Vereinigte 'Llnbachcr Zeitung. ^«o. 82. Gedruckt mit Eken von Klemmaqer'schen Schriften. Freytag den 11. October 1816. I n n l a n d. ! Wien. ' >33e. k r. Maj. haben dcm Verwalter der ! grass. Bcigido'schen Herrschaft Mabrenfels, > sn Isirien, Johann Terptn, w Rücksicht der Verdienste, die er sich um die Verbreitung des 3rdapfelbaues in den Iabren »790 bis >8o3 in sehr vielen Orten Istriens erwarb , die kleine goldene Ehrenmedaille mlt Oehrl und Band verlieben. (W. Z.) Der Allerhöchste Hof hat am ,. d. den Vlufenchalt zu Schöimbrunn verlassen, und die Hofburg allhier bezogen. S^. k. k. Maj. haben dem Kreisbaupnuann 0. Fiume, Io< sepb v Weingarten erlaubt, das lbm vom Konige v. Neapel verliehene Ritterkreuz des Konstauttnischen Ordens tragen zu dürfen. .md wirksamsten Feueranstalten, sowohl von Seite des Civils als des Nilitärs fünf Hauc ser, nemlich das in welchen das Feuer entstand, das des WeiilwirlhS und Gastgeber Herrn Gstirner, des Backenmeisters Htde-nigg, des Fuhrmanns Tschare, und des Flclschbauers Schwarz nebst Stallungen und Scheunen gänzlich in die Asche gelegt wurden. (K. Z.) Ungarn. Preßbucg. Am 2«. Gevt. hat sich der bereits seit 1 ls» Jahren wegen so früher Entwicklung vielfaltiger GetHesgaben bekannte, nunmehr 5jahrige Herr Sigmund Bar^ Praun, bey seiner Durchreise, für eine arme Familie allhier öffentlich aufder Violine hören lassen. Die Spielart des schön vorgetragenen schweren Quartets von Rode ist nach Aussage der Sachverständigen so künstlich, daß man dem talentvollen Jungen allgemeinen Beyfall, und um so mehr Bewunderung schenken mußte, als man sich keines gleichen Beyspiels so früher musikalischer Talentebisher m erfreuen hatte. Hielxy hatte das zahlreich versammelte Publikum auch Gelegenheit den Gesang des Fräuleins v Klein, welches dem angehenden klewen Kunstlee durch Vortrag eines Gedichtes vonkoniseBrachmann, nebstmehc «ren Herren tonkünstlern die Ehre «wies, vorzüglich aber am Schlüsse derlVorsteUm'g die Kraft dcr Violine in den Händen des allgemein geschätzten Direktcurs und Solo-Geigers, Herrn Leopold v Blumenthal, zu bewundern, welcher die Leitung des Ganzen, erfreut über die besondern Talente des edlen Jünglings, übernahm. Ausland. Niederlande. Am 16^ Eevt. kündigte der Donner der Kanonen im Haag, den über die Algierer erfochtenen Sieg an. Der See - Lieutenant Arriens traf an dem Morgen desselben Tags aus der Buchtvon Mgier, die er am i. Sept. verlassen hatte, daselbst ein, und überbrachte dem See-Minister Depeschen von dem Vize-Vldmiral von der CapeUen, (der bekanntlich die Holländische mit der Englischen vereinigte Eskadre anführte,) welche nachstehenden Inhalts find: „Nachdem der Lord Ermouth während seines Aufentballes bey Gibraltar seine Macht noch mit einigen Kanonierbooten vermehrt, und alle seine Eintheilungen in Ordnung gebracht hatte, ging die vereinigte Eskadre am 14 Aug in See. Den 16., aufdcr Höhe des Kap von Gate, schloß die Korvette, der Prometheus, sich an die Flotte. 3 er Cavi-tain dieser Korvette, Dashwood, berichtete, daß es ibm geglückt sey, die Familie des Englischen Consuls zu Algier durch List an seinen Bord^ zu bekommen. Allein da diese Flucht zu frühe entdeckt w«rd, sey der Consul nebst zwey Schaluppen mit Leuten vom Prometheus durch den Dey arretirt worden, der auf den -Bericht von dieser zweyten Ervedizian alles zu einem hartnäckigeneWidcrstand inBereitschaft gesetzt, die Bewohner des Landes aufgerufen, und so mehr als 5u,00oMann, theils Mauren, theils Araber, unter den Mauern von Algier versammelt hatte. Wegen des anhaltenden Ostwinds kamen wir erst am 27. Aug des Morgens vor die Bey von Algier. Lord Er-mouth sandte sogleich eine Parlamentär-Schaluppe nach der Stadt, mit einem schriftlichen Auftrage an den Dey » des Inhaltts, daß, da er durch die letzten zu Bona ausgeübten Grausamkeiten alle Verbindungen gebrochen habe, ft> sey er (Lord Ermouth) im Nahmen des Prinzen-Regenten beauftragt, Folgendes zu verlangen: l) Unverzügliche Auslieferung aller Christen-Sklaven ohne alles Lösegeld. 2) Wiedererstattung aller Gelder, welche er für die Sardinischen und Neapolitanischen Gefangenen bezogen habe. 3) Die schleunige Erklärung, daß er sich eben so, wie die Beys von Tunis und Tri-poli verbinde, die Rechte der Menschheit zu ehren, und in Zukunft alle Kriegsgefangenen nach der Gewohnheit der Europaischen Völker z» bebandeln. 4) Friede mit Sr. Maj. dem Könige der Niederlande auf die uemlichen Bedingnisse, wie mit dem Prinzen e Regenten, zu schliessen. Auf alle diese Punkte erwartete der Lord binnen einer Stunde Ja oder Nein, widrigenfalls wür« den die Feindseligkeiten ohne Verzug beginnen. Der Lord, dem ich des Morgens meine Aufwartung gemacht hatte, besorgte indessen , daß er sich diesen Tag würdc begnügen müssen , vor Anker zu kommen , und sich die Nacht hindurch auf eineu Angriff mit Bombardier-und Kanonierschiffen und mit Brandraketen zu beschränken. Die vier Bom-bardierschiffe, nahmen indessen sogleich ihre Stellung vor der Stadt, und alles ward zum Angriff in Vereitschaft gesetzt. Kurz daraufgab mir der Lord ein besonderes Zeichen , daß ich angreifen sollte, wenn der Wtnd nicht umschlüge. Ich gab daher sogleich das Zeicken, die Schlacht-Linie nach erhaltener Vorschrift zu bilden: Da ich aber sah, daß diese Signalisirung nicht verstanden ward, so beschloß ich , die Linie zu verändern, und sie mit dein Melampus (dem Holländischen Admiralschiff) selbst zu leiten. Ungefähr um » Uhr 30 Minuten hielt die ganze Flotte in einer Reihe in welcher der Metampns das achte Schiff war. Gegen 2 Uhr ,5Ml-nuten sahen wir den Lord Ermouth mit der Königinn Charlotte in der Entfernung eines Pistolenschusses, gerade vorderOeffnung des Hafendammcs vor Anker gehen. Dieses kübne und unerwartete Monöuvre eines Dreydeckers schien den Feind so ^mser Fassung gebracht zu haben, daß ein zweytes Linienklnss schon seine Stellung bcttte, ebe die Batterien ibr Feuer begannen, das, so schrecklich es auch war, beantwortet wurde. Nachdem ich dem Capitain von Man zu er« kennen gegeben hatte, daß ich so geschwind wie möglich, mit dem Metampns, und den andern Fregatten allmablig nnlere Stellung an der linken Seite des Lords Ermouth neh-wen wollte, brachte dieser seine Fregatte unter dem kreuzenden Fener von mehr als looo Kanonen meisterlich in die anbefohlene Stellung , um unsere linken Batterien in derselben Minute zu öffnen. Auch Capitain Ziervogcl ging mit seiner Fregatt<,die ^iana, beynahe in demselben Augenblick an die Stelle , wo ick ibn hingewünscht hatte. Eben so öffnete der Capitain Polders auf der Aurora Unmittelbar in der besten Richtung seine Batterien; allein die Capitain von der Stra-ten und oon der Hart waren wegen des dicken Rauchs, und wegen Mangels an Kenntniß des Lokals in den ersten Augenblicken nicht so glücklich, doch aber bemühten sie sich unter dem heftigsten feindlichen Feuer ihren Batterie« eine gute Richtung zu geben. Die Eintrackt, Capitain-Lieutenant Wardenbera, den ich in die Reserve gestellt hatte, um ihn im nöthigen Fälle zur Hülfe zu gebrauchen, Hielt sich sehr nahe unter dem Feuer der Bat« terien. Unsere Schiffe hatten noch feine halbe Stunde gefeuert, als, Lord Ermouth mich wissen ließ, daß er mit der Richtung unsers Feuers gegen die südlichen Batterien sehr zufrieden sey, iveil diese ikn nun sowenig, wie mögNch hlnderttn, und er von dem ganzen Hafendamm UttV allen feindlichen Schissen Meister sey Das Geschwader Eu. Majestät, fo wie die Brittische Flotte, schienen von dem Eifer unsers großmüthigen Anführers, für die Sache der ganzen Menschheit gleich lebhaft beseelt zu seyn, und die Besonnenheit und Ordnung, womitdas erschreckliche Feuer der Batterien dicht än den Mauern von Algier beantwortet ward, ist eben so wenig zu be-schreiben, als der Heldenmuth ,und die Selbstaufopferung eines jeden im Allgemeinen, besonders aber die Seelengrösse des Lords Er--moutb an diesem Tage. Die Zerstörung von beynahe halb Algier, und des Abends um 3 Uhr die Verbrennung der ganzen Algierischen Seemacht, waren von dem einen die Folge. Bis 9 Uhr blieb Lord Ermouth mit der Königinn Charlotte in derselben Stellung mitten im Feuer, und ermütbnte dadurch einen jeden, das angefangene Werk nicht aufzugeben , bis cs vollbracht sey Seine Beharrlichkeit gab ein solches wirkendes.Beyspiel, daß alle davon ergriffen wurden, und baß das Feuer der Schiffe gegen das eines tapsern Feindes in Verzweiflung sich zu verdoppeln schien. Als kurz darauf die Küniginn Charlotte durch das Losreissen e'mes brennenden Feindlichen Schiffes ingrosseGefahr gerieth, waren wir unter dem heftigsten Feuer allein für die Sicherheit unsers Anführers bedacht, und als sich ihn alle Schaluppen des Geschwaders zur Hülfe anbothen, war seme Antwort: daß wir uns wegen semer mckt beunruhigen, sondern nur mit verdoppeltem Eifer seine Befehle vollziehen, und nach sewem Beyspiele mit Feuern fortfahren sollten. Endlich, ungefähr um halb,o Uhr, nachdem die Zerstörung in dem Hafendamm vollendet war, gab der LordBcfebl, sich aus dem feindlichen Feuer zurück zu ziehen, wogegen jedoch sowobl ich, als andere zu geborchen Anstand nahmen , so lange nicht dte Köntgmn Charlotte gesickert war. In dlesem Ruck« zuge, welcher durch die Windstille und den erlittenen Schaden sehr langsam vor sich ging , hatten die Schisse von emem neu eröffneten, und verdoppelten Feuer der feindlichen Batterien nock sehr viel zu leiden. Endlich wehete der Wind vom Lande her, worauf der Lord Ermouth gerechnet hatte, und dadurch kam denn die Flotte gegen >5 Uhr, in der Mitte deö Bay vor Anker. (Dtzr Beschluß,'olgt.) Großbritannien. Am i5 Sept. wurde wurde zu kondo» von dem Departements der Admiralität fols gender Bericht bekannt gemacht: Der Cavnain Brisbane, von dem Linienschiffe Sr. Maj., die Königinn Charlotte ^ ist gestern Abends bey diesem Departements mit den nachsiehenden Depeschen des Admirals Lord Ermouth, G. C. B an John Wilsdn Crvker Esq., angekommen. Am Bord der Küniginn Charlotte, in der Bay von Algier, den 23. Aug. 1816. „Von allen Ereignissen eines Lebens, da« ick ganz dem Dienste meines Vaterlandes He« widmet habe, bat keines einen Elchen Eindruck vop Freude und Dankbarkeit auf mich aewackt, als detjenige ist, den ich gMcrn empfand. Es wird immer eine Quelle von Vergnügen und Glück für mich bleiben, eines der niederen Werkzeuge gewesen zv seyn, welche die Vorsehung atigrwcMt hat, ewe barbarische Negierung zur Vcnnmst zurückzuführen , und das schreckliche System der Christen-Sltaverey für immerzu zerstören. Durchdrungen von diesen Empfindungen,, bringe ich Eu. Herrl. meine aufrichtigen Glückwünsche zn dem vollkommenen Erfolge 5ar, den die iräfngcn Ansirciigungeu dcr ^lott« Sr. M»ij. in dem Angriffe "auf die Stadt Algier gestern am 27. erhielten, und zu dcr glücklichen Wirkung, welche derselbe l-,eute bcroor^ebracht hat: die Unterzeichnung des Friedens." „So hat dieser gerechte Krieg nicht langer als zwey Tage gedauert, während wel-n ihn dcr glänzendste Sieg durch die Hcr-sieNung des Friedens für England und dessen Verbündeten, den König der Niederlande, «uf jenen Grundlagen beendigte, welche die Weisheit und Beharrlichkeit der Regierung Gr. Raj» verzeichneten, und deren kraftvolle Maßregeln gebothen." „Ich danke den Ministern- Er. Maj. für die Ehre und das Vertrauen, dah sie sich in einer so wichtigen Angelegenheit auf meinen Eifer stützten. Sie haben mir solche Mittel in die Hände gegeben, wie ich sie gewünscht hatte, und die Schnelligkeit ihrer Mahnahmen spricht zu ihren Gunsten. Kaum sind es hundert Tage, daß ich Algier 5er-ließ, ohne zu wissen und ohne selbst zu ab-nen, welche Grausamkeiten zu Vona verübt werden sollten. Die Flotte, welche ich zurückgeführt hatte, wurde abgetackelt; man schuf und rüstete eine andere aus, deren Stärke auf die Ereignisse berechnet war, uud trotz der Meeresstille und der widrigen Winde hat sie gezeigt, wie ein beleidigtes Bolk sich räche «ndem sie diese Hhre Grausamkeiten mit einer Schnelligkeit vhne Beyspiel züchtigte, und welche den Geist des Englischen Volkes hoch ehrt, eines Volkes , d«s die Unterdrückungen und Grausamkeiten lebhaft empfindet, besonders wenn sie «n Opfern unter seinem Schutze verübt werden " „Doch warum hat der Him nel verhängt, daß ich bey Ausführung dieses Unternehmens den schmerzlichen Verlust so vieler Tapfern, Soldaten und Offiziere zu beklagen habe! Die Armee hat in diesem Kampfe ihr Blut so verschwenderisch vergossen, und so merkwürdige Beweise von Heldenmuth und Auf- opferung gegeben, daß es die edelsten Empfindungen erweckt. Dürfte ich mich ihnen bey idrer Sclnidcrung überlassen!" „Ew. Herrlichkeit haben schon durch das Schiff Sr. Vaj., der Kasper, erfahren, was mir bis zum l/. d. M. dä ich Gibraltar verUch , begegnet ist, nachdem ich unglücklicher Weise vier Tage lang durch widrige Winde daselbst aufgehalten werden war. Die Flotte, welcher es an „ichts gebrach, verließ Gibraltar in dcr besten Sttmnmnq; sie war in diesem Hafen durch fünf gerüstete Schisse verstärkt worden. Wir befanden uns in den günstigsten Umstände«, und glaubten binnen 3 Tagen an unsere Bestimmung zn gelangen; allein ein widfiger Wind vereitelte alle Hoffnung einer schleunigen Ankunft. Tieß wurde von Niemand aufeine beunruht? gendcre Weise als von mir selbst empfunden, da ich bcy der Abfabrt von Gibraltar erfahren batle, daß der Feind ein zadlreichcs Heer sammelte uud eine grosse Anzahl Bcfestigungs-wcrke nicht nur an den beiden Seiten der Stadt, sondern auch zunächst an den ausser« sten Endcn des Molo anbrächte. Diese Nachricht ließ mich befürchten, daß der Deymeie ne Absicht, diese Stelle zu meinem Hauptangriffspunkt zu machen , durch dieselben Wege erfahren habe, auf welchen er Kenntniß von der Erpedition erlangt katte. Sie wurde in der folgenden Nacht duech den Prometheus bcstät'gt, den ick einige Zeit vorher nach Algier gesendet hatte, um dle Entwei« chung des Konsuls zu begünstigen. Dem ka« pitain Daskwood war es mit grosser Mühe gelungen, dessen Gattinn und Tochter als Unteroffiziere verkleidet zu retten. Erhalte ein Fahrzeug zurückgelassen, nm den Sohn des Konsuls, nock ein kleines Kind, das der Wundarzt in emem Korbe brachte, aufzunehmen ; allein aller Sorgfalt ungeachtet, dieses Kind zu beschwichtigen sing es unter dem Thore zu schreyen an, und der Wundarzt nebst drey Unteroffizieren und anderen Personen, in allem achtzehn, wurde gefangen genommen und in das gewöhnliche Sklaven-gefängniß geworfen. Das Kind wurde den folgenden Morgen von dem Oey aufdas Fahrzeug geschickt, und diesen Beweis seinerslensch« lichkeit darf ich nicht vergessen." (Die Fortsetzung folgt.)