriggebliebenen Theiles der alten Stadtumwallung, der Augustinerbastei, auf der das Palais des Erzherzogs Albrecht steht.

Das vornehme Gebäude, nunmehr Eigenthum des Erzherzogs

Friedrich, ist mit dem Palais gegenüber dem Albrechtsbrunnen durch einen unterirdischen Gang verbunden. Es enthält die berühmte Sammlung von Kupferstichen und Handzeichnungen, die mit der dazu gehörigen Bibliothek unter dem Namen »Albertina« in der Kunstwelt fingst schon rühmlichst bekannt ist. Die Sammlung wurde von dem Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen gegründet. Sie besitzt unter ihren namhaften kostbaren Schätzen allein K).ooo Blätter Handzeichnungen und ist die reichhaltigste von allen ähnlichen. Sie enthält die berühmtesten Meister und die hervorragendsten Schulen, und zwar in möglichster Vollständigkeit. Von Dürer allein besitzt die Sammlung 164 Blätter, unter denen sieh die berühmte »grüne Passion« befindet. Von K'affael sehen wir 144 Blätter, darunter die Studie zur Sarazenenschlacht, welche die eigenhändige Widmung des Meisters an Dürer trägt, dem er sie 1515 schenkte. Rembrandt ist in der Sammlung mit 147 Blättern vertreten. Ebenso linden wir Rubens, Tizian, Michel Angelo u. A. Nicht geringeren Werth repräsentirt ein anderer Kunstschatz dieser reichen Gollection, die nicht minder werthvolle Sammlung von Kupierstiehen, welche an 220.000 Blätter zählt. In dieser Gollection, wohl der reichsten, die sich überhaupt in einer Hand befindet, gibt es die werthvollsten Blätter der berühmtesten Stecher und Radirer, und zwar in einer Vollständigkeit, wie kaum sobald an einem anderen ()rte. Desgleichen darfauch der Werth der Sammlung von Landkarten und Plänen als sehr bedeutend angenommen werden. Nicht geringer als die vorgenannten Schätze ist die Bibliothek mit ihren 50.000 Prachtbänden zu bewerthen.

Der stattliche Philipp-Hof, ein Neubau im Barockstyl, der sich nun im Besitze Sr. Majestät des Kaisers befindet, erhebt sich ungefähr gegenüber dem Albrechtsbrunnen. Das stattliche Gebäude, von dem Architekten König erbaut, erhebt sich auf dem Platze, den das ehemalige Bürgerspitalsgebäude eingenommen hatte. Im Palais belinden sich die vornehmen Räumlichkeiten des Jockey-Club. In der Augustinerstrasse befindet sich die Hof-Pfarrkirche zu St. Augustin mit dem berühmten Grabmal der Erzherzogin Maria Christina, einem Meisterwerk Canova's, welches deren Gemahl, Herzog Albert von Sachsen-d'eschen 1805 errichten liess.

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IM BELVEDERE - GARTEN.

ine hochgelegene weite Terrasse dehnt sich vor dem ehrwürdigen Belvedere-Schlosse aus. Sieht man von der anmuthsvollen Höhe herab auf den Park und die Stadt Wien, so taucht das reizvolle Gemälde auf, welches CanalettO mit scharfen Linien gezeichnet hat und das noch heute in seinen Haupteontouren sich in dieser anmuthigen Weise präsentirt. Da liegen im Vordergründe zu unseren Küssen die hellen Kieswege, die im Sonnenscheine leuchten und die von dunkelgrünen, glatten Laub wänden begrenzt werden. Breite, mit Sandsteinfiguren geschmückte Treppen, Bassins, Fontainen und lauschige Blätternischen beleben das allerliebste ParkbiLi, das altfranzösischen Geist, duftigen Reiz athmet. Vor unserem inneren Auge bevölkert sich wie auf ein Zauberwort diese Welt des Rococo; in den Gartengängen bewegt sich ein heiteres, zierliches Völkehen von Cavalicren mit gepuderten Perrücken, von lieblichen Damen mit Reifrücken, die uns die galante Zeit des grossen Prinzen Fugen von Savoyen, des -edlen Ritters« vorspiegeln. Wer ein wenig Phantasie besit i. der kann sich unschwer heute jene feine, liebesreiche rrionde vor die Sinne führen, die einst zu Gaste war bei dem ruhmreichen Kriegshelden. Der Prinz hatte sich selbst auf diesem historisch-denkwürdigen Boden, wo zur Zeit der Römerherrschaft ein Gasteil stand, das Wall und Graben umgab, den Bauplatz für sein Lust-sehloss ausgewählt. Fr Hess die bemerkenswerthen Gebäude des Belvedere in den Jahren 1003 bis 172-4 von Hildebrand im Barockstyle jener Schlösser des französischen Lloehadels aufführen. Die reichen Decorationen der Innenräume hat der ()herst-Schiffamts-Lieutenant Leffort du Plessis angegeben, die Anlage des Gartens, der ein Bijou der damaligen Parkkunst ist, stammt von dem fürstlichen Garten-Inspector Zinner und ist nach den Fntwürfen des kurfürstlich-bayerischen Garten-Dircctors Girard beigestellt. Lieblich präsentiren sich die Kinderstatuen Gasser's, welche die zwölf Monate darstellen und nebst den mythologischen Figuren die Parkwege so freundlich beleben. Fürst Heinrich Mansfeld, der Gegner des Prinzen im Kriegsrathe, neidete dem Letzteren Garten und Schloss und Hess deshalb knapp an dem Belvedere-Besitz eine ähnliche Anlage errichten, die heute Figenthum der fürstlichen

Familie Schwarzenberg ist. Doch segnete Fürst Mansfeld das Zeitliche, bevor noch sein Schloss und Garten vollständig beendet waren. Das Belvedere ging nach dem Ableben Prinz Fugens in kaiserlichen Besitz über. Den Abschluss des schönen Parkes bildet das untere Belvedere, das am Rennweg liegt. In dem einstockhohen einfachen Bau ist die U u. k. Arcieren Leibgarde untergebracht. Bis zur Uebersiedlung in die I lofmuseen war in dem Sommcrpavillon die Ambraser Sammlung eingestellt. Im eigentlichen Schlossbau auf der Höhe des Gartens, einem länglichen italienischen Barockpalais, das mit seinem kuppeiförmigen Mansardenaufbau in der Mitte und den vier mit Rundkuppeln versehenen Eckthürmen einen überaus vornehmen Charakter zeigt, befand sich durch eine grosse Reihe von Jahren die kaiserliche Gemäldesammlung, die nun gleichfalls das kunsthistorische Hofmuseum aufgenommen hat. Kaiser Josef IL hat die Gemälde-Galerie im Belvedere untergebracht, die sich im Laufe der Jahrzehnte ZU einer Bilder-Galerie allerersten Ranges ausgebildet halte. Prinz Eugen, der ruhmvolle Figenthümer des Belvedere, der jahrelang diese herrliche Besitzung bewohnte, hat hier als hervorragender Thierfreund begonnen, die Schönbrunner Menagerie anzulegen. Wie wenige von den vielen Tausenden, die draussen in Schönbrunn sich an der Galerie ergötzen, haben eine Ahnung, dass es dem Prinzen Eugen zu danken ist, wenn wir uns heute an dem reichen, schönen Thierpark erfreuen und belehren können.

Von dem entzückenden Panorama, welches sich nach allen Seiten hin zeigt, darf wohl auch mit einigen Worten gesprochen werden. Da liegt im Norden das 1 lausermeer der Kaiseistadt, aus dem sich zahlreiche Thürme, Thürmchen und Kuppeln in die Lüfte erheben. Dort in massiger Ferne sehlicsst der Höhenzug des Wienerwaldes in seinen letzten Ausläufern, dem Leopolds- und Kahlenberge, das Bild effectvoll ab. Ueber den Wienerwald, der mit der nahen Südbahn rasch zu erreichen ist, fliegt der Blick bis zum Schneeberg, den Schulberg der Wiener Touristen, und nach den Ausläufern der steirischen Alpen. Das Auge umspannt die liegend vom .Marchfeld bis an die Kleinen Karpathen. Ist man vom (duck begünstigt, so kann man bis zu den Donau-Inseln ausschauen.

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Phol. Siengel & Cie.

WIEN. Aussicht und Ansicht vom k. u. k. Belvedero.

K. U. K. ARTILLERIE-ARSENAL.

! uhmgekrönt sind Oesterreichs Waffen aus zahlreichen Schlachten hervorgegangen, aber keine vielleicht noch in solch erhebender Weise, wie die Artillerie, die Elite-truppe unserer Landmacht. So gewaltig und gross, wie diese sich so oft erwiesen, ist auch das Arsenal für diesen Truppenkörper erstanden. Es zählt unbedingt zu den bedeutendsten Hauten der Neuzeit und ist in wahrhaft riesigen Dimensionen angelegt. Das militärisch-technische Etablissement nimmt einen Flächenraum von 63'3 Hektar (410 Joch) ein und dehnt sich vor der früheren Beb ederc-Linic aus. Die Hauptfront mit dem mächtigen Thor-pavillon, der Commandantur, ist gegen die Stadt gewendet. Die Breite derselben beträgt gleich der gegen Simmering gerichteten, correspöndirenden Front 481 Meter, während jede der beiden Längsseiten des Rechteckes 088 Meter misst. Die sämmtliehen Gebäude des Arsenals sind aus Ziegelrohbau in romanischem Styl und durchaus in einlachen Facaden gehalten. In architektonischer Hinsicht ist der Mitteltract der Hauptfront mit seinem 38 Meter bedien Zinnenthurm, den Statuen von Hans Gasser und dem sonstigen decorativenSchmuck unstreitig der am reichsten ausgeführte. Ausser diesem Thorpavillon lügen sich in die crenelirten Umfassungsmauern lö massive Kasernen und Depots ein, von denen jedes einzelne Object mit dem nächsten durch 18 Meter lange Mauern verbunden ist. Alle diese Lmfassungsgebäude, ausgenommen das Gebäude der Artillerie-t'adettensehule hinter der Kapelle, die Werkstätte für Schmiede, Lederer und Holzarbeiter, sind nach den Bläuen der Architekten van der Null und Siccardsburg erbaut worden. Die Kapelle, sowie das Schulgebäude sind nach den Entwürfen des Professors Rösner errichtet. Eine der Bauten, die sofort in die Augen fällt, ist das Waffenmuseum, welches Theophil Hansen im maurischen Style aufgeführt hat. Die Entwürfe für die Gewehrfabrik und die Schiessstätte haben Hansen und Förster gemeinsam entworfen. Schon das Vestibül des Heeresmuseums, das auf 12 Säulen, 4 Piedestalen und auf 4 solchen mit je einem Biedestal ruht, verfehlt seine architektonische Wirkung nicht. 02 Marmorstatuen, welche die bedeutendsten österreichischen Heerführer aller Zeiten darstellen, grüssen hier den Besucher. Das Vestibüle selbst hebt

sich in seiner vornehmen Einfachheit von Weiss und Gold von dem lebhaften grellen Farbenton des rückwärtigen Stiegenhauses harmonisch ab. Das Museumsgebäude, welches von einer stattlichen Kuppel in der Mitte und zwei Seitenkuppeln gekrönt wird, hat allein schon die Kostensumme von einundeinhalb Millionen Gulden beansprucht. Von hohem Interesse ist die Sammlung von merkwürdigen Feuerwaffen und Geschützen. Die alten Mitrailleusen-Constructionen und japanischen Hinterladerkanonen aus dem XVI, Jahrhundert zeigen, dass die Idee zu diesen raftinirten Mordwerkzeugen keineswegs unserem nüchternen Jahrhundert entsprungen ist. Ein sehenswerthes Detail des Museums ist das Stiegenhaus, das in seinen prächtigen Deckengemälden von Kahl Muth, Klugheit, Macht, Einigkeit; Ruhm und Ehre allegorisch wiedergibt. Meister Benk hat eine vollendete Marmorstatue der Austria geschaffen, die den Treppenaufgang schmückt. In der Ruhmeshalle, dem herrlichen hohen Kuppelsaal von lld Meter Hohe und in den beiden gleichfalls von Kuppeln gekrönten Nebensälen, finden wir die berühmten Fresken von Karl Blaas, der in einer Anzahl von sprühenden Deckengemälden, Bipgenfeldern, Zwickeln, Medaillons etc. beredte Darstellungen aus der Geschichte der Ostmark und Oesterreichs hier wiedergibt. Line grosse Zahl von kostbaren historischen Schaustücken ist in Glasvitrinen in den Nebensälen eingereiht, Erinnerungen an den Herzog von Friedland, den Grafen Pappenheim, Gustav Adolf von Schweden, Montecuccoli, Graf Starhemberg, Prinz Faigen, Loudon, Erzherzog Karl u. v. A. Man sieht ferner Denkstücke von Fürst Karl Schwarzenberg, Erzherzog Johann, Feldmarschall Fürst Liechtenstein, Kadelzky, Tegetthoff u. s. w. Im Kücken des Museums ziehen sich die technischen Werkstätten und Etablissements hin, die Gewehrfabrik, die Kanonengiesserei und Bohrerei, die Maschinen-, Schmiede-, Spengler-, Sattlei-- und Riemerwerkstätten, die chemischen Laboratorien u. v. a. In der der heil. Maria vom Siege geweihten Kapelle ist jenes Marienbild aufbewahrt, welches am alten Zeughaus in der Kenngasse angebracht und am 6. October 1848 bei dem Sturme auf das Gebäude gänzlich unversehrt geblieben war, Das Gnadenbild heisst noch jetzt im Volksmunde »Die Zeughaus-Muttergottes«.

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Phot. Stengel & Cie.

WIEN. K. u. k. Arsenal.

VON DER HOFBURG.

.W'.■ :. ,]n der älteren Geschichte der Wienerstadt und der des Reiches überhaupt linden wir kaum einen zweiten Bau, f^^l'^w in welchem sich so wichtige politische Ereignisse abgespielt haben, wie im Schweizerhofe (rechts oben) der ehrwürdigen Hofburg unseres Herrscherhauses. Dieser Theil des ausgedehnten Burgbereiches ist nicht nur der älteste desselben, er ist auch zweifellos der interessanteste. Schon sein malerisches Aeussere verräth, dass er aus einer Zeit stammt, die an historischdenkwürdigen Momenten reich war. Herzog Leopold VII. der Glorreiche, hatte seine Burg am Platze Am Hof, wo heute sich das Gebäude lies Reiehs-Kriegsministeriums erhebt, an die Stelle des gegenwärtigen Schweizerhofes verlegt. Eine lange Epoche des Friedens und damit Aufschwung und Wohlergehen hatte der »Vater des Vaterlandes«, wie Leopold gerne genannt wurde, der Ostmark gegeben. Auch der Hofstaat nahm in dieser blühenden Epoche an Zahl mehr und mehr zu, und so war es gekommen, dass die Räumlichkeiten in der Burg Am Hof den erhöhten Anforderungen nicht mehr genügten. 1221 ward der Bau des Schweizerhofes begonnen; unter Albrecht [., dem Sohne Rudolfs von Habsburg, wurde er vollendet. Den Namen Schweizerhof erhielt die Burg von den Schweizergarden, welche während der Regierung Maria Theresias hier untergebracht waren. Ein Stück des einstigen Burggrabens, das heute noch an der Seite gegen den Franzensplatz unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, zaubert die Romantik des Mittelalters vor. Aus der Zeit Ferdinands I. besitzt der Schweizerhof noch das prächtige Thor, das mehrere fesselnde Inschriften trägt. — Vor diesem pittoresken Burgtract dehnt sich der stattliche Franzensplatz (rechts unten) aus, auf dem Marchesi's schönes Monument des Kaisers Franz I. steht. Das Denkmal zeigt den Monarchen im Thronkleide, an den Ecken umgeben von den Colossalfiguren der Religion, desFriedens, der Gerechtigkeit und der Stärke. In den Basreliefs der Sockel werden Wissenschaft, Handel, Gewerbe, Ackerbau, Viehzucht, Kunst- und Kriegswissenschaft zum Ausdruck gebracht. Die Front des Postaments weisst die schönen Worte aus dem Testament des Kaisers auf: »Amorem metim populis weis« (Meine Liebe vermache ich meinen Völkern*). Der Franzensplatz, den in Mittelalterlichen Tagen Mauern

und Schranken umgaben, war damals eine Art Vorhof der eigentlichen Burg, des Schweizerhofes. Auf demselben wurden Turniere und andere Festlichkeiten abgehalten.

Zur Linken begrenzt den Platz der Leopoldirrische Tract, den Leopold 1. anno 1660 zu bauen begann. Zehn Jahre nach seiner Vollendung zerstörte ein Brand das Gebäude, doch erfolgte dessen Wiederaufbau. Maria Theresia war es, die ihm seine dermalige Gestalt gegeben hat. Im Leopoldinischen Tract befindet sich auch die Hauptwache, die durch ihre mit Musikbegleitung erfolgende Ablösung um die Mittagszeit Fremde und Heimische anzieht. Gegenüber dem Schweizerhof liegt der stattliche Amalienhof mit dem Uhrthurm. Diesen Burgtheil bewohnt Ihre Majestät die Kaiserin, wenn sie in Wien weilt. Zur Rechten schliesst der lange Tract des ehemaligen Reichskanzlei-Gebäudes mit dem Audienzsaal und den Gemächern des Monarchen, sowie der Tract des Haus-, Hof- und Staatsarchivs den inneren Burghof ab. Eine Ausfahrt nach rechts führt durch das herrliche neue Burgthor auf den Michaelerplatz, ein Thorbogen nach links auf den äusseren Burgplatz. Draussen baut sich zur linken Seite als imposante Schlussdecoration des weiten Planes in erhabener Stylisirung der neue Burgflügel auf. Nach den Plänen vom Semper und Hasenauer ausgeführt, ist dieser Monumentalbau von einem wahrhaft classischen Geiste durchweht. Die grossangelegte Facade ist jedoch gegen den Volksgarten gerichtet. Linser Bildchen (links oben) zeigt die Fronten dieses majestätischen Baues gegen den Burgring und Kaisergarten. Ein gleicher Flügelbau wie hier, soll auch vor dem Volksgarten erstehen und dort den Ring mit der Bellaria verbinden, kau Project will diese beiden gewaltigen Burgflügel durch einen Triumphbogen von kühner Construction miteinander vereinen. Gelangt der grosse Bauplan im Laufe der Zeiten zur Ausführung, so darf man wohl auf eine überwältigende Wirkung dieser baulichen Kaiserwerke gefasst sein. Dass die Zukunftsanlage dem ganzen Stadttheil eine charakteristische, ja eine fast antike Grösse verleihen würde, ist zweifellos. — Das alte äussere Burgthor (links unten), welches Kaiser Franz I. nach Nobile's Plänen 1821 bis 1824 erbauen Hess, trägt auf der Stirnseite des Kaisers bekannten Wahlspruch: »Justitia regnovum fundamentum«.

Phot I , II , IV. J. Lüwy; III. A. Winimcr.

Neuer Burgflügel. Aeusseres Burgtlior.

WIEN. Hofburg.

Schwoizerthor. Franzensplc.tz.

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DAS PARLAMENTS-GEBÄUDE.

eu-Wien, das herrliche, hat dem Architekten Theophil Hansen, dem nordischen Meister des classischen Styls, eine ansehnliche Zahl hervorragender Privat- und öffentlicher Bauten zli danken. Unstreitig die hervorragendste aller dieser Schöpfungen ist zweifellos das Parlaments-Gebäude, sowohl seines namhaften Umlanges wie seiner Conception nach. Mit feinem Geiste hat sich der grosse Baukünstler in die intimen Geheimnisse der altgriechischen Kunst hineingelebt und aus den unvergänglichen, ewig leuchtenden Schönheiten der antiken Paläste den harmonischen Rhythmus des Erhabenen und Hehren entnommen und in seiner neuen Schöpfung verwerthet. Hansen hat es jedoch nicht nur verstanden, den Charakter der bedeutendsten Baulichkeiten von Althellas im Wiener Abgeordnetenhaus zu vollendetem Ausdrucke zu bringen, er hat auch vermocht, diesen alt-griechischen Geist den praktischen Anforderungen des Hauses anzupassen und Aeusseres Lind Inneres des Baues in jenen sonnigen Einklang zu bringen, der nur im classischen Griechenland zu 1 lause ist. Es war gewiss keine leichte Aufgabe, den Baustyl einer glücklicheren Zone in Linser rauhes Land zli verpflanzen; dass dem Meister dieses Problem gelungen ist, bedarf gewiss keiner speciellen Bestätigung. Schon der Grundriss und die Eintheilung des Baues zeichnen sich durch Einfachheit, Ungekünsteltheit und Ungezwungenheit aLis. Gerade dadurch ist der Bau nicht nur wahrhaft schön, sondern aLich zweckmässig geworden. Eine weit vortretende Kampe, die ein monumentaler Brunnen maskiren soll, führt empor zu einem imposanten Porticus, den mächtige Säulen tragen. Dessen ausgedehntes Giebelfeld stellt ein schönes Sculpturwerk Professor Helmer's, »Kaiser Franz Joseph gibt den Völkern Oesterreichs die Verfassung«, zur Schau. Der erhebende Eindruck, den die Facade mit ihren nach beiden Seiten ausgreifenden FlügelbaLiten auf den Beschauer hervorbringt, wird von diesem umfangreichen Giebelrelief wesentlich erhöht. In das Peristyl gelangt man nach Durchschreitung von zwei minder ausgedehnten Vorräumen, die in das Vestibüle führen, welches die Verbindung der beiden Prachttreppen herstellt. Im Peristyl, dem prunkvollen 1 lauptraume des Mittelbaues, ziehen die bewundernden Blicke 24 gewaltige Säulenmonolithe

j aus Untersberger Marmor auf sich, baue nicht geringere Attraction sind die hohen, mit Carraramarmor kunstvoll bekleideten Wände dieses Raumes. Wenn erst die sculpturelle Ausschmückung des Peristyls, welche in der Aufstellung von Standbildern der berühmtesten Staatsmänner Oesterreichs bestehen soll, durchgeführt sein ward, dann dürfte dieser Prachtraum erst seine ganze überwältigende Schönheit aufweisen.

Von hier aus erreicht man die Versammlungssälc und durch einen Corridor die Sitzungssäle, und zwar liegen zur Rechten die des Herrenhauses, zur Linken die des Abgeordnetenhauses. Die Einen wie die Anderen heben sich als durchaus selbstständige Abschnitte des gemeinsamen Palastes von dein einheitlich sich präsentirenden Bauwerk ab. Von ganz hervorragender Conception und künstlerischer Ausstattung ist der für beide Häuser des Reichs-rathes gemeinsame Mittelsaal, ein Prachtraum, in dem gleichsam Herrenhaus und Abgeordnetenhaus ihren Concentrationspunkt linden. In den Verbindungsllügcln sind die Club- und Berathungs-zimmer für die Minister, die Ausschüsse und die Bureaux, Bibliothek, Archiv etc. untergebracht. So reich wie der Schmuck im Inneren des Gebäudes — man berücksichtige nur die historischen Gemälde von Ei sc nm enger in den Sitzungssälen — ist auch die bildnerische Zier in den Aussenseiten. Imposant gestalten sich auf den Eckplateaux der Dachzinnen die gewaltigen Quadrigen von dem Wiener Bildhauer Pilz. Fesselnd sind die Allegorien der staatlichen Verwaltungszvveige, die sich in meisterhaften Basreliefs der Friesfelder ausdrücken und harmonisch die von der Brüstung des Gebäudes sich abhebenden Statuen antiker Staatsmänner Lind Redner. Die Kosten dieses Baues betrugen nahezu sieben Millionen.

Zur Linken des Parlaments-Gebäudes schliesst den dreieckigen Reichsraths- oder wie er neuerlich getauft wurde, Schmerlingplatz, im Hintergrunde der Justizpalast ab, der von dem Architekten Baurath von Wilemans, einem Schüler Friedrich Schmidt's, in deutscher Renaissance in den Jahren 1875 bis 1881 erbaut wurde. Der langgestreckte stattliche Bau, dessen Hauptfront der Ringstrasse zugewendet ist, zeigt eine mit reichen Ornamenten geschmückte Facade und die mit einem Glasdaehe gedeckte Centralhalle.

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K. K. HOFBURG-THEATER

     

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mn auch das alte Burgtheater seit Jahren von seiner berühmten Stätte verschwunden ist, in dem feingegliederten und doch so imposanten neuen Hau des Hofburg-Theaters auf dem Franzensring leben die Erinnerungen und Traditionen aus alter Zeit noch dauernd fort Das einfach, sehlichte Haus auf dem Michaelerplatze, welches uns pietätvoll nur noch Bilder /eigen, ist im wahren Sinne des Wortes ein Musentempel gewesen, in dem eine lange Reihe von bedeutenden Künstlern und Künstlerinnen im edlen Geiste gewirkt und dem älteren Wiener Publikum Genüsse reinster Art geboten hat. Durch viele Jahrzehnte hat das Burgtheater den Ruf der ersten deutschen Bühne behauptet, war es das sehnsuchtsvolle Ziel jedes ernststrebenden Mimen, Mitglied dieser Musterbühne zu werden. Unter der grossen Kaiserin Maria Theresia wurde das alte Komödienhaus 1741 errichtet, in dem allerdings zumeist nur italienische Opern zur Aufführung gelangten. Im Jahre 1770 erhob dieses Haus Josef II., der Regenerator der deutschen Bühne, zum Nationaltheater, das neben dem Lustspiel auch deutsche und fremdsprachige Opern, sowie Ballete aufführte. Der deutschen Kunst gehörte das frühere Theater an der Hofburg erst seit 1810 an, seit welcher Zeit es zweifellos einen mächtigen Einfluss auf die geistige Hebung des gebildeten Theiles der Wiener Bevölkerung ausübte. Die namhaftesten Dichter unseres Vaterlandes, Grillparzer, Bauernfeld, Halm fanden in den dramatischen Vorführungen dieses Schauspielhauses die Anregung, aus der unvergängliche Werke hervorgingen. Durch drei Epochen unseres Jahrhunderts, seitdem das alte Burg-theater ruhmvoll bestand, sind unvergessliche Dramaturgen als Leiter an der Spitze dieses vornehmen Kunstinstitutes gestanden, und zwar Ludwig Schreyvogel (1815—1832), Heinrich Laube (1850—1807) und Franz von Dingelstedt (1867 -1881). Namentlich war es der knorrige Schlesier Dr. Laube, der bei seinem Abgange dem berühmten Institute einen kostbaren Schatz in dem von ihm dem Hause erworbenen jungen Kräften zurückliess.

Seit dem 14. October 1888 ist das neue, nach den ursprünglichen Plänen des genialen Semper von Hasenauer erbaute Hofburg-Theater eröffnet. Der herrliche Bau bildet gleichsam den Ab-

schluss der zweiten monumentalen Bauperiode Wiens und gibt ein leuchtendes Spiegelbild der modernen Wiener Architektonik. Das Haus ist ein Prachtbau voll zartem Geist, der mit seinem oblongen Mitteltract, seiner Loggia, mit seinen reichen, die edle Attika krönenden Sculpturcn und den nach beiden Seiten auslaufenden Flügelgebäuden ein äusseres Bild zeigt, das man sich kaum duftiger und freundlicher denken kann. Die Colossalgruppe auf der Attika, von der Hand des Meisters Kundtmann, stellt »Apollo mit der Muse des tragischen und komischen Dramas« dar Ueber den Haupteingängen fesselt ein figurenreicher Fries, ein Basrelief von Weyr, der den Triumphzug des Bacchus und der Ariadne darstellt. Die Flügeltracte weisen an ihren Stirnseiten und an der Rückseite allegorische Figuren von Liebe. I lass, Heroismus, Egoismus, Demufh und Herrschsucht von Johannes Benk auf, von dem auch das vielbewunderte Meisterwerk, die Statue Klytia (unten, Mitte) stammt, die in dem Vorraum zu den kaiserlichen Logen angebracht ist und Beleuchtungszwecken dient. Eine Reihe meisterhaft ausgeführter Marmorbüsten von den bedeutendsten Bühnendichtern wie Calderon, Shakespeare, Moliere, Schiller, Goethe, Lessing, Halm, Grillparzer und Hebbel hat Tilgner über den Fenstern des Mittelbaues angebracht. In den darunter befindlichen Zwickelfiguren linden wir Gestalten aus den Dramen dieser Dichter, die Weyr geschaffen hat. Mit verschwenderischer Pracht ist das Innere des Baues ausgestattet. Architektur und Malerei haben hier vollwichtige Proben ihrer Meisterschaft abgelegt. Unser Bild bringt die vorzügliche Detailansicht eines der beiden grossartigen Treppenhäuser (rechts unten), dessen herrliche Gemälde von Matsch und Klimt hier freilich wegen des allzu kleinen Massstabes, in dem sie erscheinen, nicht zum Ausdruck gelangen können. Das grosse Foyer im ersten Stockwerke (links unten) mit seinen ebenso luxuriösen Nebenräumen, in denen das Publikum in den Zwischenaeten plaudernd promenirt, ist reich an trefflichen Gemälden und vorzüglichen Sculpturcn. Hier findet man an den Wänden auch die wohlgetroffenen Porträts der berühmtesten Hofschauspieler, und zwar aus der Zeit vom Hanswurst Prehauser bis auf unsere Tage. Im Saale schmücken Büsten hervorragender Künstler die Logenbrüstungen.

Pliot. I. Aug. Stauda; II, III., IV. A. Wimmer,

Wandelgang. WIEN. Hofburgtheator. Treppenhaus.

Klytia.

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DIE HOFMUSE EN I.

|n der glanzvollen Reihe der Monumentalbauten des Franzens- und Burgringes nehmen die beiden dem alten Burgthore gegenüberliegenden Prachtbauten für die kunst- und naturhistorischen Sammlungen wohl einen ganz hervorragenden Blatz ein. Tritt man aus dem äusseren Burgthore auf die Ringstrasse, so wird Einem ein überaus effectvoller Anblick zu Theil, es wird ein Bild geboten, das überwältigend wirkt. Jenseits der Alleen, die den gartengleichen, weiten Maria Theresia- oder Museumsplatz gegen den Ring zu begrenzen, erheben sich zur Linken und Rechten die imposanten Bauten der Hofmuseen, die Freiherr von Hasenauer theilweise nach Motiven Gottfried Semper's im Style der italienischen Renaissance in den Jahren 1872 bis 1881 ausgeführt hat. Aus dem äusseren Burghöfe kommend, sehen wir links das kunsthistorische, rechts das naturhistorischc Museum, längliche Rechtecke, die in ihren Facadcn vollkommen gleich sind und herrlichen sculpturellen Schmuck zur Schau tragen. Die gewaltigen, harmonisch zusammenstimmenden Bauten gewähren mit der Attika des Mittelbaues, der reichen, zartgeformten Kuppel, welche eine Statue krönt, den vier diese Kuppel llankirenden Tabernakeln und der mit zahlreichen Standbildern gezierten Dach-briistung ein nicht zu beschreibendes edclstol/es Gemälde. Das kunsthistorische Museum, welches unser Bild zeigt, nimmt eine Fläche von 10.778 Quadratmetern ein; deren Höhe bis zur Attika des MittelLractes beträgt 32 Meter, die Höhe der Kuppel mitsammt der Figur auf derselben, der Pallas Athene, G4 Meter. In den Tabernakeln der Kuppel sind allegorische Figuren in sitzender Stellung angebracht, u. zw. die Begeisterung, die Willenskralt, die Begabung und das Mass. Standbilder und Relief-Darstellungen der Facaden erinnern an Künstler aller Zeiten und Reiche, sowie an den Ein-flvss der socialen, politischen und religiösen Zustände, an die Kunstbewegung der verschiedensten Epochen und an die österreichischen Herrscher, welche Kunst und Kunstwerk förderten. Von den .'34 Standbildern, welche sich auf der Dachbrüstung erheben und Künstler wie Förderer der Kunst darstellen, werden das Altertlulm, das Mittelalter, die Renaissance und die Neuzeit vertreten. In erster Linie waren mit der Ausführung des gesammten

bildnerischen Schmuckes die vornehmsten Bildhauer Wiens: Karl Kundtmanri, Johannes Benk, Ed. Hellmer und Rudolf Weyr betraut.

Zwischen beiden Museen erhebt sich in der Mitte des an-muthigen Parterres das Denkmal der Kaiserin Maria Theresia (links unten), ein gewaltiges Werk der modernen Plastik. Meister Zum-busch hat die grosse Monarchin auf einem Thronsesscl sitzend in erhabener Haltung dargestellt und zu ihren Füssen an passenden Stellen nicht nur allegorische Gestalten, wie die Stärke, Milde, Weisheit und Gerechtigkeit, sondern tiefer unten auf hohem architektonisch entwickeltem Marmorsockel auch Staatsmänner und Heerführer ihrer Zeit in ganzer Figur, letztere sogar zu Pferde, in lebensvoller Weise angebracht. Die Marschälle Daun, Laudon, Traun und Khevenhüller, Liechtenstein, der Schöpfer der österreichischen Artillerie und die Generäle Lascy, Hadik und Nadasdy symbolisiren die Kriegsmacht, Fürst Kaunitz, Bartenstein, Starhemberg und Mercy die äussere Politik, Wissenschalt und Kunst wird durch den Regenerator der Medicin, Gerhard van Swieten, dem Numismatiker Ecknel, den Historiker Pray, die unsterblichen Tonmeister Gluck, Haydn und Mozart als Knabe versinnlicht. Endlich wird die Justiz durch den Reformator der inneren Verwaltung, Grafen Haugwitz, Grassalkovics, Bruckenthal, Riegger, Martini und den »Mann ohne Vorurtheil« Sonnenfels repräsentirt. Gleichwie die Gestalt und die Züge der grossen Kaiserin in dem Erzbilde in Lebenstreue wiedergegeben sind, so sind auch die Figuren der auf dem Monumente dargestellten Persönlichkeiten nach den besten vorhandenen Porträts mit wahrer Meisterhand geschaffen, so dass der Eindruck der einzelnen Details wie des Gesammt-Monumentes ein durchaus vollendeter ist. Am Ende des mit zahlreichen Rabatten geschmückten Maria Theresia-Platzes flankiren zu beiden Seiten die breite Steintreppe, die zur Museumsstrasse emporführt, zwei Marmorgruppen vom Bildhauer Friedl. Dieselben stellen Rossebändiger, einen Römer und einen Germanen, kraftvolle Männer mit Prachtpferden dar. Sie sind anerkannte Meisterwerke der Plastik. Als Hintergrund sehen wir in einiger Entfernung die kaiserlichen Stallungen, die mich den Plänen Fischer's von Erlach erbaut wurden und eine gelungene Schlussdecoration bilden.

i'hot. A. Wimmcr.

Maria Theresion-Denkmal.

WIEN. Kunsthistorisches Hofmuseum.

DIE HOFMUSEEN It.

inen wahrhaft fascinirehden Eindruck übt auf den Besucher der Hofmuseen die innere Ausstattung derselben aus. Wenden wir uns vorerst dem kunsthistorischen üäl Museum zu, so ist es das prunkvoll geschmückte Stiegenhaus (rechts), welches die Aufmerksamkeit voll in Anspruch nimmt. In verschwenderischer Fülle ist hier künstlerische Zier angebracht. Schon die Decke dieses einzig schönen, in gewaltigen Dimensionen angelegten Aulganges fesselt durch die Pracht und Grossartigkeit des Kolossalgemäldes, das Meister Michael v. Mun-kaesy in seiner »Apotheose der bildenden Kunst-, in der die hervorragendsten Meister erscheinen, darstellt. In den Lunetten hat Hans Makart in seiner farbenfreudigen Weise gleichfalls eine Reihe von grossen Künstlern aller Nationen conterfeit. Wir sehen da Dürer, Holbein, Tizian, Michel Angelo, Rembrandt, Rubens, Raffael, Velasquez, Leonardo da Vinci und Van Dyk in porträtähnlichen (■estalten. Unstreitig den bedeutsamsten plastischen Sehmuck des Stiegenhauses bildet die Marmorgruppe »Theseus besiegt den Minotaurus«, ein Meisterwerk Canova's, das bis zu seiner Aufstellung auf dem gegenwärtigen Standorte im sogenannten Theseus-Tempel im Volksgarten die Bewunderung der Beschauer erregte. Herrlich und reich ist die sculpturale Ausschmückung im grossangelegten Kuppelraum im ersten Stockwerk ausgeführt. Bildhauer Weyr hat hier in kunstvollen Marmor-Reliefs in einem friesähnlichen Bande alle Fürsten aus dem I lause 1 labsburg verewigt, die sich als Mäcene der Kunst erwiesen haben. Wir bemerken da Kaiser Max I. mit seinem Geheimschreiber und Albrecht Dürer, Kaiser Karl V. und d'izian, Erzherzog Ferdinand von Tirol und Philippine Welser beim Bildhauer Colin u. v. A. Mit Kaiser Franz Josef I., dem Schöpfer der jüngsten Kunstepoche Wiens, schliesst die Serie glänzend ab. Auch alle übrigen Interieurs zeigen eine Fülle von Kunstwerken der besten Wiener Maler und Bildhauer, Ganz besondere Aufmerksamkeit verdient das Deckengemälde des Mittelsaales im Hochparterre, in dem Julius Berger die kunstfreundi liehen Habsburger darstellte. Firn Rundgang durch die lange Reihe von Sammlungen dieses Museums wird am besten in den Sailen begonnen, welche die ägyptischen Alterthümer bergen. Gleichfalls

im Erdgeschosse linden wir die Antiken mit zahlreichen hochinteressanten Objecten. Das nebenstehende linksseitige Bild führt den Eintrittssaal dieser Abtheilung in seinem vollen Glänze vor.

Fs folgen sodann die Sammlungen der griechischen, etrus-kischen und römischen Vasen, die antiken Broncen, die antiken Arbeiten in Gold und Silber, die geschnittenen Steine, die Münzen und Medaillen, die gewerblichen und die mechanischen Kunstwerke etc. etc. Ueberaus reichhaltig sind die Schätze mittelalterlicher Waffen und Rüstungen. Prachtvoll ist die Sammlung der Harnische, in der sich viele berühmte Stücke linden. »Wahrhalt kaiserlich ist die Sammlung der Gemälde«, wie ein namhafter Kunsthistoriker mit Recht einst bemerkt hat. In dieser weit über 2000 Gemälde umfassenden Collection sind alle Schulen und alle hervorragenderen Meister in ihren besten Werken vertreten.

Nicht so farbenprächtig und prunkvoll wie das kunsthistorische Hofmuseum in seinen Innenräumen ausgestattet ist, ist das gegenüberliegende, den Wissenschaften geweihte naturhistorische Museum gehalten. Doch fehlt es auch diesem erhebenden Bau nicht an kostbarem künstlerischen Schmuck. Gleich im Treppenhause fesselt das kolossale Plafondgemälde von Hans Canon -Der Kreislauf des Lebens den Blick. Der berühmte Meister hat in diesem ergreifenden Gemälde in geistreicher Conception das Kommen und Vergehen der Generationen der Menschheit zu kraftvollem Ausdruck gebracht. Von Canon sind auch die Gemälde in den zwölf Lunetten, in denen die verschiedenen Forschungsgebiete der Naturwissenschalt allegorisch zum Ausdrucke gebracht wurden. Besonderen Werth besitzen die in zahlreichen Sälen angebrachten Laudschafts-bilder, welche zu der Sammlung in dem betreffenden Baum in einem gewissen intimeren Zusammenhange stehen.

Die Anfänge der Kunstsammlungen des kaiserlichen Hauses, die Gemäldegalerie inbegriffen, reichen bis ins XVI. Jahrhundert zurück. Die ersteren Wurden durch Kaiser Ferdinand [., die letztere zum grössten Theil durch Rudolf II, angelegt. Der Begründer der Mineralien- und Petrefactensammlung war Kaiser Franz L, während die zoologische Sammlung von Franz IL erworben und später durch eine botanische Sammlung, reiche Herbarien, ergänzt wurde.

UNK

KARLSKIRCHE UND VOTIVKIRCHE.

och wütriete die Pest, der unbarmherzige Würgengel in Wien in verheerender Weise - Lind zwar zum siebzehnten Male — als Kaiser Karl VI. am 22. Octo-ber 1713 das feierliche Gelübde that, dass er nach dem Erlöschen der fürchterlichen Seuche, die damals bei 12.000 Menschen dahingerafft hatte, in der Kaiserstadt eine Kirche bauen und sie seinem Schutzheiligen, Karl Borromäus, weihen wolle. Zu Beginn des darauffolgenden Jahres gestaltete sich der Gesundheitszustand in Wien bedeutend günstiger, die böse Krankheit Hess nach und im darauffolgenden Monat, im Februar, erlosch die Seuche vollständig. Obgleich man schon im zweitnächsten Jahre daran ging, das Gelübde durchzuführen, so konnte die Grundsteinlegung zu dem neuen herrlichen Gotteshause, das nach den Plänen des berühmten Meisters J. B. bischer von Erlach erbaut und von dem Hofarchitekten Martineiii vollendet wurde, doch erst am I. Februar 1716 vorgenommen werden. Nach 21 Jahren, am 28. October 1787, war der stylvolle Bau, dieses Juwel der Barockzeit, vollendet. Die Aufschrift im Architrav des Giebels deutet auf das Gelübde des Herrschers und auf die schlimmen Tage des Unheils hin mit den Worten: »Vota uiea read am in couspechi tituculium Deiiui-. Die Kirche ist zweifellos das schönste Baudenkmal in der Kaiserstadt, das wir aus dem 18, Jahrhundert besitzen. Der Gesammteindruck des erhabenen und erhebenden Gotteshauses ist ein überwältigend grossartiger, die Silhouette eine Überaus zarte. Mächtig wirkt die kühn in die Lüfte aufsteigende 72 Meter hohe oblonge Kuppel, nicht minder gewaltig der aus sechs korinthischen Säulen bestehende, über einer Freitreppe sich aufbauende Porticus. Ebenso die beiden, den classisch wirkenden Porticus flankirenden 33 Meter hohen Säulen mit den kunstvollen Basreliefs von dem Bildhauer (dir. Mader, die Scenen aus dem Leben des heiligen Borromäus darstellen. Nicht geringeren künstlerischen Effect als das Aeussere der Karlskirche erzielt das Innere derselben. Die Vorhalle, das Presbyterium Lind der Kuppelraum sind meisterhafte Details des unvergleichlichen Baues. Eingehende Würdigung verdienen die Fresken der Kuppel die Aufnahme des heiligen Karl in den Himmel darstellend • von dem Hofmaler

Job. Michael Rothmayer, der Hauptaltar aus Tiroler Marmor, das Elfenbeincruciöx, eine Spende Josefs II. und einige Altarblätter. Unter zahlreichen Grabdenkmälern ist dasjenige des 1811 verstorbenen Dichters Heinrich v. Collin besonders zu erwähnen.

Der hervorragendste Kirchenbau dieses Jahrhunderts nicht nur in Wien, sondern in der Welt überhaupt, ist wohl die Votiv-oder Heilandskirche, die im Style der französiseh-gothisehen Blüthc-zeit nach den Plänen des Architekten Heinrich von Ferste! erbaut wurde. Sie ist ein Denkmal der Erinnerung an das ruchlose Attentat vom 18. Februar 1858 auf das Leben des Kaisers Franz Joseph, der, wie bekannt, als er auf der einstigen Bastei nächst dem Schottenthore mit seinem Adjutanten O'Donnel einen Spaziergang unternahm, von dem fanatischen Schneidergesellen Johann Libenyi überfallen und mit einem starken Messer am Hinterhaupte verletzt wurde. Als der wahnwitzige Attentäter zu einem zweiten Stoss sich anschickte, fiel der Begleiter des Monarchen mit gezogenem Säbel auf den Mordgesellen ein. Einem Wiener Bürger Namens Ettenreich war es rasch gelungen, den Fliehenden festzunehmen. Erzherzog Maximilian, des Kaisers Bruder, richtete einen Aufruf zum Bau eines Gotteshauses an die Völker der Monarchie, der begeisterten Widerhall fand. Am 24. April 1856 ward in feierlicher Weise der Grundstein gelegt und 28 Jahre später, am Tage der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares, fand die Einweihung der Votivkirche statt. Der Dom, der den berühmtesten Kirchenbauten des 18. und 14. Jahrhunderts nachgebildet ist, ist ein dreischiffiger Langbau mit einem Kreuzschiffe und zwei schlanken Thürmen, die sich 00 Meter hoch erheben. Ueber den wirkungsvollen Bau des Domes und über dessen reichen sculpturalen Schmuck sowohl der Hauptfacade wie des [nnenraumes Hesse sich viel Rühmliches anführen. Es mag jedoch genügen, zli erwähnen, dass namentlich die kunstreiche Steinmetzarbeit als eine Meisterleistung zli bezeichnen ist, dass die Glasmalerei und die Fresken ganz besonderen Werth besitzen/Trotz der gewaltigen Dimensionen, in denen diese Kirche ge-halten ist, erscheint sie doch wie eine filigrane zierliche Zuckerarbeit, die den weiten Maximilianplatz, der mit seinen hübschen Gartenanlagen weltstädtischen Charakter aufweist, vollends beherrscht.

Phot. J. Löwy.

Karlskirche. WIEN. Votivkirche.

DER JOSEFS - PLATZ.

lern grossen Monarehen, dem erleuchteten Herrscher Josef II., der im Herzen der Wiener und Oesterreicher dauernd fortlebt, hat sein Neffe Kaiser Franz I. im Jahre 1807 ein sichtbares Zeichen seiner Liebe und Verehrung geweiht. In der Mitte des regelmässigen Platzes, der knapp an der Hofburg liegt, und der den glorreichen Namen des viel zu früh Dahingegangenen trägt, hat Franz 1. als schönste Zierde das kunstvolle Reiter-Monument aus Erz von dem heimischen Bildhauer Franz Zauner errichten lassen. Kaiser Josef sitzt in römischer Imperatoren-Tracht zu Pferde und hält seine Rechte ausgestreckt, als ob er sein Volk segnen wollte. Je ein Broncerelief an den Breitseiten des Postaments stellt Ackerbau und Handel vor, an den Schmalseiten sind Inschriften angebracht. Die Medaillons an den Pfeilern, die das Denkmal umgeben, sind nach Münzen hergestellt, welche aus Anlass wichtiger Ereignisse während der Regierungszeit Josefs IL geprägt wurden. Das Postament, auf dem die Reiterfigur sich erhebt, ist geschliffener grauer Granit aus Mauthausen. Die Aehnlichkeit des Antlitzes des Kaisers wird sehr gerühmt. Den Platz umgeben im Rechteck fasst durchwegs Hofbauten. Die linke Seite nimmt das ehemalige Naturaliencabinet ein, dessen reiche Sammlungen sich nun im naturhistorischen Hofmuseum befinden. Den Hintergrund des würdigen Denkmales schliesst die lange Gebäudefront ab, die mit ihrer malerischen achteckigen Kuppel einen imposanten Eindruck hervorruft. Ks ist die k. k. Hofbibliothek, deren Mitteltract über dem Gesimse die Figurengruppen »Minerva auf der Quadriga besiegt Neid und Unwissenheit« trägt. Atlas mit der I limmelskugel und Tellus mit dem Erdglobus, sowie die allegorischen Gestalten der Astronomie und Geometrie bilden ZU beiden Seiten der prächtigen Hauptgruppe auf den Seitentracten den bildnerischen Schmuck. Das vorzüglichste Interesse dieses vornehmen Baues nimmt jedoch der grosse Saal in Anspruch. Man erreicht denselben, wie auch die Lesesäle, indem man die breite Steintreppe benützt, zu welcher linksseitig ein Thorweg führt. In die Wände dieses hallenartigen Aufganges sind zahlreiche römische Alterthümer eingelassen, ausserdem ist eine Statue der Allstria hier angebracht. Eine hervorragende

Zierde dieses Prunksaales, dieser Peile der Barockzeit, ist die stolze Kuppel, welche auf acht Säulen ruht. Daniel Gran ist der Meister jenes ausgezeichneten Frescogemäldes, das die Wölbung dieser Kuppel ziert und das der Verherrlichung der Wissenschaften und Künste dient. Eine Galerie läuft um eleu Saal, in dessen Mitte eine Statue Karls VI. aufgestellt ist.

Zur rechten Seite des Josefs-Platzes erhebt sich das Redouten-gebäude, gleichfalls ein der Hofburg zugehöriger Bau. Derselbe enthält den sogenannten grossen und kleinen Redoutensaal, zwei Festräume, die sich überaus vornehm präsentiren und bis vor wenigen Jahren auch noch zu verschiedenen Elite-Veranstaltungen, zumeist im Garneval, geöffnet wurden. Bei besonderen Anlässen des Hofes linden in diesen Räumen noch immer Festlichkeiten statt. Durch das breite Thor in der Ecke rechts gelangt man in den Schweizerhof, durch den Schwibbogen in die Winterreitschule einer- und in die Stallburg andererseits. In der Winterreitschule wurden in früheren Tagen nicht selten equestrische Feste abgehalten, Carroussels von unbeschreiblichem Glänze, an denen sich nicht nur der Hochadel Oesterreich-Ungarns, sondern auch Mitglieder des Kaiserhauses activ betheiligten. Zur Zeit des Gongresses, 1814 und 1815 sah man dort die imposantesten ritterlichen Veranstaltungen, während im Jahre 1848 daselbst die Sitzungen des Reichstages abgehalten wurden. Gegenüber dem Hofbibliotheksgebäude steht das 1783 von dem Grafen Moriz Fries erbaute Palais, das heute Eigenthum des Markgrafen Pallavicini ist. Auf diesem Platze stand einst das Haus des Grafen Niclas Salm, des helden-müthigen Vertheidigers Wiens gegen die Türken 1529; später das sogenannte -Königinkloster" oder »königliche Frauenkloster", wie das Haus mit seinem längeren Titel auch genannt wurde. Die Königin-Witwe von Frankreich, Elisabeth, eineTochter Maximilians IL, aufweiche das Wohnhaus des Grafen Salm übergegangen war, hatte 1582 ein Kloster für Glarisser-Nonnen gegründet, dem sie selbst als erste Aebtissin vorstand, Nachdem Kaiser Josef IL dieses Kloster aufgehoben hatte, erbaute Graf Fries hier sein Palais, dessen Portal vier prachtvolle Überlebensgrosse Gestalten zieren, die aus der kunstgewandten Hand des Bildhauers Zauner hervorgegangen sind.

Hofbibliothek,

WIEN. Josefsplatz.

ALTE WIENER PLATZE.

/ jpJu den zahlreichen Platzen der Kaiserstadl, die vom ■ ~'Jf' , historischen wie Iocalhistorischen Standpunkte aus be-

,']jm / i sondere Würdigung verdienen, zählen in erster Linie ,;|! die vier Plätze, welche das nebenstehende Gruppenbild zeigt. Auf der Mehrzahl von ihnen hat sich in mittelalterlichen Tagen und in halbvergangener Zeit ein gutes Stück Wiener Geschichte abgespielt. Während sich auf dem letzten Platz, dem sogenannten Naschmarkt, noch gegenwärtig manche köstliche charakteristische Scene ereignet. Beginnen wir die kleine Schilderung alter Wiener Blätze mit dem regelmässigsten Platz, dem Platz Am llof (rechts unten), so muss gleich Eingangs erwähnt werden, dass derselbe nächst dem Hohen Markt wohl das meiste historische Interesse unter den Wiener Plätzen beanspruchen darf. I tat doch, wie bekannt, Heinrich Jasomirgott seine Residenz vom Kahlenberge in die neue Herzogsburg:Am Hof verlegt, die an jener Stelle stand, welche heute das Gebäude des Reichskriegsministeriums einnimmt. Baue Gedenktafel an diesem Bau belichtet, dass hier die alte Burg der Markgraten und Herzoge aus dem Hause Babenberg und später, im 15. Jahrhundert, der Lehens- und Gerichtshof der Herzoge von Gesterreich gestanden. In jenen Tagen hielt man auf diesem Blatze nicht selten ritterliche Beste, zumeist Turniere ab. Als die Herzoge 1221 ihren Sitz in die neue Hofburg verlegten, welche die Stelle des heutigen Schweizerhofes einnahm, wurde 1386 die Münze in die aufgelassene Burg Am Hof gegeben. Von der Terrasse der Pfarrkirche zu den neun Chören der Engel hatte am Ostersonntag 1782 Papst Pius VI. der Wiener Bevölkerung den Segen gespendet. Das Barockgebäude in der nördlichen Ecke des Platzes ist das einstige bürgerliche Zeughaus, in dem die Bürgerschaft Wiens durch Jahrhunderte ihre Waffen aufbewahrt hatte. Die Nuntiatur, das Gebäude der päpstlichen Gesandtschaft, erhebt sich am südlichen faule des Platzes. Heute entwickelt sich Am Hof eine mehr geschäftliche 1 hätigkeit, ein reges Marktleben der Gemüse- und Victualienhändler, das täglich vom frühen Morgen bis gegen Mittag anhält. Seit 1802 erhebt sich vor dem Kriegsministerium das von Caspar Zumbusch hergestellte, vorzügliche Reiterstandbild des greisen Marschalls Radetzky.

Auf dem Hoben Markt (rechts oben) ist das Forum des römischen Standlagers und das Brätorium des Gasteils Yindobona gestanden. In späterer Zeit war hier das Gerichtshaus »Die Schranne -, Hochgericht und Pranger, sowie das sogenannte »Narren-kötterl«. Den Platz ziert gegenwärtig ein anno 1781 von Kaiser Karl VT. errichtetes Yotivdenkmal, welches die Vermählung Josefs mit Maria darstellt und sein Entstehen einem Gelübde Leopolds I. dankt. Als dessen Sohn Josef 1702 in den spanischen Successions-krieg zog, gelobte der kaiserliche Vater bei einer glücklichen Wiederkehr Josefs die Errichtung der Denksäule. Auf dem Blatze der Freiung fesselt der hübsche Austria-Brunnen des berühmten Münchener Bildhauers Ludwig von Schwanthaler und die in italienischer Spätrenaissance 1638 bis 1662 ei baute Kirche der Benedictiner zu Unserer lieben Brau bei den Schotten (links oben), deren Kloster Herzog Heinrich Jasomirgott 1158 gestiftet halte. Das gegenwärtige Gotteshaus ist das dritte an dieser Stelle. Da die Schotten das Asylrecht besassen, so gingen jene Verbrecher, die sich in das Kloster zu flüchten vermochten, von ihrer Strafe »frei« aus. Diese Befreiung gab dem Blatze vor dem Stifte seinen Namen. Nach diesem damaligen Rechte heisst der Blatz auch »Freiung«. Der Blatz, den unser Bildchen links unten zeigt, ist der bekannte Naschmarkt, ein ausgedehnter Blatz, auf dem zahlreiche Verkaufsstände von Obsthändlerinnen, im Vormärz »Fratschlerinnen« genannt, aufgeschlagen sind. Diese meist umfangreichen, behäbigen »Damen« sind wegen ihrer Zungengeläuligkeit und wohl auch ihrer Zungenschneidigkeit längst zu einem festbegründeten Renommee gelangt, welches einzelne Localdichter verwerthet haben.

Zwischen dem Blatze Am Hof und der Freiung liegt der sogenannte I leidenschuss, ein kurzes Strassenstück, das die Verbindung der beiden Plätze herstellt. Der Name I leidenschuss soll, wie nunmehr nachgewiesen ist, auf die Familie Haydn zurückgeführt werden, die im Ib. Jahrhundert hier ein Wohnhaus besass, an dem ein Steinbild angebracht war, das einen Türken zu Pferd während des Kampfes darstellt. Darunter stand zu lesen: »Wo der Haid schiesst . Die alte Sage, welche an die Zeit der ersten Belagerung Wiens durch die Türken anknüpft, ist längst bestritten.

rhut. J. Löwy.

Schottenkirche. Naschmarkt.

Alte Wiener Plätze.

Hoher Markt. Am Hof. Radetzky-Monument.

ALTE WIENER PLÄTZE.

ii den zahlreichen Plätzen der Kaiserstadt, die vom historischen wie localhistorischen Standpunkte aus besondere Würdigung verdienen, zählen in erster Linie die vier Plätze, welche das nebenstehende Gruppenbild zeigt. Auf der Mehrzahl von ihnen hat sieh in mittelalterlichen Tagen und in halbvergangener Zeit ein gutes Stück Wiener Geschichte abgespielt, während sich auf dem letzten Platz, dem sogenannten Naschmarkt, noch gegenwärtig manche köstliche charakteristische Scene ereignet. Heginnen wir die kleine Schilderung alter Wiener Plätze mit dem regelmässigsten Platz, dein Platz Am Hof (rechts unten), so muss gleich Eingangs erwähnt werden, dass derselbe nächst dem Hohen Markt wohl das meiste historische Interesse unter den Wiener Plätzen beanspruchen darf. I lat doch, wie bekannt, Heinrich Jasomirgott seine Residenz vom Kahlenberge in die neue Herzogsburg Am Hof verlegt, die an jener Stelle stand, welche heute das Gebäude des Reichskriegsministeriums einnimmt. Eine Gedenktafel an diesem Bau berichtet, dass hier die alte Burg der Markgrafen und Herzoge aus dem Hause Babenberg und spater, im 15. Jahrhundert, der Lehens- und Gerichtshof der Herzoge von Oesterreich gestanden. In jenen Tagen hielt man auf diesem Platze nicht selten ritterliche beste, zumeist Turniere ab. Als die Herzoge 1221 ihren Sitz in die neue Hofburg verlegten, welche die Stelle des heutigen Schweizernofes einnahm, wurde 1386 die Münze in die aufgelassene Burg Am Hof gegeben. Von der Terrasse der Pfarrkirche zu den neun Chören der Engel hatte am Ostersonntag 1782 Papst Pius VT. der Wiener Bevölkerung den Segen gespendet. Das Barockgebäude in der nördlichen Ecke des Platzes ist das einstige bürgerliche Zeughaus, in dem die Bürgerschaft Wiens durch Jahrhunderte ihre Waffen aufbewahrt hatte. Die Nuntiatur, das Gebäude der päpstlichen Gesandtschaft, erhebt sich am südlichen Lude des Platzes. 1 leute entwickelt sich Am Hof eine mehr geschäftliche Thätigkeit, ein reges Marktleben der Gemüse- und Victualienhändler, das täglich vom frühen Morgen bis gegen Mittag anhält. Seit 1892 erhebt sich vor dem Kriegsministerium das von Caspar Zumbusch hergestellte, vorzügliche Reiterstandbild des greisen Marschalls Radetzky.

Auf dem Hohen Markt (rechts oben) ist das Forum des römischen Standlagers und das Prätorium des Castells Vindobona gestanden. In späterer Zeit war hier das Gerichtshaus »Die Schranne«, Hochgericht und Pranger, sowie das sogenannte »Narren-kötterl«. Den Platz ziert gegenwärtig ein anno 1731 von Kaiser Karl VI. errichtetes Votivdcnkmal, welches die Vermählung Josefs mit Maria darstellt und sein Entstehen einem Gelübde Leopolds I. dankt. Als dessen Sohn Josef 1702 in den spanischen Successions-krieg zog, gelobte der kaiserliche Vater bei einer glücklichen Wiederkehr Josefs die Errichtung der Denksäule. Auf dem Platze der Kreiling fesselt der hübsche Austria-Brunnen des berühmten Münchener Bildhauers Ludwäg von Schwanthaler und die in italienischer Spätrenaissance 1638 bis 1662 ei baute Kirche der Benedictiner zu Unserer lieben Krau bei den Schotten (links oben), deren Kloster Herzog Heinrich Jasomirgott 1158 gestiltet hatte. Das gegenwärtige Gotteshaus ist das dritte an dieser Stelle. Da die Schotten das Asylrecht besasseri, so gingen jene Verbrecher, die sich in das Kloster zu flüchten vermochten, von ihrer Strafe »frei« aus. Diese Befreiung gab dem Platze vor dem Stifte seinen Namen. Nach diesem damaligen Rechte heisst der Platz auch »Freiung«. Der Platz, den unser Bildchen links unten zeigt, ist der bekannte Naschmarkt, ein ausgedehnter Platz, auf dem zahlreiche Verkaufsstände von Obsthändlerinnen, im Vormärz »Fratschlerinnen« genannt, aufgeschlagen sind. Diese meist umfangreichen, behäbigen »Damen« sind wegen ihrer Zungengeläutigkeit und wohl auch ihrer Zungenschneidigkeit längst zu einem festbegründeten Renommee gelangt, welches einzelne Localdichter verwerthet haben.

Zwischen dem Platze Am Hof und der Kreiling liegt der sogenannte Heidenschuss, ein kurzes Strassenstück, das die Verbindung der beiden Plätze herstellt. Der Name Heidenschuss soll, wie nunmehr nachgewiesen ist, auf die Familie Haydn zurückgeführt werden, die im 16. Jahrhundert hier ein Wohnhaus besass, an dem ein Steinbild angebracht war, das einen Türken zu Pferd während des Kampfes darstellt. Darunter Stand ZU lesen: »Wo der Haid schiesst . Die alte Sage, welche an die Zeit der ersten Belagerung Wiens durch die Türken anknüpft, ist fingst bestritten.

Pliot. I. J.Luivy; II. A. Wimm«.

WIEN. Schottenring. Börse.

Sülmhaus.

DER SCHOTTENRING.

las Schottenstift hat jenem Theil der Ringstrasse, der den Franzensring mit dem Franz Josefs-Quai verbindet, und der in nächster Nähe des Stiftes liegt, den Namen Schottenring gegeben. Durch das Börsegebäude, einen stattlichen Bau in italienischer Renaissance, erhält der Schottenring und seine nächste Umgebung den ausgeprägten Charakter eines weltstädtischen Geschäfts- und Handelsviertels, das dieser Theil Wiens auch unbestritten ist. Stolz und mächtig ist die Hauptfacade des Börsepalastes gegen den Schottenring gestellt, während dessen Seitenfronten der verlängerten Wipplingerstrasse, der Börsegasse und dem Börseplatz zugewendet sind. Der prachtvolle Bau, welcher nach den Plänen der Architekten Hansen und ddetze in den Jahren 1872 bis 1877 erbaut wurde, übt mit seiner grossangelegten Freitreppe, seinem schwungvoll concipirten Porticus und dem machtvollen säulengetragenen Loggien-Aufbau eine ausgezeichnete Wirkung aus. Leber dem schönen Mitteltracte erhebt sich eine Neptun-( Hiadrigc aus Marmor: »Ebbe und Fluth«, welche das steigende und sinkende Glück in diesem Gebäude symbolisch ausdrücken soll. Der hervorragendste Raum des Börsegebäudes ist selbstverständlich der grosse Börsesaal, in den man von der Ringstrasse durch ein ausgedehntes Vestibüle gelangt. Zu beiden Seiten dieses Saales ziehen sich die vornehm angelegten Bureaux hin. Im Querschnitt gleicht der zweckmässig eingerichtete, mit harmonischer Eleganz ausgestattete Saal einer Basilika von künstlerischer Vollendung. Ein zwei Stockwerke hohes Mittelschiff zeigt zwei übereinander stehende Arkadenreihen, deren dorische und korinthische Säulen zusammen die impönirende Höhe von 19*6 Meter aufweisen. Die totale Höhe des Börsesaales misst 22-8 Meter, die ganze Länge 59 Meter, die Breite mit den Seitenschiffen 40 Meter, ohne die letzteren 26 Meter. In dem Gebäude sind gegenwärtig auch die Bureaux der Handels- und Gewerbekammer und das Museum für österreichische Volkskunde, das zahlreiche interessante Objcete besitzt, untergebracht. Unstreitig zählt die Börse zu den bedeutendsten Monumentalbauten Wiens und der Neuzeit überhaupt. Vor der, der inneren Stadt zugewendeten Facade des Börsegebäüdes liegt der Börseplatz, den eine

hübsche Gartenanlage bedeckt. Dem kleinen Bark gegenüber, der an sonnigen Frühlings- und Sommertagen mit seinem fröhlichen Rinderleben ein heiteres Bild im geschäfts-ernsten Stadttheil zeigt, fesselt den Blick das in grossen Dimensionen gehaltene Staatstelegraphen-Gebäude, welches nach vier Seiten hin freisteht und seine wirksame I lauptfront der Wipplingerstrasse zukehrt. Der Bau entstand von 1871 bis 1873 nach den Bläuen des Oberbaurathes Winterholder. Er umfasst ausser der Centraistation des k. k. Telegraphenamtes und zahlreichen Bureaux, auch die Dampfmaschineii für die pneumatische Rohrpost, sowde den überaus sehenswerthen sogenannten Telegraphirsaal, der eine ganze Etage einnimmt und 1344 Quadratmeter Raumfläche aufweist. In diesem grossen Saale sind 200 Apparate in Thätigkeit.

Den Schottenring begrenzen durchwegs stattliche, meist vier-und fünfstöckhohe Bauten, die der breiten mit Alleen bepflanzten Strasse ein vornehmes Ansehen verleihen. Unter allen diesen Zinspalästen ragt aber das durch seine Eigenart sich auszeichnende Sühnhaus mit einer Sübnkapelle, welche das kleine Bckbild der nebenstehenden Tafel zeigt, hervor. Es steht auf der Stelle des einstigen Ringtheaters, das am 8. December 1881 einer unseligen Brandkatastrophe zum Opfer gefallen ist. Kaiser Franz Joseph f., dieser edle und weise Vater seiner Völker, Hess auf der Unglücksstätte nach den Entwürfen des Dombaumeisters Friedrich v. Schmidt diesen im gOthischen Style angelegten Bau aufführen , dessen Jahreserträgnisse humanitären Anstalten zugewendet werden. In der Kapelle des Stiftungshauses, der sogenannten Sühnkapelle, die mit kunstvollen Steinfiguren geziert ist, wird am Jahrestage des Unglückes Gottesdienst abgehalten, dem viele Andächtige beiwohnen.

Kuweit des .Sühnhauses erhebt sich auf der gleichen Strassen-seile wde dieses, das nach vier Richtungen freistellende, im Renaissancestyl errichtete Gebäude der k. k. Bolizei-Direction, das Stadtbaumeister Frankel für die Weltausstellung 1878 als Hotel erbaut hatte. Bis 1875 fand es Verwerthung als solches, dann ging es durch Kauf in den Besitz des Staates über. Das Gebäude besitzt aus jener Zeit im ehemaligen Speisesaal, dem jetzigen Präsidium, ein wirklich sehenswerthes, künstlerisches Deckengemälde.

Phot. I. J. Löwy; II. A. Wimnier.

WIEN. Schottenring. Börse.

Sühnhaus.

DER P RAT ER.

[er könnte sich wohl die Wienerstadt denken ohne den Prater, diesen herrlichen, ja geradezu einzig-schönen Naturpark: wer wüsstc einen gleich Werth igen Ersatz ' J für die dort verlebten frohen, glückvollen Stunden, die ein freundlicher Sonntag-Nachmittag oder Abend dem Besucher des Praters aus den breiten Volksschichten bietet, wenn dieses ausgedehnte ('.artenreich der Kaiserstadt fehlen würde? Wer wollte es endlich versuchen, die Bedeutung des Praters für die Wiener Bevölkerung, welchen Schichten sie auch angehören mag, festzustellen, auseinanderzusetzen ? Es wäre sicherlich ein müssiges, ein unfruchtbares Beginnen. Der Prater ist eben für Tausende und Tausende ein Dorado, eine unersätzliche Stätte der Erholung, der Erfrischung, auf der Jedermann in seiner Art Vergnügen findet. Er ist ein schier unbegrenztes Reich mit Wäldehen und Wiesen, mit einsam-stillen Plätzen und mit Partien, in denen es rauschend und lustig-toll zugeht. Kaust war der Prater, dessen Namen einige Korscher von dem Prado bei Madrid ableiten wollen, ein beliebtes Jagdgebiet der Herrscher Oesterreichs, und das gegenwärtig noch bestehende Lusthaus in der Hauptallee war ihr Jagdhaus. Kaiser Max II. wird als derjenige genannt, der die einzelnen Theile des Praters von ihren Besitzern erwarb. Doch um jene Zeit war der Resuch dieses Lustparkes nur Auserwählten gestattet und selbst diesen zumeist nur im holden Maimond. In jenen Tagen fuhren die Herrschaften unter namhaftem Gepränge in den Prater und das schaulustige Publikum ergötzte sich an dem effectvollen Schauspiel. J'ä'st der grosse Menschenfreund auf dem Throne, Kaiser Josef IL, hat 1766 den Besuch dieser Auen und Widder dem Volke frei gegeben. Damals mussten sich die Besucher bei Eintritt der Dunkelheit, nachdem die Böllerschüsse abgegeben waren, noch entfernen. Km jene Zeit durften sich aber schon die ersten Wirthe in einem Theile des I'raters, dem sogenannten Stadtgute, dem heutigen Volkspraler ansiedeln und so den AnstOSS geben zu der späterhin immer ausgedehnter werdenden volksthümlichen Niederlassung. Heute wird Niemand den »Wurstelpräter«, wie er einst genannt wurde, besuchen, ohne an dem fröhlichen, oft recht über-müthigen Leben bei den Schaubuden, Carroussels, in den zahlreichen

einfachen Biergärten, wo zumeist bescheidene Musikcapellen ihre wienerischen Tänze aufspielen, inniges Vergnügen zu linden. Man findet da und dort alle Schichten der Bevölkerung;, alle Stände vertreten; es ist ein lebensvolles buntfarbiges Bild, was uns überall fesselt.

Das vornehmere Publikum des Praters ergeht sieh freilich lieber in der stattlichen Hauptallee, die in der Ausdehnung von einer Stunde bis zum Lusthause und weiter bis zur Freudenau, dem grossen Rennplatze, führt. An der linken Seite der sogenannten »Nobelallee« liegen die oft genannten, fast localhistorischen »drei Kaffeehäuser« und zahlreiche andere renommirte Gastwirthschaften. Unter den drei Kaffeehäusern ist es ganz besonders das letzte, das Dritte, welches sich seit Decennien schon grosser Beliebtheit bei den Prater-Besuchern erfreut. Allerdings hatte jede einzelne von diesen Restaurationen mindestens in verrauschten Tagen ihr Stammpublikum, ihre stabilen Gesellschaften, die sich keine Untreue zu Schulden kommen Hessen. Der vornehmste Tag für den Prater war im Vormärz wohl der 1. Mai mit seiner > Praterfahrt«, an der nicht nur der Adel, sondern auch der Hof mit den Majestäten theilnahmen. Im sogenannten Englischen Garten, wo seit einigen Jahren das Vergnügungs-Etablissement - Venedig in Wien« besteht, nahm der Hof an diesem Tage im Freien ein Mahl ein. Eine Glanznummer dieses Tages war das Preislaufen der sogenannten Läufer, die in eine eigenartige Tracht gekleidet waren und durch ihre Ausdauer die Schaulust der Wiener in hohem Grade fesselten.

Der eigenartige Rundbau mit dem cassettirten Dach, die Rotunde (rechts unten), ein Ueberrest von der Weltausstellung 1873, ist längst schon ein Wahrzeichen Wiens geworden. Seit jenem Ausstellungs-Jahre diente die Rotunde wiederholt schon zu den verschiedensten Schaustellungen und ist auch im diesjährigen Jubiläumsjahre das Hauptobject der Ausstellung im Prater. Der verkehrsreiche Platz vor dem Eingang in den Prater, am Ende der stattlichen Praterstrasse, ist der Praterstern (links unten) mit dem effectvollen KundtmamVsehen Denkmal für Admiral Wilhelm von Tegetthoff, den Sieger bei Lissa. Das herrliche Standbild steht auf einer hohen Rostrasäule, die mit Schiffsschnäbeln geziert ist und auf dem Postamente Allegorien von Kampf und Sieg zeigt.

Pratenitcm.

WIEN. Prator-Hauptallee.

Rotunde.

ZWEI HELDEN

-MONUMENTE.

Iicn war bis zu Beginn der Sechziger Jahre unseres Jahrhunderts noch eine mit Denkmalern nur wenig bedachte Stadt, Erst um jene Zeit, in der die alte Kaiserstadt sich zu verjüngen begann, in der überall neues Beben in der machtvoll emporstrebenden Capitale spricsstc, sollte auch eine neue Aera für öffentliche Monumente erblühen. Auch hier war es der gütige Monarch, Kaiser Franz Joseph, welcher den Anfang machte und der Melden gedachte, die ruhmvoll für Oesterreich gekämpft und gesiegt hatten. Auf dem weiten Plan des äusseren Burgplatzes wurden zwei kolossale Reiterdenkmäler errichtet, die nicht nur ein beredtes Zeugniss dafür ablegten, wie sehr der kaiserliche Kriegsherr die unvergänglichen, dem Ruhme der Armee und der Ehre des Vaterlandes geweihten Dienste im Felde für alle Zeiten zu lohnen weiss, sondern die auch aller Welt verkündeten, dass es in der Kaiscrsladt an der Donau an Meistern der edlen Bildhauerkunst niemals gemangelt hat. Der Kaiser hatte Anton Fernkorn beauftragt, dem Andenken der beiden unver-gesslichen Heerführer, Erzherzog Carl und Prinz-Eugen v. Savoyen Standbilder grossen Styls zu errichten. Schon wenige Jahre später konnten die beiden Monumente in festlicher Weise enthüllt werden., und zwar das des Ersteren 1800, das des Letzteren 1865. Jedes der beiden ehernen Denkmäler erhebt sich auf einem architektonisch gefälligen hohen Marmor-Postamente und zeigt den meisterhaft dargestellten Helden auf einem feurigen, sich hochaufbäumenden Rosse. Erzherzog (Juri, »der beharrliche Kämpfer für Deutschlands Ehre«, wie eine der Inschrifttafeln auf dem Denkmalsockel besagt, der lorbeerreiche Sieger von Aspern über Napoleon, den gewaltigsten Kriegshelden Europas, ist in dem Momente gedacht, da er in der hocherhobenen Rechten die Bahne haltend, di e wank enden Regimenter in der erwähnten Entscheidungsschlacht zu neuem Kamples-muthe, zu neuem begeisterten Vorwärtsstürmen aneifert.

Vor diesem grandiosen Denkmal ersteht im Geiste des Beschauers die lange Reihe der glänzenden Waffenthaten des Erzherzogs Carl in kraftvollen, farbenprächtigen Bildern. Wir erblicken den ausgezeichnetsten Feldherrn der neueren Zeit an der Spitze der österreichischen Armee und der sogenannten Reichs-

armee am Nieder- und Oberrhein, in Würtemberg, an der Isar und am Lech, in der Schweiz, an der Donau, am Bodensee, an der EtSCh, am TagliamentÖ, bald da, bald dort, und bewundern selbst bei minderem Kriegsglück das Genie des Heerführers. In ähnlicher Weise zeigt das gegenüberstehende Standbild des »edlen Ritters«, den weisen Rathgeber dreier Kaiser«, den ■ruhmreichen Sieger über Oesterreichs Feinde«. Wie Erzherzog Carl, der jüngere Bruder des Kaisers Franz I., diesem ein treuer Wardein gewesen, so war Prinz Eugen, den wir gleichfalls auf einem sich bäumenden Bierde erblicken, ein tapferer Kriegsheld Leopolds I., Josefs 1. und Carls VI. Die türkischen Trophäen, die zu Füssen des einher-galopirenden Rosses liegen, deuten uns seine Siege über die Osmanen an. »Der kleine Abbe«, wie der jüngste der Söhne des savoyischen Prinzen Moriz v. Savoyen-Carignan am französischen Hofe deshalb gerne genannt wurde, weil er schon als Knabe im Besitze zweier Abteien gewesen, schritt im österreichischen Heere von Erfolg zu Erfolg, v a Sieg zu Sieg. Oesterreich war ihm zum zweiteii Vaterlande geworden; er liebte es aber mehr als sein eigentliches Vaterland Frankreich und hatte sich auch den Wahlspruch erwählt: -Oesterreich über Alles!« Der höchste Ruhm ist ihm zu Theil geworden, die höchsten Ehren haben ihm seine drei kaiserlichen Kriegsherren gespendet. Ein schöner Ausspruch des Prinzen, den ein herrliches Volkslied noch heute preist, besagt: 'Kaiser Leopold war mein Vater, Kaiser Josef mein Bruder, Kaiser Carl mein Herr.' Für seine Talente als Feldherr sprechen seine gloneichen Kriegsthaten, doch war er als Staatsmann und Diplomat nicht minder gross. Wie Erzherzog Carl von Oesterreich hat auch Brinz Eugen von Savoyen seine tapferen Schaaren nach Nord und Süd, nach Ost und West zum Siege geführt.

Vielleicht zum ersten Male wurde in diesen Standbildern die realistische Richtung in der plastischen Kunst in markanter Weise betont. In dem Monumente des Erzherzogs Carl prägt sich jugendliche Kraft und flammende Begeisterung aus, wahrend Fachleute und Laien an dem Denkmal des Prinzen Eugen manche Mängel rügen und dasselbe ein wenig schwerfällig linden. Nichtsdestoweniger bleiben beide Werke ruhmvolle Schöpfungen einesgrossen heimischen Meisters.

Prinz Eugen-Denkmal.

WIEN.

Erzherzog Karl-Denkmal.

U N jTI_S-£

DENKMÄLER.

|at die von altersher musikfreundliehe, liederreiehe Stadt Wien auch lange gezögert, den Meistern der Tonkunst, den Heroen der Dichtkunst, den schuldigen Tribut zu entrichten und ihnen Denkmäler zu weihen, im Jahre 1872 ist doch der Anfang damit gemacht worden. Der Erste jener Unsterblichen, deren Weisen dem Herzen und Gemüth niemals verklingen werden, dem in der Kaiserstadt ein Denkmal errichtet wurde, war Franz Schubert, der Schullehrerssohn und Schullehrer von der Rossau. Der Wiener Männergesang-Verein hat das herrliche Marmordenkmal auf seine Kosten herstellen lassen, das uns den grossen Liedersänger zeigt, wie er der göttlichen Inspiration lauscht. Die lebensvolle Gestalt aus earrarischem Marmor hebt sich freundlich vom dunkelgrünen Hintergrunde ab. Bildhauer Kundtmann, der Schöpfer des Denkmales, hat mit demselben seine hohe Künstlerschaft bewiesen. Das Abbild Franz Schubert's sitzt auf dem breiten Stuhle, den Griffel in der Rechten, das Buch in der Linken, des Augenblicks waltend, da ihm die hehre Eingebung zu Theil wird. Es ist ein liebliches Plätzchen im Stadtpark, wo auf hohem Marmorsockel, der mit schönen bedeutsamen Reliefs geschmückt ist, die lebensvolle Figur des Meisters thront. Kundtmann hat Stimmung und 'Dm des Denkmales meisterhaft wiedergegeben; er spricht uns mit seinem Schubert so recht zu Herzen, und der Beschauer meint, dass er den Sänger verklärt wiedersieht. Nicht allzu ferne von dem Wiener Sangesfürsten, auf einem abseits des rauschenden Stadtverkehres liegenden kleineren Platze erhielt 1880 Ludwig van Beethoven ein Monument aus Erz, das Carl Zumbusch geschaffen hat. Mit düslerem Ausdruck- des Gesichtes, über das Blitze zu leuchten scheinen, sitzt der Titane auf erhabener Stelle und blickt sinnend herab. An beiden Seiten des Sockels, der sich von mehreren Treppenstufen erhebt, sind die markanten Figuren des Prometheus und der Siegesgöttin angebracht. Kindergruppen symbolisiren zwischen diesen grösseren Gestalten die Werke Beethoven's. Das ganze Bildwerk, in erster Linie die Gestalt Beethovens selbst, drückt den eigenartigen, düsteren Charakter des vergrämten Meisters auf das Trefflichste aus. Versenken wir unseren Blick in die naturgetreue plastische Wiedergabe des Unvergäng-

lichen, Unsterblichen, so werden uns wohl seine leidensvollen Tage erwachen, in denen er in Sturm und Braus durch die Umgebung Wiens irrte und im Geiste seine gewaltigen Symphonien schul'.

Vor der Mariahilfer Pfarrkirche, knapp an der Strasse, fesselt das Denkmal Josef Haydn's, des Vaters der neuen Symphonie und des Quartetts, den Vorübergehenden. Heinrich Natter, der verewigte Meister des Standbildes, der geniale und liebenswürdige Tiroler Bildhauer, welcher nachmals den Vaterlandshelden Andreas Hofer für den Berg [sei bei Innsbruck in kolossalen Dimensionen modellirt hat, ist auch der Schöpfer dieses Denkmales. Der unsterbliche Compositeur der weihevollen Volkshymne, des ewig schönen »Kaiserliedes«, das allein schon den Namen liaydn mit der Gloriole des Nachruhmes umgeben hätte, er steht aufrecht, in der charakteristischen Kleidung seiner Zeit, mit der gepuderten Perrücke auf dem Kopfe und dem Zöpfchen am Hinterhaupte. Unserem Geiste erwacht wieder das Bübchen des armen, mit Kindern reich gesegneten Stellmachers Haydn in dem kleinen Oertchen Rohrau, das bei Hainburg an der Grenze Niederösterreichs gegen Ungarn liegt. Das jüngste Musiker-Monument Wiens ist Mozart geweiht. Es steht auf dem Albrechtsplatze, im Rücken der Hofoper und ist nicht sonderlich günstig situirt Leider wollte sich in der grossen Kaiserstadt kein geeigneterer Punkt für das Denkmal linden. Der Salzburger Tonheros ist da als junger Meister aufgefasst, vielleicht als zu junger. Das Beiwerk ist ein überreiches; an Reliefs und bewegten Puttis voll lieblichem Reiz fehlt es nicht. Bildhauer Tilgner, der Schöpfer des Monumentes, hat die Aufstellung desselben leider nicht mehr erlebt. In der unteren Reihe der nebenstehenden Tafel sieht man die Denkmäler Schiller's und Grillparzer's. Das erstere, ein Werk des Dresdener Meisters Schilling, wurde 1876 auf dem Platze vor der Akademie der bildenden Künste errichtet. Der Dichter, eine aufrecht stehende Gestalt, blickt zum Himmel empor. Die Erzfiguren an den Ecken des Sockels repräsentiren Gestalten aus dem Lied von der Glocke«. — Das Grillparzcr-Denkmal von Kundtmann im Volksgarten zeigt die sinnige Gestalt des Dichters und kunstvolle Reliefs von Weyr, welche die Hauptscenen der bedeutendsten Dramen des grössten Poeten Oesterreichs darstellen.

1IÖ4Ö

SCHÖNBRUNN.

j^lflcr Narrte des kaiserlichen Lustschlosses Schönbrunn hat für den Wiener gewiss einen ebenso fesselnden

und heimlich-trauten Klang, wie der des Praters, Vielen Generationen ist Schönbrunn gar lieb und traut geworden und heute noch pilgern, wie ehedem, an sonnigen Tagen des Sommers und Herbstes Tausende undMausende von Personen dahin, wo sie einst, in der lieblichen Jugendzeit, manche Stunde der Freude und des Frohsinnes genossen hatten. Und jedesmal, wenn sie diesen wahrhaft kaiserlichen Lustgarten aufsuchen, ergötzen sie sich an den herzerwärmenden vornehmen Bildern, die sich hier in so reicher Zahl ihren Blicken in frischen Farben zeigen. Wie erquickend ist doch ein Spaziergang am stilleren Morgen in den breiten Parkgängen, wie freundlich ein solcher in Stunden des Nachmittags, wenn man in abseits liegenden Partien dem Gesänge der befiederten Sänger lauschen kann. Linen imposanten Eindruck übt der an sehenswerthen Objecten, an malerischen Punkten reiche Garten auch auf den Fremden aus der Provinz aus, der vielleicht seit Jahren schon mit Sehnsucht diesen Besuch herbeiwünscht. Wer von der Schlossbrücke her über den weiten Vorhof, das Vestibüle des Schlossgebäudes passirend, in das weithingedehnte Gartenparterre gelangt, dem rollt sich ein prächtiges Gemälde auf. Als eine Art freundliches Wahrzeichen grüsst der luftige, mit Arkaden versehene Saalbau der Gloriette von der saftiggrünen Wiesenhöhe herab auf den zierlichen Gartenplan, der zu beiden Seiten von hohen glatten Baumwänden abgeschlossen erscheint. Eine grosse Zahl von Marmorstatuen, die Gestalten aus der griechischen Mythologie und römischen Geschichte darstellen, begrenzt das Rasenparterre. Ebenso wie dieser Figurenschmuck, beleben auch viele Bassins die Blätze und Wege. Vom grossen Parterre zieht sich eine breite Allee zu dem »schönen Brunnen«, zu jener trefflichen Quelle, welche Kaiser Mathias 1619 auf einer Jagd im damaligen Thiergarten entdeckt hat. Der freudige Ausruf des Kaisers, als er den schönen Brunnen sah, gab später dem ganzen Besitz dennoch gegenwärtig gebräuchlichen Namen. Unfern dieses Brunnens liegt die »römische Ruine«, eine pittoreske Anlage, die gleichzeitig mit der Gloriette und dem Obelisk in den Jahren 1775 bis 1780

errichtet wurde. Die reichhaltige Menagerie, welche nicht nur die Besucher aus der Kinderwelt, sondern auch deren bejahrte Begleiter mächtig anzieht, wurde 1772 und der botanische Garten bereits 1753 hergestellt. Seit einigen Decennien fesselt in diesem ddieil des Parks das aus Glas und Eisen kunstvoll erbaute Balmen-haus, das mit seinen prachtvollen Exemplaren von Palmen zu den hervorragendsten Sehenswürdigkeiten Schönbrunns und Wiens zählt.

Glanzvoll ausgestattet sind die vielen Räumlichkeiten des Schlosses, in dem sich sammt den Nebengebäuden 1441 Gemächer und 18)0 Küchen befinden. Die Wohnräume und Empfangssäle für den allerhöchsten Hof sind im ersten Stockwerk untergebracht, Während die zweite und dritte Etage des Schlosses Gemächer finden Hofstaat aufweist. Zu den bemerkenswerthesten Prunkräumen zählt der Spiegelsaal, der Ceremoniensaal, der Hamiltonsaal, das Bildercabinet und die Hauscapelle. Wie viele denkwürdige Tage hat Schönbrunn nur im Laufe dieses Jahrhunderts gesehen. 1800 hatte Erzherzog Carl hier das Hauptquartier aufgeschlagen, 1805 und 1800 wohnte im Schlosse Kaiser Napoleon I., und zwar in jenen Räumen, in denen 1882 sein Sohn, der Herzog von Reichstadt gestorben ist. 1814 und 1815 fand während des Wiener Congresses im Schloss und Park eine Reihe von rauschenden Festlichkeiten statt. Am Aufgange der grossen Freitreppe vom Vorhofe aus bedrohte Friedrich Staps das Leben des Franzosen-Kaisers. Von ganz besonderer Bedeutung ist den Völkern unserer Monarchie aber der 18. August 1830. An diesem Tage wurde in Schönbrunn als erster Sohn des Erzherzogs Franz Carl und der Erzherzogin Sophie, Erzherzog Franz Joseph, unser allgeliebter Kaiser, geboren.

Die ersten Anhinge des heutigen Schönbrunn reichen bis 1570 zurück, wo Kaiser Maximilian 11. im Thiergarten ein kleines Jagdschlösschen erbauen Hess. Kaiser Mathias erweiterte das Gebäude, welches jedoch mit den Barkanlagen 1083 von den Türken verwüstet wurde. 1006 liess Kaiser Leopold 1. ein neues Schloss herstellen und den Lustgarten in seinem dermaligen Umfange anlegen Fischer von Erlach, der Aeltcrc, begann den Bau für den römischen König Josef I. Erst durch Maria Theresia und Josef II. gewann Schönbrunn seine gegenwärtige, so überaus anmuthende Gestalt.

Phot. I, IV A. U'imi.u-r•; II , J, Löwy; III., V Aug. Stauda

Gloriette. Kaiserliches Lustschloss Schönbrumi. Allee.

Römische Ruine. Palmenhaus.

LAXEN BURG. LAINZ.

:r grosse Anziehungspunkt des kaiserlichen Lustschlosses Laxenburg besteht wohl in dem reizvollen, an 400 Hektar Bodenfläche umfassenden Park, der im englischen Style gehalten ist und viel d.es Liebliehen und Malerischen bietet. 1 )as ausgedehnte Gartenrcich mit seinen Baumgängen, einsam liegenden Ruhepunkten und lauschigen Plätzchen, seinen weiten perspectivischen Fernblicken, seinem Teiche, seinen zahlreichen Brücken und Stegen, seinen Wassel laufen und Baulichkeiten, muthet wie ein schönes stilles Filand, wie eine Idylle an. Aus der üppigen Laumwelt hebt sich der hohe Thurm der Franzensburg empor, die in ihrer getreuen Nachahmung mittelalterlicher Rauten an jene verrauschte Zeit lebhaft erinnert. Dem Freunde der Historie drängt sich vor das geistige Auge eine Reihe bunter Bilder, die den Park und die beiden Schlösser beleben. Weit zurück, bis ins 13. Jahrhundert, reicht die Kenntniss von dem Orte. Schon unter Albrecht IL, dem Weisen, besassen die Babenberger hier eine Sommerresidenz. Etwa um 1d77 Hess dessen Sohn, Herzog Albrecht III. »mit dem Zopfe« das Schloss in eine stattliche Yeste verwandeln, einen Park und Thiergarten anlögen und dieselben mit Teichen und Fontainen schmücken. Hier wollte sich der Fürst ein trauliches Asyl schaffen, in welches er sich aus dem unruhvollen Treiben der Wiener Hofburg zurückziehen könne. Albrecht III. brachte in sein ßuen retiro in Lachsendorf all' die seltenen Gegenstände, kunstvollen Reliquien und Werthsachen aus griechischer und römischer Zeit, die sein Sammeleifer zusammengetragen hatte. In seinem Testamente erscheint zum erstenmale der Name Lachsenburg, der von da an beibehalten wurde. Unter Albrecht V., dem späteren Kaiser Albrecht II., gelangte die Besitzung an die Habsburger. Kaiser Friedrich III. hatte das sogenannte »alte Schloss«, welches aus dem 15. Jahrhundert stammt, durch längere Zeit zu seinem Lieblingsaufenthalte erwählt. Noch gegenwärtig sieht man an einzelnen Punkten der alten Burg das Anagramm: A. F. I. 0. Y. (Austria Est Imperium Orbis Umversi - - Alles Erdreich ist Oesterreich Unterthan), welches der kaiserliche Herr auf seinen Büchern, Geräthen, Skripturen etc. und selbst in den Steinbauten anbringen Hess. Jahre später schreitet Maximilian I. durch das Gartert-

und Waldland Laxenburgs. Herrliche Damhirsche lebten in dem ausgedehnten Thierparke, prächtige Reiher in den deichen. An traulichen Stellen wuchsen freundliche Asyle aus der Erde. 1529 wurde das Schloss und der Park von den feindlichen Türken verwüstet. Es kam Mathias Corvinus, der in Laxenburg die Pracht des Orients einführte. Seine zweite Gemahn, die schöne Prinzessin Beatrice, zauberte den sonnigen Himmel ihrer neapolitanischen Heimat in die Sale der kindlichen Yeste. Kaiser Leopold I. Hess 1693 die Kirche im Markte erbauen und widmete der Besitzung grössere Aufmerksamkeit. Kaiser Leopold errichtete auch das Neue Schloss, in dem seit Jahren schon in der Sommerszeit Kronprinzessin-Witwe Erzherzogin Stephanie mit ihrer Tochter Erzherzogin Elisabeth Aufenthalt nimmt. Desgleichen erstanden in jener Zeit andere Gebäude, sowie die grosse Allee nach Wien und der Park in neuen Anlagen. In der Regierungszeit Kaiser Karl VI: fand sich der Hof oft in Laxenburg ein. Es wurden Reiherbeizen veranstaltet, zu denen auch die Wiener in Sehaaren nach dem prächtigen Parke zogen, um dem interessanten Schauspiele beizuwohnen. Auch Maria Theresia liebte den Park und that viel für seine Yerschünerung. Die grosse Kaiserin brachte im Parke und Schlosse Frühlings- und Sommertage gerne zu. Sie war es auch, die dem Paikreich seine jetzige Physiognomie gegeben hat. Sie schmückte den Park mit zahlreichen Objecten, mit Pavillons und Sommerhäuschen, die zumeist recht wunderlicher Art gewesen sind. Vieles davon ist verschwunden, so der sogenannte »Holzstoss«, der »Chinesische Pavillon«, der »Tempel der Eintracht« und das bekannte »Haus der Laune«. Am meisten erfreute sich Laxenburg der Gunst des Kaisers Franz I. Eine der effectvollsteu Partien dieses herrlichen kaiserlichen Besitzes ist, wie bereits erwähnt, gewiss die Franzensburg, die sich im Geiste mittelalterlicher Burgen auf einer Insel im grossen Teiche mit ihren Thürmen, Thürmchen und festem Gemäuer erhebt.

bau beglückendes Heim ist das neue Jagdschloss Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth in Lainz, das eine Fülle des Schönen und Kunstvollen m den prunkvollen Räumen enthält. Zuweilen verbringt die hohe Frau in diesem märchenhaften, fast weltabgeschiedenen Tusculum des Wildgartens eine Reihe haleyonischer Tage.

f'hot. A. Wiiiimer.

LAXENBURG: Die Franzenburg. Schloss Lainz.

BADEN

ic Schwefelstadt Baden, malerisch hingelagert an die Südbahnlinie und vor rauhen Nordwinden von bewaldeten Hügelketten geschützt, reicht weit in die

Mk"mm historische Vergangenheit zurück. Schon die Römer

kannten die heilkräftigen Thermen, die Kaiser Marc Aurel in seinen Schriften mit dem Namen »Tfterntae cetiac« bezeichnet und die auch unter dem Namen »Aqtiae paunoiucae < erwähnt werden. Sie haben der Stadt, die namentlich in den letzten Decennien im rapiden Aufstreben begriffen ist, zu bedeutendem Rufe verhelfen und führen den dreizehn Quellen, die dolomitischem Boden entströmen, alljährlich eine Zahl von (lasten zu, welche die Ziffer von zehntausend weit übersteigt. Aber auch als Sommerfrische gewinnt die freundliche, von berückenden Bandschaften umgebene Stadt immer mehr an Beliebtheit. Es entstehen stets neue Villen und Sommerhäuser, welche der Physiognomie Badens ein vornehmes, fast weltstädtisches Relief verleihen. Der Ruf der Stadt ist sowohl in Hinsicht auf die heissen Quellen, bei denen hier Heilung gesucht wird, wie auch auf die Besucher in der sommerlichen Saison, längst ein festbegründeter geworden. Es ist aber auch berückend schi'm in Baden und in seinen lieblichen Geländen. Ueberall grüsst uns das saftvolle Grün duftiger Gärten, lächelt der Reiz des einzigschünen Curparkes und der vielen abwechslungsvollen Promenadewege den Spaziergängern entgegen, die in dem fesselnden Kurorte die Annehmlichkeiten des Comforts mit der stillen Ländlichkeit der nahen Umgebung aufs innigste verbunden finden. Heute sind freilich alle Spuren verwischt, die an eine fernverrauschte Zeit erinnern könnten, an jene wildbewegten Tage der Zerstörung, welche während der Völkerwanderung über diese (legenden dahingezogen sind. Erst in den Tagen Kails des Grossen scheint Baden wieder erwacht zu sein, und die Babenberger haben wohl dieser neuerstandenen Heimstätte festen Halt gegeben, laue Reihe von Jahrhunderten hindurch wurde der Ort und die Gegend von Ungemach aller Art hart bedrängt. Raubritterthum, Krieg und Feuersbrünste, fanfälle der feindlichen Horden des Mathias Corvinus und der Türken schädigten die Stadt unausgesetzt, doch immer vom Neuen vermochte sie sich wieder aufzü-

EI WIEN.

richten. Nun ist sie aber die Beile am Saume des herrlichen Wienerwaldes geworden und wird es sicher auch für immer bleiben. Die Bilder der ddiermenstadt, welche deren Ruf begründet haben, mögen hier genannt sein, und zwar sind es das Herzog-, Anton- und Theresienbad in der Gurgasse, das Leopoldsbad in der Alleegasse, das Karolinen- und Frauenbad und das Josefsbad auf dem Josefsplatz, das Franzensbad, das Johannis- und Ferdinandsbad in der Neugasse, das Engclsbad in Weikersdorf, das Sauerbad im Sauerhofe und die Mineralschwimmschule in der Bergstrasse. Doch glücklich Derjenige, welcher diese Bäder nicht zur Herstellung seiner leidenden Gesundheit gebrauchen muss, der sich ungetrübt erfreuen kann an den zahllosen Spazierwegen und an den farbenkräftigen Bildern der grünen Wiesen, der tannendunklen Höhen ringsum, der pittoresken Ruinen, die herabschauen auf das Thal und dem Wanderer erzählen von hingst vergangener Zeit. Welche Fülle herrlicher Ansichten, berückender Details bietet nur allein das Helenenthal. Die prächtigen Ruinen Eauheneck und Rauhen-stein, die einst als feste Schlösser den ganzen Thalstrich beherrschten, verleihen noch gegenwärtig der Landschaft einen mittelalterlichen Charakter. Einer der streitbarsten Besitzer von Rauheneck war Härtung von Turso (1136), dessen zahlreiche Nachkommen lange auf diesen Burgen sassen. Unter Herzog Rudolf zogen die Wiener, mit denen der Burgherr allerlei Händel gesucht hatte, nach Rauheneck und schleiften die Vestc vollständig.

Lustig geht es dann durch das Helenenthal -weiter. Links streben die Wäldhohen des Hohen Lindkogels (»Eisernes Thor«) in die blauen Lüfte und die Wege und Steige hinauf verlieren sich im leichten Schatten der Baumwelt. Immer neue Bilder tauchen auf voll lieblichem Reiz, voll stiller Schönheit an Wochentagen. An Sonn- und Feiertagen im Sommer herrscht hier bewegtes Leben, denn da pilgert die halbe Curstadt hinaus ins pittoreske Helenenthal. Die sogenannten Krainerhütten, die alte und die neue, laden dann zur Erquickung ein. Noch weiter draussen liegt die Augustinerhütte, gleichfalls eine Restauration, zu der die Sommergäste Badens gerne kommen. Von hier führt der Weg auf den Hohen Lindkogel, der eine herrliche Rundschau aufweist.

Phot. I-, III. J. Löwy; II. A. Wimmer

Gesammtansicht, Helenenthal.

BADEN BEI WIEN.

Die Weilburg. Sacher'3 Curanstalt „Helenenthal'

MÖDLING.

j^^^^l11 ^cn schönsten und lohnendsten Partien in der un mittelbaren Nähe Wiens darf wohl ein Ausflug mit der Südhahn nach Mödling und von da in das romantische Thal der Brühl gezählt werden. Die Stadt selbst, welche sieh in den letzten Deeennien zu einer bevorzugten Sommerfrische, zu einem vielbesuchten Ausflugsziel der Wiener herausgebildet und sowohl an Bedeutung wie an Stattlichkeit ihrer Bauten ganz erstaunlich zugenommen hat, bietet durch ihre anmuthige Lage zu Füssen des steilaufsteigenden Kalkfelsens des Liechtensteinoder Kalenderberges und des Frauensteines oder Maabcrgcs, ein wahrhaft malerisches Bild, eines jener LandsehaftsbiLler, die durch ihren lieblichen Charakter bestechen. Die Stadt selbst weist mehrere Baulichkeiten auf, die den Besucher sowohl durch Alter wie durch historische Erinnerungen fesseln. Da ist vor Allem ein altes Haus in der Herzogsgasse, dessen Facade mit Wappenschildern bemalt ist und das als die Wohnstätte der einstigen Herzoge gilt. Ein Juwel der mittelalterlichen Baukunst ist das Rathhaus, welches mit seinen malerischen Bogengängen eine hingst verrauschte Zeit vor unsere Sinne zaubert. Nicht geringeren Genuss bietet dem Freunde alter Bauten die schöne Stadtpfarrkirche zu St. Othmar. Den imposanten, weithin sichtbaren altdeutschen Bau aus dem Jahre 1454 ziert ein Meisterwerk österreichischer Zimmermannskunst, ein hohes Pultdach von seltener Form. Nahe der Kirche erhebt sich noch ein Kleinod aus uralten Tagen, und zwar die St. Pantaleons-Kapelle im Style der byzantinischen Rotunden. Im vorigen Jahrhundert hat man ein Stockwerk mit einem Zwiebeldache aufgesetzt und die Kapelle in eine Art Glockenthurm verwandelt. Die feste Burg der Babenberger ist verfallen und nur mehr ein Stück des mächtigen 'I hurmes ist heute noch erhalten aus jenen glorreichen Tagen, als sieh in der Yeste zu Mödling die erste Residenz dieses Fürstengeschlechtes befand. Heinrich I. von Babenberg, ein Sohn Leopold des Erlauchten, hatte die Burg zu Anfang des 11. Jahrhunderts zum Schutze gegen die räuberischen Einfälle der Magyaren erbaut, und die Stadt dürfte ihren Namen wohl derselben verdanken. Die glänzendste Zeit der Ostmark erwacht vor unserem geistigen Auge, wenn wir vor dem nun verfallenen, einst so stolzen Bau

stehen, in dessen Räumen man prunkvolle Feste feierte, zu denen die Ritter und Sänger aus den weiten deutschen Landen hier erschienen und bei welchen die Dichtkunst, die ritterliche Kraft und das ritterliehe Spiel in gleich hervorragender Weise gepflegt wurden. Später, um die Mitte des lö. Säculums, fiel die Burg an Friedrich III., den Streitbaren, und auch unter dessen Herrschaft wurden gar fröhliche Stunden auf dem alten Herrensitze verlebt, bis 1477 Mathias Corvinus die Veste eroberte. 1521) und 1683 verheerten die feindliehen Osmanen Burg und Ort vollständig. Von jener Zeit an ging Burg Mödling dem Verfalle entgegen, während sich das Oertchen allmälig erholte und 1875 zur Stadt erhoben wurde. Heute ist Mödling als Knotenpunkt für zahlreiche Ausflüge ein Lieblingsziel der Wiener. Natur und Kunst haben sich ringsum vereinigt, eine Fülle des Schönen und Herzerfreuenden zu bieten. Hinter Mödling nimmt uns die pittoreske Klause auf, die im Süden durch die Abstürze des Maaberges, im Norden durch jene des Kalenderberges gebildet wird. Von da geht es in das weite malerische Thal der Brühl. Ziemlich steil steigen die Wände auf und schliessen das bald sich verengende, bald wieder breiter werdende Thal ab. Schwarzföhren mit weitausgebreiteten schirmartigen Kronen bekleiden die Höhen und verleihen der Sehlucht ein fremdes südliches Gepräge. An dem lieblichen Oertchen Klausen führt der Weg vorüber. ICs ist ein angenehmer Fusspfad, der längs des Mödlingbaches bis zum Gasthause »zu den zwei Raben« hinzieht. Eine Flügelbahn mit elektrischem Betrieb bringt den Ausflügler vom Südbahnhofe rasch in die Vorderbrühl. An landschaftlichen Reizen ist die Gegend überreich. Namentlich die Hinterbrühl fesselt durch ihre anmuthigen Scenerien, eleganten Landhäuser, die in wohlgepflegten Ziergärten, auf dem Gelände und im Thale verstreut liegen. Unser Bild zeigt die enge gewundene Schlucht, durch welche der Klausenweg zieht. Der Kleine Anninger im Hintergrunde, von dessen Gipfel der Tempel der Bellona (»Husaren-tempel«) herableuchtet, der Brcntenberg im Süden, der Eichberg und Hundskogel an der Nordseite, umgeben das saftgrüne Thal der Hinterbrühl. Auf dem östlichen Abhang des Kalenderberges erhebt sieh der »Schwarze Thurm«, der eine herrliche Aussicht gewährt.

I'hot A. Wimmer.

MÖDLING.

Schwarzer Thurm.

WIENER-NEUSTADT.

IHJ^^II e'ne Stadt m Niederösterreich hat sich einen gleich •I^j'b ehrenvollen glänzenden Beinamen zu erwerben ver-l^tb? standen, keine hat reichere historische Erinnerungen i aufzuweisen, ah- Wiener-Neustadt, die allzeit Getreue-, wie sie seit alten Tagen mit Fug und Recht genannt wird. Herzog Leopold VI. von Babenberg, der Tugendhafte, hatte die Stadt, die stets treu zu ihrem angestammten Herrscherhause gehalten, 1192 gegründet. Sie war die unüberwindliche, die uneinnehmbare, die ans zahlreichen Belagerungen standhaft hervorgegangen ist. Eine der bedeutendsten Epochen in der Geschichte der Stadt ist wohl die Zeit Kaiser Friedrich's III., dessen Lieblingsaufenthalt Neustadt war. Von markanter Bedeutung ist auch jene Episode aus den Tagen des Kampfes im Jahre 1452, in welcher der steirische Ritter Andreas Baumkirchner, der später in Graz in einem der Stadtthore ergriffen und enthauptet wurde, mit einem Häuflein seiner Getreuen am Wiener Thore dem gesammten Heere der Magyaren und Böhmen erfolgreich Widerstand leistete. Friedrich III. hatte damals innerhalb der Mauern Neustadts Schutz und Zuflucht vor den feindlichen Scharen gesucht und gefunden; Baumkirchner durch seinen Heldenmuth dem Kaiser aber Leben und Freiheit gerettet. Als die wilden Horden Mathias Corvinus' Neustadt belagerten, hielt sich die feste Stadt durch zwei Jahre tapfer aufrecht, bis sie 1486 doch unterlag. Vier Jahre hernach musste sie Corvinus jedoch wieder an Maximilian I. ausliefern. Schwer lastete die Belagerung von 152!) und 1683 durch die Türken auf Neustadt, doch gelang es denselben nicht, die Stadt einzunehmen. Im Jahre 1609 erhielten hier die evangelischen Stände Oesterreichs den Majestätsbrief von Kaiser Rudolf IL Als mehr als ein halbes Jahrhundert später abermals l Inruhen ausbrachen, büssten 1G71 die ungarischen Rebellen Zrinyi und Frangipani ihren Verrath mit dem Leben. Beide wurden hier mit dem Schwerte hingerichtet. Ihre Grabsteine sind an der Aussenwand der Liebfrauen- oder Pfarrkirche angebracht. Zu den interessantesten Baulichkeiten der Stadt zählt in erster Linie die Burg, in welcher sich seit der Gründung der Militärakademie durch Maria Theresia dieses ausgezeichnete Institut befindet. Das weitläufige

Gebäude hat Friedrieh III. anno 1457 erbaut. Das Standbild des Kaisers und dessen bekannter Wahlspruch: »Austria crit in orbe ultima«, den wir auch im alten Laxenburger Schlösse finden, ist über dem Thore angebracht. In der gothisehen St. Georgskapelle ruht Kaiser Maximilian L, der in Wiener-Neustadt geboren wurde und auch daselbst gestorben ist. An die Akademiegebäude sehliesst sich der 173 Hektare umfassende, im englischen .Style angelegte Park, der reizende Details zeigt und dem Publicum geöffnet ist. Fernkorn's meisterhaft ausgeführte Erzstatue der erhabenen Kaiserin schmückt seit 18G2 den Park. Ausserdem linden wir in demselben noch die Denkmäler des Feldzeugmeisters Kinsky und der in den Kriegen gefallenen ehemaligen Zöglinge der Akademie. In der Georgskapelle wird eines 4er edelsten Kunstwerke aus dem 15. Jahrhundert, eine Broncefigur des heil. Georg darstellend, aufbewahrt. Eine Sehenswürdigkeit Wiener-Neustadfs ist die 1230 erbaute Pfarrkirche, welche kostbare Sculpturwerke enthält. Ebenda befindet sich auch die Gruft der fünf Kinder des Herzogs Ernst des Eisernen, die aus dem Jahre 1422 stammt. In der Kirche des Cistercienser-Stiftes Neukloster, das 1444 von Friedrich III. gegründet wurde, sieht man die Marmortumba Ldeonorens von Portugal, Friedrich's IV. Gemahn. Ihn das Presbyterium dieser Kirche zieht sich ein seltenes Baudetail, ein sogenannter Wehrgang. Eine Reihe von werthvollen Erinnerungszeichen an alte Zeiten bietet das Rathhaus dem Besucher. Da ist vor Allem ein Friedensbecher aus dem 15. Jahrhundert, den König Mathias Corvinus der Stadt gespendet haben soll, Das mehr als zwei Kilogramm schwere Trinkgefäss besteht aus vergoldetem, emaillirtem Silber und hat eine Höhe von 75 Centimenter. Die Arbeit zeigt die ganze Kunstfertigkeit jener künstlerischen Epoche. Ausserdem bewahrt man im Rathhaus die Sammtmütze, die Panzerärmel und die Halsbinde von Corvinus. Gleich ausserhalb der Stadt an der Strasse nach Wien, erhebt sich eine gothische Mariensäule, die sogenannte »Spinnerin am Kreuz«, welche Herzog Leopold der Biedere 1384 errichten liess. Heute gewinnt Wiener-Neustadt den Charakter einer Stadt mit lebhaftem Handel und reger Industrie. Berühmt ist namentlich die grosse Loeomotivfabrik.

SCHNEEBERG UND RAX.

1^1111 on der Südbahnstation Payerbach weg führt eine schöne Strasse ins Reichenauer Thal nach dem stattliehen Orte Reichenau, der am Russe des Feuchters ruht und heute ein Sommerfrisch- und Luftcurort ersten Ranges geworden ist. Für die Wiener Touristen ist das Gebiet der Raxalpe und des Schneeberges fast ZU allen Jahreszeiten eine Art Sehlde des Alpinismus, denn nahezu das ganze Jahr hindurch — und selbst in der unwirklichsten Winterszeit — ziehen die Alpenfreunde diese beiden mächtigen Berge empor. Reichenau, das auf dem Wege zur Rax liegt, präsentirt sich in dem weiten malerischen Thale als ein ungemein freundlicher ausgedehnter Ort, dem es an vornehmen Villen und comfortablen Hotels nicht fehlt. Einst pochten hier die schweren Eisenhammer in den Hammerwerken, und am nahen Knappenberge traten die Knappen in die Schicht. Das ist nun alles vorüber; der Eisen-bergbau, der ehemals hier florirte, ist längst eingegangen. Heute lebt ganz Reichenau von den Sommergästen, welche hier die ozonreiche w undei thatige Luft des Gebirges gemessen. Das in weiten Linien begrenzte Thal wird von allen Seiten von mächtigen Bergwänden eingeschlossen und vor rauhen Winden geschützt. Im Süden und Osten erheben sich die bescheidenen Höhen des Eichberges und der Hinterleiten, welche der waldreiche Sonnwendstein überragt; im Westen thürmen sich die Massen des Wetterkogels mit der Heukuppe (2009 .Meten, die majestätische Königsschussoder Preinerwand (17*85 Meter) und des Grünschachers (1738 Meter), die über den dichten Wäldern der niederen Vorberge herüber-grüssen. Schon ein Blick aus dem Eisenbahncoupe des Zuges, der über den Bayerbacher Yiaduct führt, gibt ein pittoreskes Bild des umfangreichen Thaies, das an Lieblichkeit und gewinnender Scenerie seines gleichen sucht. Den Hintergrund der saftiggrünen Matten und Gelände schliessen die vorerwähnten hohen, vielfach zerrissenen Stein wände der Rax ab. Im Norden aber verdecken der prächtige Feuchter mit dem Mittagstein, der Saurüssel, der Gahns mit dem Geyerstein das Massiv des Schneeberges. Das feingezeichnete schlossähnliche Gebäude, die Villa Wartholz, welche Erzherzog Karl Ludwig, ein grosser Freund dieser Gegend, sich

erbaute, bemerkt man schon aus weiter Ferne. In diesem einfachen und doch so vornehmen Tuseulum hat der allverehrte Erzherzog im Kreise seiner Familie alljährlich den Sommer verbracht und oft und oft nach allen Richtungen hin Ausflüge unternommen. Hinter der Besitzung Wartholz theilt sich die Fahrstrasse. Links läuft dieselbe der Prein zu, rechts ins naturschöne imposante Höllenthal. Gleich im ersten ddieile dieses Thaies fesselt das sogenannte »Wasserschloss« über der mächtigen Alpenquelle, dem Kaiserbrunnen, der Wien mit seinem ergiebigen Reichthum an köstlichem Trinkwasser versorgt. Die Quelle wurde 1732 von Kaiser Karl VI. auf der Jagd entdeckt.

Der kleine Markt Puchberg, den man von Wiener-Neustadt aus mit der Schneebergbahn in einer Stunde erreicht, ist Ausgangs-station für Partien auf den Schneeberg. Der alte Touristenort hat durch die 1897 eröffnete Bahn überaus viel an Frequenz gewonnen. Die Fahrt über den waldigen Hengst, den Kaltwassersattel auf den Wax-Riegel, bietet an zahlreichen Stellen einen erhebenden Ausblick nach beiden Seiten in die grünen Thäler und auf die herrlichen waldbesäumten Höhen. Gleichwie unten auf der Station Puchberg seit Eröffnung der Zahnradbahn ein vornehm eingerichtetes, allen Anforderungen entsprechendes Hotel erbaut wurde, hat auch die Unternehmung der Eisenbahn auf der Höhe des Wax-Riegels ein comfortables Alpenhötel errichtet, das treffliche Unterkunft bietet. Von Puchberg aus zeigt sich dem Blicke des Ausflüglers die sogenannte Breite Riess, eine grossartige Scenerie des Schneeberges, während man von der Endstation Waxriegel in einer Seehöhe von 1800 Metern unvergleichliche Fernblicke geniesst. Besteigt man dann noch die in nicht ganz einer .Stunde erreichbaren höchsten Schneebergkuppen Kaiserstein (2001 Meter) oder Klosterwappen (2075 Meter), so bietet sich dem Beschauer ein -Panorama, wie es schöner kaum gedacht werden kann. Dieses Vergnügen können sich aber nicht nur Touristen oder wohlhabende Leute überhaupt gönnen, sondern auch minderbemittelte Naturfreunde; denn es verkehrt im Sommer an jedem Sonn- und Feiertage ein Separatzug mit billigen Fahrpreisen von Wien Südbahnhof auf den Schneeberg.

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Tliot. f., II., M. Fninkenstein ; III. A. Wimmer.

Puchberg. (Schneeborgbuhn.)

SCHNEEBERG UND RAX. Villa Wartholz.

Reichenau.

DIE SEMMERINGBAHN.

us dem Donauthale führte über den Semmering nach Steiermark und nach dem Süden schon in den Tagen der Römerherrschaft ein Haupthandelsweg, der viel begangen wurde. Später, in den Zeiten der Kieuzzüge, erhob sich auf der steirischen Seite des Semmerings ein Hospital, das den Pilgern in dieser unwirklichen Gegend Labung und Unterkunft bot. Die Strasse über den Sattel des Gebirges mag damals wohl keine sonderlich günstige gewesen sein, so dass es als eine Wohlthat für die Fuhrwerke und Reisenden aufgenommen wurde, als Kaiser Kail VI. 1728 eine neue Strasse anlegen Hess. Noch heute steht auf der Höhe des Berges ein Denkmal aus Stein, welches die Stände Steiermarks dem kaiserlichen Gönner errichteten. Mehr als hundert Jahre nachher erbaute Kaiser Ferdinand eine neue Kunststrasse über den Semmering, deren Serpentinen weniger steil gezogen wurden, als die de.1 alten Strasse es waren, und die 1841 vom Kaiser persönlich dem Verkehr übergeben wurde. Kaum zehn Jahre nach der Vollendung dieses Verbindungsweges begann man mit dem Baue der Eisenbahn über den Semmering, der nach den Entwürfen und unter Leitung des Ministerialrathes v. Ghega, dessen Reliefporträt auf der Station Semmering angebracht ist, verhältnissmässig rasch von Statten ging. Obgleich die technischen Schwierigkeiten, welche bei dem Bau bewältigt werden mussten, für jene Zeit geradezu grandiose waren, so besiegten die ausgezeichneten Ingenieure diese gewaltigen Arbeiten doch mit genialer Sicherheit. Die Bahn, welche 18T>4 beendet wurde, ist an Kühnheit der Trace bis 1867 von keiner anderen Gebirgsbahn in Kuropa übertroffen worden. Die höchste Erhebung der Bahn erreicht im grossen Tunnel 8Ö7 Meter, in jenen Zeiten die einzige Höhenziffer dieser Art bei einer Bahnlinie. Wenn die Semmering-bahn seither auch von heimischen und fremden Schienenstrassen an Steigerung der Höhenverhältnisse übertroffen wurde, die landschaftliche Schönheit der wundervollen Alpenbilder zu beiden Seiten der Strecke, ist doch noch immer berühmt. Die Natur-scenerien, welche sich in ununterbrochener Abwechslung dem Blicke zeigen, sind von berückendem Reiz, von milder Lieblichkeit in den einen, von erhabener Grossartigkeit in anderen Partien; Bei

jeder neuen Fahrt über die Semmeringbahn entdeckt man gewisser-massen irgend ein neues schönes Landschafts- oder Gebirgsdetail und geniesst jedesmal vom Neuen den fascinirenden Anblick der zahlreichen die grünen Thäler überbrückenden Viaducte, die gc-heimnissvoll-düstere Einfahrt in die vielen Tunnels und das Bild von den Dämmen herab in die Schluchten, Thäler und auf die tannendunklen Höhen. Die Kosten des Bahnbaues betrugen mehr als 22 Millionen Gulden.

Bei der Station Klamm mit ihrer malerischen Ruine gleichen Namens öffnet sich dem Reisenden ein entzückender Ausblick hinab in die schaurige Tiefe, auf den zwischen Felswänden eingezwängten Markt Schottwien und auf den dichtbewaldeten Sonnwendstein, zu dessen Füssen die Wallfahrtskirche Maria Schutz allerliebst hingeschmiegt liegt. An den nördlichen Wänden des pittoresken Adlitzgrabens steigt die Bahn empor, passirt die interessante Weinzettelwand, von der aus sich Jas Hotel der Südbahn auf dem Wolfsbergkogel zeigt, und erreicht alsbald die kleine Station Breitenstein. Bei jeder Biegung der Trace, nach jeder Fahrt durch einen Tunnel, nach jeder neuen Gurve ändert sich das wahrhaft berauschende Alpengemälde. Dort wo der Zug aus dem Wolfsbergtunnel heraustritt, auf der Haltestelle Wolfsbergkogel, zweigt Strasse und Weg nach dem Hotel Semmering ab, welches alsbald erreicht ward. In diesem Buen retiro für müde Grossstädter hat der verblichene Generaldirector Schüler eine Schöpfung geschaffen, die Tausenden alljährlich, im Winter wie im Sommer, zum Segen gereicht. Von der ausgedehnten d'errasse vor dem Hotel, von den Fenstern desselben zeigt sich die Semmeringbahn in ihrer ganzen Ausdehnung, die rund 42 Kilometer beträgt. Von Jahr zu Jahr nimmt die Zahl der Villen auf dem Semmering und speciell auf diesem Theile des Grenzgebirges zu, so dass in nicht zu ferner Zeit eine stattliche Colonie reizender Landhäuser die zahlreichen Bergwege, die nach allen Seiten hinziehen, schmücken werden. Die majestätische Felswand der Rax und das Massiv des Schneeberges im Hintergrunde, die das grandiose Tableau abschliessen, verleihen der ganzen erhabenschönen Scenerie den alpinen Charakter.

Phot I , III , IV. A. Wimm«; II , V. Stenge! & Cie.

Klamm. Breitcustcln.

SEMMERINGBAHN. Maria Schutz.

Rax. Süclbahnhötcl. Weinzettelwand.

DAS KAHLENGEBIRGE.

chon in längst vergangenen Tagen sind die Wiener gerne auf das Kahlengebirge gewandert, um von der Höhe desselben das herrliche Bild zu gemessen. Sowie man einzeln und in fröhlicher Gesellschaft hinaus pilgerte in die verschiedenen Weindörfer, welche sich an den Fuss des Kahlcnberges hinschmiegen, um dort eine feuchtfröhliche Sitzung abzuhalten, so stieg man auch die zahlreichen Wege und Steige empor zur Höhe, auf der es seit langer Zeit bereits eine Schenke, ein Gasthaus gegeben hat. Seit 1872 erhebt sich ein grosses Hotel mit allem erdenklichen Comfort auf dem Blateau, welches der Kahlenbergbahngesellschaft in Wien gehört, die sich auch im Besitze der Zahnradbahn befindet, welche von Nussdorf bis in die Nähe des Hotels führt. In zahlreichen Windungen hebt sich die Trace sanft aufwärts und gewährt bei massiger Steigung in immer aussichtsreichere Kegionen ein berauschendes Gemälde. Von der ausgedehnten Veranda, vom Garten des Hotels aus, vermag man den Lauf des nunmehr regulirten Donaustromes zu beobachten und die Kaiserstadt aus der Ferne im Glänze des Sonnenlichtes zu betrachten. Der Blick des Beschauers umfasst die Kleinen Karpathen, die Hundsheimer Berge, das Leithagebirge und die Berge bis zum niederüsterreichisch-steirischcn Grenzgebirge, bis zum Schneeberge. Im Hotel wird der Ausflügler gewiss seine Wünsche nach Leibesstärkung aufs Beste befriedigt sehen. Jener Berg des Kahlengebirges, den wir heute Kahlenberg nennen, wurde einst, bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts, Sehweins- oder Sauberg genannt. Dessen Kücken trägt an einer gegen Wien ziemlich steil abfallenden Seite das unbedeutende Oertchen Josefsdorf, zu dem eine Kirche gehört. Einst stand ein Camaldulenserkloster hier oben, aus dem eine Ansiedlung entstand. Der eigentliche und historische Kahlenberg ist jedoch jener letzte Ausläufer dieses Gebirges, der gegen die Donau schroff abfällt und nunmehr Leopoldsberg genannt wird. Der Name Lcopolds-berg, wie er gegenwärtig üblich ist, datlrt erst seit 1694, seit der Lanweihung der Kapelle, die Kaiser Leopold in dem genannten Jahre vollenden Hess. Schon Leopold der Heilige hatte sich auf diesem weit ins Land schauenden Berg zum Schutze gegen die

Einfälle der feindlichen Magyaren anno 1100 eine Burg erbaut, welche die nördlichste von allen befestigten Plätzen im Waenerwalde gewesen ist. Der heutige Leopoldsberg, von dem ein weiter Auslug ins Land möglich ist, hat stets und bei allen Völkern, die hiehergekommen sind, als ein wichtiger Punkt gegolten. Unter Heinrich Jasomirgott erscheint zum ersten Male die Residenz des Landesherrn in Wien auf dem Platze Am Hof. Er hatte sie vom Leopoldsberg herab verlegt, und wusste wohl auch, wie sehr er damit das Aufblühen der Wienerstadt förderte. 1529 vernichteten die Türken bei ihrem ersten Erscheinen vor Wien die Burg auf dem Leopoldsberge. Kaiser Leopold II. wollte eine neue errichten lassen, doch konnte weder diese, noch der Kirchenbau vollendet werden, da die kaum begonnenen Arbeiten abermals von den Türken zerstört wurden, die bekanntlich 1(383 wieder vor der Kaiserstadt erschienen waren. Unstreitig die hervorragendste geschichtliche Thatsache, die sich auf den Höhen des Kahlengebirges abgespielt hat, ist aber die Entwicklung des Entscheidlingskampfes gegen die Belagerung Wiens durch die Türken im obbezeichneten Jahre. Am 11. September 1683 langte bekanntlich das christliche Entsatzheer unter Führung des Königs Sobieski, des Kurfürsten von Sachsen und des Prinzen Karl von Lothringen auf dem Rücken des Gebirges an, und schon früh Morgens am nächsten Tage, am 12. September, entbrannte die heisse Schlacht in der Schlucht zwischen dem Kahlen- und Eeopoldsberg, die mit dem glanzvollen Siege der Christenheere endete. Der Kampf war rasch und überaus leidenschaftlich geführt worden, so dass um die Mittagszeit sich die blutigen Gefechte bereits bis nach Nussdorf und Heiligenstadt herabgezogen hatten. Die Türken wurden überall zurückgeworfen und gegen Abend war der Sieg entschieden. Unermessliche Schätze blieben im Lager der Feinde zurück, die in die Hände der verbündeten Sieger fielen. Wien war nach langer banger Belageiungszeit befreit von dem schweren Drucke, unter dem die ganze Christenheit geseufzt hatte. Zu Füssen des Leopoldsbcrges liegt anmuthig und malerisch das Kahlenbergerdorf, das den ursprünglichen Namen des Berges bis auf unsere Tage bewahrt. Das Oertchen beherbergt zur .Sommerszeit ebenfalls zahlreiche Sommergäste aus Wien.

Kahlenberg'.

KAHLENGEBIRGE.

Leopoldsborg1. Kahlonbergordorf.

ZWEI CHORHERREN STIFTE.

och über dem breiten Donauspiegel, halb Burg, halb Kloster, thront der imposante Barockbau des Stiftes Melk auf einem nach drei Seiten schroff abfallenden Granitfelsen. Die zweithürmige, mit einer Yierungs-kuppel versehene Kirche und die palastähnlichen, lang gestreckten Baulichkeiten, die mehr als 1200 Fenster besitzen, sind ein Werk des genialen Meisteis Jakob Brandauer, der den im Jahre 1701 begonnenen Bau 1738 beendete. Von den zahlreichen Schätzen und Kunstwerken des Stiftes ist besonders das sogenannte Melkerkreuz zu erwähnen, ein kostbares, mit Edelsteinen geziertes Standkreuz von Gold, das eine dem Stifte vom Markgrafen Adalbert gespendete Kreuzpartikel umschliesst. Sehenswerth sind auch die herrlichen mit Fresken und Oelbildern geschmückten Säle. Wahrhaft entzückend ist der Blick von der Terrasse herab auf den mächtigen Strom und das weite fruchtbare Land. Schon im Nationalepos der Deutschen, dem Nibelungenliede, ist von dem Orte Medelike (Melk) die Rede, wo Ghriemhilde, des Hunnen-künigs Braut, mit ihrem Gefolge gastlich aufgenommen wurde, liier kreisten die goldenen Becher mit feurigem Weine gefüllt unter den Edlen, fair die österreichische Geschichte war Melk von hoher Bedeutung. Iiier soll einer allerdings nicht ganz sicheren Lieberlieferung zufolge die erste Residenz der Fürsten der Ostmark gestanden sein, eine wahrhafte Burg der Babenberger und auch die ei'ste Stätte des Landes, auf der Künste und Wissenschalten blühten. Leopold der Heilige fand hier seine Wiege und viele Fürsten der Babenberger ihre letzte Ruhestätte. Dort, wo einst die mächtige Grenzfeste des Ungar-Königs Geisa, die »Eisenburg« lag, Hess Herzog Leopold der Erlauchte aus dem Babenbergerstamme, der von Kaiser Otto II. die Ostmark erhalten hatte, eine Kirche und ein Ghorherrenstift erbauen, in dem er und die Seinen die ewige Ruhe linden sollten. 985 War neben der Residenz Leopolds L, die Collegiatkirche errichtet worden und zwölf Weltpriester bezogen die Abtei. Leopold der Glorreiche, der Stifter zubenannt, vermochte noch durch zehn Jahre scgensvoll für seine Ostmark zu wirken, Es war ihm gelungen , die Ungarn über das Kahlen-gebirge und die Lcithaberge zurückzudrängen. Die eigentliche

Entstehung des Stiftes Melk datirt vom Jahre 1080, wo Herzog Leopold IL die Weltpriester, die auf Melk sassen, entliess und aus dem obersteirischen Stift St. Lambrecht Abt Sigibold mit 12 Ordensherren berief. Leopold III. kam, obgleich er sich auf dem Leopoldsberge bei Wien eine fürstliche Residenz erbaut hatte, gar oft nach Melk, wo ihm seine Kinderjahre verflossen waren. In Melk beging Leopold sein Beilager mit der Witwe Friedrich's von Hohenstaufen, der schönen Agnes, hier ward ihm sein erster Sprosse Adalbert geboren, hier wurde dieser, herangewachsen, an der Gruft seiner Väter zum Ritter geschlagen.

Die Landesfestung Melk widerstand zahlreichen feindlichen Heeren, so 1425 den Hussiten, 1465 den »feindlichen Brüdern«, den Schaaren des Mathias Gorvinus, den aufrührerischen Bauern 1525 und den oberösterreichisehen protestantischen Ständen 1619. Die Türken aber versuchten nicht einmal einen Angriff. Melk ist reich an hervorragenden geschichtlichen Momenten. Bapst Pius VI. nahm 1782 auf der Rückreise von Wden, Nachtquartier in Melk; 1805 und 1809 sah das berühmte Stift dreimal den Kaiser der Franzosen, Napoleon I., in seinen Mauern. Schon 1191 wurde in Melk eine Klosterschule errichtet. 1781 wandelte man diese lateinische Schule in ein öffentliches Gymnasium um. das unter Aufsicht und Leitung des Staates gestellt wurde, 1850 erweiterte man das Melker Gymnasium in ein Obergymnasium.

Stift Klosterneuburg, von Herzog Leopold III., dem Heiligen, 1108 erbaut, ist mit seiner prachtvollen romanischen Kirche eine Zierde der alten Stadt, ja des Landes. Man kennt die Sage von dem Schleier der Gemahn des Herzogs, der an der Stelle de& heutigen Klosters in einem Busch haften blieb. Eine Sehenswürdigkeit der Stadt ist das Stiftsgebäude, welches eine grosse Zahl von herrlichen Räumen, wie den Thronsaal, die Kaiserzimmer, den Kaisersaal, sowie die kostbaren reichen Sammlungen aufweist. Ebenso ist die Stiftskirche reich an seltenen Reliquien und antiken Schmuckgegenständen. Ein Schrein enthält die Asche des heiligen Leopold und sein mit Beiden und Edelsteinen verziertes Haupt; die Schatzkammer birgt auserlesene Goldschmiedearbeiten aus mittelalterlicher Zeit. Der herrliche Kreuzgang aus dem XIII. Jahrhundert blieb unberührt.

Phot. A. Wiiiinicr.

Chorherrenstift Melk,

Klosterneuburg.

KREMS UND DÜRNSTEIN.

napp vor dem Eingange in das herrliche Thal der Waehau hegen die beiden Städte Krems und Stein am linken Donauufer. Krems, das ausgedehntere und j grössere der beiden Städtchen, ist vom Strome durch ein Wäldchen getrennt, während Stein mit seinen alterthümlichen Baudetails unmittelbar aus den Fluthen aufsteigt. Beide ruhen zu Füssen rebenreicher Gehänge, von denen die ländlichen Bewohner seit den Zeiten, als hier die römischen Legionen hausten, den geschätzten Wein gewinnen. Während Stein seinen mittelalterlichen Charakter bis heute bewahrt hat und mit seinen grauen Thoren und Thürmen wie aus einem uralten Kupferstich herausgeschnitten scheint, gewinnt Krems immer mehr Licht und Farbe, Leben und Verkehr, so dass das gewerbcfleissige Städtchen in nicht zu ferner Zeit von einem modernen Zug ganz durchweht sein wird. Noch heute kann man in den stillen romantischen Gassen von Stein und selbst in den belebteren Gassen von Krems aus einzelnen Bauten die überaus reiche Geschichte herauslesen. In seinen malerischen Thorbogen und Thürmen, in den Erkern und Giebeln der mittelalterlichen Bauten, in den Resten der Umfassungsmauer, zeichnet sich die bewegte historische Vergangenheit dieser Städte ab. Manches Patricierhaus aus der Rcnaissancezeit ist ein Kleinod altbürgerlicher Grösse. Unschwer vermag man sich im Geiste auszumalen, wie Krems in früheren Jahrhunderten, in den Tagen Kaiser Maximilian's II., ausgesehen haben mag. Maximilian war es, der Krems und das nachbarliche Stein als die vornehmsten Städte nach Wien bezeichnete. Zum erstenmale findet man Krems (Chremisa) in einer Magdeburger Urkunde des Kaisers Otto II. vom IG. August 905 erwähnt, wo bereits von einer Stadt (urbs) erzählt wird. Erst 1014 erscheint Tulln und noch weit später, 1137, Wien als Stadt bezeichnet.

Erklärlich ist das rasche Emporblühen von Krems durch die günstige Lage am Donaustrome, der hier einen vortheilhaften Stapelplatz ermöglichte, wohin die Kaufleute aus dem weiten Hinterland, selbst aus mährischen und böhmischen Gebieten Handel trieben. Stein war schon in den Zeiten der Babenberger ein namhafter Ruhepunkt für die Donauschiffer. Hier war die erste

Zoll-Legstätte an der Donau in Niederösterreich, welcher schon 1076 in einem Stiftbriefe der Abtei St. Nicolai bei Passau gedacht wird. Die Markgrafen und Herzoge aus dem Hause der Babenberger erschienen oft in den beiden Städten, wenn sie Gerichtstag hielten oder ihre zahlreichen umliegenden Güter besuchten. Nicht wenig zur Popularität und zum Gedeihen unserer Zwillings-Donau-städte hat der rebenreiche Frauenberg beigetragen, der, gleich der ganzen Gegend ringsum, vorzügliche Weine liefert. Ein glückliches Weinjahr in den Rieden um Krems ist ein 1 lauptreffer für die Bevölkerung. In vollster Blüthe stand Krems im XVI. Jahrhundert, Ueberschwemmungen, Feuerschäden, und Verheerungen durch feindliche Truppen haben die Stadt häufig genug schwer geschädigt. Alle Kriegsnoth, die über Oesterreich im Laufe der tausendjährigen Geschichte hereinbrach, hat sich auch mehr minder im Leben der beiden Städtchen widergespiegelt. So war z. IL König Ottokar von Böhmen wiederholt in Krems, zum erstenmale 1251, und seine geschiedene Gemahlin Margaretha hielt von 12G1 an eigenen Hofstaat daselbst. Sie starb hier 1267. Gleichfalls in der Verbannung lebte in Krems der Ex-I lerzog von Kärnten und Ex-Erzbischof von Salzburg, Philipp, der 1276 ebenfalls in Krems starb.

Dürnstein, das zweitklcinste Städtchen Niederösterreichs, am Anfange des pittoresken Donauthales zwischen Melk und Krems, ist mit seinen von Epheu umsponnenen Mauern eine Perle des ganzen Donaulaufes. 1193 soll in der Chuenring'schen Veste DÜrnstein von Mitte Jänner bis Mitte März König Richard Löwenherz gefangen gehalten worden sein. Die romantische Sage vom treuen Minstrel Blondel und seinen Gesängen, welche Ruine Dürnstein wie ein liebliches Märchen umgiebt, soll der neueren Forschung nach, jeder historischen Begründung entbehren. Obgleich die Veste Dürnstein heute bereits gänzlich verfallen, ist sie doch immer eine der merkwürdigsten und interessantesten Ruinen des Landes. Die gegenwartig noch vorhandenen Reste der einst so berühmten Burg stammen aus dem XVI. und XVII. Jahrhundert. Zu Anfang unseres Säculums war der Rittersaal noch einigermassen erhalten. Am kenntlichsten von allen Theilen der Veste ist noch die Kapelle. Sehenswerth ist auch die alte Pfarrkirche, frühere Stiftskirche.

Thot. T., II. Piandstettcr, Krems; III. A, Wimmer.

KREMS. Dürnstein.

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MARBACH UND MARIA TAFERL.

niU beiden Seiten der Donau gibt es zahlreiche malerische

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und el'fectvolle Bilder, wahre Cabinetsstücke, die es kühn mit den bekanntesten und gerühmtesten Details Hl der Rheingegenden aufnehmen können. Unstreitig eine der prächtigsten Veduten, die den Reisenden auf dem oberen Lauf der Donau fesseln, ist Schloss Persenbeug, das auf felsiger Hohe thront und in dem Kaiser Franz II. und Kaiserin Karolina Augusta, deren Eigenthum es war, oft und gerne geweilt hatten. (i egen wärtig ist das stattliche, weithinschauende Schloss im Besitze des Erzherzogs Otto, der dasselbe mit seiner Gemahn Erzherzogin Maria Josefa alljährlich im Sommer bewohnt. Bersenbeug gegenüber ruht das Städtchen Vbbs, das Pons Isidis der Römer, welches ein hübsches Uferbildchen dem Zeichner und Maler und wohl auch dem Amateur-Bhotographcn gibt. Aus der Zahl der Stadthäuser von Vbbs fallen sofort zwei Gebäude durch ihren grösseren Umfang auf. Das eine langhingestreckte und sofort in die Augen springende ist das Gebäude der Eandes-lrrenanstall, das zweite, näher zur Stadt gelegene, ist die dei Commune Wien gehörige Versorgungsanstalt für altersschwache Bürger. Hat der Dampfer das Städtchen, passirt, so fährt er in die grosse Beuge, die sogenannte Vbhsschcihe ein, welche die Donau unterhalb dieses Städtchens bildet. Hier gewinnt der Strom last das Ansehen eines weiten Sees. Bald nachher taucht auf der linken Uferseite der lange Rücken des 380 Meter hohen Tafelberges auf, von dessen bewaldeter Höhe die alte berühmte Wallfahrtskirche Maria Taferl herabgrüsst. Zu Füssen des Berges, bespült von den Wellen der Donau, liegt der pittoreske Ort Marbach mit seinen freundlichen Häusern, Aus der Ferne gewinnt es den Anschein, als lägen alle diese Häuser und Häuschen mitsammt der Kirche in den hellen Finthen oder als tauchten sie jetzt eben aus den Wellen auf.

Seit dem zwölften Jahrhundert ziehen im Spätfrühling und Sommer Tausende und Tausende von frommen Wallfahrern aus Oesterreich, Böhmen, Mähren und Bayern mit Kreuz und Kircnen-fahne processionsweise von Marbach den ziemlich beschwerlichen Weg über den Berg hinauf, um in der ehrwürdigen, 1001 erbauten Gnadenkirche ihre Andacht zur Gottesmutter zu verrichten. Auf

der Höhe des Berges gibt es zahlreiche Verkaufsläden, mehrere Einkehrgasthäuser und sonstige Wohngebäude. Während der Anwesenheit von Proeessioncn herrscht da reges, buntbewegtes Beben und Treiben. Die Aussicht von dem Bergplateau ist eine wahrhaft entzückende. Sie reicht bis an die bayrische Grenze im Westen und an die ungarische Grenze im Osten. Man überblickt das Donauthal weithin stromauf- und stromabwärts, die steirischen Alpen und die Bergkette vom Schneeberg bis zu den salzburgisch-bayrischen Gebirgen. Ein Wahrzeichen für die ganze Gegend ist das Thurmpaar der Wallfahrtskirche geworden. Von allen Seiten fast nimmt man dasselbe wahr. Unweit der Ruine Wrissenberg die unterhalb Marbach liegt, mündet die Erlaf. welche einst den GrenzflusS bildete zwischen dem Reich König Etzel's und Bayern. Bald nachher folgt Böchlarn, das historische Bechelaren des Nibelungenliedes. Hier hatte bekanntlich der edle Rüdiger sein Heim aufgeschlagen, hier hatte er Chriemhilde auf ihrer Brautfahrt donauabwärts gastlich aufgenommen. Gerade an jener Stelle, wo der Sage nach einst Rüdigers Wohnsitz gestanden, befand sich im Alterthume die berühmte Römercolohie Sexta Colonia. Später lag dort der Hafen der Donau-Flotille, namens Arelape.

Heute zweigt von Böchlarn, von der westlichen Linie der Staatsbahnen, eine Localbahn ab, die durchs Erlauf- oder Erlafthal nach Kienberg-Gamming führt und eine Reihe lieblicher einladender Landschaften zeigt. Schon der Markt Scheibbs ist seit Jahren bereits ein beliebter Aufenthaltsort der Wiener im Sommer, denn der im Hintergrunde aufsteigende Otscher gewährt ein ganz besonders reizvolles Alpenbild. Scheibbs ist eine hervorragende Touristenstation, von der es eine namhafte Zahl lohnender Ausflugspartien ins Gebirge giebt. Auch der Ort an und für sich bietet durch viele seiner altertümlichen malerischen Häuser, die sich durch eine lange Strassenzeile hinziehen, nicht geringes Interesse. Ganz eigens con-trastirt die seltsame Verbindung des Alten mit dem Neuen, des fast ländlich-stillen, heimlich-trauten Bildes, das in abendlicher Zeit im grellen Lichte der elektrischen Bogenlampen strahlt. Wohl noch kräftiger wirkt der alpine Charakter der Umgebung des alten, schönen Marktes Gailling mit den gewaltigen Ueberresten der Karthause.

Phot A Wimmer.

Maria Taferl. MARBACH.

GREIN.

.Dwec

Iie Donaufahrt von Linz nach Wien bietet eine fast ununterbrochene Reihe der romantischesten Punkte. Sie ist eine farbenprächtige Wandeldecoratibn, in der die einzelnen Bilder durch ihren Glanz, durch die ingsreichen Formen der Scenerie den Reisenden bestechen. Bei der Abfahrt von Linz werfen wir noch am Landungsplatze einen letzten Rück auf das lebendige und buntbewegte Gemälde, das kurz nachher schon flachere Ufer zeigt. Das Bild weist nun einen durchaus verschiedenen Charakter in der Landschalt auf. Alsbald taucht zur Rechten das reizende Örtchen Ebelsberg auf und das uralte Schloss gleichen Namens wird sichtbar. Vor den Mauern dieses Schlosses haben die Wiener Freiwilligen 1809 in harten Kämpfen gegenüber den Franzosen ihren Todcsmuth und ihre Kampflust bewiesen. Es sollte von ihnen ja der Cebergang des Feindes über die Traun verhindert werden. Rasch eilt der Dampfer die Wasserstrasse hinab. Unser Auge schaut unausgesetzt bald rechts, bald links die lieblichsten Veduten, es wird nicht müde, neue Kindrücke zu sammeln. Da bemerken wir plötzlich halb verdeckt vom Grün hoher Räume das liebliche Steveregg. einen jener vielen idyllischen Uferpunkte, die uns stets aufs Wärmste erfreuen und aufs Lebhafteste interessiren und uns einladen, dort zu verweilen. Einige Zeit später erhebt sich in unserem Gesichtskreis die romantische Tillyhurg, ein gewaltiges, nach vier Seiten hin auslugendes Bauwerk, welches Kaiser Ferdinand III. 1623 dem verdienstvollen Feldherrn überliess. Tilly hatte sich durch siegreiche Gefechte und Schlachten diesen kaiserlichen Dank erworben. Der Neffe des Heerführers, Zerklas von 'Lilly, erbaute das neue Schloss, welches eine Perle in den Landschaften längs der Donau ist. Von dem ältesten Stift Oberösterreichs, St. Florian, schaut bal.l die Thürmspitze kühn herüber, Ein Besuch dieses herrlichen Stiftes zeigt uns dessen architektonische Schönheiten, dessen reiche Kunst-und andere Schätze. Stiftskirche und Stiftsgebäude enthalten viele prachtvolle und kunstvolle Objeete. Auch an kostbaren Sammlungen, die eine Besichtigung verdienen, fehlt es nicht. Eine trefflich geordnete Bibliothek, ein Mineräliencabinet und eine Gemäldegalerie ziehen den Bibliophilen, den Natur- und Kunstfreund an. Stift Florian

ist eine Gründung des Herzogs Tassilo, dieses edlen bayrischen Fürsten. Nun geht die Fahrt an Erms vorüber, an dem alten hoch-liegenden Städtchen, das allmählig vor der im Jahre DUO erbauten Ennsburg entstand. Es heisst, dass die Ringmauern dieser Stadt von dem Lösegeld erbaut worden sind, das Richard Löwenherz bezahlen musste. Erblicken war Runs, so gedenken wir wohl auch des in unmittelbarer Nähe davon liegenden Dörfchens Lorch, an dessen Stelle einst die glänzende Römerstadt Laureacum stand. Die Schiffstation Mauthausen mit den reichen Granitbrüchen gemahnt uns an die Millionen Steinwürfel, welche bei der Pflasterung Wiens Verwendung linden. Von hoher Felsenzinne herab grüsst hier das malerische Schloss Pragstein, welches sieh gegenwärtig im Besitze des Grafen Thürheim befindet Ehe.der Dampfer die Station Grein erreicht, hält er am rechten Ufer bei Wallsee, nachdem er zuvor das imposante Schloss Nieder-Wallsee passift hat, das auf einem Felsenvorsprunge gleich einem mittelalterlichen Kämpen thront Es ist nun Eigenthum des Erzherzogs Franz Salvator. Zu den wainderlieblichsten Barthien der Donauufer zählt aber unbedingt die Umgegend von Grein. Ist es auch nicht möglich, vom Dampfer aus das reizende Städtchen vollständig zu überblicken, so erfreut sich das Auge doch an den netten Villen, welche an der Stromseite Grein wie ein werthvoller Rahmen umgeben, bauen mächtigen Fändruck übt das stattliche Schloss des Herzogs von Coburg, das ganz von wildem Wein umrankt ist, auf den Reisenden aus. Hinter Grein, wo die Steinberge zu beiden Seiten näher zusammentreten und das Donauthal eine pittoreskere Gestaltung annimmt, stauen sich die gewaltigen Wassermassen des Stromes, der hier eine rasche Biegung macht. Durch den Rückprall der Ruthen wird der Greiner Schwall gebildet, der heute jedoch nur kleinen Fahrzeugen noch Schwierigkeiten bietet. Schon seit den Zeiten Maria Theresia's wurde an der Regulierung der gefahrvollen Donaustellen gearbeitet; unter Kaiser Franz Josef ist es gelungen, durch Sprengungen (1853 bis 1866) sowohl den »Strudel«, wie den Wirbel für die Schiffahrt gefahrlos zu gestalten. Unweit von Grein liegt das freundliche Örtchen Kreuzen mit seiner längst bekannten trefflichen Wasserheilanstalt. Die Schlossruine ward von den Touristen gerne besucht

Phot. Würthle & Sohn.

Der Slrudel.

GREIN.

STEYR UND WELS.

[it Hecht wird Stcyr, die alte zweitgrösste Stadt des Landes, der Mittelpunkt der oberösterreichischen Eisen- und Stahlwaaren-Industrie, das »österreichische Birmingham'« genannt. Bildet doch diese Industrie, zu welcher die Werkstätten der Ersten österreichischen Waffenfabriks-(Gesellschaft, die Erzeugung von Metallwaaren zu Unterhimmel, die Zerren- und Streckhämmer, die Glockengiesserei u. a. gehören, den Haupterwerbszweig der Bewohner dieser lieblichen, historischen Stadt. Steyr ist eine der anmuthigsten Städte des Kronlandes. Der eigentliche Stadttheil, sowie die Vorstädte Reichenschwall und Vogelsang liegen auf der Halbinsel zwischen den blossen Erms und Steyr, die hier zusammenfliessen, während die übrigen Vorstädte sich ungemein malerisch auf den Ufern der beiden Bergflüsse ausbreiten. Am linken Ufer der Steyr und der Erms liegen die Vorstädte Steyrdorf, Aichet, Wieserfeld und Ort, Ennsdorf und Schönau am rechten Ennsufer. Die landschaftliche Lage der Stadt ist überaus pittoresk, wie eine ähnliche sich kaum sobald in unseren Alpen-ländern wiederfindet. Anmuth und Lieblichkeit charakterisiren dieselbe, welche ein Rahmen von saftvollem Grün in allen Nuancen umgibt. Längst ist die Stadt schon ein Zielpunkt zahlreicher Touristen aus Nah und Kern geworden. Bau Rundgang durch die Gassen von Steyr bietet viele reizvolle Wählten, da die in ihrer ursprünglichen Gestalt erhaltenen Häuser mit den hohen Giebeldächern, mit den Erkern und den überhängenden, auf Bogen gestellten Facaden ganz besonders das Bild längstverrauschter Zeiten wiedergeben. Bin wohlhabendes Bürgerhaus des späteren Mittelalters mit reicher Ornamentik zeigt das Gasthaus Zum Löwen«, gegenübel- dem K'athhause. Beiden alter Stadtbauten sind auch die Wohnhäuser am fangange der sogenannten »Enge«, unweit den Brücken. In dem linksseitigen Hause fanden die Zusammenkünfte der österreichischen und französischen Bevollmächtigten bei dem Abschluss des Waffenstillstandes zwischen Erzherzog Carl und General MoreaU am 25. December 1800 statt, dem dann der Friede von Luneville folgte. Rechts beiludet sich das Geburtshaus des Dichters der travestirten Aene'i'de, Alois Blumauer. Die Ansiedln ngen an der Stelle der heutigen Stadt reichen bis weit über die römische

Zeit zurück. Urkundlich erscheint freilich erst in einem Documente des Bischofs Biligrim von Bassau zwischen 985 und 991 der Name der Stiraburg, die am Zusammenflusse der Enns und Steyr gelegen war. Am Busse dieser Burg hatten sich die ersten Wohnstätten gebildet, jedenfalls der Grundstock der späteren .Stadt Steyr. Die ganze vielbewegte Vergangenheit des Landes spiegelt sich in der Geschichte der Eisenstadt wieder. Erbauer dieser Stammburg dürften zweifellos die Grafen von Lambach gewesen sein, von denen die steirischen Ottocare — u. zw. 1055 Ottocar V. — in den Besitz der Stiraburg gelangten. Die Stadt, die sich unter Ferdinand II. den protestantischen Ständen Oberösterreichs angeschlossen hatte und mit den Böhmen ein Bündniss eingegangen war, verweigerte dem streng katholischen Kaiser die Huldigung und stellte gegen ihn Truppen ins Feld. Am letzten Mai 1626 war .Stefan Fadinger, der Anführer der Bauernrebellen, mit 40.000 Bauern und 20 Kanonen vor der .Stadt erschienen.

Wie Steyr durch seine Eisenindustrie einen weithin klingenden Namen errungen, so Wels (unteres Bild), der ehemalige Vor- und Haüptort des Landes, durch seine Wochenmärkte, durch seinen Getreidehandel und durch seine ausgezeichnete Viehzucht. In der Welser Burg, die reiche, geschichtliche Reminiscenzen aufzuweisen hat, ist am 11. Jänner 1519 Kaiser Maximilian I. und anno 1690 Herzog Carl von Lothringen gestorben. In der Zeit der Reformation vermehrte sich hier die Lehre der Wiedertäufer zahlreich. Einige Zeit war Wels im Besitze Stefan Fadinger's; erst nach dessen Tode kam die Stadt wieder in die Gewalt der kaiserlichen Truppen. Die Franzosen sah Wels dreimal in seineu Mauern: 1800, 1805Und 1809. Grosses Interesse wird die Nachricht hervorrufen, dass im Mittelalter in Wels eine Meistergesangschule bestanden haben soll, und Niemand geringerer als Hans Sachs, der spätere berühmte Nürnberger Meister, Mitglied dieser Schusterzunft gewesen sei. In Wels haben in unserem Jahrhundert mehrere nachmals bekannte Persönlichkeiten das Licht der Welt erblickt, so der berühmte Typograph Alois Auer, zuletzt Director der Hof- und Staatsdruckerei in Wien, Hofopernsänger Jakob Haas und der bekannte, noch lebende treffliche Landschaftsmaler Adolf Obermüllner in Wien.

Phot. Wiiitlile&Sohn.

STEYR. WELS.

ABTEIEN.

^^^^^pjbgleich das Land Oberösterreich reich an Stiften und '. ■ Kl«"»tcrn ist, so hleün das Augustiner Chorherreostifi V ß St. Florian (links und rechts oben) doch eines der ' ■ J staltlichsten und reichsten von allen. Schon die Lage auf einer Anhöhe, ungefähr eine halbe Stunde südlich von der Station Asten der Westbahn, ist eine herrliche und der Blick aus den Penstern dieser Abtei entzückt jeden Beschauer. Der stattliche Bau ist so recht das Prototyp einer geistlichen Burg, wie sie zu Ende des XVII. Jahrhunderts zahlreich entstanden sind, und die vornehme Stiftskirche im italienischen Style zählt zu den schönsten Werken der Kirchenbaukunst aus derselben Epoche. Die Gründung des Klosters steht angeblich im Zusammenhange mit der Legende vom heil. Florian, dem Patron des Stiftes, einem römischen Krieger höheren Ranges, der im Jahre 303, als unter Kaiser Diocletianus die Christenverfolgung ausbrach, in Laureaeum, dem heutigen Lorch, mit vierzig Christen durch den Präfecten Aquilinus in den Kerker geworfen und am 4. Mai 304 in die Enns gestürzt wurde. Man hatte den christgläubigen Mann mit einem Mühlstein in die Finthen versenkt. Eine fromme Matrone hat die Leiche des Märtyrers dort bestattet, wo sich heute der stolze Stiftsbau erhebt. Bald stand an jener Grabesstätte eine Kirche, doch erst im IX. Jahrhundert berichtet eine Urkunde von einem Kloster daselbst. Einer anderen Tradition zufolge hätte der heil. Severin anno 455 das Stift St. Florian gegründet, das 1701 neu aufgeführt worden Ist. In den ersten Jahrhunderten hatte die Abtei viel von den räuberischen UeberfäUen der Magyaren zu leiden, bis es im Jahre 900 von den wilden Horden gänzlich zerstört wurde. König Ludwig schenkte über die Bitte des Bisehofs Richarius von Passau dem Stifte die Ennshurg, aus der später die heutige Stadt Enns entstanden ist. Das Stift gründete 1072 eine Klosterschule, die durch das ganze Mittelalter einen hervorragenden Rang einnahm. In der Reformationszeit kam das Stift fast der Auflösung nahe, weil viele Chorherren zum Lutherthum übergingen; doch später gelangte es wieder zu neuer Blüthe und pflegte Wissenschaft und Kunst. Vom 18. bis lö. Jahrhundert besass St. Florian auch ein Kloster für Chorfrauen, welche die Erziehung adeliger Mädchen leiteten.

Das gegenwärtige Stiftsgebäude, das 1686 bis 1707 erbaut ist, enthält nebst anderen Prunkräumen auch den herrlichen Kaisersaai mit Plafondfresken von Altomonte. Von grossem Werthe sind die Sammlungen von Gemälden altdeutscher und niederländischer Schule, sowie von Kupferstichen, die reiche Bibliothek mit zahlreichen Handschriften, die Münzen-Sammlungen u. a. Besuchens-werth sind die Gärten und ökonomischen Anstalten des Stiftes. Unter der Stiftskirche befindet sich eine Halle, die als Versammlungsund Begräbnissplatz der Christen diente.

Ein Glanzpunkt des malerischen, gewei bereichen und industriellen Kremsthaies, das sich südlich von Linz hinzieht, ist die Benedictiner-Abtei Kremsmünster, die von einer Anhöhe auf dem linken Kremsufer auf den stattlichen Markt gleichen Namens herabsieht. Der letzte Agilolfinger Tassilo soll das Kloster des heil. Benedict 777 gegründet haben. Eine Sage, die allerdings erst im XIV. Jahrhundert aufgeschrieben wurde, erzählt, dass der Tod des jungen Bayernherzogs Gunther, welcher in dieser Gegend auf einer Eberjagd ums Leben kam, seinen Vater bestimmte, das Stift zu gründen. Die Mönche Kremsmünsters seien es gewesen, welche in den unwirthliehen Thälern der Krems, der Alm und in anderen Gegenden des Traungaues die Cultur verbreitet hätten. Kremsmünster besass zu allen Zeiten gelehrte und kunstfertige Ordensherren, die dem Stifte vielfachen Ruhm verschafften. Kremsmünster mit seiner reichen Stiftskirche, seiner kostbaren Schatzkammer, seinen wissenschaftlichen Sammlungen ist zu allen Zeiten eine hohe Stätte des Wissens und der schönen Künste gewesen. Längere Zeit bestand das sogenannte '•Museum« im Stifte, in dem tüchtige Musiker und Componisten herangebildet wurden. Noch heute ist das Stifts-Gymnasium und Convict sehr geschätzt. — Das Benedictiner-Stift Lambach, welches Graf Arnold IL von Wels und Lambach stiftete und sein Sohn, der Bischof Adalbero von WÜrz-burg wirklich begründete, erhebt sich auf einer Anhöhe unweit der Abzweigung von der Westbahn-Hauptlinie nach Gmunden. Aus diesem Kloster, das ebenfalls durch die Pflege von Wissenschaft und Kunst sich auszeichnete, ging einer der bedeutendsten Miniaturmaler des XIII. Jahrhunderts, der Mönch Gottschalk von Lambach hervor.

Phot. Wiiithle & Sohn.

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Chorherrenstift St. Florian. Kaisersaal im Stifte St. Florian. St. Florian.

Kremsmünster. Lambach.

LINZ.

er schöne stattliche Platz der so atimuthig gelegenen I lauptsta.dt des Landes (»berösterreich, den wir neben-<!l' .';:.'jJf-' stehend im wohlgelungenen Bilde vorführen, könnte im mflv¥ik!ki\ heurigen Jahre gew issermassen auch ein Jubiläum begehen. Am 2. December 1898 werden es nämlich genau 25 Jahre, dass man denselben, aus Anlass des 25jährigen Begierungs-Jubiläums des Kaisers, Franz Josef-Blatz getauft hat. Flohe vornehme Bauten, unter ihnen das Rathhaus an der Ostseite und das Palais der Spar-casse an der Nordseite, umgeben den malerischen Hauptplatz. Inmitten desselben erhebt sich die prächtige, 26 Meter hohe Dreifaltigkeitssäule, ein treffliches Werk aus der Barockzeit, das die Stände im Vereine mit der Stadt Binz 1723 zur Erinnerung an die Befreiung von Best und Kriegsgefahr errichteten. Kaiser Friedrich III, war es, der Binz 1490 zur Bandeshauptstadt erhob und den herrlichen Hauptplatz anlegen liess. Unter Friedrich dem Streitbaren 1241 wurde Binz zum ersten Male eine Stadt genannt, obgleich sie mit Runs und Steyr längst früher schon als eine Zoll-und Gerichtsstätte zu den namhaftesten Orten des Landes gerechnet wurde. In den Tagen der ersten Habsburger erscheint Wels als Vorort der Provinz. Schon im Mittelalter fanden auf dem heutigen Franz Josef-Platz festliche Veranstaltungen, namentlich Turniere statt, während in den traurigen Tagen nach den Bauernaufständen daselbst die Hinrichtungen vollzogen wurden. In nächster Nähe dieses Platzes erhebt sich die alte Domkirche, die einen kunstvollen.) von italienischen Bildhauern ausgearbeiteten Marmor-Hochaltar besitzt. Linz ist überhaupt reich an Kirchen und Klöstern! Eine der prächtigsten Kirchen des Landes ist zweifellos der imposante gothische, doch noch nicht vollständig beendete Maria Empfängnissdom, den Bischof Rudigier angeregt und dessen Grundstein am 1. Mai 1862 in festlicher Weise gelegt wurde.

Die Altstadt erinnert den Geschichtskundigen daran, dass z. B. im Schlosse auf der steilen Höhe oben, Kaiser Friedrich III. seine letzte Lebenszeit verbrachte und daselbst starb. Ihre Residenz haben hier wiederholt Maximilian I., Ferdinand I., Mathias I. und Leopold I. aufgeschlagen. Einen Theil dieses Schlosses hat der grosse Brand, welcher 1800 wüthete, zerstört) doch wurde dasselbe wieder neu

hergestellt. Ein würdiger Bau ist das Landhaus mit seinem kunstvollen Marmorportale, das unter Maximilian II. entstand. 1613 und später finden wir hier den berühmten Johannes Kepler, den Astronomen und Mathematiker der Stände. In dem vornehmen Neubau des Museums Francisco Carolinum sind die reichen und interessanten Sammlungen untergebracht, welche fast alle Wissensgebiete vertreten. Am werthvollsten von ihnen mögen wohl diejenigen sein, welche die im Laufe der Zeiten im Lande selbst aufgefundenen keltischen und römischen Alterthümer, die Waffen aus den Tagen des Ritter-thumes und der Bauernkriege enthalten. So fesselnd aber auch ein Rundgang durch die Stadt ist, man wird vielleicht schon von einem kleinen Ausfluge in die pittoreske Umgebung noch bedeutendere Befriedigung erhalten. Wer nicht allzuweit wandern will, der unternehme wenigstens den Aufstieg auf den Freinberg, wo sich ihm wunderbare Ausblicke auf die Stadt, die malerische Umgebung und die Alpengebirgsketten eröffnen. Einer der lieblichsten Blinkte im Donauthale nächst Binz ist aber der Calvarienberg, der allerliebste Durchsichten auf den breiten Strom, die blaue Donau, gewährt. Jenseits derselben, am linken Ufer, unweit der Schwesterstadt Urfahr, ladet der Böstlingberg mit seinen herrlichen Fernblicken zum Besuche ein. Von dem Plateau des Berges grüsst die Wallfahrtskirche mit einigen Häusern herab, ein überaus schönes Bild bietend. Weithin schauen ihre beiden kurzen Thürme ins pittoreske Band. Das Panorama von dem Blatze vor der Kirche erfüllt die Seele des Beschauers mit erhebender Freude. Vom Vorland der Alpen, das in seinen saftvollen Farben heraufleuchtet, bis zu den fernsten Bunkten der Gletscher des Dachsteins und der ►Uebargossenen Alpe« liegt eine Welt von Bracht und Herrlichkeit vor uns ausgebreitet. Zahllose Dörfer und Weiler, Kirchen und Schlosser, Gehöfte und Villen sind da verstreut im Grün der lieblichen Auen und Wälder. Wandern auch wir in die schöne Umgebung der Hauptstadt, so wird wohl unsere erste Partie uns auf den Kürnberg führen. Die blaumarkirte Waldpartie führt uns zur Aussicht auf den Gipfel. Wir sehen Eferding, Wels und das Gebirge. Der Kürnberg trägt heute noch angeblich Reste der Burg Alt-Wilhering. 1140—1170 soll daselbst ein Kürenberger, ein Minnesänger gelebt haben.

Phot Stengel & Cie.

LINZ. Franz Josefs-Platz.

GMUN DEN.

M^eizvoll liegt die schöne Curstadt Gnuinden am nördlichen Ende des Traunsees. Wenn die Sommersonne eines goldigen Nachmittags über die ruhigen Finthen leuchtet, über die Mäuser und Villen, Parkanlagen, Promenadewege und die Esplanade, wenn über den gewaltig in die blauen Lüfte aufstrebenden BergCOloss Traunstein die Tageslichter funkeln und über andere Pallien die düsteren Schatten streichen, dann hebt sich wohl die Brust eines jeden Naturfreundes, der dieses Gemälde sieht. Terrassenförmig steigt dort drüben die liebliehe Seestadt empor und gewährt von vielen Punkten aus einen fasciniren-den Anblick. Die Gelände des Sees, die von kleinen Villen und einzelnen Gehöften cingefasst sind, erhöhen die märchenhafte Schönheit dieses wundersamen Bildes. Die Gestade zur Rechten gleichen fürwahr einem einzigen langhingestreckten Gartenland, von dem jedes einzelne kleine Stück einer Spielereischachtel entnommen zu sein scheint, so nett und zierlieh präsentirt es sich dem Besehauer. Wo fände man alle diese niedlichen Buchten und Landzungen, diese Schlösser und hübschen Bauerngüter in solcher malerischer Anordnung wieder. Die Stadt selbst mit ihrer am Westufer hinziehenden Esplanade, mit den prächtigen Sartori-Anlagen, der Promenade und den zahlreichen schattigen Spaziergängen in nächster Nähe fesselt den Curgast wie den Touristen immer vom Neuen. Auf der Stelle der heutigen Stadt Gmunden besassen schon die Römer die Colonie1 »Läciacum«, und frühzeitig schon hatte die Salzproduction an diesem Punkte einen wichtigen Handelsplatz geschaffen. Dem eifrigen Bemühen der steierischen Ottokare und der Habsburger war es gelungen, ►Gamundia«, das heutige Gmunden, bereits im 14. Jahrhundert zum I lauptstapelplatz des Salzwesens im Salzkammergute zu erheben. 1188 soll Gmunden schon von Mauern und Wällen umgeben und eine Landstadt gewesen sein. Zur Zeit des grossen Bauernkrieges Fadinger's ist Gmunden von dem Bauernheere schwer in Mitleidenschaft gezogen worden! In der Nähe von Gmunden kam es am 14. November 1626 zwischen den Bauern und den kaiserlichen Truppen zu einer mörderischen Schlacht, in der die Kaiserlichen siegten und 4()(>o Bauern auf dem Schlachtfelde zurückblieben, die unter dem sogenannten Bauernhügel bei

Pinsdorf begraben wurden. Wie die Historie berichtet, war der Angriff des Bauernheeres ein so gewaltiger, dass die kaiserlichen Truppen bis nach ('.munden zurückgeworfen wurden. Sogar die eisengepanzerten Ruiter Pappenheim's, die Wallonen, mussten vor der fanatischen kampfesmuthigen Schar weichen. Pappenheim hatte aber schliesslich doch den Sieg errungen. Er liess die Bauern durch Musketiere und Reiter im Rücken angreifen und vernichten.

Heute hat Gmunden all' die schweren Tage der früheren Jahrhunderte vergessen; es entwickelt sich von Jahr zu Jahr mehr zu einer der beliebtesten und belebtesten Saisonstädte unserer Alpenländcr. Aus der grossen Zahl von Schlüssern und Villen, welche die Traunstadt umgaben, wird wohl das prächtige Schloss des Herzogs von Cumberland in erster Reihe die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Beachtung verdient auch die Villa der Gräfin Prokesch-Osten (Friederike Gossmann), das Schloss des Herzogs Württemberg am Fusse des Gmundnerberges, das »Hebbel-Haus«, wo einst der Dichter der »Nibelungen« und anderer Tragödien, Friedlich Hebbel, gedichtet und geträumt hat und wo dermalen noch dessen Witwe, die einst gefeierte Künstlerin Christine Hebbel lebt. Eine Viertelstunde von Gmunden entfernt ruht Schloss Ort, das auf einer künstlieh hergestellten Insel erbaut und durch eine lange Holzbrücke mit dem Landschlosse verbunden ist. Die ursprünglichen Besitzer der Herrschaft Ort, die Herren von Ort, starben am Ende des 13. Jahrhunderts aus. Nun fiel der alte Besitz den österreichischen Landesfürsten zu, welche die Herrschaft wieder an Adelsgeschlechter verliehen. Nacheinander besassen nun die einstige Grafschaft Ort die Grafen von Salm, die Sehärfenberger, die Starhemberge die Kohlheimer, bis Ferdinand IL 1625 den Statthalter Grafen Adam Herberstorf mit Ort belehnte. Doch schon im darauffolgenden Jahre erschienen die aufrührerischen Bauern und plünderten das Schloss. 1689 erklärte Kaiser Leopold I. Ort als kaiserliches Kammergut. Doch wie düster und kalt sehen alle diese historischen Reminis-eenzen aus, und wie farbenreich leuchtet das Bild des träumerischen Seeschlosses, des Sees, der lebendigen Ufer und der Gebirge. Traunstein, Frlakogel, Wildenkogel, Sonnenstein, Kranabethsattel sind charakteristische Einzelheiten der herrlichen Umrahmung.

Schloss Ort.

GMUNDEN.

Schloss Cumberlaud.

TRAUN KI RCHEN.

tvl=,>^*j^J; as liebliche Oertchen Traunkirchcn am Westgestade des 1 bmmdnersees ist unstreitig in dem herrlichen Rahmen, r»llMlr^ wc'cllcn Uferlandschaften um den See bilden,

\^9rw^§l eines der reizvollsten Details. Das eine Viertelstunde von der Eisenbahnstation und dem DampfschilTlandungsplatz entfernte Dorf, welches sich hingst schon zu einer vielbesuchten Sommerfrische aufgeschwungen hat, liegt theils auf einer felsigen Halbinsel, theils aber vor dem weit in den See hinausspringenden Sonnensteinberg, der — sieht man Traunkirchcn auf der Dampferfahrt aus der Ferne, von Gmunden kommend, - das Seebecken abzuschliessen scheint.

Am malerischesten zeigt sich die Gegend von der Höhe des ( alvarienberges und des Johannisberges, von wo ein freier Blick ermöglicht ist. Im Südosten heben sich aus den dunklen Fluthen die hohen Felsenmauern und düster und ernst steigt das jenseitige Seeufer auf; im Norden breiten sich die freundlichen Gestade von Gmunden aus. Auch um das kleine Nestchen Traunkirchcn ranken sich, wie Epheu um die Wände einer alten Burg; die Blätter der Göttin Clio, der Historie, die uns wie Nebelbilder die einzelnen Phasen vielhundertjähriger Vergangenheit heraufbeschwört und Vergessenes und Versunkenes wieder vor unserem geistigen Auge erstehen lässt. Traunkirchcn, ursprünglich ein Benedictiner-kloster, ist eine Gründung des letzten ostfränkischen Karolingers Ludwig das Kind (1)00). Zehn Jahre später ging das Kloster bei dem Ueberfall der magyarischen Horden zu Grunde. 1 hindert Jahre nachher errichteten Markgraf Ottokar VI. von Steyer und sein Sohn Leopold der Starke das Stift, besiedelten es jedoch mit Nonnen, die nach der Regel des heil. Benedict lebten. Ottokar's Tochter Atha wurde als erste Aebtissin bestellt. Das Stift wird in alten Geschichtsepochen hervorragend erwähnt. Einer Sage, die an die' schöne griechische Mythe von Hero und Leander erinnert, sei hier auch gedacht. Zur Zeit, als das Kloster von Nonnen bevölkert war, schwamm allnächtlich ein muthiger Jüngling von der Karbachmühle über den See her nach Traunkirchen zu seiner Geliebten, bis ihn einmal in sturmvoller Nacht die Wellen in die Tiefe gezogen hatten. Heute dient das Nonnenkloster, welches 1573 aufgelassen

wurde, weil die Nonnen, des Klostcrlebens überdrüssig, sich verheiratet hatten, als Bfarrhof. Eine sehenswerthe Specialität ist noch gegenwärtig, wie in Hallstatt, die Frohnleichnams-Procession, welche auf dem See abgebalten wird. Eine Naturmerkwürdigkeit der Umgegend von Traunkirchen sind die Höhlen, die ungefähr zwei Stunden entfernt vom Orte liegen. Die ausgedehnteste derselben ist die Windliegenhöhle, die ungefähr 20 Meter hoch und 30 Meter lang ist. Die Hohlen sollen bis zum Attersee führen. Im Süden von Traunkirchen, bei dem Dörfchen Langbath, endet das Bang-baththal, in dem die beiden märchenhaft schönen Alpenseen in romantischer Lage eingebettet sind. Sie liegen an der Nordseite des imposanten Höllengebirges und sind von dem vollen Waldzauber der erhabenen Blochgebirgswclt umflossen.

Von Traunkirchen und besonders von dem nahen Ebensee, wo die Traun in den Traunsee mündet, gibt es eine reiche Zahl der lohnendsten Ausflüge. Sie alle oder auch nur die hervorragendsten zu nennen, würde zu weit führen; es seien nur die Partien zum Rinnbachstrub und Rinnbachrechen, auf den Schichmahdkogl, das Ramsaueck und zum Offensee mit dem kaiserlichen Jagdhaus erwähnt.

Eine von Sommerfahrern viel aufgesuchte Naturschönheit ist der Traun fall, den man von der gleichnamigen .Station der Eisenbahnlinie Lambach—Gmunden bequem erreicht. Schon aus der Ferne vernimmt man bereits sein Donnern und Brausen, lange bevor man seine aus einer Höhe von 14 Metern herabstürzenden weissschäumenden Wassermassen zu Gesichte bekommt. Obgleich der Fall aus drei Armen besteht, meint man doch nur einen einzigen zu sehen, so rasch stürzen die Fluthen von der Felsstufe in die Tiefe nieder. Engumschlossen von braunfarbigen Nagelfluhwänden, die in den höheren Regionen mit Busch und Wald bekleidet sind, bildet der Traunfall eine überaus pittoreske Scenerie. Zur Rechten des Falles läuft, theilweise in den Felsen gesprengt, der altbekannte, zumeist von sogenannten Salzschiffen befahrene Trauncanal, den der kaiserliche Forstmeister Thomas Seeauer 1552 erbaute. Die Fahrt durch den Canal, die von Sommergästen aus Gmunden und Ischl gerne unternommen wird, bietet einen ganz eigenartigen, nicht zu beschreibenden Genuss.

ISCHL

^■^T^^fk'nn sich auch in den letzten Decenriien der Kreis der ('%/%•/-"V Sommerfrischen und Lufteurorte, in denen besonders toIP^K die Wiener gerne Aufenthalt nehmen, wesentlich qv-I^lL'^MM weitert hat, so ist Ischl, die »Perle des Salzkammergutes«, der Hauptort und Mittelpunkt dieses reizvollen Landstriches, doch noch immer eine vielbesuchte und vornehme Villeggiatur geblieben. Gleichwie Ischl einst durch lange Jahre sozusagen ausschliesslich die Sommerresidenz des österreichischen Hochadels gewesen ist und selbst die ungarischen Magnaten-Familien in dem lieblichen Oertchen am Traunflusse ihren Sejour genommen hatten, so ist es heute gewissermassen zur Station der Wiener Finanzaristokratie und der hervorragenden Kunstwelt geworden, Man geht nach Ischl, um sich auf der Esplanade sehen zu lassen und zu sehen, neue Verbindungen anzuknüpfen und frühere etwa zu kräftigen, man geht dahin, um aller Welt in den betheiligten Kreisen zu demonstriren, dass man nicht aufgehört hat, mitzuzählen in der Serie jener Namen, die überall genannt werden oder doch genannt werden wollen. Loshalte behaupten zwar in hämischer Weise, dass der Glanz von Einst ein wenig oder auch mehr seit Jahren verblasst sei, doch wird diese Ausstreuung wohl kaum stichhältig sein. Wer Ischl an einem sonnigen leuchtenden Sommertag besucht und noch für die Schönheiten einer reizvollen Landschaft empfänglich ist, der wird unstreitig von diesem Stückchen Erde an der Einmündung der Ischl in die Traun hochentzückt sein. Es ist ein Paradies, dieses •dsehclland«, wie es in längst verrauschten 'Lagen hiess, das im weiten Umkreise von saftig-grünen Berghohen eingeschlossen wird. Zwei berückend-schöne d'häler, die nach den beiden Flüssen benannt werden, treffen hier zusammen und geben ein Bild, das durch hundertfache Zauber bestrickt. Wenn auch in frühester Zeit auf diesem Punkte bereits ein namhafter Ort des Salzkammergutcs lag, so war es doch erst das noch gegenwärtig in Betrieb befindliche Salzbergwerk, welches Ischl bekannter machte. Rudolf II- erkannte den Werth der Salzgewinnung und der Salz-produetion und Hess durch den Waldmeister zu Ischl, Hans Kalss, die Soolcnleitung von Hallstatt über Ischl nach Ebensee, wo Sudhäuser erbaut wurden, herstellen. Zum Curorte jedoch wurde der

Markt erst im Jahre 1822, als der dortige Bürger Tänzl über Anregung einiger Wiener Aerzte eine bescheidene Soolbadeanstalt errichtete und später Dr. Wirer von Rettenbach sein ganzes eifriges Bemühen dafür einsetzte, Ischl zu einem Curort ersten Ranges zu erheben, was auch gelang.

Nicht wenig hat zu diesem Erfolge freilich auch der glückliche Umstand beigetragen, dass die erlauchten Eltern unseres Kaisers, Erzherzog Franz Carl und Erzherzogin Sophie, in dem herrlichen Alpenorte alljährlich ihre Villeggiatur aufschlugen und dadurch auch den Adel des Reiches heranzogen. Später bezog auch Kaiser Franz Joseph und die Kaiserin in jedem Sommer die kaiserliche Villa auf der Schmalenau, deren Park für Botaniker von grossem Interesse ist und aus dem man einen berauschenden Blick auf die Gletscher des Dachstein geniesst. So war denn das Glück Ischls gemacht und das heilsame und wohlthuende Alpenklima, die ruhige würzige Luft, das treffliche (juellwasser, die comfortablen Hotels, das Theater etc. thaten dann das Uebrige, um den Weltruf des Curortes zu befestigen. Auf der Sophien-Lsplanade und der Franzensallee, im Curhauspark und Wirergarten, und an zahlreichen anderen Punkten herrseht an schönen Sommertagen in der Saison ein elegantes buntes Corsoleben, in dem die Sterne der Wiener Lebewelt nicht fehlen. Von den zahlreichen Ausflugszielen in die Umgebung bleibt wohl die nahe romantische Schlucht der ■ -Rettenbaehwildniss« eines der beliebtesten. Oberhalb der Rettenbachmühle wird das Thal enger, es bildet weiter draussen eine Schlucht, durch welche der Rettenbach schäumt und braust. Brücken und Anlagen machen diese malerische Oertlichkeit zugänglich. Einer der beliebtesten Spaziergänge der Ischler ('Urgesellschaft ist der zum Sophien-Doppelblick, einem unweit des kaiserlichen Parkes etwa eine halbe Stunde von Ischl entfernt liegenden Cafe-Restaurant, von dem man eine wunderbar schöne Aussicht auf die Traunstadt und ins Wolfgangthal geniesst. Verfolgt man den hübschen Weg noch weiter, so gelangt man zur Dachsteinansicht, einem Ruhepunkt, der uns das imposante Gebirge in seiner glitzernden Herrlichkeit zeigt. Auch zum Hohenzollern-Wasserfall, der nach Regentagen einen Besuch verdient, führt hier der Weg.

riiot. Würthle & Sohn

£5 11

ISCHL.

Rettenbach wilduias.

DAS GOSAUTHAL.

[s wird in dem an landschaftlichen Prachtbildern überreichen Salzkammergut wenige Thäler geben, die das Gosauthal an Grossartigkeit der Scenerien, an Romantik und auch an Lieblichkeit übertreffen, ja, es überhaupt erreichen. Diese drei hervorragenden Eigenschaften des Thaies sind auch charakteristisch für die einzelnen Theile desselben, sie prägen ihm gleichsam den Stempel seiner Eigenart auf. So zeigt das Thal, in das man vom Gosauzwang am Hallstättersee gelangt, in seinen unteren Partien eine wilde, schluchtartige Enge, im mittleren Theil einen ausgedehnten herrlichen Thalboden und in seinem höchstgelegenen Abschnitt Bilder, die uns unbedingt an die erhabensten und pittoreskesten Hochalpenpartien erinnern, die wir in unseren Gebirgen kennen. Es wird kaum einen Touristen, einen Sommerfahrer geben, der das Gosauthal nicht durchwandern würde, wenn er Ischl und Hallstatt zuvor aufgesucht hat. Gerade durch den dreifachen Charakter des ganzen Thalschnittes, der in jedem einzelnen Theil einen markanten Ausdruck findet, gewinnt das einzig-schöne Thal seine hervorragende Bedeutung, die ihm kein Kenner unserer Bergwelt bestreiten wird. Dass ihm bei dem Anblick der beiden Seen das Herz erst vollends aufgehen wird, die Pulse vielleicht stärker pochen, braucht kaum eigens betont zu werden. Schon das Dorf Gösau mit seinen verstreuten, aus Holz gezimmerten, dunkelfarbigen Häusern, die sich eine Stunde lang im Thale hinziehen, führt uns eine gar liebliche Vedute vor Aug' und Sinne. Mit seinen beiden Kirchen, der katholischen und der protestantischen, nimmt sich das Dorf wie ein Christgeschenk für brave kleine Kinder aus, das einer Nürnberger Spielereischachtel entnommen wurde und deren Häuschen man ohne Ziel und Zweck aufgestellt hat. Die katholische Kirche schmückt ein kunstvoller Hochaltar, die Arbeit eines Bildhauers aus Gmunden. Die Bevölkerung des Dorfes treibt zumeist Holzarbeit und Bergbau, doch auch Viehzucht und die Erzeugung von Schleifsteinen. Man will ihre Abstammung bis auf die Gothen zurückfuhren und leitet den Namen Gösau von Gozzes-Awc oder Au Gozzos (Au der Gothen) ab; mit wde viel Recht oder Unrecht, das muss wohl den Gelehrten überlassen bleiben. Durch lange

Zeit hiess das Thal Kühthal, welches im Mittelalter zu dem ausgedehnten Besitz des Benedictinerstiftes Admont gehörte. Damals bereits wird es wegen seiner ergiebigen Salzquellen erwähnt. Zwischen Albrecht I. und dem Erzbisehof von Salzburg entstand eine ernste Fehde, als in Gösau ein Salzbergwerk eröffnet wurde. Die Reformation spielte auch in dieses stille Seitenthal herein und brachte viel Bewegung unter die Bewohner desselben. Obgleich damals die Pfarre mit einem katholischen Pfarrer besetzt war, blieb doch der grösstc Theil der Gosauer der neuen Lehre heimlich zugethan, bis sich die Protestanten 1784 offen für ihren Glauben erklärten. Wandert man beim bekannten Gosauschmied vorbei in den Wald, am rauschenden Wässerlein emporsteigend, so gelangt man zum Vorderen Gosausee, der von hohen Felswänden und finsteren Wäldern begrenzt ist und in seinem reinen Blau die ganze Majestät der Donnerkogeln, des Gosauer Eisfeldes, des Dachsteins und des grandiosen ddiorsteins widerspiegelt. Von dem Pavillon »Freundschaftssitz« geniesst man eine geradezu entzückende, berauschende Aussicht auf diese erhabenen Zeugen der Schöpfungswunder. Der Vordere Gosausee, in dessen Mitte ein prachtvolles Echo laut wird, bietet dem Feinschmecker auch eine gastronomische Specialität, das »Schwarzreiterl«, eine köstliche Saiblingsart. Nach einem weiteren ein- und einhalbstündigen Aufwärtssteigen steht man vor dem Hinteren Gosausee, der einen noch weit grossartigeren Eindruck auf den Ausflügler hervorbringt. Die schäumenden, weiss-grühen Fluthen contrastiren mit dem grauen Felsgestein, das den See umgibt und hochauf in die Lüfte ragt. Ernst und düster ist der Charakter dieses Alpensees, in den sich der Kreidenbach, der milchige Abfluss des Gosauglctschers ergiesst, aber auch erhaben und gross. Der Marsch auf die Zwieselalpe, zu einem der schönsten Aussichtspunkte im ganzen Salzkammergut, darf nicht unterlassen werden. Freilich gäbe es der Partien noch viele, die man von Gösau unternehmen könnte. Da ist vor Allem der überaus lohnende Aufstieg auf den Dachstein, der von Gösau bei Weitem grossartiger ist als von Hallstatt aus. Wde gewaltig und erhaben zeigen sich schon die Scenerien unmittelbar längs des Weges auf der Gosaucr-seite. Einzig schön ist der Blick auf die Gosauseen.

Thot. Stengel & Cie.

GOSAUSEE. DACHSTEIN.

HALLSTATT.

ler wüsste im gesammten Reiche der österreichischen Alpenwelt ein Oertchen anzugeben, dass in gleicher oder ähnlicher Weise auf den empfihdungsreichen Besucher einwirkt? Niemand wird ein solches linden, denn es gibt keines, und mag man auch alle Alpenseen in Betracht ziehen. Hallstatt ist einzig in seiner Art, in seiner Anlage, in seinem Wesen. Seine Häuser und Häuschen kleben fast an der gewaltigen Bergwand, kriechen sozusagen an derselben empor und lassen sich vom See aus ansehen, wie die zierlichen Schnitzarbeiten, die in Hallstatt erzeugt und verkauft werden. Terrassenförmig steigen sie aufwärts, stehen sie übereinander. Die schmalen Gässchen führen über Treppen und Stiegen und unter dunklen Bogen hindurch zu den einzelnen Theilen des Marktes. Zwischen den Häuschen des Ortes saust der schäumende Mühlbach, ein prächtiger Wasserfall, herab durch die wildschönc Schlucht des Salzbeiges. In der Mitte Hallstatts, unweit der protestantischen Kirche, die hart am Seeufer steht, liegt der Platz, der einzige, den es da gibt. Der zierliehe, spitzzulaufende Kirchthurm strebt kühn in die Lüfte. Weiter oben auf einer Felsterrasse thront die alte katholische Kirche, zu welcher von allen .Seiten Wege und Stiegen führen. Sie ist reich an werthvollen altdeutschen Schnitzereien, die culturhistorische Bedeutung besitzen. Besonders fesselt ein gothischer Flügelaltar aus dem fünfzehnten Jahrhundert von Leonard Astl. Derselbe zeigt die Mutter Gottes zwischen der heiligen Katharina und der heiligen Barbara und ist in allen seinen Theilen mit vergoldetem Schnitzwerk geziert. An die ältesten Zeiten der katholischen Kirche gemahnt die Krypta, welche sieh unter dem Gotteshause befindet. Eine zweite Krypta weist die gothische St. Michaelskirche auf. Sie diente vormals als Beinhaus. Heute gewährt sie mit ihren aneinander gereihten Todtenschädcln, auf denen Name und Alter der verstorbenen Ortsbewohner zu lesen ist, einen gar ernst stimmenden seltsamen Anblick. Einzig schön ist wohl die Aussicht von hier oben über den See, der durch seine enge Umrahmung von hohen Bergen einen etwas düsteren Eindruck hervorruft. Geschichtlich ist der Seekessel mit dem uralten Seeörtchen und dem Salzbeige überaus interessant. Die Gewinnung

VOh SaJz an einzelnen Stellen des I lallstättergebietes reicht bis in die sagenhalten Fpochen der Kelten zurück. Auch die Römer haben hier den Bergbau betrieben oder liessen ihn von ihnen untergebenen Kräften betreiben. In den stürmischen, bewegten Zeiten der Völkerwanderung scheint der Ort aber gänzlich untergegangen zu sein. Im dreizehnten Jahrhundert befehdeten sich der Erzbischof von Salzburg und Herzog Albrecht,von Oesterreich in heftigster Weise; denn der Frstere gestattete nicht, dass der Herzog in der Gösau eine Salzgrube ersehliesse, da er eine Beeinträchtigung seiner Salineneinnahmen befürchtete. Erst im XIV. Säculum Hess die Witwe des Kaisers Albrecht I. den eingegangenen Salzbergbau wieder aufnehmen. Wie Elisabeth den Bürgern Hallstatts eine Reihe von Privilegien für den Salzhandel bewilligte, um das Salzgesehäft zu fördern, haben auch andere habsburgische Monarchen dem Orte und der .Salzgewinnung sieh wohlwollend erwiesen. So fuhr Kaiser Maximilian I. am ö. Januar 1-504 in das Salzbergwerk ein und er wie Ferdinand I. liessen in demselben neue Stollen eröffnen. Ferdinand I. war es auch, der den Salzbergbau als ein Monopol des Staates erklärte. Zur Kenntniss der historischen Zeit haben die Ausgrabungen im Echernthale, am Nordufer des Sees und in der Sieg-wesentlich beigetragen. Sowohl im Landesmuseum in Linz wie auch in einem kleinen Museum auf dem Salzberge selbst zeigt man die interessanten lehrreichen Funde*. Herrlich sind die Partien in die nahe Umgebung. Da ist vor allen der Wreg zum Waldbachstrub, der einen der schönsten Wasserfälle des Salzkammergutes bildet. Er stürzt durch eine Sehlucht, die er sich zwischen Dürrenberg und Siegwand geschaffen hat, (dÖ Meter hoch in drei Absätzen in die Tiefe. Wahrhaft frappirend ist die unmittelbare Umgebung des Waldbachstrupps, die noch durch den sogenannten Schleierfall, der aus namhafter Höhe herabtost, vermehrt wird. Wie die Sage berichtet, lag einst in diesen Bergen »viel edles und unedles Arzt« (Erz), nicht nur Eisen und Blei, sondern auch Gold und Silber in reichen Adern. Damals sind viele Männer aus Welschland in das stille Thal der Waldbachstrupp gekommen, die überall nach dem glänzenden Metall suchten. In dem Bache, der unweit der Hirschau entspringt, fanden die kundigen Fremdlinge am meisten davon.

Phot Würthle & Sohn.

HALLSTATT.

ST. WOLFGANG,

||jjenseits des Falkensteins, den Meister Scheffel in seinen von echter Poesie durchhauchten »Bergpsalmen« verherrlicht hat, liegt am blau-grünen Abersee, oder wie er beute genannt wird, St. Wolfgangsee, der malerische Markt gleichen Namens. Hier war sozusagen die Wiege der Cultur für die ganze umliegende Gegend. Bischof St. Wolfgang aus Regensburg hatte sich in die Einsamkeit des vorhin erwähnten Falkensteins zurückgezogen und dort oben von 982 bis 987 n. Chr. ein Anacboretenleben gefühlt. Der fromme Mann brachte die durch die Einfalle der Ungarn verscheuchten Einwohner wieder hiehcr, hielt sie zur Gultur des Bodens an und baute ihnen, wie die Sage erzählt, ein Kirchlein, um das sich ein Oertchen entwickelte. Vertrauensvoll pilgerten nach Jahren die Gläubigen zur Kirche am Abersee, einer Filiale des Stiftes Mondsee. Im schlimmen Türkenjahre 1683 zog sogar Kaiser Leopold I. von Bassau her nach St. Wolfgäng, um die Hilfe des Heiligen zu erflehen. Hier war es, wo dem kaiserlichen Waller die freudige Nachricht zuging, dass das Christenheer am 12. September über die Osmanen vor Wien gesiegt hatte. Im rauschenden Triumphzuge begab sich der Kaiser sodann von dem stillen weltabgeschiedenen St. Wolfgang weg nach der jubelnden Residenzstadt an der Donau. Heute ist der Markt mit seinen pittoresken altertümlichen Häusern und zumeist engen Gassen, in denen man alte Bauart, Erker und Wasserspeier bemerkt, die ans Mittelalter erinnern, ein bevorzugtes Standquartier der Sommerfrischler, die in den angesehenen Hotels keinen Comfort vermissen. Ebenso finden sich in der Saison zahlreiche Touristen in St. Wolfgang ein, welche theils zu Fuss, theils aber auch in bequemer Weise — mittelst der Zahnradbahn — den nahen Schafberg, den »Rigi Oesterreichs«, erreichen. Der Schafberg ist ein Anziehungspunkt allerersten Grades geworden. Bekanntlich hat ihn ein vorzüglicher Kenner unserer Gebirgswelt, .Schaubach, als den schönsten Aussichtspunkt der deutschen Alpen bezeichnet. Man kann die Aussicht von dieser Höhe (1780 Meter), von dessen Spitze vierzehn Seen sichtbar sind, einem bekannten Reiseschriftsteller zufolge mit der Bezeichnung »schön und malerisch« charakterisiren. Der Blick reicht weit über die Donau bis ins südliche Böhmen und

auf der Gebirgsseite über das Höllcngebirge, den Traunstein, die Berge von Ischl und Aussee, das Todtengebirge, die Dachsteingruppe, Watzmann, Untersberg, theilweise auf die Hohen Tauern und auf viele andere Spitzen. Vielleicht noch überraschender, effect-voller als die immerhin unbeschreiblich schöne Rundschau von dem Blateau des Schafbergs, ist jedoch die Auffahrt mit der Zahnradbahn. Von Schritt zu Schritt der Locomotive breitet sich das Bild mehr und mehr aus, wird immer malerischer, farbenreicher und gewinnt immer mehr an Abwechslung und Fülle der Scenerien. Auf dem Blateau angekommen, nimmt uns ein comfortables Hotel auf, welches nahezu für hundert Ausflügler Unterkunft gewähren kann. Versunken in die Bracht dieser Alpenbilder steht der Tourist hier oben und stimmt freudigen Herzens dem Ausspruche des erprobten Alpenschildercrs Schuhes über die Herrlichkeit des Wolfgangsees bei, der da lautet: »Ich habe noch keinen See gesehen unter den Seen, die ich aufsuchte, der so viel Zartes und so viel Grosses in einer so glücklichen Harmonie in sich vereinigte, als gerade der Wolfgangsee.« Wer vermöchte wohl die Grösse und den Glanz, die Majestät und Herrlichkeit, aber auch die Lieblichkeit und Zartheit der Bilder zu schildern, die sich in diesem überwältigenden Panorama entfalten? Tief unten die almgrünen Thaler des Acker und der Eisenaii und weit draussen die spiegelnde Fläche des Attersees, unten die des Mondsees und verstreut, näher und ferner, die übrigen umliegenden Seen. Vor uns, wohin wir schauen mögen, nichts als Berge, die bald mit dichtem, dunklem Tannenwald bedeckt, bald wieder kahl und zerrissen emporstreben. Von Interesse ist die Sage, die sich an das Hochzeitskreuz knüpft, das oberhalb des Falkenstein auf einem aufragenden Felsblock die Blicke der Vorüberfahrenden fesselt, banst fuhr, heisst es da, eine staatliche Zahl von Hochzeitsgästen von der Ortschaft Ried über die Eisfläche des Sees nach St. Gilgen. Nachdem die Trauung dort vorüber war, erfolgte die Rückkehr. Mitten auf dem blendenden Eisspiegel wandelte die heitere Gesellschaft die Lust an, aus den Schlitten zu steigen und ein Tänzchen zu wagen. Als man beim nationalen Tanz mit den Füssen auf den Boden niederstrampfte, brach das Eis ein und die ganze Hochzeitsgesellschaft fand ihren Tod.

Pfcot. I. WÜrtble & Sohn; II. Stengel & Cie.

Schafberghötel ST. WOLFGANG. Schafbergbahn.

DER ATTERSEE.

nter den Seen Oberösterreichs ist der Attersee, dessen

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Nordende in das Alpenvorland reicht, der an Aus-' dehnung bedeutendste. Verschieden an landschaftlichem J Charakter seiner Ufer, hatte derselbe in der Zeit, als das Land noch in Gaue eingetheill war, einem solchen Gau den Namen gegeben, dessen Grenzen sich weit in das heutige Salzkammergut erstreckten. Der Sitz der einstigen Herren des Atter-gaues war Schloss Kammer, die Feudal-Herrschaft der Freiherren und späteren Reiehsgrafen kdievenhüller-Aichclburg, welche in dieser Gegend schon im Mittelalter ihren Wohnsitz aufgeschlagen hatten. Das umfangreiche Schloss mit dem hohen altertümlichen Doppeldach, das holseits ein schlichtes Thiirmchen überragt, steht auf einer schmalen Landzunge und reicht weit in den See, aus dem hier die Ager ablliesst, hinein. Obgleich sich in allernächster Nähe des Schlosses das zu demselben gehörige Hotel erhebt, welches allen modernen Anforderungen entspricht, so weht uns doch aus den langen Corridoren und hohen weiten Wohnräumen, aus dem altmodischen Gemöbel und den lebcnsgrossen Oelporträts der Ahnherren der Familie, eine längst entschwundene Zeit und ein sagenhafter Zauber an. 1593 erhielt die Khevenhüller'sche Familie das Diplom mit der goldenen Bulle von Kaiser Rudolf II., womit sie ! in den erblichen Reichsgrafenstand erhoben und alle dem Geschlechte gehörigen Herrschalten, somit auch Kammer, zu Grafschaften ernannt wurden. Der Blick von Kammer hinab an das südliche Gestade ist ein überaus malerischer. Ist die Gegend am Nordende des Sees, im Bereiche des Schlosses, dach und ziemlich eintönig, so zeigt sie dagegen im Osten und Süden fast Hochgebirgs-Charakter. Die massigen, wildzerklüfteten Wände des Höllengebirges und Her weithinschauende Schafberg im Süden, dessen Fuss von drei Seen bespült ward, geben ein grossartiges, erhebendes Alpenpanorama, baue Viertelstunde von Kammer weg breitet sieh auf sanfter I löhe am östlichen Ufer der freundliche Markt Schürfung mit seiner stattlichen Kirche, seinem gastlichen Pfarrhofe und den hie und da noch vorkommenden alten, charakteristischen Holzhäusern aus. Ein herrlicher Aussichtspunkt ist uns von Mittern-dorfefs Biergarten geboten, von dem man über das ddial der Ager

und über den See hin die herrlichen Bilder gemessen kann. Entzückend ist der Anblick, liegt Sonnengold über See und Gelände. Drüben am Westgestade schimmert das liebliche Oertchen Attersee mit seinen beiden Kirchen, der katholischen und protestantischen, herüber. In alter Zeit erhob sich auf der Höhe des Buchberges die Burg Attersee, die hingst versehwunden ist. Auch im Orte Attersee, wie an allen übrigen Punkten am Seeufer, fehlt es im Sommer nicht an zahlreichen, zumeist Wiener und Linzer (Listen, Weyeregg, reizvoll in der Bucht dieser Uferseite gelegen, hat sich als Fundort römischer Alterthümer bemerkbar gemacht. Von hier führen liebliche Waldwege nach Gmumlcn und zu den Langbathscen. Wie hingegossen zu Füssen der Felsenhöhen des Hbchlecken-Gebirges, das reich an Hirschen und Gemsen ist, ruht am östlichen Gestade .Steinbach und unweit davon das romantische Weissenbach, von dem eine gute Strasse durch das pittoreske Weissenbachthal zur Eisenbahnstation Mitter-Weissenbach führt. Südwestlich von Weissenbach grüsst uns das idyllische Oertchen Burgau und am Ende des Sees, ganz von Bergen eingeschlossen, schaut die Dampfschiffstation Unterach zu uns her. Das Klima ist hier so milde, dass am östlichen Abhang des hohen Kogels sogar edle Kastanien gedeihen. Scherzweise wird Unterach auch • K1ein-Venedig< genannt, denn die klare Fluth des Attersees spült durch zahlreiche kleine ('anale bis ins Dorf hinein. Auch die übrigen Ortschaften am See, wie Seewalchen unweit Kammer, Nussdorf, Parschall an der Westseite und Weyeregg an der Ostseite, besitzen ihre mannigfachen Reize und sind alle in der Saison von Gästen bewohnt. Eine Wanderung, namentlich in den Morgenstunden eines schönen Juni-oder Julitages, über Unterach hinaus auf dem zur Linken der Strasse dahinziehenden schattenreichen Waldweg nach See am südlichen Lüde des Mondsees, dem Landungsplatze des niedliehen Mondseedampfers, bietet für sensitive Touristen eine Fülle von erfrischenden Genüssen. Echte Waldstimmung und feierliche Stille umgibt hier den Fussgehcr. Nur auf grünem Wiesenplan neben der Ache, die den Attersee mit dem Mondsee verbindet, pocht im gleiehmässigen Rhythmus das Werk einer Mühle lustig drauf los. Nach kaum einstündigem Marsche schimmert die blaue Seefläche durchs Baumgczwcige.

Phüt Würlhls & Sohn.

Unterach. AM ATTERSEE. Weissenbach.

Schloss Kammer. Ort Attersec.

MONDSEE.

|cr Bayernherzog Utilo II. hat anno 739 zu Mondsee ein Benedictinerkloster gestiftet und dessen Sohn Tassilo begann neun Jahre später den Bau der Abtei. Länger als ein Jahrtausend bestand das Stift, das älteste im Lande ob der Enns, bis es 1764 sequestrirt und 1792 gänzlich aufgehoben wurde. Mondsee hatte viele Wandlungen durchzumachen; es wechselte oftmals seine Besitzer, namentlich nach der Auflassung des Stiftes. Fünfundsiebzig Aebte hatten während des Bestandes des Klosters regiert. Nach der Auflösung desselben gingen die Klostergebäude und die Herrschaft als Dotation an den Bischof von Linz über, nach dem Tode des Bischofs Gall an Jen Religionsfond. Nach dem Friedensschlüsse vom Jahre 1809 wurde die Herrschaft Mondsee dem Kaiser Napoleon I. zur Disposition gestellt, doch schon ein Jahr später kam dieselbe als Anerkennung*für geleistete Dienste in den Kriegsjahren 1805 und 1809 an den bayerischen Feld* rnarschall Carl Philipp von Wrede. Für den Archäologen besitzt der Mondsee ganz besondere Bedeutung, da an zwei Punkten im See durch zahlreiche Funde von Werkzeugen, Waffen, Geräthen, Geschirren und Schmuckgegenständen aus Feuerstein, Serpentin, Thon, Blei und Kupfer Pfahlbauten nachgewiesen wurden, welche auf ein Alter von mindestens dreitausend Jahren schliessen lassen. Dass die Römer an der Stelle des heutigen Ortes Mondsee eine Niederlassung besassen, ist durch aufgefundene Grabsteine und Inschriften sichergestellt. Ks Wird vermuthct, dass Mondsee identisch ist mit dem römischen Orte Tarnanto, den die Tabula Peutingeriana und das [tinerarium Antonini anführt.

Mondsee fiel zu Folge Staatsvertrages vom Jahre 1816 dem Hause Oesterreich zu und bildet seitdem einen Theil des Landes Ob der Enns. Die ehemalige Stiftskirche, ein imposanter gothischer Bau aus den Jahren 1470 bis 1487, die grösste im ganzen Lande, ist trotz ihrer im Laufe der Zeiten hinzugekommenen »Verschönerungen« doch noch immer überaus Sehenswerth. Sie enthält viele kostbare und kunstvolle Arbeiten; namentlich ist die Sacristci-thüre, eine herrliche gothische Eisenarbeit, ein Bijou dieses Gotteshauses. Auch einige Altarbilder, von vaterländischen Meistern verdienen Beachtung. Desgleichen darf das riesige K'eliquiar mit den Skeletten

von drei Heiligen, der silberne Tabernakel und die aus verschiedenen Epochen stammenden Grabsteine der Aebte zur Besichtigung empfohlen werden. Herrlich ist das Geläute der »grossen Glocke«, das weit über die Seefläche hinaus dringt und den Seefahrer aus der Ferne begrüsst. Ein Aufenthalt in dem stillen ländlichen Mondsee gewährt mannigfaches Vergnügen. Alles, was der luftschnappende Sommerfrischler zu seinem vollen Behagen sich nur zu wünschen vermag, steht ihm hier zu Gebote. Seit Jahren ist daher der Ort auch ein liebgewordener Aufenthalt der Wiener geworden. An Sehenswürdigkeiten gibt es im Markte eine vom Staate unterhaltene Holzschnitz-Fachschulc, welche der jüngeren Generation die Gelegenheit verschafft, die in den Bergländern bestehende Naturanlage zur Holzschnitzerei zu pflegen, auszubilden und zur Quelle eines sicheren Einkommens zat machen. Was in früheren Zeiten nur eine Art Spielerei, das Schnitzeln und Bosseln in Zierbeiholz, nun ist es zu einem Erwerbszweige geworden. Dafür ist freilich die einst gepflegte Spitzenklöppelei erloschen. Die südlichen und westlichen Ufer lies Sees bieten mit ihren malerischen Scenerien eine Fülle von Beizen. An schönen Tagen gilt es eine Fahrt auf dem Dampfer, im Kielboot oder mit der Salzburg-Ischler Bocalbahn zu unternehmen, die stets reich belohnt. Besonders ist ein Ausflug nach dem lieblichen Scharfling zu empfehlen, das unmittelbar am Fusse des Schafberges inmitten eines nur nach der Seeseite offenen Alpenthales liegt. In der Nähe von Scharfling finden wir eine Höhle, den sogenannten Kohlenschacht, mit einem nicht allzu ergiebigen Kohlenlager. Unser Eckbildchen zeigt die mächtige Drachenwand und einen Theil der aus dem tiefblauen Gewässer aufsteigenden Kienbergwand, durch welche man beabsichtigt, einen Tunnel zu schlagen, um von Unterach und See her einen Strassenzug nach Scharfling anzulegen. Wer nicht die Localbahn benützen will, die hier hoch oben läuft und sehr interessant ist, der wird in einer Fusswanderung über den Sattel nach Schloss Hüttenstein und weiter nach St. Gilgen oder auf den Falkenstein reichen Genuas finden. Die Zahl der hübschen Ausflugspunkte in der Umgebung vom Markte Mondsee istaber kaum zu zählen; die Auswahl ist gross und jeder einzelne wird den Besucher vollauf befriedigen.

rhot. Wiirthle & Sohn.

Dracheawand. MONDSEE.

SALZBURG I.

4;

on allen Alpen- und Saisonstädten Oesterreichs bleibt die alte Bisehofsstadt an der Salzach, das »deutsche liC^^ii R°m«, wie Salzburg des italienischen Charakters seiner zahlreichen stattlichen Kirchen und llaehdäeherigen Wohnhäuser wegen gerne genannt wird, wohl die reizvollste und besuchteste. Es gibt gewiss keinen Vergnügungs-Reisenden, keinen Touristen, der diese interessante, malerische Stadt, das Schatzkästlein und den Juwel unserer Berglande, nicht seit seinem ersten Besuche in sein Herz eingeschlossen hatte und der nicht immer wieder in dieselbe freudigst zurückkehren würde, so oft es ihm ein gütiges Geschick nur ermöglicht. Vielleicht wüssten aber nur wenige Besucher Salzburgs genau zu sagen, in welchen Eigenschaften der bannende Zauber, der unwiderstehliche Beiz liegt, der uns so dauernd angezogen, so beständig gefesselt hat. Breilich wird jeder lanzeine nach, seinem Wesen und seiner Art diese Anziehungskraft angehen, verschieden von dem Zweiten und Dritten, aber alle werden darin übereinstimmen, dass es eine wunderliche, reizende, heimlich-traute Stadt ist, der man niemals — selbst wenn der berüchtigte Schnürlregen niedergeht -müde ward. Von welchem Punkte man auf Salzburg niederschaut, in welchem Theile der alten Stadt man umherslreift, sie zeigt stets ihre sympathische, liebevolle Physiognomie. Unser Bild führt eine Ansicht Salzburgs von der Vorstadt Mülln aus vor, wo es bekanntlich im Kloster der Augustiner Chorherren für Heimische und Fremde ein anheimelndes BraustübeK gibt. Hier wird eigentlich an Bequemlichkeit, an Comfort, ja selbst an besonderer Sorgfalt äusserst wenig, ja soviel wie nichts geboten, und doch findet man in den schmierigen, schmutzigen Stuben den ganzen Tag über und bis in die tiefsten Abendstunden hinein hunderte von Zechern, von Verehrern des braunen Gerstensaftes, der ihrer Meinung nach, nirgends in der Salzachstadt süffiger und trefflicher zu haben ist, als in der Kloster-brauerei in Mülln ... Da eilen die graugrünen Gletscherwasser des Gehirgsllusses zwischen den beiden waldbedeckten malerischen Höhen des Mönchs- und Kapuzinerberges dahin und zu Füssen dieser Berge kleben die alterthümlichen Wohnhäuser, die von Gassen begrenzt werden, welche noch aus der erzhisehöflichen Begierungs-

zeit herstammen. Wie Vieles weiss die Localhistorie aus diesen Gassen und krummen Gässchen einer verrauschten Salzburgerzeit zu erzählen. Man sieht alle diese alten Häuser mit einer gewissen Vertrautheit und Herzlichkeit an, wenn man auch in ihren Bäumen nie gelebt, niemals auch nur seinen Fuss in dieselben gesetzt hat. Vielerlei erwacht unserem Geiste bei ihrem Anblicke und ganze Generationen von Bewohnern tauchen mit ihren Freuden und stillen Leiden auf. Es ist just wde bei einem Besuche der alten Friedhöfe St. Beter und St. Sebastian, wo uns gleichfalls die verwitterten Leichensteine mit den verblassten Inschriften die Schicksale der verewigten Salzburger erzählen. Und unweit des stillen Todten-gartens zu St. Beter, des eigenartigsten aller Grabesstätten, blüht der populäre Weinkeller, den alle kennen. Zuweilen fliegt aber unser Denken und Sinnen noch weiter zurück, bis in die d'age Karls des Grossen, der im Jahre 798 als ersten Erzbischof von Salzburg Arno eingesetzt hat. Damals gelangte das einstige Juvavum in den Besitz der Geistlichkeit, die bis 1802, wo dieses reichste Hochstift Süddeutschlands säcularisirt wurde, über die vornehme Stadt ihre Herrschaft ausübte. An Oesterreich kam das Erzstift KSK) und seit 1841) ist Salzburg ein selbstständiges Kronland . . . Das Eckbild zeigt den in nächster Nähe der Stadt aufstrebenden, 1280 Meter hohen Gaisberg, der eine überaus fesselnde Bundschau über Salzburg und das Salzburgerland gewährt, baue Zahnradbahn nach dem System Rigi bringt uns zur Höhe empor. Auf dem Blateau des Gaisberges steht ein treffliches Hotel. Die Fahrt beginnt von dem Villenorte Barsch, einer Station der Salzburg-Bischofhofener Bahnlinie. Die Aussicht vom Blateau ist bei reinem Wetter wahrhaft grossartig. Die Salzburger und Berchtesgadener Berge bis zum Dachstein und Grossglockner, die Seen des Salzburgerlandes und Oberösterreichs liegen spiegelnd vor unseren Blicken ausgebreitet. Wer einmal diese Bracht geschaut, vergisst sie niemals wieder. Nach Osten lässt sich ein lohnender Ausflug nach Guggenthai und auf den Nockstein, einem Ausläufer des Gaisberg, unternehmen. Der »Lambergsteig« führt zur Spitze des Nockstein. Eine überaus dankbare Bartie ist die nach Seekirchen und zum Waller- oder Seekirchener See im Nordosten,

Phot. Würtiilc Sc Solin.

SALZBURG.

Der Gaisberg.

SALZBURG II

|en vornehmsten Theil der Stadt, der auf dem linken Salzachufer liegt, ziert der Residenzplatz, der schönste und grösste von allen Plätzen Salzburgs. Man könnte fürwahr behaupten, dass sich in diesem einer italienischen Piazza vergleichbaren Platze der Charakter der italisch angehauchten Stadt am markantesten ausspricht, dass man in diesem harmonischen Ensemble unverblasst den Geist jener herrlichen Bauperiode wiederfindet, die so viel für die Baukunst gethan hat und die selbst heute noch durch ihre stimmungsvollen Kirchen und Paläste den Sinn für Architektonik beherrscht. Die Schönheit dieses Bildes gelangt hier auch dem Laien zum Bewusstsein und wird ihm rasch sympathisch. Schon der herrliche Hofbrunnen, der den Mittelpunkt des Residenzplatzes ziert, und der als der schönste monumentale Brunnen in allen deutschen Landen gilt, ist eine der Perlen dieses Platzes. Der italienische Meister Antonio Dario hat denselben unter der Regierung des Erzbischofs Guidobald Thun im Jahre 1664 begonnen, doch wurde er erst 1680 unter Erzbischof Max Gandolph vollendet. Der Meister hat sich mit diesem wunderbaren Werk unbedingt ein bleibendes Denkmal in der Salzachstadt gesetzt. Aus einer Höhe von 14 Metern stürzen in drei Abfällen die rauschenden Wasser über Katarakte in das gewaltige Becken herab, das einen Fassungsraum von ungefähr 2400 Eimern besitzt. Aus der Mitte desselben hebt sich eine durchbrochene Felsengrotte, die vier colossale Flusspferde umgeben, von denen jedes aus einem einzigen Marmorblock gearbeitet ist. Aus den Nüstern speien diese gewaltigen Thiere Wasserstrahlen aus. Auf der Grotte stehen drei Atlanten, auf deren Schultern eine umfangreiche Schale ruht, aus welcher riesenhafte Meerfische emporstreben, die auf ihren Schwanzflossen eine Muschel tragen. Ein fischschwänziger Triton steigt aus dieser Muschel auf, der aus einem langen Hörne einen hohen Wasserstrahl ausspritzt. Das Werk übt unstreitig eine grossartige Wirkung auf den Beschauer aus. Einen prächtigen Rahmen zu diesem meisterhaften Brunnen bilden die Gebäude des Platzes, von denen die kaiserliehe Residenz an der Westseite einen hervorragenden Rang einnimmt. Der Grundstein zu dem früher erzbischöflichen Palaste wurde von dem kunstsinnigen Erzbischof Wolf Dietrich 1592 ge-

legt, doch gelangte der imposante Bau erst unter Erzbischof Franz Anton 1724 zur Vollendung. Die Residenz, welche drei Höfe um-fasst, enthält eine Reihe von Prunksälen, die mit kunstvollen WTand-und Deckengemälden ausgestattet sind. Die schönsten Säle sind: der Ritter-, Karabiner- und der Marcus Sitticus-Saal. Gegenwärtig residirt Erzherzog Ferdinand, Grossherzog von Toscana, im westlichen Tract der Residenz. Gegenüber diesem vornehmen Bau, an der Ostseite des Platzes, erhebt sich das sogenannte Neugebäude, der Sitz der Landesregierung, des Post- und d'elegraphenamtes, sowie anderer Behörden. Auch zu diesem umfangreichen Gebäude legte ErzbischofWolf Dietrich, 1588, den Grundstein, doch erfolgte dessen Vollendung erst unter Erzbischof Max Gandolph. Der Besichtigung werth sind die kunstreichen, plastisch und in Farben hergestellten Plafonds im Regierungsarchive und das Stiegenhaus, welches zum Glockenspiel, dieser Specialität Salzburgs führt. Dasselbe befindet sich bekanntlich auf dem Thurme des Neugebäudes und hat stets eine grosse Anziehungskraft auf die zahlreichen Fremden ausgeübt. Es lässt sich dreimal täglich, mit Ausnahme Freitags, hören und zwar Morgens sieben Uhr, Vormittags cilfund Abends sechs Uhr. Der Salzburger Uhrmacher Jeremias Sautter hat es über Auftrag des Erzbischofs Johann Ernst 1703 hergestellt. Das Spiel, welches aus 87 Glocken construirt ist, besitzt 22 Melodien, doch wird durch je einen Monat stets nur eine Arie gespielt. . . Das imposanteste, hervorragendste und berühmteste Bauwerk dieses Platzes bleibt jedoch zweifellos der Dom, einer der edelsten und am reinsten ausgeführten Bauten der Spätrenaissance bei ihrem Uebergange in den Barockstyl. Auf deutschem Boden wird es kein zweites ähnliches Werk geben. Es wurde nach dem Plan Santino Solari's und unter dessen Leitung 1614, zur Regierungs-zejj. des Erzbischofs Marcus Sitticus begonnen, nachdem der unter Wolf Dietrich von VincenzScamozzi entworfene und bereits begonnene Dombau eines gründlichen Umbaues unterzogen worden war. Der Domschatz ist überaus reich und besteht aus uralten Paramenten, Mitren, Pastoralen, Kelchen etc. Eine Monstranze, das Kunstwerk eines Salzburgcr Goldschmiedes, ist mit 1792 Edelsteinen besetzt. Der Dom vermag mehr als zehntausend Personen aufzunehmen.

MIRABELL.

,/ _. u den Sehenswürdigkeiton hervorragendster Art gehört \^'f'JlyT{\ ^,IS ;m ^cv X»"\lsoito der Stadt gelegene imposante 'fjf<'^:'^ Schloss Mirahell, vormals orzbischöfliche Residenz, an i welches sich ein ausgedehnter Ziergarten anschliesst. Auch diesen in seiner ganzen Anlage fürstlichen Bau dankt die Stailt dem prachtliebenden Erzhischof Wolf Dietrich, der so viel für Salzburg in monumentaler Hinsicht gethan hatte. Wolf Dietrich Hess das Schloss 1607 erbauen und nannte es seiner Gemahlin Salome Alt zu Ehren Schloss Altenau. Ehe er nämlich die Würde eines so hohen Kirchenfürston erlangt hatte, war er als Junker von Reitenau heimlich vermählt. Er hoffte, dass er später bei dem Papste für dieses Khebündniss Dispens erwirken werde, doch erfüllte sich diese Erwartung nicht und sein Sturz traf auch Salome AU und ihre Kinder. Sein Nachfolger auf dem erzbischÖflichen Stuhl, Marcus Sitticus, liess das Schloss vergrossern und nannte es Mirabella. Auch die nächsten Kirchenfürsten Salzburgs verwendeten grosse Summen auf die Verschönerung des Schlosses und die Erweiterung des herrlichen Gartens, einer Zierde Salzburgs. Schloss und Garten befinden sich jetzt im Besitze der Stadt. Im Jahre 1818 brannte ein Theil des Schlosses ab, der erneuert wurde. Von ganz besonderer Pracht ist das dem Garten zugewendete Stiegenhaus des Mitteltractes, welches Figuren von Raphael Donner und andere Sculpturen schmücken. 1815 bewohnte König Ludwig von Bayern den vornehmen Bau, in dem um jene Zeit dessen Sohn Otto, der spätere König von Griechenland, geboren wurde. In Mirabell ist 1858 der aus den Tiroler Freiheitskriegen bekannte Kapuziner-Bater Haspinger, der tapfere Rothbart, gestorben. Heute ist der ehemalige Schlosspark mit dem angrenzenden C'urgarten zu einem vielbesuchten Stadtpark voreinigt.

Auf dem Wege nach Hallein, etwas über eine Stunde Gehens entfernt von der Stadt, doch auch bequem mit der Dampftramway zu orreichen, erhebt sich das im Geschmacke des XVII. und XVIII. Jahrhunderts von Erzbischof Marcus Sitticus 1613 erbaute Schloss Hollbrunn, in dessen ausgedehnten Bark- und Garten-Anlagen allerliebste Wasserkünste aus jenen Tagen Heimische und Fremde anziehen. Gegenwärtig ist das Sommerschloss ein kaiserlicher

HELLBRUNN

' Besitz. Es ist im Innern, in der prachtliebenden Art jener prunkvollen Zeit, mit schönen Fresken von Mascagni, Franz von Siena, Solari u. A. ausgeschmückt. Im Deckengemälde des grossen Festsaales prangt das Porträt der Frau v. Mabon, der Geliebten des Erzbisehofs, welcher derselben in nächster Nähe Hellbrunns ein kleines Schlösschen verehrt hatte. Einen grossen IT e i 1 des Schlossparkes durchzieht ein Röhrennetz, welches den Spritzwerken und Wasserkünsten dient. Der Brunnenmeister drückt da oder dort an einer Feder und das feuchte Element strahlt im weiten

[ Bogen hervor, um die nichtsahnenden Besucher zu überraschen. Von den zahlreichen Wasserkünsten des Parkes seien nur die originellsten genannt, und zwar die Regenbogengrotte, die Neptunsgrotte, die Vogelgrotte und das mechanische Theater, das Werk eines armen Mechanikers, der dasselbe unter unausgesetzten Chikanen um einen Bettellohn angefertigt hatte. Die Figuren dieses kloinen Theaters werden durch Wasserkraft in Bewegung gesetzt. Auch an zahllosen anderen Spielereien, die namentlich der Kinderwelt grosse Freude bereiten, fehlt es im Barke nicht, obgleich heute nur mehr ein geringer Theil dieser Wasserkünste funetionirt. Unter der geistlichen Herrschaft gab es hier oft Aufführungen von Pastoralen und Opern. Im ausgedehnten Parkreich linden wir lohnende Aussichtspunkte, zu denen wohlgepflegte Kieswege führen. Vor Allem ist das Steinerne Theater zu nennen, eine Felsengrotte, die Aehnlichkeit mit einem Theater besitzt. Fan Spaziergang durch den Ziergarten und durch den an diesen Garten anstossenden Wildpark gewährt dem Besucher mancherlei Anregungen. In dem letztgenannten Bark fehlen allerdings heute die seltenen weissen Hirsche und Steinbocke, die man noch vor etwa zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren sehen konnte. Dessenungeachtet bietet dieses stille, grüne Reich immer noch viele Details, die eine Promenade daselbst lohnen. Eine wundervolle Fernsicht geniesst man von der Altane des sogenannten Monatssehlösschens, das ebenfalls Marcus Sitticus, und zwarin dem kurzen Zeitraum eines Monats, erbauen liess. Unweit von Hellbrunn entsteigt den Fluthon eines kleinesTeiches das imgothischen Style gehaltene Schloss Anif, ein reizvolles Sommerheim, welches das letzte Werk Schwanthaler's, eine Wassernymphe, enthält.

Phot. Wiirthlu & Solin.

SCHLOSS MIItABKLL.

SCHLOSS HELLBRUNN.

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SALZBURG III.

|ie Stadt an der Salzach, die Geburtsstatt des unsterblichen Wolfgang Amadeus Mozart, hat von den Verehrern seiner ewig schönen Weisen längst schon dessen ruhmreichen Namen erhalten. Die Erinnerung an den Meister der Töne, den Sänger der Sphärenharmonien lebt in Salzburg pietätvoll fort und an hundert Punkten in der malerischen Stadt erscheint unserem Geiste der wunderreiche Knabe, der Jüngling, der Mann. Fast überall, wohin wir auf diesem weihevollen Boden schreiten, ist es uns, als sähen wir den begnadeten Heros in idealer Verklärung; denn überall erinnern Reliquien mancher Art an den Einzigen, Unvergesslichen. Wenn wir im alten Stadttheil durch die Getreidegasse gehen, so fesselt uns auf dem vierstockhohen Wohnhause, das die Nummer neun trägt, die weithinleuchtende Aufschrift: »Mozart's Geburtshaus«, in das wir gerne eintreten, um das seit Mitte Juni 1880 bestehende Mozarteum eingehend zu besichtigen. In den Räumen des dritten Stockwerkes, welche die Familie Mozart innehatte, und in denen Wolfgang Amadeus am 27. Jänner 1756 geboren wurde, bewahrt die Mozarteum-Stiftung zahlreiche Familienbilder, den Concertflügel, das Spinett, Originalbriefe, Musikmanuscripte Mozart's, ein Mozart-Album mit werthvollen Autographen Mozart'scher Zeitgenossen, von Herrschern, Künstlein u. A. auf. Hier ist die Sonne am musikalischen Himmel der Weit aufgegangen, deren Strahlen zuerst auf die Bischofstadt fielen. Ein anderes Gebäude, das dem Mozartcultus empfohlen ward, ist das bescheidene alterthümliche Haus auf dem heutigen MakartplatZ, der auf dem rechten Ufer der Salzach liegt. In dem einstöckigen Hause wohnten später Mozart's Eltern und Meister Amadeus durch viele Jahre. Eine dritte Wallfahrtsstätte der Mozart-Verehrer ist das prächtige, aus Erz gegossene Denkmal des Tonheros von Schwanthaler, das Mozart in ganzer Figur darstellt. Eine liebliche Erinnerung an den Unvergänglichen findet man auf dem Kapuzinerberg. Es ist dies das kleine aus Holz bestehende Mozarthäuschen, in welchem der Meister seine -Zauberflöte« com-ponirt haben soll. Bis zum Jahre 1874 stand das bescheidene Gartenhäuschen im fürstlich Starhemberg'schen Freihause zu Wien. Dasselbe ist ein Geschenk des Fürsten Catnillo Starhembers an

die «Internationale Stiftung Mozarteum«, die es in der Waldeinsamkeit des Kapu/änerberges aufgestellt hat. Vor dem Häuschen steht eine treffliche, von Bilhauer Edmund Hellmer modellirte Bronzebüste Mozart's, ein Geschenk der Familie des Oberbaurath es Karl Freiherrn v. Schwarz.

Wenn uns unser Weg nun vielleicht in den pittoresken und romantischen, zu Füssen der hohen Nageltluh-Wand sich anschmiegenden St. Peters-Friedhof führt, so können wir seihst hier unser pietätvolles Gedenken fortsetzen, denn in der Stiftskirche St. Peter ruht neben dem Componistert Michael Haydn, dem Bruder des grossen Josef Haydn, auch »Nanerb«, Mozart's Schwester, die Freifrau von Sonnenburg, die er so innigst verehrt hat. In der steilen Felswand oben sieht man noch die Zellen und die an dieselben angebrachten Kapellen, die angeblich aus der Zeit der Gründung Salzburgs durch den heil. Rupert um 582 stammen sollen. Lenau hat bekanntlich diesem weltberühmten alten Friedhof das folgende unvergängliche Sonett gewidmet:

0 schöner Ort, den Todtcn auserkoren Zur Ruhestätte für die müden Glieder ! liier singt der Frühling Auferstehungslieder, Vom treuen Sonnenblick zurückbeschworen.

Wenn alle Schmerzen auch ein Herz durchbohren, Dem man sein Liebstes senkt zur Erde nieder, Doch glaubt es leichter hier: wir seh'n uns wieder, Es sind die Todten uns nicht ganz verloren.

Der fremde Wand'rer, kommend ans der Lerne, Dem hier kein ("duck vermodert, weilt doeh gerne Hier, wo die Schönheit Hüterin der Todten.

Sie schlafen tief und sanft in ihren Armen, Worin zu neuem Leben sie erwärmen ; Die Blumen winken's, ihre stillen boten.

Hoch oben auf dem Festungsberge steht, ein Wahrzeichen der Salzachstadt, die Veste I lohensalzburg, die man aus weiter Ferne schon in ihrer stolzen mittelalterlichen Schönheit und Ritterlichkeit erblickt. Der Beginn des Festungsb aues fällt in das Jahr 1077, als Erzbischof Gebhard regierte. Konrad I. setzte den Bau fort und brachte ihn auch zum Abschluss.

Phot Würthlc & Sohn

Morzart's Wohnhaus. SALZBURG. Mozart-Monument.

Mozart'a Geburtahaus. Friedhof von St. Peter.

HALLEIN

IPffW^^MII10 Bischofstadt Salzburg ist so rocht zum Standquartier I '.1 geworden für zahllose Ausflügler in die Berge un I für Partien, von denen immer eine lohnender und pittoresker ist, als die andere. So bietet gleich die Kisenbahnfahrt von der Landeshauptstadt nach Hallein, der zweiten Stadt des Herzogthums, der alten berühmten Salinen- und Soolbadstadt im herrlichen Pongau, eine verschwenderische Fülle landschaftlicher Reize. Im Westen drüben haben das Massiv des Watzmann und der Untersberg gewaltige Contouren in die Lüfte gezeichnet, Riesen-Denkmälern gleich, die an eine sagenhafte Epoche erinnern. Bald liegen die Stationen und Haltestellen Bartsch, Aigen, Eisbethen und Puch hinter uns, und wir halten in der ehrwürdigen Bergstadt am linken Ufer der grünen Salzach, der wir bisher wie einer treuen Begleiterin immer zur Seite gewesen sind. Der Weg vom Bahnhofe in das gleich am ersten Blick anheimelnde Städtchen ist nur wenige Minuten lang. Wir linden zwischen den älteren Häusern in Hallein und denen in Salzburg manche Aehnlichkeit, denn auch hier gibt es eine grosse Zahl flacher Dächer, die den Charakter einer südlichen Zone zur Schau tragen und die uns eben so sympathisch anmuthen, wie die alten Salzburger Häuser. Knapp an der Bahnstation Hallein liegt der malerische Stadttheil Burgfried, der nur durch die Salzach von den übrigen Häusern des Städtchens am linksseitigen Stadtterrain getrennt ist. Wae ging es doch einst, in den 'Lagen, als noch kein schnaubendes EisenfOSS einherdampfte, auf der Salzburgerstrasse und auch auf der Salzach lebendig zu. Frachtwagen und Salzschiffe beförderten das aus dem bekannten kaiserlichen Sudwerk gewonnene Salz nach allen Richtungen, während heute fast ausschliesslich die ganze Verfrachtung von der Eisenbahn besorgt wird. Die Salzsoole ward in dem Salzwerk am Dürrenberg, wohin man ungefähr eine Stunde bergauf zu gehen hat, gewonnen und in die Stadt geleitet, wo sich auch ein Soolbad befindet. Schon die Kelten sollen, wie die Ueberlieferung berichtet, hier gearbeitet und .Salz gewonnen haben. Das Bergwerk ist grösser wäe das jenseits des Berges in Berchtesgaden, aber das Befahren desselben soll nicht so bequem für den Besucher sein, als dort. Der Fahrweg zu dem Dürrenbergef Berffwerk bietet eine

Reihe schöner Landschaftsbilder, wunderbare Ausblicke über das Halleiner Thal, auf das liebliche Städtchen und die grandiose Ge-birgswelt, von der die schneeigen Häupter der nahen Bergriesen herüberglänzen. Das Einfahren der Fahrgäste, oder, wie es bergmännisch heisst, das Anfahren, bietet manchen fesselnden Reiz. Man legt die Knappenkleider an, erhält die üblichen Grubenlichter und bald geht es auf sogenannten Bremsbergen in die tieferen Horizonte bis zti dem Sinkwerk, das mit Soole gefüllt ist und das auf einem Kahne befahren wird. Dann gelangt man auf einem von Knappen beförderten Grubenhund durch einen 1300 Meter langen Stollen zu d'age. und zwar kommt man in einem bedeutend niedrigeren Niveau als man angefahren ist, wieder an's Sonnenlicht. In einer Viertelstunde kann man sodann vom Stollenmundloch I lallein wieder erreichen. Der Besuch des Bergwerks dauert etwa eine Stunde oder einundeinhalb Stunden. Den Sommergästen in I lallein bieten sich viele angenehme bequeme Ausflugsziele, bescheidene Bergpartien, die auf markirten guten Wegen unternommen werden können und keinerlei sonderliche Mühen erheischen. Im Süden des Salzstädtchens erhebt sich die Raspenhöhe, wohin man über den Dürenberg gelangt.

Ueberaus lohnend ist für den Naturfreund die Wanderung am Morgen eines Sommertages über Zill nach Berchtesgaden. Sie bietet auf dem Marsche durch die dämmerige Welt des Waldes, wenn draüssen schon die Sonne glüht, gar viele sinnige Zauber dar. Man glaubt lange Strecken entlang in einem kühlen Klostergang dahin zu ziehen, athmet die stärkende Waldluft ein und freut sich des kleinen stillen Lebens und Treibens im Forste. Sehr lohnend ist die Tour über Älmbachstrub nach Faistenau und nach Füschl- oder Hintersee. Die Strasse zieht durchs schöne Wie-- oder Alm-Thal dahin. Von Neuhaus weg geht es am rechten Ufer des Strubbaches, dem Abflüsse des Hintersees, auf dem Franz Reyl-Steig in die wildromantische Felsschlucht zur Klause, einer malerischen Enge, und von da auf fahrbarem Wege hinauf nach Faistenau, wo uns ein Wirthshaus stärkende Labung bietet. Ungefähr drei Viertelstunden vom Orte entfernt liegt der Hintersee, der nicht gross ist, aber in seiner Verborgenheit dem Träumer und Grübler viel Anregung gibt.

Tiiot. Wüjthlc & Sohn.

HALLEIN.

WERFEN. BISCHOFSHOFEN,

'in vielbesuchter Standort für Touristen, denen von da weg die lohnendsten Bergtouren und Thalpartien in der Umgebung zu Gebote stehen, ist der Markt Werfen, der malerisch an der Salzach liegt. Die Trace der Eisenbahn von Hallein und Golling durch das Salzachthal nach Werfen, lässt uns eine ununterbrochene Kette der grossartigsten Alpenlandschaften schauen. Von Golling, das von einer kleinen Anhöhe freundlich hcrabschaut, geht der brausende Eisenbahnzug, dem die Kunst der Ingenieure diese aussichtsreiche, bewunderungswürdige Fahrt ermöglicht hat, am rechten Ufer der Salzach fort. Rechts thut sich das schöne Blüntauthal auf; man übersetzt die Lammer, dann die Salzach, während die berühmten »Oefen« links jenseits des Offenauer Berges bleiben, durch den die Bahn in einem 928 Meter langen Tunnel fährt, um über eine lange Brücke wieder auf das rechte Ufer der Salzach zu gelangen. Wenn wir den Tunnel verlassen haben und der Trarn wieder ins Breie dampft, liegt uns der Bass Lueg schon im Bücken. Die Bahn übersetzt sofort die Salzach, tritt auf das rechte Ufer, an dem oberhalb knapp die Strasse läuft, und zieht neben dieser im engen, von steilen Hängen begrenzten Thale zur Station Sulzau. Das Thal weitet sich wieder und der Rück wird von den majestätischen Steinwänden angezogen. Von der Haltestelle Goncordia-Hütte zweigt der Fahrweg in das herrliche Blühnbachthal und läuft dort zwischen dem prachtvollen Ilagengebirge rechts und dem Imelauer Gebirge links dahin, an einem in schöner Lage befindlichen Jagdschlösschen vorüber. Vom Blühnbachthal aus gibt es mehrere, wenn auch theilweise beschwerliche Uebergänge, und zwar im Westen über die Thor- oder Urschlauer-Scharte nach Saalfelden oder Bend und einen anderen über das Blühnbach-ThÖrl oder die Mauer-Scharte zum Königssee. Vom Jagdschlösse! aus bieten sicli dem tüchtigen Alpinisten zahlreiche Bergtouren, von denen nur die 1 lochpartien im Hagengebirge auf das Teufelshorn (LiG7 1 Meter), den Raucheckkopf (2391 Meter) und nach Norden aul's Hochg'schirr (2261 Meter) genannt sein mögen. Von dem gleichen Ausgangspunkte gelangt man auf das Alpriedhorn (2349 Meter) und Brandhorn (259b1 Meter) im Steinernen Meer und auf den vielbegangenen Hochseiler (2781

Metel) und Hochkönig (2038 Meter) in der Uebergossenen Alm In wenigen Minuten fährt der Zug von der Haltestelle Goncordia-Hütte aus nach Markt Werfen, das am linken Ufer der Salzach liegt. Zwischen der Strasse und dem Flusse steigt ein hoher Felsblock in die Lüfte, auf dem sich die alte Zwingburg Hohen-Werfen erhebt, ein beredtes Zeugniss aus der einstigen Zeit mittelalterlicher Willkür und Rechtlosigkeit. Heute darf man sich allerdings befreunden mit dieser Burg und ihren Reliquien. Das Schönste an dem stolzen Bau ward aber wohl die wundervolle Aussicht auf die farbenreiche Umgebung, den Markt und auf die tief unten schäumende Salzach sein, hauen herrlichen Blick gewährt die Aussichtsterrasse und der Pavillon auf dem Schartenkopf, wohin man von Werfen auf einem reizenden Waldweg gelangt.

Ein stattlicher Markt ist BiSchofshofen, ein wichtiger Knotenpunkt der StaatSbahhlinien, die hier von Salzburg, aus Tirol und aus Nord-Steiermark sich vereinen. Wer nach Mitterberg emporsteigt, dem wird sich in überaus freundlicher Lage eine berückend schöne Aussicht auf ein wunderbares Gebirgspanorama aufrollen. Im Nordwesten bauen sich die riesigen, senkrecht aufsteigenden Felswände der Mannlwand, des Königsköpfls, des kleinen Bratschenkopfs in die Lüfte, während im Südwesten die Schneespitzen der Goldberggruppe in der Rauris aufragen. Eine vielbegangene Partie ist die Über Gäfnfeld nach Mitterberg und auf den Hochkail. Durch den romantischen Hainfeld-Graben über den Karrenweg, immer an der Lehne des linken Bachufers entlang, steigt man dann zur Alm empor. Von der Mitterfeld-Alm geht es auf den Hochkünig, der in der Umgebung von Bischofshofen die Wetterwand genannt wird. Die Partie zählt keineswegs zu den schwierigen. Man gelangt von der Mitterfeld-Alm über die Gaisnase ins Ochsenkaar und ergötzt sich gegenüber der Manndlwand an dem vielstimmigen Echo. Ueber Karrenfelder und Platten geht es zur Schrambachscharte und zum Gletscher über den man ohne Gefahr in einer Stunde dahinschreitet. Nach einer viertelstündigen weiteren Wanderung erreicht man die sogenannte Hochkünigskapelle auf dem Gipfel. Eine ganze Reihe der imposantesten Hochgebirgsbilder fesseln auf diesem Marsche unseren berauschten Blick.

Phot. WÜrthle & Sohn.

WERFEN.

BISCHOFSHOFEN.

ZWEI KLAMMEN.

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Iii

j Natur, diese grosse erhabene Baumeisterin, hat in den österreichischen Alpen an zahlreichen Punkten Herrlichkeiten geschaffen, die wir nichtigen Menschenkinder anstaunen und bewundern, aber nimmer begreifen und verstehen können. Zu jenen grandiosen Merkwürdigkeiten, die unsere Sinne stets wie mit magischer unwiderstehlicher Gewalt erlassen und überwältigen, zählen zweifellos auch die Liechtensteinklamm bei St. Johann im Pongau und die Kitzlochklamm bei der Haltestelle Rauris-Kitzloch im unteren Pinzgau. Die beiden Felsschluchten sind wohl die imposantesten in den Alpen und jeder Besucher derselben wird von der Grossartigkeit ihrer Scenerie überrascht sein. Wenden wir uns zuerst der Liechtensteinklamm zu, so verlassen Wir zu diesem Behüte in der Station St. Johann im Pongau die Eisenbahn und wandern vom Bahnhofe über die Salzach und den Wagreinbach nach dem südwärts gelegenen Blankenau. Hier vcrlässt man den Wagen oder Omnibus, der uns hiehergebracht, und steigt aufwärts. Ueber die Grossarler-Ache, die uns aus der Klamm entgegenkommt, gelangt man auf deren linkes Gier und nach kurzem Marsche zum Eingang in die Klamm. Die malerische Enge wird in der sommerlichen Reisezeit von 'lausenden von Alpenfreunden besucht, und jeder ist von den donnernden Wasserstürzen der Ache, deren weisser glitzernder Schaum hochauf zu den Brücken, Stegen und Treppen spritzt, überrascht. Bald treten die dunklen Steinwände oben, bald tieler unten näher zu einander, bald wirft die Sonne ihre goldigen Lichter in diese scheinbare Unterwelt, bald ist es wieder höhlenartig dunkel und düster in diesem Reich der mächtigen Naturgewalten. Da und dort öffnen sich Perspectiven und Einblicke in diese grandiose Werkstätte unsichtbarer Erd- und Wassergeister, die von geradezu märchenhafter Schönheit sind. Dann stehen wir wieder tief unten und senden unseren Blick empor zu all' den hoch in den Lüften hängenden, leichten und luftigen Uebergängen, bald lassen wir von den hohen Brücken herab das Auge diese unbeschreiblichen Scenerien in sich aufnehmen. Wir wandern und wandern, bleiben aber doch hundertmal auf diesem Wege stehen, und betrachten mit immer neuem Staunen, immer neuer Ver-

wunderung diese eigenartige, tolle, phantastisene Welt. Unsere Seele erfüllt ein Grauen, ein Bangen und Fürchten, aber doch auch wieder hohe Bewunderung vor dem ewigen Walten der erhabenen Natur, der Jahrtausende und Jahrtausende nicht mehr sind, als ein Augenblick im Leben der Menschen. Die Klamm, die eine Länge von ungefähr 1800 Meter besitzt, wird bis zum höchstgelegenen Wasserfall leicht in einem Halbstündchen durchschritten. In einer Ausweitung ist eine kleine Schankwirthschaft etablirt, in welcher der Wanderer eine Stärkung zu sich nehmen kann.

Die Kitzlochklamm, welche von der Rauriser-Ache durchströmt wird, zeigt einen von der Liechtensteinklamm durchaus verschiedenen Charakter, obgleich auch hier Brücken und Brückchen, Stege und Stiegen die Verbindung zwischen den einzelnen Terrassen und Terrainverschiedenheiten herstellen. Auch diese Klamm, deren Begehung ein und eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, ist in vorzüglicher Weise zugänglich gemacht. Auch hier stürzen und brausen die wilden Wasser der Ache über Felsenhänge und zeigen die seltsamsten Barbenspiele im funkelnden Sonnenleuchten. Man könnte fürwahr stunden- und stundenlange in diesem Reiche der Erd- und Wassergeister, in dieser Welt aus vorsintfluthlichen Tagen verweilen und kann sich nur schwer von ihr trennen. Die Liechtensteinklamm, die längste aller Klammen in den österreichischen Alpen, übertrifft alle an Grossartigkeit der Effecte, die oft geradezu überraschend, staunenerregend sind. Ueber 21 Brücken und Treppen führt der, theilweise auch dem Fels abgetrotzte Weg durch die Klamm über die tobende Ache dem Kessel zu. Hinter der kleinen Ausweitung beginnt der zweite Theil der Klamm, der noch weit wilder und romantischer ist, als der vordere. Auf diesem Wege durchschreitet man einen sechzig Meter langen Tunnel, neben dem die Ache in einem bereits vorhin erwähnten 53 Meter hohen Fall unter donnerndem Gebrause hereinstürzt.

Nahe dem Ausgange aus der Klamm passirt man noch einen mehr als 50 Meter langen Tunnel, der uns aus dem Gebrause der Welt der Berg- uud Waldgeister hinaus ins Freie auf ebenen Weg führt, auf dem wir nach längerem Marsche nach Landsteg und auf die Strasse nach Rauris gelangen.

Pbol. Stengel & Cie.

Li echtensteinklamm. Kitzlochklamm.

DAS GASTEINER THAL.

iner alten Sage nach sollen die Heiligen Primus und Felicianus in der Einöde des heutigen Wildbades als fromme Einsiedler gelebt haben. Auf ihre Fürbitte habe Gott die Heilquellen am Badberge entspringen lassen. [Cntdeekt aber seien diese Quellen worden, als einst ein Jager von Goldeck einen angeschossenen Hirsch bis ins Gasteiner Thal verfolgte und ihn dann gefunden habe, wie er sich in der Nähe der Einsiedler im Wasser der warmen Quellen gebadet. Zur Zeit der Kaiser Diocletian und Maximian fanden die genannten beiden Heiligen in Born den Märtyrertöd, Alte Oelgemälde stellen diese Episoden aus dem Lehen der beiden Märtyrer dar. Die Kenntniss von dem Gasteiner Thale reicht jedoch in viel frühere Epochen zurück. Schon im Jahre 15 v. Chr. wurde der Bergbau in Gastein, Gästuna oder Gastun etc. betrieben und sollen damals die Bergwerke sehr reich an Gold gewesen sein. Nach einer Herrschaft von 400 Jahren mussten die Römer der Völkerwanderung weichen. Bei ihrem Abziehen aus dem Thale und der ganzen Gegend hatten dieselben auch die Bergwerke zerstört, Erst im Jahre 719 sollen die Wenden und Slaven, die sieh in den Tauern gegen Ende des fünften Jahrhunderts und bis ins siebente Saeculum hinein angesiedelt hatten, den Bergbau wieder eröffnet haben. Das Christenthum wurde im Thale der Gasteiner-Ache vom heiligen Huppert, der das Salzburger Bisthum gegründet, eingeführt. Als Badeort war Gastein schon im XIV, Jahrhundert sehr bekannt. 1430 nahm daselbst Erzherzog Friedrich 111. von Oesterreich einen sieben-wöchentlichen Curaüfenthalt. lö(,>l zog mit fabelhaftem Prunk Erzbischof Wolf Dietrich in Gastein ein. Gastein hatte seither eine grosse Zahl hervorragender Persönlichkeiten als Gäste beherbergt, am öftesten war jedoch König Wilhelm, der nachmalige deutsche Kaiser, in Gastein als Curgast erschienen. Wiederholt nahm auch Kaiser Kranz Josef und Kaiserin Elisabeth in dem weltberühmten Badeorte Aufenthalt. Die Tausende und Tausende, die in jedem Sommer von der Eisenbahnstation Bend zu Wagen oder zu Fuss aus der Thalsohle des Unter-Pinzgau bergauf ziehen, wissen über die Wunder, die sie geschaut, in begeisterter Weise zu erzählen. Je weiter die Wanderung der grün-weissen Ache entgegengeht.

desto grossartiger tritt der Charakter der Alpennatur hervor, desto überwältigender und packender prägt sieh die erhabene Hoch-gebirgswelt aus. Aus dem Düster der Lelsenenge gelangt man in die sich erweiternde breite Thalstufe, und an Dorf Gastein vorüber, nach Hofgastein, welches im XVI. Jahrhundert wegen des damals hier betriebenen Gold- und Silberbergbaues viel bedeutender war. Das eigentliche Ziel der Gasteinfahrer ist aber Wildbad-Gastein, zu dem auf beiden Seiten der Ache Lahrwege ziehen. Der Anblick des Weltcurortes, dessen Gebäude an beiden Thalseiten zerstreut liegen und in den in der Mitte in gewaltigen Massen die Ache in zwei wasserreichen Fällen herniederbraust, übertrifft alle Vorstellungen. Die colossale Wasserkraft wird neuestens zur Herstellung der elektrischen Beleuchtung des Ortes verwendet. Von höchster Bedeutung sind die heissen, Jahrtausende alten Heilquellen, die seit etlichen Jahren Figenthum des Kaisers Franz Joseph sind. Die kräftige Heilwirkung gegen rheumatische und gichtische Leiden haben den Ouellen wohl für immerwährende Zeiten Weltruf gesichert. An Spaziergängen, an unvergleichlich schönen, erhabenen Aussichtsbildern ist Gastein überreich. Wandert man z. B. vom Centrum des Curortes, vom Straubingerplatz, die Strasse zwischen dem Hotel Straubinger und der Post in der Richtung gegen das Schwaiggerhaus, so entfaltet sich vor uns das schluchtartige prachtvolle Thal, dessen Abschluss im Hintergrunde die »Wetterwand« und das »Steinerne Meer« ist. Die »Schwarzenberg-Anlagen«, von denen aus sich unser linksseitiges Bild präsentirt, die »Kaiserin Elisabeth-«, die Erzherzog Johann-«, die »Kaiser-Promenade« u. A. fesseln den Besucher durch wundervolle Scenerien. Nicht vergessen darf das liebliche Büekstein werden, in dem noch manche Häuser alte Wappen zeigen, welche an den einstigen Goldsegen des Thaies erinnern. In einem der Häuser in Böckstein wird an bestimmten Tagen der Woche die sogenannte Goldwäsche vorgenommen, zu der sich stets Curgäste als Zuseher einfinden. An Ausflügen von ähnlichem Reiz und Zauber dürften wohl wenige Badeorte in unseren Alpen so reich sein, wie Wildbad-Gastein. Da ist vor Allem die Partie nach der Prossau, die zumeist durch Wald führt. Das Anlaufthal, das Nassfeld bieten weiters dem Touristen herrliche Zielpunkte.

Pliot. Wtirthle ft Sohn

"WILTBAD - G ASTEIN.

HOF-GASTEIM.

WILDBAD - GASTEIN.

ZELL AM SEF

loch vor mehreren Decennien war Zell am See ein ziemlich unbedeutendes, wenn auch Jahrhunderte altes Oertchen in Mitter-Pinzgau. Zu Anfang der Sechzigerjahre unseres Säculums war es eine Idylle. Gegenwärtig ist der an-muthig am westlichen Gestade, zu Füssen der Sehmittenhöhe liegende Markt mit seinen zahlreichen vornehmen Hotelseine der besuchtesten Villeggiaturen, ja in der Hochsaison mit distinguirten Besuchern geradezu überfüllt. Der saubere Ort, der mit seiner prächtigen alten Kirche, dem Pfarrhaus, den vielen malerischen alten Wohnhäusern und stolzen modernen Unterkunftsstätten ein entzückendes Bild gibt, ist zum grössten Theile auf angeschwemmtem Terrain erbaut, das weit in die spiegelnde Seefluth hineinreicht. Im Westen des Ortes steigt ziemlich steil der Haupt-Attractionspunkt der Gegend auf, die 1968 Meter hohe Schmittenhöhe, welche bis zur Hälfte bewaldet ist und auf ihrer grünen Kuppe das weithin sichtbare Gasthaus trägt. Das Gebirgspanorama, das sich von hier oben entrollt, ist als eines der schönsten in den deutschen Alpen bekannt. Fs reicht vom Hochgolling im Osten über die ganzen hohen Tauern bis zu den Zillerthaler Alpen, im Norden über die nördlichen Kalkalpen vom Kaisergebirge bis zum Dachstein. Wem das besondere Glück zu Theil wird, auf der Höhe reines, klares Wetter zu finden, der wird sieh an den Bildern voll Majestät, voll Glanz und Bracht nicht sattsehen können. Tief unten breitet sich, ein dunkles Auge im grünen Land, der liebliche Zeller See aus. Einer uralten Sdte zufolge, findet alljährlich am dritten Sonntag im August auf der Schmittenhöhe das Rangelfest statt, zu dem sich die strammsten Burschen aus der ganzen Gegend einlinden. Die Höhe, welche auf trefflichen Wegen sehr bequem zu erreichen ist, wird ausser von Fussgehern und Sesselträgern auch von Reitthieren und Einspännern begangen. Ein reizvoller Blick bietet sieb vom Orte aus auf die jenseits des Sees im Osten aufsteigenden grünen Almhöhen; noch grossartiger ist aber wohl die Aussicht ungefähr von der Mitte des Sees nach Südwesten auf die Spitzen der Hohen Tauern, von denen ganz besonders das Gletscherfeld und die prächtige Firnpyramide des Kitzsteinhorn (3204 Meter) fesseln, die sich in dem klaren Wasserbecken spiegeln. Wendet man sich der nordöstlichen Richtung

zu, so bannt hier das überwältigende Gemälde des riesenhaften Gemäuers der Kalksteingebirge des Steinernen Meeres das Auge und gibt einen markanten Contrast in Gestalt und Farbe zu den Gipfeln der Hohen läutern, die in schneeigem Weiss erglänzen. Im Norden heben sieh einige Felsenpartien des Reiter-Alpgebirges in die Lüfte. Von Süden her tritt der Unter-Pinzgau bis knapp an den Zeller See heran, im Norden der Mitter-Pinzgau, ein überaus freundlicher Landstrich. Der Verkehr auf dem See, der namentlich im Sommer durch die zahlreichen Fremden sich recht lebhaft gestaltet, ward von einem kleinen Dampfer und vielen Booten aufrecht erhalten. Das Wasser des Sees ist seiner warmen Quellen wegen ungemein angenehm zum Baden und Schwimmen, so dass es immer eine anselmliehe Coloriie in den milden Fluthen gibt. Zell, die Ausgangsstation der Krimler Localbalm, bietet dem Besucher sowohl im Thal wie auch auf den Höhen eine stattliche. Auswahl von Ausflugspunkten, bei denen man entweder die Eisenbahn, den Propeller oder einen Wagen benützen kann. Vor Allem ist das im Süden liegende stylvoll restaurirte, schöne alte Schloss Fischhorn ZU erwähnen, das man entweder von der nahen Eisenbahnstation Bruck-Fusch rasch erreichen kann oder auch vom südöstlichen Ende des Sees. Es ist Eigenthum des regierenden Fürsten Johann von und zu Liechtenstein. Ein anderes gleichfalls hübsches altes Schloss, das dicht am nördlichen Seeufer sich erhebt, ist Prielau, dem die .Sommergäste von Zell gerne einen Besuch abstatten. Die Zahl der grösseren Bergpartien, die von erprobten Alpinisten von dem vielbesuchten Oertchen unternommen werden, ist sehr bedeutend. Besonders stark werden die Uebcr-gänge durch das Glemmthal über Saalbach nach Kitzbühel, nach Norden bis Maishofen, nach Viehofen und Saalbach benützt. Mit der vorhin erwähnten, im Jänner 1898 eröffneten Localbahn nach Krimml, ist dem Naturfreunde der bequeme Besuch der Krimmler-Fälle ermöglicht. Sieht man den obersten Fall, der aus einer Höhe von 140 Metern in einem einzigen Sturze sich in die Tiefe ergiesst, auch bereits vom Dorfe Krimml aus, so kann man sowohl diesen als auch die beiden anderen doch erst vom Alpenvereinsweg am linken Ufer in ihrer ganzen Herrlichkeit besichtigen.

Phot. Stengel & Cie.

ZELL AM SEE.

Schloss Fischhorn

DAS GASTEINER THAL.

Iner alten Sage nach sollen die Heiligen Primus und Felicianus in der Einöde des heutigen Wildbades als fromme Einsiedler gelebt haben. Auf ihre Fürbitte habe Gott die Heilquellen am Badberge entspringen lassen. Entdeckt aber seien diese Quellen worden, als einst ein Jäger von Goldeck einen angeschossenen Hirsch bis ins Gasteiner Thal verfolgte und ihn dann gefunden habe, wie er sich in der Nähe der Einsiedler im Wasser der warmen Quellen gebadet. Zur Zeit der Kaisei- Diocletian und Maximian landen die genannten beiden Heiligen in Rom den Märtyrertod. Alte Oelgemälde stellen diese Episoden aus dem Leben der beiden Märtyrer dar. Die Kenntniss von dem Gasteiner Thale reicht jedoch in viel frühere Epochen zurück. Schon im Jahre 15 v. Chr. wurde der Bergbau in Gastein, Gastuna oder Gastun etc. betrieben und sollen damals die Bergwerke sehr reich an Gold gewesen sein. Nach einer Herrschaft von 400 Jahren mussten die Römer der Völkerwanderung weichen. Bei ihrem Abziehen aus dem Thale und der ganzen Gegend hatten dieselben auch die Bergwerke zerstört, Erst im Jahre 719 sollen die Wenden und Slaven, die sich in den Tauern gegen Ende des fünften Jahrhunderts und bis ins siebente Saeculum hinein angesiedelt hatten, den Bergbau wieder eröffnet haben. Das Christenthum wurde im Thale der Gasteiner-Ache vom heiligen Ruppert, der Jas Salzburger Bisthum gegründet, eingeführt. Als Badeort war Gastein schon im XIV. Jahrhundert sehr bekannt. 1436 nahm daselbst Erzherzog Friedrich III. von Oesterreich einen siebenwöchentlichen Curaufenthalt. 1591 zog mit fabelhaftem Prunk Erz-bischof Wolf Dietrich in Gastein ein. Gastein hatte seither eine grosse Zahl hervorragender Persönlichkeiten als Gäste beherbergt, am öftesten war jedoch König Wilhelm, der nachmalige deutsche Kaiser, in Gastein als Curgast erschienen. Wiederholt nahm auch Kaiser Franz Josef und Kaiserin Elisabeth in dem weltberühmten Badeorte Aufenthalt. Die Tausende und Tausende, die in jedem Sommer von der Eisenbahnstation Lend zu Wagen oder zu Fuss aus der Thalsohle des Unter-Pinzgau bergauf ziehen, wissen über die Wunder, die sie geschaut, in begeisterter Weise zu erzählen. Je weiter die Wanderung der grün-weissen Ache entgegengeht,

desto grossartiger tritt der Charakter der Alpennatur hervor, desto Überwältigender und packender prägt sich die erhabene Hoch-gebirgswelt aus. Aus dem Düster der Felsenenge gelangt man in die sich erweiternde breite Thalstufe, und an Dorf Gastein vorüber, nach Hofgastein, welches im XVI. Jahrhundert wegen des damals hier betriebenen Gold- und Silberbergbaues viel bedeutender war. Das eigentliche Ziel der Gasteinfahrer ist aber Wildbad-Gastein, zu dem auf beiden Seiten der Ache Fahrwege ziehen. Der Anblick des Weltcurortes, dessen Gebäude an beiden Thalseiten zerstreut liegen und in den in der Mitte in gewaltigen Massen die Ache in zwei wasserreichen Fällen herniederbraust, übertrifft alle Vorstellungen. Die colossale Wasserkraft wird neuestens zur Herstellung der elektrischen Beleuchtung des Ortes verwendet. Von höchster Bedeutung sind die heissen, Jahrtausende alten Heilquellen, die seit etlichen Jahren Eigenthum des Kaisers Franz Joseph sind. Die kräftige Heilwirkung gegen rheumatische und gichtische Leiden haben den Quellen wohl für immerwährende Zeiten Weltruf gesichert. An Spaziergängen, an unvergleichlich schönen, erhabenen Aussichtsbildern ist Gastein überreich. Wandert man z. B. vom Centrum des Curortes, vom Straubingerplatz, die Strasse zwischen dem Hotel Straubinger und der Post in der Richtung gegen das Schwaiggerhaus, so entfaltet sich vor uns das schluchtartige prachtvolle Thal, dessen Abschluss im Hintergrunde die »Wetterwand« und das "Steinerne Meer« ist. Die »Schwarzenberg-Anlagen«, von denen aus sich unser linksseitiges Bild präsentirt, die -Kaiserin Elisabeth-«, die »Erzherzog Johann-«, die »Kaiser-Promenade« u. A. fesseln den Besucher durch wundervolle Scenerien. Nicht vergessen darf das liebliche Böckstein werden, in dem noch manche Häuser alte Wappen zeigen, welche an den einstigen Goldsegen des Thaies erinnern. In einem der Häuser in Böckstein wird an bestimmten Tagen der Woche die sogenannte Goldwäsche vorgenommen, zu der sich stets Curgäste als Zuseher einfinden. An Ausflügen von ähnlichem Reiz und Zauber dürften wohl wenige Badeorte in unseren Alpen so reich sein, wie Wildbad-Gastein. Da ist vor Allem die Bartie nach der Brossau, die zumeist durch Wald führt. Das Anlaufthal, das Nassfeld bieten weiters dem Touristen herrliche Zielpunkte.

l'hot. Wiirthle & Sohn

WILOBAD-GASTEIN. H0F - QASTEIN. WILDBAD-GASTEIN.

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M SEF

zu, so bannt hier das überwältigende Gemälde des riesenhaften Gemäuers der Kalksteingebirge des Steinernen Meeres das Auge und gibt einen markanten Contrast in Gestalt und Farbe zu den Gipfeln der flohen Tauern, die in schneeigem Weiss erglänzen. Im Norden heben sich einige Felsenpartien des Reiter-Alpgebirges in die Lüfte. Von Süden her tritt der Unter-Pinzgau bis knapp an den Zeller See heran, im Norden der Mitter-Pinzgau, ein überaus freundlicher Landstrich. Der Verkehr auf dem See, der namentlich im Sommer durch die zahlreichen Fremden sich recht lebhaft gestaltet, wird von einem kleinen Dampfer und vielen Booten aufrecht erhalten. Das Wasser des Sees ist seiner warmen Quellen wegen ungemein angenehm zum Baden und Schwimmen, so dass es immer eine ansehnliche Colonie in den milden Fluthen gibt. Zell, die Ausgangsstation der Krimler Localbahn, bietet dem Besucher sowohl im Thal wie auch auf den Höhen eine stattliche* Auswahl von Ausflugspunkten, bei denen man entweder die Eisenbahn, den Propeller oder einen Wagen benützen kann. Vor Allem ist das im Süden liegende stylvoll restaurirte, schöne alte Schloss Fischhorn zu erwähnen, das man entweder von der nahen Eisenbahnstation Bruck-Fusch rasch erreichen kann oder auch vom südöstlichen Ende des Sees. Es ist Eigenthum des regierenden Fürsten Johann von und zu Liechtenstein. Ein anderes gleichfalls hübsches altes Schloss, das dicht am nördlichen Seeufer sich erhebt, ist Prielau, dem die Sommergäste von Zell gerne einen Besuch abstatten. Die Zahl der grösseren Bergpartien, die von erprobten Alpinisten von dem vielbesuchten Oertchen unternommen werden, ist sehr bedeutend. Besonders stark werden die Ueber-gänge durch das Glemmthal über Saalbach nach Kitzbühel, nach Norden bis Maishofen, nach Viehofen und Saalbach benützt. Mit der vorhin erwähnten, im Jänner 1898 eröffneten Localbahn nach Krimml, ist dem Naturfreunde der bequeme Besuch der Krimmler-Fälle ermöglicht. Sieht man den obersten Fall, der aus einer Höhe von 140 Metern in einem einzigen Sturze sich in die Tiefe ergiesst, auch bereits vom Dorfe Krimml aus, so kann man sowohl diesen als auch die beiden anderen doch erst vom Alpenvereinsweg am linken Ufer in ihrer ganzen Herrlichkeit besichtigen.

Phot. Stengel & Cie.

ZELL AM SEE.

Schloss Fischhorn.

FUSCH-FERLEITEN ERTHAL.

nstreitig eines der malerischesten und lieblichsten, aber auch besuchtesten von allen Tauernthülern ist das Busch-Bei leitener Thal, welches von der Eisenbahn-Station Bruck-Fusch auf bequemer Fahrstrasse über Dorf Fusch erreicht wird. Bis zum Bären-Wirthshause, einer alt-renommirtcn Einkehrstätte, ist die Strasse vorzüglich, von da führt allerdings nur ein bescheidener, doch immerhin guter Fahrweg herab ins Buscher Thal, zu dem weitbekannten HÖh'enluftCUrort Bad Busch oder St. Wolfgang, das 1134 Meter hoch liegt, hau anderer breiter Weg für Fuhrwerke nach dem vielbesuchten Badeörtchen, der zumeist benützt wird, zweigt bereits bei dem Dorfe Fusch nach links ab und führt am rechten Ufer der Ache nach Baal Busch. Beide Thäler sind reich an überraschenden Naturschönheiten. Bad Busch ist ein landschaftliches Juwel. Mit seinen Nadelwäldern, tiefgrünen Matten, seiner ozonreichen, stärkenden Hochgebirgsluft und den heilkräftigen Quellen für Magenleiden ist es ein Zielpunkt für stadtmüde Menschen. Die Umgebung des Bades trägt allerdings mehr einen freundlichen als grossartigen Charakter zur Schau. Berückend schön ist von hier aus der Blick auf das Crosse Wiesbachhorn. Schon vom Dorfe Fusch weg gibt es mehrere, überaus lohnende Spaziergänge, so z. B. zu dem eine Viertelstunde entfernten, im Westen liegenden Hirzbach-Wasserfall, der sich sehr hübsch präsentirt. Sehenswerth ist auch die Sulzbach-Klamm mit dem Wasserfall. Eine leichte und überaus lohnende Bartie ist die auf das Imbachhorn (2469 Meter), über die Hirzbach-Alm und von da in zweiundeinhalbstündigem Marsche zur schönen Aussicht. Mehr Zeit beansprucht allerdings die Tour auf die Hohe Tenn (3369 Meter), doch bietet auch diese keinerlei Schwierigkeiten. Hingegen ist die Bartie über das Hirzbach-Thörl zur Rainer-Hütte wohl nur den erprobten Bergsteigern anzuempfehlen. Der unansehnliche Fahrweg vom Bären-Wirthshaus tun linken Ufer der falscher Ache führt durch ein enges, schluchtartiges Thal empor auf den ebenen Ferleitener Thalboden. Die ganze Ansiedlung besteht nur aus einigen bescheidenen Häuschen und einer Kapelle. Im Wirthshaus Bukashansl, welches am jenseitigen Bachufer isolirt steht, ist der Fremde gut aufgehoben. Den herrlichen Hintergrund

des Thaies schliessen schimmernde Gletscher und Firnspitzen in ganz unbeschreiblich grossartiger Weise ab. Kein Gemälde vermag uns diese Erhabenheit wiederzugeben, keines uns jene Zauber festzuhalten, die uns hier gelangen nehmen. Die Riesenberge mit ihren Schnee- und faskuppen bannen hier Aug' und Sinn. Im Osten steigen der Kloben (2934 Meter) und der Spielmann (3026 Metel-) majestätisch auf. Von diesem sinkt nach Westen die vielbegangene Pfandl-Scharte (2668 Meter) ab, von welcher sich, gleichfalls im Westen, das lirnbedeckte Sonnenwelleck (3248 Meter) und das breite Massiv des Buseherkaarkopfs (3)321 Meter) erheben.

In den obersten ddialgrund, ins romantische Käferthal, das kein echter Naturfreund unbesucht lassen wird, führt ein Karrenweg am linken Ufer der Ache über die Vügal-Alm und weiter zur Juden-Alm. Zum Wasserfall und zum Gletscher sind dann nur mehr einundeinhalb Stunden Weges. Eine lohnende Bartie ist jene auf die Trauner Alm, deren Hütte im Sommer bewirtschaftet ist. Von hier zeigt sich das herrliche Käfer-Thal mit seiner eisgepanzerten Umwallung, dem Buschcr Eiskaar, in berückender Grösse. Andere Touren, die nicht unterlassen werden sollen, sind die zur Schwarzenberg-Clubhütte und zur Walcher Alm. Der am meisten frequentirte Weg zum Glocknerhaus, welcher durch die kleine Mulde steil gegen Süden ansteigt, ist der Weg über den Bfandl-Scharten-Gletscher zur Pfandl-Scharte, Ueber die untere Pfandl-Scharte läuft die Grenze zwischen Salzburg und Kärnten hin. Von der Scharte geht es zum Pfandibach und von da zur ungefähr zwei Stunden entfernten Franz Josephs - Höhe, welche unser Bildchen zeigt. Für Alpinisten ist Ferleiten das wahre Dorado, ein Haltepunkt inmitten einer grandiosen Hochgebirgswelt, wie sie abwechslungsreicher kaum mehr zu finden sein dürfte. Nebst den bereits erwähnten Uebergängen, die gleichfalls von Ferleiten ihren Ausgang nehmen, führt von da weg ein leichter Uebergang über das Fuscher Thörl und den Heiligenbluter-Tauern nach Heiligenblut. Allerdings empfiehlt sich derselbe nur für jene Touristen, welche die Glocknergruppe nicht berühren, doch direct ins Drau-oder Pusterthal gelangen wollen. Ein anderer Uebergang von Ferleiten ist der über die Bockkaar-Scharte und das Riffel-Thor.

Phot. L, IV. Wüithle & Sohn; II,, III, Stengel & Cie.

Ferleiten. Fusch - Ferleitner ■ Thal. Pfandl - Scharte.

Franz Josefs-Höhe. Ead Fugch.

DAS KAPRUN ERTHAL.

ne Wanderung von Zell am See in das Kaprunerthal gehört ZU den abwechslungsreichsten und erhebendsten Touren in der Tauernwelt. Das Kaprunerthal übertrifft zweifellos an grandioser Seenerie alle übrigen nördlich gelegenen Thäler in der Tauernkette, und kann sein Besuch nicht genug warm empfohlen werden. Es ist leicht und rasch, sowohl Vpn Zell wie auch von Bruck-Filsch zu erreichen und bietet beste und bequemste Unterkunft. Von Zell weg geht es zuerst auf der grossen Binzgauer Poststrasse südwärts und dann nach Westen bis Fürth, wo ein Fahrweg von der Poststrasse abzweigt. Fin Fusssteig führt durch das Moos zur Salzachbrücke, über diese auf das rechte Ufer und auf dem Fahrwege am alten Schloss Kaprun vorbei nach dem Alpenörtchen Kaprun, das den Besucher am Eingange ins reizvolle Thal begrüsst. Hier zeigt sich das majestätische Kitzsteinhorn in seiner vollen Zauberpracht. Grüne Culturen umgeben das Dörfchen. Eine Gehstunde weiter betritt man die >Graf Sigmund Thun-Klamm«, die von der wilden brausenden Kapruner-Ache durchtobt wird. Am Birgkogel hebt sieh die Strasse ziemlich beträchtlich und gewährt einen schönen Rückblick. Ueber die hohe Bilinskibrücke gelangt man auf das linke, kurz nachher wieder aufs rechte Ufer in die Wüstelau. Auf dem weiteren, fast ebenen Weg sehen wir rechts die Neubrunnenwand, vorne den Königs-Stuhl. Fs geht in den Ebenwald und steiler hinan, vorbei an den sogenannten > Käskellern«, kleinen Höhlen, zum Kesselfall-Alpenhaus, das 10.33 Meter hoch liegt und dem Gaste allen Comfort bietet. Der im Style eines Binzgauer Bauernhofes gehaltene, elektrisch beleuchtete Gasthof ist stets von Sommerfahrern stark besetzt. Unmittelbar beim Höfel fesselt der grossartige Kesselklamm-Wasserfall, den vier bis fünf Bäche bilden, die sich in einen wilden Kessel stürzen. Im Sommer wird dieser imposante Fall in den Abend-Stunden elektrisch beleuchtet, ein Anblick, der unbeschreiblich schön und effectreich ist. Ein ähnlicher Wasserfall zieht den Reisenden bei der Siegenfeldbrücke an. Vom Gasthof, eleu dichter Nadelwald umgibt, zieht ein neuangelegter trefflicher Saumweg in Serpentinen auf dem linken Ufer der Ache zur vorletzten Thal-stule, den sogenannten Wasserfallboden. Hier nimmt unsere Sinne

ganz und voll das grandiose Bild der beeisten Spitzen der Bärenköpfe und ein Theil, doch nicht die höchste Spitze des Grossen Wiesbachhorn und seiner Nachbarn gefangen. Haben wir den Thalboden durchschritten, so erreichen wir im Hintergrunde die Almhütten und die nahe beieinander stehenden Gasthäuser. Ein Reitpfad hebt sieh vom Wasserfallboden ziemlich steil in mächtiger Curve auf das Plateau des Thalschlusses, zur letzten I lochterrasse, dem Mooserboden. Hier fesselt den Blick der schöne, vielfach zerklüftete Kaarlinger Gletscher, ausserdem aber auch eine grosse Reihe von anderen Fisspitzen und Bergeshäuptern. Von der Rainer-Hütte geht es über das Kapruner Thörl zur Kronprinz Rudolf-(dubhütte; eine sehr lohnende und vielbegangene d'otir. Desgleichen Wird die mühsame, mitunter auch beschwerliche Partie von der Rainer-Hütte über das Riffel-Thor zum Glocknerhaus häufig unternommen. Das Bildchen rechts unten zeigt einen stark frequentirten Punkt jenseits des oberen Basterzenbodens des Grossglockners, die Erzherzog Johann-Hütte auf der Adlersruhe (3388 Meter). Von der aus Schieferblöcken hergestellten Hütte erhält man einen freien

Blick auf den in nächster Nähe befindlichen Gletscher.

Die beiden Mittelbildchen führen uns im Fluge wieder zurück zu den Salzach-Oefen, jener wäldromantischen, zugänglichen Schlucht, durch welche die Salzach unweit Golling zwischen den Ausläufern des Hagengebirges und des Tennengebirges hervorbricht. Das zweite Bildchen gibt eine Ansicht der Veste im Pass Ltieg, der 180(.) ein heissumstrittener Boden gewesen ist. Gegenüber der Strassenfoi tilication liegt an der jenseitigen Wand der Schlucht die sogenannte »Kroatenhöhle«, so benannt, weil die Kroaten dieselbe 1742 besetzt hatten. Am Ende des imposanten Basses fällt der Blühnbach, der Abfluss der Gletscher und Schneefelder der Ueber-gossenen Alm, die im Südwesten liegt, in die Salzach. Den besten Einblick in den interressanten und ungemein pittoresken Pass geniesst man von einem wenige Minuten von der Kapelle Maria-B runneck entfernten Punkte. Sehr lohnend ist von hier eine Wanderung nach Gösau und auf die Zwieselalpe. Auf historischem Boden gelangen wir zur Eisenbahn-Tunnelmündung und zur Eisenbahnbrücke, von WO Strasse und Bahn dann nebeneinander weiterziehen.

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Phot, Wiirthle & Solin

Mooserhoden. Pas, Lueg. Salzach-Oefen. Wasaerfallboden.

Ktiprun.

Erzherzog Johann-Hütte.

DER GROSSGLOCKNER.

]ls die bedeutendste Erhebung in dem gewaltigen Gebirgszuge der Hohen Tauern, ja, als der höchste Berg in den Ostalpen überhaupt, ragt wie ein Monument der Schöpfung an der Grenze von Tirol, Kärnten und Salzburg in hehrer Majestät der Grossglockner auf. Schimmernd und glitzernd in leuchtender Helle, hebt sich sein pyramidenförmiger Gipfel, der eigentlich aus zwei durch eine schmale Schlucht getrennten Spitzen besteht, in Schnee und Eis in die Lüfte. Die höhere Spitze (3798 Meter) zeigt sich als ein schlankes, etwas nach Norden geneigtes, scharf zugespitztes Horn, auf dessen unebenem, felsigem Rücken höchstens zwölf Personen sichere Ruheplätze linden. Das Gestein, aus dem der Grossglockner besteht, ist Thonschiefer, der in Glimmerschiefer übergeht. Der Gipfel ist dunkelgrüner Chloritschiefer. Zum erstenmale wurde derselbe von einer Expedition anno 1800 erstiegen, nachdem ein Jahr vorher die niedrigere Glocknerspitze Cardinal Fürst Salm-Reifferscheidt-Kraut-heim, Bischof von Görz, »genommen« hatte. 1802 wurde eine Ersteigung dieser höchsten Spitze in unseren Alpen von dem General-vicar Hohenwarth und noch in demselben Jahre von Dr. Sehultes vorgenommen. Der ausgedehnteste Gletscher dieses Bergriesen und unserer gesammten Gletscherwelt, ist die Pasterze, ein Eisfeld von ungeheurer Ausdehnung (1 '/+ deutsche Meilen Länge), das den Glockner in einem endlos weiten Kreise umzieht. Will man dem Leser wenigstens ein schwaches Bild dieser grandiosen Welt geben, so wird man wohl den einen oder anderen jener trefflichen Männer zu Wort kommen lassen müssen, welche ihre Fahrten auf diesen Bergriesen in so plastischer und anschaulicher Weise beschrieben haben. Generalmajor v. Sonklar hat seine 1855 unternommene Glocknerersteigung in vorzüglicher Weise geschildert; zehn Jahre früher Schaubach, und ebenso Andere. J. Wagner leitet die Schilderung seiner Fahrt in folgender stimmungsvollen Weise ein: »Der Weg von Heiligenblut bis zum Pasterzen-Gletscher führt uns über steile Felsenabhänge unter dem wechselnden Schatten des Nadelholzes am linken Ufer der Möll nach ungefähr einer Stunde zunächst an der Briccius-Capelle vorüber. Von ihr aufwärts wird der Pfad immer schroffer, hie und da selbst nicht gefahrlos. Die

Bäume werden sparsamer; ihre Grösse verliert sich; altes Moos hängt von ihren dürren Aesten herab; viele derselben hat die Wuth der Stürme dem Boden entrissen. Noch eine Stunde und nur niedriges Krummholz bedeckt die weiten und freien Alpentriften, auf die wir jetzt gelangen. Das Haupt des Grossglockners glänzt in aller Majestät zu uns hernieder. . . Soweit das Auge von hier gegen Nordwesten zu reichen vermag, zieht das Eisfeld des Pasterzen-Gletschers, bei einer Breite von einer Stunde und einer Länge von fünf Stunden sich hin gegen das Alpendorf Kaprun, steigt beinahe ununterbrochen an den Abhängen des Grossglockners empor, verbindet sich dort oben mit den Leiter- und Kaiser-Gletschern an der Seite von Tirol und umgürtet in Verbindung mit dem grossen Pasterzen-Kessel, die Brust und die Lenden des gigantischen Glockners. . . .«

Ein lebendiges Bild des erwachenden Tages, vom Glockner aus gesehen, gibt Schaubach: ». . . Bald nach Mitternacht beginnt der Kampf des Lichtes, des Mondes mit der Sonne, der Nacht mit der Morgenröthe an den Eiswänden des Glockners. Nach zwei Uhr überfliegt zum erstenmale eine blasse Rothe das Marmorgebilde; sie wird jedoch ebenso schnell verdrängt von einer Todten-blässe. Es folgt ein zweiter Ueberwurf, ein rosiger Atlasschleier. Die Rothe verschwindet, der Atlasüberwurf bleibt; bald aber leuchtet unter dem schimmernden Glanz ein glühendes Roth hervor. Ehe jedoch noch der Saum dieses Gewandes die Tiefe erreicht hat, erstarrt das Haupt nochmals in bleicher, abschreckender, bleierner Blässe. Da entblösst endlich das Haupt sich von seinen Schleierhüllen und blickt lachend und glänzend der aufgehenden Sonne entgegen. Donnernd verkünden die allseitig niederstäubenden Lawinen diesen Augenblick. . . .«

Der heute wohl am meisten begangene Weg über die Kette der Hohen Taucrn ist der über die Pfandlscharte, von Ferleiten her. Es geht über den nördlich gelegenen Pfandischarten-Gletscher, von wo sich der Weg nach aufwärts zur Unteren Pfandlscharte zieht, welche mühelos und ungefährlich zu passiren ist. Ueber den südlichen Pfandischarten-Gletscher gelangt man in 1 % Stunden zum Glocknerhaus, das 2143 Meter hoch liegt.

l'liot. atengcl & Cie.

GRCSSGLOCKNER. GLOCKNERHAUS.

TROPPAU.

roppau, die freundlich-nette Hauptstadt des Schlesier-landes, erwuchs an der alten Strasse, die aus dem Marchland an Burg Grätz vorüber nach Polen führte. In der massig weiten Tieflandsbucht, wo sich die Oppa und die Möhra treffen, blühte bereits im XIII. Jahrhunderte ein mit deutschem Recht begabtes Städtewesen. Das Herzogthum Troppau, einst zu Mährens Gauen zählend, schloss sich an die Herzogtümer Schlesiens an und kam 1614 durch kaiserliche Belehnung an das Haus Liechtenstein. Heute zählt Troppau, eine deutsche Stadt mit meist s-laviseher Umgebung, über 24.000 Einwohner. Das Stadtbild gruppirt sich um drei, durch breite (bissen verbundene Plätze. Vom »Niederring«, einem geräumigen, viereckigen Platze, dessen eine Front die breite Facade der Jesuitenkirche und der sie flankirenden Monumentalbauten bilden, führt die vornehmste Verkehrsader — »Zwischenmärkten« — nach dem »Oberring«. Hier steigt aus einem, die Ringmitte füllen Jen Häuserblock, der im Unglücksjahre 1618 vollendete Stadtthurm, in mehreren Stockwerken sich verjüngend, luftig empor. Der gegenüber sich erhebende, zierlich ausgeschmückte Bau des Theaters beherrscht diesen Blatz. Seitwärts vom Oberring ragt der ehrwürdige, düstere rothe Ziegelbau der gothischen Propsteikirche, der erste Zeuge baltisch-nordischen Stiles, wenn man sich von den Donauländern ins Oderland wendet. Wenn sich die nötlligen Geldmittel aufbringen lassen, wird, wie nach den liebevollen und gewissenhalten Studien und Entwürfen von G. Hauben isser in München zu hoffen steht, diese Pfarrkirche eines der herrlichsten Kirchenbaudenkmale von Schlesien werden. (Auf unserem Stadtbilde von Troppau steht diese doppelthürmige Kirche links; rechts davon ist der Rathhausthurm zu unterscheiden, der wegen seines lohnenden Rundblickes, über Grätz bis an die dunklen Rücken und Kuppen des Altvaterstockes und von der Oder- und Oppa-Ebene bis über den Burgberg bei Jägerndorf hinaus reichend, häufig erstiegen wird.) Zu dritt folgt der weitläufige »Franz Josefs-Platz«. In weitem Bogen umspannt ein grüner Kranz schöngepflegter Parkanlagen, an der .Stelle alter Wallmauern und feuchter Gräben, die innere Sta.lt. Bs ist dies eine Schöpfung der letzten Jahrzehnte.

Die Blätze darin sind mit den Denkmälern Kaiser Josefs II., Schiller's und des Komponisten Engelsberg geschmückt. Es darf behauptet werden, in der Schönheit und Zweckmässigkeit seiner städtischen Anlagen kann sich Troppau, mit anderen Städten verglichen, in die erste Reihe stellen; besondere Anerkennung verdienen die Neuherstellungen beim Engelsberg-Denkmal und am sogenannten Vogelberge. Der rastlose Umwandlungsprocess unserer Zeit hat auch Troppau mächtig ergriffen. Nicht nur einzelne Neubauten — wie Schulgebäude, das Stadttheater, das Landesgericht, Kasernbauten, die Irrenanstalt, die Rost, das kuppelgesehmückte Kaiser Franz Josefs-Museum für Kunst und Gewerbe, ein wahrhaft hervorragender Bau mit vornehmen, sympathischen Innenräumen — sondern ganze Stadttheile von grossstädtischem Charakter sind an der Peripherie neu entstanden. Die innere Stadt dagegen bewahrt in den entlegeneren Gassen noch manche Bauprobe aus dem vorigen und aus früheren Jahrhunderten, die Zeugniss für die Anspruchslosigkeit jener Zeiten ablegen können. Von den Vorstädten ist die gegen Norden gelegene, die Jakta-Vorstadt, von einem prächtigen Barke begrenzt, welcher eine Anlage aus dem Beginn dieses Jahrhundertes ist. Die Umgebung der Troppaucr Thal-buchtung vermag begreiflicherweise nur bescheidene landschaftliche Reize zu bieten; in breiten Wellen und Stufen steigen gegen Süden die Ackerfluren allmählich zur Hochfläche des niederen Gesenkes, und dort liegen auch die Ausflugsziele: Schloss llrahin, Badun und vor allen Schloss Grätz. Hier haben die Möhra und ihre Zuflüsse steile Bergzungen aus dem Gestein herausgewaschen, und auf solchem vorspringenden Rücken liegt das Schloss Grätz des Fürsten Bichnowsky, weitläufige Bauten, die besonders imposant in ihren Neuanlagen, Backsteinbauten im Style der englischen Gothik, hervortreten. Der Anblick ist ein überraschend wirkungsvoller von den Höhen westlich der Möhra; ein weiter Bark und schöne Reviere erhöhen die landschaftlichen Vorzüge dieser Lage.

Troppau besitzt mehrere Fabriken und grössere Betriebe, so für Metallwaren, Maschinen, Drahtwaren, Rahmen, Tuch- und Schafwollwaaren, Chocolade, chemische Broducte, Zündwaaren, eine Brauerei, Liqueurfabriken, bedeutende Zuckerindustrie u. a.

I'hot. I , .Il[ ( IV. Gödel; II. Th Heinrich.

Kaiser Franz Josef-Museum, TROPPAU. Schloss Grata

Pfarrkirche (Propstelkirche).

BIELITZ.

|er von Norden her gegen Bielitz kommt, der empfängt von dieser aufstrebenden deutsehen Grenzstadt und ihrer galizischen Schwesterstadt Biala einen vortheilhaften Eindruck. Die ragenden Gotteshäuser, der wuchtige vierseitige Thurm des fürstlich SulkowskTsehen Schlosses, die ungewöhnlich grosse Zahl der schlanken Fabriksschlote, viele neue villenartige oder mit Thürmchen und Erkern gezierte Privatbauten besseren Stils, alles das gibt, im Vereine mit den nahen karpathischen Gebirgszügen, an deren Fuss die Städte ausgebreitet sind, ein fesselndes Stadt- und Landschaftsbild. Verlässt der Reisende den Bahnhof, so bringt ihn die elektrische Localbahn in das Herz der Stadt Bielitz, zum Stadtberg unterm Schloss, wo raschpulsirendes Leben ihn umgibt' schwere Fabriksfuhrwerke, Arbeiter, Landleute in ihren besonderen Trachten, eilende G eschäftsleute und Agenten. Wolle und Tuch sind zumeist das Leitthema ihres Sprechens und Denkens. Bielitz, mit 16.000 Einwohnern, ist eben eine eminente Industriestadt, in etwa 50 fabriksmässigen Betrieben werden vornehmlich Tuche und schafwollene Modestoffe gefertigt, Textil-Erzeugnisse von wohlbegründetem Rufe. Bielitz-Bialaer Tuche nehmen ihren Weg nach Ungarn, in die Levante, nach Nordafrika und selbst nach Persien hinein. Daneben steht die Fabrication von Spinnerei-, Weberei- und Appreturmaschinen, wie der Bau von Dampfmaschinen und die Papiererzeugung auf bedeutender Stufe. Der Grundlage moderner Entwicklung^ einem intensiven und vielseitigen Unterrichte, liess man hier — vorerst namentlich die grosse evangelische Gemeinde — die grösste Sorgfalt angedeihen. So bestehen jetzt in Bielitz ein Ober-Gymnasium, eine Ober-Realschule, eine höhere StaatS-Gewerbeschüle, Weberei- und Färbereischule, eine evangelische Lehrerbildungs-Anstalt, daneben vielclassige städtische und confessionelle Schulen und Anstalten, alle mit deutscher Unterrichtssprache. Zur Befriedigung ihres Kunstbedürfnisses hat die Bürgerschaft eän schönes Theater erbauen lassen; Bielitz hat in jüngster Zeit auch das Project einer Trinkwasserleitung zur Durchführung gebracht; es hat nach den modernsten Grundsätzen das Kaisei- Franz Josef-Spital, weiter eine Kaserne, eine elektrische Centrale errichtet. Der schönste Platz von

Bielitz ist die Anlage um die evangelische Kirche, wo sich in vvohl-thuender Abgeschlossenheit das Gotteshaus und die zahlreichen, der Jugend gewidmeten Bauten der evangelischen Gemeinde aus dem Grün der Pflanzungen erheben.

Die Bielitzer sind begeisterte Naturfreunde. Im Sommer strebt »die ganze Stadt« hinaus in den vielberufenen »Zigeunerwald« und darüber hinan ins Gebirge; auch die Reichsdeutschen aus den nahen Industriebezirken Preussisch-Schlesiens rücken in immer dichteren Scharen zum Besuche dieser Berge heran. Zu Fuss und Wagen oder mit der 5 Kilometer langen Trace der elektrischen Bahn gelangt man im Bialathal aufwärts zunächst zum sogenannten »CÜrhäüs« im Zigeunerwalde. (Das Bild links oben zeigt diese Haltestelle.) Damit steht man auch schon im schönen städtischen Wald, durch den zahlreiche wohlgehaltene und gut gezeichnete Wege in labyrinthischen Verzweigungen zu den schönsten Aussichtspunkten und lauschigsten Plätzen, andere sachte hinan in erfrischender Bergfahrt zu den Kammwegen führen, die zumeist zu dem neuen Schutzhaus auf der Kamitzer Platte oder noch höher auf den Klimtschok streben, den höchsten Punkt dieser Beskidcn-berge mit 1120 m, oder zur Clementinenhütte auf der Magura. Jeder Tourist muss hiebei dankbar des Verschönerungs-Vereines und des Beskiden-Vereines gedenken: hat doch dieser das villenartige, bethürmte Schutzhaus mit einem Kostenaufwand von nahezu 25.000 fl. gar sehmuck erbaut und gastlich eingerichtet. Da droben ist's gut ruhen und sich zti laben am weiten Ausblick ins dicht-bewohnte, baumreiche Bialathal mit seinen Industrien bis weit ins Weichselflachland hinaus, gegen Mittag auf die glitzernde Sola im Becken von Saybusch, welches von den höchsten Rücken der West-beskiden umlagert wird, und darüber hinaus auf den fernen Hoch-gebirgszauber der Babiagura und die steilen, wilden Zacken der Hohen Tatra. — Um Bielitz-Biala herum schliesst ein Ring von deutschen Dörfern sich zu einer grösseren Sprachinsel in polnischem Gebiet zusammen; die deutschen Bauern haben zum Theil noch ihre Tracht bewahrt, ebenso die deutschen Landfrauen den dunklen Ernst ihrer Gewänder, im Gegensatz zum Farbenreichthum in der Tracht ihrer polnischen Nachbarinnen.

Im Zigeunerwald,

Touristenhaus aui' der Kainitz er Platte. BIELITZ.

Deutsche Tracht.

DAS WEICHSEL-THAL.

|ir halten in Golleschau, einer Station der Städtebahn. Vor uns liegt ein bescheidenes polnisch-SChlesisches Dorf. Wer wollte nieinen, dass man hier auf altem, geschichtlichem Roden steht? — Auf die Bitten des Herzogs Casimir von Oppeln (Oberschlesien) überliess im Jahre 1223 der Bisehof von Breslau den Nonnen bei der Salvätorkirche zu Rybnik den Zehnten etlicher Ortschaften in der Castellatur T eschen und die Hälfte der daselbst zu erhoffenden Neubruch-Zehnten; unter diesen Oeitlichkeiten ist auch »Golesso« genannt. —- Bin kurzer Bahntlügel führt von Golleschau nach dem Markt UstroA. Mächtiges Pochen und Hämmern dröhnt weithin herüber; es herrscht rege Thätigkeit in der ausgedehnten Betriebsanlage der Erzherzog Friedrieh'schen Maschinenfabrik und den Hammerwerken. — Ustrori ist aber auch ein älterer Ourort, wie uns ein Chrono-gramm am Curhause belehrt: Der kgh Prinz Albert (von Sachsen-Teschen) hat diesen Bau errichtet, damit die Leidenden an den heissen Wässern (Schlackenbädcr) Genesung fänden, anno 1802.« (Von den zahlreichen beliebten Ausflugszielen der Ustroner Sommergäste ist in unseren Bildern die schattige Eisenquelle aufgenommen.) Doch wenden wir unsern Blick von dem rastlosen Schaffen der Industrie zur nahen, fesselnden Beskidenlandschaft; liegt ja Östron unmittelbar am Fuss des Gebirges, am Ausbruch der Weichsel in die Ebene. An Östron vorüber führt die Weichsel ihre bergirischen, klaren Wasser — seit wenigen Jahren erst in einem vielfach gebändigten, regulirteri Bette —■ an Skotschau und Schwarzwasser vorbei dem weiten Weichseltieflande gegen Norden entgegen. An der Südgrenze von Östron empfängt uns eine Bergenge an der Gemarkung des Dorfes Weichsel. Der Mittelpunkt von Weichsel ist die evangelische Kirche mit den benachbarten Bauten, worunter die räumige Villa Luisenhof, für Sommergäste bestimmt, hervortritt. Das Dorf Weichsel geniesst seinen Ruf nicht allein als Geburtsstätte der Weichsel; es ist ein Gemeinwesen von der nicht gewöhnlichen Erstreckung von 21 Kilometern mit 5000 Einwohnern und 7 Schulen! Seine Wirtschaften und Chalupen mit ihren bescheidenen polnischen Einwohnern liegen zerstreut über die Thalsohlen und die sanfter abböschenden Gehänge. — Das Quellen-

revier der Weichsel ist allenthalben von Waldgebirgen cingefasst; die langgezogenen Bergkämme umhüllt unabsehbares Walddunkel. Wer die Quellen der Weichsel aufsucht, wendet sich hinter der evangelischen Kirche linkshin auf der guten Bahrstrasse in die tieferen Waldgründe hinein zum erzherzoglichen Forsthause(503 m). Neben rauschenden Wasserschüssen, in denen der kahle Thau der Bergquellen schäumend zerstäubt, vorbei, ist endlich die Gabelung der Weissen und Schwarzen Weichsel erreicht» Die Sehnsucht nach Stille und Ausruhen findet in diesem Wandern und Schauen innige Befriedigung. In tiefem Waldfrieden, wo das Grün de;-Wipfel dem spielenden Sonnenlichte nur stellenweise die Möglichkeit gönnt, die Waldstrasse oder die forellenbelebten Belsbccken und Schnellen des Wildbaches zu verklären, erreicht man in leichtem Anstieg die Quellgründe der Weissen Weichsel (Bialka), die in ihren Steilhängen und dem anziehenden, wenn auch bescheidenen Wasserfall mehr malerische Details bietet, während die Strasse im reizvollen Grunde des Czorhathales, d. i. an der Schwarzen Weichsel entlang, hinansteigt im ernsten Grün stolzer Wälder von d'annen, Fichten und knorrigen Buchen zum einsamen Jagdhause Brzyslup. \ on hier führen verborgene Jagdsteige zur 1214 m hohen Barania empor, an deren abendlichen, moorigen Bösehungen die Wreichsel ihre Quelladern sammelt. Wer die Einsamkeit dieser stundenweiten Reviere nicht übermüthig stört, kann vielleicht einen einsiedlerischen örhahn überraschen, der den lärmenden Menschen hasst, und der die Freude und stolze Zier dieser ehrwürdigen Oeden geblieben ist, die ihm einst der Urwald angewiesen hat. heute von vorsorglicher Weidmannshand geschützt und gehegt. — Die Illustrationen zum Weichsel-Quellgebiet zeigen auch Gestalten schlesischer Goralen. Goral heisst polnisch »Bergbewohner«. Der Mann links, aus Breuna, einem Nebenthal der Weichsel, trägt in seiner Kanne wahrscheinlich sok«, d. h. den süssen Wach-holderbeer-Saft, zum Verkaufe ins Flachland. Beide haben ihre schafwollene braune Gunia (Lodenrock) aufgerollt; den Fuss bedecken die »krpee«. Der Junge rechts, den die Mutter schon in eine zweireihige Marktware gekleidet hat, bringt »Schieissen«, d. s. lange Buchenspäne zum Unterzünden, in die nahe Stadt.

DAS OLSATHAL TESCHEN.

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m äusscrstcn Südosten Schlesiens entspringt die Olsa, ein Zufluss der Oder. Als bescheidenes Wässerchen tritt die junge Olsa zwischen saftigen Wiesenmatten aus verschwiegener Waldwildnis unter dem Kirchhügel des polnischen Bergdorfes Istebna hervor. Istebna ist eine classische Localität im Bau seiner Holzhäuser und der Ursprünglichkeit seiner ehrlichen, genügsamen Bewohner. Leider müssen die »wie Buchen gewachsenen« Bursche, die Freude der Assent-Commissionen, heute immer zahlreicher hinaus in die Ostrauer Kohlenreviere; denn die Heimat ist ihrem Landbau und Senn-Wirthsehaft zu enge geworden. Drum ist es mit Genugthuung zu begrüssen, wenn die Öffentlichen Factoren sich bemühen, das bildungsfähige Volk hier zu lehren, die hochgelegenen Ackerfluren und Bergweiden um ein Mehrfaches ertragreicher zu bebauen. So wurde denn am Salasch Dupny im Mai d. J. feierlich ein Versuchsgarten und Versuchsfeld zur Melioration der Gebirgswiesen und Gebirgshutweiden (Salasche) eröffnet. Der Versuchsgarten ist mit 5830 m- der grösste dieser Art in Oesterreich. — In schönem Thal, das wunderbare Waldesfrische erfüllt, eilt die Olsa in das Becken von Jablunkau. Jablunkau ist der Hauptmarkt für die benachbarten Bergthäler. (Das Volksbild hält einige Typen des oberen Olsagebietcs fest, die eben vom Markte heimkehren, meist schon in der schützenden Kleidung der Herbstzeit.) Der grösste Theil der Stadt ist nach dem Brande neuerbaut; der Bing zeigt noch alterthümliche Holzbauten. Südlich von Jablunkau durchquert dieThalmulde des altberühmten Jablunkau-Passes die Bergkämme in der massigen Höhe von 550 Meter, lieber ihn setzt in einem Tunnel die Kaschau-Oderberger Bahn, die gegen Süden hinab ins Waagthal sich senkt. Sie trägt uns nordwärts im breiteren Olsathal gegen Teschen. Rechts und links schliessen sich waldbedecktc Bergriegel der Beskidcn-Ausläufer zu langer Kette. Von dem letzten links, dem 1032 Meter hohen Jaworowy, herab grüsst, gar traulich einladend, das Frzherzog Friedrich-Schutzhaus. Auch diese Gegend ist reich an schönen und lohnenden Ausflügen. Damit ist auch das grossartige erzherzogliche Eisenwerk Trzynietz mit seinen qualmenden Kaminen erreicht, ein Dorf, in wenigen Jahren zum mächtigen Industrieplatz mit

vielen Einwohnern, Arbeitercolonien und Neubauten erwachsen. Eine hervorragende Sehenswürdigkeit von Trzynietz ist die in Rohziegelbau aussen und innen ausgeführte Patronatskirchc. — Das anmuthige Olsathal öffnet sich, und von massiger Uferhöhe blickt der massige, zinnengekrönte Piastenthurm des Teschner Schlossberges erstaunt in das moderne Getriebe neuer Stadtviertel da unten um den LIauptbahnhof; der Schlossthurm ist der letzte ehrwürdige Zeuge von der ehemaligen, weitläufigen Burg der Piasten-herzoge, die bis 1653 hier oben über das Herzogthum dreschen gut und schlecht gewaltet haben. Auf langem Uferrücken steigt (wie unser Stadtbild, das vom Schlosshügel genommen ist, erkennen lässt) die Altstadt Teschen hinan bis zur hochragenden evangelischen Jesuskirche, um welche wieder ein neues Viertel erwachsen ist, das hauptsächlich dem Gotte Mars dient. Teschen, mit 16.000 Einwohnern, erfreut sich vieler deutscher Schulen, besitzt einige Industrien, lebhaften Handel in Producten; es ist der Sitz der Cameral-Direction Sr. k. u. k. Hoheit des Herrn Frzherzogs Friedrich. Die entfaltete Lage, die vielen Kirchen und Thürme und bedeutenden Bauten verleihen der Stadt, die ein alter Verkehrsknotenpunkt ist, ein wirkungsvolles Aussehen von vortheilhaftem Gesammteindruck. Das älteste schriftliche Denkmal, im welchem wohl noch nicht die Stadt, sondern die Castellatur Teschen erwähnt wird, ist eine Urkunde von Papst Hadrian IV. v. J. 1155. Nach der Gründungssage aber sah der Polenfürst Leschek eines Abends im Westen drei Sterne niedergehen; er gedachte dabei seiner drei Söhne und befahl ihnen, nach dem Westen seines Reiches aufzubrechen und diese Grenzgebiete zu erforschen. Die Söhne zogen auf verschiedenen Wegen mit ihrem Gefolge aus. Nach langem Irren fanden sich Cieszymir und seine Brüder an einer lieblichen Waldquelle durch das Glück des Zufalls zusammen; sie nannten den Ort »Gicszyn«, den Ort der Freude. Noch heute zeigt man in Teschen den Dreibrüderbrunnen. Das soll geschehen sein im Jahre des Heils 810. — Die Teschner besuchen gern das nahe Cameral-Ellgoth; diese Sommerfrische schmiegt sich in ein anmuthiges Thal der Beskiden-Vorberge. Auch hier noch an der westlichsten polnischen Sprachgrenze halten die Frauen zu der reichen Tracht der Teschner Landbevölkerung.

1 Amatei,r K' *lik; 11 ÄmateurJ* M.tnra; IV. R J„tr„mbild; V. I. Kcdal

Aus Istebna und Nachbarschaft. TESCHEN. Trzynietz (Eisenwerke.)

Polnische Tracht (Wallichisch). Schlossthurm in Tesckeu.

DAS OSTRAWITZA -THAL. DIE LISSA.

||ie Lissahorn ist eines der besuchtesten Touristenziele der West-Beskiden. Unser Weg in dieses ostsehlesisehe Bergland führt über die Grenzstadt Friedek, Friedek ÜMSBEÜI haut sich an steiler Uferhöhe hinan. (Jenseits des Grenzbaches Qstrawitza liegt die mährische Schwesterstadt Mistek; beide Städte und die Umgebung sind Sitze einer hochentwickelten Baumwollwaren-In lustrie.) — Ueber dem Parke (auf dem Bilde links) ragt malerisch das erzherzogliche Schloss Friedek. Die Häuserflucht aber wird domini'rt vom hohen, eleganten Thurm

der

kirche; dieser, ein Bauwerk des XYIF. Jahrhunderts, erhielt

seinen edelgeformten gothischen Helm nach Plänen des Dombau-meisters Schmidt und des Architekten Schaden im Jahre 1T876 aufgesetzt. Im Hintergrunde steht auf einem Hügel die doppelthürmige Gnadenkirche, zu der an Marientagen ein vielsprachiger Menschenstrom heranfluthet; viele Tausende Wallfahrer von nah und lern besuchen das Mirakclbild, ein farbenhunles Volksgemiseh in den verschiedensten Trachten: Deutsche, Mährer, Polen, Slovaken, aus Gebirg und Niederland. —■ Weiter rechts tritt aus der Uäuscrmasse der Kuppelbau der städtischen Bürgerschule und eines deutschen Untergymnasiums heraus. ----- In kurzer Bahnfahrt thalaufwärts ist das Städtchen Friedland erreicht und nahe den bischöflichen Eisenhütten ein Markirungs-Knotenpunkt des Beskiden-Vereins" für die Lissabesteigungen. Prächtig bewaldete Berge umrahmen diese grüne Thalöffnung, u. a. gegen Mittag der Steilkegel der Knjchynn, links von ihr der massige (hierrücken des Smrk, mit £282 Metern der höchste Karpathenberg Mährens; ihm gegenüber, durch die tiefe Furche der Ostrawitza geschieden, der gewaltige Lissastock mit vier langen (Hierästen und vielen Vorstufen. Die kegelförmige Lissaspitze überragt mit i'325 Meter Höne alle Berghäupter auf viele Meilen hinaus; sie ist somit der höchste Gipfel der Kleinen West-Beskiden. Ganz besonders frei repräsentirt sie sich beim Kirchlein Borowa, indem sie mit der Westflanke kühn über das Satinathal aufsteigt. (Das Bildehen r. oä Der oberste Lissagipfel selbst ragt bereits über die Waldregion auf; beim letzten Anstieg merkt man ganz auffallig, wie der Wuchs der Fichten zurückbleibt. Das raum-reiche Erzherzog Albrecht - Schutzhaus droben bietet uns die

ersehnte Herberge. Doch wer eilt nicht bald wieder hinaus, das •Auge an erhabener Rundschau über ein gutes Grosstheil der Westkarpathen zu sättigen und nordwärts den Blick zu senken in liebliches Wellenland mit ungezählten Dörfern und Städten betriebsamer Menschen! Gegen Süden sehwarzblauer Wald und Wald, Bergzug hinter Bergzug bis zum Rande duftig dämmernder Blaue, eine Welt waldumrauschter Einsamkeit mit langen Thalböden und glitzernden Bächen, über der selige Ruhe schwebt; im Vordergrund sanftgeschwungene Bergketten des Karpathensandsteines, längs der Waag vielgestaltige Berggrate, die sofort die verschiedene geologische Formation erkennen lassen, rauh und wild, bis zu den beschneiten Zinken der Tatra. —Wer Zeit und Müsse hat, sich in die Geheimnisse der nächsten Bergrcvierc und ihre lieblichen Naturbilder zu vertiefen, und wer ohne flüchtige Hast ihren wundersamen Frieden kosten und innere Finkchr halten will in köstlichem Tannendüft, der besucht vielleicht den Satina-Fall unter dem Ondraschfelscn; oder er mag, unter mächtig hohen Baumwundern in den moosigen Gründen des wilden Mazak-Thales an farnurjcischwankten Gjucll-stürzen einsame Rast haltend, den verborgenen Kindern einer subalpinen Flora seine Aufmerksamkeit zuwenden; oder er soll froh-gemuth am Schanzemvirtshaus vorbei im sonnigen Reeica-Thal zu marschiren bis hinan zum Beskid am weissen Kreuz, an der Gemarkung von Schlesien, Mähren und Ungarn. Für Unterkunft und entsprechende Verpflegung ist auch hier in einem wohnlich und sauber hergerichteten Touristenheim gesorgt. Das ganze Ostraw itza-thal entlang haben sich Sommerparteien, darunter manche ständige, eingestellt, die meisten bei der evangelischen Kirche am Ausgang des Sepetny-Baches. In dem stundenweiten Hauptthal und seinen Abzweigungen mag man ungezählte schattige Plätzchen oder Wildanger beliebig auswählen an den Prachtstrassen dieses schiei endlosen, herrlichen Schwarzwaldes mit seiner »fürstlichen Hochwaldzier«; oder man mag vielleicht in das weltferne Oberalthammer bei der katholischen Kirche sich zurückziehen und bis in tue geheimnisvoll ernsten Waldinterieurs an die Quellen der grünlichen Ostrawitza, an die Czerna oder Bila, vordringen, immer wieder begleitet vom munteren, unermüdeten Gemurr ihrer silberklaren Bächlein.

Phot. I. Th. Wuchekj II,, III

, IV., V. Amateur J Ma

Friedek. Der Satina-Fall Die Lissa. Satinathal.

Unter-Althammer. Das Mazaktnal. Die Lissa,

DAS KOHLENREVIER OSTRAU- KARWIN.

n der erdgcschichtlichen Entwicklungsperiode der Steinkohlen-Formation wucherte in weiten sumpfigen Mulden des Festlandes und in Lagunen am nahen, seichten Kulm-Meer eine üppige, ungemein dichte Vegetation riesenhafter, baumartiger Farne auf mehr festem Boden, schachtelhalmartiger Calamarien in den Sümpfen, vor allen aber besen-förmiger Sigillarien und schuppiger Lepiclodendren, Schäfte von mehr als du Meter Höhe. Diese mächtigen Btlanzenleiber stürzten absterbend in unglaublichen Massen in das conservirende Wasser, welches sie mit Sand und Schlamm bedeckte, so dass sie langsam der Verkohlung zugeführt wurden. Vielleicht haben auch noch zuströmende Gewässer Massen von dd'eibholz herbeitransportirt. So entwickelte sich das oberschlesische productive Kohlenbecken. -— Das Ostrau - Karwiner Kohlenrevier umfasst den nordwestlichen Winkel Ostschlesiens, das Dreieck zwischen der Olsa und Oder, und einige Gebiete darüber hinaus in Preussisch-Schlesien und in Mähren. In einer Bahnreise von wenigen Stunden, die von .Schönbrunn, Mährisch-Ostrau über Oderberg gegen Karwin und dreschen führt, hat man das Doppelbecken umfahren, zum Theil durchschnitten. Auf weite Berne hin verrathen ungeheure, unaufhörlich qualmende Bauchwolken, die oft meilenweit sich vertheilen, diese äusserst dicht bewohnten Kohlengebiete, welche überdies eine kolossale, jährlich wachsende Grossindustrie nähren, eine Industrie, die nicht nur zu den grossartigsten der Monarchie zählt. Wo man das Revier durchreisen mag, allenthalben erblickt man Neuanlagen und Neubauten. Die Bahnstrecke selbst führt an zahlreichen Fabriken und Bergbauen vorbei. Bei Station Schönbrunn zeigen sich zu-

nächst die hohen, schlanken Bsscn

aer

;rossartigen Eisenwerke

von Witkowitz und die zahlreichen Werke von Mährisch-Ostrau. Wer sie besichtigt hat, trägt einen überwältigenden Eindruck, ein unvergessliches Bald davon. Des Nachts strahlt weithin magischer Feuerschein gielles Licht über die düstere Landschaft und gegen die fahlen Wolken; noch von den Höhen der Beskiden kann man das deutlich unterscheiden. — Auf den Steilufern hinter Ostrau, wo die Ostrawitza die schlesische Landesgrenze bildet, liegen die Kohlengruben von Bolnisch-Ostrau, bereits auf schiesischem Gebiet.

Die Einwohnerzahl von Polnisch-Ostrau ist ungefähr auf 18.000 gestiegen. Indem man von Mährisch-Ostrau auf der Teschnerstrasse gegen den Kirchenhügel von Bolnisch-Ostrau hinansteigt, kommt man an den gräflich Wilczek'schen Dreifaltigkeitsschacht, dessen theilweise Ansicht das Bild bringt. Diese Anlage tritt in ihrem baulichen Stand vortheilhaft hervor. Von dem Hügel über der Grube, zu der auch eine lange Reihe von Coaksöfen gehört, überblickt man die Stadt Mährisch-Ostrau Bolnisch-Ostrau heisst das »polnische«, obwohl die Bevölkerung vorherrschend den mährischtschechischen Dialeet spricht, weil es in Ostschlesien liegt. — Gleich unter Ostrau-Prziwos an der Oder erreicht man unter der waldigen Uferhöhe der berühmten Landecke den Industrieort Hruschau; es folgt die Haupt- und Grenzstation Oderberg; hier ist in jüngster Zeit um den Bahnhof eine neue Industriestadt erwachsen. Von den grössten Betrieben wären zu nennen: ein Rohrwalzwerk, eine Giesserei und Walzwerkhütte mit mehr als 1000 Arbeitern; die Mineralöl-Actiengesellschaft, die mährisch-schlesische Drahtindustrie-Actiengesellschaft, eine Kunstdüngerfabrik u. v. a. Auf der Fahrt von Oderberg gegen Teschen schneidet die Bahn von Orlau an den Oststrand dieses Kohlenreviers. Allenthalben drängt sich das Charakteristische dieser Gegend hervor: Schachte, Kohlenseparationen, weite Fronten von gleichgebauten, ebenerdigen Häusern der Arbeitercolonien, manche neu, andere älteren Bestandes, von Gärtchen umhegt, die einen von wildem Wein umrankt, wieder andere von riesigen Erdäpfel-und Krautfeldern umschlossen. Das strohgedeckte, bescheidene Bauerngehöft tritt mehr zurück vor den industriellen Anlagen und besseren Häuschen der Geschäftsleute, die sich hier dichter angesiedelt haben, oder vor neuen Privatbauten. — Die letzten grossen Schachtanlagen sind die von Karwin. Die Bahnstrecke führt unmittelbar an dem Johann-Schacht und seinen Coaksöfen vorbei. (Das kleinere Bild.) Oben über dem wachsenden Ort liegt das Schloss der Grafen LariSch-Mönnich in schönem Bark, auf trefllichem Punkt, von wo aus das Auge die blauen Karpathenberge in weitem Bogen umfasst, während in der Nachbarschaft sich Hügelland und fruchtbare Rhene zu einer prächtigen Barklandschaft gruppiren.

l'liot. I AmaUu. \V. Hehler; II Amateur J Mntzura.

Karwin. Jah-uinachaoht. Polniscli-Ostrau. Dreifalti^'kcitsachacht.

DAS NIEDERE GESENKE.

|estwärts von Leipnik und Mähr.-Weisskirchen begleiten massig hohe, aber augenfällig steile Waldränder, weiter allmählig verlaufende Bödenwellen jene Strecke der Nordbahn, die über die Schwelle der mährischen Pforte zum Oderthal hinabführt Ueberwinden wir in kurzem Aufstieg diese bewaldete Randstufe, so breitet sich vor uns die weite Hochfläche des Niederen Gesenkes aus, ».leren höchste, vereinzelte Buckel 600—700 m Höhe erreichen. Diese Hochplatte, von fast quadratischer Erstreckung, lagert ungefähr von der Strasse Zuck-mantel, Würbenthai, Freudenthal im Westen, bis zur Betsch-Oder-furche im Osten; zur .Marchebene bricht sie ziemlich steil und gebirgsartig ab, Während sie sich gegen die Oppaniederung langsam verflacht. Durchquert man diese Hochplatte, so wird das Auge kaum eine Fläche von ebener Erstreckung linden, sondern allenthalben gewölbtes', flachwelliges Terrain, bunt und oft tief durchschnitten von langgedehnten Furchen und kurzen Querrissen, die .Steilhänge und höchsten Aufwölbungen, die sich wenig über das Durchschnittsniveau und ohne bestimmte Kammrichtung erheben, meist bewaldet oder mit Gebüschen bedeckt; vorherrschend bleiben jedoch, in auffallendem Gegensatze hiezu, die über den Waldrändern liegenden weiten Gebinde bescheidenen Ackerlandes. Diese Hochflächen verlaufen am Horizont mit gleichförmigen Linien, die sich weit und unbestimmt verlieren und oft genug den Eindruck der Eintönigkeit bewirken. Nicht selten aber sind liebliche Wiesen-streifen tief eingebettet zwischen den bergigen Hängen; tiefe Wasserfurchen suchen in zahllosen Krümmungen und Engen, mehrfach im rechten Winkel plötzlich abbiegend, einen endlichen Ausweg aus der Hochfläche. — Wo die junge Oder in eng eingeschnittenem, waldreichem Thal aus dem Plateau des Gesenkes eilenden Laufes die Tiefeberte des grünen, wohlhabenden Kuh-ländchens erreicht, gruppiert sich an breiter Thalpforte das ehemals feste Städchen OdraU. Fun Gang durch Odrau führt zunächst an bescheidenen, schindelgedeckten Häuschen der Stadtperipherie vorüber; ihre Schmalseiten stehen gegen die Gasse, wie es eben hierzulande die Lauweise geblieben ist. Das sanft ansteigende Stadtbild wird beherrscht von der Kirche und dem zwei-

stöckigen, hübschen Schlosse. Die Schlote einiger Tuchfabriken, zweier Seidenwarenfabriken und der Gummiwarenfabrik verkünden den Grossbetrieb, einen neuerlichen gewerblichen Aufschwung. — Das Oderthal wird enger, je tiefer man vordringt. Die gut bewaldeten, steil sich aufwölbenden Randhöhen erscheinen halber und gewinnen Gebirgscharakter. Die Leute hier sind Deutsche des schlesisch-sudetischen Stammes. Es finden sich immer Gäste ein, die den Sommer unter dieser biederen Bevölkerung verbringen. — In steilem Aufstieg aus dem waldigen, geschützten Oderthal Überwindet in zahlreichen Windungen die neue Lahnstrecke das einsame Walddefile des Tscherwinkabaches und erreicht auf dem Plateau Wigstadtl, eine charakteristische Scenerie des Gesenkes; der Ausblick schweift frei über ein Gewirr flacher Kuppen und Bodenwellen. Das Städtchen schmiegt sich ziemlich weit ausgreifend dem wechselvollen Terrain im Auf- und Abstieg seiner vicl-geWundenert Berggassen an; nur der Stadtkern ist geschlossen. Aus den ebenerdigen Häuschen dringt oft das ächzende Geklirr der Handwebstühle an unser Ohr. Hinter dem beherrschenden wettergrauen Kirchthurm erhebt eine Windmühle ihre rastlosen Arme. Und das gehört mit zur echten Gesenke-Landschaft. Ueberau ragen diese verwitterten Sonderlinge von Windmühlen einsam aut den windreichen, wasserarmen und kahlen Hochflächen, einzeln oder gesellig, meist benachbart den Ortschaften, deren meist bescheidene Häuserhaufen an Riegelkämmen, längs der Furchungen oder gar hoch oben auf den Flachrücken zwischen Gärten und Busch sich drängen. — Nahe an Wigstadtl zieht in malerischen Thal-krümmen die vielgeschlungcne Möhra dahin, deren steile Uferfelsen hier von der Ruine Wigstein gekrönt werden. — An der Strasse gegen Troppau liegt in lieblicher Thalmulde das Bad und. Sommerfrische Johannisbrunn-Meltsch. — Zwei andere Städtchen am Ostrand des Gesenkes sind Königsberg und Wagstadt. Letzteres besitzt wie alle deutschen Städte dieser Gegend, einen vierseitigen grossen Ringplatz, in dessen Nähe sich der hochragende Bau der Kirche mit ihrem hübschen Thurme erhebt. Das Schloss der Herrn v. Sedlrtitzky flankirt auf der Uferterrasse den Häuserbezirk dieser Stadt für Seiden- und Sammtwaren und andere Industrien.

PhOf. I., V. K. Stal.le; II. F. Gödel j III. W I'atcisky ; IV. Ainat.-Cl. Witkowitz, Haschke.

Odrau. Wagstadt.

Odrau. Kaiser Josef-Brunnen.

Wigsteiu. Johannisbrunn -Meltscli.

FREUDENTHAL. ENGELSBERG. BENNISCH.

jK|Clf|11 der landschaftlich reizvollen Hahnstrecke Olmütz-

I! $51

IM Jägerndorf, die im engen Bistritzathal aus der March Hji ebene auf die Hochfläche des Niederen Gesenkes an uralter Verkehrslinie emporsteigt, ist Freudenthal mit 8000 Einwohnern die bedeutendste, grösste Ortschaft. Der freundliche Ort, in einer Höhenlage von 547 Metern, ist mit seinen schmucken, aus dem Schwarzbachthale aufsteigenden Häusern, den drei Kirchen und dem imposanten Schlosse des deutschen Kitterordens eines der anziehendsten Städtebilder Westschlesiens. Gegen Mittag ragt der Köhlerberg, dessen Gipfel von einer stattlichen Wallfahrtskirche gekrönt wird, zu einer Höhe von 074 Metern auf. So bescheiden diese flache Kuppe zur Hebung des Landschafts-bildes beitragen mag, so verdient der Köhlerberg auch aus anderen Gründen eine erhöhte Aufmerksamkeit. Der Ostfuss des Altvaters wird umfangen von einem an drei Meilen breiten Gürtel von Verbergen, die sich bei Würbenthai aus Quarziten, bei Engelsberg und Heimisch aus Gfauwacken und Thonschiefer zusammensetzen; hier lag wahrscheinlich eine Uferstrecke desselben Devonmecres,dessen Ablagerungen auch im Harz und rheinischen Schiefergebirge ZU finden sind. Unter den Erhebungen aber, welche hier die Bodenwellen des Niederen Gesenkes überragen, verdienen besondere Beachtung einige altvulcanische Höhen. Südlich von Freudenthal ist nämlich ein bedeutendes Gebiet überdeckt mit basaltischen Massen; und am meisten bekannt unter diesen ausgebrannten Vulcanen ist der Köhlerberg bei Freudenthal. Der ganze Hügel ist überlagert von vulcanischen Auswürflingen, den sogenannten Lapilli; in den Steinbrüchen erkennt man deutlich die Schichtung der

Basaltlava. ...... Freudenthal gehört zu den ältesten Städtewesen

des Gesenkes; denn schon im Jahre 1213 conlirmirt der König ITzemysl Ottokar I. den Freudenthalern die Aussetzung ihrer Stadt nach deutschem Rechte, indem Ottokar erklärt, er habe dengetreuen Bürgern von Freudenthal die von seinem Bruder ihnen bewilligte Aussetzung ihrer Stadt ZU deutschem Hechte (bald das Recht von Magdeburg), welches bislang in Rohmen und Mähren ungebräuchlich und ungewöhnlich gewesen sei. kraft königlicher Autorität bestätigt; er gebietet, dass diese neue und ehrenwerte Einrichtung von

keinem Beamten gestört werden dürfe. . . Auch erhält Freudenthal den Zehnten der Bergwerke im Umkreise von 4 Meilen. — Zahlreiche Dörfer der nächsten Umgebung lachen freundlieh aus dem Grün der kraftvollen Wälder, deren Holzreichthum infolge einer rationellen Forstwirtschaft allenthalben steigt. Die Vorberge des Altvaterstockes, der im Westen des Horizontes dominirt, schichten sich gleich immergrünen Stufen empor bis zur baumlosen Heide, an deren wilden Hängen der Auerhahn und der Edelhirsch, der König des deutschen Waldes, noch ein Urwald-Paradies gemessen. — Näher an dem Fuss des Hochgebirges liegt, gedrängt tun seine Kirche, das Städtchen Engelsberg, dessen Namen sein liederreicher Sohn, der Tondichter Dr, Eduard von SchÖn-Erigelsb'erg, verklärt hat.

Gegen Morgen von Freudenthal, nicht zwei Meilen entfernt, breitet sich auf einer TerrainwÖlhung das alte Berg- und Weberstädtehen Bennisch mit seinen langen Häuserreihen. In der Umgebung von Bennisch und an den Yorbcrgen des Altvatergebirges wurde am Ausgang des Mittelalters und später eifrig nach verschiedenen Erzen geschürft. Der Goldbergbau konnte sich jedoch nicht be-haupten, die Eisengewinnung und der Abbau auf silberhaltige Bleierze jedoch wurde theils bis in unsere Tage an verschiedenen Blinkten fortgesetzt oder zeitweilig Wieder versucht. Im Jahre 1271 überlässt Ottokar II. den Troppauern jene Hufen in Bennisch zum Eigenthum, Welche »Seifenlehen« genannt werden, und sollen sie sich des in Iglau üblichen Bergrechtes bedienen. — Das Volk des Freudenthaler Beckens ist kerndeutsch, seine sudetisch-schlesische Mundart höchst originell; die Beute sind meist intelligent und arbeitsam.

Die vielberufene Leinen- und Damastweberei von Freudenthal, Bennisch; Engelsberg und Umgebung ist im letzten Jahrzehnt zurückgegangen ; auch hier hat der Maschinenbetrieb die schlichte Hausindustrie zurückgedrängt. Vielleicht werden projectirte Bahnbauten diesen ebenso freundlichen und schönen, als armen Landschaften, die etwas abseits von dem grossen Verkehr gekommen waren, zu neuem Segen gereichen. In Freudenthal selbst erzeugen mehrere bedeutende Firmen häuptsächlich Leinen- und Damastwaren, Tischzeug und Zwillich, in Bennisch Leinen- und Baumwollwaren ; Freudenthal hat auch eine Flachspinnerei.

Bennisch.

Freudenthal.

Engelsberg.

JÄGERN DORF.

lu den schlesischen Städten von grösserer Bedeutung Zählt die Industriestadt Jägerndorf mit ungefähr 16.000 Einwohnern. Die Thalöffnung hier ist schon in vor- > geschichtlicher Zeit als eine für Ansiedlungen günstige Stätte erkannt worden, und zahlreiche Kunde aus der Stein- und Bronzezeit geben hievon Zeugnis. Da Jagerndort' an der Stelle liegt, wo die aus den waldreichen Sudeten kommende Schwarze Oppä auf die Gold-Oppa unter rechtem Winkel trifft, konnte sich dieser Oit zum Sammelpunkte des in beiden Thälem pulsirenden Lebens vortheilhaft entwickeln; denn die eine Verkehrsstrasse begleitet den Xordrand des Gesenkes; die an der Schwarzen Gppa bricht quer durch die Hochfläche und führt seit alter Zeit nach Mähren. Zufolge dieser günstigen Lage im Kreuzungspunkte mehrerer Strassen und von 4 Bahnlinien hat sich die ehemals mit Wall und Graben beschirmte Herzogsstadt in jüngster Zeit rasch ausgedehnt. Die seit Jahrhunde!den, wie im Schlesierlande überhaupt, so auch hier gepflegte Schafwollwaren-Erzeugung ist in Jägerndorf zur Gross-Industrie erwachsen, so dass Jägerndorf jetzt die vierte Stelle in diesem Zweige in unserer Monarchie behaupten dürfte. An 45 Fabriken für Tuch- und Schalwollwaren und Futterstoffe, Spinnereien, Fabriken für Wirkwaren, Maschinenfabriken und Eisen-gicssereien, Liqueurläbriken u. a., darunter viele Exportfirmen, beschäftigen 'Lausende rühriger Hände. Und noch eine Specialität ersten Ranges besitzt die heimische Industrie in der Hof-Orgelfabrik der Gebrüder Rieger, deren Erzeugnisse einen Weltruf gewonnen haben. Der Wohlstand dieser deutschen Grenzstadt äussert sich auch in lobenswerter Pflege des Schulwesens; an Bildungsanstalten besitzt Jägerndorf unter anderen eine Bürgerschule, eine Oberrealschule und eine k. k. Webeschule. — Westlich von Jägerndorf steigen die waldigen Yorberge der Sudeten höher und höher an. Wer vor der Stadt den \'A7 m hohen Burgberg, den eine weithinschauende Wallfahrtskirche schmückt, besucht, den lohnt zunächst der reizende Ausblick in das nahe, reichere Thal der (>ppa. Die bewaldete Nordr und Ostseile des Burgberges, dieses hervorragenden Orientierungspunktes und des Wahrzeichens der Sta.it. wie man sagen dürfte, wird das Baderspiel genannt; von seinen Promenaden und

Ruheplätzen geniesst man wechselvolle, viel gelobte Aussichten. Vor uns liegt die Stadt mit ihren ddiürmen und Fabriken (unser Bild ist vom Burgberg aufgenommen), in der Mitte die doppel-thürmige Decanatskirche, im Vordergrund die Schiessstätte, rechts die welligen, fruchtreichen Hügel in Breussisch-Schlesien, links das Schwarz-Oppathal, wo die Bahn nach Freudenthal führt, im Hintergrund das Goldoppathal gegen die Stadt Ulbersdorf. (Die Decanatskirche ist ein im Jahre 1559 vollendetes, nach dem Brande von 1779 wieder erstandenes Gotteshaus von grossen Verhältnisseh, dessen imposante Thürme mit einer Höhe von 70 Metern zu den höchsten in Schlesien gehören. Vor der Kirche ist noch ein bedeutender Rest der Stadtmauer erhalten.) Gegen Abend umspannen die Bergwälder des Hohen Gesenkes, mit dem Altvater und seinen Nachbarn, in weitem Bogen bis gegen Nord hin den Horizont bis zur vorspringenden Aussichtswarte der Bischofskoppe bei Zuckmantel. Auf der Morgenseite des Burgberges überblickt man das niedere Gesenke bis an die Oderebene. Zum Burgberg hinauf führt eine mächtige Treppe von 210 Stufen, welche ehrwürdige Binden in ihren kühlen Schatten schlicssen. (Unser Bild zeigt den Burgberg von der Burgberg-Haltestelle.) — Benachbart dem Burgberg, eine halbe Stunde entfernt, ragt trauernd auf steilem Grauwackefelsen die einst so stolze Beste, die heutige Ruine »Schellenburg«, um die sich ein reicher Kranz von Sagen gesponnen hat, die vom Räuberhauptmann Hunzaches, der verwunschenen Jungfrau, dem Teufelsbader u. a. Die Burg wird zuerst zum Jahre 1238 erwähnt. Im Jahre 1523 kaufte der Markgraf Georg von Brandenburg von dem Herrn Georg von Schellenberg das Herzog-thum Jägerndorf mit den Städten Jägerndorf, Lepbschütz, BennisCh, Bauerwitz, dem Schlosse Lobenstein etc. zu einem rechten verkäuflichen Krbeigenthum. Jägerndorf ist zum Jahre 1240 urkundlich erwähnt; in der 2, Hälfte des XIII. Jahrhunderts war Jagerndort ebenfalls eine mit deutschem Rechte bewidmete Stadt. Das Dort Lobenstein bestand schon im XIII. Jahrhundert; es liegt südlich der Schellenburg. Rings um Jägerndorf gruppiren sich freundliche, waldumsäumte Thäler, blühende Fluren und wohlhabende Dorf-SChaften mit ihren weissgetünchten, schwielergedeckten Häuschen.

Phot. I. J. Dutke; II. A. Stttliiliky; III. Amat.-Cl. Witkowitl, Pospischil.

Der Burgberg.

Jagerndort.

Die Schellenburg.

KARLSBRUN N.

DER ALTVATER.

on Jägerndorf zieht die Bahn sanft gegen Süd ansteigend an Thalhängen zur Station Erbersdorf. Der hochgelegene Bahnhof gestattet einen malerischen Ausblick auf das betriebsame Oppathal, wie in die fernere Bergwelt. Wir wählen hier zur weiteren Bergfahrt den Bahnflügel gegen Würbenthai längs der Oppa aufwärts, immer näher an den Fuss des Hochgebirges, immer tiefer ins dunkle Waldland. Es ist hier nicht der Baum, alle die schön gelegenen, geschützten Dorfschaften zu nennen; sie sind den Touristen und Sommergästen in lieber Erinnerung, vor allem das vielbesuchte Karlsthal. Das kundige Auge vermuthet an dieser Strecke in den kleinen, zahlreichen Hügeln alte Grubenbaue, und mit Hecht; hier hat früher Bergbau geblüht; sein Mittelpunkt war Würbenthai. Das industrielle Städtchen Würbenthai ist einer der meistbesuchten Ausgangspunkte für Touren ins Altvatergebiet, Im Winter, wie mag da alles Beben rings erstarrt liegen unter der hohen Schneedecke in diesem weiten Waldgebirge! Um so erquickender und erhebender aber wirkt zur Sommerszeit ein frohes, rüstiges Wandern durch die Bracht dieser Auen, Wälder und Berge. Viele Wege führen von Würbenthai hinaus in's Hohe Gesenke. Zu den schönsten zählt die romantische Waldstrasse über die Gabel und dann von der Passhöhe (02(5 m) in Windungen hinab über Waldenburg nach Freiwaldau. Die zweite leitet uns in das waldentrückte, vornehme Bad Karlsbrunn. — Doch ehe wir Karlsbrunn eingehendere Worte widmen, sei noch auf ein anderes Thal in diesem Lande erhebender Bergfreuden hingewiesen, auf das helle, lachende Bielathal.

Dem Bielathal gebührt der Preis unter unseren seblesischen Landschaften. In dem weiten Bergkranz, der das Bielathal und seine tiefgreifenden Verzweigungen allenthalben umschlossen hält, in diesen prächtigen, geschlossenen Forsten, an den rauschenden, munteren Wildwässern, da gibt es der Ausflugsziele nach Wunsch und mehr. Das Streben der Touristenwelt ist aber vor allem auf die Kamm-Partie auf der mähriscb-schlesischen Grenze gerichtet; es sind dies die hohen Bergrücken südlich von Freiwaldau mit dem Gipfel des beherrschenden Altvaters. Wir nehmen das genannte Kaidsbrunn zum Ausgangspunkt für diese grosse Honte. Karlsbrunn

liegt an der Ostflanke des Altvat-M'-Massivs in einem waldgeschützten Becken von 783 Meter Höhe. Reicher Nadelwald greift unmittelbar in die Häusergruppen hinein; die gepflegten Wege verlieren sieh an reizenden Zielen im Walddunkel der Auen oder Berghalden. Auf diese traute, weltverlorene Oase darf ohne Zagen das Prädicat eines entzückenden Idylls angewendet werden; kein misstönender Laut des nervösen Welttreibens stört das weihevolle Schweigen dieser duftreichen Waldheimlichkeiten. Der Curort entwickelte sich seit 1780 an den Säuerlingen und Eisenquellen, welche manche berühmte Quelle des Gontinents an Heilkraft übertreffen. Kaum könnten wir uns von den schmucken Villen, den sorglich gehaltenen Lustwegen dieses deutschmeisterischen Curortes, von dieser erfrischenden, reinen Luft trennen, wenn wir nicht zu netten Freuden hinanstiegen auf gutem Bergpfad längs der Weissen Oppa, die m tiefem Graben im Oppafall über die Felsen stürzt. Endlich ver-räth das zerzauste Geäst gedrückter Fichten, dass wir uns an der Grenze des Waldwuehses der »Schäferei« nähern. In dieses wohlversehene Berggasthaus (1200 m) hält des Sommers ein Heer von Gästen in ständigem Wechsel seinen Einzug. Vor der langen Baude ragen oben die Felsbänke des Petersteines, der, heute als Aussichtspunkt besucht, in der Hexenzeit aber übel berufen war als Stelldichein allen nächtlichen Spuks. Rechts wölbt sich die freie Kuppe des 1400 rn hohen Altvaters, des Hauptes der mähriscb-schlesischen Sudeten. Wer vermöchte alle die Naturseenerien, prächtigen Ausblicke und Rundsichten, die von den Beskiden bis in das Glatzer Gebirge reichen, im Fluge daherzuzählen, in denen sich das Auge, von der Fülle der Eindrücke überwältigt, zunächst kaum zurechtfindet 1 Die belebende, genussreiche Kammwanderung führt dann in neunstündigem Marsche westwärts auf einsamen Heiden«, über Kuppen und Sättel, an mehreren Schutzhäusern vorüber bis zum grossartigen comfortablen Georgs-Schutzhause (1320 m) auf der Hochschar, unter der das Bielathal in seiner ganzen Schönheit verbreitet liegt. Den Namen trägt das Schutzhaus vom Cardinal Dr. Georg Kopp; die Reviere am Bielathal gehören nämlich dem Bisthum Breslau. — Von der Hochschar steigt der Touristenpfad rasch hinab zur Bahnhaltestelle Ramsau.

l'hot. I, III., IV., V. J. Ulbricht; II, J, l'ict/.

Karlsibruim.

Villen in Karlsbrunn. Die Schäferei. Der Peterstein.

Das Georgs-Schutzhaus. Karlsbrunn. Beim Curhaus.

FREIWALDAU.

|er lange Gebirgswall der Sudeten zerfällt in drei scharf getrennte Glieder: der westlichste Flügel gipfelt im Kiesengebirge; der östliche Sudetenabschnitt aber ist die breit angeschwollene Erhebung ostwärts vom Glatzer Becken. Zu diesem Ostflügel gehört auch das Gesenke, das sich vom Rainsauer Sattel bis an dis Oder erstreckt. Vom Ramsauer Sattel bis Würbenthai — Freudenthal tritt daraus in breitschultrigen Rücken, wie eine lange, geschlossene Mauer, das I lohe Gesenke« hervor; dieser wenig gegliederte Zug archäischen Gesteines hat der Abtragung durch seine Festigkeit am meisten getrotzt und sich daher als höchste Erhebung im OstabSChriitte der Sudeten erhalten; die flache Gneiskuppe des Altvaters erreicht hier 1490 Meter.

Das bedeutendste Thal an der Xordseite des Hohen Gesenkes ist das der Biela, sein Hauptort die Stadt F reiWaldau, Das weite, freie Becken des oberen Biela- und Staritzthales liegt in allseitiger Waldbekränzung eingebettet, rings vom Gebirge umrahmt. Ein Labyrinth von Wegen, die das segensreiche Wdrken des rührigen Sudeten-Gebirgsvereines reich markirt oder erschlossen hat, zieht in und über diese Bergwelt, bald im düsteren Ernst herrlicher Nadelwälder, bald im lieblichen Rauschen des Laubwaldes, bald in prächtigen, gemischten Beständen dahin, wo sich das weiche Laub licht ins Dunkel des Schwarzwaldes zeichnet. Immer neue Schönheiten des Hochgebirges, wie der niedrigeren Landschalt, »des Gesenkes , erschliessen sich da oben; bei jedem günstigen Ausblicke auf solcher Wanderung aber weilt das Auge immer wieder mit Freuden auf dem heiteren Thälgrund, in dessen Mitte die weissen Fronten von FreiWäldäu, der renoimmirten, freundlich netten Leinenweber- und Fremdenstadt, hervorleuchten. Was aber den Ruf dieses Theiles weit über die Grenzen des Frdtheils hinausgetragen hat, tlas waren zwei deutsche Bauernsöhne: Yincenz P-riess.ni.tz (geb. 1799) hat, in verständnissvoller Beobachtung der Natur, auf dem Gräfenberg über Freiwaldau, auf Stadtgebiet, das weltbekannte Wasser-Heilverfahren gegründet, nachdem er dessen heilende Kraft an sich seihst glänzend erprobt und erfahren hatte. Der Gräfenberg ist ein ganz besonders auserwählter Fleck Erde, auf welchen wegen seiner unvergleichlich reichen Quellen (man

zählt ihrer über 40) Ovid's Worte mitgesprochen sind; »Klein zwar ist der Gau, doch gesund durch bewässernde Bluth.« Die Temperatur der höher gelegenen dieser herrliehen Quellen sinkt im Hochsommer unter 5° C. Heute erheben sich auf dem waldreichen Hang des Gräfenberges (030 Meter) schmucke Villen und grosse Ouranstalten. An den stundenweiten Lustwegen im prächtigen Wahl des Quellgebietes, am Hirschbadkamm und der Nesselkoppe, sprechen zahlreiche Monumente und Quellenfassungen »dem Genius des kalten Wassers in verschiedenen Sprachen den Dank der Genesenen, die seit 1830 aus allen Ländern Europas und über den Ocean an diese Wiege der Hydropathie herbeipilgerten, und heute bis in die Tausende herbeiströmen. (Unser Bild von Freiwaldau ist von der vielgenannten Aussichtshöhe des Koppenhauses in Gräfenberg genommen; zu unseren Füssen die Stadt, links der liebliche Kreuzberg, im 1 Untergrund das obere Bielathal gegen Thomasdorf und Waldenburg, links gegen Mittag der langgedehnte Zug des Altvater-Gebirges.

Des Priessnitz Zeitgenosse, Johann Schroth, hat das diätetische Natur-Heilverfahren auf demselben strengen Wege des Naturstudiums und der Erfährung über die Heilkraft feuchter Wärme gefunden und im benachbarten Bindewiese, in der baumreichen Au des Staritzthales, im Angesichte der Hochschar, seine Heilanstalt im Jahre 1829 begründet, die auch heute noch blüht, für so manchen Schwergeprüften die letzte Hoffnung und Zuflucht.

Gegen Morgen über Breiwaldau erhebt sich der Kreuzberg. Auch hier im Stadtwald bat die opferwillige Gemeinde viele Quellen fassen, bequeme Fahrwege un.l Serpentinen anlegen lassen, die bequemlich auf den Gipfel des Kreuzberges und der benachbarten Goldkoppe und weit darüber in erwünschte Einsamkeiten und stille Gründe führen. Die Aussicht beim Annakirchlein droben gehört zu den schönsten und fesselndsten der Umgebung.

So besitzt Freiwaldau im Stadtwalde und den anliegenden bischöflichen Waldungen mit dem ausgedehnten Wegnetz, den reizendschönen Ruhe- und Aussichtspunkten ein überaus reiches Gebiet der Erholung Und Ausflüge in wonniger, reiner, frischer Bergluft, wie keine Stadt Schlesiens.

ZUCKMANTEL JAUERNIG.

|ic Bahn führt uns das Bielathal abwärts. Schon eilen Wir an der schattenreichen Goldkoppe vorbei, auf deren Gipfel eben die Franz Josef-Warte errichtet wird. An ihrem Busse mögen vielleicht auch die unternehmenden Augsburger Bugger denen die »freie Bergstadt« 1514 gehörte, nach goldführenden Quarzadern geschürft haben. Da droben weiter ragt der abenteuerliche Ilarichstein aus dem Grünen; an ihm vorüber führt der Steig hinauf zum Dorf Reihwiesen, dem höchsten sehlesischen Sudetendorf in 757 Meter Höhe.

Unverwischbar ist der Eindruck, den die Qede des melancholisch dunklen Sühnteiches von Reihwicsen und seine ernste Sage vom gottlosen Seehirten und der versunkenen Hunstadt in unserer Phantasie hinterlassen; noch empfinden wir die feuchte Schwüle, die zwischen den schwachen, graulichen Zweigen der Sumpfkiefer am »Sinteich« brütet, eine Atmosphäre, die scharf durchwürzt ist mit dem Duft des falschen Rosmarin (Lea tim palnsire). — Aber schon sind wir, zwischen freundlichen Reihendörfern dahineilend, in Niklasdorf angelangt, das den fandruck grösserer Bedeutung macht; hier steigen wir um und fahren, oft hart an der Reichsgrenze, in anmuthigem und gewerbefleissigem Thal ostwärts gegen Zuckmantel. Zuckmantel hat eine bevorzugte Lage in einem Stimmungsvöllen Rahmen von Beigen und Wäldern. Raum überraschender wirkt diese Landschaft, als wenn man aus den Waldungen südlich der Stadt, wo einst das feste Llaus Edelstein gestanden, heraustritt. Während im Vordergrund eine Flur von der sanften Schönheit schlesischer Gebirgsvorstufcn sich verbreitet, schlicsst die alte Bergstadt an den Fuss der Berge ; im Vordergrund machen sich zunächst die modernen Bauten des comfortablen Sanatoriums und der Wasserheilanstalt angenehm bemerkbar. Vom Rochusberge schimmert eine Kapelle freundlich in die Ferne; dort steigt der Fussweg hinauf auf die Bischofskoppe (890 Meter).

Die Bischofskoppe ist unmittelbar bis ins schlesische Tiefland vorgeschoben, daher der Vorrang ihrer landschaftlichen Stellung. Der neue Lug-ins-Land auf ihrem Gipfel, die Franz Josef-Warte, führt das Auge frei hinaus über weitläufige Gegenden vom Alt-vatergebiree bis ins schlesische Tiefland.

Doch kehren wir noch einmal nach Freiwaldau zurück. Eines der dankbarsten Ausflugsziele in der Nähe des Curortes ist die 964 Meter hohe Nesselkoppe. Von der luftigen Höhe ihrer Aussichtspyramide kann ein Blick das ganze Gebiet des westlichsten österreichischen Schlesien und weit darüber hinaus umspannen. Linker Hand erheben sich die Waldrücken des Reichensteiner Gebirges; rechts vom Gebirge, an seinem Nordfusse, senkt sich eine fruchtbare Flachlandschaft ab. Es führen drei Wege von Freiivaklau in diesen sehenswerthen Boden hinab: die Bahnstrecke Lindewiese — Heinersdorf, die in steilem Anstiege von Lindewiese über den Sattel des aussichtsreichen Gemärkes an den Kalkindustrien von Setzdorf vorüberführt; oder man reist über Saubsdorf nach Friedeberg. — Der dankbarste Weg aber ist der Abstieg von der Nesselkoppe zur Ruine KaUenstein. Diese Tour führt in einem ungemein zerschnittenen, an malerischen Scenerien und abenteuerlichen Felskolossen reichen Terrain, an Marmor- und Granitbrüchen vorbei nach Friedeberg. Die Stadt Friedeberg ist der Hauptort für die Granit-Industrie der Nachbarschaft. Das Städtehen hat viel Anziehendes; hoch über dem Wald des Gotteshaus-Berges thront ein gothisches Kirchlein; der massige Rundthurm der Pfarrkirche war der Bergfried einer alten Burg; noch sind Wälle und Mauern erhalten. — Die Bahn windet sich von Friedeberg weiter nordwärts auf anmuthigem Thalboden in den fruchtbaren Grenzstreifen hinab nahe dem Stadtehen Weidenau. Schon von weither zeigt sich Schloss Johannesberg auf steilem Vorsprung. Diese reizend gelegene Sommer-Residenz des Bischofs von Breslau sieht unmittelbar hinab ins Städtchen Jauernig. Mit kundigem Blick hat der aufgeklärte Kirchcn-lürst Johannes Turso, ein Verwandter der Fugger, Schützer und Freund humanistischer Studien, diese vorzügliche Statte erwählt und da sein weitschauendes Schloss Johannesberg vollendet. In späterer Zeit hat hier der Schöpfer der ersten deutschen Oper, Ditters, einen Mäccnas gefunden, und später weilten hier Jos. v. Zedlitz und Eichendorff, wie sich ähnlich das stolze Grätz und seine schattigen Gärten rühmen dürfen, den grossen Beethoven gastlich empfangen zu haben. Von dieser erlesenen, beneidenswerthen Hohen Warte grüssen wir noch einmal das liebe, schöne Schlesierland.

Phot. I. Van Üeldcn ; II., III. J. Fuhrmann.

Johannesberg-Jauernig. Zuckmantel. Friecleberg.

GRAZ. UHRTHURM.

'-T;:.! on dem im Norden von Graz gelegenen, mit Wald und :'V:J;y " Rcbenpllanzungcn bedeckten Rainerkogel bietet sieb dem >' .'^k/v'•- Beschauer eine malerische Aussicht, namentlich gegen H den Schlossberg und die Stadt im Süden. Man erblickt den Murfluss und die Vorstädte des rechten Biers mit ihren zahlreichen Häusern und Kirchen, kurz das ganze Gebiet, »WO sich« wie es in dem berühmten 1 hiehsteinliede heisst:

Lieblich gross eine Stadt erhebt

Hart am Atlashand der grünen Mar.

Wo ein Geist der Kunst und des Wissens lebt

Dort im hehren Tempel der Natur.

Gegen Westen ist die Aussicht vom Bainerkogel erst durch die Bergzüge hinter dem Schlosse Eggenberg: Blabutsch, Buchkogel etc. abgeschlossen. Auf der östlichen Seite sehen wir einen Theil des herrlichen Stadtparkes und die Häuser der auf dieser Ostseite gelegenen Vorstädte, im Hintergrunde den Buckerlberg und die hochragende Herz Jesu-Kirche, unmittelbar vor dem Kogel breitet sich die beule noch im Volksmunde .Graben« genannte Vorstadt aus. So zeigt sich die liebliche Grazerstadt von diesem reizenden Aussichtspunkte in ganz besonders abwechslungsreicher Gestalt. Zwischen den I läusergruppen, welche wohl auch durch Gärten unterbrochen sind, erhebt sich 103 Meter über die Stadt der von hier aus ganz bewaldet erscheinende Schlossberg, überragt von dem Glockenturme und den wenigen Ueberbleibseln früherer Befestigungen. Der Anblick der Stadt vom Rainerkogel macht namentlich in der Abendbcleuchtung auf den Beschauer einen überaus schämen Bindruck und lässt es begreiflich erscheinen, dass auch ausser jenen volksthümlichen Versen die Strophen zahlreicher Dichter die Stadt der Grazien verherrlichten. So hat ihr Robert llamerling zugerufen:

Sei gegrÜSSt von meinem Psalter, Du reizende Grazienstadt. Du ruhst wie ein prangender Falter Auf einem Lorbeerblatt!

Als sich aber vor Decennien der Streit über den Namen erhob, nämlich darüber, ob man Graz oder Graz schreiben solle,

meinte in einem längeren Gedichte Johann Gabriel Seidl, dei

Dichter unserer schönen Volkshymne:

Graz oder Graz, was liegt auch an dem Namen? Weil nur die Stadt so lieb dem Auge lacht. Ein reizend Bild im sonnenhellen Rahmen, Vom Frieden Gottes freundlich überwacht!

Das Bild des Uhrthurmes am .Schlossberge, so recht das Wahrzeichen der Stadt, zeigt wieder ein gerettetes Object jener alten Festungswerke, welche im Jahre 1809 von den Franzosen gesprengt wurden. Nur den Uhrthurm und den oben erwähnten Glockenthurm Hess man damals gegen eine Entschädigungssumme von 2840 11., welche die Bürgerschaft der Stadt erlegte, stehen. Der schon durch seine eigenthiimliche kurze dicke Gestalt auffallende Uhrthurm mit den grossen Zifferblättern, welche weithin in der Stadt sichtbar sind, ist eines der ältesten Grazer Bauwerke. Mit dem Dache erreicht er die Höhe von 16 Metern. Es befindet sich die Wohnung des Thurmwächters, welcher auch die Uhr im Stand hält, im Innern des recht umfangreichen Baues. In früheren Zeiten war in dem Thurme ein merkwürdiges Orgelwerk »Das steirische Horn« genannt, aufgestellt, welches aber wohl in den Franzosenkriegen zerstört wurde. Die Glocke im ddiurme ertönte bei verschiedenen für die Stadt bemerkenswerthen Gelegenheiten, namentlich aber soll sie das Zeichen zur Hinrichtung des Nationalhelden Andreas Baum-kirchner und des Aufwieglers Grafen dattenbach gegeben haben. Auch das Bin- und Ausläuten des Jahrmarktes wurde mit dieser (docke früher vorgenommen. Das eine Wappen am Busse des Uhrthurmes von 1552 befand sich über einem der früheren in die Schlossbergfestung führenden Thore. Die Thurmuhr, ein sinnreiches mechanisches Werk, ist 1822 von dem Grazer Uhrmacher Geist verfertigt. Im ddiurme Wurde am 30. September 1 745 als Sohn des Thurmwächters der nachmals berühmte Schauspieler J. F. Brockmann geboren, der, von Kaiser Joseph II. 1775 nach Wien berufen, daselbst ein grosser Liebling des Publikums wurde und auch im Jahre 1812 in Wien starb. Bröckmann ist in Berlin sogar durch eine Medaille, die ihm zu Ehren geprägt wurde, ausgezeichnet worden. 'Eine Gedenktafel am ddiurme erinnert an den grossen Künstler.

GRAZ. UHRTHURM.

m dem im Norden von Graz gelegenen, mit Wald und Rebenpflanzungen bedeckten Rainerkogel bietet sich dem Beschauer eine malerische Aussieht, namentlich gegen den Sc

lossberg und die Stadt im Süden. Man erblickt den Murfluss und die Vorstädte des rechten Ufers mit ihren zahlreichen Häusern und Kirchen, kurz das ganze Gebiet, »WO sich« wie es in dem berühmten I)achsteinliede heisst:

Lieblich gross eine Stadt erhebt

Hart am Atlashand der grünen Mur.

W o ein Geist der Kunst und des Wissens lebt

Dort im hehren Tempel der Natur.

Gegen Westen ist die Aussicht vom Rainerkogel erst durch die Bergzüge hinter dem Schlosse Eggenberg: Plahutsch, Buchkogel etc. abgeschlossen. Auf der östlichen Seite sehen wir einen d'heil des herrlichen Stadtparkes und die Häuser der auf dieser Ostseite gelegenen Vorstädte, im Hintergründe den Kuckerlberg und die hochragende Herz Jesu-Kirche, unmittelbar vor dem Kogel breitet sich die heute noch im Volksmunde »Graben- genannte Vorstadt aus. So zeigt sich die liebliche Grazerstadt von diesem reizenden Aussichtspunkte in ganz besonders abwechslungsreicher Gestalt. Zwischen den Häusergruppen, welche wohl auch durch Gärten unterbrochen sind, erhebt sich 103 Meter über die Stadt der von hier aus ganz bewaldet erscheinende Schlossberg, überragt von dem Glockenturme und den wenigen Ueberbleibseln früherer Befestigungen. Der Anblick der Stadt vom Rainerkogel macht namentlich in der Abendbeleuchtung auf den Beschauer einen überaus schönen Lindruck und lässt es begreiflich erscheinen, dass auch ausser jenen volksthümlichcn Versen die Strophen zahlreicher Dichter die Stadt der Grazien verherrlichten. .So hat ihr Robert Hamerling zugerufen:

Sei gegrüsst von meinem Psalter, Qu reizende Grazienstadt. Du ruhst wie ein prangender Falter Auf einem Lorbeerblatt!

Als sich aber vor Decennien der Streit über den Namen erhob, nämlich darüber, ob man Graz oder Graz schreiben solle,

meinte in einem längeren Gedichte Johann Gabriel Seidl, der Dichter unserer schönen Volkshymne:

Graz oder Graz, was liegt auch an dem Namen? Weil nur die Stadt so lieb dem Auge lacht. Ein reizend Bild im sonnenhellen Rahmen, Vom Frieden Gottes freundlich überwacht!

Das Bild des Khrthurmes am Schlossberge, so recht das Wahrzeichen der Stadt, zeigt wieder ein gerettetes Objcet jener alten Festungswerke, welche im Jahre 1808 von den Franzosen gesprengt wurden. Nur den Uhrthurm und den oben erwähnten Glockenthurm Hess man damals gegen eine Entschädigungssumme von 2840 iL, welche die Bürgerschaft der Stadt erlegte, stehen. Der schon durch seine eigenthümliche kurze dicke Gestalt auffallende Uhrthurm mit den grossen Zifferblättern, welche weithin in der Stadt sichtbar sind, ist eines der ältesten Grazer Bauwerke. Mit dem Dache erreicht er die Höhe von 16 Metern. Fs befindet sich die Wohnung des Tlmrnwvächtcrs, welcher auch die Uhr im Stand hält, im Innern des recht umfangreichen Baues. In früheren Zeiten war in dem Thurme ein merkwürdiges Orgelwerk - Das steirische Horn* genannt, aufgestellt, welches aber wohl in den Franzosenkriegen zerstört wurde. Die Glocke im Thurme ertönte bei verschiedenen für die Stadt bemerkenswerthen Gelegenheiten, namentlich aber soll sie das Zeichen zur Hinrichtung des Nationalhelden Andreas Batim-kirchner und des Aufwieglers Grafen Tattenbach gegeben haben. Auch das Ein- und Ausläuten des Jahrmarktes wurde mit dieser Glocke früher vorgenommen. Das eine Wappen am Busse des Ührthurmes von 1552 befand sich über einem der früheren in die Schlossbergfesturfg führenden Thore. Die Thurmuhr, ein sinnreiches mechanisches Werk, ist 1822 von dem Grazer Uhrmacher Geist verfertigt. Im Thurme Würde am 30. September 174Ö als Sohn des Thurmwächters der nachmals berühmte Schauspieler J. F. Brockmann geboren, der, von K-aiser Joseph II. 1775 nach Wien berufen, daselbst ein grosser Liebling des Publikums wurde und auch im Jahre 1812 in Wien starb. Brockmann ist in Berlin sogar durch eine Medaille, die ihm zti Ehren geprägt wurde, ausgezeichnet worden. 'Eine Gedenktafel am Thurme erinnert an den müssen Künstler.

Pliot Heer, Klngcnlurt.

Graz vom Rainerkogel.

Uhrthurm.

HERRENGASSE UND LANDHAUS.

Strass

[enn man in Graz von der Ringstrasse am Auersperg-brunnen vorüber sich gegen die innere Stadt zuwendet, so fallt der Blick in die Herrengasse, jene seit Jahrhunderten die Hauptader des Verkehrs bildende breite welche, obgleich in der Neuzeit manche grossen modernen Strassen entstanden sind, doch noch immer den Namen der »Gasse der Herren« verdient, welcher ihr seinerzeit gegeben wurde. Die I lerrengasse gewährt heute einen imponirend grossstädtischen Anblick ; links erheben sich in derselben die Baiaisbauten der beiden Thonethöfe, rechts, den Thonetbauten gegenüber befindet sich das Stadtpfarrgebäude und die Stadtpfarrkirche »zum heiligen Blut«, ein spätgothischer Bau, dessen erste Anlage bis 1460 zurückreicht, den Rocoeostyl, in dem sich heute ihre Facade zeigt, erhielt die Kirche beim Umbau 1781, im Jahre 1875 wurde das Innere neuerlich restaurirt und mit schönen Malereien, neuen farbenprächtigen Glasfenstern und anderem reichen Schmucke versehen. Weiterhin wieder links ist das neue, ebenfalls palastartige Gebäude der wechselseitigen Brandschadenversicherungsgesellschaft ersichtlich, und neben diesem steht der altehrwürdige dunkle Bau des Bandhauses mit dem daneben befindlichen Zeughause.

Das Landhaus, 1548—1565 von dem Baumeister de Lalio und dessen Schülern in prächtiger italienischer Renaissance ausgeführt, bietet einen überaus malerischen Anblick, der noch mehr wirkt, wenn man den von gewaltigen Arkaden eingefassten Hof betritt, welcher auch von de Lalio ausgebaut wurde, während die Arkaden in dem zweiten Hofe neuestens errichtet und dem alten Style im Bau angepasst wurden. Schon die Bacadenscitc in der Herrengasse zeigt uns die schönen Formen der venetianischen Renaissancebauten, das Dach des Gebäudes krönt ein Thürmchen, Die in Quadern ausgeführten Arkaden des mächtigen Hofes lassen die hohe Kunst und den Schönheitssinn des italienischen Baumeisters bewundern. Die Malereien und Wappen in diesen I lallen rühren aus der neuesten Zeit her, in welcher unter dem Landeshauptmann Graf Gun-daker v. Wurmbrarid und unter der kunstsinnigen künstlerischen Leitung des Musealdireetors Carl Lacher das Landhaus einer vollständigen Umwandlung unterzogen wurde. Die gedeckte architek-

tonisch ebenfalls bemerkenswerthe Treppe in dem Hofe führt zum Rittersaale und zur Landstube. Dem Treppenaufgange gegenüber steht eine Brunnenlaube in Bronceguss von Auer und Wening im Jahre 1590 ausgeführt, eine der schönsten gegossenen Metallarbeiten mit reichem ornamentalen und Arabeskenschmuck. Diese Laube krönt ein fahnentragender Ritter. Das Landhaus, welches, wie erwähnt, ganz in seinem alterthümliehen Charakter erhalten geblieben, enthält noch an den beiderseitigen Thoren die sogenannte Rumortafel von 1588, welche »Jedermann mit Strafe an Leib und Leben bedroht, der sich untersteht, in diesem hoch be-freytem Landhaus zu rumohrn, Die Wöhr, Tolch oder Brodmesser zu zucken, zu balgen und zu schlagen, gleichfalls mit anderen Wöhren Ungebühr zu üben oder Maulstreich auszugeben«. Diese Tafel ist mit Vorwissen des Erzherzogs Carl ZU Oesterreich von der steiermärkischen Landschaft vom 20. Februar 1588 aufgerichtet und 1094 renovirt worden, wie darauf ebenfalls zu lesen. — An dem Mittelbau, in dem die Landstube sich befindet, ist eine Tafel angebracht, welche an Johannes Kepler in Graz 1594— 1G00 erinnert. Der grosse Astronom war damals als sogenannter »Landschaftsmathematiker« hier angestellt. Auch das Innere des Landhauses bietet sehenswürdige Räume, namentlich ist jetzt die von Lacher wiederhergestellte und stylvoll eingerichtete Kanzlei des Landeshauptmanns ein wahres Schmuckkästchen von alterthümlicher Ausstattung.

Neben dem Landhause unmittelbar angebaut steht das Landeszeughaus, dessen Zweck schon die beiden Kolossalfiguren vor dem Burtale in der Herrengasse, welche Mars und Bellona darstellen, andeuten. Das Zeughaus wurde 1044 von Wundegger in deutscher Renaissance ausgebaut. Der Rüstungen und Waffen im Zeughause ist eine so ungeheuere Anzahl, wie man sie selten in einem derartigen Gebäude findet; man war im Stande, mit den Waffen und Rüstungen dieses Zeughauses seinerzeit leicht gegen 30.000 Mann Truppen auszurüsten. Verschiedene Merkwürdigkeiten, die früher noch im Zeughause sich befanden, sind jetzt in dem neuen Landesmuseum zweckmässig untergebracht. Bei der Erwähnung des Landhauses darf man den von der Seite der Schmiedgasse geöffneten Landhauskeller mit edlen steierischen Weinen nicht verschweigen.

Thot. Betr, Klagenfurt

Landhaus. Graz. Herrengasse.

RATH HAUS. UNIVERSITÄT.

uf dem Hauptplatze der Stadt Graz, mit der Stirnseite 1 sich das Gebäude als vollständig unzulänglich erwies. Der vom beiläufig gegen Norden, erhebt sich von einem prächtigen Ministerialrathe Köchlin und Baurath von Rezori ausgeführte vorspringenden thurmartigen Mittelbau und vier statt- Neubau der Universität wurde am 4. Juni 1895 während der liehen Seitenthurmaulsätzen überragt, der ein Viereck ; Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers Kranz Joseph I. in überaus

bildende Kaiastbau des Kathhauses. Dieses gewaltige Gehn

festlicher Weise eröffnet. Das in italienischer Hoch-Renaissance

wurde in den Jahren 1887 bis 1895 von Alex, von Wielemans durchgeführte Gebäude hat rückwärts zwei Stockwerke, während und Theod. Reuter in edler moderhisirter deutscher Renaissance die F&cade mit Ausnahme des Mittelbaues sich einstöckig erhebt.

ausgeführt. Das Rathhaus zählt zu den prächtigsten öffentlichen Gebäuden der Stadt, es ist überaus reich mit Standbildern verschiedener für die Geschichte der Stadt und des Landes bedeu-

Dieser Mittelbau der Vorderfront, welcher etwas vorspringt, enthält eine Freitreppen- und Rampenanlage. In Nischen befinden sich hier auch die Überlebensgrossen Standbilder des Erzherzogs Carl

tungsvoller Persönlichkeiten und mit architektonischen Verzierungen [ von Steiermark, des Gründers der Universität, und des Kaisers

Franz L, des Wiedererrichters der Hochschule im Jahre 1827. Der aus entspricht Fries zeigt in Goldlettern die Inschrift: »Universitas . Litterarum . at beim Haupt- .Carola". Francisca '.« Die Standbilder über der Attica, welche

geschmückt Diese Bildwerke rühren von den Bildhauern Braue Steuer, Lacher, Fuss und Peckary her. Das R; auch im Innern seiner reichen äusseren Aidage, es

portale ein schönes säulengeschmücktes Vestibüle, breite, bequeme Aristoteles, Hippokrates, Augustinus, Kant und andere Gelehrten

Treppen, in den oberen Stockwerken geräumige Gänge und Toni- aller Wissenschaften darstellen, sind von den Künstlern Brandstetter,

dore und enthält ausserdem die zahlreichen Kanzleien der städti- Peridl und Vital gefertigt. Im Innern hat der Universitätsbau eine

sehen Aemter, eleu sehenswerthen Gemeinderathssaal und die schöne Vorhalle und ein architektonisch grossartig wirkendes

besonders elegant ausgestatteten Bureauräume des Bürgermeisters. Treppenhaus; die vier Gebäudeseiten schliessen einen geräumigen

Vom Schlossbcrg her, der den Hauptplatz überragt, blickt der Hof ein. Im ersten und zweiten Stockwerke befinden sich in

eigenartige Uhrthurm, das Wahrzeichen der Stadt, auf das schöne bequemer Ausführung und sehr praktisch eingerichtet die Hörsäle, Rathhausgebäude herüber. Vor dem Rathhause, auf dem Platze, steht das grosse Brunnendenkmal des in der Steiermark als Wohl-

sowie die Kanzleiräume der Universitätsbehürden; einen besonders überraschenden, prächtigen Eindruck gewährt der grosse Saal der thäter des Landes so hoch verehrten Erzherzogs Johann. Dieses dem Aula mit hohen Bogenfenstern, Säulen und reicher Stuckverzierung,

sowie mit Brandstetter's 2'65 Meter hohem Marmorbildnisse des Monarchen in ganzer Figur. Sehenswerth sind auch der Sitzungssaal des akademischen Senates und die Kectoratskanzlei, namentlich wegen des kunstvollen Wand- und Deckengetäfels. Um den Hauptbau der Universität befinden sich die zu derselben gehörigen wissenschaftlichen Institute.

Hinter dem eigentlichen Universitätsgebäude liegt der kleinere Bau der Universitätsbibliothek, in welcher besonders der geräumige Lesesaal einen schönen Eindruck macht. Die Bücherräume sind nach dem neuen Magazinssystem errichtet. Die Bibliothek hat zahlreiche seltene Werke und namentlich kostbare, mit Miniaturen

unveigesslichen Fürsten gewidmete Monument zeigt die Gestalt desselben auf hohem Piedcstale stehend mit einer Rolle in der Hand, welche die Gründungsurkunde des von ihm geschaffenen Joannetims darstellt. Die weiblichen Figuren, welche die vier Ecken flankircn, sind allegorische Verkörperungen der Flüsse des Land.es Enns, Mur, Save und Drau.

Das ausgedehnte, mit der Hauptfront gegen die daran vorübergehende Halbärthgasse gekehrte neue Universitätsgebäude ist an die Stelle des alten Baues der 1586 von Erzherzog Varl gegründeten Universität auf dem Domplatze getreten. Ueber 300 Jahre lang hatte sich die früher unter der Leitung der Jesuiten gestandene

Universität auf jenem alten Blatze in der inneren Stadt befunden, bis geschmückte Handschriften in reicher Zahl.

GRAZ. UMGEBUNG.

len schönsten landschaftlichen Schmuck von Graz bildet der Stadtpark, eine englische Parkanlage, und zwar eine der schönsten und grössten solcher Anlagen, welche irgend eine Stadt Oesterreichs aufzuweisen hat. Dieser herrliche Park von Süden gegen Norden die Stadt auf der Ostseite bis zum Fussc des Schlossberges umfassend, dessen bewaldeter Kegel gewissermassen den Abschluss des Ganzen bildet, enthält prächtige Anpflanzungen seltener Bäume und Sträucher, Blumenbeete und schöne lauschige Plätzchen, und ist von an-muthigen Wegen durchzogen. In der Mitte etwa befindet sich der schöne figurenreiche Springbrunnen aus Paris, welcher 1873 in der Wiener Weltausstellung bewundert wurde, ferner erfreuen das Auge Kundtmann's .Marmorstandbild des Dichters Anastasius Grün, der lange Zeit in Graz sein eigenes Palais bewohnte und Brandstettcr's liebliche Waldlilie, deren anmuthige Figur der Dichtung Rosegger's »Aus dem Leben eines Waldschulmeisters« entnommen ist. Dem eigentlichen Schöpfer des prächtigen Stadtparkes, Moriz R. V. Franck, zu Ehren wurde im harke die Franek-Kiche gepflanzt. Im Westen des Stadtparkes, auf der Höhe, zu welcher beiderseits die schaltige alte Dammallee führt, befindet sich das Gate Wirth, vor dem eine Terrasse zur Ruhe und Erfrischung einladen.

Gegen Westen, etwa eine Stunde von Graz, am Fusse des Plabutsch, liegt das grosse Schloss Eggenberg, einst den gleichnamigen Fürsten, heute dem Grafen von Herberstein gehörig, mit ausgedehntem schattigen Park. Die Fürsten von Eggenberg hatten sich seit der Mitte des XVI. Jahrhundertes■ von bescheidenen Bürgersleuten durch Unternehmersirin und Handelsgeist zu dem vornehmen Geschlechte aufgeschwungen, welches hohe Reiehswäirden bekleidete. Das grosse Schlossgebäude hat der durch seinen ungeheuren Reichthum berühmte Hans Ulrich von Eggenberg zu Anfang des XVII. Jahrhundertes erbaut. Hinter dem Schlosse bieten sich schöne Waldspaziergänge, auch liegt daselbst die Wasserheilanstalt Eggenberg. Diese Anstalt besteht aus einem eleganten, zum Theile zweistöckigen Gebäude, sowohl von der Terrasse vor dem Anstaltsgebäude als auch aus den gegen Osten gerichteten benstein desselben bietet sich ein prächtiger Blick auf

die Stadt Graz mit dem Schlossberge, welcher aus dem Häusermeer emporragt. Der Bau enthält einen grossen Salon und praktische Cureinrichtungen, welche der Eigenthümer, Dr. Paalen-in jüngster Zeit besonders verbessert und auf den neuesten Stand gebracht hat. Die Nadelholzwälder in unmittelbarer Nähe bieten erquickende Spaziergänge, von denen namentlich jener zu der Einsiedelei erwähnt sein möge. — Nördlich von der Stadt, im dichten Walde versteckt, ist das freundliche, von Dichtern vielbesungene Kirchlein Maria Grün gelegen, welches seiner anmuthigen Lage wegen im Sommer von Naturfreunden aus der Stadt gerne besucht wird. Es wurde durch Hans Fritz 16G9, und zwar der Sage nach in Folge eines Gelübdes erbaut, nach welchem sich Fritz verpflichtet hatte, an jenem Orte, wohin sein Kind einen Stein werfen würde, ein Gotteshaus zu errichten. Früher bestand hier eine Einsiedler-Niederlassung, woran die Einsiedelei vor dem Gotteshause noch erinnert. Im Jahre 1810 kam fast täglich Ludwig Bonaparte, der einstige König von Holland, welcher damals in Graz wohnte, nach Maria Grün, das er auch in einem französischen Gedichte verherrlicht hat. — Weiter entfernt als Maria Grün, im Nordosten, liegt die auch von Pilgern aus fernen Orten vielbesuchte Wallfahrtskirche Maria Trost, ein hochragender, von der Höhe, auf der er liegt, weithinsichtbarer Bau. Diese grosse Kirche mit ihren zwei Thürmen wurde in der heutigen Ausdehnung erst 1740 erbaut. Die Kirche befand sich später in den 1 binden der Eremiten vom heil. Paulus, den sogen. Paulinern, heute besorgt die Seelsorge daselbst der Franziskaner-Orden. Das gewaltige Innere des Gotteshauses mit der schönen Kuppel macht einen bedeutenden Eindruck. Die Decke ist auch mit Fresken bemalt. Auch linden sich einige gute Bilder an den Altären. In der Gruft ruht eine Zahl von Leichen der Pauliner, welche, unverwest geblieben, mumienartig aussehen. Maria Trost ist seit 1898 durch eine elektrische Bahn mit der Stadt verbunden. Seitdem ist daselbst auch ein sehr gutes Gasthaus mit bequemen Localitäten eingerichtet. Im Sommer ist der schöne, wenn auch längere Waldspa2iergang dahin, am Hilmteiche und am sogenannten »Häuser] im Wald« vorÜberwegen des angenehmen Schattens und der schönen Landschaftsbilder, die er bietet, vorzuziehen.

Phot.I.,11 , HI. Heer, Khigenfurt; IV. Wiirtlile & Sohn.

Stadtparkbrunnen. Graz. Umgebung. Maria Grün.

Maria Trost. Eggenberg.

MARIAZELL. NEUBERG. MÜRZZUSCHLAG. AUSSEE.

liner der berühmtesten Orte der Steiermark ist der am Kusse der aussichtsreichen Bürgeralpe im nördlichsten Winkel des Landes, nahe an der niederösterreiehischen Grenze gelegene Wallfahrtsort Maria-Zell. Den Centraipunkt des von schönen Bergen umgebenen in sommerlicher Zeit von Fremden und Pilgern so ausserordentlich belebten Marktes bildet die grossartige dreithürmige Wallfahrtskirche, in der das aus dem XII. Jahrhunderte stammende, aus Lindenholz geschnitzte Gnadenbild der Gottesmutter sieh befindet. Die reiche, viele kunstvolle Kostbarkeiten enthaltende Schatzkammer weist auf den frommen gläubigen Sinn der Spender selbst aus den höchsten Ständen. Schon im Jahre 1157 soll ein Mönch aus dem Stille St. Lambrecht hier eine Zelle errichtet und das heute noch verehrte Marienbild mitgebracht und darin aufgestellt haben. Der von dei Reise Ermattete sei, erzählt die Legende, durch das Bildniss der Gottesmutter wunderbar gekräftigt worden, auch habe sich, als er nach dem Bauplatz für die Zelle gesucht, der Fels gespalten und die Stätte angezeigt. Im Jahre 1200 wurde schon eine steinerne Kirche erbaut, und zwar durch den wunderbar geheilten Mark-grafen Heinrich von Mähren. 1377 licss König Ludwig von Ungarn nach seinem Siege über den Fürsten von Bulgarien eine grosse gothische Kirche erbauen, deren Mitlelthurm noch steht, während die beiden Kenaissancethürme von einem Umbau durch den Abt Benedict Pierri 1044 herrühren. Die Umgebung von Maria-Zell bietet für den Naturfreund sehr schöne Ausflüge.

Südöstlich von Maria-Zell, am Kusse der nördlich sich erhebenden nahen Schneealpe liegt Neuberg, am Ufer der Mürz, eines der grössten Dörfer der Steiermark mit dem gewaltigen Gebäude und der Kirche des ehemaligen Cistercienserstiftes, welches seit 1782 aufgehoben ist. Die Stiftskirche ist ein höchst interessanter gothi-SCher Bau, der besonders hohe Dachstuhl ein Meisterwerk von Zimmerarbeit. Bemerkenswerth im Innern erscheint der alte Kreuzgang, der Capitelsaal des Stiftes und die Gruft der Stifter, in welcher die Gebeine Herzog Ottos, seiner Gemahlinnen und seiner Kinder ruhen. Das Stiftsgebäude selbst wird heute zum Theile als kaiserliches Jagdschloss verwendet, da rings in den Bergen und Wäldern

ein reicher Wildstand besteht; hier finden öfter im Jahre die Hofjagden Sr. Majestät unseres Kaisers und zahlreicher seiner Gäste statt. An dem Calv arienberg in Neuberg befindet sich seit 1882 ein Medaillondenkmal des hochverehrten, gefeierten Erzherzogs Johann. Eine grössere, aber höchst lohnende Wanderung ist jene von Neuberg über Mürzsteg, das sogenannte »Todte Weib« und die »Freyn« nach Maria-Zell.

Mit der weiter gegen Südosten sich wendenden Bahn erreicht man in Kürze Mür/.zuschlag, einen stattlichen Markt mit grossem Bahnhofe am Hauptstrange der Wien—Triester-Südbahnstrecke. Der Markt liegt reizend zwischen den bewaldeten Bergen, von denen elegante Curhäuser und Villen herabsehen, da der Ort auch als Wasserheilanstalt und Terraincurört einen bedeutenden Ruf hat. Mürzzuschlag macht mit seinen zahlreichen, auch modernen, eleganten Häusern, mit dem schönen Curhaus, den hübschen Parkanlagen, den zahlreichen Fabriksanlagen einen stattliehen, wohlhabenden und durch die malerische Umgebung prächtig grüner Lage, mit dem krystallklaren Wasser der Bäche und Flüsse einen freundlichen anmuthigenEindruck. Hier befindet sich auch ein Landes-Krankenhaus, ein bedeutender grosser angelegter schöner Bau am Ende des Marktes. Auch der durch seine Salzwerke berühmte Markt Aussee in der nordwestlichen Ecke der Steiermark ist gleichzeitig Curort. Seine Lage zwischen dem gewaltigen Hochgebirge, nicht ferne von den herrlichsten Seen ist aber auch eine ganz besonders ausgezeichnete. Für die hier benützten Salzbäder liefert die Soole des Salzberges das Material. Eine vornehme ('Urgesellschaft weilt im Sommer in dem an stattlichen Hötölsühd eleganten Villen sehr reichen Markte, der auch ein Curgebäude und ein stattliches Badehaus besitzt. Die Curanstalt »Alpenheim« des trefflichen Arztes Dr. Schreiber bietet eine besonders schöne Anlage mit herrlichem Parke. Im Posthause zu Aussee wurde die Gattin Erzherzog Johanns, die spätere Anna Gräfin von Merari geboren. Nordwestlich von Aussee erreicht man etwa in einer Stunde den vielbesuchten herrlichen Grundelsee, mehr gegen Norden liegt das romantische Altaussee mit ebenfalls berühmtem See, welcher von den Bergriesen Sandling, Loser und Trisselwand umgeben ist, letzterer fällt senkrecht in das blaue Wasser ab.

Piiot. I. Würtlllfl & Solin; II., IV. Moser, Aussee; iii Rameseier, Neuberg; V. Nik. Kuss, Maiiazell.

Mürzzuschlag. waruzau.

„ . Alt-Aussee.

Kouberg.

EISENERZ.

Hier uralte Bergort Eisenerz liegt in einem prächtigen langgestreckten Thale und bildet mit seiner Umgebung ijf von pittoresken Felsbergen, bewaldeten Höhen und £ Alpenmatten ein landschaftliches Juwel. Das Hoch-

gebirge, welches den Markt Eisenerz umgibt, besteht hauptsächlich aus dem etwa 1S(>2 Meter hohen Pfaffenstein, aus der 1 DU 1 Meter hohen Griesmauer, dem 2157 Meter hohen Reichenstein im Süden, der Fölzmauer und dem hochragenden Kaiserschild im Westen und Nordwesten, der 1580 Meter hohen Seemauer im Norden und aus der Polsteralpe, dem Prähübel und dem weltberühmten 1527 Meter hohen Krzbcrg im Südosten. Diese gewaltigen Berge bewachen die alterthümlichen Mauern des herghauthätigen Ortes, in dem schon seit vielen Jahrhunderten die Bevölkerung von dem Segen des unerschöpflichen Erzberges lebt und weit hinaus in alle Lande das nützliche Metall verbreitet. Von dem Erzberge und dessen Auffindung weiss die Sage des Volkes so manches zu berichten. Nach einer Version sei in grauer Vorzeit hier in der Nähe des Leopoldsteiner Sees ein menschenähnliches Ungethüm öfter erschienen, das unter dem Wassel- zu schwimmen wusstc und die Bewohner angstigte. Durch verschiedene hingelegte Esswaaren und Getränke und ein inwendig mit Harz bestrichenes Gewand köderten die Leute den Unhold, der den Speisen und dem Tranke zusprach und sodann in das Gewand schlüpfte, das er aber nicht mehr ausziehen und so leicht gefangen werden konnte. Als er sich in der Macht der Menschen sah, bot er alle mögliche Kraft auf, um sich zu befreien, doch half es ihm nichts. Endlich versuchte er es mit Versprechungen, erklärte, er sei der Geist des Erzberges und er werde den Bewohnern reiche Gaben bieten, sie mögen Wählen, ob sie haben wollten »einen goldenen Fuss-, oder ein silbernes Herz« oder »einen eisernen Hut«.

»Hält lang und gut, Drum wählet klug, So habt ihr genug!«

Sie wählten den eisernen Hut; da wies der Geist auf den Erzberg hin und sagte: »In diesem riesigen Berghute habt ihr Eisen für immer.« Man liess daraufhin den Gefangenen frei, der

im See verschwand, und die Leute bebauten von da an den unerschöpflich e n E rz b e r g.

Sic schürften aus des Berges Schacht Bas Bisen, d'raus man Schwerter macht, Und schürfen heute noch genug, So für das Schwert wie für den Pflug, Und werden lasen schürfen geh'n, So lange als die Berge steh'n. — Mein starkes Volk, du wähltest recht, Glück auf, Du eisernes Geschlecht. (Kud. Baumbacn.; Der malerische Ort selbst hat viele uralte Gebäude, aber auch solche neueren Datums aufzuweisen. Der schon 1598 vorkommende Kammerhof ist Eigenthum Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. und dient dem Monarchen zur Zeit der hier stattfindenden Hofjagden in dem gemsenreichen Gebiete als Wohnstätte und Jagd-schloss. Eine schöne belehrende Schöpfung ist das von Krainz 1881 gegründete culturhistorische Museum in Eisenerz, welches ein treues Bild des alten (ätlturlebens im Orte, der älteren bergmännischen Thätigkeit, der Trachten aus früherer und späterer Zeit, der Gerätschaften, Waffen u. dgl. gibt. Bemerkenswerth erscheint auch die alte, von Kaiser Max 1. in ihrer jetzigen Bonn umgebaute Kirche St. Oswald, über dem Markte auf der Anhöhe mit ihren dunklen Mauern sieh malerisch erhebend. Man findet in der das Gottesbaus umgebenden festen Mauer Schiessscharten, Pechnasen an den Mauerthürmen, kurz alle mögliehen Befestigungen. Das Innere des Kirchenschiffs weist bergmännische Figuren und Embleme und mannigfache Sculpturen auf, die kunstgeschichtlich sehr bedeutungsvoll sind. Auf der Höhe etwa gegenüber westlich vom Markte steht der Schichtthurm mit der von 1581 herrührenden Glocke, welche den Bergknappen das Zeichen zum Beginne der Schicht, d. h. der bergmännischen Arbeit am Erzberge gibt. Der Schichtthurm enthält unter dem Dache die Inschrift »Kadmaister Werkschichtthurm« und eine Glocke von dem berühmten Giesser Martin Hilger, deren Inschrift von 1581 besagt: »Lass dich verneinen meinen Klanck, geh' zur Arbeit, verzeuch nicht lanck.« Unter den Bauten fallen namentlich auch die alterthümlichen grossen Hochöfen mit ihren gewaltigen Mauern und Schloten auf.

Phot. Beer, Klagenfurt,

Eisenerz.

LEOPOLDSTEIN ER SEE. PFAFFENSTEIN. ERZBERG-SPITZE.

.wischen gewaltigen Bergriesen und dunkelgrünen Wäldern liegt etwa 1 l/tt Stunden nördlich von dem alten Berg-orte Eisenerz der Leopoldsteiner See, eines der herrlichsten Seewasser der Steiermark und einer der schönsten unter den kleineren Binnenseen überhaupt, von tiefgrüner Farbe, im Kähmen der gewaltigsten Naturumgebung. Alan gelangt vorn Markte Eisenerz aus dahin an dem zur charakteristischen mittelalterlichen Burg ausgebauten, dem Prinzen Arnulph v. Baiern gehörigen Schlosse Leopoldstein vorüber, einen Bergsattel übersteigend, im letzten ddieile des Weges durch prächtigen, harzduftenden Nadelwald wandernd. Ein anderer Weg über die »Prossen« lässt etwas mehr steigen, bietet aber ebenfalls einen herrlichen Waldgang. Die Felsberge, welche den stillen See umsäumen, sind: 1111 Norden die imposante, last senkrecht in das Wasser abfallende Seemauer, welche reich von Gemsen bevölkert ist, im Südosten der eigenartig geformte Pfaffenstein, im Südwesten der 2083 Meter hohe Kaiserschild und der Rothriegel.

Die Schönheit des Leopoldsteiner Sees und seine romantische einsame Lage in der grossartigen Umgebung hat manchen Dichter zum Liede auf dieses prächtige Landschaftsbild begeistert. Sinnig ist namentlich das alte Volkslied von »Blüamerl vom Leopoldsteiner See«, welches der Wanderer heim See gepflückt und nach Mause gebracht hat, wo es aber nicht hat blühen wollen aus Heimweh nach dem See. Vergebens Spricht der Freund des Blüm-leins ihm zu.

I will sorg'n für Di, Wennst nur blühst für rr.i, Will Di tragen mit Lust, An der treuen Brust. —

Aber weg is g'wedn, 's hat net lebn mög'n, 's hat si g'sehnt vor Weh Zan tiafn See.

Die Volkssage weiss manche unheimliche Geschichte von diesem See und seiner wilden Hingebung zu erzählen; so geht schon seit Jahrhunderten die Meinung des Volkes, dass in dem

.Seewasser ein alter unheimlicher Wassermann haust und gern die Menschen in die feuchte Tiefe zieht. Von der Seemauer, welche über den See ragt und so reich von Gemsen bevölkert ist, wird erzählt, dass einst ein Bursche, der die Jagd leidenschaftlich liebte und daher auch am Sonntage jagte, obgleich dies für den heiligen Tag untersagt ist, wieder eines Sonntags eine besonders grosse Gemse von Fels zu Fels verfolgte. Endlich hatte er das Thier zu seiner Freude eingeholt, sich dabei aber in den Steinwänden verstiegen. Da trat ihm die Gemse plötzlich nahe entgegen, und er sah, dass sie gross und zottig war und ungeheure Hörner hatte. Ehe er das Gewehr anlegen konnte, stürzte ihn der vermeintliche Gemsbock über die Wand in die Tiefe, WO er zerschmettert liegen blieb. 10s war der Gottseibeiuns selbst, welcher den Jäger zur Entheiligung des Sonntags verleitet hatte.

Der Pfaffenstein, welcher auch von der Eisenerzer Seite hochragend ersichtlich ist, wird von der Bevölkerung daselbst, da seine ContOUren das Bild einer aufgebahrten Leiche darstellen, auch wohl der Leichenstein genannt. Der schöne See ist eine halbe Stunde lang und 158 Meter tief. Ein Gasthaus an der Seite, wo die Strasse am See vorüberführt, bietet gute Unterkunft und prächtigen Ausblick auf den See. Man kann von hier gegen die Seemauer zu mit freiem Auge zahlreiche Gemsen in dem wildreichen Gewände ersehen und wenn die Hofjagden Sr. Majestät des Kaisers abgehalten werden, den Verlauf der ganzen Jagd mit Schützen und Wild dort oben verfolgen. — Der 1534 Meter hohe Erzberg südlich von Eisenerz, unmittelbar am Markte selbst emporsteigend, enthält die unerschöpflichen Schätze des nützlichen Erzes, welches hier durch Tagbau ans Lieht gefördert wird. Das gewonnene Roherz wird auf der Förderungsbahn über den Berg zu den Hochöfen im Thale geschafft. Auf dem obersten Gipfel des Erz-berges hat Erzherzog Johann 1827 ein über 7 Meter hohes gusseisernes KreuzbiLl aufstellen lassen, welches auch in einem Kästchen verwahrt und geschützt des Fürsten Bildniss in Bergmannstracht gemalt enthält.

Von diesem Gipfel bietet sich eine herrliche, imposante Aussicht auf die gewaltige Gebirgswelt der Umgebung.

rhot. 1. Stengel & Cie; II., III. Beer, Klagenflirt.

ErzberfrspitzG.

Leopoldsteiner See.

Pl'affenstein.

EINGANG INS GESÄUSE.

as Gesäusc zählt jedenfalls zu den bedeutendsten Naturmerkwürdigkeiten und Sehenswürdigkeiten der Steiermark, da die Grossartigkeit der Felsengebirgswelt kaum an einem zweiten Punkte im Lande so wirkungsvoll vors Auge geführt wird. Der Lintritt oder mit der Bahn die Einfahrt in die gegen fünf Stunden lange Felsenge des Gesäuses von der Admonter Seite her beginnt beiläufig bei der als »Gesäuse-Eingang« bezeichneten Haltestelle der von Selzthal gegen Oberösterreich zu führenden Eisenbahnstrecke. Ausser dieser Bahn führt auch eine wohlerhaltene Fahrstrasse durch diese Felsenwildniss. Für den von Admont Kommenden verschwindet der grüne Thalboden, welchen man hinter Admont noch eine Zeit lang gesehen, von jener Stelle an und das Auge erblickt hoch gegen Himmel aufragende Felswände. Es erheben sich vor dem überraschten Blicke zunächst die Kuppe des Himbeersteins und die schroffe .Heindlmauer, bald aber auch in ihrer mächtigen Grösse die 2117 M. hohe Kiesenwand der Planspitze, die 2154 M. hohe Rosskuppe, das 2372 M. hoch aufragende Hochthor, der Festkogel 2310 M. hoch und der 2335 M. hohe Oedstein. Bei der weiteren Durchfahrt durch das Gesäusc hat man Gelegenheit, noch andere gewaltige Bergriesen dieses pittoresken Alpengebietes ganz oder theilweise zu sehen, so den Grossen und den Kleinen Buchstein, den Reichenstein, das Sparafeki, den Hochzinödl und den 1388 M. hohen Gstatterstein. Auch der Blick in die Einmündung des Johnsbachthales und in jene des höchst romantischen Bruckgrabens liefert schöne, pittoresk wirkende Landschaftsbilder.

Die Sage, welche im Yolksmunde lebt, weiss aus den Bergen des Enbsthales und namentlich aus dem wilden Felsgebiete des Gesäuses manche seltsame Mähr zu berichten. So erzählt man, dass in grauer Vorzeit in dem Gebiete der Haller Mauern im Ennsthale bei Admont ein greulicher Lindwurm gehaust habe, welcher in das Gesäusc gekrochen, mit seinem Ungeheuern Leibe und den grossen Flügeln aber zwischen dem Gestein daselbst stecken geblieben und zu Grunde gegangen sei. Der todte Leib dieses Lindwurms habe lange Zeit weithin ringsum die Luit verpestet, unter dem Gerippe desUnthiers aber haben sich gegen zwanzig Rinder bergen können, so gross sei dasselbe gewesen. Eine andere Sage

wird von Gstatterboden erzählt, woselbst in einer nahen Felswand ein rundes Loch sich befindet. Die Entstehung desselben erklärt man folgendermassen : Einst habe der Teufel mit dem Pfarrer von Johnsbach gewettet, er bringe früher einen grossen Felsblock an jenen gewaltigen Felsbogen als der Pfarrer eine Messe zu Finde lese. Die Wette galt und während der Pfarrer die Messe las, machte sich der Böse auf den Weg. bis wurde ihm aber doch etwas ängstlich zu Muthe, und als er eben bis zu dem (istatterbodenbatter gekommen war, wollte er rasch das Thal gewinnen und fuhr durch die Felswand, in welcher jene Oeffhung zurückblieb. Er eilte in die Tiefe, aber zu spät, der Pfarrer hatte seine Messe schon zu Ende gelesen. Da schleuderte der Teufel den wuchtigen Felsblock voll Wuth in die Enns, wo er heute noch zu sehen ist, und fuhr zur Hölle.

Tausende von Reisenden passiren der gebotenen Naturschönheiten wegen zur schönen Jahreszeit mit der Eisenbahn das Gesäuse, dessen Besuch übrigens auch zur Winterszeit eigenartigen Reiz besitzt. Dem wahren Naturfreunde, welcher die Gewalt des Anblicks ganz auf sich einwirken lassen will, ist allerdings zur Sommerszeit zu empfehlen, den Weg von Admont bis Gstatterboden zu Fuss zurückzulegen, die volle Pracht der Gebirgswelt des Gesäuses wird dann die Seele des Wanderers erfreuen, wenn er auch nicht die Ersteigung jener Felsriesen unternehmen will. Als Hauptpunkt für den Besucher des Gesäuses und für denjenigen, welcher die Naturschönheiten desselben genauer kennen lernen will, gilt das mehr erwähnte, ob I Meter hoch gelegene Gstatterboden, welches nur aus wenigen 1 läusern besteht, aber sclum durch seine herrliche Lage fesselt. Von dort aus lassen sich prächtige Partien in der Nähe und weiter hinaus unternehmen, so etwa zu dem in der angeführten Sage genannten Gstatterboden-bauer oder zur Hochscheibenalpe, wo sich ein herrlicher Blick auf den Grossen und Kleinen Buchstein bietet. Wer nicht den Tamlschbachthurm ersteigen will, für den lohnt es sich wenigstens, die Ennsthalerhütte aufzusuchen, von wo eine grossartige Aussicht über das ganze Gesäusc geboten erscheint. Der Besuch des Brucksattels und des Bruckgrabens kann den Bewunderern wilder, gewaltiger Naturbilder ebenfalls nicht genug empfohlen werden.

I'liot. Beer, Klagenfurt.

Eingang inB Gesäusc.

GE SAUSE.

I^^^ra^j]wischen dem durch sein Stift wie durch seine land-HI^m^^ schaftliche Lage berühmten Orte Admont und dem i|fflP^^^ industriereichen Miellau mit den zahlreichen ununter-■ brochen qualmenden Sehloten bildet das sich immer

mehr vorschiebende felsige Gebirge eine enge Schlucht von grossartiger Wildheit, welche im Ganzen etwa vier Wegstunden lang ist. Diese Enge heisst »das Gesäuse« und hat ihren Namen daher, weil sich das Wasser der Enns, hier in seinem Laufe eingeengt, brausend und sausend über die vielen in den Fluss gefallenen Felstrümmer stürzt. Mit grosser Kühnheit ist die Eisenbahn zwischen den beiden genannten Orten durch diese Eelsberge geführt, sie zieht hinter dem Gcsäuse-Eingang zunächst auf der eisernen, hoch über dem Wasser erbauten Brücke auf die linke Flussseite, wo sie bald die herrliche, in grossartiger Alpenlandschaft liegende Station Gstatterboden erreicht, auf welche namentlich imposant der 2247 Meter hohe Reichenstein niederblickt. Immer rauschender braust das klare Bergwasser der Enns über die Felsblöcke und Steintrümmer, welche in das Flussbett gestürzt sind, und immer rascher wird der Lauf des Flusses, je weiter man in dieses Felsenthal eindringt. Mitten in der auf das Gemüth so mächtig wirkenden Wildniss gedenken wir wohl der Worte des Dichters Kollmann, welcher das Gesäuse besungen:

Hier wollte die Natur dem Herrn ein Rom,

EftS würdiges der Majestät, erbauen,

Die Enns durchrauscht es als sein Tiberstrom,

Die Felsensäulen ragen in den blauen,

Den sternbesäten weiten Himmelsdom.

Und wie die Geister aus der Vorzeit Grauen

Wird Baum und Lelsenblock hier zum Phantom,

Kann man die leichcnblassen Nebel schauen.

Die Angclos und Raffaele sinken

Üb holier Pracht erstaunt hier in die Knie,

Und legen ihre Kunst in Ehrfurcht nieder.

Vergebens wird zum Lied die Muse winken,

Denn dieses Bild erreicht die Dichtung nie,

Hier schwieg selbst Ussian, der Fürst der Lieder!

Das Gesäuse erstreckt sich zwischen den felsigen, meist mauerartig abstürzenden Felswänden des Tamischbachthurmes, des Grossen Buchsteins, der Planspitze, des Oedsteins und des Reichensteins hin. Nach der Station Gstatterboden und nach Passirung des Ennsmauertunnels öffnet sich die Enge ein wenig und badd erreicht man nun die Station Hieflau mit ihren Hüttenwerken.

Der Ort Hieflau ist überragt von dem 2034 Meter hohen Bergcolosse des Tamischbachthurm, welcher von hier aus auch von unternehmenden d'ouristcn bestiegen zu werden pflegt. Aber auch die übrigen Berge um Hieflau machen einen gewaltigen, imposanten Eindruck. Hier befindet sich in der Erms der grosse Holzrechen zum Auffangen des Holzes, das aus dem oberen Enns-thale hiehergeschwemmt wird. Dieser Rechen wurde schon im Jahre 1Ö12 erbaut und soll gegen 30.000 Gulden gekostet haben. Nahe bei dem Rechen ist die Anlage, in welcher das hergeschwemmte Holz verkohlt wird.

Südlich vom Gesäuse, mitten zwischen den gewaltigsten Felsbergen, aber auch umgeben von dunkelgrünen Wäldern und saftigen Alpenwiesen, liegt das Dorf Johnsbach, dessen kleine Kirche mit ihren weissen Mauern sich hell von dem grünen Wald- und Wiesen-hintergrunde abhebt. Diese Kirche wurde im Jahre 1310 durch den Abt Engelbert von Admont erbaut, welcher berühmte gelehrte Prälat sieh in dieser romantischen abgeschiedenen Gegend gerne aufhielt. Ein Umbau des Gotteshauses erfolgte im Jahre 1003, nachdem schon vorher 16Q8 der Pfarrhof errichtet worden war, wo auch die erzherzoglichen Prinzen bei der Jagd ihre Unterkunft fanden. Heute noch ist die Pfarre zti Johnsbach dem Bcnedietiner-stifte Admont incorporirt. Zahlreiche Sagen über geheimnissvolle Vorgänge und Zauberwesen in den Felsen der den Ort umgebenden Wildniss, sowie auch über den nahen grossartigen Wolfsbauern-Wasscrfall bei Johnsbach, welcher für den Naturfreund sich eines Besuches lohnt, werden im Volke erzählt Eine reiche Zahl derpracht-Völlsten Berg- und Aipenpartien von mehr oder weniger grosser Ausdehnung kann von hier aus in die prächtige Gcbirgswelt unternommen werden, wie überhaupt das ganze Gebiet um das Gesäuse zu der an wilder Naturschönheit reichsten Gegend des Landes gehört.

Phot. I Stengel & Cie. ; U , III., IV., V. Beer, Klagenfurt.

Hieflau. Gesäuse- Brücke. Johnsbach.

Ennsmauer - Tunnel. Gstatterboden.

SCHLADMING.

ins

m Westen der Steiermark, schon nicht mehr weit entfernt von der Grenze Salzburgs, und südlich von dem gewaltigen Stocke des Dachsteingebirges, welches durch feMJ unternehmungslustige Bergwanderer von hier aus gern und verhältnissmässig leicht bestiegen wird, liegt am rechten Ufer der Enns der Markt Schladming, auf den gewaltige Berghäupter herabblicken. Namentlich zeigt sich mit ihren Felsabstürzen von Schladming aus im Norden die mächtige, 2662 Meter hohe Scheichenspitze, eines der grossartigen Berghäupter des Dachsteingebirgszuges. Daneben vervollständigen die grünen Matten des Rohrmoos und der waldgrüne Hintergrund des Fastenberges das malerische Bandschaftsbild, welches der hübsche freundliche Markt mit seiner Umgebung bietet. Schladming, heute besonders auch als Touristenstation bedeutend, ist ein wirklich auch durch seine Bage hervorragend schöner Ort, hat 1004 Einwohner und ist Sitz eines k. k. Bezirksgerichtes. Manche der Häuser weisen noch interessantes alterthümliches Gepräge auf und haben spitzbogige Thore; einen vornehmen Eindruck macht das am Blatze befindliche Jagdschloss des Prinzen von Goburg, welcher das wildreiche Jagdgebiet der Umgebung inne hat, auch die Villa an diesem Platze ist ein stattlicher, eleganter Bau. Vor mehreren Jahrhunderten haben in Schladming arge Kämpfe zur Zeit der Bauernkriege stattgefunden. Damals, im Jahre 1525, war die »Stadt Schladming« von den Bauern besetzt und auch nach dem Abzüge derselben noch in offener Empörung, bis sie vom Grafen Salm eingenommen und furchtbares Strafgericht über die dem Protestantismus anhängenden Aufwiegler gehalten wurde. Graf Salm war in Eilmärschen gegen Schladming gezogen, welches die Bauernschaaren allerdings schon verlassen hatten, umzingelte den Ort, steckte ihn in Brand, fing die daraus Buchenden auf und liess nach der Einnahme zahlreiche Personen in grausamer Weise hinrichten. Die Mauern Schladmings, welche dasselbe bis dahin umgeben hatten, und die Befestigungen wurden hierauf geschleift und der Stadt alle städtischen Rechte und Privilegien entzogen. Uebrigens wurde das Verbot, welches Erzherzog Ferdinand erlassen hatte, die Häuser im Orte wieder aufzubauen, schon 1526 aufgehoben und den Bürgern, die keinen Antheil am Aufstande

gehabt, die Neubesiedelung gestattet. 1530 erhielt der Ort das Marktrecht, allerdings erlangte er ein Stadtrecht nicht wieder. Schladming erschien in früherer Zeit auch durch Silberbergwerke, die heute längst verfallen sind, sehr wohlhabend. Diese Bergwerke waren wahrscheinlich schon den Römern bekannt und wurden vor Erfindung des Schiesspulvers bebaut; im Jahre 1408 findet sich bereits eine eigene Bergwerksordnung für Schladming und wurde der Silberbergbau namentlich durch reiche Augsburger Handelshäuser betrieben. In Folge dieser regen Thätigkoit war der Ort so sehr emporgekommen, dass er zu einem der hervorragendsten im ganzen Ennsthale gezählt wurde. Zur Zeit des Kaisers Max waren in den Bergwerken Schladmings gegen 1500 Bergknappen beschäftigt. Aber dieser Thätigkeit machten die traurigen Vorfälle in Folge des erwähnten Bauernaufstandes ein Ende. Der Protestantismus, welcher vorher daselbst sehr verbreitet war, wurde zwar ebenfalls und zwar besonders durch die gegenreformatorischen Bestrebungen und Anordnungen im Jahre 1599 unterdrückt, immer aber, auch später, diente Schladming Protestanten, die insgeheim dem evangelischen Glauben anhingen, zum Aufenthaltsorte, und dies ist auch heute noch der Fall, da die Bevölkerung von Schladming und dessen Umgebung, z. B. der Ramsau, eines schönen, nördlich gelegenen Hochthaies mit vielen stattlichen Häusern, vorwiegend evangelisch ist. baue eigentliche Protestantengemeinde bildete sich aber erst im Frühjahre 1783, nachdem Kaiser Joseph II. das Toleranz-Patent erlassen hatte. Schladming hat zwei Kirchen, die 1532 erbaute schöne gothische Kirche der Katholiken und die 1862 vollendete protestantische Kirche, welche im Rundbogenstil errichtet ist. Auch die jetzige katholische Kirche war 1571 bis 1599 ganz im Besitze der Protestanten. Sie enthält hübsche Grabmonumente und ein 1571 gemaltes Votivbild, das nicht ohne Kunstwerth ist.

Die herrliche malerische Umgebung von Schladming zeigt viele der bedeutendsten, grossartigsten Naturschönheiten der Steiermark, namentlich die Partie auf den 1724 Meter hohen Brandriedel und zu der Austriahüttc im Gebiete des Dachsteins rückt dem Besucher die erhabene Bracht der gewaltigen Gebirgs- und Felswelt dieses Bergkolosses in die unmittelbarste Nähe.

Phot. Beer, ICIagenfui t.

ScliladrainK.

GRIMMING.

er 2351 Meter hohe felsige und zackige Gebirgsstock des Grimming, welcher eigentlich noch zum Dachsteingebirge gehört, aber durch das Thal, welches der Salzabach durchmesst, von demselben abgeschnitten wird, ist ein mächtiger, imposanter, ganz unbewaldeter und zerklüfteter Felsberg, der im Ennsthale Steiermarks weithin sichtbar erscheint. Von dem Markte Liezen an tritt den vom Norden oder Osten kommenden Reisenden schon das mächtige Felsgebirge mit den zahlreichen Zacken und Spitzen, welche oft, da sie aus Kalkstein bestehen, fast weiss erscheinen, ins Auge. Dieser »grimmige^ Berg hat in früherer Zeit als der höchste Berg der Steiermark gegolten, welche Ansicht allerdings nur seine vereinzelte Lage und die Schroffheit seiner hohen Felsenmauern veranlasst hat. I leutzutage weiss man, dass gerade das Knnsthal noch höhere Berge aufweist, die allerdings keinen so mächtigen bizarren Kindruck auf den Beschauer machen. Der ganze Gebirgsstock des Grimming ist auf einer Länge von zwei Stunden ausgedehnt. Schuttgeröll bedeckt diesen Bergkoloss auf allen Seiten, am nordöstlichen Abhänge erstreckt sich ein grosses Schneefeld. Der Grimming kann seiner zahlreichen Zacken und Abstürze wegen nur von sehr geübten Touristen bestiegen werden, bietet aber von seiner Höhe allerdings eine unübertrefflich prächtige Aussicht über die hohen Tauerrt, das Dachsteingebirge, das todte Gebirge, die Tauernkette und über das ganze schöne Ennsthal. In der Gegend, wo der Grimming aufsteigt, zweigt die von Selzthal hierherführende Bahn bei der Station Steinach-lrdning einerseits gegen Aussee zu, andererseits gegen Bischofshofen zu, ab. Zahlreiche Sagen leben im Volksmunde über verborgene Schätze, welche in den Berghöhlen des Grimming von Geistern bewacht und gehütet und besonders bevorzugten Menschenkindern zutheil werden können. Von dem steinernen Belsenthore, welches bei Trautenfels im Berge sichtbar wird und das einem wirklichen ddiore gleicht, erzählt der Volksmund, dass es sich jährlich an einem bestimmten Tage im Jahre öffne und den Eingang in den Berg gestatte. Ein Hirtenknabe, der einst daselbst Ziegen gehütet, habe das Thor einmal offen gesehen, sei hineingegangen und habe Zwerge getroffen, deren einer ihn bei

der Hand nahm und ihm so viele aufgehäufte Schätze zeigte, dass der Knabe ganz müde wurde und bei dem Thore einschlief. Als er erwachte, eilte er nach Hause und das Thor schloss sich hinter ihm. Wie erstaunte er aber, als er zu Hause an seiner Stelle einen anderen Hirtenknaben traf und erfuhr, dass er ein Jahr im Berge bei den Zwergen geschlafen habe. — Eine alte Jägersage weiss zu berichten, dass auf dem Grimming eine weisse Gemse mit silbernen Krickeln sich zeige, es ist dies eine arme Seele, welche durch den Tod von der Hand eines frommen Jägers erlöst werden könne. Dieser Jäger würde dann freilich für die Zeit seines Bebens glücklich.

Der Markt lrdning, welcher dem Grimming nahe am Ausgange des Donnersbachthaies liegt, besitzt eine der ältesten Kirchen Steiermarks, welche dem heil. St. Beter und Paul geweiht ist und schon im Jahre 1160 historisch nachweisbar erscheint, hier wirkte um 1440 als Pfarrer Clemens Sydvius Piccolomini, der spätere Papst Pius II. — Von hier kann auch der hübsche Ausflug in das wildromantische Donnersbachthal und nach Donnersbachwald unternommen werden, das sich namentlich auch durch seine noch in ursprünglicher Einfachheit erhaltenen Bewohner auszeichnet, die alte Sitte und Brauch nach Art der Väter pflegen und manche Eigcnthümlichkeit derselben sich erhalten haben. Der berühmte Sprachforscher Jakob Grimm macht, was den Namen Grimming betrifft, darauf aufmerksam, dass dieser mit dem slavischen Germ-nik, d. h. Donnersberg, zusammenhängen könne und daher mit dem (Uten Gotte Donar zusammenhänge, worauf auch der Name des nahe dabei befindlichen Flüsschens Donnersbach in dem eben genannten Thale hindeutet. Auf einem Felsvorsprunge, dem Grimming nahe, unfern von lrdning, erhebt sich das malerische, 1009 von Graf Trauttmansdorff erbaute Schloss Trautenfels, Eigenthum des Grafen Bamberg, welches hohe feste Mauern und hochragende Thürme aufweist und im Innern unter Andern einen prächtigen, zwei Stockwerke hohen Prunk- oder Rittersaal, sowie eine hübsche Schlosskapelle enthält. Aus den Fenstern dieses hochgelegenen Schlosses hat man eine prächtige Aussicht über das Ennsthal und auf die Gebirge, überhaupt beherrscht der imposante Schlossbau weithin die ganze Gegend.

Phot. Beer, Klasenfiiit.

Grimming.

OB ERSTE IRISCHE STÄDTE.

Icnn wir dem vielfach gewundenen Laufe des Mur-flusses von Westen nach Osten folgen, so zeigt sich bald, nachdem das in Salzburg entspringende und dort noch bescheidene kleine Llüssehen das steirische Gebiet erreicht hat, die alte Stadt Murau, reich an herrlicher Alpenumgebung. Von bemerkenswerthen Bauten besitzt die kleine, aber durch ihre malerische Lage und ihr Alter ausgezeichnete Stadt eine interessante frühgothische Pfarrkirche, noch einige andere Kirchen, das alte Friesacherthor und LJeberreste von Befestigungen. Das auf dem Berge sich erhebende Schloss Obermurau ist vom Grafen Georg Ludwig von Schwarzenberg im Jahre 1023 auf den Grundmauern einer älteren Burg, welche daselbst stand, errichtet. Murau hat im XV. und XVI. Jahrhunderte zur Zeit der Religionsstreitigkeiten zwischen Katholiken und Brotestanten und der Gegenreformation eine bedeutende Rolle gespielt. In den Franzosenkriegen zu Ende des vorigen und zu Anfang dieses Jahrhundertes wären die französischen Feinde einigemale in der alterthümlichen Murstadt als sehr ungern gesehene Gäste eingekehrt.

Weiter nordöstlich, am rechten Ufer der Mur, die dort schon breiter dahinrauscht und mehrere Bäche aufnimmt, liegt die Stadt Judenburg auf einer gegen die Wasserseite scharf abfallenden Höhe erbaut. Der einzeln stehende gewaltige Thurm der Pfarrkirche daselbst und die Ruine des südöstlich auf zackigen Felsen emporragenden einstigen Schlosses Liechtenstein sind die Wahrzeichen der an schöne Berge und Widder gelehnten Stadt. Von den weiters noch hervorragenden Gebäuden der Stadt seien genannt die vormalige herzogliche Burg, deren heutige schlichte Aussenscite die einstigen vornehmen Bewohner derselben nicht errathen lässt, die Stadtpfarrkirche, das Rathhaus und das alte heilige Geistspital. Judenburg hat seinen Namen von den zahlreichen vor Zeiten hier ansässigen Juden, welche regen Handel trieben; die Stadt ist sehr alt, nicht nur in der Römerzeit waren hier Ansiedlungen, schon in der Keltenzeit befanden sich hier Wohnsitze, wie verschiedene interessante Fundstücke von Alterthümern aus der Umgebung nachweisen, von dem der sogenannte »Jüdenbürger Wagen« als archäologische Merkwürdigkeit zu nennen ist.

Die Mur zieht von hier gegen Nordosten und erreicht in ihrem Laufe zuletzt bei dem einstigen grossartigen Nonnenstifte Göss vorbei das gewerbethätige Leoben. Prächtig, von gewaltigen Bergriesen umgeben, mit vielen eleganten modernen Bauten und schlanken Kirchthürmcn, mahnt die Stadt an die wohlhabenden Bürger in ihr, welche dem Segen des Bergbaues ihre Mittel verdanken. Lcoben weist eine regelmässige freundliche Bauart auf, in früherer Zeit hatte es auch Ringmauern und Thürme zur Ver-theidigung, die schon 14S1 errichtet waren. Eine Merkwürdigkeit ist der Thorthurm des Mufthores, welcher 1280 erbaut, 1794 vom Erdbeben zerstört, aber wieder hergestellt worden ist. Eine gereimte Inschrift auf demselben ist weithin lesbar. Schöne Bauten sind das alte Rathhaus mit den Wappen der österreichischen Provinzen, die k. k. Bergakademie, das Krankenhaus, zahlreiche moderne, elegante Häuser aus der neuesten Zeit auf den früheren Joselegrunde, unter denen besonders Gärner's prachtvolles Hotel hervorragt. Im Eggen-wald'schen Garten zu Leoben in der Vorstadt Mühlthal wurde am 18i April 1707 der Präliminarfrieden zwischen Oesterreich und Frankreich abgeschlossen. Den Charakter als Bergstadt zeigen auch die mit den Figuren von Bergmännern gezierten Brunnen und ältere Gebäude in vielen Einzelheiten.

Etwas über zwei Wegstunden nordöstlich von Leoben, am Zusammenflusse der Mur und Mürz liegt Bruck an der Mur im Thale, ebenfalls von einem Kranze bewaldeter Berge umringt, mitten unter den Häusern ragt der Schlossberg, auf dem sich einst die Veste Landskron erhob, hervor. Mit den netten Häusern, hübschen Kirchen und Villen macht auch Bruck, das an der Südbalmlinie Wien—'Priest gelegen ist, einen freundlichen Eindruck. Es besitzt eine hübsehe Stadtpfarrkirche (Maria Geburt) mit dem Grabdenkmal des Herzogs Ernst des Eisernen, der hier 1424 starb, übrigens in der Stiftskirche zu Rein begraben liegt; von anderen Gebäuden sind das Rathhaus, das sogenannte Kornmesserhaus, das Theater und die Kirche zum heiligen Rupprecht an der Strasse nach Leoben, welche einst die Stadtpfarrkirche gewesen sein soll, zu nennen. Von Leoben wie von Bruck aus lassen sich prächtige Ausflüge in die herrliche Umgebung unternehmen.

Phot, I. Leitner, brück; II. Stengel & Cie. ; III., IV. Beer, Klagenfurt; V. Hei ff, Judenlmrg

Bruck a. d. M. Judenburjr.

Judenburg. Hauptplatz.

Leoben. Murau.

RIEGE RS BURG.

iips

SSSJjn dem st) fruchtbaren östlichen Gebiete der Steiermark, nahe der Stadt Feldbach und von dieser in nordöstlicher Richtung etwa drei Wegstunden entfernt, er-i5J heben sich unmittelbar neben dem gleichnamigen Markte auf mächtig ausgebreitetem Basaltfelsen die Mauern und Thurme der grössten Burg des Landes, der mächtigen Riegersburg. Diese Burg enthält eine grosse Zahl von Räumlichkeiten im Innern und hat sechs von Mauern umgebene Höfe, in welche sieben Thore fähren, erst das letzte dieser Thore bildet den Eingang zu der eigentlichen Burg mit den Wohnräumen; Hammer-Burgstall hat die Kiegersburg poetisch verherrlicht und ihr die Worte zugerufen: Auf vereinzeltem Fels ragend zum Himmel auf Stehst du trotzend der Zeit. Also vereinzelt steht Wahre Grösse, die Zeiten Ueberragend mit Felsenkraft.

.Sieben Thore hindurch steiget der Schlangenpfad

Zur Akropolis auf, wie Kkbalana mit

.Sieben Wällen sieh hob, wie's

Siebcnthorigc Theben einst. Die eigentliche innere Burg führt den Namen Kronegg, diese Burg enthält eine grosse Zahl von Zimmern und Sälen, von denen manche besonders bemerkenswerth sind ; so zeigt das nördlich gelegene Fürstenzimmer hübsche Täfelung und das Sibyllen- oder Hexenzimmer die Bilder von Sibyllen und namentlich das Porträt der Katharina Baltauf, welche 1675 als Hexe zu Feldbach hingerichtet wurde. Man machte der jedenfalls blumenfreundlichen Frau zum Vorwurf, dass sie Blumen im Winter zum Blühen bringe, was für die Richter jener Zeit genügte, sie wegen des Einverständnisses mit dem Bösen zum Tode zu verurtheilen. Von den übrigen Räumen seien noch erwähnt: das mit Deckenfresken geschmückte Bdiderzimmer und das Römerzimmer, das Türkenzimmer mit einem sehenswerthen kunstvollen Kamin und der 20 Meter lange, durch 6 Fenster erhellte Rittersaal mit schön getäfelter Holzdecke und Eingängen mit Holzmosaik verkleidet. In einer Fensterscheibe im Rittersaale findet der Besucher sehr belustigt die Worte eingeritzt: »Anno 1035 den 0. April hat ssich daß szauffn angehebt vndAleTag ein Ravsch geben biß Auf den 26. detto.« Der weisse Saal diente

früher als Speisesaal und hat seinen Namen von dem weissen Marmor des Fusshodens und von der Farbe der Wände und der Decke.

Aus den Fenstern der meisten dieser Gemächer sowie auch vom Balcon geniesst man eine herrliche, weithin reichende Aussicht namentlich gegen Ungarn zu. Es findet sich ferner im Thorgebäude die dem heil. Nikolaus geweihte Schlosskapelle. Auf die Höhe führt ausser dem Wege durch die erwähnten Thore nur noch eine in den Felsen gehauene Stiege, neben einer Mauer, die mit Schiesslöchern versehen ist, empor. Diese Treppe heisst der »Eselssteig«, Die Riegersburg ist derartig mit Yertheidigungswerkcn versehen, dass sie nach dem Stande der früheren Kriegstechnik als vollständig uneinnehmbar galt. Obwohl die Burg schon im XII. Jahrhunderte genannt wird, hat den grossartigen, kostspieligen Ausbau Lierselben erst die berühmte unternehmende Katharina Elisabeth Freiin von Galler, im Volke »die Gallerin» genannt, um 1653 durchgeführt. Die Inschrift an einem Thore von ihr besagt: »Was ich in 16 Jahren hier hab lassen paven — das ist wohl zu sechen vnd anzuschaven — Kein Heller mich nicht reuen thuet — Ich mains dem Vatertand zu guet.« Später kam die Burg in das Eigenthum der Grafen von Purgstall, da sie die Eigenthümerin ihrer Tochter vermachte, welche mit dem Grafen von Purgstall vermählt war; dieser Hess 1675 die Befestigungen und Vorwerke vollenden. Der letzte Besitzer der Burg aus dem Hause der Grafen von Purgstall war Wenzel Gottfried Graf v. Purgstall, ein gelehrter und vielgereister Mann, welcher mit Goethe, Kant, Wieland, Herder und anderen grossen Geistern seiner Zeit in freundschaftlichem Briefwechsel stand und mit Johanna Anna von Cranstoun vermalt war, die ihre Abstammung aus königlichem Blute herleitete. Graf Burgstall starb 1812 zu Florenz auf der Reise; auch seinen ebenfalls hochbegabten Sohn raffte in jugendlichem Alter eine Bungenkrankheit hinweg. Beide Grafen v. Burgstall, die Letzten ihres Stammes, sind in der Pfarrkirche des Marktes Riegersburg begraben. Da somit im Jahre 1817 das Geschlecht der Grafen von Purgstall erloschen war, kam die Riegersburg in andere Hände und wurde im Jahre 1822 durch Ankauf Eigenthum der Fürsten von Liechtenstein ; gegenwärtig besitzt sie Fürst Alfred von Liechtenstein.

Pliot. Reer, Klagenfmt

Riegersburg.

VORDERNBERG. BRANDHOF. ERZHERZOG JOHANN.

jenem nördlichen Berggebiete der Steiermark, das sich sowohl durch seine Naturschönheiten und herrlichen Scenerien, als namentlich auch durch seinen Reichthum an Eisen auszeichnet, liegt nahe an dem nordwestlich sich erhebenden berühmten Erzberge und umgeben von gewaltigen Felsgebirgen, der stattliche Markt Vordernberg. Unter den Bergen ringsum sind der Klanunrücken und der Kohlbergrücken im Osten und besonders die felsige, 1972 Meter hohe Vordcrnbergcr-Mauer im Osten hervorzuheben. Schon das Aeussere des Marktes mit dem schönen Rathhause, der an Grabdenkmälern reichen Pfarrkirche, den ansehnlichen festen Bürgerhausern, dann mit den gewaltigen Hochöfen, Röstöfen und anderen Baulichkeiten des Eisenwerksbetriebes zeugt von den durch diesen Betrieb wohlhabend gewordenen Bewohnern des seit Jahrhunderten werkthfttigen Ortes. Die schönsten der Häuser, zum Theil mit Erkern, Giebeln und Thürmchen geschmückt, gehören den alten Familien der Radmeister, d. h. der mit Eigenthumsanlheilen an dem Eisenbergbau Betheiligten, die zur Verarbeitung zugleich ein sogenanntes Radgewerk besassen. Im Jahre 1822 erkaufte auch der schon damals für die culturelle Entwicklung im Bande Steiermark so unermüdlich thätige Erzherzog Johann ein solches Radgewerk, wurde in Folge dessen Radmeister und als solcher trug er ausserordentlich zur Hebung der Eisenindustrie dieses Gebietes bei ; ihm ist auch die Gründung einer Montanschule zu Vordernberg zu verdanken, aus welcher sich später die Bergakademie zu Leoben entwickelte. — Noch sieht man das alte, einstens im Eigenthum der Gewerken - Familie Stampfer gestandene stattliche Radmeisterhaus im Orte, das dem Erzherzog gehörte. — ■ Auf dem Friedhofe bei der jüngst (1891) renovirten Pfarrkirche Maria Himmelfahrt linden sich verschiedene Grabmonumente früherer Radmeisterfamilien, und auch in der Kirche selbst sind solche angebracht. Von Vordernberg führt die Prebichlstrasse nach dem Prebichl, von wo dem Besucher die ganze herrliche Gebirgswelt ringsum und auch die grossartigen Bergbauten des Erzberges erschlossen sind. Uebrigens beginnt in Vordernberg auch die merkwürdige eigentliche Erzbergbahn, welche bis Eisenerz die interessantesten Objecte aufweist und prächtige

Einblicke in die Thäler und Schluchten des ganzen Berggebietes gewährt. Die Bahn ist theils Adhäsionsbahn, theils im Zahnradbetrieb; sie zählt zu den interessantesten Bahnanlagen der österreichischen Monarchie. An den edlen Habsburger-Bürsten Erzherzog Johann, den wahren Wohlthäter und Gulturfürderer der Steiermark, erinnert auch sein Heim, das er sich in dem Gebiete des Hochschwabs am Seeberg geschaffen. Es ist dies der 1116 Meter hoch am Berge gelegene Brandhol, eine Alpenwiithschaft, welche der Erzherzog 1822 bis 1828 in ein behaglich und selbst künstlerisch schön ausgestattetes Wohnhaus mit Kapelle, Wirtschaftsgebäuden etc. umgestalten liess, das er im Sommer gern bewohnte. Um den Brandhof liegt wildreiches Jagdgebiet; hier war eine landwirtschaftliche Musterwirtschaft eingerichtet, die dem Bande Steiermark zum grossen Segen gereichte. Die Frontseite des Brandhofgebäudes ist gegen die Strasse gerichtet, in der Mitte springt die hübsche gotische Kapelle vor mit einem Glockenthürmchen gekrönt, sie enthält werthvolle Bilder und Kunstwerke im Innern. Das Wohngebäude hat einen altdeutschen Saal, ebenfalls mit schönen Gemälden und sinnigen Sprüchen geziert, und stylvoll eingerichtet. Noch zeigt man unter den vielen Kunstwerken und Reliquien, die im Brandhof bewahrt werden, auch des Erzherzogs alte steierische Alpenkleidung, die er stets zu tragen pflegte und in der ihn auch 1818 B. Krallt gemalt hat. Das schöne Bild wurde von B. Höfel trefflich in Kupfer gestochen und ist dieser Stich in Steiermark heute noch viel verbreitet. Ein Abbild desselben, das zugleich die steierische Gebirgstracbt jener Zeit zeigt, findet sich auf unserer Tafel. Vielfach ist Erzherzog Johann auch in Biedern verherrlicht worden, von denen manche heute noch als Volkslieder verbreitet sind. Eines der schönsten dieser Bieder ist jenes von des Steirers Sehnsucht nach der Heimat, dessen erste Strophe hier fogt:

Wo i geh und steh',

Thuat ma'S Herz so weh,

Um mein .Steiermark, ja glaubt ma's g'wiss.

Wo das StUtzerl knallt

Und das Uamscrl fallt,

Wo mein guter Herzag Johann is!

172

I'liot. Nik Kuss, Mariazell.

Brandhof. Vordernberg.

Erzherzog Johann (nach Puter KrafiTd Uomalikv

173

ADMONT. VORAU.

lif den stattlichen Markt und das gewaltige Bene-dictinerstift Admont in dein weiten und prächtigen grünen Thale der Enns des steilischen Oberlandes ÜU blicken die bedeutendsten Felshäupter des Landes nieder, im Nordwesten die zerrissenen zerklüfteten Hallermauern, im Osten der eigenartig geformte Ruchstein mit seinen Vorbergen und der J'amischbachthurm, südöstlich die Johnsbacher Berge mit der Mauer des 2372 Meter aufsteigenden Hochthors. Am nördlichen Ende des freundlichen Marktes führt eine Brücke über die hier schon mächtig breite Enns', auf bewaldetem Berge ragt im Südosten das dem Stifte gehörige Schloss Röthelstein empor, im Westen auf der Höhe die Wallfahrtskirche Frauenberg. Diese ganze Umgebung mit dem Markte in der Mitte bietet ein reizendes Landschaftsbild. Namentlich imposant aber tritt das 1<)74 von der Gräfin Hemma von Friesach errichtete Benedictinerstift Admont mit dem neuerbauten zweithürmigen St. Blasius-Münster hervor. In der Geschichte Steiermarks haben das Stift Admont und dessen Prälaten öfters hervorragende Rollen gespielt. Da es bald nach der Errichtung verwaistet wurde, baute das Stift Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1128 besonders schön wieder auf. In der Folge war auch ein Nonnenkloster in Admont von einem der Aebte errichtet worden, dessen Aufhebung jedoch bald wieder erfolgte. Im Jahre 1235 weilte Kaiser Friedrich II. für einige Zeit als Gast im Stifte, das der Prälat Friedrich II. zur besonderen Blüthe brachte. Von anderen bedeutenden Stiftsäbten der früheren Zeit können der gelehrte Engelbert, Johann IIb, Mathias, Anselm und Matthäus genannt werden. Letzterer war der Frbauer des Bibliotheksaales. Zur Zeit der Reformation fanden sich auch in Admont Anhänger der protestantischen Lehre, und ein Stiftsprälat Valentin wurde 1508 aus diesem Grunde sogar gezwungen, seine Stelle niederzulegen. In neuer Zeit hob das Stift Admont nach jeder Richtung hin der tüchtige Abt Benno, welcher 1863 starb. Obgleich mehrfach von Bränden heimgesucht, ist das Stift Admont doch immer wieder neu und schöner entstanden. Die Kirche mit den hohen schlanken Jdiürmen bietet auch im Innern viel des Sehenswürdigen, so einige treffliche alte Gemälde aus dem XIV. Jahrhundert, die

schönen Glasbilder von Schirmer, eine mächtige Orgel, schöne Sculpturen, bemerkenswerthe Stücke im Kirchenschatze und dergleichen mehr. Der furchtbare Brand des Jahres 1805 legte die frühere Kirche und nahezu das ganze Kloster in Schutt und Trümmer, doch wurde das Stift und die Kirche bald wieder aufgebaut und namentlich das Gotteshaus im alten gothischen Style vom Baumeister Bücher viel grösser und schöner als das frühere geschaffen. Fan Brachtraum im Stifte ist der 1781 in Rococo erbaute Bibliothekssaal mit Bresben von Altomonte und prächtigen geschnitzten Figuren und Verzierungen von Stammel. Die Bibliothek enthält reiche Schätze von Büchern und Handschriften. Sie hat einen Bestand von 80.000 Bänden. Die hervorragendsten und mit herrlichen Miniaturen geschmückten alten Manuscripte sind in besonderen Schaukästen ausgestellt, Selbstverständlich ist die Besichtigung dieser, einer der schönsten Bibliotheken Oesterreichs, für Fremde auf das Liebenswürdigste gestattet.

Das Augustiner (diorherrenstift Voran in der nordöstlichen Ecke der Steiermark schon im Gebiete des Wechsels gelegen, befindet sich auf einer Anhöhe bei dem gleichnamigen Markte, welchen der 1252 Meter hohe Masenberg von Bullau scheidet. Das Stift, ein schlossartiger von Mauern umgebener Bau mit Thürmen und Thoren ist 1163 vom Markgrafen Ottokar VII. gegründet worden, die Stiftskirche wurde 1662 vollendet. Im Jahre 1237 fiel das Stift Voran einer Feuersbrunst zum Opfer, Wurde aber wieder aufgebaut und stand zu Ende des XVI. Jahrhunderts in hoher Blüthe. Namentlich die StiftsprÖbste Gundau, Mathias Singer und Leisl haben im XVII. Jahrhundert zur Verschönerung des Stiftes und zur Erhöhung der Bedeutung desselben viel beigetragen. Bemerkenswerthe Theile des Stiftes sind das im Barockstyl ausgeführte (dausurgebäude und die Brälatur, schöne Fresken von Hackholer zieren den Gapitelsaal. Sehr geräumig und hoher Beachtung Werth ist auch hier der Bibliothekssaal mit seiner kostbaren Bibliothek, aus der die berühmte Handschrift der Kaiserchronik und Handschriften anderer deutscher Dichtungen die Aufmerksamkeit der ganzen gebildeten Welt auf das den Wissenschaften stets so ergebene Stift gelenkt haben.

Phot. I., II Beer; III. Helm, Döbling.

Stift Admont, Bibliothek. Admont. Vorau.

SC H US S ERL BRUN N. BÄREN SCHÜTZ.

[as romantisch gelegene Wallfahrtskirchlein Schüsserl-brunn bildet mit seiner Umgebung eine so pittoreske Gegend der Steiermark, wie wohl kaum eine zweite ähnliche im Gebiete dieser ganzen Alpengruppe gefunden werden kann. An den südlichen Hängen des felsreichen Hochlantsch steht die malerische Kirche, von hohen, fast kahlen Steinwänden überragt, und nahezu vor der Schwelle des Gotteshauses blickt das Auge wieder von steiler Felswand in die schwindelerregende Tiefe, Die Kirche und das kleine, nahe an ihr befindliche Gasthaus kleben gewissermassen auf einem Felsvor-sprunge über dem Abgrunde. Der Name Schiisserlbrunn erklärt sieh durch die Quelle, einen allerdings nur mit wenig Wasser versehenen »Brunnen«, welcher in einem Schüsserl daselbst gesammelt wird und für Augenkrankheiten von beilkräftiger Wirkung sein soll. Fine herrliche Aussicht in das Thal und in die Gebirgs-welt des Nordens und Westens bietet sich von diesem Punkte aus, welcher im Sommer, ja sogar bei schönem Wetter im Winter von zahlreichen d'ouristen besucht wird, die sich an dem prächtigen Ausblicke erfreuen oder auch wohl im weiteren Verläufe der Partie den Hochlantsch selbst besteigen und die nahe T.eichalpe besuchen. Der 1722 Meter hohe Hochlantsch, dessen Gipfel von Schüsserlbrunn aus leicht in einer Stunde erreicht werden kann, gehört zu den mehr östlich gelegenen Gebirgszügen der Steiermark; von der Höhe desselben hat der Besucher ein herrliches Gebirgspano-rama vom Wechsel und vom Semmering über die Hochschwabkette und die Admontergebirge bis zum Riesengipfel des Grossglockner. Auch ist das ganze Hochlantschgebiet durch seine besonders schöne und an seltenen Exemplaren reiche Flora auszeichnet.

Das Gebirge um dem Hochlantsch besteht aus felsigen Pergen und zahlreichen hohen Steinwänden, welche schon im Thale bei Mixnitz sichtbar werden. In diesen Felsbergen sind auch verschiedene Grotten und Höhlen vorhanden, und die Sage weiss davon zu berichten, dass in der grauen Vorzeit die (regend ringsum von riesigen Schlangen und Drachen bevölkert war. In dem von der Farbe seines Gesteines sogenannten Köthelstein zeigt man eine Höhle, welche heute noch die Drachenhöhle öder Kogel-

lucken genannt wird. Der Volksmund erzählt, in dieser Höhle habe vor vielen Jahren ein ganz besonders grosses Fnthier, ein Drache gelebt, der Schrecken und Angst unter der ganzen Bevölkerung verbreitete, durch das Zerreissen von Vieh ungeheueren Schaden anrichtete und auch Menschen tödtete, schliesslich aber von einem jungen Bauernknechte selbt ums Leben gebracht worden sei. Wer vom Hochlantsch oder auch von Schlüsserlbrunn aus die von daselbst befindlichen Teichen sogenannte Teichalpe, wo sich ein sehr gutes, hötelartiges Unterkunfts- und Gasthaus befindet, besuchen will, wird ein herrliches, im Sommer prächtiggrünes Stück Alpen-boden kennen lernen. Die d'eichalpe, im Yolksmund ►Teichtalm« genannt, ist die wohl grösste Alpe im Lande und wegen ihrer herrlichen Weiden und des zahlreichen daselbst auf der Trift befindliehen Viehes berühmt. Von weither wird das Rindvieh hier aufgetrieben, namentlich sind es auch Pferde, die hier längere Zeit auf der Weide belassen werden. Nach Schüsserlbrunn führt der bequemste Weg von der Südbahnstation Mixnitz aus. Will man denselben etwas ausdehnen, so verlohnt es sich, den prächtigen Wasserlall in der Bärenschütz zu besuchen. Man verfolgt bei der Tafel mit der Inschrift: »In die Bärenschütz und zum Wasserfall« den nur mehr kurzen Weg und hat die romantische Bärenschüt>: bald erreicht, welche ihren Namen von dem in früherer Zeit daselbst jedenfalls noch in grösserer Anzahl hausenden Bären erhalten hat. Zwischen düsteren Felswänden in einsamer Wildniss stürzt hier der Mixnitzbach 30 Meter hoch über die Felswand herab, sammelt sieh in einem Becken und Iiiesst sodann dem Thale zu. Der Fall mit seiner Felsumgebung bietet ein Bild besonderer wildromantischer Schönheit. Die ganze schöne Partie lässt sieh auch an der Ostseite, und zwar von Passail aus, das am südlichen Fusse der Teichalpenhöhe liegt, unternehmen und das man von der Eisenbahnstation Weiz in zwei Stunden erreicht. Man ist von Passail in zwei Stunden auf der Teichalpe, kann dann den Gipfel des Hochlantsch besuchen, über Schüsserlbrunn absteigen, sodann die Bärenschütz aufsuchen und schliesslich von dort sich zur Eisenbahnstation Mixnitz begeben, von wo aus die Südbahn nach Graz oder nach Wien führt.

Sohüssorlbrunn. Bärensohütz.

MARBURG. PETTAU.

üdlich von Graz und nahe dem gegen Südwesten sich erhebenden mächtigen bewaldeten Bergzuge des Bachergebirges breitet sich an dem Ufer des dort schon ansehnlichen schiffbaren und Schiffmühlen treibenden Drauflusses Marburg, die zweitgrösste Stadt der Steiermark, welche etwa 20.000 Einwohner zählt, aus. Vom Busse des erwähnten Gebirges ist die Stadt kaum eine Stunde weit entfernt. Früher war das dem feindlichen Anstürme sehr häutig ausgesetzte Marburg mit festen Mauern und anderen Befestigungen umgeben, welche oft den Feinden Trotz bieten und die Bürger schützen mussten. Die alte Burg mit dem Eckthurme am Sophienplatze bildete gegen die nordöstliche Seite zu einst das Ende dieser Befestigungen. Diese Burg, heute als Brivatgebäudc benützt, gilt als dieselbe, von welcher Marburg seinen Namen und sein Wappen herleitet. Es befindet sich darin ein schöner Saal, welchen jetzt der philharmonische Verein zti Goncerten benützt. Zur Burg gehört auch die der Santa casa in Boretto nachgebildete Kapelle, in welcher Papst Pius Vi. auf seiner Reise nach Wien 1782 eine Messe gelesen. An Stelle der alten Mauern sind heute schöne Parkanlagen geschaffen, welche sich weithin bis gegen die Rebenhügel erstrecken, an denen die Umgebung Marburgs so reich ist. In diesen Anlagen des Marburger Stadtparkes finden sich zierliche Baumgruppen und Blumenbeete, schattige Alleen, ein mit seltenem Wassergeflügel besetzter Teich, ein Springbrunnen, ein Musikpavillon und die Monumente des Kaisers Joseph 11. und des Erzherzogs Johann. Die neuen Stadttheile weisen moderne 1 Iiiuser eleganter Anlage und breite Strassen auf. Die alte Stadt der »Burg an der March« I.Mark) hat engere Gassen, die ihren Charakter bewahrt haben, in denen aber jetzt ein reges Beben pulsirt. Von hervorragenden Gebäuden sind die neue Pfarrkirche der Franziskaner, der gothi-SChe alte Dom, die fürstbischüflichc Residenz, das Theater- und Casinogebäude, der grossartige Bau der Gemeindesparcasse und der Mädchenschule, welche 1885 errichtet worden ist, und das neue Postgebäude besonders erwähnenswerth. Dem ausgezeichneten Admiral TegettholT, der in Marburg geboren wurde, ist aul dem Platze, nahe bei der Burg, von Anlagen umgeben, ein schönes

Denkmal errichtet; das Haus in der Burggasse Nr. 12 kennzeichnet eine daselbst angebrachte Tafel ftls dessen Geburtshaus. Die schöne Tegctthoffstrasse, welche vom Bahnhof in die Stadt führt und gerne von der Bevölkerung auch als Promenade benützt wird, hat ebenfalls ihren Namen nach diesem Seehelden. In dieser Strasse linden sich die Gebäude der Bezirkshauptmannschaft, der Finanz-direetion, des Militärspitals und anderer öffentlichen Aemter und Anstalten, auch die erwähnte neue, jetzt der Stadt zur besonderen Zierde gereichende Franziskanerkirche ist gegen diese Strasse zugekehrt. Am rechten Drauufer, hoch gelegen, erstreckt sich die Mag-dalenen-Vorstadt, in der sich auch die ausgedehnte Franz Josephs-Kaserne, wohl das grösste Gebäude von Marburg, von schönen Anlagen umgeben, befindet. Eine andere Vorstadt, die Kärntnervorstadt, erstreckt sich gegen die Westseite, unmittelbar mit der Stadt zusammenhängend; durch sie führt der Weg nach Kärnten.

Behau, das alte Boetovium der Römer, mit etwa 4000 Einwohnern, ist südöstlich von Marburg ebenfalls an dem Drauflusse in weingebirgsreichem Gebiete gelegen und wird von dem Schlosse Oberpettau, welches einst auch ein römisches Gastell war, überragt. Die alte Rümerstadt, welche sich hier befand, wurde zwai nach dem Siege Octavian's über die Bannonier 43 v. Ghr. zerstört, aber bald wieder aufgebaut und zum Standquartier zweier römischen Legionen bestimmt. Damals schon wurde auf dem Schlossberge ein grosser Bau, ein römisches Palatinum errichtet. Später war Oberpettau ein wichtiger Befestigungspunkt gegen Ungarn und Türken. Man geniesst von der Höhe, auf welcher das Schloss steht, und aus den Fenstern Liesselben eine prächtige Aussicht über die Stadt und das weite Drauthal bis zu den Bergen. Pettau weist neben schönen Neubauten auch alte Gebäude auf; das Schiff der Stadtpfarrkirche St. Georg ist schon etwa um 1200 errichtet. Der seltsamerweise einzeln stehende Thurm wurde erst 1792 der Kirche beigezogen, da er ursprünglich als Wartthurm erbaut war. Nahe der Kirche ist das merkwürdige römische Orpheusmonument, mit Reliefdarstellungen aus der Orpheussage, wahrscheinlich der Grabstein eines Decurionen, später als Pranger benützt, sowie das hübsche Theater, ein Bau der neuesten Zeit mit netter Facadc.

Pliüt. [., II., III, Ferd. Wcitzfnger; IV., V. Winkler, Pettau

Marburg. Pettau.

Marburg; Alte Burg. Marburg: Sparcassegebäudo. Pettau; Stadttheater.

FROHNLEITEN.

m freundlichen Murthale, auf zwei Seiten von Gebirgen begrenzt, liegt malerisch am Wien-Triester Hauptstrange der Südbahn der Markt Frohnleiten. Im Norden erhebt sich der aussichtsreiche SchilTalkogel, welcher von Frohnleiten gern und mühelos erstiegen wird. Wenn man den Markt, von der Bahnseite kommend, ins Auge fasst, so machen auf der gegen den Fluss steil abfallenden Anhöhe die stattlichen Häuserbauten mit der Kirche, dem alterthümlichen Jäiborthore und dem schönen, grünen Wald- und Berghintergrunde einen stattliehen fandruck auf den Beschauer. Neben dem erwähnten SchilTalkogel und den Ausläufern des HochtrötSCh bildet eine Zahl gewaltiger Berge der Obersteiermark die weitere Gebirgsumgebung. An bemerkens-werthen Gebäuden ist die 1683 von dem Reichsgrafen Abele von Lilienburg gestiftete Serviten-Ordenskirche zu nennen, sowie das genannte Thor, der Tabor, welches mit dem Marktwappen geziert, an jene Zeiten gemahnt, da die Bürger noch gegen das Eindringen feindlicher Scharen sich schützen mussten. In der Kirche befindet sich, mit einem Grabmal geschmückt, auch die Buhestätte des gräflichen Gründers. Ein besonders bemerkenswerter Bau ist die stattliche, 1807 durch Bürger Frohnleitens gegründete, 1871 von der Bürgerschaft selbst geleitete, seit 1877 unter der Leitung des Herrn Dr. K. Seeliger stehende Kaltwasser-Heilanstalt. Die vorzügliche Heilwirkung derselben und die reizende Lage Frohnleitens locken jährlich zahlreiche Cur- und Sommergäste in das schone, von Bergluft durchstochene Thal. Vor dem Gurhause ist dem Arzte Franz Kumpel-maier, welcher den ersten Anstoss zur Gründung der Anstalt gab, ein Monument errichtet. Besonders hervorzuheben sind die schattenreichen, schönen Gurpromenaden an den westlichen Berglehnen, so die Hauptpromenade zum Borenzborn oder der hübsche Weg zu der Waldlichtung »Emilys Bast-, und namenlich zu erwähnen ist auch der Spaziergang gegen Nordwesten zu dem von Wasser umgebenen thurmüberragten Schlosse Weyer. Dasselbe enthält interessante Zimmer und Säle mit altertümlicher Einrichtung, Hirsch? und Rehgeweihe und dergleichen und war früher im Besitze verschiedener steiermärkischer Adelsgeschlechter. Auch elegante Villen und Landhäuser linden sich um Frohnleiten. Südwestlich von Frohn-

leiten gelegen und in wenigen Minuten erreichbar, befindet sich das stattliche Schloss Neu-Bfannberg oder Grafendorf, ein Barockbau von 1725, welcher hübsche Bäume im Innern enthält; der Garten und der Park um das Schloss sind schöne Anlagen. Auf felsiger Höhe im Süden erhebt sich die Ruine des alten Schlosses Pfannberg, mit den Resten des Grabmales Hugo's von Montfort, dessen Geschlecht einst Pfannberg in Eigenthum hatte, nachdem das alte berühmte Geschlecht der Bfannberger ausgestorben war.

Etwa :1/4 Stunden südlich vom Markte auf vorspringendem Belsen gegen die Murseite zu erhebt sich das imposante Schloss Rabenstein, eine kühne Burganlage des XVI, oder XVII. Jahrhunderts, welches früher Eigenthum der Herren von Rabenstein war, die schon im XII. Jahrhunderte dort, jedoch an höherem Punkte des Berges eine Veste innehatten, von welcher die Ruinen noch sichtbar sind. Dieses alte, höher gelegene Schloss Rabenstein brannte zu Ende des XV. Jahrhundertes nieder; der neuere tiefer gelegene Bau dürfte, wie erwähnt, im XVI. Jahrhunderte errichtet worden sein. Nach dem Erlösehen des Geschlechtes der Rabensteiner war das Schloss abwechselnd in den Händen verschiedener Adelsgeschlechter, so der Dietrichstein, 1 farrach, Schärfenberg, Breuner, Trauttmansdorff u. A. Früher scheint die Mur noch näher hart an dem Fusse des Felsens, auf welchem das neue Schloss steht, vorübergeflossen zu sein, da die Sage von einem glänzenden Banket auf dem Schlosse erzählt, bei welchem fröhliche Spielleute auf dem hoch oben schwebenden Söller des Schlosses musicirt hatten, plötzlich aber sei dieser Söller eingestürzt und die Musikanten sanken mit an den Felsen zerschmetterten Gliedern in die Mur. Die Sage weiss auch von einer schönen Burgfrau von Rabenstein zu berichten deren Gemahl in den Kampf gezogen war, und nach deren Besitz sich vier kühne Männer sehnten. Diese Vier schlichen Einer nach dem Andern der schönen Frau in dem Burggarten nach, wurden aber jeder, sobald sie an der Burgfrau sich vergreifen wollten, in die grausige Felstiefe hinabgestürzt. Nur den Letzten rettete noch ein schnell gesprochenes Gebet vor dem grausen Tod. Der Ahnensaal des Schlosses ist sehr sehenswerth. Rabenstein befindet sich gegenwärtig- im Besitz des Herrn Fritz von Reininghaus.

I'hot. Huer, Klagenfurt.

Frohnleiten.

Rabon stein.

DEUTSCH-LANDSBERG. HOLLENEGG.

 

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er Markt Deutsch-Landsberg am Fusse der Koralpe, welche dort das Grenzgebirge zwischen Steiermark und Kärnten im Westen bildet, zeichnet sich ebenso durch seine liebliche und landschaftlich reizende Lage als durch die reiche industrielle Thätigkeit aus, die in dem freundlichen Orte herrscht; namentlich versendet die grosse Zündwaaren-fabrik von Pojatzi in Deutsch-Landsberg ihre trefflichen Erzeugnisse weit über Europa hinaus, auch andere industrielle Unternehmungen entwickeln daselbst ihre reiche Thätigkeit. Aus der in malerischer Beziehung besonders bemerkenswerthen Umgebung ist das westlich vom Orte auf der Höhe thronende .Schloss Deutsch-Landsberg zu nennen. Dieses Schloss ist grossentheils Ruine. Die ganze Schlossanlage dürfte zwei verschiedenen Bauperioden angehören und der ältere d'heil im XV. Jahrhunderte oder früher, der neuere ddieil im XVII. Jahrhunderte entstanden sein. Letzterer weist einen sogenannten Rittersaal auf, der noch vor kurzem Spuren von Fresken zeigte, die aber ebenfalls wie der Saal selbst schon der Zerstörung anheimgefallen sind. Von der Höhe der Burg I )eutsch - Landsberg geniesst man eine hübsche Aussicht über das Lassnitz und Sülm-thal und über die Gärten, üppigen Wiesen und .Saatfelder des ganzen fruchtbaren Gebietes. Das edle Geschlecht der Landsberger lebte im XIV. und XV. Jahrhunderte in Steiermark, es ist allerdings noch nicht entschieden, ob diesem Geschlechte die Burg hier schon damals zugehörte. Im XVI. und XVII. Jahrhunderte waren die Edlen von Schönbürg im Besitze derselben, welche später 1669 in den Grafenstand erhoben worden sind. Später ging das Schloss ins Eigenthum des Erzstiftes Salzburg über, 1811 kaufte es Moriz Graf von Fries, 1820 Kürst Liechtenstein. Der Berg, auf der Ostseite mit Obst- und Rebenpflanzungen bedeckt, fällt westlich steil ab und bildet mit dem steilen Thalrandc gegenüber eine enge wildromantische Felsschlucht, durch welche sich das klare Wasser der Lassnitz rauschend und brausend drängt. Dort, wo die Schlucht ihre engste Stelle aufweist, ist an der Berghöhe im Waldesdunkel eine Einsiedelei errichtet. Die ganze Bartie weist ein Stück echter Waldromautik auf, moosbewachsene Bäume bedecken die Abhänge des Beiges und dämmeriges Dunkel herrscht selbst am

hellsten Sommertage in der kühlen Sehlucht, welche das glitzernde | Wasser, von Felsen und .Stein vielfach gehindert, durchströmt.

Den schönen Weg zu diesen wildromantischen Stellen und die Eremitage Hess schon seinerzeit der Eigenthümer des Schlosses, Moriz Graf von Fries, anlegen. Ein Fusssteig führt auch zu dem Schlosse und der Schlucht empor.

Südlich von Deutsch-Landsberg, in etwa einer Stunde zu erreichen, liegt auf massiger Höhe das interessante, an Kunstschätzen reiche Schloss Hohenegg des Fürsten von Liechtenstein, ein Bau, welcher in der ersten Anlage aus dem XII. Jahrhunderte stammt und an das ausgestorbene Geschlecht erinnert, dessen Xamen er trägt. Dieses Geschlecht der Herren von Hohenegg kommt schon im XII. Jahrhunderte vor. 1520 war Abel von Hohenegg Landohrist von Steier und zeichnete sieh durch tapfere Thaten gegen die Türken aus, er starb 1545 und liegt in der Schlosskirche, die selbst einen stattlichen Bau bildet, begraben, woselbst sich sein schönes Grabmonument noch findet. Als Letzter dieses Geschlechtes starb Friedrich von Hohenegg 1582 zu Linz. Später kam das Schloss in die Hände verschiedener hervorragender Adelsfamilien der Steiermark, imXVlIl. Jahrhunderte an die Grafen von Khuenburg und 1820 wurde es fürstlich Liechtensteinisches Eigenthum. Hohenegg mit zwei Höfen, in deren einem sieh ein schöner alter Ziehbrunnen befindet, hat einen schonen, herrlich gepflegten Bark. Die Arkaden ringsum sind in neuester Zeit mit Fresken, welche der Geschichte des Hauses Liechtenstein entnommen wurden, von DirectÖr Varl Lacher geschmückt worden, Im Schlosse sind besonders der grosse Saal, ebenfalls mit Fresken, die reiche Waffenkammer, der Familienporträtsaal und der Bibliothekssaal durch ihre Ausstattung und Einrichtung sehenswerth, in jedem Kaumc des Schlosses aber sind werthvolle Gemälde, Möbel, Waffen, Geweihe und Kunstwerke aller Art in solcher Fülle zu sehen, dass man zur Besichtigung, welche der liebenswürdige Fürst gestattet. Stunden braucht. Ueberhaupt wurde Hohenegg später in wahrhaft fürstlicher Weise ausgestattet und auf das Vornehmste eingerichtet. Aus den Fenstern des Schlosses geniesst man über ganz Mittelsteiermark und die fernen Hochgebirge eine herrliche Aussicht.

D.-Landsberg,

Deutsch-Landsberg.

Hollenegg.

roh usch-sauerbrunn I.

jlJW^^'^j iw.'i eine Stunde westlich von dem stattliehen Markte MBÄ^m Hohitsch in der unteren Steiermark liegt die steier-t^R^^^Ä- märkische Landeseuranstalt Rohitsch-Sauerbrunn, in ;i " ' T'-.|j joncr Gegend auch wohl schlechtweg Sauerbrunn genannt, schon nahe der eroatitiseheu Grenze. Von Bergen und Hohen, die mit schattenspendenden Buchen- und Eichenbäumen bewachsen sind, umgeben, ist der elegante Curort überaus geschützt, namentlich hält gegen Nord und Nordost der mächtige, 920 Meter hohe Bergstock des Wotsch rauhe Stürme ab. Der alkaliseh-salinische Säuerling von Rohitsch, welcher sowohl zur Trinkcur als auch zur Badecur verwendet wird, hat seit langer Zeit eine rühmlichst bekannte Heilkraft. In dem 1819 erbauten Tempelbrunnen, welchen die prächtigen Anlagen des Cur-platzes umgeben, wird Jas Mineralwasser den danach Bedürftigen credenzt. Die Styriaquelle in dem hübschen Holzpavillon ist erst seit 1884 eröffnet. Sie wurde damals durch Professor Rumpf im Schachte des ehemaligen Platzbrunnens isolirt und in vollendeter Weise gefasst. Ausserdem finden sich noch mehrere andere Brunnen.

Unter den stattlichen Gurgebäudcn ist namentlich das eigentliche Curhaus hervorzuheben mit dem prachtvollen, 11 Meter hohen, reich verzierten Riesensaale, welcher 1840 bis 1844 mit grosser ldeganz gebaut wurde und so geräumig und schön ausgestattet ist, wie wenige ähnliehe Räume in anderen CÜrorten. Auch die grossartigen Restaurationsbauten sind eines hervorragenden Badeortes ersten Ranges würdig. Die kleine Kapelle ist St. Anna geweiht, und findet am Annenfesttage in dem erwähnten Saale alljährlich ein glänzendes Ballfest statt. Sehr bemerkenswert!"! erscheint auch das sogenannte Kaiserhaus, eines der grossen Curgebände, in welchem im Jahre 1893 Se. Majestät der Kaiser Franz Josef I. gelegentlich seiner Reise durch Steiermark mehrere Tage gewohnt bat. Dieses Gebäude hat einen grossen Balcon, der eine wundervolle Fernsicht darbietet, und sehr elegant eingerichtete grosse Zimmer. Das Militär-Curhaus wurde 1891 durch die österreichische Gesellschaft vom weissen Kreuze für Angehörige des k. u. k. Heeres gestiftet und zeigt sich als hübscher villenartiger

Bau. Noch sei der nicht grossen aber lieblich im Grün gelegenen, namentlich für Familien zum Bewohnen angenehmen Villa Jankomir unter den Bauten von Rohitsch-Sauerbrunn erwähnt.

Der Curort, dessen Quellen schon seit 1045 als heilkräftig bekannt sind, hat eine reizende Umgebung, welche Gelegenheit zu angenehmen, sowohl näheren als auch weiteren Ausflügen bietet. Es sei etwa der nach dem eigentlichen Neubegründer der Anstalt, Landeshauptmann Ferdinand Graf Alterns, genannte Ferdinandsberg, der Triestiner Kogel und der aussichtsreiche 302 Meter hohe Janinaberg genannt, von dessen leicht zu erreichender Höhe sich ein prächtiger Blick in das Land und namentlich auch auf die Sannthaler Alpen darbietet, deren zackige Contouren sich an klaren Tagen rein von dem Horizonte abheben. Dem Landeshauptmann Grafen Ferdinand von Attelns ist als Gründer der Guranstalt von den Landständen schon 1823 ein hübsches Monument, welches dessen Büste mit wohlgetroffenen Gesichtszügen aufweist, errichtet worden. Der schattige Johanniswald führt seinen Namen von dem unvergesslichen Erzherzog Johann, der hier gerne weilte. Etwa 45 Minuten vom Curplatze entfernt ist die Wallfahrtskirche Maria-Terschische, welche ebenfalls zum Objecte eines interessanten Spazierganges gemacht werden kann. An die Kirche, die mit einer Wunschglocke versehen ist und an diese Glocke selbt knüpft der Volksglaube manche sinnige Sage, welche schon seit unerdenklichen Zeiten vom Munde des Volkes erzählt ward. Noch viele andere hübsche Punkte bieten auch mehr in der Ebene Gelegenheit zu angenehmen Spaziergängen. Nicht minder lassen sich weitere hübsche Partien für den Bequemen zu Wagen in den Markt Rohitsch mit der sehenswerthen Glasfabrik Straza, in das Bad Krapina-TÖplitZ und in die landschaftlich schön gelegenen Ortschalten der weiteren Umgebung unternehmen. Leicht begreift man die Verse des Dichters Littrow, wenn man eine Zeit lang in den lieblichen und Genesung bietenden Curort geweilt hat:

Rohitsch hat die besten Quellen, Klares Wasser, frischten Trunk, Wie aus einer I lypokronc Schlürft man dort Begeisterung.

Rohitsch-Sauerbrunn.

ROHITSCH-SAUERBRUNN I.

j|nf« «i twa eine Stunde westlich von dem stattlichen Markte

kohitsch in der unteren .Steiermark liegt die steier-:iVÄ'^-';1\V; 1 märkische I .andeseuranstalt RohitSCh-Sauerbrunn, in ' * • jener (legend auch wohl schlechtweg Saiierhrunn genannt, schon nahe der eroatitischen Grenze. Von Bergen und Höhen, die mit schattenspendenden Buchen- und Eichenbäumen bewachsen sind, umgeben, ist der elegante Curort überaus geschützt, namentlich hält gegen Nord und Nordost der mächtige, 020 Meter hohe Bergstock des W'otseh rauhe Stürme ab. Der alkalisch-salinische Säuerling von Rohitsch, welcher sowohl zur Trinkeur als auch zur Badeeur verwendet wird, hat seit langer Zeit eine rühmlichst bekannte Heilkraft. In dem 1819 erbauten Tempelbrunnen, welchen die prächtigen Anlagen des Ourplatzes umgeben, wird das Mineralwasser den danach Bedürftigen credenzt. Die Styriaquelle in dem hübschen Holzpavillon ist erst seit 1884 eröffnet. Sie wurde damals durch Professor Rumpf im Schachte des ehemaligen Platzbrunnens isolirt und in vollendeter Weise gefasst. Ausserdem finden sich noch mehrere andere Brunnen.

Unter den stattlichen Ourgebäuden ist namentlich das eigentliche Curhaus hervorzuheben mit dem prachtvollen, 11 Meter hohen, reich verzierten Riesensaale, welcher 1840 bis 1844 mit grosser Eleganz gebaut wurde und so geräumig und schön ausgestattet ist, wie wenige ähnliche Räume in anderen Ourorten. Auch die grossartigen Restaurationsbauten sind eines hervorragenden Badeoides ersten Ranges würdig. Die kleine Kapelle ist St. Anna geweiht, und findet am Annenfesttage in dem erwähnten Saale alljährlich ein glänzendes Ballfest statt. Sehr bemerkenswert!] erscheint auch das sogenannte Kaiserhaus, eines der grossen Curgebände, in welchem im Jahre 1893 Sc. Majestät der Kaiser Kranz Josef I. gelegentlich seiner Reise durch Steiermark mehrere Tage gewohnt hat. Dieses Gebäude hat einen grossen Balcon, der eine wundervolle Fernsicht darbietet, und sehr elegant eingerichtete grosse Zimmer. Das Militär-Ourhaus wurde 1891 durch die österreichische Gesellschaft vom weissen Kreuze für Angehörige des k. u. k. Heeres gestiftet und zeigt sich als hübscher villenartiger

Bau. Noch sei der nicht grossen aber lieblich im Grün gelegenen, namentlich für Familien zum Bewohnen angenehmen Villa Jankomir unter den Bauten von Rohitsch-Sauerbrunn erwähnt.

Der Curort, dessen Quellen schon seit 1045 als heilkräftig bekannt sind, hat eine reizen Je Umgebung, welche Gelegenheit zu angenehmen, sowohl näheren als auch weiteren Ausflügen bietet. Es sei etwa der nach dem eigentlichen Neubegründer der Anstalt, Landeshauptmann Ferdinand Graf Aiterns, genannte Ferdinandsberg, der Triestiner Kogel und der aussichtsreiche 302 Meter hohe Janinaberg genannt, von dessen leicht zu erreichender Höhe sich ein prächtiger Blick in das Land und namentlich auch auf die Sannthaler Alpen darbietet, deren zackige Contouren sich an klaren Tagen rein von dem Horizonte abheben. Dem Landeshauptmann Grafen Ferdinand von Alterns ist als Gründer der Curanstalt von den Landständen schon 1823 ein hübsches Monument, welches dessen Büste mit wohlgetroffenen Gesichtszügen aufweist, errichtet worden. Der schattige Johanniswald führt seinen Namen von dem unvergesslichen Erzherzog Johann, der hier gerne weilte. Etwa 45 Minuten vom Curplatze entfernt ist die Wallfahrtskirche Maria-Terschische, welche ebenfalls zum Objecte eines interessanten Spazierganges gemacht werden kann. An die Kirche, die mit einer Wunschglocke versehen ist und an diese Glocke selbt knüpft der Volksglaube manche sinnige Sage, welche schon seit unerdenklichen Zeiten vom Munde des Volkes erzählt wird. Noch viele andere hübsche Punkte bieten auch mehr in der Ebene Gelegenheit zu angenehmen Spaziergängen. Nicht minder lassen sich weitere hübsche Partien für den Bequemen zu Wagen in den Markt kohitsch mit der schenswerthen Glasfabrik Straza, in das Bad Krapina-Töplitz und in die landschaftlich schön gelegenen Ortschaften der weiteren Umgebung unternehmen. Beicht begreift man die Verse des Dichters Littrow, wenn man eine Zeit lang in den lieblichen und Genesung bietenden Ourort geweilt hat:

Rohitsch hat die besten Quellen, Klares Wasser, frischten Trunk, Wie aus einer Bypokrone Schlürft man dort Begeisterung.

Rohitsch-Sauerbrunn.

ROHITSCH-SAUERBRUNN IL

fie Kenntniss von der Heilkräftigkeit der Quellen Rohitsch-Sauerbrunns reicht in der Zeitfolge weit zurück. Es ist sogar wahrscheinlich, dass dieselben schon den Römern bekannt waren, nachdem sie ja die in der Nahe gelegenen Meilquellen in Krapina-Töplitz, Römerbad etc. auch gekannt haben. Ein Ruch des berühmten Tabernaemontanus von 1G0Ö erwähnt eines steiermärkischen Sauerbrunnens, der seiner Beschreibung nach auf diese Quellen bezogen werden kann, genau und ausführlich aber berichtet der Marburger Arzt Johann Bened. Gründe] in seinem 1685 zu Wien erschienenen lateinischen Werke »Roitschocrene« darüber. Dieses Werk ist 1087 zu Grätz in einer Uebersetzung: »Roitschocrene, das ist ausführliche Beschreibung des. . . Roitscher Sauerbrunn« und viel weiter ausgeführt erschienen. Nach Gründers Erzählung kam im Jahre 1040 ein Graf Zrin, der an Leberverhärtung litt, auf der Jagd zufällig an diese Quelle und fand Heilung durch dieselbe. Daraufhin wurde das Wasser als heilkräftig sehr bekannt. Die Quelle entsprang damals auf dem Wege gegen Heiligenkreuz zu und war in einen ausgehöhlten Weidenstamm gefasst. Später machte Freiherr von Courty Anspruch auf das Eigenthum des Brunnens und errichtete eine kleine Cur-anstalt, steigerte aber den Breis des Wassers enorm. Da Klage dagegen gefühlt wurde, erhielt der Wirth A. Brauck in Wien vom Kaiser das ausschliessliche Privileg auf die Versendung des Rohitscher Wassers, 1721 bekamen 11 Apotheker von Wien diese Bewilligung und als nach Aufhebung des Privilegiums der Wasserhandel, in Brauerhände kommend, verfiel, nahmen sich die Stände Steiermarks der Sache an. 1803 hatten sie die ausschliessliche Befugniss zur Füllung und zum Versandt des als trefflich schon längst anerkannten Wassers erhalten. Von diesem Zeitpunkte an trat die C'uranstalt von Rohitsch-Sauerbrunn in eine neue, bedeutendere Phase ihrer Entwicklung und wurde in grösserer und schönerer Weise angelegt. Wohn- und Curgebäude wurden geschaffen, schöne Parkanlagen gepflanzt und die Quellen trefflich gefasst. Namentlich der Landeshauptmann der Steiermark Ferdinand Graf von Attems hat sich um Hebung und Verschönetung des Gurortes grosse Verdienste erworben, in gleicher Weise sein Nachfolger fgnaz Graf

von Attems Bauten und Anlagen noch weiter ausgeführt. Schon 1810, 1811 und 1812 weilte der vielgeliebte Erzherzog Johann im Bade und benützte den Gesundbrunnen, dem er «Beben und Gesundheit verdankte«, wie der Erzherzog damals selbst an den Grafen von Attems schrieb, \dele hohe Persönlichkeiten haben seitdem Rohitsch-Sauerbrunn besucht.

Von den Besuchern, denen dieser Gesundbrunnen Heilung von mancherlei Beiden gebracht, sei hier namentlich der bekannte österreichisch« Dichter Faust Pachter, der Freund Friedrich llalm's, erwähnt, welcher Rohitsch in zwei poetischen Werken verherrlicht hat, es sind dies der lyrische Cyclus »Rohitscher Brunnencur« (Wien, 1870) und der umfangreiche Band »Rohitscher Sonnendienst« (Stuttgart, 1880). Zahlreiche schöne Punkte in und um Rohitsch-Sauerbrunn haben den Dichter zu poesievollen Strophen in diesen Büchern begeistert. So ruft er Abends auf dem Janinaberge aus:

Von dem Gipfel, wo Ich bin Durch den Wald heraufgegangen, Sah ich mit entzücktem Sinn Westwärts noch der Sonne Prangen. —

Beichte Nebel, wolkenschnell Blattern wie auf weissen Klügeln, Weisse Kirchlein schimmern hell Zwischen Wald- und Rebenhügeln. - -

Und ein Glanz umhüllt die Höh'n, I)ass ich fast geblendet werde! Ach wie bist du wunderschön, Liebe, vielgeschmähte Rrdc!

Dem reizenden Plätzchen am Busse des Triestinerkogels aber sendet derselbe Dichter den Gruss zu:

Seid mir gerüsst, ihr dichtbelaubten Bäume, Sei mir willkommen, kleiner Murmelbach, Zu Zeugen hin' ich euch für meine Träume, Buch sag' ich, was die Muse zu mir sprach. —

Ich sauge hochbeglückt in vollen Zügen Den tiefen Frieden dieses Pfades ein; Nie wird mich falsche Ruhe hier betrügen. Kr wird mir immer traut und heilig sein'

Curhaus Tempelguelle

Rohitsch Sauerhi'unn. Cursaal.

Curvilla. Curhaus.

GLEICHENBERG

|er berühmte Curort Gleichenberg, dessen Ruf in aller Welt bekannt ist, liegt am Kusse der sogenannten Gleichenberger Kogeln, zweier Trachytberge, welche wegen ihrer gleichen Gestalt den Namen haben, südlich von der Stadt Feldbach im Westen Steiermarks. Der eine Gleichenberger Kogel, 300 Meter hoch, schliesst die Villenanlage des Curortes gegen Norden zu ab und schützt daher im Vereine mit mehreren anderen Höhen der Umgebung vor rauher Luft, auf dem zweiten Kogel befindet sich malerisch thronend das alte Schloss Gleichenberg. Dieses Schloss befand sich früher in den Händen verschiedener Angehöriger steirischer Adelsgeschlechter. Schon im Jahre 1187 und 1189 werden zwei Edle von Gleichenberg erwähnt. Im XIII. Jahrhundert war die Burg im Besitze des Hartnid von Wildon, im XV. Jahrhundert linden wir die Herren von Pettau als Eigenthümer, ferner noch später den Grafen Johann von Schaumburg, eine Zeit lang die Stubenberger und Beinbrecht von Wallsee. Im Jahre 1 $79 erscheint Hans Friedrich Freiherr von Trauttmansdorff als Burgherr und seitdem verblieb das Schloss ununterbrochen im Besitze der TraUttmansdorflf. Der theils bewaldete, theils mit Kulturen minderer Art bepflanzte SehhAsberg ist 451 Meter hoch. Das Schloss selbst ist ein stattlicher Burgbau mit schönen Zimmern und einem zwei Stockwerke hindurch reichenden Rittersaal. Der sogenannte Hexenthurm erinnert daran, dass hier der Sitz des Gerichtes in den der menschlichen Vernunft und Humanität zur Schande gereichenden traurigen Hexenprocessen vom XVI bis Anfang des XVIII. Jahrhunderts gewesen ist. Im Jahre 1804 wurde der ganze Bau einer vollständigen Neuherrichtung unterzogen. Die heilkräftigen Quellen lenkten schon zu Ende des vorigen Jahrhunderts auf Gleichenberg die Aufmerksamkeit, aber erst der damalige Gouverneur der Steiermark, Constantin Graf Wickenburg, schuf die eigentliche Anlage des Curortes und Fassung der Quellen durch die Gründung eines Actienvereines im Jahre 183d. Seitdem entstanden nach und nach die grossen schönen Gebäude, das Curhaus, das Vereinshaus, die verschiedenen stattliehen Villen, der Brunnentempel, welcher den Schacht der reichsten, der Constantinsquelle enthält, später auch

die hübsche auf Kosten des Grafen Wickenburg auf der Höhe im Jahre 1845 erbaute Kirche und die vielen herrliehen Parkanlagen, welche den Curgästen so prachtvolle Spaziergänge bieten. An der genannten Kirche, die besonders sehenswerthe Glasgemälde der Fenster aufweist, befindet sich auch das Familiengruftgewölbe der Grafen von Wickenburg. In der Nähe des Musikpavillons ist dem Schöpfer dieses Curortes, Grafen Wickenburg, ein schönes Marmorstandbild, 1887 von Sehmiedgruber in Wien verfertigt, gesetzt worden. Von den Quellen sei noch die Emmaquelle im Füllhause genannt, von den Baulichkeiten des Ortes die schöne gedeckte Wandelbahn, das Badehaus, das mit Sprüchen geschmückte Schweizerhaus östlich davon, die Villa des Grafen Wickenburg, die Villa d'Orsay, das Theatergebäude, welches auch Wohnzimmer enthält und die verschiedenen Gebäude der Hotels und der übrigen Unterkünfte für Fremde erwähnt. Den Mittelpunkt des Bades bildet das grosse Curhaus, welches ein Cafe, den Cur- und Musik-Salon, Conversationssaal, Lesezimmer, kurz alle zur Bequemlichkeit und Annehmlichkeit dienenden Räumlichkeiten enthält. Das Vereins-haus ist das älteste Wohnhaus in Gleichenberg und stammt mit dem Curhause aus der gleichen Bauperiode vom Jahre 1830.

An Ausflügen und Spaziergängen, auch etwas weiter hinaus, ist natürlich kein Mangel; der kurze Weg durch die Schlucht zum Brater bietet einen wildromantischen Spazierweg mit prächtigen Bandschaftsbildern, an dessen Bude sich die sogenannte Milansruhe befindet; zum Monumente des Erzherzogs Johann, zur Constantins-höhe, zum aussichtsprächtigen Parapluie führen schöne, wohlgepflegte WTege in der schönsten Gegend. Die reizenden Anpflanzungen des Cur-parkes und die prächtigen Alleen zählen überhaupt zu den schönsten ähnlichen Anlagen und sind an und für sich eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Auch der Besuch des interessanten erwähnten Schlosses Gleichenberg auf der Höhe, von welchem oben gehandelt wurde, lässt sich leicht unternehmen. Als besonders durch herrliche Aussicht hervorragenden Punkt kann man das Gasthaus »zur schönen Aussicht« beim Bauernhansel, 70 Minuten nordöstlich vom Curort bezeichnen; dort bietet sich eine entzückende Rundschau über ddial und Hügel bis zu den ragenden Hochgebirgen des Oberlandes.

Flut. Wiinhlc & Sülm.

Gleiohenberg.

CILLI. RÖMERBAD. NEUHAUS.

ine der anmuthigsten und am schönsten gelegenen Städte in Steiermark ist Cilli an der Sann im Süden des Landes. Das herrliehe, fruchtbare Thal, worin die .Stadt liegt, wird nordöstlich von den gewaltigen Berg-kolossen in pittoresken Formen, welche man die Sulzbacher oder Sannthaler Alpen nennt, abgeschlossen. (Tili ist aber nicht nur sch(")n gelegen, es zeigt sich auch als eine elegante, moderne Stadt mit grossen modernen Gebäuden, zwei bedeutenden, in neuerer Zeit renovfrten Kirchen und mit hübschen, belebten Strassen. Dazu blicken überall in der Stadt uns alte Denkmäler entgegen, welche zeigen, dass hier schon vor 1800 und mehr Jahren das uralte römische Claudia Celeja stand. In dem überaus sehenswerthen, unter fachkundiger Leitung stehenden reichhaltigen Cillier Localmuseum finden sich viele Denkmäler und Erinnerungen an diese bedeutende Römerperiode. Cilli besitzt auch ein hübsches Theater auf dem Franz Josefsplatz, einer Statue Josefs IL, eine kleine, hübsche protestantische Kirche und jenseits der Sann, über welche mehrere Brücken führen, einen ausserordentlich schön angelegten schattenreichen Stadtpark mit malerischen Blumenbeeten und Baum-gruppen. Auch auf dem nahen Josefiberg, dessen Höhe die zwei-thürmige Lazaristenkirehe krönt, bieten sich freundliche Spaziergänge. Vom Stadtpark aus, an den Sannbadeanstalten vorüber, welche Cilli einen bedeutenden Ruf als Badestadt verschafft haben und die köstlichen Bäder in dem krystallklaren Wasser der Sann bieten, gelangt man zu einem Brünnlein, welches dem Dichter J. G. Seidl, der einstmals in Cilli als Brofessor weilte, zu verdanken ist, an dem sich eine Tafel mit Versen Seidl's befindet Die gegen Süden zu gelegene Ruine auf dem Schlossberge erinnert an die Zeiten der Grafen von Cilli, welches mächtigste Adelsgeschlecht des Unterlandes damals die Stadt und zahlreiche Schlüsser und Gebiete weit und breit besass, nun aber ausgestorben ist.

Wenige Eisenbahnstationen südlich von Cilli liegt an dem bewaldeten Senouscheg das Thermalbad Römerbad, welches, wie schon der Name andeutet, als Heilquelle auch den Rennern bekannt war. Das Badehaus mit dem Cursalon und das sogenannte Sophienschloss sind hoch über dem Spiegel der Sann, von schönen

Parkanlagen umschlossen, gelegen. Die Thermen kamen in späterer Zeit in Vergessenheit und erst im 10. Jahrhundert geschieht derselben wieder Erwähnung; das neue Badegebäude wurde 1720 vom Grafen Cajetan von Wildenstein errichtet. Die heisse Ouelle wird in dem grossen Vollbadbassin benützt, doch gibt es auch nach Belieben Separatvollbäder und Marmorwannenbäder. Die schöne Umgebung Römerbads ist reich an Ausflugspunkten, hier seien nur genannt die an dem Berge sich hinziehende Victoriapromenade, die Charlottenruhe, der Weg zum Echo und zum Wasserfalle, der interessante Römerweg' 2 Stunden südwärts gegen Steinbrück und die Grillparzerruhe, welche daran erinnert, dass der berühmte Dichter in Römerbad seinerzeit auch Erholung und Genesung gesucht hat.

Nordwestlich von Cilli ist das ruhige und schattige, dem Lande gehörige Bad Neuhaus gelegen und in einer guten Fahrstunde von der Stadt aus zu erreichen. Das Bad war schon 1582 bekannt und im XVII. Jahrhundert vielfach von Damen besucht und benützt. Die Therme wird namentlich in dem grossen Cur-hassin benützt, das sich in dem Hauptcurgebäude beiludet. Von den übrigen Gebäuden sind noch zu nennen das FremJenbade-Gebäude, der Schweizerhof, das Herrenhaus, das Waisenhaus, die Villa Hygiaea, die Villa Styria und das Häuschen am Walde, prächtig schone, schattige Parkanlagen, dichte Alleen und theils bewaldete Höhen umgeben den in der Gemeinde Doberna gelegenen, gegen rauhe Luft besonders gut geschützten Curort. Die frühere Burg und Herrschaft Neuhaus auf der Höhe scheint aus dem Schoosse der alten Herrschaft Doberna hervorgegangen zu sein, sie war in den Händen der Herren von Neuhaus und kam später in den Besitz des Mathias Gaitschnigg, der seinen Namen mit kaiserlicher Bewilligung in Schlangenburg änderte, die Ruine auf der Höhe heisst deshalb auch heute die Schlangenburg, es fühlt ein schöner Spazierweg empor, und bietet sich von der 510 Meter hohen Anhöhe eine prächtige'Aussicht. Noch grossartiger ist der Ausblick namentlich in die Bergwelt von St. Jodok auf dem Kosiak. In etwa drei Stunden kann St. Jodok, wohin der Weg markirt ist, von Neuhans erreicht werden.

Phot. Maitini, Cilli.

Römerbad. Cilli.

Bad Neuhaus,

OSTSTEIRISCHE ORTH.

nter den im östlichen Theile der Steiermark gelegenen Ortschaften und Stadtchen macht der Markt Pöllau an der südlichen Abdachung des Rabenwaldes einen freundlichen und stattlichen Eindruck. Pöllau an dem Säfen-bache, welcher hier auch eine schon angelegte Schwimm- und Badeanstalt mit Wasser versieht, hat hübsche Gebäude und ein altes, nach dem Brande von 1824 neu aufgebautes Rathhaus. Eine besondere Zierde aber und ein Gebäude von hervorragender Bedeutung in Pöllau ist der schöne Kuppelbau der Kirche des ehemaligen, 1785 aufgehobenen Augustiner-Chorherrnstiftcs. Dieses, im Innern mit reichen Fresken gezierte mächtige Gotteshaus zählt zu den schönsten kirchlichen Renaissance-Bauten im Lande und ist nach dem Vorbilde der Peterskirebe in Rom aufgeführt. Auch das einstige Stiftsgebäude besteht noch, es umschliesst einen grossen Hof mit seinen Arkaden und enthält grosse Säle. Heute ist es als Schloss des Grafen Lamberg benützt. An dem 752 Meter hohen Pöllauberge, nordöstlich vom Markte, blickt ebenfalls ein imposantes Gotteshaus in das schöne grüne Thal hinab, nämlich die grosse, eigenartig angelegte Wallfahrtskirche Maria am Pöllauberge.

In östlicher Richtung von Pidlau, schon knapp an der ungarischen Grenze, liegt die nette Stadt Hartberg mit 1800 Einwohnern, zwischen dem mit Wald und Reben bewachsenen 1 Budberg, dem Ringberg und dem Massenberg. Die Stadt weist hübsche breite Strassen und mehrere sehr ansehnliche, der neuesten Bauperiode angehörige Gebäude auf, so hauptsächlich den grossartigen Bau der Volks- und Bürgerschule. Die Pfarrkirche in theils romanischem, theils gothischem Styl wurde 1750 weiter ausgebaut und enthält ein Hochaltarbild von Hackhofer. An der Stadtmauer befindet sich das einstige fürstlich Paar'sehe Schlossgebäude mit dem Paarschen Wappen über dem Thorbogeri. Das Schloss ist heute im Besitze Dr. Schöpfer's, der sich um die Verschönerung Hartbergs grosse Verdienste erworben hat. Ein kunstgeschichtlich merkwürdiger Bau ist der aus dem XIII. Jahrhunderte herrührende romanische Karner, ein Rundbau südlich von der Kirche, welcher eine der hervorragendsten Gruftkapellenbauten Oesterreichs bildet. Das Innere enthält ausser der Gruft die mit schöner Kuppel

versehene kunstvoll architektonisch ausgestattete Kapelle. 10s linden sich auch sehr schöne Parkanlagen und Spaziergänge in und um Hartberg, wie z. B. die schattenreiche Brühl mit ihren romantischen Wald- und Baumpartien, auch eine grosse treffliche Schwimmanstalt ist vorhanden.

Nördlich von Hartberg, schon am Fusse des Wechsels erhebt sich auf einem Belsen der merkwürdige Bau der Bestenburg. Die Festenburg, jetzt dem Stifte Vorau gehörig und theilweise zur Kirche umgestaltet, dürfte in der ersten Anlage des Baues bis in das XIII. Jahrhundert zurückreichen, während der auf den alten Mauern gegründete Neubau aus dem Anlange des XVIII. Jahrhunderts herrührt. Die Felsgrundfeste des alten Schlosses trägt jetzt die Kirche. Ein Adelsgeschlecht Vestenburg ist schon im XII. Jahrhundert historisch nachgewiesen. Das ganze Gebäude ist nicht nur als Burganlage höchst beachtenswerth, sondern überrascht auch durch die reichen Kunstschätze und die Gemälde und Fresken Hackhofer's im Innern. Man hat von der Südseite des Schlosses eine schöne Aussicht gegen den Wechsel, gegen den Massenberg und in die grünen Thäler.

Im Südosten des Landes, der ungarischen Grenze ebenfalls ganz nahe, liegt freundlich an der Mur die 2000 Einwohner fassende Stadt Radkersburg mit freundlichen Gärten und Weinbergen, netten Häusern und stattlichem thurmgekrönten Rathhause. Seit 1583 war Radkersburg vielfach den Einfällen der Türken ausgesetzt und hatte mit diesen so wie auch schon in früherer Zeit mit den hereinbrechenden Ungarn manchen schweren Kampf zu bestehen. Die hohe gothische Stadtpfarrkirche enthält Malereien von Johann Aquila aus dem Jahre 1450 und ein besonders schönes gothisches Seitenportal. Bei der Stadt auf der Berghöhe im Süden ragt das gräflich Wurmbrand'sche Schloss Ober-Radkers-btirg hervor. Auch dieses Schloss war in früheren Kriegsläuften vielfachen Angriffen von Seiten der Türken ausgesetzt. Es ist thurmgekrönt und enthält eine .Schlosskapelle und ein reichhaltiges Archiv. Eine prächtige Aussicht bis zu den Bergen des Oberlandes und Kärntens bietet sich aus den Fenstern dieses Schlosses, das wahrscheinlich schon im XI. oder XII. Jahrhunderte von dem Geschlechte der Rukkerspürch erbaut wurde.

Phot I Bauer, Pöllau; II Sochor, Hartberg; III. Hehn, Döbling; IV. C. Weighardt, Leoben.

Pöllau. HartToerg. Karner. Harfberg.

Featenbnrg. RadkerBtmrS.

INNSBRUCK I.

^Innsbruck, du herrliche, du unvergleichliche Alpenstadt! Wer könnte das einzig-schöne, erhebende und erhabene Bild, das du dem Beschauer darbietest, in seinem ^^^^fWlj ganzen und vollen Zauber, in allen seinen berückenden Beizen mit Worten, mit dem Stift oder Pinsel testhalten? Wer vermöchte auch nur die milde, warme Stimmung zu beschreiben, die dein Anblick, liebliches Innsbruck, in unserer Seele, in unserem tiefsten Innern hervorruft? Wer vermöchte die leuchtenden, sieghaften Barben zu schildern, in die deine alten Paläste und pittoresken Häuser, deine Gassen, deine Plätze, dein mächtiger, rauschender F1USS, dein saftiggrünes Mittelgebirge, deine himmelhoch aufstrebenden, schneebedeckten Bergriesen im Hintergrunde des überwältigenden Gemäldes getaucht, von denen sie wie im Goldglanz der Sommersonne Übergossen sind? Sehen wir von irgend einem höher liegenden Punkt auf die malerische, romantische Innstadt herab, so empfinden wir ein Unbeschreibliches, ein Unsagbares, das sich nimmer ausdrücken lässt. Aus diesem köstlichen Bilde mit seinen vielen Thürmen, die wie Demanten in der Sonne blitzen, grüssen ehrwürdige, alte Bauten, neu angelegte, moderne Bezirke, weithingestreckte Wiesen, liebliche Gehöfte, Villen und Burgen auf den Höhen, Kirchen und Dörfer im Thale lauter schimmernde Edelsteine im ausgedehnten Kähmen des unvergleichlichen Anblickes. Wird dem Geschichtskundigen dann noch die Historie der interessanten Stadt lebendig, erwachen ihm im Geiste die Tage von der Römerherrschaft an bis in die neueren Epochen, steigt der Kriegslärm jener sturmbewegten Zeit, als das biedere Tirolervolk um sein Vaterland kämpfte, vor ihm auf, ziehen all' die markanten Gestalten dieses Landes von der Schlacht am Berge [sei, von der [nnbrücke an ihm vorüber, dann erhält all" das Erschaute noch ein ganz besonderes Relief.

Weit zurück aber reicht sein Denken, wenn er der römischen Heerstrasse von Matreium (Matrei) gegen Norden gedenkt, an der das Bastell Ambras und die Golonie Veldidena (das heutige Wüten) gelegen war. Wie die Sage erzählt, hätten die Riesen Haimon und Thyrsus in Veldidena eine Abtei gegründet, die im Jahre 1175 Brämonstratenser besiedelten. Graf Berchtold von Andechs ist es

gewesen, der 1 BSO von dem Stifte ein namhaftes Stück Land kaufte, auf dem er eine Ansiedelung errichtete, die 50 Jahre später (1225) bereits mit Mauern und Thürmen umgeben war und zur Stadt erhoben werden konnte. Bis ins XIV. Jahrhundert hiess diese feste Stadt Bontina, späterhin Innsbruck, während der Volksmund noch heute die Landeshauptstadt •Schprugg- nennt. Margarethe Maul-tasch hatte nach dem Tode ihres zweiten Gatten, Ludwigs von Baiern, und ihres Sohnes Meinhart, am 29. September 1363 Stadt und Land an die Habsburger abgetreten. Rudolph IV., Herzog von Oesterreich, war der erste Regent aus dem Geschlechte der Habsburger. Er hatte Innsbruck zur Hauptstadt erhoben und schlug hier seine fürstliche Residenz auf. 1563 resiJirtc Erzherzog Ker-dinand, der Sohn Kaiser Ferdinands L, der Genial der schönen Philippine Weiser, im Schloss Ambras (rechts unten), das aut sanfter Höhe über dem weiten Innthale thront und eine bestrickende Aussicht auf die ganze (legend gewährt. Heute ist Innsbruck in sommerlichen Tagen ein Sammelpunkt der Fremden geworden, die gerne in der gemüthlichen Staat weilen. In den reinlichen Gassen, auf den vielen lohnenden Promenadewegen, längs der Quais und im Hofgarten tummeln sich die Gäste aus aller Welt und gemessen die schönen Bilder, die sich in glanzvoller Farbenpracht bieten. Die nächsten Umgebungen sind reich an pittoresken Partien, von denen jede durch ihre eigene Charakteristik fesselt. Ringstim im Hintergrunde schauen aber die erhabenen Häupter der grauen zerrissenen Steinriesen auf Strassen und Plätze hernieder und senden selbst in heissen Tagen ihre kühleren Lüfte aus den Höhen. Da steigen sie alle empor die felsigen Mauern: die Martinswand, bekannt durch die Sage vom Kaiser Max, der Solstein, das Brandjoch", Frau Hütt, durch eine schöne Mythe im Volke berühmt, das Hafelekaar, Speckkaar und der Salzberg, der hinter der alten Salzstadt Hall aufstrebt, rechts die Larfserköpfe und noch weiter zurück die runde Kuppe des Patscherkofels. Und vom Gehänge des Mittelgebirges, aus dem Grün der Wälder und Garten blicken mit ihren epheuumspohnenen Thürmchen und Erkern Schlösser und Burgen, herab: Büchsenhausen, einst dem Kanzler Biener gehörig, die interessante Weiherburg, die Hungerburg, Mentelberg u.v.a.

u 5 U N fTT ö. •

INNSBRUCK-

Schloss Ambras.

innsbruck il

•M"'.,v;.'.Tj nter allen Strassen Innsbrucks, in welche der Fremde |Kä#^ auf seinen Kreuz- und Quergängen in der Landes-\y;:,j/>' hauptstadt immer wieder gelangt, ist wohl die vor-""''] neb niste die breite, von eleganten Ycrkautsläden begrenzte Maria Theresienstrasse, das Handelscentrum und der Corso der malerischen Capitale. Dieselbe zieht sich mit ihrem meist aus dem vorigen Jahrhundert stammenden Renaissancebauten, mit ihren abwechslungsreichen Bacaden bis zum Beginn der Altstadt, zur Herzog Friedrichstrasse hin, in der sich die für den Freund alter Häuser interessantesten Bauten belinden. Die Herzog Friedrich-Strasse, ein Ueberrest aus mittelalterlicher Zeit, ist eng und düster, aber in architektonischer und malerischer Hinsicht ein Juwel sonder Gleichen, (deich am Anfang dieser traulichen Strasse mit ihren Arkaden- und Erkerhäusern fällt uns zur Linken das überaus interessante Haus mit dem »goldenen Dachl« auf. Das hübsche, mit einem erkerartigen Vorbau, mit Wappen- und FreskobiBlern gezierte Bckhaus war die einstige Burg Friedrichs mit der leeren Tasche und wurde 1504 von Kaiser Max I erbaut, als er sich mit Maria Bianca Sforza vermählt hatte. Die Bedachung des Erkers besteht aus dick vergoldeten Kupferplatten und sollen 30.000 Ducaten dazu verwendet worden sein. Herzog Briedel »mit der leeren Tasche« soll, wie eine Mythe berichtet, denjenigen zum Trotz, welche ihm wegen seiner fortwährenden Geldnoth den fatalen Beinamen gegeben haben, das Erkerdach haben vergolden lassen, um seinen Reich.-thum zu zeigen. Doch ist diese Geschichte vom vergoldeten Erkerdach wohl nichts anderes als eine Mähr, denn war linden nebst der vorerwähnten Jahreszanl die Borträts Maximilians und seiner Gemahn und das Wappen des Kaiserhauses an der Aussenseite des Erkers. Das Haus mit dem »goldenen Dachl« ist aber ein Wahrzeichen der Stadt geblieben. Diesem Hause gegenüber steht das reizende Hölblinghaus, das im allerliebsten Zopfstil erbaut und mit schönen Stuccatur-Arbeiten reich und geschmackvoll verziert ist. Auch dieser mittelalterliche Bau ist eine Perle unter den alten Bauten der ehrwürdigen Altstadt- Unweit dieser bemerkenswerthen Strasse, in der Richtung gegen die grosse Innbrücke, erhebt sich links der Gasthof »zum goldenen Adler«, ein einfacher Bau, det-

ail die gute alte Reisezeit erinnert, in der man noch mit weit geringerem Komfort als heute vorlieb nahm. In diesem schmucklosen Gasthofe haben die Dichter Goethe und Heine, Kaiser Joseph II. und Andreas Hofer mit seinen Kampfgenossen Aufenthalt genommen. Zur Rechten am Ausgang dieser Strasse linden wir das älteste Gebäude der Stadt, die Ottoburg, welche sich Otto I., Graf von Andechs, 1234 als seilte Residenz erbaut hatte. Wo jetzt, seit 1872, die eiserne Innbrücke hinüberführt in die Vorstadt Mariahilf und nach St. Nicolaus, gab es vordem eine alte hölzerne Brücke, die im Kriegsjahre 1809 von den Tirolern heldenmüthig und hartnäckig vertheidigt wurde.

Draüssen auf dem Rennweg nimmt die Besichtigung der Hofoder Franziskanerkirche den Fremden vollends in Anspruch. Dieses äusserlich ganz unansehnliche Gotteshaus ist meist die erste Sehenswürdigkeit, die der Fremde besucht. Das Innere desselben birgt aber auch die werthvollsten Kunstschätze der Innstadt, und zwar: das Grabmal Kaiser Max 1. und die 28 aus heimischen Erzen gegossenen Standbilder, welche Vorfahren und Verwandte des österreichischen Kaiserhauses darstellen. Die ehernen Grabwächter sind überlebensgrosse Gestalten in charakteristischer Ausprägung. Die zwei schönsten von ihnen sind die Statuen des Königs Arthur von Britannien und Theodorichs des Gothenkönigs, die sich durch edle Anmuth auszeichnen. Der berühmte Beter Vischer in Nürnberg hat sie in meisterhafter Weise modellirt. Die übrigen Standbilder gingen aus den kunstfertigen Blanden anderer Bildner, unter denen sich auch die Tiroler Hans Lendenstreich und Gregor Löffler befanden, hervor. Die Riesenfiguren, welche in den Jahren 1513 bis 1583 hergestellt wurden, hielten ehedem in den Händen Kerzen und dienten so gleichzeitig als Lichtträger um das Grab des Kaisers. Die 24 Marmor-Reliefs des Grabdenkmals Maximilians verherrlichen das thatenreiche Leben des Kaisers. Ein Marmor-Standbild Andreas Biofers, modellirt von dem Wiener Professor Schaller, mit einem Relief von Josef Klieber, sowie ein Grabmonument der in den Jahren 1790 bis 1809 gefallenen Landesvertheidiger, verdienen Besichtigung. Vor dem Theater steht in den Anlagen der Leopolds-Brunnen mit dem Reiterstandbild Leopold V. en miniature.

l'liui. lir.itl, Innsbruck,

Maria Tlieresienstrasse. Leopoldsbrunnen.

INNSBRUCK.

Goldenes Dachl. Hofkirche: Inneres.

innsbruck iii.

i;.,s

^S^llngefähr in der Mitte der stattliehen Museumsstrasse erhebt sich das Gebäude des Landesmuseums, welches nach seinem ersten Proteetor, Kaiser Ferdinand, »Fer-t!!^Z-^£--JJ dinandeum« benannt wurde. Es ist im Style der italienischen Hochrenaissance 1842 erbaut, seit dem Jahre 1884 zwei Stockwerke hoch, wird von einer Kuppel gekrönt und ist mit einer stolzen Attica verseilen. Die vornehme Facade zeigt oberhalb der Strassenfenster die porträtähnlichen Büsten tirolischer und vorarlbergischer Gelehrter, Dichter und Künstler, Werke des Bildhauers Spagnoli aus Isera, während der Bau selbst von dem städtischen Architekten Tommasi stammt. Von den aus Statuär-stein bestehenden Büsten seien nur einige, welche die Hervorragendsten unter den verherrlichten Männern verkörpern, genannt, wie: Minnesänger Oswald v. Wolkenstein, Kartograph Beter Anich, Historiker J. Bh. Fallmerayer, Alterthumsforscher Josef Bergmann, Orientalist Pius Zingerle, Lyriker Hermann v. Gilm, Bildhauer Franz Zauner und Maler J. B. v. Lampi. Das Museum enthält im Erdgeschoss und in seinen beiden Stockwerken reiche und werthvolle Sammlungen aus allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst. Es wurde 1823 auf Anregung des damaligen Landesgouverneurs Grafen Chotek von einer Privatgesellschaft gegründet und ist selbstverständlich dem Besuche des Publikums zugänglich. Wir finden in den einzelnen Abtheilungen des »Ferdinandeuni« römische, mittelalterliche und neuere Steindenkmäler und Bronzereliefs, eine zoologische und eine geognostisch-paläontologische Sammlung, ein Waffencabinet, eine archäologische, ethnographische und kartographische Sammlung, einen sehr interessanten culturhistorischen Saal, zahlreiche patriotische Erinnerungen aus Tirol, schöne Plastiken Tiroler Meister, Collectionen von Emails, Porzellan etc., eine Sammlung von Gegenständen der Metalltechnik, eine MÜnzen-und eine heraldische Sammlung, sowie eine trefflich ausgestattete Gemälde-, Kupferstich- und 1 landzeichnungen-Sanuiilung.

Lau würdiges Denkmal des XVIIL Jahrhunderts schlie.-st am Ende der Maria Theresienstrasse die Stadt gegen den bedeutenden Vorort Wilten, das einstige Veldidena, ab. Es ist die im Geiste altrömischer Dreithore von dem Tiroler Balthasar Moll 1705 erbaute

Triumphpforte, welche die Bürger Innsbrucks aus Anlass der Vermählung und des Einzuges des nachmaligen Kaisers Leopold IL mit der Infantin Maria Ludovica von Spanien errichten liessen. Die noch vorzüglich erhaltene Ehrenpforte zeigt auf der der Stadt zugewendeten Seite Embleme der Trauer, denn es war während der Hochzeitsfeierlichkeiten in der Innsbrucker Hofburg Franz L, der Gemahl der Kaiserin Maria Theresia, gestorben; ausserdem aber auch die Büsten des verblichenen Franz L, Maria Theresias und Josefs IL Die dem Vorort Wilten zugekehrte Front der Pforte weist symbolische Sinnbilder der Freude mit den Büsten Franz I. und Maria Theresias, Leopold IL, Ludovicas und der Erzherzoginnen Maria Anna und Maria Christina auf. Wandern wir auf der breiten Strasse durch das städtisch angelegte Wilten dem Berge Isel, der blutgetränkten, schönbewaldeten Höhe ZU, die einen trefflichen Ausblick auf die malerische Innstadt gewährt, so stehen wir auf dem Plateau dem herrlichen, echt nationalen, 1893 in Gegenwart des Kaisers in festlicher Weise enthülltem Werk Heinrich Natter's, der ehernen Kolossalstatue Andreas Hofer's gegenüber, der von der Höhe des Isel-Bcrges, der ruhmvollen Stätte des Tiroler Freiheitskampfes von 1809, herabgrüsst ins weite Innthal, wo einst seine tapferen kriegsbegeisterten Schaaren kämpften und siegten. Auf dem Berge Isel befindet sich auch der Sehiessstand der Garnison Innsbrucks. Sehr interessant ist ein Besuch der Sammlungen im Gebäude auf dem Schiessstattplatz. Wir linden da z. B. im Ahnensaal eine Borträtgalerie aus dem Kaiserhause, sowie in mehreren Räumen ein überaus reichhaltiges Museum, in dem nur Ausrüstungs-Gegenstände der österreichischen Feldjäger aus Tirol seit den ältesten Zeiten, hübsch gruppirt, aufgestellt sind. Das Tiroler Regimentsmuseum, 1880 vom Kaiserjäger-Regiment errichtet, zeigt uns Waffen und Trophäen, Uniformen und Gemälde von banst und Jetzt. Im Saal der Oberste sieht man z. B. die Porträts aller Inhaber und RegimentscommanJanten, im Saal der Auszeichnungen und Verdienste die Contrefeis der Decorirten, im Zimmer der Maria Theresia-Ritter, der Leopoldordens-Ritter etc. die Porträts aller dieser Helden aus dem Regimcnte. Eine Zierde Innsbrucks ist der elegante Bau der Stadtsäle, den der Wiener Architekt v. Wilemanns errichtete.

KUFSTEIN L

In der nördlichen Grenze des Tirolerlandes steigt aus dem weiten Thalboden, den der Inn durchströmt, ein vorsinttluthlicher belsblock auf, dessen Plateau festes Gemäuer und machtige Thürme krönen. Zu Füssen des Steinkolosses, am Westabhange desselben, wälzt der stolze Strom seine rauschenden Fluthen, über welche sich eine Brücke spannt, Bayern ZU, Freundliche Häuser, noch viele nach alter Innthaler Bauart, zeigen lächelnd ihr Conterfei im Wasser. Am anderen Ufer beleben das Bild die grünen Vorberge der grandiosen Kalkalpenzüge und rechts erheben sich, wie von Titanen hingesetzt, einem Denkmal ewiger Welten gleich, die grandiosen Steinwände der »Kaiser«-Gruppe, die im wechselnden lachte einen stets veränderten Charakter zeigen. Einer stolzen, sicheren Wacht gleich liegt die eigenartig reizvolle Grenzstadt Kufstein mit ihrem Festungs-berge an der Gemarkung des alten liebwerthen »Landls«, der, wie ein reckenhafter König aus mittelalterlichen Tagen, weit hinaus in die Bande schaut. Von der Innbrücke steigt man den Hügel hinauf gegen die nunmehr aufgelassene Bestung Geroldseck, das einstige Staatsgefängniss, in dem so viele, politischer Vergehen wegen Verurtheilte schmachteten. Die Stadt, welche sich um den Schlossberg breitet, ist heute ein überaus beliebter und vielbesuchter Standort der Touristen, ein Aufenthaltsort für Sommerfrischler geworden, von dem aus die herrlichsten Touren, die gewagtesten Alpenpartien unternommen werden können, Ehe wir uns jedoch der grossartigen Umgebung Kufsteins zuwenden, sei der geschichtlichen Bedeutung, der namhaften historischen Vergangenheit dieser ehemals so bedeutenden Festung gedacht. Die Stadt blühte schon lebhaft unter den bayerischen Herzogen, ihren einstigen Baridesherren, seines regen I landeis wegen. Als jedoch 1503 Herzog Georg von Bandshut das Zeitliche gesegnet hatte, verfielen Albrecht von München, der nach dem bayerischen Hausgesetze erbberechtigt war, und Ruprecht von der Pfalz, der Gemahl der einzigen Tochter Georgs, in Streit um den Besitz der Stadt und Festung. Kaiser Maximilian I. trat in diesem Handel als Schiedsrichter auf. Er nahm die Burg mit Gewalt und gab sie Herzog Albrecht, dem er sie schon früher verliehen hatte, ernannte aber

den tapferen Bienzcnaucr zum Commandanten der Festung. Die Sage hat diesen Krieger zum Verräther und wortbrüchigen Mann werden lassen, aber sorgsame und genaue Forschung hat ergeben, dass der Schlosshauptmann von Kufstein als Ehrenmann und Held gestorben ist. Bienzenauer's Verteidigung und Maximilians Belagerung 1504 wird aber auch trotz des UmStandes, dass manches, was wir darüber lesen und lasen, eben in das Reich der Sage gehört, immer eine der interessantesten Episoden von Kufsteins reicher Geschichte bleiben. Kaiser Max liess einen Tag lang die Veste beschiessen, doch übte diese Beschiessung auf das 14 Fuss dicke Gemäuer keinerlei Wirkung aus. Pienzenauer befahl nun, um den Kaisei- zu verhöhnen, die von den Kugeln getroffenen Mauern mit Besen abzukehren, was den Kaiser so sehr ergrimmte, dass er schwor, die ganze Besatzung der Bestung mit dem Tode zu bestrafen und Demjenigen eine Maulschelle zu geben, der für die Frevler um Gnade bitten wollte. Er liess auf dem Inn von Innsbruck die zwei berühmten Geschützstücke, den Weekauf und Burlcpauss nach Kufstein bringen und feuerte diese ehernen Ungeheuer selbst gegen die Festung ab. Nun endlich wankten die Mauern, stürzten ein und die trotzige Besatzung musste sich ergeben. Pienzenauer und zehn seiner Gefährten wurden enthauptet, für das Leben der BTebrigen bat jedoch Herzog Erich von Braunschweig, den der Kaiser zwar erhörte, aber seinem Schwur getreu einen sanften Backenstreich versetzte. Der Erfo.lg dieser Erstürmung Kufsteins war, dass die Stadt und Herrschaft an Oesterreich fiel, Im spanischen Erbfolgekrieg 1703 brachte ein unseliger Brand der Stadt die Bestung vorübergehend in den Besitz der Bayern und 1800 bemühten sich die Tiroler vergebens, die Veste den vereinigten Bayern und Franzosen zu entreissen. Speckbacher hat in jenem ereignissreichen Kriegsjahre dort wiederholt seinen Heldenmuth und seine Entschlossenheit gezeigt. In einer Vignette bietet sich dem Beschauer eine reizende Aussicht des nahen Bades Kienbergklamm, eines lieblichen Ausflugspunktes der Kufsteiner dar. Eine zweite Vedute führt uns das Bild eines hübschen Mädchens in der kleidsamen und malerischen Tracht der Kufsteinerinnen vor. Wae lange werden wohl die fesselnden Landestrachten dem alles nivellirenden Geist der Zeit noch Stand zu halten vermögen?

Phot. A. Karg, Kufstein

Bad KLenbergklamm.

KUFSTEIN.

Unterländer Tracht.

KUFSTEIN II,

iius der imposantesten Gebirge Nordtirols und vielleicht Tirols überhaupt, ist der Gebirgszug des Kaiser, der dominirend weithin das schöne Land beherrscht. Mit hehrer Majestät streben seine wilden, grauschwarzen und an anderen Stellen wieder weiss schimmernden, zerrissenen Kalksteinwände mit ihren Runsen und Kiffen in die Lüfte auf, ein Bild, das in seiner riesenhaften Ausdehnung, in seiner überwältigenden Erhabenheit und Grösse wahrhaft,-sinnberückend, sinnverwirrend auf den Beschauer wirkt. Es ist eine Welt für sich, könnte man sagen, dieses Kaisergebirge, das seinen Namen verdient, ein steinernes Meer von kahlen Spitzen und Zacken, das von allen Seiten, von denen es sichtbar ist, einen gleich mächtigen Eindruck hervorbringt. Aus zwei Bergketten bestehend, dem sogenannten Vorderen Kaiser, der südlicher liegt und weit höher emporstrebt, und dem Hinteren Kaiser, dem nördlicheren, doch niedrigeren Zug, sind beide Gebirgsreiheri durch ein Querjoch, das Stripsenjoch, miteinander verbunden. Durch dieses Joch scheidet sich die ganze Gebirgsgruppe in ein westliches Kaiserthal, das sich zum Inn hinzieht und in ein östliches, welches zur Kitzhühler Ache führt. Der Vorder-Kaiser, der höhere, stellt sich in seiner ganzen grandiosen und wilden Schönheit der Kaiserstrasse, der Hauptstrasse zu. Der vordere Theil des Kaisergebirges, der gegen Westen liegt, heisst auch der Wilde Kaiser und seine Gipfel: Scheffauer, Sonneck und Hintere Goinger Halt sind unbedingt nur für schwindelfreie, erprobte Bergsteiger. Im Kaisergebirge findet der Hochalpinist eine grosse Reihe der verwegensten Spitzen, von denen das ominöse Todten« kirchl (2193 m) schon zahlreiche Opfer gefordert hat. Vom Hohen Winkel durch einen steilen Graben beim »Teufels Wurzgartel« durch schwierige Kamine geht die Kletterpartie. Die Ueberschreitung des Todtenkirchls zur Karlspitze bleibt selbst den gewandtesten Felskletterern noch ein heisses Stück Arbeit. Der Vordere oder Wilde Kaiser ist nicht nur der wildromantischeste und malerischeste Theil der ganzen Gebirgsgruppe, er ist eben auch der gefährlichste dieser pittoresken I loehgebirgsseencric, die an schauriger Grossartigkeit ihrer grauenhaften Abstürze sich mit den markantesten Partien der Dolomiten vergleichen darf.

Einer der meistbesuchtesten Punkte des Kaisergebirges in der Umgebung Kufsteins, den man auf markirtem Steig, zuletzt mit Hilfe einer Leiter mit Drahtseilgeländer ersteigt, ist die »Teufels-kanzcb, ein kühner Felszacken, von dem man einen begeisternden Blick ins Innthal thun kann. Auch der Aufstieg vom Sparehen durch einen seichten Graben, die sogenannte »Kaisergasse« ist überaus lohnend. Ein sehr beliebter Ausflug ist der zur schön gelegenen Hinter-Bärenbad-Hütte, wo die Section Kufstein des Alpenvereines eine Sommerwarthschaft eingerichtet hat. Die Hütte liegt am Kusse der Kleinen Halt und deren Umgebung ist voll unsäglicher Reize. Da streben die erhabenen Felsenmäuer empor in die Lüfte und geben Zeugniss von der Majestät der Nordtiroler Alpenwelt. Wandert man noch ein halbes Stündchen weiter, so gelangt man zur Böden-Alpe, wo sich uns der Wilde Kaiser in seiner vollen wilden Herrlichkeit präsentirt Geht man den steilen Pfad hinab zur Brücke, über den wilden Bärenbach und dann bequem Wieder empor auf das Längeck, so findet man sich alsbald im Hinterbärenbad. Der Touren in der Umgehung Kufsteins gibt es ungemein viele, aber alle bringen dem Sommerfahrer dankbare Bilder voll Reiz und Zauber vor das Auge, die jeden Naturfreund fesseln werden. Um nur einen dieser herrlichen Landschaftspunkte zti erwähnen, sei der Hintersteiner See genannt, der in einer Entfernung von 21,'<2 Stunden leicht zu erreichen ist. Was schaut das bewundernde Auge auf diesem Wege nicht alles an berückenden Veduten, bis man knapp vor dem See im Oertchen I linterstein eintrifft. Das Seebild selbst ist ein wirklieh grossartiges. Da ragt rechts der Achleitenberg, links der Zettenkaiser, Scheffauer, Sonneck, Kleinkaiserl und Treffauer empor, deren pralle Wände steil aufsteigen. Von I linterstein geht es nach Elmau, nach Hinterbärenbad und an andere Punkte. Nimmt man den Rückweg über die ■Steinerne Stiege-, so geniesst man ein farbenprächtiges Bild, dessen Glanznummer die »Hohe Salve« ist. Benützt man den bequemen Fahr-

(weg zum Niederstieg, so führt uns derselbe hinab zum Gaisbach und zu den ausgedehnten Cementbrüehen der Kraft'schen Fabrik. — Das Bildchen rechts unten zeigt die prächtige Wald- und Felsenpartie mit dem Wassersturz des Sparchenbaches: die berühmte, so oft

J von Malern abconterfeite Sparchenmühle am Eingang in das Kaiserthal.

11 N

I'lnit. A Karg, Kufstein.

Wilder Kaiser. Hinterkaiser - Hof. Horfarter-Kapells. Unterkunftoliütte Eämbad. Toätsnlürchl.

KUFSTEIN. Kaiserthal.

Teufelskanzel. Eingang ins Kaiserthal. Sparchner-Mühle.

AN DER GISELA-BAHN.

n der breiten Ausweitung des Leukenthales, hingestreckt zu Küssen des Kaisergebirges, liegt eine der vielbesuchtesten Ortschaften dieser an landschaftlichen Wunderstätten so reichen Eisenbahnlinie, das freundliche St. Johann in Tirol. Sanfte Hügel und liebliche Alpenhöhen begrenzen die fruchtbare Thalebene im Osten und Westen, während im Süden über die Kette der Kogel das saftgrüne Kitzbühler-Horn in unbeschreiblicher Schönheit aufsteigt. Gegenüber im Nordwesten bauen sich die gigantischen Felsenmauern des Kaisergebirges, hebt sich die imposante Steinwelt in die Lüfte, die mit ihren Thürmen und Riffen, Spitzen und Wällen ein erhabenes Gemälde darbietet. Die gewaltige Hochalpennatur mit ihrem tiefen Ernst, ihrem geheimnissvollen Schweigen, und der fast idyllische Charakter des Geländes und Thaies, sie bilden einen scharfen Oontrast, der auf den Fremden eine mächtige Wirkung ausübt. Inmitten der Thal-ebene ruht, eingebettet in leuchtendes Grün der Wiesen und Fluren, St. Johann an der Kitzbühler Ache, welche die beiden Bäche, die Pramauer und die Reitner Ache aufnimmt. In dieser freien offenen Gegend laufen fünf Thalradien zusammen, und zwar das Jochbürgerthal aus dem Süden, das Rcinthal aus Südwest, aus Westen das Söllthal, aus Norden das Köffenthal und aus Südost das Thal vom Pillersee. Und über das tiefere Land sind Häuser und Höfe ausgestreut, die aus dem Wald- und Wiesengrün freudig herüberglänzen mit ihrem weisshlinkenden Gemäuer. Die überaus gefällige Lage des Oertchens und die erquickende Luft sind schon seit langen Jahren geschätzt. Schon Erzherzogin Maria Elisabeth, eine Schwester des Kaisers Josef 1h, hat in St. Johann durch viele Sommer ihre Villeggiatur aufgeschlagen. Für das hohe Alter des Ortes spricht die Seelsorge, die urkundlich weit in das Mittelalter zurückreicht. Kaiser Otto hat im Jahre 949 bereits diese Pfarre den Bischöfen von Salzburg überlassen. Gleichfalls im Banne der wilden Steinwelt des Kaisergebirges, ruht auf einem Felsenhügel am nördlichen Ende des Schattherges, der sich am linken Ufer der Kitzbühler Ache aus dem Thale erhebt, die alterthümliche Stadt Kitzbühel, im weiten Kreise umgeben von zahlreichen Weilern und vereinzelten Bauernhöfen, welche dieser Gemeinde

angehören. Es heisst, dass der Name des allerliebsten Städtchens von Gemskitzen herstammt, die einst auf dem Hügel, auf dem nun die Stadt thront, weidend gefunden wurden. Die ersten Anfänge dieser städtischen Ansiedlung führen bis auf das Jahr 1165 zurück, wo hier eine wehrhafte Burg Marquards von Kitzbühel stand. Unter dem Schutze des Schlosses konnten Handel und Gewerbe gedeihen, es wuchsen Hütten heran und Häuser, ein namhafter Marktort, und schon 1180 erhob Herzog Ludwig I., der Kellheimer, Kitzbühel zur Stadt, welcher im Laufe späterer Jahrhunderte viele Schenkungen verliehen wurden, damit — wie eine Urkunde Herzog Rudolfs besagt — die Einwohner »stattlicher dienen, fröhlicher bauen und Kitzbühel bass fösten«. Bis 1504 stand das Städtchen, welches heute eine vielfach aufgesuchte Sommerfrischstation ist, unter bairischer Herrschaft. Unter Kaiser Maximilian I. kam es an das Haus Oesterreich. Reicher Bergsegen brachte späterhin den Bürgern Wohlstand ins Thal. Kitzbühel besteht eigentlich aus der eigentlichen Stadt und aus einigen Vorstädten. Ein Graben, der die Stadt einst umgeben hatte, ist längst verschwunden und hat blühenden Gärten Blatz gemacht. Die Attraction für die Sommergäste in Kitzbühel, sowie für die Touristen, welche diese herrliche Gegend besuchen, überhaupt ist aber das Kitzbüheler Horn (1998 Meter) ein Aussichtsberg, der leicht und bequem zu besteigen isi und eine weithin reichende einzig-schöne Rundschau gewährt. Zahlreich sind die pittoresken Ausflugsziele in der nahen und entfernten Umgebung, hau Detailbild aus dem beliebten Städtchen, eine Strasse darstellend, zaubert uns den vollen Reiz dieser Villeggiatur vor das Auge. Kitzbühel ist auch der Heimatsort einer bekannten Künstlerfamilie, der Feistenberger. Von den sieben Söhnen des im Jahre 1093 verstorbenen Benedict Feistenberger sind alle Künstler, theils Bildhauer, theils Maler geworden und die fürstlich Liechtenstein'sche Galerie in Wien, sowie die Gemäldesammlung des Landesmuseums in Innsbruck besitzen Bilder einzelner Mitglieder dieser Familie. Die Schönheit der Kitzbühler Bandschaft mag auf die künstlerische Begabung der Feistenberger wohl zweifellos ihren Ein-fluss ausgeübt haben. Im herrlichen Brixenthale, am westlichen Fusse der Hohen Sähe ladet der Markt Hopfgarten zum Besuche ein.

BRIXLEGG. RATTENBERG.

m Ausflusse der Alpacher Ache in den Inn, in einer Verengung des Thaies, die ein Ausläufer der nördlichen Thalwand hervorgerufen, liegt lieblich und im hellen Sonnenglanze das prachtvoll situirte alte Dorf Brixlegg. Einst befand sich hier die wichtigste Silberschmelze Tirols, die jedoch aufgelassen werden musste, weil die Ergiebigkeit des edlen Erzes, das man in den nahen Erzgruben gewonnen hatte, Späterhin eine immer schwächere geworden war. Werke über Tirol aus den Vierziger-Jahren geben die Silber-Erzeugung nach einem fünfjährigen Durchschnitte mit 752 Mark und 11 Loth per Jahr an. Heute arbeiten aber nur noch ein Kupferhammer und eine Kupferwalze, die Blei- und Kupfererze von ungefähr 780 Centner und 7 Pfd. Kupfer und 332 Centner und 55 Pfd. Schwerspath jährlich erzeugen. Das Kupfer wird in grossen Mengen zu Pfannen, Kesseln, Blechen und dergleichen verarbeitet, das Silber zur Einlösung an das kaiserliche Münzamt in Wien abgeliefert und der Schwerspath in die Bleiweiss-Fabriken nach Kärnten gebracht. Der Ort gibt ein bestrickendes Gemälde für jeden Naturfreund. Mitten im Dorfe erhebt sich auf einem massig hohen Hügel eine ehrwürdige Kirche und rings um das Gotteshaus reihen sich die freundlichen Häuser mit ihren zierliehen, üppigen Obst- und Gemüsegärten aneinander. Nahe dem Orte, in dem es vor einem halben Jahrhundert viel Bergknappenleben gab, rauscht dunkler Tannenwald, den die zahlreichen Sommergäste gerne aufsuchen. Allerliebst präsentirt sich die Mariahilf-Kapelle auf einer Felsenhöhe nordöstlich ober Brixlegg, ein gewinnendes Bild. Halb verborgen im Baum- und Buschwerk dieses Hügels grüsst das kleine Kirchlein ins Thal hernieder. Ueberaus fesselnd und zu Ausflügen einladend ist die landschaftlich so hervorragende Umgebung des Oertchens. Wie reizvoll nimmt sich der ganze Thalzug jenseits des Inn mit seinen abwechslungsreichen Veduten und Scenericn aus. Da ist vor Allem das Schloss Matzen, nach den alten Urkunden Matz genannt, heute ein prächtiger Besitz des Oberstlieutenants L. Sehnorr V, Carolsfeld. In der Ebene zwischen der Landstrasse und dem Strome hebt sich ein waldumrauschter Bühel in die Lüfte, dessen Anhöhe das malerische .Schloss mit der Kapelle trägt. Der alte wehrhafte

Thurm verleiht dem festen Bau aus ritterlichen Tagen ein malerisches Gepräge. Die (lemächer der Burg, die einst wohl als (irenzveste gedient hatte, bergen zahlreiche Kostbarkeiten und Kunstschätze, die der Besichtigung werth sind. Die Gelehrten behaupten, dass an der Stelle des Schlosses Matzen das römische Masciacum gestanden sei, und dass unweit davon, auf der Fläche gegen das Bad Mehrn, in grauen Tagen sich eine römische Stadt erhoben hätte. Matzen besass seit undenklichen Zeiten eine Hofmark mit Burgfriedens-Gerichtsbarkeit. Pittoresk zeigen sich die düsteren Ruinen von Kropfsberg. In der Burg Kropfsberg kam 1410 ein Ausgleich zwischen den feindlichen Brüdern, Herzog Friedrich mit der leeren Tasche und Herzog Ernst dem Eisernen« zu Stande. Beide Fürsten hatten Herrschaftsrechte über das Land Tirol beansprucht. Das freundliche Brixlegg ist auch, wie manches andere Dorf in Nordtirol, durch seine Bassionsspiele, die ähnlich wie in Oberammergau alle zehn Jahre gespielt werden, über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden. Oestlich von Brixlegg zieht sich das Gebirge Zimmermoos hin. Dort ist der älteste Geschichtsschreiber Tirols, Mathias Burglechner, geboren, der es verstanden hat, sich durch Geist und Kenntnisse bis zur Würde eines tirolischen Kanzlers emporzuschwingen. Kaum eine Viertelstunde von Brixlegg, im Süden, schmiegt sich an das rechte Ufer des Thalbacbes der kleine Badeort Mehrn an.

Ein historisch denkwürdiges Städtchen ist Rattenberg, das am rechten Innufer gelegen ist. Seit uralten Zeiten besitzt das wunderbar malerische Rattenberg einen bekannten Namen, da das Oertchen wiederholt in der Geschichte und Legende von sich vernehmen liess. Am meisten machte wohl die Veste von sich sprechen, weil in derselben am 17. Juli 1651 der tirolische Kanzler Wilhelm Biener enthauptet wurde. Das Städtchen ist schon durch seine Lage dem Reisenden auffallend. Die Häuser desi )rtes stehen knapp zwischen dem Strom im Westen und einer Felsenhöhe im Südosten, dem Stadtberg. Kattenberg ist auch der Geburtsort der heil. Notburga, die 1313 im Rattenberger Schlosse gestorben ist. In einer dem heil. Rupert geweihten, unweit Jenbach errichteten Kapelle in Eben, wird der Leichnam der Himmlischen noch heute verehrt.

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Battenberg. brixlegg.

I'Iioi. Giatl. Innsbruck

ACH ENSEE.

v jj~^^V ^" Ort Jenbach, der gleich hinter den Bahnhofsgebäuden ^■»{jljj beginnt und sich mit seinen ansehnlichen Eisenwerken • I' KaffU und Hochöfen ziemlich weit durchs Thal bis auf eine \£s*r&^m namhafte flöhe emporzieht, liegt ungemein freundlich und wird nicht nur von Passanten, welche die Eisenbahnstrecke Innsbruck Kufstein verfolgen, gerne aufgesucht, sondern Jenbach Übt auch seit Jahren schon als stabiler Sommeraufenthalt eine grosse Anziehungskraft aus. Das Oertehen bietet der Annehmlichkeiten gar viele und werden namentlich die zahlreichen freundlichen Spaziergänge und Ausflugspartien den Sommergast vollauf befriedigen. Der Blick auf die imposanten Spitzen der Stubaier Alpen, die aus dem Süden stolz hergrüssen, ist allein schon ein erhebender Genuss. Ueberaus lohnend bleibt eine Bartie nach dem nahegelegenen Schloss Tratzherg, einem stattlichen Bau, der am Abhang des sogenannten Weihnachtseck sich erhebt. Sowohl die reichen und interessanten Waffensammlungen des Schlosses, wie auch die hübschen Gartenanlagen desselben sind sehenswerth. Ebenso ist eine Wanderung zu der romantisch über der Schlucht sich erhebenden Wallfahrtskirche St. Georgenberg zu empfehlen. Am meisten von allen Ausflügen, die man von Jenbach unternimmt, oder richtiger, das Hauptziel der in Jenbach die Eisenbahn verlassenden Reisenden, ist aber zweifellos der Achensee. Ob man nun von Jenbach zu Fuss nach Seespitz, dem südlichen Ende des Sees gekommen ist, oder ob man die Bergbahn benützt hat, in beiden Fällen gewährt die alpine Landschaft eine Fülle unbeschreiblicher Reize und grossartiger Bernblicke. Vom Oertehen Jenbach geht es ziemlich scharf aufwärts der Strasse zu, die nach Maurach zieht. Von hier zweigt der Weg zur Erfurterhütte und zur Rofangruppe ab. Der Blick von der Haltestelle Maurach auf den See, der allerdings noch eine halbe Stunde entfernt liegt, ist prächtig. Von Maurach gelangt man auch in weniger als einer halben Stunde nach dem Wallfahrtsort Eben, wo sich in der Kirche die Begräbnissstelle der heil. Xoth-burga befindet. Am Seespitz, wo knapp am Ufer ein alleinstehendes Hotel sich erhebt, das seine Facade dem herrliehen Achensee zuwendet, wird unser Blick bereits gefesselt von dem blauen See, dem

schönsten Hochgebirgssee in den Ostalpen. Zweifellos kann sich der Achensee mit dem berühmten Künigssee in jeder Beziehung messen. Schon seine Farbe ist von jener unvergleichlichen Bläue, wie unser Auge sie in solcher Schönheit nur selten zu sehen bekommt. Doch erst die Farbenpracht der Ufergelände, das dunkle leuchtende Grün der Xadelholzwälder, die schmücken Hotels und sonstigen Gebäude, die sich vom Wiesen- und Waldgrün abheben, entzücken unsere Sinne, erheben unser Empfinden in höchstem Grade, haue Bahrt mit einem der beiden den See während der Saison befahrenden Dampfer bis zur Endstation Scholastica, zeigt wie eine Wandeldecoration all' die farbenreichen Scenerien und lieblichen Bandschaften zu beiden Seiten dieses grössten Tiroler Alpensees. (deich am Beginne unserer Bahrt liegt zur Linken im südwestlichen Scewinkel die Hauptstation Bertisau, eine weithin im Bergkessel zerstreute Ortschaft mit freundlichen Bauernhäusern, die den Sommer über alle von Fremden bewohnt sind. Am See erhebt sich das umfangreiche Fürstenhaus, eine gastliche Unterkunftsstätte, welche zum Besitz des Benedictinerstiftes Fiecht gehört, gleichwie der See selbst und die Dampfer. I)ie Gemüthlichkeit von Einst, als der Strom der Sommer-Reisenden noch nicht so reichlich floss, ist wohl geschwunden, und mit ihr die bescheidenen Preise, aber noch immer ist ein Aufenthalt daselbst begehrenswerth. Von der Bertisau bieten sich zahlreiche prachtvolle Ausflüge in drei hier auslaufende Thäler, von denen das reizvolle Ealzthurn-thal und das Thal der \ orderriss in erster Linie genannt sein möge. Am Ostufer, hart am See, in Seehof, besitzt die Sängerfamilie Rainer-Prantl ein ausgedehntes, aus mehreren Gebäuden bestehendes Etablissement, dessen Bage auf einer in der See vorspringenden Bandzunge geradezu einzig schön ist. Einerseits um-schliessen die blauen Wogen das Höfel, andererseits dichter Wald. Die Aussiebt auf den gegenüber aus dem See aufsteigenden Seekarspitz, sowie auf die diesseitigen fichtenbewachsenen Hänge des Unnutz und des Kothalpjoch, sind unvergleichlich grossartig. Auch an musikalischen Genüssen, Gesang und Zitherspiel, fehlt es nicht. Kaum eine halbe Stunde vom Seehof steht das altberühmte Gasthaus Scholastica, das hingst einen vorzüglichen Ruf geniesst.

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Jenbach. Achensee.

Phot. Gial!, Innsbruck

DAS ZILLERTHAL.

lillerthaler Lieder und Zillerthaler Jodler sind längst schon in der ganzen Welt bekannt. Sie haben gewiss schon manches müde Herz erfreut und manche trübe Stunde verscheucht. Der Ruf, dass im Zillerthal biedere, treue Menschen wohnen, dass dort echte Herzlichkeit und Offenheit zu Hause ist, ist uralt, und wenn sich im Laufe der nüchternen Zeiten auch Manches geändert hat, immer wusste das Zillerthal sich doch seine sprichwörtlich gewordene SangesfreuJe, seinen Yolksgesang, seine Lebenslust zu bewahren. Zillerthaler Sänger und Sängerinnen sind nicht nur auf dem C'ontinent umhergezogen, überall die Hörer mit ihren schwermüthigen und wieder herzerfrischenden Weisen erfreuend, sie kamen auch ühers Meer in die neue Welt, um das Tiroler Lied dorthin zu tragen. Trifft man auch heute noch hie und da im Zillerthal helle klare Stimmen und stimmungsvolle Volksgesänge, im Allgemeinen hat der ernste ('.eist der Zeit den Zillerthalern doch auch andere praktischere Aufgaben gestellt. Ein solcher Ort, wo wir mit Zither und Guitarre und mit harmonischem Vocalgesang erfreut werden, ist wohl Fügen im unteren Zillerthal. Das Zillerthal Verdient aber auch in landschaftlicher Hinsicht, dass jeder Naturfreund es besuche. Und Jeder, der es kennen gelernt hat, wird es auch preisen. Es besitzt nicht nur das sanfteste Klima der Seitenthäler Nordtirols, es zeichnet sich auch in den Höhen durch reichen Wald- und Alpenschmuck, in den Ebenen durch üppige Saatfelder, Wiesen und Gärten und eine reiche Flora aus. Die Scenerien der Landschaft zeigen durchaus ein harmonisches Gepräge, liebliche und freundliehe Bilder voll milden Charakters schauen uns von überall her entgegen. Man kann das ganze grosse Zillerthal wohl nicht treffender mit Worten zeichnen, nicht in wärmeren Tönen mit der Feder fixiren, als es der noch beute so hoch in Ehren gehaltene Topograph seines Heimatlandes Tirol, J. J. Staffier gethan hat, als er am Beginne der Vierziger-Jahre in seinem grundlegenden Werke schrieb: ». Ueberau blüht Lebensfülle und Jugendkraft, überall Heiterkeit und idyllische An-muth. Kein Murrbach, kein Bergriss, kein öder Fels kommt dem Auge unfreundlich entgegen. .« — Heute ist wohl die I laupt-quelle des Unterhalts der Bewohner dieses begnadeten Thaies

die Viehzucht, die von den üppigen Almen der Gegend begünstigt wird. Doch linden nicht alle Insassen des Thaies dabei ihren Erwerb, ihr Auskommen; ein guter Theil derselben muss den Erwerb in leichteren Handelsgeschäften suchen. Die Dörfer sind durchwegs alle rein und nett. Es ist eine Freude, im Hauptthal und in den vielfachen Thalverzweigungen dahinzuwandern. Der namhafteste Ort des Unteren Zillerthales ist Fügen. Fs ist das grösste und stattlichste Dorf im Thale und liegt in einer schönen und fruchtbaren Thalebene. In der nlterthümlichen Dorfkirche findet man kostbare Schnitzarbeiten des Bildhauers Franz Nissl, der, in Fügen geboren, seine Kunst nur seinem Talente, keiner Schule, keinem Meister zu danken hat. Seine lebendigen ausdrucksvollen Altarstatuen zieren zahlreiche Kirchen in Nordtirol. Weiter oben im Thale ruht Zell am Ziller, ein lebhaftes Oertchen und der Hauptort ües südlichen Zillerthales, in einem gesegneten kesselartigen Gau hingebreitet. In dem ziemlieh ebenen Thal gedeihen treffliche Baumfrüchte und alle Arten des Kornerbaues und auf den sonnigen Lehnen der Weizen. Langsam heben sich aber die Berge und auch der Thalboden steigt gemach höher. Die hochaufragende Gerloswand, der Ähornspitz, Tristner und Ingent blicken majestätisch auf Zell herab. Nach Mayrhofen, dem letzten bedeutenden Ort im Zillerthal, führen von hier aus zwei Wege an beiden Ufern des Ziller hin. Breit liegt der Thalkessel vor uns, von dem sich nach allen Seiten die Thalgründe öffnen. Die Fahrstrasse endet hinter Mayrhofen und nur Fusspfade, Saum- und Karrenwege ziehen sich in die prachtvollen Seitenthäler und Gründe. Bängst hat sich mehr und mehr der milde Charakter der Gegend verloren, ernster und »"•der wird das Bild, und die Natur zeigt sich schon ohne Leben, in starrer, öder, doch erhabener Bracht. In den innersten Regionen der Berge kleidet kein Grün mehr die starren Steinwände, und unzugängliche Eisfelder streben, in langer Kette aneinander gereiht, in die kühlen Lüfte. Die Nebenthäler des Zillerthales: das Tuxer-thal, das Zemmthal und der Zemmgrund, der Floitcngrund, Stilluppgrund, Zillergrund u. a. sind eine Welt voll erhabener Alpenbilder, und Keinem, der jemals das eine oder andere begangen hat, werden die gewaltigen Scenerien je wieder verschwinden.

Zillerthal, Mayrhofen.

Pliot Gratl, Innsbruck.

DIE BRENNERBAHN.

|s ist unleugbar, dass die moderne Technik mit dem Kiesenbau der Brennerbahn, der Schienenstrecke von Innsbruck bis Franzensfeste und Bozen, einen grandiosen Sieg errungen hat. Man muss die kühnen Wendungen derdd'aee, die gewaltigen Stützmauern, die titanenhaften Kehrtunnels, die eigenartigen Bähneinschnitte dieser Alpenbahn, welche in einer Scehühe von 137o Meter die Hauptkette der Ostalpen auf ihrer niedrigsten Einsenkung, dem Brennersattel, überschreitet, gesehen haben, um die Brennerbahn ihrem vollen Werthe nach würdigen zu können, Die Bahn, die der Meereshöhe nach den ersten Bang-unter den Eisenbahnen Europas einnimmt, wurde in den Jahren 1864 bis 1807 nach Etzel/S genialem ProjeCt Unter der Oberleitung Thommen's von der Österreichischen Südbahn-Oesellschaft erbaut, und zwar gelangten bei diesem Bergbahnbau in vielfacher Hinsicht ganz neue Brincipien zur Aufstellung und ebenso kühne Probleme zur Durchführung. Die Kosten des Baues, bei dem ungefähr 30.000 südtirolische und italienische Arbeiter in Verwendung standen, betrugen 32 Millionen Gulden ; die ausgehobenen, respective gesprengten und bewegten Erd- und Pelsmassen repräsentiren ein Volumen von beiläufig 1.200.000 Cubik-Klaftern, demnach Ziffern, welche von den gewaltigen Arbeiten dieser grossartigen Gebirgsbahn Zeugniss geben. An zahlreichen Partien der Trace hatten die Ingenieure mit dem brüchigen Geschiebe zu kämpfen, an dessen Stelle Stützmauern bis zu 10 Meter Dicke gesetzt, ent-blÖSSte Gehänge neu angepflanzt und Quellen bergmännisch abgebaut werden mussten. lieber den Brenner führte schon 1772 eine vielbefahrene Alpenstrasse; den Bass hatten bereits die Römer benützt. Nun saust der Zug von Innsbruck her durch den Berg Isel, hinter dem uns das enge Wippthal aufnimmt. Rasch ist ein zweiter Tunnel, der Sonnenburger Tunnel durchflogen ; es geht über die Sill auf das rechte Sillufer, dem gegenüber die Poststrasse sich zum sogenannten Schupfen-Wirthshaus hinzieht, in dem Andreas Hofer während der heissen Kämpfe am Berge Isel sein Hauptquartier aufgeschlagen* hatte. Die Bahn durcheilt noch einige Tunnels und bewegt sich fortwährend am waldreichen östlichen Thalgehänge, das prächtige Ausblicke auf die Saile und auf die

pittoreske Waldrasterspitze gewährt. Es geht am Eingang ins herrliche Stubaithal vorüber; die Stationen Patsch, dann Matrei entschwinden. Im Auigesichte einer bewunderungswürdigen Hoch-gebirgswelt liegt alsbald Steinach am Brenner, der ansehnliche Sommerort, vor uns. Ein Blick auf den gewaltigen Habicht (3274 Meter) ist uns kurz hinter der Station gewährt Nun steigt der .Schienenweg stark empor, wendet sich nach Osten und führt eine Weile im idyllischen Schmirnthale hinan, wo von saftgrünen Matten das liebliche Kirchlein St. Jodok mit dem kleinen Alpenörtchen herübergrüsst, ein Edelstein der Bergwelt Auf halbkreisförmiger Trace ist die Bahn an das Südgehänge des Schmirner Thaies gelangt, der Staf'flacher Tunnel wird passirt und hoch über der Sill geht es der Station Gries zu. Später braust der Zug-knapp am kleinen grünen Brenner-See vorüber zur Station Brenner, der Wasserscheide zwischen der Adria und dem PontUS. Auf dem höchsten Punkte des Brennersattels, inmitten der überwältigenden Bandschaft, steht das einst berühmte Postgasthaus, in dem Goethe 1780 sich für einige Stunden aufhielt. Bald hinter der Station Brenner sieht man den jungen Eisack von hoher Wand herabstürzen, der dann dem Bahnweg fast durchwegs treu zur Seite bleibt. Ein beliebter Aufenthaltsort am Brenner ist in der Saison Brenner-Bad, welches ein ddiermalwasser besitzt, das den Gasteiner Heilquellen ähnlich ist. Von der Haltestelle Schelleberg führt der Zug am nördlichen Gehänge des Pflerscher-Thales, hoch oben in dieses Thal, und gewährt, nachdem er den Astertunnel verlassen hat, einen berückend schonen, imposanten Blick auf die Stubaier Firnfelder, die den Hintergrund des Bflerschthales mächtig abschliessen. Da schauen sie nun herüber: die schneeweissen grandiosen Gletscher der Feuersteinspitzen, der Angelspitze, der Schneespitze, der Weisswandspitze und von weit drüben die grauenerregenden Steinwände des Pflerscher Tribulaun. Zu den besuchtesten Orten am Brenner zählt auch Gossensass, von wo wir die aussichtsreiche Hühnerspiel - Amthprspitze besteigen können. Abwärts von Gossensass erreichen wir das uralte Städtchen Sterzing, das mit seinen alterthümlichen Häusern mit Erkern und Bauben so recht den Eindruck eines mittelalterlichen Oeitchens hervorruft.

St. Jodok. BRENNERBAHN. Am Brenner.

Hiot. Grail, Innsbruck. Qosseneass Sterzing. Steinach.

PUSTERTHAL.

Uten in einer grossartigen Thalgegend, umgeben von zahlreichen netten Dörfern und im weiteren Kreise begrenzt von niederen saftgrünen Höhen, liegt reizvoll das Städtchen Brunneck, von den Einheimischen auch Brunecken genannt. Ohne sich durch bedeutende Gebirgsformcn hervorzuthun, darf die Gegend um Bruneck doch zu den eigenartigsten in den Alpen gezählt werden. Auf einem Hügel thront die alte, einst bischöfliche Burg, die nun als Frohnveste Verwendung rindet. Von ihrer Thurmzinne aus geniesst man einen herrlichen Kundblick über die ganze Gegend. Fast halbkreisförmig schmiegt sich die Stadt auf der nördlichen Seite des Schlosshügels um denselben herum, im Norden umrauscht von der stürmischen, schäumenden Rienz, die zum Betriebe von mancherlei Industrial-werken in Fesseln gelegt und durch die Stadt gelenkt wird. Die Häuser von Bruneck zeichnen sich durch ihre auffallende und von den I läusern anderer Tiroler Ortschaften in der Umgebung ganz verschiedene Bauart aus; die Dächer derselben verstecken sich hinter hohen, theilweise gezackten Mauerzinnen, ähnlich manchen Gebäuden in Innsbruck und Salzburg. Obgleich die Bage des Städtchens eine ziemlich hohe ist, so gedeihen ringsum doch Koggen, Weizen und Hafer und als Nachfrucht auch Buchweizen in trefflicher Qualität und ansehnlicher Quantität. Bruneck ist seit .fahren eine sehr beliebte Sommerfrische geworden, und zwar mit vollem Recht, denn die zahlreichen hübschen Anlagen und Promenadewege für Spaziergänger, die Touren ins Tauferer* und Ahrnthal, die von Norden her auf den Thalboden von Bruneck münden oder ins Südlich gelegene Ennebergerthal, sind Anziehungspunkte für Alpinisten. Am Eingang in das vielgepriesene und vielverherrlichte Ampezzo-thal liegt der Ort Toblach. Die Strasse, welche sich von dem stark frequentirten Oertchen hineinzieht in die Welt der südtirolischen Dolomiten, ist eine der interessantesten und landschaftlich bedeutendsten des Continents. Obgleich Toblach wegen seiner reizvollen hohen Lage und wunderbaren Umgebung längst schon von Naturfreunden entdeckt war, datirt seine gegenwärtige Bedeutung als Villeggiaturort doch erst seit dem Bestehen des im modernen, vornehmen Styl von der Südbahn-Gesellschaft erbauten Hotels, das

unmittelbar neben der Bahnstation liegt. Unstreitig bleibt der Glanzpunkt aller Partien, die man von Toblach aus unternehmen kann, eine Wanderung auf der Ampezzanerstrasse, der Strada d'Allemagna. Sie wendet sich von Toblach weg nach Süden, steigt gemach am linken Ufer die Liöhe über der Rienz empor und führt zum Toblacher See, der uns bereits durch die Bäume entgegenschimmert. Dann geht es weiter durch ein enges Thal, das sich erst später erweitert und uns allmälig die starren Felsenhöhen und Riffe des Monte Bian und Monte Cristallo zeigt. Landro, nur aus wenigen Häusern bestehend und in ganz unvergleichlich grossartiger Lage, auf das die Gletscher des Monte Cristallo herabgrüssen, nimmt uns auf. Von hier weg werden die Naturbilder immer gewaltiger, überwältigender, gigantesker; man glaubt fürwahr, einem Märchen-und Zauberreiche zuzuwandern, denn von jedem Punkte thun sich neue imposante Scenerien auf.

Ein Städtchen, welches seiner vorzüglichen, ganz besonders glücklichen Lage am Zusammenflüsse der Drau und der aus den Tauern kommenden wasserreichen Isel wegen von Sommergästen viel aufgesucht wird, ist Lienz, das in einem breiten, langhingestreckten, reichbebauten Thalbecken eingebettet ruht, im weiten Kreise erheben sich, verschieden durch Formation und Bewaldung, die Gebirge um das Städtchen, ein liebliches und fesselndes Gemälde. Vom Süden her schauen die kahlen, zerrissenen Dolomitberge mit der grauen Pyramide des Spitzkofis, vom Nordwesten blickt das saftvolle Grün der Glimmerschiefermassen herüber; Waldgehänge und Almen, immer hoher und höher hinansteigend, bannen das Auge von anderen Seiten. Lienz, der Geburtsort des tirolischen Dichters Beda Weber, ist reich an Kirchen, unter denen die alte, im gothischen Styl im XV. Jahrhundert erbaute Pfarrkirche mit ihrer 300 Jahre alten Orgel gewiss die schens-wertheste ist. Die Zahl der Ausflüge vor Lienz ist ungemein gross. Nach Schloss Bruck, zum Venedigerblick, nach Bad Leopoldsruhe, zum Tristacher See führen angenehme Wege. Aber gerade als Standquartier für alpine Touren ist die Stadt von besonderer Bedeutung. Das kärntnerische Möllthal, Heiligenblut, die Basterze, der Grossglockner, sind auserwählte Zielpunkte der Llochtouristen.

Tliot Gratl Innsbiuck

Lienz.

Brunneck.

Toblach.

STUBAI. GRODEN ERTHAL.

las Stubai mit seiner Gruppe von nahezu hundert Gletschern gehört den Oetzthaler Alpen an : es vereint in seinen grossartigen Landschaften, in seinen überwältigend-schönen landschaftlichen Scenerien die berückenden Reize der Kalkalpenwelt mit dem schauerlichen harnst und der majestätischen Eispracht des ITgehirges. Seine bedeutendsten Bergeshäupter heben sich in glitzernder Firnenherrlichkeit in die Lüfte, ein Anblick und ein Bild, die wohl wenig gleichartige in den Alpen überhaupt finden dürften. Wer vermöchte aber in einer kurzen, knappen Skizze, und ohne in derselben etwa nur eine trockene Aufzählung von Namen zu geben, dem Leser auch nur einen schwachen Begriff beizubringen von dem Universum, von dem Meer von Gebirgsspitzen der Oetzthaler Bergreihen? Der Versuch würde sicher misslingen; es wäre ein nutzloses Beginnen. Will man sieh nur einen flüchtigen Ueberblick über das Stubai und die Stubaier Gebirgswelt verschaffen, so genügt sicher ein Ausflug von Innsbruck bis Fulpmei, dem Hauptsitz der Stubaier Eisenindustrie. Man kann dann so nebenbei den Alpeiner Ferner oder die Pfandler-Alpe ohne sonderliche Beschwerden besuchen, etwa noch — um auch einen Gletscherpass überschritten zu haben — das Bildstöckljöchl, gewiss der am meisten begangene Pass der ganzen grossen Gruppe, begehen und wird sich dann immerhin ein Bild dieser Thal- und Alpenzonc eingeprägt haben. Von Ober-Schönberg mag man vielleicht auf die bekannte Waldrast wandern, vorüber an den wilden Abstürzen der Scrles, oder weiter auf die Serles selbst und nach Neustüt absteigen. Von dieser Bartie wird man unvergessliche Eindrücke gewinnen. Der Hochtourist wird jedoch den höheren Regionen der Oetzthaler Alpenwelt zustreben. Er wird sich in das Reich zwischen den mächtigen Eis-strömen des Nebelthalferners, des grössten der Stubaier Gruppe, und des Hangenden Ferners begeben und den Becher (3173 m) besteigen, der in seiner erhabenen Kolossalfigur sich fast in die Wölken zu heben scheint. Völlig gefahrlose Zugänge führen von allen Seiten dahin, zumeist über vergletscherte Steinpartien. Am meisten begangen ist jedenfalls die Tour vom Ridnaunthal, das bei Sterzing ausmündet. Von Ridnaun aus erreicht man das von der

Seelion Hannover des Alpenvereins erbaute Kaiserin Elisabeth-Haus auf dem Steig von der Grohmann- und der Teplitz-Hütte her in 1*0 bis 11 Stunden. Es geht über den Carl Vogl-Weg durch die Wände des Rothen Grats und durch den südlichen Grat des Bechers zum Schutzhaus. Man kann aber auch aus dem Pflerschthal durchs Gschnitzthal, Stubai- und Langenthal, von Sölden im Oet./.thal und von anderen Ausgangspunkten den Weg auf den Becher nehmen. Das massiv erbaute Haus ist innen mit Korkplatten verkleidet; es gibt da ein behaglich eingerichtetes Speizezimmer, das mit Bildern hübsch geschmückt ist. Der luxuriös eingerichtete Bau wurde am 18. August 181)4 festlich eröffnet. Der Blick von da auf den Nebelthalferner, den Tribulaun, auf die Zillerthaler und Oetzthaler Alpen und auf die Dolomiten ist unbeschreiblich schön. Ein zweites Schutzhaus auf dem Becher steht eine halbe Stunde vom vorgenannten entfernt. Das berühmte Grödener Thal, die Heimat der kunstfertigen Naturschnitzer, mündet bei Waidbruck an der Brennerbahn ins Thal des Eisack. Es ist eines der grossartigsten Dolomiten-Thäler Tirols. Der ans Italienische anklingende Dialekt der Grödener gehört dem ostladinischen Sprachstamme an, doch kann man jetzt schon namentlich im vorderen Jdieil des ddiales, immer mehr die deutsche Sprache vernehmen. Die Bewohner sehen eben, dass ihr alter Dialekt ihnen in Handel und Verkehr grosse Hindernisse bereitet. In St. Ulrich, dem Hauptort des Thaies, wird diesem Anschluss an die deutsche Sprache auch in der Kirche Rechnung getragen, denn monatlich einmal wird dort deutsch gepredigt, haue Sehenswürdigkeit St. Ulrichs sind die Schnitzwaaren-läden, die man zu besuchen nicht versäumen darf. Die billige Waare, aus Fichtenholz hergestellt, wird in grossen Massen an die Abnehmer in aller Herren Länder versendet, während zu den feineren Sachen Zirbenholz benützt wird. In manchen Häusern arbeitet die ganze Familie, welche zumeist aus vielen Mitgliedern besteht. Jedes einzelne Familienglied hat dann einen bestimmten ddieil des Artikels zu schnitzen, den es mit grosser Gewandtheit ausführt. Ausserhalb St. Ulrich steigt man auf die Höhe, wo man den vollen Blick auf den imposanten Thalschluss erhält. In einer Wegstunde ist man in St. Uhristinn. bald nachher in St. Maria in Wolkenstein

Phot, Cruüj Innsbruck.

Becher. St. Maria in Wolkenstein.

Stubai- und Grödenerthal.

Kaiserin Elisabeth-Schutzhaus. St. Ulrich.

DAS AMPEZZOTHAL.

ll^^^gC chon in einer der vorhergehenden Schilderungen wurde |> bei dem Bilde des heute vielgenannten Ortes Toblach y im Pusterthale des herrlichen Thaies von Ämpezzo, Hl das von dort seinen Ausgang nimmt, kurz gedacht. Nun soll aber die Wanderung oder die Fahrt auf der vorzüglichen Kunststrasse, die hineinführt in die grandiose Dolomitenwelt, angetreten werden und auf dieser überaus lohnenden, genussreichen Tour selbstverständlich auch der verschiedenen Ortschaften Erwähnung geschehen. Die gewaltigen Naturbilder, welche wir auf diesem Marsche zu sehen bekommen, werden unseren Erinnerungen kaum je mehr entschwinden. Aus der heiteren Toblacher Gegend, aus dem breiten Thal mit seiner grossartigen Gebirgsdecoration, führt die Strasse langsam und sachte, am linken LTfer der Rienz hinansteigend und ihr entgegen, empor. Haid schimmert uns durch das Gezweige der Bäume das grüne Gewässer des kleinen Toblachersees herüber, der rings von dunklen Nadelwaldungen umgeben ist. In den ruhigstillen Finthen spiegeln sieh die weissgrauen, zackenreichen und hoch in das Blau des Himmels aufstrebenden Gipfel der malerischen Dolomiten. Von hier weg gestaltet sich die Scenerie der kahlen Felsenwelt noch grossartiger. Die imposanten Häupter des Neunerkofel und Sarnkofel schauen herab auf den Wanderer. Kurze Zeit später grüssen aus dem Birkenthaie, das sich zur Linken öffnet, die gewaltigen Höhen des Birkenkofel, Hochebenkofel u. a. hernieder. Nahezu senkrecht heben sieh die weissgrauen Wände empor, ein berückendes Gemälde. Späterhin tritt der Monte Plan und die Riffe und Spitzen des Monte Cristallo in ihrer vollen Herrlichkeit in unseren Gesichtskreis. Sie bleiben nunmehr die Glanzpunkte der Landschaft bis hinter das Oertchen Landro. Nach mehr als zweistündiger Wanderung erreichen wir das treffliche, altberühmte Rostgasthaus Landro, gegenwärtig ein noch ebenso gern besuchtes Hotel, wie einst, da noch nicht allsommerlich ein Strom von Reisenden hier vorbeizog. Man meint da fürwahr, sich an irgend einem der weltbekannten Punkte in der Schweiz zu befinden, solch' ein bewegtes Leben, Kommen und Gehen herrscht hier in der Saison, Von Osten her zeigt sich wenige Sehritte hernach das romantische Thal der Sehwarzen Rienz mit den starren

Felsenthürmen der gigantischen Drei Zinnen (2299 m), des »märchenhaften Zwillingspaares von Bergen«, die sich mit dem Monte Cristallo im lieblichen Dürrensee baden. Von Landro weg gibt es ungezählte Ausflüge durch die Seitenthäler, auf die Beigspitzen der nächsten Umgebung und Uebergänge in die jenseitigen Thäler. Hier befinden wir uns inmitten der mannigfaltigsten Alpenlandschaft, die gerade durch ihre charakteristischen Züge ihre Zauber auf uns ausübt.

Auf der Hauptstrasse des Thaies geht es nun weiter nach der kaum ein Stündchen Weges entfernten, nur aus einigen, zum Gasthof gehörigen Häusern bestehenden Colonie Sehluderbach, auf das die Riesenwände herniederblicken. Schreitet man nur ein kurzes Stück vom Gasthofe gegen Osten, so erblickt man die Gewaltigen in all ihrer Erhabenheit und Grösse: den vielfach zerrissenen und zerklüfteten, schneedurchfurchten Monte Cristallo (.3260 m), den Piz Popena (3221 m), den Cristallin (2840 m) und ganz besonders die Croda Rossa (3133 m) mit ihrer in den wechselndsten Farben spielenden Wand. Sie geben ein Hochalpenbild, das wohl einzig in seiner Art dasteht. Niemand wird von Schluderbach einen Ausflug auf der sogenannten Erzstrasse, die nach Auronzo führt, wo sich Erzbergwerke belinden, in das Val Popena bassa versäumen. Ueber den Sattel Col S. Angelo gelangt man zu einem Kleinod der ganzen Gegend, zum vielgenannten Misurinasee, der mit seiner erhabenen Umrahmung von Dolomitenwänden geradezu einzig schön daliegt. Ein bescheidenes Gasthaus sorgt für Unterkunft und Erfrischung der ermüdeten Lebensgeister. Das grüne Hochplateau wird von majestätischen Steinriesen abgeschlossen: Im Osten hebt sich die Cadini in die Lüfte, im Süden die Sorapiss und im Norden die Drei Zinnen, zwischen deren Steilwänden der dunkle kleine Alpensee eingebettet ruht. Sind die hundert und hundert nackten Steinkämme und Steinthürme der Sorapiss, die breit und mächtig sieh erhebt, von der Sonne beleuchtet, dann gewähren dieselben einen geradezu überwältigenden Anblick. Vom Misurinasee wird der Fuss-geher auf dem genussreichen Wege über Tre Groci nach Cortina d'Ampezzo gelangen, doch führt auch die prächtige Fahrstrasse von Schluderbach dahin. Dieselbe bietet eine fast ununterbrochene Kette der entzückendsten Bilder.

Tliot. Gratl, Innsbruck.

Monte Cristallo. Dürrenaee.

Ampezzothal.

Drei Zinnen.

BRIXEN. KLAUSEN. SCHLOSS TIROL.

Iis dem Pusterthale, von der allzeit belebten Station Franzensfeste und der Sperrfestung gleichen Namens weg, hat der Eisenbahnzug die Richtung gegen Süden genommen. Aus der Zone der Lärchen und Föhren ist er in Jas Reich der Weinreben, der Nussbäume und Edelkastanien gelangt. Die Vegetation ist bereits eine üppigere, der Charakter der Landschaft, der Dörfer und 1 läuser, ein mehr von der Sonne des Südens angehauchter geworden. Wähl und schäumend stürzt der Eisack in das breite Thal, in das fruchtbare Thalbecken von Brixen, das gegen Süden zu offen und frei daliegt. Eis geht vorüber an der Haltestelle Vahrn mit dem kleinen lieblichen Bade-Etablissement, das im Frühsommer und am Beginne des Herbstes ein angenehmer Aufenthalt ist. Der Zug hat uns in einer halben Stunde nach Brixen, knapp vor die altehrwürdige Bischofsstadt gebracht. Die Stadt, die heute noch ihr geistliches Gepräge aus hingst verrauschten Zeiten zum grossen Theile bewahrt, ist eingebettet in einen weithin gedehnten Garten, über dem die goldigen Lichtfluthen der Sonne leuchten. Wohin man in der Umgebung und auf den tiefgrünen Hängen der im Hintergrunde aufragenden Hohen auch blickt, überall grüssen freundliche Dörfer, Gehöfte, Kirchlein, Schlösser und Ansitze her aus Wiese und Wald. Es scheint ein paradiesisches Stück Band, das auf dem Brixener Boden sich zeigt, so voll Heiterkeit und Buhe, voll (duck und Freude. Hundertfach ziehen sich die Wege wie helle Linien hinauf Und hinunter und hinein in die Thäler, und jeder von ihnen führt zu lieblichen Blinkten. Und das Bild der Bischofsstadt selbst mit seinen zahlreichen Kirchen und geistlichen Gebäuden erinnert an die Kapitale des erst 1803 aufgehobenen kirchlichen Fürstenthums, das neun Jahrhunderte hindurch hier bestanden hatte. Kaiser Ludwig das Kind hatte 001 dem Bischof Johannes von Sähen den Meierhof Prichsma geschenkt, der auf diesem Blatze dann das heutige Städtchen Brixen gründete. Die Bischöfe von Sähen waren hieher übersiedelt und residirten seitdem in Brixen. 1080 wurde daselbst ein Goncil abgehalten, welches gegen Gregor VII. Guibert von Bavenna zum Papst wählte, worauf der Herzog von Bayern den Bischof Von Brixen vertrieb. Sehenswerth ist der Kreuzmmg

des Domes, der 1754 vollendet wurde. Unter den vielen alten Grabsteinen der Bischöfe aus dem XIII. und XV. Jahrhundert ist der des Minnesängers Oswald von Wölkenstein (f 1445) besonders interessant. Ebenso mag die bischöfliche Residenz, die schöne Gartenanlagen besitzt und rings von einem Wassergraben umzogen ist, besucht werden, faner der zahlreichen lohnenden Ausflüge in die Umgegend ist der nach Schloss Rodenek, ein anderer nach dem Dorfe Tschötsch, wo der berühmte Orientalist Ballmerayer geboren wurde.

Romantisch liegt die alte Stadt Klausen unweit dem Eisack, zu Bussen der malerischen Burg Branzoll und hoch überragt von Sähen, dem alten Nonnenkloster, haust bestand hier oben ein Hauptbollwerk der Römer im Tiroler Lande. Nacheinander gelangte das Sabiona der Römer in den Besitz Theodorichs d. Gr., der Longobarden, der Bojaren und Karls d; Gr., bis die Bischöfe für einige Zeit hier ihren Aulenthalt nahmen. Doch zu Anfang des XI. Jahrhunderts setzten sich hier oben die Herren von Sähen fest, aus deren Geschlecht der Minnesänger LiutoLl hervorging.

wurde in Säben das noch bestehende Benedictiner-Nonnen-kloster gegründet. Klausen, das zu allen Zeiten ein sehr wichtiger Engpass gewesen ist, besitzt eigentlich nur eine einzige schmale Gasse. Aus dem Kapuzinerkloster, welches die Gemahlin Karls II., Königin M. Anna von Spanien, 1000 errichten liess, ist der aus den Tiroler Freiheitskriegen bekannte B. Joachim Haspinger hervorgegangen. — Das kleine Bildchen rechts unten führt uns in die gesegneten Gefilde des Burggrafenamtes, zum Stammschlosse Tirol, nach Meran. Ueber den 1809 heiss umstrittenen Küchelberg geht es empor auf die Höhe des Belsens. Schon der Weg zum Dorf Tirol entfaltet dem Wanderer wundervolle Scenerien, Bilder voll Duft und Zauber. Von dem einst so mächtigen Schloss ist heute leider nur noch ein kleiner Theil erhalten. Das Herrlichste im Schlosse ist aber wohl die Aussicht aus den hohen Benstern in das Etschthal, über Meran und auf die Bergwelt ringsum. Man weiss nicht, wohin man das Auge zuerst wenden, welches Bild man zuerst betrachten, in welches man sich versenken soll. Ueberall Burgen und Ruinen, Villen und Gehöfte, Kirchen und Dörfer.

Klausen. BRIXEN. Schloss Tirol.

l'hot. Gratl, Innsbruck.

BOZEN.

ozen, die letzte deutsche Stadt im Süden Tirols, ist gleichsam die Pforte, durch welche man aus den deut-sehen Landen in die Vorhalle Italiens eintritt. Hier ^#wrgSql weht uns schon der heisse Athem aus dem Hesperiden-Lande an, hier blühen und gedeihen schon die südliehen Pflanzen und Früchte. Auch die Bauart der alten Patrizierhäuser zeigt noch halb den Styl des deutschen Mittelalters, halb schon den der düsteren Palazzi. Hie Bewohner der Stadt, in der namentlich in den unteren Volksschichten viel italienisch gesprochen wird, können wälsches Temperament und wälsche Physiognomie kaum verbergen. In den deutschen Charakter und deutschen .Sinn der Bozener ist doch etwas wälsches Leben und wälsche Sitte aufgegangen, und wohin man blickt auf den Gassen, merkt man den Einschlag aus dem Süden. Einzelne Gassen zaubern uns geradezu echte und rechte Gassen alter italienischer Städte vor. An den kleinen, theilweise offenen Canälen, die sich durch die Stadt ziehen, den sogenannten »Kitschen« knien die Weiber und waschen die Hauswäsche, eine Arbeit, die nur in wälsehen Städten in dieser Weise verrichtet wird. Die haubenartigen Dächer der alten Häuser, die Laubengasse, die Silbergasse, der prächtige Obstmarkt mit dem unvergleichlich schönen Südtirolerobst, die vielen hohen Magazine, in denen ganze Berge von kostbaren Tafeläpfeln aufgethürmt sind und der Versendung harren, all1 dies trägt wohl die Eigenart der Stadt zur Schau. Und trotz manchem Zeichen einer südlichen Zone finden wir auf Schritt und Tritt in der erbgesessenen Bevölkerung der Gegend kerniges Deutschthum und alte deutsche Sitten. Die Stallt an der Talfer und am Kasack ist auch ein echtes Künstler-und Dichterheim, das sich in einigen trauten Weinstübchen, WO man einen köstlichen heimischen Tropfen schänkt, ausprägt. Bozen, das im weiten fruchtbaren Thalbecken liegt, ist von einem Kranz von Bergen umgeben. Theils erheben sich aus der Ebene die sanften Formen derselben, theils aber thürmen sie sich in wild-zerrissenen Steilwänden zum blauen Himmel auf. Das Schönste und Erhabenste bleibt unter all' diesen Gebirgsgruppen und Scenerien jedoch im Osten drüben die breite Masse des Schiern und des Kosengarten, die wie phantastische Kiesenwände, sagenumwebt, in

die Lüfte steigen. In ganz anderer Art fesselt wieder der bis hoch empor bewaldete Kücken der Mendel, der ins Meranerthal zieht, unseren Blick. Knapp an die Stadt Bozen schliesst sich die Curortgemeinde Gries, welche im folgenden Texte eingehender erwähnt wird. In hohem Grade lohnend ist eine Wanderung in das Sarnthal und durch dasselbe nach Sarntheim. Auf diesem genussreichen Thalwege geht es an reizvollen Schlössern und Ansitzen vorüber. Da liegt knapp an der Wassermauer Schloss Maretsch mit dem massiven Viereckthurm in der Mitte und den vier wehrfesten Kundthürmen an den Ecken; Am Bergabhang fesseln die ausgedehnten wohlgepflegten Gärten der Fürstin Campo-franco, der Tochter des verewigten Erzherzogs Heinrich. Hat man eine ganze Reihe von malerischen Edelsitzen passirt, so grüsst endlich Schloss Runkelstein, das aus Halbruinen wieder erstanden ist, von stolzer Felsenhöhe herab. Der nunmehr verewigte Dombaumeister Freiherr von Schmidt hat die nahezu gänzlich verfallene Burg vor Jahren im Geiste ihrer ursprünglichen Gestalt wieder hergestellt. Niklas der Vintler hatte Runkelstein, welche zwei trientinische Edelleute 1237 zum erstenmale erstehen liessen, zu Ende des XIV. Jahrhunderts ganz neu erbaut und sie mit wehrhalten Vorwerken, Thürmen und einer Kapelle versehen und mit den berühmt gewordenen Fresken zieren lassen. Nachdem Erzherzog Johann Salvator das arggefährdete Gemäuer 1880 erworben und dem Kaiser Franz Josef zum Geschenk gemacht hatte, licss der kunstfreundliche Monarch die Burg in ihrer heutigen Gestalt erstehen und verehrte sie dann der Stadtgemeinde Bozen. Die Aussicht von Burg Runkelstein, zu welcher die Freunde echter Kunst und deutscher Ritterromantik gerne pilgern, ist wahrhaft entzückend. Einer der prächtigsten Ausflüge südöstlich von Bozen führt uns durchs Eggenthal in die Zauberwelt der DoIomit3n, durch die wilde Eggenschlucht, die den Wanderer durch ihre imposanten Scenerien fesselt. Die sehenswerthe Kunststrasse bringt uns auf das Hochplateau zu Füssen des Latemar und Rosengarten. Hier hat die Tiroler Hotel-Gesellschaft im grössten Style das Hotel Karrersee erbaut, das wundervollen Aufenthalt gewährt. Ueber den Costalunga-Pass geht es ins Flcimserthal oder ins Fassathal.

Phot. Gratl, Innsbruck.

Karrersee- Hotel.

BOZEN,

Runkelsteln.

GRIES BEI BOZEN.

X''"M:'"1v !ohl der mildeste Wintcrcurort im österreichischen Süden J:|plKjM*a(^ ist Gries, das sich zu Füssen des Guntsehnaberges '.W W":.-' hin/ich! und \<>n der Stadt Bozen nur durch den .■•'• ■ - A-Taheivach getrennt ist. Die vorgenannte Berghöhe, die jeden rauhen Luftstrom von dem Gurorte abhält, erhebt sich wie eine schützende Wand gegen Norden unmittelbar hinter dem Orte. Da die ganze Gegend nur gegen Süden offen liegt, so sind die klimatischen Verhältnisse äusserst günstige, und mit Recht hat der dortige Arzt Dr. Blöffinger den Ausspruch gethan, dass Gries »ein Sonnencuroit ersten Ranges« sei. Die Bult ist daselbst rein und trocken und stets von gleichmässiger Wärme, von kräftigen Sonnenstrahlen durchfluthet, die es den Gurgästen gestattet, während der ganzen Saison, die neun Monate dauert, jeden Tag im Breien und zwar täglich länger zu verbringen. Die meteorologische Station in Gries hat nachgewiesen, dass die Durchschnittstemperatur 1T-80 C. beträgt und dass dieselbe nur an sieben Wintertagen unter Null Grad herabsank, Durchschnittlich gibt es dort nur sieben Schnee-tage und siebzehn Gewittertage im Jahre. Gries hat sich seit Beginn der Siebzigerjahre seiner zahlreichen Vorzüge wegen in geradezu grossartiger Weise entwickelt und zu einem Luftcurort emporgehoben, der seit geraumer Zeit zu hervorragender Bedeutung gelangt ist. Der erste Curgast in Gries war im Winter 1830/40 ein russischer Obrist Namens Parischnikoff, und das erste Cur-Etabiissc-ment war die allerliebst gelegene Villa des Herrn Ignaz von Auf-schnaiter. Zehn Jahre später konnte die Fremdenliste des jungen Curortes schon die Königin Therese von Bayern nebst der Erzherzogin Adelgunde und den Erzherzogen Franz und Ferdinand von Oesterreich-Este, sowie den Prinzen Luitpold, den gegenwärtigen Prinz-Regenten von Bayern, verzeichnen. Die höchsten Herrschaften hatten in der Villa Aufschnaiter, dem heutigen Grieser-Hof, Aulenthalt genommen. Auch Staffier, der rühmlichst bekannte Topograph Tirols hatte schon in seinem vielgenannten Werke auf die Zukunft dieses sonnigen und geschützten Erdenflecks hingewiesen und dadurch die Aufmerksamkeit weiterer Kreise erregt. Späterhin hatten die Herren von Aufschnaiter und von Leiss ein Curcomite gebildet, welches durch Privatsammlungen die Mittel aufbrachte, in den

Strassen von Gries die Beleuchtung einzuführen, Wege zu verbessern und Ruhebänke an schönen Aussichtspunkten anzubringen. In den Siebzigerjahren begann der Bau des Curhotels »Austria« und die Anlage des herrlichen üppigen Parkes. Die Zahl der Mitglieder des Curvercincs nahm von Jahr zu Jahr zu, so dass 1884 das Curhaus eröffnet werden konnte. Im Laufe des Jahres war der Ruf des Luftcurortes Gries, als des mildesten Winter-Aufenthaltsortes auf deutschem Boden, auch zu den regierenden Herrschaften Deutschlands gedrungen. Es nahmen daselbst der leidende Kaiser Friedrich IIB, die Grossherzogin von Sachsen-Weimar, das Erbprinzenpaar von Baden und andere fürstliche Persönlichkeiten für kürzere oder längere Zeit Aufenthalt.

Heute ist Gries ein begünstigter, von vielen Besuchern sogar bevorzugter Rivale des viel älteren Meran, ein Terraincurort nach Professor Oertel's System, der durch seine ganz besonders günstige Lage ein heilbringendes, vielgepriesenes Dorado geworden ist. Die Vegetation hat zur Erreichung dieses glänzenden Erfolges das Ihrige beigetragen; sie entspricht durchaus dem warmen Klima des Südens, das uns mitten hinein versetzt in einen Hesperiden-garten, in dem subtropische Bilanzen und Bäume gedeihen und uns mit Bandschaftsbildern voll Karben reiz und Eichtfluthen umgeben. Der Curort besitzt eine namhafte Zahl stattlicher moderner Hotels, die selbst den Verwöhnten Gast vollauf befriedigen werden. An Spaziergängen in der Ebene, wie auch auf der sonnigen Lehne des Guntschnabcrgcs, gibt es eine reiche Auswahl. Namentlich auf dieser Berghöhe findet der Curgast eine Winterpromenade, die mit ihren immergrünen Bäumen und südlichen Sträuchern, mit ihrem berauschenden Blick hinaus auf den rebenbedeckten Bozenerboden, auf das grüne wellige üeberetsch, ein wahres Paradies an der Talfer und dem Eisack genannt werden darf. Und die Riesenhäupter der wildzerrissenen Dolomiten, des Rosengartens und Schiern, schliessen dieses grandiose Gemälde ab. — Auf dem Johannisplatz, dem schönsten Platze des nachbarlichen Bozen, erhebt sich ein kunstvolles Marmordenkmal des Tiroler Meisters Heinrich Natter, welches den im Eisackthal geborenen Minnesänger Walther von der Vogelweide lebensvoll darstellt.

Denkmal Walther's von der Vogelweide. GRIES. BOZEN.

Phot. J. Guglcr, Bozen.

MERAN.

fcllm die berückenden Schönheiten Merans, der einstigen 2\ Capitale des Tiroler Landes, ganz zu erfassen, muss M man die alte Stadt an der Passer im Herbste besuchen, "d zur Zeit der Traubenlese, in den sonnigen Tagen, wenn 3 Wein in die Kelter geht. Dann ist das Bild, welches sich dem Besucher zeigt, voll leuchtender Farben, voll Glanz und Frische, und Alt- wie Neu-Meran prangen in den glühenden Tinten des tiefen Südens. Es sind zwei grundverschiedene Physiognomien, Bilder aus längst verrauschten Tagen und Veduten aus der modernen Zeit der Curstadt, die wir auf einem Gange durch die alte und neue Stadt sehen. Der enge alte Stadüheil mit seinen Lauben-gassen gewinnt immer mehr, je vornehmer und prunkvoller sich Neu-Meran gegen den Bahnhof zu entwickelt. Fährt man durch die Habsburgerstrasse hinein zur alten Stadt und wandelt durch die Berglauben oder durch die Wasseiiaubcn, in denen sich das geschäftliche Kleinleben abspielt, aufwärts, so wird bauen der Contrast zwischen Neu- und Alt-Meran mit angenehmer Lieblichkeit umspinnen. Die alterthümlichen, meist schmalen und grösstenteils nur ein- oder zwei Stock hohen Häuser muthen uns so überaus sympathisch an; es scheint uns der Geist aus alter Tirolerzeit daraus anzusprechen. Meraner und Passeirer Landleute in ihrer hübschen Tracht mit den roth ausgeschlagenen Spensern und den Spitzhüten begegnen uns hier, und gerade der Kähmen dieses anheimelnden Stadtbildes mag es sein, der sie uns in ihrer ganzen nationalen Eigenart vorführt. Eine ganz andere Welt ist das moderne Meran, das Meran der Curwclt. Auf der Gilfpromenade, die im Zickzack vom Ufer der Passer aufwärts steigt, wandelt man im hellen Sonnenlichte zwischen den seltensten Pflanzen und Gesträuchern, und was sonst nur unter dem südlichsten Himmel gedeiht, entwickelt sich hier in üppigster Weise. Hier ist es gut sein, hier ergeht man sich gerne. Man steigt höher und höher und ist plötzlich bei der malerischen alten Zenoburg, von der die glatte Felswand thurmhoch hinab in die rauschende, weissschäu-mende Basser fällt. In der Zenoburg, die man auf unserem Bildchen der Gilfpromenade auf der Felsenhöhe im Hintergrunde sieht, und im Schloss Tirol, haben in den ersten Jahrhunderten ihrer

Herrschaft die Grafen von Tirol residirt. An den sonnigen Wegen der berühmten Promenade an der Gilf wächst der Kirschlorbcer und die Palmenlilie, der stachelblätterige Oelbaum, Mahagonie und der Lotuspflaumenbaum, die Fächerpalme und der Thee-strauch, zahlreiche Oleander-Arten, Cypressen, Goldbambusrohr u. v. a. zeigen hier Blätter und Blüthen in satten Farben; manche von ihnen geben süssen Duft. Kein rauhes Lüftchen weht herein in diese herrliche Anlage, die für die Leidenden ein Dorado ist. Einen genussvolleren Ausblick auf Meran und Umgebung kann es kaum geben, als den aus den hohen Fenstern der Burg Tirol. Von den dunklen Dächern der alten Meranerstadt schweift der trunkene Blick hinaus ins Ktschthal, nach rechts hinüber ins Vintschgau, nach links auf die Höhen von Obermais. Unten im Gröben sieht man die Brunnenburg über dem einst blutgetränkten Küchelberg, auf dem Porphyrgebirge des Freiberg die schönen Schlösser Fragsburg und Katzenstein, darüber das liebliche St. Katharina in der Schalte u. a. Aus dem grünen weingesegneten EtSChland herauf grÜSSt die Mendel. . . . Wie viel Beiz bieten nicht St. Beter und Algund, dann die besuchten Ausflugsorte St. Valentin und Schloss Trauttmansdorff, Schloss Lebenberg, welches zu den grössten und umfangreichsten des Landes zählt, Schloss und Dorf Schenna, in dessen Mausoleum Erzherzog Johann und seine edle Gemahlin ruhen. Wie viele der interessanten Schlösser gibt es noch in der Umgebung Merans, die hier aufgezählt werden müssen. Da ist Babers, von dessen Terrasse ein wundervoller Ausblick gestattet ist, Schloss Kametz, dessen Kellereien den bestbekannten »Rametzer« bergen, die Schlösser Vernaun, Gojen und Braunsberg, im Oertehen Kana die Ruinen des alten Schlosses Brandis und unterhalb desselben Neu-Brandis. Was soll man aber schreiben über die zauberischen Villenorte über- und Untermais, ohne die es ja ein Meran gar nicht geben würde? Hier liegen an den stilleren Wegen und Steigen in üppigen Gärten die berückendsten Heimstätten glücklicher Sterblicher. Und welche Fülle von grösseren Ausflugspartien bietet Meran noch dem Freunde jener berauschenden Zone! Wird doch kaum Jemand einen Besuch des Basseierthaies unterlassen, in dem das Haus Andreas Hofer's liegt.

MERAN. Gilf-Promenade.

Thot, Grad, Innsbruck.

IM ORTLER-GEBIET.

on der Strasse im Oberen Etschthal, im Vintschgau, zweigt in Neuspondinigg die Strasse zum Stilfserjoch i^K^ÄII ab. Es geht über die lange Etschbrücke und dann auf clangem Damm über das breite sumpfige Thal. Bei dem Oertchen Brad, das man alsbald erreicht und in dem man die berühmten Eispickel erhält, stürzt der wilde Trafoier Bach vom Gebirge herab, vielfach zerrissen und weiss aufschäumend. Zur Rechten der Strasse steigen die kahlen Geröllwände auf, links heben sich Wiese und Wald in die Midien. Auf dem Berge, am Abhänge rechts, liegt das ärmliche Dorf Stilfs mit seiner hübschen Kirche und den dunklen Steinhäusern. Von dem Dörfchen Gomagoi, wo ein österreichisches Sperrfort den Zugang abschliessen kann, zieht sich seit einigen Jahren links die Kunststrasse, für deren Herstellung Freiherr von Hofmann die Summe von 12.000 fl. testirte, ins Suldenthal, nach dem einsamen St. Gertrud und zum grossen Sulden-Hotel. Die Fahrt auf der Suldenstrasse, wenn auch auf manchen Punkten ein wenig gruselig, da der Blick tief hinab in die Schlucht fällt und der Wagen knapp am Rande der geländertosen, nicht allzu breiten Strasse aufwärts rollt, ist überaus reich an malerischen, wildromantischen Bildern. In grosser Windtina hebt sich die Strasse stellenweise durch den Wald an der rechten Thalseite empor und wendet sich dann alsbald dem Thale zu. Beim Unter-Thurnhof sieht man zum ersten Male den Ortler. Das Suldenthal bietet eine wahrhaft imposante, einzig-schöne Umgebung, die von blinkenden Fernern begrenzt wird. Das herrliche satte Grün der Thalmatten, das düstere Braun der Felswände des Ortler im Westen und das glänzende Weiss der herableuchtenden Gletschermassen gibt ein Alpenbild, das unvergleichlich ist. In ganz Tirol wird man auf so engem Räume kaum mehr eine so grosse Zahl der gewaltigsten Beigriesen beisammen linden. Links das Schöneck, die Vertainspitze, die Blatten- und Innere Pederspitze, die Schöntaufspitzen, die Suldenspitze, Schrötterhorn, Kreilspitze, Königsspitze, Zebru und rechts der Ortler, d abarettaspitze und -Scharte, lloch-lcitenspitze und im Vordergrunde der gewaltige Suldenferner. Unser Bildchen links oben zeigt das prachtvolle Hotel mit der Hinteren Schöntaufspit/.e, von der man eine der lohnendsten Aussichten in

den Ostalpen geniesst. Der Ausgangspunkt für zahlreiche Hochtouren im Umkreis des Ortler ist die 2573 Meter hoch liegende Schaubachhütte, vor der man ein überwältigendes Panorama sieht, darunter in gewaltiger Grösse, fast gegenüber dem Suldenferner, die Königsspitze, Monte Zebru und Ortler.

In ganz scharf ausgeprägter deutlicher Weise präsentirt sich das Gletscherthor des Suldengletschers. Steht man vor der Hütte und wendet den berauschten Blick hinüber nach der Königsspitze oder nach dem Suldenferner, der sich mit seinen Moränen weit hinab ins Suldenthal ergiesst, so seheint unseren Geist, unsere Sinne, unser ganzes Fühlen und Empfinden ein Märchenhaftes, Urweltliches, Ewiges zu umgarnen, zu erlassen; wir glauben uns dem Erdendasein entrückt. Man muss diese unvergleichlichen Hochgebirgsscenerien mit eigenen Augen sehen, um die richtige Vorstellung von ihrer Majestät zu erhalten. Von Gomagoi beginnt die Strasse hinter dem Fort immer stärker zu steigen. Der Traloierbach stürzt wild in vielen Seitenrinnen einher; es ist eine wilde, öde Welt, die uns hier aufnimmt. Im Hintergrunde tauchen zuerst die Cristallo-spitzen atd", dann der Madatschferner und die schwarze Madatschspitze; ein imposantes Gemälde. Blickt man nach rückwärts, sothürmt sich die schneeschimmernde Weisskugel aus den Oetzthaler Alpen in die Lüfte. Endlich sieht man zur Linken das Massiv des Ortlers.

Es geht immer höher und immer näher dem pittoresken Hochgebirgsörtchen Trafoi, dem »Grindelwald Tirols« zu. Die Firnmeere und Lasriesen treten auf der Fahrt immer mehr heran, immer schaurig-schöner gestaltet sich der Thalabschluss, vor dem das neue, prachtvolle, im Schweizerstyl gehaltene Alpenhötel in stattlicher Grandezza ersteht. Kommt man etwa Abends in Trafoi an, so schimmern dem Reisenden hunderte von Lichtern aus dem nächtigen Dunkel schon aus der Ferne entgegen, und man meint, dass in jener Bergeinsamkeit Gnomen einen Zauberpalast erbaut hätten. Das alte Hotel Post ist von dem neuen Hötelpalast vollständig in bescheidenere Bahnen gedrängt worden. Die kleine Wajl-fahrtskapelle unten im Thale des Trafoibaches mit ihren Bildsäulen (Christus, Maria und Johannes), aus deren Brust eisiges Wasser rinnt, ist ein beliebter Zielpunkt der d>afoibesucher.

STILFSERJOCH.

|er Trafoi verlässt, um die Stilfserjochstrasse hinan zu steigen, dem eröffnet sieh in steter Abwechslung eine Reihe von Hochalpenbildern, die durch ihre überwältigende Grossartigkeit, durch ihre unbeschreibliche Eigenart und fast sinnverwirrende Gletscherpracht den staunenden Wanderer von Schritt ZU Schritt immer neue Ausrufe der höchsten Bewunderung entlocken. In kunstvoll aufgebauten Windungen, deren Zahl 16 beträgt, zieht sich die Strasse aus dem Tratoithah das unten bei den heil, drei Brunnen seinen Abschluss findet, an den Schieferhangen der linken Thalseite höher und hoher ins Stilfserthal. Im Anfange, gleich oberhalb des Oertchens Trafoi, wandelt man auf der herrlichen breiten Strasse, auf der sich ein ziemlicher Verkehr entwickelt, durch Scholien Nadelwald, der von Zeit zu Zeit genussvolle Ausblicke bietet. Man berauscht sich an dem entzückenden Bilde der gewaltigen Gletscherscenerie, die den Hintergrund des Trafoithales bildet und sich im Rücken des neuen Trafoi-Hdtels wie ein Märchengebilde aufbaut. Dort drüben zur Linken des Hotels schaut von schwindelerregender Höhe die Payer-hütte von dem Tabärettagrät herab ; es fesseln die Tabaretta-kugel, die grandiosen Abstürze des Oberen Ortlerferner, des Unteren Ortlerferner mit der sich lang ins Thal streckenden Gletscherzunge, der Trafoierferner mit dem Gletscherthor und die schönen Seitenmoränen u. a. Das hreite Eisfeld der Trafoier Baswand, die grosse Pyramide des Madatschspitz, sie bannen mit ihrem glänzenden blauen Gletschereis unser Auge. Imposant ist der Blick zurück nach Norden auf die Oetzthalergruppe, die von der gewaltigen Weisskugel beherrscht ward. Unstreitig der schönste Punkt der ganzen Stilfserjochstrasse ist jedoch der sogenannte Weisse Knott (1863 Meter), ein Aussichtspunkt, der uns die fasweit des Ortlers und seiner Nachbarn erst in ihrer überwältigenden Erhabenheit zeigt. Vom Ortler herab ziehen sich da in die Tiefe die Hinteren Wandln mit dem Pleisshorn, die Hohe Eisrinne und Stickle Pleiss, eine berückende, wildschöne Scenerie. Ueber den beiden Gletschern schauen die Eiskögeln, Thurwieserspitze, Trafoier Eiswand und all die anderen Riesen her zu uns. Und unten am Grunde des Trafoithales, in einer Tiefe von 300 Meter, steht wie ein niedliches

Spielzeug die Capelle zu den heil, drei Brunnen und die kleine Schänke daneben. Hier beim Weissen Knott, wo man auch einige Erfrischungen erhält, wurde dem ersten Erstciger des Ortlers, Josef Bichler, ein Gedenkstein errichtet.

Unweit von da findet man auf dem Wege an der Strasse eine Gedächtnisstafel für Madeleine de Tourville, jene unglückliche Prau, die bekanntlich von ihrem Gatten aus niedriger Habgier von einem Abhang in die Tiefe gestürzt wurde. Die Cantonicra del Bosco, einst der nächste Bunkt, an dem sich der Wanderer erquicken konnte, wurde von den italienischen Freischaaren im Feldzuge 1840 verbrannt. Nach gut zweistündigem Maische vom neuen Alpenhötel in Trafoi erreicht man die grosse, 2188 Meter hoch gelegene Poststation Franzenshöhe, wo man gerne eine Ruhepause in der Wanderschaft eintreten lässt, um sich mit einem Imbiss und einem Gläschen Tiroler zu stärken. Von Franzenshöhe unternimmt man einen Abstecher zum Madatschferner, um sagen zu können, man ist auf Gletschereis gegangen. Das ganz harmlose Unternehmen eines Spazierganges auf der weiten Gletscherfläche hat eine gewisse Aehnlichkeit mit der Salontirolerei im Allgemeinen. Hier gibt es stets eine namhafte Anzahl von derartigen »Gletscher-Flaneuren«, welche das erhebende Bild des grossartigen Baues der Stilfserjochstrasse, die sich in ihrer ganzen charakteristischen Eigenart präsentirt, gemessen. Die Zahl der wirklichen Gletschertouren, die von der Franzenshöhe unternommen werden, ist äusserst zahlreich. Auf dem weiteren Marsche erreicht man alsbald die Baumgrenze. Der Madatsch ist zurückgetreten, der Ortlergipfel mit seiner feinen Firnschneide aber sichtbar geworden. Auch der Zebru zeigt sich nun. Es beginnen die letzten 13 Windungen, die einst durch Galerien gegen Lawinenstürze gedeckt waren. Tief im Juli liegt hier oft noch Schnee. Bis herauf zum Stilfserjoch (2760 Meter), der Wasserscheide zwischen Etsch und Adda, sind von der Franzenshöhe gleichfalls zwei Gehstunden. Der Bass bildet die dreifache politische und Sprachengrenze gegen Tirol, die Lombardei und Graubünden; Knapp unterhalb der Grenzsäule stand das Posthaus Ferdinahdshöhe. Von da geht es in das öde Hochthal zur italienischen Cantoniera S. Maria und nach Bormio hinab.

Stilfserjochstrasse. Stilfserjoch. Franzenshöhe.

Phot. Gratl, Innsbruck

IM ÖTZTHAL

H on allen Scitcnthälern des Innstromes ist das Oetzthal H nicht nur das längste, es ist auch das abwechslungs-(5 reichste. Dasselbe zieht sieh in einer Ausdehnung von ^1 18 Gehstunden in südlicher Richtung bis zum Joch des grossen Ferners hinan, der mit seinem glänzenden Eismantel herableuchtet. Das Oetzthal ist von den Thälern Nordtirols wohl das eigenartigste; denn die Landschaft und die Scenerie wechseln, namentlich in den vorderen Theilen des Thaies, ihre Figuration beständig. Ueppige Vegetation, die man hier kaum vermuthen sollte, und wieder eine wilde Felsenwelt, welche von herrlichen Matten unterbrochen wird, bannen nacheinander den Blick des Wanderers. Ausgedehnte Thalfiächen und schauerliche Engen, imposante Wasserfälle und düstere Schuttmassen, durch welche die stürmische Ache des Thaies mit Brausen ihren Weg sucht. Gleich am Eingang ins Oetzthal hat die Ache ein solches Schuttgebirge angeschwemmt, das von Kiefern eingesäumt ist, die den Pinien einer italienischen Landschaft gleichen. Hat man den Inn, der eingezwängt zwischen Felsenwänden dahinzieht, überschritten, so fesselt uns am Eingang ins Oetzthal der malerische Wasserfall, der Stuibenfall, der aus dem Stuibenthal herauskommt und gleich bei einer pittoresken Mühle diesen prächtigen Wassersturz, einen Glanzpunkt der Schönheiten des Thaies bildet. Haben wir bei Sautens die schäumende und wild einherbrausende Ache im Rücken, so nimmt uns alsbald der ci'ste Thalkessel des Oetzthales auf, in dem das prächtige Dorf Octz mit seinem altbekannten Gasthof »Zur Post« liegt. Die Lage des Dorfes ist überraschend malerisch. Eigenthümlich muthet es den Fremden an, dass die unterste Thalstufe ein auffallend wärmeres Klima besitzt, als das nachbarliehe Innthal, dass herrliche Nussbäumc um den Ort stehen, an den Häusern sogar Wein gezogen wird, aber doch hochragende Gebirge den Thalkessel ein-schliessen. Würde nicht der hohe Achenspitz mit seiner blauschimmernden Eiswand herabschauen, man wollte es nimmer glauben, dass man sich im Oetzthal befindet. Das Räthsel erklärt sich jedoch leicht genug, wenn man weiss, dass das ddial etwas östlich liegt und daher vor rauhen Winden hinlänglich geschützt ist. Hat man die Ache hinter dem Dorfe Oetz überschritten, so

verlässt man auch die Ebene des Tnafkessels. Bald ist man bei der ersten Thalenge angelangt. Näher sind die Thalwände zu einander getreten und haben den Weg versperrt. Doch die wilde Ache in ihrer ungezügelten Kraft hat den Felsendamm theilweise gebrochen und stürzt sich in brausenden Fällen ms Thal hinab. Ueber den Trümmern des Dammes führt die Strasse mühsam empor. Man nennt diese Lage des Thaies das Gsteig. Entzückend ist der Blick von hier zurück in den üppigen Kessel von Oetz, über das sieh die senkrechten kahlen Felswände des Tschirgand erheben. Die zweite Thalstufe beginnt bei Timmen, und bildet einen ausgedehnten Thalkessel. Die schroffe Engelswand, an welche sieh eine alte Sage knüpft, hebt sich hier majestätisch in die Höhe. Riesenmassen von Gestein bauen sich da in die Lühe auf. Der Weg zu Füssen dieser Wand, die in ihren oberen Regionen frische Bruchstellen zeigt, ist keineswegs gefahrlos, denn von Zeit zu Zeit brechen überhängende Theile des Felsens ab und stürzen auf die Thalsohle. Aus dem reichen Sagenschatzc des Oetzthales stammt wohl auch die Mythe, dass einst unter der Engelswand eine Burg namens Hirschberg stand. Der Glanzpunkt der Naturschönheiten des ganzen Oetzthales ist zweifellos der grosse Stuibenfall, der in zwei gewaltigen Sprüngen herabstürzt; ein Brachtobject für Bandschaftsmaler von Einst und Amateur-Bhotographen von Heute. Schon aus der Ferne bemerkt man die aufwirbelnden Staubsäulen des Wasserfalles, die dem Fall den Namen verliehen haben. Wenn die Wassermenge reich ist, nach Regentagen, wirkt der Anblick überraschsnd schön. Wieder gelangt der Wanderer in eine Felsenenge, die zu einer höher liegenden Thalstufe führt. Grauenhaft und beängstigend muthet diese schaurige Enge den einsamen Touristen an. Die Ache braust hier im wilden Kampfe mit dem Boden vorüber, die weissgrauen Steinwände steigen da rings empor. — Alles scheint hier leblos bis auf die schäumende Ache.

Unser Vollbild zeigt eine der glänzendsten Partien der Oetz-thaler 1 loehgebirgswelt: Das Ramolhaus (8080 Meter), von dem man einen berauschend-schönen Blick auf Gurgler und Lang-thaler Ferner und viele andere imposante Eisspitzen der Oetz-thaler Riesen geniesst. Hier glauben wir uns dem Ewigen näher.

SÜDTIROLISCHE STÄDTE.

Im Frühling und im Herbst ist ein Aufenthalt in Südtirol von hohem Genuas. Ein Juwel unter den Städten dieses weingesegneten Bodens ist unbedingt Kovcreto am Ausgange der Lenoschlucht, die durch ihre wildschönen Scenerien jedem Besucher nachhaltige Befriedigung bereitet. Die Stadt liegt zu beiden Seiten des Lenobaches in überaus anmuthjger Lage und wird von diesem in zwei ungleiche Theile geschieden. Der Lenobach, zu Zeiten ein wilder Geselle, ist seit langen Jahren von sicheren Dammbauten eingeschränkt, so dass er nun kein Unheil mehr hervorrufen kann. Die eigentliche Stadt mit der Pfarrkirche S. Marco ruht auf dem rechten Ufer, während die Vorstadt Borgo S. Tommaso sich auf dem linken Ufer des Lenobaches ausdehnt. Tritt man in die Schlucht ein, so sieht man über dem Leno zur Rechten das alte Schloss mit seinem eigenartigen Thurm an der südöstlichen Ecke, der noch aus der Zeit der Venetianer stammen soll. Die Gassen der alten Stadt sind allerdings zum grössten Theile eng und krumm und uneben, aber trotz alledem wird Jedermann sich hier gleich heimisch fühlen. Eine breite Corso-Strasse, die keine wälsche Stadt entbehren darf, und die Hauptstrasse, die jenseits des Leno liegt, geben Rovereto ein vornehmes Gepräge. Ein neuer Stad(theil hat sich gegen den Bahnhof ausgebreitet. Von dem unweit des Bahnhofes sich erhebenden Hügel geniesst man das schönste Bild von der Stadt, haust war Rovereto der Hauptsitz der südtirolischen Seidenindustrie und des südtirolischen Seidenhandels, doch ist die Fabrication im laude der letzten Decennien vom Auslande überflügelt worden und der Handel mit Seidenwaaren hat wesentlich von seiner Bedeutung eingebüsst. Wie alte Schriften berichten, war Rovereto, dessen Ursprung weit ins Mittelalter zurückreicht, besonders im vorigen Jahrhundert eine durch Bildung und feine Lebensart seiner Bewohner ausgezeichnete Stadt, welche Männer von hervorragendem Geist zu ihren Söhnen zählte. Die Umgebung von Rovereto ist reich an herrlichen Punkten. Spaziert man auf schöner Strasse nach Madonna del Monte, einer kleinen Wallfahrtskirche, so geniesst man von der Terrasse des Kirchenplatzes eine wundervolle Aussicht auf die ganze Gegend, auf mehr als vierzig malerisch hin-

gestreute Ortschaften, die mit ihren Kirchen und weissen Häusern im Sonnenglanze leuchten. In der Nähe liegt ein Hügel, den einst das Schloss Lizzana, in dem Dante geweilt haben soll, gekrönt hat. Jenseits der Etsch finden wir in dem aus dem neunten Jahrhunderte stammenden Dorf SaCCO die grosse ärarische Virginia-cigarren-Fabrik. Ein kleiner Ausflug bringt uns nach Isera hinauf, in das berühmte Weindorf, das den dunkelrothen, fast schwarzen süssen Wein baut. In dem saftiggrünen, von zahlreichen reizvollen Orten belebten Fleimser Thal, das man von der Eisenbahnsbation Neumarkt-Tramin auf einer prächtigen Kunststrasse erreicht, breitet sich Cavalese, der Hauptort des Thaies aus. Das Fleimser Thal ist der mittlere Theil des Thaies des Avisio, der am Westabhange der Marmolata entspringt und bei Lavis sich in die Etsch ergiesst Die erste Stufe des vom Avisio durchströmten Thaies, die vom Ursprung des Flusses bis Moena reicht, heisst Fassa-Thal, dei Theil von Moena abwärts bis Val Floriana, unterhalb Cavalese, ist das Fleimser Thal und die dritte Stufe abwärts von Val Floriana bis ins Etschthal wird Val Cembra oder Zimmers genannt. Während der Wanderung nach Cavalese, die besser auf der kürzeren alten Strasse unternommen wird, -geniesst man wiederholt grossartige Rückblicke auf das Etschland von Bozen bis Trient, auf den Kälterer See und die Hochebene von Eppan. Vom Norden her schauen aus der Ferne die eisglitzernden Gipfel der Oetzthaler Ferner. — Von Trient führt seit April 1896 durchs Valsu-gana bis zur Bandesgrenze bei Tezze, dem letzten Dorfe in Tirol, eine Eocalbahn, deren Fortsetzung auf italienischem Gebiet zum Anschluss in Bassano projectirt ist. Die genussreiche Fahrt geht durch das romantische Fersinathal und weiterhin durch die Fersinaschlucht zur Station Boncegno und nach Pergine, das eingebettet liegt in üppigster Vegetation. Dunkle K'astanienvvaldungen ziehen sich unter dem alten Castell Pergine dahin und vom Schloss-thurme geniesst man einen prachtvollen Ausblick über das blühende Band. — Knapp am Caldonazzo-See vorüber gelangt man nach dem Badeorte Levico, und nach Station Roncegno, von wo eine gute Strasse nach dem Cur-Etablissement Roncegno führt. — Mezzo-Lombardo erreicht man von der Station S. Michele.

IN WÄLSCH-TIROL

|Li den imposantesten und eigenartigsten Partien der gesammten Dolomitenwelt Tirols darf unstreitig die Pala-Gruppe mit ihren bizarren und grandiosen, weiss-sehimmernden Gebilden gezählt werden. In kühnen, geradezu fascinirenden Formen bauen sich die absonderlichen Bergriesen in die Bülte auf. Der Cimon della Pala, der Paladi San Martino, Sass Maor, Cima di Ball, Cima di Canali und deren Nachbarn, sie bilden fast ein Reich für sich, wie man ein gleiches sobald nicht wieder linden wird. Man verfolgt die Strasse von Cavalese im Fleimserthal, um Predazzo am Beginne des Travignolo-Thales zu erreichen. Auf der trefflichen Fahrstrasse, die 'sich nach Osten wendet, ziehen wir durch das grossartige Thal dahin. Erfreut sich unser Auge an der rechten Seite dieses ddialstriches an den stolzen Bildern der bewaldeten Berghänge, so wird es zur Finken erquickt von den in satten Farben prangenden sammtglcichen Almmatten, deren liebliches Grün sich sogar über die Beigspitzen zieht und über die ganze Länge des Thaies ausdehnt. Sachte steigt die Strasse stets am rechten Ufer des Travignolo hinan, bis man nach etwa ein und einhalbstündiger Gehzeit zu der Kapelle Madonna di Neve gelangt, um die sieh einige Baulichkeiten, darunter ein Wirths-haus, zerstreut gruppiren. Die Steigung der Strasse nimmt von da an merklich zu, es geht über die Höhe des Dossaccio, hoch über

dem Travignölö durch ein enues Thal

Baneveggio hinab.

Obgleich sieh hier nur ein einsames Gasthaus befindet, so ist der weltabgeschiedene Punkt wegen seiner herrlichen, landschaftlichen Umgebung zu einer Einkehr, zu einem kürzeren oder längeren Aufenthalt geradezu auserwählt, Grüne üppige Wiesen und dichter Nadelwald, ein Hochwald im wahrsten Sinne, umgibt die gute alte gastliche Stätte. In vielen Serpentinen steigt von Paneveggio eine ausgezeichnete Fahrstrasse durch wunderbaren Fichtenhochwald empor auf den bekannten Rolle-Pass (1956 M.), ein berastes Plateau, von dem man den imposanten Anblick der Cima die Vez-zana (33Q0 M.) und die etwas südlicher sich erhebende imposante Felspyramide des Cimon della Pala (3343 M.), die höchsten Gipfel der Pala-Gruppe, geniesst. Eine Cantoniera, nichts anderes, nimmt auf dem Pass den Wanderer auf. Ein wenig nördlich vom Rollc-

Pass zeigt sich uns die Marmolata (3494 M.) in ihrer ganzen Erhabenheit und Grösse. Zahlreiche Windungen führen uns von hier hinab ins Thal von Primiero, immer zur Linken die weiss-schimmernden Zinnen der Pala di San Martino, des Sass Maor und anderer. Direct hinab nach Süden gelangen wir alsbald nach San Martino di Castrozza, eines seit Jahren vielbesuchten Hötel-Etablissements. Das einstige Karthäuser-Kloster und nunmehrige Hotel, sowie die kleine Kirche, das Pfarrhaus und etliche Gebäude liegen in waldiger Mulde in herrlicher Scenerie. Am Russe wilder Felsenzinnen der Palagruppe, umgeben von dichtem Nadelholz-Hochwald, breitet sich diese vornehme Hötel-Ansiedlung, die von der besten Gesellschaft besucht wird, aus. S. Martino di Castrozza ist nicht nur als Sommerfrische, sondern auch als Standort für Hochtouren auf die gewaltigen Zinnen der Dolomiten zu empfehlen.

Das Bildchen links unten zeigt die Kuppe der Lobbia-bassa (2959 M.) und den Mandronfemer mit seiner wilden Scenerie, vom Rochinathal aus gesehen. Von der Mandronhütte geniesst man einen grossartigen Anblick dieser berauschenden Dolomitenwelt. — Eine der interessantesten Hochgebirgspartien der Brenta-Gruppe am Kusse der Cima Tosa führt durch das Thal della Seghc, durch eine wildschöne Klamm und theilweise durch dichten Wald. Von Molveno gelangt man in dreieinhalb Stunden auf die Cima d'osa, den Culminationspunkt dieser Gruppe. Touristen nehmen allerdings selten den Weg zum fischreichen Molveno - See. — Links oben sehen wir das jenseits des Gardasees liegende Oertchen Bezecca. Man gelangt von Bieve im Ledrothai dahin. Durch das Val Concei geht es weiter auf den Monti Tenera (2152 M.), der ein imposantes glanzvolles Panorama voll der herrlichsten Punkte aufrollt. Vpm Fall Concei führt ein Bergsteig über Boeci di Trat nach Pranzo, Tenno und Riva oder zur Linken nach Vordcr-Judicarien. Auf ersterem Steig haben die Oesterreicher in der Nacht des 21. Juli 1860 die Garibaldianer überrumpelt. In diesem denkwürdigen Gefechte, das nach dem Dorfe Bezecca benannt wurde, erlitten die Garibaldianer an jenem Tage eine empfindliche Niederlage. Drei österreichische Landesschützen-Compagnicn standen 12.000 Freischärlern gegenüber, welche damals 1000 Mann an Gefangenen verloren hatten.

Fliot. Unterveßer, Trient

Bezzeca. Lobbia bassa.

San Martino di Caatrozza. Val delle Soghe.

TRIENT I.

[ic Zeiten sind längst vorbei, in denen Trient die älteste Stadt Tirols, die vornehmste und reichste Stadt des Landes gewesen ist; doch gemahnen ihre zahlreichen stol/cn Marmorpaläste, ihre verfallenen Schlösser, ihre breiten .Strassen mit den grossen Thorbogen und hohen Fenstern noch heute deutlich an jene Tage, in denen hier edle Nobili, reiche Kaufleute und Fabrikanten und wohlhabende Gewerbemeister gelebt haben. All' dies ist aber untergegangen wie ein Zauberspuk, zerronnen wie ein duttiges Luftschloss, das aus süssen Träumen erbaut war und von dem nichts zurückgeblieben ist als die Historie und die Sage. Hat Trient, das wälsche TrentO, das Tridentum der Römer auch seine einstige Grösse und Bedeutung verloren, immer ist sie noch eine wahrhaft monumentale Stadt geblieben, in der sich der Fremde rasch heimisch linden wird, die ihn anmuthet und mit ungewohnter Eigenart, dem Element südlichen Lebens, liebevoll anzieht und fesselt. Dem Freund der Geschichte aber werden bei einem Rundgange, beim Finniren durch die reinlichen breiten Strassen und engen charakteristischen Gassen und Gässchen gar manche Bilder aus verrauschten Epochen erstehen, in denen historische Momente und historische Gestalten erwachen werden. Den mit Festungsbaulichkeiten gekrönten Felsenkegel jenseits der Ktsch, welchen der Reisende schon bei seiner Hinfahrt nach Trient erblickt hat, den Doss Trento, wussten bereits die Römer in strategischer Hinsicht zu verwerthen, und Kaiser Augustus liess ihn wehrhaft befestigen, Wahrend der Herrschaft der Römer wurde in Tridentum der christliche Glaube eingeführt und daselbst ein Bischofstuhl gegründet. Stürmevoll ging es hier während der Völkerwanderung zu. Damals bat der Ostgothenkönig Theodorich die Stadt zum zweitenmal gegründet. GothlSChe und lombardische Herzoge, sowie fränkische Grafen sassen später in der alten Stadt und von 1027 an regierte hier der Krummstab. Kaiser Friedrich I. hatte die Consuln abgeschafft und Bodestäs an deren Stelle gesetzt. Das älteste Statut der Stadt, welches aus der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts herrührt, ist in deutscher Sprache abgefasst und erhalten geblieben. Von allen Ereignissen jedoch, welche sich in Trient abspielten, ist zweifellos

das bedeutungsvollste die Kirchenversammlung, welche mit Unterbrechungen von 1545 bis 1563 andauerte und an der 7 Cardinäle. 3 Patriarchen, 33 Erzbischöfe und 235 Bischöfe nebst Hunderten anderen geistlichen und weltlichen Persönlichkeiten theilnahmen. . Doch diese Schattenbilder aus der Geschichte zerfliessen im goldigen Lichte, das an herrlichen Reisetagen den weiten ddial-boden überfluthet und die wunderbare Gegend in seinen glänzenden Schein taucht. Wie prächtig ist die Lage der Stadt, welche der Breite nach die ganze Ebene einnimmt und im Osten, wo sich der Bergzug tief einsenkt, langsam den Hang hinanklimmt. Von einer Anhöhe auf einem der beiden Etschufcr geniesst man einen unbeschreiblich schönen Blick über die thurmreiche Concilstadt mit ihren berückenden Gärten und Umgebungen. Drüben am rechten Ufer der Etsch steigen senkrechte Felswände auf, ernst und düster, während im Osten des Thaies sanfte weingrüne Gelände mit Villen und Ortschaften, Gehöften und Kirchen aus dem blühenden Grunde sich heben. Und durch dieses begnadete Thal zieht im sonnigen Schimmer der mächtige Fluss wie ein segenspendender Quell. Aus Grauen erregender Höhe stürzt mit tosendem Gebrause von Zeit zu Zeit der mächtige Wasserfall von Sardagna, ein Wahrzeichen Trients, in die Tiefe. Ueber diesem Eden, in dem uns die köstliche Rebe, der grünbelaubte Maulbeerbaum grüsst, wölbt sich fast immer ein tiefblauer lachender Himmel. Doch nicht nur Weinhandel und Seidenzucht blühen in der Gegend um Trient, auch Obst und Gemüse werden gezogen und damit ein lebhafter Export getrieben. Nicht vergessen soll der weithin bekannte und bei zahlreichen Bauten in den verschiedenen Bändern verwendete vorzügliche Trientiner Marmor sein.

Dass Trient eine Fülle angenehmer Spaziergänge und genussreicher Aussichtspunkte besitzt, ist wohl kaum nothwendig, speciell noch zu erwähnen. Unbedingt nicht versäumen soll man einen Besuch der Terrasse des Kapuzinerklosters, das oberhalb des Castells liegt und einen Ausblick nach Süden, bis in die Gegend von Rovereto gestattet. Ein entzückendes Bild von Trient ist uns von Bie di Castello geboten. Im Hintergrunde schliessen die Gebirge von Pergine das farbensatte Bandschaftsgemälde effectvoll ab.

Phot. Untervegcr, Trient.

TRIENT.

TRIENT II.

Sj^|nmitten hübscher Gartenanlagen erhebt sich auf dem weiten Bahnhofsplatze das imposante Erzdenkmai des Dichters der Divina Commedia, Dante Alighieri, ein Werk des bekannten Florentiner Künstlers Professor Cavaliere Cesarc Zoöchi. Die Statue des Dichters, die einen ernsten Charakter aulweist, ruht auf einem Postamente aus Granit von Predazzo und besitzt eine Höhe von 5*37 Meter, Das Postament, welches entsprechend den drei Haupttheilen der Divina Commedia in drei Abtheilungen zerfällt, zeigt Scenen aus der grossen Dichtung, und zwar versinnlicht der obere Theil das Paradies, in dessen Mitte die hehre Gestalt der Beatrice, umringt von einer jubelnden Engelsschaar, erscheint. Der nuttlere Theil enthält verschiedene Gruppen aus dem Fegefeuer, darunter die Begegnung Dante's und seines Führers mit Sordello, und der untere Theil stellt das Reich der Hölle dar, in der Minos, der allgewaltige Richter der Unterwelt, seine strenge Herrschaft ausübt. Wenden wir uns der Stadt zu, so gelangen wir über die Brücke in die 1 lauptstrasse, die Via Lunga. An das Eckhaus zur Linken, den Palazzo Galasso, nunmehr Zambelli, knüpft sich die Sage, der Teufel hätte das Gebäude 1581 in einer Nacht erbaut. In dem hübschen Renaissancebau im Style Palladio's amtirt gegenwärtig die städtische Sparcasse. Durch die Via Lunga gelangen wir in östlicher Richtung ZU einem der bedeutendsten Bauwerke der Hauptstadt Südtirols, zu dem Castello dcl Buon Consiglio, das einst der Sitz der mächtigen regierenden Fürstbischöfe gewesen, heute als Kaserne Verwendung findet. Der alte prächtige Bau im lomhardisch-venctianisehen Styl trägt einen fortificatorischen Charakter zur Schau. In den Innenräumen, besonders im schönen Stiegenhaus, linden sich noch gut erhaltene Kresco- und Tempera-Gemälde von Girolamo Romanini, Brusasorci u. A. Der mächtige Augustusthürm, der runde Berchfried, dürfte noch von römischen Befestigungen herrühren. Von seiner Plattform bietet sich ein entzückender Klick über Stadt und Umgebung. Der Weg zum altehrwürdigen Dom führt vom Teufelspalaste nach Westen. Vorerst gelangt man zur Seminarkirche, ein aus der Spätrenaissance stammendes Bauwerk, das in seinem Inneren mit kostbaren Marmorarten geschmückt ist. Durch die Via Larga, die

sich gegenüber der Seminarkirche öffnet, schaut uns die Facade des alten ehrwürdigen Domes, der berühmtesten Baulichkeit Trients entgegen. Der Dom, welcher sich an der Südseite des stattliehen Platzes erhebt und denselben auf dieser Seite abschliesst, soll aus dem XL Jahrhundert stammen, nach anderen Quellen jedoch in seine!- gegenwärtigen Gestalt erst im XIII. Säculum begonnen worden sein, und zwar unter der Regierung des Fürstbischofs Udalrich II. Restaurationen wurden im XII. und XIII. Jahrhundert vorgenommen, doch kam es zu einer stylgerechten Ausführung der Hauptschiffe und Kuppelabschlüsse erst in den Achtziger-Jahren unseres Jahrhunderts. Der Wiener Architekt A. Essenwein hat hiezu den Entwurf und Architekt Nordio die Projecte geliefert. Der Dom hat die Form eines grossen lateinischen Kreuzes, dessen Seitenschiffe weisen zahlreiche Denkmäler, Grabmonumente und Altafgemälde von Werth auf. Der Hauptschatz des Domes besteht aber aus sieben von dem Bischof Bernardo Clesio erworbenen, höchst kostbaren, niederländischen Gobelins, die in Gold und Silber gewirkt sind und »Arazzi« genannt werden. In der Sacristei. wo man viele Reliquien aulbewahrt, befindet sich auch die silberne Urne mit den Gebeinen des heil. Vigilius.

Eine architektonische und malerische Zierde des Domplatzes ist der schöne Neptunsbrunnen, der die Mitte der Biazza einnimmt. Die Ostseite des Blatzes wird vom Stadtthurm und dem ehemaligen Prätorialpalast begrenzt, in dem sich nunmehr das Militär-Platzcom-mando befindet. An Kirchen istTrient nicht arm. Da ist vor Allem die Chiesa S. Maria Maggiore, die durch ihre edle classischc Einfachheit dominirt. Sie wurde unter dem Fürstbischof Bernardo Clesio aus d'rientiner Marmor erbaut und darf als schönes Muster der Architektur des XVI. Jahrhunderts gelten. In dieser Kirche fanden die Versammlungen des Concils (1515 bis 15(53) statt, welche Trient eine weltgeschichtliche Bedeutung verliehen. Des Besuches sind noch werth die Chiesa S. Bietro, welche die Gebeine des 1475 ermordeten heil. Simon enthält, die aus dem NHL Säculum stammende S. Marcus-Kirche, die deutsche Kirche, und die sehr alte Chiesa S. Martino. Trient besitzt eine grosse Zahl alter, durch charakteristische Bauart, wie gesdiiehtliche Bedeutung interessanter Paläste.

Tliot. Unteivcger, Trient.

Dante-Monument. Dom. Domplatz.

TRIENT.

Domplatz. Castello del Buon Consiglio.

ARCO.

n den letzten Dcccnnien hat sich Arco zu einem der hervorragendsten Wintercurorte unserer Monarchie herausgebildet. Ob man mit der Eisenbahn dahinl'ährt, auf der Landstrasse durchs Sarcathal oder von Mort her über Nago kommt, immer zeigt sich uns eine üppige, recht südliche Vegetation, zeigen sich uns die gesegnetsten Landschaften, die unser Auge und unser Merz erfreuen. Alle Pflanzen und Frucht-bäume der Mittel-Zone gedeihen in der milden, warmen, wohligen Luft des Sarca-Thales. Der Wein und die Feige, die Olive und Granate, Oelbaum und Cyprcssc, Palme und Agave reifen hier in ganz märchenhafter Fruchtbarkeit und Fülle. Namentlich erreicht das Obst in und um Arco eine Schmackhaftigkcit, Feinheit und ein Aroma, wie selten in anderen (legenden unserer Länder. Weit berühmt sind z. IL die Pfirsiche von Arco, die von Kennern und Feinschmeckern für die besten gehalten werden, die es gibt. Auch die Aepfel von Arco sind überaus beliebt. Wie in Arco ist in der ganzen JYientiner Gegend der Vino Santo beimisch, der feurige, herbe Wein, welcher aus den getrockneten Trauben bereitet wird. In erster Linie beschäftigt sich aber die Landbevölkerung des Sarca-ddiales doch mit der Zucht der Rebe und des Maulbeerbaumes. Wandelt man durch diese Gefilde, so ist es, als ob man sich in einem Eden befände, so reich, so blühend, so gesegnet ist dieses Stück Land. Die Gegend um Arco ist längst schon das »Hesperien Deutschlands« genannt worden und mit Recht, denn wie wohl-thuend ist doch die Luft dort in winterlichen Tagen, wo überall im Norden rauhe Winde einherstürmen. Leidende suchen daher diesen wunderbaren Winkel Südtirols im Winter gerne auf und kommen wieder und wieder, um in diesem Garten Heilung und Erquickung zu finden. Man sagt, dass die Bewohner von Arco zumeist ein hohes Alter erreichen. Arco liegt am rechten Ufer der Sarca und ist von einer hohen breiten Kalkfelsenwand gegen rauhe Nordwinde geschützt. Malerisch erhebt sich auf der Felsenhöhe, die von einem Olivenwäldchen bedeckt wird, das Schloss Arco, welches in einer deutschen Urkunde des Mittelalters einmal sogar mit dem deutschen Namen »Bogen« genannt wird. Von den Ruinen der Burg Arco, die einst eine mächtige umfangreiche

Feste der Herren von Arco gewesen ist, und deren Thore und Thürmchen noch theilweise erhalten sind, geniesst man eine entzückende Aussicht auf die kleine Ourstadt, auf ihre Villen, prächtigen Hotels und bezaubernden Gärten, banst herrschten hier die Herren von Arco, die späteren Grafen von Arco, die zu den hervorragendsten Geschlechtern Südtirols zählten. Sie standen hier aut einem vielbcdrohten Vorposten gegen die mächtige Republik Venedig und hatten zahlreiche Angriffe von dieser Seite abzuweisen. Ungleich vielen anderen Adelsgeschlechtern in wälsehen Gauen, waren die BIcrren von Arco stets ausdauernd und tapfer. Sie schützten das deutsche Element bei jeder sich darbietenden Gelegenheit. Aus Bayern stammend, vergassen sie niemals ihre deutsche Herkunft. Noch heute blüht ihr Geschlecht in bayerischen Banden. Die Schönheit des Thaies, die heute eine grosse Zahl von Reisenden und Curgästen anzieht, wurde schon am Beginne der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts anerkannt und von damaligen Autoren in ihren Schilderungen gewürdigt. Einer der angesehensten englischen Reiseschriftsteller, Henry David Inglis, hat z. B. in seinem Werke über Tirol, das im Jahre 1833 in deutscher Ueber-setzung erschienen ist, die Gegend von Arco also beschrieben: »Zwischen dem See (Gardasee) und dem Kusse der Gebirge liegt eine Ebene von etwa einer Stunde Bange und Breite, deren Fruchtbarkeit und Schönheit mit den berühmten spanischen Huertas wetteifert, und bei weitem Alles übertrifft, was die gemässigteren Landstriche Englands und Frankreichs und die tiefen Thäler der Schweiz Aehnliches aufzuweisen haben. Die Folge der glücklichen Lage ist eine so üppige Vegetation, wie sie der gemässigten Zone schwerlich angehört....« Es ist selbstverständlich, dass die Gur-commission es an nichts fehlen lässt, um Arco, in dem längst schon die elektrische Strassenbeleuchtung eingeführt ist, den leidenden wie den gesunden Gästen zu einem angenehmen Aufenthalt zu machen. Man ward daselbst aber auch keinerlei angenehme Zerstreuungen und Vergnügungen vermissen. Eine der stattlichsten Villen, eigentlich schon ein Palais, hat sich der seither verblichene Erzherzog Albrecht in Arco erbaut, das von einem ausgedehnten Garten mit seltenen südlichen Pflanzen umgeben ist.

riva.

S^S^^ n der nordwestlichen Bucht des Gardasees breitet sich, ^KI^S einen malerischen Anblick gewährend, die Hafenstadt K'vaaus> Es ist ein durch und durch italisches Städtchen, llllgSlBsll das uns mit seiner charakteristischen Eigenart umfängt und festhält. Kommt man auf der Bandstrasse von Torbole, dem kleinen interessanten Fischerdorf knapp am See, gegen Riva, so nimmt uns eine alte, schattenspendende Allee auf, die zu einem alterthümlichen Thorbau führt, durch den wir in das lebhafte Städtehen mit seinen zumeist schmalen Gassen und Gässchen einziehen. In den Laubengängen der stattlichen Häuser, welche den hübschen Hafenplatz begrenzen, unter den Arkaden, zeigt sich nach echter italienischer Sitte am Abend die »vornehme Welt« Rivas. Gegenüber dem Hafen, in dem nebst zahlreichen kleineren Fahrzeugen auch die Bassagier-Dampfer der beiden Gardasee-Linien landen, sitzt man unter den steinernen Bogen vor dem deutschen Kaffeehausc, das jeder Deutsche gerne aufsucht, schlürft sein Granito, sein Eis, blättert in den aufliegenden heimatlichen Zeitungen und versenkt sich in das echt wälsche Leben und Treiben, das ringsum den Platz beherrscht. Unstreitig den effectvollsten Anblick gewährt Riva dem Passagier der Gardasee-Dampfboote, die von Süden her die Fahrt nehmen. Das ist ein entzückendes Bild, welches sich uns schon aus einiger Entfernung aufthut. Wie aus dem weiten dunklen Spiegel des Sees scheinen die Häuserreihen aufzutauchen. Je mehr unser Schiff sich dem Endpunkte des Curses nähert, desto klarer und schärfer prägt sich dieses Märchengemälde aus. Immer plastischer gelangt der Charakter einer citta di wäre, einer Seestadt, zum Ausdruck. Und ist man im Hafen eingefahren, welch' lebhafte Bewegung überall. Im Tauwerk der Schiffe ein lustiges Tummeln, ein Aul- und Niederklettern der Matrosen und Jungen, schallende Commandorufe da und dort, zur Rechten und Linken, tönende Lieder der Wasserratten, Rufen der Weiber vom Gestade her, Scherzen und Lachen und geschäftiges Hin und Her der Facchini, der Zollbeamten und Aufseher. Man wird nicht müde, in dieses kaleidoskopische Augenblieksbild, das mit jedem Moment ein anderes ist und doch stets im Grossen und Ganzen dasselbe bleibt, hineinzuschauen und an der Agilität,

der frischen Lebendigkeit und flinken Rührigkeit dieser Kinder des Südens seine Freude zu finden. Immerhin mag man auch der Stadt selbst ein wenig seine Aufmerksamkeit widmen. Riva besitzt manches alte Gebäude, das der Besichtigung werth ist. Kommt man aus dem Sarcathal von Arco her, so fesselt uns die Minoriten-kirche, die in der Mitte des XVI. Jahrhunderts aufgeführt wurde und besonders durch ihre reichen künstlerischen Stuccaturarbeiten und Vergoldungen in ihrer Art als ein Muster von Geschmack und gewandter Behandlung dieses Styls bezeichnet werden darf. Die Kirche besitzt auch mehrere werth volle Altarblätter von berühmten Meistern jener Zeit, wie Guido Reni, Palma vecchio u. A. Ein interessanter Bau ist der Wartthurm (La Rocca), der sich am See erhebt. Einst diente er den Zwecken einer militärischen Seemanns-, nunmehr den einer Schwimmschule. Die Aussicht von seiner Höhe über die herrliehe Umgebung ist einzig-schön. Wenn das weite Himmelszelt in ungetrübtem Blau erglänzt, über den Wassern des Sees tausend und tausend Fünkchen in allen Farben des Prismas leuchten, wenn ein Meer von demantgleichen Sprühfeuern auf dem grossen Wellenschlage brennt, von den nahen Bergen herab frischere Lüfte streichen, dann erscheint diese Welt im weiten Umkreise mit ihren Bergen und Dörfern, Hütten und Häusern, Wäldern und Gärten als ein Paradies, das jeder Beschreibung spottet. Im Westen und Osten schliessen steil aufsteigende Höhen die Stadt ein. Zur Linken drüben hebt der Altissimo, der nördlichste Gipfel des Monte Baldo, sein Haupt in das tiefe Himmelsblau. Vom Altissimo geniesst man einen Ausblick über ganz Oberitalien, das Etschthal, den Gardasee und bis zu den schneebedeckten Firnspitzen des Ortler. Zwischen Riva und dem allerliebsten Dörfchen Torbole beherrscht der grüne Monte Brione Tnkl und See. Das rauhe Kalkgebirge Giumeta ragt im Westen knapp an der Stadt empor und erhöht den Reiz, welchen die Stadt ausübt, in hohem Masse. Zu den dankbarsten Ausflügen von Riva muss eine Kahnpartie zum Pönal fall gezählt werden. Das Boot hält dort, wo die frühere Saumstrasse in das Lcdrothai hinaufsteigt. F.mpfehlenswerth ist es, auf der alten Strasse empor zu wandern und vom Dorfe Pregasina die entzückende Ausschau zu geniessen.

VON DER ARLBERG-BAHN I.

fie Arlbergbahn, nach den Entwürfen und unter der Leitung des Oberbaurathes Lott und nach dessen Tod vom Oberinspector Poschacher in den Jahren 1880 bis 1884 fast ausschliesslich von österreichischen Ingenieuren erbaut, war eine volkswirtschaftliche Nothwendigkeit für Oesterreich. Sie musste die Provinz Vorarlberg, welche seit ihrer An-gliederung an die Monarchie durchaus isolirt war und selbst mit ihrem Nachbar- und Bruderlande Tirol in weit geringerer Verbindung stand, als mit jedem der verschiedenen Bodenseestaaten, Oesterreich-Ungarn in Hinsicht des Verkehres näher bringen und den unterbrochenen Contact der Eisenbahnlinien aus dem Osten mit dem Haupthafen Oesterreichs, mit Triest, herstellen. Den Namen Arlbergbahn erhielt die Bahnstrecke, deren imposantester Theil zwischen Landeck und Bludenz in Tirol liegt, von dem gewaltigen Gebirgsstock, dem Arlberg, der die beiden Schwesterländer von einander scheidet. Die Strecke von Landeck bis Strengen, mit einer Maximalsteigung von 26%o> weist die namhaftesten Kunstbauten und die herrlichsten Gebirgsbilder auf; die schwierigsten Stellen der Arlberglinie linden sich jedoch zwischen den Stationen Bratz im Klosterthale und Langen in Vorarlberg, wo es Maximal-Steigungen bis zu 31 %o gibt. Von Landeck weg führt ein namhafter Wagenverkehr in das Obere Innthal, ins Engadin, ins Ortlergebiet und bis nach Meran. Der Inn kommt bei Landeck aus der wilden Enge des Oberen Innthals und wendet sich Innsbruck zu. Bald hinter Pinns, der zweiten Station von Landeck nach Westen, bei der Haltestelle Wiesberg, vereinigen sich die beiden Alpenflüsse Rosanna und Idasanna. Die erslere stürzt vom Arlberg herab, die letztere aus dem Paznäuner Thale hervor, um hier die reissende, weissschäumende Sauna, die dem nahen Inn zuströmt, zu bilden. In schwindelnder Höhe über der Trisanna braust der Eisenbahnzug auf dem unvergleichlich kühn ausgeführten Viaduct, einem Musterwerk der Eisenbahnbaukunst, dahin. Dieser berühmte Viaduct, welcher eine Länge von 255 m und eine Höhe von 80 m besitzt, besteht eigentlich aus einer einzigen häsengitterbrücke, der sich an beiden Seiten aufgemauerte Flügel anschliessen. Der Blick aus dem darüber hinwegsausenden Eisenbahnwaggon hinab in die

Tiefe ist wahrhaft gruselig; das Bild, das sich da unten in der Schlucht darbietet, ein sehr pittoreskes. Interessant ist es wohl immerhin, zu vernehmen, dass das für den Aufbau dieses Viaducts nothwendige Holzgerüst neun Stockwerk Höhe besass und allein 35.000 fl. kostete. Hat man den Viaduct, von der Tirolerseite kommend, übersetzt, so erhebt sich auf vorspringender waldiger Felsenhöhe, am Eingange in das Paznaunerthal, das alte, nun restau-rirte Schloss Wiesberg, welches die Ritter von Lichtenberg im XIV. Jahrhundert erbaut hatten. In dem unbedeutenden Dörfchen St. Anton erblicken wir noch einmal die gewaltigen Berghäupter des Rosanna-thales mit den .schneeglitzernden Gipfeln des Lechthales, während sich im Süden die grandiose Ferwallgruppe majestätisch präsentirt. St. Anton zählt gegenwärtig zu den beliebtesten Hochtouristen-Stationen in Tirol, da auf die Sommerfahrer besonders das riesige Dreieck, welches die Ferwallgruppe mit ihren prachtvollen, wildzerrissenen, aus Gneis, Glimmerschiefer und Hornblende bestehenden Gebirgs-stöcken bildet, grosse Anziehungskraft ausübt.

Etwa fünf Minuten ausserhalb der Station fahrt der Zug in das Ostportal des Arlbergtunnels, der eine Länge von 10.240 m besitzt, ein. Vor dem Tunnel ist das Denkmal des Erbauers Lott angebracht. Die Bauzeit des Arlbergtunnels dauerte vom Juni 1880 bis November 1883. Der Tunnel (1311m über dem Meere) liegt höher wie der Gotthardtunnel (1154 m) und der Mont Cenistunnel (1238 m) und hat eine Länge von 12.240 m, während der Gotthardtunnel 14.020 m, der Mont-Cenistunnel 12.233 m lang ist. Auffallend sind die Unterschiede in der Bauzeit dieser drei Tunnels. Zur Herstellung des Gotthardtunnels wurden neun Jahre, zu der des Mont-Cenistunnels gar 13 Jahre benöthigt, während der Bau des Arlbergtunnels, wo sich schon vervollkommnete neue Maschinen vorfanden, nur drei Jahre fünf Monate betrug. Der Tunnel hat eine Breite von 7 m, ist vollständig ausgewölbt, steigt mit 15% bis über die Mitte und senkt sich dann mit 2%(). Die Fahrzelt durch den Tunnel beträgt 17 bis 25 Minuten, je nach der Gattung der Züge. Die Dauer der Bahrt dünkt dem Beisenden eine weit längere, als sie in Wahrheit ist. Man glaubt fürwahr, dass man durch ein unterirdisches Reich dabin sause.

/Ja & Ii *■* 71

Phot. Gratl, Innsbruck

Kt. Anton.

Arlbergbahn. Triaanna-Brücke.

^47

VON DER ARLBERG- BAHN II.

reg

Ifc^#yra^^ll'c eigentliche Arlbergstrecke beginnt in Bludenz und IrCOl^SEII endet am Ausgange des Arlbergtunnels in St. Anton in Tirol. Sie ist nicht nur in landschaftlicher Hinsicht eine der bevorzugtesten Alpenbahnen, auch in Beziehung auf ihren kunstvollen Bau dart sie wohl, wie schon vorhin bemerkt, zu den hervorragendsten gezählt werden. Ehe man Bludenz verlässt, gewährt ein Besuch des nahe liegenden Dorfes Bürs einen herrlichen Blick in die malerische Schlucht, in der sich die Schiessstätte befindet. Ausserhalb der Bürserschlucht, am linken Ufer des Alvierbaches, steigt senkrecht eine hohe Felswand, ein Steinbruch auf. Die Bahn wendet sich von Bludenz alsbald ins Klosterthal, in dem sie an der linken Berglehne mälig hinansteigt. Auf dieser pittoresken Strecke belinden sich zahlreiche bemerkenswerthe Bahnobjecte, welche die Aufmerksamkeit des Beisenden, aber noch mehr die des Fusswanderers auf der Thalstrasse unausgesetzt fesseln. Da liegt rechts unten auf dem Thalboden das Dorf Bratz, während links oben die wilden Zacken der Gams-freiheit und die Pitschiköpfe in die Bülte aufragen. Die Bahn zieht über schwindelnde Abgründe, welche die Klosterthaler Alpen bilden, an durchrissenen Steinmauern vorüber, an denen sausend und brausend schäumende Wildbäche herabstürzen. Nun folgen in fast ununterbrochener Reihe die grossartigen Kunstbauten: der Aquä-duet am Mühltobel, der überwölbte Einschnitt, der Tunnel, der Viaduct über das Blattentobel, wieder ein Tunnel, dann die Schana-tobelbrücke, bis Station Hintergasse diese Theilstrccke abschliesst. Die folgende .Strecke, von Hintergasse bis Dalaas, eine Entfernung von vier Kilometern, ist so reich an kostspieligen Kunstobjecten, dass die Baukosten eine Million Gulden betrugen. Unter anderen kunstvollen Bauten haben wir hier den Engelwandtunnel — drüben an der rechten Thalseite zieht unseren Blick der imposante ■Fachbachfall an den Schmidtobel - Viaduct und den Höllentobel-Viaduct, auf den sodann die Station Dalaas folgt, Das Pfarrdorf gleichen Namens liegt 92 Meter tief im Klosterthale. Der Gebirgs-charakter ist bereits ein ernster, die Scenerie eine grossartige. Da schauen im Norden die mächtigen Häupter der Saladinaspitzc und der Pfaffenspitze, im Süden die Hänge des Kristberges und im

Osten der stattliche Burtschakopf, der jäh zur Alfenz abstürzt, herüber. Der Schmidtobel-Viaduct, den unsere Abbildung zeigt, besitzt drei Oeffnungen zu je 22 Meter und liegt 54 Meter hoch über dem Niveau des Klosterthales. Die Bahn tritt nun aus dem Bereich des Kalkgebirges in das des Glimmerschiefers. An steiler Bergwand läuft die Trace weiter. Zur Linken sehen wir die Rohn-spitze, rechts den Albonkopf. Ueber die wilde Radonaschlucht und über das Stelzitobel geht es nach Station Danhöfen. Ueber die aus einem einzigen Bogen bestehende grossartige Brücke über den Wäldlitobel rollt der Zug der Haltestelle Klüsterle zu. Von Klösterle, welches dem ganzen Thalstrich seinen Namen gegeben hat und das einst Filiale des Hospiz St Christoph auf dem Arlberg gewesen ist, führt ein Weg zu dem reizend gelegenen Spullcrsee, von wo der Aulstieg auf den 2070 Meter Indien Schafberg beginnt. Gleichfalls von dort findet der Uebergang zum Förmarinsee statt. Von Klösterle aus sind auch die Hochtouren auf den Kaltenberg (290.0 m) und auf die Ptlunspitze (3000 m) zu unternehmen. Auf mächtigen Unterbauten führt der Bahnkörper dann durch einen 500 m langen Tunnel, der den grossen Bergsturz vom 6. bis 8. Juli 1802 passirt, nach Bangen, der westlicherseits gelegenen fanfahrt in den Arlbcrg-tunnel. Wer den Arlbergtunnel schon einmal durchfahren hat, der sollte es nicht unterlassen, bei schöner Witterung den unbeschwerlichen Marsch auf der trefflichen Bahrstrasse über den Berg, der die Grenzscheide zwischen Vorarlberg und Tirol bildet, zu unternehmen. Knapp am Eingange in den Tunnel hebt sich die Arlberg-strasse in ein wildes, einsames Alpenthal empor und gelangt in weniger als einer Stunde in das oberste Dorf des Klosterthales, nach Stuben, »des Kaisers grüsste Stuben«, wie es im Volksmunde heisst. Auf der Nordseitc ist dasselbe durch einen gewaltigen Steindamm vor den Lawinen geschützt. Von der Veranda des Gasthauses zur »alten Post« geniesst man einen fascinirenden Ausblick auf die Scesaplana, deren Gletscherfelder in bläulichem Glänze herleuchten. Im Winter sieht das Dorf freilich monatelang kaum aus den Schneemassen heraus. In Windungen geht die schöne Strasse hinan und gewährt weiter oben noch einmal einen imposanten Rückblick auf die schimmernden Firnfelder der Scesaplana.

Klösterle. Stuben im Winter, Schmidtobel-Viaduct.

I'hot Inuuler, Bregenz. Stuben. Bürseraohluoht.

BLUDENZ.

|n seiner blumenreichen Sprache hat der ausgezeichnete Kenner des Tiroler und Vorarlberger Landes, Ludwig von Hörmann, Bludenz, die Metropole des inneren Walgaues, mit einem kerngesunden Alpenkinde verglichen, das uns anlacht und, wie Hörmann meint, in seiner Bescheidenheit gar nicht weiss, von welcher Fülle landschaftlicher Schönheit es umgehen ist. Selten ist ein Städtchen treffender charakterisirt worden, selten hat ein Autor liehevoller und herz-warmer ein Oertchen mit wenigen Worten gezeichnet, als dies hier geschehen ist. Auf sanfter Anhöhe zieht es sich hin, und wo einst Befestigungen und Gräben den Fintritt in die alte Stadt verwehrten, liegen nun, umgeben von duftenden Gärten und Gartenanlagen, reizende Villen, freundliche 1 läuser. Bas Alter von Bludenz lässl sich bis in das erste Jahrtausend nachweisen. Schon in den Tagen Ottos L, anno 950, wird das Städtchen in einer Schenkungsurkunde des Batronatsrechtes der Pfarrgemeinde Bludenz an das Dom-capitel von Chur gemeinsam mit dem Schlosse ein »altes Wesen« genannt. Im Mittelalter sassen hier die Grafen von Werdenberg, unter deren Botmässigkeit nicht nur die Grafschaft mit dem Hauptort Bludenz stand, sondern zti der auch das Montavon und der innere Walgau gehörten. ld<>4 ging die Grafschaft unter Albrecht III. durch Kauf an Oesterreich über. Unter dem fürsorglichen Scepter der Habsburger ist das Städtchen zu schöner Blüthe gelangt. Ein ergreifendes Bild der Anhänglichkeit und Treue der Bürger von Bludenz zu ihrem früheren Herrn erzählt uns die Geschichte. Friedrich mit der leeren detsche befand sich auf der Flucht vom Constanzer Concil. Kr kam zu nachtschlafender Zeit nach Bludenz und begehrte dort vor dem geschlossenen Stadtthor Einlass. Der Wächter der Stadt, der wenige Jahre zuvor dem Fürsten als Landesherrn Treue zugeschworen hatte, weigerte sich, ihn einzulassen, und zwar auch dann noch, als Friedrich dem Hüter der Stadt seinen Namen genannt. »Fs seien,« meinte er, «schwer seltsame Lauf vorhanden; man lat (lässt) nit jeglichen gleich in.« Der Herzog nannte nun den Namen des Bürgers Schädler, den er rufen liess, und der auch alsbald herbeikam und Friedrich sofort anerkannte. »Nun war freilich des Jubels kein

Ende,« schreibt Hürmann. Die treuen Bludenzer bewartheten den edlen Gast, und gaben ihm dann noch ,den Berg (Arlberg) zun d's Klosterthal duri (durchhin)' das Ehrengeleite.«

Heute macht sich das Städtchen, in dem es eine alterthüm-liche, theilweise gothische Pfarrkirche, und noch interessante alte Häuser mit Hauben und Verkaufsläden dahinter gibt, durch seine rege Industrie (Buntweberei, Färberei, Bleiche etc.) bemerkbar. An Kunstschatzen ist Bludenz freilich nicht allzureich. Die Pfarrkirche besitzt ein bemerkenswerthes Altarblatt, und das Kapuziner Kloster ein kostbares Bild aus der Venetianer Sehlde, welches die Grablegung Christi darstellt. Vor dem Rathhause steht ein interessanter alter Brunnen, den die Statue des heil. Johann v. Nepomtik krönt. Einen Besuch verdient jedenfalls der alte Friedhof, der mit seinem malerischen Kreuzgang, seinen alterthümlichen Bildern und Grab-mälern den Fremden ganz eigenartig fesselt, baue längst verrauschte Zeit umweht uns in diesem stillen Reiche des Friedens, eine versunkene Welt ruft uns im Geiste vergangene Generationen wach. Auf dem neuen Friedhofe ziehen einige kunstvolle Monumente die Aufmerksamkeit auf sich. Das Mutter'sche Grabdenkmal von Hermann Meyer aus Feldkirch hat den »göttlichen Kinderfreund« zum Gegenstande der plastischen Darstellung genommen. Christus ist da in Gestalt und Gesichtsatisdruck von erhabener Schönheit, von weltentrückter Majestät, Ein Kind, welches sich an den Heiland schmiegt, prägt die Liebe des Erlösers zur Menschheit in klassisch reiner Weise aus. Ebenso finden wir Meisterwerke der talentvollen Bildhauer Brüder Matt aus Rankweil. Ueber der Stadt thront auf einem Hügel das Schloss Gayenhofen, welches 1754 von den Graten Montfort-J leiligenberg erbaut wurde. Die Landschaft rings um Bludenz trägt ganz den Charakter des Hochgebirges, das sich hinter den saftiggrünen, mit Wäldern und Alpenmatten bedeckten Vorhöhen in die Lüfte hebt. In der nächsten Umgebung der Stadt laden zahlreiche gutgepflegte Waldwege, die alle deutlich markirt sind, zum Spazierengehen ein. Da ist vor Allem in nordöstlicher Richtung die Schiessstätte, ein gern besuchter Ausflugspunkt. Hier geniesst man eine Rundschau auf die herrliche Bergwelt, wie eine gleich malerische und grossartige wohl so rasch kaum wieder zu gewinnen ist.

ViKi Bu5

IM MONTAVON.

«rau

iLvV'ie Gegend von Bludenz durchs Montavon, oder, wie der Eingeborene in seiner alemannischen, ans Romanische anklingenden Sprache sich ausdrückt, Montafun, die almengesegnete Heimat der vorarlbergischen III, ist eine ununterbrochene Kette von theils lieblichen, mattenreichen Landschaften, theils überwältigend grossartigen Alpenbildern, Schon der Eingang in dieses pittoreske Thal, die enge Schlucht, welche die Eingeborenen StebÖsi nennen und die nur der einherbrausenden III und der Strasse Kaum gewährt, ist ein landschaftliches ('abineb stück. Hat man den Fussweg, der hier abzweigt, hinter sich und ist wieder auf dem breiten Fahrweg gelangt, so nimmt uns ein weites Kesselthal auf. Man kann die überraschende Verwandlung der Scenerie nur mit einem Decorationswechsel im Theater vergleichen. Zur Rechten hebt sich die Vandanser Steinwand, ein vielfach zerrissenes Felsgehänge, in die Lüfte. Hoch oben in den Bergen zeigt sich eine kahle, riesige Fläche, von der vor langer Zeit betrachtliche Steinmengen in die Tiefe gestürzt sind. Mancherlei Sagen umschweben die Stätte. Eine weiss sogar von einer verwunschenen Stadt zu erzählen, die hier gestanden und die von einem Bergsturz verschüttet wurde. Die zweite Mythe berichtet Von einer Jungfrau, die an der Quelle des Bäehleins sitzt, das hier fliesst, einen kostbaren Schatz zu behüten hat und auf Erlösung wartet. Um aber beide zu gewinnen, die Jungfrau und den Schatz, muss der Erlöser eine Kröte, die auf dem Deckel der Schatztruhe sitzt, dreimal küssen. Bisher habe jedoch noch Niemand den Muth zu dieser Heldenthat gehabt. Bald findet der Weg nur noch mühsam zwischen Berg und Fluss Raum, Wieder zwängt es sich durch eine Enge hinaus in ein helles Thal, in dem die beiden Hauptorte des Montavon, Schruns und Tsehagguns, kaum eine Viertelstunde von einander entfernt, liegen. Den überraschendsten Anblick bietet das Thal von Schruns zur Zeit der Kirschenblüthe. Schruns gleicht überhaupt einem Schatzkästchen, Die zierlichen reinen Häuser, die guten Gasthäuser, die freundlichen Leute machen Schruns jedem Fremden gar rasch heimisch, Einer der vielen lohnenden Aussichtspunkte über das Thal von Schruns und auf die vielfach hintereinander aufsteigenden schneebedeckten Hoch-

gebirgshäupter, ist der idyllische Garten des Kapuziner-Hospiz Gauenstein, welches eine Viertelstunde ausserhalb Schruns auf leicht zu ersteigender Höhe liegt. Eine Wanderung in der Morgenfrühe bringt uns auf den Bartholomäberg, von dessen Kamm man die gegenüberliegende Rhätikon - Bergkette in unbeschreiblich erhabener Weise sieht. Aus einem Meer von weissglänzenden Kuppen und Häuptern erheben sieh die Sulzlluh, das Drusenthor, die Drusenfluh, weiter im Hintergrunde die Zimpaspitze im Rells-thal und andere schneebedeckte Grate und Kuppen. Vom Innerberg zieht ein Steig ins sonnenbeglänzte Silberthal. Einst wurde im Silberthal, wie schon sein Name verräth, auch auf Edelmetall gebaut, doch auch Eisen im Bergbetrieb gewonnen. Die erste urkundliche Erwähnung hievori findet sieh im X. Jahrhundert. Damals wurde am (Inner-) Bartholomäberg Eisenbau mit acht Schmelzöfen betrieben. Das alte Kirchlein auf dem Christberge dankt sein Bestehen dem Bergbaue jener Zeit. - - Zum Lünersee führen mehrere Wege und Steige. La- gilt allgemein als der schönste und interessanteste Hochgebirgssee der Ostalpen. Tiefblau sind seine Wasser, welche von kahlen hohen Steinwänden, starren Schuttkegeln und zerrissenen Felsen vollständig eingeschlossen sind. Still und leblos liegt der See zu Füssen des Seekopfs und der Lünerkrinne. Aus einer Felswand stürzt sich der Ab fluss des Sees, der Alvierbach, tosend in die Tiefe. Am Südwestrande des Lünersees steht die Douglashütte, in der die Besteiger der Seesaplana Nachtquartier nehmen. Ueber den Fusssteig, den die Section Vorarlberg des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins auf steinigem Boden angelegt hat, geht es westwärts der sogenannten Todtenalpe zu, einem Karrenfelde zwischen Seekopf und Dünereck. Wer in den Monaten Juli und August von der Douglashütte zur Todtenalpe wandert, kann auf diesem Wege als Freund der Kinder Floras nahezu alle selteneren Alpenblumen nur Edelweiss fehlt — finden. Heber Schneehalden, Felsen und durch zwei leichte Kamine gelangt man zur Spitze (2969 m). Die Aussicht von der Seesaplana ist unbeschreiblich schön. — Der höchste Gipfel Vorarlbergs, einer der Glanzpunkte der Silvretta, ist der Biz Buin (3312 m), den rechts unten in seiner ganzen Erhabenheit unsere Vedute zeigt.

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FELDKIRCH.

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^^^P^lwischcn zwei Klammen des llllliisses eingezwängt, ruht : ,„•• ?''djrV* malerisch das historische Städtchen. Im Osten bauen >■■' sich die waldbewachsenen Kelsenpartien des Stein-Ik . 1 ""1 waldes und des Stadtschrofens auf, im Westen begrenzt der sonnige, rebenumgürtete Ardetzenberg und der Blasenberg das liebliche Städtchen. Auf massiger Anhöhe über Feldkirch, zu Füssen der hohen schattenspendenden Wand des Steinwaldes, thront die alte Schattenburg, welche von Hugo I. Oralen von Manfort 1200 als seine Residenz erbaut wurde. Unter Kaiser Maximilian erhielt die Burg, ein ausgedehnter Hau von mittelalterlichem Gepräge, durch den damaligen Vogt Hans von Königseck ihre heutige Gestalt. Gegenwärtig von der Stadtgemeinde, welche die halbverfallene Burg ankaufte, zu sehr friedlichen Zwecken verwendet, da sie als Armenhaus benützt wird, hat die einstige Veste viele schlimme Tage gesehen. Im Appenzeller Kriege 1405 leistete die Schattenburg durch 18 Wochen der scharfen Belagerung erfolgreichen Widerstand, bis sie, von zwei grossen Wurfmaschinen vom Steinwald aus wirksam angegriffen, zur Biebergabe gezwungen war. Die siegreichen Appenzeller hatten die Burg damals nicht zerstört, und so ist es zu erklären, dass das massive Gemäuer und der gewaltige Berchfried aus jener älteren Zeit noch heute besteben. Die Aussicht aus den Fenstern der Schattenburg auf Feldkirch und seine Umgebung ist geradezu grossartig. Man wird wenige Punkte im Bande finden, von denen man so glanzvolle Bilder schauen kann. An der Stadtmauer hebt sich der sogenannte »dicke Thurm« am Hirschengraben, ein massiver Bundthurm, von dem Häusergew irre ab.. Er wurde in den Jahren 1401 bis 1507 errichtet, und ward ursprünglich »KatzenthuritfU genannt, da mau in jenen Zeiten dort die katzenköpligen Schwergeschütze aufbewahrt hatte, haue andere Baulichkeit aus der Befestigungszeit ist das Churerthor, das Stadtthor, hinter dem die Strasse gegen Ghur beginnt. Geber die steinerne iiibrücke geht es in die Stadt. Manches alte winkelige, verwitterte, schmale Haus bietet ein malerisches Bild. An die alten Zeiten erinnern einzelne I [äuser in der Marlctgasse und in der Neustadt, deren düstere »Baubengänge« der Scenerie jenes ehrwürdige historische Relief verleiben, das auf jeden Freund der

Vergangenheit einen tiefen Eindruck ausübt. Wirklich bemerkenswerthe alte Wohnhäuser haben sich freilich nicht allzuviele erhalten. Aus der gothischen Periode hält uns ein Haus an der Marktgasse mit einem schönen Erker mit zwei Wappen auf. Unstreitig der hervorragendste gothische Bau Feldkirchs ist am fangange in die Stadt die St. Nicolaus-Pfarrkirche, die 1478 nach einem Brande von dem Baumeister Hans Sturm aus Feldkirch im Style der späten Gothik originell, und -mit grosser Geschicklichkeit« ausgeführt wurde. Gleichfalls nach einem Brande bat man im Jahre 1007 das Kalhhaus neu erbaut. Der Sitzungssaal und das Arbeitszimmer des Bürgermeisters zeigen kunstvolle Holztäfelung. Auch das alte Pfründnerhaus, das Spital, welches als Hospital zu St. Johann 1218 von Graf Hugo B von Montfort gegründet wurde, ist als alter Bau interessant. Frappirend sind einige Partien der sogenannten Vorstadt. Das ist ein überaus malerischer Häuserwinkel, in dem die wälsche Golonie, Arbeiter aus Südtirol, hausen. Der vornehmste Stadttheil ist wohl unbedingt der, durch welchen man vom Bahnhof, die schöne Allee passirend, zur Stadt gelangt. Beiderseits der Fahrstrasse liegen da reizende, mit exotischen Bilanzen, Blumen und Bäumen geschmückte Gärten, in denen vornehme, prunkvoll eingerichtete Villen stehen, die sich im Besitze der Feld-kircher reichbegüterten Fabriksherren belinden. Die ausgedehnten Fabriksanlagen, die Baumwollspinnereien, Färbereien u. a. industriellen' Etablissements, das berühmte Jesuitenpensionat Stella matutina, und der reizende Curhaus- und Stadtpark können hier nur kurz erwähnt werden.

Eine der imposantesten Aussichten auf die herrliche Bandschaft gewährt der Margarethenkap f. Unweit davon findet man die prächtigen Barkanlagen der Villa Tschavoll, die dem Publikum zugänglich sind. Vielleicht die lohnendste und überraschendste Aussicht wird aber dem Besucher der kleinen Gastwirthschafl Maria Grün zu ddieil, die eine halbe Gehstunde entfernt auf sanfter Höhe liegt. Von hier fliegt der Blick in den entzückenden Walgau bis Bludenz, auf den Hohen Breschen, Hochgerach, die Rothe Wand, das Aelpele u. a. Eine unbeschreiblich erhabene Ausschau wird dem Besucher des Bandsitzes Sehönblick zu Theil.

Phot. Imniler, Biegenz.

FELDKIRCH.

RANKWEIL. GAUERTHAL.

m Ausgange des bergigen Laternser Thaies, in der überaus fruchtbaren weithingedehnten Ebene, Hegt im innersten Theil der oberen Rheinthalausbuchtung Rankweil, die wohlhabende, sein- gewerbreiche Ortschaft. Mitten aus dem liebliehen Markt, der reich ist an freundlichen Obstbaumgärten, sowie an stattliehen Neubauten, die sich zur Bahnhofstrasse ziehen, erhebt sich ein isolirt aufsteigender hoher Felskegel, der »Liebfrauenberg«, der von drei »Seiten zugänglich ist, und auf dem die malerische Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau auf dem Berge thront. Diese weithin sichtbare Gnadenstätte mit ihren Kapellen, Grotten, Wohnungen der Geistlichen und Bexten der alten Veste, ist in die einstige Burg Hankweil verbaut, welche die v.raten von Montfort-Feldkirch seit dem XIII. Jahrhundert der Obhut der Kitter von Kankweil übergeben hatten. Meute noch besitzt die alte Wallfahrtskirche den kreisförmigen Berchfried, der als Treppenhaus dient. Ein gedeckter Gang, ein sogenannter »Umlauf«, von dem man eine prachtvolle Aussicht auf zahlreiche Ortschaften, Weinberge und Höhengelände des Rheingaues und auf die Alpenkette Vorarlbergs und der Schweiz geniesst, führt rings an der Aussenseitc der Kirche herum. Die älteste Kirche in Vorarlberg ist aber die Beterskirche auf dem »Bergle«, in deren Thurm noch gegenwärtig ein Theil des alten romanischen Chors erhalten ist, während der das spätere Langhaus abschliessende Bogen schon den (Tebergang zur Gothik zeigt. Der deutsche Name des romanisch-alemannischen Doppeldorfes K'anguila, Rancvila, erscheint schon anno 950 in verschiedenen Crkunden als der Sitz eines Landgerichtes, welches bis 1806, bis zum Beginn der bayerischen Occupation auch daselbst verblieben ist, wo es an Feldkirch kam. Nicht ohne Interesse für den Oeschichtsfreund ist die Historie des uralten Ortes Kankweil. Wir lesen, dass die Kirche, der Hof, die zu diesen beiden gehörigen Leute sammt der Malstatt schon vor der Karolinger Zeit Vinomna hiessen. Graf über Churrhäticn war nach der damaligen Eihtheilürig unter König Bipin Humfried, der Sohn des Markgrafen von Istrien. der bei Karl dem Grossen in hohen Ehren stand. Wie eine vorhandene Urkunde nachweist, hielt der vorgenannte Gaugraf 807

an offener Malstatt auf den Feldern (ad campos) bei Vinomna Landgericht, bei dem 6 Schöffen, 15 Zeugen, viele freie und edle Männer zugegen waren. Die Namen derselben, die aufgeschrieben erscheinen, sind rhäto-romanisch, nur der des Klägers ist alemannisch, und deutet daher auf eine alemannische Ansiedlung hin. In diesem Gerichtsact findet man die erste urkundliche Erwähnung des Landgerichts bei Kankweil. »Villa« bedeutete die Vereinigung mehrerer Höfe zu einem Flecken, und Villa Vinomna gehörte zum Besitze des Grafen Ilumfried, der hier seinen Sitz aufgeschlagen hatte. Später war es den deutschen Stämmen gelungen, selbstständiger aufzutreten; die Träger der Territorialgewalten der Stammgebiete nahmen den alten Namen der Herzoge wieder auf, und so erlangte zum Beispiel 917 der alemannische Markgraf Burghard IL, der zu Vinomna an offener Malstatt zu Gericht sass, die Herzogswürde in Schwaben und K'hätien. Bei diesen Gerichten waren 4'A romanische Richter und nur 17 alemannische, doch alle sprachen nach römischem Recht ihr Urtheil. Der romanische Name verschwand jedoch im Laufe der Zeiten immer mehr, und am Anlange des XIII. Jahrhunderts erscheint er zum letzten Male.

Die Umgebung von Rankweil ist wahrhaft entzückend. Zahlreiche Spaziergänge ziehen sich von dort in die dichten nahegelegenen Waldungen. Sehr dankbar ist ti. ä. eine Wanderung in das einsame romantische Valdunathal, in welchem sich die neue Landes-Irrenanstait befindet Südlich von Tufers gegen Gülls liegen auf der sogenannten »Heidenburg' die Fundamente des karolin-gischen Männer- und Frauenklosters Tuberis und Blizis. Eine köstliche Wanderung führt zum schwarzen See und in die Satteinser-Klause. Bin beliebter Luftcurort ist das hochgelegene Dorf Ueber-saxen, das eine prachtvolle Aussicht bietet, und ganz besonders effectvoll von dem hüchstgelegmen Punkte der Almende eine Reihe der herrlichsten Bergspitzen und Höhen zeigt. Nicht unterlassen darf man einen Ausflug ins Laternserthal, das seiner ganzen Länge nach tief unten Vom schäumenden wilden Frutzbaeh durchbraust wird. Der Hauptort des an der Nordseite vielfach zerrissenen Thaies ist das Kirchdorf Laterns. Eine genussreiche Tour ist die durchs herrliche Gauerthai nach Schruns im Montavon.

V 1 r\ I D

u n i ii i o.

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DORNBIRN.

Legt

Üine der interessantesten Ortschaften Vorarlbergs ist zweifellos Dornbirn, ein Marktflecken, der ungefähr 11.000 Einwohner, zumeist Fabriksarbeiter, zahlt und an der Eisenbahnlinie zwischen Feldkirch und Bregenz )er Ort besteht eigentlich atis vier miteinander verbundenen Gemeinden, die in einer communalen Verwaltung vereinigt sind und zusammen ein Bängcnausmass von 5 km besitzen. Dornbirn ist der umfangreichste und am meisten bevölkerte Ort des Landes, die Städte mitinbegriffen. Da ist vor Allem der eigentliche Markt am rechten Ufer der Dornbirner Ache, ein Kirchdorf, das sich in langer Zeile hinzieht. Die zweite, östlich, in der Richtung gegen die Berge zu gelegene Ortschaft ist Oberdorf, die dritte, nördlich situirte, abgesonderte, Haselstauden, während die vierte, südlich von der Ache, am linken Ufer derselben sich ausbreitende Ortschaft, Hattlersdorf heisst Der am Ostrand des breiten Rheinthaies an der Dornbirner Ache sich hinlagernde Marktflecken mit seinen Gärten, Obstbaum-Anlagen und Villen ist so ausgedehnt, dass die Volksmeinung behauptet, der Ort sei bereits zu gross, um eine Stadt werden zu können. Jedes Hauptdorf besitzt seine eigene Kirche. Auf einer Seite begrenzen Kornfelder, Obstgärten und Wiesen, auf der anderen Seite Alpen, Wälder und Gebirge den Markt. Der Fuss des Ilochälpele und der Staufenspitze berührt die Ebene. Im Südwesten leuchten die Schweizerberge: Kamor, Hoher Kasten, Säntis und die Ghurlirstcn. Von der Brücke geniesst man einen entzückenden Einblick in das romantische Waldthal, aus dem die Dornbirner Ache zwischen dem Hohen Breschen, Ilochälpele und Staufenberg hervorströmt, hauen Besuch verdienen die grossartig angelegten Schutzbauten gegen das Wildwasser. Als der Hauptsitz der Vorarlberger Baumwoll-Industrie, die von hier aus ihren Anfang genommen hat, geniesst Dornbirn hervorragende Bedeutung Wohin man blickt, sieht man rauchende hohe Schlote und umfangreiche Häüsercomplexe, in denen zahlreiche Maschinen durch Dampfkraft in Bewegung gesetzt werden. Diese Fabriks-Etablissements bestehen aus Spinnereien, Webereien, Bleichereien, Färbereien und theilweise auch aus Appreturen. Dornbirn ist aber ausserdem auch der Gentraipunkt der Stickerei-Industrie, einer Art Haus-Industrie, che

aus der Schweiz, dem Mutterlande derselben, nach Vorarlberg überging. Die Stickerei-Industrie ist ein sein- alter Erwerbszweig der Bevölkerung Vorarlbergs. Ihre Anfänge reichen weit bis ins vorige Jahrhundert zurück, und die wirtschaftliche Prosperität einer breiten Bevölkerungsschichte des Bandes hing von dem Gedeihen dieser Industrie zum nicht geringen Theile ab. Mitte der Siebzigerinhrc brachte die Stickmaschine eine gewaltige Umwälzung auf diesem Gebiete gewerblicher Thätigkeit hervor. Die Handstickerei, welche bis dahin Tausende flcissiger Frauenhände beschäftigt hatte, wurde durch die Stickmaschine fast vollständig verdrängt, und grosse Zuzüge männlicher Arbeitskräfte tauchten im Bande auf, um mittelst der Maschine die Stickerei-Industrie zu beherrschen Mit der Gründung einer Stickerei-Genossenschaft rief man auch eine staatliche Fachschule für Maschinen-Stickerei ins Leben. Diese Bachschule ist in einen einfachen Stick-Curs zur theoretischen und praktischen Ausbildung der Schüler auf der Stickmaschine, und in einen Nachstickerinnen-Curs zur Ausbildung auf Ausbessern und Ausrüsten cingetheilt. Auch ein sogenannter Dilettantinnen-Curs ist an der Anstalt vorgesehen, welcher weiblichen Arbeitskräften für die Haus-Industrie eine gewisse Ausbildung zukommen lässt. Es versäume Niemand, der in der B'eisezeit an den Bodensee kommt, in Dornbirn für einige Stunden Halt zu machen, und sich von den schonen Erfolgen dieser segenbringenden Lehranstalt zu überzeugen. Die Directum dieser ausgezeichneten Anstalt bewilligt gerne jedem Fremden den Besuch. Für eine ganz geringe Entschädigung erwirbt man sich einige hübsche Stickereien als Andenken an Dornbirn

Doch auch die Umgebung von Dornbirn ist reich an prächtigen Landschaftspunkten. Zu den beliebtesten Ausflügen gehört der ins sogenannte ■Gütle- und zur Bappenlochschlucht, einer wilden, von riesigen Belsen eingeengten, von der Ache durchtosten Felsklamm, zum Wasserfall des Ballbaches, aufs Hochälpele, und in den Bregenzer Wald. Eine mehrstündige Bartie führt über Bad Kehlegg, über die Alpe Gschwend durch Wald und Weiden empor auf das Ilochälpele, das herrliche Aussicht bietet. Man sieht von der hohen Kugel im Süden ostwärts zum Hohen Preschen.

IM BREGENZER WALD.

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ü^llas schöne Land, welches sich mit seinen frischgrünen Wiesen und Mallen, seinen prächtigen Wäldern, seinen malerischen Thälern und I lochplateaux, seinen romantischen Schluchten und Felsscenerien, seinen imposanten Bergen und tiefen Flusstobeln im Gebiete der Brcgenzer Ache, im Norden Vorarlbergs ausdehnt, heisst im Volksmunde kurzweg der »Wald«, und war in den Zeiten der Grafen von Monfort thalsächlich ein einziger grosser Waldjagdbezirk. Die uralte Eintheilung des Gebietes in einen Aeusscren und Inneren »Wald« entspricht dem verschiedenen Charakter der Landschaft. Der erstere gehörte zur Grafschaft Brcgenz, der letztere zur Grafschaft Feldkirch. Der Aeussere Brcgenzer Wald, welcher mehr den Charakter des Mittelgebirges zur Schau trägt, zeichnet sieh durch keine besonderen markanten Bergformen aus. Breite Massen mit Hochebenen linden sich im Norden, über denen die Bewohner in Einzeihöfen zerstreut sind; die Mühen zeigen zum grössten Theile schöne gerundete Formen, und langgezogene grüne Kücken, die an der Nordseite oft steil und 1 elsenreich gegen die Flusstobel abstürzen. Der Innere Bregenzer Wald, das eigentliche Gebiet der Brcgenzer Ache, von deren Ursprung am Schrücken im Südosten an bis in den Nordwesten, weist eine Fülle der malerischesten und imposantesten Bergformen auf, die in ihrer originellen, oft frappirenden Gestalt der Landschaft ein eigenartiges Relief verleihen. Zinnengekrönte Felsterrassen bauen sich in die Lüfte, und Mulden mit lieblichen Dörfern, die sich bis in bedeutende Höhe hinanziehen, fesseln das Auge. Das Land des Brcgenzer Waldes ist ein wunderbares Stück' Erde, das mit seiner alemannischen Bevölkerung, mit den alten Volkstrachten der Wälderinnen, mit seinen ursprünglichen Sitten und Bräuchen und historischen Erinnerungen seines (deichen kaum linden wird. Die Wohnungen der »Wälder«, die Gasthäuser, zeichnen sich alle durch eine fast peinliche Feinheit aus. Uebcrall linden war jenes Behäbige, jenen Wohlstand, jene Genügsamkeit und jenen Fleiss, der stets den Fremden zu gewinnen versteht. Die stattlichen Häuser des »Waldes« im alten Styl tragen auf gemauerter Unterlage einen einstöckigen Blockbau, sind mitunter mit schuppenartigen Schindeln bekleidet und mit weit ausladenden

sanft aufsteigenden Schindeldächern gedeckt. In der Vorhalle, dem sogenannten »Schopf-, der an der Rückseite des Hauses oder an einer Langseite angebracht ist, arbeiten die weiblichen''Insassen an Feinstickerei, wenngleich die aus alten Tagen herstammende Hausarbeit durch die Einführung der Stickmaschinen immerhin gelitten hat. Der Wohlstand der »Wälder« gründet sich auf die Viehzucht und Alpenwirthschaft, die im Lande, und speciell im Bregenzer Wald, auf hoher Stufe steht.

Der Hauptort des Inneren »Waldes« ist Bezau, ein grosses langgestrecktes Dorf am Nordrande einer heiteren, grünen d'hal-weitung, das viel und gern von Sommerfrischlern besucht wird. In der Nähe von Bezau liegt die Höhe von Bezegg, eine Fahrstrasse über einen bewaldeten Bergriegel, auf dessen Höhe sich eine freie Wiesenfläche befindet, baue Gedenksäule steht an der Stelle, wo einst das Rathhaus vom Inner-Bregrenzer Wald die bäuerlichen Vertreter zur Rathsversammlung aufnahm. Diese Versammlungen wurden auf Befehl der bayerischen Regierung, welche die Verfassung des »Waldes- 1807 aufhob, eingestellt, und das hölzerne Rathhaus auf der Waldhöhe abgebrochen. Das Eigentümliche dieses luftigen uralten Baues war, dass keine Stiege in das Stockwerk emporführte, sondern eine Leiter. Der Landamman und die Geschworenen, welche die ganze Civil- und Criminaljustiz und die Polizei ausübten, gelangten auf dieser Leiter durch eine Fallthüre in den Rathssaal. War die Versammlung vollzählig, so wurde die Fallthüre geschlossen und die Leiter weggenommen, um nicht eher wieder angelegt zu werden, bis die Berathung geschlossen war. Ueber Mellau, eine beliebte Sommerfrische und Stahlbad, und über das saubere Dörfchen Sehnepfau gelangt man nach Au, das überaus malerisch im weiten, von der Bregenzer Ache durchflossenen Thalkessel gelegen ist. blohe alpenreiehe Berge geben ein echtes Hochgebirgsbild. bau weltabgeschiedenes Oertchen hoch oben auf einem Wiesengrunde, der von brausenden Wässern in tiefen Tobein umgeben, ist Schrücken. Ahorn, Tannen, Fichten und Erlen säumen das sammtgrüne Bergplateau ein. Von da geht es empor über Almwiesen nach Hochkrumhaeh, und entweder durchs Lechthal hinab oder über den Gentschelpass ins Kleine Walserthal.

Schröcken.

Pliot. Iiumlcr, Bregcnz.

Au. Bregenzer Wald.

B REG ENZ I.

n der malerischen blauen Bucht des »Schwäbischen Meeres«, des unvergleichlich schönen Bodensees hingegossen, breitet sich im weiten Bogen die Hauptstadt des Bandes Vorarlberg, einem blühenden Garten gleich, aus. Und in dieses saftgrüne Reich hat eine gütige Hand Kirchen Uhd Villen, Häuser und I hinsehen eingestreut. Steht man auf Deck eines Bodensee-Dampfers, der gegen Bregenz fährt, und blickt vom See her auf Stadt und Gelände, so meint man, es habe die schöpferische Natur am westlichen Endpunkte unserer Monarchie noch einmal alle ihre Zauberkünste spielen hissen, um dem Beisenden den Abschied von Oesterreich recht schwer zu machen, önvergesslich ist das grandiose fühl mit seinen im Hintergrunde höher und hoher emporsteigenden Gebirgen, den steinernen Wächtern Vorarlbergs und der Kette schneebedeckter Schweizeralpen. Der Gebhardsberg und der Blander, zu deren Küssen Bregenz, das »deutsche Neapel« ruht, verleihen nebst der endlos scheinenden Seclläche der Stadt ihr charakteristisches Gepräge. So malerisch wie der Anblick der entzückenden Uferstadt, so interessant und reich ist die Geschichte des alten Bregenz, das sich nun von Jahr zu Jahr verjüngt und immer lieblicher und schöner ward. Weit zurück bis in dämmerhafte Epochen reicht die Historie der Gapitale des Landes. Schon die Römer sassen hier in Brigantium, das auf der Ebene des Oelrains stand und sich bis zum Gebhardsberg einerseits und gegen Mehrerau andererseits hinzog, wählend die antike Stadt sich im Osten bis zur heutigen Oberstadt ausdehnte. Ebenso beherrschten die Römer auch an anderen Punkten des Seegestades die Gewässer und das Uferreich, Brigantium war seit dem Ausgange des III. Jahrhunderts auch der wichtigste Hafen des Bodensces, der zu militärischen Zwecken vielfach Verwendung fand. Mit dem römischen Heere war auch schon früh das Christenthum ins Band gekommen. Zu Ende des IV. Jahrhunderts unterlag endlich, nach fünfhundertjähriger Macht am Bodensee, die Herrschaft der Römer den Alemannen, welche sich seit dem Hl. Jahrhundert vereinigt hatten, um die Fremdlinge aus dem Süden zu vertreiben. Alle Mannen, das gesammte Volk von der Donau bis zum Main, bildeten ein gemeinsames Kriegs-

heer, das gegen die Römer aufgestanden war. Zu Anfang des VII. Säculums erschienen die Boten des christlichen Glaubens, die irischen Missionäre Columban und Gallus, und errichteten sich unterhalb des Gebhardsberges kleine Hütten auf terrassenförmiger Anhöhe, Auf den Trümmern des römischen Castells erbauten später alemannische Grafen, »königliche Sendboten«, eine feste Burg. Karl der Grosse verlieh diesen Edlen, welche sich seit 1403 Grafen von Bregenz nannten, mannigfache Privilegien. Nach dem Tode des letzten Grafen von Bregenz, 1157, Vermählte sich dessen Tochter und Erbin mit dem Pfalzgrafen Hugo von Tübingen. 1180 erhielt der Sohn desselben, Hugo I., das mütterliche Erbe in Unter« rhätien mit dem Gebiete von Montfort und nannte sich fortan Oral von Montfort. Für seine Treue zu dem ghibellinischen König Philipp erhielt er Bregenz zum Buhn . . .

Die Geschichte der Stadt Bregenz ist reich an interessanten Einzelheitert, an Kriegseinfällen und an denkwürdigen Ereignissen aller Art, die jedoch in dieser Skizze kaum flüchtige Erwähnung finden können. Bei einem Besuche des Vorarlbergischen Bandesmuseums erhalten wir durch die dort aufbewahrten Funde aus der Pfahlbäutenzeit, aus der keltischen, rhätisehen und römischen Zeit, durch die Sculpturen aus der gothischen und Renaissance-Epoche, durch Münzen- und Medaillen - Sammlungen, sowie durch Sammlungen auf dem Gebiete der heimatlichen Mineralogie, Geologie, Botanik und Zoologie ein umfassendes Bild der Naturreiche des Bandes. Doch auch vorarlbergische Kunst führt uns das Museum in trefflichen Werken vor. Unsere Aufmerksamkeit ward gefesselt von werthvollen Kupferstichen, Gartons und Gemälden von vorarlbergischen Meistern, Malern und Bildnern, unter denen sich auch mehrere Werke der weltberühmten Malerin Angelica Kauffmann befinden, welche nach ihrem J'ode Verwandte derselben in Schwarzenberg im Bregenzerwalde geerbt hatten. Von besonderem Wcrthe sind die im Museum befindlichen, von der Künstlerin selbst radirten Blätter, die von Kennern für Vorzügliche Arbeiten gehalten werden.... So schaut uns überall eine grosse Vergangenheit entgegen, überall hat sich ein gutes Stück römischer und deutscher, wie auch schweizerischer Geschichte abgespielt.

Phot. Imniler, Hregenz.

BREGENZ.

BREGENZ II.

ach Bregenz sollte man nur als Passagier eines stolzen Dampfers kommen, im goldigen Sonnenschein, wenn auf den grünen Hängen des Pfänders und dem Ausläufer desselben, dem Gebhardsberge, die hellen

glitzernden Lichter spielen und tänzeln. Wenn das Stadtbild, welches aus den Fl'uthen des Sees emporsteigt, immer deutlicher, schärfer und ausgeprägter sich präsentirt, je mehr unser Schiff sich der Stadt nähert, wenn die stolzen modernen Bauten am Hafen, die alten malerischen Gebäude dahinter und in der »oberen Stadt« sich gar traulich abheben, wenn aus den üppigen Obstbaumgärten die reizvollen Villen herübergrüssen, dann muss Einem wohl das Herz im Leibe lachen, wenn man mit einem einzigen Blick all diese berückenden Wunder schauen kann. Dort liegt der ausgedehnte Bahnhof, den ein reger Verkehr belebt, daneben die umfangreichen Hafenanlagen mit der Trajectanstalt, das Trockendock mit seinen zahlreichen Werkstätten, und an einzelnen Stellen vertaut, die herrlichen stolzen österreichischen Salondampfer, gewiss die stattlichsten auf dem Bodensee. Und im nahen Umkreis des Hafenlandes erheben sich die vornehmen Neubauten, Hotels, Privat- und öffentlichen Gebäude; in ihrer reichen Abwechslung an Formen und Faeaden wohl ein prächtiges Bild. Unter allen diesen Baulichkeiten tritt sicherlich das vor einigen Jahren errichtete Post- und Telegraphengebäude in erster Linie hervor. W7ie hübsch und effectvoll liegen die Gartenanlagen zwischen dem See und dem Bahnhofterrain, in denen sich bei sogenannten »Seefesten« in den Abendstunden Einheimische und Fremde gerne ergehen, den Klängen der Musikcapelle lauschen, und dem brillanten Kunst-^ feuerwerk bewundernd folgen. Ein Gang durch die Unterstadt zeigt uns den harmonischen Zusammenklang des Alten mit dem Neuen, der Vergangenheit mit der modernen Gegenwart, des Gewesenen mit dem Kommenden. In den alten Gassen von Bregenz taucht wohl da und dort eine restaurirte Facade auf, aber im Ganzen ist der Eindruck, den diese ehrwürdigen Gassen und malerischen Winkel hervorrufen, ein durchaus einheitlicher, malerischer. Wie sehmuck präsentirt sich das Rathhaus nach seiner glücklich durchgerührten Restauration. Heute ist dasselbe, in dem

auch die Vertreter des Landes tagen, ein architektonisch herausgeputztes Palais, ein Kleinod der Stadt. Es ist im Renaissancestyl gehalten und zeigt auf seiner Hauptfront Mosaikbilder und Fresken, welche Portraits historischer Persönlichkeiten darstellen, baue der interessantesten Partien von Bregenz ist die alte Oberstadt, die sich auf einem freistehenden, auf drei Seiten abfallenden grünen Hügel erhebt. Die Oberstadt, auch das »Bregenz des Mittelalters« genannt, birgt ein kostbares Kleinod, Schloss Hohen-Brcgenz, das einst ein römischer Wartthurm gewesen ist. Noch besteht die ursprüngliche Anlage der Burg; die äusserste Mauerumfassung, die mit halbrunden Bastionen bewehrte Burgmauer, das Aussenthor, der Berchfried und der fünfseitige Erker, in dem der heilige Gebhard, der Sohn des Grafen Ulrich VI. von Bregenz, der Schutzpatron der Stadt, am 7. August 949 geboren worden sein soll. Die kleine Wallfahrtskirche, welche sich auf dem südlichsten Ausläufer des Bfänderzuges, auf dem weithin sichtbaren Nagelfi uh-stock erhebt, ist dem heiligen Gebhard geweiht, und alljährlich an dessen Gedenktag pilgern viele Tausende frommer Waller aus allen Gegenden Vorarlbergs auf den Berg, um in dem lieblichen Kirchlein ihre Andacht zu verrichten. Dann aber hält man Einkehr in der renommirten Weinwirthschaft, die wenige Schritte vom Gotteshause entfernt steht. Der treffliche Tiroler Tropfen, noch mehr aber wohl die einzig schöne Aussicht ins Rheinthal zur Linken; auf die Schweizer Berge, den glänzenden Bodensee, und zur Rechten drüben auf das bayerische Uferland, auf die märchenhafte Inselstadt Lindau, fesseln Jeden, dem die Herrlichkeit eines solch erhabenen Naturbildes nahe geht. Am rechten Ufer der Bregenzer Ache thront auf einem anmuthigen, zum Theil mit Reben bewachsenen Hügel weithin sichtbar die Riedenburg, ein berühmtes Frziehungsinstitut für vornehme katholische Fräulein, welches Eigenthum der Damen du Sacre cceur aus dem Elsass ist. Im XII. Jahrhundert stand hier Schloss Niedegge, das im Appenzeller Kriege 1407 zerstört, doch 1508 wieder aufgebaut wurde. Später erwarb das Kloster Einsiedeln die Riedenburg, dann Mehrerau. 1853 ging die Burg an die jetzigen Besitzerinnen über. Der Neubau im Jahre 1570 bildet noch jetzt den Kernpunkt des Schlossgebäudes.

l'hot. /minier, Eregenz.

Harenanlage. Riedenburg.

BREGENZ.

Hohen-Bregenz. GobhardaTserjj.

WIEN. NEUES BURGTHOR.

aiser Karl VI., ein gewaltiger Bauherr unserer Dynastie, war es, der den Kegenten Oesterreichs ein würdiges Heim gründen wollte und der seinen berühmten Architekten Fischer v. Erlach beauftragte, die Bläue für die Neugestaltung einer prächtigen Kaiserburg zu entwerfen. Fischer nahm auch den Bau einer neuen Burg in Angriff, führte einen kleinen Theil seiner genialen Pläne aus, begann auch den Rotundenbau gegen den Michaelerplatz, das nunmehr vollendete neue Burgthor, doch hinderten die politischen Zeitverhältnisse die Fortsetzung dieser Bauten. Auch der Thorbau blieb unausgeführt, bis Kaiser Franz Joseph, der Gründer eines verjüngten Wien, die Pläne Fischer's verwirklichte und auf baulichem Gebiete theilweise zum Abschlüsse brachte, was er Decennien früher wahrhaft liebevoll begonnen hatte. Wie das alte ruhmreiche Oesterreich der Weisheit Kaiser Kranz Josephs seinen Ausbau auf freiheitlicher Grundlage dankt, so ist auch der Bau der neuen stolzen Eingangspforte zur Burg durch die Munificenz unseres kunstsinnigen Monarchen entstanden.

Die dem Michaelerplatz zugekehrte Facade, welche unser nebenstehendes Bild veranschaulicht, zeigt über dem Bortal die Stiftungsurkunde: Franciscus Josepluis I. velus palalii opus a Carole VI. inchoatum a Maria Theresia et Josepho 11. conlinua-tum perfecit. A. D. MDCCCXCIII. (Franz Josef I. hat das von Karl VI, begonnene, von Maria Theresia und Josef II. fortgesetzte alte Werk des Baiastbaues vollendet im Jahre des Heils 1893.) Die Giebelgruppe darüber von Johann Bcnk verkörpert die Herrschertugenden: Weisheit, Gerechtigkeit und Stärke. Zu beiden Seiten des Portals vier Herkulesgruppen: Blerkules im Kampfe mit der Hydra, von Hofmann; die Befreiung der Hesione, von Schcrpc; die Entfesselung des Prometheus, von Lax; die Entführung des Cerberus, von Wagner* Der auf unserem Bilde links sichtbare Monumentalbrunnen stellt »die Macht zur See« von Rudolf Weyer, vor, während der Brunnen auf der rechten Seite die »Macht zu Lande« von E. Hellmer veranschaulicht. Schreitet man durch den mächtigen Kuppelbau, so gelangt man vor dem Leopoldinischen Tracte der Hofburg zum äusseren Burgplatz, oder Heldenplatz,

benannt nach den beiden Reiterstandbildern, die ihn zieren: Das Denkmal des Erzherzog Karl (f 1847), welches den siegreichen Heerführer in dem Momente darstellt, da er die Fahne des weichenden Regimentes Zach ergreift und das Regiment zum Sturm führt. Ihm vis-a-vis steht das Denkmal des Prinzen von Savoyen (»Prinz Eugenius der edle Ritter«, f 1736), gleichfalls wie das erstere Monument von Fernkorn modellirt und 1865 errichtet. Zur Linken des mit Gartenanlagen versehenen Platzes erhebt sich der äusserlich bereits vollendete Bau des südöstlichen Tractes der Hofburg, nach Bläuen von Gottfried Semper und Kail von Hasenauer. Ihm gegenüber soll ein gleicher Flügel gebaut, und beide durch einen kuppelgekrönten Mittelbau an der Nordostseite miteinander verbunden werden. Hinter dem neuen Tract der Burg liegt der k. k. Hofgarten (Kaisergarten) mit einem Reiterstandbild des Kaisers Franz Joseph I. Ihm gegenüber ist der Volksgarten, auf den Trümmern der alten Festungsmauern von Kaiser Franz angelegt, ein sehr beliebter Erholungsort der Wiener, mit Cafe-Restaurant. Wenden wir uns von da wieder zurück durch das imposante Ausgangsthor der Reichskanzlei zur Aussenfront derselben gegen den Michaelerplatz, so linden war in den Durchgängen reichen plastischen Schmuck. Die vier Gruppen im hinteren Octogon der Durchfahrt versinnlichen die Wahlsprüche der am Ausbau der Burg betheiligten Herrscher. Die beiden äusseren Durchgänge zeigen Hochreliefs nach Remer's Entwurf: Auszug des Herrschers in den Krieg und Heimkehr des Herrschers aus der Schlacht. Die Durchfahrt überkrönt ein mächtiger Kuppelbau, und wie wir duveh diesen grossangelegten Kuppelbau, aus dem der Geist des Meisters Fischer von Erlach beredt zu uns spricht, und in dem die Zeiten Kaiser Karls VI. und Maria ddieresias uns vor dem inneren Blicke wiedererwachen, eingehen in das Reich der Wiener Hofburg, so öffnet sich auch gleichsam vor diesem vollendeten Bau die Geschichte Niederösterreichs, der Stammprovinz des Reiches, und die Geschichte des ganzen Reiches selbst. War und ist doch mit den Geschicken von Land und Reich die Burg auf das Innigste verbunden, spiegelt sich in ihr, dem Hause des Kaisers, doch Freud und Leid dieses Landes, dieses Reiches und seiner Bürger wieder.

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WIEN. Neues Burgthor.

PRAG.

s hicsse Eulen nach Athen tragen, wollte man des Weiten und Breiten über die herrliche Lage und malerische Umgebung Prags erzählen. Autoritäten vom Rang eines Alexander von Humboldt haben in dieser Beziehung ihr von aller Welt anerkanntes Urtheil abgegeben, es genügt daher einfach die Berufung auf dasselbe, wobei die Zustimmung aller Jener sicher ist, welche die hundertthürmige Moldaustadt mit eigenen Augen gesehen und deren historisch denkwürdige Baudenkmale, deren monumentale Bauten der Neuzeit kennen gelernt und bewundert haben.

Bereits in früheren Jahrhunderten, als Prag noch die Residenz der Herrscher Böhmens gewesen, als es unter Kaiser Karl IV. und unter Rudolf II, sogar das staatliche Centrum von Mittel-Europa gebildet hatte, wurde es seiner Grösse und Herrlichkeit wegen von Dichtern aller Nationen besungen, von allen Topographen und Historikern, mit Aeneas Sylvins, dem nachmaligen Papst Pius IL, an der Spitze, als Königin der Städte, als Fürstin der Königreiche und Länder gepriesen. Prag galt zu jener Zeit nicht für eine Grossstadt im gewöhnlichen Sinne des Wortes, man erblickte in der Residenz am Moldaustrand einen Complex von drei grossen selbstständigen Städten, eine mächtige Tripolis, wie es deren im classischen Altcrthume gegeben. Mag nun jetzt dieser einstige Ruhm Prags von vielen anderen Hauptstädten Furopas überflügelt worden sein, mag die Stadt in der Gegenwart nur das Epitheton einer königlichen Witwe führen: der Glanz früherer Epochen ruht immerdar auf ihr, verstärkt durch den lebenden Einfluss der Gegenwart, der rund um die ehemalige Tripolis eine Reihe von modernen Städten schuf, so dass Prag zu einer wahren Grossstadt der Neuzeit geworden und mit seinen 400.000 Einwohnern die drittmächtigste Stailt des Kaiserstaates Oesterreich-Ungarn bildet.

Unstreitig am herrlichsten zeigt sich Prag vom rechten Moldauufer, vom Franzensquai aus gesehen. Die Ansicht der imposanten steinernen mit Statuen geschmückten Karlsbrücke, der an Kirchen und Palästen reichen Kleinseite, über welcher die königliche Burg auf dem Hradschin stolz emporragt, der gothischc St. Veits-Dom, sowie die doppelthürmige romantische St. Georgs-Basilika daselbst

fesseht den Blick in hohem Grade. Die nebenstehende Abbildung zeigt die malerische Scenerie. Vom Belvedere aus gesehen stellt sich der rückwärtige Theil des Schlosses mit der altertümlichen Georgskirche, dem ältesten romanischen Bau in Prag, dem Beschauer als wohlerhaltenes Bild einer mittelalterlichen Burg dar, der selbst die Staffage der obligaten Gelangnissthürme (hier der schwarze Thurm und der Daliborka-Thurm) nicht fehlt. Als Gegenstück zum königlichen Schlosse erscheint links die in der Einsattelung des Laurenzberges prächtig gelegene Prämonstratenser-Abtei Strahov, gekrönt von zwei schlanken Thürmen der Stiftskirche daselbst; das hochgelegene Schwarzenberg'sche Palais, ein seltenes Denkmal floren-tinischer Bauart; das grossartige ehemalige Cernin'sche Palais, jetzt in eine Kaserne umgewandelt, sowie der erzbischöfliche Palast vor der königlichen Burg schliessen das Panorama dieses höchstgelegenen Stadttheiles Prags, dessen tiefer gelegene Häuser den Ueber-gang zur Kleinseite vermitteln. In der Mitte derselben überragt die mächtige Kuppel der Nikolauskirche, eines Riesendenkmals des Jesuitenordens, ferner die Thomaskirche mit ihrem spitz zulaufenden Thurm, die Maltheserkirche, nahe dem Moldauufer, die Maria-Victoriakirche, ein Monument des Sieges der Kaiserlichen auf dem Weissen Berg, sowie die beiden uralten Brückeiithürme ein Meer von Häusern und Palästen, in welchen ausgedehnte Gärten dem Auge wohlthuende grüne Inseln bilden. Die ursprüngliche Residenz der böhmischen Herrscher befand sich am Vysehrad, wo jetzt die steilaufsteigendc Citadelle steht. Die Gründung der Prager Burg, die ins achte Jahrhundert fällt, wird der Fürstin Libusa zugeschrieben. Karl IL, welcher Prag mit den kostbarsten Baudenkmälern, darunter mit dem Dom zu St. Veit, schmückte, brachte der Stadt auch den namhaftesten Aufschwung. In den Hussitenkriegen wurden zahlreiche historische Bauten zerstört, doch die Prager Städte erholten sich wiedei1 während der ruhigeren Zeiten Georgs von Podöbrad, Vladislav IL, Ferdinand l. und Rudolf IL, der sich auf dem Hradschin seinen alchimistischen, astronomischen und astrologischen Liebhabereien hingab. Rudolf IL verwandelte die Prager Hofburg in eine Galerie von Kunstsammlungen, die leider während des dreissigjährigen Krieges in alle Welttheile vertragen worden sind.

CZERNOWITZ.

£ 1''\KÄ| alerisch schön liegt die Landeshauptstadt der Bukowina \ /■ In't ihren fünf Vorstädten am rechten Ufer des Pruth. Y I Ihren Ursprung hat sie den Strassenzügen, welche hier ^"'^ . von Norden und Süden zusammenlaufen, zu verdanken. Zum erstenmale wird Czernowitz in einer Urkunde von 1407 erwähnt, in welcher Alexander der Gute, Kürst der Moldau, den Lemberger Kaulleuten Erleichterung in Handel und Zollen gewährte. Im Jahre 1407 fand unweit Czernowitz, am Berge Cecina, zwischen den Moldauern und Polen eine Schlacht statt, in welcher die ersteren siegten und das daselbst vom polnischen König Kasimir dem Grossen im XIV. Jahrhundert erbaute Festungswerk zerstörten. Der Sage nach liess der Fürst von der Moldau, Stephan VI. 20.000 gefangene Bolen an den Pflug spannen, von ihnen das zwei Meilen lange Schlachtfeld pflügen und hierauf in die Furchen Buchensamen säen. Dem so entstandenen Buchenwalde soll Bukowina (buk, polnisch-Rothbuche) ihren Namen verdanken; das Land kam unter türkische Oberhoheit. Als Kaiser Josef II. Siebenbürgen bereiste, wurde ihm der hohe Werth der Bukowina für die Verbindung Galiziens mit Siebenbürgen klar. Nach einigen Verhandlungen trat dann die Türkei als Gegenleistung für die Friedensvermittlung Oesterreichs bei Russland, am 7. Mai 1775 die Bukowina ab. Diese wurde 1780 mit Galizien vereinigt, erhielt jedoch 1848 mit dem Titel eines Herzogthums seine .Selbstständigkeit, und Czernowitz wurde Landeshauptstadt. In Folge der Wirren der moldauisch - türkischen Herrschaft bot der Ort trotz seiner günstigen Lage zur Zeit der österreichischen Occupation (1774) einen sehr verwahrlosten Anblick. Ausser hölzernen Kirchlein, von denen die Nikolauskirche noch heute zu sehen ist, fanden sich daselbst nur kleine, aus Brügelholz erbaute Häuser.

Welch ungeahnten Aufschwung hat Czernowitz genommen, seit es mit dem nördlichen ddieile der Moldau, der Bukowina, dem Kaiserstaate einverleibt wurde. Im Jahre 1774 zählte es nur 278 Familien oder 1300 Seelen, gegenwärtig über 55.000, also das Vierhundertfache! Ein freundliches Städtebild entrollt sich vor den Augen des Wanderers. Auf dem vom Bruthufer ziemlich steil ansteigenden Hügel erheben sich stufenförmig — unterbrochen vom

Grün der Gärten — die Häuser der Stadt, überragt von den zahlreichen Thürmen und Kuppeln der Gotteshäuser. Ueber allen wacht auf der Spitze des Rathhauses der österreichische Aar, unter dessen Fittichen sich dieses rege Leben entfaltet hat. Erwähnt sei noch die 1775 errichtete Hochschule, ein vielsagendes Denkmal der hundertjährigen Verbindung des Buchenlandes mit Oesterreich.

Diese rasche Entfaltung der Stadt in den letzten Jahrzehnten ist aber nur hiedurch ermöglicht worden, dass Kaiser Franz Josef, sobald er Oesterreichs Thron bestiegen hatte, durch die Loslösung der Bukowina von Galizien Czernowitz zur Landeshauptstadt erhob. Wie die Bukowina und mit ihr die Stadt Czernowitz bei der Uebernahme durch Oesterreich ausgesehen hat, kann man aus einem Berichte entnehmen, welchen der kaiserliche General Enzenberg als damaliger Gouverneur des Landes verfasst hat. In diesem Berichte lesen wir u. A. :

»Die Bukowina gleicht einer Hutweide, und die wenigen Bewohner überlassen der Natur allein die Sorge, die nöthigen Bedürfnisse für den Lebensunterhalt zu liefern, wozu in erster Linie die Viehzucht beiträgt. Die Gebirgsgegenden sind grössten-theils unbewohnt und nur hie und da finden sich zerstreute Hütten, welche eine elende Unterkunft gewähren ; denn da bald die Tataren, bald die Bolen und Türken das Band durchstreiften, bald aber der Landesherr selbst alles in Anspruch nahm, was er zur Er-schwingung der unmässigen Zinsen an den Sultan unter dem Scheine einer Befugniss nur fordern konnte, so bauten die Einwohner ihre Häuser nur aus Lehm und Stroh, um sie sofort verlassen und in die Wälder fliehen zu können.«

Czernowitz liegt auf mehreren Anhöhen, die durch Schluchten und kessclartige Vertiefungen unterbrochen sind. Die Hühenpunkte der Lage der Stadttheile sind sehr verschieden. Die Wassergasse, längs der sich der Bahnhof hinzieht, liegt 135 m, während das letzte Haus der Vorstadt Rosch am Cecinabcrge 341 m über dem Meeresspiegel gelegen ist. Da Czernowitz im Verhältnisse zu seiner Einwohnerzahl eine sehr bedeutende Ausdehnung besitzt, so findet man neben den modernen Prachtbauten der inneren Stadt auch vorstädtische Strassen von ausgesprochen ländlichem Aussehen.

RI

CZERNOWITZ.

TRIEST.

%jWÄ!o die Adria zur mächtigen See sich ausbuchtet, wo der vßwl^ Karst seinen unwirthlichcn Charakter einbüsst, und ¥ llP: "lu" l>moht hochgelegener Campagnen unser Auge

.....' L ort reut, wo aber auch die Bora in wilden Stürmen

vom .Meere herbraust, dort liegt 'Priest, das blühendste Handels-emporium Oesterreichs. Keine andere heimatliche Stadt kann sich relativ so vieler Millionäre rühmen, eine d'hatsache, die wohl der beste Beweis dafür ist, dass Gewerbe und Industrie unter dem Schutze des ruhmreichen Krzhauscs jene Förderung gefunden haben und linden, dessen sich dYiest zu seinem Aufblühen und Gedeihen seit Leopold des Frommen Zeiten erfreut. Am mächtigsten entfaltete sich die stolze Seestadt jedoch erst in den letzten Decennien, unter Kaiser Franz Joseph I. milder Herrschaft. Das Fischerdorf, das im Mittelalter nur 400 Seelen aufwies, zählt jetzt sammt Gebiet über 200.000 Einwohner. Die Bevölkerung strömte nicht blos aus der nahen Levante, sondern aus allen Gegenden Europas in das alte, von Julius Cäsar befestigte Tergeste der Römer, das heutzutage mit seinem aus Androncn sowohl, wie aus breiten Strassen aufragenden Häusermeer, seinem neuen Hafen und der trotzig ausblickenden Leuchtthurmwarte, seiner herrlichen, von Neubauten umkränzten Piazza grande, seinen Kirchen verschiedenster Confession, seinen Palästen, Theatern, Museen und Monumenten, seinen wissenschaftliehen Anstalten, Creditinstituten und mannigfaltigen Fabriken den schönsten Städten der Welt würdig angereiht werden darf. Malerisch präsentirt sieh das Gewoge auf den Moli und Riven, auf dem Corso, im Bosehetto, am Acquedotto. Entzückend sind die Strandwege von St. Andrea und Barcola-Miramar. Die Stadt ist eine glitzernde Perle im Stranddiadem der Adria; Nord und .Süd reichen sich da die Hände, mit zwei Schritten tritt man da aus einer öden Karstwüste an den Band eines Paradieses, da wo der Obelisk von Opcina steht, an welcher Stelle der von Norden kommende Wanderer staunend das wie durch Zauberschlag sich seinen Blicken Öffnende Panorama auf dYiest und das Meer erschaut. Wer Sinn für die erhabenen Schönheiten der Natur hat, und sich an diesem schönen Punkte der Welt erfreuen will, der verlasse die Eisenbahn in Sessara, und wandere zum Opcina; wer aber

das Meer noch niemals gesehen, der beraube sich nicht selbst eines Genusses, den ihm die Götter gnädig gewähren.

Das ist ein wohlgemeinter Rathschlag für jeden Besucher der Stadt 'Priest. Doch so gering das Opfer, durch das man sich diesen für das ganze Leben unvergesslich schönen fandruck erkauft, so ist leider die Mehrzahl der Reisenden zu bequem, diesem Rufe zu folgen und zieht es vor, sich durch das gegen Triest hinabeilende Dampfross in das Weichbild der Stadt hineinrollen zu lassen. Der Fremde, welcher den Schienenstrang der Südbahn zu seiner Reise nach dYiest benützt, wird gleich bei seiner Ankunft eines Monumentes gewahr, das die geschichtliche Entwicklung Triests verkörpert; es ist dies der von dem heimischen Bildhauer Rendid meisterhaft gearbeitete Obelisk zur Erinnerung an die Feier der fünfhundertjährigen Angehörigkeit Triests zu Oesterreich, aus welchem Anlass in dYiest auch eine grossartige Landesausstellung in San Andrea veranstaltet wurde. Bruchstücke altrömischer Bauten dienen dem Obelisken als Sockel ■■- aus den Trümmern der einstigen blühenden römischen Herrschaft ist 'Priest unter Oesterreichs zielbewaisster Führung neu entstanden.

Die Gründung der Stadt fällt in die sagenumwobene Zeit; wohl kennt man ihren damaligen Namen, »Pagus carniens^ den sie 2000 Jahre vor Christi getragen haben soll, ebenso den ihr später beigelegten »Möns Muliauus«, es fehlt aber jedwede bestimmte üuelle, sowohl für die Ableitung des einen oder des anderen, als auch der Grund für die Aenderung desselben. Gewiss ist, dass dYiest bereits zur Zeit der römischen Consuln eine für die damalige Zeit bedeutende Stadt war, die keine Unterordnung kannte, sondern im Besitze der vollkommensten Freiheit war. Dies sollte anders werden. Unter dem iranischen Consul A. Manlius wurde die Stadt von den Römern bekriegt, behielt jedoch ihre freien Vorrechte verbrieft bis zur Zeit des Cajus Sempronius Tuditanus, 116 vor Christi, der die Stadt in eine römische Colonie umwandelte und ihr den Namen Tergeste beilegte. Aus jener Zeit hat sich bis jetzt ein einziges kleines Stadtthor, »Arco di Riccardo« genannt, erhalten. Heber dieses alte Thor - das Richards-Thor — hat sich im Volksmunde mit der Zeit eine ganze Legende gebildet.

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LEMBERG.

ie Hauptstadt von Galizien, gegenwärtig Sitz sämmt-ticher centraler Landes- und Staatsbehörden, ist herrlich gelegen in einem gegen Norden geöffneten Berg-kessel ; einige Theile der Vorstädte steigen noch auf die Abhänge hinauf, und die obersten Ränder sind mit Klöstern, Kirchhöfen und Burgruinen besetzt. Die meist bewaldeten Hügel der Umgebung, die bepflanzten Plätze, welche den Keim der Stadt von den übrigen Stadttheilcn trennen, und die vielen ('.arten verleihen Lemberg zur Sommerszeit ein freundliches Aussehen. Die Stadt ist in fünf Bezirke eingetheilt: die innere Stadt und vier Vorstädte. Die innere Vorstadt nimmt mehr den nach Norden gelegenen mittleren Theil der Fläche ein, Sie wird von den anderen Bezirken getrennt im Westen: durch die Het-mahskie Waly und den Goluchowski-Platz; im Norden : durch den Krokowskiplatz, die Koscielnagasse und den Strzelecki-Platz; im Osten: durch die Czarneckigasse; im Süden: durch den Bernar-dynski-, Halicki- und Marjacki-Rlatz. Die Mitte der inneren Stadt nimmt der 142 m lange und 129 m breite Ringplatz ein, welcher wiederholt Zeuge verschiedener historischer Scenen war. Mitten durch die Stadt tliesst das jetzt beinahe ganz gedeckte Flüsschen Peltew, welches im Lemberger Gebiete aus mehreren Bächlein entspringt.

Die eigentliche Stadt ist klein und wird von den ausgedehnten Vorstädten rings umgeben. In diesen befinden sich die schönsten Häuser, in der ('entralstadt dagegen tragen etliche Häuser noch ein alterlhümliehcs Gepräge. Namentlich fallen die vielen Häuser mit nur drei Fenstern in der Front auf, was an jene Zeit erinnert, in denen den Stadtbürgern nichtadeliger Abkunft nicht gestattet war, Häuser mit mehr als drei Frontfenstern in der Stadt zubauen. Diejenigen, welche sechs Fenster besitzen, waren entweder Eigenthum polnischer Senatoren oder wurden in neuerer Zeit umgebaut.

Lemberg wurde von Leo, Fürsten von llalicz, um das Jahr 1259 gegründet und 12(58 von ihm zur Residenz erwählt; nach ihm führt die Stadt ihren Namen. Sie war einst mit Mauern und Wällen umgeben, welche bei den häutigen Belagerungen eine wichtige Rolle spielten. Im Jahre 1340 nahm Lemberg der Polenkönig nur durch Ueberrumpelung ein; 1350 belagerten es die Lithauer,

1408 die Walachen, 1525 die Tataren, 1056 die Russen, 1657 Rakoczy. 1072 wurde Lemberg von den Türken belagert und 1704 durch die Schweden unter Karl VII. eingenommen, im Jahre 1848 wurde die Stadt wegen seines Aufstandsversuches von den kaiserlichen Truppen bombardirt, wobei viele Gebäude und auch die Sammlungen der Universität grossen Schaden litten.

Im Jahre 1809 feierte Lemberg den 300. Jahrestag der Lubliner Union, zu deren Andenken die Aufschüttung des »Unionshügels« auf dem Schlossberge begann. Im Jahre 1883 feierte Lemberg mit dem ganzen Land vereint den 200. Jahrestag des Entsatzes von Wien durch den König Johann III.

Hinter der Stadt erhebt sich der dichtbewaldete Schlossberg, »Franz Josephberg« genannt, der früher eine Festungsstätte war und auf seinem Gipfel den zur Erinnerung an die »Unia lubclska« aufgerichteten Sandhügel trägt. Auf der anderen Seite der Stadt sieht man die prachtvolle Kathedrale des heiligen Jur mit dem Baiais der ruthenischen Metropoliten. Der dritte Grenzwall der Stadt ist die Stryjcr Hügelkette mit einem prachtvollen Barke, der im Jahre 1894 die galizische Bandesausstellung beherbergte, welche bekanntlich durch den Besuch Sr. Majestät des Kaisers, sowie anderer Mitglieder des Herrscherhauses atisgezeichnet wurde. Aus dem | läusermeere der Stadt ragen die Thurmspitzen der zahlreichen Kathedralen empor. Die in ihrem Baue höchst verschiedenartigen Kirchen tragen in ihrer architektonischen Structur das deutliche Gepräge ihrer Entstehungszeit Der mächtige Baiast der Statthalterei und das imposante Bandtagsgebäude, die Kliniken der Universität und das reizende Polytechnikum, der Justizpalast und das stylvolle Invalidenhaus, das SparcaSSagebäude, zwei neue Gymnasien, eine neue Realschule und zahlreiche andere Lehranstalten sind in den letzten Jahrzehnten entstanden und legen ein beredtes Zeugniss ab für die rasche Entwicklung der Stadt. Ausser der Universität und dem Polytechnikum besitzt die Stadt noch eine Veterinärschule, fünf Gymnasien, eine Realschule, zwei Lehrerbildungsanstalten, eine Forstschule, eine Handelsschule und zahlreiche Volksschulen. Archive und Museen mit vielen Sehenswürdigkeiten sind geradezu eine Specialität Lembergs.

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KLAG EN FURT.

wX^d^V ' lc Hauptstadt des an Naturschönheiten so reichen Kron-H^^^l landes Kärnten liegt nördlich von der Karawanken-1' rM kette in einer freundlichen Ebene in der Nähe des IfiwfyMLlfl herrlichen Wörthersees, südlich von dem classischen Boden des Zollfeldes, wo früher die römische Stadt Virunum gestanden hatte und später auf dem merkwürdigen, heute noch erhaltenen Herzogstuhle die feierliche Inauguration der Kärntner Herzöge vorgenommen wurde. Es finden sich keine hinlänglichen Gründe, der Stadt ein hohes Alter zuzuschreiben, und dürfte ihre Entstehung im X. oder XI. Jahrhundert ZU suchen sein. Die älteste uns bekannte Meldung von Klagenfurt enthält ein Pfandbrief vom 13. Juli 1268 des Herzogs Ulrich von Kärnten, in welchem bereits von einer Mark »Klagenfurt« gesprochen wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte der Name Klagenfurt von einer Kurth, die über das in der Nähe der Stadt vorbeilaufende Flüsschen Glan geführt haben dürfte, abgeleitet worden sein. Im Jahre 1516, als sich die damalige Hauptstadt St. Veit gegen die Aufstände der windischen Bauern nicht gut benommen hatte, wurde Klagenfurt auf die Bitte der Stände Kärntens hin durch Kaiser Maximilian I. zur Hauptstadt erhoben. Durch grössere Brände, welche die .Stadt in den vorigen Jahrhunderten wiederholt einäscherten und durch die im Jahre 1809 von den feindlichen Franzosen vorgenommene Dcmolirung der Vorstädte zu Befestigungszwecken, erhielt die Stadt einen einheitlichen Charakter in Bezug auf Bauten und Strassen. Ziemlich im Mittelpunkte der Stadt ist der »Neue Platz« mit dem städtischen Wahrzeichen, dem aus dem Jahre 1590 stammenden »Lindwurm-Brunnen«, dem von Franz Pönninger hergestellten Monumente für die grosse Kaiserin Maria Theresia und mit einer Mariensäule von 1086.

Klagenfurt mit seinen vier Vorstädten liegt in einer grossen, zwei Stunden breiten und vier Stunden langen Ebene, die sich vom Vyörthersee bis hinab zur Drau ausdehnt, und welche von der Glan und Gurk im Norden und Osten und von der Glanfurt im Süden bewässert wird — 450 m über dem Meere. Sic ist mit dem eine Stunde entfernten herrlichen Wörthersee durch den Lendcanal verbunden. In hygienischer Hinsicht wirkt zuvorderst

der See und die malerisch schöne Umgebung einerseits, dann die köstliche Gebirgsluft, das gute Trinkwasser, sowie die in der Stadt mit ihren schönen, breiten, regelmässigen Gassen, grossen Plätzen und schattigen Alleen sich wohlthuend bemerkbar machende Reinlichkeit anderseits bestimmend als Aufenthaltsort für Fremde. Rechnet man weiters hinzu das Vorhandensein guter und nicht theurer Gast- und Einkehrhäuser, das Bestehen besteingerichteter Bade- und Sommerfrischorte, die von der Stadt, wenn man dieselbe als Standquartier betrachtet, mittelst aller Verkehrsgelegenheiten schnellstens erreichbar sind, und endlich den Umstand, dass die klimatischen Verhältnisse, namentlich im Sommer und Herbst, hinsichtlich ihrer Günstigkeit nichts zu wünschen übrig lassen, so so hat man die beste Gelegenheit, mit Factoren zu rechnen, die andernorts nicht leicht in so inniger Vereinigung gefunden werden.

Ueber die Schönheit der Stadt und ihre reizende Umgebung gibt es nur eine Stimme des Lobes. Gut bebaute Ackerculturen. Wiesen und Gärten umsäumen dieselbe. Gegen Norden, wo die Glan träge dahinlliesst, stellt sich der Kreuz-, Spital- und Maria-Saaler Berg mit seinen Kieferwaldungen dem Atige entgegen, an dessen Hängen Weiler und Edelsitze eine wohlthuende Abwechslung in die pittoreske Landschaft bringen. Als antike Wahrzeichen sieht man den einstigen Möns carantauuo, überragt von der runden Höhe der Birbitze, den Ulrichsberg und unfern davon den Mag-dalensberg, von deren mit Gotteshäusern versehenen Höhen man eine prächtige Aussicht geniesst, von denen namentlich die letztere eine besondere Beachtung verdient.

Klagenfurt ist im raschesten Aufschwung begriffen. Der Gürtel der Festungswerke, der dereinst die Stadt schützend umzog, ist gefallen, die Wälle und Gräben sind geebnet, der offene Stadtbach ist eingewölbt, und eine prächtige Ringstrassenanlage mit Alleen und Ruheplätzen verleiht dem Aeusseren der Stadt eine gewisse Noblesse, ein modernes Aussehen. Klagenfurt hat demnach auch den Vorzug, im Hinblick auf seine Anlage eine der schönsten und gesündesten Städte unserer Monarchie zu sein. Es erfreut sich eines von Jahr zu Jahr steigenden Fremdenverkehres, dessen Vortheile Stadt und Land zu Gute kommen.

ELAQENFURT.

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LAIBACH.

e aus der jahrhundertelangen Abwehr des »Erbfeindes der Christenheit«, des Türken, als Bollwerk der Bildung und Gesittung hervorgegangene, vielgerühmte Stadt, T^^rJ die als erste in Oesterreich schon ZU Ende des vorigen Jahrhunderts die Mauern und Wälle fallen Hess, war trotzdem noch lange nachher in ihrer Ausweitung zurückgeblieben. Erst die in den Siebzigerjahren erfolgte Eröffnung der Kaiser Franz Joseph-Strasse, der vornehm-schönen Avenue zum herrlichen Naturparke um Schloss Tivoli, das der oberste Kriegsherr, Kaiser Franz Joseph I., dem sieggekrönten Vater Radetzky zum Geschenke gemacht, gab das Zeichen zur Stadterweiterung der »bela Ljubl-jana«, wie das slovenische Volkslied die hellblinkende Landeshauptstadt Krains zu nennen liebt. Heute reiht sich ein Kranz von Neubauten, deren Entwurf oder Entstehung noch in die Zeit vor der schrecklichen Katastrophe des Erdbebens von 1895 zurückreicht, um den tiefgrünen, waldbestandenen, vor der Veste der mittelalterlichen »Herren von Laibach« hingelagerten Schlossberg, der mitten drinnen liegt in der vegetationsüppigen, gegen Süden moorbegrenzten, in Nord und Nordwest von den violettschimmernden grotesken Dolomitformationen der Alpenwelt Oberkrams abgeschlossenen Thalebene. Die Stadt, an beiden Ufern der Laibach halbmondförmig um den steilen Schlossbcrg in flächer Ebene zwischen zwei Bergvorsprüngen gelegen, wird in fünf Bezirke ein-getheilt und ist Sitz eines Fürstbischofs.

An Stelle der nachmaligen Vorstadt Gradisch stand die Rümerstadt Acmona, deren Ringmauern (Mirze genannt) dort noch in einigen Ueberresten sichtbar sind. Die von Attila 452 zerstörte Stadt wurde erneuert und im IX. Jahrhundert von den Franken vergrössert. Die dTirkeneinfälle veranlassten die Verstärkung der in den Jahren 141(5 bis 1520 aufgeführten Festungswerke, die aber im XVIII. und XIX. Jahrhundert bis auf Spuren am Schlossberge beseitigt wurden. Im Jahre 1821 tagte der Laibacher Congress.

Besonderes Interesse erweckt der Schlossberg, 393 m über dem Meere und 70 m über der Stadt. Sein unregelmässiges, aber weitläufiges Castell wurde 1813 von den Franzosen zum Theile zerstört; später diente es als Straf haus, bis das Erdbeben des

Jahres 1895 die Baulichkeiten so arg beschädigte, dass die Strafanstalt aufgelassen werden musste. 1815 wurde dem Castell ein Uhrthurm zugebaut und der Berg mit schönen, kunstvollen Anlagen versehen, welche die herrlichsten Aussichten über Stadt und Land bis zum wildromantischen Hochgebirge gewähren, besonders gegen den schneebedeckten Triglav, Loibl und die Steiner Alpen. .

Mehrere Stadterweiterungen und Feuersbrünste sind Ursache, dass Laibach trotz seines hohen Alters ein modernes Aussehen hat. Der grösste Blatz Laibachs ist der mit der Sternallee gezierte Congressplatz, wo seit 1800 das Radetzky-Dcnkmal, eine 2 m hohe Bronzebüste von Fernkorn auf Marmorsockel, steht. Unter den öffentlichen Gebäuden treten mehrere Kirchen hervor. Die Domkirche in italienischem Styl aus dem XVIII. Jahrhundert hat eine 38 m hohe Kuppel, reiche Stuckornamente und Fresken, und die Franziskanerkirche imponirt durch ihre Front. Die St. Beterskirche ist zum Theile nach dem Muster der gleichnamigen Kirche in Rom erbaut; an der Kirche des deutschen Ritterordens ist das Denkmal des Dichters Anastasius Grün (gest. 187G) angebracht. Das Landes-Museum am Anfange der Lattermann'schen Allee enthält eine interessante Sammlung von Landeserzeugnissen und die Sammlungen des historischen Vereines. (Zahlreiche Pfahlbaufunde aus Krain.)

Neu-Laibach mit seinen Monumentalbauten, wie sie am Anfang und Ende der Kaiser Franz Joseph-Strasse sich nun zeigen, bildet am Ausgange derselben einen effectvollen Schluss des sich rasch vervollständigenden Laibacher Ringes. Wie lange währt es noch, und die dankbare Stadt darf sich ehren mit dem Denkmal für den allerbesten der Herrscher, der allen Bewohnern der Residenz und des Reiches in rascher und ausgiebiger Hilfe für das argbetroffene Laibach vorausgeeilt ist.

Die Umgebung von Laibach ist äusserst mannigfaltig und reizend ; in der Nähe das Städtchen Stein, in welchem der Besucher einen mit allen Reizen der Gebirgsnatur ausgestatteten, freundlichen und anheimelnden Ort, mit bevorzugter Lage für schöne und interessante, bequeme und Hochtouren in reizende Thäler und auf niedere wie hohe Berge findet,

BRÜNN.

wischen den beiden kleinen Flüssen Zwitawa und Schwarzawa gelegen, rings von einem Höhenkranze umschlossen, und nur nach Süden in die Ebene blickend, bietet die auf Hügeln sich hinziehende Hauptstadt Mährens schon von ferne ein ansprechendes Bild. Aus dem Häusermeere ragt der Franzensberg mit der seit der Schwedenbelagerung (1G45) leider thurmlosen Domkirche empor, noch mehr aber der Spielberg, der mit schattigen Anlagen geziert und mit einer Citadelle gekrönt ist. Der Bestand dieses festen Punktes ist schon im IX. Jahrhundert nachgewiesen. Wiederholt Schauplatz wichtiger Ereignisse, wurde er später Staatsgefängniss und beherbergte als solches auch den berüchtigten Bandurcn-Obersten Franz von der Trenck (hier f 1749), sowie den italienischen Patrioten und Dichter Silvio Pellico (1822—1830), um schliesslich in eine Kaserne umgewandelt zu werden. Lieber die erste Erbauung der Stadt und die Gründer derselben fehlen sichere Nachrichten ; nach der gewöhnlichen Annahme ist die von PtolomäUS erwähnte Stadt Eburodunum an Stelle des heutigen Brünn gestanden. Als im Jahre 1241 Mähren von den Tataren bedroht wurde, sammelte Jaroslaus von Sternberg in Brünn seine Kriegsschaaren und brach von da gegen Olmütz auf, nachdem er zum Schutze der Stadt und des Spielberges eine Besatzung zurückgelassen hatte. Zwei Jahre später gab König Wenzel der Stadt ein berühmtes Stadtrecht, welches unter Anderem den Handel durch kluge Verfügungen begünstigte. Der ritterliehe König Przemysl Ottokar III. hielt sich öfters in Brünn auf, so auch im Jahre 1278, als ersieh zum Entscheidungskampfe gegen Kaiser Rudolf von Habsburg vorbereitete. Bald darauf wurde Letzterer in der Stadt feierlich begrüsst. Als Belohnung für den festlichen Empfang erhob der Kaiser Brünn zur freien Reichsstadt. Die Begünstigungen, welche König Johann von Böhmen und dessen Söhne, die Markgrafen Karl und Johann, der Stadt zutheil werden liessen, bewirkten, dass Brünn bereits um die Mitte des XIV, Jahrhunderts ein stark bevölkerter, reicher und ausgezeichneter Ort war. Im Jahre 1364 fand in Brünn eine glänzende Fürstenversammlung statt, bei der ein Erbvcreinigungs-vertrag zwischen den Häusern Luxemburg und Habsburg zu Stande

kam, und die Vermählung des Markgrafen Johann mit Margarethe Maultasch von Tirol stattfand. Johanns Nachfolger, der Markgraf Jodok, welcher die Stadt mit weiteren Vorrechten bedachte. Starb im Jahre 1411 als erwählter deutscher Kaiser in Brünn, woselbst er in der Kirche bei St. Thomas beerdigt wurde. 1428 vertheidigte sich die Stadt gegen die Hussiten und schlug sie aufs Haupt.

Eine besonders bcachtenswerthe Rolle spielte Brünn während des dreissigjährigen Krieges. Zum erstenmale erschienen die Schweden im Jahre 1643 in Brünn, wo sie unter dem kühnen Torsten-sohn einige Vorstädte in Brand steckten, zum zweitenmale aber im Jahre 1645. Während der Belagerung, welche 16 Wochen dauerte, legte die Bürgerschaft Staunenswerthe Broben von Tapferkeit und Ausdauer ab. Auch im Jahre 1742 wusste Brünn Beweise seiner Bürgertugend zu geben ; die Stadt wurde zwei Monate von den Breussen belagert, leistete aber so tapferen und erfolgreichen Widerstand, dass der Feind ebenfalls abziehen musste. Im November 1805 rückte Napoleon mit 30.000 Franzosen in die Stadt ein und bewohnte das Dicasterialgebäude (Statthaltereigebäude) bis zum Tage der Schlacht bei Austerlitz am 2. December.

1866 occupirten die Preussen durch drei Monate die Stadt. Mit diesem schliesscn die wichtigsten Denkwürdigkeiten der Geschichte der Stadt Br ünn ab.

Seit der Beseitigung der Festungsmauern in rascher baulicher Entwicklung nach aussen und Umbildung im Innern begriffen, ist Brünn seit langer Zeit auch ein wichtiger Punkt für einige Industrien, vornehmlich für die vaterländische Tuchindustrie — daher das »österreichische Manchester« — und die meist wohlsituirten Fabrikanten sind es auch, welche neben der erbgesessenen tüchtigen Bürgerschaft dem ganzen gesellschaftlichen Leben und Treiben das charakteristische Gepräge geben. Die Nähe von Wien und die Lage an zwei I fauptbahnen haben auch zu einem raschen Aufschwünge des geistigen und künstlerischen Strebens beigetragen.

Nicht zu unterschätzen ist die Bedeutung, welche Brünn als Ausgangspunkt für die vielen Besucher jener höhlenreichen, romantischen Umgebung besitzt, die als »Mährische Schweiz« weit und breit bestens bekannt ist.

BRÜNN.

LINZ.

lenn man von der Schwesterstadt Urfahr hinüberblickt auf das rechte Ufer des imposanten Stromes, so zeigt sich die Hauptstadt des schönen Landes ob der Enns in gar stattlicher Weise am Saume einer noch vor nicht langer Zeit fast seeartig weiten Ausbuchtung des Strombeckens, das heute durch einen Regulirungsdamm in anmuthiger Bogenlinie bis zum Umsehlagplatze auf der Strasserinsel eingeengt erscheint. Eine lange Häuserzeile dehnt sich dort aus, die modernes Gepräge trägt. Steht man auf der Brücke, welche das vornehmere Linz mit dem schlichter sich präsentirenden Urfahr verbindet, so schauen Einem aufwärts und abwärts der dahinziehenden Donau die lieblichsten Landschaften, von grünen Bergen begrenzt, entgegen. Der Freiberg, der Galgcnberg, das Calvarienkirchlein aus Waldgrün hervorgrüssend, der Felsvorsprung des Urlaubsteines, der Einbruch des Stromes, der Pöstlingberg mit dem Wahrzeichen der zvveithürmigen Wallfahrtskirche, der Auberg, die wechselnden Höhenlagen von Wald und WTiese — ein fesselndes, im Sonnenlichte goldumflossenes Gemälde.

Die Römer haben sich in Wort und Bild in Linz und seiner Umgebung verewigt. Die zahlreichen Ausgrabungen von Tempel-und Badeüberresten, von Denksteinen und Statuen, von Gefässen und Geräthen, kostbar und edel, von Waffen und Münzen, von Legionsziegeln und Meilensteinen, wie selbe in .und um Linz, namentlich bei der heutigen Stadt Enns — dem Lauriacum der Römer — geschahen und noch immer geschehen, erzählen, dass auf diesen Gefilden der Römer gelebt und geherrscht hat. Der Äckersmann zieht ruhig mit seinem Gespann auf dem heute fruchttragenden Boden dahin; das blanke Pflugeisen wirft Stücke geborstener Römersteine aus, die letzten Reste einstiger Grösse, einer hingst versunkenen Herrlichkeit, die Scherben des von deutscher Hand zerschlagenen Weltreiches. Das Museum von Linz birgt denkwürdige Römerfunde. Und so ist aus der kleinen Stadt Lentia der Römer, die ziemlich bedeutungslos zwischen Passau und Wien Big, im Laufe der Zeiten eine namhafte Handelsstadt geworden. Unter Carl dem Grossen ist von einer Burg und einer Kirche die Rede ; beide schenkte der Kaiser 799 dem Bisthume Passau.

Bau Säculum später ward hier eine Zollstätte für die zahlreich verkehrenden Donauschiffe errichtet und bald war aus dem Orte ein ansehnlicher Handelsplatz geworden. Die Babenberger umgaben das Städtchen im zwölften Jahrhundert mit Mauern und förderten dessen Gedeihen stets. König Ottokar von Böhmen erhob dieses Gebiet zu einem eigenen Verwaltungsbezirk unter dem Namen Oesterreich ob der Enns.

Die Entwicklung von Linz in Bezug auf Bauten und seine räumliche Erweiterung fällt mit dem Beginne des gegenwärtigen neunzehnten Jahrhunderts zusammen. Am 15. August 1800 verheerte nämlich ein furchtbarer Brand das Schloss, die Altstadt mit dem Bandhause, das ganze Viertel zwischen der heutigen Klosterstrasse und Hofgasse. Doch dieses Unglück blieb nicht lange auf den Gemüthern der Binzer haften, die in Freud nicht übermüthig, im Leid nie verzagt waren. Wir sehen tausend rührige Blande den Schutt wegräumen, die starren Mauern brechen, Wälle dem Erdboden gleichmachen, Gräben ausfüllen, was krumm gewesen, gerade machen, was uneben war, ausgleichen. Es wurde Raum geschaffen für eine des Landes würdige, ihrer reizenden Umgebung angepasste Hauptstadt. Als nach dem Sturze Napoleons der Völkerfrieden im Reiche einkehrte, als es ruhig wurde hüben und drüben, da ging es auch mit Linz aufwärts.

Linz ist die älteste Bahnstation der Monarchie, die Zweitälteste des europäischen Continents. Am 1. August 1832 wurde nämlich die Pferdeeisenbahn von Linz nach Budweis für den Personen- und Waarenverkehr eröffnet, und im Jahre 1836 die Strecke von Binz nach Gmunden angereiht.

Das landschaftliche Bild von Linz in seinem prächtigen Naturrahmen entrollt sich erst, wenn man eine der nahen Anhöhen besteigt, von denen namentlich der Jägermayrberg mit der Franz Josef-Warte die nächste, bequem zu erreichende und lohnendste ist.

Schliesslich wird das landschaftliche Bild von Linz in seinem vollen Reize gewiss dazu beitragen, bei den Fremden den Ge-sammteindruck der Landeshauptstadt von Oberösterreich zu einem angenehmen zu machen und der schönen freundlichen Donaustadt ein ehrendes Gedenken zu verschaffen.

SALZBURG.

u Füssen der Salzburger Alpen, in nächster Nähe der bayerischen Ebene und des herrlichen Salzkammergutes, in wundervoller Lage, breitet sich Salzburg innerhalb J eines Ringes stolzer Schlösser und anmuthiger Villen auf beiden Ufern der Salzach aus. Der Wechsel der im saftigen Grün lachenden Ebene mit der grossartigen Welt der Alpen, die ihre Ausläufer gewissermassen bis in das Weichbild der Stadt selbst hineinsenden, die zahlreichen glitzernden Wasserfälle und kleinen Seen, die sie umgeben, das Alles bietet ein Landschaftsbild von geradezu berückender Schönheit.

Wenn Alexander v. Humboldt die Gegend von Salzburg zu den schönsten der Erde Zählt und sie mit der von Neapel und Constantmopel zusammen nennt, nachdem er auf seinen Weltreisen das Herrlichste gesehen hatte, so bedarf es wohl kaum mehr rühmender Worte, um das berückende Bild der einstigen Bischofsstadt und ihrer malerischen l angebung nach Gebühr zu preisen. Zwischen zwei waldgrünen Hügelreihen, dem Mönchs- und Kapuziner-berg, eingebettet, liegt die innere, alte Stadt. Die grüne Salzach theilt dieselbe und eilt dann hinaus in die bayerische Ebene, die hier beginnt oder abschlicsst. Halb im Gebirge, halb im Thale baut sich die von einem Hauch italischen Lebens bewegte Gapitale auf, die durch zahlreiche Kirchen und Paläste aus der Kenaissance-und Zopfzeit ihren eigenen typischen Charakter gewinnt. Am meisten jedoch tragen zur Physiognomie Salzburgs die beiden Höhen bei, von denen die eine, der Mönchsberg, das majestätische Schloss I lohensalzburg, das Wahrzeichen der Stadt, weithin zeigt, während die andere, auf dem linken Ufer sich erhebende Berghohe, der Kapuzinerberg, mit seinem dunklen Patchenwald ein ßijou anderer Art ist. Im Schatten dieser beiden Felsen hatten wohl auch die ersten Ansiedler, die Kelten, Hütten gebaut und gelebt, bis die Alles bezwingenden Römer hier eine Colonie errichteten, die sie Juvavum nannten. Die Völkerwanderung vernichtete diese und liess nur Trümmer zurück. Im Vll. Jahrhundert wanderte ein christlicher Glauhensbote aus Kranken, Rupert mit Namen, ein, erhielt Grund und Hoden von dem Bayernherzog, dessen Besitz die wüste Gegend war, und Vbaute hier ein Frauenkloster auf

dem Nonnberg und die Kirche St. Petea, um welche sich bald eine Stadt erhob. Von da an bis 1803 blieb das Land in geistlichem Besitz und kam, nachdem es 1803 bis KSK) fünfmal seinen Herrn gewechselt hatte, in letzterem Jahre definitiv an Oesterreich: 1849 wurde es selbstständiges Kronland. Die meisten bedeutenderen Bauten stammen aus dem XVII. und XVIII. Jahrhundert,

haue Reihe bedeutender Männer wurde in Salzburg geboren und wirkte dort. Michael Haydn, der Bruder des grossen Com-ponisten Josef Haydn und selbst ein hervorragender Kirchen-componist, wurde am 14. September 1737 in Salzburg geboren und starb daselbst am 10. August 1800 als Capellmeister. Wolfgang Amadeus Mozart, Sohn des Vice-Capellmeisters Beopold Mozart, erblickte hier am 27. Januar 1756 das Licht der Welt. Er ist der horvorragendste und bedeutendste von Salzburgs Söhnen. Seine Frau Constanze, geb. Weber, ihrer Zeit eine berühmte Sängerin, mit welcher sich Mozart im Jahre 1782 vermählte, starb 1842 in Salzburg. Auch Hans Makart, der Malerfürst farbenprächtiger Frauenschönheit, zählt zu den Söhnen der Stadt. Und endlich wirkte hier in der Mitte des XVI. Jahrhunderts der berühmte Arzt und Naturforseher Philippus AureolusThepphrastus v. Hohenheim, genannt Bombastus Paracelsus, der 1541 starb und auf dem Sebastians-Friedhof begraben liegt.

Ein Hauptfaetor, der den Aufschwung der Stadt günstig be-einllusste, war die Eröffnung zahlreicher Eisenbahnen, welche Salzburg zum Knotenpunkt wichtiger Schienenwege machten. Lockte schon früher die unvergleichlich schöne Umgebung der Stadt zahlreiche Fremde an, so stieg der Krcmdenzulluss nach Eröffnung der verschiedenen Bahnen in ausserordentlicher Weise und wirkte in dieser Hinsicht die Nähe der Curorte Reichenhall und Berchtesgaden gleichfalls günstig ein. Nach der im Jahre 1861 erfolgten Abtragung der Befestigungswerke entstand auf dem rechten Salzachufer die lebhafteste Bauthätigkeit. Zahlreiche moderne Baiastbauten und Villen wurden errichtet und bald bildete sich, vom Bahnhofe auslaufend, ein neuer vornehmer Stadttheil. welcher im Verein mit dem malerischen Alt-Salzburg und gerade durch die scharfen Gegensätze beider, ein ungemein anziehendes Gesammtbild bietet.

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SALZBURG.

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GRAZ.

|ie Landeshauptstadt der Steiermark ist ausgezeichnet durch ihre reizende Lage, durch die anmuthigen Umgebungen der schönen Berge und Wälder, lieblicher Thäler und schmucker Gärten, welche die ganze Stadt wie von einem Kranze umgeben erscheinen lassen. Inmitten des sonnigen, anmuthigen Grazer Feldes strebt ein Berg empor, dessen grünes Massiv die Reste von Festungswerken trägt. Und an diesen Berg geschmiegt liegt Graz, das Juwel der österreichischen Alpenländer, die Stadt der Gärten und Haine, der Gegenstand freudigen Erinnerns für alle, welche je in seinen Mauern geweilt, das Ziel unbezwinglicher Sehnsucht für Viele, die aus der Ferne sein Lob singen und sagen gehört. Den galanten Franzosen verdankt die schöne Murstadt die schmeichelhafte Bezeichnung: La ville des gräces sur la rive de l'amour. Graz vereinigt, was sonst nur getrennt zu finden ist: die grosse Häusermasse liegt dicht zusammengedrängt in der Ebene, die letzten Ausläufer steigen aber jene bewaldeten Hänge hinan, in denen bereits der duftige Nadelwald seine erquickenden Gerüche spendet und die Schaar der fröhlichen Waldsänger ihr hundertstimmiges Concert zu den Fenstern hineinschmettert. Während der Liebhaber städtischen Lebens dasselbe auf engem, nicht zeitraubendem Räume beisammen findet, bietet sich noch innerhalb der Stadtgrenze dem Naturfreund die reichliche Fülle landschaftlicher Genüsse dar. Man lebt in Graz auf dem Lande und geniesst dabei die Annehmlichkeit einer Stadt. Den Brennpunkt des öffentlichen Lebens der Stadt bildet der Hauptplatz, welcher als hervorragendstes Gebäude das stattliche neue Rathhaus aufweist, sonst aber auch von anderen uralten, historisch und architektonisch interessanten Gebäuden umgeben ist. Mancher unserer edlen Herrscher ist bei seinem Besuche in Graz mit dem begeisterten Jubel der Bevölkerung über diesen Platz geleitet worden, manches glänzende Fest zu Ehren der geliebten Monarchen hat hier stattgefunden, aber auch traurige Tage nahten den stattlichen alten Bauten. Bleute ist das längst vorüber, das schöne Brunnenstandbild des geliebten Erzherzogs Johann, des Schutzgeistes der Steiermark, welches 1878 in Anwesenheit des Kaisers Franz Joseph I. enthüllt wurde, blickt auf das rege

Leben, auf das Marktgewührdes Hauptplatzes nieder und bleibt ein Erinnerungsdenkmal für die dankbaren Steirer. Ueber dem Hauptplatze ragt das Wahrzeichen der Stadt, der Schlossberg, empor, von dessen eigenartig geformtem Uhrthurm mit den riesigen Zifferblättern schon Jahrhunderte hindurch die Glockenschläge erschallen, während auf den höher liegenden ehemaligen Befestigungen sich jene mit denselben meistens verbundenen Bauten erheben, zu welchen heute die Drahtseil-Schlossbergbahn emporführt. Die schon im XV. Jahrhundert zum Schutze gegen die Türken angelegten Befestigungen wurden 1809 nach mehrmonatlicher vergeblicher Belagerung im Wiener Frieden den Franzosen übergeben, welche sie sprengten; doch wurde der obere Theil des Berges 1849 nochmals leicht befestigt. Auf derselben Höhe steht an der Südseite der fast überall in der Stadt sichtbare — bereits erwähnte — 16 m hohe Uhrthurm, etwas höher der 94 m tiefe Türkenbrunnen, auf dem Giebel der 18 m hohe Glockenthurm, ein 1574 errichteter achteckiger Quaderbau mit der grössten (docke des Landes (»Schlossbergliesl« 7200 kg schwer). Berühmt ist die Aussicht von dieser Höhe des Schlossberges auf die Stadt, den Lauf der Mur und den bevölkerten Thalkessel, von den schönsten Bergformen umgeben, ein Anblick, wie er wenige seinesgleichen hat. Der Sehlossberg ist ein von der Natur geschriebenes Gedicht, das umsomehr zum Herzen spricht, je öfter man darin liest, sein Stadlpark mit den grünen Matten, den lieblichen Baumgruppen, den bunten Blumenbeeten und den schattigen Alleen ein herrliches Bandschaftsbild, sein Hilmteich, in dessen Gewässern sich der dunkle Forst spiegelt, ein lauschiges Stillleben in froh bewegter Umgebung. Die geschichtliche Vergangenheit hat zahlreiche Denkmäler künstlerischen Wirkens zurückgelassen, welche den Alterthumsfreund manchen erhabenen Gcnuss bieten — der Bandschadenbundbecher ist ein europäisch berühmtes Werk und die herrlichen Reliquienschrcine im Dom haben bereits eine Literatur hervorgerufen — schöne moderne Leistungen stellen dem Schaffens* freUiigen Kunststreben der Gegenwart ein ehrendes Zeugniss aus. Graz ist also diejenige Stadt, in welcher das vom Weltgetümmel ermattete Gemüth sänftigende Ruhe, dauernde Anregung findet.

GRAZ.

INNSBRUCK.

[ingebettet in dem fruchtbaren Thalkessel liegt die Stadt, von vielen Kirchthürmen überragt. Steilen Gemäuern gleich hebt sieh im Hintergrunde die Nordkette der ' Bl Kalkalpen ; starr blickt die Felsgestalt der Frau Hütt von der 1 lochwildniss hernieder auf das blühende Innsbruck, in der Mitte des tirolischen Innthaies, in jener anmuthigen Thalweitung am Ausgang der gewaltigen Einsattlung, durch welche vom Brenner her das Hinke Beigkind, die rauschende Sill, dem Innstrom zueilt. Im Süden wird das Thal beerenzt von dem Zuge der formen-reichen ("entralalpen, die bald in weichen Kuppen, bald in kühnen Pyramiden sich aufbauen - stundenweit besäumt von dem wunderherrlichen, dörferreichen Mittelgebirge. Im Norden strebt die gewaltige Felsenmauer der Kalkalpen aus dem Thal empor, gekrönt von bizarr geformten Gipfeln, nur einem sehmalen Terrassenlande zwischen dem Fluss und dem jäh abfallenden Massiv der Gebirgskette Raum gewährend. Nach Ost und West scheint sich das Thal zu schliessen : dort legt das Urgebirge im Kellerjoche einen breiten Rücken vor, hier drängt das Kalkgebirge im Hochenberg mit der stolzen Martinswand einen seiner mächtigsten Pfeiler an den Inn, den Blick nur ahnen lassend, woher der Fluss kommt und wohin er geht. So liegt Innsbruck da, allseits vom Hochgebirge umrahmt, dessen Massen auf den Beschauer drückend wirken müssten, stünde die Stadt nicht auf breitem Thalgrund, dem grüssten, den das tirolische Innthal aufzuweisen hat. Die Gegend von Innsbruck ist überhaupt eine der »offensten, heitersten und .anmuthigsten des ganzen Bandes«. (Goethe.)

Innsbruck hat eine Hohe von 579 m über dem Meere und erweist sich auch hierin als die echte Stadt der Berge, denn unter allen verwandten Orten - verwandt durch Grösse oder Bedeutung ist die Stadt die höchstgelegene des gesammten Alpengebietes. Landschaftlich und klimatisch bevorzugt, ist Innsbruck umsomehr geeignet, zu längerem Verweilen einzuladen, als noch eine Reihe anderer Factoren dazu beitragen, den Aufenthalt in der Landeshauptstadt Tirols angenehm zu machen. Dies gilt namentlich für Jeden, der aus Gesundheitsrücksichten seinen Wohnsitz aus dem flachen Lande, aus der Stickluft unserer Grossstädte in eine

schein gelegene Stadt des Alpenlandes verlegen und dabei doch nicht jeden Anspruch auf die Freudigkeit der Geselligkeit aufgeben möchte. Innsbruck ist nicht nur eine der schönsten, sondern eine der gesündesten Städte des ContinentS. Wo am Berge Isel vor fast hundert Jahren feindliche Schaaren sich im blutigen Kampfe stritten, bat nun die Cultur, der Friede, eiserne Strassen gebaut, auf denen die Nationen sich entgegenkommen. Auf der Höhe des Berges steht die Frzgestalt des Helden Andreas Hofer und zeigt mit dem Finger in das Thal hinab. Es gilt aber nicht mehr den Kampf zu lenken wie einst, sondern nur hinzuweisen auf das blühende Gelände, wo nun die Enkel auf den Feldern, welche die Ahnen mit ihrem Blut getränkt haben, blühen und gedeihen. Das verschlossene Wesen des ddrolers aus vergangener Zeit ist gewichen, treuherzig tritt er jetzt dem Fremden, der ins Thal kommt, entgegen. Die Triumphpforte, welche Innsbruck gegen Süden abschliesst und die der Erinnerung an den Besuch des Kaisers Franz und der Kaiserin Maria ddiercsia geweiht ist, ist zu einer Pforte geworden, durch welche der frische Hauch der Neuzeit seinen Einzug hält in die reizvolle, liebe Bergstadt. In der Hofkirche halten aber Kaiser Max und die übrigen ehernen Helden Wacht, damit die alte strenge Sitte in Stadt und Land nicht verloren gehe. Schützend steht der letzte Ritter, der voll kühner Wagniss auf der Gemsenjagd emporstieg über die vom grellen Sonnenlichte umflossenen Wände der Martinswand, die im Westen aulragen. Das Haus mit dem historischen »goldenen Dachl« erinnert an den Erbauer Herzog Friede! mit der leeren Tasche -.

Während die innere Stadt, eng geschaart um die einstige Herzogsburg, noch getreu das Gepräge der mittelalterlichen Stadt bewahrt, zeigt das moderne Innsbruck breite, licht- und luftfrische Strassenzüge, in welche die stolzen Häupter der Bergesricsen freundlich hineingrüssen. Die Umgebung Innsbrucks ist so reich an landschaftlichen Reizen, dass der Naturfreund gerne längeren Aufenthalt nehmen wird, um dieselbe kennen zu lernen. Die grosse Abwechslung ist es namentlich und die daraus folgende Fülle von bald hochinteressanten, bald idyllischen Bildern, welche jeden Besucher Innsbrucks in hohem Grade fesseln.

INNSBRUCK.

INHALT DES I. THERES.

Seitenzahl

NIED ERÖSTERREICH von Ernst Keiter, Wien,

d) die Stadt Wien.......................................... 1 — 49

b) Umgebung von Wien....................................... 5o— 73

OBERÖSTERREICH von Ernst Keiter, Wien......................... 74— 97

SALZBURG von Ernst Keiter, Wien ................................ 98-121

SCHLESIEN von Prof. .1. Mat/.ura, Brünn..........................122-145

STEIERMARK von kaiseri. Rath Dr. Anton Schlossar, Graz.............146—193

TIROL von Ernst Keiter, Wien.....................................194-247

VORARLBERG von Ernst Keiter, Wien........................... 248 — 265

DIE HAUPTSTÄDTE der 12 bedeutendsten österreichischen Kronländer

von Julius Laurencic.........................................266 — 289

ostehreicH w Wort und Bild

VATERLÄNDISCHES JUBILÄUMS-PRACHTWERK.

EINE SAMMLUNG VON PRACHTVOLLEN PHOTOGRAPHISCHEN REPRODUKTIONEN DER HERVORRAGENDSTEN STÄDTEBILDER, BAUTEN UNI) MALERISCHEN LANDSCHAFTEN ÖSTERREICHS.

HERAUSGEGEBEN VON JULIUS LAURENCIC

UNTER MITWIRKUNG DER BEDEUTENDSTEN VATERLÄNDISCHEN SCHRIFTSTELLER UND KÜNSTLER.

II. THEIL.

WIEN

GEORCi SZKI.1NSKI. K. K. ITN l V K KSITÄTS - H l ICH H A NI) LI 'N( i I., STEPHANSPLATZ 6.

SARAJEVO.

\x die bosnische Landeshauptstadt Sarajevo vor zwanzig Jahren, als die österr.-ungar. Monarchie die Verwaltung m Hosniens und I lereegovinas übernahm, gesehen, der

würde sie heute wohl nicht wieder erkennen. Statt der früheren holperig winkeligen (lassen und Gässehen linden wir heute regülirte und neu angelegte, von asphaltirten Trottoirs ein-gefasste Strassen, die oft wild schäumende Miljacka mit einem praktisch angelegten Ouai versehen, im ebenen Theile die niederen bosnischen I lolzhäuschen durch prächtige solide Bauten ersetzt, und die ganze Stadt von dem Netze einer vortrefflich angelegten Hochqueilenleitung durchzogen. Nach zwei Richtungen durcheilt die stark belebten Strassen der elektrische Tramwaywagen, und wenn sich die Nacht herabsenkt, erstrahlt das so herrlich gelegene Sarajevo im Strahle der elektrischen Beleuchtung, einer Errungenschaft der allcrjüngsten Zeit.

Unser Bild, so gelungen es auch ist, vermag von dieser Stadt doch keinen vollständigen Begriff zu geben. Es zeigt die herrlich schöne Lage, die von weitgereisten Menschen selbst über die von ddllis gestellt wird und welche einen hervorragenden Reisesehriftsteller zu dem Ausspruche begeisterte: »Anmuthiges Sarajevo! wie ein Diamant aus der Umfassung von Smaragden, hebst du dich aus dem Grün der Ebene zu dem deiner Berge empor!« Wir sehen die wie aus einem Kiesengarten hervorlugenden weissen I läuser an den malerischen Bergeshängen des Trcbevic und Pasin-brdo, überragt von nahezu hundert schlanken Minarets, mit ihren leuchtenden Spitzen. Hechts im Vordergrunde erheben sich die imposanten zwei Haiais der Landesregierung, weiter oben die viel fensterige, aus der Türkenzeit stammende Kaserne, links davon der Kuppelbau der orientalisch-orthodoxen Metropolftäli-kirche und in (.leren Nachbarschaft die zwei Thürme der hübsehen katholischen Kathedrale, sowie das schlanke Minaret des grössten und schönsten muhammedanischen Gotteshauses Bosniens, der GhazLHusrev-Beg-Moschee. Oben auf steilem Felsenkegel liegt die Festung, heute wohl nur ein Merkzeichen bewegter Vergangenheit.

Das buntbewegte farbenreiche Strassenleben, welches, Gon-stantinöpel etwa ausgenommen, keine andere südeuropäische

Metropole aufzuweisen vermag, kann unser Bild ebensowenig darstellen, wie den wirklich grossartigen Anblick des neuen Ouais längs der brausenden Miljacka, welche die Stadt in zwei fast gleiche Hälften theilt; Wie das im reinsten maurischen Style gehaltene neue Rathhaus am Ostende der Stadt, das imposante bosnisch-hereegovinische Landesspital im reizenden KoSevothale, die prächtigen Schulgebäude, das neuerbaute Vereinshaus, das bosnisch-hereegovinische Landesmuseum und hoch manch' anderen Prachtbau- Die nebenstehende Abbildung eröffnet uns einen Ausblick vom Hügel Gorica am Westende der Stadt, jenem historischen Punkt des Stadtgebietes, wo Prinz Eugen von Savoyen für zwei Tage sein Hauptquartier aufschlug, als er 1697 seinen berühmten Streifzug bis in das Herz Bosniens unternahm und Sarajevo, welches seine Parlamentäre niederschoss, zur Strafe dafür bom-bardiren und plündern liess. . .

Ueber die Begründung Sarajevos ist nur Weniges bekannt. Funde, die das bosnisch-hereegovinische Landesmuseum birgt, weisen darauf hin, dass hier zur Römerzeit eine kleine Niederlassung bestan I. Dort, wo das heutige Oastell liegt, befand sich im NV. Jahrhundert eine feste Burg, welche den Namen Vrhhosnn fühlte. Um diese reihten sich nach und nach Wohnhaften, doch erst die Kroberung des Landes durch die Osmanen (140,T) gab diesem Orte Glanz, Ansehen und stetig wachsende Bedeutung. Mit diesem Aufblühen kam der stolze Name Bosna-Saraj (Hosniens Palaststadt, slavisch Sarajevo) auf.

Iii'; in die Mitte unseres Jahrhunderts war Sarajevo nicht die eigentliche Hauptstadt Hosniens, und doch mehr als diese, nämlich eine oligarchisch regierte Freistadt mit allen Vortheilen und Vorzügen eines binnenländischen Verkehrscentrums. Der Pascha oder Vali von Bosnien regierte in Travnik und durfte, wenn er Sarajevo betrat, nur zweimal vierundzwanzig Stunden mit seinem kleinen Gefolge daselbst verweilen. Erst Omer Pascha Latas konnte, nachdem er 1850 mit unerbittlicher Strenge den Aufstand der Bosnjaken gegen die Reformen des Sultans niederschlug, Sarajevo zum ständigen Sitze des bosnischen Vali wählen und die stolzen Hegs und Agas seinem Willen unterordnen.

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N 1 I 11.

DAS RATH HAUS VON SARAJEVO.

urchwandcrt man die Oarsija (das Handelsviertel) in Sarajevo in der Richtung zum Castell oder zum Bentbasi mit seinen vielbesuchten, unverfälscht bosnischen Kaffeehausgärten, so wird das Auge wie festgebannt haften bleiben an dem imposanten Prachtbau des neuen Rathhauses, das sich am oberen, östlichen Ende des Miljacka-i Hiais erhebt und im Jahre 1890 eröffnet wurde.

(deich einem Märchen aus Scheherzade's Rosenmunde muthet den Beschauer dies Werk tüchtiger Architekten an, die ihre Studien für dasselbe im sagenumwobenen Kairo und unter Spaniens heissem Himmel, dem elassischen Boden, der die herrlichen Reste arabischer Baukunst aus ihrer Blüthezeit bewahrt, gemacht. Ein glücklicher Gedanke war es, für das Rathhaus der bosnischen Landeshauptstadt den arabischen Styl zu wählen und denselben in allen ddteilen und Arbeitsgattungen consequent durchzuführen. Den gleichen Styl linden wir in Sarajevo auch sonst bei einer stattlichen Anzahl von Gebäuden aus dem letzten Decenium, so beispielsweise in der Scheriatsrichterschule, dem Meariffonds-GebäUde, den beiden Vakuf-Palais am Appelquai und in der Franz Josef-Strasse, ferner bei mehreren Privathäusern mit vielem Geschmack und vorzüglicher Wirkung durchgeführt.

Die Baufronten des Rathhaus-Gebäudes bilden ein fast gleichseitiges Dreieck und sind sie durch Kckthürme und Mittel] isalits entsprechend gegliedert. Das am weitest vorspringende Mittelrisalit zeigt einerseits effectvolle Flächenwirkungen, andererseits eine Auflösung in eine fünlachsige Loggia im Anschlüsse an den grossen, die Höhe zweier Stockwerke umfassenden Festsaal. Unterhalb der Loggia, befindet sich der Haupteingang mit anschliessendem reichen Vestibüle und dem folgenden sechseckigen Arcadenhofe.

Innerhalb dreier Jahre, 1894 bis 1890, wurde dieser Prachtbau nach den durch die Bauleitung der Landesregierung ausgearbeiteten Plänen aus Gemeindemitteln erbaut. Fast das gesammte Baumateriale stammt aus Bosnien, nur die Granitsäulen, schwarz und rosa, wurden aus Tirol, die Marmortreppen aus Ungarn und die Fayencen aus Zsolnay's keramischer Fabrik in Fünfkirchen bezogen. — Beim Eintritt in das Rathhaus durch den gegen Süden

(Miljacka-Seite) gelegenen Haupteingang gelangt man in das reichgeschmückte Vestibüle, an das der sechseckige Arcadenhof sich anschliesst, der sich construetiv aus der dreieckigen Grundrissform des Gebäudes entwickelt und mit reicher Zierlichte und einer prächtig wirkenden Glaskuppel überdeckt ist.

Von dem für festliche Anlässe bestimmten Centraihofe führt die in geschliffenem Marmor ausgeführte Prachttreppe, welche unser Bild zeigt, in das erste Stockwerk zti dem grossen, mit Gallerien und Orchesterraum ausgestatteten Festsaal, an den sich symmetrisch zwei grosse Nebensäle anschliessen. Obgleich vom Arkadenhofe, beziehungsweise von den Arkadengängen mit Benützung der anschliessenden Vorräume fast alle Bureaux und der Sitzungssaal directe zugänglich sind, stehen doch für gewöhnliche Amtszwecke zwei Traversen-Nebentreppen zur Verfügung.

Feenhaft schön wirkt das Kathhaus im nächtlichen Dunkel bei elektrischer Beleuchtung; Lichteffecte von eigenartigem Reize und die pittoreske Umgebung vereinigen sich zu einer überraschend herrlichen, durchwegs harmonischen Wirkung. Noch wäre zu erwähnen, dass die innere Ausschmückung dieses Prachtbaues gleichfalls auf das effectvollste durchwegs im orientalischen Style ausgeführt, ist. Mit Recht ist jeder Sarajlija stolz auf seine herrliche Beledija (Kathhaus) und bereitet es ihm Vergnügen, kann er den wissbegierigen Fremden dahin geleiten und aus seinem Munde Worte des Lobes hören.

Das an moderne Bauten gewöhnte Auge findet hier etwas Neues, noch nicht oder doch nur von Wenigen Gesehenes, und Erinnerungen an die Kunstwerke maurischer Cultur in Spanien, an Arabiens unvergängliche Bauwerke, an Kairo's Denkmäler aus der glanzvollen Kalifenzeit gewinnen im Betrachten dieser Schöpfung menschlichen Geistes frisches Leben und erwecken Bewunderung für jene, die in Bosniens reizender Hauptstadt dies selten schöne Werk der Baukunst erstehen liessen. Alles in diesem Prachtbau ist herrlieh schön, nichts findet sich, was den überwältigenden Eindruck, den der eigenartige Bau auf jeden Besucher übt, sturen könnte, und hochbefriedigt verlässt man die Hallen des Rathhauses, um die Erinnerung daran für alle Zeiten treu zu bewahren.

SERAJEVO. Rathhans,

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DAS LANDESSPITAL IN SARAJEVO.

jn der Entwicklungsgeschichte der bosnischen Landeshauptstadt wird die Errichtung des dortigen Lande:-spitals für immerwährende Zeiten einen der glänzendster. Marksteine bilden al - eines der lebendigsten Zeugnisse für die in Bosnien und der liercegovina in den letzten 20 Jahren vollführte Culturarbeit. Schon in den ersten Jahren nach Ueber-nahme Eosniens und der Hercegovina in die Verwaltung der österreichisch-ungarischen Monarchie war in der Provinz selbst in einzelnen Städten und Gemeinden eine ansehnliche Zahl vorzüglich eingerichteter Bezirks- und Gemeinde-Spitäler entstanden, aber gerade in Bosniens Metropole fehlte es an einer, der Stellung der Landeshauptstadt entsprechenden, modern eingerichteten Heilanstalt. Das aus der Zeit der türkischen Herrschaft stammende, aus einer Stiftung des um Sarajevo hochverdienten Pascha von Bosnien, Ghazi Husrev-Beg hervorgegangene Vakufspital erwies sich trotz vielfacher, nach und nach erfolgter Vergrösserungen und Adap-tirungen zuletzt doch als unzulänglich, ein Neubau als unabweislich.

So eidstand aus der Initiative des Ministers Benjamin von Kailay, dessen Verdienste um das Emporblühen des Landes, um dieConsoli-dirung seiner Verhältnisse heute die ganze Welt mit Bewunderung, das bosnisch-hereegovihische Volk mit unbegrenzter Dankbarkeit anerkennt, das im Sommer 1894 eröffnete Landesspital, eine Muster-anstalt ersten Range^ welche weit grösseren Ländern im.1 Städten zur Zierde gereichen würde. Zu gleicher Zeit wurde das Vakuf-Spital in eine Beol achtungsanstalt für Geisteskranke umgewandelt.

Im westlichen Theile Sarajevos, im Koäevothale, an den zur Bjelava-Mahala sanft ansteigenden Bergeshängen in den Jahren 1892 und 1893 erbaut, enthält das Landesspital neben einem Pavillon für interne Krankheiten und einer vollständig eingerichteten Gebär-anstalt noch Pavillons für chirurgische und Augenkrankheiten, dann für Syphilis- und 1 lautkranke mit insgesammt 250 Betten. I liezu kommen noch das Aufnahmsgebäude, die Wohnhäuser für die Äerzte und das Wärterpersonale, die Dampfküche, das Bade-haus, die Waschküche, verschiedene Wirtschaftsgebäude, die Leichenhalle, ein Crematorium und ein für du Kranke aul'nahms-fähiger, tsolirter Pavillon für Infectioriskrankheiten,

Inmitten eines gross angelegten Parkes in durchaus freier Lage ebenso zweckmässig als reizend situirt, gewährt das Landesspital einen selten schönen Anblick, lieber die Lösung aller architektonischen und consti'UCtiven Aufgaben hier ein Urtheil abgeben zu wollen, wäre gewagt, doch darf man wohl sagen, dass wir einer von ungewöhnlich reicher technischer Empirie zeugenden Arbeit gegenüberstehen. Die Schönheit der Können, die Gestaltungskraft der grossen Auffassung und die Pracht in der Gesammtwirkung muss man den Erbauern zuerkennen. Durch die Wirkung der con-trastvolien Horizontallinien, der gleichgeneigten Flächen der Dächer und der proportionirten Giebel ist ein Effect erzielt worden, welchen vielleicht keine zweite ähnliche Anlage der Neuzeit aufzuweisen hat. Die verhauten Flächen betragen circa 0500 m *. Hervorzuheben wäre noch die Canalisirung in Bctonrohrcanälen mit .Monierwänden und eigenartigen Syphons gegen Rückschlag der Canalgase. Die Heizung geschieht in den Krankensülen mittelst Ventilations-Füllreguliröfen mit Aussenluftzufuhr in Ganälen, sonst mittelst Kachelöfen, in den Oekoncmiegebäuden mittelst Dampf. Als Beleuchtung wurde elektrisches Licht gewählt.

Nach streng wissenschaftlichen Grundsätzen mit vollster Beachtung der neuesten Errungenschaften auf dem Gebiete der Medicin eingerichtet, bildet diese Heilanstalt, über die sich ärztliche Capacitäten von Weltruf, wie z. IL Geheimrath Virchow in Berlin äussert lobend äusserten, eine wahre Wohlthat für das band und schon jetzt, kaum wenige- Jahre seit der Eröffnung, ist die Inanspruchnahme des bosnisch-herccgovinischen Landes-spitales, zum überwiegenden Theile seitens der einheimischen Bevölkerung aller Confessionen eine so bedeutende, dass in kürzester Zeit die Erweiterung der meisten Krankensäle sich als unausweichlich nothwendig erweisen wird. Tüchtige Specialisten, als Leiter der einzelnen Abtheilungen aus der Monarchie an diese Anstalt berufen, stellen mit Feuereifer ihr reiches Wissen in den Dienst der Humanität, und so ist es erklärlich, dass sich das bosnisch-hereegovinische Landesspital trotz der kurzen Zeit seines Bestandes bereits einen, über die Grenzen des Landes weit hinausgehenden Ruf einer Musteranstalt erworben hat.

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SERAJEVO. Landcsspital.

JAJCE, DIE ALTBOSNISCHE KÖNIGS STADT,

uf einer isolirten Bergkuppe, die in scharfem Winkel emporragt, dessen Schenkel der über Felsenbänke schäumende Vrbasfluss und die in denselben hineinstürzende Pliva U bilden, liegt das ehrwürdige Jajce, Hosniens einstige

Königsresidenz. Ein gewaltiges Mauerpolygon, die alte Königsburg, überragt in ihrer ganzen Höhe die gleich Vogelnestern an den Ab-hängen malerisch gruppirten Häuser, welche m ihrer leichten, alt-bosnischen Hauart als Fnsemble das Urbild einer echt orientalischen, ganz eigenartig anmuthenden Stadt darbieten.

Ein herrliches Städtebild fürwahr entrollt sich hier dem mit der Hahn von Sarajevo über Travnik, mit der Diligence durch's K'amatlial aus Mostar oder durch die Vrbasklamm via Banjaluka ankommenden Touristen, und bewundernd wird sein Blick vor Allem an dem 30 m hohen Wasserfall der Pliva halten bleiben.

Und wenn er daraufhin die im natürlichen Fels gemeisselten Katakomben mit der Krypta, die alte Burg mit ihren Thiirmen und Bastionen, die Ruine der einstigen Lukaskirche mit dem schlank in die Lüfte aufragenden Campanile durchwandert, dann wird sich sein Blick zurückversenken in die Erinnerungen an jene blutigen Tage, in denen gerade an dieser Stätte dem bosnischen Königreiche im Jahre 1463 ein wenig ruhmvolles, aber desto schreck-lieberes Ende bereitet wurde. Aus Jajce musste der letzte bosnische Körnig, Stephan Töma8evi6, im Dunkel der Nacht flüchten, die Ver-theidigung der Stadt gegen das starke osmanische Heer unter Sultan Mehmed Fatih's Führung seinem Onkel Kadivoj anvertrauend. Als aber die Kunde kam, dass sich König Stephan in Kljuß dem ihn verfolgenden Mahmud Pascha gefangen gab, da sah der Befehlshaber der belagerten Burg ein, dass weiterer Widerstand nutzlos sei, und capitulirte. Vor Jajce fiel das Haupt des Königs unter den Schwertstreichen des Seheich-ul-Islam, Ali Bestam, vor den Augen des siegreichen Sultans. Der Weih nachtstag 1463 sali den ungarischen Heldenkönig Mathias Gorvinus Jajce den (bmaiicn wieder entreissen, und vergeblich blieben alle Bemühungen des im nächsten Jahre vor Jajce erschienenen Sultans Mehmed Fatih, sich der Stadt wieder zu bemächtigen, denn schon auf die Kunde hin, dass König Mathias mit einem starken Heere im

Anmärsche sei, gab der Sultan die Belagerung auf. Wenngleich sich Jajce in der Folge noch durch einige Zeit gegen die Stürme der andrängenden Osinanen tapfer hielt und t525 der croatische Banus Peter Keglevich zwei Belagerungen tapfer abschlug, so war das endliche Schicksal der Stadt doch schon besiegelt. Als nämlich 1527 Pascha Husrev-Beg mit seinem im Kampfe geübten Heer vor Jajce erschien, da musste sich die Stadt schon nach zehntägiger Belagerung ergeben, und Husrev-Beg durfte sich, da er gleich darauf auch noch den grössten Theil der bosnischen Krajina und einige Gebiete des heutigen Kroatiens eroberte, den stolzen ddtel eines Ghazi (Siegers) beilegen. Seither blieb Jajce bis zum Jahre 1878 im Besitze der Osmanen.

Heute ist Jajce ein kräftig emporblühendes Gemeindewesen mit lebhaftem Handelsverkehr, und kein Tourist, der seinen Weg nach Bosnien - Uercegovina nimmt, wird es verabsäumen, das liebliche Städtchen zu besuchen und dort einige genussreiche Stunden zuzubringen.

Nicht ganz 10 km. von Jajce entfernt liegt der schmucke Ort Jezero, den war, durch das T'ravniker Thor Jajce verlassend, nach einer köstlichen Fahrt in nicht ganz einer Stunde erreichen. Wir folgen dem Plivaflusse, dessen Bett mit Kelsen und Felsblöcken Übersät ist, über welche die Pliva in einer Reihe von Katarakten schäumend und tosend ihrem jähen Sturze in den Vrbasfluss zueilt. Der Ort Jezero liegt inmitten uralter mächtiger Bäume, wie die kühnste Phantasie es nicht in eine schönere Lage zaubern könnte. In einem Engthal, umgeben von hohen bewaldeten Beigen, breitet sich der untere See aus, ein tiefgrüner Wasserspiegel, wie ein echter Alpensee. Am Ende dieses Sees stürzt in herrlichen Kaskaden über einen breiten Kiegel von Klippen das Wasser des gleichfalls von der Pliva gebildeten 31/.. km. langen und über 600 m. breiten oberen Sees. Eine breite Landzunge trennt die beiden Seen, in deren Wasser sich der dunkle Porica mit seiner höchsten Spitze, dem Otomal, spiegelt. Jezero selbst, einst nicht mit Unrecht das »bosnische Venedig« genannt, ist ein entzückender Ort für Sommerfrischler, zu deren Bequemlichkeit ein Touristenhaus mit ausreichenden Schläfzimmern erbaut worden ist.

jajcb.

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ILIDZE.

|on Sarajevo mit dem Loealzuge in 20 Minuten erreichbar, liegt am Fusse des dichtbewaldeten Igman-Gebirges das Mineratbad llidze mit seiner, vom Universitäts-Professor Hofrath Dr. Ernst Ludwig als besonders werthvoll bezeichneten, überaus ergiebigen Therme von 58° C. Naturwarme. Vor etlichen Jahren noch ein höchst einfaches Bad mit einem blos wenige Personen fassenden Bassin und einem bescheidenen Hotel mit nur wenigen Fremdenzimmern, erstand hier, Dank der Fürsorge einer einsichtsvollen, weitblickenden Verwaltung in einer kurzen Spanne Zeit ein grosses Etablissement mit allen modernen Einrichtungen, die selbst den anspruchsvollsten Badebesucher befriedigen. Heute geniesst llidze bereits einen Weltruf, und ist es ein Lieblingsausflugsort der Bewohner Sarajevos geworden. Der im Jahre 1808 durch Bohrungen erschlossene mächtige Sprudel liefert in 2-1 Stunden eine Wassermenge von 13.800 Hektoliter. Das Wasser ist nach Professor Dr. Ludwig's Analyse charakterisirt durch einen beträchtlichen Gehalt an Glauhersalz, Chloriden, doppeltkohlensaurem Kalk und freier Kohlensäure. Von Schwefelwasserstoff und unterschwefliger Säure enthält es nur wenig.

banst, als die römischen Adler auch das heutige Bosnien beherrschten, bestand hier eine Cultur, deren Ueberreste noch heute unsere Bewunderung erwecken. In jene Zeit fiel die erste Glanzepoche von llidze, denn die dort hlosgelcgtcn Reste ausgedehnter Gebäude zeigen nebst prächtigen Mosaiken und Kleinfunden, dass an der Therme von llidze zur Römerzeit reges und luxuriöses Leben geherrscht, Mit der Zertrümmerung des römischen Reiches verfiel auch llidze, es versank in tiefen Schlaf, und erst die jüngste Neuzeit brachte den Kitter, der dies Domröschen zum frischen, blühenden Leben erweckte. Das Alt- und das Neubad, mit prächtig ausgestatteten Einzeln-cabinen und mehreren Vollbadhassins, das Moorbad, in dessen Küche vortreffliches Bflanzenmoor aus der Gegend von Zcpee zu kräftigen Moorbädern präparirt wird, ein separirtes Badehaus für muhammedanische Frauen und schliesslich ein aus 2 geräumigen Schwimmabtheilungen bestehendes Kaltbad int Zcljeznieatlusse

bilden das Bade-Etablissement. Drei hübsche, durch Wandelbahnen verbundene Hotels mit 10l> elegant eingerichteten Fremdenzimmern ermöglichen die gute Unterbringung der Curgäste, ein prächtig ausgestattetes Restaurationsgebäude deren Verpflegung. Im Parterre des grössten Hotels »Bosna« befinden sich luxuriös eingerichtete Localitäten für den gemeinsamen Aufenthalt der Curgäste als: Damensalon, Lesezimmer, Frühstückzimmer, Billard- und Spielzimmer. Ein kleiner zoologischer Garten mit einem Bärenzwinger, einem Teich für Wasservögel, einem Rehpark, einer Voliere und dergleichen, ausgedehnte, prächtig gepflegte Parkanlagen, mehrere Lawn*Tennisplätze, ein modern angelegter Platz für Radfahrer, ein Carroussel, Schiessplatz etc. bieten dem (niste vielfache, abwechslungsreiche Zerstreuung und Unterhaltung.

In nächster Nähe von llidze liegt der Ursprung der Bosna, zu dem unmittelbar aus dem Parke eine 3'/„km lange Promenade mit Fahr- und Reitallee führt. Mehr als 28 starke Quellen vereinigen sich da unmittelbar nach ihrem Austritte aus dem Schosse des leicht ersteigbaren, mit immergrünen d ;ixusbeständen bedeckten Igman zu einem stattlichen Flusse. Unter prächtigen alten Bäumen ist hier eine Restauration und ein bosnisches Kaffeehaus errichtet und können hier die Besucher in unverfälschter Gebirgsnatur schwelgen. Ein anderer genussreicher Ausflug ist zu dem am Bergabhange gelegenen muhammedanischen Dorfe Hrasnice und der gleichnamigen Quelle, einem Idyll im Walde. Für Hochtouristen lohnt sich aber ein Ausflug zum meteorologischen Observatorium auf dem 2007 Meter hohen Gipfel der Bjelaänica, in welchem sich auch Touristenzimmer belinden.

10 Minuten von llidze liegt östlich die landwirtschaftliche Station von Butmir, in nächster Nähe von dieser der selten schöne Rennplatz mit 2400 m langem Gelaufe, wo alljährlich stark besuchte Wettrennen für in- und auskindische Pferde stattlinden. Sonstiges Amüsement bieten noch tägliche Concerte der Badecapelle und manche gesellige Unterhaltungen. Einen ganz besonderen Vorzug hat aber llidze vor vielen anderen grossen Mineral-Bädern voraus, nämlich wahrhaft bescheidene Preise für alles zu einem angenehmen Leben Nothwcndige.

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ILIDäE.

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mostar, die hauptstadt der hercegovina.

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[wischen dem Ilum und dem Podvelez, zwei impo- j santen Gebirgskegeln in einer Länge von circa einer Stunde hei ziemlich geringer Breite an den schmalen Uferstreifen des Narentallusses sich erstreckend, liegt diese interessante Stadt, in der sich östliche und westliche Bauart, letztere von Dalmatien aus stark beeinllusst, fortwährend berühren, und dem ganzen Stadtbilde ein eigenartiges Gepräge verleihen. Von ihren 17.000 Einwohnern ist die eine Hälfte Mohammedaner, die andere zu fast gleichen Theilen Katholiken und orthodoxe Christen.

Nach der Ueberlieferung soll Mostar im Jahre 1440 von Kadivoj, der im Dienste des Vojvoden Stefan Kosaea stand, angeblich unter dem Namen Vitrinica begründet worden sein. Viele bestreiten, wohl nicht mit Unrecht, diese Annahme und schreiben der Stadt einen viel älteren Ursprung zu. Mag dem wie immer sein, zur Blüthe gelangte Mostar doch erst mit der türkischen Invasion, durch welche das Städtchen Blagaj, das frühere Centrum der alten Grafschaft Chlum (Ilum), verfiel,

Die interessanteste Sehenswürdigkeit Mostars ist die weltberühmte Narentabrücke (Bild rechts unten), welche den hier 38'S m breiten, in wild zerklüftetem, von grossen Felsblöcken eingefasstem Lette dahinraüschendeh Fluss in einem einzigen, schwindelnd kühnen Bogen überspannt, dessen Scheitelpunkt l(.)m über dem Wasserspiegel liegt, und dessen Spannung 27-34 m beträgt. Die vielfach geäusserte Annahme, dass die Brücke ein römisches Bauwerk sei, ist irrig; sie ist vielmehr zweifellos das Werk eines italo-dalmatinischen Baumeisters aus dem türkischen, oder dem demselben unmittelbar vorangegangenen Zeilalter. Ein türkisches ChrOnosticon im Schlusssteine des Brückenbogens lautet: •• Kit drei kancri« ~— »Bogen der göttlichen Macht« und ergibt nach dem Xahlcnwerthe der einzelnen arabischen Schriftzeichen das Jahr 074 nach der Hedzra (1566 nach (dir.). Die Brücke ward von Thorthürmen llankirt, die sammt ihr im Volksmunde »Grad» (die Burg) genannt werden. Diese Thürme sind halbkreisförmig, mit ungemein dicken Mauern, und dienten zur Zeit der türkischen Herrschaft theils als Pulvermagazine, theils als schwere Kerker. Heute haben sie natürlich jede Bedeutung verloren.

Herrlich schön, unvergleichlich malerisch ist Mostar im jungen saftigen Frühlingsgrün, im Blüthenschmucke seiner reichen Obstgärten und der vielen Granatbäume, und nicht mit Unrecht nannte ein Mostarer Kind, der berühmte türkische Dichter Derviä-Pascha, welcher 1004 nach der 1 ledzra (1500 nach Ohr.) Vezir von Bosnien war, seinen Geburtsort den »Garten Eden«, zu dessen Lobe Clin freier Uebersetzung singt:

»O Herz! wundere dich nicht, wenn dich Mostar bezauberte. Nirgends auf der weiten Welt fand ich solch' balsamische Düfte, welche das Herz wonnig schlagen lassen. Mit seinen Gewässern und reichen Fruchtbäumen kann es sich mit Palästina messen, Seine Brücke mit ihren zwei ddiürmen gleichet dem Himmelsgewölbe, auf dem die Sternlein ihre Bahn wandeln. Und wenn Du die ganze Welt absuchst, nirgends wirst Du ein solch' herrliches Plätzchen linden, wie Mostar, dem gewaltige Helden des Schwertes und der Feder entsprossen.«

Mostar ist das Gentrum des gleichnamigen Kreises, der Hercegovina. Dort pulsirt kräftiges Leben, gedeiht Handel und Gewerbe, und die Entwicklung dieses gut geregelten Gemeindewesens nimmt raschen Aufschwamg. Line vor wenigen Jahren entstandene Wasserleitung von der reizend gelegenen mächtigen Radobolja-Ouelle versorgt die Stadt mit vorzüglichem Wasser, eine Weinbaustation im nahe gelegenen Gomionica fördert den Weinbau und die Tabakfabrik verarbeitet den weltberühmten herce-govinischen Tabak zu duftenden Cigarretten- und Pfeifentabaksorten, Für die geistigen Bedürfnisse sorgen ein Obergymnasium, eine Handelsschule und eine höhere Mädchenschule.

Das trefflich eingerichtete prachtvolle Hotel »Narenta« (Bild links oben) bietet dem ToUristehj der gerne seine Schritte nach der hereegovinischen Hauptstadt lenkt, eine behagliche Unterkunft.

Der Weinbau ist um Mostar recht bedeutend und das Gewächs von geradezu Vorzüglicher Güte. Der Wein, von dem die goldgelbe Zilavka, die dunkelrothe Blatina und die zartrosige Skadarka die besten Sorten sind, wird bereits in grossen Mengen selbst bis nach Brasilien exportirt und kann sich mit den besten Marken Sämmtlicher europäischen Weinländer messen.

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MOSTAR.

POCITELJ.

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er Bahnzug, welcher uns in Mctkovic, der auf dalmatinischem Boden gelegenen Ausgangsstation der bosnisch-hercegovinischen Staatsbahnlinie Metkovic— Sarajevo aufgenommen, hat die schmucke Station Capljina mit ihren grossen Tabakmagazinen passirt und saust unter schrillem Pfeifen der Locomotive in das beim Dorfe Dretelj beginnende Karstdefile. Die Bahn fährt am Bergesabhange dahin, rechts durch die Narenta begrenzt, che hier ein sehr felsiges Bett besitzt und stellenweise in schäumenden Kaskaden ihre grünen Finthen zur Adria wälzt. Die Vegetation bleibt stets die gleiche südliche, der Anbau des Bodens wird immer besser, und auf den 1'eidern arbeiten die hercegovinisohen Bauern in allen möglichen Volkstrachten. Neben den rothen Kopftüchern und Turbans der Katholiken sieht man den Fez oder den wcissgelben und geblümten Turban der Muhammedancr. Tabak- und Weingärten wechseln mit Getreidefeldern, alles steht im üppigsten Wüchse. Die Wege sind mit riesigen Feigen- und Obstbäumen bepflanzt; erstere wachsen auch wild in unzähligen Mengen, ganze Haine bildend. Ueberau aber leuchtet das Roth der Granatblüthe bis zu den Spitzen der Berghänge hinauf. Da bleibt plötzlich das Auge überrascht haften an einem schmucken Städtchen, das jenseits des Narentaflusses in einer tief eingeschnittenen, steil abfallenden Felsmulde eingebettet ruht. Ks ist Boeitelj, eine Peile von einem Stadtbild, welches uns lebhaft erinnert an irgend eine südspanische oder syrische Ortschaft. Von zinnengekrönten, auch heute noch gut erhaltenen Ringmauern und festen Thürmen umgürtet, nistet Boeitelj in seiner felsigen Mulde, wie in einer vertical durchsägten Schale. Ausser den befestigten Thürmen stechen zumeist eine stattliche Kuppel-Moschee mit ihrem schlanken Minaret, daneben eine hohe Cypresse und zur rechten Hand die Sahat-kula (Uhrthurm), ferner das grosse Wohnhaus der einstigen Kapetane (Befehlshaber) von Pocitelj, der reichen Begs Gavran-Kapetanovic in's Auge, d'errassen-förmig steigen die schmucken, mit Steinplatten gedeckten Häuser am Bergrücken empor.

Wenige Feigen-, Aprikosen-, Mandel- und Pfirsichbäume bringen etwas Grün in das hie und da in's Sandgelbe oder Rost-

farbige spielende Aschgrau der gegen die Narenta steil abfallenden Felswände, über welchen sich der durchsichtige blaue Azur des 1 limmels wölbt.

Einer vielbewegten und stürmischen Vergangenheit darf sich dies eigenartige Karststädtchen rühmen. König Mathias Corvinus, dessen Macht sich bis hieher erstreckte, nennt Poeitelj 1400 ein »Excelleiüissimum Castrum* und beauftragt die Ragusäer, seinem Vojvoden Huntsky Vrctualien zuzuführen, weil es im Interesse Ragusas liege, die Burg PoSitelj, deren Bewohner aus verwegenen Korsaren bestanden, zu erhalten. Schon im vorangegangenen Jahre hatten die Ungarn eine feste Brücke über den Narentafluss gebaut (vielleicht jene im heutigen Mostar), um den Verkehr von der Adria via PoOtelj nach dem Innern Bosniens möglichst zu erleichtern. Die Aufsicht des Brückenbaues führt Janos Rozgony, Ragusa stellt den Baumeister Namens Baskoje, Geld und Baumaterialien bei. Ueberhaupt fand Boeitelj, welches eine starke ungarische Besatzung hatte, kräftige Unterstützung seitens Ungarns und Ragusas; beispielsweise werden dem Poßiteljer Vojvoden Paul Sandar im December 1407 von der Republik für 32 Fusssoldaten je zwei Ducaten Sold pro Monat bewilligt und Pulver, Pfeile und Victualien geliefert.

Mit der türkischen Invasion blieb dem Städtchen sein Charakter als fester Platz erhalten und behielt es diese seine Bedeutung bis in das gegenwärtige Jahrhundert. Obgleich Pocitelj nach und nach für den Handelsverkehr mit dem benachbarten Dalmatien, welcher im Kaufe der Zeit günstigere Wege einschlug, an Bedeutung einbüsste, war dieser Ort unter der türkischen Verwaltung doch der Sitz eines Kajmekams (Bezirksvorsteher). Heute ist Poeitelj der Sitz einer ExpOSitur des Bezirksamtes Stolac. Ks zählt 188 Häuser mit 710 Einwohnern, von denen 537 muhamme-danischer Religion sind.

Die Nachkommen der verwegenen Flibustier, die einst die Narentamündung und die adriatische Küste unsicher machten und selbst der gewaltigen Republik Venedig zeitweise zu trotzen wagten, sind ruhige Bürger geworden, die jedem Reisenden, der ihr liebliches Felsennest aufsucht, gastfreundlichste Aufnahme gewähren.

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KONJICA.

u beiden Seiten des zur Adria eilenden Narentaflusses, in einem lieblieben Thalkessel von 270 m Seehöhe zwischen hohen Bergen eingebettet, dehnt sich das Bezirksstädtchen Konjica aus. Im Mittelalter war diese Stadt ein wichtiger Grenzort zwischen dem Königreich Bosnien und der Grafschaft Chlum, der späteren Hercegovina. liier wurde 1446 der Reichstag des bosnischen Königreiches abgehalten, welcher wichtige Beschlüsse gegen die einst so mächtige und vielverlolgte Seete der Bogumilen (Patarener) fasstc, in Folge welcher 40.000 Bogumilen aus Bosnien nach der Grafschaft Chlum auswanderten, wo sie von den dortigen Gewalthabern mit offenen Armen aufgenommen wurden.

Auch zur Türkenzeit war Konjica ein wichtiger Platz, über den fast der ganze Handelsverkehr zwischen Bosnien und den Häfen des Adriatischcn Meeres seinen Weg nahm. Eine hübsche, die beiden Stadttheile verbindende Bogenbrücke über das tief eingerissene Bett der Narenta wird als von dem, aus einem bosnischen Geschlechte abstammenden Grossvezier Ahmed Pascha Sokolovic erbaut bezeichnet. Auch heute ist Konjica ein wichtiger Bezirksort mit lebhaftem Handelsverkehr, speciell in Holz, Obst und Wein, an der Bahnlinie, welche von Sarajevo über den Ivan nach Mostar und von da zu dem dalmatischen Hafen Metkovic führt.

Von Konjica eröffnet sich ein prächtiger Ausblick auf die schneebedeckten Ausläufer der Prenj-planina mit ihrer höchsten Spitze, dem Lupoglav (2102 m) und lohnt sich eifi Ausflug zu dem herrlichen, inmitten einer imposanten Gebirgslandschaft (020 m Seehöhe) gelegenen, an Forellen und Lachsen überreichen Borke-See (405 m über der Adria). Durch saftig grüne Gesträuche auf der Dolovska strana, tiefdunkle Waldbestände auf der Crnagora begrenzt zeigt sich in der Tide der dunkelgrüne See, ein wahres Meerauge, so verschieden in seiner Farbe von den übrigen herce-govinisehen Seen. In etwa vier Marschstunden ist der Borke-See von Konjica leicht zu erreichen. Nach den neuesten Aufnahmen misst derselbe 26*42 Hcctar, seine grösste Länge ist 780 m, seine grösste Breite 402 m; die grösste Tiefe beträgt 174 0 m. — Line im Volksmunde noch heute lebende hübsche Sage bringt

diesen See mit der Entstehung Konjicas in Verbindung. — »In dunkler Vorzeit, als noch die Heiligen auf dieser sündhaften Welt zu wandeln pflegten, kam in die damals am Borke-See bestandene Stadt ein frommer Pilger. Die verderbten Städtler blieben taub für sein Flehen um Obdach und Nahrung, doch eine mitleidige, arme Writwe, die nichts besass als einen Sohn und ein Pferd, gewährte ihm, einer Regung ihres frommen Herzens folgend, beides. Als der Heilige am nächsten Morgen weiter wanderte, sprach er zur Witwe: »Noch heute wird diese Stadt wegen der Sünden ihrer Bewohner von Gottes Strafgericht ereilt werden. Fleuch also von hinnen, Du und Dein Kind; ziehe weit weg von hier, und wo Dein Pferd mit dem rechten Vorderhufe dreimal die Erde scharrt, dort siedle Dich an, und es wird Dir und Deiner Nachkommenschaft wohl ei gehen.« Augenblicklich befolgte die Arme diesen Rath. Sie lud dem Pferde ihre wenigen Habseligkeiten auf, fasste ihr Söhnlein an der Hand und zog von dannen. Als sie vom nächsten Berge den letzten Blick zur Heimat sandte, da sah sie mit Grausen, wie die Stadt in die Erde versank, wie an ihrer Stelle die Wogen eines plötzlich entstandenen Sees flutheten, über dem der sonderbare Fremdling gleich einem Nebelbilde schwebte, um alsbald in den Lüften zu verschwinden. So entstand der Borke-See. Mutter und Sohn zogen weiter und verfolgten den Lauf des Flusses (Narenta), den ihnen der alte Wanderer bezeichnet hatte. Plötzlich blieb das Pferd stehen. Mit dem Zurufe: yHajde, hajde, moj konjicm (Vorwärts, vorwärts, mein Pferdchen) munterte das Mütterchen ihr gutes Thier zum Weiterschreiten auf, doch als es dreimal mit dem rechten Vorderfusse die Erde scharrte, da erkannte das Weib, dass es ihr und ihrem Sohne von Gott beschieden sei, an dieser Stelle ihr neues Heim zu begründen. Dort bauten sie sich eine Hütte und nach wenigen Jahren heiratete ihr Sohn ein bi'i ives Mädchen. Das Anwesen gedieh von Tag zu d'ag, denn es ruhte Gottes Segen auf dieser Familie. Zu ihr gesellten sich die Verwandten der jungen Frau und bald entstand ein blühender Ort, dem zur Erinnerung an das Pferdchen, das durch sein Scharren die Stelle zu dieser Ansiedlung bezeichnet hatte, der Name Konjic oder Konjica gegeben wurde.«

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KONJICA

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DIE LAN DE SÄ RARISCHE LANDWIRTSCHAFTLICHE STATION IN ILIDZE-BUTMIR.

Of wenig mehr als zehn Jahren waren die landwirth-schaftlichen Verhältnisse Hosiiiens die denkbar primitivsten. Der bäuerliche Landwirth pflügte und eggte ^1 den Boden mit dem hölzernem Pfluge, an dem blos die Pflugschar von Eisen war. Das Getreide brachte er zum Druschplatz auf durchwegs hölzernen Wägen von colossalen Dimensionen, deren Räder fast immer die Kreisform vermissen liessen, an denen auch nicht ein Eisennagel zu finden war, und die sich durch ihr entsetzliches Gequietsche schon von ferne ankündigten. Die Kgge vertrat ein aus dem nächsten Gebüsch geholter, mit einigen Feldsteinen beschwerter Dornbusch. Sah man dieses Geräthe und das Hantiren mit demselben, so glaubte man sich in die dunkle Vorzeit des Landes bei Lebzeiten seiner illyrischen Ureinwohner versetzt, und so Mancher mochte von dem Gedanken beherrscht worden sein, dass die Hebung der eigentlichen praktischen Landwirthschaft in einer absehbaren Zeit in diesen eulturell zurückgebliebenen Ländern nicht recht möglich sei.

Aber auch auf diesem, wie auf so manchem anderen Gebiete wurde mit weitreichendem Blicke und richtigem Vcrständniss ein entscheidender Schritt mit gar nicht geahntem Erfolg unternommen, denn schon im Jahre 1886 wurden aus Landesmitteln zwei land-wirthschaftliche Musterhöfe in Modrid und Gacko errichtet, denen im Jahre 1893 zwei weitere in Livno und llidze, dem herrlichen Schwefelbade in Sarajevo's nächster Umgebung, folgten; diese letztgenannte hübsche Anlage mit ihrem reichen Bestände an Kindern der Müllthaler Race im Vordergrunde zeigt unser Bild.

Diese landwirthschaftliche Anstalt ist eine ganze I Iäusergruppe. Der eigentliche Wirthschaftshof Umfasst die beiden Viehstallungen sammt Futterkammern und Schüttböden, ein Molkereigebäude mit angebautem Eiskeller sammt Dampfkessel, Kutterdämpfapparaten, Wasserreservoirs Ü.s. W- Für die Beamten und die Zöglinge ist ein hübsches Wohnhaus errichtet, in welchem sich auch die Schul* Idealitäten für letztere befinden. Die Station besitzt einen guten Abnehmer für ihre Erzeugnisse an dem Bade llidze selbst und an Sarajevo. Butter und Milch, vortreffliche Käse und Gemüse, ferner Obst aller Arten werden in grossen Quantitäten dahin abgesetzt.

Die landwirtschaftlichen Stationen sollen für die einheimische Bevölkerung des Umgebungsgebietes nicht blos als Muster eines geregelten, nach modernen Principien geführten landwirtschaftlichen Betriebes dienen, sondern es werden in dieselben circa 100 Bauernjünglinge in einen dreijährigen Curs als Lehrlinge aufgenommen, nach dessen Absolvirung sie auf ihren Stammbesitzen wirthschaften und die erworbenen praktischen Kenntnisse zu Nutz und Frommen ihrer Angehörigen verwerthen können. Ausserdem verfolgen diese landwirtschaftlichen Stationen den ferneren Zweck, als Pepinieren für die zur Landesviehzucht erforderlichen Zuchtthiere zu dienen und das zur Regenerirung der einheimischen Saatfrucht erforderliche Saatgut zu produciren.

Glänzend haben sich diese landwirthschaftlichen Anstalten bewährt, desgleichen die zur Förderung des Obst- und Weinbaues nach gleichen Grundsätzen aus Landesmitteln in Mostar, Dervent und Lastva ctablirten Obst- und Weinbaustationen, dann die Obstbaumschule in Travnik. Hier werden begabtere Bauernsöhne zu tüchtigen Weinbauern ausgebildet, und von hier aus erhält der bäuerliche Landwirth gratis veredelte Obstbäume aller Arten, Edelreiser und Rebensetzlinge.

Durch importirte Müllthaler, Wippthaler und Zuchtrinder der ungarischen Steppenrace, durch die Etablirtmg des Staatshengsten-depöts in Sarajevo mit seiner Mostarer Filiale, durch eine in Prijedor bestehende Geflügelzuchtanstalt, durch Verabfolgung guten Ackergeräthes und durch viele andere Massnahmen, deren Aufzählung an dieser Stelle zu weit führen würde, wurde nunmehr die Landwirthschaft Bosniens und der Hercegovina in fortschrittliche Bahnen gelenkt, die diesen herrlichen Ländern eine günstige Perspective in die Zukunft umsomehr eröffnen, als parallel zu dieser ganzen Action in allen Bezirken des Landes seit 1886 besondere Vorschusscassen für die bäuerliche Bevölkerung tinter dem Namen »Bezirksunterstütztingsfonde« begründet wurden, die, gegenwärtig bereits mit einem Capital von 1,300.000 iL und einem gleich hohen Reservefond dotirt, zum Segen des kleinen Landwirthes, der in früherer Zeit unsäglich unter dem Drucke des unglaublichsten Kornwuchers litt, wirken.

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BUNA-QUELLE UND PONOR.

letllge Kilometer von Mostar entfernt liegt der kleine Flecken Blagäj, einst der Sit/, der Grafschaft Chlum (Chulm, Muni), wie die Hercegovina im Mittelalter &^*^al,' hjcss. Links von der, mit roth blühendem Granatgebüsch eingesäumten Kahrstrasse ragen auf einem isolirten steilen Felskegel zwischen dem Podvclcz und der Duhrava die Ruinen einer imposanten, mittelalterlichen Burg mit Zinnen und drei Thürmen in die Höhe; es ist dies die einstige Residenz der gewaltigen Familie Kosarn, welche durch Jahrhunderte die Grafschaft Ilum beherrschte und nach der türkischen Invasion ausstarb, nachdem vorher noch einer ihrer letzten SprÖsslinge, sin Sohn des Vojvodeh Stefan KosaGi, zum Islam übergetreten war und es unter dem Xamen Ahmed Hercegovie zum Pascha und GröSSVezir brachte. Stefan Kosara, der Lehensträger des Königs Thomas Ostoiö von Bosnien, hatte sich der Oberhoheit desselben entzogen und sich unter diejenige des deutschen Kaisers (1440) gestellt. Hiefür erhielt er den deutschen Herzogstitel. Es ist jetzt still und öde in der einst so prächtigen Burg »Stjepangrad«, zu der der Zugang ein ziemlich beschwerlicher ist. Ihre Grundrissform bildet ein unregelmässiges Viereck", welches die ganze Felsenspitze bedeckend von einer Zinnenmauer umgeben, und mit drei Thürmen, zwei gegen Osten, einer gegen Südwesten, versehen ist. Von ihr eröffnet sich ein prächtiger Ausblick in die Eberte von Mostar und in der Richtung auf Xevesinje.

Unterhalb der Burg öffnet sich am Fusse eines mächtigen, überhängenden Felsens ein gewaltiges Grotten-Thor, das wie der Eingang in die Unterwelt anmuthet und dem in plötzlicher Unmittelbarkeit der Bunafluss entquillt. Den Boden dieser, vom geisterhaften, bläulichen Dämmerlicht beleuchteten Grotte bildet ein ruhiger, tief blauer Wasserspiegel, in welchem Unmassen von Forellen ihr Spiel treiben. Den dJiorbogen bilden herrliche Stalaktiten, in deren Löchern und Spalten Tausende von Felstauben nisten. Zur Linken der Grotte lehnt, an den Felsen hingeklebt, das zerfallene Mauerwerk des von Ali Pascha Rizvan-begovie in den Anfangsdecennien dieses Jahrhunderts erbaLiten mohammedanischen Klosters (Thekla) sammt Moschee. Ein herab-

gestürzte!' Felsblock zertrümmerte vor etwa dreissig Jahren den grÖSSten Theil dieses Bauwerkes; nur ein kleines Häuschen blieb verschont. Dieses birgt die Grabstätte eines frommen Muselmannes, zu welcher alljährlich viele Gläubige wallfahren. Ein Held war dieser fromme Mann, der für den Islam kämpfend liel und manches Wunder vollführte, weshalb er als Heiliger verehrt wird. Seine Waffen: ein Streitkolben und ein Säbel hängen an der Wand des Zimmers, das seinen Sarkophag birgt. Ein Wächter betreut diese Ruhestätte und allahendlich stellt er zu derselben einen Wasserkrug sammt Handtuch, denn der Heilige verrichtet, wie es der Volksglaube annimmt, allnächtlich die religiösen Waschungen, was der halbgeleerte Krug und das feuchte Handtuch am frühen Morgen bezeugen.

Eine Eigentfiümlichkeit der Karstgebiete der Hercegovina und des langgestreckten, von Nord nach Süd streichenden breiten, fruchtbaren »Livanjska-polje«, eines terassenförmigen Hochplateaus in Westbosnien, bilden die Schlu ndllüsse, welche am Ende ihres oberirdischen Laufes in Felsspalten des Karstes plötzlich verschwinden, um auf unterirdischem Wege ihren Lauf zum Strande des Adriatischen Meeres fortzusetzen. Die Abschlussöffnung eines solchen Schlundflüsses, »Ponor« genannt, zeigt unser zweites Bild. Durch Verstopfung des Ponor mit Erde, Schlamm und Gestrüpp wird der Abfluss der von den Sehlundllüssen im Winter und im Vorfrühling geführten gewaltigen Wassermengen behindert; es entsteht dann eine Ueberschwemmung des ddialbeckens. Solche Inündationen lagern immense Schlammmassen ab, deren befruchtende Bestandtheile nach Abfluss des Wassers hohe Humusschichten bilden, durch welche sich die Fruchtbarkeit solcher Thal-becken bedeutend erhöht. Doch muss der Abfluss der Wassermengen zeitgerecht erfolgen, soll nicht die Bestellung der Aecker empfindlich behindert sein. Um dies zu erreichen, hat die bosnische Verwaltung im Gebiete dieser Schlun jflüsse zweckdienliche Amelio-ratioften durchgeführt, die sich zum Wohle der dortigen Landwirtschaft durchwegs vorzüglich bewährten, denn weite Gegenden, die bis vor wenigen Jahren Sümpfe bildeten, sind heute fruchtbares Acker- und Wiesenland.

BUNA-QUELLE.

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EIN BOSNISCHER MUSTERBAUERNHOF.

lern der conservative, in starres Festhalten am Althergebrachten ausartende Zug im Charakter des bosnischen Volkes bekannt ist, den wird es einigermassen in Verwunderung versetzen, wenn er einen jener bäuerlichen Musterhöfe betritt, die in den letzten Jahren an mehreren Punkten des Landes eingerichtet wurden. Das Wesen solcher bäuerlicher Musterwirtschaften besteht darin, einzelne Bauernanwesen unter der Anleitung und ständigen Autsicht eines landwirthschaftlichen Fachbeamten jener landwirthschaftlichen Station, in deren Bereich dieses Anwesen liegt, mit den gegebenen Mitteln des betreffenden Bauers einer rationellen Wirtschaft zuzuführen, wobei dem häuerlichen Landwirt seitens der Station auch materiell durch Erfolgung von Saatgut vorzüglicher Qualität, sowie durch Zuwendung kleinerer Geldbeträge zur Adaptirung von Stallungen und der übrigen Wirtschaftsgebäude fördernd an die Hand gegangen wird. Solche Bauern - Musterwirtschaften bestehen dermalen in den Bezirken Livno, Gacko und Gradaßac und alle gedeihen vortrefflich, Dank den Bemühungen der Regierung und der gesunden Sinnesart der bosnischen bäuerlichen Bevölkerung, bauen solchen bäuerlichen Musterhof im Dorfe llasiei bei Modric in der bosnischen Saveniederung zeigt unser Bild,

Betrachten wir diese Wirtschaft etwas eingehender, reberall im Hause und Stalle, in der Scheune und auf dem Felde linden wir zweckmässige Anordnung und Reinlichkeit. Statt der plumpen alten Ackergeräthschalten linden wir hier erprobte, moderne, gute praktischer Construction; im Stalle stehen gut gewartete Rinder importirter Racen; die Frucht, die der Bauer von der letzten Ernte vorweist, zeigt ein reines, schweres Korn; in der Milchkammer hantirt die fleissige Bäuerin in ihrem malerischen Nationalcostüm bei ihren Molkercivorräthcn, und überall sehen wir spiegelblankes, von der alten Form sich vorteilhaft unterscheidendes Geräte; rings um das Haus gedeiht prächtig ein neu angelegter Garten mit durchwegs veredelten Obstbäumchen bepflanzt und in einem Winkelchen erhebt sich ein nettes Bienenhaus mit einer stattlichen Anzahl Gravenhorst'scher Bienenkörbe. Sogar eine ordentliche Düngergrube linden wir hier, von Unkraut nirgends eine Spur.

Und weil wir kurz vorher auch andere Bauernhöfe gesehen, die das gerade Gegentheil zeigten, so fragt man sich wohl: -Wie mag dieser fortschrittliche Bauer zu all' dem gekommen sein?«

Des Rätsels Lösung ist bald gefunden. Dieser Bauer, ein klar denkender Kopf, sah mit offenen Augen und machte sich zuerst schüchtern und dann immer entschiedener all dasjenige zu Nutzen, was er in der nahe an seinem Besitze gelegeneu landesärarischen landwirthschaftlichen Station so oft zu beobachten Gelegenheit hatte. Dort suchte er Rath und der ward ihm, obendrein nebst der nötigen materiellen Hilfe, bereitwilligst gegeben. Er bekam dort gute Saatfrucht, ordentliche Ackergerätschaften und einige Zuchttiere gegen ratenweise Abzahlung in mehreren Jahren, und schliesslich auch noch kleinere Geldbeträge, mit deren Hilfe eiserne Stallungen und sonstige Wirthschaftsgebäude adaptirte. Veredelte Obstbäume und Edelreiser, welche er zum Veredeln seiner Wildlinge benützte, bekam er von der Obst- und Weinbaustation geschenkt, und weil sein Sohn in der landwirtschaftlichen Station durch drei Jahre Lehrling war und dort mit den Fortschritten der Landwirtschaft bekannt wurde, so war auch die Person vorhanden, welche die Wirtschaft in rationeller Weise zu leiten vermochte.

Aber nicht nur diese Unterstützung war ihm zu Theil geworden: von der landwirthschaftlichen Station erhält er auch noch unausgesetzt Anleitung und manchen praktischen Wink, denn der Musterbauernhof steht, wie gesagt, unter der ununterbrochenen Controle des Verwalters der Station, und es wäre böse, ja geradezu tindankbar gehandelt, wollten der Bauer und seine Angehörigen in den alten Schlendrian, aus dem sie sich in so kurzer Zeit durch redliches Streben herausgearbeitet, wieder zurückfallen. 0 nein, verderben will es diese Bauernfamilie mit dem gestrengen Herrn Stationsleiter nicht; darum sieht sie Reissig zur Sache und ist darüber froh, dass ihr Wohlstand sich von Jahr zu Jahr hebt und mit berechtigtem Stolz hört sie davon, wie auf viele Kilonieter im Umkreise bei jeder Gelegenheit, sei es beim Kirchweih- oder Hauspatronfeste, sei es zur Winterszeit bei den abendlichen Zusammenkünften (Sijelo) von ihrem Anwesen das Wort von Mund zu Mund geht: Bai je pvavi texak! (Wahrlich, dies ist ein richtiger Hauer!)

[fNPTHS!

IM NARENTA-DE FILE.

ie 177 Kilometer lange Eisenbahnlinie, welche die bosnische Landeshauptstadt Sarajevo über Mostar mit dem dalmatinischen Halen Mctkoviü an der Mündung des Narentaflusses verbindet, ist in ihrem vom Ivan-Tunnel beginnenden Theile bis unmittelbar vor Mostar eine Gebirgsbahn im kühnsten Sinne des Wortes. Die steilen, vielfach zerrissenen Lehnen haben hier grosse Kelsabsehnitte und tiefgreifende Steinsätze, vorstehende Fefsgrate aber das Durchbohren mehrerer Tunnels nöthwendig gemacht. Dazu musste beim Ueberschreiten der Wasserscheide zwischen Pontus und Adria das combinirte Adhäsions- und Zahnstangen - System zur Anwendung kommen.

Ueberwäitigend schon, partienweise sogar grausig - gewaltig ist die Fahrt mit dieser Bahn! Wae in einem von Zauberhand bewegten Kaleidoskop entrollen sich vor dem Blicke des staunenden Reisenden ohne Unterbrechung rasch wechselnde Landschaftsbilder, eines bewältigender, reizender als das andere, von eigenartiger, wildromantischer Schönheit, an der sich der Blick nicht sattsehen kann. Und wenn der dahinbräusende Zug kurz vor der Station Jablanica in die Narenta-Defiles eingefahren, dann fängt das Erstaunen eigentlich erst recht an.

Gewaltige Felswände thürmen sich senkrecht zu beiden Seiten des Balmgeleises empor bis zu schwindelnder Höhe, über welche mächtige Lämmergeier und Adler ihre kühnen Kreise ziehen; ihr mächtiges Massengestein präsentirt sich in seinen abenteuerlichen Schichtungen wie eine von Titanenhänden ZU sam enge würfelte geologische Mustersammlung; an ihrem Kusse rauscht die Narenta in einer fast ununterbrochenen Reihe von schäumenden Kaskaden über Felsblöcke hin, und die im Hintergrunde zu colossaler Höhe emporsteigenden kahlen Spitzen des gewaltigen Gebirgsmassivs der Prenj-Planina mit seinen zerklüfteten Graten und pittoresken Gipfeln vervollständigen das grossartige Landschaftsbild.

Tief unten rauscht das Wasser der Narenta, in deren Bett hier auf viele Kilometer Länge von der modernen Technik die Bahn buchstäblich gesprengt und a tilge mauert wurde. *Es gibt wenige so waghalsige und so interessante Bauwerke in Europa. Von Jablanica abgehend, kommt der Zug auf einer Brücke von

bemerkenswerther Eisenconstruction auf das linke Narenta-Ufer, passirt einen Tunnel und windet sich eine Zeit lang zwischen sanfteren Berglehnen und der dahinbrausenden Narenta. Dann übersetzt er auf einem grossen Viaduct mit fünf BogenöfTnungen das Glogosnica-Jdial, durchfahrt den gleichnamigen Tunnel, beschreibt mehrere grosse Curven und lenkt in ein breiteres Thal. Abermals wird ein Tunnel passirt, der unter den Ausläufern des Prenj-gebirges angelegt ist. Jetzt gelangt der Zug abermals in einen Engpass mit gewaltigen, bis G00 m. hohen senkrechten Felswänden auf beiden Seiten, dann auf einer Brücke neuerlich an's andere Ufer und an Steilschluchten vorüber nach der Station Grabovica. Durch mehrere kleine Tunnels erreicht man nun eine merkwürdige Stromenge, die man glaubt mit einem Sprunge übersetzen zu können. Das eigentliche Felsufer unter den steilen Wänden ist liberall aus Conglomeratgestein gebildet und mit Geröll bedeckt, doch ist jeder Fusstritt brauchbarer Erde für die Gultur erobert. Weiter führt die Bahn zumeist am Fusse steiler Wände oder auf hohen Stützmauern bis zur Station Raska Gora, dem Endpunkte des Deflies. An künstlichen, vorne mit Weidengeflecht geschützten Höhlungen vorbei, welche den Hirten und ihren Herden bei Unwetter Obdach gewähren, erreichen wir bald die Station Vojno, wo die ausgedehnte Ebene, Bijelo-polje genannt, beginnt, in der die hereegowinische Hauptstadt Mostar eingebettet ist.

Unsere Bilder veranschaulichen einige der herrlichen Punkte im grossen Narenta-Delile, darunter die unweit der Station Grabovica unterhalb der Kunststrasse hervorbrechende starke Praporac-(auch Komadina-äjuellc, welche unter dem Bogen einer Brücke als mächtiger Wasserfall zur Narenta herabstürzt, ferner (oberes linksseitiges Bild) den Glogosnica - Viaduct mit der schneebedeckten Prenj-Planina als Hintergrund,

Man pflegt die Alpenländer, die Schweiz und Tirol vor Allem wegen ihren malerischen Landschaftsbilder schier überschwenglich zu verherrlichen; unser Narenta-Defile im Lande der Hercegovina hat aber gewiss auch so viele eigenartigen Reize, dass der Tourist, der sie gesehen, davon gewiss die nachhaltigsten angenehmsten Erinnerungen in die Heimath mitnehmen wird.

NARENTA-DEFILE

PRAG.

lie alte Königsstadt darf sich mit Recht den schönst gelegenen Städten anreihen. Von jedem beliebigen Punkt gesehen, besitzt Prag einen eigentümlichen Reiz. Die Ansicht Prags, vom Belvedere aus betrachtet, zeigt die ganze Schönheit der Moldau und ihrer Inseln, der an-muthigen Sophien-Insel und der Schützen-Insel. Die Moldau, dieser schon unzähligemale besungene, silberschäumende Fluss, theilt die Stadt in zwei Theile. Wir sehen das rechte Ufer mit der berühmten Altstadt, dem Herzen Prags, das wieder das Herz von ganz Böhmen ist. Die zahlreichen Kuppeln und Thurme der alten, schönen Kirchen und Rathhäuser, die Zeugen des alten czechischeu Ruhmes und einstiger trauriger Zeiten, haben Prag den Namen der »hundert-thürmigen« Stadt gegeben. Die Stadt liegt vor uns wie eine »steinerne Geschichte der czechischeu Nation«; denn es gibt kein altes öffentliches Gebäude, in dem sich nicht ein Theil der czechi-sehen Geschichte abgespielt hätte.

Böhmen war in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt im Besitz der Markomannen, seit dem IV. Jahrhundert in dem der Slavischen Böhmen. Prag wurde der Sage nach von LibuSa, Tochter des böhmischen Herzogs Brök und Gemahn des Przemysl, gegründet, Przemysl war der Namensvater des bis 1300 blühenden Geschlechtes der Czechenl'ürsten und Könige, denen dann Könige aus dem luxemburgischen Hause folgten. Von diesen hatte Kaiser Karl IV. ungemein viel durch Hebung von Acker- und Weinbau, Gewerbe und Handel, sowie von Künsten und Wissenschaften zur Blüthe des Bandes beigetragen. Prag verschönerte er durch zahlreiche Kirchen und Paläste und 1348 gründete er hier die erste Universität in Mitteleuropa. Von 1420—1436 war Prag in Händen der llussiten. 1520 wurde Böhmen durch die Wahl Ferdinands I. zum Könige für immer mit Oesterreich-Ungarn verbunden. 1618 am 23. Mai nahm hier durch den Fenstersturz eine Anzahl

mit der Herrschaft der Habsburger unzufriedener Adeligen unter Anführung des Grafen Thurn drang in das kaiserliche Schloss und warf zwei kaiserliche Statthalter zum Fenster hinaus — der 30jährige Krieg seinen Anfang. Der kurzen Herrschaft des böhmischen Königs Friedrich von der Pfalz machte die Schlacht am

Weissen Berge, 8. November 1620 ein Fnde. Am lö. Juli 1635 schloss der Churfürst von Sachsen, der bis dahin auf Seite der Feinde des Kaisers stand, mit demselben zu Prag Frieden, und durch den westphälischen Frieden 1648 wurde Prag der Kriegsdrangsale, die der 30jährige Krieg über dasselbe brachte, ledig. Im österreichischen Erbfolgekrieg wände Prag 1741 von den Bayern, Sachsen und Franzosen erobert; Churfürst Karl Albert von Bayern Hess sich als König von Böhmen krönen, wurde jedoch im folgenden Jahre von hier und aus seinem Bande durch die Oesterreicher vertrieben. Im 7jährigen Krieg schlug Friedrich 11. von Preussen die Oesterreicher in der Schlacht bei Prag, in welcher Schlacht sein Feldmarsehall Schwerin lieb Prag wurde jedoch durch die für Friedrich II. verhängnissvolle Schlacht bei Kolin vor der Eroberung durch die Preussen bewahrt. Im Juli 1813 fand hier der Congress der Grossmächte gegen Napoleon statt. Durch den hier am 23. August 1866 geschlossenen Frieden wurde der preussisch-österreichische Krieg beend igt.

Manches Privathaus der Altstadt sogar hat seine Geschichte. Während auf dem linken Moldau-Ufer, auf der Kleinseite, die königlichen Aemter und die Wohnsitze der Aristokratie um die königliche Burg sich gruppiren, ist am rechten Ufer in der Alt-und Neustadt das ganze Geschäfts- und Künstlerleben heimisch. Hier befinden sich auch die beiden Universitäten, die zwei technischen Hochschulen, die Kunstakademie, die verschiedenen anderen Schulen, die grossen Druckereien, die Banken, die Theater, die Museen u. A., die Gewerbevorstädte Karolinenthal und Zizkov, sowie die rasch aufblühende und vornehme Vorstadt Königliche Weinberge. Mächtig wächst nunmehr die Stadt heran und gewinnt mehr und mehr das Ansehen einer wirklichen Grossstadt. Der Vereinigung mit seinen Vorstädten geht Prag mit Riesenschritten entgegen. — Wiewohl die Umgebung Prags im Allgemeinen nicht übermässig mit Naturschönheiten und romantischen Gegenden gesegnet ist, weist sie doch zahlreiche interessante Punkte auf. Kinige der sehenswerthesten oder geschichtlich denkwürdigsten sind der Sternthiergarten, der Weisse Berg, das wdldromantische Sackathal, Tröja, Kuchelbad, Burg Karlstein und Bürglitz.

m,

Piiot. II. Eckert, Prag,

PRAG.

DAS RUDOLFINUM.

[bseils vom Prag3r Grossstadtleben, am Ufer der Moldau und gegenüber den reizenden Anlagert des Belvederes, am neuen Kronprinz-Rüdolf-Strande, steht der schöne Monumentalbau, das Rudolfinum, ein Künstlerhaus im wahren Sinne des Wortes. Ueber achtzig Jahre lang war die Geschichte der Malerei und Plastik in Böhmen beinahe identisch mit jener der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde, so lange diese die von ihr gegründeten Kunstinstitute nicht nur verwaltete, sondern auch fast ausschliesslich aus eigenen Mitteln erhielt. Krst in der neueren Zeit trat darin ein Wandel ein, indem sich an der Förderung der bildenden Künste in Böhmen auch noch andere neue Elemente und mächtige Kuetoren betheiligten. Vor Allem ist es die böhmische Sparcasse, welche seit dem Jahre 1870 jährlich

t •

einen hohen Beitrag zu den Verwaltungskosten der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde spendet und aus Anlass ihres fünfzigjährigen Bestehens (1872) den Beschluss fasste, ein der Tonkunst, den bildenden Künsten und dem Kunstgewerbe gewidmetes monumentales Gebäude zu erbauen. Das zu Ehren des Kronprinzen Rudolf Künstlerhaus Rudolfinum benannte weitläufige Gebäude, welches nach den Plänen des Professor J. Zitek und J. Schulz mit einem Aufwand von nahezu zwei Millionen Gulden erbaut wurde, enthält nebst dem grossen Concertsaal und den nothwen-digen Schullocalitäten für das Conservatorium und den Räumen für das von der Prager Handels- und Gewerbekammer gegründete Kunstgewerbe-Museum ausgedehnte und zweckentsprechende Räume meist mit Oberlicht, welche im August 1884 der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde für ihre Gemäldegalerie und die Kunstausstellungen des von ihr verwalteten Kunstvereines für Böhmen zur unentgeltlichen und dauernden Benützung und Verfügung übergeben wurden. Für die Ausschmückung des Kunsthofes im Rudolfinum durch monumentale Wandmalereien hat die Direction der böhmischen Sparcasse in neuerer Zeit überdies noch 80.000 Gulden bewilligt und hat sich vorbehalten, die bedeutenden Erhaltungskosten des ausgedehnten Gebäudes selbst zu tragen. Nicht nur, dass mit dieser grossartigen Stiftung dem genannten Kunst-institute ein würdiges, sicheres und dauerndes Heim geschaffen

wurde, hat die böhmische Sparcasse als Gründerin aucn anregend gewirkt, und viele patriotische Kunstfreunde haben die Sammlungen im grüssten Style bereichert. Die dadurch mächtig geförderte Gemälde-Galerie der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde nimmt gegenwärtig ausserhalb Wien unter jenen der diesseitigen Reichshälfte unstreitig den ersten Rang ein. (deichzeitig mit der Eröffnung des Rudolfinums übersiedelte auch die Kunstschule, die jetzige Malerakademie, aus den seit dem Jahre 1800 innegehabten alten Räumen des düsteren Collegium Clementinum in die hellen Säle des als Ersatz für dieselben dem Rudolfmum gegenüber vom Staate neuerbauten — leider nicht ausreichenden — Gebäudes.

Das Rudolfinum ist strenge im Renaissance-Style gehalten, und obgleich es nicht allzureich an Verzierungen ist, so überrascht es doch durch seine Schönheit und durch die Einheit seines Charakters. Der südliche Haupttheil des Gebäudes ist der Musik gewidmet. Ausser den Amtslocalitäten enthält dieser Tract einen grossen und einen kleinen Musiksaid und einen Hörsaal für das Conservatorium. Der nördliche Theil des Rudolfinums ist der bildenden Kunst überlassen und enthält das kunstgewerbliche Museum, die Prager Handelskammer, die ständige Gemäldegalerie des Vereines patriotischer Freunde der Kunst mit einer Sammlung von Schnitzwerken und schliesslich die Idealitäten für die jeweiligen Ausstellungen des Kunstvereines. Die reichhaltige und werthvolle Gemäldesammlung enthält Bilder von Rubens, van Dyck, Tizian, Bellini Vero-nese, Carlo Dolce, Guido Reni, Carracei u. a., sowie auch viele moderne Gemälde.

Die zur Moldau gewendete Hauptfront bietet mit ihrer zehn Bogen umfassenden verglasten Loggia und den jonischen Halbsäulen ein überaus vornehmes Bild. Die Balustrade ist in dem nördlichen ddieile mit den Statuen weltberühmter Künstler geziert, während den südlichen Theil Standbilder minder bekannter Meister schmücken. Das Rudollinum ist bereits zum Brennpunkt der Prager Künstlerwelt geworden, denn hier werden die bedeutendsten Concerte und die umfangreichsten Gemälde - Ausstellungen veranstaltet. Der kleine Platz vor dem Gebäude ist durch einen prunkvollen Springbrunnen verziert.

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Tliot. Steiljel & Ck

PRAG. Rudolfinum.

DOM UND TEYNKIRCHE.

ines der würdigsten Baudenkmäler Prags und d

des ganzen

Landes überhaupt, ist die St. Veit-Kathedrale. Sie ist im Style der französischen Gothik gehalten und übt auf jeden Besucher einen überwältigenden Eindruck aus. In diesem weihevollen Raum spiegelt sieh die mehr als halbtausendjährige Geschichte Böhmens ab. Der Grundstein zu dem Dom wurde an Stelle einer kleinen romanischen Kirche aus dem X. Jahrhundert von Karl IV. 1344 gelegt und der Bau von Mathyas von Ärras und Peter und Johann Arier ausgeführt und 1392 beendet. Krieg und Feuer brachten dem imposanten Gotteshause manche Schäden bei. Kaiserin .Maria Theresia liess zwar die nÖthigsten Renovirungen vornehmen, doch erst der im Jahre 1859 gegründete Prager Dombau-Verein bemüht sich, die Kathedrale nicht nur in ihrer einstigen Gestalt wieder herzustellen, sondern auch den vollständigen Ausbau zu bewerkstelligen. Ebenso imposant, wie die Ausscnseite des Domes, ist dessen Inneres. Es befindet sich in demselben das kostbare silberne Grabmal des heil. Johannes v. Nepomuk, des Landespatrons (von dem Wiener I lof-Silber-arbeiter Job. J. Wirth aus 8700 Pfund Silber in den Jahren 1730 bis 1700 gegossen, im Werthe von 210.000 11.), sowie die Gräber der Premysliden, der Luxemburger und der ersten Habsburger: Wenzel IV., Karl IV., Georg v. Podiebrad, Rudolf IL u. A.

Unzählige andere Reliquien und Kunstschätze füllen alle Räume dieses Gotteshauses; der Domschatz, im Gewölbe oberhalb der Sacristei wohl aufbewahrt, enthält eine Anzahl von Meisterwerken der religiösen Kunst, die sich hier trotz aller Stürme und Bedrängnisse der Jahrhunderte — wir erinnern nur an den grossen Brand von 1541, an die Bilderstürmerei von 1619 und an die vandalische Beschiessung des Domes durch den Pretissenkönig Friedrich II. im Jahre 1757 — unversehrt erhalten haben. Der Reliquienschrein des Altars ist mit Emailbildern (böhmischer Patrone und Sccnen aus deren Leben) geschmückt, zu welchen Sequens die Zeichnungen lieferte. In dem Mittelschiff prangt der neue gothische Hochaltar, nach Krammer's Entwürfen aufs feinste aus-gemeisselt. Auf der oberen Galerie des Hauptschiffes befinden sich 21 Büsten berühmter Zeitgenossen aus dem Zeitalter der Luxem-

burger. Die 12 Seitenkapellen, deren Fenster mit Glasmalereien geschmückt sind, bilden ebensoviel Stätten von Denkmälern der alten Kunst, die in der Wenzelskapelle an deren glänzendem, aus geschliffenem böhmischen Halbedelsteinen bestehenden Wandschmuck ihren Höhepunkt erreicht.

In der Mitte des Hauptschiffes erhebt sich das königliche Mausoleum. Dieses aus Marmor hergestellte Monument — ein Werk Alexander Colin's aus Nürnberg — wurde 1580 von Rudolf II. mit einem Kostenaufwande von 82.000 Ducaten errichtet.

Am schönsten präsentirt sich der erhabene Dom des Böhmerlandes von der Gstseite, und zwar vom Georgsplatz aus, welchen die neue Propstei, die Georgskirche, die Allerheiligenkirche und das adelige Damenstift einschliessen. Die Georgskirche wurde im Jahre 912 von Herzog Wratislaw 1. und das Benedlctiner-kloster daselbst von Herzog Boleslaw II. im Jahre 073 gegründet, litt aber in den Bürger- und Religionskriegen sehr, so dass sie durch spätere Umbauten vielfach verunstaltet wurde, aber mit ihren beiden alten Thürmen noch immer ein.es der interessantesten Baudenkmäler Prags bildet.

Von nicht geringerer historischer Bedeutung ist die Teyn-kirche. Auf der gegenüberliegenden Seite des Altstädter Ringes, wo auch das Palais Kinsky steht, erhebt sich über der Krönt einiger Bürgerhäuser die prächtige, mit zwei schlanken Thürmen gezierte Facade der Teynkirche, die in der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts gegründet, aber erst unter König Podiebrad ausgebaut wurde und seit dieser Zeit bis 1621 die Hauptkirche der Prager Utraquisten war. Bis zur Schlacht am Weissen Berge blieb die Kirche utraquistisch. Nach diesem bedeutungsvollen Tage wurde das Wahrzeichen des Utraquismus, der goldene Kelch, von dem Kirchenportale entfernt und durch eine Statue der Mutter Gottes ersetzt. Das Innere des dreischiffigen Gotteshauses ist mit zahlreichen Denkmälern geschmückt; das Mausoleum des Bischofs Augustin Lucian, das Grabmal des Astronomen Tycho de Brahe, viele Meisterwerke der älteren Bildhauer- und Schnitzkunst aui den Altären, endlich die Statuen der Slavcnapostel Cyrill und Method von Em. Max sind die Hauptzierden der Teynkirche.

DAS NATIONAL-THEATER.

[mos der schönsten Monumente der nationalen Opferwilligkeit ist entschieden das czechische National-Theater in Prag. An der hohen Mariaschneekirche vorüber, vor deren Front das Monument des böhmischen Gelehrten Josef Jungmann steht, gelangt man in die Ferdinandstrasse, welche eine Fortsetzung des Grabens bildet und an deren Ende sich der monumentale Bau des böhmischen National-Theaters erhebt. Bis zum Jahre 1861 fanden böhmische Theatervorstellungen im ständischen Theater auf dem Obstmarkt blos an Sonntag-Nachmittagen statt, worauf im Jahre 1862 das neuerbaute Interimstheater am Quai eröffnet wurde. Durch eine lange Reihe von Jahren sammelte die Nation mit beispiellosem Eifer die erforderlichen Mittel zum Bau des »goldenen Hauses«, bis sie sozusagen in Kreuzern ein und einhalb Millionen Gulden zusammengebracht hatte. Die zum vollen Kostenbetrag fehlende Summe gab dann die Gemeinde und das Land her. Am 16. Mai 1808 wurde unter grossartigen Feierlichkeiten der Grundstein zu dem nach Professor Zitek's Plan aufzuführenden Bau gelegt und nach 13jähriger Bauarbeit das im Innern künstlerisch ausgestattete Theater das monumentale Heim der cechischnationalcn Kunst durch eine Fcstvorstellung, am 12. Juni desselben Jahres, zu Khren des nach Prag übersiedelten Kronprinzenpaares eingeweiht. Man gab die Nationaloper »Libussa« von dem Altmeister der cechischen Musik, Friedrich Smetana, welcher — obwohl ein tauber Mann — diesen Triumph seines Werkes noch im Hause selbst erlebte. Noch elf Vorstellungen fanden in dem provisorisch eröffneten Nationaltheater statt, dann schlössen sich wieder seine Pforten, um den Arbeitern Zeit zur gänzlichen Vollendung im Innern zu bieten.

Und in dieser Zeit der Vorbereitung zerstörte ein verheerender Brand am 12. August 1881 das stolze Gebäude, die Freude eines Volkes, die Erfüllung vieljähriger Hoffnung. Aufs Neue galt es zu ringen, zu streben, zu sammeln und wieder aufzubauen, was zu Grunde gegangen war. Binnen wenigen Wochen war mit freiwilligen Beiträgen die Summe von einer Million erreicht. Das Allerhöchste Kaiserhaus und das Land, auch Angehörige des deutsch-böhmischen Volksstammes steuerten bei, und bald erhob

sich nach neuen Plänen des Professors F. Schulz, das noch erweiterte Haus, in welchem auch das Interimstheater aufging. Die Summe von 1,500.000 II. hatte der Wiederaufbau in Anspruch genommen, 3,300.000 iL aber waren — das abgebrannte Haus mitberücksichtigt — der Verwirklichung einer Idee geopfert worden, welche noch 30 Jahre vorher als Utopie betrachtet worden war.

Das Theater ist in harmonischem Renaissancestyl gehalten und macht durch seine ornamentale und figurale Ausstattung einen imposanten Eindruck. Die Eisenconstruction der Bühne und die elektrische Installation kennzeichnen das Theater als eines der modernsten Theatergebäude Europas. Das Foyer im ersten Stock, noch mehr aber die königlichen Gemächer sind mit herrlichen Malereien aus der Geschichte Böhmens decorirt und ebenso wde der Zuschauerraum aufs glänzendste ausgestattet. Das Theater hat Raum für 1800 Per-sonen, die Decke des Inneren ist mit allegorischen Figuren geziert, der Vorhang, die Opferwilligkeit des böhmischen Volkes beim Bau des Nationaltheaters darstellend, ist ein preisgekröntes Werk des heimischen Künstlers Hynais, Oberhalb der Bühne steht in czechischer Sprache die bedeutungsvolle Aufschrift: »Die Nation sich selbst«. Eröffnet wurde das wiedererstandene Theater am 18. November 1883 mit Smetana's Festoper »Libussa«, worauf acht Tage später in Gegenwart des Kronprinzenpaares Dworäk's Oper »Dimitri« aufgeführt wurde, Die Hauptfront ist gegen die Ferdinandstrasse gerichtet und zeigt einen grossen Säulengang, über dem sich eine Loggia, die aus fünf Kuppeln mit korinthischen Säulen besteht, erhebt. Die Statuen Apollo's und der neun Musen schmücken diesen Theil des Baues. Werthvolle Arbeiten der einheimischen Künstler, besonders der Maler, fesseln da in hohem Grade. Vom Platz vor dem National-Theater aus bietet sich der herrlichste Ausblick auf den Laurenzberg, die Kleinseite und den Hradschin, auf die Moldau mit der Schützen- und der Sophieninsel, auf welch' letztere man über eine eiserne Brücke gelangt. Das mit schönen Anlagen gezierte Eiland ist im Sommer das Stelldichein der eleganten Welt Prags, während im Winter im prächtig eingerichteten Saal die Elitebälle des Adels und der Prager Gesellschaft abgehalten werden.

Plint. II. Eckert, Prag.

PRAG. National -Thoater.

PRAGER DENKMÄLER.

Inmitten einer Anlage nächst der steinernen Brücke steht das in gothischem Styl gehaltene Monument des Kaisers Franz Joseph I., welches die böhmischen Stände durch den Bildhauer Josef Max in den Jahren 1846—1850 errichten liessen ; die bronzene Reiterstatue des Kaisers steht in der offenen Nische des Mittelbaues, um welchen ringsherum zahlreiche Figuren, die ehemaligen 16 Kreise Böhmens darstellend, aufgestellt sind. An den Altstädter Mühlen und dem alten, mit einer transparenten Uhr versehenen Wasserthurm vorüber, gelangt man durch einen Schwibbogen auf den Kreuzherrnplatz, der zwar keine grosse Ausdehnung besitzt, aber einen der interessantesten Punkte der Stadt bildet. Der massive Brückenthurm, das bronzene Monument Karls IV., die Front des Kreuzherrenklosters mit der Kirche zu .St. Franz und schliesslich die Salvatorkirchc mit der langen Facade des Giementinums vereinigen sich hier zu einem Gesammtbild, welches nicht so bald seines Gleichen findet. Gothik, ältere und neuere Renaissance, sowie moderne Kunst bilden den Rahmen zu einem wirkungsvollen architektonischen Cabinetstück, welchem in der Kerne der königliche llradschin als Hintergrund dient. Der Kreuzherrenplatz, auf welchem das Denkmal Karls IV. steht, den die (zechen gerne als »den Vater des Vaterlandes« apostrophiren, gehört zu den interessantesten Schätzen Alt-Prags, das überreich an historischen Reminiscenzen, alten Bauten und malerisch gelegenen Plätzen ist. Emst und ruhig blickt auf das vielbewegte Beben ringsum das Denkmal Karls IV., das auf Kosten der von ihm gegründeten Prager Universität im Jahre 1848, zur Zeit ihrer 500jährigen Jubiläums-Gründungsfeier, nach dem Modell des Dresdener Bildhauers Hähne! hergestellt wurde. Gegossen wurde das Denkmal von Daniel Burgschmiet in Nürnberg. Die Statue ist 4 Meter hoch, das ganze Denkmal 9*5 Meter. Die Rechte des Kaisers hält den Stiftungsbrief der Universität; am hübschen Postamente stehen die allegorischen Statuen der vier Facultäten, an den Ecken vier Zeitgenossen des Kaisers: vorne rechts Ernst von Pardubitz, der erste Erzbischof von Prag und Kanzler der Universität; links Johann von Wlasim, dessen Nachfolger; rückwärts rechts Benesch von Kolowrat, als Repräsentant des Krieges;

links Mathias von Amis, der Erbauer des St. Veit-Domes, als Repräsentant der Künste.

Der Kleinseitener Kingplatz bietet einen sehr pittoresken Anblick". Hier erhebt sich ein Monument, das der Kunstverein für Böhmen für den glorreichen, österreichischen Heerführer Feldmarsehall Radetzky, einen geborenen Czeehen, 18öS errichtete.

Auf einen granitenen Sockel stehen acht Soldatengestalten (Artillerist, Jäger, Infanterist, steierischer Schütze, Husar, Marinesoldat, Uhlane und Sereschaner) aus Bronze, welche auf einem hoch erhobenen Schilde die Statue Radetzky's tragen, der mit ent-blÖSStem Haupte, die Fahne in der linken und den Marschallstab in der rechten Hand, dasteht. Die Zeichnung zum Monumente lieferte Christian Ruhen, die '2-4 Meter hohe Statue des Marschalls modellirte hau. Max. Die Figuren wurden in Nürnberg aus Kanonen, welche in Piemont erobert wurden, und die Kaiser Franz Joseph dem edlen Zwecke gewidmet, gegossen.

Der Platz, an der Westseite, hoch überragt von den Thürmen und der mächtigen Kuppel der Nikolauskirche, ist noch jetzt auf drei Seiten mit Bauben umgeben.

Zurückkehrend zum Kreuzherrnplatz an dem Denkmal Karls IV. vorüber, betritt man am kühn geschwungenen Bogen des Brückenthurms die halb tausendjährige Karlsbrücke, Den Grundstein zu diesem Riesenbau legte Kaiser Karl IV. im Jahre 1858. Bis zum Anfange des XVIII. Jahrhunderts befand sich auf der Brücke nur ein Crucilix, seither wurde jeder Pfeiler auf beiden Seiten der Brücke mit einer Heiligenstatue oder mit einer ganzen Gruppe von Statuen geziert, die in den ersten zwei Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts aufgestellt wurden, so dass die Karlsbrücke seit der Zeit für das böhmische Volk eine wahre Heiligengalerie bildet. Den ersten Platz unter allen dreissig Statuen nimmt das Denkmal des heil. Nepomuk ein, vor welchem alljährlich in der Johannisfestwoche zahlreich besuchte Andachten stattlinden ; von der linken Seite der Brücke führt eine Doppelstiegc auf die Insel Kanysa, deren Uhrpfeiler mit einer alterthümlichen Rolandsäule geschmückt war, die im Jahre 1884 durch eine von Bildhauer Schimek gefertigte neue Statue ersetzt wurde.

ALTSTÄDTER

RATH HAUS.

liaCTSteA Lirch die engen mit Trüdlerläden gefüllten (bissen der '''•l.-'^'<•-.'■■■ Josefstadt gelangt man an der unter Josef II. auf-i' Ih't'jM:' gehobenen, aber seit 1X7() von der russischen (Gemeinde b ':• -■1.1 in Prag renovirten Xikolauskirche vorüber auf den Altstädter Ring, in dessen Mitte eine Mariensäule, ein Denkmal an die Rettung Prags vor den Schweden im Jahre 1(348, sich erhebt. Das hervorragendste Gebäude dieses Platzes ist das Altstädter Rathhaus, dessen Südseite noch seine alterthümliche Form bewahrt hat, während die Ostseite, im Jahre 1838 neuausgebaut und mit einem hohen Balcon verziert, in moderner Gothik prangt. Der hohe Rathhausthurm und die an denselben anstossende Erkerkapelle haben sich gleichfalls in ihrer ursprünglichen Form erhalten, das Innere der äusserst schönen Kapelle wurde jedoch in den letzten Jahren stylvoll renovirt.

Ein grosser Theil der böhmischen Geschichte steht im innigen Zusammenhange mit diesem alten Gebäude Prags. Das Altstädter Rathhaus ist Zeuge verschiedener historischer Ereignisse gewesen, welche mehr traurigen als freudigen Charakters waren. Vor dem Rathhause am Altstädter Ring herrschte zu allen Zeiten ein reges Leben, denn hier wurden die Märkte abgehalten; hier verlautbarte man die gerichtlichen Kundmachungen; hier wurden die Verbrecher bestraft und hingerichtet, und hier auf dem Ring war auch der Schauplatz von blutigen Kämpfen. Auch Turniere fanden bei festlichen Anlässen vor dem Rathhause am Ring statt. Gegenwärtig ist dasselbe der Sitz der Gemeindeverwaltung. Das erste Rathhaus stand hier bereits im Jahre 1388, später wurde es mehrmals durch Zubauten vergrösscrt. Das dermalige Gebäude ward in den Jahren 1838 bis IXöX erbaut. Seine jetzige, wenig verzierte Facade ist das Werk des Professors Nobile aus Wien. Markanter ist das südliche Portal nächst der Kapelle gehalten. Die Tbürme und der Sitzungssaal sind die einzigen Ueberreste des alten Rathhauses. Das zweite Stockwerk der Hauptfront schmücken die Statuen der böhmischen Könige: SpytichnewII., Ottokarll., Karl IV., Ferdinand III., Franz I. und Ferdinand L, die Prag in hohem Grade förderten. In dem Innern des Rathhauses, in welches ein herrliches Portal führt, fesselt vor Allem der alte Sitzungssaal, der dasselbe Bild

der Ausschmückung wie am Schluss des XV. Jahrhunderts bietet, ferner der neue, prächtig ausgestattete Sitzungssaal, dessen eine Wand mit dem grossen historischen Gemälde »Johannes Huss« von W. Brozik geschmückt ist. In dem rückwältigen Theil des neuen Gebäudes befindet sich nebst den Kanzleien des Präger Magistrates auch das reichhaltige städtische Archiv, dessen ädteste Stadtbücher und Urkunden aus den ersten Jahren des XIV. Jahrhunderts stammen. Eine Reihe historischer Erinnerungen knüpft sich an das Altstädter Rathhaus, von denen wir die blutige Exeeution der Häupter des böhmischen Aufstandes gegen Ferdinand II., die auf dem Platz vor demselben am 2t. Juni 1021 stattfand, hervorzuheben sind. Auf der grossen Säule des Thurmes prangt das sogenannte Altstädter Schlagwerk (orloj), eine alte, berühmte astronomische Uhr des Meisters Hanus, eines Lehrers der Mathematik an der Universität zu Prag, die aus dem Jahre 1490 stammt. Das Werk zeigt und schlägt die Stunden auch nach der altböhmischen Zeiteintheilung von 1—24, ausserdem ist aus demselben Sonnenauf- und -Untergang, sowie der Kreislauf des Mondes zu ersehen. Schlägt die Stunde, so erscheint in einem Fenster über der Uhr der Heiland mit den zwölf Aposteln, zieht mit denselben vorüber, worauf Figur nach Figur an einem zweiten Fenster daneben erscheint und sodann wdeder verschwindet. Zugleich bewegen sich die Figuren zu beiden Seiten der Uhr (darunter der Tod, der während des Apostelzuges beständig ein Glöcklein zieht); schliesslich kräht auch der Hahn. Die alterthümliche Rathhausuhr, im Jahre 1866 wieder in Gang gebracht, ist seit Jahrhunderten zu einem Wahrzeichen Prags geworden und bildet eine der interessantesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Sehenswerth ist auch die gothische Erkerkapelle des heil. Laurentius (1381 geweiht, 1885 restaurirt). Vor derselben wurden die Führer der böhmischen Rebellen 1621 hingerichtet.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Altstädter Ringes, wo auch das Palais Kinsky steht, erhebt sich über der Front einiger Bürgerhäuser die prächtige, mit zwei schlanken Thürmen gezierte Facade der Maria I limmelfahrtskirche am Teyn aus der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts.

4i 9±

Plmt. Stengel & Cie.

PRAG. Attstädter Rathhaus.

Altstädter Suhlag-werk.

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DAS DEUTSCHE THEATER.

as Präger alte deutsehe Theater, ständisches Theater genannt, welches sich zwischen der Rittergasse und dem Obstmarkt gegenüber dem Carolinum befindet, wurde1 im Jahre 1783 durch das Hinzuthun des Graten Franz A. Nostic v. Rhinek gegründet und später von den böhmischen Ständen angekauft. Vor Wenigen Jahren wurde das Theater renovirt, mit offenen Galerien und zahlreichen Ausgängen versehen und durch einen Zubau hinter der Bühne namhaft erweitert. Das splendid ausgestattete Innere bietet Raum für 1500 Personen; gegenwärtig werden hier nur Schauspiele aufgeführt, während die Oper ihr Heim im neuen Deutschen Theater gefunden hat; doch erfreute es sich als Operntheater einer berühmten Vergangenheit. Hier wurde am 4. November 1787 zum erstenmale die von Mozart eigens für Prag componirte Oper Don Juan-, und im Jahre 1827 die erste czechische Originaloper -Der Drahtbinder von Franz ökroup aufgeführt. Den modernen scenischen Anforderungen konnte dieses Haus nicht mehr entsprechen und so wurde ein neues Theater in der Nähe des Franz Josefs-Bahnhofes und an Stelle des hölzernen Neustädter Theaters, welches schon seit dem Jahre 1859 das mangelhafte ständische Theater ersetzen musste, errichtet. Der Bau des neuen Theaters wurde durch die Munilicenz der Prager Deutschen und des deutschen Theatervereines ermöglicht, der in der verhältnissmässig kurzen Zeit vom Jahre 1883—1887 das Werk vollendete. Die Geldmittel dazu im Betrage von circa 750.000 Gulden wurden durch private Freigebigkeit, den Ertrag einer grossen Lotterie und die im ständischen Theater veranstalteten Matineen aufgebracht. Das zwar einfache, doch elegante Theater wurde nach den Plänen der Wiener Architekten Fellner und Helmer durch den Prager Architekten Wertmüller binnen anderthalb Jahren erbaut und zeichnet sich durch glänzende innere Einrichtung aus. Die Hauptfacäde des Bauwerkes, welches mit geschmackvoller und würdiger Einfachheit zugleich effectvolle Eleganz und praktische Eintheilung vereinigt, ist der Stadt zugekehrt und mit einem von sechs korinthischen Säulen getragenen Giebelbau geschmückt, der als iiguralen Schmuck die Fama, den Wagen des Dionysos und die Thalia trägt, während sich unter dem Giebel

die Brustbilder Schiller's, Goethe's und Mozart's befinden. Die ligurale Verzieiung der Hauptfacäde stammt von dem Wiener Bildhauer Theodor Friedl. An die beiden Seitcnfacaden schliessen sich Terrassen an, die von den Galerien aus zugänglich sind. Der zweckmässig angelegte Zuschauerraum enthält nicht weniger als 84 Bogen und 450 Fauteuilsitzc und vermag bequem 2000 Personen zu fassen; das Orchester ist wäe im böhmischen National* Theater vertieft angelegt, der Bühnenraum entspricht allen Anforderungen der Neuzeit; der Hauptvorhang, sowie die Plafondmalerei ist ein Werk des Malers Eduard Vcith und hat eine phantasievoll componirte »Vision des Dichters zum Vorwurf. Das Deutsche Theater, in welchem Schauspiel und Oper zur Aufführung gelangen, wurde am 5. Jänner 1888 mit Wagners herrlicher Oper -Meistersinger« mit grossem Erfolge eröffnet.

Vom nahegelegenen Hcuwagsplatz an, auf dessen Westseite der Glockenthurm der alterthümlichen St. 1 leinrichskirche steht, dehnt sich auf den Gründen der ehemaligen Stadtmauern der grosse Stadtpark aus, der vor mehr als einem Decennium von der Prager Gemeinde mit einem Aufwand von mehr als einer Million Gulden angelegt würde und dessen Mittelpunkt ein Teich mit künstlichen Felsen und ein Wasserfall bildet. Prächtige Neubauten schliessen den Park an der Nordseite ein, während auf der entgegengesetzten Seite die lange Front des Franz Josefs-Bahnhofes den Hintergrund bildet. Die Hauptzierde der Umgebung ist aber das prächtige neue Deutsche Theater, sowie die lange wirksame Front des Kaiser Franz Josefs-Bahnhofes, dieses schönen von dem Architecten Ullmann im Renaissancestyl erbauten Aufnahmsgebäudes.

Gegenüber dem obenerwähnten Deutschen Bandestheater steht das alterthümliche Carolinum, welches seit 1383 Sitz der im Jahre 1348 von Karl IV. gegründeten Universität ist und heute die Hörsäle der juridischen Facultät, sowohl der deutschen als der böhmischen Universität beherbergt. Von dem ursprünglich gothischen Baue ist noch eine schöne Ecke, der Chor der Capelle des heil. Cosmas und Damian vorhanden. Seine heutige Gestalt erhielt das Corolinum im Jahre 1718. Hinter dem Theater in der Rittergasse erhebt sich die 1740 erbaute Gallikirche.

riiot. Stengel & cio.

PRAG.

Deutsches Thoator.

PRAGER THÜRME.

er malerischeste von allen Thürmen Prags ist der Pulverthurm, welcher am Graben, einem der belebtesten Prager Stadttheile steht, gegenüber der Einmün-der Hybernergasse, welche zum Staats- und Franz Josefs-Bahnhof führt. Er ist ein echter Repräsentant der Spätgothik und einer der letzten acht Thürme der Altstadt, welche einst die Thore der Altstadt beschützten ; er bildete einen Theil der ehemaligen Altstädter Kingmauer. Als 1518 die Altstadt und die Neustadt zu einer Gemeinde vereinigt und die Mauern cassirt wurden, blieb der Thurm stehen. Seinen Ursprung verdankt er dem König Wladislaw Jagetovec, der an Stelle des alten, aus dem XIII. Jahrhunderte stammenden Thurm, in den Jahren 1475 bis 1484, von dem Baumeister Wenzel Mathias, genannt Rejsek, den gegenwärtig bestehenden erbauen liess. Als ein Werk der .Spätgothik, welche in Böhmen zu selbstständiger Entwicklung gelangte, bildet der Pulverthurm ein prächtiges Denkmal dieser speciell böhmischen Bauart, welches jetzt nach der durchgreifenden Renovirung, die in den letzten Jahren auf Kosten der Gemeinde mit grossem Aufwände durchgeführt wurde, eine der schönsten gothischen Bauten des späten Mittelalters. Im vorigen Jahrhunderte wurden die beiden Thurmstuben, die zur Zeit des Königs Wladislaw II. mit dem anstossenden königliehen Hofe (der heutigen Gadettenschule) durch einen Gang verbunden waren, als Pulvermagazine benützt. Dem Pulverthu rni in seinem Aeussern ist das renovirte Altstädter Brückenthor ähnlich. Durch die Karlsgasse am Ulementinum vorüber gelangt man zu diesem alten, historisch interessanten Thurm. Nach der blutigen Execution 1621 wurden die Köpfe der unglücklichen böhmischen Herren auf der Galerie des Gefängnisses zur Warnung angebracht. 1631 nahmen sie die evangelischen Exulanten nach ihrem Einzüge in Prag herab. Man legte die Köpfe in schwarze Kistchen und bestattete sie in der Kirche des Erlösers. 1648 war der Thurm Zeuge des grausamen Krieges der Prager Studenten mit den Schweden, die durch Ver-rath des kaiserlichen Rittmeisters Ottovalsky sich der Kleinseite bemächtigten, bis zum Brückenthor gelangten, hier jedoch von den heldenmüthigen Studenten aufgehalten und zurückgetrieben

wurden. 1874—1879 wurde der Brückenthurm renoviit und die Fresken in der Wölbung von Peter Maixner erneuert. An der Ostseite die Statuen des heil. Adalbert und Vitus, darunter des heil. Sigismund, neben diesem die Porträtsstatuen Karls [V. und Wenzels IV. Darunter die Wappenschilder der Länder, welche zu verschiedenen Zeiten von böhmischen Königen beherrscht waren : die beiden Lausitzen, Glatz, Luxemburg, Böhmen, Deutschland, Mähren, Brandenburg, Schlesien und Alon. Bei der Belagerung Prags durch die Schweden bewährte sich, wie eine lateinische Inschrift an der Westseite des Thurmes besagt, dieser Thurm als Bollwerk der Stadt. 1744 wollte General Harsch durch Sprengung eines Brückenbogens die Preussen am Vordringen abhalten, was jedoch wegen der ausserordentlichen Festigkeit des Materials ebensowenig gelang wie 1G48 den Schweden; ein Sgraiittogemälde auf dem links vom Thurm über der Moldau sich erhebenden Wassergebäude veranschaulicht dies. Der Saal des Brückenthores wurde als Gefängniss benützt. Aus den Fenstern desselben bietet sich eine schöne Ansicht des Hradschin-Pänoramas, des Laurenzi-berges und der altberühmten steinernen Brücke Karls IV., die schon fünf Jahrhunderte überlebt hatte, als sie 18(.)1 bei der grossen Ueberschwemmung theilweise zerstört wurde.

Auf der Karlsbrücke zwischen dem sechsten und siebenten Pfeiler rechts bezeichnet eine kleine Marmortafel mit einem Kreuz die Stelle, wo der heil. Nepomuk in die Moldau gestürzt wurde. Am linken Ufer stehen die beiden Kleinseitrier Brüekenthürme, deren kleinerer aus dem XIII. Jahrhundert stammt. Den grösseren erbaute Karl IV., der letztere wurde, wde der Altstädter Brückenthurm 1874—1879 renovirt. Die Thürme waren ebenfalls Zeugen vieler blutiger Kämpfe, bei deren einem der linksstehende Thurm durch Feuer derart litt, dass dessen obere Hälfte abgetragen werden musste. Erbitterte Kämpfe fanden 1249, 1310 und 1419 statt.

Die Hrückengasse, die lebhafteste der Kleinseite, führt von da links an der Badgasse mit der Malteserkirche und rechts an der Josefsgasse mit der Thomaskirche vorüber zum Kleinseitner Ring, welchem das durch die Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde errichtete Kadetzky-Monument zur besonderen Zierde gereicht.

DAS MUSEUM.

um Graben führt der Wenzelsplatz, eine mit Alleen bepflanzte breite Strasse, an deren oberem Ende das Museum des Königreiches Böhmen, eine hervorragende 1 Sehenswürdigkeit, steht. Es lässt sieh kaum ein wirksamerer Abschluss des Wenzelsplatzes denken, als der durch das neue Museumsgebäude, dessen Bau im Jahre 1883 nach den Plänen des Prof. J. Schulz begonnen und im Jahre 1891 beendet wurde. Die überaus interessante archäologische Abtheilung, sowie die mineralogischen, zoologischen und botanischen Sammlungen, das Münzen- und Kupferstichcabinet und die im Pavillon des Museumsgartens untergebrachte geologisch-paläontologisehc Sammlung vennehrte sieh in solchem Masse, dass das Museumsgebäude, welches im Jahre 1847 für diesen Zweck adaptirt worden war, zur Unterbringung all' dieser Schätze nicht hinreichte. Durch die Munilieenz des Landes wurde nun mit einem Aufwände von mehr als zwei Millionen der neue Prachtbau für das Museum aufgeführt, und beide zählt es zu den grössten Sehenswürdigkeiten Prags, denn Alles, was Böhmen an Natur- und Kunstsehätzen hervorgebracht hat, findet sich in den Sammlungen desselben vereinigt, so dass hier dem Fremden ein vollständiges Bald der Cultur des Landes vor Augen geführt wird. Es ist ein grosses, viereckiges, freistehendes Gebäude, aus zwei Stockwerken bestehend, mit einer grossen Kuppel in der Mitte und vier kleineren auf den Ecken. Seine Lage auf einer massigen Anhöhe trägt nicht wenig zu seinem imposanten Eindrucke bei. Unter dem zweiten Stockwerke zieht sieh rings um das ganze Gebäude ein Band von Tafeln, auf denen die Namen der um die böhmische Nation und um das Land verdienten Persönlichkeiten verzeichnet sind. Unter den Statuen der Hauptfront stehen auch jene Kails IV. und Rudolfs IL, der beiden grössten Schützer und Förderer der Kunst und Wissenschaften in Böhmen und zugleich jener beiden deutschen Bürsten, unter welchen Prag und ganz Böhmen goldene Tage des Briedens und Wohlstandes erlebten, die Stadt emporblühte, wie unter keinem anderen Herrscher älterer Zeit. Vor der Kampe der Hauptfacäde stehen die Statuen Böhmens, Mährens und Schlesiens, zu deren Füssen sich ein hübscher monumentaler Springbrunnen befindet.

Die Museums-Bibliothek zählt weit über 160.000 Blande und ist in derselben die czechische und slavische Literatur zahlreich vertreten. In der Sammlung der Manuscripte, die gegen 00.000 werthvolle Urkunden enthält, befindet sich auch die berühmte Königgrätzer Handschrift. Kerner belinden sich daselbst Handschriften Johannes Huss*, Johann Zizka's und anderer czechischer Gelehrter. In den übrigen Sammlungen findet man auch das Schwert, mit dem die protestantischen Aufstandsführer nach der Schlacht am Weissen Berge im Jahre 1021 hingerichtet wurden. Das Museum besitzt auch die mineralogische und geologische Sammlung des französischen Gelehrten Barrand und die Vogelsammlung des Afrikareisenden 1 folub.

Die innere Einrichtung ist noch nicht ganz vollendet. In der Mitte ist das Pantheon, ein zwei Stockwerke hoher Festraum. Die eingerichteten Säle enthalten : I. eine böhmisch-ethnographische Sammlung. II. Böhmische Alterthümer: Bronze, alte Waffen, Dreschflegel der flussiten, das Schwert Gustav Adolfs, Musikinstrumente, egyptische und römische Alterthümer, verschiedenartigste kunstgewerbliche Gegenstände. III.—IV. Prähistorische Kunde, besonders interessant, die Kunde aus der Stein- und Bronzezeit von Schacka. VI. Numismatische Sammlung. VII. Handschriften, Urkunden, Incunabeln. VIII.—XI. Mineralogische und petrographische Sammlung. XII.—XV. Zoologische Sammlung. XVI. und XVIII. Paläontologische Sammlung. Bibliothek,

Es verlohnt sich, von hier aus einen kleinen Abstecher in die Stadt Königliche Weinberge zu machen, um sich von der grossartigen Entwicklung dieser jungen Stadt zu überzeugen. Bs genügt ein Gang durch eine der hinter dem Museum beginnenden Strassen bis auf den grossen Purkyne-Platz, auf welchem die heil. Ludmilla-Kirche steht und von dort wieder zurück.

Wie bereits erwähnt, bildet das Böhmische National-Museum den wirkungsvollen, vornehmen Abschluss des Wenzelsplatzes. Der Blatz, eigentlich eine sehr breite prächtige Strasse, hat seit dem Ausbaue des Museums in seiner Perspective viel gewonnen und wird durch den Umbau seiner alten Häuser immer mehr verschönt. Vor dem Museum erhebt sich ein schöner monumentaler Brunnen.

l'liot, Stengel & Cie.

PRAG.

Museum.

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DER H RADSCH IN.

i([.\.4^:'^!«^(|en Hradschiner Platz schliesst von der östlichen Seite .1 die königliche Burg ein, welche von Karl IV. im

fliJ^S^! ''a'llc ^crDilut wurde. Wladislaw II. liess sie von [LyCoo^ Benesch Lounsky in den Jahren 1484—1502 renoviren. Durch die Feuersbrunst im Jahre 1541 erlitt sie jedoch namhaften .Schaden. In den Tagen, als Kaiser Rudolf II. auf dem Hradschin residirte, sah die Burg ein prunkvolles Leben und Treiben. Der königliche Hof auf dem Hradschin gehörte zu den glänzendsten in Europa; Turniere und andere Festlichkeiten wechselten daselbst miteinander ab, fahrende Ritter und .Sänger aller Nationen betrachteten Prag als ihr Mekka, und Adel und Bürgerstand, die sich jedoch immer mehr dem deutschen Wesen anlehnten, wetteiferten mit dem Hof an Glanz und luxuriösen Wohlleben. König Mathias, der Nachfolger Rudolfs IL, ergänzte die Burg durch den Bau der westlichen Front.

Die jetzige Gestalt erhielt sie durch die Bauten und Reno-virungen zur Zeit Maria Theresias (1757 — 1775). Kaiser Josef II. liess die Burg in eine Kaserne umwandeln.

Die Ansicht vom Hradschin ist von allen Seiten aus effect-voll. Wenn man von Strahovv kommt zur königlichen Burg, deren erster Hof von dem Hradschiner Platz durch ein eisernes Gitter getrennt ist, auf dessen Pfeilern Gruppen vom Bildhauer Platzer aufgestellt sind, gelangt man zu dem im Jahre 1614 neu erbauten ersten Tract der Hofburg, in dessen hohem Einfahrtsthor rechts ein prächtiges Stiegenhaus zu den königlichen Gemächern führt. Durch (.las Thor, das auf jeder Seite zwei Nebeneingänge hat, gelangt man in den zweiten Burghof mit der Schlosskapelle, die von Maria Theresia erbaut und von Kaiser Ferdinand b, als derselbe nach dem Jahre 1848 auf dem Hradschin residirte, aufs glänzendste ausgeschmückt wurde. In dem der Staubbrücke zugekehrten Theil der Burg befindet sich der spanische und der deutsche Saal, von denen der erstere zu den grüssten Sälen Europas gehört und zu Hoffesten dient.

Rechts von der Schlosskapelle führt ein niedriges Thor in den dritten Burghof, an dessen Südseite sich der mit einem grossen Baieon gezierte 1 laupttract der Burg mit den eigentlichen könig-

lichen Gemächern und an der Nordseitc die Domkirche erhebt, Auf diesem Platz fanden vor Zeiten öffentliche Turniere und andere Holfestlichkeiten statt und eine besondere Zierde desselben bildet die bronzene Rciterstatue des heil. Georg, ein herrliches Kunstwerk aus dem Jahre 1373, das von den Brüdern Klussen-berg für Kaiser Karl IV. gegossen wurde und ursprünglich vor der Facade der alten Burg seinen Standpunkt hatte. In den neueren Theilen der Burg befinden sich ausser den genannten zwei Prachtsälen noch 440 grössere und kleinere Gemächer, von denen die an der Südseite gelegenen einen prächtigen Ausblick auf die Stadt gewähren.

Von den inneren Localitäten der alten Wladislaw-Burg, die in dem aus Gothik und Renaissance bestehenden sogenannten Wladislaw-Style gehalten ist, ist hauptsächlich der grosse Wladis-law-Saal von Bedeutung. Der Saal war früher der Mittelpunkt eines regen Lebens, da in denselben alle Kanzlei- und Amts* localitäten mündeten. Einst wurden auch Märkte hier abgehalten, dann Hofunterhaltungen, ja sogar bei Krönungsfesten auch Turniere und das alte Krönungsmahl.

Auch die alte Landtagsstube in ihrer ursprünglichen Schönheit hat sich erhalten, in dieser führten die ständischen Landtage bis zum Jahre 1847 ihre Verhandlungen und sieht man daselbst heute noch die Bänke der ersten drei Stände, während die Vertreter der königlichen Städte den Sitzungen nur stehend beiwohnen durften. Im südlichen Flügel desselben Burgtheiles befindet sich die alte Statthaltereikanzlei, aus deren Fenster nach der Hauptfront die Statthalter Slawata und Martinic am 23. Mai 1018 -das Signal zum dreissigjährigen Krieg — in den tiefen Graben hinabgeschleudert wurden. Die damalige Einrichtung dieses Zimmers ist noch heute vollständig erhalten. Im Burgpark erhebt sich das Lustschloss Ferdinands L, Belvedere genannt, das schönste Denkmal der italienischen Renaissance aus dem XVI. Jahrhunderte in Europa, Italien nicht ausgeschlossen. Ferdinand I. liess es durch italienische Architekten in den Jahren 1530—1550 umbauen. Von der oberen Galerie des Belvederes aus geniesst man eine weite, herrlich«! Aussicht über die ganze Umgebung Prags.

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AUS DER JUDEN STADT.

n der Nähe des Rudolfinums breitet sich die Josefstadt (Judenstadt) aus, die mit ihren engen, winkeligen Gassen und alten Hausern heute noch ein mittelalter-IChes Bild bietet, trotzdem aber von jedem Fremden besucht zu werden pflegt, da sich daselbst zwei der grössten Sehenswürdigkeiten Prags, die Alt-Neu-Schule und der alte Judenfriedhof, belinden. Die Geschichte der Juden in Prag reicht bis in die frühesten Zeiten der Gründung der Stadt, ja die Sage führt die Israeliten als die ältesten Ansiedler im Moldauthale an. Urkundlich ist deren Anwesenheit in Prag bereits im X. Jahrhundert nachgewiesen, und zwar hatten dieselben ihren Wohnsitz an Stelle der heutigen Judenstadt, lebten aber auch in der Kleinseite und auf dem Raum zwischen der Altstadt und Wyschehrad, wo noch jetzt der alte Name der heutigen Wladislaw gasse, die früher »Judengarten« hiess, an deren früheren Wohnsitz in dieser Gegend der Neustadt erinnert.

Unter den ältesten abseits liegenden Oertlichkeiten, die Prägern so malerisches Gepräge verleihen, nimmt der alte jüdische Friedhof (beth chain, Haus des Lebens) wohl einen hervorragenden Rang ein. Heute noch besitzt dieser Friedhof genau dieselbe Gestalt, die er im Mittelalter zeigte. Er liegt beinahe inmitten der alten »Judenstadt«, des ältesten Theiles der Prager Altstadt, weiche zumeist von Juden bewohnt wird, die schon seit dem X. Jahrhundert hier ansässig sind.

Die alte Juienstait hat das Aussehen eines echten und rechten Ghettos, das man nun aus Assanirungsgründen beseitigen will. Der alte Judenfriedhof bleibt jedoch als ein Rest entschwundener Romantik glücklicherweise erhalten. Da die Gebeine der hier Bestatteten nie ausgegraben wurden, so wuchs die Oberfläche des Friedhofes im Laufe der Jahrhunderte immer höher und befindet sich dieselbe nun in gleichem Niveau mit dem ersten Stockwerk der umliegenden Häuser. Tausende von Grabsteinen, viele von kunstvoller Form und alle bedeckt mit Inschriften und Namenszeichen, füllen den unregehnässigen Raum des Friedhofes, der auf diese Weise einem wahren Labyrinth gleicht. Ein märchenhaftes Bald zeigen die mit Moos überwucherten Grabsteine, zwischen

denen weisser Flieder und dichtes Gras wächst, deren Grün den düstern und geheimnissvollen Charakter dieses Ortes mildert; zur Zeit der Bliithe des Flieders im Mai bietet der Friedhof sogar einen romantischen Anblick, daher derselbe namentlich in dieser Zeit stark besucht zu werden pflegt. Hier ruhen viele berühmte Juden, u. A. der grosse Astronom und Gelehrte Jehuda Low, der sich der besonderen Gunst Rudolfs 11. erfreute. Die Grabsteine von 33 Bieblingsschülern des Rabbi Low gruppiren sieh um den Sarkophag des Meisters. Der Grabstein der Hendl Schmiles, Gattin des bekannten llotjudcn Bath Scheda (Bassevi), von weicher der Volksmund erzählt, dass sie eine polnische Königin gewesen sei, ist der einzige unter allen, der mit einem Adelswappen geschmückt ist, denn der Gatte der Hendl wurde (der erste Jude in Oesterreich) von Ferdinand 11. in den Adelsstand erhoben.

Nicht minder eigenartig ist die unweit vom alten Friedhofe in der Rabbinergasse liegende »Alt-Neu-Schule«, die Synagoge, welche aus dem Anfange des XIII. Jahrhunderts stammen dürfte und zu den ältesten Gebäuden Prags zählt. Die hohe Wölbung des düsteren und einen feierlichen Eindruck machenden Gotteshauses wird durch zwei achteckige Säulen gestützt. Das interessante Innere war bis vor Kurzem düster, da die Wände seit uralter Zeit nicht gereinigt, viel weniger getüncht worden sind. Die Rabbiner hatten nämlich verboten, die Spuren des Märtyrerthums der Juden, welche hier im Jahre 1582 getödtet wurden, zu beseitigen, ebenso traditionsgemäss jede Aenderung im Inneren.

Die Wände sind mit Bubeisprüchen geschmückt, die jedoch ebenfalls nicht mehr lesbar waren, denn vielhundertjähriger Staub und Lampenruss bedeckte dieselben bis zur Rcnovirung im Jahre 1884. Unter anderen Sehenswürdigkeiten befindet sich hier auch die von Ferdinand III. den Prager Juden für ihre während der Schwedenbciagerung im Jahre 1048 bewiesene Tapferkeit geschenkte Fahne, welche unter Kaiser Karl VI. neu hergestellt wurde ; an einer Säule inmitten der Synagoge ist die Fahne befestigt. Ausser der Alt-Neu-Schule besitzt die Judenstadt noch acht andere Synagogen, von denen die der reformirten israelitischen Gemeinde in der Geistgasse die bemerkenswertheste ist.

I'linl. Stengel A.' Cie.

PRAG.

Judenfriedhof.

Alt-Neu-Scluüe.

BRÜCKEN UND NEUBAUTEN.

lie vielen monumentalen Neubauten Prags beweisen, dass die Stadt die modernen Ansprüche zu erfüllen trachtet. So hat z. B. die Sorge für eine Erleichterung der Communication während der Regierungszeit des Kaisers Franz Joseph 1. auch eine Anzahl neuer Brücken geschaffen. Die Elisabethstrasse und den zweiten Moliaustrand mit dem Fabriksviertel Holleschowitz-Bubna und dem reizenden LandeS-park »Baumgarten« verbindet die eiserne Kaiser Franz Joseph-Brücke, welche auf Gemeindekösten in den Jahren 18G5—1868 nach der Constructipn der englischen Ingenieure Ordish und Lefeuver erbaut wurde, lieber dieselbe führt die Pferdebahn nach dem Baumgarten, dem schönsten und besuchtesten Ausflugsort der Prager. In früheren Jahrhunderten war dieser Park ein königlicher Thiergarten, in welchem viel edles Wild gehalten wurde ; unter Ferdinand 1. und Rudolf II. fanden hier häufig Höffestlichkeiten statt, zu denen auch Lustschiffahrten auf dem grossen Teich daselbst gehenden. Im Jahre 1814 wurde der Thiergarten durch Bemühen des Oberstburggrafen Grafen Karl Chotek in einen englischen Park umgewandelt und das alte Jagdschloss in seiner jetzigen Gestalt neu ausgebaut. Das Lustsehloss dient jetzt zum Sommersitz des jeweiligen Statthalters von Böhmen, während der Bark als Eigenthum des Landes in letzten Jahren durch den böhmischen Landesausschüss prächtig hergerichtet wurde* Vor dem Restaurationsgebäude spielt zur Sommerszeit des öfteren eine Militärcapelle, bei deren Concerten sieh die elegante Welt Prags in Baumgarten zusammenfindet.

Die Palacky-Brücke, welche an beiden faulen je eine Statuengruppe von Myslbe'k ziert, wurde gleichzeitig mit dem niedlichen PalackwStrande in den Jahren 1876—1878 nach den Plänen des Ingenieurs J. Reiter erbaut. Die Brücke, gänzlich aus verschiedenfarbigen Granitsteinen erbaut, ruht auf sechs Flusspfeilern, und hat eine Länge von 229 Meter, während ihre Breite 10 Meter beträgt. Auf den Schlusssteinen der Wölbungen belinden sich die Wappenschilder der an der Moldau und Elbe gelegenen grösseren Städte Böhmens. Die nicht unbedeutenden Kosten der Quai-Anlage und der Brücke, die von der Prager Gemeinde bestritten wurden,

beliefen sich auf zwei Millionen Gulden. Ueber die Brücke führt die Pferdebahn nach Smichow, an dessen südlichem Ende der Westbahnhof liegt, in welchen die Prag-Pilsner und Prag-Duxer Bahn und ein Flügel der Buschtehrader Bahn einmünden ; links vom Bahnhof erstreckt sich am Moldauufer die Kaiserwiese, auf welcher alljährlich im Frühjahr die Pferderennen der böhmischen Wettrenjl-Gesellschaft Stattfinden. In der Hauptstrasse, die ganz Smichow von Nord nach Süd durchzieht, steht die im Jahre 1885 erbaute Basilika zu St. Wenzel, an deren schon geschmückter Front zwei Thürme sich erheben und deren Inneres in stylvoller Weise polychromirl ist und mit Gas beleuchtet wird. Die Kosten des Kirchenbaues wurden durch öffentliche Sammlungen hereingebracht. Von den zahlreichen Neubauten hebt sich nebst den St. Wenzels-Basiliken insbesondere die umfangreiche, modern gebaute Albrecht-Kaserne Vortheilhaft ab. Die Vorstadt Königliche Weinbeige, die ihrer günstigen Lage halber einer Vergrüsserung leichter zugänglich ist, als das enge Smichow, nimmt immer mehr das Aussehen einer wirklichen Grossstadt an. Eine wahre Zierde der Stadt ist die in gothischem Style gehaltene St. Ludmilla-Kirche, auf den königlichen Weinbergen, welche in den Jahren 1888 bis 1893 nach den Plänen des Architekten Mocker erbaut wurde. Der schöne Purkyim-Platz, WO sich die Kirche befindet, ist durch kleine Anlagen belebt. Hinter der Kirche erhebt sich das prachtvolle, von der Gemeinde erbaute Nationalhaus (Närodni dum).

Verschiedene Nutzbauten und Zinshäuser in Prag schliessen sich der Renaissancerichtung an, unter welchen der Bau der böhmischen Hypothekenbank besonders zti erwähnen ist. Bin ziemlieh Vollständiges Bild des künstlerischen Schaffens auf dem Gebiete der neueren Architektur und Kunstgewerbes bot die Kunstausstellung der Landes-Jtibiläumsausstellung des Jahres 1891, in welcher sich auch die böhmischen Baukünstler des Auslandes eingefunden haben, denen es nicht besehiecien war, bedeutende Baudenkmale auf heimatlichem Boden hervorzubringen. Auch in anderen Abtheilungen konnte man das Walten der Architekten verfolgen und schon die von Wiehl und Münzberger entworfenen Ausstellungsbauten boten ein Bild regen Schaffens der Gegenwart.

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KARLSBAD I.

inen alten und immer guten Klang hat Karlsbad, der erste der böhmischen Kurorte. Dieser Weltcurort wächst nach und nach zum Mittelpunkte der kosmopolitischen Gesellschaft des Continents heran. War es wirklich der mächtige Sprung von felsiger Höhe in die Tiefe, den der von der Meute des Kaisers Karl IV. gehetzte Hirsch gethan hat, der zur Entdeckung des Sprudels führte, oder war der Heilquell schon lange vorher bekannt? Mögen auch in alten Archiven vermodernde Urkunden und eine aus dem Anfange des XIII. Jahrhunderts stammende Landkarte mit grämlicher Gewissenhaftigkeit darthun, dass schon am faule des XII. Jahrhunderts in der Gegend des heutigen Karlsbad eine Ansiedelung bestand, die den Namen »Vary«, die Siedende, Kochende, führte — wir ziehen es vor, den dichtenden Spuren der dankbaren Volksseele zu folgen, und sehen in dem pürschenden Kaiser den Kntdcckcr der Heilquelle und den Gründer des Curortes, dem er seinen Namen gab. Thatsächlich trägt auch das älteste historische Document über Karlsbad, das vom 14. August 1370 datirt ist, die Unterschrift dieses Kaisers und spricht von »täglich bewiesenen, eifrigen Diensten« seiner lieben getreuen Bürger zu Karlsbad. Sicher ist auch, dass Kaiser Karl IV. das Warmbad Vary zur freien Stadt und zum Curorte gemacht hat, und dass dieser daher mit historisch begründetem Rechte den Namen Karlsbad führt.

Ihrer durch Kaiser Karl IV. gewährleisteten Freiheit durfte sich die Stadt Karlsbad aber nicht ununterbrochen erfreuen, denn sie wurde 1430 von Kaiser Sigmund, dessen Geleitbrief Huss vordem Scheiterhaufen nicht schützte, an den Grafen Schlick und von diesem ldöö an einen Ritter Polaeky verpfändet. Diese Verpfändung gab Anlass zu einer blutigen Fehde zwischen den Bewohnern von Karlsbad und Elbogen. Obwohl die Karlsbader, die sich als wahre Kriegshelden erwiesen und 200 Elbogener zu Gefangenen gemacht hallen, schliesslich doch von den Schlick'schen überwältigt wurden, so mussten die Herren v. Schlick dem Ritter Polaeky sein Pfandrecht auf Karlsbad doch wieder ablösen und im Jahre 1547 alles Verpfändete an Kaiser Ferdinand 1. wieder abgeben, bei welcher Gelegenheit Karlsbad wieder an die böhmische Kammer kam.

Sehen wir auch Karlsbad heute in üppiger Blüthe den Ehrentitel des ersten Curortes der Welt nicht nur führen, sondern auch verdienen, eine forllaufende Leidensgeschichte ist ihm nicht erspart geblieben. Verschiedene Wasserkatastrophen und Ueberschwem-mungen richteten im Orte grossen Schaden an. Von Kriegsereignissen, die Karlsbad direct durch Brandschatzimg. Üeberfall oder Truppen-durehzüge, oder indirect durch das Wegbleiben der Kurgäste zu grossem Schaden gebracht haben, nennen wir den Dreissigjährigen Krieg, den österreichischen Successionskrieg 1741 —1742, den Siebenjährigen Krieg, die Kriege gegen den ersten Napoleon in den Jahren 1809 und 1813 und die Kriege 1859, 1800 und 1870. Die letzte Katastrophe — mag sie die letzte für alle Zukunft bleiben — die Karlsbad betroffen hat, war die Ueberschwemmung vom 24. November 1890.

Karlsbad diente stets der Herstellung der angegriffenen Gesundheit und trägt mit Recht den Namen einer »königlichen Stadt«. Seine Lage in dem schmalen, romantischen Thale des Flusses Tepl, das von bewaldeten Reigen begrenzt ist, trägt in hohem Masse zum angenehmen Aufenthalte der Besucher bei.

Die Stadt verzweigt sich nur bis zu dem Punkte, wo das Flüsschen sich hinter derselben in die Kger ergiesst, während in dem Inneren der Ebene die Gebäude seltener werden und in eine einsame Waldidylle mit zerstreuten Villen und Pavillons übergehen.

Die schönste Strasse ist die sogenannte »Alte Wiese« am linken Ufer der Tepl, der Karlsbader Boulevard, das Stelldichein der eleganten Curwelt. Eine Reihe von hübschen Häusern auf der einen und von Bazaren in einer Kastanienallee auf der anderen Seite schliessen die »Alte Wiese« ab. Die Kastanienallee wurde im Jahre 1750 gepflanzt und die ersten Häuser der Alfen Wiese« stammen aus dem Jahre 1090. Die Strasse wird durch das bekannte Etablissement Pupp prachtvoll abgeschlossen, wogegen sich am anderen Ufer des Flusses als Gegenüber die sogenannte »Neue Wiese« mit der Sprudcl-Colonnade und dem Theater befindet.

Alljährlich erfolgt mit kirchlichem Gepränge die Brunnenweihe nach altehrwürdigem Brauch. Mit dieser Feier wird die Saison | gewissermassen ofüciell als begonnen erklärt.

I'hot. Stetig«] & Cie. KARLSBAD.

Alte und neue Wiese.

KARLSBAD II.

larlsbad liegt 374'13 m über der Ostsee im nordwestlichen, reindeutschen Theile Böhmens, in einem mehrfach sich windenden Thale, durch das die d'epl flicsst. Die dieses Thal bildenden Gebirgszüge mit ihrem herrlichen Waldbestand von Tannen, Fichten, Eichen und Buchen weichen, nachdem sie die d'epl bis an ihre Einmündungssteile in die Eger begleitet haben, weit aus einander und bilden tlussauf-würts und abwärts das rechte Ufer der Eger. Das Telpthal ist für die mächtig aufstrebende Stadt längst zu schmal geworden, und wo durch Verbreiterung der Thalsohle nicht Raum geschaffen werden kann, da rücken stolze Neubauten immer höher und höher hinauf. Das Karlsbader Gebirge, welches dem Erzgebirge gegenüber steht und im Süden mit dem Böhmerwald zusammenhängt, bildet mit diesem und mit dem Fichtelgebirge ein geographisches Ganzes. Zu seiner heutigen Höhe hat sich dieses Karlsbader Gebirge eist in der Tertiärzeit erhoben — in der Periode der Basalt-erhebungen -- und in dieser treten auch die Quellen von Karlsbad auf. Vulkanische Revolutionen bewirkten die Basalterhebungen und diese bahnten den Quellen den Weg. Den Hauptzerklüftungsrichtungen in der Tiefe entsprechen auch die Gebirgsspalten an der Oberfläche des Teplthales; die eine bildet die Schlucht mit der Pragergasse am rechten und dem Schlossberg am linken Ufer, in der anderen bettet sich der Fluss. Aus der Kreuzungsstelle dieser beiden Gebirgsspalten bricht das Gentrum der Quellen Karlsbads — der Sprudel — hervor; die übrigen Quellen kommen aus seitlichen Spalten, die mit dem Sprudel in Verbindung stehen. Alle heissen Quellen besitzen die Eigenschaften der Inci ustation, d. h. sie verSintern. Dieser Vorgang findet auch beim Sprudel statt, und in dieser Weise hat sich auch im Kaufe der Zeit die sogenannte Sprudelschale selbst aufgebaut. Der Sprudelstein, ein Bruchstück der Sprudelschale, bildet geschnitten und polirt, ebenso wie die bekannten Karlshader incrustate einen beliebten und gesuchten I landclsartikel.

Unser Bild zeigt Karlsbad mit der Parkstrasse, eines der elegantesten Viertel der Stadt. Die Strasse mit ihren stolzen Gebäuden ist unbestritten die fashionabelste der weltberühmten

Curstadt und gewährt im Sonnenglanze Oer Saison, wenn Alles in den herrlichen Alleen lebt und webt, ein berückend schönes Gemälde. Blickt man zur Waldhöhe empor, so grüsst die Künigs-villa, sowie die hübsche englische Kirche herab, während auf den Abhängen des Dreikreuzberges malerische Häuser stehen. Abwechslungsreich präsentiren sich die Ansichten der Curstadt von den umliegenden Anhöhen, reizend die prächtigen Villen, die kleinen geschmackvollen Gärten mit den bunten Blumenbeeten, die schattigen Lauben, die Colonnaden und die Kurhäuser. Um all dies spannt sich ein Rahmen waldiger Beige und Hügel, aus deren dunklem Grün die stillen Villen hindurchschimmern. Die Frequenz Karlsbads hat einen raschen Aufschwung genommen. In der ersten Fremdenliste des Curortes vom Jahre 1795 finden wir 638 Parteien verzeichnet, während die Liste aus dem Jahre KS07 44.478 Personen aufweist. Karlsbad ist ja eine Heilstätte für ganz Europa geworden; es beherbergt Angehörige aller Nationen und aller Stände. Auch gekrönte Häupter pflegen den berühmten Curort aufzusuchen. Se. Majestät Kaiser Franz Joseph I. beehrte im Jahre KS47, noch als Erzherzog, die Stadt mit seinem Besuche. Karlsbad zählt ohne die Gurgäste mehr als 10.000 Einwohner. Ausser den politischen und Gerichtsämtern besitzt Karlsbad eine hochentwickelte Porzellanindustie. Ausserdem florirt die Erzeugung von Glaswaaceri, Spitzen und von Gold- und Silberproducteh. Viel verbreitet sind die Karls-bader-Oblaten und das Karlsbader-Bitterwasser.

Lage und Umgebung von Karlsbad sind ganz ausnehmend reizend und anmuthig und nimmt auch in dieser Beziehung Karlsbad unter allen böhmischen Bädern den unbestritten ersten Rang ein. Dass ein Gleiches auch in Beziehung auf die Heilquellen der Fall ist, beweist wohl am schlagendsten die enorme Frequenz des Curortes, die kein anderer böhmischer Badeort erreicht, und welche wohl kaum von einem anderen Ifeilcurort • denn die fashionableh sogenannten Wintercurorte an der Rivicra und derartigen Gegenden zählen da nicht mit — übertroffen werden dürfte. Recht abwechslungsreich gestalten sich auch für den Liebhaber von Wagenpartien oder den Freund grösserer Fusstouren die Ausflüge in die sehr schöne weitere Umgebung Karlsbads.

KARLSBAD III.

ie Stadtgemeinde von Karlsbad unterlässt nichts, was zur Hebung des Ourortes beitragen kann. Vor Allem ij sind die öffentlichen Gebäude zu erwähnen, insbesondere diejenigen, welche den eigentlichen Heilzweck fördern. Alles ist hier comfortabel, elegant und praktisch eingerichtet, einzelne Baulichkeiten geradezu luxuriös. An die ( ur-gebäude reihen sich die vielen hervorragenden Privathäuser, Villen, Kirchen, Restaurationen und Pensionate harmonisch an. bJnter-den neuen Bauten ragt das Kaiserbad hervor; die jüngste monumentale Schöpfung Karlsbads, ist an Pracht und Heilbehelfen das ProduCt vornehmer künstlerischer Architektonik und weitestgehender Ansprüche der modernen Wissenschaft. Die Pläne dieses 2800 Quadratmeter Klächenraum einnehmenden Prachtbaues, dessen Herstellungskosten riebst Grundankauf nicht weniger als 1,280.000 fl. betrugen, stammen von den Architekten Kellner & llelmer in Wien, denen die Staat noch manche andere architektonische Zierde Verdankt. Der Bau ist in französischer Renaissance gehalten und die gegen die Stadt gerichtete Hauptfacäde im Parterre mit weiten Loggien versehen. Von den halbkreisförmig angeordneten und durch einen breiten und hohen Gang eingeschlossenen Badelogen für Moorbäder ist rechtsseitig die erste ein Kürstenbad, welches aus einem reich ausgestatteten Salon, aus einer Auskleidecabine und einer mit allem Corrifort ausgestatteten Badecabinc bestellt. Die übrigen im Hochparterre befindlichen '27 Moorbadecabinen, sämmtlich in reicher Ausstattung ausgeführt, haben getrennte Ankleide- und Bad ec ab inen. Benützt man die vom Tiefparterre in das erste Stockwerk führende, künstlerisch ausgestattete Haupttreppe, deren Wände vom akademischen Kunstmaler Jakesch durch farbenprächtige Lunetten und Frescobilder, von denen das eine "Die der Entdeckung noch entgegenschlummernde Sprudelnixe*, das andere »Die Entdeckung der Sprudelnixe« darstellt, so gelangt man direct in den an der Hauptfront des Gebäudes gelegenen 2 bb Meter langen und 1L2 Meten breiten Saal für die in Cömbination mit der Karlsbader Cur sich vortrefflich bewährende schwedische Heilgymnastik. Das Curhaus am linken Ufer des Flusses dVpl, unweit der Mühlhrunnen-Colonnade, wurde mit einem Kosten aufwände von

350.000 fl. erbaut. Das Curhaus, im Jahre 1867 vollendet, ist die älteste moderne Badeanstalt von Karlsbad, und wie rasch das Aufblühen Karlsbads neue Bedürfnisse zeitigt, erkennt man aus den Adaptirungen, die an dem Curhause während seines nun dreissigjährigen Bestandes vorgenommen werden mussten. Die Aussenseite ist die gleiche geblieben, die Eintheilung und die Austattung der Badegelegenheiten ist eine vollständig andere geworden. Im Parterre des ausgedehnten Gebäudes befinden sich die Cursalons und auch die einfachen Curzimmer, die Mineral-Wasserdouchen U. s. w.: im ersten Stocke die russischen Dampfbäder, die Herren- und Damen-Lesehalle, der Rauchsalon, das Kaffeehaus und die Restauration, der grosse Saal und zwei kleine Ball- un.l Concertsäle. Im Tiefparterre sind die Moorbäder untergebracht. Etwas weiter unten, aber auf dem rechten TeplÜfer, liegt das Neubad, vollendet im Jahre 1880. Es dürfte für unsere Leser nicht uninteressant sein, zu erfahren, dass dieses Gebäude, das nur 48 Piadezellen, 2 1 Moorbäder im Krdgcschoss und 2 1 Sprudelbäder im ersten Stock umfasst, an Herstellungskosten 105 653 fl. und an Aufwand für den Platz die annähernd gleiche Summe verschlungen hat; es mussten ein Privathaus, das allgemeine Krankenhaus und das Bürgerversorgungshaus verlegt werden. Das eigentliche Sprudelbadehaus, ein Theil des heutigen SprudelbaJes, entstand 1881 aus dem früheren sogenannten Sprudelsaale, der 1771 als eine Art bescheidenen Cursaales errichtet worden war. Im Jahre 1852 wurde auch der im ersten Stocke befindliche Saal zu Bädern eingerichtet. Das heutige Sprudelbad, 1878—1879 erstanden, seitlich von der Sprudelcolonnade, enthält in seinem Tiefparterre 18 Sprudelbäder. Einige Schritte entfernt entspringt aus dem Bernhardfelsen, der sich durch einen Vorsprung auf den Strand drängt, neben der sogenannten Spitalquelle noch die Felsenquelle, zu der ein hübscher Säulengang führt, haue grosse Zahl künstlich hergestellter Anlagen verschönert den Curort. Zu den hervorragendsten Etablissements zählt dasjenige Pupp's mit dem Goethe-Denkmal, das aus dem Jahre 1883 stammt. Das Ktablisse-ment besteht aus einem Complex von Gebäuden in grossem Style: luxuriös eingerichteten Gastzimmern, einer Restauration, u. A.

KARLSBADER COLONNADEN.

b'jff'^foj',c ^Kihlbrunn-Colonnadc, welche sich auf dem linken S^l^c Teplstrande befindet und den Namen der Mühle, an I^M^JP deren Stelle sie steht, führt, ist ein monumentaler Hau. :!', ~ '■■ .^e^ |)K.SC ('olonnade, in der sich nebst dem Mühlsprudel auch der neue Sprudel, die Bernhardquelle, die Theresienquelle und die Elisabeth quelle belinden, besteht aus einer Doppelreihe von korinthischen Säulen, über welchen sich eine gerade Steinfläche erhebt, die von einem hübschen steinernen Gitter Umgeben, vorne mit Statuen und rückwärts mit einer kleinen Säulenreihe verziert ist. Die älteste, nebst dem Sprudel in Gebrauch gezogene Quelle ist aber der Mühlbrunnen. Sie wurde schon um das Ende des XVI. Jahrhunderts benützt. Die heutige Monumental-Säulenhalle nach den Planen des Professor Zittek in Prag, vollendet im Jahre 1877, verdrängte die im Jahre 1874 errichtete, mit der Mühl-bnmnen-Süulenhalle im Jahre 1827 verbundeneNeubrunnen-Wandel-bahn — »die Trampelbude«, von der Goethe so viel Rühmens gemacht hatte. Ursprünglich hatte der Mühlhrunnen nur eine Trinkhalle. Gegenüber dem Marktplatze zu und knapp am rechten Ufer steht die Sprudel-Colonnade, in deren Mitte der älteste, kräftigste und wärmste aller Karlsbader Sprudel entspringt. In mannesdickem Strahl steigt dieser Springquell zur Höhe; er ist das Wahrzeichen und die Lebensader Karlsbads. An Ergiebigkeit (1861 Liter in der Minute, Temperatur 58'3° R.) kommt ihm keine der übrigen (Hieben gleich. Anlässlich des Erdbebens zu Lissabon im Jahre 1755 hörte die Quelle durch drei Tage zu sprudeln auf. Bis zum Jahre 1878 befand sie sich unter freiem Himmel; in diesem Jahre wurde über dieselbe ein umfangreicher Saal erbaut, bis endlich im Jahre 1878—1879 mit einem Kostenaufwan.de von ungefähr 250.000 fl. die jetzige Kolonnade nach den Plänen der Wiener Architekten Kellner und Helmer entstand.

Zu den Sprüdelöftjnungen gehört auch die Hygeensquelle, die beim vorletzten Sprudelausbruch 1809 entstand. Sie wurde im Jahre 1816 mit einer Säulenhalle überbaut, die im Jahre 1826 demolirt und durch eine neue ersetzt wurde. Diese bestand bis zum Jahre 1870. Die eigentliche Sprudelhalle wurde im Jahre 1827 erbaut und in den Jahren 1859 und 1802 vergrössert. An die Stellen beider

Mallen trat im Jahre 1879 die heutige Sprudelhalle aus Eisen und (das, erbaut über Beschluss des Stadtverordneten-Collegiums vom 31. August 1878. Die oben erwähnten fünf Quellen haben in der Mühlbrunnen-Colonnade ihre gemeinsame Wandelbahn, an die seit einigen Jahren der gedeckte Weg zur Felsenquelle ansehliesst, die im Jahre 1845 gefasst wurde. Im Jahre 1883 wurde die noch heute bestehende Marktbrunnen-Colonnade erbaut, die ausser den genannten Brunnen noch der Kaiser Karlquelle zum Auslaufsorte dient. Diese wurde im Jahre 1895 bei der Niveauregulierung des Marktplatzes neu gefasst. Ihren Namen trägt sie nach dem im geschichtlichen Theil genannten, vom Kaiser Karl IV. benutzten in den Felsen gehauenen sogenannten Kaiserstuhl. Der Kaiserbrunnen wurde bei der Fundamentlegung zum Militärbadehause im Jahre 1851 aufgefunden und hat seine Ausflussstelle in dem dem Stadtpark zugekehrten Theile des Erdgeschosses desselben. Eine aus Eisen construirte Wandelbahn verbindet ihn mit der Parkquelle. Wie die vorgenannten 12 liegen noch innerhalb der Stadt im Teplthale: Gurhausquellc (sie ist die heisseste nächst dem Sprudel), Spitalquelle, Hochbergquelle, die Kronprinzessin Stefanie-Quelle, die russische Kronenquelle, der Schlossbrunnen. Letzterer blieb nach dem Sprudelausbruch vom Jahre 1809 aus, und erschien erst im Jahre 1823 wieder.

Während in früheren Zeiten die Leidenden nur die Badecur gebrauchten, später durch unmassiges Trinken des Wassers Heilerfolge erhofft wurden, führte Dr. Becher die massige Trinkcur, verbunden mit dem Bade, ein.

An kurzen und längeren Spaziergängen, eben in der Thalsohle, hinan und entlang der bewaldeten Berandungen des überaus reizenden Teplthales, sowie hinauf zu leicht zu erreichenden Anhöhen, von denen sich ein prächtiger Blick auf den stattlichen, schmucken Curort, auf das Eger- und Tcplthal und auf das sich im Norden aufbauende Erzgebirge ersehliesst. Wo immer der Curgast seine Schritte hinwendet, überall findet er allerliebste Punkte, heimliche, traute Winkel, schattige, kühle Waldplätze, und überall lindet er auch Erfrischungen in den unzähligen grossen und kleinen Restaurationen und Kalfeew'irthschaften, die ganz Karlsbad ringsum wie mit einem doppelten und dreifachen Gürtel umgeben.

l'hot. Stengel & Die,

Mühlbrunnen-Colonnade.

KARLSBAD. Coloanaden.

Sprudel-Colonnadc.

47,

KARLSBADER UMGEBUNG.

ihrend dem Spaziergänger zur linken Seite auf dem rechten Teplufer noch eine Häuserreihe den vollen Ausblick auf die vor) Wäldern gekrönte Bergkette wehrt, weht ihm von rechts her Waldluft entgegen. Der knapp an seiner rechten .Seite bergan steigende schöne Wald verengt das Thal, durch das die Tepl an der protestantischen Kirche und am Kaiserbade vorbei ihr hell rieselndes Wasser mitten durch die in Schlangenwindungen sich dahinziehende Stadt in die Eger im Norden der Stadt ergicssl. Nur einige hundert Schritte weiter, an »Sanssouci« vorbei, und das Thal erweitert sich, der Ausblick nach allen Seiten wird frei und gewährt ein Landsehafts-bild von bestrickendem Reiz, das an Schönheit nicht verliert, ob der Spaziergänger seine Schritte dem Laufe der Tepl, sie über-* schreitend, oder ihrem linken Hier entlang bergauf, nach links oder rechts lenken mag. Diese durch die im Besitze der Stadt Karlsbad befindlichen, mehr als eine Quadratmeile umfassenden Wälder und Berge gebotene Abwechslung macht den nicht genug gewürdigten Vorzug Karlsbads gegenüber anderen Curorten von gleicher landschaftlicher Schönheit, die, in wenigen Tagen nach allen Richtungen durchschritten, durch die Eintönigkeit des immer gleichen Bildes ihren K'eiz bald einbüssen, während Karlsbad durch seinen Reichthum an Spaziergängen Leib und Seele täglich auf's Neue entzückt und damit die Heilwirkung seiner Quellen erhöht.

Die Sage ist bekannt, welche erzählt, dass Kaiser Karl IV-in den ausgedehnten Ellbogener Wäldern auf einer Jagd einen Hirschen verfolgte, dass dieser, in die bange getrieben, vom Rande eines steilen Felsens in den tiefen Abgrund sprang und die Hunde, welche dem Hirschen nachstürzten, in heisses Wasser fielen. Auf diese Weise soll der Karlsbader Sprudel entdeckt worden sein. Karl IV. selbst hat ihn zur Heilung seiner Wunde, die er im Kriege bei Creey erhalten, angewendet. Der Felsen auf dem sich dieser historisch unbewiesene Jagdvorfall abspielte, führt noch heute den Namen I lirschsprung. Auf dem Steg, der zum Felsen führt, am sogenannten »Jubiläums-Weg«, erhebt sieh malerisch, eine vereinzelte, kegelartige Klippe, auf der eine Gemse aus Bronce steht. Die sogenannte »Petershöhe« schmückt das Brustbild des

Zaren Beter des Grossen, als Erinnerung an dessen Besuche in den Jahren 1711 und 1712. Auf dem Gipfel des Hirsehensprunges sehen wir ein Kreuz, dessen Contouren alljährlich am Vorabende des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers beleuchtet werden. Von diesem Gipfel eröffnet sich eine reizvolle Ansicht der tief in den Thälerh an beiden Ufern des Klusses gelegenen Stadt bis zu den dunklen Bergen gegenüber, zum Thal der Eger und zum Krz-gebirge, Bin anderes nicht minder anmuthiges Aussichtsbild gewährt die rTrariZ Josephs-Höhe der schönste Karlsbader Aussichtspunkt, auf die grünen Wiesen, die der silberne Fluss durchschneidet, auf den kaiserlichen Bark, auf die waldigen Umrisse der Berge, von der anderen Seite auf den I lirschensprung und auf das Erzgebirge, hau steinerner Thurm, der den Namen des Kaisers Franz Joseph [, führt, krönt seit 1877 den Kamm des Hammers, auf dem sieb, ehe Kaiser Franz Josephs-Höhe befindet.

Der bequemste Spaziergang, weil im Thal gelegen, ist der nach dem Posthof, Freundschaftssaal und Kaiserpark. Massig ansteigend zur Höhe führend der nach dem Jägerhaus, I lirschensprung. Kranz Josephs-II Ohe, Aberg am linken Teplufer, Drei Kreuzberg, Stephaniewarte, d^ergwirthshaLis«, Veitsberg, Ruine Kngelhaus am rechten Teplufer. Weitere Ausflugsorte sind der Hans lleiling-Felsen im Bgerthale, Kllbogen; weiter abwärts jenseits der Eger Dallwitz und diesseits Giesshübl-Sauerbrunn, wohin überall musterhalte Wege führen. Neben den sozusagen curgemässen Genüssen, als welche die Spaziergänge, die Concerte Lind der Theaterbesuch gelten können, bietet Karlsbad noch eine Fülle von Gelegenheiten zu Körper und Geist günstig beeinflussenden Lustbarkeiten. Mit der stattlichen Zahl von Engländern und Amerikanern, die alljährlich den Curort besuchen, ist so mancher Sport gekommen, dessen günstiger Binlluss auf das körperliche Wohl Gesunder und Genesender nicht verkannt werden kann und dem die Stadtverwaltung Rechnung zu tragen nicht zögerte. An zwei örtlich weit auseinander gelegenen Stellen wurden Kawn-d'ennis-Spielplätze errichtet, wo sich unter der Aufsicht oder Anleitung eines städtischen Spiel-wartes eine fröhliche Schar vom frühen Morgen bis zum späten Abend in geschmackvoller Dress herumtummelt.

Mi;

GIESSHÜBL SAUERBRUN N.

am man von Karlsbad die Eger abwärts gen Nordost die Strasse nach Drahowitz verfolgt, so taucht dieselbe sehr bald ein in einen mächtigen Fichtenwald, zieht sich in Windungen längs einer Berglehne fort und gewährt prächtige Ausblicke in die tiefer unten durch dichten Wald über Granit- und Basaltblöcke jäh abstürzende Eger und darüber weg auf grüne Koppen und Berge, und hinten, weit hinten der Rahmen des Erzgebirges in malerischer Pracht und doch freundlich anmuthend.

Nach einer sehr anregenden Fahrt von einer Stunde, deren letzten Abschnitt man dicht am rechten Kgerufer, an gewaltigen Granitwänden entlang verfolgt, gelangt man an ein altersgraues, halbverfallenes, mit Epheu und wildem Wein überzogenes Steinthor, durch welches man hindurchtritt, um auf der anderen Seite ein überraschtes Ah! auszurufen, denn vor uns liegt eines der reizendsten Bilder, die man sich denken kann: links der Fluss und an dessen jenseitigem Gier dichter Tannen- und Fichtenwald, rechts ein weiter, schöner Park mit Teichen und Felsen, Springbrunnen, Baumgruppen und Lusthäusern, sanft ansteigend, von Hochwald begrenzt, den eine 400 Meter hohe Bergkuppe überragt, an deren Spitze ein runder Thurm gleichsam Wache hält; mitten in dem schönen Parke ein durch seine Zinnen, Thürme, Terrassen und Balcöns von dem grünen Wald fünf ergründ recht wirkungsvoll sich abhebendes Schloss und, in einer Erweiterung des Thaies, längs des grossen Bogens des von zwei Brücken überspannten Flusses, welcher das Thal erst von Süden nach Norden und dann von Osten nach Westen durchzieht, an beiden Ufern desselben malerisch gruppirte Villen und Curhäuser, zumeist in gebilligem Schweizerstyle erbaut und schöne, ausgedehnte Parkanlagen aller-wärts. Nach Norden, auf steilem, rothgrauem Granitfels, dicht am Fluss* Ufer ein Kirchlein in Rohbau — dieses Bild rings umrahmt von grünen Bergen und grauen Felsgruppen — am äussersten Horizonte der lange Zug des Erzgebirges in bläulichen Duft getaucht, dieses herrliche Bild ist der Curort Giesshübl-Puchstcin. Er bietet mit seinen alten Nadel- und Fichtenwäldern, die sich bis zum nahen Flusse drängen und von deren Anhöhe man eine herrliche

Aussicht auf das weitverzweigte Erzgebirge geniesst, ein entzückendes Bild. Auf der westlichen Seite, knapp am Ufer, steht eine Reihe hübscher Gebäude und moderner Hotels, während am anderen Ufer sich ausgedehnte Parkanlagen, Auen und Haine mit angenehmen Spaziergängen belinden. In dominirender Lage, in der Mitte eines weiten Parkes, erhebt sich das Schloss des jetzigen Besitzers. Auf einem steilen Preisen im Norden steht die hübsche St. Anna-Kapelle. Das Bad besitzt drei Quellen; die König Otto-, die Elisabeth- und die Kaiser Franz Joseph-Quelle, von denen die erste, zu Ehren des einstigen griechischen Königs Otto I. genannt, die bedeutendste ist. Sie fliesst aus einem Granitfelsen und hat einen angenehmen, erfrischenden Geschmack.

Die Giesshübler Sauerbrunnquellen und das gesammte um dieselben liegende Gebiet an Wäldern und Feldern gehörte von Alters her zum Bestände der Herrschaft Engelsburg, deren Besitzer nach der Zerstörung dieser Burg sich in deren Nähe, im Thale, ein bequemeres Schloss in Giesshübl bei Sollmus bauten und nun die ganze Herrschaft Giesshübl nannten, von der im Jahre 1873 die Quellen und das Quellengebiet von Herrn Mattoni abverkauft wurde. Die Giesshübler Sauerbrunnquelle, Büchsäuerling, welche an der Westseite des'Buchberges, etwa 40 Meter über der Thalsohle entspringt und nach diesen einst so benannt worden, ist schon seit vielen Jahrhunderten bekannt. Die erste authentische Nachricht erhalten wir von Payer de Cubito im Jahre 1522, wo dieser einzige damals in Karlsbad lebende Arzt in seinem -»Trac-tatus de Thermis Caroli IV, Lipsice 1522« erzählt, dass der Buch-Säuerling von Landleuten der Umgebung Karlsbads auf Wagen nach Karlsbad geschafft wurde, um ihn dort als einziges gutes Trinkwasser an die Einheimischen und die Badegäste zu verkaufen. Obgleich die heilende Wirkung des Giesshühlerwassers schon im Jahre 1571 bekannt war, und das Wasser seit Beginn dieses Jahrhunderts versandt wurde, war es doch erst der jetzige Besitzer, kaiserlicher Rath Heinrich Edler von Mattoni, der mit unermüdlicher Sorgfalt den Curort verschönern, prächtige Weganlagen und Aussichtspunkte herstellen und eine modern eingerichtete Kaltwasserheilanstalt erbauen liess.

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PlTdt. Stenge! & Cie.

GIESSHÜBL-S AUERBRUNN.

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HANS HEI LING-FELSEN. BAD KÖNIGSWART.

|p^^^^|I|ie romantischen Granitfelsen im Thale der Eger zwischen fjl;iy^l KiirUlnul und Blbogen sind wohl jedem Besucher mmM^m'),, Karlsbads bekannt. Sie verdanken ihre Verbreitung Hl '.'^^M ebenso ihrem Liebreiz, wie der Nähe des weltberühmten Curortes. Die Felsen erheben sich imposant am linken Ufer der Eger in verschiedenen Höhen, als verschieden gebildete, graue Pyramiden, welche in die I feimlichkeit der dunkelgrünen Tiefen der Gewässer blicken. Die Phantasie der Menschen hat in ihnen einen versteinerten Hochzeitszug gesehen. Man will Braut, Bräutigam und Musikanten, auch Schloss und Kirche dort in der Versteinerung bemerken.

Eine Wassernymphe nahm Bache an dem Genossen Namens »Meiling«, der die ihr verpfändete Treue brach und sich eine irdische Biaut erwählt hatte. Durch den Fluch der Fee wurde jedoch der ganze Hochzeitszug in Stein verwandelt Heiling wurde als Kind von einem Bauern am Berge Krudum oder auch an der Stelle, wo jetzt in der Schlaggenwalder Kirche der I lauptaltar steht, aufgefunden und auf das Blbogner Schloss gebracht, wo er errzogen wurde. Er gab sich später dem Studium hin und befasste sich mit geheimen Künsten. Diese hübsche Sage wurde mehrfach dichterisch verwerthet. Auf dem Ufer des Heilihg-Felsens befindet sich die I leilings-Wiese, obgleich im alten Grundbuche der Stadt Elbogen nur eine »Heilige Wiese« erwähnt ist.

Lad KÖnigSWart, unweit von Marienbad, gehört zu den kleinen aber nicht minder bekannten böhmischen Curorten. Seine eisenhaltigen Quellen heilen durch Genüss und Bad. Das fürstlich Metternich'sche Schloss mit seinen Sammlungen von Münzen und Alterthümern und seinerBildergalerie, Museum, Bibliothek, Mineralien-und Zoologischen ('abinet war am 26. August 1840 der Schauplatz der sogenannten »Königswarter Conferenz«. Beim Schloss befindet sich die Burgkapelle St. Antonius von Padua mit Marmoraltar, ein Geschenk des Papstes Gregor XVI. an den berühmten Staatskanzler Fürsten Metternich. Bad KÖnigswart besitzt mehrere sogenannte Stahlquellen, das sind Mineralquellen mit bedeutendem Eisengehalte, u. ZW, Victorsquelle, Fleonorenquelle, Marienquelle, Neubrunnen, Richardsbrunnen und Badequelle, deren Heilkraft

anerkannt und erprobt ist, so dass dieser zwar noch kleine Badeor* doch gut besucht ist. Auch Moorbäder werden verabfolgt. Das neue Badehaus hat grossen Cursalon und alle für einen Curort nöthigen Einrichtungen, prächtige Waldpromenadewege, Wasserheilanstalt und andere Curanstalten. Von Curort Marienbad gelangt man auch zu dem nahegelegenen Jagdschloss Glatzen und Sangerberg auf recht lohnender und angenehmer Bartie. Das allerliebste Jagdschlösschen ist im Schweizerstyle erbaute, vor demselben ist ein niedlicher, kleiner, rings von Hochwald umsäumter See oder strenge genommen Waldteich, der Alt- oder Grossteich. Im Westen des Jagdschlösschens und der dabei errichteten Restaurations-Localitäten steigt der bewaldete Glatzberg 978 m auf, der leicht in V»—% Stunden erstiegen werden kann. Vom Glatzberg oder dem sogen. »Glatzrang- erschMesst sich eine überraschend hübsche Rundschau. Vor Elbogen erreicht die Eger den Granit des Karlsbader Gebirges und bildet bei seinem Eintritt die grosse Krümmung um die Stadt, die hievon den Namen hat. Hier bietet das Bgcrthal ein höchst malerisches Städtebild. Hoch auf granitenem Sockel erhebt sich aus grünem Baumwipl'eln das alte, in seinen Haupttheilen wohlerhaltene Schloss Elbogen, »der Stein« genannt, mit seinen Thürmen und Zinnen ; einen Schlüssel des deutschen Bandes zu der Krone Böhmens nennt es Bruschius, und auf dem engen Raum des Felsenpfeilers, um den der Fluss sich krümmt, liegen die alten Häuser der Stadt zusammengedrängt über Gärten auf den tief unten unter waldigen Bergen dahinrauschenden Strom herabsehend. Eine Kettenbrücke, eine der ältesten in Böhmen, ist kühn über das Flussthal gespannt. Vor ihrer Erbauung hatte die Stadt in der That nur einen Zugang und galt schon darum als sehr fest. Blbogen spielte daher im Mittelalter eine grosse Bolle und war der Vorort des Flbogener Kreises, um dessen Besitz die Grafen Schlick im XVI. Jahrhundert einen langen Kampf mit dem Kaiser führten. Von Blbogen bis Karlsbad strömt die Eger durch ein enges, waldbeschattetes Felsenthal, gegen dessen Ausgang die wunderlichen Granitpfeiler sichtbar werden, in welchen die Volkssage den durch den Fluch eines Berggeistes zu Stein gewordenen Hochzeitszug des Hans Heiling sieht.

MARIENBAD I.

ein

n einem von allen Seiten mit dichten Nadelwäldern umgebenen Kessel liegt, eine Station der Wien -Egerer Bahn, Marienbnd, die Perle der böhmischen Kurorte. 3J Dieses tiefe, blos nach Süden offene Thal durchmesst einer Pach, welcher der ganzen (legend lieblichen Reiz verleiht. Wenigen Kurorten des Continents ist das Glück zu Theil geworden, über so mannigfaltige Heilschätze zu verfügen wie Marienbad, und sich einer solchen günstigen, von der Natur mit verschwenderischen Reizen ausgestatteten Lage zu erfreuen wie dieser Curort. Dabei hat die Kunst der Natur nachgeholfen und Marienbad mit allem Comfort und mit allen jenen modernen Einrichtungen versehen, welche der verwöhnte Gurgast heutzutage von einem Weltbade zu verlangen vermag. Beispiellos ist auch der Krfolg, welchen Marienbad auf dem Heilquellengebiete errungen hat. Der Zeit nach einer der jüngsten Kurorte — Marienbad ist erst im Jahre KSbS zum öffentlichen Kurorte erhoben worden — nimmt es seiner Besucherzahl nach den Rang des zweitgrössten Bades Oesterreich-Ungarns ein. Mehr als 18.000 Kurgäste wallen nun alljährlich von Nah und Kern, aus aller Herren Länder, selbst aus fremden Welttheilen hieher; und mehr als eine Million Flaschen der heilspendenden Marienbilder Wässer werden in jedem Jahre nach allen Richtungen der Windrose versandt. Das Salz-Sudwerk ist, nach Angaben des Herrn Dr. Adolf Frank in Charlottenburg, mit den vorzüglichsten Einrichtungen der Neuzeit, zur Gewinnung sämmtlicher Marienbader Quellenproducte ausgerüstet.

Die Curstadt Marienbad liegt im deutschen Theile Westböhmens, nahe der sächsischen und bayerischen Grenze, 028 Meter über dem Meere, in einem breiten, nach Süden offenen, mit prächtigen Anlagen und grossem Parke geschmückten Kesselthale, rings von prachtvollem Kichtenhochwalde umgeben, der weithin stundenlang von wohlgepflegten Promenadewegen durchzogen wird, welche von allen Punkten des Curortes unmittelbar erreicht werden können. Ein liebliches Bild, das selbst ein stark verdüstertes Gemüth durch seinen bewältigenden Eindruck zu erheitern vermag und dessen idyllische Schönheit jeden Besucher des Curortes mit zauberischer Gewalt unbedingt fesseln muss.

Es gibt wahrlich wenig Orte, zumal wenig Curortc, die sich einer so wundervollen Lage, so bequemer Spaziergänge in der Ebene wie auch im massig hochgelegenen waldumsäumten Bergterrain rühmen können. Wohin man auch geht, überall wandelt man im Baumsehattcn, überall strömt Einem lieblicher Dult des tiefen Waldes entgegen. Nicht umsonst Wird Marienbad eine reizende 'Waldidylle« genannt. Die Mineralquellen Marienbads, die schon im XVI. Jahrhundert bekannt waren, wurden erst im vorigen Jahrhundert ihrem vollen Werthe nach berücksichtigt. Als Eigenthum des Tepler Klosters hiess der Curort bis zum Jahre 1808 Auscho-witz-Bad, nach dem nahe gelegenen Orte gleichen Namens. Abt Pfrogncr hat dem Curort erst den Namen Marienbad gegeben. Das Hauptverdienst um die Hebung Marienbads, sowie die Verbreitung seines Rufes, hat sich Abt Carl Caspar Reitenberger (f 1800) und der Klosterarzt Dr. Nehr (f 1820), dem beim Kreuzbrunnen ein Denkmal errichtet wurde, erworben. Erst 1818 wurde Marienbad zu einem Öffentlichen Curort erhoben; seit damals wird auch das heilspendende Wasser, welches Tausenden die Gesundheit wiedergegeben hat, versendet. 1807 hat Kaiser Kranz Joseph Marienbad zur Stadt erhoben. Auf kleinem Terrain entspringen hier dem Boden verschiedenartige Heilwässer, die einerseits reichen Gehalt an Glaubersalz, andererseits an doppeltkohlensaurem käsen besitzen.

Zu Spaziergängen und lohnenden Ausflügen bietet die nähere und weitere Umgebung Marienbads reichliche und sehr einladende Gelegenheit. Wohlgepflegte Pfade führen durch Wald und Fluren zu Ruhepunkten, welche die schönste Aussicht bieten. Das nahegelegene Bad und Schloss KOnigswart mit seinem berühmten Museum, Bad Sangerberg, Jagdschloss Glatzen, Stift Tepl, der hochinteressante Podhornberg, der Park in Plan, die schöne Joselihütte sind das Ziel beliebter Ausflüge zu Kuss, zu Wagen und mittelst der Eisenbahn.

Für Unterhaltung und Zerstreuung sorgt das künstlerisch treffliche Musikorchester der Brunnencapelle, welche dreimal des Tages Concerte veranstaltet, des Morgens und Abends beim Kreuzbrunnen, Mittags bei der Waldquelle. Ein ferneres Untcrhaltungs-mittel ist das schöne städtische Theater.

KW i 1 IUI

MARIEN BAD II.

ie architektonisch hervorragende Kreuzbrunnen-Colon-nade, eine Zierde der Baulichkeiten Marienbads, bildet einen Vereinigungspunkt der Curgäste. In gleicher Richtung mit dem Saalbau zieht sieh eine lange dichtlaubige Allee mit den Hauptniederlagen und Schaufenstern der Kaufleute hin , die den Vereinigungspunkt der gesammten eleganten Curvvelt von Marienbad bildet.

hart vornehmer Bau ist das Neubad. Die vorzüglichsten Erfahrungen und Errungenschaften der Gegenwart auf dem gesammten Gebiete der Baineotechnik wurden in diesem Monumentalbaue vereinigt, um ein Btablissement zu schaffen, welches in seinen von Künstlerhand gestalteten und geschmückten Hallen das Heilung suchende Curpublikum aus aller Welt zu Gaste ladet und ihm Alles bietet, was immer der verwöhnteste Geschmack in dieser Richtung an Vollkommenheit wünschen und erwarten mag. Das Neubad wurde von dem Brämonstratenser-Stifte Tepl, welchem der Curort seine Gründung und so gedeihliehe Fntwickelung verdankt, unter seinem gegenwärtigen, hoch verdienstvollen Abte P, Alfred Clementso erbaut. Die Entwürfe und Baupläne stammen von dem Architekten Josef Schaffer, Director der Badeanstalten in Marienbad. Im Style edelster italienischer Renaissance gehalten, besitzt das Neubad eine Hauptfront von 112 Meter, zwei Seitenfronten von je 48 Meter und umsehlicsst eine gesammte Grundfläche von 5887 Quadratmeter, wovon 4085 Quadratmeter verbaut sind, haue breite Breitreppe aus Granit führt im Mittelbau zum säulengetragenen Porticus empor. Darunter eröffnen drerThore, mit prächtigen Eichenthürcn geziert, den Eingang in das Haupt-Vestibüle. In der Hauptachse des Vestibules betritt man durch sechs Rundbogenstellungen den Cassenraum, zu dessen Seiten zwei prächtige Ruhe- und Wartesalons liegen. Zunächst dem Vestibüle sind in der Hauptfront die beiden Fürstenbäder situirt. Kaum dürfte eine andere Badeanlage sich an Schönheit und Bracht der Ausstattung mit diesem Gebäude messen können.

An das Centraibad schliesst sich das 1881 und 1882 mit einem bedeutenden Kosten aufwände vom Stifte Tepl erbaute und mit dem höchsten Comfort eingerichtete Bade-Etablissement »das Moor-

badehaus- an. Ks enthält 34 Moorbade-Appartements mit sepärirten Aus- und Ankleidezimmern, zwei Ruhesäle, Gasse und eine Abtheilung für Inhalationen mit medicamentösen Substanzen. Im Parterre des neuen Moorbadehauses befindet sich die Kaltwassercur-Anstalt für Herren. Die Einrichtung ist nach dem Muster bewährter Anstalten, mit dem vollständigen Rüstzeuge der besten Apparate, den balnco-technischen Fortschritten entsprechend, ausgestattet.

Die Heilquellen von Marienbad umfassen drei Gruppen: Die Glaubersalzquellen, deren vorwiegender Hauptbestandteil schwefelsaures Natron neben doppeltkohlensaurem Natron und Kochsalz bei bedeutendem Kohlensäuregehalte ist, die erdige Quelle, welche vorwiegend doppeltkohlensauren Kalk und freie Kohlensäure besitzt, und die Kisenwässer, ausgezeichnet durch Reichthum an doppeltkohlensaurem Fiscnoxydul und freier Kohlensäure.

Der Kreuzbrunnen und der Ferdinandsbrunnen, mit 4-95 Gr. und 5-04Gr. schwefelsaurem Natron in 1 Liter Wasser, sind die bedeutendsten aller kalten Glaubersalzwässer und zeichnen sich durch ihren Reichthum an schwefelsaurem Natron, Chlornatrium und kohlensaurem Natron aus, bei bemerkenswerthem Gehalte an kohlensaurem Kisenoxydul und bedeutenden Mengen freier Kohlensäure. Im Vergleiche zu den Karlsbader Thermalwässern ergibt sieh, abgesehen von dem Temperaturunterschiede und dem Kohlen-Säurereichthum, qualitativ eine grosse Aehnlichkeit, aber eine bedeutende Differenz in Bezug auf die Quantität der gelösten Bestandteile. Reizvoll und wie hingezaubert liegt die herrliche Allee der Waldquelle inmitten eines duftigen Waldes, in einem romantischen ddialkessel. Ein saftgrüner, schön gepflegter Anger nimmt uns dort auf. Marienbad besitzt nebst den genannten Quellen noch die Alexandrinern, Ambrosius-, Rudolfs-, Maricn-und Karolinen-Quelle. Doch selbst, wenn auch die Heilquellen vielleicht auch nicht da wären, würde die (legend allein schon auf den bewegten Geist des Menschen beruhigend wirken. Man kann Marienbad nach Karlsbad mit Recht den ersten Blatz unter den böhmischen, und sogar unter den österreichischen Curorten anweisen. Wie in Karlsbad haben Goethe und andere berühmte Gäste auch in Marienbad gerne geweilt.

l'hol. Stengel & Cio

Waldquelle. Colonnado.

MARIENBAD.

Kreuzbruunen. Neubad, Curhaus.

FRANZENSBAD.

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ranzensbad, der drittgrösste Curort Böhmens, war früher ein unansehnlicher, schwach besuchter Ort. Er wurde erst zur Zeit Kaiser Franz I., dessen Namen er trägt ^ und dessen Denkmal Schwanthaler's die Stadt schmückt, in solcher Weise gehoben, dass er allmälig einen Weltruf erlangte. Im Jahre 1793 wurde liier das erste grosse Curhaus erbaut und im Jahre 1852 wurde Franzensbad zur Stadt erhoben. Das ländliche Bild von Franzensbad unterscheidet sich wesentlich Von den anderen böhmischen Curortenj aber den Mangel hoher Berge ersetzt zur Genüge der Liebreiz des Bades selbst. Die Badeanstalten sind prachtvoll eingerichtet, vornehm und elegant. Die Stadt zählt fünf freundliche Gassen mit prächtigen Häusern und reizenden Parkaidagen. Insbesondere darf die breite, mit Bäumen bepflanzte »Kaiser-Salzquellstrasse« erwähnt werden. Die elegante Damenwelt, die mit Vorliebe dieses Bad theils zum Curgebrauehe, theils zur Erholung aufsucht, verleiht diesem angenehmen Curort einen eigenartig-lieblichen Charakter. Von den Curhäusern, die alle ihrer Einrichtung nach auf der Höhe der heutigen Anforderungen stehen, sind das Kaiserbad, das Egerer Badehaus und das Curhaus besonders anzuführen. Das Kaiserbad repräsentirt einen stylvollen Monumentalbau, welcher dem Curorte zur hohen Zierde gereicht. Die Facade ist reich verziert und die Anstalt von Garten-anlagen umgeben. Die innere Einrichtung ist tadellos und übertrifft in der Regel die Erwartungen der Badegäste. Dieses Badehaus besitzt überdies ein kaltes und warmes Bassinbad, ein römisch-irisches und russisches Dampfbad; ausserdem hat der dermalige Besitzer, der frühere Reichsrathsabgeordnete Friedrich Suess, eine Abtheilung für Kaltwassercuren eingerichtet, so dass auch diese nunmehr in Kranzensbad absolvirt werden können. Das Mineralwasser zur Bäderbereitung liefern Heilquellen: Herkules-, Natalie- und Stefaniequelle. Diese Anstalt verfügt auch über ein reiches Läger des unvergleichlichen Franzensbäder Mineralmoors. Die Bäder sind in allen 4 Anstalten gleichwertig und unterscheiden sich in Mineralwassel-- und Schwarz/sehe oder Stahlbäder, je nach ihrer Erwärmungs-Methode. Unweit vom Egerer Badehause, jenseits der Franzensquelle, erhebt sich ein kleiner runder

Tempel, von dem eine lange Colonnadc zum Cursaal führt. Das Curhaus wurde bereits 1795 eröffnet. Es liegt am Beginne der Kaiserstrasse und beherrscht in seiner grossartigen Anlage den ganzen Curort. Die Mineralquellen und der Eisenmoor des Curortes vertreten die drei wichtigen Reihen der lösenden, anregenden und stärkenden Heilmittel und gestatten durch die mannigfaltige Form, in welcher sie theils für sich allein, theils in Verbindung mit anderen Heilpontenzen den Kranken geboten werden, eine ausserordentlich vielseitige und erfolgreiche Anwendung. Als Heilmittel werden in Franzensbad einerseits die Quellen, insbesondere die Kranzensquelle gegen Blutarmut!! und die Salzquelle gegen Magen- und Darmkatharrhc, andererseits die Moorbäder aus dem hier gewonnenen weltberühmten Eisenmineralmoor benützt.

Der Curort ist ringsum von künstlich errichteten Parkanlagen förmlich eingerahmt. Im Norden finden wir den sogenannten »alten Park«, welcher im französischen Style angelegt ist; an diesen reiht sich eine neuere Anlage im englischen Style. Im Süden linden wir längs der Egererstiasse zu beiden Seiten die älteste englische Parkanlage. Im Westen die durch mancherlei Abwechslung unterbrochenen englischen Anlagen des Dr. Loimann, welche vom Eigentümer dem Publikum freiwillig geöffnet sind. Im Osten befindet sich der wohlgepflegte Morgenzeil-Park, an welchem sich nach Süden die Salzquell-Anlagen unmittelbar anreihen. In der französischen Anlage des alten Parkes steht das Standbild Sr. M. Kaiser Franz I., welches der Staatsminister Joachim Graf von Münch-Bellinghausen errichten liess. Sämmtliche Parkanlagen sind von breiten Spaziergängen durchschnitten und besitzen einen angenehmen Wechsel von Ziergewächsen, Strauch- und Baumgruppen, Alleen, üppig grünenden Wiesenflächen und zahlreichen Blumengruppen. Auch an interessanten Punkten in der Umgebung ist kein Mangel. Wenn auch die Natur in der Ausstattung der Gegenden nicht am verschwenderischesten war, so gibt es doch vielfach schöne Ausblicke in die Ferne zu gemessen, manch fesselndes Landschaftsbild zu schauen und ausserdem manch unvergessliche Erinnerung aus dem Schatze des an Denkwürdigkeiten mannigfacher Art so reichen Egcdandes zu erwerben.

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Tliot. Stengel & Cie. Kaiserbad FRANZENSBAD. Franzensquello.

Salzciuellstrasse, Kaiserhof. Curhaus.

EGER.

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:cr, von den Egerländern überhaupt »die Stadt« genannt, liegt an dem Fusse des zum Fichtelgebirge als Ausläufer gehörigen Grünberges, von dessen Flöhe die .St. Anna. - Kapelle weit über das Land schaut. Die Stadt hat im Laufe der Jahrhunderte die abwechselvollsten Geschicke erlebt, und ist mehr denn ein Mal der Zankapfel blutiger Fehden gewesen. 10(31 wird Eger zuerst als Stadt genannt. 1170 (Barbarossa) und 1389 (Wenzel) war die Stadt Sitz eines Reichstages. 1432 verhandelten die Gesandten des Baseler Concils mit den I lussiten. Im d reissigjährigen Kriege hatte Eger wechselndes Schicksal. Die Stadt erklärte sieh für den »Winterkönig«, wurde dann durch den Kurfürsten von Sachsen für den Kaiser gewonnen. In der Folgezeit wurde sie wiederholt von Schweden und Kaiserlichen belagert und eingenommen. Die böhmischen Könige Johann von Luxemburg, Karl IV. und Wenzel IV. bestätigten der Stadt ihre grossen Rechte und Brivclegien. Karl Yl. hat im Jahre 1725 die Egerer Gegend auf ewige Zeiten der böhmischen Krone einverleibt, ausserdem aber noch Eger zur königlichen Stadt erhoben. In der Nacht vom 25. Februar 1634 wurde im jetzigen Stadthause Albrecht von Walbnstein, des Verrathes beschuldigt, von den OHicieren der Egerer kaiserlichen Besatzung ermordet. Im österreichischen Erbfolgekrieg wurde die Stadt von den Franzosen eingenommen und von denselben erst nach der Schlacht bei Simbach geräumt. Im Jahre 1G73 unter Kaiser Leopold I. ist Eger nebst dem Burgbezirke auf neue Art befestigt und bis 1805 als Festung betrachtet und erhalten worden. Die neueste Art Kriegführung liess aber an eine Verteidigung dieser Festung nicht denken, daher denn auf Allerhöchsten Befehl mit der Schleifung der Festungswerke 1808 vorgegangen wurde. Nur der Burgbezirk zeigt noch Reste der ehemaligen Befestigung.

Die Stadt Fger in ihrer heutigen Gestalt gewährt ein gänzlich anderes Bild, als es noch vorhandene Ansichten aus dem NW, selbst aus der Mitte des XVII. Jahrhunderts zeigen. Die häufigen Kriege, in welche es verwickelt war, bedingten wiederholte Abtragungen ganzer Stadttheile zu Vertheidigungszwccken; ausserdem aber ist eine bedeutende Anzahl grosser Feuersbrünste in den

Annalen der Stadt verzeichnet, die nebst der Erklärung der allmä-ligcii Umgestaltung derselben zugleich den sprechendsten Beweis für die enge und in jeder Beziehung mangelhafte Bauart vergangener Zeit liefern. Gegenwärtig ist als der Mittelpunkt der Stadt der Ring zu betrachten, an dem die stattlichen Häuser liegen. Angelegt wrar dieser Theil schon zu Zeiten des gewaltigen .Stadtbrandes im Jahre 1270. In der nächsten Umgebung desselben hegt das Steinhaus, eines der ältesten Gebäude der Stadt.

Am Ringe liegt auch das Rathhaus, ein stattliches Gebäude mit alter denkwürdiger Geschichte. Der älteste Theil desselben war schon im Anfange des XII. Jahrhunderts erbaut. In ihm haben oft deutsche Kaiser und die Herrscher von Böhmen gewohnt.

Neben dem Rathhause steht das Haus, in welchem 1703 Friedrich v. Schiller wohnte, um in hager seine Quellenstudien /A,r Wallenstein-Tnlogie zu machen. Am westlichen Ende der Stadt befindet sich auf einem Felsen die königliche Burg, »das alte Schloss«, mit dem Schwarzen Thurme beim Eingange, welcher ungefähr aus dem X.Jahrhundert stammt und aus Lava aufgebaut ist. Das Schloss war einst der Wohnsitz der Egerer Burggrafen und im Rittersaale, der nur mehr durch Spangen zusammengehalten wird, wurden im Jahre 1034 die Officiere Wallensteins ermordet. Es lässt sie wohl niemand, der als Fremder nach Eger kommt, tinbesucht. Die Geschichte der Burg ist ziemlich enge verbunden mit der Stadt Eger; sie wird von einigen sogar lür ein Werk der Römer gehalten. Viele Hoftage und Reichstage sind von römischen Kaisern hier abgehalten worden. Der letzte der Regenten Böhmens, der sie bewohnte, war Georg von Podiebrad, und zwar 1459, 1460, 1461 und 1467. Nach dieser Zeit besass die Stadt Eger selbst schon stattliche Häuser, insbesondere am Ringe, wo das neue Rathhaus erbaut war, in welchem hinfort gekrönte Häupter zu wohnen pflegten. Im Stadthause ist das interessante Museum angebracht, welches viele Andenken an Wallenstein aufweist.

Eger ist gegenwärtig eine der hervorragendsten Städte Deutschböhmens und erfreut sich eines vorgeschrittenen Handelsverkehres, auch schon deshalb, weil in den grossen GentrabBahnhof sechs verschiedene Eisenbahnlinien einmünden.

I'Int. SkngA k Cie. Schwarzer Thurm. EUER.

TE PLITZ-SC HÖNAU.

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fr i

Sfl cplitz mit dem benachbarten Schönau gehört schon seit

langer Zeit zu den l'urortcn ersten Ranges und ist in dem berühmten Kranze der Bäder Böhmens das älteste. Der Sage nach wurden die Teplitzer Quellen um das Jahr 762 entdeckt, obzwar sie schon zu Zeiten der Römer bekannt gewesen waren. Eine historische Erwähnung der Quellen stammt aus dem XVI. Jahrhundert.

Nach der Ermordung des Wilhelm Kinski in Eger 1634 erhielt die Teplitzer Herrschaft von Kaiser Ferdinand IL Feldmarsehall Aldringer, aus dessen Geschlechte dieselbe dann an die Fürsten Gary überging. Teplitz war wiederholt der Zusammenkunftsort gekrönter Häupter, so während des Kongresses 1813, wo die drei verbündeten Monarchen hier den Allianztractat gegen Napoleon abschlössen; ferner im Jahre 1835, ebenso 1841», als der Kaiser von Oesterreich, der König von Preussen und der König von Sachsen, und im Jahre 1860 als der Kaiser Franz Josef und der Prinz-Regent von Preussen sich hier trafen.

Teplitz hat neun, Schönau zwei warme Quellen, von dienen die Urquelle in Teplitz mit circa 88° R. zu Tage tritt, die anderen Quellen weisen geringere Temperaturen, bis zu 22" R. sinkend, auf; 10 Badeanstalten werden mit diesen, ganz besonders gegen (nebt, Rheumatismus, Lähmungen, Verwundungen äusserst heilwirkenden Quellwässern gespeist. Unter diesen verschiedenen Badeanstalten sind die bekanntesten: das Stadtbad mit der Urquelle, das fürstlich (lary'sche Fürstenbad und Herrenhausbad, das Kaiserbad und das Steinbad, alle in Teplitz gelegen und auch mit Logis versehen. In Schönau sind das Neubad und das Schlangenbad.

Das heisse ThermalmäSSef Wird abgekühlt versendet, und hat der Export in kurzer Zeit 1 ,/,j£ Millionen Flaschen zumeist in überseeische Länder erreicht.

Die warmen Quellen von Teplitz entspringen in einem der gesegnetsteh Thäler, in welchen die Gonfrastwirkungen zwischen den malerisch geschwungenen Linien der Basaltkegel des Mittelgebirges und dem geraden Rücken des jäh abfallenden waldigen Erzgebirges, der in trotziger Einsamkeit aus dem Thale sich erhebende Klingsteinfelsen mit der zinnengekrönten Burg und die

blumigen, zum Erzgebirge sich Innziehenden sanften Hänge, mit ihren vielen, im Frühjahr vom Blüthensehnee überdeckten Obstbäumen zu einem herrlichen Landschaftsbilde sich vereinen. Teplitz-Schörtau, der weltberühmte und älteste Cur- und Badeort Böhmens, weist als solcher alle jene Einrichtungen auf, welche man heutzutage von einem Weltbadeorte beansprucht.

Ganz besonders der mit Teplitz zusammenhängende, wenn auch in communaler Beziehung getrennt verwaltete, so doch einheitlich mit Teplitz verbundene Ort Schönau, der gegen den Schlossberg zu gelegen ist, besteht hauptsächlich aus mit Namen belegten Häusern, welche eigens für Badegäste eingerichtet sind, und den Winter über meist leer stehen. Auch in d'eplitz sind zahlreiche Sommerwohnungen oder richtiger Badegastlogis (die per Woche vermiethet werden), jedoch ist die Stadt Teplitz ihrem Charakter nach weitaus mehr industrielle Stadt, welche ganz besonders seit der enormen Entwicklung der Kohlenindustrie im dortigen Thalbecken einen ganz ungeahnten Aufschwung genommen hat. Teplitz-Schönau hat über 20.000 Einwohner, und die Zahl der Fremden, welche d'eplitz besuchen, erreicht ungefähr die gleich hohe Ziffer; von diesen waren in früheren guten Jahren ungefähr die Hälfte Kurgäste, jedoch hat die Zahl dieser in den letzten Jahren abgenommen, jene der sonstigen Besucher (Reisende etc.) dagegen bedeutend zugenommen.

Durch seine günstige Lage zwischen dem Erz- und Mittelgebirge ist der Kurort, den herrliche Parkanlagen durchziehen, gegen Nordwinde vollkommen geschützt. An prächtigen Spaziergängen und lohnenden Ausflugsorten fehlt es nicht.

Die besuchtesten Punkte in und nächst Teplit/.-Sehönau sind in d'eplitz selbst der prächtige fürstlich Clary'sehe Schlosspark mit grossem Teich, der dem Publikum stets geöffnet und der beliebteste Aulenthalt der Kurgäste ist. Ferner der Uurgarten, an welchem das Theater, die Trinkanstalt mit Kolonnaden, das Kaiserbad, der Kursalon und das Herrenhaus stehen; inmitten desselben ist das Brunnen-Monument. Am fürstlich (Jarv-AKIringen-schen Schlosse, hinter welchem sich der Schlosspark ausbreitet, ist die Schlosskapelle und nahebei die stattliche Pfarrkirche.

der böhmerwald.

|inc stolze Poesie schlummert in den schwarzen, alten Forsten, den dunklen Thälern, den steinernen Meeren und tiefen Seen des Böhmerwaldes und breitet über denselben Grossartiges, Mächtiges und weitaus Würdevolleres aus, als über alle übrigen böhmischen Gebirge. Mögen auch seine Berge nicht himmelan ragen, so war doch bis vor Kurzern noch dieser natürliche Wall des Königreiches Böhmen unwegsam, denn es dehnten sich da bis auf die Sumpf- Und Torfmoore undurchdringliche Urwälder aus, welche jedoch in neuerer Zeit einer gründlichen Waldcultur gewichen sind. Nur auf dem Boubin wird über Verfügung des Besitzers bürsten Schwarzenberg für ewige Zeiten ein circa 200 Morgen grosser Urwald erhalten. Obgleich schon die Zufahrt zu den Höhen des Böhmerwaldes

von Klattau an überaus reizend und prächtig ist, besonders dort, wo die Bahnstrasse in Windungen mühsam an den Abhängen immer höherer Berge hinansteigt, so liegt doch der Kern des BÖhmerwaldeS südlicher, dort, wo sich die endlosen Wälder der Schwarzenberg'Sehen Domäne ausbreiten. Dafür bietet aber die Umgebung von Eisenstein Partien von grossartiger landschaftlicher Schönheit, einer hinreissenden Schönheit, welche in tiefen und starken Accorden die Seele der Menschen erschüttert. Schon die Aussicht in die Ebene, welche die Alpen in endloser Ferne als Hintergrund abschliessen, ist einzig in ihrer Art in Böhmen, dann die stillen Seen mit ihrer geradezu gespensterhaften Ruhe, ihren dunklen Flächen', in denen sich hohe Felswände und schwarze Wälder spiegeln. Die der Mehrzahl nach deutsche Bevölkerung wahrt ihre originelle Eigenart, ihre aufgeweckte und gute Charakteranlage und an manchen Orten auch ihre malerische Nationaltracht.

Dei- nördliche Böhmerwald ist reich an Quellen, Sümpfen und Torfmooren, im Volksmunde »Lohen« genannt, es fehlen ihm aber die Bergseen, die dem südlichen Böhmerwald einen so grossen Reiz Verleihen Obwohl ein echtes Waldgebirge, ist der nördliche Böhmerwald stark bevölkert, indem längs seiner Flüsse und Bache Dörfer, Mühlen und andere Einschichten liegen, hin und wieder auch Glashütten, Fisenhämmer und andere industrielle Etablissements. Diese zahlreichen Ortschaften mit ihren Saatfeldern und Wiesen

bringen eineangenehme Abwechslung in die Einförmigkeit des Gebirges, dessen Waldmantel vorherrschend aus mit Tannen gemengten Fichtenbeständen, in der oberen Region nur aus letzteren besteht. Tachau, der Sitz der Centraiverwaltung der gleichnamigen fürstlich Windisch-grätz'sehen Domäne, zu welcher der grösste Theil des Böhmerwaldes gehört, liegt zwischen waldlosen Höhen zu beiden Seiten der Mies, welche hier aus einem anmuthigen ddiale hervortritt, durch das von dem tiefgelegenen Schlosse eine prächtige Allee alter Ahorne, Ulmen, Pappeln und Linden nach der waldumringten Ortschaft Heiligen führt, wo sich das neue, von Feldmarschall WindlSChgrätz erbaute Schloss und daneben in einem ehemaligen Paulanerkloster das Forstamt befindet.

Eine reizende Partie ist das Aglaimthal mit der malerischen, eine prächtige Aussicht gewährenden Felsmasse des Hirschensprunges. Vom Galtenhof gelangt man nordwärts wandernd durch ausgedehnte Waldungen nach dem zur fürstlich Metternich'schen Herrschaft gehörenden Dillenberg, dem schönsten Aussichtspunkt der nördlichen Gebirgshälfte.

Die GebirgSUmwallung Böhmens zeigt an ihrer südwestlichen Seite eine breite, ein natürliches offenes ddior zwischen Böhmen und Baiern darstellende Lücke, der Pass von Neugedein oder Neumarkt genannt; von jeher Hauptzugang nach Böhmen und deshalb auch Schauplatz vieler blutiger Kämpfe.

Der südliche oder eigentliche Böhmerwald, nächst dem Riesengebirge das höchste Gebirge Böhmens, aber viel umfangreicher als jenes, erstreckt sich vom Hohen Bogen in Baiern bis zum Sternwald in Oberösterreich in einer Bange von circa 20 Kilometern; er zerfällt im Volksmunde in de« Oberen und Unteren Wald. Den Anfang des Oberen Waldes bildet das Runische Gebirge und endet am Spitzbergpass. An diesem und dem Eisensteiner Bass liegen zwei gegen die Seewand von hohen malerisch zerklüfteten Felswänden umgürtete, gegen Osten offene Thalkessel, von denen der nördliche den herrlichen Schwarzen See — welchen unser Bild veranschaulicht — den grössten des Böhmerwaldes, der südliche den früher schauerlich düsteren, weil im Urwald gebetteten Teufelssee, in seinem waldigen Schoss birgt.

l'lmt. (Ihr. S<:lmiiiU, Hi-liüUi'llhi'l<<n.

Bölimerwald. Johainiisbad. Der schwarze Soo.

BÖHMISCHE SCHWEIZ.

* «ilL1p einstigem Meeresboden, der sich vor Millionen Jahren über einen bedeutenden Theil Deutschlands und Nordel böhmens ausbreitete, liegen nun gewaltige Sandstein-klötze, welche die malerischesten .Scenerien bilden. Obgleich das Sandsteingebirge an der Elbe, die sogenannte »Böhmische Schweiz«, keinen Vergleich mit den Alpenriesen aushält, so ist die Gegend doch ungemein pittoresk. In aller Stille haben hier die alten Gewässer ununterbrochen fortgearbeitet und vereint mit Wind und Regen durch ungezählte Zeitalter die mannigfaltigsten Formationen: tiefe Thäler, wilde Schluchten, Felsen, Basteien, Thürme, Durchlässe, Pforten mit kühnen Wölbungen, wie z. B. das Prebitschthor, das auf unserem Bikle links in der Ecke sichtbar ist, geschaffen. Von Eie.rrnskretsch.en führt im Biela-grunde ein schöner Saumweg über Brücken und durch Tunnels in romantischer Gegend zum weltberühmten Punkte Prebitschthor, einem der meistbesuchten Punkte der Sächsisch-böhmischen Schweiz. Dassselbe ist ein Naturgebilde, und zwar ein ungeheueres Thor, welches durch eine 15 m lange Felsenplatte, welche auf zwei natürlichen Felspfeilern aufliegt gebildet wird, und auf welche man hinaufsteigen kann, dabei von oben schönen Ausblick geniessend. Ausgehöhlte Thäler, von malerischen Felsen amphitheatralisch eingesäumt, zeigen sich da dem Blicke. Geber diesen Gebilden der Schöpfung ragen wieder senkrecht abfallende, steile und mächtige Berge und Zinken empor, von denen sich bezaubernde Ausblicke einerseits auf böhmische Landstriche, anderseits auf sächsische (legenden darbieten.

Oben erwähnte kleine Oitscha t liegt pittoresk an der felsigen, rechtsseitigen Berglehne des engen Kamnitzthalgrundes, wird als Sommerfrischort sehr besucht, ist in der Saison meist überfüllt, umsomehr, als von hier aus die schönsten, romantischesten und besücherisWerthesten Touren in die Böhmische und Sächsische Schweiz am leichtesten und bequemsten zu unternehmen sind.

Mit dem nachbarlichen Gebirge zusammen bildet das Terrain ein compactes geologisches Ganze, welches auch in einer Beschreibung nicht von einander zu trennen ist. Die Gegenden sind hier von wunderbarer Anmuth und Lieblichkeit; saltgrüne Rasen-

teppiche bedecken den Boden und krystallhelle, blinkende Gebirgs-wässer durchziehen pfeilschnell die Thäler, in denen deutsche Industrie ihren .Sitz aufgeschlagen hat.

Die höchste .Spitze der Böhmischen Schweiz ist der eine ganz vorzügliche Rundschau bietende Rosenberg.

Den Ausgangspunkt in die herrliche »Böhmische Schweiz« bildet die schöne Stadt Tetschen, die, auf dem rechten Ufer der Elbe gelegen, ein Knotenpunkt der Eisenbahnen und eine Hauptstation der belebten Dampfschifflinien ist.

Die Lage der Stadt Tetschen ist sehr freundlich und hübsch; einestheils der Elbestrom, auf dem reger Dampfschiffverkehr und Frachtenschifffahrt mit Kette, anderentheils die reizende bergige Umgebung verleihen der auch an sich ganz netten und schmucken Stadt ein recht anheimelndes Gepräge. Dazu trägt noch ganz besonders das auf einem 50 m hohen, steil zur Elbe und Pölzen abfallenden Felsen thronende grätl. Thun'sChe Schloss bei, zu dem man auf langer Auffahrt, der sogenannten »langen Fahrt« hinauf gelangt. Im Schloss ein stattlicher Schlosshof, Münz-, Waffen- und Geweihsammlungen, Bibliothek; am Schloss ein prächtiger Park mit grosser Kunstgärtnerei, deren Rosenculturen, Ananaszucht und Orangerie weitverbreiteten Ruf gemessen. Der Blick aus den Schlossfenstern ist sehr hübsch.

Einen schönen Anblick geben auch die drei grossen Elbebrücken, von denen die 1855 aufgestellte Kettenbrücke, die Kaiserin Elisabethbrücke, 239 m lang und 8 m breit ist und ohne Wasserpfeiler über den stattlichen Strom gespannt ist, während die etwas fhissaufwärts über den Fluss gelegte eiserne Gitterbrücke der Böhmischen Nordbahn, sowie die unterhalb Tetschen nach Obergrund v Mittelgrund zum Rangirbahnhof der Oesterr. Nordwestbahn führende Nordwestbahnbrücke nur für den Eisenbahnverkehr dienen.

In der Stadt sind bemerke nswerth das Stadthaus mit Spär-cassa, das Rathhaus, ein gothischer Bau mit Thürmchen, die Decanalkirche, vor der schönen Bürgerschule das 2'3 m hohe Bro'nce-Standbild Kaiser Josefs II. auf einem Syenitsockel. Die Schwesterorte Tetschen-Bodenbach haben sich im Laufe weniger Decennien ! zu einem Handelsplatze von grosser Bedeutung emporgeschwungen.

i'llllt. StuilLJcl & t'iu.

Prebitach-Tbor.

TETSCHEN.

BÖHMISCHE SCHLÖSSER I

m den stolzen Sitzen des böhmischen Adels hat mehr als einer die Stürme der Zeiten überdauert. Ganze Geschlechter sind untergegangen, doch ihre Hurgen erhoben sieh wieder und entgingen dem Verfalle, Manche verfiel der Confiscation nach der Schlacht am Weissen Berge und gelangte nie wieder in den Besitz seiner früheren Inhaber zurück. Die Bauart dieser Burgen ist charakteristisch, obwohl jede Einheitlichkeit im Bau vermisst wird. An der nordöstlichen Grenze Böhmens, auf dem Wege nach der Glatz, in mannigfaltiger hügeliger Gegend, liegt das Nachoder Schloss, das Eigenthum des Prinzen Schaumhurg-Lippe ist. Die Burg war einst ein Königssitz und EÜigenthum des Königs Georg von Podiebrad. In neuerer Zeit stand hier die Wiege der Königin Charlotte von Württemberg, welche im nahen Sommerschlosse der Nachoder Herrschaft, in Ratihoric, geboren wurde. Iii sonderbarem Contraste zur Burg steht unter derselben die Stadt, voll modernen industriellen Bebens.

Ein durchaus moderner Bau ist Schloss Sichrov bei Trautenau, Eigenthum des Prinzen Ronan, Es ist ein kleines eng-lisch-gothisches Kleinod, umrahmt von lieblicher Gegend.

Schloss Konopist, ein Besitz des Erzherzogs Franz Ferdinand von Este, stammt aus dem XIII. Jahrhundert und wechselte häufig seinen Besitzer. Die Befestigung ist schon lange geschleift. Der erlauchte Schlossherr hält sich hier gerne auf. Er hat seine reichen naturhistorischen Sammlungen dort untergebracht.

Karlslein ist wohl die prächtigste und denkwürdigste Burg-Böhmens. Sie steht auf einem 72 Meter über den Spiegel der Beraun sich erhebenden isolirten Kelsen in einem von grünenden Berghöhen gebildeten Thale, welches sich gegen den Fluss zu verengt, so dass man, mit der Bahn vorbeifahrend, die stolze Burg nur auf ganz kurze Zeit zwischen zwei sanft abfallenden Bergrändern zu erschauen vermag. Auf der Westseite befindet sich in einem eigenen Thurme der sehenswerthe Burgbrunnen. Derselbe ist 154*7 Meter tief. Daneben zeigt man ein tiefes Verliess, in welchem steinerne und eiserne Kugeln vorgefunden wurden. Im Innern des Schlosses wird der Besucher zunächst in die Ritterkapelle zu St. Nikolaus geführt, woselbst noch heute Gottesdienst

abgehalten wird. Heber dieser Kapelle befinden sich die kaiserlichen Wohnräume, in welchen der erlauchte ,Gründer des Karlstein seine Tage verbrachte. Der denkwürdigste Raum der grossen weiten Burg ist wohl die kleine, in die Kirchenmauer eingebaute Katharinen-Kapelle. In derselben sass nämlich Karl IV. oft ganze Tage lang in weltentrückter Abgeschlossenheit und gab sich frommen und beschaulichen Betrachtungen hin. Wuchtige Staatsacten und die Mahlzeiten Hess er sich durch eine Oeffnung in der Wand reichen. Zu der Kapelle führt ein schmaler, mit zwei Thüren absperrbarer Gang. Der Raum lässt heule nur schwer die Bracht ahnen, die ihn einstens erfüllte. Die Wände waren mit geschliffenen Böhmischen Edelsteinen überreich geziert, die Zwischenräume der Steine und das doppelte Kreuzgewölbe schwer vergoldet. Von den hier befindlichen Gemälden sind bemerkenswert]!: »Die heilige Jungfrau«, die Bildnisse des Kaisers und seiner Gemahlin Anna von der Pfalz. An den Fenstern Glasmalereien, Der prächtigste und zugleich interessanteste Theil der Burg ist die Kreuz-Kapelle. In derselben wurden einstens auch die Reichsinsignien und Reichskleinodien auf he wahrt.

Um einen gesicherten uneinnehmbaren Aufbewahrungsort für die Reichsinsignien, die Reichskleinodien und Reliquien, für die Bandesurkunden und sonstigen Schätze zu sehallen, Hess Karl [V,, der sieh bis zu jener Zeit mit besonderer Vorliebe auf Burg Pürg-litz aufgehalten hatte, durch Meister Mathias von Arras, dem genialen Schöpfer des St. Veits-Domes in Prag, den Karlstein erbauen. Die starkbefestigte Burg wurde von zwei Burggrafen des Ritterund Herrenstandes mit einer entsprechenden Anzahl ritterlicher Lehnsmannen bewacht und vertheidigt. Ferdinand IL hob das Burggrafenamt Karlstein auf und überliess die Burg den böhmischen Königinnen zum Autenthalte. Kaiserin Maria Theresia schenkte dieselbe dem Prager adeligen Damenstifte, welches sich des kostbaren Eigenthums bis aul den heutigen Tag erfreut. Keine von den zahlreichen Felsenburgen Böhmens macht einen derart überwältigenden Eindruck auf den Besucher, wie eben Karlstein, das die werthvollsteri Kunstschätze barg und heute noch in Jedem | die Erinnerung an die glanzvollste Epoche Böhmens wachruft.

I Limlnuer, Nach od; IV. Sti'iijjd & Cu\

Nachod. Konepist.

Sichrov. Karlstein.

TA BOR.

I! W, '"i^S '||s sind stolze Erinnerungen, die sieh an den Namen > dieser hnssitisehen, nach Prag historisch denkwürdigsten öj Stadt knüpfen. Die königliche und Kreisstadt Tabor ist —d die wichtigste Südböhmens und eine der interessantesten und an historischen Erinnerungen reichsten Städte Böhmens überhaupt. Sie ist nach Art eines befestigten Kagers auf einer isolirlen Anhöhe (450 ni) erbaut, welche gegen Westen steil in das ddial abfällt und gegen Osten im Zusammenhange mit der einförmigen Gneisformation steht. Schon der reizende Anblick', den die malerisch gelegene Stadt am Teiche Jordan und am Flusse LuznitZj in welchem sie sich gar wunderbar spiegelt, darbietet, gestalten sie zu einem hervorragenden Gemeinwesen. Tabor wurde im Jahre 1420 von den Bekennern der hnssitisehen Kehre gegründet. Nach Art der ersten christlichen Gemeinden herrschte unbedingte Gleichheit und Freiheit unter den taboritischen Brüdern und Schwestern. Den Namen für ihre Vefsctianzüng nahmen die Hussiten nach ihrer Gewohnheit aus dem alten Testamente. Der Anlage nach erinnert die Stadt an ihren ursprünglichen Zweck; wesshalb in den Marktplatz elf enge und schiefe Gassen und Gäss-lein münden, in deren jeder nicht mehr als fünf Häuser neben einander stehen. Diese Gassen sind wieder durch Quergassen gctheilt, damit sich das Volk in deren Mitte bis /um Eintreffen von Hilfe so lange als möglich vertheidigen könne. In der alten Stadt findet man noch viele denkwürdige Bauten, besonders auf dem Marktplatze, wo das dreigiebelige Rathhaus, ein Werk des Meisters StaiKk, aus dem Jahre 1521 steht.

Dasselbe macht mit seinem mächtigen ddiurme einen prächtigen und nachhaltigen Eindruck. Im Innern imponirt ein grosser, von vier Säulen getragener Saal, der wegen Raummangel theil-weise leider zu Kanzleien adaptirt werden musste. Von besonderem Interesse sind die in den Mauern eingehauenen meisterhalt ausgeführten Steinbilder und Reliefs, so der Kopf Zizkas und Prokops, ferner Schwalben, ein Löwe u. a. m. Ein Meisterwerk seiner Art ist das aus Tu Istein 1515 hergestellte Stadtwappen. — Eine Sehenswürdigkeit ist das Museum der Stadt. Dasselbe ist in den oberen Stockwerken des Rathhauses untergebracht. Ks werden da

gezeigt: das Panzerhemd Zizkas, kaiserliche Bullen und sonstige werthvolle Urkunden, eine reiche Münzensammlung, prähistorische Funde, archäologische und historische Denkwürdigkeiten, Kuriositäten, und vieles andere mehr, Bei dem Hause Ctibor's steht heute noch jener steinerne Tisch, an dem die Taboriten unter freiem Himmel in beiderlei Gestalten das Abendmahl eingenommen hatten. Auf diesem Platze beriethen die Hussiten auch ihre Kampfes-thaten, vor denen sowohl Böhmen, wie auch das Ausland zitterte. Auf diese Stelle passt gewiss am besten die Marmorstatue des halbblinden hnssitisehen Kührers Johann Zizka von Trocnov, die alten Zeiten herauf beschwörend.

Ursprünglich erhob sich hier die Stadt Hradiste, welche dem mächtigen Geschlechte der Witkowitzer gehörte. Als dieselbe im Jahre 1268 durch Feuer zerstört worden war, übersiedelten die Bewohner nach dem nahen Sezemovo üsti, gegenwärtig das Dorf Alt-Tabor. Fünf Jahre nach dem Tode Huss, am 20. März 1420, gründete Zizka die neue Ansiedelung, »HraSdite' des Berges Tabor«, das gegenwärtige Tabor, und machte dieselbe zum Gentrum des Hussitismus. — Kaiser Sigmund erhob d'abor 1437 zur königlichen Stadt. Dieselbe anerkannte Albrecht II. nicht als Nachfolger Sigmunds und wurde deshalb 1488 von Ersterem belagert. Aber erst 1452 gelang es Georg von Podebrad, die grosse Macht der Stadt zu brechen. Am 0. Juli 1582 wurde dieselbe zum erstenmale durch Feuer schwer betroffen. Dasselbe Schicksal ereilte sie zwanzig Jahre später in noch viel grösserem Umfange, und zum drittenmale gegen Ende desselben Jahrhunderts. Nicht minder schwer hatte d'abor 1011 durch die Passauer Einfälle zu leiden. Am 18. November 1021 wurde sie von dem kaiserlichen General Balthasar de Mar-radas erobert, 1648 vorübergehend von den Schweden besetzt. Im Jahre 1744 bemächtigte sich Friedrich der Grosse der Stadt, hielt sie ein Vierteljahr besetzt und zwang sie zu grossen Abgaben. Kaiserin Maria Theresia erhob d'abor, um es wieder zur Blüthe zu bringen, zur Kreisstadt. Unmittelbar bei der Stadt befindet sich der Jordan-Teich, wo Gondeln lustig sich herumtummeln. In 1 % Stunden gelangt man von Tabor durch das enge malerische Felsenthal derLuznie nach Pfibenic, genanntdas böhmische Pompeji.

i l:. t \ 4-wfV 'Tahnr.

Rathhaus

TABOK

PILSEN.

• 1' -^iJ^I^ hicsse wohl Eulen nach Athen tragen, um ein recht ;'ü'l^i^bekanntes Woi t hier anzuwenden, wollte man erklären, Ht^^^^^r worin der Weltruf der Stadt Pilsen besteht. Dessen-i - ' tingeachtet ist es aber unmöglich, bei Erwähnung dieser Stadt das Pilsener Pier mit Schweigen zu übergehen. Ziffern sprechen eine beredte .Sprache; wenn daher von der Pilsener Bier-produetion die Rede ist, dann sind es die Ziffern allein, die ein beredtes Bild der Bedeutung dieser Industrie geben können. Das bürgerliche Bräuhaus ist zweifellos der grösste Stolz der Stadt Pilsen. Bs wurde im Jahre 1842 auf so kleiner Basis gegründet, dass im ersten Betriebsjahre nur 3657 Hektoliter gebraut werden konnten. Nun werden von diesem vortrefflichen Getränke jährlich ungefähr 650.000 Hektoliter erzeugt. Bilsen ohne das Brau-Etablisse-ment, welches beinahe eine Stadt für sich bildet, nimmt nach Prag unter den grossen Städten Böhmens vermöge seiner Ausdehnung, Architektur und seines intellectuellen Bebens wohl den ersten Rang ein. Die ansehnliche Stadt Bilsen mit 50.000 Einwohnern liegt am Einflüsse der von Süd-West kommenden Rad-busa, welche kurz vorher den Angelbach aufnahm. Bilsen besteht aus der Inneren Stadt und drei Vorstädten: Prager Vorstadt, Reichsvorstadt und Sachsenvorstadt. Pilsen ist die bedeutendste Industrie - Stadt Böhmens und weist neben den beiden weltberühmten Bierbrauereien, nämlich dem Bürgerlichen Brauhaus und der Actien - Brauerei noch andere grosse Industrie - Etablissements auf, so eine Maschinenfabrik, Spiritus-Raffinerie, Papier-und Geschirrfabriken etc. An Stelle der ehemaligen Stadtmauern und Wälle sind hübsche Promenaden geschaffen worden. Inmitten der Stadt der grosse Stadtplatz oder Ringplatz, in dessen Mitte sich die gothische heil. Bartholomäuskirche der Erzdechantei aus dem Jahre 1202 erhebt und durch ihre vornehme Isolirtheit über die niedrigen Häuser der Umgebung eine mächtige Wirkung ausübt (sehenswerth ist die Sternberg'sche Kapelle mit der Marienstatue auf dem Hochaltar aus dem XIV. Jahrhundert); auch das Rathhaus mit Sgraflitmalerei steht auf dem Blatze. Zur Zeit der Best residirte hier Kaiser Rudolf II. in dem Gebäude neben dem Rathhause, welches noch gegenwärtig »das kaiser-

liehe Haus« genannt wird. Im Saale des Rathhauses, das in der rechten Ecke unseres Bildes sichtbar und im prunkvollen Renaissancestyle des XVI. Jahrhunderts erbaut ist, wurden die Bandtage, sowie jenes Festmahl abgehalten, bei welchem sich die Generäle Waldsteins gegen dessen Beben verschworen hatten. Schon im X. Jahrhundert wird Bilsen in Urkunden genannt und in der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts wurde es zur Stadt erhoben. Zur Zeit der Hussitenkriege hatte Pilsen eine dreimalige Belagerung des Hussitenführes Prokop siegreich bestanden. Im dreissigjährigen Kriege wurde die Stadt nach heldenmüthigem Widerstande vom Feldherrn Mannsfeld bezwungen und blieb durch drei Jahre in dessen Gewalt. Im XVIII. Jahrhundert belagerten die Schweden Pilsen zweimal erfolglos. Im ersten schlesischen Kriege hatte Pilsen wiederholt Invasionen der Franzosen und Bayern zu erdulden. Die Stadt blühte nach den hussitischen Kriegen rasch empor und wuchs zu immer grösserer Bedeutung. Für die culturellen Bestrebungen der dortigen Bevölkerung ist der Umstand bezeichnend, dass hier am Schlüsse des XV. Jahrhunderts die erste bekannte Buchdruckerei bestand, aus welcher die trefflichen böhmischen Incunabeln stammen. Während des XVI. Jahrhunderts erfreute sich die Stadt einer Wohlhabenheit, welche bald zu einer bedeutenden Bauthütigkeit Anlass gab und viele wälsche Steinmetze heranlockte. Johann und Anton de Slatia von Lugano, Johann und Matthäus Merdian, Albert Gryson, Marco Soldata und viele Andere wurden hier sesshalt und errichteten eine grosse Anzahl von Häusern für die Bürgerschaft Pilsens. Die Baulust concentrirte sich auf und um den geräumigen Ringplatz auf welchem sich aus der Mitte gleichartiger Gebäude das gewaltige Kathhaus erhob. Dasselbe ist in den Jahren 1554—1556 unter der Beitung der Stadtväter von Meister Johann de Slatia erbaut worden. Beachtenswerth ist auch das Franziskanerkloster und die Kirche mit der gothischen Barbarakapelle, der ältesten Kirche Bilsens.

In nächster Umgebung von Pilsen steht bei der Station Altpilsen auf einer Anhöhe die Ruine Karlskron und in einer halben Stunde ist auch Dobron zu erreichen, mit einer grossartigen interessanten Bandesirrenanstalt und einem Provinzial-Straf haus.

NEUHAUS.

ic Entwicklung dieser hervorragenden Stadt Südböhmens JßSSÄpBt hängt eng mit den Schicksalen der namhaften adeligen l^^^^yp^ Geschlechter Böhmens, der Herren von Hradec, der \\L^^\3*!k$x Grafen Slawata von Chlum und Koschumberg, der Grafen Czernin von Chudenitz zusammen. Von diesen erbte ein Geschlecht nach dem anderen die Stadt Neuhaus. Es gibt wahrlich wenig Städte in Böhmen, welche eine so bewegte Vergangenheit besitzen, wie diese Stadt, die trotz ihrer wenig günstigen geographischen Lage doch schon gegen Ende des XVI. Jahrhunderts in solchem Masse blühte, dass sie den gleichen Umfang besass, wie heute. In der letzten Zeit nimmt sie wieder ihre frühere Bedeutung ein, besonders seit der Erbauung der Transversalbahn. Durch Reichthum, Gewerbe und Industrie, Bildung und literarische Bedeutung stellte sich Neuhaus an die Seite der ersten Städte Böhmens. Obwohl ihr im Laufe der Jahrhunderte viele und schwere Wunden geschlagen wurden, wie die zahlreichen Kriege und die grosse Feuersbrunst im Jahre 1801, ging sie doch nicht zu Grunde, sondern schritt vielmehr einer besseren Zukunft entgegen. Gleich einer »verzauberten Jungfrau«, wie sie der böhmische Dichter Jablonsky nannte, hat sie sich von allen beklemmenden Fesseln befreit und beginnt nun ein neues Leben. Besonders durch ihre prächtigen Bauten, ihre Ansehnlichkeit und Nettigkeit, ihren Reichthum an künstlerischen und historischen Denkwürdigkeiten und nicht zuletzt durch ihre reizende Lage an der Nezarka, ist sie zu einem beliebten Ausflugsorte geworden. Die historischen Reliquien sind in der alten, sehr gut erhaltenen Burg ausgestellt.

Das denkwürdige Schloss steht auf einer felsigen Anhöhe und wurde zwischen 1205—1234 erbaut. Es besteht aus drei Hofen, von denen der dritte am bemerkenswerthesten ist. Dem Eingange zu diesem Hofe gegenüber ein grosser Renaissance-Palast mit zwei von jonischen Säulen getragenen Gallerien und einer Golonnade, über deren dorischen Säulen das stolze Wappenbild der Herren von Neuhaus, die fünfblätterige Rose, prangt. Als Gegenbild zu diesem heiteren Bau steht im nordöstlichen Tracte des Hofes ein ddieil der alten, ursprünglichen Burg, die Heinrichsburg. Die nordwestliche Seite begrenzt ein mächtiges Gebäude, an welches sich

das sogenannte »Neugebäude« angliedert und die Verbindung mit dem erwähnten Säulenpalaste herstellt. In dem Hungerthurmc fand 1438 Sigmund von Wartenberg, Herr von Teschen, den Hungertod.

Die Heinrichsburg ist des weiten Schlosses ältester Theil. Eines der theils im gothischen, theils im romanischen Style ausgeführten Zimmer enthält ein Frescobild des heiligen Georg aus dem Jahre 1383. Die Kapelle des heiligen Geistes hat ein hohes gothisches Gewölbe, dessen Rippen auf romanischen Consolen ruhen. In dieser Kapelle feierte 1564 der Held von Szigeth, Niklas Zriny, seine Vermählung mit Eva von Rosenberg.

Neuhaus wurde gegen Ende des XII. oder Anfang des XIII. Jahrhunderts von Heinrich, einem Sohne Viteks von Pröic gegründet. Von diesem hat die Stadt und Burg den Namen Heinrichsburg (Jindriehüv Hradec). Heinrichs Brüder und er selbst führten in ihrem Wappen die fünfblätterige Rose in verschiedenen Farben. Unter den Nachkommen sind berühmt: Udalrich Vaväk, ein eifriger Hussife, und Menhard von Hradec, Anführer der Katholiken. 1434 zerstörten die Taboriten die aufblühende Stadt. 1447 tagte in derselben ein Landtag des böhmischen Adels, deiche Absendung einer Botschaft an den Kaiser Friedrich III. behufs Ausfolgung des jungen Königs Ladislaus Posthumus zum Gegenstand der Berathung hatte. 1004 starb mit Joachim Udalrich der Letzte des Stammes der Herren von Neuhaus. Erbin ward seine an Wilhelm Slavata von Chlum und Koschumberg verheiratete Schwester Lucia Ottilia. Unter diesem kam es zu utraquistischen Unruhen, die in hellen Aufruhr ausarieten, als nach Neuhaus die Nachricht drang, Wilhelm Slavata sei am 23. Mai 1618 aus der königlichen Burg in Prag zum Fenste* hinausgeworfen worden und befinde sich in der Gewalt der utraquistischen Stände. Wie an keiner Stadt Böhmens, gingen die Schrecknisse des 30jährigen und der Schwedenkriege auch an Neuhaus nicht spurlos vorüber. Noch härter aber als durch die Kriegsfurie wurde Neuhaus durch Brände heimgesucht. Am 13. Juni 1773 wurde das Schloss, 1801 die Stadt durch eine furchtbare Feuersbrunst nahezu gänzlich zerstört. An der lebhaften Verkehrsstrasse Wien-Prag gelegen, erhob sich Neuhaus auch von diesem schweren Unglücke zu neuer Blüthe.

37.2

Burg Neuhaus.

BÖHMISCHE SCHLÖSSER IL

> 3 gab Zeiten, wo in der Burg Pürglitz der Trubel rauschender Feste des böhmischen Herrscherhöfes erscholl, aber auch die Seufzer edler Gefangener laut wurden. Als Barl IV. die Burg für seine Gattin Bianca von Valois einrichten Hess, soll er, wie die Sage erzählt, die Nachtigallen der ganzen Umgebung haben hieherbringen lassen, damit sie durch ihren süssen Gesang die geliebte Gemahlin ergötzen. Besonders lieb gewann der Sohn und Erbe KarFs IV., Wenzel IV., diese schon damals inmitten umfangreicher dichter Wähler stehende Bang, in der Türniere und Jagden einander ablösten und reiche Züge von Gesandten fremder Mächte zu Besuch erschienen. Auch die schöne Philippine Welser residirte im Schlosse Pürglitz durch einige Jahre. Später ist das Schloss in den Besitz der fürstlichen Familie Fürstenberg übergegangen.

Pürglitz ist eine der bedeutendsten und geschichtlich interessantesten Burgen des mit derartigen Baudenkmälern so reich geschmückten Königreiches Böhmen, haue breite schattige Fahrstrasse führt zur Burg hinan. Mehrere Steinbilder überragen die Mauer, welche den Fahrweg gegen die jäh abfallende Berglehne ZU einsäumt. An der Stelle wo sich das erste erhebt, befand sich bis 1847 ein Einfahrtsthor mit Zugbrücke, welches mit dem Haupt-thore in Verbindung stand. Das Haupteingangsthor ist sehenswerth und noch gut erhalten. Besonders kunstvoll und zierlich gearbeitet ist das Wappen Wladislaus IL, mit zahlreichen Arabesken und dem Monogramme dieses Fürsten (W). Das Wappen ziert ein königlicher Helm, ein wahres Kunstwerk bildhauerischer Kleinarbeit. — In der Einfahrt zweigt rechts ein Weg zu den ehemaligen Bürgmauern und Basteien ab. Der erste Hof ist überraschend gross, Die Gebäude wurden (mit Ausnahme der Nordfront, welche den Kittersaal enthält) nach dem grossen Brände 182(3 erbaut und enthalten das Bezirksgericht, das Steueramt, die fürstl. Gentral-Direc-tion, ein ansehnliches Brauhaus und die Wohnungen der fürstl. Beamten. Am Nordende des Hofes erhebt sich der viereckige Thurm Huderkä. Auf enger Wendeltreppe gelangt man zum Balcon und Erker des Thürmes, von wo aus sich ein schöner Ausblick über das Thal eröffnet. Im Erdgeschoss des Thurmes zeigt man

einen engen, dumpfen Kaum mit schmaler viereckiger Oeff-nung, durch welche man die zum Hungertode Verurtheilten hinab-liess. Auch der wiederaufgebaute schlanke, runde Thurm, der von der Huderka nördlich im zweiten Hofe sieh erhebt, birgt ein solch unheimliches Gelass. Die Burg-Capelle ist architektonisch der interessanteste Theil der alten Burg, baue andere Residenz der Herrscher Böhmens war Ploskovic nächst Leitmeritz. In diesem schönen kaiserlichen, mit grossem Parke versehenen Schlosse weilte Kaisei- Ferdinand der Gütige gerne und heute noch nennt das Volk Ploskovic die »Residenz-. Am 8. September 1847 nahm Erzherzog Franz Joseph in Vertretung Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand I. che Schlusssteinlegung des Schlosses Frauenberg vor. Es erhebt sich auf einem herrlichen Punkte und übt sowohl durch sein Aeusseres, wie durch seine prunkvolle Einrichtung einen vornehmen Eindruck aus. Das Schloss, in den Jahren 1844 bis 1847 an Stelle einer alten Burg und mit theil-weiser Benützung des Mauerwerkes mit einem bedeutenden Kostenaufwand erbaut, ist unstreitig der schönste und prachtvollste Adelsitz des Königreiches, ein prunkvolles Gebäude, welches mittelalterliche Motive dem modernen Comfort unterordnet und die theilweise in einen Ziergarten umgestaltete, thcihveise schon von Natur aus baumreiche und grüne Umgegend beherrscht. Seit dem Jahre 1661 ist Frauenberg Eigenthum der fürstlichen Familie Schwarzenberg. Demselben Geschlechte gehört auch Krumau an. Es ist eine alte Stadt in einem reizenden Gebirgskessel an der oberen Moldau mit grossem Parke und Schlosse, der einstige Sitz der reichsten, Kunst und Prunk liebenden böhmischen Gavaliere.

Die Burg war der Stammsitz der mächtigen Herren von Rosenberg; nach deren Aussterben kam sie in Besitz Kaiser Rudolfs II. und seit 1719 gehört sie dem Hause Schwarzenberg. Krumau besteht aus der eigentlichen Stadt, der Stadt Katron, dem Schlossbczirk und sechs Vorstädten. Das Schloss steht auf einem zwischen dei Moldau und dem in dieselbe einmündenden Kalsching-bache steil abfallenden Kelsplateau. Hart am Abgrunde im zweiten Hofe steht der kolossale runde Schlossthurm, von dessen Gallerie man einen prächtigen Blick auf das Moldauthal geniesst.

..... in""T7

Pliot. I. uml 11. Adler, Prag; III. iiimI iv. <l. Ziiuiner's Whv., Kriimaii.

Schloss Pi'ir^'litz. Frauenberg.

Ploskovie. Kram au.

375

PODIEBRAD UND UMGEBUNG.

SSS^^ unz B^hmcn kennt dic herrliche Reiterstatue des berühm-f^^p^^^ ten Königs von Böhmen Georg von Podiebrad, welche Jj^^Mp den Platz der grossen Prager Austeilung im Jahre 1891 ,'?'^N^r^"' zierte. Die auf einem hohen steinernen Postamente aufgestellte Statue ziert jetzt den Hintergrund des Marktplatzes von Podiebrad, des Geburtsortes Georgs. Dadurch allein schon, dass hier einer der populärsten Könige Böhmens das lacht der Welt erblickt hat, ist und bleibt Podiebrad dem Herzen jedes Böhmen lieb und theucr. Am 2. März 1458 zum Könige gewählt, wurde er am 7. Mai desselben Jahres gekrönt. Die Freude der böhmischen und mährischen Hussiten, dass ein Böhme und Anhänger des Kelches den höchsten Rang erlangt habe, war gross. Das Schloss des Fürsten Hohenlohe, vor welchem die Statue König Georgs steht, und in dem noch heute sein Geburtszimmer zu sehen ist, wurde zur Zeit der Herre'n von Kronstadt mehrmals umgebaut, bis es unter Ferdinand 1. seine jetzige Gestalt erlangte. Von der gewaltigen Stärke des Schlosses zeigt der Umstand, dass selbst die Taboriten es im Jahre 1426 13 Monate lange erfolglos belagerten. Die Industrie ist bedeutend, wie dies die benachbarten Elbestädte, Kolin und Nimburg bekunden. Wiesen, Waldungen und Baumpflanzungen gestalten die sonst eintönige Ebene stellenweise zu einem natürlichen, lieblichen Parke, welcher aber oft zum Schauplätze heisser Schlachten, die in dieser Ebene ihre ganze Grausamkeit und Verwüstung entfalten konnten, geworden ist. Podiebrad ist eine mittelgrosse Kreisstadt alterthümlichen Gepräges, und nur die Eisenbäder, welche im Jahre 187b neu aufgebaut worden und Gemeinde-Eigenthum sind, bringen in ihre Gemarkung regeres Leben. Die Elbe überspannt in Podiebrad eine Kettenbrücke.

Eine Nachbarstadt von Podiebrad ist Kolin, eine aer ansehnlichsten Städte Böhmens, am linken Ufer der Elbe gelegen. Sie besitzt zahlreiche Fabriken, auch mancherlei Sehenswürdigkeiten. Die Bartholomäuskirche ist ein gothisches Bauwerk aus dem XIV. Jahrhundert, mit Hochaltarbild von Brandl, alten Grabdenkmälern, prächtigem Chor und schonen Netzgewölben. Die Kirche St. Johann, frühere Pfarrkirche, in der Kuttenberger - Vorstadt besitzt schöne Fresken. Sehenswerth sind noch die St. Veitskirebe auf dem jenseits

der Elbe gelegenen Friedhofe, die evangelische Kirche in der Vorstadt Kauf im und der Pulverthurm in der Elbevorstadt. Kolin gelangte im XIII. und XIV. Jahrhundert durch Deutsche, welche König Ottokar heranzog, zur Blüthe und errang sich den Titel einer königlichen Stadt. Im Hussitenkriege wurden die Deutschen zur Auswanderung gezwungen und wechselvolle traurige Schicksale kamen an diesen Tagen, sowie auch in der Zeit des dreissig-jährigen Krieges über die Stadt. In der österreichischen Geschichte steht der Name Kolin auf einem ruhmvollen Blatte, denn hier fand Friedrich IL von Preussen an dem Österreichischen Feldmarschall Daun seinen Besieger. Die Schlacht bei Kolin endigte die durch drei Wochen in der grausamsten Weise fortgesetzte Belagerung von Prag. Von Kolin besucht man in einer Stunde den Kriedrichs-berg, der seinen Namen von dem Tage an hat, wo Friedrich von Preussen auf seiner Höhe stand und den Fortgang der Schlacht beobachtete (18. Juni 1757). Eine Pyramide daselbst gilt der Erinnerung an jenen denkwürdigen Tag. Besuchenswcrth ist ferner das ll/a Stunden von Kolin entlegene Roth - Peekau mit Schloss und Garten des Kreiherrn Hruby.

Die etwas weiter nordwestlich gelegene Stadt Nimburg charakterisirt sich durch ihre Anlage als eine alte Stadt, denn der ihr bei der Gründung verliehene Name Neuenburg hat durch den Verlauf von sechs Jahrhunderten seine ursprüngliche Bedeutung verloren. Peinliche Sucht nach Regelmäsigkeit hat den Gründer nicht geleitet und so unterscheidet sich das helle luftige Nimburg mit seinem viereckigen, etwas schrägen Ringe und den gekrümmten Gassen von vielen königlichen Städten. Mit dem Alten hat es wohl sehr aufgeräumt, aber seine Laubgänge am Ringplatz nicht vollständig eingebüsst. Der für diese Stadt so charakteristerische, in Böhmen eben nicht oft vorkommende alte Ziegelbau hat, nachdem die alten Ringmauern und Thore erst vor einigen Jahren abgebrochen wurden, seine vorzüglichsten Vertreter in den beiden im gothisehen Style erbauten Kirchen, der mit einem zierlichen Thurme geschmückten Deeanat- und der ehemaligen Dominikanerkirche. Von Nimburg aus laufen Bahnlinien nach Jungbunzlau, Reichenberg und Seidenberg.

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Schloss Hohenlohe. Georgs-Monument.

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BÖHMISCHE STÄDTE I.

m udweis, auf unserer Abbildung die erste, ist die beul deutendste Stadt Südböhmens und auch eine der

eine

grössten gemischtspraehigen Gemeinden, während die anderen Städte die hervorragendsten des nördlichen deutschen Theil es von Böhmen sind. Budweis liegt im Flachlande, und weist als Knotenpunkt dreier Bahnen, Sit/, zahlreicher industrieller Etablissements, ein blühendes Gewerbe und eine rege Industrie auf. Bereits im XIII, Jahrhundert wird von Budweis erwähnt. 1265 gründete Ottokar II. die Kirche Maria Geburt und die Neustadt. An Stelle der alten Befestigungswerke sind nunmehr schöne Parkanlagen, welche die innere Stadt von der Wiener, Prager und Linzer Vorstadt trennen. In der Nähe befindet sich auch Frauenberg mit dem prachtvollen Schloss des Fürsten Schwarzenberg, eine der grössten Sehenswürdigkeiten Böhmens. Die innere Stadt verlor durch häufige Brände ihr alterthümliches Aussehen, doch hat sie ihre ursprüngliche Kegelmässigkeit, mit welcher sie Ottokar angelegt, beibehalten. Der Platz, ein regelmässiges Viereck bildend (eine Seite hat 18dm Länge; die ganze Fläche 5040 Quadratklafter), ist der schönste in Böhmen. Die hohen Häuser, die ihn umsäumen, haben alle noch ihre alterthümlichen Lauben erhalten, und viele Parterrelocalitäten sind noch ursprünglich aus dem Mittelalter. In der Mitte befindet sich ein riesiger Röhrkasten aus dem Jahre 1727, geschmückt mit vier Atlanten, eine Muschel tragend, auf welcher sich ein mächtiges Standbild Simsonrs des Löwcntödters erhebt, vom Jesuiten Banguth verfertigt. Der Sage nach soll dieser Röhrkasten blos um einen Denar weniger gekostet haben, als das weitläufige Rathhaus, welches mit drei dJiürmen geziert ist und im Jahre 1727—1730 im späteren Kenaissancestyl erbaut wurde. Guter dem Fries in der Front belinden sich die Wappen von Bemmen, Mähren und Schlesien und der Stadt, und zwischen den Thürmen auf der Bailustrade erheben sich einige allegorische Figuren als Attribute der Gerechtigkeit etc. Im breiten Felde des Mittelthurmes sind zwei Sgrafittogemälde im goldenen Felde, die Sparsamkeit und den Muth darstellend. Gegenwärtig befindet sich im Regierungsgebäude das k. k. Kreisgericht. Der grosse Schwurgerichts- und

Verhandlungssaal ist am Plafond mit einem Gemälde, das Urtheil Salomon's vorstellend, geziert, welches durch seine gelungene Perspective, sowie durch Benützung der Plastik sehr effectvoll wirkt.

Nur wenige Städte verbinden eine so vortheil hafte Lage zu ihrer Entwiklung mit der Schönheit ihrer Umgebung wie die »Metropole des südlichen Böhmens«. In einer schönen Thalmulde, ringsum von Anhöhen umgeben, die als Ausläufer des Böhmer-Wäldes und des böhmisch-mährischen Grenzgebirges zu betrachten sind, liegd Budweis am Zusammenflusse der Moldau und der Maltsch wie in einem Gemüsegarten, denn beinahe alte Häuser der Vorstädte besitzen ein Stück" Land, auf dem Gemüse gepflanzt wird.

Reichenberg gilt als die Hauptstadt Deutschbühmens. Sie ist auch die grösste der deutschböhmischen Städte, die drittgrösste Stadt Böhmens überhaupt, obwohl sie, in Hinsicht auf Gewerbe und Industrie, nach Prag wohl den ersten Rang einnimmt. Der weltberühmte Tuchhandel Reichenbergs datirt schon vom faule des XVI. Jahrhunderts. Von den hervorragenden Bauten und Monumenten seien nur das Rathhaus, die Decanatskirche und im Schlossparke das Monument Kaiser Josef II., welcher hier am 15. September 1770 mit einem Gartenpflug eine Kurche gezogen hat, angeführt.

Unweit von Reichenberg liegt Gablonz a. d. Neisse, das erst im Jahre 1808 erbaut wurde. Diese Stadt führt die Fabrikate ihrer Glasindustrie ebenso weit in die Welt hinaus, wie Reichenberg sein Tuch. Hervorragend durch seine Industrie ist Aussig, wo sich wohl der regste Transportverkehr Böhmens, sowohl zu Wasser als auch auf dessen Eisenbahnen, concentnrt.

Am Ring von Leitmeritz, das in der Mitte unseres Bildes liegt, kann man noch jetzt den Charakter einer utraquistischen Stadt erkennen, deren Symbol sich bis heute in dem kelchartigen, kupfergedeckten Dache des alten Rathhauses bewahrt hat. Die Stadt ist am rechten Elbeufer gegenüber der Egermündung in dem wegen seiner grossen Fruchtbarkeit sogenannten »böhmischen Paradiese« gelegen. Seit dem vorigen Jahrhundert ist Leitmeritz eine deutsche Stadt und, wie Chrudirn in Ostböhmen, die beide reich an Unterrichtsanstalten, auch eine Schulstadt

GROSS-SKAL. TROSKY,

£y\. \ üdlich von Pölitz liegt im Mettauthal die ansehnliche Stadt rV , Xacliovl sammt einem imposanten Schlosse. Auch die

I^T^Y'-'i zweithürmige Kirche ist bcachtenswerth. Der Pass. "1 welcher von Nachod über das Gebirge nach Steinerz führt, hat in vielen Kriegen eine Polle gespielt, auch im Jahre 18(3b und hatte schon Josef II. zum Schutz desselben an Stelle des Dorfes Pless die nunmehr aufgelassene Festung Josefstadt erbaut. Zwischen dem Kiesengebirge und der Elbe bei Altlumzlau breitet sich der nordöstliche Theil des böhmischen Binnenlandes aus, dm Lande«, wie das Volk zu sagen pflegt. Wir könnten von einem Flachland sprechen, aber doch nur mit Vorbehalt; wir linden ja den Kozakow (748 Meter) mit seinen Edelsteinen, von denen das uralte Sprichwort stammt, dass mancher Hauer nach seiner Kuh mit Steinen wirft, welche mehr werth sind, als die Kuh selber. Wir linden hier ferner die Sand stein wände und Felsenstädtchen zwischen Münchengrätz, Juan und Sobotka. Die Burgruine Waldstein ist bekannt, wie das hochgelegene Schloss Gross-Skal und die zweizipflige Burgruine Trosky, welche, von welcher Seite man sie auch sehen mag, dem Auge höchst pittoresk erscheint. In den Prachover Sandsteinklüften mag dem Wanderer wohl der Kaisergang und Malochs Aussicht am besten gefallen. Noch zahlreiche Burgen wären zu nennen, welche zwischen Turnau und Gitschin in diesem Walde von Sandsteinfclsen stehen. Die weite Gegend zwischen diesem mit Wald bewachsenen Gestein ist eigenartig und gleicht einem Stück versteinerten Mittelalters. Unwillkürlich drängt sich uns der Gedanke auf, dass war hier noch Ritter in glänzendem Harnisch, auf schweren, reich aufgeputzten Kossen sehen können. Hier hauten sich die Kdelhcrren ihre Burgen, und Gross-Skal war bereits im Mittelalter der Sitz des BeneS Hermanov.

In diesem Jahrhunderte renovirte Baron Aehrenthal das alte Schloss in geschmackvollem Style und passte es der schwerfälligen Umgebung an. Im Schlosse belinden sich noch viele Reliquien der früheren Inhaber, der Grafen von Waldstein. Der von der felsigen Gegend wäe beengte, vierkantige Thurm bietet eine weite Aussicht auf merkwürdige romantische Sandsteinformen. Es bietet sich von dieser Fclsenwarte nach allen Weltgegenden

hin ein Totalbild des gesammten Gebirges mit seinen wechselvollen Formationen, und der Anblick der im blauen Aether verschwimmenden Höhen ruft Einem die ganze Fülle von Bergesschönheiten in der Umgebung vor das Auge.

Unweit von hier befindet sich der freundliche Badeort Wartenberg, im Sommer der Sammelpunkt der Gesellschaft Böhmens. In der Ferne bemerkt man die ungewöhnliche zweizackige Ruine »Trosky«, der in Bezug auf Absonderlichkeit der Bauart nur wenige Ruinen gleichkommen. Der gedehnte Bergrücken, auf dem einst die Burg gestanden, verengt sich hier in einen Felsen, aus welchem zwei mächtige Basaltsäulen emporragen. Auf diesen befinden sich diebreiten Thurmruinen, welche die dazwischenliegende Burg schützten. Sie waren der letzte Zufluchtsort der Belagerten und uneinnehmbar, wenn die Besatzung nicht dem Hunger preisgegeben war. Trosky wurde im XIII. Jahrhundert von Vincenz von Wartenberg erbaut. Die Ruinen fielen der Skafschen Herrschaft zu und noch im Jahre 1022 war die Burg bewohnt.

Von den zahlreichen Höhen der Umgebung, viele davon mit Burgen gekrönt, so der kuppeiförmige Tabor, die Ruinen Bradletz und Rumburg, der Welischberg, die Zinnen- und thurmreiche Burg-Rost mit alter Glasmalerei, auch der Chlumek, in dessen Nähe das Bad Gütwasser und ausgedehnte Wallbauten, verdienen Erwähnung, endlich auch der Gerow und der Zehin zwischen Jirin und Eisenstädtl. Aber auch abgesehen von solchen Höhen, ist dieses Flachland mit den Ebenen in Norddeutschland und Russland nicht zu vergleichen. Nirgends gleitet das Auge über eine Fläche ohne allen Halt dahin, überall gibt es Hügelwellen, und Wälderstrecken und die weitere Ferne umsäumen die blauen Bergketten den Gesichtskreis und das Böhmerland, nicht etwa unübersteigliche Gebirge, welche eine chinesische Mauer bilden könnten, vielmehr liebliche Fassungen um eine fruchtbare Landflur, Grenzen für das Auge und Malmungen an das Herz zur Zufriedenheit und Selbstbeschränkung. Angenehme Abwechslung für das Auge bieten auch die Herrensitze und Schlüsser mit Parks, Fasan- und Thiergärten. Ebenso ragen zahlreiche Zuckerfabriken, auch Dampfmühlen mit ihren Schloten wie Burgen zum Himmel.

DAS RIESENGEBIRGE.

[us weiter Ferne schon, aus den Niederungen Ost- und Mittelböhmens, erblicken wir die reizenden Contouren der Kämme des wellenförmigen Ricsengebirges, das keine steilen Abhänge besitzt und ein überaus liebliches Bild bietet. Der Charakter des ganzen Gebirges ist ein milder, trotzdem aus ihm der höchste Berg Böhmens, die Schneekoppe, emporragt. Auf dem Gipfel, dessen Plateau vom Osten nach Westen reichlich 50 Meter und von Nord nach Süd 40 Meter hält, steht die Kapelle de§ heiligen Laurentius, welche Graf Schaffgotsch 1668 zu bauen begann und die 1681 eingeweiht ward. Von allen Punkten des Kammes ist die Koppe der besuchteste; denn den Fremden gilt eine Gebirgreise nur als ein halber Genuss, wenn er nicht auf den höchsten Punkt des Gebirges seinen Fuss gesetzt hat. Dazu ist man in dem Koppenhospiz vortrefflich aufgehoben und Trank und Speise sind gut.

Die Aussicht ist eine herrliche. Man übersieht den langen Sudetenzug mit seiner Masse von Kämmen und Spitzen, Kegeln und Kuppen, und in malerischer Abwechslung zwischen ihnen sind Wälder und Wiesen und eine Fülle von Städten und Diadem. An klaren Tagen sollen sogar die Thürme Breslaus und des Prager Hradschins zu sehen sein. Diese, sowie alle übrigen Anhöhen ragen sanft in die Höhe, wde ein vom Winde angeschwellter .See, nicht so wdld und düster, wie der gegenüberliegende Böhmerwald, da selbst Rübezahl ist nach den Yolkssagen eher ein guter und fröhlicher, als ein böser und verdriesslicher Geist. Das sagenhafte Riesengebirge mit der gewaltigen Schneekoppe und Riesenschlucht, den reizenden Thälern und Landschaften, wie Johannisbad, trägt sowohl durch den Wasserfall der Elbe, den grössten in Böhmen, wie auch durch die wunderbaren Felsformationen von Adersbach und Weekelsdorf ein überaus romantisches Gepräge zur Schau. Zahlreiche Wasseradern entspringen dem breiten Hochmoor der Elbwiese, welche die Hache Mulde zwischen dem schlesischen I lauptkamm und der mit regelmässiger Wölbung aufsteigenden Kesselkoppe erfüllt. Da wo in einem steingemauerten Bassin mehrere starke Quellen hervorbrechen und den Sand in brodelnde Bewegung versetzen, ist der

eigentliche Ursprung des herrlichen deutschen Stromes. Durch die vielfachen Rinnsale, die dem Elbseifcn von allen Seiten zugehen, ward dieser schon dicht an seiner Quelle ein so stattlicher Fluss, dass er einen prächtigen Fall bilden kann. 50 Meter hoch springt hier der jugendfrische Fluss in zwei Absätzen mit ungestümer Wucht über die abgerissenen Granitzacken hinweg in den Elbgrund und waldschäumend umtost er die Felsblöcke, welche die stürzenden Wassermassen zwängen, sich zu theilen, bis sie nach heftigen Kämpfen sich wieder vereinigen und einen einzigen schönen Wasserbogen bilden. Mag das Auge in den brausenden Kessel schauen, wo der weisse Gischt der zerpeitschten Wellen sich an der Kelswand bricht, und den Strom verfolgen, bis der Wald die blitzenden Windungen verhüllt, oder mag man von dem Grunde aus das erhabene Schauspiel des Elbfalles und die an die Schneegruben erinnernden Abstürze betrachten, überall fesselt die grossartige Scenerie der Natur. Die absonderlichen Formationen bestehen atis hohen Sandsteinfelsen, aus denen das Wasser im Paule der Jahrhunderte Schluchten, Sockeln und Gestalten, sowie ähnliche Gebilde geschaffen hat, durch welche die Volksphantasie erregt wurde. Man fabulirt von verzauberten Städten, und in einer derselben glaubt man aus der Ferne thatsächlich Trümmer von Palästen und Thürmen, eine Kirche, Kanzel, Löwenhöhlen, dann in besonderen Formationen eine Felsenbraut und andere bekannte Gestalten zu sehen.

Zu den prächtigsten Punkten Adcrsbac,hs gehört der Wasserlall. Seit dem Jahre 1847 ist auch in dem benachbarten Weckelsdorf gleichfalls eine Felsenstadt erschlossen worden, die von Vielen noch höher gestellt wird, als die Adersbacher. Am grossartigsten ist der Dom, ein Felsentempel mit kegelförmiger Kuppel, in dessen halbdunklen Räumen war uns in der ddiat in das Mittelschiff eines gothischen Münsters versetzt denken können, und ferner das liesige Amphitheater. Die Aussichten vom Kusse des Riesengebirges sind schön, und reichen weit nach Böhmen hinein, in Städte und Dörfer, in gesegnete Felder und Wiesen, die sich in den Thälern wie ein fruchtbares Meer beinahe bis zum Herzen Böhmens erstrecken und dem Auge einen herrlichen Anblick gewähren.

BÖHMISCHE STÄDTE II.

1 -.-, *

IT j^L'lliittenbergi eine in der böhmischen Geschichte berühmte Bergstadt, lieferte einst den Königen Böhmens reichlich Silber, das dort noch zu linden und auch beute ib'^d'VTTJ dem Staate, welcher die ('.ruhen im Jahre 1873 übernahm, eine nicht unergiebige Silberquelle ist. Die Kirche der heil. Barbara, welche unser Bild in der Mitte zeigt, ist von den berühmten Meistern Mathias Rejsek, Benes Von Baun und M. Pal er erbaut und eine der schönsten gothisehen Kirchen Böhmens, die Perle altböhmischer Baukunst. Durch ihre hervorragende Bage gibt sie der ohnehin ehrwürdigen Stadt einen mittelalterlichen Charakter. Aus der Blütezeit stammt auch die imposante St. Jakobskirche mit einem schlanken, Indien Thurm, welche hoch ober dem Thal des Kuttenberger Bachs emporragt und daher auch nach altböhmischer Bezeichnung Hochkirche heisst, und die Kirche zu Maria Himmelfahrt mit hohem Thurm. Ergänzt Wird dieses eigenartige Bald Kuttenbergs noch durch die Massen des einstigen Jesuiten-Collegiums und des Ursulinerinnen-klosters, durch den ehemaligen wälschen Münzhof, wo die Könige residirten, mit seinen verschiedenartigen, mitunter kunstvollen Denkmälern, das Schulhaus Hrodek (einst Patriziersitz) und das Kathhaus. — Als Bergstadt ragt in der Neuzeit besonders Pribram hervor. Die Stadt liegt nahezu im Mittelpunkte Böhmens in einem von dem Heiligen Berge und der langgedehnten Birkenberger Anhöhe begrenzten Thale und ist auch in Hinsicht auf die Niveauverhältnisse in der Stadt selbst eine Bergstadt. Auf dem unregelmässig verbauten, aber ziemlich geräumigen Ringplatz, dem höchsten Bunkte der Stadt, herrscht ein fast ununterbrochener Verkehr, der besonders anlässlich des Einzuges einer Procession zu regem, buntem Treiben wird. An solchen Tagen bietet sieh in Pribram Gelegenheit, förmlichen Studien der farbenreichen Nationaltrachten und der Volkstypen zu obliegen. Ausser den mächtigen Silberbergwerken befindet sich hier auch die berühmte Bergakademie. Bekannt ist der nahe Wallfahrtsort Svatä I lora, in dessen Kirche sich eine hölzerne Statuette der heil. Jungfrau Maria, angeblich eine Arbeit des Ernest von Pardubic, befindet. Den geschichtlichen Daten nach wurde die Gnadenkirche am Heiligen Berg in der

zweiten Hähte des XIII. Jahrhunderls durch Ritter Malovec erbaut. Derselbe wurde hier von Räubern überlallen und that in seiner Todesnoth das Gelübde, der Muttergottes eine Kirche zu bauen, sobald er aus den Händen der Räuber befreit sei. Mehrere Wege führen den Berg hinan, darunter ein gedeckter, vom Grafen Mitrovsky im Jahre Bob erbauter Gang. Der Gegenstand der eigentlichen Verehrung, die von dem Erzbischöfe Ernst von Pardubic im XIV. Jahrhunderte geschnitzte Marienstatuette, thront im Inneren der Kirche auf dem ganz aus getriebenem Silber von den Prager Meistern Kaspar Gschwaudtner und Jacob Thyman im Jahre 1759 geschaffenen Hauptaltar. Derselbe ist theils im I Renaissance-, theils im Bärokstyl gehalten und in seiner Art ein Kunstwerk, welches an effectivem Werth in Böhmen nur durch das Johann von Nepomuk-Denkmal im St. Veits-Dome zu Prag übertroffen wird. Die kostbare goldene Krone der Statuette spendete 173*2 Papst Urban. — Ghrüdim wird nicht mit Unrecht das »Athen Ostböhmens« genannt. Zahlreiche Schulen, sowie Unterrichts-Institute und Äemter, haben Chrudim ZU einem Sammelpunkt der im Vordergründe stehenden Intelligenz gemacht. Die Stadt ist der Geburtsort des berühmten Juristen und Humanisten Cornelius von Vsehrd und des Erfinders der Schiffsschraube Josef Kessel. Die Nachbarstaat Pardubic, dessen Stadtplatz mit dem neuen Rathhause das letzte Bild veranschaulicht, sieht mit Stolz auf das Denkmal der Erfinder des Pfluges, der Gebrüder Veverka. Pardubic, eine der bedeutendsten Städte Ostböhmens liegt am linken Ufern der Elbe. Das in den letzten Decennien schnell erfolgte Anwachsen der Stadt manifestirt sich in ihrem Aeussern. Den weitaus grösseren Kaum der Bodenfläehe bedeckt die modern ausgebaute Vorstadt, welche sich an den Weitläufigen Bahnhof anleimt. Der regelmässig angelegte Ring, sowie auch die Seitengassen enthalten noch eine Menge alter interessanter Häuser. Schön ist auch die gothisch gebaute Blairkirche mit dem Mausoleum Adalberts von Bernstein, und als Besonderheit kann auch der gegenüberstehende hölzerne (dockenstuhl gelten. Hoch überragt alle diese Bauwerke der schlanke Thurm des grünen Thors, ein im Jahre 1538 erbautes, weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt.

DIE AU STRIA- STATU E UND DIE UNIVERSITÄT IN CZERNOWITZ.

Ende der moldauischen Herrschaft, der die Bukowina seit der im XIV. Jahrhundert erfolgten Begründung des Fürstenthums Moldau unterstand, glich das Land einer Öde. Nur etwa 75.000 Menschen bewohnten dasselbe, während gegenwärtig die Einwohnerzahl der Bukowina etwa neunmal so gross ist. Die Verwaltung des Landes war damals durchaus ungeordnet, mittelalterlich, seine Kraft durch die beständigen Unruhen und Erpressungen völlig erschöpft. Den grössten Theil des Bodens bedeckten unbenutzte Wälder; die Viehzucht wurde noch nomadisch betrieben, der Ackerbau war sehr beschränkt, Für den Verkehr war gar nicht vorgesorgt; es gab weder ordentliche Strassen noch Brücken. Von industriellen Unternehmungen war keine Spur. Die Bildung war eine geringe, »Der Edelmann, sowohl als der geistliche Stand hat last gar keine Studien oder sonstige Education, und der Bauernstand ist folglich umso roher,« lautet ein Bericht des ersten Landesverwesers Spleny aus dem Jahre 1 775. Von den Bojaren war nach Angabe seines Nachfolgers Enzenberg Basil v. Balschs »der einzige, sowohl vom geistlichen als weltlichen Stand, der andere als die walachisehe Sprache erlernt hatte und auf die Rechten und Wissenschaften« sich verlegte. Viele von den anderen Adeligen konnten auch nicht lesen und schreiben. Die Geistlichen mussten noch gegen Ende der moldauischen Regierung durch Drohungen zum Lesenlernen gezwungen werden. Trotzdem war das Lesen und Schreiben der Landessprache oder auch nur Lesen Lierselben das höchste Mass der Kenntnisse des Klerus. Der Vicar des Metropoliten, namens Makari, konnte weder lesen noch schreiben. Als man daran ging, in der Bukowina öffentliche Schulen zu errichten, war keiner der Mönche zum Lehrer geeignet, ja die Schulen litten Mangel an Katecheten.

Dies war das Land, welches Oesterreich 1774/75 unter Maria Theresia's glorreicher Regierung auf Veranlassung ihres grossen Sohnes Joseph II. eiworhcn hatte. Aber unter dem Schutze des Kaiserstaates trat, besonders seit das Land von unserem allgütigen Monarchen Franz Joseph I. im Jahre 1849 von Galizien losgetrennt wurde und als I lerzoglhum seine Selbstständigkeit wieder erhalten

hatte, ein ungeahnter Aufschwung ein. Mit dankerfülltem Herzen begingen daher die Bukowincr im Jahre 1875 die Säcularfeier ihrer Verbindung mit Oesterreich. Das Andenken an diese schönen Tage werden zwei würdige Denkmäler auf ewige Zeiten den Nachkommen übermitteln: Die Austria-Statue und die Franz Josephs-Universität in Czernowitz.

Die Austria-Statue erhebt sich am gleichnamigem Platze, der den höchsten ddieil der inneren Stadt einnimmt. Sie ist vom Professor Karl Pekary ausgeführt worden und wurde in dem Jubeljahre unter grossen Festlichkeiten enthüllt. Es ist bezeichnend, dass das Volk diese Statue beharrlich als das Standbild der erhabenen Kaiserin Maria Theresia bezeichnet, unter deren Regierung das Buchenland mit Oesterreich vereinigt wurde.

Die Universität in Czernowitz wurde ebenfalls im Jahre 1875 eröffnet. Sie zählt drei Facultäten: eine griechisch-orientalische theologische, eine philosophische und eine juridische; die Begründung der medicinischen wird angestrebt. Gegenüber dem auf unserem Bilde ersichtlichen Universitäfsgcbäude erhebt sich das Institutsgebäude, in welchem die naturwissenschaftlichen Sammlungen, Laboratorien und Lehrsäle untergebracht sind. Die Universitätsbibliothek, welche das ganze Erdgcschoss des Universitätsgebäudes und einen Theil des ersten Stockwerkes einnimmt, ist im raschen Aufschwünge begriffen; sie zählte bereits am Schlüsse des Jahres 1897 125.437 Druckschriften und 46 Handschriften. Die Zahl der ausgewiesenen Druckschriften setzt sich zusammen aus 75.084 Bänden, 44.331 kleinen Schriften, 2.713 Heften von lieferungsweise erscheinenden Werken und aus 3.309 Doubletten. Die ordentliche jährliche Dotation für Bücheranschaffungen beträgt seit 1. Jänner 1897 9000 11. Auch ein reichhaltiges Münzcabinet besitzt die Universität. Dasselbe wurde im Jahre 1890 errichtet und zählt 5122 Nummern. Von welcher hohen Clllturellen Bedeutung diese Anstalt für unser band ist, bedarf nicht näherer Erörterung. Insbesondere mag nur darauf verwiesen werden, dass Professoren, Beamte und Zöglinge der Universität einen hervorragenden Antheil an der in jüngerer Zeit sich so lebhalt entfaltenden landeskundlichen Forschung nahmen. Die Zahl der Studirenden betrug im Sommersemester 1898 370.

rii'.t. B, Richter, Czernowitz.

Austria-Statue. CZERNOWITZ, Universität

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DIE GRIECHISCH-ORIENTALISCHE KATHEDRALKIRCHE IN CZERNOW1TZ.

itten in einer ausgedehnten parkähnlichen Anlage des oberen Theiles der Stadt Czernowitz erhebt sieh die . griech.-orient. Kathedralkirche. Sie ist auf Kosten des ■ • ■ Bukowiner Keligionsfondes unter dem damaligen Bischöfe llakman in den Jahren BS 1 I bSbl nach den im Rennissancestyl entworfenen Plänen Röll's erbaut worden. Die Kirche imponirt durch ihre bedeutende Grösse und durch die Kühnheit ihres Baues; sie weist eine grosse Vierungskuppel, zwei Nebenkuppeln und zwei Thürme auf. Dagegen entbehrte dieses Gotteshaus bis vor wenigen Jahren der Wandgemälde, wie man sie in den griechischen Kirchen stets in reichlichem Masse zu linden gewohnt ist. In Folge dessen machten ehe ausgedehnten kahlen Wandflächen trotz der sonstigen reichen Ausstattung einen unangenehmen Kindruck. In den letzten Jahren ist das Innere der Kirche durch den Wiener Maier Karl Jobst mit einer Fülle von ausgezeichneten Freseogemälden geschmückt worden, die, vereint mit dem prachtvollen Bilderstand vor dem Altare, den imposanten Bau zur vollen Wirkung gelangen lassen.

In dem I lauptraume belinden sich die Darstellungen aus dem neuen Testamente, so die Geburt Christi, die Taufe im Jordan, die wunderbare Heilung, die Fusswaschung, die Grablegung, die Auferstehung und Christus in den Wolken.

Vor Allem ist das grosse Pdld in der linken Seitenapsis hervorzuheben, welches die Bergpredigt vorstellt. Der Meister seihst scheint dieses Bild für seine trefflichste Leistung in dieser Kirche betrachtet zu haben und hat daher dasselbe signirt. Im Altarraume befindet sich ein Gemälde, welches den auf dem Throne in seiner ganzen Majestät sitzenden I leiland darstellt, umgeben von den himmlischen Heerschaaren. An den Wänden gegen den Eingang zu linden wir hingegen Abbildungen von Scenen aus dem alten Testamente, als Adam und Eva im Paradiese; Melchisedek und Abraham, der Verkauf Joscph's in die ägyptische Gefangenschaft, Moses am Berge Sinai und Salomon im Tempel. Auch die anderen Theile der Wände sind theils mit Gemälden, theils mit ornamentalen Malereien geschmückt. Die Kathedrale in Czernowitz ist die llauptkirehe der griechisch - orientalischen Gläubigen im

ganzen Kronlande Bukowina. Zu dieser Confession bekennen sieh die Rumänen und der grösste Theil der Ruthenen des Landes. Als die Bukowina an Oesterreich kam, gehörten last alle Bewohner derselben — freilich war damals das Band nur sehr spärlich besiedelt — dieser Kirche an. Aber auch jetzt gehören von den im Jahre 1890 ermittelten 646.591 Einwohnern 450.773 dem griech.-orient. Glaubensbekenntnisse an. Heber das griech.-Orient. Erzbisthum in der Bukowina, die Residenz der Metropoliten, den griech.-orient. Religionsfonds und die Klöster dieser Confession werden wir auf den nächsten Blättern handeln.

Die orientalische Kirche zählt in der Bukowina auch zwei Secten : die griech.-Orient. Armenier und die Lippowaner. lieber die Letzteren wird weiter unten Einiges mitgetheilt werden. Die griech.-orient. Armenier hatten sich während der moldauischen Zeit in unserer Heimat vorzüglich als Kaufleute niedergelassen und waren im Gegensatze zu den nach Galizien eingewanderten Armeniern, die sich gegen das Ende des XVII. Jahrhunderts der katholischen Kirche anschlössen, ihrem alten Glauben treu geblieben. Ihre Anzahl soll im Jahre 1775 nur 58 Familien betragen haben; doch vergrösserte sich ihre Zahl bald durch neue Zuzüge, besonders seitdem Kaiser Joseph IL sie auf seiner im Jahre 1783 unternommenen ersten Reise in die Bukowina kennen gelernt und in einem Handschreiben vom 19. Juni dieses Jahres befohlen hatte, »alle weiteren Nachforschungen über ihre Religion einzustellen, und sie bey ihrem I landel und Wandel ungestört zu belassen, auch dahin zu trachten, noch mehrere derley Leute herüberzubringen«. Die Zahl der griech.-orient. Armenier betrug im Jahre 1800 546 Köpfe. Sie unterstehen dem armenischen Patriarchen von Konstantinopel und mit diesem dem »Katholikos« von Etschmiadzin im heutigen Russisch - Armenien. Ihre Pfarre haben alle griech.-orient. Armenier der Bukowina in Suczawa, woselbst auch ihr zwölfgliedriger Cultusrath (Fphorie) seinen Sitz hat. Die Bestreitung der CultUSauslagen erfolgt zumeist aus den Einküniten der dieser CultUSgemeinde angehörenden Güter Zamka und Mitoka. baue Filialkirche der Suczavver Pfarre- besteht in Gurahumora; sie ist 1807 geweiht worden.

i'liot. J. UuLkiowicz, Kulomoa,

CZERNOWITZ. Gr.-or. Kathedrale.

DAS RATH HAUS IN CZERNOWITZ.

i der südlichen Seite des Ringplatzes von Czernowitz erhebt sich das Rathhaus der Stadt. Zur Rechten zieht an demselben die Lilicngasse vorbei; links eröffnet sieh uns der Ausblick in die nach demselben benannte Rathhausstrasse.

I bis Rathhaus wurde in den Jahren 18 11—1847 erbaut und ist der Sitz der autonomen Stadtbehörden. Besonders erwähnens-werth ist der grosse elektrisch beleuchtete Sitzungssaal, der auch unter Anderem mit grossen borträten Sr. Majestät des Kaisers und des um die Landeshauptstadt wohlverdienten Bürgermeisters Kitter Antun Kochanowski von Stawczan geschmückt ist. Kochanowski stand zum erstenmale in den Jahren 1806—1874 der Landeshauptstadt vor. Nachdem er sodann im Jahre 1874 Landeshauptmann der Bukowina geworden war, ist er 1887 zum Bürgermeister wiedergewählt worden und bekleidet noch heute dieses Amt. In dem Sitzungssaale versammeln sich die Gemeinderäthe. deren fünfzig gezahlt werden, und von denen Ritter von Kochanowski seit dem Beginne der Autonomie (1864) ununterbrochen dieses Ehrenamt verwaltet. Ausserdem wird dieser Saal auch bei Wahlen und festlichen Veranlassungen benutzt; ebenso für Versammlungen und Vorträge zur Verfügung gestellt. Der etwa fünfzig Meter hohe Thurm dient als Feuerwarte und ist zu diesem Zwecke mit zwei Galeriegängen versehen. Der höhere derselben ist erst in jüngerer Zeit hergestellt worden, da die Stadt so sehr an Umfang zugenommen hatte, dass zu ihrem Ueberblicke ein höherer Standpunkt nöthig wurde. Von diesen Gängen geniesst man auch den besten Ausblick auf die weitausgedehnte Stadt, die sich malerisch übei' die Anhöhen am Pruthufer und in den dieselben durchziehenden Thälern ausbreitet. Der Thurm ist mit einer Uhr verschen, deren vier Zifferblätter nach den vier Weltgegenden gerichtet sind. Ausserdem befindet sich an der Frontseite des Gebäudes, welche gegen den Ringplatz gerichtet ist, in der Höhe des zweiten Stockwerkes eine (dir, welche des Nachts beleuchtet wird. Ueber derselben ist das Wappen von Czernowitz angebracht, das der Stadt schon im Jahre 1784 verliehen worden ist und den kaiserlichen Adler im Bilde führt. Unsere Aufmerksamkeit nehmen noch vor

Allem die zwei Erinnerungstafeln in Anspruch, welche an den mittleren Säulen der Vorhalle angebracht sind: sie sind dem Gedächtnisse an die Feier des fünfundzwanzig- und des vierzigjährigen Regierungsjubiläums des Kaisers gewidmet.

Der Ringplatz vor dem Rathhause, in dessen Mitte ungefähr sich eine Marienstatue erhebt, bietet besonders an Sonn- und Feiertagen, sowie an den Wochenmarkttagen ein reges beben. Nicht nur die Stadtbewohner drängen sich an diesen Tagen in dichter Menge über den Platz hin, sondern es ziehen vor Allem zahlreiche interessante Typen der Dorfbewohner, und zwar zumeist Rumänen und Ruthenen in ihrer nationalen Gewandung, unsere Aufmerksamkeit auf sich. Eine interessante Marktscene zeigt auch unser Bild. Insbesondere ziehen die vielen Bäuerinnen unsere Aufmerksamkeit durch ihre weisse Kopfumhüllung auf sich, die aus einem Handtuche hergestellt ist. Die linke Seite des Ringplatzes ist ein beliebter Promenadeort der Czernowitzer; nach der dort etablirten allbekannten Universitätsbuchhandlung H. Pardini wird dieselbe »Pardinihöhe« genannt.

Iber ptlegt insbesondere die junge Männerwelt sich aufzustellen, um die vorbeipromenirenden Damen zu begrüssen.

Das geschäftige Treiben ist auf diesem im Centrum der Stadt gelegenen Platz umso lebhafter, als er von einer Reihe bedeutender Handlungshäuser und grosser Hotels begrenzt wird. Auch ist der Ringplatz so ziemlich im Centrum der Stadt gelegen, so dass er und die benachbarten Stadttheile als »Stadt« schlechthin bezeichnet zu werden pflegen, lliezu kommt noch, dass vom Ringplatze nach allen Richtungen hin bedeutende Strassen sieh abzweigen, in denen frisches Leben pulsirt und die ebenfalls durch zahlreiche wichtige Gebäude ausgezeichnet sind. In der bereits erwähnten Liliengasse, rechts vom Rathhause, sehen wir, diesem gegenüber, das im Jahre 1808 eröffnete älteste Gymnasium des Landes. Es zählt zu den best besuchten Mittelschulen Oesterreichs (über 000 Schüler), trotzdem daneben seit dem Jahre 1805 in Czernowitz auch noch ein Untergymnasium besteht. In derselben Gasse befindet sich auch das Bukowiner Gewerbemuseum. Durch die Rathhausstrasse gelangt man zur Landesregierung am Austriaplatze.

DIE ERZBISCHÖFLICHE RESIDENZ IN CZERNOWITZ.

rn westlichen Theile der Landeshauptstadt erhebt sich auf dem Domnikbefge, jetzt Habsburgshöhe genannt, ein malerischer Prachtbau: es ist die Residenz des griechisch - orientalischen Metropoliten der Bukowina und Dalmatiens. Dieselbe wurde in den Sechziger-Jahren unseres Jahrhunderts nach den Plänen des Architekten lllavka im freien byzantinischen Style aufgebaut. Der Kostenaufwand betfug mehrere Millionen Kodden. Der ganze Bau besteht aus drei Theilen: die Mitte nimmt das Hauptgebäude ein, in welchem die schöne Hauskapelle und der grosse Marmorsaal besonders hervorzuheben sind; hinter demselben breitet sich ein schöner (bilden aus, der durch eine künstliche Grotte und Burgruine, sowie durch Wasserkünste geziert ist. Rechts sehen wir das Seminargebäude mit der erz-bischöfllichen Residenzkapelle, in der besonders die kostbare Ikono-stasis, das ist der Bilderstand vor dem Altare, unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Hier ist auch.die griechisch - orientalisch theologische Kacultät der Czernowitzer Universität untergebracht, die seit dem Jahre 1875 an die Stelle der alten, 1 7SG begründeten und 1827 rcorganisirten theologischen Kehranstalt getreten ist. Ebenso findet sich daselbst eine von der Universitätsbibliothek getrennt verwaltete theologische Eacultätsbibliothek, welche am Ende des Jahres 1897 6911 Bände und 8(5 Hefte, sowie 14 Stücke anderer Gattung zählte. Links erhebt sich das Priesterhaus, in dem gegenwärtig auch das im Jahre 1893 neubegründete Bukowiner Lnndesmuseum sich befindet. Dasselbe ist im stetigen Fortschritte begriffen. Am Schlüsse des Jahres 189? ergab sich folgender Stand der Sammlungen desselben: 1. Archäologische Objecte. Eigene: 271 Nummern mit circa 434 Stücken und 1443 Münzen (darunter 3 Goldmünzen) und Geldnoten; fremde zur Ausstellung überlassene: 200 Nummern mit circa 000 Stücken und rund 300 Münzen. 2. Kunsthistorische Objecte. Eigene: 80 Nummern mit 371 Stücken; fremde: 5 Nummern mit 27 Stücken. 3. Urkunden, Schriften etc. Eigene: über 100 Nummern, ferner eine vollständige österreichisch-ungarische Postrnarkensammlung mit 102 Stücken. 4. Ethnographische Objecte. Eigene: 53 Nummern mit 133 Stücken; fremde; 8 Nummern mit 47 Stücken. 5. Naturhistorische Objecte. Nur

eigene: 51 Nummern mit 154 Stücken Demnach umfassten die Sammlungen im Ganzen rund 1700 Objecte (geg. 1700 des Vorjahres), 1748 Münzen und Geldnoten (gegen 1440 des Vorjahres) und 192 verschiedene österr.-ungar. Postmarken. Auch der Besuch der Sammlung gestaltete sich günstig. Die Besuchsliste weist an 50 Besuchstagen die Zahl von 1470 Personen auf, d. i. im Durchschnitte 29 Personen an einem Tage. Seit der Eröffnung der Sammlungen am 14. Mai 1803 besuchten dieselbe 0015 Personen. Schon in den nächsten Jahren dürfte das Museum ein eigenes Heim erhalten. Für dieses Francisco-Josefinum sind bereits alle Vorarbeiten in Angriff genommen. Die Gemeinde Czernowitz hat in einer der belebtesten Strassen der Stadt, nämlich der Siebenbürgerstrasse, einen überaus schönen Bauplatz überlassen.

Im Anschlüsse an die Schilderung der erzbischöflichen Residenz dürften einige Mittheilungen über die Geschichte des Bukowiner Erzbisthums am Platze sein. Zur Zeit der moldauischen Herrschaft bestand eine Metropolie in Suczawa, die aber im Jahre 1564 nach Jassy in der Moldau verlegt worden ist. Ausserdem hatte in Kadautz ein Bischof seinen ständigen Sitz. Auf dem bischöflichen Stuhl sass, als die Bukowina an Oesterreich gelangte, der ehrwürdige Dositheus Herescul. Dieser verlegte zu Folge der Faltschliessung Kaiser Josefs II. vom 12. December 1781 im Jänner des folgenden Jahres seine Residenz nach Czernowitz. Mit kaiserlichem Handschreiben vom 10. Juni 1 783 wurde hierauf der Bukowiner Bischof dem griechisch-orientalischen Erzbischof von Karlowitz untergeordnet. Herescul starb im Jahre 1789. Seine Nachfolger im bischöflichen Amte waren: Daniel Wlachowicz 1789—1822, Isaia Baloscheskul 1823—1834 und Eugen Hackmann 1835 -1878. Wenige Wochen vor des Letzteren Tode war das Bukowiner Bis-thum durch die kaiserliche Entschliessüng vom 23. Januar 1873 ZU einem Erzbisthum und zur Metropolie der Bukowina und Dalmatiens erhöben worden. Auf Hackmann, der eine der volksthüm-lichsten Persönlichkeiten der Bukowina war, folgten Theophil Bendella 1873—1875, Theoktist Blazewicz 1877 — 1879, Silvester Morariu-Andriewicz 1880—1895 und seit 1896 der ehrwürdigste Herr Metropolit Arcadiu Czuperkowicz.

RJEKÖ

Phut. I. E. liiiliti-i, l/tniowil/.; II. — IV. J. DulkiewU-z, Kolomea,

CZERNOWITZ. Erzbischöfliclie Residenz.

DIE HERZ-JESU-KIRCHE IN CZERNOWITZ.

c der schönsten Kirchen der Bukowina verdankt &AiL^;p,'-di Czernowitz den Patres Jesuiten, welche seit etwa einem Jahrzehnt in dieser Stadt weilen. Es ist dies die Herz-Jesu-Kirche, welche sieh am Ferdinandsplatze erhebt. Diese Kirche verdient auch deshalb besondere Beachtung, weil sie Jie grösste katholische Kirche und zugleich auch der einzige in reinem gotbischen Style aufgeführte Bau des Bandes ist. Die Plane hiezu rühren vom Architekten Josef Laizner, dem einstigen Director an der k. k. Slaatsgewerbesehule in Czernowitz, her. Gewählt wurde die frühgothische Bauart. Die Steinmetzarbeit besorgte Laurenz Kukurudza; sein allzu früher Tod hemmte die Arbeit und veranlasste eine Abweichung vom ursprünglichen Plane, indem der Thurm nicht seine volle Höhe erhielt. Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 7. Juni 1891 durch den Lemberger Erzbischof Morawski. In wenig mein- als drei Jahren war der Riesenbau vollendet. Bemerkenswerth ist, dass hieb ei auch nicht der geringste Unglücksfall vorkam. Am 24. October 1894 fand die Weihe durch den oben genannten Kirchenfürsten statt.

Der Thurm des Gotteshauses ragt sechzig Meter gegen Himmel empor. Von besonderer Schönheit ist das Innere der Kirche. Als sehenswerthe Objecte sind vor Allem die prachtvolle Deckenconstruetioh, der Altar, die zierliche Kanzel, die grosse Orgel, ferner die schönen, mit Glasmalerei geschmückten Fenster und endlich die in Relief ausgeführten Passionsbilder zu bezeichnen. Die ganze Einrichtung ist genau dem Style der Kirche entsprechend. Hinter der Kirche erhebt sich das schöne, ebenfalls im gotbischen Style gehaltene Ordenshaus. Von unseren Abbildungen zeigt die erste die Gesammtansicht, die andere das Innere mit dem Altare und der Kanzel. Um die Kirche sind die geplanten Anlagen noch nicht hergestellt worden.

Der Kostenaufwand für den ganzen Bau der Kirche sammt deren Einrichtung betrug etwa 165.000 II., welche zumeist durch kleine (iahen aufgebracht worden waren. Für alle Spender, ihre Zahl beträgt etwa 240.000, wird an jedem Freitag eine Messe gelesen; die Xamenslisten liegen unter dem Altare aufbewahrt. Das schöne Gotteshaus ist ein Wahrzeichen der unermüdlichen Thätig-

keit der Väter der Gesellschaft Jesu, besonders des Superiors Franz Xaver Eberhard, und bleibt ein bleibendes Denkmal des Gemeinsinnes der katholischen Christen.

Die Erbauung dieser grossen Kirche war für Czernowitz ein unleugbares Bedürfniss, weil die alte römisch-katholische Pfarrkirche längst nicht mehr den Bedürfnissen und der Zahl der römischkatholischen Gläubigen entsprach. Dieselben haben sich nämlich in den letzten Jahrzehnten verhältnissmässig stark vermehrt. Zu Anfang der österreichischen Herrschaft war die Anzahl der Anhänger dieser Confession in der ganzen Bukowina überaus gering, wiewohl ihre Zahl in einzelnen Perioden der moldauischen Herrschaft recht bedeutend gewesen zu sein scheint. So kamen z. B. nach Czernowitz die ersten Katholiken überhaupt — wie das Gedenkbuch der römisch-katholischen Pfarre dieses Ortes meldet — erst mit den österreichischen Truppen. Doch wuchs die Zahl der »Lateiner« verhältnissmässig sehr rasch, so dass dieselbe schon im Jahre 1784 in Czernowitz etwa 500 Seelen zählten und im Jahre 1786 in der ganzen Bukowina bereits 1039 Familien oder 3009 Köpfe vorhanden waren. Seitdem hat sich die Zahl der römisch-katholischen Gläubigen in Czernowitz etwa verdreissigfacht und jene der ganzen Bukowina ist etwa zwanzigmal so gross geworden. Nach der letzten Zählung wohnten nämlich in der Bandeshauptstadt etwa 15.000, in der ganzen Bukowina aber 72.389 Römisch-Katholische. Der schon zur Zeit Kaiser Joseph's II. aufgetauchte Plan, für die Bukowina ein eigenes römisch-katholisches Pdsthum zu schaffen, ist noch nicht zur Ausführung gelangt. Die römisch - katholischen Christen der Bukowina unterstehen daher dem Lemberger Erzbisthume dieser Confession. In Czernowitz, wie überhaupt in der Bukowina wohnen auch noch griechisch-katholische oder unirte und armenisch - katholische Christen. Erstere sind besonders seit der Besitznahme des Bandes durch Oesterreich aus Siebenbürgen, der ungarischen Marmaros, aus Polen, vorzüglich aber aus Galizien in die Bukowina eingewandert. Aus diesem Bande sind auch die armenisch-katholischen Glaubensgenossen in die Bukowina gekommen. Die Zahl derselben ist sehr gering; nach der letzten Zählung lebten in der Bukowina nur 747.

hot. E. Richter, Czernowitz,

CZERNOWITZ. Herz-Jesu-Kivcno.

&UKO

SUCZAWA.

uczawa gehört, wie Czernowitz und Sereth, zu den ältesten Siedehmgsstäften des Landes. Urkundlich wird die Stadt zum erstenmal im Jahre 1388 genannt, um welche Zeit auch die moldauischen Fürsten hieher ihre Residenz verlegten. Bald darauf wurde Suczawa auch der Mittelpunkt des kirchlichen Lehens der Moldau, indem daselbst ein Erzbisthum errichtet wurde (1409). Ebenso schwang sich diese Stadt seit der Organisation des moldauischen Handelsverkehrs durch den Fürsten Alexander 1. den Guten (1401 —1433) zum Hauptstapelplatz für den sich reich entfaltenden Warenaustausch empor. Leider folgten hierauf überaus unruhige Zeiten, so dass die Stadt in argen Verlall gerieth. Als dieselbe unter österreichische Herrschaft gelangte, waren von allen ihren alten Herrlichkeiten nur noch spärliche Reste vorhanden. An den einstigen Fürstensitz erinnern jetzt nur spärliche Burgruinen, über die wir an anderer Stelle ausführlicher handeln. Von den vierzig gemauerten und den vielen hölzernen Kirchen, welche die alte erzbischöfliche Stadt einst schmückten, ist wohl auch noch jetzt eine stattliche Anzahl vorhanden, doch ist das Erzbisthum vor mehr als drei Jahrhunderten nach JaSSV verlegt worden. In der St. Georgskirche, welche aus dem Anfange des XVI. Jahrhunderts herrührt, wird die Mumie des Landespatrons Johannes Novi, aufbewahrt, welche nach Suczawa von Alexander I. gebracht worden war.

Johannes war ein edler und gottbegeisteter Grieche, welcher in seiner Vaterstadt Trapezunt zu grossem Ansehen gelangt war, Als er einstens mit reichen Waaren auf dem Schiffe eines Franken gegen Akkermann, einen Hafenplatz am Schwarzen Meere, seinen Seeweg richtete, erregte er durch seinen Glaubenseifer und das feurige Eintreten für die griechische Lehre den Zorn und die Rachsucht des Capitäns, der ein bösartiger und heimtückischer Mensch war. Daher begab sich dieser nach der Landung in Akkermann zum türkischen Kadi mit der Meldung, ein reicher Kaufmann aus ddapezunt, der mit seinem Schiffe gekommen sei, habe seine Sehnsucht ausgedrückt, den Christenglauben zu verlassen und den mohamedanischen Glauben anzunehmen. Gleichzeitig machte der hinterlistige Schiffer den Richter aufmerksam, dass durch diesen

Uebertritt das Ansehen des Islams besonders gefördert werden würde, und dass sich der Kadi dadurch beim Sultan in grosse Gunst setzen könnte. Hiedurch angespornt lud der Richter Johannes vor sich und forderte ihn vor dem versammelten Volke auf den Glauben Christi zu verlassen und die Lehre Mohamed's anzunehmen. Der gottesfürchtige Mann wies aber diese Zumuthung mit Entrüstung zurück und versetzte hiedurch den Richter in solchen Zorn, dass dieser den unerschrockenen Christen schrecklich geissein und ihn sodann in den Kerker werfen liess. Als Johannes auch am folgenden Tage seinem Glauben standhalt blieb, liess der WUthentbrannte Kadi ihn bis zur völligen Zerfleischung des Körpers geissein. Heldenmüthig erlitt der fromme Mann den Märtyrertod. Sein Leichnam wurde aber an den Schweif eines Rosses gebunden Und durch die Strassen der Stadt geschleift. Da an dem Grabe gar bald Wunder geschahen, so verbreitete sich der Ruf seiner Heiligkeit weithin. Deshalb erwarb auch Alexander der Gute mit vielen Opfern seine Mumie und brachte dieselbe im Jahre 1402, wie bereits erwähnt wurde, nach Suczawa. Dort verblieb dieselbe bis zum Jahre 1080, worauf sie, nachdem der Sitz des Fürstenthums und des Krzbisthums nach Jassy verlegt worden war, in diese Stadt übertragen wurde. Nachdem sie sodann im Jahre 1080 der polnische König Sobieski nach Galizien entführt hatte, wurde sie im Jahre 17S3 durch Kaiser Joseph IL wieder der Stadt zurückgestellt. Und so wallfahren auch gegenwärtig am 14. Juni, an welchem Tage die griechisch - orientalische Kirche den Jahrestag dieses Heiligen feiert, Tausende frommer Pilger zu seinem Grabe in Suczawa, um Trost und Heilung von körperlichen und seelischen Leiden zu suchen.

An den reichen Handel Suczavvas erinnern nur noch die weitläufigen Kellerräume, welche sich unter der Stadt dahinziehen. Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt vor Allem noch die im Jahre 1551 erbaute armenische Kirche des heil. Axenti.US. Dieselbe wurde von den polnischen Truppen, welche den König Sobieski auf seinem oben erwähnten Zuge nach der Moldau begleitet hatten verschanzt. Die Befestigung ist noch gegenwärtig zu sehen, und deshalb ward die Kirche Zamka, d. h. Schloss genannt.

Phot, J. Clii'zauoivgVy, Suozuwa,

SUCZAV/A.

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das schloss in suczawa,

Iig ersten moldauischen Fürsten residiiten in Sereth. Doch schon etwa ein halbes Jahrhundert nach der Begründung des Fürstenthumes verlegten dieWojwoden ihre Residenz, nach Suczawa. Dies geschah um das Jahr 1390, und aus dieser Zeit müssen die ersten Bauten auf dem Suczawer Schlossberge, der sich im Osten der Stadt erhebt, herrühren.

Die Bukowina war der älteste Bern des Fürstenthums Moldau. In der Burg zu Suczawa wohnten seine mächtigsten Wojwoden. Von hier hat Alexander der Oute (14U1—1433) seine weisen, die friedliche Entwicklung des Landes fördernden Verfügungen getroffen : von hier zog Stephan der Grosse (£457—1504) aus, um blutige Siege zu erringen. Die festen Mauern dieses Schlosses hat der polnische König Johann Alhrecht im Jahre 1497 vergebens mit seinen grossen Kanonen beschossen, von denen die eine von fünfzig, die andere von vierzig Pferden herbeigeschafft worden war. Ahei- nicht allen Stürmen hat diese Burg Stand gehalten. Raum ein Menschenalter nach dem Tode Stephans zogen bereits die Türken in derselben ein, um sich der reichen Schätze, welche in den unterirdischen Räumen aufgespeichert waren, zu bemächtigen. Fortan sollte das Suczawer Bergschloss zu wiederholten Malen von solchen Schicksalsschlägen heimgesucht werden. Doch beherbergten diese Hallen auch in der Folge noch Pracht und Herrlichkeit, so zur Zeit Basil Bupul's (1634—1654). Gegen das Ende des XVII. Jahrhunderts zog der Türkenbezwinger Sobieski in Suczawa ein.

In diesen stetigen Kämpfen ist das Suczawer Bergschloss in Trümmer gesunken. Auf unserem Bilde sehen wir die gewaltigen Ueberreste der Ringmauern und innerhalb derselben insbesondere die Ruine der Schlosskapelle.

Ueber den Bau und die Einrichtung dieser Bang war bisher sehr wenig bekannt. Erst seit einigen Jahren wurde eine plan-mässige Durchforschung der Trümmersiätte in's Werk gesetzt. Diese bat nicht nur über die Anlage des Schlosses Aufklärung geboten, sondern auch zahlreiche Funde zu Tage gefördert. Zahlreiche bearbeitete Steine zeigen Steinmetzzeichen deutscher Meister

aus dem Anfange des sechzehnten Jahrhundertes. Interessant sind die Ueberreste einer Wasserleitung, deren aus ausgezeichnetem, mit Quarzsand versetztem Thon gearbeiteten Rohre 40 cm lang und conisch geformt sind; die schmäleren faulen stecken in den breiteren und die Dichtung ist durch Ziegelmehlmörtel hergestellt. Ferner wurden massenhafte Kacheln der verschiedensten Art gefunden, woraus zu schliessen ist, dass zahlreiche Wohnräume vorhanden waren, deren Ausstattung zum Theil sein- prunkvoll gewesen sein musste. Ein Theil der Kacheln trägt figuralcn Sehmuck, so einen Edelmann mit Pluderhosen, Wams, Spitzenkragen und Barett, ferner den heiliger. Georg, den Drachen erlegend, im Hintergrunde eine Burg, über derselben eine schützenJe Hand aus dem Himmel und neben ihr eine weibliche Heiligengestalt mit Krone, haue weitere Serie von quadratischen Kacheln zeigt grösser gehaltene Figuren, so einen Löwen (?), dann wieder den heiligen Georg mit dem Drachen. Interessant sind die in mancherlei Formen gehaltenen türkischen Pfeifenköpfe aus Thon (Czibuk-form), von denen eine grosse Zahl in dem kleinen, derzeit noch überwölbten Thurmkeller der Ostseite gefunden wurde. Neben den in Unmassen vorkommenden ddionschcrben werden nicht minder zahlreich und vielfältig Scherben von Glasgefässen gefunden, welche einen besonderen Luxus documentiren. Dieselben waren theils weiss, durchsichtig, oft krystallhell, theils färbig; manche bestanden aus weissem, bläulichem und grünlichem Beinglas, manche aus üeberfangglas, oder sie waren mit Glasfäden, aufgelegten, auch tiguralen Ornamenten, mit Malereien oder Gravuren geschmückt. Ferner wurden viele Herd- und Küchenabfälle, sowie Reste von angekohltem Holz entdeckt. In grosser Zahl fand man im Schutt künstlich gerundete, aber auch natürliche Steinkugeln von verschiedener Grösse, die jedenfalls als Wurfgeschosse gedient hatten. Ueberaus reich sind die Funde an Eisengeräthen, Werkzeugen, Waffen u. dgl. Ferner fand man Stücke von allerlei .Metallen in den verschiedensten Formen, sowie auch Schwefel in der Nähe einer Feuerstelle. Besonders reich sind auch die Münzfunde. Interessant sind vor Allem die Funde sehr zahlreicher schwedischer Münzen, die im Schlosse selbst hergestellt worden sind.

VbiRIRTr-ft

Phot, J. Cüirz ailOWSki, SuC

SUCZAWA. Burgruine,

kloster dragomirna.

VT?^-''' VVa L'I1C ^Ulm'c ni»rJlich von Suczawa erhebt sich in IIbRTm 'Cr •'b'-'Knnamigen Ortschaft das Kloster Dragomirna. PmM'^^» scm">nc Kirche desselben wurde im Jahre 1602

II? • " ! vom Metropoliten der Moldau, Anastasius Crimca, ganz aus Quadersteinen erbaut. Die festungsartige Ringmauer errichtete ein Vierteljahrhundert später der Wojwode Miron Baranowski. Es war dies eine durch die immerwährenden Unruhen bedingte Massregel, die daher auch bei den anderen grossen. Klöstern der Buko-Wina beobachtet wurde. Wie nöthig diese Vorsicht war, sollte Dragomirna schon wenige Jahrzehnte nach seiner Erbauung erfahren. Der unermessliche Reichthum und die geradezu märchenhafte Pracht, welche der moldauische Wojwode Basil Lupul (1034—1054) entfaltete, bewogen den bekannten Kosakenhauptmann Bogdan Chmielnicki, für seinen Sohn um die Hand der Tochter Basils, der schönen und vielumworbenen Roxanda, anzuhalten. Als Lupul diesen Wünschen nicht wallfahren wollte, brach Chmielnicki mit Kosaken und Tataren gegen Suczawa auf. Lupul sah sich genöthigt, zu fliehen. Damals geschah es auch, dass sich zahlreiche Sucza-wer Kaufleute mit ihrer reichen Habe in das Kloster Dragomirna flüchteten. Indess wurde das Kloster erstürmt und die Kosaken raubten sowohl das Privat- als auch das Kirchengut. Auch die Stiftungsurkunden des Klosters wurden entweder ein Raub der Flammen oder sie fielen in die Hände der Kosaken. Das grosse, zwei Seiten des Klosterhofes einnehmende Klostergebäude wurde in diesem Jahrhunderte auf Kosten des griechisch-orientalischen Reli-gionsfondes errichtet. Zu den Sehenswürdigkeiten des Klosters gehört vor allem auch der in der Vorhalle der Kirche liegende Marmorstein mit einer vorchristlichen griechischen Aufschrift.

In der Nähe des Klosters, in Mitoka - Dragomirna, befindet sich eine Colonie der merkwürdigen Lippowaner-Secte. Die Lippo-waner stammen aus Russland. .Sie gehören der Religionssecte der Ältgäubigen an, welche sich von der russischen griechisch-orientalischen Kirche im XVII. Jahrhundert trennten, weil sie die damals durchgesehenen und verbesserten Kirchenbücher nicht anerkennen wollten. Deshalb verfolgt, flohen sie in die benachbarten Länder. So waren sie schon vor der österreichischen Herrschaft auch nach

der Bukowina gekommen, und hatten sich daselbst in Stupka und in Mitoka-Dragomirna niedergelassen; an letzterem Orte sind sie von den Mönchen des Klosters von Dragomirna »als Teichgräber, Seiler und Obstzüchter« angesiedelt worden. Durch das Einrücken der Russen in die Moldau (1700—1774) wurden diese Kolonisten verscheucht. Sobald aber die Bukowina von Oesterreich besetzt worden war, kehrten die Lippowancr zunächst noch im Jahre 1774 nach Mitoka-Dragomirna (Mitoka- Lippoweni, Sokalince) zurück. Später entstanden noch andere Kolonien, besonders da Kaiser Joseph II. den Angehörigen dieser Secte mehrere Vorrechte, darunter die Befreiung von der Wehrpflicht gewährte. Als hierauf 1868 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, Hohen viele Lippowancr; doch scheinen sie sich jetzt mit dem Soldatenstande ausgesöhnt zu haben, baue andere schwache Seite der Lippowaner ist das Proselytenmachen. Dies gelang ihnen in früherer Zeit umso-mehr, als sie durch besondere Rechte vor den anderen Einwohnern ausgezeichnet waren. Aber auch andere Gebräuche der Lippowancr verursachten der Durchführung gesetzlicher Verordnungen u. dgl. Schwierigkeiten. Der Zählung ihrer Viehstücke widersetzen sie sich, weil bei ihnen der Glaube verbreitet ist, dass jeder gezählten Kuh die Euter verdorren und die Milch versiegt. In einem Protokolle vom Jahre 1839 geben die Lippowaner an, ihre Viehstücke mit keinem Brand- oder sonstigem Male bezeichnen zu können, weil sie die Milch solcher Viehstücke nicht benutzen dürfen. Auch ihr Widerstreben gegen die Kuhpockenimpfung ist zu erwähnen; daher mussten dieselben, als die Blatternseuche ausbrach, von einem Militärcordon cernirt werden. Ferner ist auch ihrer Eidverweigerung ZU gedenken. Auch gegen die Matrikenlüh rung lehnten sich die Altgläubigen auf. Endlich muss ihrer Abneigung gegen die moderne Schulbildung gedacht werden. Strenggläubige Lippowaner halten jeden Andersgläubigen für unrein. Für Fremdenbesuche halten sie stets einen Teppich bereit, um ihn auf die Bank zu breiten, auf der dem Gast der Sitz angewiesen wird; ist der Gast auf einer blossen Bank gesessen, so muss dieselbe nach seinem Abgange gescheuert werden. Doch sind diese und ähnliche Sitten immer mehr im Schwänden begriffen.

kloster suczawitza.

üdwestlich von Radautz liegt im Karpathenthale der Suczawitza, eines Zuflusses der Suczawa, das gleichnamige Kloster. Die Stätte desselben war zur Zeit seiner Begründung wie geschaffen für eine klösterliche Stiftung; denn sie ist auch noch jetzt unberührt vom wirren Weltgetriebe, und war insbesondere vor Jahrhunderten, da das Kloster gegründet wurde, durch die Wälder und Berge den Blicken der nur allzu oft die Moldau und Bukowina durchziehenden Mordbrenner entzogen.

Die Gründung des Klosters Suczawitza wird auf den Kadautzer Bischof Georg Mogila zurückgeführt, der zuerst eine hölzerne Klosterkirche errichtet hatte. Erst später (1578—1581) erbaute sodann sein Bruder Jeremias, der nachmalige Wojwode der Moldau, die jetzt bestehende gemauerte Kirche und die anderen Klostergebäude, sowie auch die mehr als neun Meter hohen gewaltigen Ringmauern. Das Kloster Suczawitza ward wie die anderen griechisch-orientalischen Kloster der Bukowina — Putna und Dragomirna — von Basilianermönchen bewohnt. Während der moldauischen Herrschaft war die Zahl der Klöster Überaus gross, und befanden sich darunter auch solche für Frauen. Nachdem die Bukowina in ihren jetzigen Grenzen an Oesterreich gelangt war, bestanden nicht weniger als 31 Klöster im Bande, von denen die grösseren über einen reichen Grundbesitz verfügten. Da jedoch die Mouche weder auf eine ordentliche Wirthschaft bedacht waren, noch ihre Mittel zur Förderung der geistigen Cultur benützten, so waren ihre Güter nutzlos dem allgemeinen Besten entzogen. Diesem Uebelstande machte die durch Kaiser Josef II. angeordnete Aufhebung der meisten Klöster und die Begründung des Religionsfondes aus den reichen Klostergütern ein Ende.

Freilich hatte es viele Mühe gekostet, den Bukowiner Glems zu überzeugen, dass es sich nicht um eine Einziehung seiner Güter handle, sondern um eine zu seinen Gunsten angestrebte geordnete Verwaltung. Hierauf wurde im Juli 1784 der aus Siebenbürgen berufene Rentmeister Beck zur Beaugenscheinigung der Klöster und zur Vornahme einer zweckmässigen Erhebung und Fintheilung ihrer Güter abgeschickt. Am 25. April 1785 fand endlich

die Kehernahme der Klostergüter statt. So entstand aus den bereits im Jahre 1788 übernommenen Herrschaften des Bisthums Radautz, den Klostergütern, ferner dem landesfürstlichen Dominium Kimpo-lung, dann Dörfern moldauischer Klöster, welche von diesen durch Ueberlassung jenseits der Landesgrenzen gelegener geistlicher Güter im Tauschwege oder auch noch in neuerer Zeit durch Kauf erworben wurden, endlich aber durch Ankauf privater Güter der Religionsfonds. Derselbe umfasste, bevor die Grundentlastung die rusticalen Grundstücke ausschied und die Servitutenablösung seinen Besitzstand ebenfalls um mehr als acht Quadratmeilen verminderte, abgesehen von später erworbenen Gütern, 105 Quadratmeilen, also weit mehr als die Hälfte des Bandes, dessen Flächeninhalt 190 Quadratmeilen beträgt. Aber auch gegenwärtig beträgt der Gesammtbesitz des Fondes etwa 47 Quadratmeilen. Die Einkünfte des Fondes waren für die Erhaltung der griechisch-orientalischen Weltgeistlichen, ferner der drei belassenen Klöster Putna, Suczawitza und Dragomirna, endlich zu Schulzwecken bestimmt. Bereits im Januar 1784 war der Auftrag erfolgt, eine eigene Religions-fondscasse zu errichten. In diese sollten sowohl die in der Con-sistorialcasse vorhandene Baarschaft als auch die weiter eingehenden Schul- und Kirchengelder hinterlegt werden. Diese Gelder sollten im Einvernehmen mit dem Bischof und dem Gonsistorium gesondert verwaltet werden. Endlich erschien am 29. April 1786 das Regulativ für das Kloster- und Schulwesen der Bukowina, welches den Bandesfürsten zum Schutzherrn des in Rede stehenden Fondes erklärt und bestimmt, dass dessen Verwaltung, Aufbewahrung und Verwendung für die Geistlichen und das Schulwesen, wozu er einzig und allein gewidmet ist, blos von der Anordnung des Monarchen abhänge; diese Bestimmung hat der gegenwärtig regierende Monareh mit Allerhöchster EntSchliessung vorn 10. December 1869 erneuert. Ks möge noch erwähnt werden, dass aus den Mitteln des Fondes ganz oder zum Fhcil das Gymnasium in Suczawa, die Oberrealschule in Czernowitz, ferner auch die griechisch - orientalische Volksschule ebenda erhalten werden. Die auf den Religionsfondsgütern begründeten Wirthschafts-ümter trugen viel für die Verbesserung der Landwirthschaft bei.

kirche zu suczawitza.

|iesc Klosterkirche zählt zu den grössten »Sehenswürdigkeiten der Bukowina. An den Aussehwänden fesseln unsere Aufmerksamkeit vor allem die zumeist wohlerhaltenen Frescogemälde, welche allerlei Heilige und Weise, sowie Scenen aus den heiligen Schriften darstellen. Von dem weit vorspringenden Dache geschützt, haben diese Bilder durch Jahrhunderte den Unbilden der Witterung getrotzt. Im Innern der Kirche zieht unsere Aufmerksamkeit das Grabmahl ihres Erbauers, des Fürsten Jeremias Mogila, auf sich, welches ihm sein TfUChsess Gabriel errichtet hatte. Hier ist auch eine sehr kostbare Tapete vorhanden, auf welcher die porträtähnlichen Gestalten der Familienmitglieder dieses Fürsten in so kunstvoller Art gestickt sind, dass selbst der Pinsel eines grossen Meisters es nicht besser hätte ausführen können. Die Figuren sind auf rothem Sammt mit Seide und Edelsteinen und einer Unzahl von Perlen hergestellt. Auch bringen am Kandelaber im Schiffe der Kirche die angeblichen I [aarflechten der Gemahlin des Fürsten. Als dieselbe von den Türken gefangen genommen wurde, soll sie nämlich ihre Zöpfe abgeschnitten und dieselben dem Kloster mit der Putte über-sandt haben, für ihr Heil zu beten.

Ueber die Krescomalerci der Kirche erzählt eine Sage Folgendes; Nachdem der Bau fertiggestellt war, suchte man lange nach einem geeigneten Maler, der dieselbe mit Gemälden schmücken sollte. Endlich fand man einen Künstler, doch dieser stellte die sonderbare Bedingung, dass Niemand während der Arbeit in seine Nähe kommen dürfe. Diese Bedingung wurde angenommen und auch getreulich eingebalten, so dass der Künstler ungestürrt das Innere der Kirche ausmalen konnte. Als er aber hierauf mit dem Bemalen der äusseren Wände beschäftigt war, da erschien eines Tages die heilige Gottesmutter in Begleitung eines Engels, um sein Werk zu besichtigen. Als der Maler derselben ansichtig wurde, erschrak er so sehr, dass er vom Gerüste herabfiel und sofort verschied. So kam es, dass die äussere Malerei unvollendet blieb.

Ks dürfte hier am Platze sein, über den Baustyl der griechischorientalischen Kirchen in der Bukowina faniges anzuführen. Ein ausgezeichneter Korscher. Director C. A. Romstorfer, sagt hier-

über Folgendes: Der Baustyl dieser Gotteshäuser zeigt in seiner Grundgestalt die grösste Aehnlichkeit mit den Kirchen auf der griechischen, nur mit Klöstern und Skiten besetzten, seit dem X. Jahrhundert als Kunstcentrum des spätbyzantinischen Styles bekannten Athos-Halbinsel. Dieser Umstand, sowie die ddiatsache, dass die griechisch-orientalischen Klöster in der Moldau und Bukowina, insbesondere auch Skitmare in Pokutien, mit den Mönchen vom »heiligen Berge AthOS« in innigem Contacte standen, lässt es als sicher erscheinen, dass bezüglich der Anlage der in Rede stehenden Kirchen lediglich die Athoskirchen als Vorbilder dienten, ja es ist höchst wahrscheinlich, dass baukundige Athosmönche die Bauausführungen der Kirchen besorgten. Dem ausführenden Baukünstler standen selbstverständlich wohl einheimische Hilfskräfte und Handlanger und namentlich auch Steinmetze zur Verfügung, welche Letztere sich unter den in der Moldau bereits angesiedelten oder aus Polen und Deutschland und namentlich aus Siebenbürgen (mit welchem Lande die Moldau in commercieller Hinsicht mannigfaltige Beziehungen unterhielt) berufenen deutschen Gcwerbs-leuten befanden. Dass die verwendeten Hausteine durch deutsche Steinmetze bearbeitet wurden, beweisen direet die bisher aufgefundenen Steinmetzzeichen an der ehemaligen Klosterkirche Humora, an der St. Demetrius- und St. Georgs-Kirche in Suczawa, an dem alten Kurstenschlo.se daselbst und an dem Kloster Dragomirna, von denen wenigstens bezüglich der drei zuerst angeführten Bauten, nachgewiesen ist, dass sie ihrem graphiscb.cn Charakter nach unzweifelhaft der deutschen Steinmetzbruderschaft aus der betreffenden Bauzeit, nämlich aus der ersten Halte des XVI. Jahrhunderts, angehören. Hiedurch findet auch die merkwürdige Thatsache der fast ausschliesslichen Verwendung rein gothischer Detailformen an den Thür- und Fenstergewänden dieser Kirchenbauten, seine natürliche Erklärung: die deutschen Steinmetze bürgerten die gothischen formen, die ihnen allein geläufig waren, in der Moldau ein, und dieselben fanden gegenüber den nüchternen byzantinischen Umrahmungsgesimsen grossen Anklang. Auch die malerische Ausschmückung der Gotteshäuser weist auf die Athoshalbinscl hin; die Maler stammten von derselben oder waren auf ihr ausgebildet.

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SUCZAWITZA. Kirche.

kloster putna.

|as älteste der noch bestehenden griechisch-orientalischen Kloster der Bukowina ist Putna. Bs wurde im Jahre 1465 von Stephan dem Grossen '/.ur Feier siegreicher Kämpfe über die Walachen gestiftet. Die Sage, welche ganz besonders der wiederholten TÜrkennoth in unseren Gegenden erwähnt, hat auch die Erbauung dieses Klosters mit den Türkenkämpfen in Verbindung gebracht. Nach einer Niederlage gegen die Moslims soll sich Stephan nämlich in das Putnathal geflüchtet und hier in der merkwürdigen Steinzelle (Chilia), welche noch jetzt in einem Sedenthaie unterhalb des Klosters zu sehen ist, den Einsiedler Daniel getroffen haben. Dieser rettete den Fürsten zunächst vor seinen Verfolgern und verhalf ihm sodann durch gute Bathsehläge zum nachmaligen Siege über die Türken. Zum Danke hiefür erbaute Stephan das Kloster, nachdem er mit einigen Begleitern durch Pleilschüsse die Stellen ausfindig gemacht hatte, auf denen die einzelnen Theile seiner Stiftung sich erheben sollten. Zuerst spannte Stephan den Bogen und schoss einen Pfeil in's Thal, und da, wo derselbe niederfiel, ward die Stelle für den Altar und Opfertisch bestimmt. Darnach schnellte der Wataf (Vorsteher; der Pagen einen Pfeil ab, und wo dieser niedersank, sollte die Kirchenthür zu stehen kommen. Hierauf schoss der erste Page und sein Schuss bezeichnete die Stelle für den Glockenthurm. Der jüngste Page aber überholte die Schüsse Aller und sein Pfeil fiel auf den Hurrel Sion, wo nun ■— so ward in einem moldauischen Jahrbuche erzählt — ein Stein zur Erinnerung steht, dass hier Stephan dem Schützen wegen seines Schusses den Kopf habe abhauen lassen. Stephans Bogen und sein Becher sollen dann noch lange im Kloster aufbewahrt geblieben sein, bis ersterer geraubt, letzterer bei einem wilden Gelage zerschellt worden wäre. Nach seinem Tode fand Stephan in diesem Kloster ebenso wie einige seiner Familienangehörigen die letzte Ruhestätte. Sein Grabmal ist heute noch zu sehen. Doch befindet es sich nicht im ursprünglichen Zustande, lau die Mitte des vorigen Jahrhundertes wurde nämlich das Gerücht laut, dass die Mönche die Grabstätte Stephans beraubt hätten. Das Grab wurde deshalb vom Suczawer Isprawnik (Richter) geöffnet und die in demselben vorgefundenen »Steinchen,

Ringe, Standesauszeichnungen, Nadeln und andere Sachen« hierauf zu zwei Kronen für ein Marien- und Christusbild verarbeitet. Es geschah dies im Jahre 1757. Hundert Jahre später, im November 1856, wurde neuerdings zugleich mit den anderen in Putna befindlichen ('wabern auch dasjenige Stephans geöffnet. Die von den vermoderten Gewändern bedeckte Reiche lag ohne Sarg auf dreizehn eisernen Flachstäben, die quer im Grabe befestigt waren. Auf der Brust war noch das golddurchwirkte Kreuz sichtbar. Die sonstigen fürstlichen Abzeichen und die Kiirstenmütze waren nicht vorhanden, was aus dem oben Mitgetheilten über die erste Üeff-nung des Grabes sich erklärt. Uebereinstimmend mit der historischen Ueberlieferung war der Leichnam von gedrungener Gestalt.

Auch von den reichen Geschenken, welche Stephan seinem Kloster spendete, ist mancherlei noch vorhanden. Vor Allem ist hier das hölzerne Kirchlein unfern des Klosters zu erwähnen. Dasselbe soll der erste moldauische Wojwode Dragosch in Wollo-wetz, südlich von Radautz, erbaut und zu seiner Beerdigungsstätte bestimmt haben. Stephan der Grosse hat es hieher übertragen. Im Jahre 1871 wurde es gründlich erneuert und dient noch heute als Pfarrkirche. — Das Kloster Putna und insbesondere die Kirche hat im Kaufe der Jahrhunderte zahlreiche Umänderungen erfahren.

Schon der Wojwode Basil Kupul (1634- -1654) soll sie bis zum Grund abgebrochen haben, um die angeblich dort verborgenen Schätze zu linden. Hierauf wollte er die Kirche wieder aufbauen, kam aber damit nur bis an die Fenster, weil indessen der Aufstand gegen ihn ausgebrochen war. Das Kloster hatte dann noch aig durch seine Verbündeten, die Kosaken, zu leiden, welche auch bei der Vertheidigung der Burg Suczawa aus dem Dachblei von Putna Kugeln angefertigt haben sollen. Erst nach dem Sturze Lupurs wurde der Bau vollendet. Doch litt derselbe schon in den nächsten Jahrzehnten so sehr, dass neuerdings an eine gründliche Wiederherstellung gedacht werden musste, welche der Metropolit Jakob seit 1755 vornehmen liess. Wie das Kloster damals aussah, ist aus einem Bilde ersichtlich, das noch gegenwärtig in Putna vorhanden ist. Seither hat sich vieles wieder geändert. Die jetzige Ansicht zeigt unser Bild.

KLOSTER PUTNA.

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aus dem gebirge der bukowina.

as Gebirge der Bukowina ist nicht arm an Naturschönheiten. Das Thal des Gzeremosz ist durch seine roman-

tische Wildheit ausgezeichnet, hauen Blick ins Putilla-ij^X jHyjyjj ^1aj gewährt unser erstes Bild, das wegen seiner landesüblichen Brücke und den von der Holztrift umherliegenden »Klötzen« interessant ist. Das zweite Bild zeigt uns einen Felsen aus demselben Thale, welchen man den »Bischof« zu nennen pflegt, weil insbesondere die obere, mit einem Kreuz geschmückte Partie desselben einer Bischofskrone nicht unähnlich ist. Unser besonderes Interesse beansprucht in einem Seitenthale dieses Baches ein durch einen Bergabsturz entstandener See. Da der Sommer des Jahres 1897 Überaus regnerisch war, so erfolgten auch in der Bukowina mehrere Erdrutschungen, keine hat aber wohl eine so grosse Ausdehnung erlangt, wie jene im Storonetzthale. Hier spaltete sich ein sehr umfangreicher Bergvorsprung ab und verschüttete im gewaltigen Sturze das Bett des unten niessenden Storonet/.baches. In Folge dessen bildete sich ein See, der umso grösseres Interesse erweckt, als das Gebirge der Bukowina an derartigen Erscheinungen arm ist. Ein überaus seheuswei thes Naturspiel bietet sich dem Wanderer auch unfern der Wasserscheide zwischen der Puttila und dem Suczawaflusse dar. Am südlichen Abhänge derselben, unfern der von Ploska nach Seietin ziehenden Strasse, sieht man auf einer Wiese einen hohen, völlig walzenförmigen Baumriesen im saltigen Grün stehen. Beim Näherkommen gewahren wir zu unserem nicht geringen Erstaunen, dass es eine Kichte sei, welche, im Gegensatze zu ihren benachbarten weithinaüsgreifenden, kegelförmigen Genossinnen, diese merkwürdige Gestalt angenommen hat, indem sie ihre Aeste parallel am Stamme herabhängen lässt. Mit Recht führt daher dieser Baum den Namen »Wunderfichte-«.

Aus dem oberen Suczawathal verdient der kleine, aber schöne Wasserfall bei Szipot Kamerai erwähnt zu werden. Im Gebiete der oberen Moldawa erregt das Steinthor, durch welches man auf die Alme Luexina, eine 1 lauptstation des berühmten k. k. Gestütes Radautz, gelangt, unsere Aufmerksamkeit. Nicht minder verdient das hinter diesem Thore sich eröffnende Lukawathal Erwähnung. Eine Ansicht aus dem Moldawathal, und zwar aus der Gemeinde

Poioritta, bietet unser drittes Bild. Im Vordergründe sitzt auf dem Zaune eine rumänische Gebirgsbäuerin; die links stehenden Männer sind, mit Ausnahme des Dritten, ebenfalls Gebirgsrumänen. Vor allem ist aber noch das ddial der Goldenen Pistritz zu nennen, die wegen ihres überaus herrlichen, durch romantische Gebirgsgegenden sich dahinschlängelnden Laufes geradezu als einer der schönsten Flüsse Oesterreichs bezeichnet wird. Am Zusammenflusse der Bistritz mit der Dorna liegt der Badeort Dorna. Eine Ansicht aus einem anderen Curorlc der Bukowina, dem im Sereth-thale gelegenen Lopusznä, bietet unser viertes Bild. Die Nebenbilder zeigen eine Gruppe ruthenischer Gebirgsbewohner (Huzulen), und zwar ein Mädchen, eine Frau und einen Mann, sowie ein freundliches huzulisches Gehöfte.

Die Huzulen, welche den grösseren Theil der Bukowiner Karpathen bewohnen, sind ein überaus interessantes Völkchen. Die 'bracht derselben ist, wie dies schon aus unserem Bilde sich ergibt, überaus malerisch; in der Natur wird die Wirkung noch durch die Farbenfrische, die bunten Zieraten und die schönen Stickereien gehoben. Dass man auch Frauen und Mädchen hoch zu Ross sieht, ist keine Seltenheit. Mitunter kann man sie im Reiten auch spinnen sehen. Die Pferde der Huzulen, die nach ihnen auch ihren Namen »Huzulen« führen, sind überaus geschätzt. Trotz ihrer kleinen Gestalt sind dieselben nämlich überaus kräftig und ausdauernd. Sie dienert den Gebirgsbewohnern nicht nur zum Reiten, sondern bewähren sich auch als geduldige und geschickte Packthiere. Die Hauptbeschäftigung der Huzulen ist die Viehzucht, denn die rauhe Natur ihrer Heimat gestattet nur einen beschränkten Feld- und Gartenbau. Ausserdem sind die Huzulen gewandte Waldarbeiter und kühne Flösser. Früher warf auch die Jagd und Fischerei manchen Verdienst ab; doch ist dieser jetzt sehr beschränkt. Wohl gibt es aber noch einige Huzulen, die als kühne Bärenjäger weithin bekannt sind; einer von ihnen, Kosma Zajez in Sarata, hat etwa ein halbes Hundert dieser gefährlichen Raublbicre gelallt. Die Phantasie der Huzulen ist eine überaus rege, daher ist ihre Volksüberlieferung eine sehr reiche. Noch haben sich in derselben auch zahlreiche heidnische Elemente bewahrt.

za ra.

eit die Dampfschiffahrts-Gesellschaften des Oesterreichischen Lloyd und der Ungaro-Kroata, Eilschiffe, wie den vielgerühmten »Wurmbrand« und die schwanenweisse »Bannonia« eingeführt, kann sich selbst der ängstlichste Binnenländer einer Fahrt nach dem herrlichen Dälmatien unterziehen. Im Fluge die gleisscnde See durchfurchend, erreicht man sowohl von dYiest als von Fiume aus, viel schneller, als man vermuthet, die Hauptstadt des südlichsten Königreiches unserer Monarchie. Das im Alterthum so vielbestrittene Zara, das sogar verschachert wurde und das die Venetianer von KönigWladislav um 100.000 Ducaten erwarben, galt unter den Römern als bedeutende Colonie und Jliess Jadera. Im X. Jahrhundert ward die Seestadt, deren vorchristliche Gründung den Liburniern zugeschrieben wird, Diadora genannt, bis die Slaven ihr den jetzt noch gebräuchlichen Namen Zadar gaben. Die einst so wichtige Festung, deren Belagerungsstürme sogar durch den Meisterpinsel eines Tintoretto verewigt wurden, galt als trotzigste Wehr aller Seeorte; denn die auf einer Frdzunge im venezianischen .Style erbaute Stadt wird fast ringsum vom Meere bespült und war vormals überdies durch einen künstlichen Wassergraben, den blos eine Fallbrücke überragte, vom Festlande getrennt. Nur die historische, wunderbare Porta terra Jerma, die von Sanmicheli, dem berühmten Erbauer der gewaltigen Thore Veronas stammt, vermittelte den Verkehr zur Landseite und wird jetzt noch als Hauptpassage benützt, in erster Linie, um zum prächtigen, vom einstigen Statthalter Blazekovic angelegten Park und zur Spianata zu wandeln, die bis zum grossartig angelegten Spital und zum Borgo Frizzo, dem originellen Alba-neser-Dörfchen führt. Das nördlich aufragende Marina-Thor mit eingemauertem, römischem Triumphbogen, prangt auf der Riva vecchia und mündet zum grossen Hafen, dem die Valle di Maestro-Bucht mit ihren verschiedenen Badeanstalten sich anschliesst Der venetianischen Herrschaft, die sich an vielen öffentlichen Gebäuden und Privatpalästen durch den charakterischen Marcuslöwen offenbart, verdankt Zara eine prächtige romanisch-gothischc Basilika.. Der Doge Enrico Dandolo liess den stolzen Bau im XIII. Jahrhundert als Sühnopfer der zu Zeiten des vierten Kreuz- j

zuges erfolgten Kriegsgreuel errichten. Hervorragend ist auch die Kirche San Simons, des Schutzheiligen Zaras, dessen Gebeine in einem silte.nen, von der Königin Elisabeth von Ungarn gespendeten Sarkophag ruhen. Das interessanteste und originellste Baudenkmal der an Alterthümern so reichen Stadt ist aber das jetzige Museum, die ehemalige San Donato-Kirche, die auf den Fundamenten gänzlich unregelmässiger und kunterbunt aufgeschichteter Lapidarfragmente römischer Aera, angeblich vom Zaratiner Bischof Donato zu Anfang des IN. Jahrhunderts errichtet wurde. Auf der schönen, regelmässigen Biazza dei Signori ist auch die vormalige, gleichfalls von Sanmichch erbaute Boggia del ('(imune zu bewundern. In derselben ist nun die Bibliothek des Zaratiner Pier Alessandro Paravia untergebracht, der seinen kostbaren Bücherschatz der geliebten Vaterstadt vermachte. In der Boggia prangt auch die Lapidarinschrift des Telegrammes, mit welchem Kaiser Kranz Joseph I. nach der Schlacht von Lissa die Dalmatiner und speciell die Stadt Zara zu dem grossen Siege beglückwünschte.

Von Neubauten sind das überraschend schöne Kaffeehaus in der Gale larga — dem abendlichen Gorso Zaras - und die im maurischen Style reichlichst decorierte Apotheke Androvie hervorzuheben. Industriell ist die Stadt durch ihren Maraschino-Handel renommiert. Der DriolbBrandy und süsse Buxardo-Marasehmo werden jährlich in mehr denn 300.000 Flaschen nach allen Weltgegenden versendet. Doch auch für Temperenzler ist jetzt in Zara durch eine vorzügliche Wasserleitung gesorgt, die sämmtliche Brunnen reichlichst speist, darunter die alten, architektonisch bemerkens werthen Cinque pözzi auf der Volksgarten - Terrasse. Zara, das sich bereits jahrelang desselben ausgezeichneten Bürgermeisters Kitter von Trigari erfreut, ist Sitz der Statthalterei und der obersten Civilbehörden Dalmatiens. Die Stadt fiel bereits durch den Frieden vom Campo Formio (1707) an Oesterreich; doch die vollständige Einverleibung datirt erst durch spätere Blockirung und Capitulation. Seit Oesterreich's Herrschaft hat sich die 12.000 Einwohner zählende Stadt bedeutend gehoben, besonders unter der Regierung unseres Kaisers, dessen Besuch Dalmatiens im April 1875 als segensreicher Wendepunkt des herrlichen Landes gilt.

Fhot Stengel & Ci*. Val di Maestro-Bucht. ZARA. Riva vecchia.

Cinque pozzl. Basilica. Porta terra forma.

naturschönheiten.

(^v/"'"?'^)<\ dmaticn ist ungemein reich an liebliehen sowohl, als an erhabenen und wildromantischen Naturschönheiten. Zu den herrlichste'! gehören unstreitig der Krka !' ^' ■ -■ ■ l wunderbare Wasserfälle, die auch Skardinski Slap genannt werden, weil das uralte Scardona, ein vormals berühmter Ort, am rechten Ufer des dort bereits sehr breiten, im Dinara-gcbirge entspringenden Flusses liegt, der sich oberhalb der Fälle beckenartig weitet und einen See bildet. Inmitten der weltverlorenen Einsamkeit dieser gleissenden Wasserwüste erhebt sich das idyllische Inselkloster Visovaö. Fan bald süssen Friedens, der in den Lüften rauscht und in den hohen Baumgipfeln, die sogar den schlanken Thurm des Kirchleins und die Dächer der Mönchsbehausung überragen, welche die grässlichste aller Greuel, die Türkenerstürmung, heimgesucht. Doch das donnernde Getöse, das jetzt aus weiter Ferne erdröhnt, stammt nicht aus alter Mörser feuerspeiendem Rachen; denn trauter Friede beherrscht die bände unter Kaiser Franz'.Joseph's milder Regierung Der dem fernen Ohre so unheimlich klingende Schall ist daher nur das ewigwährende Brausen und Sausen der grossartigen Krka-Fälle, welche, sehenswerther als der Vielgepriesene Rheinfall, in fünf Katarakten über starrende Felsenklippen schäumend niederstürzen, von Schlund zu Schlund brodelnd, wirbelnd, stäubend: ein entzückendes Panorama, das die Berge neidisch umschliessen und ein üppig wuchernder Naturpark zaubervoll umrahmt. Die wundervolle Schönheit der verschiedenen Wasserfälle, welche von Sebenico aus mittelst Dampfschiff zu erreichen sind, erweckt in dem praktischen Beschauer jedoch auch den Gedanken des Bedauerns ob des Brachliegens solch' kolossaler Wasserkraft; denn ausser zum Betriebe weniger, höchst primitiver Mühlen, fast antidiluvianischen Systems, Iiiessen die Wasser der Krka nutz- und fruchtlos die ganze lange Strecke dahin. Das Gold des fernen Alaska läge aber gewiss in diesen Fluthen ebenso wie im Klondyke, wenn selbe zu einem grossen, industriellen Unternehmen ausgebeutet würden, was übrigens in letzterer Zeit pro-jectirt ist. Allem Anscheine nach werden daher die Wasser, die Jahrhundert um Jahrhundert in Nichts zerflossen, im nächsten goldene Früchte tragen.

Als gleichwerthiges Seitenstück der Wasserfälle können die zwei Riesenplatanen des ob dem Meere thronenden Dörfchens Gannosa bei Ragusa hervorgehoben werden. Die ganze Fülle der an den nahen Orient mahnenden Vegetation des meist als kahl verschrienen Dalmatiens scheint sich in dem majestätischen Geäst eingeniestet zu haben. Selbst der Palmen- und Pinienreichthum des Lahdes, kann sich nimmer erkühnen, mit den breitstämmigen Giganten sich zu messen, die sieben Männerarme kaum zu umspannen vermögen. Deren Schönheit kann mit den in Bujukdere am sonnigen Bosporus aufragenden Platanen stolz sich messen, wenn selbe sich auch nicht rühmen können, den kühnen Kreuzfahrer Gottfried von Bouillon beschattet zu haben. Doch Habsburgs Regenten und Stammesverwandten wandelten wiederholt unter den Riesenbäumen Cannosa's, welche sogar die Bewunderung unseres Kaisers in so hohem Maasse erweckt, dass er zur Erhaltung der Bäume eine namhafte Summe gespendet, als Seine Majestät im April 1875 gelegentlich der Bereisung des Landes auch die vielbew rinderten BaumrieSen aufzusuchen geruhte.

Diesen mit Recht gepriesenen Naturwundern Dalmatiens, reiht sich der unweit prangende, im Barokstyl angelegte Garten des herrlichen Schlosses des Grafen Bassegli-Gozze würdig und höchst Sehenswerth an. Das im vollen Zauber des Südens prangende Schloss besitzt für jeden guten Oesterreicher ein erhöhtes Interesse durch den Umstand, dass Kaiser Franz I. im Jahre 1818 einige Wochen hindurch die Palazzina der gastfreien Gonti Gozzc mit seiner erlauchten Gemahlin, Karoline Auguste, bewohnte. Aus jenen für Gannosa so glücklichen und schmeichelhaften Tagen weiss die Tradition manch' interessante Anekdote zu erzählen, die vom Grossvater auf den Enkelchen sich vererbte. Die ganze Gegend trat in letzterer Zeit in den Brennpunkt allgemeinen Interesses durch das Prachtwerk Seiner kaiserlichen Hoheit Erzherzog Ludwig Salvator, der Gannosa in Wort und Bild verherrlichte, da der hohe Herr ebenso als Schriftsteller denn als Maler Vorzügliches leistet. Seine Eindrücke als Künstler und Poet, sowie als schwärmerischer Naturfreund, bekunden sich in einem ungemein feinfühligen Empfinden,

Fliot. Stengel & G'ie. Die Riesenplatanen von Cannosa Die Krka-Fälle bei Skardona.

sebenico.

[SfyÄi7^j^.^iiuvh den herrlichen, inselflankirten Canal von Zara mit Ka-J-r^VÄ-i i',>,n ;UI' st;htlicher Bergeshöhe anfragenden Kort San rU^Mril Michele, das nun geschleift ist und allgemach zur laggggglBfl] friedlichen Ruine zusammenbröckelt, gelangt man nach Süddalmatien. Die von den beiden Inseln Pasman und Santa Catarina gebildete Meerenge mit ihren reissenden, gefährlichen Unterströmmungen, die des Nachts das Leuchtfeuer von Bahn/, kennzeichnen, müssen sämmtliche südvvärtsstrebende Schilfe durchkreuzen. Zwar nehmen die in Sehenico anlegenden Postdampfer einen anderen Cours ; doch Torrette, San Filippo und das vom Scoglio Katarina versteckte Zara-Vccchia — das alte Biograd der croatischen Könige — liegen noch auf der allgemeinen Linie. Ob letzterem Ort, dem beliebten Sommeraufenthalt der dort auch grösstentheils begüterten Zaretiner, tauchen als massiger Hintergrund die Höhen der Dinarischen Alpen auf, die ebenso grau und kahl, wenn auch minder zerklüftet als der gewaltige, die natürliche Grenzmarke Croatiens bildende Velebit, bei Zara den fernsten Horizont beherrschen. Der desolate Anblick kahlen Gesteins erneuert sich fast der ganzen Küste entlang in den vielen flachen lnselchen, die, meist jeglicher Vegetation bar, aus des Meeres blauer Fläche wie ein Abbild der fernen nackten Bergrücken auftauchen und der weiten, offenen See nur stellenweise freien Spielraum gewähren. Der felsenumdräute, schmale düstere Canal, der von der Insel Slarina abwärts nach Sebenico führt, erweckt in dem Beschauer ein unwillkürliches Gefühl bangen Grauens, das aber dennoch, trotz des desolaten Anblickes der alten veneüanischen Veste San Nicolö, in deren Gelassen so viele Menschen geschmachtet, erwartungsvoll in seiner düsteren Scenerie anmuthet, gleich den berechnend-verhüllenden Nebelschleiern einer besonders effectvoll wirkenden Theaterdecoration, . . Und ein Schauspiel ist es auch, ein wunderbares, zaubervolles, das sieh dem Auge crschliesst, sobald die weite, sonnige, lachende Bucht von Sebenico in den Gesichtspunkt tritt. Das grossartige B) km messende Hafenbecken zählt mit Kechtzu den schönsten der Welt und die amphitheatralisch aufgebaute, an Genua mahnende, altersgraue Stadt zu den originellsten der malerischen Städte Dalmatiens. Aus dem Häusergewirr des Borgo

di mare und des terrassenartig emporsteigenden Bergviertels, mit seinen finsteren, engen, ja labyrinthischen dä-eppengässchen, in denen sich ein Fremder so leicht verirrt, ragen auf verschiedenen Höhen die drei stolzen Castelle empor, die Sebenico einst vor den Gelüsten der Uskokcn, Türken, Venetianer, Piraten und sonstigen Eroberer geschützt, allein der alles niederschmetternden Franzosenmacht nicht lange Stand zu halten vermochten. Das verwitterte Gemäuer der unter Oesterreichs Friedensherrschaft als Schutzwehr geschleiften Forts: II Barone, San Giovanni und San Ivan krönt aber jetzt nur noch als Baradestück die interessante Seestadt. Als bedeutendste Festung galt die nach ihrem Erbauer Freiherrn von Degenfeld benannte, der im Jahre 1647 unter venezianischer Herrschaft die Stadt sieghaft vertheidigte. Sein ruhmvolles Andenken wird jetzt noch durch den Namen des Castells, das man II Barone nennt, schönstens geehrt. Sebenico, dessen Einwohnerzahl sammt Bandes- und Inselgebiet auf 36.000 gestiegen, besitzt auf seinem Hauptplatze eine Basilika, die als Prachtwerk lombardischer Kunst gilt. Bänger denn ein ganzes Jahrhundert wurde daran gebaut, da die im Jahre 1443 nach den Plänen des dazumal berühmten Architekten Giorgio di Matteo begonnene Kirche erst 15Ö5 vollendet ward. Allerdings entstand dadurch ein Gemisch gotbischen und italienischen Renaissance-styles, aber der imposante Totaleindruck des Domes leidet durchaus nicht darunter; denn der weit sichtbare, mächtige Kuppelbau wird vielfach mit Roms Juwel verglichen, wenn er auch nicht die schwindelnde Höhe der berühmten Beterskirche erreicht. Jedenfalls ward aber die dem heiligen Jakob geweihte Kathedrale als die schönste in ganz Dalmatien gerühmt. Angesichts der Basilika prangt auch die im venetianischen Style erbaute, altehrwürdige Communalloggäa, die jetzt als Casino und Kaffeehaus eingerichtet ist und als besonders sehenswerth gilt; wohl auch durch die verschwenderische elektrische Beleuchtung, die bei dem Wasserreichthum Sebenicos in jedem Krämerladen glänzt und dem Ort ein imponiren-des grossstädtisches Gepräge verleiht. Dies tritt besonders auf der Riva hervor, wo das Denkmal des berühmten vielgefeierten Bandessohns, des Dichters und Bhilosophen Niccolö Tommaseo aufragt.

PI...I. J. Mioni, Pol»; II., III. Stengel & Cie. Die Riva. SEBENICO. DliS Fort: 11 BaronQ-

Die Basilica. Der Molo.

CATTARO.

|attaro, das alte Ascruvium der Römer, ist zwar die südlichst gelegene, doch durchaus nicht die sonnigste Stadt unserer Monarchie, da die steilen, himmelanstrebenden Berge die Wohlthat des Tagesgestirnes um mehrere Stunden schmälern und daher die ohnehin düsteren Strassen zur Winterszeit noch linsterer gestalten. Das Fort San Giovani beherrscht in einer Höhe von 300 m die stark befestigte Stadt, die auch als Schwelle Montenegros bedeutend ist; denn der alte Saumweg sowohl, als die neue, breite, in unzähligen Windungen hinanstrebende Serpentinenstrasse — auf Kosten der österreichischen Regierung ausgeführt — schlängeln sich von Cattaro aus in die Schwarzen Berge empor, deren dräuende Gipfel in schwindelnder Höhe den Horizont absehliessen. Der Handel mit Montenegro ist daher ein so reger, dass dreimal wöchentlich vor der Porta Fiumara der vielbesuchte Markt sich entwickelt, dessen Hauptartikel in den kargen Landesproducten: Salz und Castradina besteht, das dem Gaumen des verwöhnten Culturmenschen so entsetzliche gedörrte Hammelfleisch. Gattaro ist als Festungsgebiet, das bereits mit dem Fort der Punta d'Ostro beginnt, wichtig, gilt aber als gefürchtete Exil-Garnison sowohl beim Militär als Beamtenstand. Doch die überwältigenden Naturschönheiten vermögen es gar bald die Meisten mit dem weit entlegenen Aufenthalt zu versöhnen. Die Gründung der im XVI. Jahrhundert durch ein schreckliches Erdbeben total zerstörten Stadt killt noch vor der römischen Aera, in welcher Gattaro als bedeutende Colonie glänzte. Im Mittelalter war die Stadt als berüchtigtes Piratennest bekannt, deren Bewohner umso gefährlicher ihr gefürchtetes Seeräuberunwesen betreiben konnten, weil das Gewirr der Pocche es gleichsam mit Kaubthierrachen bewachte. Auch als selbstständige Republik versuchte sich das Golfgebiet, unterwarf sich jedoch den sieghaft vordringenden Venetianern bereits im XV, Jahrhundert. Durch Frankreich kam es 1814 an Oesterreich und erweiterte seinen Seehandel, auf den die Felsenstadt vermöge ihrer Kage und der seemännischen Tüchtigkeit der wettergestählten Bocchesen natur-gemäss angewiesen ist. Schön sind in Gattaro die langgestreckten Uferquais mit dem üppigen Gärtchen, dessen Eingang eine Kaiser-

büste schmückt, und der exclusivere Ofücierspark vor der Porta Marina. Durch diese gelangt man sofort in das Herz der Stadt, deren enge Strassen zwar düster sind, doch den Vorzug eines guten Pflasters besitzen, ebenso die verschiedenen Plätze. Auch herrscht allenthalben eine den Fremden angenehm überraschende Reinlichkeit, die in den meisten grösseren Dalmatiner-Städten vorwiegt und die diesbezüglichen übertriebenen gegentheiligen Verleumdungen auf schlagendste Art Lügen straft. Von den moderneren Bauten fällt die griechisch-orientalische Kirche San Spiridione ins Auge, und unter den mannigfachen Klöstern ist das der Franziskaner bemerkenswerth. Nebst dem angeführten Seethore, besitzt Gattaro, das rings von hohen Mauern wde von einem Eisenpanzer umgürtet ist, auch zwei Landthore, die nördlich atifragende Porta Fiumara und die südlich gelegene Porta Gordiglio. Beide leiten ihre Namen von zwei Giessbächen her, wovon der eine unweit der Stadt dem kahlen Felsabhange entspringt und der zweite in einer Grotte. Beide münden ins nahe Meer, das der Gordoglio auf unterirdischem Lauf erreicht. Von den Baudenkmälern Cattaros ist hauptsächlich der an besonderer Stelle gewürdigte Dom hervorzuheben, sonstige architektonische Gebäude altehrwürdiger Zeiten hat die Bocchestadt nicht aufzuweisen. Ihr Juwel ist die sonnige Marina, die auch durch eine historische Tragödie der letzten Decennien eine traurige Berühmtheit erlangte. Nähmlich durch die im August 1800 erfolgte Ermordung des regierenden fairsten Danilo von Montenegro, der im Sommer die poetische Riviera Bianca der Bocche bewohnte. Bequem ist die Tiefe der Marina, an deren gewaltigen Molis sogar die grössten Handels- und Passagierdampfschiffe anlegen können. Minder zugänglich erweist sich der verschlossene Menschenschlag, der mitunter, trotz der mit Recht gerühmten Gastfreundschaft der Bocchesen, ebenso schroff und unzugänglich als seine wildzerklüfteten Berge ist. Doch der berückende Zauber des Malerischen und Düsterromantischen, der die felsenumstarrte und dennoch vegetationsreiche, von schlanken Gypressen umrauschte Seestadt auszeichnet, stempelt sie zweifellos zu den sehenswürdigsten Orten des meerbespülten Königreiches.

Pliot. Stirn},'!'! & C'io.

C ATT ARO.

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kathedralkirchen.

bergumstarrte Gattaro, dessen Bewohner, wie alle Dalmatiner, sehr fromm sind, besitzt nebst etlichen Klöstern und griechischen Kirchen im Ganzen 19 katho-™l lische Gotteshäuser, denen jedoch auch die kleineren Kapellen anzureihen sind. Mehr oder minder zeichnen sich alle durch irgend ein charakteristisches Merkmal innerer oder äusserer Vorzüge aus. aber der grossartig angelegte Dom mit seinen trotzig-kühnen Frontethürmen, von denen der eine höher als der andere ist, übertrifft sämmtliche Kirchen und Kapellen an Originalität des Baues und Schönheit des mächtigen Eingangsbogens, der die Kühnheit römischer Archivolten in seiner imposanten Spannkralt aufweist. Wie an den Felsen der dräuend aufsteigenden Berge Gattaros geschmiedet, präsentirt sich dem staunenden Auge das offenbar unvollendete Gebäude, denn Kreuz und Uhr schmücken blos den rechts aufragenden Thurm. Der Ausbau des zweiten harret wohl ebenso wie manch einer in Oesterreichs und Deutschlands Gauen der besseren Zeiten. Im Inneren der interessanten Kathedralkirche ist ganz besonders die dem Schutzpatron des Landes, dem heiligen Trifort, geweihte Kapelle zu bewundern. Sie glänzt durch herrliche Marmorgattungen, durch überraschendschöne Gemälde und prächtige Sculpturen. Ein Kennerauge prüft die weltentlegenen Kunstschätze zwar nur höchst selten; doch erfreuen sich dieselben umso grösserer Bewunderung seitens der schlichten Bewohner, die zum alljährlichen, als Nationaltest gefeierten San Trifone-Tag in Scharren aus allen Theilen der viel-yerzweigten Bocche und der lernen Krivosöie in den majestätischen Dom strömen. Mit Sang und Klang und den obligaten, weitdröhnenden Gewehrsalven wird der grosse Tag des Kirchweihfestes gefeiert, dessen Glanzpunkt der mittelalterliche Aufzug der Bürgerschaft bildet, die in Prachtgewändern und maritimen Abzeichen und Emblemen einherstolzirt. Ein tüchtiger Schmaus beschliesst die Feier, bei welcher der beliebte Nationaltanz (Kolo) der Bocchesen natürlich niemals fehlt.

Der Dom von Trau ist zwar grundverschieden, doch gerade in seiner vornehmen Styleinheit als Gegenstück der schwerfälligeren Cattareser Kathedralkirche anzuführen. Als romaniseh-gothischer

Wunderbau schönster Architektonik prangt er wie aus einem Gusse geformt mit seinem scharf zugespitzten Gloekenthurme in dem engen Gewirr vier merkwürdigen Inselstadt, die mit einer drehbaren Holzbrücke mit dem Festlande verbunden ist. Trau, das alte Tragurium, das sich griechischen Urspiamgs rühmt und dessen Gründung ins IV. Jahrhundert v. (dir. fallt, ist mit Recht stolz auf seine Basilika. Deren Bau stammt aus dem XIII. Jahrhundert, als die Stadt der ungarischen Oberherrschaft unterstand und ob ihrer Treue vom König Bela IV. von Ungarn den ddtel ■fedelissima« erhielt. Die innere Ausschmückung der dreischiffigen Kirche ist der äusseren Facade mit dem grossartigen gothischen Radfenster durchaus ebenbürtig und entspricht vollkommen dem colossalen Prachtthor mit seinen verschwenderisch angebrachten Reliefs und Figuralornamenten, die biblischen Scenen abgelauscht sind und in den Hauptfiguren Adam und Eva darstellen. Die Kanzel gilt als marmornes Kunststück ersten Ranges, und als unübertreffliches Meisterwerk der hochgeschätzten italienischen 1 lolzsculptur reihen sich ihr die Chorstühle der Domherren ungemein würdig an. Von den Seitenkapellen der Basilika ist das Baptisterium bemerkenswert!) und besonders die Grabstätte des heiligen Johann Ursino, der die Bischofswürde in Trau vom Jahre 10<>2 bis 1111 bekleidete. Der Domschatz rühmt sich seltener Reliquien, kostbarer Kelche und Monstranzen. Von historischem Interesse ist die Kapuze des Krönungsmantels des bereits erwähnten Königs Bela IV. von Ungarn, der als Flüchtling die Gastfreundschaft der getreuen Stadt Trau genoss und ihr dies Zeichen besonderer Huld für kommende Geschlechter hinterliess. — Die Kathedralkirche ist auch dadurch interessant, dass man von ihres dduirmes kühner Höhe das Paradies Dalmatiens: die Riviera der sieben Gastelle, theilweise erspäht. Iis sind die in eine Kette blühender Ortschaften verwandelten alten Trutzburgen, welche gegen rohe Türkengewalt in jener Schreckenszeit errichtet wurden, in welcher des Halbmonds gefürchtetes Panner überall, WO es in Dalmatien erschien, Tod und Grauen verbreitete. In der jetzigen Friedensära jedoch lacht ein grün Geländ sondergleichen an dem einst verrufenen Küstenstrich unter dem steil aufragenden Cabaner-Gebirge.

Pliot. Aloi> Beer, Klagenfurt.

Die Kathedrale von Cattaro.

Die Kathedrale von Trau.

ragusa

Jer Insel Lacroma schräg gegenüber breitet sieh, mit allem Zauber südlicher Poesie ausgestattet, das mauerumgürtete Ragusa mit dem originellen Porto Casson und dem trotzigen Fort San Lorenzo zu Füssen des Monte Sergio aus. Sonnig, meerbespült, palmenumkränzt und blüthenumwogt, wetteifert die .Stadt mit den schönsten und berühmtesten der italienischen und französischen Riviera, ja man kann mit Recht behaupten, dass die Waage al pari steht und Ragusa, was Klima und Lage anbelangt, kühn mit Nizza, Mentone und allen anderen sich messen kann. Hat sie doch die glänzendste historische Vergangenheit südliche!' Curorte, 1 1 Jahrhunderte und darüber noch wusste sich die stolze Rectoren-Stadt mit ihrem Inseln-Bezirk und grossartigen Territorium, durch eine kluge, massvolle Regierung und zinsbare dYibut-Politik unabhängig zu behaupten und hiedurch allen Klippen der Yenetianer Gelüsten, orientalischer Herrschsucht und ungarischen Eroberungen glücklich zu entgehen. Pas Bosnien hinüber gelang es der streng aristokratisch verwalteten Republik ihr Gebiet zu erweitern; doch der sieghaften Franzosenmacht gegenüber erwies sich die vielgerühmte Kriedens-politik und schlaue Diplomatie der Rectoren und Senatoren Ragusas ohnmächtig. Das alte Kausium, das die flüchtigen, ursprünglich korinthischen Colonisten der Stadt.Epidaurus bereits im VII. Jahrhunderl gegründet, mUSSte gleichfalls den unersättlichen Galliern zum Opfer lallen (1808). Dann stürmten auch noch die Montenegriner und Küssen über die herrlichen Lande dahin und zerstörten die prächtigen Villen, blühenden Felder und stolzen Paläste. Die allgütige, in dem milden I limmelsstrich besonders reichlichst wirkende Natur hat zwar das Füllhorn ihrer Gaben neuerdings über die verwüsteten Getilde ausgebreitet, und der Fleiss der thätigeil Menschheit hat die Häuser abermals aufgebaut, allein der allgemeine Wohlstand des Adels und der Bevölkerung litt doch empfindlich durch die zu Anfang des Jahrhunderts herrschenden Kriegsgreuel, wenn sich auch das Land und dessen Handel unter Oesterreichs Aar bestens emporgeschwungen. Die vielen Neubauten des Porta-Pille- und Porta-Ploce-Viertels, das sich bis zum Villenkranz des Vorortes San Giacomo erstreckt, sind beredte Zeugen des Gedeihens

Ragusas, speciell jedoch das zur Hebung des Fremdenverkehres erbaute Hotel Imperial. Majestätisch thront es am ddieodora-Park mit seinem offenen Koggiengang und seiner luftigen Dachterrasse orientalischen Styles. Und die wohlige Wärme des Südens umhaucht es auch und hat bereits Tausende in das ragusäische Winterparadies gelockt. Die grosse Zukunft der herrlichen Stadt als Curort ist daher bereits gesichert; denn das milde Klima, die verblüffende Vegetation der im Freien gedeihenden Agaven, Datteln, Fächerpalmen, Orangen und Citronen, Myrthen und Granaten, sowie die wunderbare Umgebung, werden nicht verfehlen, ihren magnetischen Zauber unwiderstehlicher Anziehungskralt auszuüben. Nicht minder die an historischen Gebäuden so reiche Stadt mit ihrem breiten Stradone, an welchem sich beide Fronteseiten entlang die Nobili-Paläste anreihen, die zwar das schreckliehe Erdbeben vom Jahre 1667 in Schutt verwandelt hat, die aber stolzer und schöner denn je aufgebaut wurden. Zu den sehenswürdigsten zählt die alte Dogana mit ihrem malerischen Arcadenhof, der Palazzo Bizzaro, die Sal-vator-Kirche mit ihrer kleinen, doch ungemein stylvollen Facade und auf dem Marktplatz — eigentlich Piazza delle erbe — die imposante Freitreppe des alten Jesüiteri-Conventes. Aus der modernen Aera glänzt auf demselben Platze das vom genialen Bildhäuer Ivan Kendie modellirte Denkmal, das die dankbare Stadt ihrem grossen Poeten Gunduliö gesetzt, haue great allraction bilden auch die interessanten Sitten und mannigfachen bunten Nationalcostüme der Bevölkerung und die pomphaften Kirchenfeste anlässlich der Patronatsheiligen und am Charfreitag sowohl, als am Frohnleichnams-tage. Alle übertrifft jedoch die San Biagio-Processioa am d. Februar. Da entfaltet der Clcrus seinen ganzen Reichthum. Da bietet sich dem Auge Grossartiges dar. Da glänzen die Dom- und Kirchenschätze auf offener Strasse. Goldgestickte Heiligenbanner blenden, goldstrotzende Gandelaber glitzern im tausendfältigem Wachskerzenschein; Gold schimmert an den Prachtgewändern der Geistlichkeit und an den pompösen Baldachinen. Dennoch spiegelt sich die alte Machtstellung der Geistlichkeit am bedeutendsten in der Herrlichkeit der Kirchen und Klöster. Berühmt ist die Franziskanerkirche beim Pilterthor ob ihres prächtigen Kreuzganges.

I'Uot. Stengel & Die,

RAGUSA.

Der Kreuzhang der Franziskaner.

baudenkmäler.

M&i^V ' 'lc Baudenkmäler Dalmatiens zählen mitunter zu den hervorragendsten der edlen Haukunst im Allgemeinen )/=■' und sind zugleich als geschichtliche Warten der ver-

l" ^ ' - •< schiedenen Völker, Epochen und Nationen zu betrachten) die im Laufe der Jahrhunderte mit Recht oder Gewalt das vielbestrittene Land sammt seinem colossalen Inselbestand beherrschten. Die dem heiligen Drimus (Dojmo) geweihte Kathedrale Spalatos, die ursprünglich das Mausoleum des grossen Kaisers Dioclctian war, ist als architektonisches Meisterwerk in erster Linie ZU nennen, da sie in der Geschichte der Hauwerke dem Pantheon der Ewigen Stadt angereiht wird als besterhaltenes Denkmal altrömischen Styles. Auch die Vergänglichkeit irdischer Macht und irdischer Wünsche hat dem hehren Hau ihr überwältigendes Wahrzeichen aufgedrückt, indem Jahrhundert um Jahrhundert in den Mallen, die dem heidnischen Kaiser als Grabstätte gedient, derselbe CultUS sieghaft ausgeübt wird, den er als erbitterter Christen Verfolger mit aller Macht despotischer Selbstherrschaft zu unterdrücken gewusst. Im Wechsel der Zeiten änderte sich der Gharaktcr des Mausoleums ganz gewaltig, wenn dessen ursprüngliche octogene Form auch bis zum heutigen Tage unverändert sich präsentirt. Auch die acht herrlichen, schlanken, rothen Granitsäulen, die den Wänden entlang so nahe derselben aufragen, dass sie fast sie zu stützen scheinen, sind dieselben, die den Heidentempel getragen. 7 Meter Höhe missen die der ersten Reihe und ob den herrlichen korinthischen Kapitalen, gleichsam als Träger des Gesimses, ragen neuerdings 8 Säulen kleinerer Dimension empor, von denen vier aus kostbarem Porphyr bestehen und vier aus grünem Marmor, die jedoch nicht mit der Pracht des verde anlico zu verwechseln sind. Dem Kranzgesimse entlang ist rundum der prächtige Dianenfries zu bewundern, dessen Reliefs als Attribut der heidnischen Göttin, einen waldbewegten Jagdzug darstellen. Höchst contrastvoll ziert er das Gotteshaus, dessen Kanzel ganz besonders gelobt wird, und das seit Entfernung der hölzernen Rundgalerien, wenn auch nicht in der ursprünglichen klassischen Schönheit, doch immerhin in harmonischer Würde prangt. — Ein passendes architektonisches Gegenstück ist der K'ectorenpalast in Ragusa. Stolz

und hehr prangt er an der Placa, auf welche der »Stradone«, die Nobelstrasse der Stadt mündet. Das Palais, in welchem die Rectoren hausten und walteten, hat sowohl die Republik, als ihr Regime überdauert und prangt heute noch unter den sehenswürdigsten Gebäuden RagUSas. Gleich dem märchenhaft-schönen Dogenpalast der venetianischen Republik, mit welcher die ragusäische so stolz sich mass und deren Verfassung sie auch theilweise inne hatte, steht der Rectorenpala^t nur noch als Rahmen der vergangenen Herrlichkeit aufrecht, die, von Clio's Griffel gezeichnet, blos als verblasstes Bild in der Geschichte glänzt. Lange vor dem Untergang der Republik hat das grässliehe Erdbeben, das in der zweiten Hälfte desXVII."Jahrhunderts Ragusa heimgesucht, aridem Rectoren-palast als niene /ekel gerüttelt, ihn aber nicht bis zu seinen Grundfesten zu erschüttern vermocht; denn wohl stürzte der erste Stock zusammen, aber der Unterbau des im Jahre 1888 begonnenen und laut Inschrift erst unter dem römischen Kaiser Sigismund 1435 vollendeten Palastes trotzte dem tückischen Anprall unterirdischer Mächte. Die Reconstruction ward zwar nicht ganz dem ursprünglichen romanischen Styl angepasst, da die jetzige Fronte der italienischen Renaissance angehend, dennoch zählt der Palazzo ducale zu den schönsten Baudenkmälern Dalmatiens. Die langgestreckte Strasseuläcade mit der von kühnen Spitzbogen überragten offenen Arcadenhalle wirkt majestätisch, und nicht minder imposant das Hauptpprtäl, durch welches man in den zwar kleinen, aber würdig angepassten Hofraum gelangt. Die Säulengänge und die Freitreppen erinnern in verkleinerter Dimension an die Scala dei gigaidi der Lagunenstadt. Der jeweilige Rectore war auch ebenso wie der Doge Venedigs nur der Scheinherrscher der fünf streng gesonderten Kasten der Priester, der Adeligen, der Bürger, der Handels- und Seeleute und der Hauern, die sämmtlich der schrankenlosen Macht des hohen Senates unterworfen waren. Zu den bedeutendsten Rectoren zählte Michele Pracat, dem ungewöhnliche Intelligenz und Willenskraft nachgerühmt wird. Seine in Bronze gegossene Büste ziert auf hohem Sockel den Hofraum des Rectorenpalastes, damit das Andenken des grossmüthigen Mannes stets unter den Ragusäern weiterlebe, die ihn denn auch als Geisteshelden und Wohlthäter zweifach verehren.

J'liot. Alois Beer, Klageiii'uit.

Der Rektorenpalast Rag-usas.

Die Kathedrale von Spalato.

die insel lac roma.

er Magnet des ganzen dalmatinischen Idtorales ist und bleibt: Lacroma, die Perle der Adria und die Königin der sämmtlichen reizenden Inseln Dalmatiens. Die wahrhaft tropische Natur der im warmen Breitegrad Sieiiiens liegenden Insel, hat hier ihres reichsten Füllhorns mannigfaltigste Pracht über das vormals Tide Karstgestein des Eilandes ausgeschüttet. Aber die Fürstenhand, die theure, segenspendende, die Göttin Flora-sWundergaben hieher geleitet, ist in der grausen Fremde erkaltet; denn der Schöpfer des Inselparadieses war Seine kaiserliche Hoheit Erzherzog Ferdinand Max, der als Kaiser von Mexico einen so traurigen Heldentod in Qucretaro erlitten. Gleichsam um das Andenken des kaiserlichen Märtyrers zu ehren, grünt und sprosst die dankbare Pflanzenwelt üppig weiter; der Drdbeer-baum wuchert hier mit dem Korheer um die Wette und breitet sein immergrünes Blättermeer allenthalben aus. Kamelienwäldchen reihen sich an Orangen- und Citronenhaine, deren balsamische Blüthen im Lenz berauschen und deren saftige Früchte im Herbste golden und massenhaft prangen. Oleander, Kosen und Gränat-sträuche blühen und glühen in fabelhafter Fülle nächst der Fächerpalme breitblätterigem Wunder. Doch auch die säulenschlanken Dattelpalmen Afrikas und die stammverwandte Phönix reclinala, wiegen ihre hoben Federkronen unter des blauen Himmels mildem Zeltdache, das sich ebenso gedeihlich ob der als Seltenheit geltenden indischen Cicas, ob Bilden, Oliven und Cypressen, ob stachlichem Hex und Gacteen ausbreitet; ja sogar die brasilianische Arancaria glänzt unter den Nadelhölzern edlerer Gattung und der Pinns picea bedeckt das ganze Vorcap der Insel als prächtiger Waldkomplex. Die Aloe jedoch wurzelt nicht allein mit seltenem (duck auf der gottbegnadeten Scholle, sondern blüht sogar in ihrer hundertjährigen Pracht, derenSchön-heit aber leider auch das Absterben der Pflanze bedeutet, die Saft und Kraft mit dem oft auch 10 m hohen Blumenstengel einbüsst. Mit gerechtem Stolze wird im alten Refectorium des Klosters, dem ehemaligen Empfangssalon des Erzherzogs Ferdinand Max, eine colossale Aloeblüthe producirt. Nach dem Tode ihres ersten hohen Besitzers, der als Mariue-Obercommandant auch den Manen der

Unglückseligen, die der Bulverexplosion des Triton (Mai 1859) zum Opfer fielen, ein pietätsvolles Denkmal in Form eines Kreuzes setzen liess, kam die Insel in Brivatbesitz. Doch Lacromas Glanz-tage kehrten wieder, als das Eiland für Seine kaiserliche Hoheit weiland Kronprinz Kudolf um 70.000 Gulden angekauft wurde. Allein auch diesen hohen Besitzer verlor das meerumspülte, fatale Eiland, dessen Vorzüge in einem vom Hofmarinemaler Anton Perco schmuck illustrirtem Buche unübertrefflich durch die Kronprinzessin-Witwe Erzherzogin Stephanie geschildert wurden. Wessen Feder könnte da wohl in die Schranken treten!?

Es sei daher nur chronistisch verzeichnet, dass die altehrwürdige Abteiruine vielfach der Gründung Richard's Löwenherz zugesprochen wird, der durch einen schrecklichen Sturm bei seiner Rückkehr aus Baiästina anlässlich des dritten Kreuzzuges (1190), auf die Insel Lacroma verschlagen wurde. Durch die Munificenz unseres gütigen Monarchen, Kaiser Franz Joseph I. hausen nun neuerdings Ordensgeistliche auf der prächtigen Insel, deren Bark die jetzigen Besitzer, die Dominikaner von Porta Bloce, liebevollst hegen und pflegen und stets gastfreundlich zeigen. Das Schloss mit seinen pietätvollen Erinnerungen, unter denen die Verssprüche der kaiserlichen Familienmitglieder oberhalb der Thürrahmen der ehemaligen Mönchszellen in erster Linie interessiren durch die gehaltvollen, philosophischen Lebensbetrachtungen, ist zwar, bis auf die Kapelle, seines Schmuckes entblösst worden, bleibt aber immerhin höchst sebenswerth. Den grossen, säulengctragenen, kühnumwölbten Kreuzgang zu durchwandeln, ist an heissen Sommertagen geradezu entzückend; nicht minder schön in jeder Jahreszeit ist ein Spaziergang durch die Barkanlagen mit seinen sinnig nach hohen Besuchern benannten Wegen, die zu den verschiedenen Naturschönheiten des Inselreiches führen, das durchaus nicht unter »Clausur* steht, vielmehr dem Fremden und Kin-heimischen immer zugänglich ist, so dass sich Jeder an den Wundern des herrlichen Felsenthores mit dem Auslug auf die schäumende Meeresbrandung erfreuen kann. Desgleichen im Anblick des Mai- morto eines kleinen Binnensees — schwelgen und der vielen märchenhaft schönen Dinge des verwaisten Kürsteneilandes.

Alois Buer, Kl;ij*enfurt. Schloss Lacroma.

Die Insel Lacroma.

salona und s pa lato.

In einem winzigen dalmatinischen Dorfe ist die Geburtsstätte des grossen römischen Kaisers Diocletian herabgesunken. Viele Geschichtschreiber behaupten zwar, dass der schlichte Mann, der es durch persönliche Tapferkeit bis zum Cäsaren des römischen Reiches gebracht hat, in Diocla, einem Dörfchen nächst Salona im Jahre 245 n. (dir. geboren sei, doch da Salona angeblich mit gerechteren Ansprüchen die Ehre beansprucht, als Vaterstadt des berühmtesten Dalmatiners aller Zeiten zu gelten, ward ihr das Geburtsrecht Diocletian's im Laufe der Jahrhunderte willig eingeräumt. Salona, das bereits in hellenischen Zeiten flörirte, war als Römercolonie sehr bedeutend und unter dem Namen Martin. Julia Salonae bekannt. Als die Kömer unter dem Consul Metellus 117 Jahre v, Chr. nach Dalmatien kamen, um die lllyrier zu unterjochen, war Salona bereits eine bedeutende Festung, deren Mauern und Thürme in der rinnischen Acra so gewaltig erweitert und befestigt wanden, dass die Stadt in ihrer höchsten Blüthezeit ZU den schönsten der orientalischen Küste zählte, sowie ihr Hafen zti den bedeutendsten des Adriastrandes. Allerlei Kriegsgreuel pochte wiederholt an SalonaS Thore und der Gothensturm fegte bereits im VI. Jahrhundert verbeerend über die im Alterthume so wichtige Stadt dahin; doch blieb es erst den