Izvirni znanstveni članek (1.01) BV 71 (2011) 2, 221—234 UDK: 929Rua M.:27-789.64(497.4) Besedilo prejeto: 3/2011; sprejeto: 5/2011 Bogdan Kolar Der selige Michael Rua (1837-1910) und die sale-sianische Tätigkeit unter den Slowenen Zusammenfassung: Der selige Michael Rua, der im Jahre 1888 Nachfolger Don Boscos und damit auch Leiter aller salesianischen Stiftungen wurde, trug wesentlich dazu bei, dass sich die neue Ordensgemeinschaft nach innen festigte und nach außen ausbreitete. Als Michael Rua der Generalobere der Salesianer war, liefen mehrjährige Verhandlungen bezüglich der Gründung der ersten Sa-lesianerniederlassung im zentralslowenischen Gebiet - in Rakovnik bei Ljubljana. Das geschah im Jahre 1901. Bereits davor gab es zwei Niederlassungen am Rande des slowenischen ethnischen Gebiets in Gorica/Görz (seit 1895) und Trst/Triest (seit 1897). Außer der Niederlassung Rakovnik wurde in der Zeit von Don Rua noch die Niederlassung in Radna bei Sevnica (1907) eröffnet. Zusätzlich dazu liefen die Verhandlungen für die Eröffnung der Niederlassung in Veržej (Wernsee), zu der es im Jahre 1912 kam. Michael Rua trug wesentlich dazu bei, dass die salesianische Tätigkeit unter den Slowenen ihren Anfang nahm und sich Geltung verschaffte. Dazu trugen auch seine zwei Besuche slowenischer Länder in den Jahren 1904 und 1908 bei. Schlüsselwörter: Michael Rua (1837-1910), Salesianische Kongregation, Slowenien, Erziehungsanstalten Povzetek: Blaženi Mihael Rua (1837-1910) in salezijansko delo med Slovenci Blaženi Mihael Rua, ki je v letu 1888 kot naslednik Janeza Boska prevzel vodstvo salezijanskih ustanov, je odločilno prispeval k temu, da se je nova redovna skupnost navznoter utrdila in navzven izjemno razširila. Ko je bil M. Rua vrhovni predstojnik salezijancev, so potekala večletna pogajanja za nastanek njihove prve ustanove v osrednjem slovenskem prostoru. To se je zgodilo v letu 1901, predtem pa sta že delovala zavoda na robu slovenskega etničnega prostora, v Gorici (od 1895) in v Trstu (od 1897). Poleg zavoda Rakovnik pri Ljubljani je bil v Ruovem času odprt še zavod na Radni pri Sevnici (leta 1907), stekla pa so tudi že pogajanja za odprtje tretjega zavoda, in to v Veržeju (odprt leta 1912). M. Rua je pomembno prispeval k temu, da se je salezijansko delo med Slovenci začelo in uveljavilo. Veliko sta pripomogla tudi njegova obiska slovenskih dežel leta 1904 in leta 1908. Ključne besede: Mihael Rua (1837-1910), salezijanska kongregacija, Slovenija, vzgojne ustanove Abstract: Blessed Michael Rua (1837-1910) and Salesian Activities in Slovenia Blessed Michael Rua, who became Don Bosco's successor in leading the Sale-sian works in 1888, gave a crucial contribution to the inner consolidation of the new religious community and to its extraordinary expansion. While he was the Rector Major of the Salesian Congregation, the negotiations for the founding of the first Salesian house in central Slovenia took place. It was officially inaugurated in 1901. There had already been functioning two Salesian colleges on the border of the Slovenian ethnic territory: in Gorica/Gorizia (since 1895) and in Trst/Trieste (since 1897). Besides the house at Rakovnik by Ljubljana, in Don Rua's time the house at Radna by Sevnica was opened (in 1907) and the negotiations for the opening of the third house in Verzej (inaugurated in 1912) were initiated. M. Rua contributed in a major way to the beginning and the promotion of Salesian activities among Slovenians. His two visits to Slovenia in 1904 and 1908 we a notable contribution to that goal as well. Key words: Michael Rua (1837-1910), Salesian Congregation, Slovenia, educational institutions Im Jahr 2010 haben die Salesianer Don Boscos und die ganze salesianische Familie den hundertsten Todestag des seligen Michael Rua (geb. 9. Juni 1837 in Turin, gest. 6. April 1910, Turin)1 sehr feierlich begangen. Unter anderem haben sie zwei internationale Kongresse vorbereitet: in Turin vom 18. Oktober bis 1. November 20092 und in Rom von 28. Oktober bis 1. November 2010. Der selige Michael Rua wurde als der erste und treue Nachfolger Don Boscos vorgestellt. In den Jahren zwischen 1888 und 1910 leitete er die Kongregation und setzte sich mit all seiner Kraft für deren Ausbreitung ein. Dabei zeigte er Originalität in der pedago-gischen Arbeit ebenso wie in der Führung der Gemeinschaft und in seiner eigenen Spiritualität (Castano 1970, 44-45). Zu seinen Lebzeiten begannen die Salesianer ihre Arbeit auch in Slowenien, wobei Michael Rua eine entscheidende Rolle spielte. 1. Don Bosco unter den Slowenen Der Name Johannes Boscos (geb. 16. August 1815, Colle don Bosco - gest. 31. Jänner 1888, Turin), des Apostels von Turin, begann sich unter den Slowenen bereits nach dem Jahr 1857 zu verbreiten, also noch vor der Gründung der Gemeinschaft der Salesianer Don Boscos im Jahr 1859. Don Bosco wurde als großer Arbeiter für die Verbesserung der Verhältnisse unter der Jugend, für die Lösung ihrer sozialen Fragen, für ihre Ausbildung und für ihre verantwortungsvolle Eingliederung in die Gesellschaft vorgestellt. Schon im Jahr 1869 veröffentlichte der Chefredakteur des zentralen Kirchenblattes Zgodnja danica, der Domherr Luka Jeran (1818-1896), die Übersetzung des von Don Bosco geschriebenen Lebenslaufs Dizionario biográfico dei Salesiani (Torino: Ufficio Stampa Salesiano,1964), 246-247. Don Michele Rua primo successore di Don Bosco. Tratti di personalitá, governo e opere (1888-1910). Atti del5°Convegno Internazionale diStoria dell'Opera Salesiana. Torino, 28 ottobre -1° novembre 2009 (Roma: LAS, 2010), 1105 S. 1 seines Zöglings Michael Magone.3 Ein Jahr später erschien als selbständiges Buch die Übersetzung des Lebenslaufes von Dominik Savio, geschrieben von Don Bosco.4 Für slowenische Priester war das Treffen mit Don Bosco im Jahr 1871 von großer Bedeutung, als sie auf dem Weg von Rom in Turin anhielten, sich seine Stiftung ansahen und mit ihm persönliche Kontakte anknüpften.5 Nach der Rückkehr nach Slowenien stellten sie in der Öffentlichkeit Don Boscos Tätigkeit und die Originalität seiner Stiftung vor. Die Nachrichten in der Tagespresse waren anfangs nur gelegentlich, seit 1875 aber, als die erste Gruppe der Missionäre nach Südamerika abreiste, wurden die Nachrichten über die salesianische Stiftung ein fester Bestandteil der Berichte in der slowenischen Kirchenpresse.6 Schon vorher wurde den Berichten aus den Missionsländern eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, weil in den Missionen eine große Gruppe slowenischer Landsleute war. Die slowenische Kirchenpresse brachte regelmäßig Informationen über die Mission und damit verbundene Ereignisse, die aus salesianischer Umgebung kamen. Zu den regelmäßigen Neuigkeiten gehörte der Bericht über alljährliche Missionsexpeditionen. Nach jedem Bericht stieg die Zahl der Spenden, die für 'Don Boscos Mission' oder für einzelne Missionäre geschickt wurden. Sie wurden von den Redakteuren von Zgodnja danica gesammelt, die Namen der Spender und die gespendeten Summen wurden veröffentlicht, gelegentlich wurden größere Summen nach Turin geschickt. Als am 31. Oktober 1895 eine neue Gruppe der salesianischen Missionäre Missionskreuze bekam, berichtete Zgodnja danica über eine »ungewöhnliche Expedition von hundert Missionären«, die Don Rua abgeschickt hat. Der Bericht wurde mit der Bemerkung abgeschlossen: »Wir werden versuchen, in kurzer Zeit dem braven Don Rua einige Missionssammlungen für die erwähnte wirklich große Expedition schicken« (ZD 1895, 367-368). Bald danach wurden 205 Gulden geschickt, wofür sich Don Rua in einem besonderen Brief am 26. November 1895 bedankt hat (ZD 1895, 368). Es ist offensichtlich, dass unter den Missionsspendern eine größere Zahl von Pfarrern und Kaplänen war, die für die Organisierung neuer Gruppen von Missionäre sorgten. Eine bedeutende Quelle für die slowenischen Redakteure war der italienische BollettinoSalesiano-Salezijanski vestnik (später auch in deutscher Herausgabe). Neben der Missionsarbeit wurde die größte Aufmerksamkeit Don Boscos Arbeit für die Lösung der Sozialfragen und seiner Andacht zu Maria Helferin geschenkt. Nach Don Boscos Tod erschien in Fortsetzungen sein Lebenslauf. Man kann sagen, dass Don Bosco bei seinem Tod unter den Slowenen schon gut bekannt war, obwohl an seiner Arbeit einige Charakteristika hervorgehoben wurden, die Zgodnja danica 21(1868): 231-232; 238-239; 245; 264; 278-279; 287-288; 294-295; 328; 335; 342-343; 377-378; 384-385; 402-403; 408-409; 416-417. Die Übersetzung hat L. Jeran selbst gemacht. Janez Bosko, Mladenček Dominik Savio, gojenec v vstavu sv. Frančiška Salezija v Turinu, v Laškem jeziku spisal 1866 duhoven Janez Bosko, vodnik tega vstava, slovensko vravnal L. Jeran, 4 Bände (Ljubljana: Založila katoliška družba za Kranjsko (R. Eger), 1870-71), 112 S. L. Jeran hat darüber ausführlich berichtet. Vgl. Zgodnja danica 24 (1871): 93-94; 104; 114; 116-118. In der Gruppe waren verschiedene Priester, u.a. Domherr P. Urh, Dechant A. Kožuh, Pfarrer A. Peterlin, J. Strnad und J. Blažir. Domherr L. Jeran hatte eigentlich eine besondere Rubrik in seine Zeitung Zgodnja danica eingeführt vomit er die Möglichkeit hatte regelmäßig das Geld für die salesianischen Missionen zu sammeln. 3 4 5 von den slowenischen Lesern auf ihre eigene Weise verstanden wurden.7 2. Tätigkeit der slowenischen salesianischen Mitarbeiter Für die Affirmierung der salesianischen Arbeit unter den Slowenen war die Arbeit zweier Gruppen von Bedeutung: der salesianischen Mitarbeiter und des Vereins zur Gründung eines Rettungs- und Erziehungs- Institutes in Ljubljana. Die ersten setzten sich vorwiegend für die Bekanntmachung Don Boscos und seiner Stiftung in der Öffentlichkeit ein ebenso wie für die Vorbereitung der ersten slowenischer Salesianerberufe. Die Mitglieder der zweiten Vereinigung sorgten aber für die Vorbereitung des Gebäudes, in das die Salesianer Don Boscos einziehen sollten und von wo aus sie ihre Arbeit anfangen konnten. Bei der Arbeit beider Gruppen hatte die zentrale Position Janez Smrekar (geb. 9. April 1853 - gest. 19. Mai 1920), der Katechet in Ljubljana, der am 28. Januar 1895 von Don Rua zum Leiter der salesianischen Mitarbeiter im Bistum Ljubljana ernannt wurde (SBL 3:399). Mehrere salesianische Mitarbeiter im slowenischen Raum führten mit Don Bosco und Don Rua Korrespondenz, schickten Geldbeiträge für den Bau der Salesianerniederlassungen in Italien und anderswo, einige bezogen die salesianische Presse. Im April 1895 nahm der Katechet Janez Smrekar am ersten internationalen Kongress der salesianischen Mitarbeiter in Bologna teil und lud sie im Namen von Monsignore Jakob Missia (1838-1902), dem Bischof von Ljubljana ein, nach Ljubljana zu kommen und da das erste Haus zu eröffnen.8 Gleichzeitig verabredete er sich mit Don Rua für die weitere Zusammenarbeit. Noch im selben Jahr wurde in der salesianischen Druckerei in Turin die slowenische Übersetzung des Buches Cooperatori salesiani ossia un modo pratico per giovare al buon costume ed alla civile societá (slowenisch: Sotrudniki salezijanski ali izkušeno sredstvo družbi človeški koristiti s pospeševanjem nravnosti) veröffentlicht.9 Die Publikation wurde zum bedeutenden Mittel bei der Verbreitung der Idee der Mitarbeit im slowenischen Raum. Am 29. Januar 1896, anlässlich des Feiertages des hl. Franz von Sales, fand in Ljubljana die erste Versammlung der salesianischen Mitarbeiter statt (ZD 1896, 23; 36). Seit dieser Zeit wurde das Vereinsprotokoll der salesianischen Mitarbeiter und die Mitgliederliste geführt, sie traten als eine organisierte Gruppe auf. Don Rua antwortete dem Katecheten Smrekar auf seinen Versammlungsbericht wie folgt: »Ehrwürdiger lieber Herr Smrekar! Mit großer Freude erhielt ich den Bericht über die Konferenz der sanftmütigen slowenischen Mitarbeiter. Herzlichen Dank für den Bericht selbst. Bitte seien Sie so freundlich und übermitteln Sie den guten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen unseren herzlichen Dank und unsere Versicherung, dass wir innig unseren Herrn bitten, den himmlischen Segen reich- 7 Vgl. Zgodnja danica 41 (1888): 16; 46; 49-50; 66-68; 82-83; 87; 89-91; 97-98; 106; 113-114; 122; 129; 137-139; 147-148; 154-155; 169; 172-173; 178-179; 186-187; 193-195; 201-202; 225-226; 242-243; 266-267; 275-276; 281-282; 291-292; 298; 305-306; 314-315; 321-322. 8 Atti del Primo Congresso Salesiano a Bologna (Torino: Tipografía Salesiana, 1895), 63-64. Vgl. auch die deutsche Übersetzung Die Salesianischen Mitarbeiter oder Praktische Mittel sich der Menschheit nützlich zu machen für Förderung der Sittlichkeit (Turin: Salesianische Druckerei, 1886). lich über sie und ihre Familien zu ergießen. Auch Papst Leo XIII. schickt seinen väterlichen Segen allen, die an den salesianischen Konferenzen teilnehmen würden. Diese Zusicherung erhielt unser Don Trione anlässlich einer privaten Audienz am Fest des Hl. Franz von Sales. Es tut mir Leid, dass ich früher keine Zeit hatte, diese frohe Neuigkeit anzukündigen« (ZD 1896, 110). Bei der Realisierung ihrer Pläne in Slowenien fanden die Freunde der salesianischen Kongregation Unterstützung beim Generaloberen Michael Rua, an den sie sich bei zahlreichen Angelegenheiten verschiedenster Art wandten. Nach 1894 wurden Don Rua mehrere Möglichkeiten, bzw. Orte angeboten, wo sich die Sale-sianer niederlassen könnten (das Schloss Bukovica bei Stična, die Burg in Ljubljana, Kočevje, Ljubljana-Šiška). Der Hauptinitiator war der Katechet J. Smrekar, dessen großer es Wunsch war, ein Erziehungsheim für Knaben zu gründen, die wegen verschiedener Vergehen und Unordentlichkeiten aus den regulären Bildungs(Schul) formen ausgeschlossen waren. Sie landeten wegen der Bestrafung gewöhnlich in der Landesstrafanstalt, wo sie zusammen mit erwachsenen Kriminellen verhaftet wurden. Schon bei der ersten katholischen Versammlung 1892 wurde festgestellt, dass der zentrale slowenische Raum eine solche Stiftung für eine solche Jugendgruppe dringend braucht und unter die Beschlüsse wurde die Sorge für ihre Gründung eingereiht.10 Das gleiche wurde noch einmal bei der zweiten katholischen Versammlung im Jahr 1900 bestätigt und wiederholt.11 Gleichzeitig wünschte der Katechet J. Smrekar sehr, eine Missionserziehungsanstalt zu gründen. Den Erwartungen der kirchlichen und zivilen Obrigkeit, vor allem auch des Stadt- und Lan-desschulrates gemäß, sollten die Salesianer die Leitung einer solchen Bildungsanstalt übernehmen. In der offiziellen Korrespondenz wurde für die Benennung der Stiftung die Bezeichnung Korrektions- oder Rettungsanstalt benutzt. Während der selige Michael Rua die salesianische Gemeinschaft leitete, konnten zwei solche Häuser eröffnet werden: Ljubljana-Rakovnik (1901) und Radna bei Sevnica (1907); unmittelbar darauf begannen die Verhandlungen für die Eröffnung der dritten Anstalt Veržej bei Križevci, die im Jahr 1912 eröffnet wurde. Neben der Leitungsmitgliedern Celestino Durando und Francesco Cerruti waren auch Mose Veronesi, Leiter der Provinz des hl. Marco in Mogliano Veneto, und Don Rua an den Verhandlungen unmittelbar beteiligt.12 Es existieren zahlreiche Materialien über die Einführung der Salesianerarbeit unter den Slowenen: in der Tagespresse wie auch in der Korrespondenz zwischen Ljubljana und Turin, in Sitzungsprotokollen der Oberleitung der salesianischen Gemeinschaft und auch im Archiv des Bistums Ljubljana. 3. Bemühungen um salesianische Berufe in Slowenien 10 Poročilo pripravljalnega odbora o 1. slovenskem katoliškem shodu 1892 v Ljubljani [Bericht des Vorbereitungskommitees über die erste katholische Versammlung 1892 in Ljubljana] (Ljubljana, 1893). 11 Poročilo o 2. slovenskem katoliškem shodu, ki se je vršil leta 1900 v Ljubljani [Bericht über die zweite katholische Versammlung, die im Jahr 1900 in Ljubljana statt fand] (Ljubljana, 1900). 12 Für eine Zusammefassung aller Bemühungen vor dem Jahr 2001 vgl. Bogdan Kolar, Lo sviluppo dell'immagine salesiana fra gli Sloveni dal 1868 al 1901, Ricerche storiche Salesiane 12 (1993):139-164. Beim Lesen der Gedenkschriften der ersten Generation der slowenischen Sa-lesianer ist ersichtlich, dass ein regelmäßiges Thema der Kontakte zwischen Don Rua und dem Katecheten J. Smrekar die Möglichkeit der Aufnahme slowenischer Kandidaten für das salesianische Leben in verschiedenen Häusern, welche die Gemeinschaft in Piemont hatte, war.13 Den Zöglingen wollte man das Ambiente anbieten, wo sie ihre Schulbildung fortsetzen und sich mit der salesianischen Gemeinschaft treffen konnten; dabei konnte die Entscheidung für die Mitgliedschaft in dieser Gemeinschaft reifen. So wie Don Bosco besuchte auch Don Rua die Häuser regelmäßig und interessierte sich für den Fortschritt einzelner Gruppen und Zöglinge. Don Rua öffnete die Türen der salesianischen Häuser für Zöglinge, die vom Katecheten J. Smrekar ausgewählt und meistens von ihm selbst in die Anstalten begleitet wurden. Der Priester Ivan Perovsek, der 1896 mit einer Gruppe nach Italien ging, erinnerte sich in seinen Aufzeichnungen an den Rat, den Don Rua dem Katecheten J. Smrekar gab: »Schicken Sie ein paar slowenische Schüler nach Turin, damit sie Mitglieder der salesianischen Gemeinschaft werden. So wird es möglich, slowenische Salesianer zu schicken. Inzwischen aber suchen Sie einen passenden Platz, wo sich die ersten Salesianer niederlassen könnten.«14 Der Katechet J. Smrekar, der unter den laibacher Schülern großes Ansehen genoss und viele Bekannte hatte, nahm Don Ruas Rat ernst. Die meisten von mehr als 50 jungen Slowenen, die bis 1901 nach Italien gingen, als das erste Haus eröffnet wurde, entschlossen sich dafür auf Anregung des Katecheten J. Smrekar. Eine kleinere Zahl der Zöglinge slowenischer Nationalität, die von der westlichen etni-schen Grenze Sloweniens kamen, kamen in Kontakt mit den Salesianern in den Anstalten in Triest und Gorica. In Hinblick auf die frühere Ausbildung und Sprachkenntnisse wurden junge Slowenen in die Salesianeranstalten Valsalice, Foglizzo, Cuorgne, Penango und Cavaglia geschickt. Die erste Gruppe reiste von Ljubljana am 25. Juli 1894 ab und wurde im Haus Valsalice aufgenommen, wo schon eine Gruppe polnischer Zöglinge war. Der Meinung der Leitung nach sollte ihnen die Ähnlichkeit der Sprachen den Anfang des Lebens im italienischen Milieu erleichtern.15 Wenn man die schwere Wirtschaftslage, in der sich die slowenischen Länder und einzelne Familien befanden, berücksichtigt - denn alle slowenischen Zöglinge stammten aus Bauernfamilien - dann kann man leichter verstehen, dass der Katechet J. Smrekar einen großen Teil der Last der Erhaltungskosten auf sich nehmen musste. Oft halfen ihm die Leiter einzelner Anstalten, öfters auch Don Rua selbst, an den er sich um Hilfe wandte und den er um die Herabsetzung der Monatsbeiträge bat (ZD 1898, 237). Alle Bewerbungen um die Aufnahme in die salesianische Anstalt mussten direkt an Don Rua adressiert werden (ZD 1901, 271). Die gleiche Weise des Suchens und der Ausbildung der Kandidaten für die salesi-anische Gemeinschaft wurde auch nach der Eröffnung des Hauses in Rakovnik 13 Am meisten wurden die slowenischen Zöglinge in den folgenden salesianischen Häusern in Piemont geschickt: Valsalice in der nahe von Turin (hier wurde auch die erste Gruppe aufgenohmen), San Benigno Canavese, Lombriasco, Cuorgne, Foglizzo, Penango, Cavaglia und Ivrea. 14 Priester I. Perovsek (1880-1973) hat seine Erinnerungen im Jahr 1920 gescrieben. Sie befinden sich im Provinzarchiv der Salesianer Don Boscos Ljubljana-Rakovnik. 15 Über ihre Reise, Empfang in Turin sowie über den Lebensbedingungen unter den Zöglingen scrieb J. Smrekar ausführlichen Berichte für Zgodnja danica (48 (1895):70-71). fortgesetzt, weil die Krainer Landesschulbehörden nicht erlaubten, in der Anstalt außer den Knaben, die aus den regulären Bildungsformen ausgeschlossen wurden, auch solche zu haben, die sonst reguläre Bildungsanstalten besuchen könnten. Erste Aufgabe: aus dem Rettungsinstitut Rakovnik eine salesianische Anstalt zu machen Die Anstalt in Rakovnik war die erste salesianische Anstalt im slowenischen Raum. Es waren mehrjährige Bestrebungen nötig, damit sie eröffnet wurde. Unter den salesianischen Mitarbeitern war schon eine bestimmte Müdigkeit zu spüren, denn es wurde schon mehrmals versprochen, dass die Salesianer kommen werden - so informierte den slowenischen Raum der Katechet Smrekar - aber ihre Ankunft wurde immer wieder verschoben. Das Jahrfünft vor der Eröffnung der Anstalt in Rakovnik am 23. November 1901 war die Zeit einer eifrigen Arbeit für die Durchsetzung des Namens Don Boscos unter den Slowenen und die Zeit der Erwartungen, dass die erste salesianische Anstalt von Don Rua gegründet werde (Söll 1989, 47). Aus diesen Gründen war die Aufmerksamkeit der Berufung und Gemeinschaft in Rakovnik gewidmet, größer, als sie sonst in anderen Gegenden war. Die Salesianer wollten aus der Anstalt ein Modell der Stiftung machen, die so die Originalität der Formen ihrer pastoralen Tätigkeit, Aktualität der Erziehungsmethode Don Boscos, so wie die absolute Eingliederung in den slowenischen Raum beweisen sollte. Allerdings war das keine leichte Arbeit. Die Erwartungen und dann die Forderungen der Ortsbehörden unterschieden sich stark von denjenigen, die sich die Salesianer vorstellten. Das zeigte sich besonders bei der Auswahl der Berufung, wo die Salesianer die Bedingungen für die Gründung einer privaten Bildungsanstalt nicht erfüllten. Sie hatten weder qualifizierte Lehrer, noch ein originelles Programm, das eine zusätzliche Bereicherung zum Schulsystem, das schon vorher existierte, bedeutete. Zusätzliche Probleme ergaben sich aus der Tatsache, dass sie zu dieser Zeit in Österreich keine Rechtspersönlichkeit darstellen.16 Trotzdem gelang es der ersten Gemeinschaft mit der Unterstützung der Mitarbeiter, sich in der Öffentlichkeit und in der großen Gruppe der laibacher Stadtbürger Ansehen zu verschaffen. Auch der Provinzial Emmanuel Manassero (Provinzi-al 1905-11) kam schon bald nach dem Dienstantritt im Jahr 1905 zur Erkenntnis, dass es in der ersten Periode dringend war, die Bedingungen, die von den Ortsbehörden diktiert wurden, aufzunehmen, um sich so ihre Zuneigung zu verschaffen und den Plan nur stufenweise zu realisieren.17 Er sah nämlich sofort ein, dass 16 Erst am 4. Juli 1912 hat das Ministerium für Kultus und Unterricht die Salesianer in der Monarchie genehmigt, der Bischof von Ljubljana Dr. Anton Bonaventura Jeglič wurde darüber am 13. Juli 1912 informiert. Minister Hussarek schrieb: »Seine K.-K. Apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Entscheidung vom 27. Juni l. J. die Einführung der Kongregation der Salesianer Don Boscos in den Diözesen Laibach und Triest gegen dem allergnädigst zu gestatten geruht, dass zum mindesten die mit der Leitung der hierländischen selbständigen Provinz betrauten Persönlichkeiten sowie sämtliche Lokalobern hiesiger Niederlassungen sich über die österreichische Staatsbürgerschaft auszuweisen bezw. selbe in angemessener Frist zu erwerben haben.« (Nadškofijski arhiv Ljubljana, Salezijanci 1912). 17 Diesbezüglich wurde entscheidend sein Abkommen mit den Stadtschulbehörden in Ljubljana wonach die Anstalt in Rakovnik nur eine Aktivität haben konnte, nämlich eine Volksschule für Buben im Alter zwischen 7 und 14 Jahren, die von dem selben Stadschulrat als genug verdorben erkannt wurden. Das Haus in Rakovnik ist im Jahr 1906 eigentlich eine Korrektionsanstalt geworden. (ASD, Die Chronik des Hauses Rakovnik für 1905 und 1906) das Einhalten der ersten Bedingung, d.h. Organisierung einer solchen Bildungsanstalt, die den städtischen Schulbehörden entsprechen würde, eine ausreichende Versicherung wäre, dass man daneben auch mit originellen Formen der sale-sianischen Tätigkeit beginnen könnte, vor allem mit der Organisierung des Festtagoratoriums, mit der Durchsetzung der Maria-Hilf-Verehrung und mit dem Bauen ihr geweihter Kirchen, mit der Grundsteinlegung für Berufsschulen und anderem. Andere Formen pastoralen Tätigkeit, die ihnen eine noch größere Zuneigung so der örtlichen Kirchen als auch der politischen Behörden versichern würde, aber hätte für die Formung ihrer Gestalt negative Folgen, stellten sie deshalb zurück. In diesen Rahmen gehört die Zurückweisung des Angebotes, den Dienst eines Kaplans und Lehrers junger Häftlinge im Landesgefängnis zu übernehmen, um die der Bischof Monsignor A. B. Jeglič den ersten Schulleiter Simon Visintainer ein paar Tage nach der Ankunft nach Rakovnik bat. Visintainer schrieb Don Rua, empfahl ihm sehr die Bitte des Bischofs und betonte die Bedeutung, welche die Dauerstellung und regelmäßiges Einkommen für die junge Gemeinschaft hätte. Die Antwort Don Ruas und der Oberleitung war negativ (ASD, 12. Dezember 1901). Neben dem Mangel an passendem Personal stand im Vordergrund auch die Sorge für die Gestaltung der salesianischen Identität; im Gegensatz zum Standpunkt der Stadt- und Landesbehörden war nicht die Arbeit mit sittenloser und ganz ausgelassener Jugend und Leitung der Erziehungsanstalten die Grundbestimmung der Salesianer Don Boscos (ASC, D 869, VRC I, 197a). Die Zurückweisung der Bitte des Bischofs hatte Folgen für die Anstalt in Rakovnik; der Bischof war ihr gegenüber ziemlich kühl eingestellt und nahm kaum an Veranstaltungen teil, zu denen er eingeladen wurde, wie aus seinem Tagesbuch ersichtlich ist (Kolar 2001, 41). Die Salesianer Don Boscos gründeten in Rakovnik eine private Volksschule, die unter besonderen Bedingungen funktionierte; sie wurde eigentlich eine Rettungsund Erziehungs-Anstalt genannt. Trotz Schwierigkeiten funktionierte die Schule regelmäßig. Am 7. Oktober 1907 schrieb der Landespräsident T. Schwartz: »Aus dem vom Herrn k.k. Landesschulinspektor vorgelegten Berichte über die am 8. Okt. l. J. vorgenommene Inspektion der einklassigen Privat-Knaben-Volksschule der Salesianer zu Kroisseneck hat der k.k. Landesschulrat ersehen, dass der allgemeine Zustand des Unterrichtes und der Disziplin an dieser Schule zufriedenstellend, die Lehrmittelsammlung ausreichend, die Schülerbibliothek dagegen ergänzungsbedürftig ist. Der k.k. Stadtschulrat wird beauftragt den Schulerhalter anzuweisen, für eine Ergänzung der Schülerbibliothek nach Maßgabe der vorhandenen Mittel Sorge zu tragen. Zugleich wird der k.k. Stadtschulrat beauftragt, dem Oberlehrer Likozar für die unter schwierigen Verhältnissen erzielten zufrieden stellenden Unterrichtserfolge und dem Anstaltsdirektor P. Kovačič für die zielbewusste Leitung der Erziehungsanstalt im h. o. Namen die Anerkennung auszusprechen« (ASD, 27. Oktober 1907, Nr. 5514). Die Salesianer versuchten eine Berufsschule zu gründen und bereiteten sich darauf mit gelegentlichen Einleitungskursen in die Berufsarbeit und die Fortbildung der Jugendlichen vor, die bei ihnen die Grundschule abgeschlossen hatten. Wenigstens von Zeit zu Zeit funktionierte das Festtagoratorium, obwohl für seine größere Entfaltung die Entfernung von der Stadt ein großes Hindernis war. Neben der Anstalt war eine eifrige Gruppe salesianischer Mitarbeiter aktiv, welche die Tätigkeit möglich machten und den Salesianern auf verschiedene Weisen bei der Überwindung ihrer Schwierigkeiten halfen. Zusammen mit der Vorbereitung der Anstaltsgebäude wurde auch die Kapelle mit dem Bild der Mutter Gottes von Lourdes und der Maria-Hilf-Kirche ausgebaut. Die Anstalt wurde 1909 fertig gestellt, die Kirche nur teilweise, sie musste bis auf das Ende des ersten Weltkrieges warten, um in den nächsten Jahren bis zum Dach beendet zu werden. Nach S.Visintainer (1901-1903) und Angel Festa (1903-1905) übernahm die Leitung der Anstalt Alojzij Valentin Kovacic bis 1909. Der neue Leiter Pietro Tirone, der seinen Dienst im August 1909 antrat, brachte auch eine Gruppe von Philosophiestudenten aus Radna mit; er leitete die Anstalt bis 1911. In diesem Jahr wurde er von Don Rua zum Leiter der Österreichischen Provinz der Schutzengel ernannt. In Tirons Zeit erlebte die Anstalt in Rakovnik ihre Blütezeit. Da gab es über 150 Zöglinge, welche die Grundschule besuchten; 21 von ihnen wurden von den Gerichten geschickt (Kolar 2001, 214-215). 4. Niederlassungen in Radna und Verzej Nach der Eröffnung der Anstalt in Rakovnik hegten Katechet J. Smrekar und die Mitarbeiter die Idee, noch weitere Anstalten auch außerhalb der Landeshauptstadt zu gründen. Diese Idee war sogar den Salesianern selbst nicht fremd, weil sie auf diese Weise für die Möglichkeit der Vorbereitung der einheimischen Kandidaten für die salesianische Gemeinschaft sorgen wollten. Hinsichtlich der Bedingungen, die für ihre Tätigkeit in der Anstalt in Rakovnik notwendig waren, war es nämlich unmöglich, dort auch Zöglinge zu haben, welche das Interesse für den Eintritt in die Gemeinschaft zeigten. Das wurde ihnen nicht erlaubt (ASD, Chronik Ljubljana-Ra-kovnik, 1905). Regelmäßige Besuche des Schulinspektors, angekündigte und unan-gekündigte, haben einfach verhindert, dass in der Anstalt Zöglinge ohne Bestätigung über ihre Unsittlichkeit und so die Notwendigkeit des Weilens in der Erziehungsanstalt wären. So existierte als einzige Möglichkeit, dass sie auf die Vorbereitung für den Eintritt in die salesianische Gemeinschaft in andere Gegenden, nach Italien oder nach Polen geschickt wurden. Mit der Gründung der Provinz der Schutzengel 1905, die alle Anstalten auf dem Boden der k. und k. Monarchie umfasste, musste man auch an alle Stiftungen denken, welche die Provinz für ihre selbständige Tätigkeit haben musste. Nachdem Katechet J. Smrekar Don Rua das Schloss Radna bei Sevnica angeboten hatte, siedelte sich dort im Sommer 1907 das Noviziat und höhere Klassen des Gymnasiums für junge Polen an; gleichzeitig wurde damit auch für junge slowenische Kandidaten die Tür geöffnet, die so ihre Formung für Salesianer auf dem slowenischen Boden machen konnten (Kolar 2001, 98). Die Niederlassung in Radna wurde zum zentralen Haus für die Ausbildung junger Salesianer und hat diese Aufgabe bis zum Jahr 1941 hin erfüllt, auch nach der Gründung der selbständigen jugoslawischen Provinz 1922. Die Anstalt wurde zu Anfang des zweiten Weltkrieges mit Gewalt unterdrückt, als sie von den Nazis besetzt wurde; nach Kriegsende aber wurde sie nationalisiert. Im Jahr 1908 als er am Weg über Ljubljana und Zagreb nach Palästina war, besuchte Don Rua die Anstalt in Radna (Logar 1971, 3). Die salesianische Anstalt in Verzej wurde unter besonderen geschichtlichen Umständen gegründet. Das Jahr 1908 war für die ganze österreichisch-ungarische Monarchie besonders feierlich. Es wurde das 60. Thron-Jubiläum Kaiser Franz Josefs I. gefeiert. Die ganze Kirchenwelt feierte das 50-jährige Jubiläum des Priester-tums vom Papst Pius X. Um diese zwei ehrwürdigen Jubiläen zu begehen, entstanden verschiedene Initiativen, viele davon auch von kleinsten Leuten (Söll 1989, 77-78). So reifte in der Familie Puscenjak, die im kleinen Ort Verzej an der Mur lebte, die Idee, zum Gedenken an beide Jubiläen im Ort eine Bildungsanstalt für Jugendliche zu errichten, die wegen knapper wirtschaftlicher Verhältnisse keine Möglichkeit hatten, in entfernten Städten ihre Ausbildung zu erhalten. Mit Hilfe ihres Landsmannes, des Theologieprofessors Dr. Franz Kovacic, suchte sie eine Ordensgemeinschaft, die bereit wäre, ihre Initiative aufzunehmen und die Leitung der neuen Anstalt zu übernehmen.18 In Bezug auf die erhaltene Korrespondenz zwischen Prof. F. Kovacic und dem Leiter der salesianischen Anstalt Rakovnik, Alojzij Val. Kovacic aus dem Jahr 1907, hat dieser bei der Vorbereitung der Bewerbung geholfen, die dem Generaloberen der salesianischen Gemeinschaft geschickt wurde. Im Mai 1908 wandte man sich über das Bischofsordinariat in Maribor an Don Rua mit der Bitte, dass die Salesianer nach Verzej kommen und die Leitung der Anstalt Marianum übernehmen sollten. Die Salesianer waren ihnen nämlich von Rakovnik und Radna bekannt, aus dem Gebiet des Bistums Ljubljana also, jetzt aber wünschte man sich, dass sie noch ins Bistum Lavant kämen.19 Während der Verhandlungen mit der Oberleitung der Gemeinschaft der Salesianer, wuchs in Verzej langsam das Gebäude. Im Herbst 1912, als der Generalobere schon Pavel Albera war und die Salesianer in Österreich der Provinzial Peter Tirone leitete, kam nach Verzej eine Gruppe der Zöglinge deutscher Nation, die auf die Eröffnung der Anstalt in Unterwaltersdorf bei Wien wartete, was im Jahr 1914 geschah (83-84). 5. Doppelter Besuch Don Ruas in Slowenien Zur Verbreitung salesianischer Tätigkeit unter den Slowenen trug in der Öffentlichkeit der zweimalige Besuch des Generaloberen Michael Rua bei. Zum ersten Mal besuchte er im Juni 1904 die Anstalt Rakovnik, als der Grundstein für die neue Kirche Maria-Hilf gelegt wurde. Don Rua machte bei den Ritualen mit, er hatte die Möglichkeit, sich mit allen bedeutenden Vertretern des kirchlichen und öffentlichen Lebens zu treffen und mit der Rede vor die Massen zu treten, die sich zum Ritual versammelten. Besonderen Dank sprach er für alles aus, was für die Jugend gemacht wurde und für die Zuneigung für die junge salesianische Gemeinschaft. Wenn die liberal orientierte Tageszeitung Slovenski narod den Auftritt des Bischofs Mons. A. B. Jeglič als eine Art Komödie vorstellte, gab sie für Rua zu, dass er »ziemlich schön gesprochen hat« (SN, 4. Juni 1904). »Mit großer Begeisterung begrüßte die Bevölkerung am Donnerstag Don Boscos Nachfolger, den ehrwürdigen Herrn Don Rua. Von Morgen bis Abend kam das Volk, um den de- 18 Prelat Dr. Franz Kovačič (1867-1937) Theologie- und Philosophieprofessor im Diozesenseminar Maribor, guter Mitarbeiter des Bischofs dr. Michael Napotnik, hat sich wirklich sehr eingesetzt für die Idee in Veržej eine Erziehungsanstalt und eine Berufschule zu gründen. Dafür hat er auch eine Baugesellschaft namens Marianum gegründet und selbst geführt. 19 Spomenica na slovesno blagoslovitev Salezijanskega zavoda v Veržeju dne 27. oktobra 1912, Maribor 1913. mütigen Priester zu begrüßen. Sein süßes Wort, seine große Freundlichkeit, seine schwache Figur und sein erhobener Humor machten auf die Besucher einen großen Eindruck«, schrieb aber die katholische Tageszeitung Slovenec und fügte hinzu, dass Don Rua jedem Besucher ein Andenken schenkte und, dass er besonders zufrieden mit dem Singen war, das ihm zu Ehren verschiedene Sängergruppen vorbreiteten (S, 4. Juni 1904). Das Tagesblatt der deutschen Gemeinschaft Laibacher Zeitung schrieb in einem längeren Bericht über das Ereignis, Don Rua »dankte in herzgewinnender Weise allen, die am Werke der Humanität mitgewirkt und zum Feste erschienen waren« (LZg, 6. Juni 1904). Vor dem Fest schrieb aber die gleiche Zeitung: »Zu dieser Feier trifft, wie man uns mitteilt, der Generalrektor der Salesianer-Kongregation, der hochw. Don Rua, der eifrige Nachfolger Don Bo-scos, des Gründers der salesianischen Institutionen, aus Turin hier ein. Da sich in der hiesigen Gesellschaft und in allen beteiligten Kreisen der Bevölkerung wiederholt das regste Interesse für das Wachsen und Gedeihen der hiesigen salesianischen Anstalt kundgegeben hat, so wird gewiss auch der Verlauf dieser Feier vom schönsten Erfolge begleitet sein« (LZg, 20. Mai 1904). Als man das erste Mal das Programm des Festes ankündigte teilte die Laibacher Zeitung mit: »Heute Mittwoch, nachmittags halb 3 Uhr, trifft auf dem hiesigen Südbahnhofe der General-Rektor der salesianischen Kongregation, Don Michael Rua, ein und wird von einem Herrenkomitee empfangen werden. Morgen um halb 12 Uhr vormittags wird der Herr General-Rektor das ständig für die Knaben-Rettungs- und Erziehungsanstalt tätige Damen-Komitee unter Führung der Gräfin Auersperg empfangen. Nachmittags desselben Tages (6 Uhr) findet, wie bereits mitgeteilt, die feierliche Grundsteinlegung zum Ausbaue des Institutsgebäudes statt, wozu alle Wohltäter und Freunde der Anstalt mit ihren Familien eingeladen sind«(LZg, 1. Juni 1904). Die Feier der Weihung des Grundsteines für die Maria-Hilf-Kirche in Rakovnik im Jahr 1904 hinterließ in der salesianischen Geschichte in Slowenien eine tiefe Spur und legte gewissermaßen das Fundament für ihre weitere Anwesenheit. An der Feier nahmen alle angesehenen Vertreter des kirchlichen und öffentlichen Lebens teil. Über die Tätigkeit der Salesianer und ihre Erfolge bei der Arbeit berichtete die Presse. Dank dem Leiter Angel Fest wurden großzügige Pläne gemacht, die durch Besuch Don Ruas unterstützt wurden. In der salesianischen Überlieferung steht geschrieben, dass der Generalobere bei dieser Gelegenheit äußerte: »Die salesianische Anstalt in Ljubljana wird wachsen und sich mit Hilfe Gottes wunderbarweise entwickeln«(ASD, Chronik Ljubljana-Rakovnik, 1904). Der Aufbau der Kirche und der Anstalt verlangte ständiges Gewinnen von Geldmitteln, was aber nur dann möglich war, wenn die Arbeit unter den Mitarbeitern noch verzweigter war und sie über das Geschehen informiert wurden. Die Salesianer hatten das Bedürfnis, diese Begeisterung weiter zu erhalten und die Mitarbeiter noch fester mit der Anstalt und ihren Plänen zu verbinden. Eine Gruppe der Salesianer slowenischer Nation, die zu der Zeit in Rakovnik tätig war, fühlte sich stark genug, eine solche Arbeit zu erledigen, so begann sie im Sommer 1904 die Zeitschrift Don Bosco - Zeitung der Salesianer in Ljubljana, herauszugeben, die zu einer offiziellen Bindung zwischen der Stiftung und ihren Gönnern wurde. Einer der Hauptgründe für ihre Herausgabe war der Wunsch, in jeder Zeitungsnummer die Spendenliste für den Bau der Maria - Hilf - Kirche zu veröffentlichen. Don Rua begrüßte die Herausgabe der Zeitung und gab der Stiftung in Rakovnik seine volle Unterstützung. Die Monatszeitschrift Don Bosco erschien drei Jahre, 1907 wurde sie von der Zeitschrift Salesianische Nachrichten, die in Turin herausgegeben wurde, ersetzt. Die Salesianischen Nachrichten kommen in verschiedenen Sprachen heraus; Slowenisch ist die 6. Sprache, in der sie erscheinen. Das zweite Mal besuchte Don Rua die slowenischen Länder auf dem Weg ins Heilige Land im Februar 1908; diesmal besuchte er zuerst die Anstalt in Rakovnik und dann in Radna (Logar 1971, 3). In beiden Orten traf er sich mit Mitarbeitergruppen und begrüßte die Träger der öffentlichen Behörden. Ausdrücklich wollte er sich mit dem Jugendrichter Franc Milcinski20 treffen, den er in seinem Büro im Gerichtsgebäude besuchte. F. Milcinski setzte sich nämlich eben zu dieser Zeit in der Öffentlichkeit schriftlich und mündlich mit Reden für die salesianische Arbeit ein und bezeichnete sie als die einzige entsprechende Form für die Rettung der Jugendlichen, die sonst die Gesellschaft total unmöglich machen würden, weil sie in Konflikt mit ihr kamen. Er half auch, dass die Salesianer für ihre Arbeit öffentliche Geldmittel bekamen und dass ihre Stiftung als eine den Jugendlichen besonders hilfreiche Stiftung anerkannt war (Milcinski 1907). Über diese Reise und über die Aufmerksamkeit, die Don Rua in Ljubljana und Radna erwiesen wurde, schrieb der venezianische Provinzial Clemente Bretto, der Don Rua begleitete, für das italienische Bollettino salesiano einen längeren Bericht (Bretto 1908). 6. Don Ruas Gestalt unter den Slowenen Die Slowenen hatten die Gelegenheit, Don Rua über die Presse und während seiner zwei Besuche kennenzulernen. In der Presse wurde er immer als einer der engsten und treusten Mitarbeiter Don Boscos vorgestellt (Castano 1970, 3839), der am Anfang der Ordensgemeinschaft der Salesianer in allen bedeutenden Momenten anwesend war und der Don Boscos Arbeit nach 1888 treu fortsetzte. In der Tageszeitung der deutschen Gemeinschaft Laibacher Zeitung, die in Ljubljana erschien, wird er konsequent als »der eifrige Nachfolger Don Boscos« bezeichnet. So wie Don Bosco schenkte er, der Meinung dieser Presse nach, der Berufungsarbeit, der Verbreitung der Andacht zu Maria Helferin und der Sorge für die Jugendausbildung eine besondere Aufmerksamkeit. Don Rua wurde als der treuste und zuverlässigste Fortsetzer der Arbeit des Stifters, als Deuter seines Gedankens und als eifriger Apostel betrachtet. Seine Auftritte, bescheidene Handlung, echte Kontakte mit den Leuten, obwohl ihm dabei die fremde Sprache des Ge- 20 Franz Milcinski (1867-1932), promovierte in Wien 1890, hat als Richter und Gerichtsexpert in verschiedenen Orten Sloweniens gearbeitet (Ljubljana, Idrija, Litija, Brdo, Radovljica, Skofja Loka). Zwischen 1902 und 1920 wurde er Gerichtshofsekretär und nachher Landesgerichtsrat. In Ljubljana hat er eine besondere Aufmerksamkeit für die Jugendlichen gehabt und hat eine Abteilung für Jugendsorge gegründet, die erste dieser Art in ganz Österreich. Für den Kinderschutzkongress in Wien im Jahr 1906 hat er einen Bericht Verwahrloste und entartete Jugend in Krain vorbereitet. Sein Beitrag wurde das nächste Jahr unter dem Titel Die Ursachen, Erscheinungsformen und die Ausbreitung der Verwahrlosung von Kindern und Jugendlichen in Österreich (vgl. Schrift. des ersten Österr. Kinderschutzkongresses in Wien, 1907, Bd. 1) publiziert. Später hat er noch mehrere Beiträge darüber vorbereitet, z.B. Aus der Wekstätte des Jugendrichters (1910), Praktische Fürsorge ohne Fürsorgegesetze (1911). Vgl. SBL 2:124-125. sprächpartners ein Hindernis war, brachten ihm die Sympathie aller, mit denen er in Kontakt kam. Noch jahrelang (mehrere Aussagen wurden 1951 gesammelt, als die Anstalt in Rakovnik das 50- jährige Jubiläum ihrer Tätigkeit feierte) nach dem Treffen mit ihm im Februar 1908 erzählten die damaligen Zöglinge von Rakovnik, wie er sie nach der Abendrede um sich sammelte, jedem einen Apfel gab und ihn nach seinem Namen fragte (ASD, Chronik Ljubljana-Rakovnik, 1951). Sein Auftritt machte auch auf die Journalisten der liberalen Presse einen großen Eindruck. »Ganz schön sprach der aus Turin kommende Generalobere der Salesianer, aber kaum einer verstand ihn, weil er Italienisch sprach«, berichtete die liberale Tageszeitung Slovenski narod im Juni 1904. Obwohl es vorher zur öffentlichen Kritik der salesianischen Arbeit und vor allem der Art des Sammelns der Geldmittel für den Bau der Anstalt und der Kirche in Rakovnik gekommen war, haben sich solche Auftritte nach seinem Besuch wenigstens für einige Zeit beruhigt. Die Tageszeitung Slovenec schrieb in ihrem Bericht über die Feierlichkeit: »Don Rua machte auf alle den besten Eindruck, noch spät in der Nacht kamen verschiedene Herren nach Rakovnik und wollten ihn sehen. Er sieht wie ein Toter aus, er ist lauter Haut und Knochen - man sieht, dass er der Arbeit zum Opfer fällt, aber sein Geist ist noch frisch und er ist immer gut gelaunt bei all seinen Schwierigkeiten. Seine Söhne in Rakovnik hat er sicher getröstet, aber er machte auch uns, die ihn gesehen haben, große Freude«(S, 7. Juni 1904). Das einheitliche Urteil aller Berichterstatter war, dass Ruas Auftritt auf alle Teilnehmer den besten Eindruck machte; sie spürten, dass sie von ihm persönlich angesprochen waren und dass er mit ihnen einen persönlichen Kontakt suchte. Man kann sagen, dass dieses Treffen mit dem Generaloberen der Gemeinschaft der Salesianer in Rakovnik das Wohlwollen bei den Behörden und in der Öffentlichkeit hervorrief und bessere Arbeitsbedingungen brachte. Etwas Ähnliches geschah vier Jahre später. 7. Abschluss Etwas Ähnliches wie für Don Bosco, den die slowenische Gemeinschaft schon zu seiner Todesstunde gut kannte, kann man auch für seinen Nachfolger in der Leitung der salesianischen Kongregation, Michael Rua, sagen. Mit beiden hatten die slowenischen Christen persönliche Kontakte, mit ihnen führten sie Korrespondenz und auf verschiedene Weisen arbeiteten sie Hand in Hand bei der Unterstützung der salesianischen Gemeinschaft. Don Rua wurde als beispielhafter Priester, als eine Hirtenfigur, bescheiden und fromm, als ein treuer Fortsetzer der Arbeit Don Boscos vorgestellt. Der zweimalige öffentliche Auftritt Don Ruas, wobei vor allem die Teilnahme an der Einsegnung des Grundsteines der Kirche Ma-ria-Hilf in Rakovnik im Juni 1904 von Bedeutung war, hinterließ in den Leuten die Spur einer großen Zuneigung. Jedes Mal bedeutete das eine größere Zuneigung für die Salesianer Don Boscos und eine günstigere öffentliche Meinung. Welch eine Spur er in der slowenischen Öffentlichkeit und unter den salesianischen Mitarbeitern hinterließ, zeigte sich aber ausdrücklich nach seinem Tode. Schon damals hielt man ihn für einen Heiligen und einen würdigen Nachfolger des hl. Johannes Bosco im Leitungsteam der Salesianer. Mit seiner großen Weisheit gelang es ihm, alle Schwierigkeiten, denen die salesianische Gemeinschaft am Anfang des 20.Jh. begegnete, zu überwinden und die Zahl ihrer Stiftungen zu vergrößern. Abkürzungen ASC - Archivio Salesiano Centrale Roma ASD - Arhiv salezijanske družbe Ljubljana-Rakovnik DBS - Dizionario biográfico dei salesiani LZg - Laibacher Zeitung S - Slovenec SBL - Slovenski biografski leksikon SN - Slovenski narod ZD - Zgodnja danica Referenzen Archivio Salesiano Centrale Roma, D 869, Verbali delle Riunioni Capitulari, vol. I, S. 197a. Arhiv salezijanske družbe Ljubljana-Rakovnik. - 12. Dezember 1901. S. Visintainer schreibt dem Michael Rua, Entwurf des Briefes vom 12. Dezember 1901. - 27. Oktober 1907. Zuschrift des k.k. Landes-schulrates für Krain, Z. 5514. - Die Chronik des Hauses Ljubljana-Rakovnik 1901-1910. Bretto, Clemente. 1908. II Sig. Don Rua in Oriente. Lettere del Sac. Clemente Bretto. Bollettino Salesiano 32, Z. 5 (maggio):134-135. Castano, Alojzij. 1970. Častitljivi Mihael Rua. In: Svetost v don Boskovih družbah, Band 2, S. 3-50. Ljubljana. Diekmann, Herbert. 1997. Bibliografia generale di don Bosco. 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