Berausgegeben vom UMionshaus 6raz, Paulusiorgaiie 10. Preis ganzjährig: Öiierreich 2 S, Deutschland 2 Goldmark, Italien 8 hire, üschechossowakei 10 6K, Jugoslawien 24 Dinar, Ungarn 3 Pengö, Schweiz 2 Franken, Amerika 2 Goldmark. ®e/,yse Vater Pius XI. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Hielten gelesen. Mit Empfehlung der hockwürdigsten Oberhirfen von Brixen, Brünn, Graz, keifmerifz, tilnz, Olrnütz, Marburg, Crtenf, Driest und Wien. Best 2_________________________________________Februar 1928.______________________________XXXI. Jahrgang. Die außergewöhnliche Trockenheit des vorvergangenen Jahres hat hier in Südafrika viel Schaden gebracht und viel Unheil angestiftet. Wegen Mangels an Regen versiegten die meisten Quellen. Die junge Saat vertrocknete; das kaum fingerlange Gras wurde erst gelb, dann dürr. In der Hoffnung auf baldigen Regen zündeten manche Farmer es an, um besserem Nachwuchs Platz zu machen. Aber der ersehnte Regen blieb aus — also auch das neue Gras. Das Vieh verhungerte auf den öden Weidegründen. In einem einzigen Distrikte (Pietersburg) gingen an die 40.000 Stück ein. — Aber auch die Menschen litten hart, manche mußten ihr Trinkwasfer stundenweit herholen. Zuerst war es nur die Mühe, die es kostete. Als aber später das Wasser immer seltener, kostbarer wurde, mußte man es vielfach noch um teuren Preis kaufen: Ein Eimer (ober ein irdener Krug) voll kostete 6 Pences, d. i. 50 Pfennige. Das ist fast unerschwinglich für die armen Eingeborenen, auch wenn sie noch so sehr damit sparen. Ende Jänner letzten Jahres kam es nun in „Karsten" (Natal) zu einem wirklichen Krieg zwischen den Mädchen zweier benachbarten Distrikte. In dem einen Distrikt war das Trinkwasser völlig ausgegangen, während in dem sieben Meilen weiter gelegenen noch genügend Wasser vorhanden war. Die Mädchen des wasserlosen Distriktes gingen nun in ganzen Prozessionen den langen Weg, um ihren nötigen Vorrat an Wasser zu decken. Das ging einige Tage ganz gut, allmählich aber kam die glücklichere Partei aus den Gedanken, aus ihrem natürlichen Vorteile Nutzen zu ziehen. Sie besetzten alle Brunnenzugänge und verlangten für jeden Zutritt 6 Pences Abgabe. Das reizte die ohnehin schon arg geplagte Partei zum Widerstande. Sie entschlossen sich, mit Gewalt ihr vermeintliches natürliches Recht auf Trinkwasser zu erkämpfen. Jede Partei wählte sich eine tapfere Anführerin und am 27. Jänner 1927 begann die Schlacht, nachmittags um 3 Uhr. Bewaffnet waren die Mädchen mit Hauen, Stöcken, Beilen, Eisenstangen, Messern, Rasiermessern, v 1 Steinen, kurz mit allem, was geeignet ist, dem Gegner zu schaden. Schon waren viele verwundet, als der erste Schutzmann davon .Kenntnis erhielt. Sofort begab er sich zum Schlachtfeld. Obwohl er beritten und bewaffnet war, konnte er nichts ausrichten. Die erhitzten Amazonen rauften und schrien weiter, ohne sich um ihn zu kümmern. Als er aber doch zudringlicher wurde, Miene machte, von seinen Waffen Gebrauch zu machen, griff man auch ihn und sein Pferd an; man warf Steine nach ihm und suchte ihn gefangenzunehmen. Da kam noch ein zweiter Schutzmann und gleich hinter ihm Verstärkung von einigen Dutzend Soldaten, die alles aufboten, die Kämpfenden zu trennen, die rasendsten zu verhaften. Doch ohne Erfolg. Man kämpfte tapfer weiter; selbst Soldaten wurden verwundet und außer Gefecht gesetzt. Der angreifenden Partei gelang es, die feindliche Führerin gefangen zu nehmen und in einem entlegenen Kraal einzusperren. Das hatten die Schutzleute bemerkt. Da die wachehabenden Mädchen bald wieder zu ihren Kolleginneu auf das Schlachtfeld zurückkehrten, benützten sie die Gelegenheit, um die Gefangene herauszuholen und auf die Polizeistation zu bringen. Aber diese List bemerkte man gar bald. Die Partei der Gefangenen stellte den Kampf ein und marschierte in geschlossenen Reihen der Stadt — dem Polizeigebäude zu, ■ um ihre Kapitänin mit Gewalt zu befreien. Als sie jedoch mehrere Gewehrschüsse (natürlich waren es nur Schreckschüsse) vernahmen, wurden sie bald nüchtern und kehrten um. Zum Kampf kam es jedoch an diesem Tage nicht mehr; es war zu dunkel, bereits halb 10 Uhr abends. So wurde die Schlacht unterbrochen, nachdem man mehr als sechs Stunden tapfer und erbittert gekämpft hatte. Niemand war Sieger, niemand besiegt. Am folgenden Tage sollte der Kampf von neuem beginnen; die Schlachtreihen waren schon aufgestellt. In der Nacht war jedoch so viel Polizei und Militär aufgetrieben worden, daß diese mit Erfolg dazwischen treten und langsam die Ordnung wieder Herstellen konnten. 28 Mädchen wurden verhaftet, wahrscheinlich jene, die sich am hartnäckigsten der Polizei widersetzt hatten. Die meisten waren verwundet, viele schwer; ob und wie viele tödlich, konnte ich nicht ermitteln. Crmnerungen an Präsident Krüger, (Schluß.) Krüger war mit seinem Freunde Theunissen übereingekommen, daß, im Falle einer von ihnen sich leichtsinnig oder feige auf der Jagd benehme, der andere das Recht haben solle, ihm eine tüchtige Ohrfeige zu versetzen. Einst hatte Theunissen ein Nashorn gefunden; als Krüger darauf zusprengte, rief er ihm warnend nach, das Tier sei wütend und es sei gefährlich, unmittelbar vor ihm abzusteigen. Krüger lachte über die Warnung, stieg vom Pferde und ging dem Dickhäuter entgegen. Das Rhinozeros machte sich sogleich zum Angriff bereit. Krüger, der eine doppelläufige Flinte bei sich hatte, wartete, bis das Tier nur noch wenige Schritte entfernt war, und drückte dann los. Das Gewehr versagte; Krüger machte kehrt und entlief, so schnell er konnte, das wütende Ungetüm einen Schritt auf den Fersen. Unglücklicherweise blieb Krügers Fuß in einer Baumwurzel hängen; er fiel auf den Boden in unmittelbarem Bereich von des Gegners tückischem Nasenhorne. Schnaubend hielt ihn das Tier mit der Schnauze nieder und erhob eben einen Fuß, um ihn zu zertrampeln, als der am Boden liegende Krüger sein Gewehr auf die eine Seite des über ihm dräuenden gewaltigen Brustkastens richtete und den zweiten Lauf abschoß. Das Blei drang dem Tiere ins Herz und tötete es auf der Stelle. Nach glücklich abgewendeter Gefahr durch das Nashorn hatte Krüger es mit dem erzürnten Freund zu tun, der ihn wegen seines Wagemutes unbarmherzig mit einer Peitsche bearbeitete, ganz in Übereinstimmung mit dem getroffenen Abkommen. das Tier sich plötzlich umdrehte und auf seinen Verfolger losging. Die Flinte versagte, und Krüger hatte Fersengeld zu geben. Als er einen Strauch übersprang, fiel er unvermutet auf der andern Seite in eine Lache schlammigen Wassers. Im nächsten Augenblicke schon stand das Gnu über ihm mit stoßbereitem Gehörne; bei dem verhängnisvollen Stoße vergrub sich jedoch das eine Horn im Boden. Blitzschnell Kinderkatechese in Afrika. Krüger geriet einst mitten in eine Gnuherde. Ein großer Bulle ging sogleich zum Angriff über, verwickelte sich aber mit den Hörnern ins Unterholz. Während er sich loszumachen suchte, zog Krüger sich zurück und fiel dabei über einen andern Bullen, der am Boden gelegen war und sich eben aufrichtete. Das Tier bäumte sich hoch auf und riß Krüger mit einem tückischen Hufschlage die Jacke vom Leibe. Die Flucht bewahrte Krüger vor weiterem Schaden. Ein anderes Mal verfolgte Krüger ein verwundetes Gnu durch dichtes Buschholz, als ergriff Krüger beide Hörner und strengte jede Sehne seines riesenstarkeu Körpers an, den Kopf seines Gegners unter Wasser zu ziehen. Langsam, Zoll für Zoll erreichte er sein Vorhaben, aber gerade, als das Tier nahezu erstickt war, begannen Krügers Kräfte nachzulassen. Er löste eine Hand, um damit nach seinem Jagdmesser zu greifen. Dadurch gelang es dem Gnu, den Kopf aus dem Wasser zu ziehen, die Augen geblendet vom Schlamme. Auf Händen und Füßen kroch Krüger zum nächsten Strauche, und das Gnu entlief in einer andern Richtung. l* Krüger verlor den Daumen der linken Hand auf der Jagd. Er begegnete einst einem Nashorn, stieg vom Pferde und schoß auf das Tier. Das Rhinozeros ging auf ihn los und Krüger schoß zum zweiten Male. Das Gewehr-barst, und der Lauf und ein Daumen des Jägers fielen vor ihm auf den Boden. Krüger hatte keine Zeit zu verlieren, denn das Nashorn war schon ganz nahe. Er sprang auf sein Pferd und raste davon. Unter großen Schmerzen ritt er zu seinem Wagen zurück. Seine linke Hand war wie ein Stück rohen Fleisches und tropfte unablässig von Blut. Er band ein Tuch über die Wunde, als er aber sein Ziel erreichte, war er ganz bleich und fast ohnmächtig vom Blutverluste. Die einzige Behandlung zur Blutstillung war die Anwendung von — Terpentin, die er tagelang fortsetzte. Er selbst schnitt sich den Knochenstumpf und den Rest des Daumenballens mit einem Messer ab. Sein einziges „Betäubungsmittel" war eine Art geistigen Selbstbetruges, indem er sich nämlich einbildete, die Hand gehöre einem andern Manne an. Während des langsamen Heilvorganges behandelten die Frauen die Wunde mit Staubzucker und Krüger schnitt von Zeit zu Zeit das tote Fleisch weg. Brand setzte ein und der ganze Arm bis hinauf zur Schulter wurde schwarz. Nach Erschöpfung anderer Heilmittel versuchte Krüger das alte „einfache" Mittel der Buren, die Hand in den noch warmen Magen einer soeben getöteten Ziege einzuwickeln. Fast augenblicklich trat Erleichterung ein, eine Tatsache, die Krüger den Heilkräutern zuschrieb, die einen Teil der Nahrung der Ziege bildeten. Krüger besaß große Willenskraft und hatte sehr entschiedene Ansichten; was wunder, daß er als Staatspräsident bei Ratssitzungen oft hartnäckig auf seine Meinung bestand. Wenn er aber überzeugt war, daß er im Unrecht gewesen, so konnte er sich beim einfachsten Schreiber entschuldigen. Eines Tages hatte er Dr. Leyds, ein Mitglied des „Volksraads", bitter angegriffen. In derselben Nacht, als es fast 12 Uhr war, hörte Dr. Leyds ein Klopfen an seiner Türe. Er öffnete und war nicht wenig erstaunt, den Staatspräsidenten vor sich zu sehen, allein und tut gewöhnlichen Gehrock und Zylinderhut. „Leyds," sagte Krüger einfach, „ich habe Unrecht gehabt heute nachmittag. Es tut mir leid. Hier ist meine Hand." Die beiden Männer schüttelten sich die Hände und der Präsident ging wieder seines Weges. Krüger hatte int „Volksraad" die Regel aufgestellt, daß derjenige Sprecher, der ein Fremdwort gebrauche, eine kleine Geldstrafe zu erlegen habe. Er selbst hatte sich sehr an den Gebrauch des englischen Wortes „mistake" (Irrtum, Versehen, Fehler) gewöhnt. Eines Tages gebrauchte er es in einer Ratssitzung und wurde sogleich gemahnt, die vorgeschriebene Geldbuße zu entrichten. Krüger weigerte sich anfänglich, indem er behauptete, „mistake" sei bereits zu einem guten holländischen Worte geworden, allein seine Räte bestanden auf der Zahlung der Strafe. „Nun ja denn," sagte der Präsident endlich, „ich habe eben ein Mistake gemacht." Zwei Brüder waren im Streite wegen der Teilung ihrer Farm. Der jüngere beklagte sich bei Krüger, daß der ältere ihm den schlechtesten Teil der Farm geben wolle. Der Präsident beendigte die Sache ohne weiteres, indem er entschied: „Laßt den älteren Bruder die Farm teilen und den jüngeren die erste Wahl treffen!" Ein wahrhaft salomonisches Urteil. Einst kam ein Bur nach Pretoria und nahm ein Zimmer in einem Hotel. Im Gange sah er einen Anschlag, der besagte, die Gäste könnten Geld beim Schankkellner in sicherer Bewahrung hinterlegen. Der alte Mann, der hundert englische Pfund bei sich hatte, gedachte Gebrauch zu machen von dem Anerbieten und übergab dem Kellner sein Geld zur Aufbewahrung. Als er es aber zurückoerlangte, leugnete der unehrliche Bewahrer, es überhaupt empfangen zu haben. Der Bur hatte keine Zeugen und war machtlos. In seiner Verlegenheit ging er zu „Dom Paul", dem Präsidenten. Krüger hörte ihn an. Dann übergab er dem Manne weitere hundert Pfund und beauftragte ihn, er solle auch diese dem Kellner übergeben, doch in Gegenwart zweier Zeugen. Der Bur tat das. Amerika. Der „Osservatore Romano“ veröffentlicht einige interessante Einzelheiten über die Katholikenverfolgung in Mexiko. Er schreibt unter anderem: Der Kulturkampf in Mexiko dauert eigentlich bereits 14 Jahre. Sein Beginn fällt zeitlich mit der Revolution von Carranza zusammen. Dieser Aufstand aber wurde vorwiegend durch den amerikanischen Protestantismus mit seinen vielen Sekten finanziert. Nur durch die Hilfe der Amerikaner konnte der Kampf gegen die katholische Kirche in Mexiko durchgeführt werden. Über 95 vom Hundert der Bevölkerung sind katholisch; die Protestanten machen noch nicht ein Prozent aus; der Rest gehört keiner Religionsgemeinschaft an. Der Freimaurer Calles suchte seit Antritt seiner Regierung eine mexikanische Nationalkirche zu gründen. Weil ihm die beabsichtigte Trennung von Rom 1925 nicht gelang, begann er die unmenschliche Verfolgung gegen die Priester und Gläubigen. Für die Dienste, die er der Freimaurerei erwies, erhielt er einen Verdienstorden der Loge. Die Freimaurerei der Vereinigten Staaten hat in der Hauptsache die erforderlichen Gelder zum Kampfe gegen die Kirche beigesteuert. Auch die bekannte gefährliche Geheimgesellschaft der Ku-Klux-Klan beschloß die Calles-Regierung in ihrem Kampfe gegen die Religion nachhaltig zu unterstützen. Vor allem aber war der amerikanische „Nun verlange von ihm hundert Pfund, nimm aber keine Zeugen mit dir!" sagte ihm Krüger. Der Mann tat das und erhielt richtig hundert Pfund heraus. „Nun," sagte Krüger, „nimm deine Zeugen und verlange die andern hundert Pfund!" Der Bur gehorchte und erhielt nun auch die ersten hundert Pfund zurück, da der Kellner sich nicht getraute, in Gegenwart der Zeugen zu leugnen. Protestantismus bei der Katholikenverfolgung eifrig behilflich. Päpste, Bischöfe und Priester wurden schändlich verleumdet. Seit 1870 find in Mexiko nicht weniger als 17 verschiedene Sekten tätig. Trotz der langen Zeit und der kräftigsten Hilfe der Regierung haben eine Reihe derselben kaum nennenswerten Eingang gefunden. Die Methodisten, welche über gewaltige Geldmittel verfügen, die Presbyterianer, die Episkopalen und einige kleinere Sekten haben sich einigen Anhang verschafft. In der Zeitspanne von 50 Jahren vermochten sie jedoch nur 25.000 Mexikaner zu taufen und 92.000 zu „bekehren". Zu letzteren zählen sie auch jene, die nur einmal einer Predigt beigewohnt haben. Die Sekten besitzen zusammen 331 Kapellen, 206 Werberedner, darunter 174 Frauen. Im Jahre 1916 besaßen sie 284 Schulen, darunter 7 theologische Anstalten mit zusammen 13.000 Studenten. Als sehr gefährlich hat sich der Christliche Jungmänner-Bund erwiesen. Auch das Student-Departement, der Cosmopolit Club, die Heilsarmee und der Internationale Studentenklub arbeiten alle an dem einen Ziel, Mexiko Rom abspenstig zu machen. Das Merkwürdige ist, daß dies alles geschehen kann, obwohl in der Verfassung ausländischen Priestern und religiösen Genossenschaften jede Propaganda streng verboten ist. Dieser Gesetzesparagraph wird nur gegen die Vertreter der Umschau. katholischen Kirche gehandhabt. (Bei Ausbruch der jüngsten Kirchenverfolgung wurden die ausländischen katholischen Missionäre sofort ausgewiesen, protestantische Missionäre dursten im Lande bleiben.) Der nordamerikanische protestantische Bischof Miller hat den Präsidenten Calles öffentlich als einen ausgezeichneten Regenten gefeiert und ihm Glück zu den Bemühungen gewünscht, den Katholizismus in Mexiko auszurotten! genau überwacht durch die mächtige Organisation der Kommunisten, die das Vertrauen der Calles-Regierung genießt. Alle ausländischen Blätter und Zeitschriften, die einer „gefährlichen Neutralität" verdächtig sind, werden aus dem Lande ferngehalten. So wurde die „Samstag-Abend-Post", seit sie eine eingehende Studie über die Zustände in Mexiko veröffentlichte, verboten. Die im Lande verbliebenen Bischöfe sind ge- Katholijche Zulumädchen bei ihrem Nationaltanz. lPhot. v. P. Fischer.) Msgr. Drossaerts, Bischof von St. Antonie in. Texas, hat kürzlich in einer Zusammenkunft mit demLeiter derBelgischen katholischen Jugendvereinigungen ausgeführt, daßdie heutigeKirchen-verfolgung in mehr oder minder heftiger Form bereits seit 100 Jahren im Gange ist. Mit der Herrschaft des wütenden Kirchenhassers Juarez und seinen Laiengesetzen habe der Vernichtungskampf eingesetzt. Unter dem Präsidenten Huerta wurde weiterhin das Tragen von Ordensgewändern untersagt. Man kann sich in Europa nur sehr schwer ein getreues Bild von der Grausamkeit der mexikanischen Kirchenverfolgnng machen. Die Zensur ist unerbittlich, alle Blätter werden nötigt, sich verborgen zu halten. Über drei von ihnen wurde das Todesurteil ausgesprochen. Zwei Staaten von Mexiko besitzen sozusagen keine Priester, die anderen nur in unbedeutender Zahl. Vor Ausbruch der Verfolgung waren Pfarreien von 30.000 Seelen mit nur einem Priester sehr zahlreich. Der Klerus selbst, unzulänglich für sein Amt vorbereitet und meist den ärmsten Volksklassen entstammend, war bei den Mächtigen im Lande Gegenstand der Verachtung. Ungeachtet der traurigen Zustände und der verlockenden Angebote der Regierung hat der Klerus großen Mut bewiesen. Seit den mit Hilfe des suspendierten Priesters Perez unternommenen Abfallsbemühungen der Regierung ist kein einziger Abfall von Priestern vorgekommen. Mexiko besitzt eine große Zahl von Indianern und Ungebildeten. Sie sind zwar kirchentreu, aber für eine organisierte Abwehr nicht geeignet. Die jüngsten Aufstände, welche durch einen Streit der Generäle verursacht waren, dürfen den Katholiken nicht zur Last gelegt werden. Den Katholiken fehlt es hauptsächlich an geeigneten Führern und an materiellen Hilfsquellen. Die Finanzwelt Amerikas ist der Bundesgenosse des Präsidenten Calles, ungeachtet der Bedrückungen der verschiedenen Art, denen die amerikanischen Untertanen in Mexiko ausgesetzt sind. Die amerikanischen Kapitalisten sind stark an den Petroleumquellen in Mexiko interessiert nnd sie ziehen einen Kompromiß mit Calles vor. Eine Koalition von mächtigen Geldmännern und eine Handvoll gewissenloser Banditen hat das Heft in der Hand und ihr einziges Ziel ist die Unterdrückung und Verfolgung der katholischen Kirche. Ihr famoser Chef ist Calles, dem nachgesagt wird, daß er bei amerikanischen Banken ein Kapital von 27 Millionen Dollars stehen hat. Und seine Trabanten in den verschiedensten Posten sind eifrig bestrebt, sein Vorbild nachzuahmen. Die Zahreseinnahmen der großen Missionsvereine. Die Gesamtsumme, die der allgemeine Verein der Glaubensverbreitung im abgelaufenen Jahre an die missionierenden Orden, Kongregationen und Seminare verteilen konnte, belief sich auf 43 Millionen Lire, das sind rund 10 Millionen Goldmark. Der Kindheit-Jesu-Verein brachte über 20 Millionen Franken auf, etwa drei und eine Viertelmillion Mark; das noch junge „Werk des heiligen Petrus" zur Heranbildung eines einheimischen Klerus verzeichnete eine Einnahme von über 8 Millionen Lire; die Petrus-Claver-Sodalität verteilte an die afrikanischen Missionen 4,681.000 Lire in bar; die Missionsvereinigung katholischer Frauen und Jungfrauen durste diesmal 5,867.000 Mark buchen, allerdings dank einer außerordentlichen Spende von mehr als 51/2 Millionen Mark, die sie aus Milwaukee in Nordamerika erhielt. Das Sammelergebnis der genannten Vereine beträgt somit ungefähr 22 Millionen Mark. Erwägt man aber, daß der heimatliche und überseeische Missionsbetrieb 150 bis 200 Millionen Mark erfordert, so folgt daraus die Notwendigkeit, einerseits die allgemeinen päpstlichen Missionsvereine überall einzuführen und anderseits die PZerbetätigkeit der missionierenden Gesellschaften nicht bloß nicht zu hemmen, sondern zu fördern und ertragsreicher zu gestalten, denn die Entscheidung, ob die Heidenvölker, das heißt zwei Drittel der Menschheit, für die katholische Kirche gewonnen werden, ist durch die heimatliche Missionsunterstützung in weitem Maße mitbedingt. Die Jnselmissionen in Holländisch-Indien. Zum ostindischen Kolonialbesitz Hollands gehören die großen Sundainseln Sumatra, Java, Borneo-Süd, die kleinen Sundainseln, die Molukken, Celebes und West-Neuguinea. Die Bevölkerung dieser Jnselflur beträgt gegen 50 Millionen. Der schlimmste Feind der katholischen Mission, namentlich auf den großen Sundainseln, ist der Islam, die verderbliche Lehre Mohammeds. Er hat fast zwei Drittel der Inselbewohner umgarnt. Leider wurde der Islam von der holländischen Regierung bis vor zwei Jahrzehnten planmäßig gefördert. Da bis 1902 die holländischen Jesuiten die einzigen Glaubensboten in jenen Gebieten waren, hat auch der Protestantismus einen gewaltigen Vorsprung vor der katholischen Mission gewonnen. Seine Anhängerschaft ist auf eine Dreiviertelmillion gestiegen. Trotz aller Bemühungen der holländischen Katholiken ist es noch immer nicht gelungen, die Regierung zur Aufhebung des § 123 der Katholikenbestimmungen zu veranlassen, wodurch den katholischen Missionären freie Entfaltung ihrer Wirksamkeit verwehrt wird. Erfreulicherweise wandten sich seit 1902 eine ganze Anzahl missionierender Genossenschaften dem ausgedehnten Arbeitsfeld in Jnsulinde zu. Nach den neuesten Nachrichten weisen die einzelnen Sprengel auf Sumatra folgende Katholikenziffern auf: Das Vikariat Padang der Kapuziner 7000, die neue Präfektur Benkoelen der Herz-Jesu-Priestcr 800, die gleichfalls neuerrichtete Präfektur Banka und Billiton der Pikpusväter 600, zusammen 8400. Auf der Insel Java können die Missionen der Jesuiten, Kreuzherren, Herz-Jesu-Missionäre, Lazaristen und Karmeliter über 60.000 Katholiken buchen. Auf Borneo sind Kapuziner und die Mill-Hiller-Missionäre tätig. Erstere, die im holländischen Teil der Insel wirken, haben 1926 durch Väter der heiligen Familie Verstärkung erhalten. Das Kapuzinervikariat zählt über 5000 Katholiken. Erfreulich ist der Fortschritt der Mill-Hiller-Missionen im englischen Teil der Insel. Der letzte Bericht gibt 8405 Katholiken an. Das aussichtsreichste Missionsfeld des malayischen Archipels sind die kleinen Sundainseln Flores, Timor, Soemba, Soembawa usw. In diesem Vikariat der Steyler Missionäre verzeichnet der letztjährige Bericht 100.800 Katholiken mit einem Jahreszuwachs von 5862 Erwachsenen. Auf den kleinen Sundainseln wohnt die Hälfte aller Katholiken des Jnselreiches. In 184 Schulen werden 20.000 Kinder unterrichtet. Im portugiesischen Teil von Timor haben sich die Salesianer Don Boscos niedergelassen. Die Insel Celebes weist unter 3 Millionen Bewohnern 14.500 Katholiken auf. Auf der Insel Neuguinea bestehen die beiden Vikariate Nieder-ländisch-Neuguinea und Papuasien, die von den Herz-Jesu-Missionären verwaltet werden, und die zwei Präfekturen der Steyler Patres Mittel- und Ost-Neuguinea. Nieder-Neuguinea zählt 21.000, Papuasien 10.500 Katholiken, während die Steyler Bezirke 12.500 Katholiken verzeichnen, zusammen 44.000. Die Jnselmissionen der Südsee. Die katholische Südseemission hat gegen ein Heer von Hindernissen zu kämpfen. Schon die weiten Entfernungen erschweren das Missionswerk bedeutend und haben eine Verzettelung wert- vollster Missionskräfte zur Folge. Die Meerfahrten find bei den so häufig auftretenden Wirbelstürmen und Springfluten nicht selten mit Lebensgefahr verknüpft. Die Völker und Stämme der Südsee stehen auf einer tiefen Kulturstufe. Kopfjägerei, Menschenfresserei, Sittenlosigkeit, Müßiggang, Fehden stürzen sie in großes Elend, das noch durch das schlechte Beispiel der Europäer, die von ihnen eingeschleppten Krankheiten und eine unheilvolle Kolonialpolitik vermehrt wird. Dazu kommt die gewaltige Gegeuarbeit der Protestanten, die mit ihrem starken Einsatz an Geld und Personal die katholische Mission, besonders in Polynesien, überflügelt haben. Neue Sorgen und Aufgaben erwachsen der Mission aus der fortgesetzten Einwanderung von Chinesen, Japanern, Phi-lippinos und Angehörigen anderer Völker, was die Sprachenverwirrung noch steigert. Die nachstehenden Zahlen geben den derzeitigen Katholikenstand der ozeanischen Missionsfelder. Das Vikariat Nabaul 25.505, die Präfektur Nordsalamonen 10.656, die Präfektur Süd-salamonen 6172, das Vikariat Neukaledonien 42.000, wovon 30.000 Franzosen, das Vikariat Neuhebriden 2000, das Vikariat Fidschi-Inseln 12.800, das Vikariat Mittel-Ozeanien 8950, das Vikariat Schisferinseln 9.210, die Präfektur Cook 500, das Vikariat Tahiti 8000, das Vikariat Marquesas 2200, das Vikariat Hawai 92.000, das Vikariat der Gilbertinseln 14.000, das Vikariat der Marianen, Karolinen und Marschallinseln 14.000, das Vikariat Guam 14.600, so daß also die Südsee-Jnseln über eine Viertelmillion Katholiken aufweisen. Philippinen. Die Inselgruppe der Philippinen zählt über 10 Millionen Bewohner; davon haben die spanischen Mönchsmissionäre etwa 9 Millionen für die katholische Kirche gewonnen. Rund eine Viertelmillion sind Mo-hammedaner und der Rest Heiden. Seitdem die Vereinigten Staaten von Nordamerika die Inselgruppe Spanien entrissen haben, gestaltete sich die Lage der Kirche immer trostloser. Die Hetze der Freimaurer richtete sich vor allem gegen die spanischen Priester, die zum großen Teil das Land verlassen mußten. Die von der amerikanischen Regierung unterstützte Kirchen- tagsschulen und 155.000 Anhänger. Der protestantische Druck verstärkt sich immer mehr. Alljährlich werden nicht weniger als 100.000 Dollar verteilt, um die Katholiken zum Protestantismus Inneres der katholischen Pfarrkirche in Witbank. (Phot. v. Br. Saget.) Die Kirche von Witbank hat 20 m lichte Länge, 7 m lichte Breite nnd 8*/, m Höhe. Aus Sparsamkeits-riicksichten ist keine gewölbte Decke vorgesehen, sondern der Dachstuhl mit seinem Balkenwerk ist in die Kirche einbezogen. Die beiden schrägen Deckenseiten sind mit blendend weißen Asbesttafeln bekleidet. Der Altar ist äußerst bescheiden. Das Kreuzigungsbild ist von einer begabten Dominikanerin in Öl gemalt. Zu beiden Seiten des Altars stehen zwei sehr schöne, holzgeschnitzte Statuen laus dem kunstfertigen Grödnertale stammend), das Herz Jesu und die Unbefleckte Empfängnis darstellend. spaltung (Schisma) des Aglipay hat anfänglich nicht geringe Verheerungen angerichtet; doch ist die Bewegung längst abgeflaut. Von den bloßen Mitläufern abgesehen, dürfte die Zahl der wirklichen Aglipayaner 100.000 nicht überschreiten. Viel schlimmer wirkte sich in der Folgezeit der von Amerika einströmende Protestantismus aus. Die letzte Statistik zählt 650 Kirchen, 20 Hospitäler, 50 Erziehungsanstalten, 1000 Sonn- hinüberzuziehen. Am unheilvollsten erwies sich aber bis heute die Einführung der religionslosen Staatsschule. Sie ist das beunruhigendste Moment in der ganzen gegenwärtigen Entwicklung. Entsetzlich ist die Priesternot. Weit über 100 Pfarreien sind noch unbesetzt; Pfarr-sprengel mit 30.000 bis 40.000 Gläubigen haben nur einen Priester. In den 9 Priesterbildungsstätten befinden sich nur 950 Theologie- studierende. Man muß sich deshalb wundern, daß die Massen des Volkes noch am katholischen Glauben festhalten; allerdings ist die religiöse Unwissenheit groß. Neben der Priesternot sind namentlich der Mangel an katholischen Privatschulen und das Fehlen einer starken katholischen Presse zu beklagen. Eine segensreicheTätigkeit entfaltenseit einigen Jahren die Stehler Missionäre in den Diözesen Manila, Vigan und Lipa. Sie versehen 12 Stationen, 1 Seminar und 18 Schulen. Die von ihnen 1923 geschaffene Missionsdruckerei in Abra hat gute Erfolge aufzuweisen; auch die Scheutvelder Missionäre haben in Baguio eine Druckerei gegründet, aus der ein Wochenblatt hervorgeht. Sie widmen sich auf 14 Stationen den alten Christen und auf 6 Stationen der Bekehrung der heidnischen Jgoroten. Holländische Missionäre vom heiligsten Herzen übernahmen 1926 die Mission von Surigao. In der apostolischen Präfektur Palawan wirken die Augustinerrekollekten, die aber durch die Seelsorge derart in Anspruch genommen sind, daß sie sich der Gewinnung der Heiden kaum noch widmen können. Im Missionsgebiet der Jesuiten aus Mindanao stehen den 306.000 Katholiken 400.000 Heiden und 26.000 Protestanten gegenüber. (Nach Zeitschrift für Missionswissenschaft, April 1927.) Um in die Hütte zu gelangen, mußte man aus einem vierjprossigen Leiterchen hinauf-und dann über die hohe Stufe in die Hütte hinabsteigen. Die Wände waren außen mit Lehm beworfen, aber über und über mit weißen Ringen und roten Punkten bemalt. Schlangenartig gewundene Lianen hingen neben getrockneten Schlangenhäuten umher. Über der niederen Tür waren Eierschalen angebracht, in jeder steckte eine kleine, farbige Feder. Da standen und lagen seltsam geformte Steine, zwei kleine, turmartige Termitenbauten, tote man sie in der Steppe oft zu Hunderten und Tausenden antrifft. Kalabassen, irdene Töpfe standen umher. Was die Hütte am auffallendsten von den anderen unterschied und sie aus den ersten Blick als Zauberhütte kenntlich machte, war eine Reihe von Totenschädeln, die an Lianen von der überstehenden Dachkante herabhingen. Im Innern der Hütte entdeckte der Pater die verschiedensten Gegenstände und Zaubermittel. Die Wände waren damit bedeckt und die Ecken angefüllt. Das Herz des Missionärs krumpfte sich zusammen bei dem Gedanken an all das Häßliche und Furchtbare, das in diesem Raum und mit diesen Dingen geschehen war. Ein Gefühl des Dankes gegen Gott weitete aber seine Seele, daß er einen Unglücklichen aus der Hand des Zauberers befreien konnte. Und noch fester ward fein Entschluß, sein Leben an die Ausrottung des heidnischen Geistes und an die Ausbreitung der Religion der Liebe zu setzen. An der Seite Katis kehrte er in seine Hütte zurück. Seine Seele war voll von den verschiedensten Gefühlen und er achtete nicht auf das, was sein Boy ihm auf dem Wege von der heidnischen Zauberei erzählte. Der Abend nahte. Die zwei Träger hatten die Hütte für die Unterkunft bereits sauber gefegt und wohnlich eingerichtet. Die Hütten lagen zusammen, kaum zwei Meter voneinander entfernt, das war ein Vorteil bei einer etwaigen Gefahr. Auch waren sie noch ziemlich neu und deshalb von Mäusen, Ratten und Ungeziefer eher frei. Kati schlug das Feldbett des Paters auf und rückte die Kisten an ihre Stelle. Die Träger holten Wasser, sammelten Holz für das Feuer und dachten nicht zuletzt an das Auffinden von Nahrungsmitteln, die ihnen als Abendessen nach den Strapazen und Aufregungen der beschwerlichen Reise gut schmecken würden. Auch in seiner Nebenhütte hatte Kati sich bald eingerichtet. Schon knisterten die lustigen Flammen des Holzseuers auf dem Boden und es brodelte im Topfe. In vorläufiger Ermanglung anderer Nahrungsmittel für den Missionär gab «ne Büchse Konserve ihren Inhalt her. Das Abendessen war bald fertig. Die Sonne sank im Westen. Schnell war der Ort in Dunkelheit gehüllt. Der kranke und verstümmelte junge Mann ruhte auf einem dicken Graslager, dem noch eine Decke aufgelegt war, in der Hütte des Boys, die durch das Feuer angenehm erwärmt wurde. Gern hätte P. Wildhos noch am selben Abend die Wunden des Verstümmelten untersucht und mit den Arzneimitteln seiner Missionsapotheke verbunden, doch erlaubten die armseligen Lichtverhältnisse das nicht mehr. Er begnügte sich damit, dem Armen einen beruhigenden Trank einzuflößen. Am andern Morgen wollte er ihn draußen vor der Hütte verbinden. Es stand schon fest bei ihm, daß er den so elend Zugerichteten nicht in Kantschi zurücklassen würde. Nach dem Abendessen ließ er sich kurz die Geschichte des Unglücklichen erzählen, und aus dem wenigen, das er erfuhr, lernte er den Kantschistamm als einen der wildesten und grausamsten seines weiten Missionsgebietes kennen. Doch jetzt hatte er keine Zeit, sich die Geschichte des Stammes ausführlich erzählen zu lassen. Es galt, sich für die Nacht zu rüsten. Für diese Nacht gab er folgende Befehle aus: Zwei Leute halten Wache, der eine in der Hütte, der auch das Feuer unterhielt, der andere vor der Hütte, der auf das leiseste Geräusch zu achten und beim kleinsten Verdachtsgrund den Missionär zu wecken hatte. Um Mitternacht sollten zwei andere die Wache ablösen. Mit ernster Stimme ermahnte er sie noch einmal zur Vorsicht und zur Wachsamkeit und legte sich dann schlafen. Von Müdigkeit überwältigt und im Bewußtsein, daß die Wächter schon in ihrem eigenen Interesse wachsam sein würden, schlief er bald ein. Da auf einmal — es mochte gegen 1 Uhr gewesen sein — klopfte es hastig an seiner Tür: „Pater, schnell! es sind Leute in der Nähe!" Mit einem Satz ist P. Wildhof an der Tür, denn er hatte sich angekleidet auf das Feldbett gelegt. Den Doppellauf geladen in der Hand lauscht er angestrengt in die Nacht hinaus und starrt in das Dunkel. Nichts Verdächtiges ist zu hören, nichts zu sehen. Schon will er wieder zur Ruhe gehen, aber der Wächter hält ihn am Arme und flüstert ihm zu: „Bleib hier, Pater! Es sind Leute da, sie verhalten sich nur ruhig in der Dunkelheit. Ich höre noch verdächtige Bewegungen." So wartet auch er noch eine Weile untrer selbst glaubt bald, ein leises Geräusch zu vernehmen. Er geht zwei Schritte voran. Und plötzlich sieht er zwanzig Schritte vor sich eine dunkle Gestalt vorüberhuschen und dann noch eine und noch eine. P. Wildhof legt an und gibt zwei Schüsse ab. Das donnert so furchtbar in die stille Nacht hinein, daß die schlafenden Träger erschreckt aus ihrer Hütte herausstürmen. Beinahe ebenso furchtbar gellt das Geheul und Geschrei der Fliehenden, die beim jähen Aufblitzen und Aufdonnern von Entsetzen und Angst ergriffen davoneilen. Noch zweimal kracht ein Schuß durch die Nacht, dann ist wieder alles ruhig. Der gefangene Kantschiknabe zittert und bebt am ganzen Körper und starrt mit schreckgeöffneten Augen auf den Schützen, der mit dem Gewehr in der Hand die Hütte der Träger betritt und für den Rest der Nacht äußerste Wachsamkeit befiehlt. „Pater", sagt einer der Träger, „jetzt können wir ruhig schlafen, da die Kantschileute deinen Donner gehört haben, wagen sie sich nicht mehr in unsere Nähe. Wir wollen wohl gut wachen, aber du wirst sehen, daß ich die Wahrheit spreche." Der Missionär legte sich nun wieder zur Ruhe, doch ohne den Schlaf zu finden. Die Erregung zitterte zu sehr in seinen Nerven. Erst gegen Morgen schlief er ein und erwachte erst, als die Träger und der Boy am knisternden Morgenfeuer das Erlebnis der Nacht und etwaige sonstige Lebensereignisse laut und lebhaft erzählten. Nun las er in der dunklen Hütte die heilige Messe und flehte um Gottes Schutz und Segen für den kommenden Tag. Nach dem Frühstück war seine erste Sorge für den kranken Tschobamann. Er ließ ihn aus der Hütte hervorholen und untersuchte seinen Zustand. Der Arme war schrecklich zugerichtet. Der Rücken, die Seiten und die Glieder zeigten blutige Striemen und große und kleine Wunden, die teils ausgeheilt, teils mit Schmutz und Eiter gefüllt waren. An den Füßen entdeckte er furchtbare Brandwunden, die aber durch die Medizin des Zauberers einen guten Heilungsfortschritt auswiesen. Der Armstumpf war in einen dicken Wust trockener Bananenrinde eingewickelt, ganz mit Blut durchtränkt und verklebt. Trotzdem schien der junge Mann keine besonders starken Schmerzen zu haben, war fieberfrei und spürte auch kein von Eiterdruck herrührendes Klopfen. Deshalb hielt der Pater es für besser, den Verband einstweilen nicht zu lösen, wußte er doch, daß die Schwarzen sich im allgemeinen auf das Blutstillen gut verstehen. Er begnügte sich damit. die anderen Wunden zu waschen und so gut es eben ging, zu verbinden. Wie richtig er die Medizinkunst der Schwarzen eingeschätzt hatte, zeigte sich bei der Ankunft auf der Mission, wo er die Armwunde frisch und ohne Eiter und im besten Heilungsstadiuin fand. Kati, der Boy, versuchte seine Sprachkunst, um allerlei aus dem Kranken herauszulocken, und wenn er auch nicht alles verstand, so wußte er doch bald. die Träger im Dorfe erbeutet hatten. Das Dorf lag ziemlich eng zusammen. Die Hütten hatten alle eine rechteckige Form; die Wände durchschnittlich nur 2 bis 2 >/2 Meter Höhe. An den Wegkreuzungen standen gewöhnlich kleine runde Zauber- oder Geisterhüttchen. Es geschah nichts von Bedeutung und der Tag wurde dem Pater immer langweiliger. Hätten die Kantschi sich ihm feindlich gegenübergestellt. Zulumädchen vor dem Häuptlingskraal. lPhot. o. P. Fischer.) daß derselbe nicht aus Kantschi, sondern aus Tschoba war, den Kantschi in die Hände gefallen und als Opfer der Stammesrache mißhandelt worden war. Der Tag verlief äußerst ruhig. Das Dorf war und blieb menschenleer. Die Kinder und Kranken hatte man in der Nacht sortgeholt und in den Busch geschleppt. Vergebens wartete P. Wildhof darauf, daß der Häuptling ihm vielleicht eine Abordnung senden werde, um mit ihm zu verhandeln oder den Grund seines Kommens zu erfragen. Es kam niemand, weder in friedlicher noch in feindlicher Absicht. Allzuweit in den Busch hinein durfte er sich auch nicht wagen. Da konnte er leicht in einen Hinterhalt geraten oder einer Lanze, einem vergifteten Pfeile zum Opfer fallen. Vorsicht war besser als Waghalsigkeit. So machte er denn in Begleitung seiner Leute Streiszüge durch das Dorf, natürlich im Schutze seines Doppelladers und der Lanzen, welche Kati und das wäre ihm lieber gewesen. Dann hätte er ihnen wenigstens den Grund seines Kommens mitteilen und sie von seinen friedlichen Absichten überzeugen können. Die Sonne neigte dem Untergänge zu. Die Dunkelheit brach schon wieder herein. Und noch blieb alles ruhig. Der Donner seines Gewehres hatte die Leute in der letzten Nacht in zu große Angst versetzt. Die Nacht verlief ebenfalls ruhig. Der Pater schlief einen tiefen Schlaf und die wachhabenden Träger brauchten ihn nicht zu wecken. Der neue Tag und die folgende Nacht brachten ebenfalls keine Abwechslung, zum größten Verdrusse des Paters, der nicht gern vergebens solche beschwerliche Reisen unternahm. Am dritten Morgen hielt es ihn nicht länger im Dorfe. Gern hätte er einige Kantschileute als Träger für den kranken Tschobamann gehabt, aber es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich in den Samariterdienst mit seinen Trägern zu teilen. Er mußte sich kurz entschließen, um in diesem leeren Dorfe nicht seine kostbare Zeit zu verlieren. Er mußte weiter. Der kluge Kati war aber anderer Meinung und wußte guten Rat, um dem beschwerlichen Krankendienste zu entgehen. Und diesmal wußte er sogar P. Wildhof zu überzeugen. „Pater," sagte er, „du willst heute noch fort von hier. Wenn du einen Rat annehmen willst, wird es dir möglich sein, einige Kantschiträger zu gewinnen. Du bist zu müde und zu schwach, den armen Kranken selbst mitzutragen." — „Meinst du?" — „Wir müssen uns Träger fangen." — „Ha ha, Kati, du willst Kantschileute fangen! Ich bewundere deinen Mut. Du willst ihnen wohl ins Dickicht folgen." — „Nein, das gerade nicht. Aber höre. Ich bin sicher, daß der. Häuptling ganz in der Stille Kundschafter und Späher aussendet und über unseren Verbleib stets genau unterrichtet ist." — „So meinst du, daß wir diese Kundschafter abfangen sollen?" —- „Ja, das dachte ich." — „Dein Plan ist großartig, aber . . . aber..." — „Verlaß dich darauf, es wird gelingen." Der Gedanke war nicht übel und versuchsweise sollte der Plan gleich ausgeführt werden. Die Träger freuten sich der Belohnung, die ihnen für einen ober mehrere gefangene Kantschi versprochen wurde. Der Missionär und der Boy lagen abseits im dichten Gestrüpp. Die Träger suchten sich passende Stellen nahe am Wege aus. Eine halbe Stunde etwa war vergangen, da stieß der Boy P. Wildhof an und flüsterte: „Pater, da kommt der erste!" Wahrhaftig, der erste Träger ließ ihn ruhig einige Schritte vorüberschleichen, dann sprang er leise hinter ihm her. Im gleichen Augenblicke sprang ein zweiter Träger plötzlich auf, um ihn zu fassen. Als er sich nun zur Flucht wenden wollte, lief er dem andern Gegner in die Hände. Von den beiden umklammert, war er gefangen und hatte nicht einmal Zeit, einen Ruf auszustoßen. Vielleicht lähmte auch der Schrecken seine Zunge. P. Wildhof und der Boy liefen hinzu, und bald lag der Schwarze mit einem Knebel im Munde und mit Lianen gefesselt am Boden. Dann wurde er in das Gestrüpp getragen, wo der Missionär und der Boy jetzt Gefangenaufseher spielten. Diesmal verging etwa eine ganze Stunde, bis von der andern Seite wieder jemand eilends herankam und auf dieselbe Weise erledigt wurde, wenn es dem Gefesselten auch gelang, einige angsterfüllte Rufe auszustoßen. Nun ging's zum Dorfe zurück, wo die anderen Träger voll Sorge gewartet hatten. Wie sie der glückliche Fang freute! Nun wurden die Vorbereitungen zur Weiterreise mit doppelter Eile und Freude getroffen und bald war die Karawane auf dem Wege. Die beiden Kantschileute trugen an einer dicken Tragstange im Hängenetz ihren Stammes-feiud, den kranken Tschobamann, der vor Glück strahlte, der Gefangenschaft nun endgültig entronnen zu sein. Aus Vorsicht und um ihnen den Gedanken an etwaige Flucht zu verscheuchen, hatte Kati die beiden Gefangenen mit losen Lianen an die Tragstange gefesselt und ging mit dem gefangenen Kantschikuaben hinter den Trägern. Der Pater mit dem geladenen Gewehr bildete den Schluß des so merkwürdig zusammengesetzten Zuges. Die Reise bis zum nächsten bekannten Stamme verlangte einen doppelten Tagesmarsch und nicht ohne allerlei kleine Hindernisse und Abenteuer wurde das gastliche Dorf erreicht. Die beiden Gefangenen wurden nun für ihren unfreiwilligen Trägerdienst reichlich belohnt und waren nicht wenig erstaunt, die Freiheit wieder zu haben und in die Heimat zurückkehren zu dürfen. P. Wildhof gab ihnen verschiedene Aufträge an ihren Häuptling mit. Erstens sollten sie ihm mitteilen, daß er nur in friedlicher Absicht gekommen sei und nicht um irgendeinem Menschen ein Leid anzutun oder den Schwarzen Hab und Gut fortzunehmen. Zweitens sollten sie ihm melden, daß derselbe Weiße übers Jahr wieder nach Kantschi zurückkehren werde, um den Häuptling und seine Leute zu begrüßen, und er hoffe, daß dieselben dann vor ihm nicht das Weite suchen würden. Weiter sollten sie ihm sagen, daß er sie beide nur zu dem Zwecke gefangengenommen habe, um den verstümmelten und der Rache verfallenen Tschobamann mitnehmen zu können; den kleinen gefangenen Kantschiknaben wolle er in das Gehöft des großen Geistes mitnehmen und unterrichten. Er solle dort gut gepflegt werden; kein Leid würde ihm geschehen und übers Jahr würde er ihn in seine Heimat nach Kantschi zurückbringen. Endlich sollten sie dem Häuptling die Geschenke übergeben, die er ihnen reichte. Derselbe möchte diese feinen Sachen als Geschenke des weißen Mannes und als Bezahlung für die in Kantschi fortgenommenen Lebensmittel betrachten. Glückstrahlend zogen die beiden davon. Als der Pater das Abenteuer überdachte, wandte er sich befriedigt an Kati und meinte: „Habe ich nicht richtig vorhergesagt: Es wird sich schon machen?" Er fühlte, die Reise war nicht ganz erfolglos. gewesen. Ein großes Werk der Barmherzigkeit hatte er vollbracht, einen Menschen vor einem grausamen Schicksal bewahrt und — — vielleicht den Anfang am Bekehrnngswerke der Kantschi gemacht. Denn die beiden Kantschileute würden dem Häuptling und ihren Stammesbrüdern von dem weißen Manne, von seiner Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit, von seiner Freigebigkeit erzählen. Im nächsten Jahre würde der kleine Knabe bei seiner Rückkehr in die Heimat das Werk fortsetzen ... Ja, es wird sich schon machen. Aber einstweilen galt es noch weiterzumarschieren. Mit neu angeworbenen Trägern ging's in kleinen Tagesmärschen weiter, bis- endlich die Mission erreicht wurde. Dort war heller Jubel ob des Paters Heimkehr. Der kranke Tschobamann fand nun die sorgsamste Pflege und genas zusehends. Er war bald daheim im Gehöfte Gottes und in seinem Herzen fand die heilige Lehre einen fruchtbaren Boden. Die Genesung des armen Verstümmelten hatte gute Fortschritte gemacht: Er war der Liebling der Mission geworden; alle plauderten gern mit ihm und lockten ihm die Erzählung seiner Lebensschicksale aus dem Munde. Für viele der kleinen schwarzen Knaben war er der Held des Tages. P. Wildhof hatte ihn mit der Erzählung seiner Erlebnisse noch nicht ermüden wollen. Da er nun an einem Sonntagnachmittag mit einem Missionsbruder in seiner Veranda saß und Kenfui vorübergehen sah, winkte er ihm zu und lud ihn ein, ihm sein ganzes Lebensschicksal zu erzählen. Kenfui war etwas beschämt, als der Pater ihm einen Ruhesessel in seiner Nähe anbot, ließ sich aber doch dazu bewegen und sing an zu plaudern: Meine Geschichte ist eine traurige und ich erzähle nicht gern davon, aber dem weißen Vater will ich gern alles sagen, so gut ich kann. Ich bin ein Tschobamann, wie jeder an meinem Stammeszeichen ersieht. Alle Knaben und Männer unseres Stammes haben einen kleinen Punktkreis auf der Stirn und eine tätowierte Lanzenspitze auf jeder Wange. Ich lebte glücklich und zufrieden in meinem Heimatdorfe, das nur wenige Tagereisen hinter dem Kantschistamme liegt. Die ganze Gegend ist voller Berge, zwischen denen nur enge Täler sich hinziehen. Der Boden ist nicht sehr ertragreich und schwer zu bearbeiten, so daß unsere Frauen vom frühen Morgen bis zum späten Abend sich abmühen, um ihm das Notwendigste an Nahrungsmitteln abzuringen. Denn unsere Felder liegen meist an den Abhängen der Hügel und der Berge und der Regen schwemmt oft das Erdreich fort. Auch ist die Berggegend arm an Wild, das sich ja lieber in der grasreichen Ebene, in der Nähe von Flüssen und Seen aufhält. Die meisten Lebensmittel mußten wir uns im Tauschhandel mit befreundeten Nachbarstämmen oder herumziehenden Händlern erwerben, die gerne dafür unsere selbstgeschmiedeten Lanzen- und Pfeilspitzen, unsere Messer und unsere Gerätschaften eintauschten. Denn in der Nähe unseres Dorfes kannten wir geheime Erzlager und viele unserer Leute sind geschickte Schmiede. Das Dorf der Kantschi, unserer Feinde, liegt ebenso in den Bergen und lebt in ähnlicher Weise wie wir, nur daß es gute Töpferwaren verhandelt. Zwischen den Stämmen der Tschoba und der Kantschi liegt die weite Utembaebene, durch welche sich ein breiter, fischreicher Fluß dahinschlängelt. Der Talboden ist äußerst fruchtbar und meist von gewaltigem Elefantengras bedeckt, in dem Antilopen und Büffel und viele andere Tiere Nahrung in Überfluß finden. Viele Menschen könnten dort wohnen, mit wenig Mühe herrliche Pflanzungen und Farmen anlegen und Nahrungsmittel in Fülle ernten. Und doch wohnen keine Menschen dort. Seit langer, langer Zeit leben die Kantschi und die Tschoba wegen dieser Ebene, die keiner dem andern gönnt, in beständiger Stammesfeindschaft. Wenn die Tschoba zur Jagd in die Ebene hinabsteigen, gehen sie nur in großen Scharen, aus Furcht vor den Kantschi. Diese hingegen fürchten die Tschoba, welche ihnen in gleicher Stärke gegenüberstehen. Erwischen die Tschoba einzelne Kantschijäger in der Ebene bei der Jagd oder beim Fischfang, so müssen diese die Stammesrache erfahren. Gelingt es aber den Kantschi, einzelne Tschobaleute zu fangen, so ergeht es denselben bei ihnen nicht besser. Wie viele Kriege haben schon zwischen den beiden Stämmen stattgefunden! Die Stammesrache ist ein altes, heiliges Gesetz der beiden Stämme; ich habe sie oft in meinem Dorfe miterlebt und bin ihr dann selber zum Opfer gefallen, wie ihr an meiner abgehauenen Hand sehet und weiter noch hören werdet. Trotz der großen Gefahren finden sich noch immer einzelne kühne Jäaer, die ihr Glück in der Ebene versuchen, um Wild zu erlegen oder einen Feind zu überfallen. Das Stern der Neger 31 Heft 2 taten eines Tages auch ich und mein Bruder Lanju. Wir trugen jeder zwei scharfe Messer im Gürtel und sechs Lanzen. Das Jagdglück war uns beiden hold, aber es hatte uns auch etwas zu weit in die Ebene hineingelockt. Eine große Antilope hatten wir bereits erlegt. In unserer Freude hätten wir uns noch weiter gewagt, allein Lanju riet zur Umkehr und so schleppten wir dann die schwere Beute unserem Dorfe zu. Da wir bald müde waren und nichts Verdächtiges merkten, setzten wir uns schließlich an einem kleinen Bache zur Rast nieder und legten die Lanzen neben uns ins Gras. Nach einer Weile stand Lanju auf, um nach einer festen Liane und einer kräftigen Tragstange zu suchen, woran wir unsere schwere Jagdbeute bequemer nach Hause tragen könnten. Ich saß ruhig bei der Antilope und dachte an keine Gefahr. Wir glaubten uns ziemlich sicher und hatten wohl die notwendige Vorsicht außer acht gelassen. Denn plötzlich brechen aus dem Gestrüpp fünf Männer über mich her, stopfen mir einen Grasbüschel in den Mund und halten mich fest am Boden. Lanju, der meinen ersten Schrei gehört hat, eilt herbei. Während einer der Kantschi mich gefangen hält, stürzen die vier anderen auf meinen Bruder. Der aber setzt sich zur Wehr und versetzt dem ersten einen schweren Stoß mit seinem Messer. Aber er erliegt bald der Übermacht und wird zu Boden gerissen. Mit den Lianen, die er frisch geschnitten hat, werden wir nun beide gefesselt. Wir sind Gefangene unserer grimmigsten Feinde. Unser Schicksal ist uns bekannt und wir sehen es an dem grimmigen und höhnischen Lachen der Kantschi. Sie waren auch vielleicht zur Jagd in die Ebene herabgekommen. Und nun lachte ihnen ein besseres Jagdglück als uns. Trotzdem waren sie außer sich vor Wut, als sie merkten, daß der verwundete Kantschimann wohl bald sterben müßte. Vergeblich bemühten sie sich, das aus seiner Wunde fließende Blut zu stillen, und um so mehr ließen sie uns durch Stöße und Schläge ihre Rache fühlen. Aber sie wollten uns für das öffentliche Rachegericht daheim bewahren. Das sollte ein Rachefest werden, wie Kantschi lange keines gesehen hatte! Nun begannen schreckliche Stunden für uns, da wir schutzlos ihren grausamen Quälereien ausgesetzt waren. Lanju, der den Kantschimann zu Tode verletzt hatte, mußte besonders darunter leiden. Unsere Arme waren so fest gebunden, daß die Lianen uns ins Fleisch schnitten. Auf unseren Schultern wurde eine Tragstange befestigt, an der die von uns erlegte Antilope hing. Während zwei Kantschileute ihren Schwerverwundeten trugen, gingen die anderen neben und hinter uns her. Wir beiden Gefangenen durften kein Wort miteinander reden. Mit Lanzen und Messern trieb man uns zur Eile an, wenn wir mit den Feinden nicht gleichen Schritt halten wollten oder konnten. An Flucht war nicht zu denken. Trotz des beschleunigten Marsches starb der verwundete Kantschimann, bevor wir das Dorf erreichten. Schreckliche Zornesausbrüche mischten sich in die Klage um den Toten. Was wir da an Quälereien auszustehen hatten, kann nur der begreifen, welcher den Haß der Stammesfeindschaft kennt. Endlich kamen wir in Kantschi an. Die Kunde von der Gefangennahme zweier Tschobaleute und dem Tode ihres Stammesgenossen verbreitete sich mit Windeseile durch den ganzen Ort. Männer, Frauen und Kinder strömten in Scharen herbei. Und je lauter die Klagen um den Toten wurden, um so drohender wurden auch die Zornesausbrüche über den Mörder und Gefangenen. Wir erhielten Stöße, Schläge, Fußtritte, man drohte uns mit Lanzen und Messern. „Tod den beiden Tschoba!" schrien die einen. „Stammesrache, die Stammesrache!" schallte es aus der vieltausendköpfigen Menge heraus. „Stammesrache an den Tschobahunden! Schlagt sie tot, die Hunde aus Tschoba!" Und jeder, an dem wir vorbei mußten, ließ seinen Zorn an uns aus. Unsere Führer ließen es geschehen, bis sie allmählich sahen, daß sie die Gewalt über die Wütenden verloren. Sie entsannen sich der Pflicht, die Gefangenen dem Häuptling vorzuführen und auszuliefern, damit dieser ein großes, festliches Rachegericht veranstalte. Und nicht ohne Mühe gelang es ihnen, uns freien Durchzug durch die dichte Menge zum Gehöfte des Häuptlings zu erzwingen. Als wir unter wildem Geheul der Zuschauer auf dem Platze anlangten, trat der Häuptling aus dem Gehöfte heraus. Er gebot Ruhe und ließ sich über den Verlaus der Gefangennahme und der Ursache des Todes des von Lanju verwundeten Mannes genau unterrichten. Noch nie in meinem Leben habe ich einen so zornerregten Mann gesehen. Er stieß so furchtbare Drohungen aus und seine Stimme war so laut, daß seine Leute selbst bebten. Endlich beruhigte er sich etwas, kehrte uns gegenüber seine Würde hervor und fragte uns: „Wer seid ihr?" — „Wir sind Tschoba." — „Die Tschoba sind unsere Stammesfeinde." — „Das wissen wir." — „Dann wisset ihr auch, was den gefangenen Stammesfeinden geschieht." — „Wir wissen es." — „Ihr werdet furchtbare Qualen erdulden müssen." — „Unsere Stammesbrüder werden uns rächen." — „Ihr werdet uns mit eurem Schreien und Wehklagen das Herz erfreuen." — „Dann tröstet uns der Gedanke, daß die gefangenen Kantschi bei der Racheversammlung in Tschoba ebenso schreien werden." — „Ihr werdet sterben." — „Den Tod fürchten wir nicht." — „Ihr werdet nicht einmal, sondern zweimal sterben." — „Wir werden uns als echte Tschoba auch im Sterben tapfer verhalten." — „Euer Mut wird euch vergehen, euer Herz wird zittern, eure Augen werden weinen, eure Zähne werden klappern, euer Mund wird jammern, wenn unser Zauberer erscheinen wird, um die Stammesrache an euch auszuüben." — „Unser Zauberer Bindabo in Tschoba wird noch Grausameres ersinnen, wenn die Kantschi in seine Hände fallen." — „Genug der frechen Antworten! Ich werde euren Stolz schon brechen", rief er nun zornentbrannt aus. Einem der .Umstehenden entriß er dabei eine dicke Lederpeitsche und schlug uns damit um den Kopf herum, daß uns Sehen und Hören verging. Die Menge brüllte vor Vergnügen und tanzte vor Freude. Wir mußten uns gegenseitig stützen, um nicht vor Schmerz zusammenzubrechen. Endlich war seine Wut gekühlt, er ließ von uns ab und wir wurden auf seinen Befehl hin abgeführt. Was er dem Volke noch alles sagte, konnten wir vor lauter Schmerz nicht verstehen. Nur das eine verstanden wir, daß er für morgen einen neuen Rachetag ankündigte. Man brachte uns in eine Hütte, band uns an Armen und Füßen mit Lianen fest und schloß die Tür von außen zu. Wir wußten, daß uns schreckliche Qualen und ein furchtbarer Tod bevorstanden. Aber was wollten wir machen? Es blieb uns nichts übrig, als uns in unser Schicksal zu ergeben. Senju tobte und verwünschte sich und die ganze Welt. Ich war ruhiger. Vom Dorfe her erscholl die eintönige Totenklage der Weiber zu uns herüber, wir hörten hie und da den taktmäßigen Aufschlag der Füße vom Totentanz der Männer. Und zwischendurch vernahmen wir ein wildes Geheul, das wohl uns galt. Nach einiger Zeit flüsterte Lanju mir leise zu: „Kenfui, wir werden nicht sterben. Wir werden die Heimat wiedersehen!" Ich antwortete nicht: denn wie sollte das Un- | mögliche möglich werden? „Kenfui, diese Nacht werden wir fliehen", hörte ich wieder Lanju flüstern. Ich sagte immer noch nichts. Ich konnte und wollte es nicht glauben. Jeden Rettungsgedanken hatte ich aufgegeben. „Kenfui, willst du immer noch nicht glauben, was ich sage? Bist denn auch du so dumm wie die Kantschileute, die ihre Gefangenen mit Lianen binden?" Ja, wahrhaftig, die Kantschileute waren wirklich dumm. Nun wußte ich, was Lanju meinte. Sie hatten uns mit Lianen gebunden und daran knüpfte er seine Hoffnungs-gedankeu. Er war entschieden klüger als ich. Wenn wir auch kein Messer hatten und mit gefesselten Händen da lagen, wir hatten die Zähne frei und solch scharfen Messern können Lianen nicht widerstehen. So sagte ich denn: „Lanju, ich glaube beinahe, was du sagst. Aber denkst du daran, daß wir wohl die Lianen durchbeißen, nicht aber die verschlossene Tür ohne Lärm öffnen können?" — „Wir werden einen andern Ausweg finden. Wer ein Dach gemacht hat, kann doch ein Dach aufbrechen." — „Aber es wird ein Wächter in der Nähe sein." — „Dann hätten wir ihn schon uns verwünschen gehört." — „Die Wächter werden wohl in einiger Entfernung sich befinden." — „Nein, beim Totentanz müssen alle dabei sein. Man wird sich damit begnügen, von Zeit zu Zeit nach uns zu schauen." — „Wir müssen deshalb wohl warten bis nach dem ersten Besuch." — „Ja, das müssen wir allerdings. Höre, Kenfui, wie ich mir die Sache denke." Und nun setzte er mir in Flüsterworten seinen Plan ausein- > ander. Schon bevor wir in die Hütte eingesperrt wurden, hatte er mit einer Flucht gerechnet. Auf dem Wege nach Kantschi und im Dorfe i selber hatte er sich nach rechts und links nach Anhaltspunkten umgesehen für den Fall, daß ihm ein Entweichen gelingen sollte. Auch die Umgebung der Hütte beschrieb er mir genau, indes ich nicht einmal wußte, ob viele oder wenige Hütten in der Nähe standen. (Fortsetzung folgt.) «gentimter, Herausgeber und Verleger: Missionshaus bet Söhne des heiligsten Herzens Jesu in Graz, Paulustorgaste 10. — Verantwortlicher Schriftleiter: P. Al. Wilsling, Missionshaus, Graz, Paulustorgasse 10. — Universitäts-Buchvruüerei „Styria" in Graz.