E g e r i s ch e j^W l^_______--——-__—>__________—--____________-______________—___________^ Freytag den 18. November, i 8 o 3. Laib ach, den 13. Nov. Vorgestern am 16 dieß wurde am fiesi-gen Landhause unter dem Vorsiye Sr. Exzell. des Hrn. Gouverneurs von Krain, Görz, und Gradiska, Grasen von Trautmannsdorf, bey Versammlung der Herren Stande ein großer Landtag abgehalten. Politische Zeitgeschichte. Während der Krieg zwischen der größten See - und zwischen der größten Landmacht zu der größten Entscheidung des großen Er-eignißes, das die Geschichte aufzuweisen hat, sich nahet, wankt auch die größte Macht im Orient, und nahet sich auch zu dem größten Ereigmße der Auflösung. Egypten, schreiben Berichte von Konstantinopel vom zoten Oktober, ist nun ganz für die Pforte verloren; die dortigen Veys und Arnauten haben Alexandria , den letzten militairischen Standpunkt, den vie Pforte dort noch behauptete, erobert. Diese traurige Nachricht hat der Reichs Essen-di allen fremden Ministern vckannt g?macht. Die Pforte will sich überzeugt halten, daß dieseS Unglück nicht sowohl der Unzufriedenbett deS Veys, als fremden Einwirkungen zuzuschreiben sey. Auf der andern Seite bedrohen die fanati« schen Horden des Abdul Wechab die asiatische Türkey; dieser Rebelle siegt noch immer, und der Bascha von Damaskus kann ihm keine hinlängliche Macht entgegen ftclun. Iu die- ser Verlegenheit hat die Pforte besonders» Rußlands Unterstützung angerufen, und sie befindet sich in einem Zustande, der ihr von allen Seiten einen Umsturz droht. Ihre Meere werde« von der englischen Seemacht dominirt, und ihr festes Land gährt in Zer« störungen und Unruhen. Eine solche politische Verlegenheit wird man schwer ausweisen können. Die Höfe, die an der Erhaltung der Pforte interessirt sind, werden ebenfalls w Verlegenheit gesetzt, und sollte man's wohl glauben? — das Schicksal der Pforte hängt von dem Schicksale der französischen Landung auf England ab, wie ein Fadcn des Spinn« gewcbes von den übrigen Fäden abhängen muß. Aus Prag, vom 2g. Okt Während der hiesigen Anwesenheit Ihw Königl. Hoheiten der Erzherzoge Johann und Ludwig, ist die vaterländische Zeitgeschichte auck durch folgende ebenso gründliche, als edle Thatsache, bereichert worden. Als General -Direktor des K. K. Geniewesens, war dcm Erzherzoge Johann der cssective und individuelle Personalstand des hiesigen K K. Forti-ficatoriums bewußt, folglich auch bekannt, daß dabcy ein Greis vom huftdertsten Lebensjahre noch diene. Höchstsie äusserten dcm Ins genieur Oberstlieutenant, Baron v. La».fccy, daS menschenfreundliche Verlangen , den merks würdigen und in Ehren ergrauten alten Mann zu sehen. Dem gnädigsten Verlangen zufolge ward dann dleser Grntz vorgesttlil, NamenS Joseph Fränzel, von Krumau, Vubweiser Kreises, in Böhmen gebürtig, Fortifikations Oberschanz - Korporal allhier, welcher 47 Jahre bey dem ehemahligen K 5k. Infante tle - Ncgimente, Ulrich Kinsfy , als Gemeiner stand, und sowohl dem vorletzten Türkenkriege unter dem Feldmarschall Neuberg, als auch zwey Preußischen Kriegen unter verschiedenen Feldherren tapfer beywohnte, nun aber seit 33 Jahren bey dem K. K. Fortifikatorium angestellt ist, mitbin dem durchlauchtigsten ErzHause Oesterreich volle 80 Jahre dient, weßhalb derselbe schon vor einigen Iah ren eine goldene Verdienst Ehrenmedaille em-psieng, die ihm von dem damaligen Landes-kommandirenden, Feldmarschall Bender, in Gegenwart der übrigen hohen Generalität und des gesammten K. K. Oss»zier-Korps bey öf sentlicher Parade auf dem Altstädter Ring angeheftet wurde. Se. Königl. Hoheit über das noch standhafte Gedächtniß dieses hundertjährigen Greises erfreuet, der alle an ihn so herablassend gestellte Fragen richtig und bescheiden beantwortete, gerührten ihn großmüthigst zu beschenken, und versprachen, in Hinsicht einer noch bessern Versorgung, den gnädigsten Bedacht auf ihn nehmen zu wollen. München, den 6. Nov. Vom ersten November an ist das Postgeld in Bayern, welches seither für eine Station auf das Pferd 1 ft. 15 kr betrug , auf einen Gulden herabgesetzt worden. 2)rm Vernehmen nach ist von allen Infanterieregimentern in Bayern ein Bataillon, und auch von jedem Kavalteriercgimente einige Eskadrons hieher be, ordert. Am 18. Nov. soll während dem Auf. enthalte des Königs von Schweden bey hiesiger Stadt ein grosses Manövre seyn. Hölln, den 27. Okt. DerExpriestcr Schäfer ist heute früh nach Achen abgeführt worden, wo er gerichtet wird. Er hat während seinem Arreste allhier ftlne Lebensgeschichte selbst geschrieben, und den Aufseher über das Gefängniß, B. Lamerz, bevollmächtigt, dieselbe drucken zu lassen. Vom Vodensee, den 2s. Okt Nun ist die Stadt Lindau nebst der Grafschaft Immenstadt, vermög einer Uiberein-kunft mit dem Grafen von Vrezenheim, Oesterreichisch. Der k. k. Hoftommissär ist bereits in Lindau angekommen, um im Na-» men deS allerhöchsten Hofes Besitz zu nehmen. Frankreich. Der Postwagen von PariS nach Brest wurde in der Gegend von Nibay von 8 bis in Bewaffneten angefallen. Der Postillon und l Pferd wurden verwundet. Hie Räuber bemächtigten sich des Briefsacks, öffneten einige Depeschen, und zogen unter Drohungen wies der weiter. Man will wissen, daß dsr größte Theil der Französis Infanterie in der Schweiz Befehl bekommen hat, «ach Frankreich zurück zu kehren, um sich an die Küsten des Kanals zu begeben Ein Regiment schwerer Reiterey, und 1 Regiment Dragoner soll eben diesen Ve« fehl erhalten haben. Die übrige Kavallerie bleibt zur Zeit noch in der Schweiz. General Varbou wird über diese Truppen in der Schweiz das Kommando führen, da General Neu nach Kompiegne abreiset. ES wird als zuverläßig angegeben, daß Portugal die französ. Vorschläge nicht hat annehmen wollen, und daß man in Paris einen portugiesischen Kourier mit neuen Vorschlägen erwartet, sowohl ^n Rücksicht Spaniens, wegen Parma und Placenza, als in Rücksicht Portugals, für welches sich Rußland zu interessiern scheint. DaS Journal de Paris schreibt vom 27. Okt. Folgendes: „ Man versichert, daß der erste Konsul verflossenen Sonntag im Cercle mit verschiedenen Mitgliedern des diplomatischen Korps und einiger Fremden über das Schreiben des ehemaligen Grafen von ArtoiS an den König von Großbrittanien gesprochen, und bey dieser Gelegenheit geäußert habe, es schmerze ihn, sehen zu müssen, daß die Geschichte einen Franzosen einer Niederträchtigkeit anzuklagen haben werde, wovon die Geschichtsbücher der Nationen bis jetzt kelN l Beyspiel auszuweisen gehabt hätten." Einige unserer Politiker sind der Meynung, die Vresterftotte könnte wohl beym Eintrite der stürmischen Witterung, welche die Eng-länder in ihre Haven zurückjagt, plötzlich mit ZO,c>c)O Mann ausgesuchter Landungstruppen am Vord unter Segel gehen, die Strasse von Gibraltar passiren, über Nelson und seine Eskadre herfallen, ehe er sichS versseht, sofort sich mit der Flotte von Toulon verbinden , und in Verbindung mit dieser nach Egy-pten segeln. Andere geben dieser Meynung feinen Beyfall. Sie sagen: Vonaparte würde durch eine solche Unternehmung seine Macht zu sehr theilen ; ohnerachtet man nicht leugnen könne. daß der Besitz von Egypten eine Lieblingsidee vom ersten Konsul sey. — Hiesige öffentliche Blatter geben an, daß Rußland und Peeußen eine Defensivallianz abgeschloi ßen, und die Höfe von Stockholm, Koppen, Hag n, Dretzden, München, Kassel, Stutt-. gard, un^K rlsruhe zum Beytritts zu derselben einqcladcn haben. Der Zweck dieser Allianz soll kein anderer seyn, als die bishe-Nge Neutralität zu handhaben. Paris, den 2. Nov. Noch ist dcr erste Konsul von hier' nicht abgereist; noch ist die Landuugsftotte nicht ausgelaufen. Aber aus allen französ. und holländischen Haven lauten die Nachrichten einstimmig dahin, daß die ungeheuern Landungsanstalten sich ihrer Vollendung nahen. Die Schisse werden mit Artillerie, Munition und Lebensmitteln beladen, die daraus vertheilten Regimenter üben sich im Abfeuern der Kanonen, im Rudern, im Schwimmen )c. Holland liefert zu dieser erstaunenden Unternehmung allem 1,200 Schisse von jeder Gattung. Mlt seinen Brüdern lebt Vonaparte noch immer in etwas gespannten Verhältnißen. Doch besuchen sie sich einander. Madame Vonaparte ist krank; sie hat das Fieber und deftige Nervenzufalle. Straß bürg, deu 4. Nov. Der Kriminalprozeß deS Schinderbannes «nd seiner Mitschuldigen hat nun in Maynz ' angefangen. Er wurde mit 6?. seiner Gs< fahrten auS demGefängniße abgeholt; 5 Weibs« personen und einige kränklichte Gefangene seyte man auf einen Leiterwagen, die übrigen aber waren paarweise an eine lange Kette geschlo^ ßen, und so gieng der Zug nach dem ehemaligen kurfürstl. Schloße, wo die Richter ver-sammelt fassen. Die 2 ersten in der Reihe waren Schinderhannes und sein Vater; er« sterer schien gar nicht niedergeschlagen, und sprach Vieles. In dem Verhörsaale waren für die Gefangenen hintereinander z Reihen erhöhter Bänke angebracht. Für Phisionomi-sten war diese Gallerie von Gaunergesichtern sehr interessant. Die wildesten Gesich^züge hatte ein gewißer Jakob Müller. Auch sagt der Anklagakt von ihm, daß er grausamcr und gefährlicher gewesen sey, als Schinder, hannes, dessen Betragen weder frech, noch feig ist. Her Prozeß wurde durch den Präsidenten Rebmann mittelst einer passenden Rede erössnet. Ein anderer Richter verlas eine summarische Erzählung der Thatsachen. Schinderhannes sah während der Ablesung mit gesenktem Blicke ernst und ruhig vor sich hin. Als der Ausdruck vorkam: Große Verbrecher, erhob sich seine Brust, und sein Gesicht entfärbte sich. — I» den folgenden Tagen sollte das Verhör fortgesetzt werden. Amsterdam, den 31. Okt. Der Haudel mit Kaffee ist hier jetzt eins wahre Agiotage. Wenn nicht noch Zufuhr kommt, wird der Preis desselben keine Gränzen kennen. Der westindische ist bis auf 23 Stüber gestiegen. Der Java steht eben so hoch, London, den 21. Okt. Vorgestern wurde der vom König ausgeschriebene Bußtag, um den Segen deS Him« mels für die Brittischen Waffen zu erfiehm, sehr feyerlich begangen. Alle Buden und La« den waren geschlossen, und alle Kirchen voller Menschen. Die FreyforpS wohnten dem Gottesdienst bey, und diejenigen, welche den Eid der Treue noch nicht geschworen hatten, legten denselben ab. In mehreren Kirchen wurde stark gegen die Feinde gepredigt. Vn Admiral Nelson sind wichtige De peschen abgegangen. Er soll sein Augenmerk vorzüglich darauf richten , daß Aegyplen nicht zum Zwcytenmal den Franzosen iu d»e Hände falle. In diiscm Lande, dem Vorhofe von Ostindien,sönnen wir keine andrreMacht dulden. Am 13. Okt. MorgenS um 3 Uhr fioq eine der Pulvermühlen zu Dartford auf . Die Explosion wurde verschiedcneEngllsäNMkilen »reit gefühlt. Wie das Feuer ausgekommen, ist noch nicht bekannt. Vermischte Nachrichten. Ein Leiermann mit einem Guckkasten siatte neulich seine Raritäten auf einer Brücke in London aufgestellt, und einer von den Neugewor, . benen, von Tapferkeit glühenden VolontairS, schaute hinein. Unter andern Herrlichkeiten h»eß es denn auch : „ Hler werden Sie sehen den grossen Vonaparte, wie er in England landet!^ — Den Teufel soll er landen! ersaufen soll er! schrie der Volonttür, und schien« derte den ganzen Kasten in die Themse. Man spricht in Paris von einer roialtstischcn Verschwörung, die glücklicherweise vor ihrem Ausbruche entdeckt worden seyn soll. Unter den Verschwornen sollen sich Personen aus den ersten französis Familien befinden, welche «usgewandert waren, aber Erlaubmß erhielten, zurückzukommen. CS heißt, daß sie de-portirt werden sollen. Sch'ffe, welche in Triest und Venedig auS her Levante angekommen sind, bringen die zviederholte wichtige Nachricht mit, daß eine Englische Flottille, aus Malta kommend, vor LNexandrien in Egypten erschienen sey, und daselbst mit Bewilligung der Vey's einige 1000 Mann als Besatzung anS Land gesetzt habe. Der in Venedig krank liegende Luftfchiffer, GrafZambeccari hat schon mancherley unglückliche Sckicksale gehabt. Schon vor vielen Jahren stellte er in England eine Luftfahrt an, dann lebte er einige Zeit lang in Hamburg beym Professor Väsch, späterhin wurde er Kapitain eineS russischen Kriegsschiffs, daS im schwarzen Meere scheiterte. BeydiesemUnfälle gerieth er jn harte Türkische Kriegsgefangen« schaft, aus welcher ikn endlich der Spanische Gesandte in Konstantinopel befrcyte. Schreiben des Generals Menou, Kommandanten der 2?ten Milita-'rabtheilung, an einen Untergeordneten dcs Kommissärs bry der ersten Gcrichtsstelle von Turin : KiS Unterdrückung der Hazardspicle betreffend. „Bürger! — Die Angelegenheit des Kaffeehauseigenthümcrs Negrinj ist, nne ich vernommn habe, vor ihrem Geriete eingelei-tet worden. Ich zweifle nicht, Sie werden mit allem Eifer darauf bedacht seyn 5 die Ha, zardspielhauser, diese Lasterschulrn, in welcken die Bürger ,hr Vermögen, ihre Ehre, und oft selbst ihr Leben aufopfern, bald mözlickst z« unterdrücken. DaS Spiel, deese gefährliche Leidenschaft, gewöhnt denMenscken aa Müßiggang , und macht oft selbst brav?, wiewohl schwache Leute , am Ende zu Schurken.