Vereinigte
Latbacher Zeltung.
R"- 84. -^
Gedruckt bei Ignaz Al,ys Edlen v. Kle,nmayr.
Dienstag den 21. October 1817.
Innland.
W i e n, den 3. Okt.
^»ttser Kurs hat sich seit 8 Tagen merklich gebessert, ul>d man vcrmutbet im Laufeder näckuen Wocke ein ferneres Steigen. Ms Nr^che dieser sr eineGenehms gunq angeseken werde, nnd Uns am Herzen liegt, Unsern gebliebten Unterthanen Unsere Absichten darüber zu erkennen zugeben, so be-
sehlsn Wrr: Art, i. Iebem Unserer.Untertba-tlen, der bei irgend einer Gelegenheit vor Nns erscheint, oder Uns auf der Straffe begegnet, sei es, daß Wir im feierlichen Zuge als Herrscherinn erscheinen oder nicht, ist verbothen, sich vor Uns aufdie Knie niederzuwerfen, 2. Die Pfarrer sollen an Festtagen und bei der Christenlehre ihren Pfarrkindern diesen Unsern Willen besonders bekanntmachen, und ein ganzes Jahr hindurch soU an dem ersten Sonncage eines jeden Mvnaths bei der Pfarrmesse dem Volle diese Unsere höchste Willensmeinung vorgelesen werden. 3. Unsere Präsidenten und Magistratsperso-l'.cn, Unsere Welt - und Ordensgeistllcken, und aUe sowadl Zivil-als Militär-Behörden Unsers Staates haben bei jeder Gelegenheit zu erkennen zu geben, daß dieses Unser ausdrücklicher Wille ist.
Gegeben in Unserer herzoglichen Residenz Parma, am zehnten September im Jahre des Herrn elntausellH achthundert und siebzehn.
Marie Louise.
In Abwesenheit des Staatsministers:
Cavaliere Cornachia, Präsident des Innern, ^taatsrath.
Neapel, den 2». Sept.
Aus Sicilicn erfahrt man folgenden grausamen Vorfall. Vier Pcrsoncn wollten in einer Landlirche einen Schatz wissen und diesen erheben. Allein sie hatten das Vorurtheil, es, wüßte zuvor auf jenem Platze ein menschliches Opfer geschlachtet werden. Sie bemächtigten sich daher einen 6jährigen Kna, ben nud mordeten ihn unter allerlei abergläubischen Ceremonien auf eine grausame Weise an gedachter Stelle. (B. v. T.)
D e u tsch l and.'
Der deutsche Wehrstand, sagt man , soll bte Ursache seyn, daß ein neuer Fürsteu-Kongretz zusammenkommt, den ewige Nachrichten früher nach Aachen, spätere nach Mannheim, und neuere nach Frankfurtver» legen. Letztere Meinung hat bls jetzt noch das Vorgewlcht; aber man legt der Sache noch einen andern Grund unter, nämlich den, j'ch wegen der Ottnpaüonsarmtt« die
noch in Frankreich steht, zu besprechen. Mv? aber deßwegen besprochen werden soll; ob die Frage von einer neuen Verminderung?, oder von ihrer gänzlichen »urückziebulig, oder ihrer ferneren Beibehaltung , oder ihrer Verlegung in die Gränzstaaten um Frankreich her sei, davon sagen diese Nachrichten nichts,^ Aber hat man die erste Verminderung von. Rad,nette zu Kabinet abmachen, beschließn,/ und vollziehen können, lo ist wohl nickt glaublich, daß ^man es mcht jetzt auch auf die nämliche Art können sollte. Eine andere Meinung g'bt, wie wir oben sagten, diesem Kongresse das Matrikelgcscbast der Buu? desarmee, das heißt, wie viel Truppen jeder deutsche Staat im Verhältniße seiner Größe und Bevölkerung und Einkünfte zu derselben zu stellen haben soll, zum Gegenstande. Aber auch das scheint nicht ganz, wenigstens nicht allein, das Wahre zu seyn. Von den Zeiten des vormaligen heiligen deutschen römischen Reiches müssen dazu noch Maßstäbe vorliegen , die ebenfaUs Berechnungen dieser Art darbieten, nach welchen auch die neueren eingerichtet, un^dasGanze, vom Hause aus^ 'ins Reine gebracht werden könnte. Dieser Kongreß, wenn er in der ssolge wirklich Statt findet, mag also wohl einen andern Zweck haben; beweis't aber zugleich, daß auf dem politischen Verzeichnisse der Zukunft nock irgend ein unbekannter Gegenstand stehe, dessen Aufklärung Mä» erwarten muß. Un< bedeutend ist er nicht; denn es sollen alle zusammen kommen, wie sie in Wien im Winter von i8»^ und i8l5 beisammen waren , und auch der Kaiser von Nußland soll ihm beiwohnen, der an dem Matrikel der deutschen Bundesarmee doch wohl keinen An« theil zu nehmen hat. Die Zeit der Zusammenkunft wird für das künftige Jahr ange-.geden, bis wohin wohl noch Manches darüber gesprochen und geschrieben werden wird. Möge aber auch der Zweck desselben seyn, welcher er wolle, möge selbst die Frage von. der Wcchl eines Bundesprotektors seyn, wenu es nur zum Nutzen und Frommen des Vaterlandes dient, und aus Allem die gehoffte, verheißene große, ehrwürdige, und furcht, bare, Haltung desselben hervorgeht.
f F r a n k r e t ch.
G'tt einig?rZ^tt haben die Zeittlna^ das PnbNku-:) uüt einem m?rklvurdl^cn Krimi« nal^Pro^zu Nhodez unterhalten, der zu Han« ei:ie so ansserordcntliche Kenjatwn err>-qte, daß man die Ankunft des Post-Kuriers .mit der Fortscl;n"g der Verhöre eöc« so ängstlich abwartete, ob als eine urosie Gtaats-begebenbeit im Werke wäre. Es waren aber au^ alle Umstände dieses schrecklickcn Pros zcflcs dazu geeignet , eine hohe Theilnahme ber dem Publikum zu erregen. Erstlich war dcr Ermordete, Herr Fualdez, eine angescheue obrigkeitliche Person im Avciron-De-partcment; ebenso blngeil die Mörder, Jan-sion und Bastide, die selbst reick sind, m?t a/.gesehenen Familien in jener Gegend zusammen; bann hatte die Mordthat selbst et» was so verwegenes und Abscheuliches, daß Hie ans der gewöhnlichen Classe der Vcrbce-cben trat. Fnaldez war auf der Gasse von seinen Feinden Abendsergrissen worden- Sie hatten seinen Mund verstopft? und ihn in ein übelberüchtigtes Haus geschleppt; dort hatten fie ihn auf eine Vank gelegt, ihm mit einem schlechten Messer den Nals durchbohrt, und lhn zu Tode bluten lassen, wahrend Orgeldreher uni das Hans beruin spie? ten mußten, damit man auf dell Gassen das Geschrei des unglücklichen Schlachtopfers nicht hören konnte, dann hatten sie seinen, Leichnam in Packtuch gewickelt, und ibn «unter Bedeckung mehrerer bewaffneter Kerls Machts zum Aoeiron-Flusse getragen, und Ihn dort hineingestürzt, allein der Fluß hatte ihn nicht fortgeschwemmt, und am Hndern Morgen nard cr an demselben Orte gefunden. Die Kinder des Hauses, wo er er-Niordet worden war, hatten d e Mordthat unbemerkt mit angesehen und angebört, und äußerten sich unverholei'.darüber, wor» «nf die Thaler gleich ergriffen wurden. Was «ber noch das Interesse des Publikums er« 5ödte, war, daß eine angesehene Frau., Mad. Manlon, sich zur Nachtzeit in dem Hause befunden öatte,. wo die Mordthat vor>-geqangen ist. DasBetragen dieser Frau ist bis jetzt noch ein Geheimniß. Man vermn-chct? ewe Liebes-Intrigue habe sie juMig
tn jenes Hans gefübr't, vort sei sie von Fuatdez Mördern gefunden worden, und» habe aurn sterben sollen. Allein einer habe tbr das Leben gerettet, nachdem er sie auf den L-'-chnam schwören lassen Nn'incu.d >u oer« rathen. Sie hat o?r Gericht in dunkel,» rachsclbaften Ansdrücken gesprochen ^ welkes man tbeils ihrer Ecba n , iheils ibrem ge^ thanen Gcb'^nre zuschreibt. Sie sitzt jetzt ftst; vielleicht hat sie noch Manches zu.ent-decken. da i')r die Worte entfallen sind, alle Vlörd^r des unglücklichen Hnaldez wärell noch nicht bekannt. (W. Z.)
Zu Bordeaur hat kürzlich ein vieUeicht noch nie erhörter Zweikampf statt gebabt; zwei Brüder haden sich geschlagen; einer blieb auf dem Platze, und der a: dere schoß, sich, nackdem er nach Haus gekommen war, eine Kugel vor den, Kopf»
Vermischte Nachrichten.
Ein jebr witziger Kopf unterhielt in Ge» scllschaft die Anwesenden sowohl durch seinem klsineu luf.sgen A-'.e^doten, die er sebr gns zu erzählen verstand, als durch seine witzi« qen Einfalle. Als er einst als Gast in das Zimmer des geheimen Rathes vvn M ., traf, kam ibm gleich cin junger, vorlaute? Mensch entgegen, den er nur sehr entfernt kanute. ,,O, das ist schön, daß Sie kommen l rief er ihm zu: machen Sie doch gleich einen Witz." — Wie komm ich dazu, baD Sie dieß von'mir verlangen. — ,,O, thun Sie ss doch, ich bitte, bitte" — Nun,-» wenn Sie darauf bestehen, aber nichts für ungut. — Gott ist dreifaltig, — wir Beide sind zweifältig— und Sie sind— einfältig."
„Kind, sagte H.. zu