438 were palynological analyses of soil samples and petrographic analyses of stone artefacts conducted. The author conducted the osteological analyses of animal bones himself, but these analyses is superficial and unprofessional. I would like to make several technical remarks about this book as well. The illustrations are not numbered in continuity, but rather for each thematic unit separately, which will create difficulties, particularly in the future citation of the plates. Several works cited by abbreviations in the notes are not in the bibliography, so determining their titles has been rendered difficult (see notes 57, 58 and 59 in the subsection Guvnine, notes 62 and 63 in the subsection Hateljska Pećina and note 30 in the subsection Lazaruša). The printer Zrinski, from the town of Čakovec, did not carry out its task in line with the highest standards of quality, for the illustrations were prepared using weak computer equipment or the work was entrusted to insufficiently qualified persons. Therefore the reproductions of black and white photographs came out either too dark or too light, while the reproductions of the outstanding drawings are worse than the original, which is clearly seen in the broken lines. Unfortunately, this has been a frequent trait of printing practices in Croatia during the last ten years. Regardless of disagreements over certain specific matters, this book is a capital work of lasting value and unavoidable for the knowledge of the Neolithic, Eneolithic and Bronze Age on the eastern Adriatic coast and its hinterland. I believe that it is not an exaggeration to say that this book can be ranked among the top works on prehistoric archaeology in southeastern Europe. Darko Periša Božidara Magovca 157 HR-10000 Zagreb The autonomous towns of Noricum and Pannonia / Die autonomen Städte in Noricum und Pannonien. Noricum, M. Šašel Kos, P. Scherrer (Hrsg.). Situla 40. Narodni muzej Slovenije, Ljubljana 2002. ISSN 0583-4554. 279 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Karten und Tabellen. Christian GUGL Der Sammelband “The autonomous towns of Noricum and Pannonia / Die autonomen Städte in Noricum und Pannonien: Noricum”, heraus- gegeben von M. Šašel Kos und P. Scherrer, umfasst zehn Beiträge, die anlässlich einer inter-nationalen Konferenz im März 1999 in Brdo bei Ljubljana gehalten wurden. Die von M. Šašel Kos angeregte und unter Mithilfe zahlreicher Fachkollegen organisierte Konferenz versteht sich als Standortbestimmung der norisch- pannonischen Städteforschung, nachdem die letzte derartige Zusammenschau in der ANRW II 6 bereits über 20 Jahre zurück liegt. Der vom Narodni Muzej Slovenije in der hauseigenen Reihe “Situla” erschienene Band beinhaltet Beiträge zu sämtlichen neun norischen Städten. Es ist den beiden Herausgebern zu wünschen, dass eine Publikation zu den pannonischen Städten in vergleichbar vorzüglicher Druckqualität in absehbarer Zeit erfolgen kann. Den Einzeldarstellungen der neun norischen Städte ist ein umfangreicher Beitrag von P. Scherrer vorangestellt (S. 12-70), der anhand epigraphischer Quellen Aspekte der Urbanisierung des Ostalpen- raums behandelt. Das reichhaltige Inschriften- material aus Noricum - Scherrer schätzt die Material- basis auf rund 2000 Inschriften - bildet die Grundlage für eine vielschichtige Studie zur Verbreitung antiker Personennamen sowie ausgewählter einheimischer Gottheiten. Über die Verbreitung italischer Gentil- namen (Karten 1-10), wie der Barbii, Lollii, Sabinii und Cassii, erschließt er Wirkungs- und Einfluss- bereiche verschiedener einflussreicher Familien und Handelshäuser, die die wirtschaftlichen und politischen Geschicke Noricums in der frühen und mittleren Kaiserzeit entscheidend beinflussten. Scherrer kann sich dabei bereits auf umfangreiche Vorarbeiten stützen, wie beispielsweise die Arbeiten G. Alföldys; hervorgehoben sei nur seine Studie zu den “Attii von Solva” (Festschrift Modrijan, Schild St. 15-16, 1978-1979, 89 ff.). Zurecht hebt Scherrer auf S. 22 f. als methodisches Problem die chronologische Spannbreite bei der Datierung der Steindenkmäler hervor, die die Beurteilung der Rolle dieser in ihren Ursprüngen italischen Familien bei der “Romanisierung Noricums”, einem zeitlich zu differenzierenden Akkulturationsprozess, erschweren. Bei den kartographisch gut umgesetzten Verbreitungsbildern wäre in dem einen oder anderen Fall auch die Einbeziehung der westlich angrenzenden Nachbarprovinz Raetien wünschenswert, vor allem dann, wenn es um den Aktionsradius dieser “Handelshäuser” geht. Eine Detailstudie auf epigraphischer Basis zu den wirtschaftlichen Verflechtungen in diesem Raum wäre im Hinblick auf die Außengrenze des illyrischen Zollbezirks sicherlich lohnenswert, nachdem gerade jüngst wieder eine Arbeit erschienen ist, die die “Kultur- grenze am Inn” anhand einer Kleinfundgattung thematisiert (M. Gschwind, O. Ortisi, Germania 79, 2001, 401 ff.; bes. 408 ff.). In einem zweiten Abschnitt widmet sich der Autor dem Auftreten von Weihe- und Bauinschriften, die mit der Verehrung des Bedaius, Belinus/Belestis und Marmogius/Latobius (Karte 13) sowie dem Kult einheimischer, mit Iupiter gleichgesetzter Gottheiten (Karte 14) zusammenhängen. Anhand von Kartenbildern gelingt es Scherrer, den regionalen Charakter dieser Gottheiten zu untermauern und im Falle von Marmogius/Latobius-Inschriften über das Namensmaterial der Dedikanten verwandschaft- liche Verbindungen nach Celeia und das südwest- Diskusija 439 pannonische Poetovio herauszuarbeiten. Neu sind Scherrers Überlegungen zur Zugehörigkeit der bekannten norischen Stämme zu den claudischen Munizipien: Je zwei norische civitates sollen zum Stadtterritorium eines Munizipiums zusammen- gefasst worden sein (Karte 12), wobei er die im Gailtal lokalisierten Ambilini erstaunlicherweise zu Virunum rechnet (vgl. dazu Glaser, ebd. S. 136). Die Karte 12 (“Keltische Besiedlung”) hebt sehr stark die keltischen Siedlungen im nördlichen Alpenvorland und am Alpenostrand hervor und berücksichtigt demgegenüber die Siedlungsplätze in den zentralen Regionen des regnum Noricum weitaus weniger. Für das Siedlungsbild der Mittel- und Spätlatènezeit wären neben Höhensiedlungen in der Steiermark sowie in Kärnten und Osttirol (z.B. Frauenberg, Maria Saaler Berg, Teurnia, Lavanter Kirchbichl) unter Umständen auch die im Talboden gelegene befestigte Anlage auf der Görz (Unterdrautal) sowie als Kontrapunkt zum Magdalensberg die Gurina festzuhalten [vgl. zuletzt P. Gleirscher, I Celti in Carinzia, in: I Celti nell´ Alto Adriatico, Ant. Altoadr. 48 (2001) 241 ff.]. Das keltische Siedlungswesen im östlichen Niederösterreich bleibt ohne Berücksichtigung der dominanten Lokalität Bratislava-Altstadt/Devín unverständlich. Mit der Herausbildung der norisch-pannonischen Hügelgräber und deren Verbreitung, die Scherrer für gewisse Landstriche in Nordnoricum in Übereinstimmung mit der älteren Forschung als Folge von Umsiedlungsprozessen interpretiert, schneidet er ein besonders komplexes Thema an. Inwieweit räumlich in etwa übereinstimmende Verbreitungsbilder von Kleinfundgattungen und Keramiktypen (S. 48 ff.) als unmittelbarer Ausdruck “archäologischer Kulturkreise” angesprochen werden können, ist nicht unumstritten. Zunächst sind Fundverbreitungskarten Produkte archäologischer Klassifikation, beeinflusst vom Forschungsstand, und nicht zuletzt auch Besonderheiten der jeweiligen Quellenlage (Grabfunde, Siedlungsfunde, etc.). Speziell im steirisch-slowenischen Grenzraum findet sich eine Reihe von gleichartigen Fibeltypen, die im davon geographisch abgesetzten Kärnten nicht mehr auftreten, besonders Varianten von Doppelknopf- und kräftig profilierten Fibeln [J. Garbsch, Die norisch-pannonische Frauentracht im 1. und 2. Jahrhundert, Münch. Beitr. z. Vor- u. Frühgesch. 11 (1965) 33 ff. Karte 13 (A 236e); 123 ff.; Ch. Gugl, Die römischen Fibeln aus Virunum (1995) 54 ff.]. Die Beobachtung, dass die Verbreitung gewisser Gruppen der materiellen Kultur mit der Bestattungssitte des Hügelgrabs zusammenfallen, ist sicherlich weiter zu verfolgen. Die als Demon- stration “kultureller Unterschiede” herangezogenen Einknotenfibeln eignen sich allerdings dafür nicht, da sie hier wie dort auftreten (http://members.aon.at/ ch.gugl/fundlisten/liste3.htm). Hingewiesen sei im Zusammenhang mit den Hügelgräbern noch auf Gruppenbildungen im kleintopographischen Rahmen, wie etwa in Gleisdorf [W. Artner, Die provinzialrömischen Gräber von Gleisdorf in der Oststeiermark. Mitt. Österr. Arbeitsgem. Ur- Frühgesch. 38-39 (1994) 52 f. Abb. 2 Plan 1] und Flavia Solva (vgl. den Beitrag von Hudeczek, S. 207 Abb. 5), wo die Hügelgräber sich am selben Ort von den herkömmlichen Grabbauten räumlich offenbar absetzen. Zur Diskussion Anlass geben wird sicherlich auch das von Scherrer skizzierte Modell römischer Städtegründungen in Noricum, das in der Aussage mündet: “Die gesamte Urbanisierung von Noricum, von Claudius bis Hadrian, berücksichtigte demnach die vorrömische, einheimische Bevölkerung weit- gehend nur indirekt, als Handelspartner, Berg- fachleute und Agrarproduzenten, richtete sich aber sonst ausschließlich nach den vorhandenen römischen Bürgern und deren kapitalistisch- imperialistischen Interessen aus.” Das Dekurionat in den Städten wurde demnach von Anfang an von aus dem Süden zugewanderten Familien in Besitz genommen, wobei die städtische Bevölkerung sich hauptsächlich aus zugewanderten römischen Vollbürgern zusammensetzte, die durch Neuzugänge aus den Veteranensiedlungen ergänzt wurden (S. 61 f.). Man darf gespannt sein, ob sich dieses Bild nicht nach der Aufarbeitung weiterer Siedlungs- grabungen etwas verändert, etwa dadurch, dass in verstärktem Ausmaße Produktionsstätten von Bekleidungsbestandteilen in städtischen Kontexten wie in Flavia Solva, Virunum, Teurnia oder Ovilava zutage treten, wo bisher in erster Linie zahlreiche Produktionsabfälle von regionalspezifischen Fibeln entdeckt wurden. Wenn man nicht annehmen will, dass diese ausschließlich für die im Umland lebenden Einheimischen produziert wurden, muss man einen gewissen, wie ich glaube, nicht unbeträchtlichen Anteil von keltischer Bevölkerung auch in den Städten postulieren, die vielleicht, was ihre Selbstdarstellung mittels Grabdenkmäler und öffentlicher Bauten betrifft, ganz einfach die stumme Mehrheit gebildet hat. Eine Analyse bildlicher Darstellungen auf Grabdenkmälern und zugehöriger Inschriften, die auch versucht, den Siedlungskontext zu berück- sichtigen, könnte hier neue Erkenntnisse bringen. Die Vorstellung der norischen Städte beginnt mit einem Beitrag von I. Lazar über Celeia-Celje, das südlichste claudische Munizipium. Die Syste- matik ihres Beitrags findet sich von wenigen Aus- Diskusija 440 nahmen abgesehen auch in den folgenden Darstel- lungen wieder. Besprochen werden auf 27 reich bebilderten Seiten die Themen: Lokalisierung, Ausdehnung des städtischen Territoriums, ein Überblick über die literarischen und epigraphischen Quellen, ein Abriss der Forschungsgeschichte, gefolgt von neuen Ergebnissen zur Siedlungstopographie und abschließend eine Zusammenstellung von Denkmälern und Funden zu Handel und Wirtschaft sowie Religion und Kult. Die am Miklavški hrib angenommene keltische Vorgängersiedlung kann nach wie vor nur über mittel- und spätlatènezeitliche Keramik und Metallklein- funde postuliert werden. Nicht zuletzt der über Schrötlinge mögliche Nachweis einer Münzpräge- stätte hat dazu geführt, das vorrömische Celeia als Zentralsiedlung der Taurisker anzusprechen (S. 71). Bei ihren Ausführungen zur Siedlungstopo- graphie ist man der Autorin dankbar, dass nun wieder aktuelles Kartenmaterial zu Celeia zur Verfügung steht, das sie zusammen mit anderen Abbildungen auch in der Monographie “Celeia - Arheološka podoba mesta / an archaeological image of the town (Ljubljana 2001)” publizierte. Für die Stadtgeschichte von Claudia Celeia ist eine Überschwemmungskatastrophe, die gegen das Ende des 3. Jhs. datiert wird und den südlichen Stadtteil schwer in Mitleidenschaft zog, von ein- schneidender Bedeutung. Neben einem zerstö- rerischen Hochwasser der Salzach, das in Iuvavum- Salzburg bereits am Ende des 1. Jhs. eine lokale Siedlungszäsur darstellen soll (vgl. Kovacsovics, ebd. S. 181), wäre dies in Noricum der zweite Befund für eine die Stadtentwicklung beeinträchtigende Naturkatastrophe. Zur Lokalisierung des Forums von Celeia konnte Lazar 1999 noch keine präziseren Angaben machen (S. 84). Dies ist aber mittlerweile gelungen, wie R. Krempuš am Nachfolgekongress in Budapest 2002 darlegte. Der Bau der Stadtmauer, den Lazar ausgehend von neueren Grabungen 1991-1995 im Zusammenhang mit jener Überschwemmungs- katastrophe an das Ende des 3. Jh. setzt, führte zu einer Reduktion des Stadtareals um etwa ein Drittel der Gesamtfläche. Die genannten Grabungen (“courtyard of the Knežji dvor”) sollten auch die Grundlage für eine solide Datierung des Mauerbaues bringen. Dies wäre ein erster wichtiger Schritt bei der chronologischen Einordnung der norischen Stadtmauern und der historischen Bewertung dieses urbanistischen Phänomens (Aguntum, Teurnia, Ovilava). Der Beitrag zu Virunum (S. 103-134) wurde von vier Autoren bestritten. G. Piccottini gibt einleitend eine Übersicht über die neueren Ergebnisse zu den Grabungen am Magdalensberg. Hervorzuheben ist die Interpretation spätantiker Quellen zur Gründ- ungsgeschichte von Virunum, die G. Dobesch überzeugend auf die Stadt auf dem Magdalensberg bezieht und daraus den Namen Virunum für die Magdalensberg-Siedlung ableitet. Zu den heraus- ragendsten Entdeckungen der Magdalensberg- Grabungen der letzten Jahre zählen sicherlich zwei Gussformen für Goldbarren aus der Zeit des Caligula sowie eine Reihe von Bergkristallen, die in einem abgeschlossenen Gebäudetrakt am Südrand des Forums zum Vorschein kamen, der zumindest als Schmelzwerkstätte diente. Die Grabungsergebnisse werden sicherlich ein neues Licht auf die antike Wirtschaftsgeschichte des frühen Noricum werfen. Nach den beiden von H. Vetters verfassten Artikeln zum Municipium Claudium Virunum (1961, 1977), die siedlungstopographisch den Status quo der 1930er-Jahre wiederspiegeln, gelang es erst O. Harl mit der Auswertung von Luftbildern hier neue Impulse zu setzen. Dass mittels Luftbilder gewonnene Siedlungspläne immer Lücken aufweisen werden, liegt in der Natur der Luftbildprospektion. Trotzdem war es überraschend, als im September 2001 R. Jernej anlässlich einer Ballonfahrt über das Zollfeld östlich des bisher kartographisch erfassten Stadtbereichs von Virunum flächige Trocken- merkmale ausmachen konnte, die sich unschwer als römisches Militärlager mit südlich vorgelagerter Bebauung identifizieren lassen (Ch. Gugl, R. Jernej, Arch. Österr. 13/2, 2002, 24 ff.). Im Anschluss an neue Grabungen aus dem Stadtgebiet von Virunum - Piccottini inkludiert hier Santicum-Villach - folgt eine Zusammenstellung jüngster Münzhortfunde sowie epigraphischer Neufunde aus Virunum und Umgebung, darunter auch der 1994 monographisch publizierten einzigartigen Mithras-Tafel. Die 1992 in Virunum wieder aufgenommene Grabungstätigkeit konzentrierte sich einerseits auf die westliche Stadtperipherie, andererseits auf das Amphitheater der Stadt, das zwischen 1998 und 2001, getragen von einer Privatinitiative, zu rund 2/3 freigelegt wurde. Die beiden Grabungsplätze werden von H. Dolenz (S. 116-125) und R. Jernej (S. 125-128) im Detail vorgestellt, wobei durch die Verzögerungen in der Drucklegung leider nicht die aktuellen Forschungsergebnisse enthalten sind (vgl. Carinthia I 192, 2002, 85 ff.; 99 ff.). Piccottini beschreibt auch die wichtigsten spätantiken Siedlungsstellen im Stadtterritorium (S. 115 f.), abschließend fasst F. Glaser etwas ausführlicher noch seine Forschungen zum frühchristlichen Pilgerzentrum am Hemmaberg zusammen (S. 129-132), wobei der Zusammenhang Diskusija 441 zur Siedlungsentwicklung des spätantiken Virunum dem Leser allerdings nicht völlig klar wird. Zum Hemmaberg sind jetzt auch die neuen Ergebnisse von S. Ladstätter, insbesondere zur Siedlungschro- nologie, zur Funktion der spätantiken Siedlung und zur Kontinuitätsfrage Spätantike-Frühmittelalter, zur Hand zu nehmen [S. Ladstätter, Die materielle Kultur der Spätantike in den Ostalpen. Eine Fallstudie am Beispiel der westlichen Doppelkirchenanlage auf dem Hemmaberg, Mitt. Prähist. Komm. 35 (Wien 2000)]. Bis in die 1970er-Jahre wurde das westlich von Spittal/Drau gelegene Munizipium Teurnia in der provinzialrömischen Forschung eher stiefmütterlich behandelt. Mit dem Einsetzen kontinuierlicher jährlicher Grabungen durch das Kärntner Landes- museum ab 1971 (G. Piccottini, F. Glaser) sind erste fundierte Aussagen zur Siedlungsentwicklung während der Kaiserzeit und der Spätantike möglich. In seinem sparsam bebilderten Beitrag über Teurnia (S. 135-147) gibt F. Glaser zunächst einen Abriss der wichtigsten literarischen und epigra- phischen Quellen. Das städtische Territorium Teur- nias soll sich nach den Vorstellungen Glasers (S. 136) auch auf das (untere) Gailtal einschließlich des Straßenknotenpunkts Villach ausgedehnt haben [vgl. dazu auch: Ch. Gugl, Archäologische Forschungen in Teurnia, Sonderschr. Österr. Arch. Inst. 33 (2000) 157 Anm. 448]. Der Nachweis einer keltischen Vorgängersiedlung am Holzer Berg mittels eindeutiger Befunde ist - wie auch bei anderen norischen (Höhen-)Siedlungen - vermutlich durch die intensive antike und nachantike Überbauung bisher noch nicht geglückt, sodass als Indizien für eine ältere Nutzung des Holzer Bergs nur das latènezeitliche Fundmaterial herangezogen werden kann. Bei der Diskussion um die Siedlungs- genese von Claudia Teurnia spielt die Annahme eines in die Zeit vor der Stadtwerdung zurück- reichenden Apollo Grannus-Heiligtums als Siedlungs- nukleus eine wesentliche Rolle (vgl. auch Ch. Gugl, Arh. vest. 52, 2001, 335). Für das Verständnis der durch die topographischen Gegebenheiten enorm aufwändigen Ausgestaltung des Stadtbildes sind die Grabungen 1971-1978 in den sogenannten Wohnterrassen, einem Stadtviertel am Ostabhang des Holzer Bergs, zwischen der durch Luftbilder erschlossenen Unterstadt und den Terrassen der Oberstadt gelegen, ausschlaggebend. Nach dem Fundmaterial zu schließen erfolgte hier im früheren 3. Jh. eine Brandkatastrophe, die zwar, wie Glaser richtig feststellt (S. 139), nicht in allen Grabungsarealen zu erkennen war, jedoch in den- jenigen Gebäudeteilen, die eine Beurteilung zulassen, in unterschiedlicher Ausprägung sehr wohl zutage trat. Dazu zählen die Räume H1/H2 (Merkur- Heiligtum?) auf der oberen Siedlungsterrasse, dann vor allem entlang der Nord-Süd verlaufenden Hauptstraße (Straße I) sowie die Räume der unteren Wohnterrasse (D5-D6, D11, D13 und E13). Auch in den Räumlichkeiten im Bereich F (untere Terrasse), wo Glaser von Wandmalereiresten der zweiten Periode “unmittelbar auf dem Estrich ohne dazwischenliegende Aschenreste” spricht, sind entsprechende Brandhorizonte in der Dokumentation festgehalten [Ch. Gugl, Sonderschr. Österr. Arch. Inst. 33 (2000) 90 Beil. 16-17]. Freilich sind diese Aschenschichten und der darüber lagernde Schutt schwächer ausgebildet als etwa auf der westlich vorbei führenden Straße, wo entlang der Terrassen- mauer offenbar Brand- und Bauschutt intentionell abgelagert wurden oder, wie im Falle des Ruten- putzbaues D13, nach der Brandzerstörung liegen blieben. Die Tatsache, dass sich in Bereich F14 keine größeren Mengen an Keramik und Kleinfunden fanden, muss nicht unbedingt damit zusammen- hängen, dass diese Gebäudeteile vor dem nach- gewiesenen Brand ausgeräumt wurden und sich somit die letzte Benutzungsphase über das Fund- material nicht mehr fassen lässt. In diesem Fall spielen einerseits die Funktion von Gebäudeteilen (F14: Umgang eines Peristyls) und andererseits die nach dem Auflassen stattfindenden Forma- tionsprozesse bei der Fund- bzw. Sedimentablagerung eine entscheidende Rolle (vgl. Ch. Gugl, R. Sauer, Fundber. Österr. 37, 1998, 222 ff.). Die chronologische Einordnung der Brand- zerstörung in den ergrabenen Teilen der Wohn- terrassen, für die Einzelfunde des späteren 3. und 4./5. Jhs. aus stratigraphischen Gründen nicht herangezogen werden können, ist allerdings nicht auf das gesamte ausgedehnte Gelände der Unterstadt ohne weitere ausgewertete Grabungsaufschlüsse zu übertragen. Klarstellen möchte ich bei dieser Gelegenheit noch einen wesentlichen Aspekt bei den hypothe- tischen Erklärungsversuchen des nicht vollzogenen, vollständigen Wiederaufbaues in den Wohnterrassen. Es gibt keinen Hinweis, dass dieser Brand unmittelbar durch kriegerische Ereignisse im Zuge der Bürger- kriegswirren unter Septimius Severus ausgelöst wurde. Nicht zuletzt auch im Hinblick auf die absolute Chronologie [Ch. Gugl, Sonderschr. Österr. Arch. Inst. 33 (2000) 117 f. Tab. 5] sind “alltägliche” Auslöser für die Entstehung dieses Schadensfeuers naheliegender. Berücksichtigt man die zuvor erfolgten Umbauten, die eine qualitative Verminderung in einzelnen Wohnbereichen der unteren Terrasse anzeigen und eventuell auf einen Besitzerwechsel hinweisen könnten [Ch. Gugl, Sonderschr. Österr. Arch. Inst. 33 (2000) 156], wäre es denkbar, wirt- Diskusija 442 schaftliche Schwierigkeiten einzelner Hausbesitzer oder gewisser Teile des städtischen Gemeinwesens als Ursache für die Aufgabe von Siedlungsareal in Erwägung zu ziehen. Zur Frage der Lokalisierung des Forums, zu der auch P. Scherrer in seinem einleitenden Beitrag eine interessante Überlegung beisteuerte (S. 36 Anm. 136), möchte ich mich bei gegebenem Anlass erneut äußern. Die neueren Grabungen an der Westseite des Holzer Bergs (Flur Anger) erbrachten Teile eines stark gestörten hallstattzeitlichen Gräberfelds, latènezeitliche Einzelfunde sowie eine kaiserzeit- liche Besiedlung, die in der Spätantike von der frühchristlichen Kirche extra muros sowie einer Nekropole der zweiten Hälfte des 6. Jhs. überbaut wurde. Die Siedlungsvoraussetzungen an der West- und Ostseite des Holzer Bergs sind zwar grund- sätzlich dieselben, doch ist davor zu warnen, chrono- logische Vorstellungen von noch nicht aufge- arbeiteten Grabungen an der Westseite auf die offensichtlich andere Siedlungsstruktur im Osten des Stadthügels zu übertragen. Im Sinne einer konzeptionellen Forschung erscheint es sinnvoller, zunächst die Siedlungschronologie in der Flur Anger zu erarbeiten und dann Vergleiche mit den Wohn- terrassen anzustellen. Aus den Vorberichten sind erste, allerdings abweichende Datierungsansätze zu entnehmen: Die Münzreihe unter der sogenannten Friedhofskirche endet mit Claudius II, was durchaus mit dem Feinkeramikspektrum aus den Zerstörungs- schichten unter der spätantiken Westnekropole, die durch eine Dominanz von Sigillata Chiara C gekennzeichnet ist, übereinstimmt. Umbauten nach diesem Brand (des späteren 3. Jhs.?) sind in der Flur Anger nachgewiesen, wobei einzelne Gebäude offenbar erst frühestens in der zweiten Hälfte des 4. Jhs. zugrunde gingen. In der Spätantike reduzierte sich das Siedlungs- areal wieder auf die Kuppe des Holzer Bergs und umfasste damit nicht mehr als 10,5 ha. Die Erbauungszeit der Stadtmauer, die Glaser zwischen 324 und 467 annimmt, ist noch nicht archäologisch abgesichert. Wesentliche Impulse für die Erforschung frühchristlicher Sakralarchitektur sind dem Autor durch die Entdeckung, Freilegung und anschließende Konservierung der spätantiken Bischofskirche und des nördlich anschließenden Hospitiums zu verdanken. Ein wichtiger Einblick in die spätantike Profanarchitektur erfolgte mit der Ausgrabung von Gebäude HA, einem mit Schlauchheizung ausge- statteten Wohnhaus. Im westlich benachbarten Munizipium Aguntum führt das Institut für Klassische Archäologie der Universität Innsbruck seit 1990 Ausgrabungen durch (vgl. den Beitrag von E. Walde, S. 149-163). Über die latènezeitliche Besiedlung im Lienzer Becken, insbesondere der prähistorischen Funde auf dem Lavanter Kirchbichl, kann man sich nur schwer einen Überblick verschaffen, da die Dissertation von H. Rodriguez-Mattel über die Funde von diesem wichtigen Platz noch immer nicht erschienen ist [vgl. dazu Ch. Gugl, Sonderschr. Österr. Arch. Inst. 33 (2000) 126 ff. Abb. 39]. Die neueren Innsbrucker Grabungen konzentrier- ten sich vor allem auf zwei Bereiche, nämlich auf einen als “Prunkbau” bezeichneten Gebäudetrakt, der möglicherweise am Forum lag, und auf das schon länger bekannte Atriumhaus, das ein ungewöhnliches Beispiel italisch-mediterraner Wohnarchitektur im inneralpinen Raum darstellt. Die stadtgeschichtliche Entwicklung Aguntums ist mangels aufgearbeiteter Grabungen noch nicht nachvollziehbar. Neben der Erklärung des ungewöhnlichen Siedlungslayouts, das sich an wichtigen Fernstraßen orientiert haben dürfte, sind vor allem chronologische Fragen zum Bau der Aguntiner Stadtmauer und zur Errichtung der früh- christlichen Kirche extra muros, die noch in der Talsiedlung Aguntum angelegt wurde, offen. Inner- halb der Stadt erwähnt E. Walde ältere (vor- claudische?) Siedlungsspuren unter Haus I (S. 151). Die noch laufenden Forschungen auf dem Lavanter Kirchbichl werden für die Diskussion der Siedlungs- und Kultkontinuität von der Spätantike zum Frühmittelalter, insbesondere auch im Vergleich zu Teurnia, auf großes Interesse stoßen. In seinem Beitrag zu Iuvavum stellt W. Kovacsovics (S. 165-201) einleitend die latènezeitliche Besiedlung sowie den antiken Straßenverlauf im Umland von Salzburg mit gutem Kartenmaterial dar (Abb. 1 und 3). Gerade in den letzten Jahren ist es dem Autor gelungen, der Fachwelt erste Einblicke in das augusteische Iuvavum zu vermitteln, dessen Ausdehnung er auf Abb. 5 umreißt. Kovacsovics listet das Fundmaterial, das im Kontext mit frühen Holzbauten zum Vorschein kam, auf. Ein oder zwei Abbildungsseiten mit dem wichtigsten Fundmaterial hätten hier zusätzliche Klarheit geschaffen. Zu den auf seiner Abb. 5 kartierten vier Fundstellen des “augusteischen Vicus” möchte ich noch die hier auf Abb. 1 zusammengestellten Gefäße aus der Kaigasse 38 ergänzen, die von L. Ohlenroth anlässlich seiner Studien zur frührömischen Modelware im Salzburger Museum aufgenommen und mir von G. Ulbert (München) zur Verfügung gestellt wurden. Solange keine eindeutigen Militaria aus dieser frühen Zeit vorliegen, sollte man es vermeiden, augusteische Feinkeramikfunde vorschnell als Indiz für eine römische Militäreinrichtung zu interpretieren. Bei Diskusija 443 Abb. 1: Iuvavum-Salzburg: frührömische Feinkeramik aus der Kaigasse 38 (Slg. Hell). - Zeichnungen und Kommentare L. Ohlenroth: 1 “Große Doppelkenkelschale, rot gefirnisst, alle Bruchstücke von vermutlich einem Gefäß, Fuß gesondert angedreht, Firnis unsauber streifig”; 2 “Ton hell ockerbraun, glimmerig, “ACO-Becher”, Tropfen oben gerundet”; 3 “braunrot gefirnisst, gut; gehört nicht zum großen Gefäß, mit Pflanzendekor”; 4 “Doppelhenkelschale, Rotfirnis, gehört nicht zur großen Schale”. M. = 1:2. Diskusija 444 den in Teurnia, in Seeboden (Millstätter See) oder in Feldkirchen/Kärnten nachgewiesenen augu- steischen Sigillata lässt sich vorerst ein militärischer Kontext keineswegs zwingend konstruieren. Wie P. Scherrer (S. 61 f. ) ausführt, sind wirtschaftliche Interessen für die Erschließung von Siedlungsplätzen und Straßenverbindungen ebenfalls in Betracht zu ziehen (Ch. Gugl, Arh. vest. 52, 2001, 332 f.). Durch eine Reihe von Grabungen der letzten Jahrzehnte ergibt sich nun ein dichteres Bild der Siedlungstopographie Iuvavums, die Kovacsovics anhand mehrerer Kartenbilder von claudischer Zeit (Abb. 15) bis in die zweite Hälfte des 4. Jhs. (Abb. 23) illustriert. Als wichtige Einschnitte in der Siedlungsentwicklung führt er eine Hochwasser- katastrophe am Ende des 1. Jhs. (S. 181) und eine flächige Zerstörung im späteren 2. Jh. an, die er mit dem Einfall der Markomannen in Verbindung bringt (S. 187). Danach wurden einzelne Siedlungs- areale aufgegeben, an anderer Stelle erfolgte ein Wiederaufbau, der sich entweder an den alten Baustrukturen orientierte oder auch nicht. Gespannt sein darf man auf die Vorlage von Baubefunden auf der Festung Hohensalzburg, die der Autor als spätantike Fliehburg/Burgus inter- pretiert (S. 190 f.) und die, wie in Bedaium-Seebruck, demnach neue Aspekte zu spätantiken Siedlungs- strukturen im Hinterland des norischen Donaulimes bringen wird. In der detaillierten Zusammenstellung antiker Religionsdenkmäler aus Salzburg und Umgebung (S. 196-199) sind die bemerkenswerten Entdeckungen am Passheiligtum auf dem Hochtor an der kärntnerisch-salzburgischen Grenze durch O. Harl und F. Moosleitner hervorzuheben (S. 198). Nach den fünf claudischen Munizipien folgt eine Darstellung der flavischen Stadt Solva aus der Feder von E. Hudeczek (S. 203-212). Im Bereich des Munizipiums sind bisher keine latènezeitlichen Siedlungsspuren zum Vorschein gekommen. Eine Vorgängersiedlung wird jedoch auf dem nahe gelegenen Frauenberg lokalisiert (Abb. 1), die nach den Vorstellungen von Hudeczek auch schon den Namen Solva getragen haben könnte. Die ältesten Funde in Flavia Solva reichen unzweifelhaft bis in augusteische Zeit zurück. Sie kamen unter der im Nordosten in Mur-Nähe gelegenen Insula XL zutage, unter deren Steinmauern abweichend orientierte Holzbauten auf einer Fläche freigelegt werden konnten, die verglichen mit anderen norischen Städten als bis dato einzigartig einzustufen sind (Abb. 2). Hudeczek setzt den Siedlungsbeginn in spätaugusteischer Zeit an (S. 203), doch wäre angesichts mehrerer Acobecher und italischer Sigillata Consp. 13 [St. Groh, Die Insula XLI von Flavia Solva, Sonderschr. Österr. Arch. Inst. 28 (1996) 106 ff. Tab. 5] auch ein bereits einige Jahrzehnte davor einsetzender Besiedlungsbeginn zu überlegen. Bei der Diskussion um die älteste Phase in Solva wird man sicherlich auch die Stationierung der 8. Legion, deren frühes Standlager man in Poetovio postuliert, im Auge behalten müssen. Die Lage des Forums des flavischen Munizipiums ist nach wie vor nicht völlig geklärt. Aufgrund neuerer, von St. Groh veranlasster geophysikalischer Prospek- tionen wird das administrative Zentrum Solvas im Nordosten der Insula XXVI vermutet (Abb. 7). Zur Stadtgeschichte brachten die flächigen Grabungen in der Insula XLI erste auswertbare Ergebnisse, wo es auch gelungen ist, eine in das spätere 2. Jh. zu datierende Brandkatastrophe über eine systematische Befund- und Fundanalyse mit den historisch überlieferten Markomannenkriegen glaubhaft in Verbindung zu bringen. Die weitere Entwicklung Solvas im fortgeschrittenen 3. und 4. Jh. bleibt noch weitgehend unklar. Die in der Spätantike zu beobachtende Siedlungs- abfolge von der Talsiedlung an der Mur auf die Bergsiedlung auf dem Frauenberg wurde mit der Vorlage der dortigen spätantiken Nekropole durch U. Steinklauber sicherlich greifbarer. Die anlässlich der Erhebung St. Pöltens zur niederösterreichischen Landeshauptstadt dort in verstärktem Maße einsetzende Bautätigkeit war eine Herausforderung für die archäologische Denkmal- pflege. Unsere Kenntnisse von Aelium Cetium, dem römischen St. Pölten, fußen weitgehend auf den Ergebnissen eines vom ÖAI durchgeführten Schwer- punktprojekts, von dem bisher zwei Sammelbände veröffentlicht wurden. P. Scherrer geht in seinem Beitrag (S. 213-229) von einem Beginn der römischen Siedlungstätigkeit in flavisch-trajanischer Zeit aus (S. 215 f.), wobei er die von E. Polaschek formulierte These einer hadrianischen adhoc-Gründung aufgreift, der keine fassbare latènezeitliche oder frührömische Siedlung voraus ging. Das epigraphisch doku- mentierte Namensmaterial der Bürgerschaft von Cetium mit einem vorwiegenden Vorkommen der Gentilizien Ulpius und Aelius (S. 216 f.) veranlassen Scherrer, an eine im wesentlichen von Veteranen getragene Ansiedlung zu denken. Bei einer derartigen Interpretation des epigraphischen Materials wäre eine genauere Datierung der Inschriften sicherlich hilfreich, um überhaupt entscheiden zu können, ob die Steine noch von Angehörigen der Gründer- generation oder von erst später - vielleicht vom Donaulimes? - Zugewanderten gesetzt wurden, deren Vorfahren ja auch unter Trajan und Hadrian das Bürgerrecht erlangt haben konnten. Das Verhältnis von Cetium zu Arelape (Pöchlarn), dem “alten keltischen Hauptort”, das mit der Gründ- Diskusija 445 ung des Munizipiums schlagartig an Bedeutung verloren hätte (S. 221), lässt sich schwerlich fassen, da vom keltischen Arelape (nahezu?) nichts bekannt ist. Scherrer führt das Fehlen von Hügelgräbern im Traisental auf ein boisches Substrat zurück (S. 219 f.). Die wenigen Hügelgräber, die man aus dem ehemaligen boischen Siedlungsgebiet wie dem Raum Neusiedl kennt, bringt O. H. Urban [Münch. Beitr. z. Vor- Frühgesch. 35 (1984) 143] im Widerspruch dazu ebenfalls mit Boiern in Zusammenhang. Im Wiener Becken bzw. im Großraum Bratislava scheint diese Grabsitte, wie Scherrer beobachtet, allerdings nicht weit verbreitet gewesen zu sein bzw., wie in Katzelsdorf, germanische Einflüsse aufzuweisen. Wenn man im Traisental Boier annimmt, wird man hier auch das Fehlen bestimmter Ausprägungen der nordwestpannonischen Frauentracht, die für den Leithawinkel charakteristisch, jedoch mit der Verbreitung der Hügelgräber nicht unbedingt kongruent sind, erklären müssen [vgl. J. Garbsch, Münch. Beitr. z. Vor- Frühgesch. 11 (1965) 7 f. Karte 3 (M3); 18 f. Karte 4]. Das “Ende der Hügelgräber”, das gerne mit den Umwälzungen der Markomannenkriege erklärt wird, ist hinsichtlich seiner absolutchronologischen Ein- ordnung sehr stark von den in den Gräbern beigegebenen Münzen abhängig, genauso wie die Anfangsdatierung vor allem an der beigegebenen Terra Sigillata und anderer Feinkeramik hängt. Schon J. Garbsch hat die Verwendungszeit norisch- pannonischer Trachtbestandteile mit den Prägedaten aus den “münzdatierten Gräbern” verknüpft [J. Garbsch, Münch. Beitr. z. Vor- Frühgesch. 11 (1965) 133]. Während der zweiten Hälfte des 2. Jhs. infolge eines fortschreitenden Akkulturationsprozesses wirksam werdende Änderungen der Beigabensitte im norischen Totenbrauchtum könnten nun den unangenehmen Nebeneffekt haben, dass keine Münzen mehr mitgegeben wurden, die Bestattung in Hügeln mit beigegebenem Trachtzubehör jedoch noch eine unbekannte Zeit lang weiterging. Die Besprechung der Siedlungstopographie (S. 222-226) erfolgt auf der Grundlage sehr guten Karten- materials, aus dem das rechtwinkelige Rastersystem der Stadt deutlich hervorgeht. Zur Lokalisierung des Forums gibt es jetzt neue Überlegungen von R. Risy (Fundber. Österr. 40, 2001, 663 f.). An stadtgeschichtlichen Eckdaten nennt Scherrer (S. 226) eine flächige Brandzerstörung, die in die Zeit der Markomannenkriege fallen könnte, eine Blüte unter den Severern, wobei allerdings ein vermutlich als Therme genutztes Gebäude in der Kremser Gasse nach einer Zerstörung in spät- oder postseverischer Zeit als Ruine liegen blieb, sowie eine größere Zäsur in der Zeit um 240, wonach einzelne Stadtviertel nicht mehr verbaut wurden. Eine neue Blüte erlebte Cetium offenbar in konstantinischer Zeit. Aufhorchen lassen die Ausführungen von M. Kronberger, die auf den Seiten 229-236 einen Über- blick über die Feinkeramik aus den Grabungen 1988- 1989 vom St. Pöltener Rathausplatz bietet, einem Grabungsareal, das rund 100-150 m westlich des vermuteten Forums lag. Mit drei Tabellen (Tab. 3-5) zeigt sie, dass in diesem Areal keine (!) italische Sigillata (TSTP), kaum südgallische TS und nur drei Gefäße an italischer Feinware (Fabrikat E) auftreten. Das Sigillata-Spektrum setzt erst massiv mit mittelgallischer Ware ein, sodass Kronberger einen Siedlungsbeginn um bzw. erst nach der Mitte des 2. Jh. annehmen möchte (S. 235 f.). Sollte sich dieses Materialspektrum als repräsentativ erweisen, wird man - falls keine anderen Argumente dagegen sprechen - für das römische St. Pölten eine Siedlungs- entwicklung größeren Ausmaßes erst in antoninischer Zeit erwägen müssen. Nicht zuletzt erhebt sich folgerichtig dann auch die Frage, ob Aelium Cetium nicht eine Gründung des Antoninus Pius war?! Bei einer ersten Auswertung der Münzreihe aus St. Pölten stellte M. Szaivert (S. 236-243) fest, dass die Münzreihe vom Rathausplatz sich durchaus konform mit der Gesamtkurve der römischen Fundmünzen aus St. Pölten verhält. Der Anteil der Fundmünzen von den Grabungen am Rathausplatz ist innerhalb des Gesamtspektrums aller römischer Münzen aus St. Pölten allerdings so dominant (S. 239 Diagr. 1), sodass es gefährlich erscheint, die Münzkurve vom Rathausplatz auf die gesamte antike Siedlung zu übertragen. Ein Ansteigen von Silber- und eine Reduktion von Kupferprägungen in severischer Zeit erklärt er mit einem Zuzug von Militärpersonal (S. 241 f.). Wie in St. Pölten konnte auch in Wels keine keltische Vorgängersiedlung nachgewiesen werden, wie R. Miglbauer zu Ovilavis ausführt (S. 245-256). Nach Exkursen zum Ortsnamen, dem Stadtterritorium und der Forschungsgeschichte widmet sie sich der Siedlungstopographie (S. 250-254). Sie postuliert eine frührömische Siedlung unter dem mittelalterlichen Stadtkern, von der nur wenige Einzelfunde, leider nicht abgebildet, vorliegen. Auch in Wels wird ein System von rechtwinkelig sich kreuzenden Straßen rekonstruiert. Bei der Datierung der römischen Stadtmauer in das späte 2. oder frühe 3. Jh. sind wir nach wie vor auf die Vermutungen Trathniggs angewiesen, der einen historischen Zusammenhang des Stadtmauerbaues mit der Verleihung des colonia- Titels unter Caracalla herstellte. Das abschließend von H. Ubl (S. 257-276) behandelte Lauriacum stellt in mehrfacher Hinsicht einen besonderen Fall dar. Die zivilen Siedlungs- Diskusija 446 räume in Lauriacum, die Ubl auf mehreren Karten übersichtlich wiedergibt (Plan 5-9), haben sich in enger Verbindung mit dem Standlager der 2. italischen Legion entwickelt. Eine klare räumliche Abgrenzung von canabae und Zivilstadt, wie beispielsweise in Carnuntum, ist in Lauriacum nicht erfolgt (S. 271 ff.). Darüber hinaus ist die Verleihung des Munizipalstatus unter Caracalla an die Zivilstadt, die Ubl südwestlich des Lagers lokalisiert - im Gegensatz zu den nordwestlich des Lagers gelegenen canabae legionis, nicht völlig unumstritten. Eine keltische Vorgängersiedlung, aber auch ein frühes Militärlager des 1. oder frühen 2. Jhs. sind nicht nachweisbar. Die älteste zivile Siedung in Lauriacum, die Ubl als “frühen Vicus” bezeichnet und als langgestrecktes Straßendorf entlang der Limesstraße charakterisiert, entwickelte sich offenbar ab der zweiten Hälfte des 1. Jhs. an der heutigen Mauthausener Straße. Ubl schließt trotzdem nicht aus, dass diese Siedlung bereits einen archäologisch nicht fassbaren Militärposten eingeschlossen hat (S. 263 ff.). Einen wichtigen Impuls für die Siedlungsentwicklung brachte die Verlegung der legio II Italica zunächst nach Albing, dann nach Lauriacum. Die neue Zivilsiedlung südwestlich des Legionslagers, die offenbar die Funktion des alten Vicus übernahm, richtete sich an den Achsen des Lagers aus. Für das Verständnis der zugleich interessanten, aber auch komplexen Siedlungsgeschichte Lauri- acums erweist sich das Fehlen von neueren Grabungs- publikationen als schweres Handicap. Gewisse, in der älteren Literatur in Erwägung gezogene, topogra- phische Fixpunkte, wie ein Gebäude unter der Lor- cher Basilika oder die Lokalisierung des Hauptforums sowie die Identifizierung des sogenannten forum venale in der Zivilstadt, werden heute in Frage gestellt (S. 269 f.). Nicht zuletzt war Lauriacum gerade im 4. und 5. Jh. ein wichtiges Zentrum am norischen Donaulimes, sodass es auch in der archäologischen Kontinuitätsdiskussion des Übergangs von der Spätantike in das Frühmittelalter eine führende Rolle spielen sollte. In dem Sammelband “Die autonomen Städte in Noricum und Pannonien” gelingt es den zahlreichen Autoren in insgesamt ansprechender Form einen ausgezeichneten Überblick über das römische Städtewesen in der Provinz Noricum zu vermitteln. Gegenüber älteren Darstellungen dieses Themas, insbesondere in der ANRW II 6 (1977), hat sich als Lohn mühsamer archäologischer Kleinarbeit ganz offensichtlich in vielen Bereichen ein namhafter Erkenntnisgewinn eingestellt. – Anführen möchte ich den Forschungs- schwerpunkt “Spätantike/Frühmittelalter”, wo vor allem im südlichen Österreich und in Slowenien bei der Erforschung frühchristlicher Architektur und spätantiker Siedlungschronologie bedeutende Fortschritte erzielt wurden. – Unverzichtbar bleiben Grabungspublikationen als Diskussionsgrundlage für die Auseinandersetzung mit der Geschichte des jeweiligen Platzes. Modernen Ansprüchen genügende Vorlagen, die sowohl die Baubefunde als auch das damit im Kontext stehende Fundmaterial berücksichtigen, wurden am Magda- lensberg seit den 1970-er Jahren vorgelegt. Mittler- weile sind auch vergleichbare Veröffentlichungen von anderen Fundorten erschienen. – Erst nach der Publikation des zitierten ANRW- Bandes setzte sich hierzulande in der archäologischen Fachwelt das Bewusstsein immer stärker durch, dass auch mit Mitteln der archäologischen Fund- analyse Aussagen zur Siedlungsgeschichte möglich sind bzw. in den meisten Fällen erst damit ein tragfähiges chronologisches Grundgerüst geschaffen werden kann. Neben monographisch bearbeiteten Materialgattungen werden im Kontext mit siedlungs- chronologischen Fragen diskutierte Fundvorlagen zukünftig sicherlich ein geeignetes Mittel sein, neue Aspekte zur Kulturgeschichte norischer Städte zu beleuchten. Die Dynamik in der Forschung, die, wie ich glaube, besonders seit dem letzten Jahrzehnt zu einer deutlichen Zunahme von Fachpublikationen beigetra- gen hat, schlägt sich nicht zuletzt in zusammen- fassenden Arbeiten zur antiken Kulturgeschichte in unserer Region nieder, beispielsweise “Th. Fischer, Noricum, Orbis Provinciarum (Mainz 2002)”; “V. Gassner, S. Jilek, S. Ladstätter, Am Rande des Reiches. Die Römer in Österreich (Wien 2002)” sowie “J. Horvat, Roman Provincial Archaeology in Slovenia following the Year 1965: Settlements and Small Finds, Arh. vest. 50, 1999, 215 ff.” Mit großer Zuversicht darf man der weiteren Entwicklung dieses Städte-Projekts entgegen sehen, dessen Fortsetzung unter dem Titel “2. Internationale Konferenz über norisch-pannonische Städte: Die norisch-pannonischen Städte und das römische Heer” im Jahr 2002 in Budapest stattfand. Den Herausgebern dieses Bandes ist zu wünschen, dass die noch ausstehenden Beiträge aus Pannonien ehebaldigst eintreffen, um in absehbarerer Zeit in vergleichbarer Form dem Fachpublikum zur Verfügung zu stehen. Christian Gugl Institut für Kulturgeschichte der Antike Österreichische Akademie der Wissenschaften Bäckerstraße 13, PF8 A-1010 Wien e-mail: christian.gugl@oeaw.ac.at Diskusija