Sechster Jahresbericht des steierm. landschaftlichen REALGYMNASIUMS zu PETTATJ. Veröffentlicht am Schlüsse des Schuljahres 18/S. Erläuterungen zu Schiller’s „Kassandr a“. Vou Franz IPerlr. "Eoaexai f/i-i-ap, 6r äv tot’ <5X(!)Xfl "IXio{ Ip^ v.a\ IIpi'afj.0? xat Xcto? düij.jj.eXün Ilptotfxoto. II. VI, 448—449. Von sämmtlichen grösseren lyrischen Gedichten Schiller’s ist (1er studierenden Jugend und den späteren Männern kaum eines unbekannter geblieben, als die „Kassandra“; obschon sie in der Cotta’schen Anordnung von Schiller’s Gedichten zwischen dem „Siegesfest“, der „Klage der Ceres“, dem „Iling des Po ly lcrat es“, den „Kranichen des Ibykus“, — der „Bürgschaft“, dem „Taucher“, dem „Kampf mit dem Drachen“ und dem „Gang nach dem Eisenhammer“ steht, Gedichte, die fast jeder strebsame Schüler „auswendig lernt“ und in angenehmer Erinnerung von ihnen sagt, dass er sie einmal „auswendig gekannt“ hat. Einerseits mögen diess wohl die Schwierigkeiten, welche hier Stoff und Sprache bieten einigermassen erklären, andererseits aber dürfte die Art und Weise, wie Schiller das Wesen der Kassandra aufgefasst hat, berührte Erscheinung begreiflicher machen. Während nämlich das Alterthum und in neuerer Zeit Stol-berg in seiner 1795 gedichteten Ode: „Kassandra“ die Seherin 1* als eine Rasende darstellen, erscheint sie bei unserem Dichter als eine stille Unglückliche, die sich mit ihrem Kummer von der Welt zurückzieht, weil ihre Prophezeiungen überall nur Unglauben und Spott ernten. Der studierende Jüngling aber dürstet nach Thaten, welche der Aussenwelt zugekehrt sind; diese entsprechen seinem Wesen in erster Linie. Dem gegenüber belehrt mich die Erfahrung, dass dem Jünglinge auch für stille Seelenprocesse tiefere Empfindungen, so lange sie seinem Vorstellungskreise entsprechen, innewohnen; nur ist es auch hier wieder des Lehrers Sache, dem Schüler ein liebevoller, freundschaftlicher Führer zu sein. Unter diesem Gesichtspunkte glaube ich keinen Fehlgriff zu thun, wenn ich im Interesse der Studierenden nachstehende Erläuterungen für ein Schulprogramm niederschreibe; vielleicht fühlen sich in Zukunft Herausgeber von deutschen Lesebüchern veranlasst, sich dieses Gedicht nicht mehr entgehen zu lassen. Der Stoff des Gedichtes. Kassandra war (nach II. XIII, 365) die schönste von Priamos’ Töchtern und die Zwillingsschwester des Sehers Helenus. Apollo liebte sie und schenkte ihr, um ihre Gunst zu erhalten, die Gabe der Zukunftschau; da sie ihn aber trotz dem nicht mit Gegenliebe belohnte, sondern dem edlen Helden Othryoneus von Kabesos1) ihr Herz schenkte, — so fügte es der Gott, dass dieser mit Idomeneus, dem überaus tapferen Sohne des Königs Deukalion auf Creta, in den Kampf kam, in welchem er fiel. Homer singt, Ilias XIII, v. 361—373 : Jetzo, wiewohl halbgrauend er war, die Achaier ermunternd, Stürmt’ Idomeneus ein, und trieb die erschrockenen Troer; Denn er erschlug den edlen Othryoneus, der von Kabesos Neulich dahergekommen zum grossen Rufe des Krieges. Dieser warb um Kassandra, die schönste von Priamos Töchtern, Ohne Geschenk, und verhiess ein grosses Werk zu vollenden, Weg aus Troja zu drängen die trotzenden Männer Achaia’s. ') Kabesos, eine Stadt, deren Lage unentschieden ist. Die Einen halten sie für die Stadt Kabassos in der Landschaft Cataonia (nach Strabo zu Cappadocia, nach Ptolemäus zu Armenia minor gehörig), die Ändern aber versetzen sie an den Fuss des Hiimus in Thracien. Priamos aber, der Greis, gelobete winkend die Tochter Ihm zur Eh’: und er kämpfte, des Königes Worte vertrauend. Doch Idomeneus zielte mit blinkender Lanz’ ihm entgegen, Schoss, wie er hoch anwandelt’, und traf; nichts frommte der Panzer Schwer von Erz, den er trug; sie drang in die Mitte des Bauches; Dumpf hin kracht’ er im Fall; —------------ Den Prophezeiungen der Kassandra aber benahm Apollo das Wahrscheinliche, wesshalb ihren Worten Niemand Glauben schenkte. (Apollodor III, 12, 5; Hyginus fabula 93.) In Aeschylos’ Agamemnon erzählt sei diess dem Chorführer in den Versen 1150, 1152, 1154, 1156, 1158 und 1160; ich setze den Dialog hieher; Vers 1146—1161: Chorführer: 0 könnte doch des Schwures heilig bindend Wort Uns Heil gewähren! Aber staunen muss ich wohl, Wie du, geboren über’m Meer, von fremder Stadt, Als hättest du’s gesehen, uns die Kunde gibst. Kassandra: Der Seher Phöbos weihte mich zu diesem Amt. Ch. Von Liebessehnen übermannt, obwohl ein Gott V K. Dies auszusprechen wehrte mir bisher die Scham, Ch. Zu zart gewöhnt ist Jeder, der im Glücke wohnt. K. Er, ganz entbrannt von Liebe, rang um meine Gunst. Cb. Genosst ihr auch der Liebe, wie’s die Sitte will? K. Verlieissen hatt’ ich’s und betrog den Loxias. '■) Ch. Da schon der gotterfüllte Geist dein Herz besass V K. Schon that ich Troja’s Bürgern all’ ihr Leiden kund. Ch. Wie ? Liess dich Phöbos ungestraft in seinem Zorn ? K. Mir schenkte Niemand Glauben, weil ich so gefehlt. Ch. Uns, traun, erscheint glaubwürdig, was dein Mund enthüllt. Sie warnte „Troja’s Bürger“ als man das Verderben schwangere hölzerne Pferd auf die Burg brachte: Jetzt noch öffnet den Mund Kassandra dem nahen Verhängniss, Doch — so wollt’ es der Gott — nicht, schenkten ihr Glauben die Teukrer. Virgil Aen. II., 246—247. 2) Loxias, der Dunkele, in Räthseln Sprechende. Apollo führte diesen Beinamen von den dunkeln, räthselhafteu Orakelsprüchcn. Stoff und Dichter.3) Wie bereits bemerkt, fasst Schiller die Seherin vom Standpunkte stillen Unglückes auf.4) Vichoff,r’) der bestens bekannte Erklärer von Schiller’s Gedichten, hält dafür, dass den Dichter die eigene Seelenstimmung zu diesem Stoffe hingedrängt habe, und nimmt mit Recht Rücksicht auf Parallelstellen im Monolog der ein Jahr vor der Kassandra erschienenen Jungfrau von Orleans. Band III, Seite 443 sagt er: „— Nicht so sehr der Unglaube, der Hohn, mit dem man ihre Weissagungen aufnimmt, als der Blick in die Zukunft, die Gabe der hellen Erkenntniss, diess ist das schwere Geschick, dem ihre Seele erliegt. Dann ist aber auch unverkennbar, dass Kassandra, nach Schiller’s Auffassung, in viel umfassenderem Sinne, eine Repräsentantin aller derer sein soll, die zu s e h r i n d i e T i c f e des Lebens geschaut und d a r-ü b er de n frohenGenussderGegonwart e i n g e b ü s s t haben. Man braucht nicht, wie Kassandra, die Gabe der Weissagung zu besitzen; man braucht nur, wie Schiller, den tiefen Hang zu haben, durch ernste Prüfung und Betrachtung des menschlichen Looses den glänzenden Duft, womit die gegenwärtige Stunde unsere Blicke umhüllt, zu verscheuchen: so mischt sich jeder Freude sogleich der tiefste Ernst bei, so drängt sich die Idee von der Flüchtigkeit des Daseins in das rauschendste Gewühl der Lust. Mit eben so schmerzlicher Empfindung, als wir sie bei Kassandra voraussetzen, mag Schiller die Wahrheit von Stellen, wie folgende, an sich selbst erprobt haben: Nur der Irrthum ist das Leben, Und das Wissen ist der Tod. Wer erfreute sich des Lebens Der in seine Tiefen blickt?“ s) S. die Anmerkung 31; die Berichte des Apolloder waren Schiller schwerlich bekannt, doch konnte ich ihn hei meinem Zwecke nicht wohl übergehen. *) Vgl. Göthe’s „Iphigenie auf Tauris“. s) Heinrich Viehoff: Schiller’s Gedichte erläutert und auf ihre Veranlassungen und Quellen zurückgeführt, nebst Variantensammlung und Nachlese. Stuttgart, Verlag von Carl Conradi, 1859. 3 JJde. Dem gegenüber bemerkt der gewiegte D üntze r,*) Bd. IV, S. 226: „Nichts kann verfehlter sein, als auf diese Stellen hin in der Kassandra eine Vertreterin aller Derjenigen zu sehen, die, wie Schiller selbst, zu sehr in die Tiefen des Lebens geschaut und dadurch den frohen Genuss desselben eingebüsst. Dass sich bei Schiller selbst zu jeder Freude sogleich der tiefste Ernst beigesellt, ist ebenfalls unrichtig; er wusste gar wohl sich frohem Genüsse hinzugeben, hatte nur zu oft zu beklagen, dass ein fröhlicher Abend bei seiner schwachen Gesundheit üble Folgen hatte.“ Um diese entgegengesetzten Ansichten für das zu besprechende Gedicht richtig beurtheilen zu können, müssen wir auf die Zeit und die Umstände, welchen dasselbe seine Entstehung verdankt, Rücksicht nehmen. Am 11. Februar 1802 schrieb Schiller von Weimar aus an Goethe, der sich nach Jena begeben hatte: „Ich habe mich zum Ankauf des Hauses Mellish entschlossen, da er etwas davon herunterlässt. Obgleich ich noch immer nicht wohlfeil kaufe, so muss ich doch zugreifen, um einmahl für allemahl dieser Sorge überhoben zu seyn. Unter diesen Umständen ist es mir aber doppelt daran gelegen, meinen kleinen Jenaischen Besitz los zu werden und ich bitte Sie daher, Goetzen diese Angelegenheit aufzutrageu. — Verzeihen Sie, dass ich Sie mit dieser Angelegenheit plage; aber da Sie einmal mit Büchertiteln und Nummern beschäftigt sind, so mag auch dieses mechanische Geschäft mit den ändern hingehen. Mir hat diese ökonomische Angelegenheit, so wie alle natürlichen Dinge zu tliun pflegen, alle freye Gemüths-stimmung verdorben; denn ich musste mich mit den Mitteln beschäftigen, diesen Besitz mir zu verschaffen und nun ich ihn als mein ansehe, wachsen mir neue Sorgen zu, wie ich ihn meinen Zuständen anpassen soll. Unter diesen Umständen hat ein kleines Gedicht Cassandra, das ich in einer ziemlich glücklichen Stimmung angefangen, nicht viele Fortschritte gewinnen können. — Möge Ihnen Ihre herculische Bücherexpedition gut von Statten gehen! Leben Sie recht wohl.“ e) Heinrich Düntzer: Schiller’s lyrische Gedichte. Zweite, neu durch-gesehene Auflage. Leipzig, Verlag von Ed. Wartig 1874. (Gedichte der dritten Periode.) Sieben Tage später, 18. Februar, schrieb er seinem Freunde und Landsmanne Körner über das Gedicht „die vier Weltalter“. In diesem Briefe hcisst cs: „Ich habe noch verschiedene andere an gefangen, die mir aber ihrem Stoffe nach zu ernsthaft und zu poetisch sind, um hei einer vermischten Societät und hei Tische zu cousiren.“ 7) Am 20. März, also 37 Tage später, schricb er Goetlien wieder und freute sich ob seiner baldigen Rückkehr, weil Schiller neben ihm Aufheiterung erwarte, da jedes kommende Frühjahr ihn traurig stimme. Die hieher bezügliche Stelle lautet: „Ich freue mich, dass Sie bald wieder liier scyn und dass wir den Eintritt des Frühjahres zusammen zubringen werden, der mich immer traurig zu machen pflegt, weil er ein unruhiges und g e g e n s t a n d 1 o s e s S e h n e n hervorbringt.“ Da unser Gedicht, wie wir bald sehen werden, am 20. März noch nicht vollendet war, so mag es nicht ungereimt erscheinen, wenn wir vermuthen, dass die Strophe XI, die da lautet: „Fröhlich sch’ ich die Gespielen, Alles um mich lebt und liebt In der Jugend Lustgefiihleu, Mir nur ist das ITerz getrübt. Mir erscheint der Lenz vergebens, Der die Erde festlich schmückt; Wer erfreute sich des Lebens Der in seine Tiefen blickt!“ aus dieser Frühjahrsstimmung des Dichters hervorgegangen ist. Den Abschluss oder sein volles Entstehen erhielt dieses Gedicht erst im Monate August desselben Jahres, denn Schiller 7) Man vergleiche hiezu folgenden Brief Sehiller’s an Güthe: Jena den 7. April 1798. Ich lege mich mit dem festen Vorsätze nieder, morgen zu Ihnen (nach Weimar) hinüber zu fahren, Jetzt muss ich eilen, den kleinen Rest der guten Jahreszeit und meines Gartenaufenthaltes für den Wallenstein zu benützen; denn wenn ich meine Liebesscenen nicht schon fertig in die Stadt bringe, so möchte mir der Winter keine Stimmung dazu geben, da ich einmal nicht so glücklich bin, meine Begeisterung im Kaffeh zu finden.............. legte es einem Briefe bei, den er am 9. September an Körner schrieb, worin es heisst: „Damit Du den Glauben an meine Productivität nicht ganz verlieren mögest, so lege ich die Kassandra bei, ein kleines Gedicht, das den vorigen Monat entstanden ist.“ Schillers Nachsatz: „Du wirst vielleicht bedauern, dass die Idee zu diesem Gedichte, welche vielleicht der Stoff einer Tragödie hätte werden können, nur lyrisch ausgeführt worden“ — führt uns zur Frage nach dem poetischen Werthe unseres Gedichtes. In dieser Beziehung können wir vollkommen dem Urtheile Körner’s beipliiehten, welchem er am Schlüsse seines Antwortschreibens vom 19. September Ausdruck gibt: „Beim ersten Lesen der Kassandra entstand freilich die Idee, dass ich für diesen Stoff eine dramatische Behandlung von Dir gewünscht hätte. Ich dachte schon auf einen Plan, musikalische Pracht mit der Darstellung zu verbinden. Die Chöre der Griechen und Trojaner und die festlichen Handlungen im Tempel gäben einen herrlichen Stoff zu einer Oper. Nur gibt es für das Drama keinen befriedigenden Abschluss, der eigentliche Schluss ist die Zerstörung von Troja und bei Dir erscheint sie im Hintergründe. In De in er Darstelluug schätze ich besonders die rührende Weiblichkeit ohne Nach tlieil der Kraft.“ Der Hintergrund des Gedichtes. Weder ein Geschoss, noch Rektors weithinschattende Lanze hatte Achill’s glänzenden Panzer durchdrungen; damals aber, als er neben Priamos, der ihn um Ilektors Leiche anflehte, dessen reizende Tochter Poly-xene erblickte — traf ihn des Eros goldener Pfeil. Wie kurz noch zuvor nach der Feldschlacht begierig! — jetzt drängt ihn lieblich wühlende Sehnsucht nach dem köstlichen Gute. Nicht klagt er sein Leid den hüpfenden Wellen des tiefblauen Meeres, wann er seine Küste gesenkten Hauptes wandelt; noch der Thetis, seiner besorgten Mutter, die tief in dem Alles verhüllenden Meere wohnt; nein! der Beste der erzumschienten Achaier hat den Muth, die Reichumlockte in prächtiger Schleppe auf Pergauios zu suchen. Schmerz und tiefes Wehklagen herrschten in dem mächtigen Ilion. Spindel und Webeschifflein waren Zeuge von den heissen Thränen um die Gefallenen. Horch! vor den breiten Mauern der Stadt verstummt das Getümmel der Schlacht, und zum hohen skäischen Thore herein schreitet im Glanze seiner Rüstung Achilleus, auf dem Haupte den glänzenden Helm, umflattert von der Mähne aus schöngesponnenem Golde; darunter glüht des Helden Auge von hcisser Liebe entbrannt. Von tausend Blicken gefolgt, lenkt er stolz seine Schritte nach der Feste des mächtigen Ilion, um Pria-mo’s Tochter zu freien. Erquickendem Thauregen gleich, der die versengte, weit klaffende Erde verjüngt, erschien er im Palaste des lanzenkundigen Königs. Nach den weiten Hallen des Trojabeherrschers drängten sich Weiber, Kinder und Männer und vor dem Eingänge harrten sic, des Erfolges gewärtig. Und wie einst dem unglücklichen Orthryoneus, nickte Priamos, nachdem ihm der Werber das Versprechen gegeben, Troja an Hektors Stelle zu schirmen, auch ihm, dem trefflichsten der Feinde gelobend sein greises Haupt zu; und Polyxenc, das rosige Antlitz vor jungfräulicher Scham hoch geröthet, senkte ihr lockenumwall-tes Haupt an die Brust des herrlichen Peliden, mit Thränen der Liebe seine strahlende Rüstung benetzend. Elcleu! Eleleu! erscholl es jetzt draussen von der männerbergenden Feste, und hinab nach der Stadt tragen schnellfüssige Jungen die freudige Kunde. Allen ist’s, als steige nach langer, gewitterreicher Nacht eine herrliche Morgenröthe den Osten herauf! Weg legen Ilions kampfmüde Streiter Waffen und Panzer: „Kein Blut soll künftig mehr fliessen, wohl auf! Der Ehe Bündniss mit dem grimmigsten der Feinde ist der Bote menschenbeglückenden Friedens. Auf! lasst uns Reiser holen aus Apollo’s dunkelschattigem Haine und damit unsere hohlen Schläfen schmücken; denn nicht als Pestsender hat er sich zur Stunde unseren Mauern genaht, — sondern von Eros begleitet entstieg er zu unserem Heile den Wolken des vielgezackten Olympos. Stimmt an im fröhlich kräftigen Chor die Lieder der endlichen Lust und lasst uns wallen zu des Thymbräers Altar, der böses Geschick nun so gnädig zu unser Aller Bestem gewendet! — Dort zu erwarten die schöne Tochter des Königs und den fussgewandten Achilleus, um mit ihnen den Göttern zu danken für die Stunde des Heil’s!“ Und wie das Kornfeld wogt, beseelt vom liebeknüpfenden Zephyr, so drängte sich durch die Gassen der Stadt Schaar auf Schaar in ausgelassener Freude zu den Tempeln der Götter und zu Apollo’s heil’ger Stätte, nach Pergamos die neugierigen Blicke sendend. Aus fernen Zeiten lebt in der Seherin Brust ein altes Glück nun wieder auf. Wie athemloser Marmor starrt sic in den Jubel der Stunde. Vereinsammt! denn Othryoneus weilt im Schattenreich, von aller Welt verlassen steht sic im väterlichen Hause wie festgebannt, und als sic aufblickt nach der Schwester: Sic steht geschmückt! Lieblich in den Locken Spielt der jungfrauliche Kranz — da verlässt sie die Hallen. In sich gekehrt und allein steigt sie von der Burg, die hinüber nach Tcnedos schaut und dem salzigen Meere. Den Tempel ihres Gottes meidend und die Schaarcn, die ihn festbegierig füllen, wandelt sie still und gesenkten Hauptes nach dem Lorbeerhain. Thränenweckend schallen die Hymnen der Waller herüber; — sic nähren unsäglichen Schmerz. Darum flieht sie in die tiefsten Gründe des gottgeweihten Waldes, wo die Lieder der Lust und quälenden Freude, in den Schluchten sich brechend, verhallen. Hier will sie ihr Weh’ den Lüften klagen, die auf dunklen Zweigen sinnebetäubende Blätter wiegen, und dem Gotte, der sie so elend gemacht. — Strophe III, Y. 7 und 8, IV.-XY. L Freude war in Troja’s Hallen, Eh’ die hohe Feste fiel; , Jubelhynmen hört man schallen In der Saiten gold’nes Spiel; Alle Hände ruhen müde Von dem thränenvollen Streit, Weil der herrliche Pelide Priarns schöne Tochter freit. Diese und die zwei folgenden Strophen bilden die Einleitung. Die Freude, welche sich der Stadt Troja bemächtigte, als man das hölzerne Pferd innerhalb der Stadtmauern hatte (Virg. Aen. II, 232—250; VI, 513—514), überträgt der Dichter auf die Verlobung Achills mit Polyxene. V. 2, hohe Feste. Feste, in früheren Ausgaben nach der älteren Schreibweise Veste geschrieben, bedeutet einen befestigten, Leute bergenden Ort, wie unser Festung. Der Dichter meint die Burg Pergamum (auch Pergamos und Pergama lautend), auf welcher ausser dem Palaste des Priamos (II. VI, 317; VII, 345 ff.) und dem des Hektor (II. VI, 370). und Paris (II. VI, 512.) auch der Haupttempel der Pallas (oder Ilion’schen Minerva8 II. VI, 88, 269, 279, 297.) und des Apollo*) (II. V, 446; VII, 83), dem Beschützer der Stadt Troja wie auch einzelner Familien, sich befanden. Vgl. Ilektor’s Abschied Strophe II. V. 3; Siegesfest St. I, V. 1. — Die vorliegende Form „Feste“ ist nicht mit der St. V, V. 5 zu verwechseln, das die Mehrzahl von „das Fest“, die Festfeier ist. V. 4, gold’nes Spiel, bildet eine trajectio epitheti statt in der gold’nen Saiten Spiel. V. 7, der herrliche Pelide ist Achilleus, der Sohn des Myrmidonenkönigs Peleus, im thessalischen Pthia, und der Nereide Thetis. Die Mutter tauchte ihren Liebling, um ihn unverwundbar zu machen in den Styx, aber die Ferse, an welcher sie den Knaben hielt, blieb vom Wasser unberührt und war somit verwundbar.10) (Achilles-Ferse: verwundbarer, verwund-licher Fleck, heiklicher Punkt.) Das Beiwort herrlich entlehnte Schiller dem Homer, (Ilias XXII, 575.). V. 8, Priams schöne Tochter: Polyxöne. (Apollodor III, 12, 5; s. die Anmerkung zu St. XVI.) ®) Vgl. in Schliemann’s Troja die von ihm sogenannten Eulenkrüge, als Bild der Ilion’schen Minerva. fl) Da dieser Gott im Vereine mit Poseidon die Mauern der Stadt Troja erbaut haben soll. (II. VII, 452; Eurip. Andr. 985; Pindar, Pytb. VIII, 31.) ln) Wer denkt hier nicht an Siegfrieds in ähnlicher Weise verwundbar gebliebene Stelle? n. Und geschmückt mit Lorbeerreisern, Festlich wallet Schaar auf Schaar Nach der Götter heil’gen Häusern, Zu des Thymbriers Altar. Dumpferbrausend durch die Gassen Wälzt sich die bacchant’sche Lust, Und in ihrem Schmerz verlassen War nur eine traur’ge ltrust Den Eingangsverscn dieser Strophe scheinen die Worte des Aeneas zu Grunde zu liegen, wenn er (Aen. II, 248—249) der Dido erzählt: Wir Unglückliche, schon vom letzten der Tage beschienen, Kränzen noch rings in der Stadt mit festlichem Laube die Tempel. In der „Zerstörung von Troja“ St. XLII, V. 7 und 8 übersetzt Schiller diese Verse: Von festlich grünem Laub muss jeder Tempel wehen, Und — morgen ist’s um uns geschehen! V. 1, L or beer reis er. Dünne Zweige vom Lorbeerbaum. Wie dem Pluto die Cypresse, der Buchs und die Narcisse, dem Poseidon die Fichte, dem Herakles die Pappel; so war in nachhomerischer und n ach h esi o dis eher Zeit dem Apollo der Lorbeer heilig. Der Tempel zu Delphi, dem alten Pytho, war mit einem Lorbeerhaine umgeben; im Tempel selbst stand vor dem schlangenumwundenen Dreifuss ein Lorbeer-bäuinchen. Die Pythia kaute Blätter dieses Baumes, bevor sie den Dreifuss bestieg, und dem Sieger bei den Pythien oder pythischen Spielen wurde ein Lorbeerkranz auf’s Haupt gesetzt. Schiller überträgt — wohl gestützt auf Aen. III, 81 und 91, obschon dem Orte entrückt — Lorbeer und Lorbeerhain auch auf den Apollo der Trojaner. V. 2, Festlich, im festlichen Schmucke, festlich angethan. V. 3, Nach der Götter heil’gcn Häusern, zu den Tempeln der übrigen Götter von Troja und zuletzt zu dem Apollos, weil daselbst die Vermählung stattfinden soll. V. 4, Thymbrier, von Thymbra, das Homer (II. X, 430), als eine alte Stadt in der Landschaft Troas, nördlich von Alt- Ilium, ain Thymbrius,1') einem Nebenflüsse des Skamandros, kennt. Strabo (XIII, p. 598) und Plinius (V, 30, 33.) fassen Thymbra als Namen einer Landschaft auf. Schiller kannte diesen Beinamen Apollos wahrscheinlich nur aus Virgil Aen. III, 85, wo er kurz Thymbräer angc-rufen wird; richtiger als Thymbrier ist somit die Form bei Virgil. Macrobius, Sat. I, 17, p. 294 erklärt dieses Epitheton als Re gen Spender, o tou? o^ßpoug Sä;. Bei Apollod. I, 4, 1 findet sich Thymbris als Name einer Flussnymphe von Troas, welche von Zeus1 Umarmung den Gott Pan zur Welt brachte. In Carien führte auch eine Ortschaft den letztgenannten Namen, wo, wie zu Delphi, aus einer Höhle schädliche Dünste aufstiegen. (Strabo XIV, p. 636.) V. 6, b acchant’sche Lust, von Bacchos und den Bacchantinnen abgeleitet, und bedeutet den schallenden Lärm, den Sang und Klang, welche die Festlust begleiten. V. 7 und 8. Während sich ganz Troja des Tages freut, steht Kassandren Niemand tröstend zur Seite. — Diese zwei Verse enthalten den ersten von den vielen herrlichen Gegensätzen in unserem Gedichte; der Leser beachte sie auch in den folgenden Strophen. m. Freudlos in der Freude Fülle, Ungesellig und allein, Wandelte Kassandra stille In Apollos Lorbeerhain. In des Waldes tiefste Gründe Flüchtete die Seherin, Und sie warf die Priesterbinde Zu der Erde zürnend hin: l2) V. 2, ungesellig und allein, ist eine Fülle des Ausdruckes; ungesellig — von Niemandem begleitet. 1!) Noch heute kennt man hier den Fluss Thimbrek, der aber in den Liman von Karanlik (dem portus Achaeorum der Alten) fallt. 13) Cotta hat hier mit Recht einen Doppelpunkt gesetzt, wogegen man in anderen Ausgaben nur einen Punkt findet. V. 5. In des Walcles tiefste Gründe. Siehe den Hintergrund des Gedichtes, wo vom heil’gen Walde die Hede ist; der Begriff Hain ist hier nur ausgedehnter aufzufassen. Y. 7. Priesterbinde, (ax^p.a, infula, vitta,) eine weisse Binde, die mit dem goldenen, mit Lorbeer umwundenen Priesterstabe (axvjTrrpov) und dem langen weissen Gewände ,3) die Insignien des Priesterstandes bildete. Der Binde erwähnt Virgil bei Laokoon, Panthus und Anius. (Aen. II, 222, 430; III, 81; VI, 6G5; X, 538.) Sie wurde mit Lorbeerreisern um die Schläfen geschlungen; zu beiden Seiten aber hiengen Bänder herab. (Aen. III, 81; VI, 665; X, 538.) In . Aeschylos Agamemnon sagt Kassandra, da sie ihren Tod vor Augen sieht: Was trag ich länger diesen Schmuck, ,4) mir selbst zum Spott, Den Stab, die Seherkränze 15) hier um meinen Hals? Fort! Dich zerbrech’ ich, ehe mich mein Loos ereilt! Euch werf ich hin; verderbet! So vergelt’ ich euch: Schenkt einer Ändern euren Fluch an meiner Statt! Und nachdem sie Seherstab und Binde von sich geworfen, entkleidet sie sich auch des priesterlichen Gewandes und spricht weiter: 0 schaut! Apollon selber zieht das Seherkleid Mir aus. 10) ’ Aeschyl. Agam. V. 1212—1219. IV. „Alles ist der Freude offen, Alle Herzen sind beglückt, Und die alten Eltern hoffen, Und die Schwester steht geschmückt. n) ,s) Nach Plato Legg. XII, p. 051», die den Göttern am wohlgefälligste Farbe; doch kamen für andere Götter auch Gewänder von anderer Farbe in Verwendung. ,4) Das weisse Gewand. 15) Darunter sind wohl nur die Händer der weissen Stirnbinde zu verstehen, obschon der Schol. ad Sophok. Oed. Col. v. 081 Kränze als Priesterschmuck angibt. *•) Dem Aeschylos gefolgt ist Seneca in seinem Agamemnon, wo die Kassandra gleichfalls sich die Binde von der Stirne reisst und dem Apollo den Rücken zuwendet. 17) Viehoff hat die Lesart: Und die Schwestern stehn geschmückt, was bestimmt zu verwerfen ist. Ich allein muss einsam trauern, Denn mich flieht der süsse Wahn, Und geflügelt diesen Mauern Seh’ ich das Verderben nah’n.“ V. 3, Und die alten Eltern hoffen. Priarnos und Hekuba hoffen von der Vermählung Achills mit Polyxene das endliche Ende des Krieges; der weitere Gedanke aber, dass sie auch auf eine Priam’s Haus ehrende Nachkommenschaft und auf ferneres Glück hoffen, da Achill an Ilektors Stelle Troja zu schirmen versprochen, ist damit nicht ausgeschlossen. Y. 4, steht geschmückt, im Brautschmucke, zum Ehrengang bereit. V. 5, Ich allein muss einsam trauern, während sich mit ihrer Schwester ganz Troja freut. Y. 7, geflügelt, mit Eile, rasch; diesen Mauern, der Stadt Troja. V. 8, seli’ ich das Verderben nah’n. All’ das Unglück, welches über Troja hereinbrechcn wird, ist ihrem Seherauge in die Gegenwart gerückt. Düntzcr fasst (S. 221) den Begriff Verderben zu eng, wenn er damit nur die Hochzeit meint, die durch einen schrecklichen Zwischenfall (s. Str. XVI, V. 4) verhindert werden wird. Das durch diesen zum zweiten Male verletzte Gastesrecht schlägt eben zum Verderben der Stadt aus. Daher glaube ich damit das hölzerne Pferd gemeint, das „geflügelt“ den Mauern naht; lesen wir den Virgil nach: „Führet zum heiligen Sitze das Bild (Pferd) und erflehet der Göttin Huld!“ ruft Alles zumal. Nun durchbrechen die Mauern der Stadt wir und öffnen den Ringwall; Flugs greift Jeder zum Werk und man schiebt fort- rlickende Walzen Unter der Füsse Gestell und hänfene Stricke dem Halse Spannet man vor. Schon steigt das verderbliche Ross 18) zu den Mauern, Schwanger von krieg’rischer Wehr. Rings singen ihm festliche Lieder Knaben und Jungfrau’n zart, froh fassend das Seil mit den Händen. "*) Schiller nennt es in der Zerstörung von Troja, St. XL, V. 7, verder-benträchtig, schwanger mit dem Blitz der Waffen; u. St. XLII, V. 2: Die unglücksschwangere Hürde. Aufwärts rollt es uud mitten zur Stadt entstürzet es dräuend. Gleichwohl drängen wir fort, unbedacht und verblendet von Wahnsinn, Und die geheiligte Burg empfängt das verderbliche Scheusal. (Aen. II, 232—240; 244—245.) Von dieser Stätte und diesem Pferde aus kam das grosse Elend über Troja. Hieran schliesst sich eng die nächste Strophe. „ v. „Eine Fackel seh’ ich glühen, Aber nicht in Hymens Iland; Nach den Wolken seh’ ich’s ziehen, Aber nicht wie Opferbrand. Feste seh’ ich froh bereiten, Doch im ahnungsvollen Geist Hör’ ich schon des Gottes Schreiten, Der sie jammervoll zerreisst.“ Sinon (Aen. II, 13—24G), ein Anverwandter des Ulysses, verstümmelte sich nach Erbauung des hölzernen Pferdes und liess sich nach dem scheinbaren Abzüge der Griechen von den Trojanern gefangen nehmen. Er wusste diese zu überreden, das ungeheure Ross in die Stadt zu bringen, weil es ein Palladium sei, das man an die Stelle des geraubten, doch absichtlich so gross gemacht habe, damit die Troer es durch kein Thor bringen könnten. Als es die Trojaner, nachdem sie einen Theil der Ringmauer niedergerissen, auf der Burg aufgestellt hatten, — herrschte in der ganzen Stadt unermesslicher Jubel und die hereinbre-chende finstere Nacht senkte Ilions ermüdete und siegestrunkene Bewohner in tiefen Schlaf. Nun schlich sich Sinon an das hölzerne Pferd heran, klomm mittelst einer Leiter bis zum Bauche desselben empor und öffnete den Helden die geheime Thür. Diese stiegen heraus, eilten in die Stadt hinab, hieben die Wächter nieder und öffneten die Stadtthore; während Sinon der Verabredung gemäss eine Fackel anzündete, welche den Griechen, die hinter Tenedos lagerten, als Signal ihres sofortigen Aufbruclies gegen Troja dienen sollte. Mit dieser Fackel erregte er auch den ersten Brand. Aeneas berichtet (Aen. II, 328—331) der Dido : Hoch ragt mitten in Troja das Ross und bewaffnete Krieger Schüttet es aus und Si n on erregt hohnlachend, als Sieger, M ö r d’r i s c h e n Bran d. Dort zieh’n durch doppeltgeöffnete Thore Tausende, so viel immer die grosse Mykenae gesendet. Somit taugte zur Erklärung in Rede stehender Stelle weder der allfällige Hinweis auf Hekuba, die, von Paris schwanger, geträumt hatte, dass sic eine Fackel gebären werde; auch nicht auf Aeschylos Agamemnon, wo die Seherin (V. 1104) ausruft: Du, Paris’ Ehebund, der du den Meinen Tod gebracht! — noch auf Virgil, der dem Aeschylos folgt, wenn er (Aon. “VH, 322) sagt, dass die Hochzeitfackel des Paris über Troja Verderben gebracht habe. Mit Unrecht beanständet darum Viehoff (Bd. III, S. 447) in „eine Fackel“ den Singular, da Schiller damit durchaus nicht, wie Viehoff will, auf die in die Paläste und Häuser geschleuderten Fackeln und Feuerbrände hindeuten wollte. Zur Stelle: „Und nach dem Giebel fliegen Feuerbrände“ in Schillers: „Die Zerstörung von Troja“ vergleiche der Leser Aen. II, 47G—478: Periphas dringet, der Ries’, und Automedon, er, des Achilles Waffengenoss’ und Lenker, die sämmtliche Jugend von Skyros Dringet heran zum Palast und wirft nach dem Giebel die Brände. Wenn Düntzer zu unserer Stelle (S. 222) bemerkt: „Die eine Fackel ist die erste Fackel, welche ein trojanisches Haus anzündet“, so ist diese Erklärung gewiss richtig, aber zu unbestimmt, zu dunkel; es ist die Fackel Sinon’s. V. 2, Aber nicht in Hymens Hand. Hymen oder Ilymenäus, richtiger Hymen llymenäus, war bei den Griechen Gott der Ehe, Hochzeitsgott. Er war in dieser Eigenschaft weder den alten epischen Sängern, noch den älteren Tragikern bekannt; erst bei der Dichterin Sappho erscheint er zum ersten Male als Gott (Fragm. 73, p. 80 cd. Neue); später bei Euri-pides im Ilerakl. 917, ferner in den Troerinnen (311, 314, 332) wo auch die Kassandra dem Hymen zu Ehren des Feuers Licht anzünden will. (320 ff.) Er wurde als geflügelter, bekränzter Knabe in safrangelbem Kleide oder nur mit safrangelben Fusssocken, mit einer Brautfackel und einem Schleier in den Händen dargestellt. Zu Homers Zeiten wurde die Braut mit Fackeln abgeholt. Junge Brilut’ aus der Kammer, geführt im Scheiue der Fackeln, Zogen umher durch die Stadt; und des Chors Ilymeniios erscholl laut: Jüngling’ im Tanz auch drehten behende sich, unter dem Klange, Der von Flöten und Harfen ertönete. — — (II. XVIII, 492—495.) Der Hochzeitfackel, welche der Polyxene vorangetragen wird, hält Kassandra jene verderbliche des Sinon entgegen. Vor der Hochzeit brachte man der Göttin Here Opfer; dem Opferrauche gegenüber stellt die Seherin den Brandrauch Trojas (V. 3). Man vergleiche zum Verse 3, Str. VIII, V. 6: nimm mir vom Aug’ den blut’gen Schein. Mit den V. 6, 7 und 8 wird uns wieder das schwarze Verhängniss vor Augen geführt, das über Ilions Freudestunden schwebt. Der V. 7, Hör’ ich schon des Gottes Schreiten, scheint die schwierigste, dunkelste Stelle des ganzen Gedichtes zu sein. Hören wir zuerst die Meinung der Erklärer Düntzer und Viehoff. Ersterer sagt S. 222: „Der Gott, den sie (Kassandra) sieht, ist der Gott des Unterganges, den sich der Dichter sehr unbestimmt denkt. Homer kennt die K e r (Todesgottheit) und im Kriege Deimos und Phobos (Furcht und Schrecken), an welche aber hier eben so wenig als an Ares zu denken oder gar an den Troja freundlichen Apoll.“ Viehoff bemerkt S. 447: „Des Gottes“ in V. 7 ist etwas auffallend, da die Sage, meines Wissens, doch keinem bestimmten Gotte (!) die Zerreissung des Freundschaftsbündnisses zuschreibt. Hätte Schiller die Eris (vgl. Str. IC, V. 5) gemeint, so hätte er doch wohl „der Göttin“ gesagt.“ "') So die beiden Erklärer von Schiller’s Gedichten. Vergegenwärtigen wir uns die Worte Ilektors, welche er gelegentlich seines Abschiedes von Andromache zu seiner bekümmerten Gattin spricht und die ich als Motto gewählt habe: ,9) Das glaube ich auch. Einst wird kommen der Tag, da die heilige Ilios hinsinkt, Priamos selbst, und das Volk des lanzenkundigen Königs — '") so scheint wohl, dass Ilcktor der einzige war, welcher den Enthüllungen seiner Schwester Kassandra, der Priesterin desjenigen Gottes, der ihn stets beschützte, Glauben geschenkt hat. Von ihr musste er auch wissen, dass Achilles dereinst um Polyxene werben werde; von der Art und Weise der Behandlung seines Leibes von Seite Achills machte der überwundene Ilektor darum den Ausgang der Hochzeit abhängig, da er II. XXII, 338 ff. für diesen den Sieger um Gnade anfleht: Dich bei dem Leben beschwör ich, bei deinen Knien, und den Eltern, Lass mich nicht an den Schiften der Danaer Hunde zerreissen; Sondern nimm des Erzes genug und des köstlichen Goldes Dir zum Geschenk, das der Vater dir beut, und die würdige Mutter. Aber den Leib entsende gen Ilios, dass in der Heimat Trojas Männer und Frau’n des Feuers Ehre mir geben. Finster schaut’ und begann der muthige Renner Achilleus: Nicht, du Hund, bei den Knien beschwöre mich, noch bei den Eltern! Dass doch Zorn und Wuth mich erbitterte, roh zu verschlingen Dein zerschnittenes Fleisch, für das Unheil, das du mir brachtest! Niemand sei, der die Hunde von deinem Haupte dir verscheuche! Wenn sie auch zehnmal so viel, und zwanzigfältige Sühnung, Hergebracht darwögen, und Mehreres noch mir verhiessen! Ja wenn selber mit Golde dich aufzuwägen geböte Priamos, Dardanos Sohn, auch so nicht bettet die Mutter Dich auf Leichengewand, und wehklagt, den sie geboren; Sondern Hund’ und Gevögel zerreissen dich, ohne Verschonung! Wieder begann, schon sterbend, der helmumflattertc Hektor: Ach ich kenne dich wohl, und ahnete, nicht zu erweichen Wärest du mir; Du trägst ja ein eisernes Herz in dem Rusen. Denko nunmehr, dass nicht dir Götterzorn ich erwecke, Jenes Tages, wann Paris dich dort und Phöbos Apollon Tödtcn, wie tapfer du bist, am hohen skäischen Thorei Und Achill schonte seines Leibes nicht, sondern durchbohrte ihm bei den Sehnen die Füsse, band sie an seinen Streitwagen und schleppte so den Entseelten dreimal um die Mauern von Troja. *°) Diese Verse citirte auch Scipio auf den Trümmern von Carthago im Hinblicke auf das doreinstige Geschick des stolz aufstrebenden Rom. (Appian. Pun. V, 132; Strabo XIII, p. G01.) Nun musste Hektars Drohung in Erfüllung gehen; die Seherin sagt: Im ahnungsvollen Geist Hör’ ich schon des Gottes Schreiten, Der sie (Feste) jammervoll zerreisst. Wunderbar grossartig, und zugleich Furcht und Grauen erweckend ist dieses poetische Helldunkel! — Bei den voranstehenden Versen schwebte dem Dichter die herrliche, plastische Schilderung Homers vor, wenn dieser von Apollo (II. I, 44—49) singt: Und von den Höh’n des Olympos enteilet er, zürnenden Herzens, Er auf der Schulter den Bogen und wolilverschlossenen Köcher. L a u t erschollen die Pfeil’ an der Schulter des zürnenden Gottes, Als er einher sich schwang; er wandelte düsterer Nacht gleich. Setzte sich d’rauf von den Schiffen entfernt, und schnellte den Pfeil ab; Grauenvoll aber erklang das Getön’ des silbernen Bogens. „Des Gottes Schreiten“ vernimmt mithin Kassandra aus dem Gerassel der Pfeile, denn als pythischer Apollo (Str. VI, V. 8) trägt er Bogen, Pfeil und Köcher; daher kann hier nur Apollo gemeint sein, — der zur Rache hcrannalit. So wird uns klar, welche Reflexionen in der Seele unseres Dichters schaffend tluitig waren! V. 8, jammervoll: durch Achills Fall den alten Jammer, den tliränenvollen Streit wieder belebend, der mit Trojas Untergang endet. (S. Str. XVI, 4 ff.) Mit dieser Strophe schlicsst der erste Theil des Gedichtes, es schlicsst auch Kassandra ihre Visionen über Ilions Geschick und sie wendet sich mit Beginn der folgenden Strophe ihrem eigenen Schicksale zu. VI. „Und sie schelten meine Klagen, Und sie höhnen meinen Schmerz. Einsam in die Wüste tragen Muss ich mein gequältes Herz, 31) al) Calderou sagt: Durch Mittheilung wird der Schmerz Schwächer, wo nicht gar besiegt. Von den Glücklichen gemieden, Und den Fröhlichen ein Spott! Schweres hast du mir beschieden, Pythischer, du arger Gott!“ V. 3, Wüste, figürlich für menschenleerer Ort, wo sie auch die reiche, Leben weckende Frühlingsvegetation nicht freudig stimmt; s. St. XI. V. 5 und 6. Im Agamemnon des Aeschylos sagt Kassandra zum Chorführer: — Mit eig’nen Augen hat er’s (Apollo) ja gesch’n Wie selbst in diesem Schmucke '■**) Freund und Feind zumal, Von Wahn geblendet, offen mich verspotteten! Ich Arme musst’, als landdurchschweifend Zauberweib, Mich hungerleidcnd, Bettlerin gescholten seh’n. (V. 1219—1223.) V. 8, Pythischer, nach dem Orte Pytho, dem älteren Namen für Delphi. Nach der Sage soll er diesen Beinamen in Folge der Besiegung des Drachens Python, der in dieser Gegend gehaust, erhalten haben. — Dem mythischen Apollo zu Ehren wurden auf der am Fusse des Parnasses gelegenen krissäischen Ebene die Pythien gefeiert. VII. „Dein Orakel zu verkünden, Warum warfest du mich hin In die Stadt der ewig liliuden Mit dem aufgcschlossnen Sinn? Warum gabst du mir zu sehen, Was ich doch nicht wenden kann? Das Verhängte muss geschehen, Das Gefürchtete muss nah’n.“ Y. 1, Dein Orakel, deine weissagenden Aussprüche, deine mir gemachten Enthüllungen von der Zukunft. V. 3, ewig Blinde, weil sie ihren Prophezeiungen nie und nimmer Glauben schenken. V. 4, mit dem aufgeschlossnenSinn gehört zu mich in V. 2. **) Iin Priestergewande. VIII. „Frommt’s, den Schleier aufzuheben, Wo das nahe Schreckniss droht? Nur der Irrthum ist das Leben, Und das Wissen ist der Tod. Nimm, o nimm die traur’ge Klarheit, Mir vom Aug’ den blut’gen Schein 1 Schrecklich ist es, deiner Wahrheit Sterbliches Gefiiss zu sein.“ V. I, den Schleier auf heben, lichten, die Zukunft enthüllen, aufdecken. V.’ 3 und 4 drücken aus, dass unser Lebensglück in der Unkenntniss der Zukunft liegt. Horaz (carm. III, 29, 29—32) sagt: Vorsichtig hat zukünftiger Zeit Erfolg In mitternächtlich Dunkel gedrängt ein Gott, Und lacht, wenn Staubgesclileclit liiuausstrebt Ueber gemessenes Ziel. In wie fern die Verse 3 und 4 in der fatumfreien Form: Nur das Wissen ist das Leben, Und der Irrthum ist der Tod! auch ihre Berechtigung haben, sehe der Leser in dem Werke: „Blicke in die intellectuelle, physische und moralische Welt nebst Beiträgen zur Lebensphilosophie, von Julius Frauenstädt (Brock-haus, Leipzig, 1809),“ Seite 390 fl', nach. V. 6, blut’gen Schein. In erster Linie dürfte hier wohl an den Brand von Troja zu denken sein, statt an den blut’gen Mord zu Mykenae. Im „Lied von der Glocke“ heisst es vom auflodernden Feuer: Roth wie Blut ist der Himmel. V. 8, Gefiiss zu sein: deine Pricsterin zu sein; in ihr birgt Apollo dio Zukunft. IX. „Meine Blindheit gib mir wieder Und den fröhlich dunkeln Sinn! Nimmer sang ich freud’ge Lieder, Seit ich deine Stimme bin. Zukunft hast du mir gegeben, Doch du nahmst den Augenblick, Nahmst der Stunde fröhlich Leben — Nimm dein falsch Geschenk zurück!“ V. 1 wünscht sic sich den früheren Zustand, als ihr die Zukunft noch nicht erschlossen war, wieder zurück. Y. 3 und 4. Seitdem ich durch dich die Zukunft geschaut und als deine Vermittlerin (deine Stimme) deine prophetischen Lieder singe, regt sich kein freudiges Lied mehr in meiner Brust. — Dass sie als Seherin des Gottes Offenbarungen in reci-tirendem Ilalbgesange vortrug, ersehen wir aus Aeschylos Agam. (V. 1105—1110): 0 du Skamandros, S3) meiner Ahnen Trank! Einst in der Jugendzeit wuchs ich um deinen Strand Fröhlich gepflegt empor: Nun, scheint es, sing’ ich Arme bald um Acherons24) Fclsbord, am Strom Kokytos mein weissagend Lied.25) V. 5, Zukunft hast du mir gegeben, den Blick in die Zukunft, die Sehergabe. V. 6, du nahmst den Augenblick, den Genuss der Gegenwart. In der „Würde der Frauen“ sagt Schiller: — zufrieden mit stillerem Ruhme Brcchen die Frauen des Augenblicks Blume; und in dem Gedichte „die Gunst des Augenblicks“ lieisst es: Und der mächtigste von allen Herrschern ist der Augenblick. V. 8, falsch Geschenk, weil es nicht die angehoffte Freude, sondern eine Fülle von Leiden und Schmerz enthält. x. „Nimmer mit dem Schmuck der liriiuto Kränzt’ ich mir das duft’ge Haar, Seit ich deinem Dienst mich weihte An dem traurigen Altar. 23) Fluss in der Landschaft Troas. Er entspringt am Ida, dem „quelligen Nährer des Wildes“ — und durchfiiesst mit dem Simois die Ebene von Troja. Wegen der röthlichgelben Farbe: „Xanthos im Kreis’ der Götter genannt.“ Gegenwärtig lieisst er Mcndere Su oder auch Fluss von Uunarbaschi. -*) Hier Fluss in der Unterwelt, über welchen die Schatten wandern mussten; auf der Oberwelt war ein Fluss dieses Namens in Thesprotia, ferner in Jiruttium. fl:>) Vgl. Sehiller’s: „Hektor’s Abschied“, St IV, V. 5. Meine Jugend war nur Weinen, Und ich kannte nur den Schmerz, Jede herbe Noth der Meinen Schlug an mein empfindend Herz.“ Y. 1, Schmuck der Bräute, der Schmuck, den reife Jungfrauen zu tragen pflegten. Ilias XVIII, 597 — 598 heisst es von den tanzenden Jungfrauen und Jünglingen: Jegliche Tänzerin schmückt ein lieblicher Kranz, und den Tänzern Hingen goldene Dolch’ an silbernen Riemen herunter. V. 2, duft’ge llaar. Düntzer (S. 225) bezieht „duftend“ auf die Kranze, während darunter nur das nach alter orientalischer Sitte mit Salbühl leicht durchtränkte Haar zu verstehen ist. V. 4, traurig, weil sie von dem Tage ab, als sie des Gottes Priesterin geworden, an seinem Altäre nur stets neues Unglück voraus zu sehen bekam. Y. 5—8. Während des zehnjährigen Krieges hatte sie viele Geschwister, Freunde und Bekannte zu beklagen, da sic der „Krieg verschlungen“ und auch — ihren Verlobten: Othryoneus! xr. „Fröhlich seh’ ich die Gespielen, Alles um mich lebt und liebt In der Jugend Lustgefühlen, Mir nur ist das Herz getrübt. Mir erscheint der Lenz vergebens, Der die Erde festlich schmückt; Wer erfreute sich des Lebens, Der in seine Tiefen blickt!“ Der herzengattende Frühling, in den der Dichter die Vermählung Achills mit Polyxene setzt, hatte durch die (vermeintliche) Wiederkehr des Friedens wohl noch manch’ anderes Liebesbündniss geknüpft — allein der Kassandra steht das elende Geschick all’ der Lebensfrohen von Troja in trauriger Klarheit vor Augen; darum ruft sic auch für diesen Fall aus: Wer erfreute sich des Lebens, Der in seine Tiefen blickt! XII. „Selig preis’ ich Polyxencn In des Herzens trunknem Wahn, Denn den Besten der Hellenen Hofft sie bräutlich zu umfahn. Stolz ist ihre Brust gehoben, Ihre Wonne fasst sie kaum, Nicht euch, Himmlische dort oben, Neidet sie in ihrem Traum.“ Von dem allgemeinen Glücke und der Herzenslust, die in Troja herrscht, wendet sich die Seherin in dieser Strophe dem Gipfelpunkte der Glückseligkeit ihrer Schwester Polyxene zu. V. 1, Polyxenen, Schiller gibt dem Kamen neben deutscher Endung auch deutsche Betonung; latein. I’olyxena, griech. HoauIjtvr). V. 3, der Beste der Hellenen; Ilias I, 244, nennt sich Achill den Besten der Danaer. Als der Beste, Tüch- tigste wird er in Bezug auf Tapferkeit und Stärke von Ilomer öfter genannt. Y. 4, umfahn, umfahen, umfangen, umarmen. Y. 5, Stolz, erklärt sich aus V. 3, denn den Besten der Hellenen hofft sie bräutlich zu umfangen. Y. G. Ihre Wonne fasst sic kaum, in dem „Lied von der Glocke“ heisst es von der ersten Liebe: Das Auge sieht, den Ilimmcl offen, Es schwelgt das Ilerz in Seligkeit. V. 8, neide t, steht dichterisch statt des zusammengesetzten Zeitwortes beneidet. XIII. „Und auch ich hab’ ihn gesehen, Den das Herz verlangend wählt I3“) Seine schönen Blicke flehen, Von der Liebe Cluth beseelt. -6) Göthe singt: Ephcu und ein zärtlich Geinüth Heftet sich an und grünt und blüht; Kann es weder Stamm noch Mauer finden, Muss cs verdorren, muss cs verschwinden. Gerne möcht’ ich mit dem Gatten In die heim’sche Wohnung ziehn; Doch es tritt ein styg’schcr Schatten Nächtlich zwischen mich und ihn.“ Der Brautstand der Polyxene ruft in Kassandra die alte, sel’ge Vergangenheit wieder wach, die sie mit der Lebhaftigkeit ihres Seherauges gegenwärtig sieht und gerne möchte sie mit dem Gatten in die heim’sche Wohnung ziehen; — allein, plötzlich wird sie ihren Geliebten als styg’schen Schatten gewahr, der sich ihr vor sein Wonnebild stellt. V. 7, styg’scher Schatten, der gefallene Othryoneus. ViehofT versteht (111, S. 451) unter dein Geliebten der Kassandra, der als stygischer Schatten ihr erscheint, sonderbarer Weise den Koröbos. Man darf eben nicht vergessen, dass Koröbos zur Zeit, als Troja in Brand gesteckt wurde, noch am Leben war, wesshalb ihn Kassandra am Vermählungstage ihrer Schwester nicht als solchen sehen konnte; zumal ihre Zuneigung zu dem neuen Bräutigam gewiss von keiner Bedeutung sein konnte, weil sie ihm ja sein Schicksal voraussagte, ihr eigenes aber längst kannte. (Aen. II, 340—34f>, 407—424). Wie könnte sie sich für ihn begeistern, da sic in des Lebens Tiefen blickt? V. 8. Nächtlich — gleich der Nacht Grauen erregend, grauer Nacht; oder einem Nachtgespenst gleich. XIV. „Ihre bleichen Larven alle Sendet mir Proserpina; Wo ich wandre, wo ich walle, Stehen mir die Geister da. In der Jugend frohe Spiele Drängen sie sich grausend ein, Ein entsetzliches Gowühle! Nimmer kann ich fröhlich sein.“ Dieser Strophe liegen die Verse 628—G35 des XI. Buches der Odyssee zu Grunde, wo von der Unterwelt die Rede ist: Aber ich selbst (Odysseus) blieb dort und harrcte, ob noch ein Aud’rer Nabte des Heldengeschleclits, das schon vor Zeiten hinabsank. Und noch liätt’ ich geseli’n, die ich wünscht’, aus vorigen Männern, Thcseus und den erhabnen Pheirithoos, Söhne der Götter; Doch erst drängten daher unzählige Schaaren der Geister Mit grauenvollem Getös’; und es fasste mich bleiches Entsetzen, Ob mir jetzt die Schreckensgestalt des gorgonischen Unholds Send’ aus Ais Palast die furchtbare P c r s ep h o n e i ä. V. 1. Larven, aus dem lat. larva, das Gespenst, Nachtgespenst. Der Dichter meint die larvenähnlichen Gesichter der Abgeschiedenen, mit ihren starren, unbeweglichen Zügen. Les-sing’s Abhandlung: „Wie die Alten den Tod gebildet“ war Schiller so gut bekannt, als der „Laokoon“; vgl. Schiller's: „Der Genius mit der umgekehrten Fackel“. — Ihre bleichen Larven alle — all’ die Geister des Schattenreiches. Viehoff versteht (S. 452) irrig unter „Ihre“ auch die Eltern der Kassandra, die ja noch leben und erst bei der Eroberung der Stadt durch die Griechen ihr beldagcns-werthes Ende finden; wohl aber sicht Kassandra viele Geschwister, insbesondere Hektor, wie Freunde und Bekannte darunter. So beklagt Priamos (II. XXII, 44—53) seine Sprossen und II. XXII, 422—428, sagt er weinend von Hektor und seinen übrigen gefallenen Söhnen: — Mir vor Allen bereitet er (Achilleus) Fülle des Jammers! Denn so viele d e r S ö h n’ erschlug er mir, blühender Jugend! Alle betraur’ ich nicht so sehr, herzlich betrübt zwar, Als ihn allein, dess herber Verlust mich zum Ais hinabführt, Hektor! War’ er doch nur in meinen Armen gestorben! Satt dann hätten wir beide das Herz uns geweint und gejammert, Ich, und die ihn gebar, die unglückselige Mutter! V. 2, Proserpina, griech. Pcrsephönc (in den Mysterien Kore genannt), die Tochter Jupiters und der Ceres, wurde auf Sicilien beim Blumenlescn von Pluto geraubt und so durch ihn Beherrscherin der Unterwelt, des Landes der Schatten. ”) V. 5, In der Jugend frohe Spiele drängen sie sich grausend ein. Das Erscheinen der ihr bekannten ”) S. Scbiller’s: „Klage der Ceres“. Schatten erinnert die Kassandra an die Tage ihrer Jugend, in denen sic zusammen frohen Spielen sich hingaben. Y. G, grause 11 d, Grauen, Entsetzen erweckend. xv. „Und den Mordstahl sch ich blinken Und das Mörderauge glühn; Nicht zur Rechten, nicht zur Linken Kann ich vor dem Schreckniss fliehn; Nicht die Blicke darf ich wenden, Wissend, schauend, unverwandt Muss ich mein Geschick vollenden Fallend in dem fremden Land.“ Mit dieser Strophe verlassen ihre Visionen- den heimatlichen Boden und wenden sich dem Unheile zu, das ihr in Mykenae bevorsteht. Nach der Eroberung von Troja, nach dem Falle von „Priams Feste“ war sic dem Agamemnon als herrliche Beute zugefallcn. 28) Bevor die feindlichen Schiffe vom troischen Ufer stossen, erhebt sich (s. Siegesfest) die Seherin von der Bank, wo sie mit anderen gefangenen Troerinncn „bleich, mit aufgelöstem Haar“ sass, und spricht, „von ihrem Gott ergriffen“, das trübe Auge der Heimat zugewandt: Rauch ist alles ird’sclie Wesen; Wie des Dampfes Säule weht, Seilwinden alle Erdengrössen; Nur die Götter bleiben stät. Die Parallele zu diesen Versen, welche die Nichtigkeit des Menschenlooses zum Gegenstände haben, findet sich in Aeschylos Agam. Dort sagt Kassandra (127C—1279) die Abschiedsworte: Ach, Menschenleben! Lächelt ihm des Glückes Strahl, So mag’s ein Schatten stürzen; grollt das Ungemach, Löscht eines Schwammes feuchter Hauch das düst’re Bild. Weit mehr beklag’ ich solches Loos, als mein Geschick. ~8) Da mir der Raum nicht erlaubt, der Beziehungen der Kassandra zu Ajax zu gedenken, so verweise ich den Leser auf Virg. Aen. II, 403— 415^ und auf die Tragödie Ajax von Sophokles; ferner auf Eurip. Troad. G9 ff. und Pausanias I, 15, 2; V, 19, 5; X, 26, 3. — Agamemnon führte Kassandra, die ihm die Zwillingssöhne Pelops und Teledamos geboren hatte, mit sich nach Mykenae.s °) Während seiner zehnjährigen Abwesenheit war seine Gemahlin Klytänmestra von Aegisthos zum Ehebruch verführt worden.30) Um von Agamemnon nicht überrascht zu werden, unterhielt Aeg. auf dem flachen Dache des königlichen Palastes, das die Aussicht auf das Meer hin bot, einen mit Gold bezahlten Wächter. Das traurige Los, das dem Agamemnon und seine Gefährten nach der Rückkehr in die Heimat traf, erzählt sein eigener Schatten dem Odysseus, im XI. Buche, 409 ff. der Odyssee, wie folgt: — Aegisthos war’s, der Tod und Verderben mir aussann, Und mit dem tückischen Weib’ mich erschlug, als Gast in der Wohnung, Ueber dem Maid, wie einer den Stier crscldägt. an der Krippe. Also den kläglichsten Tod starb Ich; und die anderen Freunde Bluteten ohn’ Aufhören, wie hauerbewaffnete Eber, Abgewürgt zu des reichen und weitvermögenden Mannes Hochzeit, oder Gelag’, und köstlicher Freudenbewirtliung. Doch am kläglichsten hört’ ich des Priamos Tochter Kassandra Schreis'; es mordete sie die Meuchlerin Klytämnestra Ueber mir; aber ich selbst, an der Erd’ aufliebend die Hände, V. 424: Griff noch sterbend in’s Schwert der Mordenden. Jene, das Scheusal, Trennte sich, ehe sie mir, der schon hinschwebte zum Ais, Nur mit der Hand die Augen gedrückt, und die Lippen geschlossen. Kehren wir nun zu unserer Strophe zurück. Y. 1, Mordstahl, könnte als Schwert genommen werden (Odyss. XI, 424), allein richtiger mag die Erklärung sein, welche wir durch Aesch. Agam. erhalten. V. 1200 fl', ruft Kassandra: — Weh’, o wehe mir! Die da (Klytämnestra), die Menschenlöwin, die dem Wolfe sich Gesellt, indess er ferne war, der edle Leu (Agamemnon), a8) Aeschylos nennt Argos die Residenz Agamemnons, während bei Homer und Sophokles diese Ehre Mykenae zuerkannt wird. 30) Vergleiche im „Siegesfest“ die Worte, welche Ulysses (die lateinische Form für Odysseus), „von Athens Geist beseelt“ an Agamemnon richtet. Sie wird mich Arme morden; ja, wie Zaubergift Bereitend, prahlt sie ihrem Groll auch meinen Lohn Zu mischen, wetzt für ihren Herrn das Todeserz — V. 1097: Doch meiner harrt von doppeltscbarfer Axt der Tod. V. 2, Das Mörderauge der Klytämncstra. Y. 5, Nicht die Blicke darf ich wenden, weil ihr Apollo die Schreckensbilder immer vor Augen hält und nicht gestattet, dass sie sich von denselben abwende. V. G, Viehoff hat die Wortfolge: Schauend, wissend, unverwandt. Un v e r w a n d t, unabgewendet. V. 7, Mein Geschick vollenden, ist das homerische Tothov imcKÜv, e 1797 in die llände gekommen war, Fab. 110 u. 115, dass Paris den Achilles mit Ililfe seines liruders De'iphobos, der ihn umarmt und festgehalten, mit einem Pfeile, den Apollo lenkte, tödtlich verwundete. ln unserem Gedichte blieb diese That im Hintergründe und nur mit der Wirkung, welche sic verursacht und den Folgen, welche sie nach sich zieht, werden wir von V. 2 ab bekannt gemacht. — i Virgil (Aen. VIII, 712) auch im Gefolge der Kriegsgöttin Bellona erscheint. Das Erscheinen der Eris verscheucht (V. 6) die Götter, denn sie schürt den neuen Kampf, der mit dem Untergänge Trojas endet. In der „Würde der Frauen“ sagt Schiller St. VIII: — der Eris rauhe Stimme Waltet, wo die Charis tloli. V. 7. Hier begegnen wir einem ähnlichen Helldunkel, wie St. V, V. fi-8. Des Donners Wolken, ist metonymisch für des Zeus’ Rache gesetzt. Wir erinnern uns sachgcmäss der Stelle in Schiller’s Siegesfest: Böses Werk muss untergeben, Hache folgt der Frevelthat; Denn gerecht in Ilimmelsliühen Waltet des Kroniden Rath. Böses muss mit Bösem enden; An dem frevelnden Geschlecht Rächet Zeus das Gastesrecht, ®!) Wägend mit gerechten Händen. Der Dichter deutet durch die letzten vier Verse (Str. XVI), insbesondere aber V. 7 und 8 das Ilion drohende Verderben an: grosses Unheil schwebt über Ilion. Vielleicht dürfte es nicht überflüssig sein, noch folgende Stelle aus der Ilias mit den Schlussversen unserer Strophe zu vergleichen: Jetzt vom Ida herab laut donnert er, und sein entbrannter Strahl durchzuckte das Heer der Danaer; sie, beim Anblick, Starreten auf, und Alle durchschauerte bleiches Entsetzen. II. VIII, 7 5—77. :ii) Es darf hiebei nicht übersehen werden, dass sieh diese Verso in erster Linie auf den Raub der Helena durch Paris beziehen, der aber durch die eben berührte, im Tempel verübte That eine noch grössere Schuld auf sich geladen hat. Philoktät rächte den Tod Achills; er verwundete deu Paris mit einem von Herakles erhaltenen Pfeile, welcher in das Blut der Hydra getaucht war. Der schwerverwundete Priamide licss sich zu seiner ersten Gemahlin Oenone auf den Berg Ida bringen; doch sie war ihm wegen seiner Untreue gram und verweigerte ihm jede Hilfe. Unter schrecklichen Schmerzen starb er bald darauf. Er wurde nach seinem Tode (vorzüglich) zu Therapeis in Lakonien als Heros verehrt. 3 Nach der Eroberung von Troja soll sich aus dem Grabe Achills eine Stimme haben vernehmen lassen, welche die gefangene Polyxene als Opfer forderte. Achills Sohn Pyrrhos, auch Neoptolemos genannt, weil er schon als zwölfjähriger Knabe mit in den Krieg zog, that auf den Rath des griechischen Sehers Kalchas hin den Willen seines Vaters und opferte die schöne Troerin auf dessen Grabe. (Serv. ad Virg. Aon. III, 322.) Andromache, die Gattin Hektors, fiel dem eben genannten Pyrrhos als Beute zu. Diese ruft bei Virgil Aen. III, 320 ff. Polyxene glücklich preisend aus: „0, glückselig die Eine vor Priamus’ anderen Töchtern, Die beim feindlichen Hügel, vor Troja’s ragenden Mauern Sterben gedurft, ohn' irgend ein fallendes Los zu erdulden, Nicht als Sklavin das Lager des siegenden Herren berührt hat! Das Opfer der Polyxene war oft Gegenstand darstellender Kunst. So berichtet z. B. Pausanias (I, 22, 6), dass ein derartiges Gemälde auf der Akropolis zu Athen vorhanden gewesen sei, und nach demselben Geschichtschreiber befand sich zu Delphi ein Gemälde von Polygnotos, das die Eroberung von Ilion darstellte. Auf demselben erschien Polyxene nach der Sitte der Jungfrauen mit geflochtenem Haare (Paus. X, 25, 2 und 10). Daselbst (X, 25, 10) theilt Pausanias mit: „Die Dichter singen, sic (Polyxene) sei auf dem Grabe des Achilleus umge-kommen und ich selbst habe in Athen (s. obiges Citat, Paus. I, 22, G) und in Pergamos am Kalikos33) Gemälde gesehen, welche das Leiden der Polyxene darstellten.“ Auch den Tragikern bot das Geschick der jüngsten von Priamos Töchtern reichen Stoff. So schrieb Sophokles eine Tragödie Polyxene, wovon sich aber nur einige Fragmente erhalten haben, während jene des Euripidcs gänzlich verloren gegangen ist. 33) Kalkos, Fluss in Grossmysien, (1er sich bei Pcrgainum mit dem Mysits (Mysius) vereint und sich in den Binus Eleaticus ergiesst; jetzt lieisst er Alc-sou oder Bakirtschai, der Kupferlluss. Schulnachrichten. Vom Direct or. I. Chronik. Das Schuljahr begann am 1. Octobcr 1874. Im Ganzen hatten sich 131 Schüler zur Aufnahme gemeldet, davon 59 -für die erste Classe. Die im Sommer 1874 zur Ausschreibung gebrachte Lehrstelle für Naturgeschichte wurde mit Erlass des h. steierm. Landes - Ausschusses vom 22. August 1874, Z. 9877 dem Supplenten am k. k. Real- und Obergymnasium zu Rudolfswerfh Herrn Paul Tomašik verliehen. Derselbe war jedoch ob schwerer Erkrankung nicht im Stande, den Dienst anzutreten und resignirte auf die Lehrstelle. Es musste daher pro 1874/75 ein Supplent für die Naturgeschichte gewonnen werden, und wurde als solcher mit Erlass des steierm. Laudes-Aussclnisses vom 29. September 1874, Z. 11608 Herr Anton Fras, ehedem Supplent am k. k. Gymnasium zu Klagcnfurt, in Verwendung genommen. Die Lehrstelle selbst wurde im II. Semester des laufenden Schuljahres abermals ausgeschrieben; die Besetzung derselben ist im Augenblicke noch nicht entschieden. Der im vorigen Schuljahre in Verwendung gestandene Supplent für Naturgeschichte, Herr Anton Derganc, dessen Berufseifer Referent lobend erwähnen muss, war mit Erlass des Herrn Ministers für Cultus und Unterricht vom 12. August 1874, Z. 10728 zum wirklichen Lehrer am k. k. Real- und Ober-Gymnasium zu Rudolfswerth ernannt worden. Mit Erlass dos steierm. Landes-Ausschusses vom 13. September 1874, Z. 10924 wurden die Nebenlehrer Herr Dr. Leo Filaferro und Herr Anton Weixler in ihrer bisherigen Verwendung belassen. Mit Erlass des steierm. Landes-Ausschusses vom 18. September 1874, Z. 10092 wurde der Gymnasiallehrer Herr Josef Žitek im Lehramte definitiv bestätigt und demselben der Professorstitel zuerkannt. An Stelle des an das k. k. Gymnasium zu Cilli abgegangenen Professors Herrn Peter Končnik wurde mit Erlass des steierm. Landes-Ausschusses vom 4. October 1874, Z. 11733 der Lehrer an der landschaftlichen Bürgerschule zu Judenburg Herr Franz Ferk zum wirklichen Lehrer für Geschichte und Geographie ernannt. Derselbe wurde mit Erlass des steierm. Landes-Ausschusses vom 20. Februar 1875, Z. 2107 im Lehramte definitiv bestätigt. Mit Erlass des steierm. Landes - Ausschusses vom 5. Oc-tobcr 1874, Z. 11826 wurde der Stadtpfarrcaplan Herr Michael Lendovšek auch pro 1874/75 als provisorischer Religionslehrer bestellt. Das I. Semester schloss am 6. Februar. Die statutenmässige General - Versammlung des Unter-stüfzungs -Vereines für arme Studierende des Realgymnasiums fand am 2. Juli statt. Am 4. Juli wurde die Preisprüfung aus der steierm. Geschichte abgehaltcn. An derselben betheiligten sich 9 Schüler der IV. Classe. Die Preisträger finden sich an anderer Stelle. Mit Verordnung des Herrn Ministers für Cultus und Unterricht vom 26. März 1875, Z. 3792 wurden die Hauptferien auf die Zeit vom 16. Juli bis einschliesslich 15. September verlegt. Das II. Semester wurde demnach am 15. Juli — mit der üblichen Feierlichkeit — geschlossen. II. Lehrkörper. 1. Fichna Anton, Director, lehrte Latein in der II. und IV. Classe, wöchentlich 14 Stunden, ausserdem im II. Semester Stenographie, wöchentlich 2 Stunden. 2. G au p mann Rudolf, Professor, lehrte Kalligraphie und Freihandzeichnen in allen Classen, wöchentlich 18 Stunden. 3. Žitek Josef, Professor, Ordinarius der IV. Classe, lehrte Mathematik in allen, Physik in der III. und IV., Slovenisch in der IV. Classe, wöchentlich 20 Stunden. 4. K u n s t e k Lukas, provisorischer Gymnasiallehrer, Ordinarius der III. Classe, lehrte Latein, Griechisch, Deutsch und Slovenisch in der III. Classe, Griechisch in der IV. Classe, wöchentlich 19 Stunden. 5. Glaser Karl, provisorischer Gymnasiallehrer, Ordinarius der I. Classe, lehrte Latein und Deutsch in der I. Classe, Französisch in der III. und IV. Classe, wöchentlich 19 Stunden. C. Lendovšek Michael, provisorischer Religionslehrer, lehrte Religion in allen Classen, wöchentlich 8 Stunden. 7. Ferk Franz, wirklicher Gymnasiallehrer, Ordinarius der II. Classe, lehrte Geographie und Geschichte in der II., III. und IV. Classe, Deutsch in der II. und IV. Classe, wöchentlich 17 Stunden. 8. Fras Anton, geprüfter Supplent, lehrte Naturgeschichte, Geographie und Slovenisch in der I. Classe, Slovenisch in der II. Classe, wöchentlich 15 Stunden. 9. Dr. Filaferro Leo, Nebcnlehrer, leitete den Turnunter-richt, wöchentlich C Stunden. 10. Weixler Anton, Nebenlehrer, lehrte den Gesang in zwei Abtheilungen, wöchentlich 4 Stunden. Schuldiener: Franz Sa mit z. III. Lehrstoff und Lehrbücher. L. Yon dem Wiederabdrucke des alljährlich sich gleich bleibenden, gesetzlich vorgeschriebcnen Lehrstoffes für die einzelnen Classen glaubte Referent abschen zu können; der Lehrplan der Anstalt nach der wöchentlichen Stundenzahl der Lehrgegenstände ist aus Nr. VI ersichtlich. Was die in der III. und IV. Classe absolvierte Lateinlecture betrifft, so wurde gelesen: In der III. Classe: Aus Corn. Nepos: Miltiades, Themistocles, Aristides, Epaminondas, Agesilaus, Hannibal, ferner 20 Fabeln von Phaedrus und die im Lesebuche enthaltenen Dicta memorabilia. In der IV. Classe: Caesar de b. g. lib. I., VI. und VII., ausserdem aus der Chrestomathie von Rozek verschiedene ausgewählte Stücke. 2. Freigegenstände. Als solche wurden gelehrt: a) S love nisch für dieser Sprache unkundige Schüler der I. Classe; an diesem Curse nahmen 10 Schüler Theil. Wöchentlich 2 Stunden, b) Stenographie. Der stenographische I. Curs wurde im März eröffnet und von einer ansehnlichen Schülerzahl besucht; der Prüfung unterzogen sich jedoch nur 4 Schüler. Wöchentlich 2 Stunden, c) Gesang in 2 Abtheilungen, für jede 2 Stunden wöchentlich; die erste Abtheilung besuchten 38, die zweite 20 Schüler, d) Turnen in 6 wöchentlichen Stunden (die dritte und vierte Classe vereinigt), für sämmtliche Schüler obligat. Einzelne Schüler waren ob entscheidender Gründe dispensirt. 3. Lehrbücher. Im Nachstehenden folgt das Verzeichniss der vom Lehrkörper für das nächste Schuljahr in Vorschlag gebrachten Lehrbücher. Die meisten derselben waren schon bisher im Gebrauche; die Differenzen sind in den einzelnen Fällen angemerkt. a) Religion. I. Classe: Regensburger Katechismus. II. Classe: Liturgik, von Fischer. III. Classe: Geschichte der Offenbarung des alten Testamentes. Prag, bei Bellmann. IV. Classe: Geschichte der Offenbamug des neuen Testamentes. Prag, bei B e 11 in a n n. b) Latein. Grammatik in allen Classen von Carl Schmidt. Uebungsbücher in allen Classen von J. A. Rože k. Ausser-dem in der III. Classe: Memorabilia Alexandri Magni et aliorum virorum illustrium. Phaedri fabulae. Ed. C. Schmidt, 0. Gehlen. (Heuer stand im Gebrauch: Anton Schwarz, enthaltend Fabeln von Phaedrus, Stücke aus Nepos u. s. f.) In der IV. Classe: C. J. Caesar von E. II offmann, Chrestomathie von J. A. Iložek. c) Griechisch. Grammatik von Curtius, Uebungsbuch von S c h e n k 1. d) Deutsch. In allen Classen die Lesebücher von Al. Neumann und 0. Gehlen. Grammatik in der I.—III. Classe von A. Heinrich, in der IV. Classe für das nächste Schuljahr noch: Gurcke. e) Französisch. Grammatik und Lectures choisies von Pl o e tz. f) Sloveni sch. Durch alle Classen die Lesebücher und Grammatik von A. Janežič. g) Geographie. Durchaus: Klun. Geschichte: Durchaus Gin de ly für Untergymnasien. (Bisher: Weiter). Atlasse von Kozenn und Kiepert. Oesterreichische Vaterlandskunde von E. Han na k. h) Mathematik. Arithmetik und Geometrie durch alle Classen von Močni k. i) Physik. In der III. Classe: Pisko. In der IV. Classe nur noch für das nächste Jahr: Subic; letzterer war heuer auch in der III. Classe im Gebrauch. Chemie von K a u e r. IY. Verfügungen der Vorgesetzten Behörden. 1. Note des k. k. steierm. Landesschulrathes vom 2. Juli 1874, Z. 3175 nach welcher austretende oder entlassene noch schulpflichtig e Schüler einer Mittelschule dem betreffenden Stadt- rcspcctive Ortsschulrathe namhaft zu machen sind, damit selbe zum weiteren Besuche der Volksschule verhalten werden. 2. Note der k. k. Statthalterei vom 13. October 1874, Z. 14152 nach welcher eine weitere Unterstützung des im Schuljahre 1873/74 bestandenen gewerblichen Fortbildungscurses Seitens des Unterrichts-Ministeriums nur in dem Falle zu erwarten steht, wenn der bezügliche Unterricht auch an Wochentagen durchgeführt wird. — Da die Durchführung dieses Verlangens auf schwere Hindernisse stiess, so wurde der gewerbliche Fortbildungscurs in diesem Schuljahre sistirt. 3. Verordnung des k. k. Unterrichts-Ministeriums vom 26. März 1875, Z. 3792 nach welcher die Hauptferien auf die Zeitvo ml 6. Juli bis ei n schliesslich 15. September verlegt werden. 4. Rescript des Reichs-Kriegsministeriums vom 15. April 1875, Abtheilung 2, Nr. 2259 nach welchem, vorläufig für das laufende Jahr, den wehrpflichtigen Professoren, Supplenten und Studierenden, falls sie der Reserve angehören, gestattet wird, die Waffenübungen statt in der Frühjahrsperiode, erst in der Ferienzeit mitzurnachen. 5. Note des k. k. steierm. Landesschulrathes vom 9. April 1875, Z. 1807 enthaltend Weisungen bezüglich des Religionsunterrichtes für akatholische Schüler. 6. Verordnung des k. k. Unterrichts-Ministeriums vom 9. Juni 1875, Z. 8710 betreffend die Herausgabe der Programme (Jahresberichte), deren Inhalt, Form und Vertheilung. Y. Lehrmittel. 1. Bücher. Heinrich A., erster geogr. Unterricht. — Dr. Franz Mayer, Geschichte Oesterreichs, 2 Bde. — Graf, Feste der Republik Venedig, 1 Heft, Geschenk. — Vom historischen Vereine für Steiermark: Beiträge 11. Jahrg. und Mittheilungen XXII. Heft. — Hellwald, Culturge-schichte. — Jahn Otto, Alterthumswissenschaft. — Bericht des Unterrichts-Ministeriums für 1874, Gesch. — Osk. Pesch e 1, Völkerkunde. — Bericht über das Österreich. Unterrichtswesen aus Anlass der Weltausstellung 1873. — llauler, Uebungsb. f. 3 CI., Gesch. — Diez, Grammatik der romanischen Sprachen, 3 Bele. — Vani ček, etymologisches Wörterbuch der lat. Sprache. — Ovid von Merkeil, 3 Bde. Ovid, Fasti> von Peter. — Marquardt und MommSen, römische Alter-thümer, 2 Bde. — Dr. Kopp W., griech. Literaturgeschichte. — Curtius, Erläuterungen zur griech. Grammatik. — Cur-tius, Grundzüge der griech. Etymologie. — Mikiewiecz, Vorlesungen über slavische Literatur, G Bde. — B e n f e y, Geschichte der Sprachwissenschaft. — Seyffert, Palaestra Ciceroniana. — Dräger, Syntax und Stil des Tacitus. — B uch-holz, homerische Realien. — Mommsen, römisches Staatsrecht, I. Bd. — liempel, Nationalbibliothek, Fortsetzung. — Schönbach, humoristische Prosa des XIX. Jahrhdts. — Hauer, Geologie. — Zirkel, Lehrbuch der Petrographie, 2 Bde. —Quenstcdt, Petrefactenkunde, 2 Bde. — Leunis, Synopsis der Mineralogie. — Šubic, Physik f. O. G. — Tyndall, der Schall. — Tyndall, Fragmente aus den Naturwissenschaften. — Stock har dt, Schule der Chemie. — Kauer, Chemie. — F r i s c h a u f, theor. Astronomie. — Hoffman n, deutscher Jugendfreund. — Ho ff mann, Jugendbibliothek, 5 Hefte. — Schmalfeld, Erfahrungen im Gym-nasialweseri. John Mi 11, System der inductiven Forschung, 2 Bde. — Noirč, pädagogisches Skizzenbuch. — Grässe, Handbuch der alten Numismatik. — Matauschek, Normalienbuch, 4. Aufl. — Hü bl, Handbuch für Dircctoren u. s. w. 2. Landharten. Doležal, Schulwandkarte der österr.-ungarischen Monarchie. 3. Zcichnunysvorlagen. Caj. Clav er, katholische Kirche in Dresden, 5 Blätter, Gesch. 4. Physikalische Apparate. Quadrant mit Nonius. — Percussionsmaschine mit llolzkugel. — Hydraulische Presse. — Toricelli’scher Apparat mit Gestell und Hahn. — Ileronsbrunnen von Glas mit Metallfassung. — Compressionspumpe mit Ilerons-ball. — Ballon von Glas mit Hahn. — Dasymeter. — Läutwerk mit Recipient. — 1 kl. Heronsball. — Neef’s Hammer. — Korkzange. — Glasthränen. r>. Für das Zeichnen. 11 geometrische Körper. — 17 Gyps-güsse. 6. Naturalien. Meist durch Geschenke vermehrt. — Wir erwähnen: Weisser Sperling. — Foetorius vulgaris. — Astur palumbarius. — 1 Colibri. — Colymbus arcticus. — Plecotus auritus. — 2 Flusskrebse. — Gekauft: Gebiss vom Wels. — Boa constrictor. — Fringilla citrinella. — I’yrula serinus. — Pflanzen- und Mineraliensammlung um verschiedene Exemplare vermehrt. 7. Zeitschriften, a) Zeitschrift f. österr. Gymnasien, b) Verordnungsblatt des Unterrichts-Ministeriums, c) Zarncke’s liter. Centralblatt, d) Globus, e) Ausland, f) Gäa. g) Petermann’s Mittheilungen, h) Zeitschrift für math. und naturwiss. Unterricht, i) Die Natur, j) Oesterr. botanische Zeitschrift, k) Magazin für die Literatur des Auslandes. 1) Stuttgarter Gewerbehalle. YI. Lehrplan des vollständigen Realgymnasiums, nach der wöchentlichen Stundenzahl der Lehrgegenstände. Cl»sse j «a ll -S 's s 'I des 3 2 I ~ . 22 ts « V.' ca Q- CS n I — r—I e*» . c/9 — oj «fl _ Real' I K, J 4 =§ 5 'S gj, Jj |f) J, S Gymnasiums lg s Jj J JP J J » 3 5 « I. Classe 2 3 8 3 3 3 3 — 4 1 30 II. „ . 2 3 8 3 — 4 3 3 — 4 l 31 III. „ . 2 3 6 4 2 4 3 3 — 3 4 [1] 31 IV. „ . 2 3 G 4 2 4 4 3 — 3 4 — 31 Anmerkung. 1. Griechische und französische Sprache facultativ. — 2. Im II. Semester der 4. Classe nur Chemie. YII. Unterstützungsverein für arme Studierende. Audi im heurigen Jahre wurde die arme Schuljugend in reichlichem Masse unterstützt. 18 Schüler genossen Freitische (5400 Mittagmahle); 50 Schüler benützten 415 Lehrbücher des Vereines; 40 Schüler erhielten Zeichenrequisiten. Dankend erwähnen wir auch der reichcn Gabe von Jugendfreunden im Betrage von 80 Ü., die bei Gelegenheit des Maiausfluges durch Herrn C. Baumgartner für die Schüler gesammelt worden. — 8 Mitglieder wurden im Laufe des Schuljahres dem Vereine theils durch den Tod, theils durch Üebersiedlung entzogen. — Herzlichen Dank allen Wohlthätern der Jugend mit der Bitte, derselben auch fernerhin gütig zu gedenken ! Rechnungslegung über das fünfte Vereinsjahr. Ein nah men. Cassarest vom Vorjahre................... Eingelöste Coupons....................... Jahresbeiträge........................... Spende der Frau A. Deutsch mann . „ des Herrn Bratanitsch sen. „ „ „ Kaiserfeld jun. Interessen von der Sparcasse bis Ende December 1874 ................... Summe Ausgaben. Für Bücher und Zeichenrequisiten . . „ Medicainente......................... „ 1 Paar Stiefletten.................. „ 2 Schüler ganze Anzüge .... „ den Schuldiener als Vereinsdiener . Summe Es bleibt somit ein Cassarest von . . und besteht dieser: In 2 Stück Obligationen a 100 fl. . . „ 1 Sparcassebüchel.................... „ Baarem............................... Summe . . CI8 H. 54 kr. . 489 tl. 41 kr. 8 ?) 40 n . 196 r 10 58 n 89 3 n — V n 14 n 24 n 57 rt . 780 fl. 51 kr. . 130 fl. kr. 3 » 17 n 5 n 80 n n — H 5 n — n . 1 Gl fl. 97 kr. . (118 fl. 54 kr. . 200 «. kr. . 398 V 44 T) n 10 n VIII. Statistische No tit/en. C 1 11 H H O 1 0 = s 1. Zahl der öffentlichen Schüler. I. l n* | III. IV. 3 D Oeffentliche Schüler am Beginne des Schuljahres 59 35 23 14 ! 131 Während des Schuljahres ausgetreten 10 1 1 — 12 Es verblieben am Ende des Schuljahres 49 34 22 14 119 Privatisten: im I. Semester . — — — — I — n n U. » 1 — — — 1 II. Vaterland der öffentlichen Schüler. Aus Steiermark 46 33 20 12 in Davon aus Pettau 16 7 7 3 33 Aus Kärnten 1 — — — 1 „ Mähren — — 1 — 1 „ Istrien — 1 — — 1 „ Italien 1 — — — 1 „ Niederösterreich — — i 1 1 „ Ungarn 1 — — 1 2 „ Slavonien — — 1 — 1 III. Religionsbekenntniss. Sämmtliche offentl. Schüler, sowie der eine Privatist waren Katholiken 49 + 1 34 22 14 119+1 IV. Muttersprache. Deutsch 22 12 15 8 57 Slovenisch 25 22 6 5 58 Ungarisch ........ 2 — — 1 3 Kroatisch — — 1 — 1 V. Alter der öffentlichen Schüler. 10 Jahre alt 1 — — — 1 11 „ „ 5 — — — 5 12 n n 13 4 — — 17 13 „ „ 12 5 4 — 21 14 n n 12 10 5 3 30 1 ö J) )J 5 9 5 5 24 16 „ „ 1 2 4 2 9 17 n » — 3 4 1 8 18 , „ — 1 — 2 3 19 n n ~ 1 1 Classe © 8 = VI. Allgemeine Zeugnissclasse. I. II. III. IV. s ® Im I. Semester: Erste Classe mit Vorzug . . . 2 8 4 4 18 Erste Classe 27 20 13 10 70 ' Zweite Classe 15 6 2 — 23 ' Dritte Classe 10 — 3 — 13 Ausgetreten 5 1 1 — 7 Im II. Semester: a) Oeffentliche Schüler: Erste Classe mit Vorzug . . 8 11 4 5 28 Erste Classe 25 22 ' 13 9 69 Zweite Classe 13 — 2 — 15 Dritte Classe 3 — — — 3 Wiederholungsprüfung . . . — 1 3 — 4 b) Privatisten: Erste Classe 1 1 Anmerkung. Im Vorjahre wurden zur Wiederholungsprüfung zugelassen: in der I. CI. 5, in der III. CI. 3 Schiller; von den ersteren bestanden 3, von den letzteren keiner die Prüfung. VII. Vom Schulgelde befreit. Im I. Semester: Oeffentliche Schüler 19 7 9 35 Im II. Semester: Oeffentliche Schüler 15 20 9 9 53 Der Schulgeldertrag belief sich im I. Semester auf 506 fl. 88 kr. , H. „ „ 397 „ 44 „ Zusammen auf 904 fl. 32 kr. Die Aufnahmstaxei) betrugen im I. Semester 106 fl. —kr. II ° — v -11'___n____________ * ”_____w_ Zusammen 108 fl. — kr. Die Zahl der Stipendien betrug 5. Der Gesammtbetrag der Stipendien 740 fl. Für Lehrmittel (einschliesslich Jahresbericht) wurde mit Erlass des steierm. Landes-Ausschusses vom 14. Jänner 1875, Z. 380 pro 1875 die Summe von 620 fl. ö. W. bewilligt. IX. Verzeichniss derjenigen Schüler, welche am Schlüsse des Schuljahres zum Aufsteigen in die nächst höhere Classe für unbedingt reif erklärt wurden. Die Namen der Vorzugsschüler sind durch gesperrte Schrift ersichtlich gemacht. I. Clnsse. II. (Hass Arnuž Anton. Baumgartner Karl. Bratanicli Johann. Brunader Karl. Cesnik Martin. Brunner Heinrich. Fras Franz. Ceh Simon. Galubich Emerich. Gajšek Andreas. Grahner Victor. Goričar Rudolf. Grubbauer Franz. II o r v a t h Franz. Hauptmann Johann. Ilvalec Matthäus Horvat Michael. Janžekovič Vitus. Inrca Adolf. Kolarič Johann. Kampf Franz. Korošec Franz. K e č e k Andreas. Lešnik Martin. Klemenčič Jakob. Mahorič Simon. Križ Anton. Mathans Oskar. Lerch Ferdinand. Merc Jakob. Metzinger Josef. Munda Franz. Mihalkovič Johann. Nedclko Franz. Perger Rudolf. Petek Anton. Radici Ferdinand. Prieger Friedrich. Rodošek Anton. Razlag Franz. Seidl Johann. Remele Alois. Staut Anton. Šegula Franz. Straczowsky Jaroslav. Šuta Franz. Streicher Emanuel. Schmidinger Josef, Strohmayer Johann. Skerbinc Anton. Šalamun Martin. Smreker Ernst. Toplak Jakob. Stermschegg Johann. Trautvetter Gustav. Streicher Heinrich. Unk Johann. Toplak Anton. Wesiag Friedrich. Toplak Franz. Wesiag Franz. Toplak Johann. Wesiak Josef. Wesiak Johann. Z i t e k Vladimir. Wošnak Michael. III. Clnssc. Buras Karl. G r e i s t o r f e r Karl. Kadlik Josef. Krenčič Johann. Lastavec Franz. Locker Roman. Murko Mathias. Ploj Friedrich. Ploj Otto. Pribil Max. Rakuša Gottfried. Straczowsky Emil. Straczowsky Victor. Šalamun Simon. Štampar Johann. Vuščič Arthur. W e i n h a n d 1 Ferdinand. IV. blasse. Berger Alexander. Horak Wenzel. Krenn Karl. Kristl Franz. Marckhl Richard. Pučko Georg. Simonič Josef. Simony Desiderius. Skuhala Georg. Smodiš Andreas. Spann Cajetan, Stabuc Barthol. Svoboda Willibald. Widerliofer Constantin. Zusätze: 1. Mit der Preismedaille für das Studium der steierm. Geschichte wurden ausgezeichnet die Schüler der IV. Classe: Pučko Georg und Kren 11 Karl; mit Büchern wurden bedacht: S i-moniß Josef, Kristl Franz und Marckhl Richard; belobt wurden: Berger Alexander, Ilorak Wenzel, Svoboda Willibald und Widerhofer Constantin. 2. Von den 22 Schülern der III. Classe nahmen 16 am griechischen, 6 am französischen Sprachunterrichte Theil. X. Aufnalims - Bedingungen für das Schuljahr 1875/76. Das nächste Schuljahr beginnt am IG. September. Die Aufnahme in das Realgymnasium findet um 14. und 15. September von 8—12 Uhr Vormittag in der Directionskanzlei statt. Bezüglich der Aufnahme in die I. Classe gilt die Verordnung des hohen k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht vom 14. März 1870, Z. 2370 nach welcher jeder Schüler einer Aufnahmsprüfung sich zu unterziehen hat. Bei dieser werden folgende Anforderungen gestellt: „Jenes Mass von Wissen in der 'Religion, welches in den ersten vier Jahrescursen der Volksschule erworben werden kann, Fertigkeit im Lesen und Schreiben der Unterrichtssprache und eventuell der lateinischen Schrift, Kenntniss der Elemente aus der Formenlehre der Unterrichtssprache, Fertigkeit im Analysiren einfacher bekleideter Sätze, Bekanntschaft mit den Regeln der Orthographie und Interpunction und richtige Anwendung derselben beim Dictandoschreiben, Uebüng in den vier Grundrechnungsarten in ganzen Zahlen.“ Bezüglich derjenigen Schüler, welche in die III. Classe eintreten, haben sich deren Eltern ausdrücklich zu erklären, ob sie ihre Söhne an dem griechischen oder französischen Sprachunterrichte Theil nehmen lassen wollen. Jeder Schüler, welcher in die Anstalt, aufgenommen werden will, hat in Begleitung seines Vaters oder dessen Stellvertreters sich einzufinden, neu Eintretende haben den Geburtsschein als Beleg für das vollendete neunte Lebensjahr vorzuweisen. Bei der Aufnahme ist von jedem neu eintretenden Schüler eine Taxe von 2 fl. zu entrichten. Das Schulgeld beträgt halbjährig 6 fl. Oeifentliche Schüler können bei nachgewiesener Armuth und hervorragendem Fleisse von der Entrichtung des Unterrichtsgeldes befreit werden. Druckerei i „I.«>lcani-Joaefilhata in Ura». . (