preisungen seines verstorbenen Vaters und seiner verstorbenen Tante rührt und erweicht. Als er diese zum Geprclltwerdcn geeignete Stimmung im Verkäufer erweckt hat, thut er, als sei er plötzlich von der Güte eines Stücks Tucd, das er in j dem Laven erblickt, wie geblendet. Er sei nicht gekommen, um Einkäufe zu machen-, aber der Güte solcher Waare könne er nicht widerstehen, und wohl sehe er, daß die ersparten Gold- stücke, die er im Hause zu liegen habe, heran mühten. Der Händler, den Aussicht auf ein vortheilhaftes Geschäft noch mehr für Herrn Pathclin einnimmt, ist sofort bereit, ihm sechs Ellen Tuch mitzugeben, und Herr Pathclin ladet ihn ein, sich sogleich seine Bezahlung zu holen und außerdem bei ihm Gänse- braten zu speisen. Der Tuchhändlcr kommt, vernimmt aber von der Frau des Advocaten zu seinem Erstaunen, daß ihr Mann, schon seit eilf Wochen gefährlich krank, gerade jetzt im Sterben liegt und also unmöglicher Weise heute Tuch gekauft haben kann. Da er nun gar den Kranken selbst in verschie- denen Sprachen phantasiren hört, so zieht er sich endlich, halb überzeugt, halb zweifelnd zurück. Bald darauf wird derselbe Tuchhändler von seinem Schäfer um Hammel betrogen und klagt. Der Schäfer wendet sich an den Advocaten Pathelin, der ihm den Rath ertheilt, aus alle Fragen des Richters nichts zu antworten als „Bäh." Im gerichtlichen Termin erschienen nun vor dem Richter der Tuchhändlcr, als Kläger, und der Schäfer, als Verklagter, in Begleitung seines Anwalts. Kläger ! ist über das unerwartete Erscheinen Pathelin's so bestürzt, daß er seines vorliegenden Processes vergißt und den Anwalt be- schuldigt , ihn um sechs Ellen Tuch betrogen zu haben. Der Nichter ruft ihm daher zu: ,,8u8, i'6V6U0N8 ü, 063 inoutons!" (Wohlan, laßt uns aus die besagten Hammel zurückkommen!) Da Kläger trotzdem fortfährt, in der Auseinandersetzung des Thatbestandes das gestohlene Tuch und die gestohlenen Hammel zu verwechseln, so wird er mit seiner Klage abgewiesen. Die Posse endigt damit, daß der gerettete Schäfer dem auf Honorar dringenden Advocaten Pathelin auf alle Vorstellungen nichts als das bewährte „Bäh" antwortet. Wahrscheinlich ist nun die Redensart mittelbar von der deutschen Vühne, auf der irgend eine Bearbeitung des französischen Originals aufgeführt worden sein mag, in ihrer deutschen Fassung auf uns gekommen. Gift fliegen. Vor einigen Tagen wurde in Leipzig ein junger Mann von einer sogenannten blinden Fliege auf die Lippe gestochen. Es entstand daraus eine Geschwulst des ganzen Gesichtes, welche den Tod des armen Mannes zur Folge hatte. Ferner wurde eine Frau von eben einer solchen Fliege an der Hand verletzt, und nur schleuniges Ausbeizen der Wunde konnte der Frau ihren Arm retten. Ist nun der Stich genannten Insekts an und für sich so gefährlich, oder hat er nur schlimme Folgen, wenn dem Menschen der Stich versetzt wird, nachdem das Insekt vorher vielleicht auf Aas u. s. w. gesessen hat? Und gibt es kein wirksames Mittel, sich gegen diese Folgen des Stiches zu schützen? Die „Natur" beantwortet diese Frage folgendermaßen: Gistfliegcn sind überall häusig, wo Gerbereien vorhanden sind. Die Gerber kennen sie darum auch sehr wohl und bringen die Patienten, meist Kinder, augenblicklich zum Arzte, der nun die Wnnde mittelst Höllenstein oder anderer Aetzmittcl ausbeizt. Ist das rechtzeitig geschehen, so läuft der Patient keine Gefahr; umgekehrt ist er rettungslos verloren. Uebereinstimmcnd ist man der Ansicht, daß die Giftfliegcn solche Fliegen sind, welche das Aas wie einen Leckerbissen betrachten. Trifft es sich nun, daß dieselben an einem kranken, etwa an einem milzbrandigen Thiere geschmaust haben, so übertragen sie den Milzbrand oder ähnliche Krankheiten auch auf den Menschen, der das Unglück hat, von ihnen befallen und gestochen zu werden. Das ge- schieht übrigens genau so, wie wenn man Pockengift künstlich einimpft, oder wie der Anatom angesteckt wird, der die Leichen syphilitischer Kranken, milzbrandiger, rotziger oder an ähnlichen Krankheiten gestorbener Thiere secirt und eine Wunde an seinen Händen besitzt, die dem Gifte den raschen Zutritt zu dem Blute gestattet. Wir haben Grund anzunehmen, daß alle diese Gifte wie Fermente wirken, also hefenartig zersetzend auf das Blut einwirken, dieses in Gährung überführen und so den Tod des Betreffenden veranlassen. Die Akropolis von Tro^a. Nach einem an den Vorstand der k. k. geologischen NeichZ- anstalt Hofralb von Haidinger aus Athen eingelangten Schreiben hat der k. k. Consul Dr. u. Hahn in der Zeit vom 29. April bis 21. Mai d. I. mit 36 Arbeitern die Ausgrabungen auf .dem Bali Dagh, dem muthmaßlichen Orte des Stadtgebietes von Troja, unternommen und nach kurzer Zeit den ganzen Umfang der Burg und Theile der Oberfläche zu Tage geför- dert, uraltes cyclopisches Gemäuer. Sculpturen wurden keine entdeck?" dagegen fand man hellenische Münzen, Lampen und Neste von Thonfiguren. Man kam auf die Reste der Akropolis durch Entfernung einer bis 13 Fuß hohen Schichte von Humus. Dem Vali Dagh gegenüber am Skamander befinden sich eben- falls Neste einer uralten Atropolis, die gleichfalls untersucht wurden. Dr. v. Hahn war begleitet von Julius Schmidt und dem Architekten dcs Varon Sina in Athen, Herrn Ziller. , Die Nusalien. In der letzten Sitzung der philosophisch-historischen Classe der Wiener Akademie der Wissenschaften legte das Mitglied Professor Dr. Fr. Miklosich eine Abhandlung vor: „Die Rusalien. Ein Veitrag zur slavischen Mythologie." In dieser , Abhandlung wird die weitverbreitete, selbst oon P. I. ßafa'rit ! in Schutz genommene Ansicht, die Rusalien seien Wassergott- , heiten, bekämpft, und der Satz zu beweisen versucbt, bei den Rusalien sei in älterer Zeit nicht an Gottheiten, sondern an ein Fest zu denken, und zwar sei mit diesem Worte ursprünglich das Psingstfest bezeichnet worden. Die Verbindung heidnischer Gebräuche mit einem christlichen Feste in einem Theile des sla- vischen Ostens, sowie die hie und da vorkommende Personi- sication der Rusalien finde mehr als ein Seitenstück auf dem Gebiete der slavischen Mythologie. Gegen die Sundsumth. Der russische Arzt Dr. Kun?n empfiehlt als radikales Mittel den Gebrauch der Wurzel 8M2.62, ulilmriH. Dr. Kunen ! hat dieses Mittel achtzehn Jahre mit dem glücklichsten Erfolge ^ angewendet. Auch ein anderer russischer Arzt, Dr. Meldzane- ! witsch, zählt sechs Fälle von Heilung der HundZwulh durch den Gebrauch des genannten Mittels auf. Verantwortlicher Redacteur I. v. Kleinmayr. »- Druck und Verlag von Igu. v. Kleinmaye 35 F. Vambcrg in Laibach.