ANDREAS GUBO GE.AP PRIEDRICH II VON CILLI Iz Programm des k.k. Staatsgymnasium Cilli 1887/1888,1888/1889,1889/1890 ( Celje 1888 - 1890 ) C 35763 > Graf Friedrich II. von Cilli, Yon A. Gubo. I. Es handelt sicli in Folgendem nicht um einen hervorragenden Mann, sondern um einen Beitrag zur Geschichte des miichtigsten inneroster-reichisehen Dynastengeschlechtes, der Grafen von Cilli. Ain 16. April 1341 erliob Kaiser Ludwig IV. zu Miinchen den Freien Friedrich von Sancck zum Grafen von Cilli. Der Gnadenbrief des Kaisers sagt ausdriicklich, dass die Erhebung gescliah „durch vnser Oheim von Oesterre nafaflidforfs Posthumus hatte durch die Entfernung seines Vormundes nichts gewonnen. In Osterreich niusste er die Regierungs-ttf« 20. Lebensjahre einem Rathe von 12 Mannern iibertragen, flfeilft^doSn^Bohmen Georg von Podebrad zufolge seines so erspriefilichen denn je, sati, und in Ungarn lagen alle militarischen und ii*#iiMe9t.8bf®efugnisse in den Harcden des Verwesers Johann Hunyadi. Ulrich von Cilli hielt sich zunachst kurze Zeit in Berchtoldsdorf „das in seiner gewaltsamb was",70 auf, in der Hoffnung, die Saehlage konnte raseh um-schlagen; als jedoch Ladislaus nach Prag abgereist war, „kehrt er vvieder lieimb zu seinem Vater, graff Friederichen" Mitte October 1453. Der Altgraf hatte die letzte Zeit besonders mit kirchlichen Stiftungen und Schenkungen verbraeht. Zu den im Programme 1888 p. 16 ff. ange-fuhrten sei die Stiftung des Franciscanerklosters zu Enzersdorf in Nieder-osterreicb und des Neuklosters im Sannthale gefiigt. In der Stiftungsurkunde von Neukloster dd. 13. Juni 1453Tl sagi Friednch in der Einleitung Fol-gendes: „Wir haben in unserem Gemiithe ernstlich und mit groliem Senfzen betrachtet, dass alle irdisehen Dinge verganglich sind, und dass der Mensch von seinem Hab und Gut, das von Gott komint, und von ihm zu Lehen ist, nichts hat, als was er davon Gutes in Gott gethan. Also haben wir unter gottlicher Eingebung und Beschiitzung in briinstiger Liebe und Andacht, von unserem Eigengnte vom Grunde aus neu aufgebaut, gestiftet und gewidmet gin Kloster Predigerordens, vvelchen Orden wir unter den anderen gefunden haben im ganzen Schatz der heiligen Mutter, der christlichen Kirche, als kostbare Peile und als die schonste Tochter und vom papstlichen Stuhle mannig-falkig belobt und begnadigt, im Sannthale, mit gutem Wollen uuseres hI. Vateis in Gott, Papst Nikolaus V., dem obersten Meister des Ordens und Provinzial und allen ihren Nachkommen eingeantwortet, so dass hiefiir der Meister des Ordens oder jeder Vicar desselben in Osteireich und Steier dariiber zu gebieten und einen Prior daselbst einzusetzen haben solite, so dass auf das Geringste dort zehn Priester mit zwei Novizen. und mit zwei Bartigen, welche die Regel halten, sein sollen". Mit Wišsen und Willen seines Sohnes dotierte er das Kloster auf das beste, verlieh ihm auf allen Grfinden freien Gerichtsbann, die Todesstrafe ausgenommen, Freiheit von aller Maut und vom Dreifiigsten, von Steiiern und Robot fiir alle Zeit. Als der Greis aus dem Muiide Ulrichs die dem Hause angethane Schmach vernommen hatte, ergrimmte er gewaltig, sammelte ein Kriegsvolk und zog gegen Rabensberg, eine Meile von Cilli entfemt, und gegen Lemberg, nahm beide Burgen und liefi sie niederbrennen; denn sie gehorten dem Grafen Ulrich von Schaunberg, „der die zeit auch der benandten kayser Friederich diener was gevvesen", auch „waren (sie) ihm zu nahent bey Cilli gelegen";72 uberdies hielt der Scliaunberger zu Eizinger und zu den Osterreichern. 69 Cill. Chron. S. 113. 70 Cill. Chron. a a O. 71 Der Anfang der Grilndung war schon 1449 gemaoht worden, weshalb auch Papst Nikolaus V. dieselbe 1451 bestatigte, doch konnte der Convent erst 1453 einge-fuhrt werden. (Muuliav, Gesch. d. Steierm VII. 393 ) 7i Cill. Chron S. 112. Nicht lange litt es den herrschsiichtigen und thatenlustigen Junggrafen in der stillen Heimat; doch scheiterten anfangs die Versuche, die alte Stellung und Wiirde sowohl beiKOnigLadislaus als auch bei Kaiser Friedrich zu gewin-nen. Er trug nun seine Hilfe der Republik Venedig, die damals von Franz Sf^i^j. von Mailandhart bedrangt wurde, an, indem er eine grofle —: bohmischer Soldner zur Verfiigung stellte. Man konnte sich jc Soldes nicht einigen.73 Mit dem gesammelten Kriegsvolke wollt« runginWienzwingen, ihn zuruckzuberufen; aber dieStande erhiel^ Zeit Kunde, und die Uberrumpelung ward unmoglich gemachtj schickte er diese Streitmacht nachKroatien zur Bekampfung des Gja von „Krakau" (Corbava oder Carbovia), der neben den Cilliern uB der machtigste Grundherr in Hochkroatien und ein Anhanger Johann Hunyadis war. Die Gelegenheit schien giinstig, weil er gerade gegen die Tiirken ausge-zogenwar. Trotzdem wurde „dasselbig volgk von dem benandten graff bestritten, und desselben tags als graff Friederich starb darnieder legt."75 „Nach Christi geburdt 1454 jahr am S. Margaretbatag (9. Juni) am abendt beschlofi der edel fiirst, graff Friederich von Cilli seinen letzten tag und starb zu Sannegk." Die Leiche wurde nach Cilli gefuhrt „und in dem Kloster daselbst in den sarch gelegt"76 (19. Juli). Ulrich fand darnach „einen grossen mechtigen schatz und lies den gen Ober-Cilli in das geschloG turen. Und als man den schatz zu Sannegk hueb und dannen fiirt, da kahm ein solcher grosser windt, das vor niemand mocht gedenken; der prach viel grosser pain nider und fiirt viel dacher von den heussern" — nach des frommen Chronisten Auffassung ein schreckliches Vorzeichen. Graf Ulrich II., derErbe von nahezu 70 Herrschaften in Steiermark, Karn-ten, Kroatien, Ungarn, Nieder- und Oberosterreich, liefi mit diesem Gelde sofort ein groBes Heer anwerben; alsdann griff Johann Wittowetz den Grafen von Carbovia von neuem an und nothigte ihn zur Abtretung zweier Schlosser. Hierauf strengte der letzte Cillier alles an, die friihere Stellung in Osterreich und bei Konig Ladislaus zu erlangen. Diesem war der Standerath. an desseo Spitze der vielfach angefeindete Ulrich Eizinger stand, bereits unbequem geworden; die schSnen Tage unter der Leitung des so liebenswurdigen Oheims lockten ihn immer mehr. Bald wurde Graf Ulrich durch Vermittlung angesehener Freundc wieder in Gnaden aufgenommen und am 20. Februar 1455 unter dem Jubel des wankelmflthigen Volkes in Wien eingefiihrt. Jetzt fasste Ulrich das Haus Hunyadi scharf ins Auge; nahe am Ziele raffte ihn das Verhangnis hinweg. Schon nach zwei Jahren folgte dem „Epikuraer"77 der leidenschaftliche Despot, und das machtigste innerosterreichische Dynastengeschlecht war erloschen: „heind graffen von Cilli und nyemermer!"78 73 Aen. Silv. a. a. O. c. 62. 74 Chmel, Mat. U. 62. 76 Cill. Chron. S. 116. 70 Cill. Chron. S. 115 f. 77 So nannte Kaiser Friedrich III. nach Fugger (a. a. O. S. 615) den Grafen Friedrich II. von Cilli, als ihm die Todesnachricht zugekommen vvar. Bezeichnend ist auch die Grabschrift, die er sich nach Aen. Silv. setzen lieC: ,Haec mihi porta est ad inferos. Quid illic reperiam, nescio, scio quid reliqui. Abundavi bonis omnibus, ex quibus nihil fero mecum, . . . ." 78 Also rief nach der Cillier Chronik (S. 129) dreimal der Herold nach der Leichen-feier in der Minoritenkirche in Cilli, Panier und \Yappen Ulrichs zerbrecliend. v ce >U