L Der MiMriMM. N a ft a d e aus dem Sloveni scheu des Kranes kressrn ins Deutsche übertragen nebst einer mythologischen Studie »on Ludwig Germonik. Laibach, 1866. Druck und Verlag von 3gn. v. Kleinmayr und F. Bamberg. Meinem lieben Freunde Lr. Johünn^Mörtl^l^ gewidmet. 1 Ker WilMriMM. Ballade aus dem Slovenischen des Kranes kresörn. Seit jeher schon rühmt man die Schönen von Laibach; Doch schöner als Rosa wol keine erglühte Und keine ersehnter dem Äug' und Gcmüte — Nicht Mädchen noch Frauen — zur Zeit ihrer Blüte. Dem Morgenstern gleichend, meist Helle und klar. Das schönste der Miidchen Rosalia war. Die Thränen der Jungsrau, die Thränen der Gattin Sie mußten, im Stillen vergossen, es rügen: Oft fand der Geliebte an Rosa Vergnügen, Ihr konnte der Liebenden Zahl nie genügen: Sobald ihr ein Mann nur ward rühmlich bekannt, So hielt sie die fangenden Netze gespannt. Sie konnte versprechen, sie konnte versagen, Und freundlich und übermüthig sich halten, Die Jünglinge reizen, erheitern die Alten, Und Künste und Wendungen listig entfalten; Lang narrt' sie der Männer verblendete Schaar, Doch endlich ihn sand, der gewachsen ihr war. 4 Am alten Markt unter der grünenden Linde Erklangen am Sonntag nach Mittag die Geigen, Trompeten und Cimbeln; was Laiback nur eigen An Schönen, vereint sich zum lustigen Reigen Als Königin Aller Rosalia sich zeigt, Die launenhaft lang nicht zu tanzen geneigt. Von Vielen gebeten, verweigert sie Allen; Hochmüthig sich sträubend — den Tanz zu verschieben, Ersinnt sie stets Neues nach ihrem Belieben; Schon sinket die Sonne, die Stunde schlug sieben Und drüber, die Dämmerung rückte heran, Als Rosa zum Tanz sich zu richten begann. Da sieht, als sie umblickt, den Tänzer zu wählen, Am gelblichten Tisch einen Jüngling sie stehen, Wie unter der Sonne kein gleicher zu sehen; Im Tanze sehnt Jede mit ihm sich zu drehen; Schön Rosa, die ihn im Gedanken umstrickt, Verliebt zum Ersehnten hinüber nun blickt. Es sieht dies und naht sich Rosalia, der Jüngling, Und sagt zu ihr: Wolltest zum Tänzer mich wählen? Wo leuchtend sich Donau und Save vermälen, Dort hört' ich, wie schön du.bist, Morgens erzählen. Schon, liebliche Rosa, bereit bin ich hier, Schon, liebliche Rosa, zu tanzen mit dir. Er spricht'« zu Rosalia, tief sich verneigend; Hold lächelnd erwiedert ihm freundlich die Süße: Kein Schrittchen noch — wahr ist's — versuchten die Füße, Daß harrend ich dich nun als Tänzer begrüße. Reich' schnell mir die Hand, denn im purpurnen Glanz Geht unter die Sonne, es endet der Tanz. 5 Es reichte die Hand ihr der herrliche Jüngling; Schnell flogen die Beiden in tanzender Weise, Als hätten sie Flügel, so leicht und so leise, Gleichwie ohne Körper dreh'n sie sich im Kreise. Man sieht nicht vom Fuße den Boden berührt, Als würde das Paar von dem Sturme entführt. Der Anblick macht alle die Andern erstarren; Die Fiedeln der Geiger versäumen den Reigen, Und da die Trompeten verklungen jetzt schweigen, Der Jüngling: Ich mag nicht den Baß und die Geigen! — Er stampft mit dem Fuße und ruft es mit Hohn — Denn tanz' ich, soll dröhnen ein anderer Ton! Schnell stürmte herüber ein schwarzes Gewölle, Man hörte vom Himmel das donnernde Rollen, Man hörte der Winde entfesseltes Grollen, Geräusch, als ob wilde Gewässer entquollen, Und alle Anwesenden standen entsetzt — O Rosa, du liebliche, wehe dir jetzt! Nicht fürcht' dich, Geliebte, anftrete nur hurtig, Nicht fürchte, so sagt er, das donnernde Rollen, Nicht meiner Gewässer Geräusch, so entquollen, Der Winde — mir freundlich — entfesseltes Grollen. Nur schneller, nur schneller die Fersen gedreht, Nur schneller, nur schneller noch, da es schon spät. Ach, rasten wir, Liebster, daß Athem ich hole Und Ruhe mein Fuß, der ermüdete, findet. „Zur weißen Türkei lang die Straße sich windet, Im Strome der Donau die Save dort mündet; Es sieht sich die brausende Flut nach dir um, Dreh' schneller nur, Röschen, die Fersen herum!" So spricht er, da wandten sich jählings die Beiden, Die weiter und weiter am Boden hin flogen; Das Paar kam ans Ufer der Laibach gezogen Und dreht sich noch dreimal und stiirzt in die Wogen. Die Schiffer sah'n kreisen den Wirbel daher, Doch keiner von ihnen Rosalia mehr. Arber Wassermann und Wassergeister. Die nachfolgende Studie veranlaßte Pressrns Ballade „Der Wassermann," deren Übersetzung ich hier versuchte. Unser Dichter hat den Stoff dem eilften Buche der krainischen Chronik Balvasors (1689), wo er von dem Laibachflusse spricht, entnommen. Er sagt: „Ehe wir von der Laybach Abschied nehmen, steht noch dieses zu berichten, daß in derselben ein Gespenst, das man den Wassermann nennt, sich aufhält * und öffters zu Nachte zeigt, auch so bekandt ist, daß jedweder Schiffmann und Fischer aus der Laybach gnug davon zu sagen weiß. Solches ist gemeiner Sage nach vorzeiten auch öfters bei Hellem Tage aus dem Wasser gestiegen und hat sich in menschlicher Gestalt sehen lassen. Wie es dann 1547 am ersten Sonntage im Julio auf dem alten Markt bei dem Brunnen, allwo die ganze Nach¬ barschaft versammelt gewesen und mit einem erbarn Tantz sich * Mau läßt Seegeister in bestimmten Weihern und Flüssen Hausen, z. B. in der Saale, der Donau, der Elbe, wie auch die Römer bärtige Flußgötter für einzelne Flüsse annahmen. (Jacob Grimm's deutsche Mythologie). 8 ergötzet hat, als ein wohlausgeputzter, schön- und Wohlgestalten Jüngling erschienen, ein Mägdlein Uršulam Schäferin«, er¬ griffen, mit ihr sich ziemlich bekandt gemacht und endlich den Sitticherhof vorbey nach dem Strem zugetanzet und sich mit ihr hinein gestürzt. Seitdem aber der Fluß ösfters geweidet und gesegnet wor¬ den, gibt dieses Gespenst bessere Ruhe u. s. w." In den Jahrgeschichten, welche das 15., zugleich letzte Buch ausfüllen, erzählt Valvasor dies „Abentheuer" umständ¬ licher, indem er die Bilder des Wassermanns und der Tänzerin entwirft, von der letzteren moralisch sehr ungünstig, wobei, wie überhaupt bei Valvasor die derbe Manier der Reformationszeit nachklingt. Er nennt den Helden einen „wohlstafsirten, schöngestalten Jüngling," der hervvrtrat als „die Lust alle Gemüthcr in völligen Besitz genommen hatte" und allen Anwesenden freund¬ lich die Hand bot. „vor deren Berührung aber Jedermann ein ungewöhnliches Gefühl, Alteration empfand." Denn seine Hände waren ganz kalt und weich, er „erkieste zu seiner Tanz- Gefährtin ein sonst wol-aufgeschmücktcS und äußerlich schön gebildetes, von Gemüth und Sitten aber unschönes und freches Mägdlein, welches gar frisch und ausgelassener Manier war und Stat jungfräulicher Eingezogenheit ein ungezäumtes Leben führte." Er nennt sie weiter noch eine „junge Venerille und frölige Lustjungfer" und erzählt, wie oben, daß Beide dem Zuschauer aus den Augen und im Fluß verschwanden. Seit dieser Begebenheit wurde der Tanz dort gänzlich ein¬ gestellt. „Den jungen Menschen diente dieser entsetzliche Fall zum schrecklichen Lebrspiegel, die Ueppigkeit zu meiden und der Eingezogenheit zu huldigen." Obgleich nebensächlich, sei noch die Mittheilung unseres Chronisten beigefügt, Laß jener Lindenbaum 1638, also 91 Jahre noch gestanden, und weil er „wurmstichig und voll Ungeziefers gewest," ließ ihn der Oberstadtkämmerer Ludwig Schönleben fällen. An seiner Stelle ward von der Stadtgemeinde ein mar¬ morner Brunnen errichtet. — Valvasor schließt das Capitel in 9 seiner frommen Weise: „Selten tantzen ist unter Erbaren — ehrlich, ost tantzen — gefährlich, üppig tantzen — dem Chri- stenthum verkürtzlich und zur Hölle beförderlich u. s. w. Leichter Fuß und leichtes Herz scheiden selten weit von einander." In Krain wird die Geschichte von der spröden Tänzerin als Ammenmärchen erzählt und lebt noch im Munde des Volkes. Alte Leute der Vorstädte Krakau und Tirnau (Laibach), wo sich noch die letzten Reste des VolksthumS in Tracht, Sage und Lied erhalten haben, erzählen neck heutzutage die Localsage vom Wassermann, der mitten im Laibachstuße an der Stelle der ehemaligen Ueberfuhr beim Sitticherhof (jetzt Landesgericht) ein gläsernes Haus inne hatte. Als man bei Negulirung * Les Flusses das Wasser ableitete, lief das Volk in Hellen Haufen herbei, um Las gläserne Haus statt wie bisher in der Phan¬ tasie, einmal in uuimrg, anzustaunen, allein es fand sich, trotz des festen Glaubens an die leibhafte Existenz des Wassermanns und seiner krystallnen Behausung — Liese nicht vor. Uebrigens reicht der xovoäni MOZ, auch xovoämk nach Gutsman, bis in die heidnische Vorzeit hinauf, wo er mit andern eine Ge¬ stalt der slovenischen Mythologie bildet. (Siehe 10. Anmerkung zu den Volksliedern aus Krain von Anastasius Grün. Leipzig 1850.) Prešern veröffentlichte seine Ballade zuerst in dem 1. Hefte der öbolion. (Laibach 1830, 2. Auflage 1834) und machte unter dem Titel Valvasor als Quelle namhaft. Des localen Bezuges jedoch entäußert, erscheint der Stoff im „Jllyr. Blatt" vom Jahre 1828, mit der Ueberschrift: „Die Strombraut. Eine krainische Sage" und Anton Alexander Graf v. Auersberg unterschrieben, behandelt. Diese Behandlung ist viel milder, und läßt den Wassermann nicht in so dunklem, dämonischen Lichte erscheinen, wie im slovenischen Gedichte, in welchem er ohne einen sympathischen Zug herzlos nur der schöne, gewaltige und kühne Verführer des sehr koketten Mädchens ist. Ein paar Proben des Auersperg'schen Gedichtes — das in der Gedicht- Sammlung Anastasius Grüns nicht ausgenommen erscheint — werden den Vergleich ins Licht stellen. Es beginnt: * 1826 — Wegen der bevorstehenden neuen Regulirnng wird das Buch des Franz Gras Hohenwart über die Mvrastentsnmpfnng (Laibach, 1838) interessiren. 2 10 Dort wo das ebene Blumengefild' Der Strom so ruhig durchwallt, Wo riesig der alternden Linde Bild Im klaren Spiegel sich malt, Dort sammelte einst sich der Hirten Schaar Beim heitern Ton der Schalmei'», Dort fand vereinigt manch glückliches Paar Zum fröhlichen Reigen sich ein. Dann heißt es, daß nur ein Mädchen ganz einsam und freudenlos steht, und da sie die schönste war, versuchte manch fröhlicher Bursche sein Glück, Und bot ihr die Hand zum Reih'n, Doch Alle die wies sie zurück, Blieb düsteren Sinnes allein. Doch sieh! Durch die wogende Menge wallt Ein Jüngling mit lockigtcm Haar, Die Kraft ans dem blühenden Antlitz strahlt, Schön ist er, wie Keiner noch war, Sie blickt ihm ins Auge, es glänzet so mild, Erweicht ist ihr störrisch Gemllth. Ihr Herz Lurchglüht die Liebe, er hält sie umschlungen und in immer weitern Kreisen entschwebt er mit ihr zum fluchenden Uferrand „mit Kraft umschlingt er die zagende Maid und senkt sich mit ihr in die Fluch." Wohl Mancher, der einst von dem Mädchen gewußt, Fragt oft noch, wohin sie wohl kam? Sie ruht an des liebenden Wassermanns Brust Als Braut an dem Bräutigam; Und unten im wogenden Wasserpfühl, Dort fand sie des Friedens Port, Dort steht ihr Brautkämmerlein still und kühl, Dort liebt sie nun ewig fort. Folgt dann der Schluß, welcher die Szene mit poetischen Farben rosig verklärt. Eine Variante der Sage finden wir unter andern auch bei Gottfried Kinkel, nur sind die Rollen zwischen Jüngling und Mädchen getauscht. Sein Gedicht, welches er „die Stun¬ den verrauschen" nennt, beginnt mit der Schilderung des abend- 11 lichen Tanzes unter der Linde am Maitag, munterer klingen die Cimbeln, Schalmein und wilder die Geigen. Da erscheint eine schöne Fremde „feucht ist der Saum am Gewände blau." Der schmuckste Bursche ladet sie zum Tanz. Er fragt sie, wer lehrte dicb so den Tanz? — Oft führ' ich ihn Nächtens im Mondenglanz. — Was trägst du so köstliche Perlen im Obr? — Mein Bruder fischte sie mir im Nohr. — Wie heißt Lein Vater? — Ich will leben und tanzen, was hast du zu fragen. — Es schaudert dem Knaben das Herz — sie drängt sich an ihn — Wie bist du so warm und herrlich gestalt, ach und die Flut ist so grau und so kalt... Sie tanzen hinweg zum Waldessaum, die Lerche schlägt und der Ost wird hell, mit einem Schrei entwindet sie sich seinen Armen, schwebt zum Teich und sinkt hinab und winkt noch einmal. Aus dunkler Fluth steigt auf ein Strahl, ist's Morgenroth, ist's Sonnenglut? Hilf Gott, es ist ihr rothes Blut! (Schließt mit Refrain: Die Stunden verrauschen.) In den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (7. Ausl. Göttingen 1857 , 3 Bde.) sand ich diese Sage nicht vor und die Nixe vom Teiche hat damit keine Aehnlichkeit. Das Gleiche gilt vom „Wassermännlein," dessen in den oberöstcr- reichischen Volkssagen k. Amand Baumgarten im 24. Bericht LeS Linzer Museums unter andern erwähnt und dem auch eine komische Auffassung zu Grunde liegt. — Die Sage von der Savenixe scheint nicht aus der slavischen Vorzeit hereinzuragen, sondern von dem deutschen Ritterthume, in dessen Leben sie ein- — greift, in die slovenischen Lande verpflanzt worden zu sein. Ein Rückblick in die antike Welt, welche Las Wasserelement mit Gottheiten, Nymphen (Najaden, Hyaden und Plejaden) und aucb die Flüsse mit Göttern bevölkerte, liegt nur im entfern¬ teren Bereich der gegenwärtigen Darstellung. Es liegt unserer Aufgabe näher, uns zur germanischen und slavischen Sagen¬ welt zu wenden. In I. Grimms deutscher Mythologie (Göttingen, 1835), an der Stelle, welche von Wassergeistern handelt, heißt es, daß der Wassermann schon ältlich und langhaarig vorgestellt wird, wie der römische Halbgott, aus dessen Urne der Fluß quillt. „In Äntzin äLnisolisn vMsIisä ksdt äer nöLks 12 86111611 11L886I1 1)Ult Ul äl6 llÖll6, 61' tlÄAt AI'ÜIISII lmt. und IVtzllll 61' äsil mund llltzekt sisllt MLI1 86III6 K1'iilI6I1 2ÜllI16, 211V6ll6I1 liul 6r äi6 A6stult 6IU68 imiilluiUrjAKII vviltlsii lmubsii, 2MV6il6ii dis 611168 A6lblo6liiA6ii, mit rotlisi' mütrs mit dem lumpt. XiX 6II ersclmiiiLii in der 80ims sit/.eud, ilii'6 luiiASii liuurs Idimmkml. odsr Weil mit dem odörtlisil d68 isiks, der von Iioiier soliöii- likit ist, M8 vsllsu tgiieiieiid. den unteittieil soll, vis l>6i sii'6ii6ii, ein tiscliurtiAor sclnvunx dildsii. . Bei den Deutschen scheint vorzugsweise der weibliche Wasser¬ geist , mit Jugendreiz und Schönheit ausgestattet, den verführen¬ den Dämon zu spielen, welcher Umstand auch aus ihren Poesien hervorgeht. Außer Kinkels Ballade sei beiläufig auch Göthe'S Fischer und Heine's Lorelei gedacht. Andere deutsche Dichter, darunter Lenau, haben die Sagen von den Seejungfrauen und ihren Sirenengesängen poetisch vcrwerthet. Auch Pressrn läßt in seiner Ballade „Der Fischer" die Meerfräuleins (morslm dsklsts) in verführender Weise erscheinen. Bei den Slaven ist der Wassermann ein Jüngling von hinreißender Schönheit, welcher mit dämonischer Gewalt das schönste Mädchen an sich lockt und entführt. Die Russen, Slowaken, Serben, Wallachen schreiben den Wasser- oder Flußnixen, Riisulk)' genannt, meist nur gute Eigenschaften zu. Sie sind Jungfrauen mit den Merkmalen der Jugend und Schönheit geziert, welche die Tiefe der Gewässer bewohnen. Ihre aufgelösten Haare sind mit grünen Kränzen geschmückt, sie kämen sich an den Ufern und schwingen sich auf den Aesten der Bäume. Dagegen ist der Ruf der Wasserfran (povodng, Z6üL) von böser Wirkung, wenn der Vorüber¬ gehende der Einladung zum Trinken oder Baden folgt. Ueber die Rusullc^ schrieben mehre Schriftsteller, mehr oder minder ausführlich, wie lutisesv, lxuvsurov, ZukuriL, lluims, auch Plmii^ und PsrstsiMk. Beim berühmten russischen Dichter jkiislrin (Loöiii^u, St. Petersburg 1859—60, 7 Bände), den Bodenstedt meisterhaft übersetzte, erscheinen sie episch und dramatisch behandelt. Alle bisherigen Anschauungen jedoch, von denen auch die russische Akademie befangen, hat Miklosich in einem Vortrage, der aus den Sitzungsberichten der histor.- philos. Classe der kaiserl. Akademie (46. Bd., 1864) besonders 13 abgedruckt worden, mit Beweisgründen widerlegt. Er behauptet, daß das griechische mit dem lateinischen rosa (Rose) Zusammenhänge, der Ausdruck ursprünglich ein christliches Fest bedeutet habe und im Laufe der Zeit heidnisch geworden sei- auch Lioleäa entstand von Oalenäae. Zon einer Personifi: cirung der Lusalk^ bieten die älteren Quellen eben so wenig eine Spur, wie die Rusalienlieder von ihrer Beziehung zum Wasser. I. Grimm fährt fort:„ ... äie nixen, rvenn sie ans lanä unter menseben Ksben, sinä ßäeieb menseblioben gun^kraueu gestaltet unä Febleiäet, nur an äem nassen bleiäersaum, äem nassen rixkel äer sebürre erkennbar, vieräurob berübren sie sieb mit äen selnvan^unAkrauen, unä rvie äiesen sebleier unä lvleiäer iveMenommen vver- äen, setrt aueb sie äas vorentbalten äer banäsebube beim tanr in verle^enbeit. lanr, 6esan§ unä musik sinä, uäe äer elbe (Berggeist) aueb äie kreuäe aller vasser- Zeistsr. In Lebvveäen erräklt inan von äer lookenäen, beraubernäen veise äes strömkarl (Stromgeist): äer ströin- lrarlslan- soll eilk Variationen baben, von rveleben inan aber nur Zellen tanren äark, äie eilkte Aebört äein naobt- Zeist unä seinem lieer; rvollte man sie auksxielen, so ünAsn tiselie unä bänbe, bannen unä beeber, greise unä Arossmütter, lilinäe unä lalime, selbst äie binäer in äer rvie§e an ru tanken. Vieser sxielenäe strömbarl balt sieb Aern bei müblsn unä vasserkallen auk, äavou beisst er kosse^rim (kos — rvasserkall), es ist sebon als Überrest beiäniseber oxker anAekübrt voräen, äass man diesem äämoniseben vesen ein sebvarres lamm äarbraebte unä von ibm äakür in äer musib unterriobtet vuräs. aueb äer kosseZrim loebt in stillen, äunblen absnäen äie inen- soben äureb seine musib, unä lebrt ZeiZe oäer anäeres saitensxiel äen, äer ibm äonnerstaZ abenäs mit ab§e- rvanätem bauxt ein veisses böeblein opkert unä in einen norävärts strömenäen vasserkall ivirkt. ist äas oxker inaner, so bringt es äer lebrlinA niobt rveiter, als rum stimmen äer tzniA«, ist es aber kett, so Zreikt äer kosse- Arim über äes spielmanns reebte vanä, unä kübrt sie so lanZe bin unä ber, bis äas blut aus allen kn^er- sxitren sxrin§t, äann ist äer lebrlin§ in seiner Kunst 14 vollendet und kann spielen, dass die bäums tauzou und dis ivassor in ibrom kall still stellen. ObZIoiob das obristontbum sololm opkur untorsaZt und die alten ivassor^oistor als teutlisolie vesen darstellt, so delnilt das volit doelr eine Zevisse selieu und ver- elirunA bei und iiat noeli nielit allen ^landen an ibro maobt und ilrren einlluss autzeZeden . . . äusser dein kr e ilvilliFen oxkor kür untsrvei- suntz' in seiner Kunst kordorts der nix abor auob die darln'inZunA' Arausawor und KozivunZonor, deren andonkon in kast allen üborliotorunAon des volks kort- dauert. Lian ptloZt sieb noeli ^etzt, rvenn inenseüen iin tluss ertrinken, auszudrüeken: „der ünssZoist kordere seinMiirliekes opker" Zevöbnlieb „ein nnsobuldiZes Kind." Vies rveist auk virklielie, denr niebus (Wassergeist) in ur¬ alter boidnisolmr zeit Aobraobte mensebenopker bin. Vein vieinelnix ivirkt inan alijalirlieli knot und krüolite tiinal). veberliaupt §elit durcli die ivasser^eistsaZen ein zuA von Grausamkeit und blut durst, der l>ei däinonen der ber^e, u-Lldsr und bäuser nielit leielit vor- kornint. Lliebt allein inenselien, deren der nix gmvalti^ ivird. tödtet er, sondern er übt aueli lilutiZe raebe an seinen leuten, die ans land ZestieMn sind, rnit den inenselien umZeben und rvieder zurüek keliren. L^enn sieli die seejun^kern beim tanz verspätet baben, venu die entkülirte (lbristiu dein nix ein Kind gebiert, ivenn des vasserinanns Kind seinem ruke zu spät Zeborebt, so sielit inan einen lilutstralil * aus der tieke des §mväs- sers empor seliiessen zum zeieben der vollbraebten un- tkat. ^eivölinlieli ivar daneben ein anderes Aünstilsss zeielien (ein stralil mileli, ein teller mit einem axkel) verabredet, das dann ausbleibt." Soviel über die Sage vom Wassermann und den Wasser¬ geistern im Allgemeinen, wobei ich auch nicht streng hinzu Ge¬ höriges, Las mir jedoch interessant schien, mit einfließen machte. * Sich Schluß der Ballade Kinkels. 15 Am Schlüße möge noch Einiges über die Composition und den Rythmus der Pressrn'schen Ballade erwähnt sein. Der Wassermann gehört nebst der Rosamunda von Auers¬ perg zu den bedeutenderen epischen Gedichten unseres Dichters. Ist in der Rosamunda die begebenheitliche Abwechslung, die Plastik, welche mit wenigen aber umfassenden Zügen die lebens¬ vollsten Scenen vor das Auge des Lesers zaubert, und der dramatische Gang der Darstellung vorherrschend, so macht sich hier die Schilderung geltend, welche in dem Maße, als dis Handlung geringer, Personen und Scenen ausführlicher be¬ schreibt. So z. B. wird der Charakter der Rosamunda nur mit hochfahrend und jähzornig bezeichnet, wogegen dem Treiben der koketten Maid des Wassermanns ein paar Strophen, der Beschreibung des Tanzes und dem furchtbar nahendem Sturme mehrere Zeilen gewidmet werden. Wie bereits erwähnt, nahm Predern seinen Stoff aus Valvasor, den er in seiner Art und nicht wie Schiller oder Göthe idealisirte. Er mahnt eher an Bürger, dessen Lenore er mit dem glänzendsten Erfolge übersetzte, und ist in allen seinen Poesien ein voller realistischer Zug unverkennbar. Um die Kraft, Ausdrucksfähigkeit und den Schwung der Sprache, welcher Prešern als der erste Kunstdichter der Slovenen, ein künstlerisches Gepräge verlieh, zu erproben, war besondere Ge¬ legenheit geboten. Welches Aussehen unser Dichter gleich bei seinem Erscheinen machte, beweist unter andern Murko (1832), welcher das in Rede stehende Gedicht als ein Muster echt nationaler Dichtung enthusiastisch empfehlend, in die Leseübungen aufnahm. Prešern nannte das anmuthige Opfer des Wassermanns zuerst Salika und die Beibehaltung dieses Namens schien mir für den deutschen Leser entsprechender. Auch knüpft sich daran ein anekdotischer Bezug, wie dies häufig bei unserm Dichter vorkommt. Rosalia hieß ein liebliches Wirthstöchterlein des vuIZo Dolenz (Nr. 20) in der Karlstädter-Vorstadt von Laibach, welches des Dichters Aufmerksamkeit erregt batte. Halb zürnend halb scherzend übte er poetische Rache, weil ihm nicht die gleiche Aufmerksamkeit ward. Mehr absichtlich als zufällig mag in der zweiten Zeile der fünften Strophe Las Wortspiel (kreZeruu 86 dräni) sein, mit welchem der Dichter seinen Namen dem Ge- 16 dichte einflicht. Die so gefeierte Rosalia lebt noch in Untcr- krain als stattliche Matrone. Ein Bild von ihr hatte Langus gemalt. Was den Rythmus betrifft, so suchte ich denselben in der Uebersetzung auch beizubehaltcn. Tie Bewegung deS Tanzes, der Wellen, deS Sturmes erforderte den springenden Daktylus, die größere Schwierigkeit jedoch verursachte der dreifache weib¬ liche Reim. Obgleich die deutsche Sprache wegen ihres vor¬ herrschend jambischen Charakters und der größeren Gebunden¬ heit in der sprachlich richtigen Stellung der Worte dieses Vers¬ maß nicht zu begünstigen scheint, bat sie doch schöne Beispiele dieser Gattung, wie in Schillers „Würde der Frauen," Salis' „Aufmunterung" u. s. w. aufzuweisen, am reinsten aber ist dies Versmaß in Göthes „Hochzeitlied" behandelt. Bei unserer Ballade aber durfte man sich neben den erwähnten Schwierig¬ keiten nicht zu weit vom Gedankenausdruck des Originals ent¬ fernen und noch die Caesur beobachten, die der Dichter unter 84 Verszeilen nur an ein Paar Stellen überschritt.