Ll.oväksxz XMirniLä I> 817 Hinslilsius Drills Verschollenes und Vergilbtes aus dejsen Leben und Wirken. Bon P. v. Radies. Leidig, Verlag van Hermann Foltz. 1879. I? e r sch o l l o n e s und vergilbte :ui!i lifsskii Ws» llilli Uil-sisn. Werschol'l'enes und Wergilbtes aus dessen Heben und M i r k e n. Vo» P. v. Radics. Leipzig. Verlag von Hermann Foltz. 187!,. S' 5" v o r w ort. 'Wenn sich Perl und Demant sonnt im Licht Denke, wie viel ihresgleichen ruht Nngehoben noch in Schacht und Flnth. AnastasinS Grün. Worte des gefeierten unvergeßliche» Freiheitssängers, wir können ^-sie heute auf ihn selbst rückanwendeu. „Perlen" und „Demanten" seiner Schöpfung sie schimmern und glitzern uns aus der „Gesammtausgabe" seiner Werke entgegen; aber bei dem ersten Blicke in dieselbe erkennen wir, wie viel „ihres- - gleichen" „ungehoben" „rnhen in Schacht und Flnth." Die Berliner Berlagshandlnng, welche mit rühmlichem Eifer an die sofortige Sammlung der literarischen Schütze Anastasius Grün's eilte — wofür ihr das deutsche Volk gewiß besten Dank weiß — sie beschränkte sich darauf, der freigesinnten Welt nur allein die bereits bekannten „Dichtwerke" ihres gefeierten Lieblings als dessen „Gesammtwerke" darzubieten, und so schloß sich davon eine stattliche Reihe geistiger Pro dnktionen in Poesie und Prosa ans, die uns ans dem rnhmgekrönten Wirken des Dichters und Politikers Grün-Anersberg in „verschollenen" und „vergilbten" Papieren erhalten sind! So kam es, daß in einer Gesammtausgabe Anastasius Grün's so viele „Perlen" und „Demanten" seines reichen dichterischen und politischen Geisteslebens fehlen. Oder soll Auersbergs „Parlamentarismus im Vormärz", der das Jahr 1848 wetterleuchtend vvrankündete, soll seine epochemachende phänomenale Schrift über Ungarn, ein Meisterwerk historischen und politischen Styls, soll der eine literarische Limelie darstellende Nekrolog Grüns auf seinen alten Freund Fellner („Ernfell"), dem er einst die erste Ausgabe des „letzten Ritters" gewidmet, in Handschrift und Separatdruck, auf Stände-Archiven uud Privatbibliothekeu begraben bleiben'? Soll eine nicht geringe Anzahl der schönsten hellglitzernden Edelsteine, die der Lebende aus seinem poetischen Hausschatze, edelmüthig und mittheilsam in seinen Gaben, so gerne und so willig ringsum spendete, deshalb, weil der Ueberreiche ihrer, da er am Abende seines Lebens „In der Veranda" die Erinnerung an sie auffrischte, im Augenblicke nicht eingedenk war oder sie für eine nächste Nachlese noch aufsparen wollte, nun für immer in aller Welt zerstreut umher liegen gelassen werden? Oder kannte man die „Schachte" und die „Fluthen" nicht, in denen sie ungehoben ruhen? Sei dem wie ihm wolle! Kein Vorwurf der Verlagshandlnng, kein Vorwurf auch dem Herausgeber! Deshalb aber auch uns keinen Vorwurf, wenn wir — beileibe nicht eine Ausgabe des Fehlenden — wenn wir dein deutschen Literarhistoriker d. H. bei dem Stande heutiger Bildung und heutigen Interesses, dem ganzen deutschen Volke in nachstehenden! Bilde ein Mosaikzusammen-fügen ans solch' verschollenen nnd doch nicht minder glänzenden Edelsteinen, ein Bild, das in der Gallerte der Grün'schen Meisterwerke gewiss als kein unwürdiges Pendant hängen mag! Stammen doch alle Theile ans seiner eigenen Hand und selbst aus dem Hintergründe mit dem Ahnenschlosse, und seitab ans der Gruppe der ihu umkreisenden Heimatgeuossen ragt die Gestalt des unvergeßlichen Freiheitssängers empor hoch und hehr und allgekannt! Aus dem Geburtsorte und am Geburtstage Anastasius Grün's. Laibach in Krain 11. April 1878. 4>er Aerftlsser. Inhalt. Seite 1. Berichtigungen als Einleitung......................................................... . 1 2. KrainS deutsches Dichterhaus auf klassischem Boden..........................................11 3. Erzherzog Johann und Jnnerösterreich........................................................23 -t. Der junge Dichter Graf Auersperg............................................................35 5. Aus dem Liebesleben.........................................................................4g 6. Ein Türkenlicd..............................................................................55 7. Die Sage vom Wassermann bei Anastasius Griin und Presircn .... 65 8. Kritik in Prosa und Versen..................................................................75 9. Der Parlamentarier im Vormärz...............................................................83 10. Der „Wiener Spaziergänger" bei Hos 1845 ................................................... 95 11. Ein Märchen aus FranzenSbad................................................................101 12. Da« deutsche Theater in Laibach und die Auerspergc.........................................107 13. 1848. I. Eine Flugschrift für Frankfurt....................................................115 II. Ein Sendschreiben aus Frankfurt................................................122 14. Anastasius Grün als Historiker Ungarns.....................................................125 15. Für einen Rompilger........................................................................135 16. „Zeitklänge" im Sommer 1870 ............................................................. 141 17. f Freund Ernfell...........................................................................147 18. Der Musensohn im Rollstuhl.................................................................157 19. Zwei Gräber im Walde..........................................................................167 20. Zur Geschichte der Anersperge Die Schriftsteller aus dem Hause Auersperg . 177 8. Ans dem Briefwechsel Anastasius Grün's mit dem Verfasser . . 192 e--. D L——' ? '"T--" Einleitung. c R, Hier stand sein Bett. Da hab' ich denken müssen DeS Wiegenlieds auS fernen Kinderzeiten Ven Engelein zu Häupten und zu tznßen Bon Engelein zum Schulz an allen Seiten. AnastasinS Ä rü n. -W «Ws war bisher eine völlig irrige Annahme, das Geburtshaus ---Llnastasins Grüns auf dein sogenannten „Neuen Markte" oder theilte „Auersperg-Platze" in Laibach, der Hauptstadt Krain's, zu suchen. Dazu verleitete die heimatlichen Forscher und die, welche ihnen nachschrieben, wol der Umstand, daß, Graf Anton Alexander Auersperg durch mehrere Jahre das Haus Nr. 6 auf dem genannten Platze eigenthümlich besaß, welches Hans er jedoch später an seinen Verwandten ans der Stammlinie an Richard Grafen AnerSperg verkaufte, ans dessen Erbe es in jüngster Zeit in den Besitz des Nachbars, des jungen Freiherr» von Liechtenberg-Janeschütz übergegangen ist. Anastasius Grün's, des deutschen Dichters, Geburtshaus in Laibach ist das „deutsche Hans," das Comthnrgebände de^ deutschen Ritterordens. Auf den Ruinen eines Neptuntempels hatten im frühen Mittelalter die Tempelherrn sich in dem fränkischen ans den Trümmern der Römerstadt Emona wiedererstandenen „weißen Laibach" ihr Ordenshaus erbaut. Ihre Kirche war in Form eines Kreuzes angelegt. Da sie aber in dem heftig entbrannten Streite der Ortenbnrger, der Herzoge im benachbarten Kärntherlande mit den Patriarchen von Aguileja um die Hegemonie in Krain ans Seite des geistlichen Fürsten von Aglar standen, mußten die Templer ans Befehl der Ortenbnrger Laibach verlassen. An ihre Stelle rückten die Ritter des deutschen Ordens in die Mission und in den Besitz! Ein wolarrondirter Complex von Wies und Wald rings um das Templerhans bezeichnete bald als „deutscher Grund" das Eigen der Marianer-Ritter. Das „deutsche Hans" in der „deutschen Gasse" wie es heute vor uns steht, ward im Jahre 1579 „von Grund anferhebt," was eine zeitgenössische Inschrift ans dem Rückflügel besagt, nachdem ein „grausames Erdpidem" den früheren Bau 1511 in „Schutt" verwandelt hatte. Die Stürme dreier Jahrhunderte sind an der massiv-soliden Con-struction des Hauses spurlos dahingegangen und trägt das stattliche Gebäu das Gepräge einer opulenten Prülatnr namentlich in seinem Innern, in der Enfilade der saalähnlichen Gemächer mit dem schönen großen Hauptsaal, in welchem seinerzeit auch eine „Loge der Freimaurer" bestand und in späterer Zeit mit großer Liberalität den „Evangelischen" gestattet ward, ihren Gottesdienst abzuhalten! In diesem „deutschen Hause" hatte zu Beginn unseres Jahrhunderts, durch die Güte des damaligen Rathsgebietigers der Balley - Niederösterreich Alois Grafen Auersperg der Vater Anastasius Grüns, Graf Alexander Auersperg ein Absteigequartier eingeräumt erhalten, ehe er sich das früher genannte Hans Nr. 6 ans dem heutigen Auersperg-Platze erkaufte. Dieses Absteigequartier benützten Graf Alexander Auersperg und Gemahlin bei temporärem Aufenthalte in der Hauptstadt — wenn sie von ihrem reizenden Schlosse Thnrn-am-Hart hereinkamen — und so weilte denn die Mutter des Dichtergrafen eben im Lenze des Jahres 1806 in Laibach und es erblickte am 11. April des genannten Jahres Grün-An ersperg hier im „denschen Hause" das Licht der Welt, in einem geistlichen Hause, er, dem es nachher so vorzüglich gelang, „die Dicken" und „die Dünnen" in Reime zu bringen! Die dvenmentirte Angabe über diese Gebnrtsstätte entnehmen wir der Taufmatrikel der St. Nikolaus-Dvmpfarre in Laibach, deren Mittheilung ich der liebenswürdigen Freundlichkeit des hochwürdigen Domherrn und Dompfarrers Urbas — in weiteren Kreisen als naturwissenschaftlicher Schriftsteller bekannt, — verdanke. Es heißt da: Stadt Laibach Hans Nr. 180, (das alte Nummer des „deutschen Hauses") 12. April (also nach landesüblichem Gebrauche Tags nach der Geburt), Maria, Anton, Alexander, Josef, Richard, Siegfried, Lev, Vater: Alexander Graf Auersperg, Mutter: Cäcilia Gräfin Auersperg, geborene Freiin von Billichgratz (aus einem uralten gegenwärtig erloschenen Adelsgeschlechte Krains), Pathen: Anton Freiherr von Billichgratz, Landstand in Krain und Beatrix Gräfin Auersperg geborene Gräfin Falkenhayn. Den Taufact nahm vor der Domherr Seifried Graf Gallenberg, aus einem hervorragenden krainischen Adelsgeschlechte, das zu dein hochberühmten Hanse der Anresperge die Jahrhunderte her in vielfacher freund- und verwandtschaftlicher Beziehung steht. Da die Biographien über Grün - Anresperg voran die Skizzen in Wurzbachs biographischem Lexicon — das bei allem unleugbarem Verdienste gar manche unverantwortliche Lücken weist — von den Eltern und Großeltern des Dichtergrafen vollends schweigen, so will ich, was mir aus Erzählung meiner Eltern und anderer Zeitgenossen und ans früheren schriftlichen Aufzeichnungen über dieselben bekannt geworden, in Kürze hier anführen. Vorerst ein paar Worte vom Großvater. Das Archiv aus Stammschloß Auersperg bewahrt einige Aktenstücke, welche den Erbland-marschall in Krain Alexander Grafen Auersperg betreffen und seine politische Stellung in der Landstnbe zu Laibach illustriren. Da erhält er von Seite der „Repräsentation und Kammer in Krain Rio. Laibach 12. Mürz 1747 einen Erlaß, mittelst welchem ihm das Befremden zu erkennen gegeben wird, daß er die an die Stände ergehenden landesfürstlichen Resolutionen und Verfügungen (absolutistischer Tendenz!) auf den Landtagen mit der «pnosstio am? „ob nämlich selbige den ständischen Freiheiten nicht zuwider und dagegen Vorstellungen zu machen wären" vorlege; solcher Zusatz, — wird ihm eingeschärft — habe in's Künftige wegzubleiben und die landesfürstlichcn Resolutionen und Verfügungen seien „simpliciter, wie selbe erlassen würden" zu eröffnen! Anastasius Grün's Großvater scheint sich aber an diese die Ständischen „Freiheiten" alterirende Mahnung nicht gehalten zu haben, denn drei Jahre später, den 19. November 1750, erhält er von derselben Stelle die Mittheilung, daß die Aktivität eines Landmarschalls bei den Ständen aufgehoben und an den Landeshauptmann übertragen sei. Und der Sohn — Anastasius Grün's Vater — er trat in die Fußstapfen seines Vaters. Ebenso festen entschiedenen Charakters wie der „gemaßregelte" Landmarschall war sein Sohn, gleich dem Vater Alexander genannt, als er die politische Arena betrat. In der stillen Abgeschiedenheit von Thnrn-am-Hart hatte sich Graf Alexander Auerfperg sun. herangebildet, bis er die Universität bezog. Nach vollendeten juridischen Studien widmete sich Grün's Vater dem Jilstizdienste in seiner Heimat Krain und trat 1794 (im Alter von 20 Jahren) als Anscnltant bei den k. k. Landrechten in Laibach ein. Diese Nachricht, wie überhaupt ein genaues onrriouluiu vitm desselben entnehme ich, einem von mir im Archiv des gräflich Attems'schen Schlosses Lustthal bei Laibach aufgefundenen Briefe des Grafen Auerfperg an den damaligen Besitzer von Lnstthal, Se. Excellenz Baron Josef Erb erg, gewesenen Erziehers des Kaisers Ferdinand. Auersperg schreibt an Erberg, den er um seine Intervention behufs Erlangung einer von ihm gewünschten Staatsstellung ersucht, unterm 19. December 1813 aus Thurn-am-Hart: „Euer Excellenz! Hochgeborner Freiherr! Ihre mir stets erwiesene Freundschaft läßt mich mit Grund hassen, daß Eure Excellenz Ihren viel vermögenden Einfluß bei Sr. Majestät mir in gegenwärtiger Angelegenheit zum Nutzen verwenden werden. Daß ich drei Jahre Auskultant bei den k. k. Landrewten in Krain seit Ul. Juni l794 bis zum ersten Einfall der Franzosen in Laibach Ende März 1797 am RathSlische diente, dann aber ohne zu rcsigniren wegen den Todfall meines Vaters bis Jänner 1799 in Thur-am-Hart privatisirte, seit Jänner 1799 bis Juni 1800 als Bureauprakticant bei Herrn von Kanal und Baron Busch, seit 1800 aber bis Jänner 1805 als supernnmmerärer Kreiscommissär diente, sind die Daten, auf welche ich mein Gesuch stütze. Die Familienverhältnisse machten es nothwendig, den Dienst sür damals zu qnittiren. Diese Umstände können Ihnen Euer Excellenz selbst den Wink geben, in wie weit und welche Charge ich verdient haben könnte, wobei ich noch dieses zn überlegen bitte, daß ich j„ dem Anzrnlilillie der französischen Adircluug in», Snbunnl. (!<»»,' >I'»,»i>vI und Anlrndanlk» angesxrochr» wurde, über aus Anhältglichheit für lueiucu Kaiser nichts als die Mairie und diese nnr aus dem Gründe auuahm, damit ür nicht ein sransosischrr Angestellter erhalle und ich soviel »täglich in dicier Charge, die ich auch nur noch provisori'ch begleite, den österreichische» tzalriolisinuo vereinigen möchte. Ich bitte daher mir eine allen diesen Umständen angemessene Charge zu verschaffen und bin mit gränzenloser Hochachtung Euer Excellenz hochgeborner Freiherr gehorsamster Alkiander Graf Auersiierg »>. p." Es liegt keine Andeutung vor, ob Erberg sich für seinen Freund Auersperg mit dein er später noch intim ward — Auersperg titulirt ihn 1816 „schätzbarster Bruder" — ans obiges Schreiben hin irgendwie verwendete. Erfolg war keiner. Grün's Vater bekleidete keine Staatsstelle mehr. Anastasius Grün's Pater, Maria Alexander Graf Auersperg erschien am Schlüsse des 18. Jahrhunderts als Mitglied der adeligen Gesellschaft Diana die Jägerin in Laibach, welche außer der sportlichen eine weiterreichende (politische) Bedeutung hatte, und unter der Großmeisterschaft des Königs von Sicilien stand. Die Societät in Laibach — in Görz und Graz waren Zweigvereine — zälte um 1787 71 männliche und 25 weibliche Mitglieder ans Krain, Steiermark, Kärnthen Ungarn und Croatien. Unter den „CavalierS" befand sich, wie angedeutet auch Alexander Graf Auersperg k. k. Auskultant der Rechte, unter den Damen: (die nachherige Taufpathin Anastasius Grün's) Beatrix Gräfin Auersperg geborene Gräfin Falkeuhayn. Im Familienarchive des Herrn Grafen Barbo (Reichsrathsabgcvrd-neten) auf Schloß Kroissenbach in Unterkrain werden, mir mit besonderer Liebenswürdigkeit mitgetheilte, Schriftstücke bewahrt, welche Aufschluß geben über die Tendenz dieser adeligen Gesellschaft. Das wichtigste derselben ist der Originalaufnahmsbrief des Grafen Weichard Barbo in die Societät. Das wohlerhaltene Siegel der Gesellschaft zeigt Diana an einem Baume sitzend, in der erhobenen Rechten hält die Göttin das Hüfthvrn, vor ihr stehen zwei Hunde, und zu ihrer Linken ein dritter, hinter dem Baume lehnt ein Gewehr, im Hintergründe erblickt man einen Felsen mit einer Gemse, auf der Kuppe. Die Hauptsache weist aber der Baum selbst, an einem Aste desselben hängt die Waidtasche. Diese ist es, die den Schlüssel zur Lösung des bisherigen Räthsels der eigentlichen Tendenz der Societät bietet. Die Darstellung der Waidtasche läßt uns nämlich unschwer die Symbole des Freimaurerordens erkennen. Während der Uinhüngriemen in seiner Constrnction den Cirkel mid die Taschenklappe das Winkelmaß darstellen, bildet die Form der Tasche selbst ven Stein. Dazu stimmen die Stellen des Aufnahmsbriefes, welche davon sprechen, daß die „Verdienste und Eigenschaften des Grafen" den „von der Societät festgesetzten Gesetzen gemäß befunden wurde" und daß der Graf „aller Vorrechte und Vorzüge der Societät theilhaftig gemacht werde," dazu stimmt, daß in der Instruction der Societät (in Görz) der Passus vorkommt: „Wenn wie nicht zu hoffen ist, ein Mitglied einem Fremden durch Zeichen oder Erkenntnißwörter die Societät entdeckt u. s. w."; dazu stimmt, daß die Laibacher Societät 1802 von der Regierung wegen Staatsgeführlichkeit (!) aufgehoben wurde, dazu stimmt schließlich, daß wir einer Reihe von Mitgliedern dieser aufgelösten Societät in der Liste der Freimaurerloge „lO-aueo-Illzwisnua" wieder begegnen, welche während der französischen Zwischenherrschaft in Krain am 1. Februar 1812 iu Laibach gegründet wurde! Diese französische Zwischenherrschaft brachte dem Lande Krain manch noch heute im besten Andenken stehendes Institut: die Mairien, die Friedensrichter, ausgezeichnete Schulen u. a. m., aber sie erfüllte doch den patriotisch-österreichischen Sinn der Bewohner mit tiefem Schmerze und stellte an das durch die vorhergegangenen großen Kriege und Truppen-durchzüge materiell sehr geschädigte Land unerschwingliche Forderungen. Diese Drangsale der Kriege und Invasionen, von denen am ärgsten, wie begreiflich, die besitzende Classe getroffen wurde, erlebte, wie schon angedeutet, Anastasius Grüu's Vater, Maria Alexander Graf Auersperg iu all ihren Conseguenzen mit. Ein Mann von ausgesprochen deutscher Gesiunung sigurirte er, als dem Franzmann das schier ausgepreßte Krainlaud iu den horrenden Zifferansützen der Steuern nicht mehr genügen konnte, auf der Liste jener Magnaten des Landes, welche der Generalintendant verhaften zu lassen empfahl, um durch dieses Mittel die gewünschte Wirkung: die sofortige Eintreibung der geforderten Auflagen zu erzielen! Graf Auersperg entzog sich dieser Maßregel des schonungslosen Feindes durch eine Reise nach Istrien! Die Völkerschlacht von Leipzig brachte dem Lande Krain die Befreiung aus der erdrückenden Steuerschraube der Söldlinge des kleinen „großen Corsen". Die altgetreue „windische Mark" — das festeste Bollwerk Oesterreichs und Deutschlands, der Cultur'und Civilisation in jahrhundertelanger Abwehr der Türkenvisiten — es konnte wieder entgegenjubeln dem in verjüngter Kraft frischem Auffluge des Aar's der Habsburger. Die Stände Krains, deren Autonomie namentlich im Zeitalter der Reformation das ausgesprochenste Selfgovernement repräsentirte, mit Selbstverwaltung in allen Zweigen, mit eigener Gerichtshoheit, mit Selbstbesteuerung, mit Nationalmiliz und die um die letzten, von Maria Theresias straffer Centralisation übrig gelassenen kargen Reste dieser Autonomie durch Napoleons „Organisation von Jllyrien" gebracht worden, sie benützten die Tage des Jnbels um die Wiederherstellung ihrer „ständischen Verfassung" anzustreben. Eine Huldigungsdeputation an Kaiser Franz sollte sofort an das kaiserliche Hoflager abgehen. Fürst Wilhelm Auersperg, Herzog von Gotschee, der erste Repräsentant der Stände Krams, übernahm es, beim Kaiser und zwar noch in Paris den Empfang einer solchen Deputation zu erwirkeu. Das hochfürstlich Auersperg'sche Hausarchiv im Laibacher Fürstenhofe bewahrt das darauf bezügliche Schreiben des Fürsten an seinen Inspektor in Laibach. Dasselbe — mehrfach interessant — lautet wörtlich: „Ich habe meinen Auftrag bei Sr. Majestät den Kaiser in Betreff der Herrn Deputirten aus Kram gemacht und Inspektor wird in Folge die Antwort kund machen. Se. Majestät der Kaiser haben entschlossen, die Deputation von denen eroberten Ländern dazumahl anzunehmen, bis er selbe übernommen hat, das nemliche in Italien re. re. Dieses werden sie denen Herren Ständen also gleich zu wissen machen, diesen Entschluß erhielt ich von Sr. Majestät dem Kaiser selbst in Paris den 7. Mai 1814 mit dem Aufträge, es selben zu wissen zu machen. Prag, den 18. Mai 1814. Wilhelm Fr. Auersperg, mp. Herzog. Noch im Laufe des Jahres 1814 ging die große Deputation aus Kram, Kürnthen, dem Küsteulande, nach Wien. Unter den Deputirten aus dem Neustädtler (Nndvlphswerther) Kreise Unterkrains befand sich Anastasius Grüu's Vater Alexander Graf Auersperg. Wie schon angedeutet, war der Hauptzweck der kraiuischen Deputirten die Wiedereinführung der ständischen Verfassung und sollten sie ihre Wünsche in sechs Punkte zusammengefaßt dem Kaiser vortragen. Doch war bei der Audienz — wie eine Aufzeichnung besagt*) — keine Zeit dazu und die Deputirten mußten nun, wie ein gleichfalls noch vorhandenes Bronillon einer Quartierliste von hohen Persönlichkeiten in Wien uns belehrt, mit ihren „püs ckosicksrutm" an die maßgebenden Thüren anpochen; zuerst natürlich beim allmächtigen Staatskanzler Fürst Metternich, dann ihm zunächst bei Staatsrath Hudelist iu der „niederländischen Kanzlei", dessen Ressort aber die „eroberten Lande" gewesen zu sein scheinen, wo nicht officiell, so doch mindestens officiös. Und noch lange währte es und eine Fülle von Aktenstössen sammelte sich aus Memoiren, Entwürfen, Gegenentwürfen n. s. w. bis jenes auf ein Minimum von Freiheit redncirte neue Ständestatut von Kram zu Stande kam, das die Verfassung dieses Krvnlandes bis zum Jahre 1848 bildete. Wir werden davon sprechen, wenn wir mit Anastasius Grün dieses krainische Parlament des Vormärz besuchen werden. *) fürstlich Auersperg'sche« Haiisarchiv im Laibacher Fürstenhof. Grün's Vater erlebte die Reactivirung des krainischen Stände-lvcseiis nicht: er starb am 8. Februar 1818; das kaiserliche Statut über die Einführung der ständischen Verfassung in Krain trägt das Datum des 29. August 1818. So war Anastasius Grün als Knabe von 12 Jahren der väterlichen Führung beraubt; dafür umfloß ihn die ganze Liebe seiner Mutter, einer Dame von echt aristokratischem Gepräge. Ihr lebensgroßes Porträt (Kniestück) tritt majestätisch hervor aus der Fülle von Gemälden und hunderterlei Nippsachen, die das Arbeitszimmer des Dichtergrafen auf seinem Schlosse Thurn- am- Hart schmücken. In der Tracht der zwanziger Jahre mit der Robe ü In Olrogna, einem Federbarett, den hohen bis nahe an den Ellenbogen reichenden schwedischen Stutz-Handschuhen, Perlenschmuck und goldenem Lorgnon, das braune Haar in Scheitellocken aus dem perlenumsäumten Barett hervorlugeud, mit ihrem schönen, großen dunklen Auge milde blickend, die zarten Wangen des feingeschnittenen Gesichtes von dem schönsten blühendsten Roth übergössen, so zeigt sich uns in hvheitsvoller Würde und unmuthigster Schöne die Mutter Anastasius Grüns! Diese Mutter, die an Stelle des früh ihm entrissenen Vaters seine Erziehung in jenen Tagen leitete, da er in den Ferienmonaten und Zwischenpausen auf heimatlichem Bodeu weilte, ausruhend von den Studien und Arbeiten jener Anstalten (Theresianum, Jngenieurakademie, Älinkowström'sches Institut), deren Bildung er abwechselnd anvertraut war, diese Mutter liebte und verehrte Grün-Auersperg mit der ganzen Gluth edelster Kindesliebe. Was Wunder daher, daß er dann auch fein erstes ,,Buch", das er fertig hatte, dieser Mutter zu Füßen legte. Die erste nun schon ,,sehr selten" gewordene Ausgabe der Gedichtsammlung: „Blätter der Liebe" (Stuttgart, Druck und Verlag von Gebrüder Frankh 1830) erscheint nämlich ihr gewidmet und empfiehlt die Sammlung auf den ersten Blättern schon ein tiefempfundenes sinniges Widmungsgedicht: „An meine Mutter". Da diese erste Ausgabe der Blätter der Liebe wie gesagt schon sehr selten geworden, da weiter Anastasius Grün aus dieser ersten Sammlung seiner Gedichte nur wenige in die spätere Ausgabe der Gedichte hinübernahm, da schließlich der Herausgeber der Gesammtausgabe die von Grün nicht herübergenommenen Gedichte der ersten Publikation gleichfalls aus den Gesamintwerken ausschloß, da somit das reizende Widmungsgedicht unserer Generation gegenüber schon als „verschollen" gelten kann und es nach dem beliebten Vorgänge der Edition der Gesammtausgabe auch den künftigen Geschlechtern gegenüber bleiben soll, so stehen wir nicht an, es hier als Schlußstein der Zeilen hinzustellen, die dem Andenken der Eltern Anastasius Grün's gewidmet sind. Die schönen Verse lauten: Lu meint Mutter. Rasch springt der Seemann aus des Schisses Mitte, Das ihn zur Heimath trug vom Jnderlande Kniet sreudethriinend erst am Heimalhstrande, Dann eilt er schnell zu seiner Mutter Hiitte. Ein Blumenstrauß allein, im Ost gezogen Aus fernem glüh'ndc» Boden ausgekeimet Vom fernen, blauen Himmel mild umsiiumet, Getränkt von des Ganges lichter'» Wogen, Blieb als Erinn'rung ihm an schön're Auen; Doch den selbst legt er ihr zu Füßen nieder. — Bald scheidet er, bald auf dem Meere wieder Treibt er durch Sturm und Nacht und Wettergrauen. Doch oft vorm Strauß sieht man die Mutter stehen Ihn sorgsam pflegend, wähnt sie jene Auen Mit selt'nen Blüthen vollgeschmückt zu schauen, Und sieht den Sohn fern durch die Blumen gehen. Nach einem Eiland trieb's mich immer wieder, Wo ich einst Blumen pflückt' im Jugendtriebe, Und jenes Land heißt sonst das Land der Liebe Und meine Blumen nennt bei uns man Lieder Zwar jenes Eiland seh' ich nimmer wieder, Wo ich so sonst auf üppig Grün gebettet; Doch jenen Slrauß hab' ich im Sturm gerettet, Bor dir, o Mutter, leg' ich jetzt ihn nieder. Die Blumen sind entblühet schön'rem Boden: Der Theuren Angesicht als Morgenröthe, Umglühte einstens ihre stillen Beete, Sanft als Zephir umhanchle sie ihr Odem; Und auf die Blumen glänzten ihre Augen, Und jene blickten sehnend stets zu ihnen Des Tag's: weil sie ein blauer Himmel schienen, DeS Nachts: weil Sterne, d'raus sie Glanz entsangen. Wie Sounensäden in des Aethers Auen, So hielt ihr Haar die Blumen goldumschlungcn, Rings hüpft der Küsse Schaar als Gärtuerjnngen, Auch fehlten Thränen nicht, sic zu bethauen. Was Wunder, daß bei solcher Pfleg' und Erden So schnell gesproßt, gcknosp't, geblüht die Keime'? — Du füllst mit Blumen gern der Fenster Räume, So mög auch meinem Strauß ein Ruhplatz werden; Dann wenn sich Winterstürme draußen ballen Wird er im Haus ein Stückchen Lenz dir zeigen Empor wird dir das schöne Eiland steigen Deß Haine ich einst liebte zu durchwallcu Doch auch im Meeressturm wirst du mich sehen Mein Aug vertrauend, dankend auswärts wenden, Das bedeutungsvolle Sträußchen fest in Händen, Aus meines Schiffs zerschellten Trümmern stehen. Hrill'ii's ?le"l5tljes Dichtorhiins ans klassjslllkm Jodln. Die Flagg' entroll' am Thurm den Winden, Verkündend, dasi der Herr im Haus; Wußt' ich den Trödler aufzufinden. Faust's Mantel wählt' als Fahn' ich auS. Den Freunden soll sie weit zu sehen, Unsichtbar läst'gen Gästen sein. Anastasius Grün. U ^Ma wo sich aus der ,,metallenen Gleise" Verknotignng die „croatische der Reichsstraße unter den Eisenbahnen Oester-re ichs, der Südbahn von dem die Residenz Wien mit der Hafenstadt Triest direct verbindenden Schienenstrange nach dem Südosten der Monarchie abzweigt, steht verbindend die alte Krainmark mit der Mark von Steyr, eine festgefügte steinerne Brücke, unter deren schöngezogenen Bogen das milde Wasser der Sann in die ans wildromantischem Felspasse kommende, und nun sich breiter ergießende, von den Heidenslovenen einst göttlich verehrte Save ruhig und sanft sich ergießt! Diese steinerne Brücke, an deren einem Eingänge uns des „Prinzen Johann" freundlich Antliz grüßt, —eine Brvncenbüste in einer Rotonde mit der Gedenktafel, daß von ihm die Idee zu diesem Brückenschläge ausgegangen und daß der Ban 1826 vollendet war — diese steinerne Brücke gab der „Station Steinbrück" den Namen, von der aus wir am linken Ufer der Save, vom Dampfroß gezogen, durch lieblich lachende Thalflnren hin unserm Ziele — Schloß Thnrn-am-Hart, Krains deutschem Dichterhanse, zueilen. Hüben und drüben — die Save trennt hier Krain von Steiermark — ragen auf grünen Waldbergen hoch oben weiße Kirchlein, es grüßen da und dort 'auf Hügeln und Felsvorsprüngen romantisch oder idyllisch gelegene Schlösser und Schlößlein, hart an die Ufer rücken in langgereihten Zeilen die Ortschaften; auf den sonnigen Süd-Abhängen der Berge grünt die Rebe — allüberall blüht Leben. Und zwischen durch die gottgesegnete Landschaft schlängelt sich das Silberband der Save. Die Geschichte mit ihren wechselnden Gestalten zieht mit den Burgen und Burgruinen, mit den alten Häusern von Stadt und Markt, die da am Wege liegen, an uns vorüber! Wir sind auf classischem Boden. Unweit der Stadt Gurkfeld drüben in Krain — welcher Stadt eben im Vorjahre ihr treuester Bürger, der Reichsrathsabgeordnete Herr Martin Hotschewar mit dem Aufwand von über hunderttausend Gulden eine Schule erbaute, deren Prachtbau jeder Hauptstadt zur Zierde gereichen würde — unweit dieser durch die Geschichte der Türkenkriege und der Reformativnszeit geweihten Stätte, hatte die weltumfassende Roma auf ^ ihrem Straßenzuge nach Siscia — dem heutigen Sissek — eine Stadt gebaut, Neviodunum hieß sie, und deren Reste, Gebändefnndamente, Mosaikböden, Bäder, Votivsteine, Gräber, Münzen, Schmixck n. s. w. grub man in den 40er Jahren unseres Jahrhunderts bei dein Dorfe Dernovo ans Tageslicht. Die Herrschaft Gurkfeld gehörte dem Grafen Anton Alexander Auersperg — unserm Anastasius Grün —dies war der Anlaß, daß man sich behufs der Nachgrabungen Seitens des historischen Vereins für Krain an den Herrschaftsbesitzer wenden mußte. Und Grün-Auersperg bewilligte dies nicht nur in der liebenswürdigst zuvorkommenden Weise, sondern er betheiligte sich auch kraft des Interesses, das er an jeder wissenschaftlichen Strebung nahm, an dem Fortgange der bezüglichen Arbeiten mit Rath und That! An der benachbarten Kirche von Haselbach, der Pfarrkirche von Thnrn-am-Hart, knapp am Eingänge in das Gotteshaus, liegt von den Grashalmen des ringsum ausgebreiteten Friedhofes geküßt ein alt-römischer Denkstein eingemauert, dessen Darstellung Grün-Aner-sperg, wie er es mir selbst erzählte, auf seinen Spaziergüngen öfters zu betrachten pflegte. Wie auch nicht?! Das klassische Symbolnm zeigt einen Jüngling mit Flügeln, in der Rechten einen Schmetterling, in der Linken einen zersprungenen Ring. Man deutete die Darstellung als die Symbolisirnng des Todes, der die Seele (durch den Schmetterling dargestellt) der irdischen Hülle entriß und als beschwingter Genius den Lichtränmen zuführt. Der zersprungene Ring (Symbol der Ewigkeit) bezeichne die Endlichkeit des irdischen Daseins. Dieser poetischen Erklärung des Conservatvrs Leinmüller pflichtete Anastasius Grün gerne bei! Doch wir sind mit unserem Gedenken längstverklnngener Zeiten und Menschen unserem pustenden Vehikel vvrangeeilt. Noch halten wir nicht an der Endstation unserer Fahrt. Noch müssen wir Lichtenwald vorüber, wo der „Pnnt" in den Bauernkriegen des 10. Jahrhunderts so arg gewüthet, noch Reichen -bnrg vorüber, wo die .Feindlichen Brüder" gehaust, deren tragisches Ende unserm Grün-Auersperg den Stoff zu seiner Ballade*) gegeben. Jetzt hält man an der Station Videm-Gurkfeld, die nach dem herüben in Steiermark liegende» Orte Videm und der drüben (1867 durch eine schöne 10 Joch weite Brücke verbundenen) am rechten Savenfcr gelegenen Stadt Gurkfeld den Doppelnamen führt. Ueber diese Brücke schreiten wir hinüber und dann Gurkfeld zur *) Siehe in dem Abschnitte: Der junge Dichter Graf Auersperg. A. d. Vers. Rechten lassend, folgen wir der Fahrstraße links dein Laufe des Stromes entlang. Zwei einzeln stehende Gehöfte sind uns der Markstein des graden -Weges in der Ebene, da biegt eine neue Fahrstraße rechts ab, die uns mehr und mehr zur Höhe bringt, von der aus sich die entzückendste Fernsicht bis weit nach Kroatien hin eröffnet. Eine Notivkapelle — von der Herrschaft Thurn-am-Hart unterhalten, — zeigt uns an, daß wir nochmals eine Wendung nach Rechts nehmen müssen, um nach der Richtung gen Thnrn-am-Hart einzulenken. Da stehen auch .schon die Vorposten der an 600 Stämme ^zählenden herrlichen Pappelallee, deren „stolze Geschlechter" nach dem unvergleichlichen Bilde Schillers „in geordnetem Pompe vornehm und prächtig einherziehen" um uns einer Riesengarde gleich nach dem vornehm-prächtigen Heim des Dichtergrafen zu geleiten. Schon ragen die beiden der Gartenseite zugekehrten festen Runv-thürme aus dem dichten Grün der hohen vielüstigen, fremdländischen Bäume hervor und kündigen uns die Nähe des Schlosses an. Es fesselt uns aber noch ein eigenartig Wahrzeichen, das hier am Eingänge in das Weichbild des deutschen Dichterhauses aufgestellt erscheint. Es ist ein hohes Crucifix in tadellosen Formen, das der Dichter des „Schutt" von zwei laubenartig zugeschnittenen Buchen umschatten ließ, damit -er des Weges wandelnde gläubige Landmanu auf der davor errichteten Kniebank in des Sommers Hitze sein fromm Gebet in labender Kühlung empvrsenden könne. Als ich einmal hier des Weges kam, da schlugen die Nachtigallen froh ihr Lied in die heilige Stille des Parkfriedens, der zur Rechten der Straße weithin sich ausbreitet und in dunklem Eicheuforste sich verliert! Da heraus unterbrach plötzlich der Ruf des Kukuk die weihevolle Stille und mahnte ans Weitergehen. Den Garten herum und wir stehen an der Hauptfrvnt des Schlosses. Der feste, mit vier runden Eckthürmen markirte solide Schloß bau, im Rechteck aufgeführt mit einem weitem Hofraume, hat heute noch nahezu dasselbe Aussehen wie zur Zeit des Chronisten Valvasor (1680)*) Das slovenische Volk der Umgebung nennt es „Schreiberski turen" — Schreiber Thurm und scheint diese Bezeichnung, welche in unsern Tagen eine idealere Bedeutung gewann, daher zu rühren, daß der eine runde Thurm der gegen Südost (— die Türkenseite —), an den sich die späteren Bauten anschlössen, vielleicht temporär als Kriegskanzlei, als Sitz der Grenz-Armeeverwaltung gedient haben mochte, was sich *) „Ehre des Herzogthums Craiiw Nürnberg 1686 Band III. (Thnrn-am-Hart) Buch XI P. 575 f — Eine ncne den. Originale ganz gleiche Ausgabe dieses vorzüglichste» Nationalwerkes Krains erscheint seit 1876 im Verlage von I. Krajcc in Rudolsswerth. A. d. Verf. dann im Andenken des Volkes fixirte und die Vnlgar-Bezeichnnng zur Folge hatte. Diese Vermuthung dürfte um so gerechtfertigter sein, als im Laufe des XVII Jahrhunderts als Besitzer von Thnrn-am-Hart Herr Herbard Graf Auersperg General der wiudischen, kroatischen und Meergrenzen genannt wird! Den deutschen Namen ,,am Hart" (hart ahd — Wald) führt dieses Schloß Thurn von seiner Lage am Walde. Ober dem hohen Schloßportal, das über das Hochparterre bis nahe zur Hohe des ersten Stockwerkes hinaufreicht, prangt das Wappen der Anersperge, darüber im Dachfirste eine schone Uhr und nach der Innenseite ein offener Glockenthurm mit zwei Glocken; dies Campanile harmonirt mit den im italienischen Geschmacke gehaltenen offenen Bogengängen, welche sich rings um die Innenseite des Schloßbaues umherziehen und von wildem Wein umrankt sind. Der eine dieser Bogengänge ist mit Jalousien geschlossen und enthält eine Reihe von Ähnenbildern des Hauses. Da sieht man die markige Gestalt von Anastasius Grüns Vater in rothem Galarock mit Gold — das ständische Kleid vor Einführung des rothen Frack — auf dem Haupte die kleine Perücke, das starke, ziemlich fleischige Gesicht mit strengen Zügen, glatt rnsirt, der Blick entschieden. Zu Seiten des Herrn ist sein Lieblingshund — Bulldvggrace — abconterfeit und auch dessen Name: „Nöfserl" vom Maler der Nachwelt überliefert. In schwarzen: Talar mit abzehrenden: Gesichte — er starb in: 22. Lebensjahre — ist Heribert Graf Auersperg zu sehen, Magister der Gesellschaft Jesu um 175)5. Wir ergötzen uns an dein Anblicke schöner Frauen mit hochheitge-bietendem Blick und in glanzumflossener Schöne, au holden Kindcrangen; Staatsmänner und Krieger, rnhesame Oekvnomen ziehen lebengewinnend hier an unsern Blicken vorüber. Eine Reihe von Tischchen und Bänken ans Eichenholz, mit köstlich geschnitzten Thierfiguren statt der Füße, laden zum Bleiben ein. In dieser Galerie weilte der sinnige Hausherr so gerne. Hier inmitten der Ahnenbilder prangt auch, die ganze Höhe der Wand deckend, ein nett in Oel ausgeführter Stau: mb au in des Geschlechtes „Derer von Auersperg", dessen Wurzeln einen am Erdende des Stammes ruhenden Rittersmann berühren. Zu Seiten dieses Stainmbanines hat Grün-Anersperg zwei Gestalten ans den Nibelungen hingestellt, den grimmen Hagen und Volker den Spielmann; ersterer der Repräsentant der Helden-Auersperge in den unerbittlichen Kümpfen gegen die Barbaren des Ostens, letzterer der Repräsentant des dichterischen Genius, der dem Hause in Anastasius Grün selbst erwuchs. Man führt den Fremden bekanntlich zuerst in den Salon. So wollen auch wir es halten. Das Entröe zu diesen: weist uns in sicher auch von Grün's Hand arrangirter Zusammenstellung die Köpfe Josef II. und des Papstes Pius VI. nebeneinander; der „Wiener Spaziergänger" wollte damit den historisch-anecdotischen Hände-drnck statt Händekuß des großen Kaisers symbolisch ausdrücken, indem er die beiden Pole des alten „heiligen römischen Reiches teutscher Nation" knapp aneinander rückte! Eine ganze Wand dieses Entröe nimmt das Portrait der Mutter Josefs, der unvergeßlichen Kaiserin-Königin Maria Theresia ein, die in üppigem Jugendprangen in blauer Robe mit colossalem Reifrock und dabei mit ihrer ganzen typischen, milden Hoheit auf uns herabblickt. Der Salon selbst eine Rotunde — den ganzen Jnncnraum des einen Nundthnrms oeenpirend — mit hoher Wölbung, mit Nischen, im Stile des prachtliebenden XVIII. Jahrhunderts mit Stueeo, Lüstern, Spiegeln deevrirt, mit elegantem stilvollem Meublement ausgestattet, versetzt uns lebhaft in jene Tage, wo der Adel unserer Lande noch so und soviele Dynastien darstellte, die wol in Treue dem Kaiserhause ergeben doch ihren Unterthanen gegenüber nahezu Selbstherrscher waren, hatten sie doch in jene» Zeiten noch in den meisten Fällen die peinliche Gerichtsbarkeit! In diesem Saale wurden die Feste gefeiert, zu denen die Magnaten des krainischen Unter- und Oberlandes, die Magnaten ans dem benachbarten ervatischen Boden von Zagorien und weiter her, die Prälaten der reichen krainischen Stifte von Landstraß und Sittich, die Deeane und Pfarrer der umliegenden Gemeinden zusammenströmten! Und der Erker, den dieser Rnndthnrm ans dem XVI. Jahrhunderte herübergebracht, er schließt ein ganzes eigenes Gemach in sich, ein tzuou i-etivo aus dem Gewühle der glänzenden Versammlung, die ab und zu in dem Saalraume geherrscht. Und auch heute dient das Erkerzimmer als stimmungsvolles Rnhe-plützchen mit dem Ausblick ans die Blüthenfülle des wvhlgepflegten Schloßgartens und in diesem Sanetnarinm des Dichterhauses hat der patriotische Hausherr die Bilder seines kaiserlichen Herrn und Monarchen Franz Josef I. und „der Anmuth ans dem Throne" — wie Grün-Auersperg sie für ewige Zeiten genannt — der Kaiserin-Königin Elisabeth als einzigen und besten Schmuck angebracht! Nach einem kurzen Blicke in die Hanskapelle, die um 1735 unter dem Großvater Anastasius Grün's Alexander Grafen Auersperg rcnovirt wurde und deren Altar dem Hl. Alexander gewidmet ist, treten wir in noch ein Sanetnarinm des Hauses und zwar in dasjenige, das unser vollstes Interesse für Thnrn-nm-Hart in Anspruch nimmt, in — des Dichtergrafen Arbeitszimmer. Auch dieses hat ein Entree. Wir verweilen darin ein paar Minuten. Denn gleich an der Thüre links begegnen wir einer Reihe bekannter lieber Gesichter. Es sind jene zeitgenössischen österreichischen Schriftsteller ans der Radics, Anastasius Ärnn Verschollenes und Vergilbtes. 2 Periode des Vormärz, denen Anastasius Grün hier ans seinem Lieblingsschlosse eine anheimelnde Walhalla schnf. Sehen wir nach, wen er ans den Tagen seiner „Wiener Spaziergänge" hier der Aufnahme für würdig gehalten? In Doppelreihen inarschiren sie ans die „Ritter vom Geiste"; Flügelmann rechts in der ersten Reihe ist Witthaner, der bekannte Journalist, dann folge» Fürst Schwarzenberg, der „Landsknecht", Grillparzer, Zedlitz, Len an und Feuchte rs leben, dieser schließt die erste Reihe; in der zweiten ist Seidl rechter Flügelmann, an ihn schließen sich Carl Gvtfried R. v. Lettner, Castelli, Deinhardsteiu, Banern-feld, und der große Kenner des Orients Hammer-Purgsta ll. Daß mancher sonst mehrgenannte Name uns hier um mit Anastasius Grün zu sprechen als „Walhalla-Nichtgeuvsse" erscheint, darunter auch der Herausgeber der Gesaiumtwerke, darüber kbnnte wol nur der für immer geschlossene Mund des Dichtergrafen selbst Aufschluß geben! Wir sehen hier in diesem Entrüe noch Ansichten von Gastein, das Grün im Liede so schön verherrlicht, die Heimkehr der Lvvtsen — mit denen er in Helgoland vertrant geworden und andere Bilder; Nipp sachen verschiedenster Art, selbst die bekannten japanischen Souvenirs von der Wiener Weltausstellung fehlen nicht. Eine ganz pikante waidmännische Spezialität sind aber die beiden Gems köpfe, die an ein in diesen Gegenden unerhörtes Jagdereigniß erinnern. 1861 schoß nämlich der gräfliche Förster auf den Feldern der Herrschaft in dem Savethale unten die beiden selbst in den Hochgebirgen Oberkrains schon sehr seltenen Thiere, auf die ihn ein herbeieilender Bauer, der sie schier für leibhafte Gottseibeiuns gehalten haben mochte, aufmerksam gemacht hatte. Es war eiumal in, Foher des Herrenhauses, daß mir Graf Auersperg, als wir eben vom Wildstande Krains sprachen von diesem „Zufall" erzählte und mit den Worten schloß: „Wenn Sie einmal wieder mit mir nach Thuru — am — Hart kommen, will ich Ihnen die Krickeln zeigen." Ich habe sie mir neulich ohne den Jagdherrn betrachten müssen. Doch eilen wir ins Arbeitszimmer selbst. Es nimmt das Innere eines Rnndthnrines ein, gleich dem Salon. Das Erste worauf hier unser pietätvoller Blick füllt ist das Porträt der Mutter Grüu's, das wir aber unserm Leser bereits im Eingänge des Buches vor Augen stellten! Daneben gleitet unser Blick auf eine Etagere, welche den Dichtergrafe» als Raucher illnstrirt; eine ansehnliche Suite von Cigarrenpfeifchen aller Größen und Formen in zierlichen Etuis stehen geordnet in oer „Stelle", darunter reiht sich eine kleine gewählte Handbibliothek ökonomischer Werke zusammen. Ein anderes Fach in der Nachbarschaft ist mit slavischen Zeitschriften und Broschüren gefüllt. Unter den Bildern an dieser Wand links vom Eintritte fesseln uns namentlich vier kleine Holländer Genrestücke von besonderem Werthe. Aber es drängt uns an den Schreibtisch. Ein Schreibkasten ist es alter solidester Cvnstruetivn mit verschließ barem Pulte. Da liegt noch alles so, wie es der Graf bei seinem letzten Besuche im Mai 1876 also wenige Monate vor seinem Tode verlassen hat. Selbst die Zeitungsausschnitte, die er sich in diesen Tagen gemacht, sie ruhen unter dem Schwerstein, an den Rändern bereits vergilbt. Da ist eine Legion von größeren und kleineren Erinnerungen von Reisen und lieben Freunden anfgestappelt, dazwischen die photographischen Cabinetsstücke, Porträts der G.räfin-Gemahlin und des jugendlichen Sohnes Grafen Theodor. Eine Bücherstelle links vom Schreibtische zeigt uns, daß sich Anastasius Grün in der letzten Zeit seines Lebens wie früher immer lebhaft mit GeschichtSguellen befaßte, die er wol zu lesen verstand. Da liegen aufeinander ein deutsches Evangelien buch von 1488, eine Carne-nische Chronik, ein Mannseript des krain. Landschaftsarchivars Hrn. v. Peritzhoffen von 1744 über die Organisation der Grenze in den Kriegen gegen die Türkei und dergleichen. In der Fensternische, die dem Schreibtische das Licht zuführt, ist in Broncerelief der Polenheld Koscinszko zu schauen, dem Grün „In der Veranda" das gleich tiefwahre wie schmerzreiche herrliche Gedicht: „Eine Jahresfeier" gewidmet hat! „IRiis Lolouma" klingt etz aus dieß Lied mit dem Rufe Koscinszko's und wie in allegorischer Parallele hing Grün-Anersperg unter des Propheten-Jünglings Bild die Ansicht von Helgoland, des alten Heiliglandes, das langsam niederrieselt ins Vergessen, „ein Sturz, der einst kein Wellchen regt im Kreise." In der Anordnung seines geliebtesten Heim begegnen wir auf Schritt und Tritt dem feinfühligsten der Poeten, die je den Parnaß erreicht! An die Wandrundung hinter dem Schreibkasten schmiegen sich die großen vom Estrich zur Decke reichenden geschlossenen Bücherkasten, die im Vöreine mit andern in der Flucht der Schloßgemächer vertheilten College» in die Tausende von Werken aller Wissenszweige und aller Literaturen bewahren — schon 1846 zählte des Grafen Anton Alexander Auersperg Büchersammlnng an 3000 Bände; welche Fülle kam seither hinzu und welchen großen Zuwachs erfuhr sie durch die Aufnahme der ihm legatarisch durch seinen Freund Hofrath Fellner zugekommenen nicht minder zahlreichen Bibliothek! Noch besichtigen wir vor dem Austritt in Garten und Park die Gemächer der Gräfin-Gemahlin, des jungen Grafen, Tafel-, Gast- und Spielzimmer, und das Archiv. Im Boudoir der Gräfin begegnen wir dem lebensgroßen photographischen Bilde Anastasius Grüns (Brustbild), dem besten Porträt des unvergeßlichen Sängers der Freiheit und der Liebe, das wir überhaupt kennen. Ans dem Schreibtische ist ein kleines Bild — gleichfalls Photographie — aufgestellt; auf der Bücheretagere der Gräfin stehen in Prachteinbänden die früheren Editionen der Grün'schen Werke und die Werke seines intimsten Dichterfrenndes Lenan. Als Wittwenspruch lesen wir hier ans einer Votivtafel die Verse aus dem tiefjnnigen deutschen Voltsliede: Es ist bestimmt in Gottes Rath, Daß man vom Liebsten, was man hat Maß scheiden; Wiewohl doch nichts im Lauf der Welt Dem Herzen, ach, so sancr stillt, Als scheiden. Nun mußt Dn mich auch recht versteh'» Wenn Menschen auseinander geh'n So sagen sie: Ans Wiedersch'n! ans Wiedcrseh'n! Auch das Zimmer des jungen Grafen schmückt ein schönes Porträt des Vaters; neben Büchern und Schriften des eifrigen und strebsamen jungen Cavatiers, auf den begreiflicher Weise die Augen des deutschen Volkes, die Augen der Welt mehr denn auf andere junge Standesgenossen gerichtet sind, finden wir auch schon ansehnliche Jagdtrophäen des 19 jährigen Jünglings. Unter den Gastzim mern erregt vorwiegendes Interesse jener Salon, der dem zeitweiligen Aufenthalte des intimsten politischen Freundes, des Execntvrs von Anastasius Grüns „politischemTestamente", dem ebenso geistreichen als liebenswürdigen krainischen Cavalier, Herrnhansmitgliede Otto Baron Apfaltrern gewidmet ist. Hier ist unter andern Bildern das bekannte und beliebte Bild des „Prinzen Johann" von Kraft zu schauen, wo der leutselige Erzherzog in steierischer Jägertracht ans den Alpenstock gelehnt vom Gemssteig in ein herrlich Thal der grünen Steiermark hinabblickt, sinnend in Liebe für das schöne geliebte Land! Der uns begleitenden Jugend die Unterhaltung auf dem riesigen Billard des Spielzimmers überlassend, werfen wir einige Blicke in die archivalischen Schätze des Hauses. Wir treffen da eine Anzal werthvvller und interessanter Urkunden und Akten aus dem XVI. XVII und XVIll. Jahrhunderte (darunter auch in magyarischer Sprache). Speziell für die Hausgeschichte, noch besser für die Personalgeschichte der unmittelbaren Vorfahren Grün-Auerspergs liegen da charakteristische Papiere. Anastasius Grün hat seiner Zeit (1845) seinem Freunde, dem Dichter und Schriftsteller Franz v. Hermannsthal, als dieser im Auftrage des historischen Vereins für Krain die Bibliotheken und Archive des Landes durchforschte, eben ans diesen Schätzen seines Archivs selbst umfassende Mittheilungen zu Pnblikationszweckcn gemacht. Erwühnenswerth und charakteristisch ist unter den Akten dieses Schloßarchivs z. B. ein Erlaß des Landeshauptmanns Grafen Sanrau aus dem Jahre 1730, der dem Grafen Alexander Auersperg, dem Großvater Grün's, als Landgerichtsherrn aufträgt, über damals unweit der Pfarre Haselbach vorgekommene Jnzichten „des abscheulichen Lasters der Zauberey" eine „vorsichtige Untersuchung" einzuleiten. Welchen Erfolg hatte diese Untersuchung? Wir wissen es heute nicht inehr! Retten wir uns aus dem Staub der Pergamente und dem Moder- gernch der Akten hinaus in die balsamische Luft des Blumenreichs und Parkgrüns. Gleich am Eingang des durch die Hand eines tüchtigen Gärtners wvlgehegten und gepflegten Ziergartens paradiren zwei Prachtexemplare der Liguolia Oakalpa, deren Stämme bis an die Aeste hinan mit Epheu dicht nmzvgen sind. Ein reizendes Pargnet von Rosen, der Lieblingsblume ans dem Dichtergarten Anastasius Grün'S, breitet sich vor uns ans, dazwischen gucken und sprühen bescheiden und vordringlich die mannigfachsten Blumen und Pflanzen, die schönsten und rarsten Sorten in- und ausländischer Flora hervor. Da ragt ein gewaltiger Nußbaum, ein selten schöner Repräsentant dieser Nntzbanmgattnng, dort schließt sich eine Gruppe tiefdunkler Fichten eng aneinander und begrenzt einen saftig grünenden Rasenplan. Zu Häupten desselben, mäßig erhöht, thront die große Veranda, ans dünnen Eisenstäben gefügt, ein Souvenir vom Ausstellungsparke im Wiener Prater, geräumig zur Aufnahme einer großen Gesellschaft! Und links seitab am Wege, traulich und still versteckt sich eine kleine Laube, gebildet ans'dem schattenreichen Gewächse der amerikanischen ^ristoloaüia 8^püo. In dieser kleinen Laube saß Anastasius Grün am liebsten; hier dichtete er in de.n Abendstunden seines Lebens! Ein anderes Lieblingsplätzchen seiner Muse war der freie Platz unter den Trauereschen, wo er sich eine Bank hinstellen ließ und oft lange lange träumend saß. Jeden Tag, während er auf seinem Tusenlnm Thurn-am-Hart weilte, unternahm er durch das eoupirte Terrain seines schattenreichen, über eine Stunde sich ausdehnenden Parkes — dessen Eichen ihre viel-hundertjährige Geschichte haben — einen längeren Spaziergang und jeden Tag nach einer anderen Richtung, nicht zwei Tage nacheinander denselben Weg. Da gibt es im Parke Stege über schlnchtenartige Einsenkungen und süß murmelt der Bach, da gibt es Capellen und „Bilder", Ruheplätzchen da und dort! ^ propos „Bilder"; da ist ein Hl. Nepomnck in biner Nische, der allen Besuchern des Parkes auffallen muß. Besagtem Heiligen war nämlich vor x Jahren seine hölzerne Rechte lädirt worden, da kam ein „Bildkünstler" des Weges und „machte" dem Heiligen eine neue Hand! Doch siche da, der „Künstler" hatte des Guten zu viel gethan, er hatte statt der Finger fünf der Finger sechs geschnitzt. Wehe! da kam ein Zweiter, der's besser machen wollt' und amputirte rasch der Finger einen, aber statt etwa des kleinen Fingers, dessen Abgang minder merklich wäre, schnitt er den Daumen ab, und wenn auch der nun fehlende dem hölzernen Heiligen nicht abgeht, so geht er doch dem Beschauer sofort ab und dieser zählt am Bilde des Heiligen auf den ersten Blick noch immer — der Finger sechs! So oft Grün-Auersperg an diesem Hl. Nepoinuck vorüberkam, konnte er — war er gleich nicht in bester Laune — jenes Lächeln nicht nnter-drücken, das so sarkastisch nm seine Lippen zu spielen verstand. Wir verlieren uns in dem weiten Parke, ans dessen reiz- und wechselvollen Gängen da und dort, uns plötzlich eine um die andere der Gestalten ans Grün's reichem „Dichterwalde" aufzutauchen scheint. Hier griff er als Jüngling begeistert in die Leier, hier sang er als Mann, hier wog er prüfend als Greis die Perlen und Demanten seines überreichen geistigen Schmuckes. Wir sind an einer Lichtung, unser Ausblick trifft das alterthümliche Schloß in magischer Beleuchtung der sinkenden Sonne, und vom Bühel drüberhin da glänzt in neuem Gestein ein Ruhmestempel, die Grabstätte des Dichtergrafen. Wir besuchen sie auf einem eigenen Gange durch den Park! In die Rinde einer jungen Eiche aber möchten wir als Devise für den Lieblingslandsitz Anastasius Grün's die Verse einschneiden, die den Schluß bilden jenes meisterhaften Festgesanges, den Friedrich Marx, der gemüthvolle Sänger zu Anastasius Grün's Jubiläum dem deutschen Dichterhanse Krain's gewidmet hat und die also lauten: „Von des Landes Burgen allen, Schimmernd Schlotzlein, wirst du steh'», Ob geborsten deine Hallen, Büsche ans den Mauern weh'n; Späten Enkeln sollst du sagen Von des Burgherrn Ruhmeslaus, O dann baut in fernsten Tagen Dich ei» treu Gedenken ans!" Ittttkpösttrrklkll. Ja »Uteri» Lodenrock schlägt >»er ein Herz, Das niitgefndlt des Volkes derbsten Lchmerz, , Das Heilung jucht im Volk jnr Fnrstcnleiden. A nastaIin » Gr » n „dein Erzhcrzog-ReichSverweler". " ^0- Jänner 1782 wurde dem Großherzoge Leopold von Tos- ^U>kana von seiner mildreichen Gemalin Maria Lndovika, Karl III. -7^ von Spanien Tochter, im Palazzo Pitti des schönen Florenz der neunte Sohn geboren. In wessen Seele konnte zu jener Zeit und an jener Stelle eine Ahnung davon aufsteigen, daß dieses fürstliche Knäb-lein, welches in den mit Kunstschätzen aller Art prangenden Marmorsälen des toskanischen Residenzschlvsses und in den immergrünen Citronen- und Pinienhainen des Boboli-Gartens seine ersten Kinderspiele spielte, zu jenem deutschen Manne heranreifen würde, der schon als Jüngling mächtige deutsche Heere gegen einen damals noch ungeahnten Welteroberer in die Feldschlacht führen, der als kühner Gemsenschütze und Blumenleser auf den deutschen Alpen, als freundlicher Aehren- und Rebenpflanzer in unsern Thälern, auf unsern Hügeln heimisch werden; der, selbst ein vielseitig ausgezeichneter Kenner deutscher Kunst und Wissenschaft, sie als ihr begeisterter Gönner nnd Beschützer mächtig fördern; der, als ein in Purpur geborner Freund des deutschen Volkes, diesem so theuer werden sollte, daß es ihn, den bereits ergreisten, als seinen höchsten Vertrauensmann an seine Spitze rufen würde, um ihm behülflich zu sein, den großen Gedanken der Wiederanfrichtnng des einigen Reiches deutscher Nation zu verwirklichen. Und dennoch ward ihm solch' hohe Lebensaufgabe; denn es war dies eben Johann, der erhabene Sprosse des erlauchten Hauses Habsburg-Lothringen". — Mit diesen Worten beginnt der Nestor der deutschen Dichter Jnneroestereichs, Karl Gottfried Ritter von Leitn er, seine Biographie des im Volke hochgefeierten „Prinzen Johann", als man „dessen kaum erst geschlossenen Sarg gesenkten Hauptes in tiefer Trauer umstand". Wiederholt hatte im Laufe der Zeiten die inneroesterreichische Länder-grnppe (Steiermark, Kürnthen, Krain nnd die Küstenlande) Fürsten aus dem Hause Habsburg als eigene Regenten mit dem Regierungssitze in Graz in ihrer Mitte weilen und wirken gesehen, so Ernst den Eisernen, dann Carl, den Vater des zweiten Ferdinand. Das erste Jahr im zweiten Decenninm unseres Jahrhunderts, das Jahr 1811, brachte wieder einen Fürsten aus dem Hause Habsburg als „Regenten" in die reizende Hauptstadt der grünen Steiermark, aber nicht als Regenten mit Szepter und Herzogshut, sondern als Regenten" des freien forschenden Geistes! Am 16. Juli >811 gründete Erzherzog Johann in Graz das Joanneum, jene heute weltberühmte Bildungsstätte freier Forschung, ans der seither schon Tausende von Vorkämpfern des Fortschrittes und der Cultur nach allen Richtungen der Windrose ausgezogen sind. Zunächst eine Sammlung von zalreichen höchst werthvollcn, vom Erzherzoge auf seinen vielen Forschungsreisen erworbenen, wissenschaftlichen und vorzüglich natnrhistorischen Schützen, die er mit Stiftbrief an genanntem Tage den Ständen der Steiermark überließ, gestaltete sich das Joanneum nach »nd nach und stets unter dem wachenden und sorgenden Auge oes Prinzen Johann zur umfassendsten Pflegestütte von Kunst und Wissen. Eine Bibliothek, ein Leseverein — vielleicht die erste, damals jeden falls die großartigste Anstalt dieser Art in Deutschland, und eine Unternehmung, die bei der zu jener Zeit in Oesterreich gebränchlichen überstrengen Beaufsichtigung aller Erzeugnisse der Presse nur durch die persönliche Verwendung des Erzherzogs in's Leben geführt und im ungestörten Bestände erhalten werden konnte, — weiters Vorlesungen über die wichtigsten natnrhistorischen und technischen Fächer, über moderne Sprachen u. s. w. die Gründung der Landwirthschaftsgesellschaft für Steiermark, des Jndnstrie-Vereins für Jnnerösterreich, einer Aetiengesellschaft zur Ausfuhr innerösterreichischer Erzeugnisse (in Triest), eines historischen Vereins für Jnnerösterreich mit vom Erzherzog gestellten Preisfragen, der steiermärkischen Zeitschrift — die in Käruthen und Krain ihre Nachahmung fand — die Gründung eines gcognvstisch-mvntanistischen Vereins, all' dieß schloß sich an die vom Erzherzog vollzogene erste Gründung, an die des Joanneums an; Institute, die auf alle Zeiten hin den Namen des Prinzen Johann unvergessen erhalten werden! Prinz Johann bewahrheitete wieder schlagend den Satz, daß die Geschichte die Lehrmeisterin der Menschheit sei. Auf der Basis der Geschichtskunve, in welchem Wissenszweige der große Johannes von Müller sein Wegweiser war — der junge Prinz verkehrte täglich mit dem berühmten Schweizer — baute Erzherzog Johann seine umfassende Weltkenntniß auf und ward, stets nach Neuem, stets nach Fortschritt strebend, der unvergeßliche Wolthäter seines Vaterlandes Oesterreich und in engerem Kreise der von ihm über Alles geliebten innerösterreichischen Älpenlande. Wie er der Wissenschaft in allen ihren Zweigen in Jnnerösterreich ei» freies Feld der Entwickelung geschaffen, wie er die Pflege der Heimath-kunde nach allen Richtungen angeregt und gefördert, das ist bereits gesagt worden. Aber er schuf auch in der Kunst, bahnbrechend, die vaterländische Richtung. Nach der schweren Katastrophe des Wiener Friedens 1809 — in welchem zum größten Schmerze des Prinzen Johann ein Theil Jnner-österreichs, wo er ein eigenes Heer aufgestellt hatte, das Land Krain an den Franzmann verloren ging — und da mit dem übermüthigen Sieger die intimste Freundschaft geschlossen worden, in solchen Zeiten und unter solchen Umständen, sagt Leitner wahr und treffend, „konnte ein Mann von der Richtung und dem Geiste Johann's nur in der Pflege der Wissenschaft und Kunst noch den besten Trost und den allein noch Werth habenden Genuß des Lebens finden". Für den Winter nahm er nun wieder seinen Aufenthalt in Wien und bewohnte dort das herrliche Gartenpalais des Fürsten Schwarzenberg. Hier eröffnete er sein Mäeenatenthnm für nationale Entwickelung der Kunst, einen ermunternden Wettkampf in der Darstellung habsburgischer Vorzeit ans Fngger's „Ehrenspiegel" und Hormayr's „Plutarch", und rief so zu einer Zeit, wo die Wiener Maler die Gegenstände ihrer Werke noch ausschließlich ans dem Einerlei immer wiederkehrender Götter und Heldengestalten des Alterthums wählen zu müssen meinten, mit schöpferischem Geiste dort in der That eine ganz neue Kunstrichtung ins Leben und man darf wol kühnlich behaupten, daß seiner Sammlung von Bildern ans der Vaterlandsgeschichte damals kaum etwas Aehnliches an die Seite gestellt werden konnte. Nach einigen Jahren hatte sich diese volksthümliche vaterländische Richtung bereits auch in die Kunstwerkstütten der Wiener Akademie Bahn gebrochen und wurde, wie es die von Karl Ruß, dem von Anastasius Grün hochgeschätzten steiermärkischen Maler, im Jahre l822 versuchte Schaustellung von 40 seiner dieser Gattung angehörenden Gemälde bewies, vom Publikum mit freudiger Theilnahme begrüßt. Derselbe heimatlich-patriotische Zug, der alles Denken und Trachten des Prinzen Johann lenkte, brachte ihn auch in den damals in Oesterreich bestandenen Ritter-Verein, einen Vorläufer der „Lndlams-Höhle" und der heutigen „grünen Insel" in Wien, der als „Wildensteiner Ritterschaft von der blauen Erde" ans der prächtigen Burg Seben-stein, in der Nachbarschaft des erzherzoglichen Sommersitzes Thernberg in Nieder-Oesterreich seine Zusammenkünfte hielt. Dieser Ritterbund war gesellig-geistigen Zusammenkünften, der Nachahmung mittelalterlicher Sitte, der Erhaltung alter Kunst-denkmale und der Uebung frommer Mildthätigkeit gewidmet. Jeder Gast wurde von hoher Warte durch das Thürmerhorn bewillkommt; sobald er über die herabgelassene Zugbrücke gelangt war, vom Bnrgvogte mit geziemendem Grußspruche empfangen und in das Innere der Beste geleitet, wo ihn Rittersaal, Waffenkammer» Gerichtsstube, Burgkapelle und manch alterthüinliches Gemach voll seltsamer Geräthe uud unheimlicher Wandgemälde bald vollends in die graue Vorzeit versetzten. Hier fanden sich denn die edlen Ritter zu fröhlichen Festen, ja selbst zu Tvur-niereu uud Banketten zusammen und feierten in Liebe und Ergebenheit den biedern „Hanns von Oesterreich den Thernberger", der es in diesem ersten österreichischen Vereine des Vormärz bis zum Hoch-Großmeister brachte. Die Anregung, die von diesem Ritterbnnde in geistiger Beziehung ausgieng, sie ward deutlich erkennbar in den mannigfachen Bethätigungen der Ritter auf dem Gebiete heimatlicher Kunde und Wissenschaft. Auf dem Programme des alle Gebiete der Heimatkunde mit gleicher Liebe umfassenden Erzherzogs, des erhabensten und wahrsten Volks freun des stand aber — nicht braucht man es erst zu versichern — auch in vorderster Reihe die Sorge für Bewahrung volksthümlicher Art und Sitte! Prinz Johann ließ nämlich schon 1812 die Aufforderung in's Land ergehen: Texte und Weisen der meist verbreiteten Volkslieder einzusenden*), und es kam auf diesem Wege eine ansehnliche Sammlung solcher Reste alten Vvlksthnms zu Stande. Später einmal, ,nach Jahren, es war zur Verherrlichung einer Festfeier der von ihm gegründeten steiermärkischen Landwirthschaftsgesellschaft (1840), da versammelte der Erzherzog durch Aussetzung von Preisen Schellente und Volkssünger ans allen Theilen der grünen Steiermark in der Hauptstadt Graz, die sich einzeln oder in Musikbanden vereint, durch den Vortrag echten Alpengesanges oder nationaler Tanzweisen auf der Geige, der Schwegelpfeife, der Zither oder dem Hackbrete auszuzeichnen herbeieilten. „Es machte — schreibt der Chronist — einen eigenthümlichen Eindruck, diese naiveil Spielleute, die bisher nur in einer engen düstern Wirthsstube zum Kirchweihtanze gespielt hatten und diese verschämten Landdirnen, die bisher die Naturtöne ihrer Brust nur von der Höhe ihrer Alpenweiden in die tiefe Stille der Einsamkeit hatten hinanswirbeln lassen, jetzt ihre einfachen Hirtenweisen in weiten, reichbeleuchteten Sälen und vor Tausenden von knnstverwöhnten Städtern vortragen zu hören." So übte Prinz Johann vor Decennien schon, was in unsern Tagen und mit glücklichstem Erfolge Herbek und Tom Koschat wieder auffrischten: die Einführung des Volksgesanges in de» Concertsaal! Die vorbereitende Sammlung der steiermärkischen Volkslieder durch Erzherzog Johann (1812) hatte wenig Jahre nachher — da ihre Resultate schon vorlagen — die Gesellschaft der Musikfreunde des österreichischen Kaiserstaates in Wien angeregt zu dem weiter ausgreifenden Entschlüsse (1819): eine Sammlnng aller in ganz Oesterreich circnlirenden Volksweisen zu veranstalten. Das Archiv dieses heute unter dem eminenten Kunstfreunde und Kunstkenner Sr. Excellenz, dem Reichsfinanzminister Baron Hofmann, stehenden Diesen Aufruf findet man feinem ganzen Wortlaute nach abgedruckt in dein erst kiirzlich erschienenen ausgezeichnete» Buch? des »in die Förderung der inneröstcr-reichische» Geschichtsschreibung viewcrdienten I)r Anton Schlossar in Graz: „Erzherzog Johann non Oesterreich''. Wien 1878, Wilhelm Branmiiller p. 388 f. weltberühmten Musikinstitutes bewahrt eine Fülle durch jenen Beschluß ihm zugekommener Volkslieder aus allen Theilen der vielsprachigen österreichisch-ungarischen Monarchie, darunter nicht wenige ans der Lünder-grn ppe: I n n e r ö sterrei ch! . 4- 4- Die große Literatnrbewegnng in Deutschland am Schlüsse des XVIII. und am Beginne unseres Jahrhunderts fand wie natürlich ihr Echo auch in deit Alpenländern Oesterreichs, wo ein freier, frischer, empfänglicher Sinn für alles Schöne, Wahre und Gute lebt und webt. Namentlich Schiller, der deutsche Prometheus, ward hier mit aller Begeisterung begrüßt, und machte, um so zu sagen, im Erscheinen Schule. Nicht allein, daß seine Dichtnngsarten und Formen maßgebend wurden für die nun auch hier wie init einem Zanberstabe geweckten „dichterischen Talente", auch seine wolwvllendcu Bemühungen, den strebenden Genossen ein literarisches Heim zu schaffen und zu sichern, sie fanden in Jnnerösterreich ihre Nachahmung. Auch Graz erhielt seinen Musenalmanach. In Laibach, der Hauptstadt Krain's, fanden früh Schillers Werke Verbreitung, am Gymnasium ergriff unter Leitung des hochbegabten Historikers F. X. Richter die stndirende Jugend die ihr dargebotene lebensvolle Schilderung des großen Glaubenskampfes des XVII. Jahrhunderts mit Begeisterung; Vorträge darüber, so wie Deelamations-übnngen ans der Trilogie „Wallenstein" riefen im Ärainlande einen förmlichen „Schillercnltns" hervor. Der Erregung des Enthusiasmus folgte das tiefere Studium der Dichterwerke und diesem als reife Frucht die Nachbildung im Idiome der Heimath im Slvvenischen! Jovan Koseski (Johann Veßel von Koses) brachte den erhabenen Poeten zuerst, unserm slovenischen Volke näher, indem er ihn in einigen der schönsten ^Blülhen"Fenier Dichtung unserer Sprache aneignete; von den Gedichten als erstes der „Graf von Aabslmrg", von den Dramen zuerst „die Jungfrau von Orleans". Zn Ende des XVIII. Jahrhunderts war wie mit einem Schlage die seit der Austreibung der Protestanten aus Kram (1600) verstummte slvvenische Zunge plötzlich wieder gelöst. Ein freisinniger Franziskancr-Mönch, der dann säcnlarisirt wurde und schließlich in den dürftigsten Lebensverhältnissen starb, Valentin Vodnik, hatte es in den Tagen der französischen Revolution gewagt, lauter und immer lauter seine Stimme in der Sprache seines Volkes ertönen zu lassen. Und als die Franzosen in's Land kamen, „die Kinder der Freiheit", da ließ Vodnik ihnen eine Jubelhymne entgegentönen, die ihm die wieder nachgefolgte österreichische Regierung nie mehr verzeihen konnte und die er weder durch die Hinweisung auf seine für Oesterreichs Krieger slovenischen Stammes, den Collin'schen Wehrmannsliedern nachgebildeten Kriegsweisen, noch durch ein patriotisches, den Kaiser Franz feierndes Jubellied Jllyricns wett machte. Ja selbst seine im loyalsten Style gehaltene, erste und noch immer beste, weil handsamste, „Geschichte Krain's" war nicht im Stands ihn in den Augen des Metternich'schen Polizeistaates zu rehabilitiern; er war für immer fallen gelassen und darbte zu Tode. Vodnik starb am 8. Januar 1810; wenige Monate später folgte ihm in die Gruft sein edler Freund und Mäeen Sigmund Freiherr von Zois. Zois, einer der reichsten und zugleich der geistig hervorragendste Cavalier Krain's, leider krankheitshalber durch Jahre an seine Zim mer gefesselt, die er — deren' 17 in einer Reihe — in einem von ihm selbst erfundenen Fabrsessel täglich mehreremale durchfuhr, bald in der Studirstnbe, bald im Museum, bald im Salon, bald in der Bibliothek Station machend, Zois, ein intimer Freund des „Prinzen Johann" und mit dem Grafen Franz Hohenwart, in Nachahmung des Grazer Joanneums das Laibacher Nationalmuseum begründend, war in dem vorerwähnten Zeitabschnitte, da deutsche Geistesarbeit und fränkische Geistesbefrcinng die Welt gleichmäßig durchlebten, der Mittelpunkt der geistigen und liberalen Bewegung Krain's. Sein Palais auf dein Rann (Rain), wo bei damals noch beschifftem Laibachflusse der „Krähn des fröhlichen Lebens" herrschte, war Krain's „Musenhof", wo die Künstler und Gelehrten der Hauptstadt, des Landes und die zalreichcn Fremden, die seinetwegen, der auch ein bedeutender Mineraloge war, und des Bruders Carl (des Botanikers) wegen von weit und breit zusammenkamen, sich trafen und im gegenseitigen Austausche der Ideen und Strebungen gegenseitig mächtig anregten und forderten. Die Wiederaufnahme der slovenischen Literatur, die heute in der „Llittioa 8Iovoll8Üa" in Laibach — unter des gefeierten Führers Janez Bleiweis zielbewußter Leitung — ihre hochragende Stütze gefunden, sie gründet in dem Hause des Freiherrn von Zois, wo übrigens auch der deutschen Muse, der deutschen Kunst und der deutschen Wissenschaft opferfreudigst gehuldigt wurde! Es war überhaupt in dieser Epoche freigeistiger Bewegung wie überall so auch bei uns in den innerösterreichischen Alpen die „Wechselseitigkeit" (die u/asomnost der Slaven) das Ziel aller Bestrebungen. In dem slovenischen Laibach dichteten und schrieben slvvenische Dichter und SchrifcsiMer"in slovenischer und,deutscher Sprache; in dem deutschen Graz gründete der Slovene Primie (1810 schon) eine „8oeietu8 Zlovonioa" und bestieg derselbe (1812) das Catheder der slovenischen Sprache an der dortigen deutschen Universität, bei seinen außergewöhnlich anregenden Vorträgen über slavische Sprache und Literatur auch die nach kosmopolitischer Belehrung strebenden „Ritter vom Geiste" der reizenden Murstadt um sich versammelnd. In dem deutschen Klagenfnrt begründete „in Verbindung mit seinen Freunden" I. G. Kumpf die Kärntnerische. Zeitschrift 1810, die neben der Pflege der Heimatkunde im weitesten Sinne auch die' Sorge um die Förderung des slovenischen. Elementes in Kürnthen (das freilich bis an die Thore Klagenfnrts reicht) in ihr Programm aufgenommen hatte, wo wir unter den einzeln aufgeführten Rubriken lesen: „Beiträge zur Cultur der slovenifchen Sprache, Angabe der besten Mittel, ihre gebildetsten Dialekte mit den Schätzen deutscher Cultur und Wissenschaft am schnellsten und zweckmäßigsten zu verbreiten". Und gleich in einem der ersten Hefte begegnen wir dem tüchtigen Slovenisten Urban Jarnik mit schonen Proben seines reichen Talentes. Die Kärntnerische Zeitschrift, sie weist gleich der kurz zuvor durch Erzherzog Johann in Graz gegründeten „Steiermärkischen Zeitschrift" und gleich dem in Laibach erscheinenden deutsch geschriebenen Jllyvischen Blatte (das übrigens auch in damaliger Objektivität slovenische Beiträge enthielt) die besten Namen der innerösterreichischen Schriftsteller, die zur Zeit in den drei Landen wirkten und schufen! Bei der kollegialen Gegenseitigkeit, welche unter diesen Organen und ihren Mitarbeitern herrschte, werde» wir in der nun folgenden übersichtlichen Revue der Dichter und Schriftsteller, die dem Auftreten des „jungen Dichters" Anton Alexander Grafen Auersperg ans innerösterreichischem Boden vorangingen und es begleiteten, gleichfalls keine landesüblich gefärbten Grenzschranken aufrichten, sondern in voller Freizügigkeit die ihre geistigen Gaben da und dort zugleich spendenden Musensöhne hin und wieder ziehen lassen. Der „österreichische Körner", der lieblich anmuthende und zugleich / mächtig anfeuernde I. G. Fellinger, ein Sohn der obern Steiermark, der auf dem rauhen .Karste Jnnerkrain's in dem weltbekannten Adelsberg, dessen schaurig-romantische Höhlenwelt er in einem bilderreichen Epos besang, er tritt uns in der Kärnthnerischen Zeitschrift mit den duftigsten Blüthen seiner Poesie entgegen. Der in den Alpen Jnnerösterreichs und heute weit darüber hinaus für immer verewigte Sänger von „des Kärnthners Vaterland", nun des deutschen Volksliedes: „Dort, wo Tirol an Salzburg grenzt", Johann Ritter von Gallenstein, ist Mitarbeiter am „Jllyrischen Blatt", desgleichen der anfänglich als lyrischer Dichter bekannte und am Abende seines Lebens als Romancier berühmt gewordene Adolf Ritter von Tschabnschnigg. Kalchberg — auch ein „Ritter des Geistes" und der Geburt — dessen dramatisches Talent die Heroen der deutschen Literatur schätzten und anerkannten, er hat Sage und Geschichte von ganz Jnnerösterreich in den Bereich seiner Forschung und poetischen Verherrlichung einbezogen; ich spreche von ihm noch an anderer Stelle. Seine Werke, einst die Lieblingslectnre der innerösterreichischen Jugend, edirt soeben in einer passenden Answal der schon genannte wacker strebende innerösterreichische Gelehrte und Dichter Dr. Sch lvssar in Graz im Verlage der alles Patriotische mit Eifer fördernden Firma W> Braumüller und Sohn in Wien. In Graz schaffen rüstig Josef Hvfbaner, der den Mozart dramatisirte und Voltaire's Henriade vertentschte, dann Kauzner und Kollmann (der Redakteur des „Aufmerksamen", dem gleich in Käruthen die Oarintbia und in Krain die „Liumiolia", letztere dllrch den nach lebenden Schriftsteller Leopold Kordesch begründet, folgen). Carl Gotfried von Lettner — „auf dessen Sängerschilds goldnem Grund die Heimat blühend nns erstand" — der rüstige Greis, der mit der Jahrzal wandelt und vor 8 Jahren sein 70. Jubiläum in voller Geistesfrische gefeiert hat und dem die Muse noch heute freundlich lächelt, Carl Gotfried von Lettner auch er hat gleich Kalchberg in seinem Dichten das ganze schöne Jnnervsterreich an sein glühendes Herz geschlossen. Da rückte Jvh. Gabriel Seidl, der Niederösterreicher, in die Steiermark, in das sonnige Cilli, in das farbenprächtige Sannthal, und fand hier die zweite nnd die gleichgeliebte Heimat. Seine „Bifotien", die . - ihm den Ruf des zartsinnigsten Poeten Oesterreichs erworben und die „Prinz Johann" freundlichst entgegennahm, sie erwuchsen auf dem saftig grünen Boden der alten Römerstadt Celeja, wo denn auch die Liebe Seidl's für das classische Alterthum und seine Reste in dem Studium der zalreich zu Tage geförderten Denksteine und Münzen reiche Nahrung fand und der berühmte Archäologe Seidl groß wurde. Das benachbarte Savethal, wo sich die beiden Nachbarländer Krain und Steter stets im Auge haben, besuchend sang Seidl ersterem Lande die schöne Begrüßungshymne: „Krain gegenüber". „Win Urain" „Ist gar ein seltsam räthselhaftes Land Nicht so wie andre Lander liegt cs da. Ein anfgeschlagnes Buch, von dessen Blättern Das Ang im Flng den klaren Jnhali hascht, Nein hinter unscheinbaren Zeichen birgt Es hohen Werth und kaum geahnten Sinn, Begreifen mußt du cs, um es zu lieben. Nach Krain rückt Josef Emannel Hilscher, ein Dentschböhme aus Leitmeritz, von Vaters Seite ans Sachsen stammend, der gottbegnadete Sänger im Commißrock, welcher Rock denn auch, trotz der mannigfachen Förderung, die sein Träger durch humane nnd feingebildete Vorgesetzte, so Oberst Wo eher, Hanptmann Marfan o — den bekannten Dichter — Oberlientenant Oberndorf — einen vorzüglichen Mater — und andere gefunden, doch schließlich dessen Untergang ward, denn es sehnte sich der Dichter nach dem goldenen porta äpos nur um — sogleich nach dessen Erhalt den Militärdienst qnittiren zu können! Er erreichte nicht dieß Ziel! Hilscher's Umgang, solange er mit seinem Regimente (heute Baron Kuhn Jnf.-Reg. Nr. 17) in Laibach weilte, wirkte ans die damalige kleine Geistesrepublik der krainischen Hauptstadt in hohem Grade anregend nnd fördernd, gleichwie er durch hier vorgefundene gleichstrebende Geister neue Nahrung fand. In erster Linie war es Franz von Hermannsthal, Dichter und Historiker, ein allgemein hochgebildeter Mann, der im Verkehre mit dein begeisterten Verehrer der Briten und speciell Lord Byrvn's, den Hilscher bekanntlich meisterhaft übertrug, die genußreichsten Stunden verlebte, wie ich es aus des Ersteren Munde in Wien wiederholt bestätigt erhielt. Da war Mathias Zhop, der, eine Art Mezzofanti, die »leisten lebenden Sprachen sprach und schrieb; da war Kastelic, der Begründer der slovenischen Gedichtsammlung: cebolioo (Bienen), dann der freisinnige Domherr Sn pan, der von seinem Bischöfe ohne Unterlaß Geinaßregelte, der scharfsinnige Mathematiker Schnlz-Straßnicky, dem die „dank-berc Nachwelt" soeben die Lorbeeren wand, da war der berühmte Slove-nist Metelkv, da waren der Reihe nach die deutsch Dichtenden: Hugo vom Schwarzthal (Schlechter), Jean Laurent, Laschan, Babnigg K ordesch, Tomschitz n. A. und alle hochübbrragend der geistvollste Sohn seines Volkes, der Sänger der Liebe und des Schmerzes, der erste slovenische Knnstdichter im strengsten Sinne, Franz Presircn, der Lehrer und Freund Anastasius Grün's, dessen Geisterschifs trug keine Flagg' am Stander, Nickt blan-roth-weiß', nicht schwarz-roth golone Biinder wie Grün-Auersperg in dem weihevollen „Nachruf" an ihn „In der Veranda" rühmend hervorhebt. Bon dem „Lehrer" seines Volkes, der diesem die „Pflugschar schmiedete, der Sprache langverödet Feld zu brechen", werden wir in seinen Beziehungen zu Anastasius Grün des Weiteren erfahren, wo wir vom „jungen Dichter Auersperg" sprechen und dort, wo sich die beiden, Prekären und Auersperg, auf gleichem Boden begegneten, auf dem Boden der slovenischen „Sage vom Wassermann". Nun noch ein Blick ins benachbarte Kärnthnerland. Kumpf und Jarnik und Gallenstein haben wir bereits genannt, da ist dann noch Leon, der am Wiener Musenalmanach wirkt, dann der slovenische Natnrdichter Michael Andreas, von dessen Muse Seidl Proben ins Deutsche übertrug — die ein Bild echt poetischen Gehalts geben — Ahacel, der slovenische Lieder ans Kärnthcn und Steiermark sammelt, da sind die deutschen Dichter Paul Renn und Vincenz Rizzi — dessen dithyrambischen Gruß an Grün wir an anderer Stelle werden kennen lernen — da sind die Historiker Ankershofen und Hermann, die schon an einer Quellenschrift Kärnthens sammeln, wie Mnchar drüben in Steiermark an dem Ricsenmaterialc zn seiner leider nicht zu Ende geführten Geschichte der Mark Steher. Und in Steiermark keimen auch schon ans wissenschaftlichem Gebiete neben den bereits gewiegten Forschern Schneller, Schreiner, Mnrko und Andern Hammer Purgstall, Prokesch-Osten und Miklvsich. Die Dichter Faust Pachter Pollhammer Terhtenjak gehören durch Geburt und erste Erziehung diesem schönen Lande an. Wer könnte übrigens alle Namen nennen? Ich versuchte nur zusammenfassend, wie es bisher noch nirgends versucht wurde, ein Bilc> des regen geistigen Lebens zn geben, wie es RadicS, Anastasius Grün Verschollenes und Vergilbtes. Z zunächst vor und während des ersten Auftretens Anastasius Grün's in den inner-österreichischen Alpenländcrn — seiner Heimat — geherrscht hat, des regen geistigen Lebens, das nicht zum Geringsten gefördert und gehoben ward durch jenen geistvollen erlauchten Förderer alles Schönen, Wahren und Guten, der durch Decennien dem Jnnerösterreich ein fester Hort, eine gewaltige Stütze war in Freud' und Leid, in guten und bösen Tagen, durch den „Prinzen Johann". Ans den weitausblickenden, in großen Ideen sich ergehenden Erzherzog Johann, der in seiner fürstlichen Stellung,, in seinen hohen patriotischen Tendenzen für das Gesammtreich vielfach enttäuscht und gekränkt, sich in die stärkende Waldluft uud zu dem biedern Vvlke der innerösterreichischen Alpen rettete und hier einer Tochter aus dem Volke, Anna Plochl, der Postmcisterstochter von Anssee, der heutigen Gräfin von Meran, die Hand für's Leben reichend, sich sein Heim, den romantischen Brandhof gründete, — welchem Hm>se der Dichter-Patriarch Ladislaus von Pyrker die Doppelweihe gab — auf den Prinzen Johann muß der wahrheitsgetreue Historiker ein gut Theil der geistigen Bewegung zurückführen, welche in Jnnerösterreich vom Beginne unseres Jahrhunderts bis über die Mitte desselben geherrscht und mittelbar auch noch auf weiterhin. Der geistigen Bewegung in ganz Jnnerösterreich! Und deßhalb hat man auch dem ehernen Standbilde des populären Prinzen, das sich eben jetzt in der Hauptstadt der Steiermark ans dem Hauptplatze derselben vor dem Rathhanse in hellschimmernder Bronee überlebensgroß erhebt, die Allegorien der vier Hauptflüsse der Steiermark, der Enns, der Mur, der Drave und der Save an die Seite gestellt; der Drave und der Save aber auch mit dem Hinblicke auf die Nachbarländer Krain und Kärnthen, aus denen sie segenbringend und befruchtend daherströmen, welchen Ländern des „Prinzen Johann" Liebe und Sorgfalt segenbringend und befruchtend zugewendet war iu nicht geringerem Maße als der grünen Steiermark selbst von der aus sich die Strahlen seines Licht und Leben uud Freiheit spendenden Geistes nach den schneebedeckten Höhen der Karawanken und des Triglav wie nach den Thälern und in die Ebenen Kärnthens und Krams, nach den Rebengeländen des Uuterkrainerbodens, wie in die Schachte der kärnthischen und krainischen Erzberge gleichmäßig ergossen, so daß heute am Tage seiner ehernen Schilderhebung die Reflexe dieser in die Lande entsendeten Geistesstrahlen pietätvoll rückstrahlen an das Fußende seines Denkmals und da festgehalten bleiben, bis in die fernsten Geschlechter kündend den Dank der Zeitgenossen und kündend es der Nachwelt, daß eines der schönsten Bücher in der Geschichte Oesterreichs den Titel führt: Erzherzog Johann nnd Jnnerösterreich. Und für das eherne Standbild des volksthümlichen „Prinzen Johann" schrieb Anastasius Grün die einfache nnd doch so vielsagende Aufschrift: „Unvergessen lclit im Volke, Der des Volkes nie vergoß." Der junge Ajchrer Emf Iuersperg Blumen sind an jedem Weg zu finden, Doch nicht Jeder weiß den Kranz zu winden. A nnstnsius Gr n n. 6^, ^ sicbe»jäl)ri;;cr Knabe bezog Antv» Alexander Graf Auersperg ^(^1813 das Theresianum, an dem bereits mehrere Mitglieder seiner ^ erlauchten Familie erzogen worden waren, doch schon nach zwei Jahren kam er an oie Ingenieur-Akademie — eine Militürschule für die „Geniewaffen" — wo er bis 1818 blieb. Es starb sein Vater und die Wittwe gab den heranreifenden Jüngling, der jetzt schon große Anlagen verrieth, in das zur Zeit bestrenno-mirte Privatinstitut in Wien, das von Klinkowströin leitete, der Vater jener beiden Priester ans der Gesellschaft Jesu, die in den 50er Jahren, der Blüthezeit des österreichischen Coneordates, soviel von sich sprechen machten. „Papa Klinkowström" übrigens ei» vorzüglicher Pädagog genoß des vollen Zutrauens der höchsten und hohen Aristokratie Oesterreichs ; er setzte aber auch einen hohen Werth darein, an seinem Institute exquisite Lehrkräfte zu versammeln, die als Correpetitoren die jungen Leute in freierer Weise als die Pedanterie der damaligen öffentlichen Studien es zuließ, in die einzelnen Disciplinen einführten. l823 und 1824 stndirte hier Auersperg-Grün die sog. „Philosophie" und es war unter Anderen hier sein Lehrer der Geschichte sein Landsmann, der erste slovenische „Kunstdichter" France Presiren. Dieser Landsmann und Lehrer, dessen Grün-Anersperg sein ganzes ferneres Leben hindurch immer mit der liebevollsten Pietät gedachte und dem er bei dessen 1849 als Advocat in Krainburg erfolgten Tode einen ebenso glänzenden als weihevollen „Nachruf" widmete („In der Veranda" p. 169 ff), blieb auf des Dichters Auersperg erste und spätere Entwickelung von nachhaltigem Einflüsse und blieben die Dichterfrennde zeitlebens in freundlicher Verbindung; Presiren übertrug z. B. die „Venetianer-Trias" ins Slovenische, behandelte in einer eigenen Ballade die Familien-traditivn von der Rosamnnde von Auersperg, Anastasius Grün hinwieder appellirte an den Freund bei Uebertragung der „Volkslieder aus Krain"! Zwei Momente sind es, die der junge Lehrer Presiren, die ersten Regungen von des Schülers Auersperg Dichtergenius empfindend, den Dichter-LandSmann festhalten lehrte: die Liebe zur Heimat und die Liebe zur Geschichte. Presiren war es, der — wie es mir Graf Auersperg wiederholt mittheilte, — ihn auf die reichen Schätze Krains an Stoffen zu poetischer Behandlung aufmerksam machte und der fein Interesse für Krains größtes Ehrenbuch für die Urquelle heimatlicher Geschichtsforschung für des Freiherrn von Valvasor: „Ehre des Herzogthums Krain" immer lebendiger machte. ,,Wenn wir — erzählte Grün — durch Stunden zusammen die römischen und griechischen Geschichten durchgemacht da holte Presiren die aus einer Bibliothek der Residenz entlehnten Folianten Valvasvr's herbei und wir blätterten mit wachsendem Eifer in der Chronik der Heimat uns an den Thaten der Vorfahren erfreuend und erhebend!" Was Presiren in späteren Jahren noch im Andenken Auersperg's des Politikers höher als soviele der slovenischen Landsleute erscheinen ließ, das war Presiren's Hochachtung vor dem deutschen Geiste,*) die den großen Sohn der Mutter Slvvenja stets ausgezeichnet hat und die ihm gewiß auch das deutsche Herz des Jünglings Auersperg beim ersten Begegnen gleich sympathisch entgegenschlagen machte! Auersperg bezog aus dem von Klinkowström'schen Institute, wo er mit aller Auszeichnung und dem besten Erfolge studirt hatte — die im Jubeljahr im Wiener „Fremdenblatt" veröffentlichte Classifieationsliste beweist es — die hohen Schulen von Graz und Wien (1825—1828). In diese Jahre der Universitätsstndien fallen die ersten Publikationen des jungen Dichters, die er alle mit seinem vollen Namen Anton Alex. Gras Auersperg zeichnete. Darunter sind eine Reihe der schönsten Poesien, die bisher als „verschollen" gelten können, da sie weder von Grün in die Sammlung seiner Gedichte noch von der Berliner Verlagshnudlnng besser gesagt von dem Herausgeber in die Gesammtausgabe von Grün's Werken aufgenommen wurden. Mehrere davon behandeln heimatliche Stoffe, mehrere allgemeines, andere sind Blüthen des ersten Liebelebens! Unter den heimatlichen nimmt die Bearbeitung der Sage von den feindlichen Brüdern von Reichen bürg einen hervorragenden Platz ein, eines Balladenstoffes, dessen Scenerie die reizende nächste Umgebung seines geliebten Heim's Thnrn-am-Hart bildete. Beim lustreichen Markte Reichenburg drüben in der „grünen Steiermark" hart am Savestrande da gab es in Ritterszeiten zwei mächtige Schlösser gleichen Namens, das eine auf dem Berge oben, das andere hernnten am Strome knapp neben dein Markte. *) Presiren hat mich schöne deutsche Gedichte gemacht, deren Ordnung und Herausgabe mein Freund, der Slavist Levstik, eben vor hat; Uebcrsetzungcn der slovenischen Gedichte Presiren's liegen vor von Germonik, Frau Louise Pesjak, A. Dimitz, Hugo von Schwarzthal u. a. Presiren's treffliches Epoö »ILorvt pri Lnvioi« — Die Taufe an dem Wasserfalle Zaviea. des letzte» heidnischen Slovenen — hat der dem großen deutschen Lesepublikum als Nomancicr vortheilhast bekannte Penn der Herausgeber der „Dichter-stimmen" Oesterreich-Ungarns meisterhaft wiedergedichlct. A. d. Verf. Auf diesen Schlössern saß das mächtige Geschlecht der Herren von Reicheubnrg, welche außerdem die benachbarten Herrschaften Drachenburg, Reichenstein und Rann und die romantische Riegersburg beim heutigen weltbekannten Bade Gleichenberg besaßen und gar mächtige Herren waren, hatte doch einer derer von Reicheubnrg 1488 den „letzten Ritter" Maximilian ans der Gefangenschaft der Bürger von Brügge befreit und nachher dem Kaiser Max eilf Schlösser in Ungarn erobert. Doch über diese und andere Verdienste der Reichenbnrger wuchs, wie über das zerbrochene Wappenschild ihres Geschlechtes, wie ans den zerfallenden Mauern ihrer Schlösser das „Moos der Geschichte." Nur ein Blatt ans der Hanschronik der Herren von Reicheubnrg ward von den kommenden Geschlechtern gelesen und wieder gelesen und ward von den Landeschronisten hüben und drüben der Save copirt und in die Chroniken der Nachbarländer Steier und Krain — wo die Reichenburger gleichfalls „bestbekannt" waren — aufgenommen, das Blatt, welches der Nachwelt die „grausige Geschichte" von dem Brudermorde erzählt, da sich „im Jahre 1534 Niklas von Reichenbnrg und sein Bruder gegenseitig ermordeten, die stets in Feindschaft gelebt und im Anfall von Zorn aus den Fenstern ihrer beiden Schlösser mit Fenerröhren auf einander schossen und sich gleichzeitig tödteten." „Ob sich aber gleich — schreibt Valvasvr bei Erzählung dieser Geschichte — diese zween boshafte Ottern einander todt gebissen und sich selbsten sammt ihrem Geschlecht ansgelescht, hat doch die göttliche Für-sehung das Denkmal solcher verfluchten Grausamkeit eines so unbrüderlichen und teuflischen Bruderhasses der Nachzeit zur Warnung noch bis auf den heutigen Tag aufbehalten. Denn es liegen beide Todten-Köpfe dieser entleibten Herren von Reichenburg schon viele Jahre in der Kirche allda auf einem Fenster beisammen. So man dieselben verrückt oder eines davon wegthut, wird man sie dennoch des Morgens wiederum beisammen finden. Welches gar vfft von Fremden und Ungläubigen (das ist, die es nicht glauben wollen) probirt wird. Ist aber zu verwundern — daß die Köpfe, welche im Leben nicht einander in der Nähe leiden können, im Tode ungeschieden sein wollen." Der steiermärkische Dichter R. v. Kalchberg hat in Mittheilung des Stosses die Sage von diesem Brudermorde in etwas modificirt (Sämmtliche. Werke II p. 207), indem er nur den Bruder ans dem Unterschlosse zu Tode getroffen werden läßt, worauf dessen Reisige das Ober-schloß stürmen und die Mörder zu Tode schlagen. Dieser Darstellung, welche von der Sage und deren Wiedergabe bei Valvasvr wesentlich abweicht, folgte Anastasius Grün, als er den Stoss dichterisch verwerthete, wahrscheinlich wegen der darin herrschenden größeren dramatischen Bewegung. Einer zweiten Aenderung aber, die Kalchberg an der Sage und zwar an der Pointe derselben vornahm, schloß sich Auersperg nicht a»; Kalch-bcrg kehrte nämlich die Erzählung von den sich unverwandt im Tode ansehenden Köpfen geradezu nin, indem er zn erzählen weiß, daß es noch viele Jahre nach dem Tode der Brüder im Schlosse (!) ein mächtiges Gepolter gab, wenn ihre Köpfe nicht von einandersehend ge-r legt waren. Dieser, die Sühne des grausigen Verbrechens hinwegnehmenden ' Aenderung Kalchbergs versagte Anastasius Grün ans ethischem Grunde seine Zustimmung und er that wol daran. Das schöne Jngendgedicht l lautet: Dir Dnidrr. Wo Stchcr's Alpenhänpter nach Krain hiniiberspäh'n Hart an der Grenze, sicht inan zwei graue Schlösser stch'u. Das eine schattet unten im nfcrgriinen Strom Das and'rc ragt nach oben, gleich einem Felsendom. Und in den Schlössern hauste in altem Brauch und Recht Der wacker'n Reichenbnrger altadelig' Geschlecht: Zur Ginst hinabgesunken, ist schon der Ahne» Schaar, In ihren Schlössern Hansel das letzte Briiderpaar. Und ruhten sie auch Beide in Einer Mutter Schoost Und zog dieselbe Pflege die beiden Knaben grvst, So bleiben ihre Herzen doch feindlich stets verkehrt Des gist'gcn Grolles Flamme stet« in der Brust genährt. So saß in Grimm ein Jeder ans seinem Schloss zumal, Der Eine aus dem Felsen, der Andere im Thal. Es guckte der von oben zum Fenster einst hervor Es blickte der von unten zn ihm ans's Schloß empor. Die Wange glicht, es rollet das Aug' im wilden Laus, Neu lodert wohl in Beiden des Hasses Brandstrahl ans — Und schon hat Fenerröhrc der Eine hergerafft, Ein Schuß fällt ans den Brndcr, er trifft mit Blitzeskrast. Des Todten Knechte schirme» zum Schlosse ivilo empor, Die FelSbnrg ist erklettert, in Triimmern liegt da« Thor, lind eh' ihr Herr verröchelt noch hat sein warmes Blut Kiihlt schon des Todes Athem des Mörders freveln Muth So starb der Reichenbnrger altadeligcr Stamm, Nur noch die beiden Schlösser erhalten ihren Nam', lind in der Bnrgeapcllc, dort ans de« Felsens Höh'n, Sind auch der Briider Häupter zur Stunde noch zn seh'n. Und wüthet auch im Leben des Hasse« Arm gar schwer, So weht doch von den Gräber» ein Geist der Liebe her: Gar friedlich sicht die Häupter man nun beisammen steh'n lind sich »»abgewendet in« hohle Auge seh'n Und hat cs wer gcwagct und mit der frechen Hand Feindselig von einander die Köpfe abgewandt, So hört inan's reuig wimmern »nd klagen durch die Nacht, Doch findet sie der Morgen zur alten Stell gebracht. Ant. Alex. Gras v. Auersperg. Ein anderer innerösterreichisch-heimatlicher und speeiell krainischer Stoff, den Auersperg im Lenze feines Dichtens vornahm, war die Familientradition der Grafen von Thnrn über die Erbauung des Schlosses Wartenberg. Das Geschlecht der Grafen von Thurn-Balsassina, das sich von den della Dorre Signori di Milano herleitet und außer in Italien und der Schweiz, in Oesterreich seit Jahrhunderten in mehreren Zweigen in Steiermark und Tirol grünt und blüht, dieses altberühmte mächtige Geschlecht hat der Heimat Krain im Laufe des XVI. Jahrhunderts eine Reihe der vorzüglichsten Helden und Staatsmänner gegeben. Ich greife ans der Zahl derselben nur die Namen: Achaz von Thur», eines Hanptführers der „evangelischen Stände" Krains und Hauptgegners, der Jesnitenparthei der in „offener Landtagssitznng" gegen den Bischof mit dem Schwerte lvsging — und des „Feldherrn" der krainische» Landschaft Jobst Josef von Thur» besonders heraus. Letztgenannter ist es, um dessen heldenhafte Persönlichkeit sich die Tradition und Familiensage ephenartig schlingt. Reckenhaft steht seine Gestalt inmitten der Borvvrdern und Enkel im Ahnensaale der Thnrne! Dieser kühne Degen, welcher fast sein ganzes Leben im Heerlager gegen die Türken zubrachte, der als Commandant der blauen und gelben Fähnlein der krainischen Ritterschaft den großen „windischen Bauernkrieg" von 1573 — der die Aufrichtung eines südslavischen Bauernreiches mit einem eigenen „Bauernkaiser" zum Endzweck gehabt — ein minder ideales blutiges Ende bereitet und dessen Portrait und „Leibzier" in der Ambraser-Sammlnng in Wien neben denen der größten österreichischen Helden und Heerführer bewahrt wird, Jobst Josef von Thnrn hat im Punkte der Liebe den Gründer der genannten kaiserlichen Sammlnng jenen Ferdinand nachgeahmt, der mit seiner „Welserin" auf Schloß Ambras in Tirol sein trautes Heim gefunden. Jobst Josef von Thnrn hat ein „Mädchen ans dem Volke" als seine Gattin erwählt nnd — wie die Familiensage geht — an dem Orte wo „Lieschen" ihrep lieben Helden allnächtlich zum Stelldichein erwartet, ein Schloß erbaut und dasselbe „Wartenberg" genannt. Die Fülle von Poesie, welche in dieser zarten Geschichte aus der rauhen Ritterzeit liegt, sie hat den jungen Dichter Auersperg zur dichte rischen Behandlung der Tradition angeregt, die in solcher Weise von dem schönen anmnthig gelegenen Schlosse Wartenberg im krainischen Ober lande erzählt. Auerspergs Gedicht lautet: Arliloli Narrriibrra. ' U,7«>. Ans einem Hügel im Krainerland Altiiiichllich ein jnnger Ritter stand Still stand er da wie ein Marinorbild Und lauscht' in seinen Mantel gehüllt. Doch stand und harret er nicht lang allein Bald fand noch eine Gestalt sich ein. Ob auch der Sturmwind grimmig und graus Doch lischt der Beiden Leitstern nicht ans; Faßt sie der Frost mit eisigem Arm, Doch gibts noch ein Plätzchen still und warm; Erlosch auch Monden- und Sternenlicht Sie fehlen den Weg zum Hligcl doch nicht. Und Mancher, der Nachts vorüber geht Und noch die Liebe nicht kennt und versteht, Sicht er die beiden Gestalten sleh'n Glaubt schier ein Geisterpaar zu seh'u. Doch einst, ob der Mond auch licht nnd klar Nie kam, nie sah man wieder das Paar. Doch auf dem Hiigel hebt sich ein Schloß Mit Mauern nnd Thllrmcn blank nnd groß Der Lieb' nnd Erinnerung ist's gebaut, Drin haus't der Junker mit seiner Braut Und weil er des Liebchens hier wartend stand Drum hat er es Wartenberg genannt. Gllick auf! »nd Heil nun sei Jedem gebracht, Dem manch solches Plätzchen entgegenlacht. Manch Plätzchen, so selig, traut nnd schön Mag eben auch kein Schlößchen dort stehn; Dann setzt einen Stein nur ein Jeder hin Kein Fleckchen Erde verbliebe grün. Ant. Alex. Gras v. Auersperg. Ein dritter heimatlicher und kraiuischer Stoff behandelt die in unserm bergreichen Lande nnd insbesvnders im Quecksilberbergwerke von Jdria stark verbreitet gewesene und zum Theil noch verbreitete Sage von der Abneigung der Berggeister (Bergmännlein) gegen das Fluchen und Lästern. Ausführlich und init dem ganzen schauerlichen Apparate seiner abergläubischen Zeit erzählt der Freiherr von Balvasor diese Sage in seiner Chronik, welche Erzählung unserm jungen Dichter die Anregung zu seinem Poem: Der Bergknappe gegeben haben mag! Auersperg veröffentlichte das Gedicht 1828 im „Dresdener Merkur", aus welchem es der vielverdiente österreichische Schriftsteller Hermann Meyn ert in dem jüngsten Jahrgange des von Hofrath Baron Falke des äußeren Amtes begründeten und ausgezeichnet geleiteten von Band zu Band sich einer größeren Verbreitung und Beliebtheit erfreuenden Jahrsbuches: die „Dioskuren" reproducirt hat. Ich glaube zur wenn möglich noch größeren Publieität dieses trefflichen literarischen Organs des österreichisch-nngarischen Beamtenvereins ein Schürflein beizutragen und anderseits den Freunden der Milse Anastasius Grüns, denen vielleicht eben dieser Jahrgang (1878) der „Dioskuren" nicht zur Hand ein Vergnügen zu bereiten, wenn ich an dieser Stelle das reizende humorvolle Jngendgedicht Auerspergs vollinhaltlich einrücke: Der VergkiiNWe. Ei» Bergknapp' fuhr oft wohl hinab in den Schacht Und häinmerl' und pochte so manche Nacht, Doch was er des Goldes auch fördert hinan, Ist leider! für fremdes Gelüst unr gethan. Der Bergmann war fromm, der Bergmann war gut Und hing' an seim' Weibchen mit Leben und Blut; Auch hat ihm der Himmel drei Kiudlein beschecrt, Die mehr noch als Gold nnd Karfunkel ihm werth. Doch fluchen, da« konnt' er, wie'S Einer nur kann, Stets fetzte er fluchend den Spaten an, Und wär' er erhört, längst wäre zerschellt In Scherben nnd Splitter gegangen die Welt. Einst schaufelt' er wieder wohl her und hin, Doch schweigenden Mundes mit bangen, Sinn: Er denket an Weibchen und Kinder zu Haus Wie sie unn schier darben bci'm kärglichen Schmaus. Und wie er so sinnt mit fröstelndem Blut Und wie er so schaufelt mit ängstiget» Muth, Da rauscht es urplötzlich an ihm vorbei, Als ob die Erde geborsten sei. Ein Männlein erblickt er, so klein nnd so zart Die Augen Rubin, Smaragden der Bart, Das Haar aus dem Haupte von funkelndem Gold, Das winkt ihm gar freundlich und lächelt ihm hold. Es winket das Zwerglein mit winziger Hand Und weis't ihm aus eine funkelnde Wand; Da sieht er nur Gold gar schimmernd und rein Und Silber und blitzendes Edelgestein. Es glotzet der Bergmann mit trunkenem Sinn Aus's Männlein bald und aus die Wand bald hi», Da sährt der gespenstige Zwerg in den Sack Und reicht ihm die Dose mit Schnupftabak. „Potz Sapperment! also schnupft ihr, mein Freund? Beim Teufel! der Tabak ist gut, w>c mir's scheint" Und husch! bevor noch gesprochen Dies Wort, War auch schon das drollige Männlein fort.*) Die Priese, die hält er wohl »och in der Hand Doch Männlein und Goldschatz nnd Dose entschwand; Da starrt er nud glotzt er mit blödem Sinn Noch aus die verteufelte Stelle hin. Es wird ihm gar übel und schaurig zu Muth; Pah! Weibchen und Kind und verlorenes Gut! Da schimpft er und flucht er d'rauf los als ein Mann: Daß er doch das Fluchen nicht lassen kann. Alexander Gras Auersperg. *) Die Berggeister können nach der gemeinen Sage das Fluchen nicht vertragen. Doch neben den heimatlichen hatte der „junge Dichter", dessen allererste Poesien zwischen den „Blättern der Liebe" zu suchen sind, seine Begeisterung auch schon den historischen Gestalten der deutschen Geschichte und den höchsten Idealen der Menschen- und Dichterbrnst zugewandt, den Idealen der Liebe und des Lebens. Als Proben dieser Gattung aus dem reichen Dichterschatze Grüns mögen die beiden Lenzblnthen seines Schöpfnngsdranges der Barden-fels und Heinrich Francnlvb dienen, während ich die zarten Blnmlein ans dem ersten poetischen Liebesgürtlein des jungen Dichters an eigener Stelle „bewahren" will. Die beiden Genannten mögen, diesen Abschnitt schließend, folgen: Heinrich Prancnlob. I» Mainz ist's öd und stille, die Straße» wüst und leer, Nur Schmerzgcstalteu ziehen im Traur'gewaud umher, Nur Glockeutöne schwirren gar bange durch die Lust, Nur eine Straße füllt sich und die führt in die Gruft. Und wie der Ruf von, Thurme verklingt iu leisem Flug, Da naht dem heil'gen Dome ein stiller ernster Zug, Viel Miinner, Greis und Kinder, der Frauen holde Zahl Jedwed' im Auge Thränen, im Busen herbe Qual. Sechs Juugfrau'n in der Mitte, die tragen Sarg und Bahr Und nah'n mit dumpfem Liede dem reichen Hochaltar. Der gibt statt Heil'gcnbilder, der Menschheit Wappen kund: Ein weißes Kreuz ganz einfach ans rabenschwarzem Grund. Auf schwarzem Sargtuch ruhet ein srischcs Lorbecrrcis Die grüne Sängerkrone, der hohen Lieder Preis, Und eine goldne Harfe, die lispelt leis und lind Die Saiten beben trauernd, durchweht von Abendwind. Wer ruht wol in dem Sarge, von Todcshand erfaßt? Starb euch ein lieber König, daß Alt und Jung erblaßt? Ein König wol der Lieder, der Franenlob genannt, Ihn ehrt noch in dem Grabe das deutsche Vaterlaud. Der schönsten Himmelsblume, die mild auf Erden blüht, Dem holden Preis der Frauen klang einst sein heilig Lied. Drum, ist auch welk dir Hülle und kalt der Sängersmann Sie lohnen doch was Liebes der Lebende gethan. Und selbst das hohle Auge der schwarzen Mitternacht, Sieht weinend manches Mädchen, das noch am Sarge wacht, Sei klanglos auch die Harfe, von Trauerflor umhüllt, Es klingen doch die Lieder, cs lebt des Sängers Bild. Drum auf! ihr deutschen Sänger, die Harfen frisch gestimmt! Bevor der Lenz verblühet, bevor der Tag verglimmt! Und liebt ihr süße Minne, liebt' ihr manch Lorbcerreis, Singt Schönheit und singt Tugend, singt deutscher Frauen Preis! Ant. Alex. Graf v. Auersperg. Der Oardrnfcls. Ballade. Es steht ein Fels ain Mecresstrand, Der blickt so ernst ins weite Land, Ein heiliger Wächter steht er da, Dein Nahen fern, Dein Fernen nah Und weist mit seiner Stirne ktihn Zum Dome seines Schöpfers hin. Hoch oben auf dem Gipfel steht Von Gottes Allmachtshanch umweht, Gekrönt mit frischem Lorbecrreis, Ein ernster hehrer Sängcrgreis. Der hält die Harfe in der Hand Und blickt hinab in's weite Land Und blickt empor zum Himmelsplan Und wieder in die Wogenbahn Und blicket in des Feuers Gischt, Das lodernd ihm zur Seite zischt Jn'S weite Thal herniederstrahlt In hoher Würde die Gestalt. Ein ruhig schönes Hcil'genbild So hold und ernst, so hehr und mild Voll Anmuth und voll Majestät Und wie ein Frühlingswölkchen weht Des Barts und Hauptes Silbcrstrom Hinaus in den azurnen Dom. Jetzt rollt der Zeiten ernster Lauf Vor seinem innren Blick sich ans, E.r sieht manch Bild, so klar und schön Manch theures Wesen vor sich steh», Sieht sich vor allen Sängern reich So kräftig kühn, so mild und weich; Die Kunst reicht ihm den schönsten Kranz, Die Liebe strahlt im schönsten Glanz Und schützend führt das Leben ihn Zum Tempel cw'gen Ruhmes hin. — O schöner Traum! Du blühst nicht mehr, Das Herz ist welk und freudenleer, Des Auges Glnth, der Sehnen Kraft, Ist nun erloschen und erschlafft, Gelöst der Seele Flammenbrand Wie ein Vulkan, der ausgebrannt. So denkt der hehre Sängergrcis Und reiht vom Haupt das Lorbeerreis. Und blickt zur Harfe traurig hin Und kränzt sie mit den, frische» Grün. „Hab dank du freundlicher Kumpan, Nur du bliebst treu dem greise» Mann Du sangst mit mir der Liebe Lust, Mein Bild sangst du in manche Brust; Hast mir manch Frendenherz erjagt Mit mir geweint, mit mir geklagt, Hast mitgcsiegt in manchem Streit, Hast manche Freundesbrust erfreut Und bliebst allein dem greisen Mann; Hab Dank Dn treuer Leidskmnpan. Dein Tagwerk hast dn nun vollbracht, Die Lieben drückt des Grabe« Nacht Zerronnen ist des Lebens Meer, Die Welt ist wüst n»d thatenleer; Von Frieden tritnmen sie znmal Und trüg er Fried' ist überall Der mag wol sein im Grabe gut Im Leben doch verdirbt crs Blut Drnm giebt es für uns beide nun In dieser Welt nichts mehr zu thun." Er faßt der Harfe festen Schaft Und schwingt sie mit der letzten Kraft; Sie fliegt empor zum Himmclsknauf Hell sausend durch die Lust hinauf; Jetzt ist sie nur ein Pnnkt zu sehn, Jetzt kann kein Blick sie mehr erspäh'n. — Noch blickl der Greis in's Himmelszelt; Da sieht am blauen Aetherseld Er mild ein Rosenwölkchen glüh», Das neigt sich sanft zur Erde hin; Und siche da! inmitten glänzt Die blanke Harse frisch bekränzt, Es streift in leisen Harmonien — Ein Zephir durch die Saiten hin. Der Alte doch mit kaltem Blut Schürt neu empor der Flamme Gluth; Er saßt und wirst mit fester Hand Die Harfe in de« Feuers Brand. — Es zischt empor und flackert wild, Doch an« dem Saitenspiele quillt Es löschend in des Feuers Schooß: Es löst sich jede Thräne los, Die ans die Harfe er geweint; Und löscht und dämpft den Flammcnfeind. Der Greis mit ungebeugtem Muth Sieht nieder in die Mceresflnth Und schlendert in des Wassers Grab Die Harse kalten Bluts hinab. Es schäumt und braust der Wellenplan, Sinkt höllcnticf, steigt himmelan; Die Harfe doch schwimmt auf dem Meer, Wie Amphitriteus Kahn einher Und sanft an'S weiche Ufer grün Spielt kosend sie die Welle hin. „Und wahrt dich nicht de« Feuer« Glnth Der Himmel und des Meere« Fluth So magst dn denn im kühlen Schrein Der Erde wohl geborgen sein. Hier, wo im süßen Schlummer nun Die Lieben unser harrend ruhn. —" Und in den Fels griibt er ein Grab, Versenkt die Harfe tics hinab, Und wallt mit letztem Sonnenstrahl Hinab ins stille Friedenthal." Und als die Lerche wieder schlügt, Die Flnr ihr grünes Brautkleid tragt Und alles sprießt und alles keimt Und froh die Lebensguelle schäumt, Das Veilchen wieder lieblich blüht Und hell der erste Lenztag glüht, Begrüßt vom muntern Waldeschor; Da klimmt zum schroffen Fels empor Mit festem Schritt der Sängersmann Und als er kam den Fels hinan, Da war rings alles Lenz und Lust — Lenz ward es auch in seiner Brust — Und sieh, vom Frühlingsstrahl nmglüht, Stand aus dem Erdengrab erblüht Die Harfe da in Hellem Glanz, Geschmückt mit frischem Lorbeerkranz. Da blinkt sein Auge thränenklar Der Fels wird ihm zum Dankaltar, Er faßt die Harfe innig an Und singt und singt zu Goti hinan, Singt von beglückter Friedensslnr Von Liebe, Lenz und von Natur Und singet sroh in süßem Drang Und all sein Leben wird Gesang Und manchen Jüngling höht sein Lied Und manchen Greis verjüngt sein Lied Und mancher sinkt in sel'ger Lust Dem Barden an die Freundesbrnst. Einst in des Morgens Pnrpurpracht Als rings das Leben anferwacht, Da war's der Sängergreis allein Den nicht erweckt der Sonne Schein; Ob auch ihr Strahl ihn glühend traf, Er wacht nicht ans aus starrem Schlaf. Auf jenes Felsendomes Höh'n Sieht man den bleichen Barden steh'»; Des GöttcrsegenS schönstes Pfand Die Harfe hält er in der Hand Und einem Steingcbilde gleich, Steht er so ernst, so kalt und bleich Zur Sonne blickt sein Angesicht, Er aber schweigt und regt sich nicht; Denn ansgesnngen hat er nun Und nach dem Singen will er ruhn. Die Harfe doch, gar traurig bang Stimmt dankbar seinen Grabgesang. Und durch die Saite» lei« und lind Weht klagevoll der Morgenwind. Ant. Al». Kral v. Atierspkrg. lleilj Sieheslelitls' RndicS. VnniinsiuS Grün Verschollenes nnd Vergilbte». Zog Einer je durch'S Alpenland, Der dort nicht seine Rose fand? Anastasius Grün. er junge Dichter „machte" eben seine juridischen Curse in Graz und Wien, und wir sehen ihn von der Universität als lustigen „Bruder Studio" in sein Haus in Laibach und auf sein Schloß Thurn-am-Hart einkehren. Doch Laibach hält ihn jetzt mehr und länger fest, die Stadt mit ihren schwülen dumpfen Straßen, denen in den Sommermonden entflieht, wer nur immer entfliehen kann. Der Dichter aber hat den Reiz der Natur mitten „in des Zimmers Gefängniß" gefunden. Eine Standesgenossin, der schönsten Baronessen des Landes schönste die eben in kindlich mädchenhafter Schöne erblühende Baronesse C., die Tochter eines höheren Verwaltungsbeamten der Provinz hat die Aufmerksamkeit des heimgekehrten Bruder Studio erregt, und sofort die ganze Liebesgluth des Dichtcrherzens in ihm hell auflodern machen! Und die junge Dame sie liebt hinwieder mit der gleichen Gluth den hochgewachsenen schlanken schönen „jungen Auersperg" mit dem seelenvollen mild-geistreich blickenden Auge! Wahrlich ein beneidenswerther Liebesbnnd. Dieser jungen geistigen und vergeistigenden Liebe herrlichste Blüthen sie leuchten und duften uns entgegen ans dem reizenden „Strauße" der „Blätter der Liebe", die der Dichter später, als rauhe Hände jene junge Liebe erstickt hatten, seiner Mutter zueignete und in dieser Zueignung der allgemeinen Bewunderung darbot. Doch einige wenige der zartesten Blüthen dieses seines Minnesanges er hielt sie später zurück und schloß sie wol ein in sein Herzkämmerlein, jene die sein Glück und aber auch schon seinen Zweifel zum Ausdruck brachten in Stunden, wo ihnen Beiden das Herz noch „schwamm in Seligkeit! " Nur lose flatternden Blättern weit draußen im Reiche, die erst der Sammler zu einem Buche zusammenband, einem heute seltenen Buche 4» Dresden's Merkur*) vertraute der junge Dichter auch die gemeinten nachher dem allgemeinen Blicke entzogenen Blüthen. Heute, wo er von uns geschieden, mögen sie aus der Einpressnng befreit, leuchtend unv duftend prangen vor Aller Sinnen und zieren und schmücken den Kranz, den wir in diesen Blättern dem Andenken des Dichters nnd Menschen Grün-Auersperg winden! Hier sind sie: Im freien. Komm', Mädchen, mit mir Hand in Hand Dahin zum schatt'gcn Blnmenstrand, Dort weht so linde Friihlingsinfl Und hauchet süßen Balsamdust. Es murmelt traut der nahe Quell, Es drückt sich liebend Well' au Well', Am Strand ei» junges Blümchen keimt An welches mild das Bächlein schäumt. Dort girren Täubchen sonder Nast Auf schattig kühnem Eichenast, Es scheint als ob sie wechselweis Sich stritten um der Liebe Preis. Sieh! wie sich alles freudig regt, Doch wenn die Scheidestnnd' nn« schlägt Ist alles traurig, still und ach ! — Es schweigen Tauben, Lust und Bach. Ant. Aler. Kruf v. Auersperg. Drmimkii »itd Ätichkii. Wenn ich Liebchen heiß umfange, Aug' und Mund nur Liebe spricht, Tönt deö Herzens Ruf so bange, „Täuscht ein eitler Traum dich nicht?" — Doch die Stunde hör' ich schlagen Wo der Trennung Ruf gebeut, Und im Herzen hör' ich's sagen: „Träumer, es war Wirklichkeit!" Mild in Schlummer eingewieget Wähn' ich mich an ihrer Brust, Denn es tönt der Ruf: „Nnn trüget Dich kein Tranm in deiner Lust." *) Die Mittheilung der betreffenden Bände des „Merkur" danke ich der ausgezeichneten Freundlichkeit des Hrn. Oberbibliothckars E. Fö rstemaun der königl. öffentlichen Bibliothek in Dresden Der Berfasser. Doch des Schlummer« Bilder schwinden; Liebchen ach! ist auch dahin, Und die Stimme hör' ich künden: „Traumbild war's, was dir erschien." Und so sitz ich denn im Trüben, Bis die Zeit es einst enthüllt: Ob wohl Wirklichkeit mein Lieben Oder blos ein Traumgebild?! — Ant. Ai», ist ras v. Auersperg. Rauhe Hände hatten jene junge Liebe erstickt. Baronin Mama schenkte dem Rathe eines Verwandten des Baron M. willig Gehör lind in mütterlicher Sorge um das zukünftige Wol ihrer Tochter richtete sie an den jungen Auersperg die bürgerliche Frage: welche Absichten ihn bei dem Besuche ihres Hauses leiten? Das Dichtergemüth, das in zartester Regung und in edelstem Sinne die schöne Mädchenseele anbetend verehrte, es war wie von dem eisigsten Windesstrvme erfaßt und niedergeschmettert. Die junge Dame entsagte herbsten Schmerz im Brisen! Grün-Auersperg — der „Bruder Studio" — hatte aber bald wieder seine Fassung gewonnen; er machte seiner Enttäuschung „Luft" in dein nachstehenden: A i c d, Bring' mir, Knabe, Pfeif' und Knaster Bring' mir Feuer auch, Will einmal des Tages Sorgen Schlagen in den Ranch, Denken des verblühten Lenzes, Sinnen dies und das, Warum Liebe oft so kräftig, Oft so schwach wie Glas? — Wie so roth und immer rother Wie so heiß die Glnth, Also in sich selbst verglühend Flammt der Liebesmnlh; Aber wie sic sinkt in Asche Und aufgnalmt in Ranch So ist auch verglühte,Liebe Staub und loser Hauch. Doch woher dieß schnelle Zünden Und dies heiße Glühn? — Und der Flamme schnelles Ende Und des Rauches Flieh«? — Knabe nimm die Pfeife wieder, Diesmal will'S nicht gehn; Will'S ein andermal dnrchsinncn Ob ich's mag erspähen? — Aiii. Aiki. Graf u. Auersperg. In dem Kreise seiner heimatlichen Standesgenossinnen hat der „junge Auersperg" nie mehr „Feuer gefangen". Er freite dann jenseits der Save! Die „Cercles" im „weißen Laibach" deren er gar manche im Hanse der angebeteten Baronesse C. mitgemacht, hat er aber in den Blättern der Liebe mit Hvgarth'schem Griffel für immer gezeichnet. Da das köstliche Gedichtchcn weder in die Gedichtsammlung Auerspergs noch in die neue Gesammtausgabe übergegangen ist, so mag es als zur Sache gehörig aus den „vergilbten" „Blättern" hier seinen Platz finden. Es lautet: Vöskr Streich. Beim Theeverein' jüngst sang man ohne Ende Wie jeden Mund, sah offen man auch meinen; Fernstch'nden mnßt's, als süng ich mit, erscheinen Doch, wer mir nahe stand, sah, daß ich — giihnte. Mein Liebchen sah ich still inmitten stehen, Da stimmte mein Gesühl mich ganz poetisch, Und ließ ein blühend Gartenbeet — im Theetisch Gießkannen mich in den — Theekannen sehen. Geschmückte Frauen sah ich als — Rosen sprießen, Herrn mit Perrücken als — Kohlköpfe grünen, Doch sorgsam sah als Gärtner ich nach ihnen Und hob die Kannen, um sie zn begießen. Da brüllten laut die Herren: o Herr, o Tollkopf! — O grober Schmeichler! riefen bös die Frauen. — Doch, in die Hände klatschend, war zu schauen Gott Amor, schwebend über Ros' und Kohlkopf. D.i§ weiße Wien vor euch dort steht Vernehmt nun wie'ö in Wien ergeht! A nastasius r n n. als synonym von schon gebraucht „dort steht euch das ? schöne Wien" — mit diesem kurzgefaßten kräftigen Lvbspruche ' beginnt eines unserer ältesten und zugleich schönsten slvvenischen Volkslieder das Lied vom Lamberger und Pegam ans den Tagen der Türkenkriege, ans jenen Tagen, in denen die slovenische Nation „treue Wacht" hielt an den äußersten Grenzen des „heiligen römischen Reiches" „deutscher Nation" damit nicht öfters sowie 1529 der „Erbfeind der Christenheit" der Türke bis an die Mauern der Wienerstadt herauf-schwürmen möchte, damit Cultur »nd Civilisation nicht weiter gehemmt würden, damit Handel und Wandel fürderhin ungefährdet ihren Weg finden könnten, von der Kürntherstraße Wiens ausgehend, den alten noch heute sichtbaren Sanmweg über den Semmering hin und durchs Kärnthnerland nach den Häfen der alten Dvgenstadt und ihrer jugendlichen Rivalin, dem rasch aufblühenden Triest und entgegengesetzt die „schöne blaue Donau" hinauf nach den wohllebigen Reichsstädten in Franken und Schwaben. „Dort steht euch das schöne Wien" — diese Huldigung, durch die helfende und rettende That bekräftigt und im tosenden Lärm der unaufhörlichen Schlachten mit dem Moslim, der Stadt, in der „der Kaiser aller Völker" Hof hielt, dargebracht, war schon deßhalb um so werthvoller, als sie auf düsterem wirren Hintergründe das Lichtbild freund-nachbarlicher Gesinnung aus den innerösterreichischen Alpcnlanden in vollster Unmittelbarkeit und Wahrheit erscheinen ließ. Freundlichst geboten, ward sie freundlichst entgegengenommen und erfüllt von der Wechselseitigkeit der Interessen, drückte hinwieder „das schöne Wien" manch' weithinschimmernden glänzenden Siegeskranz auf die ruhmgekrönten Häupter „illyrischer Grenzhelden." Gastlichst öffneten sich die Thvre der alten Kaiserstadt den Ueber-windern der Türken und im feierlichen Zuge — von den Tribünen winkten des schönen Wien schönste Frauen — geleitete sie die Bürgerschaft bis an die Stufen des Thrones, wo ihnen, darunter so manchem aus dem Geschlechte der Auers per ge, des Kaisers dankbare Hand die goldenen Gnadenketten reichte! Diese Zeiten sind längst vergangen — hundert und hundert male ist seither hier unten an den Ufern der Save die Scholle umgeworfen, die vom Blute der slovenischen Nation in hundert und hundert Kämpfen gedüngt war. Aber eines lebt noch, was in jenen Zeiten seine schönsten Blüthen entfaltete, das slovenische Volkslied, das mit der serbischen Volkspoesie in allernächster Verwandtschaft steht. „Wenn jedoch das serbische Volkslied — sagt Anastasius Grün — im Einklänge mit der Geschichte Serbiens als wolgegliedertes Epos zur Feier vaterländischer Helden als stolzer Triumph- und Siegesgesang, nach glanzvoll beendeten Kriegen, breit und feierlich dahinrauscht; so klingt eben auch im Einklänge mit der Landesgeschichte Krains Volkslied rasch und abgerissen als kurze Romanze als frisches Waffenlied, wie es Nachts am Vorpostenfener von wachenden Kriegern gesungen zu werden pflegt, die sich munter erhalten, die Nacht kürzeil, vor Allem aber den Faden, den jeder Augenblick durch Auszug oder Ueberfall durchschneiden kann, nicht über Gebühr ansspinnen wollen." Kürzer lind zutreffender läßt sich wol das slovenische Volkslied nicht charakterisiren als Anastasius Grün es mit diesen wenigen Worten gethan, Anastasius Grün, der sich schon in seiner Jugend auf dem väterlichen Schlosse mit der Stimme des Volkes beschäftigt und später insbesonders durch den Verkehr mit dem Lehrer und Freunde Presiren f zu dein ernsteren Studium der Sprache und Sitten des seine Wiege ringsnnlgebenden slovenischen Volkes hingeleitet worden war. Die erste Sammlung der slovenischen Volkslieder fällt in die Periode der wiedererwachenden slovenischen Literatur um das Jahr 1793 und ein Pater Dismas Sakvtnik war es, der ans dem Munde des Volkes die schönsten Perlen seiner Dichtung gewann. Eben als Anastasius Grün im Zenith seines dichterischen Schaffens stand, als „der letzte Ritter" und die „Spaziergänge" ihn als deutschen Dichterhcros in die Rnhmeshnlle des.deutschen Volkes einführten, eben zur selben Zeit, wo auch schon sein ,(Zehrer und Freund" Presiren im slovenischen Idiome der Heimath seine Triumphe feierte, da war auf heimatlichem Boden auch wieder neu erwacht der Sinn für das nationale Volkslied der Slovenen und namentlich in Krain und Steiermark ward eifrigst im Volke in dieser Richtung gesammelt. Der intime Freund Presiren's, der zu früh dahingegangene aeniale Andreas Smolv — selbst ein hochbegabter Dichter, dessen handschriftlicher Nachlaß jedoch leider verloren ging, wie mich kürzlich wieder sein Neffe der gegenwärtige Besitzer des Stammhauses der kunstsinnige Hn. Smol6 versicherte — und der nach Laibach verbannt gewesene feurige Polenjüngling Emil Korytko (welcher nebenbei bemerkt auch die krainischen Nationaltrachten abmalen ließ)*) sie sammelten in Krain; *) Diese höchst interessante und bei dein rapid fortschreitenden Verfalle nationaler Tracht in Krain täglich werthvollere ethnographische Bildersammlung ans dem Pinsel des Stanko Vraz der gefeierte slovenische und illyrifche Dichter ein geb. Steiermärker sammelte hüben nnd drüben der Save, in Krain und Steiermark. Stanko Vraz edirte seine Karmins kosni ilirsüo (Illyrifche Nationallieder) aus Steiermark, Krain, Kärnthen und Westnngarn in Agram 1839, „eine—wie Anastasius Grün darüber sagte — mit umsichtiger Kritik ans das streng Vvlksthüinliche sich beschränkende Sam ml» ng Mit Stanko Vraz setzte sich denn Auersperg gleich am Beginne, da er selbst die Idee gefaßt hatte, dein deutschen Volke in Uebertragung „die bereits allinülich verklingende poetische Stimme eines merkwürdigen Volksstammes zu vermitteln", in lebhaften Con-takt; desgleichen mit dem schon genannten Polen Korhtko und mildem berühmten Slavisten Kopitar, sowie mit seinem Freunde Presireu. Das Archiv der Nation slovormüa bewahrt die diesem Literatur-vereine von dem Brudervereine in Agram überlassenen bezüglichen Autographe. Auersperg schreibt an Stanko Vraz (s. ü.) „Wie steht es mit dem Fortschritte der Sammlung der Volkslieder? Wäre es nicht möglich, daß Sie mir einen Bericht erstatten würden über den musikalischen Theil, über die begleitenden Instrumente u. s. w. dieser Lieder. Sehr lieb wäre es mir, wenn Sie mir Ihr Urtheil über die Abhandlung „Volkslieder aus Krain", die ich in den „Svnntagsblättern" mittheilte, aussprechen würden, welche aber die Censur sogleich unterdrückt h a t." *) Presiren schreibt an Stanko Vraz (s. ü.) „Die von Dir überschickten Volkslieder habe ich erhalten >md dem Hrn. Grafen Auersperg übergeben, dein sie nicht besonders zu gefallen scheinen.------------------------- In Böhmen wird Dr. Gläser, Adjunkt der dortigen philosophischen Anstalt, eine neue deutsche Zeitschrift herausgeben, deren Zweck dahin gehen wird, die Deutschen mit den bessern Erzeugnissen der Slavischen Litteratur bekannt zu machen. Er hat mir zugeschrieben nnd mich ersucht, ihn ans die bessern Erzeugnisse unseres Dialektes aufmerksam zu machen, was ich nicht unterlassen werde. Graf Auersperg, an den er sich auch verwendet hat, dürfte ihm die Uebersetzungen der Volkslieder zukommen lassen."**) Unter'm 4. März 1837 apostrophirt Presiren ans Laibach seinen Freund Stanko Vraz in der Angelegenheit Grün's wie folgt: „Graf Auersperg ist wieder da gewesen und hat mich wiederholt gefragt, ob Du keine Volkslieder eingesendet hast".***) Stanko Vraz, der sich zur Zeit mit ganzem Feuereifer „den begeisterten jungen Jlliriern angeschlossen" hatte,war überein Wort Auerspergs pikirt. Malers Kurz von Goldenste!» ist gegenwärtig im Besitze der Dichterin Fron Louise Pesjak. Anm. d. Vers. *) 8Iovunski KirroU. 1876 31. Dec **) Imtopis Nntioo Llovonslcs 1877 p. 158 k. ***) I. o. p. 160. Hören wir über welches?! Er schreibt an Presiren ans Graz, wo er damals „privat die Jura studirte", unterm 19. November 1837: „Die Uebersetzung einiger Volkslieder von H. A. Grün im heurigen „deutschen Musenalmanach" habe ich gelesen. Sie gefallen mir sehr gut. Aber ich hätte nicht geglaubt, daß der Hr. Graf dieser beschränkten Idee von Patriotismus anhängt. Er nennt sie krainische Volkslieder. Als wenn die Krainer eine eigenthümliche Menschenrace wären. Ich habe mich schon oft ausgesprochen, mündlich und brieflich, daß die Völker nur durch das göttliche Zeichen der Sprache, nicht aber durch willkürliche politische Grenzen geschieden sind.*) In einem Briefe vom Jahre 1838 an Presiren stellt Auersperg die Volkslieder und Volksweisen (vize) zurück, die ihm Korytko und Kopitar geliehen hatten, in einem andern Schreiben von 1844 bittet er Presiren um Auskunft über eine Stelle im 5. Hefte der nach Korhtko's Tode ziemlich unkritisch herausgegebenen Sammlnng: »Slovsusüs pssmi üruiu8ÜiAa imrocla« (Slovenische Lieder des krainischen Volkes), Laibach 1839—1844 und in einem Briefe von 1845 bittet Anastasius Grün unsern Presiren um Aufschlüsse über die Sangart der Volkslieder. „Das letzterwähnte Schreiben" sagt Dr. Bleiweis „zeigt, wie sorgfältig und genau sich der deutsche Dichter Anastasius Grün mit dem Geiste unserer Nationallieder bekannt zu machen suchte." Der mehrfach interessante Brief lautet! „Verehrter Doktor! Liebenswürdiger Freund! Sie wissen, daß ich mich mit Sammlnng und Uebertragung unserer Volkslieder beschäftigt habe. Meine Sammlung ist — bei aller Strenge in der Answal — ziemlich reich und beinahe reif zur Herausgabe, die ich mit einem übersichtlichen Vorwort einleiten möchte. Hiezu fehlt mir, ehrlich gestanden, die Kenntniß des musikalischen Theils. Hier in meiner Gegend (Thurn-am-Hart) wird wenig gesungen und was gesungen wird, ist meistens derart, daß es in meine Sammlung nicht aufgenommen werden kann. Ich bitte Sie daher recht dringend, mir über die Sangweise unserer Lieder, deren Tonart, allfällige Instrumentalbegleitung u. s. w. mitzutheilen, was Sie mir entweder aus eigenen Erfahrungen geben oder aus Mittheilungen irgend eines Ihnen gewiß bekannten Mnsikkenuers ergänzen können. Was die Sammlung selbst betrifft, so will ich sie jedenfalls noch vor der Herausgabe Ihrem prüfenden Kennerblicke vorlegen und seiner Zeit Ihre gefällige Theilnahme dafür in Anspruch nehmen."**) Ein Jahr später (1846, 25. December) wendet sich Grün wieder an Stanko Vraz in Sachen der Volkslieder. Er schreibt: „Ich sende Ihnen zwei Volkslieder, die ich übersetzt habe, „Die verliebte Amsel" ***) *) listopis Astios slovsnstcs 1875 p 165. **) ü-stopis 1875 p. 157. ***) König Amsel in der Sammlnng: Volkslieder aus Krain von Anaslastns Grün, Leipzig, Weidmann 1850, i>. 6. und das „Johannesfest"*). Auch lege ich Ihnen drei Hefte bei, die ich von Zalokar, Lokalist in Selo bei Stein, und vom Pfarrer in Oberlaibach erhalten habe. Gewiß sind viele Lieder darunter, welche nicht echte Volkslieder sind, aber doch auch viele, mit denen Sie Ihre Sammlung bereichern können. Aus dem Hefte Zalokar's habe ich übersetzt „Was sich in der Welt zuträgt"**). „Das Schloß des Werneckhers (ausgestorbene krainische Adelsfamilie) ist nicht volksthnmlich, aber als Lied ist es nicht schlecht. Wer sich einige Zeit mit der Volkspoesie beschäftigt hat, wird einen solch sichern Takt erhalten haben in der Beurtheilung des Wahren und Falschen, daß er sich nicht leicht irren wird. Dieser Takt herrscht in Ihrer Sammlung, welche allein den Namen einer kritischen verdient, daß Sie mtr schnell den zweiten Theil sollen folgen lassen. Der Sendung lege ich noch bei meine Uebersetzung der krainischen Volkslieder, welche aber vor der Wiener Censur verschlimmerte. Daß diese doch Ihre Anerkennung finden möchte, welche mir so werthvoll ist. Sie haben mir einen Brief aus Agram versprochen, den ich leider nicht erhielt, ich entbinde Sie aber nicht Ihres Versprechens."***) Nun entsteht in der Beschäftigung mit den Volksliedern und in der Korrespondenz darüber eine Lücke. Es kamen ja die Jahre 1848 und 1849, welche durch ihre politischen Stürme alles andere Interesse absorbirten. Doch nein, schon 1849 „im Spätherbste" hatte Auersperg in Thnrn-ain-Hart, wohin sich der Poet vor den allgemeinen Wirrnissen und Schlachtenlärmen zurückgezogen, die letzte Hand an die Ordnung der „Volkslieder aus Krain" gelegt und von hier datirt auch das der Sammlung vorangestellte elastische Vorwort über die Volkspoesie der Slovenen. Am l. November 1850 schreibt Grün an Stanko Vraz: „Als ich mich schon vor Jahren mit der Verdeutschung der slovenischen Nationallieder beschäftigte und mir dieß das Liebste in freien Stunden war, hat mir Ihre gedruckte Sammlung sehr geholfen und mir viel Material geboten, außerdem hat mich in meiner Arbeit Ihre briefliche Hilfe unterstützt. Wenn meine Uebertragung gedruckt ist, so werde ich so frei sein, Ihnen ein Exemplar zu senden, damit Sie es gütigst aufnehmen als einen kleinen Beweis meines Dankes und meiner besondern Hochachtung." -s) Die Sammlung erschien »och 1850 bei Weidmann in Leipzig als: Volkslieder ans Krain, übersetzt von Anastasius Grün, und erregte verdientes Aufsehen. Unter den Organen, denen Anastasius Grün vor dem Erscheinen *) König Amsel in der Sammlung: Bolkslieder ans Krain von Anastasius Griin, Leipzig, Weidmann 185V, i>. 38. **> ibiä. x. 17. ***) Llovsnolci Hrrroä l. o. 1) 8lovsoslrl Haroä l. v. dieser Sammlung Proben seiner Uebertragnngen krainischer Volkslieder mitgetheilt hatte, war auch Hormahr's Taschenbuch. Im Jahrgange 1839 dieses Taschenbuches begegnen wir denn auch u. a. später iu die Sammlung aufgenommenen nachstehendem (nebst vielen andern) nicht in die Gesammtausgabe der Volkslieder einverleibten, doch gleichwol nicht minder schönen und charakteristischen: „Lied auf den Entsatz Wiens" ans der zweiten Türkenbelagerung vomJahre1683. Unter den Vertheidigungs- und Entsatzvölkern der kaiserlichen Residenz hatten sich zalreich die Söhne Krams und der andern slovenischen Lande befunden und unter den Adligen, die iu dieser Campagne dienten, waren wie immer auch die Auersperge vertreten gewesen. Franz Carl Graf Auersperg, der in seinem 20. Jahre Hauptmann im Mannsfeld'schen Rcgimente war (1680), ward 1683 vom Herzog von Lothringen mit der Nachricht vom Entsätze Wiens an Kaiser Leopold I. nach Linz gesendet. Das Interesse, das Krams in jahrhundertelangen Kämpfen mit den Türken bewährtes Volk an dem Entsätze Wiens nahm, ließ das Lied von diesem Entsätze bei diesem Volke entstehen und das Doppelinteresse, das sich bei dem krainischen Cavalier Anton Alexander Grafen Auersperg an dieses Lied knüpfte, hieß ihn, es in sein geliebtes Deutsch übertragen. Es lautet: Aird vom Flitsoßr Wiens. Vor Wien sich soviel Kricgsvolk legt Daß kaum die Erde noch cs trügt. Der böse Türke schrieb nach Wien Wohl an des Kaisers Majestät! Wollt ihr euch schlagen, euch ergeben? Wollt ihr die Schlüssel Wiens mir geben? „Gib uns nur vierzehn Tage Zeit!" Der Kaiser sendet Briese weit Doch nirgends ist uns Hilf' bereit! Der böse Türke schrieb nach Wien Wohl an de« Kaisers Majestät: Wollt ihr euch schlage», euch ergeben? Wollt ihr die Schlüssel Wiens mir geben? „Gib »ns nur noch drei Tage Zeit!" Doch Hüls' ist nirgends »ns bereit! Der böse Türke schrieb nach Wien Wohl an des Kaisers Majestät: Wollt ihr euch schlagen, euch ergeben? Wollt ihr die Schlüssel Wiens mir geben? „Gib uns noch Zeit der Stunden drei Bis nnsre heil'ge Meß vorbei!" Mich dauert schon das Kriegsvolk sehr Da keiner trank und keiner aß, Zwei Wochen nicht am Boden saß! Zusammen läntets in dem Dom Beim lieben hcil'gen Stephan jetzt Zur Kirche gehn die Wiener all, Und selbst des Kaisers Majestät. O läutet nur und musicirt-Daß man nicht hören Wciberklag Und kleiner Kinder Weinen mag! Zum Volke kehrt sich beim Altar Der Priester bei der Wandlung dar: „Ihr Wiener bangt vor keinem Leid, Maria steht im Wolkcnkleid, Den bösen Türke» jagt sic hin Und läßt ihn nicht herein nach Wien!" Da rückt der Polenkönig an Da rückt der Baycrfürst heran Und noch viel anders Kricgsvolk dann Die hieben so gewaltig drein Die Donau gab blutrothen Schein Lob soll und Dank dem Ew'gen sein, Preis sei Jungfrau Maria Dir, Daß Du nns kamst zu Hülfe hier Daß ungestört in Wien fortan Ich bei der Liebsten schlafen kann. Ant. Al». Gras v. Auersperg. Die ^7 ^ nam Ml bei ^»iiMisüi') Mlui, »ml ^resircis. Nadicö, An.istasiuS (!>)rü»> Verschollenes und Vergilbtes. 5r Mein Nlnnrmen soll dein Todenschrein Und «nein Mund sein schließend Siegel sein. A n >1 st a s i u ö G r i i n. Es/in jllngen LneidarinS, jenem bekannten Lehrgedichte des Xlll. Jahr-^.-hnnderts, in welchem die Völker Oesterreichs eine scharf zutreffende I Charakteristik erfahren, wird als Eigenthümlichkeit des krainifchen Volkes die Tanzlnst bezeichnet. Es heißt da: »Lridills si vir ctss Fudstsa Drrü vir WilltliüLdoll trstvr» ^Lvtr äsr INätsrptit'LU. » Der tvindische Tanz nach der Blüterpfeife, nach dem Dudelsack, wie er hier gemeint ist, er war im Krainerlande allerorten noch im 14. Jahrhundert in vollstem Schwünge. So auch zu Laibach in der Hauptstadt, wo auf freiem Platze, auf dem „alten Markte" eine breitästige alte Linde stand hart au einem Brunnen in der unmittelbaren Nähe des Laibachflusses und wo des Sonntags Nachmittag die gesaminte Bürgerschaft zusammenkam in „freundnachbarlicher Vertraulichkeit" „selbstherbeigebrachte Speise" „bei annehmlicher Musik verzehrte" und das junge Volk — zum Tanze flog! Der krainischc Chronist, Freiherr von Valvasor, beschreibt in seiner „Ehre Krams" (1680) solch einen Tanz, der aber übel ausging, indem dabei der Wassermann erschien und das schönste der Mädchen vom Reigen weg nach seiner Wohnung im Laibachflnsse entführte. Der vom Aberglauben seines Jahrhunderts arg befangene Freiherr erzählt nämlich in seinem genannten „Hauptwerke" wörtlich Folgendes: „Ehe wir von der Laibach (dem Laibachflnsse) Abschied nehmen, steht noch dieses zu berichten, daß in demselben ein Gespenst, das man den Wassermann nennt, sich aufhält und öfters zu Nacht zeigte auch so bekannt ist, daß jedweder Schiffmann und Fischer ans der Laibach genug davon zu sagen weiß. Solches ist gemeiner Sage nach vor Zeiten auch öfters bei Hellem Tage ans dein Wasser gestiegen und hat sich in menschlicher Gestalt sehen lassen. Wie es denn 1547 am ersten Sonntage im Juli ans dem alten Markte bei dem Brunnen, allwo die ganze Nachbarschaft versammelt gewesen und mit einem ehrbaren Tanz sich ergötzt hat, als ein wvlanf- geputzter, schön und wvlgestalter Jüugliug erschien, ein Mägdlein, Ur-snlam Schäfferin ergriffen, mit ihr sich ziemlich bekannt gemacht und endlich den Sitticherhof*) vorbey nach dem Strom zngetanzt und sich mit ihr hineingestürzt." Und an anderer Stelle seines Buches führt Valvasor die Bilder vom Wassermann und seiner Tänzerin so wie die Schilderung des ganzen Abenteuers im Detail ans. Er nennt den Helden nochmals einen „wolstaffirten schöngestalten Jüngling", der hervortrat, als „die Lnst alle Gemüther in völligem Besitz genommen hatte" und allen Anwesenden freundlich die Hand bot „vor deren Berührung aber Jedermann ein ungewöhnliches Gefühl, Alteration, empfand, denn seine Hände waren ganz kalt und weich. Er erkieste zu seiner Tanzgefährtin ein sonst wohlaufgeschmücktes und äußerlich schön gebildetes von Gemüth und Sitten aber unschönes und freches Mägdlein." Sie hatte gar auffällig nach dem fremden Manne geblickt nnd ihn an sich herangezogen; er ist ihren Blicken willig gefolgt nnd jetzt beginnt ihr Tanz. Und sie tanzen „Windisch": sie dreht sich mit größter Geschwindigkeit bald vor, bald nach ihm her, er setzt ihr nach, stampft, springt in die Höhe, bewegt den ganzen Körper; in dem Augenblicke, da er sie Haschen will, entwischt sie ihm durch eine kühne Drehung, aber endlich erhascht er sie doch nnd hebt sie jauchzend im Triumphe empor. Sie erregeil die Aufmerksamkeit Aller durch die Grazie, mit der sie den Tanz ausführen; doch mit einem Male da wird ans dein bekannten Tanze ein unbekannter, er läßt sie nimmer los seine Tänzerin und statt im Kreise um die alte Linde hernm, greift der Wassermann in weiten Schritten der Länge nach ans nnd schon hat er die Schranken, die den Tanzplatz umsämen, weit hinter sich nnd fort gehts den Marktplatz querüber, an „weißer Mönche" geheiligter Stätte vorbei nnd hin an des Laibachflnsses schmalen Uferrand kam das Paar gezogen „und dreht sich noch dreimal" nnd „stürzt in die Wogen." „Ob dieser Entführung entsetzten sich — wie Valvasor schreibt (der die so lokalisirte nnd fixirte Sage vom Wassermann als wahre Begebenheit erzählt) — „die Bürger (Laibachs) so sehr, daß das altgewohnte Lustgelage bei der Linde von Stunde an für immer aufgehört und der fromme Freiherr setzt unter seine wolansgeschmückte Erzählung nach gewohnter Art eine Moral. Sie lautet hier: „Selten tanzen ist unter Ehrbaren — ehrlich; oft tanzen — gefährlich; üppig tanzen zur Hölle beförderlich." Anastasius Grün, Anton Alexander Graf Auersperg, dem die Sage in der heimatlichen Fassung schon im ersten Lenze seines Schaffens vor die dichterische Seele trat nnd sie mächtig bewegte, ergriff als feu- *) Stadthaus des in Untcrkrain gelegenen (1782 aufgehobenen) CistercienserklostcrS Sittich; heute Landesgerichtsgcbände. riger Jüngling, er „zählte zwanzig Jahre kaum" diesen packenden Stoff und wurde seiner Herr in vollendeter Meisterschaft. Er entkleidete, seinem schon frühe ans das Allgemeine gerichteten Blick folgend, die Sage des lokalen Laibacher Charakters und hielt sich an die Allgemeinheit derselben. Doch hören wir den Dichter selbst: Vir Srrombrain. Eine krainischc Sage. Dort wo das ebene Blumengefitd Der Strom so ruhig durchwollt, Wo riesig der alternden Linde Bild Im blauen Spiegel sich malt; Dort sammelte einst sich der Hirten Schaar Beim heitern Ton der Schalmei'»; Dort sand vereinigt manch glückliches Paar Zum sröhlichcn Reigen sich ein. Da schwebet im wirbelnden Tacte gewandt Manch liebendes Pärchen dahin Brust schmiegt sich an Brust, Hand ruhet in Hand, Im Auge glänzt zärtlicher Sinn. — Doch fern von dem Schatten der Linde umweht, Dem Taumel der Freude entfloh'», Ein Mädchen ganz einsam und freudenlos steht Und spricht wohl der Liebe gar Hohn? Ihr Auge glänzt klar wie ein Actherfcld, Wo fließendes Gold ihr Haar, Und wie die Sonne am Himmelsgezelt Strahlt sie durch der Mädchen Schaar; D'rnm suchte manch fröhlicher Burjche sein Glück — Und bot ihr die Hand zum Rcih'n, Doch alle,-die kamen, die wies sie zurück, Blieb störrischen Sinnes allein. Doch sieh! Durch die wogende Menge wallt Ein Jüngling mit lockigtcm Haar, Die Äraft ans dem blühenden Antlitz strahlt, Schön ist er, wie keiner noch war. Er wandelt, von keinem der Hirten gekannt, Zum sinnenden Mädchen dahin, Und beut ihr zum wirbelnden Reigen die Hand Mit zärtlichem Worte und Sinn. Sie blickt ihm ins Auge, es glänzt so mild Erweicht ist ihr störrisch Gemüth; Die SUrne entwölkt sich, der Gram ist gestillt Ihr Herz nur von L>ebe durchglüht. Er hält sie umschlungen mit kräftigem Arm, Sie schmiegt sich so zärtlich an ihn, Er saßt sie so innig, er hält sie so warm, Sie schweben im Fluge dahin. Aus Schwingen des Sturmes enteilet ihr Tritt, Wie Feuer so wallet ihr Blut, Es lodert mit jeglichem Schwünge und Schritt, Erneuert die LiebeSglmh. In weiterem und weiterem Kreise dreht Der Jüngling die liebende Braut, Indeß ihr Blick nach dem seinen nur spiiht Das Bild des Geliebten nur schaut. Doch sieh! er entschwebt mit ihr sturmbcschwingt Zum fluchenden Uferrand, Ihr schwindelt, ihr graut, mit Macht umschlingt Ihr Auge ein.Ncbelband. Sein Blick glänzt in feuriger Zärtlichkeit, — Zu Eis erstarret ihr Blut, — Mit Kraft umschließt er die zagende Maid — Und senkt sich mit ihr in die Fluch. Wohl Mancher, der einst von dem Mädchen gewußt, Fragt oft noch, wohin sie wohl kam? Sic richt an des liebenden Wassermanns Brust Als Braut an dem Bräutigam; Dort unten im wogenden Wasserpsiihl Fand sic erst des Friedens Port Dort steht ihr Brautkämmerlein still und kühl Dort liebt sie nun ewig fort. Die Welle» rauschen das Brautlied ihr zu Die Fluren rings stimmen mit ein; Zwei Schwäne segeln in seliger Ruh', Zwei Rosen blühen im Hain, Zwei Täubchen girren am Zweig, von der Nacht Der schattenden Linde umwallt; Die schon seit Jahren in riesiger Pracht Im klaren Strome sich malt. Ant. Ater. Kraf u. Auersperg. Anastasius Grün hat, wie schon angedeutet und der Leser ans der Lektüre des Gedichtes selbst nun entnehmen konnte, die Sage des lokalen Bezuges entkleidet. Er hat die Scenerie von Laibachs Martkplatze nach einem Blnmen-gefild verlegt, das der Strom ruhig durchwallt, doch die alte Linde der beliebte Volksbaum oder wie mau heute sagt der Nationalbaum des slavischen Landes fehlt auch hier nicht. Statt der Bürger von Laibach tritt die Hirtenschaar des ackerballtreibenden Volkes von Krain auf. Die wie eine Sonne durch der Mädchen Schaar strahlende „Strombraut" sie ist Anastasius Grün das Mädchen par vxesllones, er gibt ihr keinen Namen, denn sic ist ihm die Type der notorischen Schönheit der Mädchen und Frauen Krains. Das Ausklingen seines Gedichtes die scharfe Pointirung, daß das Mädchen um das Mancher^noch fragte „wohin sie wol kam" im wogenden Wasserpfuhl erst des Friedens Port gefunden und der versöhnende hochpoetische Schluß, daß die Natur in ihren zartesten Reprä- sentanten Wache hält überm Brautkämmerlein des im Leben sv „einsamen" und „freudenlosen" Mädchens zeigt uns, daß Auersperg die Erzählung bei Valvasor so aufgefaßt hat, wie sie in der That aufzufassen ist als die historische Ueberlieferung eines im Jahre 1547 auf dem Laibacher alten Markte bei Tanz und Spiel vorgefallenen (vielleicht Doppel-) jedenfalls aber Selbstmordes der jungen „Venerille" und „fröligen Lnst-jnngfer" der überaus schönen Ursula Schäfferin, die gewiß besser war als ihr Ruf und welcher der Neid ihrer Zeitgeilossinnen noch bis über das Grab hinaus folgte, indem man sie als die „schlechteste Person" ansschrie und als Braut des Teufels, des Wassermanns mit dem kecken wüsten Gesellen in die Flnthen der Laibach verschwinden ließ! Anastasius Grün aber hätte, wir sind dessen gewiß, auch dann, wenn er p»r et simple sich mit seiner Dichtung an die Lokalsage gehalten hätte sein Lied ausklingen lassen: Die Wellen rauschen das Brantlied ihr zu, Die Fluren rings stimmen mit ein. Zwei Schwäne segeln in seliger Ruh', Zwei Rosen blüh'n im Hain, Zwei Täubchen girren am Zweig, von der Nacht Der schattenden Linde umwallt, Die schon seit Jahren in riesiger Pracht Im klaren Strome sich nialt. * -l- * Strcng an die lokale Laibacher Fassung der Sage hält sich Grüns „Lehrer und Freund" der slovenische Dichter Presiren in seiner Ballade vom Wassermann (slovenisch: Pvvödnji moz). Es mag für die Literatur-freunde zum Zwecke der Vergleichung erwünscht kommen hier auch des slavischen Dichters poetische Behandlung des von Grün so meisterhaft be wältigten Stoffes vorliegen zu haben. Ich biete das nach Form und Inhalt gleich vorzügliche Poem Pre-siren's in der wolgelnngenen Uebertragnng Ludwig Germoniks, des „fahrenden Poeten aus Jnnerösterreich" — wie er sich gern nennt — eines von den Zeitgenossen bei weitem nicht nach Gebühr gewürdigten weil an die Allüren der Kraftgenies gemahnenden trotz allem aber entschieden reichbegabten Talentes entsprossen lind großgezogen auf dem Boden der innerösterreichischen Alpen! Germonik hat mit möglichster Treue und doch dabei ohne Gefährdung des deutschen Sprachgeistes Presirens Dichtung wiedergedichtet. Nur eine Freiheit hat sich der Uebersetzer erlaubt, er hat ans der Urska (Ursula) bei Presiren, die zum slovenische» Idiom ganz wol paßt, die aber im Deutschen ebenso unschön klingen würde, eine Rosa gemacht. Die Uebertragnng lautet: Vre Nasskninuin. Seil jeher schon rllhmt man die Schönen von Laibach Doch schöner als Rosa wol keine erglühte, Und keine ersehnter dem Aug' und Gemüthe — Nicht Mädchen noch Frauen — zur Zeit ihrer Blüthe. Dem Morgenstern gleichend, meist Helle und klar, Das schönste der Mädchen Rosalic war. Die Thränen der Jungsra», die Thränen der Gattin Sie mußten, im Stillen vergossen, es rügen: Oft fand der Geliebte an Rosa Vergnügen, Ihr konnte der Liebenden Zal nie genügen: Sobald ihr ein Mann nur ward rühmlich bekannt So hielt sie die fangenden Netze gespannt. Sie konnte versprechen sie konnte versagen Und freundlich und übermütig sich halten, Die Jünglinge reizen, erheitern die Alten Und Künste und Wendungen listig entfalten. Laug narrt' sie der Männer verblendete Schaar, Doch endlich ihn fand, der gewachsen ihr war. Am alten Markt unter der grünenden Linde Erklangen am Sonntag nach Mittag die Geigen, Trompeten und Lymbeln; was Laibach nur eigen An Schönen, vereint sich zum lustigen Reigen Als Königin Aller Nosalie sich zeigt, Die launenhaft lang nicht zu tanzen geneigt. Von Vielen gebeten, verweigert sie Alle»; Hochmütig sich sträubend; den Tanz zu verschieben, Ersinnt sie stet« Neues nach ihrem Belieben; Schon sinket die Sonne, die Stunde schlug sieben Und drüber, die Dämmerung rückte heran, Als Rosa zum Tanz sich zu rüsten begann. Da sicht, als sie umblickt, den Tänzer zu wählen, Am gelblichten Tisch einen Jüngling sie stehen, Wie unter der Sonne kein gleicher zu sehen; Im Tanze sehnt Jede mit ihm sich zu drehen; Schön Rosa, die ihn in Gedanken umstrickt, Verliebt zum Ersehnten hinüber nun blickt. Es sieht dies und naht sich Rosalien der Jüngling Und sagt zu ihr: Wolltest zum Tänzer mich wählen? Wo leuchtend sich Donau und Save vermähle», Dort hört ich, wie schön Du bist, Morgens erzählen. Schon, liebliche Rosa, bereit bin ich hier, Schon, liebliche Rosa, zu tanzen mit Dir. Er spricht'« z» Rosalie, tics sich verneigend Hold lächelnd erwiedert ihm freundlich die Süße: Kein Schrittchen noch — wahr ist'S — versuchten die Füße Daß harrend ich Dich nun als Tänzer begrüße. Reich' schnell mir die Hand, denn im purpurnen Glanz Geht unter die Sonne, es endet der Tanz. Es reichte die Hand ihr der herrliche Jüngling; Schnell flogen die Beiden in tanzender Weise, Als hätte» sie Flügel, so leicht und so leise, Gleichwie ohne Körper dreh'» sie sich im Kreise. Man sieht nicht vom Fusse den Boden berührt, Als würde das Paar von dem Sturme entführt. Der Anblick machte alle die Andern erstarren; Die Fiedeln der Geiger versäumen den Reigen, Und da die Trompeten, verklungen, jetzt schweigen, Der Jiingling: Ich mag nicht den Baß und die Geigen — Er stampft mit dem Fuße und ruft cs mit Hohn — Denn tanz' ich, soll dröhnen ein anderer Ton! Schnell stürmte herüber ein schwarzes Gewölk Man hörte vom Himmel das donnernde Rollen, Man hörte der Winde entfesseltes Grollen, Geriinsch, als ob wilde Gewässer entquollen, Und alle Anwesenden standen entsetzt — O Rosa, du liebliche, wehe dir jetzt! Nicht fürcht' dich, Geliebte, auftrete nur hurtig, Nicht fürchte, so sagt er, das donnernde Rollen Nicht meiner Gewässer Geräusch, so entquollen, Der Winde — mir freundlich — entfesseltes Grollen. Nur schneller, nur schneller die Fersen gedreht, Nur schneller, nur schneller noch, da cs schon spät. Ach, rasten wir, Liebster, daß Athem ich hole Und Ruhe mein F»ß, der ermüdete findet. „Zur weißen Türkei lang die Straße sich windet, Im Strome der Donau die Save dort mündet. Es sieht sich die brausende Flnth nach dir um Doch schneller nur, Röschen, die Fersen herum!" So spricht er, da wandten sich jählings die Beiden, Die weiter und weiter am Boden hin flogen, Das Paar kam ans Ufer der Laibach gezogen Und dreht sich noch dreimal und stürzt in die Wogen. Die Schiffer sah'n kreisen den Wirbel daher Doch keiner von ihnen Rosalie mehr. Die Sage vom Wassermann, die bekanntlich in den verschiedensten Varianten eine weitverbreitete ist, sie ward in der vorstehenden Fassung bis ans Presiren's Dichtung, durch die sie im slovenischen Volke erneut hellanfloderte, in Krain vielfach erzählt und als in den 30er Jahren der Laibachflnß behufs Regulirnng abgelassen wurde, da strömten die Bewohner zu Tausenden an dessen Ufer hinter das alte Cistercienser-Stadt-hans, das heutige Landesgerichtsgebäude, und suchten mit ihren Blicken den „Glaspalast" des Wassermann, von dessen Situation an dieser Stelle im Flußbette der Laibach ihnen in zartem Kindsalter zusammen mit der Mär vom fliegenden Drachen aus dem Schlvßberge von ihren Ammen und Kindsfrauen erzählt worden, und wiedererzählt worden war! ^ r o s a und Dersen. Kredenz' und trink nur reinen Wein, Nie fall' ein Herder Tropfen drein! . Anastasius Grün. ESr^iste gleich Anton Alexanders Grafen von Anersperg erstes Aufgetreten als Dichter von Liebesliedern, von Balladen die Anfinerksanikeit ^ und die Beachtung vorurtheilsfreier unbefangener Kenner nnd Freunde der deutschen Poesie, näher begrenzt (und das muß bei der noch heute nicht ganz besiegten Animosität des deutschen Nordens gegen die Poeten Oesterreichs besonders geschehen,) näher begrenzt, sagen wir, der Kenner und Freunde der österreichisch-deutschen Poesie, so war der Erfolg seines „letzten Ritter" und der „Spaziergänge eines Wiener Poeten" jedesmal ein so ungeheuerlicher, daß er seines Gleichen in Oesterreich, ja selbst über dessen Grenzen hinaus suchen konnte. Wie auch nicht? Hatte er doch im „letzten Ritter" den „weichen seidenen Zeiten" den Mann aus „starrem Erz" vorgeführt, aber das „deutsche Herz" schlug heute noch so warm, noch so hoch für des deutschen Vaterlandes Ehre und Größe, wie in den Tagen Theuerdank-Maximilians, es schlug ihm und daher dem Sänger seiner Thaten mit vollster inbrünstigster Begeisterung entgegen. Und der „Wiener Spaziergänger" hatte er doch mit kühnem Griffe in das volle vormärzliche Leben Oesterreichs hineingegriffen und es mit allen Schatten- und den wenigen um so schärfer im Kontraste sich abhebenden Lichtseiten aufgezeigt! Der Graf Auersperg war auf dem Titelblatte zum „letzten Ritter" (wie früher schon ans dem der „Blätter der Liebe") zurückgetreten hinter dem Anastasius Grün. Warum er diesen Namen gewählt. Darüber gibt uns der Dichter-Jubilar in einem Schreiben selbst Auskunft, das er um die Festfeier herum, ckcko. Graz 20. März 1876 an seinen lieben guten Alfons" — der Sohn seiner geliebten Schwester Therese — in Beantwortung der Anfrage eines Festredners gerichtet hat und das mir Adressat Hr. Alfons Graf Anersperg k. k. Linienschiffslientenant a. D. in freundlich-liebenswürdiger Weise mittheilte. Darin heißt es: „Der Dichtername (Anastasins Grün) ist durch seine sprachliche Etymologie erklärlich und heißt als Grün (pseudonym) auferstanden oder wiedererstehend, nachdem der wahre Name der damaligen Censnrver-hältnisse halber nicht wagen kannte mit einiger Aussicht ans ungestörte Wirksamkeit literarisch aufzutreten." „Der damaligen Censurverhältnisse halber" mußte ein Dichter, der seinem Volke das „singen und sagen" wollte, was er ihm auf immer in's Herz gesungen und in den Verstand gesagt hat in Oesterreich unter fremden Namen dichten. Der damaligen Censurverhältnisse halber mußte aber ein Literaturblatt wie es Oesterreich, Dank der Unternehmungslust und Ausdauer des Hauses Gerold an den Wiener Jahrbüchern der Literatur besaß, ans die Besprechung des hervorragendsten Werkes von Grün-Auersperg die „ Spaziergänge eines Wiener-Poeten" — auf dessen Titelblatte gar kein Verfasser genannt war — absolut verzichten. Auch den „Schutt" mußte diese im Allgemeinen vorzügliche und heute ein Quellenwerk repräsentirende Revue gleichfalls der „damaligen Ceusnrenverhältttisse halber" ignvriren. Nur eine der Schöpfungen Grüns „den letzten Ritter" wagten die „Wiener Jahrbücher" in den Kreis ihrer Behandlung zu ziehen und das wol hauptsächlich des Stoffes wegen, weniger im Hinblicke ans den in gewissen Kreisen bereits ziemlich „anrüchigen" Verfasser. Wer besprach in Wien den „letzten Ritter" Anastasius Grüns? Ein freisinniger Benedietiner-Priester dessen „schriftstellerische Thätigkeit Psychologie und Kritik, genährt durch den inneren Zwiespalt seines Wesens und den fürchterlichen Widerstand gegen die aufgedrungene Standeswal bestimmt hatten" und der schließlich den gesuchten Tod in den Wellen der Donau fand, der MölkeOProfessor Enk von oer Burg war es, der in einem längeren geistvollen Essay über die Aufgaben der populären Dichtung überhaupt unv der historischen Romanzen insbesondere Anastasius Grün's letzten Ritter in erste Reihe und allen bezüglichen Neuerscheinungen dieser Gattung voranstellte. Es mag weitere Kreise heute intexessiren das im Jahrgange 1832 der Wiener Jahrbücher enthaltene Urtheil des gelehrten Philosophen, Dichters und Kritikers — dessen Abhandlungen über Göthe's Faust und über deutsche Zeitmessung seiner Zeit Aufsehen erregten — und das nun „verschollen" und „vergilbt" in den immer seltener werdenden Exem plaren des mehrgenannten Sammelwerkes dahinmodert. Nach eingehender Erörterung des „volksthümlichen" und „nnvvlks-thümlichen" in der. Poesie, nach Abwägung der Vorzüge aetnellcr und vergangener Stoffe zur poetischen Behandlung, nach Nennung derjenigen, welche am glücklichsten in neuerer Zeit den Wurf gethan, „populär" zu werden —obenan Goethe mit seinem Epos: Hermann und Dorothea, — geht der Kritiker ans die Besprechung ihm vorliegender dichterischer Novitäten des Näheren ein. „Je geringer aber der Vorrath — schreibt er — von Poesien ist, die dem oben bezeichneten Ziele (der Popularität) zustreben, umsomehr Ursache haben wir, uns über jede in dieser Hinsicht gelungene Leistung zu freuen. Eine gelungene darf aber Nr. 1 (Anastasius Grnu's letzter Ritter) der hier angezeigten Dichtwerke mit vollstein Rechte genannt werden. Gewiß ist es höchlich zu bedauern, daß die historische Romanze unter uns Deutschen nie hinlänglich in Schwung gekommen, um, wie bei den Spaniern, kräftig auf das Volksleben zurückzuwirken. In ihrer Einfalt, Natürlichkeit und Abgeschlossenheit ist sie vor vielen andern Dichtungsarten geschickt, eine solche Wirkung hervorzubringen, um so mehr, da sie, trotz ihres geringen Umfanges das epische, dramatische und lyrische Element in sich vereinigend über eine große Menge von Mitteln gebietet, als irgend eine andere Gattung von gleichem Umfange. Auch konnte des edlen Maximilians Geist und Gesinnung kaum auf eine andere Weise besser und vvrtheilhafter, poetischer dargestellt werden, als durch einen solchen Cyklus von Romanzen, der es dem Dichter erlaubte, jeden bedeutenden Punkt im Leben seines Helden in das hellste und in das eigenthümlichste Licht zu stellen. In einer Zeit, in welcher Geist und Gemüth sich täglich mehr verengen und verflachen; wo trotz der Aufgeregtheit dennoch überall nur wenig gesunde Kraft zum Vorschein kommt, und trotz der Ansprüche, die sie an Bildung und Verfeinerung macht, jener reinmenschliche und heitere Sinn, der die Basis aller wahren Humanität, wie aller geistigen Erhebung ist, täglich mehr verschwindet, Eigensucht aber, leidenschaftlicher Partheigeist und finsteres Mißtrauen jeden Tag mehr überhand nehmen und das Leben jeden Tag unerquicklicher machen, in einer solchen Zeit war es eine sehr glückliche Ein gebung des poetischen Genius das Bild eines Fürsten zu zeichnen, dessen hoher und klarer Sinn und dessen offenes, heiteres, wolwollendes, vertrauensvolles Gemüth — den entschiedensten Gegensatz eben dieser Zeit bilden. Wie nun der Dichter dieses Bild mit inniger Liebe und mit warmer Begeisterung in sich aufgenommen hat: so giebt er es wieder und in demselben ein treffliches Muster, wie die Poesie, wenn sie ihren Stoff außer dem Kreise der Gegenwart in einer fernen Vergangenheit sucht, mit ersterer sich innig verbinden und ans solche Weise im ächtesten Sinn volksthümlich werden könne. Nun eitirt Enk den Dichter in einem kurzen Satze ans einer Anmerkung zu Seite 208. „„Kenner der Geschichte des großen Kaisers — sagt der Dichter — werden wol schon bemerkt haben, daß manche Thaten und Feldzüge Mnxmilians mit Stillschweigen übergangen worden. Darauf habe ich nn» Folgendes zu entgegnen, daß meines Erachtens viele glücklich geführte Kriege und ruhmvoll erkämpfte Siege, wenn sich nicht sonst eine poetische Deutung dazu gesellt, zur dichterischen Auffassung nicht geeignet seien, und daß ich daher jene davon, in denen sich — mir wenigstens — keine poetische Idee erschloß, nicht aufgenommen oder nur leise be- rührt habe. Ferner mache ich auf den Titel des Ganzen „Der letzte Ritter" aufmerksam. Ans diesem Gesichtspunkte maßte manches, was in das Bach der Geschichte fallt, bis zu einer gewissen Grenze ausgeschlossen bleiben."" So der Dichter! Wie der Kritiker? Hören wir! er kredenzt reinen Wein, ohne herben Tropfen drein." Er sagt: „Der Dichter hat gegeben, was er geben wollte, und hat es so gegeben, daß er die vollste Anerkennung verdient. Nur für normal darf diese Behandlungsweise der historischen Romanze nicht angenommen werden. Die historische Romanze verträgt einen historischen Hintergrund sehr wol und das Bild ihres Helden trat nur auf diesem mit sicherer Bestimmtheit hervor, ihrem poetischen Gehalte aber thut dieser Hintergrund um so weniger Eintrag, da sie ihn mit wenigen scharfen, ebenfalls dichterischen Zügen zeichnet und ihn ebenfalls zu poetischen Effekten zu benutzen weiß. Das ist wenigstens bei den spanischen Romanzen der Fall, die in dieser Gattung mit Recht für Muster gelten können. Auch dürfte es außer Maximilian nur noch wenig geschichtliche Helden geben, deren ganze Eigenthümlichkeit reich, mannigfaltig und anziehend genug wäre, um ihr Bild ohne jenen historischen Hintergrund eine hinreichend feste Consistenz gewinnen zu lassen." Während der kritische Philosoph unsern Dichtergrafen da auf die penible Genauigkeit des Epikers hin apostrophirte, so feiert auf das Erscheinen des „letzten Ritters" hin der „Kritiker in Versen", gleich Grün ein Sohn der frischen freien Alpen, Vineenz Rizzi Jahre und Jahre voraus den Barden der Freiheit in ihm und in diesem seinem Werke! Rizzi's schöne Verse lauten: Ln mini vnkkrliiildischk» Lichtrr. «Sei» Lob ist kein Loblei»." Meister! Deinem Harsonklaiige lauscht das deutsche Vaterland Das mit mächtig srcud'gem Gruße dich als seine» Sohn erkannt. Und wir folgen deinem Liede; wenn dn aus der Vorwelt Zeiten Uns den letzten RUter bannst, aufgeweckt bom Klang der Saiten! Und wir folgen deinem Liede, wenn du in des Buches Grund Tief das eig'ne Herz uns weisest, licbesroh und liebewuud! Und wir folgen deinem Liede, sprengt es alte Leichengrüfte, Tiefer Weisheit seltne Kunde fördernd an da« Reich der Lüfte; Wenn du singst der Jetzwclt Treiben, wenn du mit de« Sehers Blick Schauest in der Zukunst Ferne, vorhcrlündcud ihr Geschick. Und später als Anastasius Grün's bedeutendste Werke: die Spaziergänge und der Schutt erschienen waren hat Rizzi sein scharfcharakteri sirendes Urtheil über dessen poetisches Schaffell in seiner Totalität in wenige aber schwerwiegende Worte zusammengefaßt, Grün — sagt er — Kritik in Prosa und Bcrsen. 81 hat in seinen Werken stufenweise seine Weltanschauung (von der ewigen Schöpferkraft der Natur) erweitert, bis er sie im „Schutt" wirklich zum umfassenden großartigen Alisdrucke gebracht hat. Darüber hinaus ist auf seinem Wege keine Steigerung mehr möglich, es erübrigt ihm nur im Einzelnen und an demselben seine Weltanschauung zu bethätigen." (Deutsche Monatsschrift aus Kärnthen, Eigenthümer und Redakteur V. Rizzi 1. Jahrgang 6 Hefte p. 193.) Was an der Peripherie des Reiches weitab von dem policistischen Centrum Metternichs der „freie Sohn" der Karawanken wenn gleich nur erst leise anzudeuten, öffentlich anzudeuten wagte, die hohe Befriedigung über Grüns Freiheitssinn, das brachte zu lautem Ausdrucke — freilich wol auch nur suk siZillo und mit der durch das Damoklesschwert des „schwarzen Kabinets" Seldnitzky's gebotenen Reserve der Freund dem Freunde gegenüber. Oesterreichs Dichterpatriarch Mathias Leopold Schleifer, der Personal-Stipendiat des großen Josef, der sich noch auf dem Sterbebette des armen Studenten im Controllorgane erinnerte, der Großvater meiner Frau mütterlicher Seits, der intime Freund Lenau's und von dessen Schwager Schnrz (der ebenfalls dichtete), der auf das Proernstesbett eines Landbeamten gespannte gottbegnadete Sänger und scharfgeistige Kritiker er begrüßte iuvito eockieo das Erscheinen besser gesagt den Erhalt der „Spaziergänge eines Wiener Poeten", die er sich über Wien nach seinem Amtssitze Schloß Ort am Gmundner-See mußte „schmuggeln" lassen. Schleifer schreib« an seinen Freund Schurz (Beamten in Wien) unterm 16. Dezember 1831: „Welche Ueberraschnng! Heute kam das Päckchen. Es war also in Lambach liegen geblieben und heute hat man es dem Ordinariknechte mitgegeben. Von dem was auf die Herzgrube gelegt werden soll (die Spaziergünge) habe ich bereits Gebrauch gemacht mit unerwartet herrlichem Erfolge. So ist's recht! O du herrlicher Schurz! Nenne mir nm's Himmels willen den Namen des Doktors; der soll mir kaotor ina^uit'ieus, maAnit'ieoutissimus werden! Mein ganzes Herz frohlockt!" Schnrz hatte dem Großvater das Päckchen mit den „Spaziergängen" als Arzneimittel deklarirt zugesendet und er hatte nicht gelogen; ja in der That waren es Arzneimittel, aber ganz eigner Art! Daß Schleifer in seinem Dankschreiben an Schnrz den Namen des Doktors zu wissen wünscht, ist Finte für den Fall berechnet, daß sein Brief durch die Polizei geöffnet worden wäre. Dagegen schreibt Schleifer an Schurz über den „Schutt" ganz offen und wiederholt. Da er den Freund bittet, ihm das Buch zu kaufen sagt er: „Nimbsch und Auersperg gehn ihren Gang; sie sind die Chorführer der österreichischen Poesie. Wenn Auerspergs „Schutt" in Wien zu kaufen ist so bitte ich, kaufe ihn, laß ihn brochüren und gib ihn an Mordstein, der angewiesen, ist, deine Auslage sofort zu vergüten. In dem Wunsche, diesen R.idicö An.ist.isillö Anton Ritter-, von Fichtenau ichp. o Dr. Johann Zhuber ichp. Lambert Luckinaun mp. Franz Freiherr Lazarini mch. u Georg Supan mp. Domherr. Anton Freiherr von Codelli mp. c) Georg Panschek mp. Domherr. -) Philipp Baron Rechbach mp. Davon widerriefen nachträglich und zwar nach der Gegenrede des Präsidenten, welche Würde wie Wiederholt erwähnt worden der Gouverneur bekleidete, derselbe Gouverneur der es für gut befunden hatte den Text gefälscht an den Kaiser gelangen zu lassen, 7 der vorgenannten Herren Mit-Stände ihre Unterschrift. Sie thaten es mit nachstehenden Mo-tivirungen: Der Gefertigte erklärt, daß er obige Aeußerung nicht gelesen und in der Vermuthung, daß sie den angenommenen (!) Zusatz zur Adresse enthalte, dieselbe mitunterzeichnet habe, weßwegen seine Unterzeichnung als nicht geschehen angesehen werden wolle. I)r. Johann Zhnber*) iufi. Daß Gefertigter bey seiner Unterschrift ohne frühere Dnrchlesung in der nemlichen Meinung wie H. Oolrt. Zhnber war, muß aufrichtig cingestehen. Anton Ritter von Fichtenau ifip. Gefertigter findet sich veranlaßt zu erklären, daß er eben auch der Ansicht des Hrn. I)r. Zhnber gewesen und einen Landtagsbeschtuß zu unterschreiben wähnte, während es nur eine vereinzelte Motion des Herrn Grafen war, über welche im Landtage nicht abgestimmt wurde. Er nimmt darum seine obige Unterschrift hiermit zurück. Georg Supan ichx. Domherr. Da sich die Aeußerung des Herrn Grafen Anton v. Auersperg ans ein Suppositum stützt, welches dem Gefertigteil, da er bei dem voreinjährigen Landtage nicht zugegen war, fremd ist, so nimmt er hiemit seine obige Unterschrift zurück. Georg Pauschek rfix. Domherr. In Auftrag und auf ausdrückliches Ersuchen des Herrn Probsten von Neustadtl Andreas Albrecht hat Gefertigter dessen obige Unterschrift zu annnlliren. Georg Supan mfi. Domherfi In sofern obiger Antrag für eine Beschwerde angesehen werden könnte, der ich nicht beizutreten beabsichtigte, schließe ich mich von derselben aus und widerrufe meine Unterschrift. Leopold Freiherr Lichtenberg mfi. Ich trete ganz der Ansicht des Freyherr» von Lichtenberg bey. Freyherr Philipp Rechbach iuP. Zwischen den Landtagen von 1843 und 1844 hatten die Stände aber in der hochwichtigen Frage der Mehrbestenernng ein umfangreiches, wvhlmvtivirtes mit allen nöthigen statistischen und wirthschaftlichen Belegen ausgestattetes das Thema von Grund erfassendes und klar zur Darstellung bringendes in edler würdiger Form abgefaßtes Majestüts-gesnch überreicht. Verfasser dieses Majestätsgesuches war — Anton Alexander Graf Auersperg (Anastasius Grün). Noch in späteren Jahren hat Grün-Anersperg mit Freude und Stolz auf diese Autorschaft zurückgeblickt. In dem erwähnten Schreiben an seinen Neffen Alfons Grafen Auersperg ans dem Jubeljahre schreibt Anastasius Grün hierauf be- *) Ein seiner Zeit sehr gesuchter Laibacher Arzt der alten Schule, der sich durch seine prononcirte „Geradheit" auch im Andenken unserer Generation noch erhalten hat. züglich: Meine Verdienste um Krain sind leider nicht so groß, wie mein guter Wille, meinem Heimatlande zu dienen und nützlich zu sein. Einigen praktischen Erfolg dürfte meine Bemühung für das Land zunächst in der Grnndstenerfrage erzielt haben, in welcher ich schon im Mai 1844 für die alten Stände ein ausführliches Majestätsgesnch und im Landtage 1863 neuerdings eine Petition nebst eingehendem Berichte verfaßt habe. Für letztere Arbeiten votirte mir der damalige krainische Landtag (von 1863) auf I)r. Toman's Antrag seinen einstimmigen Dank. Diese Arbeiten sind vollständig gedruckt in der von dem jetzigen krain. Landcsausschusse in: Nov. 1874 herausgegebenen den krain. Grnndentlastungsfond betreffenden Broschüre. Die seither zugestandenen obwohl ungenügenden Stenernachlässe und zeitweisen Abschreibungen dürften wol die Folge jener Auseinandersetzungen sein. Der Kern jenes Majestätsgesnches lag in der Bitte der Stünde um eine Revision des Katastaters, den in der ungerechtesten Weise fremde Schätzungsbeamte vorgenommen hatten, welche die Sprache unseres slovenischen Volkes nicht verstanden und dessen Bewirthschaftungsmethode verachteten. „Alle bisherigen Vorstellungen" — legte Auersperg der Krone nahe — seien ohne Erfolg gelllieben, weil die Schützungsvrgane als die einzigen Sachverständigen jederzeit von der hohen Landesstelle befragt, lchvn im Interesse ihrer amtlichen Stellung und in dem „jedem Menschen angeborenen Drange, sein eigenes Werk zu schützen, so gewissermaßen in letzter Instanz sprachen und dies nicht verwerfen konnten, was sie selbst in erster Instanz festgestellt hatten!" Eine abermals Seitens der vorgesetzten Landesstelle vorgenommene Correctur an der Textirung eines Landtagesbeschlusses von 1845 veranlaßte Grün Auersperg zu einer neuerlichen aber geharnischten, längeren Erklärung und Protestation, welche mit dem Satze schließt: es bleibe ihm fortan unbenommen, künftigen Landtags-Versammlungen, welche mit seinen Ansichten von der Würde und dem Berufe ständischer Landesvertretung nicht übereinstimmen dürften, lieber ganz ferne zu bleiben als seine Ueberzeugung unfreiwillig einem andern Zwange preiszugeben als jenem, welcher ihr gesetzlich durch das Resultat der Abstimmung seiner Herrn Mitstände auferlegt ist und dem sie sich jederzeit bereitwillig unterwirft!" In dem Landtage von 1845 hatte Graf Auersperg, der einer auf das Majestätsgesuch von 1844 hin einberufenen Enguete in Steuer-sachen bei der Hofkauzlci beigewohnt hatte, über diese Vertrauens-missivn des Landtages Bericht erstattet und werde ich darüber im nächsten Abschnitte sprechen. In derselben Session der Stände hatte Grün-Auersperg auch über die Waldservituten-Frage gesprochen und komme ich darauf gleichfalls au anderer Stelle zurück. Der Landtag von 1845 war der letzte im Vormärz, der den Parlamentarier des Vormärz in seiner Mitte gesehen. Es war Zufallssache, daß eben in diesem Landtage Carl Graf Hohenwart introdu- cirt wurde, der nuchherige, scharfe, politische Gegner der von Grün-Auersperg sein ganzes politisches Wirken hindurch unentwegt festgehaltenen Principien. Erst die Verfassung von 1861 brachte den Grafen Anton Alexander Auersperg wieder in die krainische Landtagsstnbe, die mit den alten Kaiserbildern an den Langwänden ihn wohl sofort an die Kämpfe im Vormärz erinnerte, an die Kämpfe, die er als Parlamentarier des Vormärz gegen die mißbrauchte Milde des Landesfürsten geführt lind die ihren schönsten wenn gleich lange nachher erst erfolggekrönten Abschluß gefunden in seiner ersten Adresse an die Krone, einem Meisterwerke parlamentarischen Sthls, einem ewigen Denkmale an den — Parlamentarier im Vormärz! S,i^iergilnger" hei Küiist'ge Liegessterne kreisen N,n das Haupt ihm geisterhaft. A n a st asius (Ä r n n i^§üie „Orsini Bombe" des Vormärz war i» der „Wiener Gesellschaft" >Kfder llOer Jahre, das Erscheinen der „ Spaziergünge eines Wiener ^ Pveten", geplazt, deren schreckenerregende Füllnng mit dem heftigen Knalle explodirte: „Dürfte ich wol so frei fein, frei zu sein". Und der unbekannte bekannte Attentäter gehörte zudem den „Kreisen der Gesellschaft" an, er war ein Graf ans einem alten berühmten Geschlechte. „Er ist sonst ein Mann von Talent und feinen Manieren, er hätte gewiß Carriere machen können, wenn er nicht in den unseligen Ilmgang mit den „Skriblern" und „Freigeistern" gerathen wäre, so aber ist er bis zu solch einem Schritte gekommen und hat sich selbst aus der Gesellschaft ausgeschlossen!" Dies und dergleichen mehr sprach man vom Dichter der Spaziergänge, von Grün-Auersperg in gewissen Kreisen der Wiener-Gesellschaft und es fanden diese Worte ihr Echo in den „Gesellschaften" der Provinzen, welches Echo man in einer Schichte der „Grazer-Gesellschaft" wenn gleich nur mehr schwach aber dennoch, auch noch in der Blüthezeit des Eoncordates nachzittern hörte! Und diesen „Revvluzer" im Ständefrack wählten die Mitstände in Krain, halb aus dem Grunde sich selbst vor einem Gesendetwerden zu salviren, halb aus landesüblichem „Tuck" gegen die Regierung, als ei» Allerh. Reseript ihnen die Wahl von zwei Delegirten zu einer Euguete in Stcuersachen gnädigst anbefahl, zu dieser Enquete bei Hofe! Ein Laudes-Präsidialerlaß vom 1. März 1845 setzte die verordnete Stelle der kraiuischeu Stände in Kenntniß, daß die Hvfkanzlei angeordnet habe, die beiden Abgeordneten Wolfgang Graf Lichtenberg und Anton Graf Auersperg „hätten sich bis 12. oder 14. März in Wien einzn-siuden und bei S. Excellenz dem Herrn Obersten Kanzler zu melden." Der Styl dieses Prüsidialerlasses war zwar nicht geeignet auf den freisinnigen Grafen Anton Auersperg erhebend z» wirken, doch es galt ja eine der Landeswvhlfahrt dienliche Angelegenheit zu fördern und da setzte sich der Patriot über jedes Bedenken hinweg. Die beiden Grafen machten sich, Graf Auersperg von Thuru am Hart am 6. und Graf Lichtend erg von Laibach am 8. März, auf die Reise, die in jener vorbahnlichen Zeit noch mit großen Kosten R.idics, An.ist.isins M»i„ Verschollenes und Vergilbtes. 7 und vielen Schwierigkeiten verbunden war — hieß es damals noch vor einer Reise nach Wien müsse man in der Provinz sein Testament machen — und langten an dem finsteren Kärntherthore am 11. März wol-behalten an. Gleich Tages darauf begaben sich unsere Delegirten ,,in das hohe Präsidium und Rathsgremium der k. k. vereinigten Hofkanzlei" wo sie sich „vorstellten". Im Laufe der folgenden Tage erschien der „Spaziergänger" bei Hofe! Am 13. März 1845 wurden die beiden Grafen Lichtenberg und Auersperg von Sr. kaif. königlichen Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Ludwig, dem bekannten kunstsinnigen und liebenswürdigen Ohm Ferdinand des Gnügen in Audienz empfangen und es gelang ihnen den in die Staatsgeschäfte Wohleingeweihten Prinzen für ihre Mission zu interessiren. Nach dem Erzherzoge machten die Abgeordneten ans Krain, „die Interessen ihrer Provinz der hülfreichen Theilnahme empfehlend," ihre weiteren Besuche bei dem Staats- und Conferenzminister Grafen Kolo-wrat, bei dem Hofkammerpräsidenten Freiherrn von Kübek und mehreren Herrn Staatsräthen, „wo sie allenthalben mit dem größten Wohlwollen aufgenommen und zum Theil mit Hoffnung erweckenden Versicherungen ermuthigt worden sind." Der Enquete selbst ging eine Vorconferenz im Bureau des Steuer-referenten Hvfrnths von Salzgeber voraus, in welcher — wie die rückgekehrten Grafen in ihrem Berichte an die Stände betonen — „ihr Standpunkt ein schwieriger war." In dem Majestätsgesnche an die Krone um Beseitigung der ungerechten Mehrbesteuerung war namentlich der Moment hervorgehoben, daß die benachbarte Steiermark in der Schätzung des Katasters und Bemessung der Steuer weitaus günstiger gestellt sei, was am Empfindlichsten in den Grenzdistrikten Krains wahrgenommen wurde. Darauf bezüglich meinte nun Hofrath Salzgeber nicht ohne Sophistik „es stehe keineswegs fest, wo der Fehler liege, ob nämlich nur Krain zu hoch oder ob nicht vielmehr Steiermark zu gering veranschlagt sei" seine Ansicht sei für Letzteres! - Die Argumentationen des Laibacher Guberniums aber als „uichts-beweisend darzuthun sei den Referenten ein Leichtes gewesen." Der 19. März war der Tag der Enquete, die im Rathssaale der Hofkanzlei (heutige Ministerium des Innern auf dem Judenplatze) unter dem Vorsitze des Hoftanzlers Baron Pillersdorf statthatte und welcher nebst dem Vicekanzler, dem Steuerreferenten Hofrath von Salz-geber, zehn Hofräthe des Gremiums, zwei Hofrüthe der Hofkammer und die beiden Delegirten aus Krain beiwohnten. „Erhaltener Erlaubniß gemäß verfügten sich am nächsten Tage die beiden Grafen Lichtenberg und Auersperg zu Sr. Excellenz dem Staats- und Conferenzminister Grafen Kolowrat, um über den Gang der Verhandlungen zn berichten." Graf Kolowrat forderte fie auf ihre Wünsche in Form eines Promemoria zn Papier zu bringen, welcher Aufforderung sie auch sofort nachkamen. Das Archiv der krainischen Landschaft bewahrt noch heute als Allegat des Berichtes der Delegirten über die gethane Mission ein Convolut: »Oesickorancka« die im Hinblicke auf die lange Verschleppung der Angelegenheit besser mit dem Titel: ckssickerm indicirt worden wären! Graf Kolowrat entließ die Grafen Lichtenberg und Auersperg mit den beruhigendsten und vielversprechendsten Zusagen aber der — Stenerrefent Hofrath von Salzgeber blieb bei seiner Anschauung, daß Steiermark zn nieder bemessen sei, nicht aber Krain zn hoch! Am 27. März langte Graf Lichten berg, am 29. März Graf Auersperg von ihrer Wiener Reise wieder in der Heimath an. Sie hatten ihre besten Kräfte daran gesetzt, sich ihrer den Interessen der Provinz gewidmeten Aufgabe mit möglichstem Nachdrucke zu entledigen, daß die Früchte erst nach Jahrzehnten dem Lande aufgehen sollten, daran hatten sie wol bei allem Pessimismus kaum gedacht. Die Mit-Stünde anerkannten die hervorragende Bethätigung der beiden Cavaliere, die in einer so heiklen Frage, in welcher durch wiederholte Reibungen der Landschaft mit der Regiernngsgewalt der Provinz bereits eine gegenseitig gereizte Stimmung erzeugt war, ans dem glatten Parket der Staats- und Konferenzsäle wenigstens die Basis für spätere Anknüpfungen zn gewinnen wußten, und sprachen ihnen den Dank dafür in beredter Weise aus. Auch die pnrtio llonbönso in jeder derartigen Mission, die Finanzfrage ward von der ständischen Körperschaft Krains eonlant erledigt. Die von den beiden Grafen Lichtenberg und Auersperg unterm 6. April 1845 gelegten Reisepartienlare werden, nachdem sie die Prüfung beim Guberninm und bei der Buchhaltung bestanden haben und „buchhalterisch adjnstirt worden" am 31. Mai 1845 flüssig gemacht, bei dem damaligen Amtsgange in der That jene möglichste Beschleunigung, um die Graf Lichtenberg in der Vorlage derselben angesucht hatte. Graf Lichtenberg erhielt seine Reisespesen mit 496 fl. 48 kr. und Graf Auersperg mit 621 fl. 29 kr. ausbezahlt! * -i- Eigenthümlich mußte es dem Dichter der Spaziergünge dünken, als er sich an dem Portale jenes Torso der am Eingänge zur Wiener Hofburg hingebanten Rotunde sah, in welcher die Gemächer des Erzherzogs Ludwig sich befanden. Anastasius Grün, der in gewissen Kreisen arg vervehmte Freigeist, er setzte den Fuß über die Schwelle dieses Portals, leichten Muthes, gedenkend der leutseligen und wo es sich um das Staats- und Volks-ivohl handelt, stets so versöhnlichen Art der Fürsten ans dem Hause Habsbnrg! Nicht ahnte er aber in diesem Momente, daß er einst in die Hof- bürg, an dir Wiege der Wiedergeburt Oesterreichs werde gerufen werden, uni der heutigen Verfassung Oesterreichs mit Pathe zu stehen, nicht ahnte er in jenem Mvmente, daß er durch die Huld Franz Josef I. in den Kreis jener illustren Vertrauensmänner würde aufgenommen werden, welche als Sr. Majestät wirkliche geheime Rathe das Recht des freien Zutrittes zu dem Monarchen haben! Als Anastasius Grün iu der „Autieamera" des Erzherzog Ludwig staub, nicht sah er Kiinft'ge Sicgeösteriie kreise» Uni das Haupt ihn, geisterhaft. Ein Und der Euch Hesunqen diesen Reih'n War selber bei der Geschichte. AnastasiuS Grün. ine alte Muhme" — wie sie Anastasius Grün iu seinem allbe-^sr'kauiiteu herrlichen Gedichte vom „Blatt im Buche" so typisch ge- schildert —, sie hat »ns ein vergilbtes Papierblatt ans ihrer kleinen aber gewählten Bibliothek hervorgeholt und dieses vergilbte Blatt enthält ein humorvolles Gelegenheitsgedicht, das sich aber, wie dies bei Grün-Auersperg wol natürlich ist, weit über das Niveau dieser Dichtungsart erhebt und gewiß den Anspruch ans beständige Werthhaltung haben kann. Es behandelt als Märchen, um streng balneologisch zu sprechen, die „Wirkungsweise" des Franzensbader Wassers und Moores. Grün-Anersperg, mehrmals in seinem Leben wegen physischer Leiden genöthigt Badecuren mitzumachen, zog stets aus dem Badeleben nach Dichterart doppelten Nutzen, für den Körper und für den Geist. Situation und Verkehr in den Bädern, die meist reizende Lage des Ortes mit seinen Ausflügen oder wie in de» Seebädern das Wohlige der Elemente, des Wassers und der Luft und anderseits der anregende kosmopolitische Umgang mit Menschen aus allen Theilen der Welt, diese beiden Momente im Leben hervorragender Bäder verfehlten nicht auch bei Grün Auersperg an der Stelle schon die dichterische Ader höher schwellen zu lassen, mochte gleich ihr Träger vielleicht mit dem Vorsatze gekommen sein, ausschließlich nur der Nymphe des Quells zu huldigen und darüber der Bluse der Dichtkunst temperär vergessen zu wollen. Solch' Verläugnen hält aber nicht lange vor und rächt sich durch sich selbst. So auch bei Grün in Franzensbad. Die Gesellschaft, die er hier fand — in den 40er Jahren — die so mannigfaltig zusammengesetzt war aus Hoch und Nieder, ans Angehörigen aller Stände und Berufsarten, mit denen Alle der leutselige Dichtergraf gleich liebenswürdig zuvorkommend — wie es immer seine Art war — conversirte, die Eigenthümlichkeit des Moorbades, das den Menschen physisch reinigt, indem es ihn zuvor physisch beschmutzt, all dies regte den die besten Wirkungen des Bades spürenden und daher auch geistig aufgefrischten Dichter zu einer poetischen Schilderung dieses Bades an, welche für immer ein goldenes Gedenkblatt in der Geschichte von Franzensbad bleiben wird. Die Darstellung ward eine humorvolle und zeigt den Dichter der „Nibelungen im Frack". Es möge hier folgen: „Ali, Mrlhkn ans Fi'knijtitübad." Im alten Böhmen liegt ein Thal Nur selten erfüllt vom Sonnenstrahl Darllber gespenstergleich die bleichen Unheimlichen Wolkenfratzen schleichen. Geflötz nnd Schlacken »mborden die Siinme Waldschatte» dämmern in dunkle Tränme, Es zischelt der Wasserneck im Rohre Gefeite Quellen rieseln im Moore, Sic schleudern empor kristall'ue Blasen Spietbiille der Elfcnkinder im Rasen. Es weht mich an wie Märchenlnst, Uralte Sagen enttanmeln der Gruft Lebendig wandeln die Fabelwesen - Davon ich in Kinderbüchern gelesen. Ein Hexenkessel ist rings das Thal, Draus brodel'n betäubende Dämpfe sahl Qualmschlingen wollen die Hirne knebeln Die klügsten wallen selbst in Nebeln. Die einen beten Neptunum an, Die andern schwärmen: Allvater Vulkan! Die Steine selber zieh'n Grimassen. Rings liegen zerstreut basalt'ne Säulen, Granitne Blöcke, Schicferzeilcn, Wie Zanbcrgeräth, das liegen gelassen. Da treibt sich als Hofstaat durcheinander Sumpfotler und fleckiger Salamander; In seltsam Gethicr verzaubert heute Sind's Prinzen vielleicht nnd anständige Leute. Indeß ich so fabnlir' o wehe, Bin selbst ich verhext, eh' ichs versehe! Ein grün Laubfröschlein ward ich schier Und mancher gute Genosse mit mir Da heißt's am Morgen fein Wasser schlucken Dann wieder in's Wasserlein badend ducken; Und daß sich Wechsel hold erwiese Des Abends dann hüpfen über die Wiese; Es gurgelt nnd quackt sich unverdrossen Im Lhore lieber Geschicksgcnossen. O könnt' ich auch den deutschen Gründen Prophetisch sonniges Wetter künden! — Doch hielt ichs noch für Schicksalssegen So reinlich saubern Haushalt zu Pflegezi. Ach! eines Tages mein grünes Fell Ward Plötzlich braun und fleckig grell Ein Ruf gebot: „Als Unke bohre Dich tauchend ein im schwarzen Moore!" D'ranf sank ich in da« Schlammrevier, Die nicht mehr grünen Gefährten mit mir Altmeisters Liedlcin stöhnend hohl: „Uns ist ganz kannibalisch wohl!" Ein Märchen ans Franzensbad. Da schwebt in lichten Wolken herbei Aus Landen fern und unbekannt, Holdselig eine wohlthätige Fei Genesung von den Meisten genannt. In Liiften scholl's: Ihr seid nun frei! Euch hat der böse Zauberer Schmerz Gebannt in Ketten, die stärker als Erz Zum Kessel, wo seine Muhmen brauen; Mein Stab hat Eure Bande zerhauen! Zieht hin nach Silben nun und Norden, Was einst Ihr warst, seid Ihr wieder geworden. Sich', der Verhüllung entstiegen kamen Anständige Leute, Prinzen sogar, Der Diplomat, der Mönch im Talar, Unmuthige Kinder und liebliche Damen. Da ist ein ritterlich kühner Degen Mitkämp' einst deutschem Waffevscgen Ein jüngster Krieger dann, dem Kränze Wohl bringen spätere Waffentänze. Ein edler Arzt, der in sich zog Das Gift, das er fremder Wunde cntsog; Ein Richter, dem der Wage Schweben, Das Herz nur, nie die Hand macht beben; Ein Mann, der treuer Scholle hold Schön wühlend in reichem Achrengold; Ein Redner vom tollen Jugendrcigen, Ein Stiller, der Weisheit sucht im Schweigen; Ein Lehrer, wie herrlich wird er säen, Der vieler Menschen Städte gesehen! Ein Dichter auch, der in Lust sich sonnte, Wenn deutsche Herze» er rühren konnte. Da klingt Mundart der Donanlande Redeweise vom Elb- und Saalestrande; Als sei noch nicht zu End' die Fabel, Gibt's hier ein kleines deutsches Babel. Sie könnten den, bösen Zaub'rcr nicht zürnen Der aus dem Sand, von Alpenfirnen Sie alle so schön zusammengebracht; Das hat der Böse nicht bös gemacht Drum flammt ihr Dank nicht allzubrünstig Der guten Fee, so mild und günstig Weil sie zuerst ans Scheiden gedacht. Sie aber lächelt immer hold, Zu reich für Lohn, denn Dank ist Sold; Ihr Scheiderus selbst ist noch Segen Er will vereitle» auf sernsten Wegen. Der dieses Lied zum Abschied sang Zieht bald sein heimisch Thal entlang Im grünen Kleid durch den grünen Wald Und pfeift ans grünem Blatt, daß c« schallt! Die Luft trägt weiter den Schall vielleicht Wohl gar, daß er Euer Ohr erreicht Ihr kennt den Ton und den, der sang; O blieb' ein Märchenzauber der Klang! Ihr wisset dann, was der Ruf mag meinen: Die Fernen will er im Geist vereinen. Aimstaliuo Giii». Dieses reizende Poöm mag allen Jenen, welche damals zugleich mit Grün in Franzensbad weilten, ein angenehmes liebwerthes Gedächtniß wachrufen an die schönen Stunden, die sie mit dem liebenswürdigen Dichter daselbst verlebt! Außer Franzensbad hat Auersperg bekanntlich auch Gastein, Helgoland und das heimatliche Veldes im Liede verherrlicht. In Veldes namentlich, in dem Dank der Alpenbahn Oesterreich eEox»/" der Kronprinz Rndolfbahn dem Weltbesnche erschlossenen hoch romantischen Alpen-Seebade Oberkrains, kehrte Grün-Auersperg wiederholt gerne ein. War er doch da auf heimatlichem Boden, den er so unaussprechlich liebte, war er doch da in der nächsten Nähe der in heiliger Ruhe zu Füßen der schneebedeckten Bergriesen unseres Oberlandes liegenden Gebirgsthäler, die bisher so selten eines Wandrers Fuß betrat! Und im Sonnettenehklus auf Helgoland*) wie in seinem Glockenrnf für das heimatliche Veldes**) hat Anastasius Grün gleichfalls den Humor spielen lassen, der ihm so reichlich und so treffend zu Gebote stand. *) „In der Veranda" x. 103 ff. **) ibid. p. 178 ff. die Auersperge. Der goldiie Eimer geht im Völkerringe Po» Hmid zu H.tnd, aus Deutscher dir zu thauen. A n a st a s ius G r ü n. 'as deutsche Theater hat in dem vielsprachigen und die ganze Stufen-7H6leiter cultureller Entwickelung aufweisenden Oesterreich schon im ^ großen Ganze» eine civilisatorische ja vielfach eine pädagogische Mission, die leider von maßgebendster Seite, ich meine von Seite der Regierung, in jenen Tagen, wo die richtige Erkenntniß dieses Verhältnisses staatsmännisch geboten war, nicht gewürdigt wurde! Durch rechtzeitiges und volles Erfassen und Benützen dieses Faktors wäre gewiß den Staatslenkern manche spätere traurige Erfahrung im politischen Leben Oesterreichs erspart geblieben. Speciell im stavischen Lande Krain, auf jener merkwürdigen Naturbrücke, wo sich Germanismus und Romanismns seit Jahrhunderten zur Erringung geistiger Weltherrschaft begegneten, muß das deutsche Theater als der ächte und rechte Pionnier deutscher Bildung und deutscher Gesittung, als Hüter gegen das einschmeichelnde Vordrängen der Ver-wülschnng in Sitte und Art angesehen werden, deßhalb hat hier das deutsche Theater mehr denn anderswo im weiten Oesterreich die oben gemeinte culturelle Mission; es mußte und müßte deßhalb hier mehr denn anderswo von jener Seite gestützt und gehalten werden, die ab und«.zn dabei interessirt erschien und erscheint, daß das deutsche Wesen, um-sluthet von dem kräftigenden Nvrdhauche der Alpen stets aufrecht stehe an den Gestaden der blauen Adria und daß der Romanismus mit dem nur zu häufig ihn begleitenden entnervenden siroeealen Hauche des Clericalismus — »Ire» montos bleibe! Solcher Erkenntniß der Bedeutung Krains und des volksbildendeu Elementes eines deutschen Theaters in diesem Lande begegnen wir schon in früher Zeit im Hause der Auersperge und zwar in der Person des krainischcn Landeshauptmannes Wolf Engelbert Grafen Auersperg (im XVII. Jahrhundert) der seine öffentliche Stellung, wie nicht minder seinen hohen und weitgreifenden socialen Einfluß darauf verwandte, dem deutschen Theater die Lösung seiner culturellen und eminent politischen Aufgabe in dem Heimathlande Krain zu ermöglichen. Wie das deutsche Geschlecht der Auersperge aus deu reinigenden Stürmen der Reformationszeit iu die schwüle Temperatur der Gegenreformation durch „opportune" Haltung seine dominirende Stellung im Lande herübergerettet hatte, so wußte eben Graf Wolf Engelbert von Auersperg, dessen einzig in ihrer Art dastehende und heute noch erhaltene Büchersammlung für seine Werthschätzuug des deutschen Geistes spricht, vurch kluges Verhalten gegenüber deu damaligen Machthabern, den Jesuiten und ihren Schulcomödien der gerade zur Zeit sich ausbreitenden und mit den „hochdeutschen Komödianten" auch nach Krain gedrungenen deutschen Comvdie mehr und mehr Raum und schließlich festen Boden zu schaffen. Ja er war es, der es dahin brachte, daß selbst bei de» Jesuiten deutsch gespielt wurde neben den lateinischen Aufführungen. Von Stund' au, da Wolf Engelbert Graf Auersperg deu Posten eines Landeshauptmanns von Krain antrat, vom April 1649 war der Auerspergische Palast iu der Laibacher Herrngasse — der „Fürstenhof", wie er heute genannt wird — zugleich das Theater der Hauptstadt; im Winter der große mit Fresken gezierte Saal, im Sommer ein eigens dazu eingerichteter Pavillon des weitgedehnten hinter dem Palais sich erstreckenden Gartens, welcher mit allen dein Geschmacke des Jahrhunderts entsprechenden Lustbarkeiten, einem Ballhaus, einer Schießstätte, großen Teichen, Cascaden, Grotten, Wasserkünsten und dergleichen mehr ausgestattet war. Hier spielten abwechselnd die Zöglinge der Jesuiten und die „hochdeutschen Comödianten." Die Theatervorstellungen beider waren öffentliche, denn es nahmen daran alle Kreise der Gesellschaft Theil und die Kosten der Aufführung bestritten die „Landschaft" (Stände) und die Theatermäeene, in erster Linie die Auersperge! Aber auch die reichlichen Beisteuern der Landschaft erflosscn indirekt über Anregung des Landeshauptmanns Wolf Engelbert Graf Auersperg. Den „hochdeutschen" (und Jnsbruckerischen) „Cvmödianten" votirte inan in der Regel, da sie sich vald in der Gunst der Stände und des Publikums festgesetzt, die Summe von 300 fl. für eine Vorstellung. Die Jesuiten, welche die ganze Wucht ihrer verschwenderischen — von Devrient in der Geschichte des deutschen Theaters hinlänglich stigmatisirten — operettenhaften Ausstattungen in die Wagschale werfen konnten, waren trotzdem von der Cvneurreuz der hochdeutschen Comö-dianten nicht wenig betroffen, fühlten sie doch ganz richtig die hieraus erwachsende mächtige Gegnerschaft des Germanismus gegen den von ihnen vertretenen Romanismus. Als sich >666 eine Wandertruppe „aus dem Reiche" nach Laibach „verirrt", bezeichnet sie das Jesuitentagebuch frischweg als eine „ketzerische" und als sie von der Landschaft die Erlaubniß zu „Vorstellungen" erhalten, da geben die „Patres" ihren Schülern — deren Väter meist in der Landschaft saßen — natürlich Ferialtag und verbieten Ihnen auch nicht, das deutsche Schauspiel anzusehen, ertheilen ihnen aber doch insgeheim den „freundschaftlichen Rath" die Borstellung der „Ketzer" nicht zu besuchen! Nach einer kurzen Periode der Verwälschnng des Laibacher Theaters am Beginn und um die Mitte des XVIII. Jahrhunderts — in welcher abwechselnd im Rathhaus- und im Landschaftssaale gespielt wurde — gewann mit der anläßlich des Besuches Kaiser Franz I. (des theaterliebenden Gemahls Maria Theresias) rasch durchgeführten Erbauung einer ständigen landschaftlichen Bühne in Laibach (1765) die deutsche Comödie hier wieder die Oberhand; auch die Jesuiten spielten jetzt wieder mit Vorliebe deutsch und gaben 1769 gar ein Schäferspiel: Alexis! Im Jahre 1780 führt die Direktion der Laibacher Bühne Schickaneder der Freund und Librettist Mozarts der hier den „Julius von Tarent" von Leisewitz zur Aufführung bringt; 1799 erscheint das erstemal Kotz ebne auf unsern weltbedeutenden Brettern mit seiner „silbernen Hochzeit" nach dem Theaterzettel: „ein ganz neues hier noch nicht gesehenes noch nngedrncktes Original-Schauspiel". Das Interesse am deutsch en Theater ergreift immer weitere Kreise und die Schauspieler von Profession finden ihre Nachahmer an Dilettanten. Unter diesen sind auch die Zöglinge der „militärischen Pflanz-schnle" des heimatlichen kaiserlichen Regimentes, welche wiederholt zu wolthätigen Zwecken deutsche Theaterstücke ausführen u. a. einmal ein Trauerspiel: „Graf Wallenstein" (1787). Im Jahre 1798 beginnt die Ausgabe eines eigenen Laibach er (deutschen) Theaterjonrnals und die „amtliche" Landeszeitung versichert, „daß der Geschmack für's Theater bei einem großen Theile des Publikums an Leidenschaft grenze". Der an anderer Stelle schon erwähnte von Professor Richter angeregte „Schillercultns" unter unserer Jugend wird nun weiters durch die Vorführung der „Räuber" (1800), des „F-iesco" (1801), der „Cabale und Liebe" mächtig gefördert. In der Saison >801, in welcher Wilhelm Frasel die Direktion inne hatte, schritt der „große Brite" mit „Hamlet", der Keiferin Zähmung" und „Maebeth" über nuferere Bühne und Mozarts ,Zanberflöte" enthusiasmirte unsere stets zalreichen Musikfreunde! — Laibach hörte nebenbei bemerkt, schon 1660 die erste Oper (10 Jahre früher als Paris) und hat heute den ältesten Mnsikverei» in Oesterreich, die schon 1702 gegründete philharmonische Gesellschaft! Kasse »lachten Kotzebne und Jffland „kein Direktor — sagt ans den ersten Deccnnien unseres Jahrhunders die „Laibacher Zeitung" — der dem Publikum genug that und sonst Ordnung hielt, gieng von hier unzufrieden". Die Bühne war stets in guten Händen und spätere erste Künstler zeigten schon hier ihre Anlagen, ja wurden öfters von dieser Laibacher Bühne weg an Hoftheater ersten Ranges geholt. So war das Verhältniß auch zur Zeit da Anastasius Grün als Knabe von seinem Vaterschlosse ab und zu in die Hauptstadt koininend, die ersten Eindrücke theatralischer Aufführungen gewann. Und er bewahrte Zeitlebens — freilich wol vorwiegend im Hinblicke auf die Eingangs präcisirte cnltnrelle Mission des deutschen Theaters in Laibach — ein hohes Interesse für das Gedeihen und den Fortgang ans dieser Bühne. In den 40er Jahren ergab sich die Notwendigkeit eines Umbaues des landschaftlichen Theaters — in seine heutige Gestalt — dieser Umbau war aber nur möglich, wenn die Besitzer der ständischen Familien logen darein willigten und vor Allem wenn sie sich bereit erklärten, die ans den Einzelnen entfallenden Theilkvsten für die Herstellung entsprechender Logen zu tragen. Die ständisch-verordnete Stelle leitete die Vorverhandlungen und dann den Umbau und so bewahrt das landschaftliche Archiv eine eigenhändige Erklärung Anastasius Grün's, worin er den Beschlüssen dieser Stelle bezüglich des Theater-Nenbanes „vollkommen beipflichtet." Diese Erklärung lautet: „An die wohllöbliche Stündisch-Verordnete Stelle zu Laibach". „Ueber die Aufforderung der wohllöblichen Ständisch-Verordneten Stelle cläo. l4. März l. I. Zal 71 gibt der Unterfertigte hiemit die ausdrückliche Erklärung ab, daß er den Beschlüssen der cvmmissionellen Verhandlung, welche rücksichtlich des in Absicht stehenden Theater-Umbaues ain 10. Februar mit Beiziehnng der Logeneigenthümcr abgehalten worden, vollkommen beipflichte, gegen den vorgelegten Banplan keine Einwendung zu machen habe und dem Baubeitrage von 200 fl. sich zu unterziehen mit Vergnügen bereit sei. Thurn-am-Hart, den 15. April 1842. Anton Ax. Gf. v. Auersperg nist. Nach vier Jahren war der Neubau vollendet — Dank der übereinstimmenden Opferwilligkeit des ständischen Körpers — und am 15. Oetober 1840 ward das neue Hans mit einem allegorischen Festspiele: „Carniolia" — Persvnifieation des Landes Kram" — aus der Feder des im benachbarten Ctlli als Professor wirkenden Dichters Johann Gabriel Seidl (Musik vom k. k. Hofopernkapellmeister Heinrich Proch) feierlich eröffnet. Das alle Elemente entfesselnde 1848 er Jahr brachte an dieses Haus die ersten Aspirationen, daß es seine Thore auch der Muse slovcnischer Dramatik öffnen solle. Die Kinder dieser Muse waren wol noch klein an der Zal einige Uebertragnngen Schiller'scher Dramen, ein paar »och ans der Vodnik-Zois'schen Periode stammende Bearbeitungen französischer Stoffe — voilä. Ia tont! Daß Auersperg abgesehen von seinem entschieden dents eh e n Stanöpnnkte, den er gleich im ersten Nationalstreite (1848) einnahm, sich für die Ans- nähme einer so dürftig vorbereiteten Concnrrenz nicht erwärmen konnte, ist geiviß begreiflich. Und diesen Standpunkt hat er immer festgehalten; wie der Einführung der slovenischen Sprache in die Schule — da die nöthigen wissenschaftlichen Vorarbeiten fehlten — so widersetzte er sich auch der Einführung slovenischer Vorstellungen stets mit aller Energie. Es gelang dies erst als Grün-Auersperg aus dein krainischen Landtage getreten war und der Lanvesausschnß in der Majorität sich ans dem slovenischen Lager zusammensetzte. Trotz der den Landesmitteln gegenüber ziemlich hohen Subvention für dieses national-slavische Theater scheiterte dessen Können doch an der landesüblichen Halbheit dort, wo soll schon ein Zweck erreicht werden — mit einem Male große Summen in Bewegung gesetzt werden mußten, so in diesem Falle zur Gründung einer slovenischen Theater-schule, zur Aussetzung von ansehnlichen Preisen für Originalwerke n. s. w. u. s. w. Wol wurde ein sogenannter dramatischer Verein ins Leben gerufen. Wie dieser aber vorging, ersieht man am Besten ans einem Briefe Anastasius Grün's an den „Musensohn im Rollstuhl" an den Dichter und Uebersetzer Cimpermann, welches für Anersperg's eindringliches Beobachten des gegnerischen politischen und zugleich anderssprachigen heimatlichen Lagers charakteristische Schreiben ich hier in der bezüglichen Stelle zum Voraus reprodncire. Anastasius Grün schreibt: „Indem ich Sie zu den bereits vollendeten Uebersetznngen und zu Ihrer dadurch bewiesenen Arbeitslust und Leistnngskraft beglückwünsche, kann ich zugleich mein Bedauern nicht unterdrücken, daß man durch unvernünftiges Vorgehen Ihre Thätigkeit mißbraucht und Ihnen Aufgaben stellt, welche ihre Arbeit zum literarischen Frohndienst erniedrigen, während sie doch bei einer verständigeren Wahl Ihnen wahres Vergnügen und geistigen Gewinn verschaffen könnte. Ein Verein, der sich, wie Ihr Auftraggeber als „dramatischer Verein" proklamirt, sollte doch nach Grundsätzen, nach einem festen Shstem vorgehen und seiner Zielpunkte sich klar bewußt sein. Die Aufgabe kann doch nur sein, entweder durch wirkliche Meisterwerke der fremden Literatur den nationalen Schriftenschatz literarisch zu bereichern oder durch das Bildungsmittel theatralischer Darstellungen zur Veredlung der Sitten und Lebensformen, zur Klärung der Anschauungen u. s. w. auf das eigne Volk zivilisatorisch einzuwirken. Dazu gehört aber eine tüchtige, sachkundige Auswal des sich ans fremden Sprach- und Literaturgebieten Anzueignende». Ein buntes Sammelsurium, ein unkritisches Durcheinander wird da eher schaden als nützen und manche gute Kraft, sowol in der Bearbeitung wie in der Darstellung des unzweckmäßig Ausgewählten, erfolglos abnützen und lahmlegen. Ich kann keinen Sinn, kein System darin erblicken, wenn man Sie heute Donna Diana (was ich nur als gute Wahl bezeichnen kann) morgen aber „Mont- Rad, cs, Anastasius Griin Verschollene« und Vergilbtes. 8 joye" und „Die schöne Spanierin" übersetzen heißt. Das neuere corrnpte französische Genre sollte man in Anfangsperioden, in welchen sich das slovenische Theater befindet, ganz sich vom Leibe halten, es wird durch selbes weder für Literatur noch für Volksgesittung irgend ein Gewinn erzielt." So Grün-Auersperg! Der Literaturfreund so ins gegnerische aber dabei doch auch heimatliche Lager wolwollende Winke ertheilend, war als deutscher Dichter mit ungeteilter Sympathie bei den Bestrebungen das deutsche Theater der Hauptstadt seines Heimatlandes auf der möglichsten Höhe moderner Knnstanforderung zu erhalten. Rückblickend auf den Inhalt dieses ein hochwichtiges Enttnrelement unsere Tage behandelnden Capitels „über das Laibacher Theater" müssen wir figürlich sagen: Die Laibacher Bühne, wie sic heute an der schönsten Avenue Laibachs mit der Front gegen die prächtige Sternallee und den weiten Congreßplatz und am Eingänge zur Herrngasse dasteht, reicht mit ihrem sichern Grundstein bis an den Ausgang dieser Gasse, ins an den „Fürstenhof" der Anersperge, bis an jenen Platz, wo das alte Landhaus sich erhebt, in welchem einst die „Herrn und Landlcut Einer Ehrsamen Landschaft in Crain" mit opferwilligen Händen ungeachtet gleichzeitiger riesiger Kriegscontributionen reichliche Subventionen darbrachten den „hochdeutschen Comödianten", bis an jenen Platz, der heute Anersperg-Platz benannt ist zum ewigen Gedächtniß an den uns noch immer zu früh entrissenen großen Sohn unserer Heimat Anastasius Grün — Anton Alexander Graf Auersperg — der, wie er im Allgemeinen ein erhabener Wortführer deutschen Geistes in Krain gewesen, im Besondern stets eingedenk war der hohen culturellen Mission des deutschen Theaters in Krain und welcher der Pflege und Förderung desselben, soweit es in seiner Macht stand, immer und unter allen Verhältnissen zu Hülfe kam! I. Fink Augschrifr für Frankfurt. Brüder, wir Boten cmS Oesterreich Grüßen euch traulich mit Sang; Schlagt ihr mit freudigem Handschlag ein Hat eS den rechten Klang. Anastasius Grün. war in dm „Märzen" des Jahres 1848 die „Freiheit" <;A^Lproklamirt in Oesterreichs Landen, so erhoben auch schon, wie ^ natürlich die verschiedenen Nationen dieses ethnographisch merkwürdigsten Reiches ihre Häupter und, um mit Auersperg zu sprechen, „es schwoll der Zwist." In Wien hatte sich alsbald ein Berein slovenischer Studenten gebildet unter dem Namen „Slovenja". Dieser national-slovenische Berein erließ nun, als es daran war aus den zum damaligen deutschen Bunde gehörigen Ländern und Landestheilen mit vorwiegender oder theilweiser slovenischer Bevölkerung Abgeordnete in das deutsche Parlament nach Frankfurt zu wählen einen Aufruf an die Slovenen in Krain jede solche Wahl abzulehnen, gegen die behördliche Aufforderung zu protestireu und auf die amtliche Proto-kollirung dieses Protestes zu dringen. Auf diesen „Erlaß" der jungen Wiener Slovenen antwortete Auersperg, zum ersten Male, in der Nationalitätenfrage Posto fassend mit einem Gegenaufruf. Der deutsche Dichter aus dem deutschen Adelsgcschlechte der Auersperger entsprossen, das durch nahezu ein Jahrtausend her der deutschen Cultur und Bildung der deutschen Geistesarbeit in der Hohenstaufenzeit und im Reformationszeitalter selbst mit dem Schwerte in der Hand durch das wilde Gestrüppe der alten Krainmark bis an die Gestade der Adria und dem Orient entgegen bis in das Land der „Chormaten" die Wege ebnete, der deutsche Mann und Politiker Grün-Anersperg, er sah in dem Augenblicke, da von der Gesammtheimat Oesterreich der geistige Bann des Vormärz gehoben wurde, für das zwar zumeist von einem slavischen Bolksstamme bewohnte aber mit Oesterreich dem deutschen Bunde zugehörige und von dem deutschen Geiste zur politischen Reife herangezogene Land Krain das einzige Heil in dem engsten Anschlüsse an Deutschland. Daher gab es für ihn keinen Moment des Wankens und er rief dm jungen Slovmm in Wien die Warnung zu: „Wollt Ihr nicht mit Oesterreich zu Deutschland halten, so bedenkt, daß jeder Schritt, mit dem Ihr Euch von Deutschland entfernt, Euch mittelbar immer näher zu Rußland führt." Die Flugschrift Auersperg's von 1848 die für Frankfurt seine Heimat aufrufend, in diesem Satze gipfelt, sie hat auch heute noch ein actuelles Interesse und da sie bisher so gut wie „verschollen" war, möge sie ans dem „vergilbten" Exemplare der Laibacher k. k. Studien-bibliotlpk hier vollinhaltlich reprodueirt sein. Die Adresse lautet: An meine stovenischen Mrüder Ei» Morl zur k/ersiändigung gelegentlich des vom Dercine „Slovenja" in U?ien ergangenen Ausrufes von A. Gr. v. Auersperg Laibach 1848 Der Inhalt der Brochüre ist folgender: Slovenische Brüder! Ihr habt den Aufruf vernommen, welchen ein Verein patriotischer Männer, der unter dem Namen „Slovenja" in Wien zusammengetreten ist, an Euch gerichtet hat. Dieser Aufruf ermahnt Euch: „jede Wahl von Volksvertretern für das deutsche Parlament zu Frankfurt abzulehnen, gegen die von den Behörden zu diesem Zwecke an Euch ergehende Aufforderung zu Protestiren und auf die amtliche Protokollirnng des Protestes zu dringen." Hört nun auch eine Gegenstimme aus einem nicht minder patriotischen Herzen. Patriotismus aber sichert nicht vor möglichem Irrthum und einseitiger Auffassung des Standpunktes. Darum hört diese unv andere Stimmen, die sich noch erheben sollten, prüfet alle und dann entscheidet. Man sagt Euch iu jenem Aufrufe, Deutschland wolle unter der Maske der Verbrüderung dem erwachenden Oesterreich den Todesstoß versetzen! Verlangt doch von Jenen, die diese Anschuldigung einem der edelsten Völker Europa's ins Angesicht schleudern, die Beweise. Man sagt Euch, das Wahlgesetz rede nur von Deutschen, welche zur Volksvertretung wählbar sind. — Leset doch selbst die vom Fünfziger Ausschusse in Frankfurt unterm 3. April d. I. ausgegangene Bekanntmachung der Beschlüsse des Vorparlaments, leset den damit übereinstimmenden Erlaß unsers Ministers des Innern vom 15. d. M. Z. 785 worin ausdrücklich bestimmt wird, daß jeder selbstständige volljährige Staatsangehörige als wählbar und wahlberechtigt zu betrachten sei. Eine Flugschrift für Frankfurt. 110 Der Ausdruck: „Staatsangehörige" beseitigt jeden Zweifel über die Gleichberechtigung aller im deutschen Buudeslande wohnenden Volksstämme. Man sagt Euch ferner, der deutsche Bund gedenke Euch keine Garantie für Eure Nationalität zu gewähren. — Welche andere, welche bessere Garantie für die Entwickelung Eurer Nationalität wollt Ihr und konnt Ihr wollen, als die Freiheit! Unser Anschluß an den deutschen Bund ist ein Anschluß an einen Bund der Gegenseitigkeit und Brüderlichkeit, ml einen Bund der Gleichberechtigung, der Humanität und der Freiheit. Nicht unter der deutschen Nationalität besteht die Eure, sondern gleichberechtigt neben jener. Alle Grundrechte und Forderungen des deutschen Volkes werden auch in gleichem Maße für Euch errungen. In diesem Sinne haben österreichische Abgeordnete bereits zu Frankfurt im Fünfziger-Ausschüsse gesprochen, ans freiem Antriebe, ohne Euer Mandat, weil sie Euer gutes Recht, wie das eigene warm iin Herzen tragen. In diesem Sinne hat aber auch Vorparlament und Fünfziger-Ausschuß Eure Stellung im deutschen Bunde aufgefaßt, wie Ihr aus den offieiellen Berichten seiner Beschlüsse ersehen, und einem Augenzeugen glauben möget. Man lenkt Eure Blicke auf den Heldenkampf deutscher Brüder in Schleswig-Holstein, um Euch ein Beispiel deutscher Lethargie anzuführen! — Wohlan blickt immerhin auf jegen blutigen Kampfplatz, aber mit schärferem gerechterem Auge! Dann werdet Ihr Euch mit uns überzeugen, daß die unlängbar stattgefundenen beklagenswerthen Versäumnisse nicht dem nenerstandenen Deutschland zur Last fallen, sondern, daß sie ein böser Nachlaß der alten bösen Zeit, eine Nachwirkung, ein letztes Todeszucken des alten gestürzten Shstems sind. Eben weil Deutschland seine frühere Schwäche und Zerrissenheit erkannte, raffte es sich empor lind ringt freudig darnach, sich durch Einigung neu zu kräftigen. Ihr aber werdet den Erwecker von dem Schläfer zu unterscheiden wissen. Man fordert Euch ans — und mit vollstem Recht — treu an Oesterreich zu halten; zugleich aber beschwört man Euch dieses Oesterreich bei dem ersten entscheidenden Schritte, den es thut, zu verlassen und zu verleugnen. Oesterreich schließt sich an Deutschland an, Ihr sollt Euch von Deutschland lossagen, Oesterreich schickt Volksvertreter nach Frank furt, Ihr sollt gegen eine solche Volksvertretung protestiren und doch sollt Ihr dabei immer treu an Oesterreich halten! Welche Widersprüche! Man verweist Euch auf die Lehren der Geschichte. Ja prüfet nur jene inhaltsschweren Blätter, sie werden Euch in Erinnerung bringen, wie in den alten Tagen der Kraft im Glanzpunkte Eurer Geschichte, Eure Väter treu zu den Deutschen und das deutsche Volk treu zu Eurem Volke stand in Noth und Gefahr zum gemeinsamen Kämpfe gegen den damaligen Erbfeind! Sie werden Euch aber auch wiederholen, was Ihr noch nicht vergessen haben könnt, wie in den späteren Tagen unserer gemeinsamen Schmach das nun gestürzte Regiernngsshstem die verschiedenen Volksstämme zu trennen wußte, ans daß es die Vereinzelten besser zu knechte» vermöge. Ahnt Ihr nicht, daß Ihr durch die Ench zugemuthete Trennung vvn Deutschland, unwillkürlich ganz im Sinne und Plane und gleichsam unter dem Einflüsse jenes verhaßten Shstems handeln würoet? Slovenische Brüder! nun Hand auf's Herz zur redlichen offenen Beantwortung einer Frage! Eure Trennung von Deutschland wäre auch Trennung von Oesterreich; seid Ihr aber gerüstet und vorbereitet, seid Ihr einig genug, Eurem Lande eine selbstständige slovenisch-nationelle Verwaltung zu geben und zu erhalten? Wahrlich in diesem Augenblicke seid Ihr es nicht jdie Geschicke Eurer Zukunft liegen noch verhüllt in Gottes und Eurer Hand), Ihr habt jetzt uur die Wahl des Anschlusses an befreundete verbrüderte Stämme. Wollt Ihr nicht mit Oesterreich zu Deutschland halten, so bedenkt, daß jeder Schritt, mit dem Ihr Euch vvn Deutschland entfernt, Ench mittelbar immer näher zu Rußland führt. Konnt Ihr dieses wollen? Slovenische Brüder! Das im Mai zu Frankfurt am Main zusammentretende Volksparlament ist eine cvnstituirende Nationalversammlung; seine Aufgabe ist, die Beratschlagung und Beschlußfassung über die künftige Verfassung Deutschlands! Da Ihr in einer Bevölkerung von mehr als einer Million Seelen Landestheile bewohnt, die zum deutschen Bunde gerechnet werden, seid Ihr berechtigt, beiläufig 20 Deputate Eurer Wahl nach Frankfurt zu schicken. Wollt Ihr nun auf diese Eure angestammte Stellung zn Deutschland, auf dieses Euer Recht blindlings verzichten, wollt Ihr freiwillig der dargebotenen Gelegenheit aus dem Wege gehen, auch Eurerseits mitwirken zn können, daß die zu schaffende Verfassung auch Eurer natiouellen Entwickelung zum Schutze und Schirme werde? Wenn Ihr wirklich die Existenz des österreichischen Kaiserstaates, die Svuverünitätsrechte unsres Monarchen, die heiligsten Interessen Eurer Nation bedroht glaubt, wohlan im Parlament zu Frankfurt ist ein würdiger Kampfplatz, diese heiligen Güter zn vertheidigen. Dort wird zn berathen sein, ob Oesterreich als Theil eines „Bundesstaates" in Deutschland aufzugehen, ob es im innigen Anschluß an einen „Staatenbund" seine Selbstständigkeit zu bewahren habe? — Oesterreichs Ministerium hat sich in dieser Frage bereits ausgesprochen. Oesterreichische Abgeordnete — wenn auch nicht alle, so doch gewiß viele — werden dort für die Euch als gefährdet geschilderten Güter kämpfen. Wollt Ihr durch Euer Wegbleiben die Zahl jener Kämpfer für eine gemeinsame, für Eure Sache schwächen und vermindern, den Kampf erfolglos machen? Werdet Ihr das Recht haben, über eine Niederlage zn klagen, wenn Ihr Euch am Gefecht selbst nur als ferne Zuschauer betheiligt, während Euer Einschreiten vielleicht den Sieg Eures Banners herbeiführen konnte? Sollte aber — was Gott verhüte! — im Parlament zu Frankfurt Eurer Nationalität Unrecht und Ungebühr zugemnthet werden, dann ist dort erst der rechte Platz, der feierliche Moment Euer» Protest Angesichts Europa's auszusprechen und auf dessen Protocollirung zu drängen, ja sogar, wenn Ihr wollt, Euren Austritt mit Würde und Nachoruck zu bewerkstelligen. Oesterreichs Anschluß an Deutschland ist unabweisbar, ist feierlich ausgesprochen. Damit aber das Gewicht seines Beitrittes entscheidend in die Wage der Geschicke falle, muß es in seiner ganzen Macht und Stärke, mit dem ganzen ungeschwächtcn Reichthum seiner Volkskraft beitreten. Darum haltet bei diesem Schritte fest an Oesterreich, das Ihr ja erhalten und verherrlichen wollt, und tretet vereint mit allen Euren österreichischen Brüdern in den Rath der deutschen Völker; entsendet Erkorne Eurer Wahl, Eure freisinnigsten, unabhängigsten, vaterlandsliebenden und erleuchteten Männer zu dem großen Tage nach Frankfurt! Möge ihr Wirken zum dauernden Heile der Nation, ihnen selbst zum unvergänglichen Ruhme gedeihen! Und so grüßt auch diese Ansprache Euch zum Schlüsse mit dem herzlichen Rufe: Hoch die Slovenen und die übrigen österreichischen Brüder! Hoch unser Ferdinand! Hoch unser konstitutionelles Oesterreich! Aber sie fügt noch bei: Oesterreich im innigen Bunde mit dem einigen Deutschland! Laibach am 26. April 1848. Schon vier Tage später antwortete die Slovenja in Wien <1.6. 30. April 1848 auf diesen Gegenaufruf Anastasius Grüns, auf ihrem Standpunkte der einfachen Negation beharrend, doch — anerkennend sei es hervorgehoben — mit politischem Anstande, ja sogar den großen Gegner gleich in der Jnvokation mit dem Satze ehrend: „Sie Stolz und Zierde unseres gemeinschaftlichen Vaterlandes, um die uns andere Volksstämmc beneiden". Inzwischen war in den Journalen Jnnerösterreichs die Frage wegen Beschickung oder Nichtbeschickung des deutschen Parlaments in Frankfurt auch aus den slovenischen Landen und Landestheilen mit viel ira und wenig stmckio ventilirt worden; die Heulmaierei war im besten Zuge. Schon constituirte sich aber am 27. April — also Tags nach dem Aufrufe Grün's — in Laibach ein Comito der Volksfreunde und wühlte den Grafen Auersperg als Vertraucnsmanu für die Wahl ins Frankfurter Parlament. Bald folgte der weitere, der entscheidende Schritt, die Wahl selbst. Von 96 Wahlmännern der Stadt Laibach erhielt Anton Alexander-Graf Auersperg — Anastasius Grün — als Deputirter der Stadt Laibach für das Frankfurter deutsche Parlament 63 Stimmen. Als sein Stellvertreter ward Lambert Luckmann gewählt, einer der reichsten, der ehrenhaftesten und intelligentesten Bürger der Stadt. Da zieht er hin Grün-Auersperg, der Auserwählte seiner Geburtsstadt nach Frankfurt und bietet dem deutschen Vaterland den „Frühlingsgruß"*) der tvastähnlich schließt: „Brüder, wir Boten aus Oesterreich Grüßen euch traulich mit Sang, Schlagt ihr mit freudigem Handschlag ein, Hat cs den rechten Klang." *) Frankfurt April 1848 Veranda x. 69. Im Iktidschrtlbkn nur; IranKfmI. Ein neu Gewand bereichert die Gard'robe Drin steckt für dich ein Zettel: „Thu desgleichen" Anastasius Grün. Hochtory" widmete der liberale Graf Auersperg eiu nettes Sonett, das Lord Spenser's denkwürdig Kirchthnrinjagen behan-^ delnd dessen Erfindung des „Spensers" ans dem Frack launig schilderte und das man „In der Veranda" (x. 143) lesen kann. Den Hochtory daran gemahnend, wie sehr sich die Zeit verändert habe, so daß „von der Ahnen Burg", vom „prunkend Pergament" nur „Flitter" blieben, empfiehlt er ihm, Lord Spenser nachzuahmen, der als seines Frackes „eine Schovß in Dornstrauchs Händen" blieb, „eingehend in des Dornstrauchs Possen" „flink riß den zweiten Flügel von den Weichen". Sein Name schallt volksthtinilich drum mit Lobe Ein ne» Gewand bereichert die Gard'robe Drin steckt sitr dich ein Zettel: „Thu' desgleichen". * * * Der „rothe Stündefrack" zum Besuche des krainischen Ständetages war mit dem einen Schooße am Freiheitsbanme der Märztage hängen geblieben, darum riß sich Grün-Anersperg flink den zweiten Flügel von den Weichen und erschien im „volksthümlichen Spenser" im deutschen Parlamente. Und als inan ihn von Daheim aufforderte, einen rothen Stände-Frack wieder aus der Garderobe hervorzuholen und damit angethan in einer „vernewertcn" Ständeversammlnng, der auch ein Surrogat von Volksvertretung beigezvgen werden sollte, ans der alten Herrenbank des Laibacher Landtagssaales zu erscheinen, da verkündete er den bisherigen Mitständen, daß er keinen solchen rothen Stünde-Frack mehr anzuziehen Willens sei, er habe ihn mit dem volksthümlichen Spenser für Frankfurt vertauscht. „Was Dir an Flittern blieb, wen svlls noch blenden — heißt's in dem Gedicht an den Hvchtory — ein Rest, nicht werth, des Volkes Haß zu tragen!" Doch lassen wir die Bildersprache! Der nach Proklamirung der Constitution functionirende krainisch-ständische Ausschuß hatte dem in Frankfurt weilenden Grafen Ant. Alex. Auersperg die amtliche Mittheilung gemacht, daß er von den Wählern zum Vertreter des landtäflichen Grundbesitzes für den zusammengetretenen provisorischen Landtag gewählt worden sei. Diese Zuschrift erwiederte Graf Auersperg mit einem officiellen Gegenschreiben aus Frankfurt, das seine Ueberzeugung von dem illusorischen Charakter einer derartigen Zusammensetzung der Volksvertretung (!) offen ausspricht, wie sie in den Tagen nach dem März beliebt worden war. Das Schriftstück, welches das landsch. Archiv für Krain unter Fasz. 10 No. 519 der Landtagsaktcn pro 1848 bewahrte, ist durch Inhalt und Fassung so bedeutend, daß wir es hier wörtlich folgen lassen. Anastasius Grün schreibt: Löblicher Ausschuß! Die verehrte Zuschrift des löbl. ständ. Wahl-Comites ddo. Laibach 13. Juni l. I. welches in Folge irrthüinlicher Adresse auf dem Umwege über Thurn-am-Hart und Graitz hierher gelangte, ist dem Unterfertigten erst gestern zu Händen gekommmen, daher deren verspätete Beantwortung wohlwollend entschuldigt werden möge. Indem der Unterfertigte den Herren Wählern, die ihn zum Vertreter des landtäflichen Grundbesitzers für gegenwärtigen provisorischen Landtag ernannt haben, seinen wärmsten Dank für dieses ihm so ehrenvolle Vertrauen abstattet, bedauert er, nicht nur wegen der stattgefundenen Verspätung sondern auch aus anderen Gründen ihrem Rufe diesmal nicht Folge leistey zu können. Die Zusammensetzung des provisorischen Landtags, wenn auch dessen landtäfliche Grundbesitzer durch Mitglieder aus dem Bürger- und Bauernstande verstärkt worden sind, entspricht doch immer noch den Forderungen einer wahrhaften Landes- und Volksvertretung in zu geringem Maße, als daß er sich des allgemeinen Vertrauens rücksichtlich so wichtiger Fragen, wie eine Gemeindeordnung oder der Ablösungs-modns der Feudallasten für alle Landesangrhörige in der That sind, mit Verläßlichkeit zu erfreuen haben dürfte. Wenn auch die gegenwärtigen Berathungen nur Materialien liefern, nur die Vorarbeiten für das künftige Gesetz bilden sollen, so fehlt doch selbst diesen Vorlagen die allernothwendigste Grundlage, solange von dem Wiener Reichstage in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen der hiesigen Nationalversammlung noch nicht die leitenden Grundsätze aufgestellt worden sind, die rücksichtlich der erwähnten Angelegenheiten den provinziellen Ausführungsmodalitäten zur Richtschnur zu dienen haben werden. Da Unterfertigter sonach glauben muß, in der Sendung, welche ihm durch das Vertrauen seiner Mitbürger zugewiesen worden ist, vorläufig hier in Frankfurt einer dringenderen Verpflichtung gegen seine früherenCommittenten nachkommen zu sollen, wollen der löbliche Ausschuß gütigst ihn für entschuldigt halten, daß er an Landtagsberathungen nicht theilnehmen kann, deren Erfolge ihm bei gegenwärtiger Sachlage sehr in Zweifel gestellt zu sein scheinen. Frankfurt a. M. d. 25. Juni 1848. Ant. A. «f. Auersperg IN. Anastasius Grün's Zweifel war ein vollauf gerechtfertigter, der provisorische Landtag gieng nach wenigen Sitzungen resultatlos auseinander! «IS Aufbrechen wieder UnflarnS alte Wunden Kein Mittel alS das Eisen macht gesunden. AnaltasiuS G r n n. nWsas stolze transleithanische Volk der Magyaren, das soviel auf seine '^Geschichte hält, machte den „Freund der Geschichte", den cisleitha-nischen Grafen Grün-Anersperg zum — Geschichtsschreiber. Der Freund der Geschichte, der seinen „letzten Ritter" poetisch verklärt aus den Foliantbänden der Chroniken hervorgehen ließ, der als „Wiener Spaziergänger" selbst ein treuer Chronist wurde einer selbsterlebten Leidensepoche unserer Zeitgeschichte; der Freund der Geschichte, der im „Pfaffen von Kahlenberg" diesem eminent didaktischen Epos*) die Lehren der Geschichte so musterhaft verwerthet, der dem kleinen Abbi und großen Sieger „Prinz Eugenius" eine reizende in Verse gebrachte Monographie widmete und der sich noch kurz vor seinem Tode mit dem Plane trug, die Geschichte vom Herzog Friedrich mit der leeren Tasche episch zu behandeln, der unentwegte Dichterfrennd der Geschichte er ward zum Geschichtschreiber über ein Volk, für das er einerseits alle Sympathieen hatte, dem er aber andererseits ebenso mannhaft und entschieden in Aspirationen entgegentreten zu müssen sich verpflichtet fühlte, in Aspirationen, denen er, der deutsche Oesterreicher, absolut jede Berechtigung abzusprechen sich gedrängt sah! Eben war der Staatsmann Auersperg im „verstärkten Reichsrathe" Oesterreichs >860 für die alten Rechte Ungarns für die Freiheit Ungarns eingetreten, da begann das wieder in bedrohlichen Fluß zu kommen, was man euphemistisch mit der „ungarischen Bewegung" bezeichnete, was aber Grün-Auersperg nebenbei und viel charakteristischer die „angeborne Rauflust" der Magyaren nannte. Der auf völlige Lostrennnng von Cisleithanien — wie wir es heute nennen — gerichteten Tendenz der Magyaren gegenüber galt es für die berufenen Factoren die seit dem Octoberdiplome und dem Febrnarpatente versammelten Landtage der deutsch-slavischen Länder entschieden Front zu machen und das Verbleiben Ungarns beim Reichskörper mit allen gesetzlichen Mitteln anzustreben. Am 8. April 186 l verliest Anton Alexander Graf Auersperg im Laibacher Landtage die im Auftrage dieser Versammlung von ihm verfaßte an die Krone gerichtete Adresse, die sich in erster Linie mit der k) Diese Dichtung hat in jüngster Zeit Walter Bormann in einer eingehenden wvlgelnngencn Studie: „Anastasius Grün und sein Psafs vom Kahlenberg" (Leipzig 1877, Earl Hildebrandt u. Co.) behandelt. Anm. d. Berf. ungarischen Bewegung beschäftigt und deren Motivirung in dem ans der Historie Oesterreich-Ungarns geschöpften Satze gipfelt: „Ich sehe darin — daß die Ungarn zur Zeit der großen Maria Theresia die Monarchie gerettet haben und daß sie den Verlockungen des ersten Napoleon widerstanden, daß sie blutige und langjährige Kriege verbrüdert mit den Söhnen unserer Länder durchgeführt und zu Ende geführt haben — eine theilweise Erkenntlichkeit und Rückerstattung jenes Gutes und Blutes, welches die anderen Länder der Monarchie vergossen haben, um Uugaru nicht zu einem türkischen Paschalik werden zu lassen, um Ungarn aus dem Joch des Erbfeindes zu befreien." So am 8. April 1861. Und schon Ende April 1861 erscheint in Graz aus der Feder Anastasius Grün's stammend und „als Manuscript" gedruckt eine eigene umfassende Broschüre über die ungarische Frage, gestützt auf gründliches historisches Quellenstudium, das dein Politiker Auersperg eine „Freundeshand durch urkundliche Beiträge" bereichert hat. Die historisch-politische durch das Thema und durch den Verfasser gleich hochinteressante in weitern Kreisen aber bisher so gut wie ganz unbekannte Schrift führt den Titel: Die Ungarische Bewegung »ud unsere Pflicht. Line dem Desterr. KmiEtlie unä feinen Tommilcnten Miiimelc JeuiPmst von Anastasius. (Als Manuscript gedruckt.) Druck von A. (eykam's Erben in Graz. Das Ergebniß der von Grün-Auersperg iu diesem Essay gelieferten geschichtlichen Darstellung faßt sich in nachstehende drei Kernpunkte zusammen: Erstens: Daß Ungarns Trennung vom übrigen Reichskörper, so rasch sie auch zuletzt im Gewirre der Märztage (1848) durchgesetzt ward, doch keineswegs nur das Werk eines Momentes sondern vielmehr das —nur öfter unterbrochene Werk von Jahrhunderten ist. Zweitens: Daß die Magyaren, indem sie an diesem Erfolge langwieriger Anstrengungen als an einer vollbrachten und nach ihrer Meinung sogar gesetzlich begründeten Thatsache festhalten, keineswegs nur die Eingebungen einer vorübergehenden Mißstimmung gegen Oesterreich folgen sondern eine Errungenschaft vertheidigen, welche mit ihrem ganzen Wesen organisch verwebt ist. Drittens: Daß die jetzt in Ungarn herrschende Aufregung — ganz abgesehen von dein Ziele, das sie sich für dermalen gesetzt hat — eine periodisch wiederkehrende, gleichfalls mit dem Wesen des Magyarenthums zusammenhängende Erscheinung ist, welche erfahrungsgemäß nur dann unblutig verläuft, wenn die Freunde des Friedens ihr mannhaft entgegentreten. Zur Begründung dieser Sätze unterzieht Griin-Auersperg die Geschichte Ungarns einer grüpdlichen Durchsicht, überall dem Grundmotive an seinen eigentlichen Lebensnerv nachgehend. Die beiden ersten Abschnitte der Schrift sind der Exposition und allgemeinen geschichtlichen Gesichtspunkten gewidmet. Der Verfasser sagt da u. A.: „Die Magyaren sind als ein ritterlich gesinntes Volk von Alters her bekannt und einzeln genommen, in der Regel so liebenswürdig, daß es für Den, der näheren Umgang mit ihnen pflegt, unmöglich ist, ihnen individuell zu grollen." Dies darf uns jedoch nicht abhalten, zu bekennen, daß sie in ihrer Gesammtheit, wie jedes Volk, auch nationale Untugenden an sich haben und zu diesen gehört ihr unersättlicher, bei der Wahl der Befriedignngs-inittel leicht fehlgreifender Ehrgeiz. Die ganze Geschichte der Magyaren, seit diese im heutigen Ungarn festeir Fuß faßten, ist sozusagen nur die Geschichte ihres Strebens nach Unabhängigkeit und Herrschaft über fremde Völker. Die den Ereignissen ferner Stehenden kannten freilich nie den wahren Sachverhalt und hatten keine Ahnung von den Intriguen, welche gespielt worden waren, um das, wenn auch in der Wahl seiner Organe selten glückliche aber doch im Ganzen wohlwollende österreichische Regime beim Volke verhaßt zu machen. Das Ausland zumal erblickte in dem tollkühnen den gräßlichsten Terrorismus in sich schließenden Vorgehen der Magyaren beinahe stets nur eine edelmüthigc Auflehnung gegen erniedrigende Tyrannei, eine naturgemäße Reaction gegen unerträglichen Druck. Es forschte nie den eigentlichen Triebfedern der ungarischen Revolutionen nach, sondern hielt sich an deren blendende Außenseite und an die Redensarten, durch welche die Magyaren ihr Vorgehen zu beschönigen suchten. Uns dagegen, welche an Ort und Stelle Studien darüber zu machen Gelegenheit hatten, erscheint die oft unterbrochene und immer wieder von Neuem angeschürte ungarische Bewegung in einem ganz anderen Lichte. Sie ist das künstliche Produkt einer nie ruhenden Agitation, welche auf Kosten deutscher und slavischer Interessen die Herstellung eines großen Magyarenreiches unter einem beliebigen nur den Titel, nicht aber die Rechte eines Herrschers beanspruchenden Oberhaupte bezweckt. Auersperg citirt zur Milderung seiner scharfen Charakteristik bezügliche Anssprüche gefeierter ungarischer Patrioten: Stephan Szechcnyi, NadicS, Anast.isiuö lÄnin Verschollenes und Vergilbtes. 9 Aurel Dessewffy, Joseph Eötvös, „welche sich in ähnlicher Weise über die Sinnesrichtung ihrer Nation vernehmen ließen." „In der That — ruft Anastasius Grün ans — mit Ausnahme des schlichten Bauers, den sein Beruf friedlich stimmt und jener Cultur-freunde, die darum in den Angen der fanatischen Menge für entartete Schwächlinge gelten, fühlte der nach einer kurzen Periode oer Selbstbeherrschung wieder rückfällig gewordene Maghare sich nirgends heimisch, ivo dauernd Ruhe herrscht; sein kriegerisches Naturell gestattet ihm nicht, sich einem beschaulichen, die innere Vervollkommnung fördernden Leben hinzugeben, sondern fordert unablässig seine Thatkraft zu energischen Aeußerungen heraus; Reibungen und Zerwürfnisse sind daher sei» Element, und um dieses sonderbare Gelüste befriedigen zu können, scheuet er, im Machiniren wohl bewandert, trotz seiner sonstigen Gutherzigkeit selbst verwerfliche Mittel nicht." Der Abschnitt drei der Schrift beginnt mit der streng historischen Deduction. Gleich im Eingänge wird auf das Methnsalemalter oer Phrase von der Germanisirung Ungarns aufmerksam gemacht, welche Phrase die Feinde Oesterreichs in Ungarn gleich beim Beginne der österreichischen Herrschaft daselbst in Umlauf setzten, ungeachtet Ferdinand l. in einer an die ungarischen Stände gerichteten Zuschrift vom 10. Januar 1527 ausdrücklich erklärt hatte, die ungarische Sprache nicht nur nicht besei tigen sondern vielmehr fördern zu wollen. Doch die Züpolya'sche Gegenparthei fand noch weitere Anschuldi gungen namentlich in den Verheerungen des Landes durch österreichische Truppen, welche Verheerungen diese aber — nach Auersperg Klarstellung — bei dem damaligen Zustande der Militärverpflegnng und soldatischen Bildung anrichten mußten, wenn sie sich überhaupt nur vor dem Zugrundegehen schützen wollten. Trotzdem daß die oligarchischen Bestrebungen des sog. Comitats adeis in keiner Periode der Geschichte auf geringeren Widerstand seitens der Krone stießen, als in der zweiten Hälfte des XVI. Jahxh. so be-theiligte sich derselbe doch — wie Auersperg in seiner Darstellung weiter gehend hervorhebt — in großer Zahl an der von Georg Bvcskay 1567 angezettelten Verschwörung. Und während die niederösterreichischen Stände dem ungarischen Helden Niklas Pülffy II., welcher am 29. März 1598 im Vereine mit Adolf Schwarzenberg die Festung Raab durch einen kühnen Handstreich den Türken abgenommen hatte, in Anerkennung dessen wenige Tage darauf einen goldenen Pokal verehrten, der noch im Besitze der Familie Pülffh ist, blickten die Magharen mit Mißtrauen auf jeden Deutschen der das Land im Dienste der Wiener Regierung betrat. Ja noch mehr! Während in Niederösterreich, Mähren und Steiermark viele Ma gyaren Landgüter und Häuser unangefochten besaßen, erlangten unter Ferdinand I. nur 12, unter Max II. nur 3 und unter Rudolf II. nur 17 Ausländer das ungarische Jndigenat mit Zustimmung des Landtages und wollte dieser nicht einmal zngeben, daß das eine oder andere ungarische Schloß von der Hofkainmer an einen erdlänoischen Unterthan verpfändet würde. Und dieses alles geschah — betont Auersperg — noch vor dem Umsichgreifen der Gegenreformation und vor dem Aufkommen der verderblichen absolutistischen Regierung, welche das Wiener Cabinet vom 17. Jahrhundert an allerdings (und vorzüglich in Religionssachen) verfolgte. Aber selbst in dieser Epoche trugen die Herrscher ab und zu den Ungarn und ihren alten Rechten Rechnung soweit als möglich. Gesetzt aber auch — sagt Auersperg — Leopold I. habe Ungarn gegenüber absolutistische Zwecke verfolgt und persönlich die Ausrottung der dortigen Protestanten betrieben, so ist doch der Widerstand, den seine Herrschaft dort erfuhr, hiedurch noch immer nicht genügend aufgeklärt, weil diese Widersetzlichkeit schon zu eiuer Zeit ihren Anfang nahm, wo Leopold noch nichts gethan hatte, woraus auch nur im Entferntesten jene Absichten hätten gefolgert werden können. Der Beginn der unter ihm in Ungarn stattgehabten Unruhen fällt nämlich in das Jahr 1661, nachdem er kurz zuvor — 1659 — auf dem Landtage in Preßburg in ungarischer Tracht erschienen war, was vor ihm kein österreichischer Herrscher gethan hatte. Die Malkontenten-Comitate trieben zur Zeit die deutschen — wegen des Siebenbürger Fürsten Rükoczh — um Tokai coneentrirten Truppen, die sie wie Hunde behandelten, zu in gräßlichster Verzweifelung und Selbsthilfe unternommenen Greuelthaten, indem sie ihnen jevwede Hilfeleistung in Erlangung des Lebensunterhaltes versagt hatten. „Die gemißhandelten Grundherrn und Bauern — schildert Anastasius Grün in drastischer Weise — brachen in Verwünschungen aus, welche allenthalben im Lande ein vieltansendstimmiges Echo fanden. Nur wenige Besonnene und den Ereignissen nahe Stehende beurtheilten die von den Soldaten began genen Greuel aus dem richtigen Gesichtspunkte. Die kais. Minister in Wien wußten aber schon gar nicht, was sie von dem ganzen Vorgänge denken sollten. Er blieb ihnen ein Räthsel, bis der Obergespan des Zempliner Comitats Stephan Boeskah im Vereine mit Peter Zriny und Franz Rükoezy I gerade in den von jenen Greueln zu nächst be trvffenen Comitaten die Fahne des Aufruhrs erhob und nn ter Hinweisung auf die „empörenden Ausschweifungen der undiseiplinirten deutschen Soldaten" Anhänger warb. Da mals erst durchschauten die kais. Minister den klug ausgeheckten und in oer Zwischenzeit sowie auch in der Folge bei dergleichen Anlässen mehr mals zur Ausführung gebrachte» Plan." Abschnitt IV. beginnt mit der Constatirnng der Thatsache, daß um das Datum des s. g. Szathmärer Friedens der ungarische Volksstamm eine solche Zerknirschung und Weichheit au den Tag legte, daß Karl VI. 1712 den Magnaten durch ein eigenes Umschreiben ausdrücklich anbefehlen mußte zu seiner Krönung in ungarischer Kleidung zu erscheinen und daß die Annahme der pragmatischen Sanction in Ungarn, uu geachtet das Land über deren Tragweite nicht im Zweifel sein konnte, auf keine erheblichen Hindernisse stieß. Jetzt und unter Maria Theresia schien es, als hätte das ganze Volk dem turbulenten Treiben, durch welches sein bisheriges Wirken bezeichnet war, für immer entsagt. „In diese Zeiten — erinnert Auersperg — fallen die Prototypen des Magyarenthums, nach welchen Ausländer, die damit nicht nach eigener Anschauung näher vertrant sind, noch heutzutage sich dessen Träger insgemein vorzustellen Pflegen und damaligen Vorfällen sind auch die meisten Aneedvten entlehnt, die mail sich im Auslande von der Loyalität und Gntmüthigkeit der Magyaren zu erzählen Pflegt." „Erst die Reformen Josef II. rüttelten die Nation ans dem erquickenden Schlummer ans, in welchen sie verfallen war," und auch als Leopold II. den Thron bestieg, glimmte die Gluth noch fort, doch das Behagen am Frieden siegte. Zur Ehre der Nation hebt es Grün-Auersperg anerkennend hervor, daß sie am Ausgange des XVIll. Jahrhunderts den „demagogischen vom französischen Freiheitsschwindel genährten Grundsätzen einzelner exaltirter Köpfe" ihr Ohr verschloß, sowie sich von einer zur Lvstrennung von Oesterreich auffordernden Proklamation Napoleon I. mit gleichem Abscheu abwendete. Ganz erstorben — sagt Auersperg aber gleich darauf — war indessen der störrische Geist der Magyaren auch jetzt nicht; die Oppositionspartei rüstete sich im Stillen zu einem furchtbaren Schlage; . vorerst sollte das magyarische Element im Lande gekräftigt und durch Einbeziehung von Slaven, Wallachen und Deutschen geistig svwol als physisch verstärkt, sodann die österreichische Regierung mit verjüngter Kraft angegriffen und zum Rückzüge ans ihrer dominirenden Stellung in eine weit bescheidenere Position gezwungen vder,für ganz entbehrlich erklärt werden. Auf einem Landtage überreichten die Offiziere eines nng. Infanterie-Regimentes eine Petition, welche in der Erreichung der ungarischen Commandvsprache für die ung. Regimenter ihre Spitze fand und ein Verein junger Leute in Pest ließ auf rothen Oetavblättern eine Erklärung drucken, worin sich die Mitglieder wechselseitig gelobten: „alle nur erdenklichen Kunstgriffe zur Verbreitung der ungarischen Sprache anzuwenden." In Wien legte man jedoch wenig Gewicht auf diese und alle anderen Vorgänge in Ungarn. Kaiser Franz zumal hatte bis an sein Ende immer nur die zahmen kosmopolitisch denkenden Ungarn vor Allgen, welche in dem von Ungarns Adel unter Maria Theresia betretenen Gleise sich fortbewegend, keinen Antheil an diesen Vorgängen nahmen, die Pülsfy, die Prönay, Bat-thyäny u. A. „Fürst Metternich mochte — meint Auersperg — die eingetretene Veränderung merken und täuschte sich vielleicht auch nicht über die damit verbundenen Gefahren; allein er vermied es absichtlich: die wunden Stellen am Staatskörper zu berühren und glaubte, den Sturm zu beschwichtigen, indem er dessen Losbrechen durch diplomatisches Tempori-siren hinausschob." > Dafür artete aber unter Kaiser Ferdinand's fortgesetzter zuwartender Haltung die ungarische Opposition immer deutlicher aus, sie ward immer kühner und arbeitete rastlos an Ungarns Jsolirung. Ein Haupthebel, dessen sich die Gegner Oesterreichs in Ungarn dabei bedienten, war die sog. Schutzzoll-Agitation, deren aber gegen Ungarn selbst gekehrten Ergebnisse Auersperg mit wenigen Strichen meisterhaft schildert. Ungarns national-ökonomische Lage ward durch diese Agitation derart nach Außen diskreditirt, daß damals (1845) ein kärntnerischer Adeliger auf eine von einem befreundeten ungarischen Grafen an ihn gerichtete Frage: ob denn nicht ein Glied der um die Feiutnch-Erzeugung hochverdienten Familie Moro*) Lust Hütte, in Ungarn eine Fabrik zu errichten? offenherzig antwortete: es denke keiner der interpellirten Fabrikanten daran, nach Ungarn zu ziehen, solange dort nicht geregelte Zustünde obwalten und die Industrie dort geebnete Bahnen vorfindet." Unter den mannigfachsten Agitationen kamen die heiligen Märzen des Jahres 1848, deren Einfluß auf Ungarn genügend bekannt und was weiter geschah — sagt Auersperg diesen IV. Abschnitt schließend — gehört noch nicht der Geschichte an." Der V. Abschnitt seiner Schrift ist den aus der geschichtlichen Dar- . stellung gezogenen Ergebnissen gewidmet, die ich au die Pforte dieses Capitels schrieb! Den Politiker Auersperg beschäftigte die „ungarische Bewegung" auch noch fernerhin und dem ungarischen Ausgleiche des Grafen Beust, deni Dualismus fügte er sich — wie alle andern Staatsmänner und Politiker Cisleithaniens — nur ans Opportuuitätsgründen; der Dichter Auersperg gab der Anschauung Ausdruck, daß der Dualismus für Oesterreich zwei kuustvcrdrehte Krücken bedeute (Dualismus 1868, In der Veranda p. 151). Grün-Auerspergs Auge schloß sich vor dem erneuerten Herantreten des Ausgleichs an die Parlamente. Sein Auge schloß sich aber auch vor dem Momente, wo er seinen schönen Satz von der Beherrschung ungarischer Bewegung durch die gewachsene Kraft glänzend bewahrheitet gefunden hätte in dem historisch-denkwürdigen Erfolge des Grafen Andrässy im Orientkriege, wo der „rauflustigen Magyaren" und der antirussisch gesinnten Deutschöster- *) Die Familie Moro ist noch heute im Besitze eines eminenten Rnfcs ihrer Tuchfabriken in Kärnthen und hat insbesondere durch die Beistellnng der ausgezeichneten Be-klcidungStncher siir die Nordpolcxpcdition sich einen Weltruf erworben Anm. d. Verf. reicher Sympathien für die Türken ineinanderflössen, für den „Erbfeind der Christenheit," wie der deutsche Dichter und Politiker Grüiw Auersperg die Türken so oft genannt! Ich schließe diesen Abschnitt, in welchem ich Anastasius Grün als Historiker, als Geschichtsschreiber schildern wollte, einer großen einer schwierigen Aufgabe gegenüber schildern wollte, die er in allen Theilen glänzend gelöst Hat, mit nochmaliger Citirung des unseren bei aller Gegnerschaft stets versöhnlich gesinnten Grafen Auersperg und Dichter Anastasius Grün gleich trefflich charakterisirenden Satzes: „Die Magyaren sind als ein ritterlich gesinntes Bolk von Alters her bekannt im einzeln genommen, in der Reget so liebenswürdig, daß es für Den, der näheren Umgang mit ihnen pflegt, unmöglich ist, ihnen individuell zu grollen." JcneS Rom daS äckte DaS die hehren Mächte Weihten ew'ger Kunst. A nastasiuS Gr n n. klingen in unser Aller Ohren jene mächtig-schallenden Zornesworte, welche Grün-Auersperg scharf treffend von der Tribüne des österreichischen Herrenhauses den Paladinen des Cvncordates entgegenschleuderte, so daß sie schließlich besiegt die Waffen strecken mußten und der „schon in seinem Ursprünge null-nichtige Vertrag," der die Staatsgewalt der Kirchengewalt unterordnen sollte, zerrissen zu ihren Füßen lag. Das geistige Tonrney, das Graf Auersperg in dieser parlamentarischen Arena auskämpfte, es hatte ihm sehr ungleiche Kämpfer entgegengeführt; neben dem ebenbürtigen geistvollen Cardinal Rauscher, den unsicher», im Sattel schwankenden Leo Thun, der in seiner heutigen Stellung als Verbündeter der Hussiten ganz sonderbar zu seiner Vaterschaft des Concordats contrastirt und dann wieder den aus dem Comment springenden Grafen Blome, dessen Beschimpfung oder wie Grün-Auersperg selbst in höchster gerechtester Entrüstung kavaliermäßig sich ausdrückte, dessen „seltsame Namenstagsfeier" des „großen Josef" f19. März 1868) er pariren mußte! Er ward ihrer Aller Herr in diesem Kampfe für und gegen das Rom des Concordats. Ihm galt für die Kirche ein anderes Rom. „Auf dem Boden — sagt er — wo sie ihre große apostolische Mission allein vollführen kann, auf den stelle sie sich. Das Leben ist ernst und voll dunkler Seiten, so daß es Hilfe zu spenden, Trost zu geben, mit Beispiel und mit der Lehre voranzulenchten, die Fallenden zu erheben und aufzurichten und auf ein besseres Jenseits hinzuweisen, Anlässe genug giebt. Wirke sie auf diesen: Boden aus ihrer vollen Ueberzeugung mit ihrer eigenen Kraft und sie wird dann wirklich von der Liebe der Gläubigen umgeben sein und das werden und bleiben, was sie nach Montalembert's Worte sein soll: eine Mutter!" Lebhaftester Beifall der Pairs unseres Reiches begleitete diese echtchristliche Gesinnung bezeugenden Worte unseres Dichtergrafen. Solch' seine echkchristliche Gesinnung hat Grün-Auersperg wiederholt in diesem „hohen Hause" öffentlich „bekannt". Als es sich darum handelte in dein „neuen Schulgesetze" für Oesterreich den Einfluß der Geistlichkeit auf den religiösen Unterricht zu beschränken, die clericale Fraktion aber in das Gesetz einen Passus bezüglich der Besorgung, Leitung und Aufsicht der religiös-sittlichen Erziehung durch die Kirche in der Schule eingeschvben wissen wollte, da erhob sich in der Sitzung vom 31. März 1868 Anastasius Grün und sagte: „Indem ich die „sittlich-religiöse Erziehung" oder eigentlich diese Worte ans dem Paragraph herauswerfen möchte, will ich sie durchaus nicht aus dem Bildungsgänge unserer Jugend, der Hoffnnngssaat unserer Zukunft herausgeworfen und heransgewiesen wissen; wenn wir dieses auch wollten, wogegen ich mich verwahre, so würden wir cs nie vermögen, denn es würde laut sich dagegen die Familie erheben. Es handelt sich darum, dieses große Gebiet jenen berechtigten Factoren zuzuweisen, welchen es gebührt und deren berechtigten Antheil zu regeln. Schon nach dem Gesetze ist ja mittelbar in dem Religionsunterrichte, der der Kirche zugewiesen ist, auch das sittlich-religiöse Moment gewahrt, aber es ist auch noch fernerhin gewahrt und das müssen wir voraussetzen, in den Lehrern der Schule; vor Allem aber ist zur sittlich-religiösen Erziehung berufen die Familie.- Den Namen Gottes lernt das Kind zuerst in der Familie sprechen und von der Mutter lernt das Kind das erste Gebet. Es ist aber auch noch ein von Viesern Gesetze unberührtes Gebiet, auf welchem die Kirche waltet und wo sie die religiös-sittliche Erziehung handhaben kann; es ist durch die Seelsorge. Unser reicher Sprachschatz hat Worte, die durch den täglichen Gebrauch so abgenutzt werden, daß, wenn man sie ausspricht, inan oft nicht die ganze Bedeutung fühlt, die sie in sich fassen. Das Wort „Seelsorge" ist ein solches Wort. Wenn man es in seiner tiefen schönen Bedeutung auffaßt, in der seiner Für- und Obsorge für die Seelen, da sieht man, welch' nnerinesienes Gebiet, welch' lohnendes Gebiet der Kirche noch immer offen steht, um jene religiös-sittliche Erziehung anzustreben, auf welche mit Recht solches Gewicht gelegt wird." „Die Freiheit für den Staat, gesunde Freiheit für alle Kirchen im Staate, dann wird es für Staat und Kirche von der Freiheit heißen: In bvo sißno vino68." Mit dieser Devise schloß Grün-Auersperg seine überwältigende Rede gegen das Concordat im Herrenhanse am 20. „des Märzen" 1868. Kirche und Priesterthum wie sie ihm als Ideal vorschwebten, er fand sie aber nur selten verwirklicht. Das Rom der Jesuiten war nicht sein Rom. * >«. * Die „ewige Stadt" aber sie hat ein Janusgesicht, das des „nnfehl baren Papstthums" und das der „Heiligkeit durch Mnsengnnst" dieses Rom das ächte Da« die hehren Mächte Weihten ew'ger Knnst das hielt Grün Auersperg einer Pilgerschaft würdig. Dahin, nach diesem Rom gab er dem Sohne seines Frenndes des evangelischen Pfarrers Moriz Kolbenhey er (aus Oedenburg) den nachstehenden poetischen Geleitsbrief, den ich betiteln will: Lür rinn, Hompilger. Fern im Lande Steier Traf mich deiner Leier Inhaltsschwerer Grus;; Fast möcht' ich's beklagen, Daß in grünen Hagen Jetzt ich weilen muß; Wo dein Wunsch und Hoffen Nur mein Herz dir offen Sonst kein Echo fand; Waldesfcen und Elsen Nicht an's Ziel uns Helsen Nicht im Amt bekannt. Doch wenn bald ich kehre Nach dem Häusernieere Dort am Donaustrom*), Gern mit warmem Worte An die rechte Pforte Poch' ich für Dein Nom. Jenes Rom, das ächte, Da« die hehren Mächte Weihten ew'ger Kunst; Heilig wards gesprochen, Heilig ungebrochen Blieb'« dnrch Muscngunst. Daß Dein Sohn cs schaue D'ran den Geist erbaue, Bis er selbst einst baut; Nicht soll'« ihn beirren, Sicht er Gaukler schwirren Um die Götterbrant. Rein in lauterm Sinne Trag er ihre Minne, Wenn sein Werk er schafft; Aufwärts soll es streben, Sich und »ns erheben, Schönheit sein und Kraft! Doch vor allem Andern Früher kommt das Wandern Bitt're Schcidestund'! Daß er heim einst kehre Sich und Dir zur Ehre, Leib und Geist gesund. Aimjliiliuo VKiin. ') Wik». c»-------------- im Sommer ^870. Ii'er dieses Polkec» Ringen und Vollbring» leinst jiibelnd darf den freien (Lnkeln sin.ien Sei nur beglicht als glücklichster der Sänger. >'l n a st a s i ll ^ r ii n. V mentalcrrtikel „im Gewände", suchte, aufgestachelt von dem antipreußisch gesinnten Schwaden Schaffte in seiner Mitte, sich nach verschiedenen Seiten hin bei interessanten Nationen und Natiönchen beliebt zu machen, indem es, die Siege der deutschen Waffen dein deutschen Volke mitzufeiern verwehrte! Die Phrase von dem „An die Wand drücken" der Czechen hatte sich realisirt, nur daß die Gedrückten jetzt die „Deutschen" Oesterreichs waren. Innere und äußere Diplomatie und Staatskunst hatten dieß Experiment bis nahezu auf den letzten entscheidenden Druck durchgeführt, siehe da! mit einem Male erfolgt der Gegendruck nnd das Ministerium Hohenwart, das sammt dem Reichskanzler Grafen Benst noch in Salz bürg dem Sieger Bismarck aufwarten konnte, es ward in seinem Regi-mente durch das verfassungstreue Ministerium Auersperg abgelöst, nachdem der Träger dieses neuen Ministeriums, Adolf Fürst Auersperg in den Tagen eben jener „Salzburger Entrevue" auf der deutschen Naturforscher Versammlung daselbst die überzengnngstrenen Worte von der hohen Aufgabe der Schule ans ehrlicher Mannesbrnst laut und weithin vernehmlich in alle Gaue deutsche» Wissens und Könnens hinansgesprochen hatte, von jener hohen Mission der freien deutschen Wissenschaft, die seither unter seinem Regiment«: in allen Theilen des vielsprachigen Reiches neue feste Stützpunkte für ihr segenreiches Wirken gefunden hat in der Nengründung von Bildungsstätten aller Art und aller Stufen von der niedrigsten Volksschule bis zur vollentwickeltcn Hochschule! Bis aber das deutsche Element in Oesterreich von dem Alp des Sommers 1870 befreit war, lastete das Gefühl der Erniedrigung schwer auf ihm. Was Wunder daher, daß einer der besten Söhne Deutsch-Oesterreichs daß der deutsche Dichter Anastasius Grün dem „Zorne", der seine „Männerstirn" furchte, Luft machte in „Zeitklängen", wie er sic E'm Sommer 1870" — da gab es schwüle Tage für die Verfassnngs nannte und in denen er seinen ganzen Schmerz, seinen ganzen Unmnth über die innere und äußere Lage seines Heimatlandes Oesterreich ausklingen ließ, nicht ohne dabei — er der Alldeutsche, der national Gläubige der Paulskirche — den Zerreißer des auch um die Herzen der Deutsch-Oesterreicher geschlungen gewesenen schwarz-roth-golduen Bandes, den Junker Bismarck im selben Liede zu streifen, nicht ohne i» der höchsten Aufwallung des vollerbittcrteu Gemüths als Schlußtrumpf die deutsche Republik in ihrem weitesten Sinne zu citireu! Aus diesen Gesichtspunkten allein muß sich die Betrachtung des nachfolgenden Sonnettenchclus zusammensetzen, der in dem seit dem Jahre 1848 unentwegt den besten ethischen Priueipieu in der Journalistik gewidmeten und im ganzen Auslande hochgeachteten Wiener großen Journale: „Presse" am 4. September 1870 von Anastasius Grün gezeichnet erschienen ist. Er lautet: Ariklilkingc. (Im Sommer 1870) I. Hoch aus dem Eisendraht an, Schieneugleise Ein Vöglein sitzt. Wohin den Blick es wende, Krönt Gottessegen reich den Fleiß der Hände; Und Heller, sreud'ger trillert'« seine Weise. Da wogt die Saat im grlinen Wälderkreisc, Dort trägt der Rhein zum Meer die edle Spende, Hier fließt da« dust'ge Gold vom Rebgclände Wol klingt sein Lied solch sonn'ge» Gan'n zum Preise Das Vöglein ahnt nicht, daß zu seinen Fiißen Im Draht, unhürbar, Unhcilsworte rauschten, Die bald empor als Stnrmgewölk hier steigen; Nicht wäre sonst sein Lied solch jubelnd Größen! Denn, könnt es jenen Sturmesboten lauschen, Sein Haupt in Trauer müßt es schweigend »eigen. II D» hörst nicht, wie'« im Wort schon vorgcwittert, O Sänger auf dem Telegraphendrahte, Wie mit der Unthat prunkt der Diplomate, Das Vätercrb' um neuen Raub versplittert; Wie schnöde Ländergier,'die Beute wittert, Sich sonnt im Treubrnch, mästet im Verrathe; Wie Schelmcnrath mitstimmt im Fiirstcnrathe, Vor Unrecht nicht, vor größer»! Schelm nur zittert.. Wie jener ruft: „Du lügst, bei meinem Eide!" Und dieser drauf: „Du Lügner selbst!" entgegnet, Doch jetzl zuerst die Wahrheit sprechen Beide. O Sänger, wie ich fast dein Lied dir neide. Das fromm sich wiegt im Acther gottgesegnet. Nichts ahnend von so ungeheurem Leide. III. Doch nein! — Wie arg das Leid auch wäre, Ob nun die Wipfel Nebeldünste jagen, Die Sumpflnst auf den Hähn' soll nicht verklagen Da« Thal und seines Stromes Wellenkläre. Im Thal, bei schlichtem Volke, will ich fragen Nach Rettern, nach den Rächern deutscher Ehre: Ha, wie Ein Wetterstrahl flammt alle Wehre, Und Eines Sinns die Herzen alle schlagen. Wo solcher Zorn auf Männerstirnen lodert Solch edler Trutz das Recht, sein Recht nur fodert Verzage hüben, drüben, der Bedränger! Wer dieses Volkes Ringen und Vollbringen Einst jubelnd darf de» freien Enkeln singen Sei mir begrüßt als glücklichster der Sänger. Anastasius Grün. R.rdicS, AnntrasinS Grün Verschollenes und Vergilbtes. 10 In Einklang Kopf und Herz und Mund Klar, warm und wahr ein ein'ger Kranz Daö ist der rechte ^uqendbuiid Dao ist die heiligste Allianz. Anastasius Grün. M^iese „heiligste Allianz" hatten die „Tugenden" in dem Manne ge-^>Qvschlvssen, der sich Josef Fellner nannte und Anastasius Grün's 0-, treuer Freund war vom Lenze seines Dichtens an bis weit über die Herbstlese hinaus! Josef Fellner, der 1873 — also kurz vor Auersperg — in Graz als k. k. Hofrath starb, war die Type eines österreichischen Bureaukraten in jenem edlen höhern Sinne, den Anastasius Grün im „verstärkten Reichsrathe" 1860 gegenüber den Anschuldigungen und Angriffen auf die österreichische Bureaukratie in mannhafter Rede zum AnSdrncke brachte. Ich will hier gerne die Worte unseres Dichtergrafen wiederholen umsomehr, als er, indem er sie sprach, gewiß wiederholt dabei an seinen alten „Freund Ernfell" gedacht haben mag! Er sagte: „Das ruhige Bild der großen Kaiserin im Saale mahnt mich zu den Worten der Anerkennung für die durch die Kaiserin Maria Theresia und ihren wolwollenden aber minder glücklichen Sohn begründete, ge förderte und geschirmte österreichische Bureaukratie. Sie stellten ihr eine große Aufgabe, nämlich Ordnung und System in disparate Elemente zu bringen das Recht in allen Kreisen zu wahren und die Geschäfte zu fördern. Die österreichische Bureaukratie hat große Aufgaben ehrenvoll gelöst. Sie hat glänzende Erfolge und große g länzende Namen auszuweisen, Ehre ihnen allen! Ehre aber auch dem kleinen Beamten, der subordininationSgemäß und pflichtgetreu im Verborgenen am Aktentische still seine Lcbenslampe verbrennt!" Als Gubernialconcipist beim steiermärkischen Gnberninm in Graz war Josef Fellner „angestellt" zur Zeit, da er des „Bruder Studio" Auersperg Zimmernachbar wurde, des Dichters Anastasius Grün, der sich zu ihm bald so hingezogen fühlte, daß er ihm sein Herzenskind „den letzten Ritter" zueignete. Im Jahre 1830 erscheint das monumentale Dichtwerk und das Widmnngsblatt trägt der Wiener Ceilsnr wegen den Namen des Freundes, an den es lautet in versetzter Stellung: „Ernfell." Die Widmung selbst ist in dieser ersten Ausgabe des „letzten Ritter" in Prosa, an deren Stelle Grün in die spätere Auflage Verse setzte. Die Originalausgabe ist aber schon sehr selten geworden und ich schweife daher kaum zu weit ab, wenn ich die Widmung in Prosa, welche der aufkeimenden Generation wenig bekannt sein dürfte und interessante Details aus der Grazer Studienzeit Grün's bietet, hier kurz ausziehe. Anastasius Grün ersucht den „Freund", er möge ein paar Jahre zurückdenken und sich des Jünglings erinnern, der neben ihm in Graz gewohnt und die holperige Treppe mit Schweinslederbünden (Chroniken) befrachtet hinanfkeuchte. Späterhin war es Lenz geworden in Thälern und Bergen, in Köpfe» und Herzen und man sei hinansgewandert in die Natur. Die unruhige Nachbarschaft habe aber fortgewährt, das Stöbern im Pulte, das Deklamiren, Johlen und Pfeifen „entsetzlich falsch", da sei einmal um Mitternacht der „Thenerdank" ihm auf den Boden gefallen, der Freund habe gewiß geglaubt, ein Kanonenschuß gebe das Feuersignal, ihn den Jüngling aber gemahnte es an das Patriar chenpaar „Weckauf" und „Purlepaus" auf dem Schlachtfeld von Qninr gate. „Da fing auch seine Wange zu glühen und zu flammen an, daö' Blut wogte durch seinen Busen wie geschmolzenes Gold, sein Auge wollte zugleich lächeln und weinen und über seinem Haupte rauschte mächtig das heilige Dichterpanier: Begeisterung! Und dieß war der erste Ton eines erwachenden Liedes." Der Freund aber nebenan setzte sich ans Klavier und magnetisirte es. Der Nachtwächter ließ seinen Ruf erschallen! Und nun nach ein paar Jahren tritt zum lieben Freunde derselbe junge Mann der ehemalige Nachbar herein, eine Mappe unter dem Arm, schweigend aber innig die Hand drückend, reicht er sie als Eigenthum dem Freunde dar. „Sie öffnen dieselbe blättern darin herum und finden verschiedenartige historische Bilder in der Art und Weise unseres wackern Malers Karl Nuß; hier bunte Schlachtstücke, dort eine Laube mit verliebten Leuten, da einen Krönungszug und gleich daneben Maskenzüge und Mummereien, dann Triumphpforten mit jauch zendeni Volk, lustig flgtternden Bannern, glänzenden Rüstungen und Friedhvfgrüber mit einfachen Kreuzen, lustige Jagdstücke und feierliche Kirchgänge, Königstafel und Leichenfelder u. s. w. Doch eine Gestalt geht durch alle diese mannigfaltigen Bilder hindurch, durch die buntesten Umgebungen strahlt sie hervor und auf jeden: einzelnen Blatte ist sie zu finden wie das Wort Liebe auf jeder Seite des Buches weit. Von dieser Gestalt (Kaiser Max) gehen alle die mannigfachen Strahlen aus, die sich in den verschiedensten Richtungen bereichern. Daher die verschiedenen bunten Bilderreihen, denn alle Strahlen in ein einziges Bild zusammendrängen, dazu war der Held zu groß und zü gewaltig oder der Zeichner zu schwach. Sie aber unvergeßlicher Freund und manch and'rer werden die Bilderfvlge freundlich betrachten und mindestens sagen: Er hat das Edlere gewollt! Daß sich die Lieblosigkeit nicht dazu schleichen werde, bin ich fast gewiß, denn es steht ja die Freundschaft als Wache an der Pforte." Durch nahezu ein halbes Jahrhundert war Grün-Auersperg mit mit dem seltenen Freunde in liebevollster herzinnigster Freundschaft ver bunden, mit dem Manne, der „Kopf und Herz und Mund" im schönsten Einklang hatte, der da war „klar warm und wahr", dessen Geist und Gemüth, dessen offener Sinn für alles Große und Schöne, dessen kunst-geübtes Auge »nd kunstgeübte Hand, dessen Freude an der Natur dem verkehrenden Freunde die vielseitigste anmuthende und fördernde Anregung boten. Grün-Auersperg hat diesem seltenen Manne, diesem Künstler, Gelehrten und ganzen Bernfsmanne ein Denkmal gesetzt dauernder als Erz; cs möge für alle kommenden Tage bewahrt bleiben. Zuerst in der Grazer Zeitschrift „Tagespost" — unter Swoboda's geschulter Redaktivnöführung das meistgelesene Prvvinzblatt Jnneröster-reichs — erschienen lautet das hehre Schriftmal von Wort zu Wort: Kin Oedenkvl'att. 21. Mai 1874. Am heutigen Tage ist es gerade ein volles Jahr, daß sich über den Franzensplatz ei» langer Leichenzug, seine Richtung gegen den Friedhof von St. Peter nehmend, friedlich fortbewegte. Man trug einen betagten, den höheren Beamtenkreisen ungehörigen Mann zu Grabe, der zwei Tage früher (19. Mai 1873) in einem Eckhause dieses Platzes verschieden war. Seit Jahren in stiller Zurückgezogenheit und Abgeschiedenheit nur seinen Studien lebend, hatte seine zarte sensitive Natur die Berührungen mit der Welt gemieden oder eingeschränkt und sich demnach auch von dieser längst vergessen geglaubt, vergessen gewünscht. Die zalreiche Begleitung jenes Trnuerzuges aber bewies es, daß der Werth des Dahingeschiedenen von seinen Mitbürgern erkannt, daß er noch unvergessen war. Er wünschte, vergessen zu sein. Wie schwer und wie leicht ist die Erfüllung dieses Wunsches; wie schwer den anhänglichen Herzen, wie leicht der Alles verzehrenden Zeit! Der Beamte mit seiner geräuschlosen regelmäßigen und einförmigen Thätigkeit verfällt, gleich dem ländlichen Säemann und Pflüger, in erster Reihe diesem Lose. Wenn wir in den gesicherten Rechtszuständen des eivilisirten Staates uns bewegen, denken wir wohl erst kaum Jener, die dafür sorgen, darüber zu wachen haben, gleichwie Tausende ihr tägliches Brot genieße», ohue sich der Hände zu erinnern, die es mühevoll bis zum Markte gefördert. Nicht immer sind es die Besten, die in der Erinnerung der Menschen, in den Blättern der Geschichte unvergessen fortleben. Dagegen mag ein Guter und Reiner, ein im Leben Vereinsamter, gar wohl wünschen können, vergesse» zu sein und auch in der Grabesruhe einsam zu bleiben. So hat der Verewigte, dem diese Blätter gewidmet sind, ausdrücklich angeordnet: „Mein Grab soll auf keinerlei Weise bezeichnet werden." Aber als wir vor einiger Zeit die Ruhestätte des theuren Freundes besuchten, fanden nur dieses asketisch herbe Verbot übertreten (zu unserer Befriedigung, möchten wir beifügen) und die Stelle mit einen» dunklen Steinkreuz in, einfacher Gittereinfassung bezeichnet. Ans dem Kreuze aber lasen »vir nebst dem Gebnrts- und Sterbetage die Worte: „Der edle Mann, der hier ruht, wollte vergessen werden und wird doch unvergeßlich bleiben." Der Name jedoch fehlte. Tiefgefühlte Dankbarkeit, stärker als der Wille des Todten, hat sich dieses edlen Frevels schuldig gemacht. Wir tragen kein Bedenke»», diesem Beispiele zu folgen und in liebevoller Erinnerung hier auch den Namen beizufügen. Josef Fellner hieß der Treffliche. An» >5. November 1702 in Wien geboren, und nach zurückgelegtem juridischen Studium am l l. April 1815 als Conceptspraktikant bei dem k. k. Kreisamte Graz in den Staatsdienst getreten, wurde der Verewigte im Mai 1820 zum Guber-nialcoucipisten bei dem steiermärkischen Gubernium, dann im April 1881 zum Hofeoneipisten bei der vereinten Hvfkanzlei in Wien ernannt, von Ivo er im September 1832 als Gubernial- und Präsidial-Secretür bei der hiesigen Landesstelle wieder nach Graz zurückkehrte, um daselbst in allen weiteren dienstlichen Rangstufen (1842 Gnbernialrath, 1849 Statthaltereirath 1. Classe, 1854 Hofrath) und auch nach seiner im Mai 1859 mit dem Titel eines Statthalterei-Vice-Präsidentcn erfolgten Versetzung in den Ruhestand bis zu seinem am 19. Mai 1873 eingetretenen Ableben zu verbleiben. Der Staat hatte ihn für seine amtlichen Verdienste im Jahre 1850 durch Verleihung des Franz-Josef-Ordens, im Jahre 1854 durch jene des Leopold-Ordens ausgezeichnet. Bei letzterem Anlasse durch den Ordenskanzler K. Freih. von Kübeck zur Angabe jener besonderen Verdienste aufgefordert, welche er in das Ordeusdiploni aufgenommen zu sehen wünsche, gab er die seinen bescheidenen und geraden Sinn kennzeichnende Antwort (3. Juni 1854), daß er dieser Aufforderung nicht entsprechen könne, da er immer nur das geleistet, was er für seine Pflicht gehalten und daher Se. Excellenz den Ordenskanzler bitten müsse, sich die Motive dieser Allerhöchsten Auszeichnnng von dem Herrn Minister des Innern, von dem wahrscheinlich der Antrag ausgegangen, mittheilen zu lassen. — Durch den Besitz des Leopold-Ordens war ihm zugleich die Erlangung des Ritterstandes dargeboten. In seiner Natur aber lag es nicht, sich, gleich so vielen anderen, in die Hochflnth von Ordens-Adels- und Titeljägern zu stürzen, welche sich schwellender und brausender als je, in seltsamem Contraste gerade über unser demokratisches Zeitalter ergießt. Denn ihm, der die Zeitidee in aller Lauterkeit und Strenge erfaßt hatte, «lenügte es nach wie vor, dem Hochadel des Gemüthes, der Bannerschaft des Geistes anzugehören. Dies ist der einfache und trotz der höheren Amtsstellung immerhin auch unscheinbare äußere Rahmen eines innerlich gar reichen Lebensbildes, das der Verblichene vor Eindringlingsblicken sorgsam mit einer Schleierhülle zn verdecken liebte, welche sich zeitweise nur vor Näherstehenden lüftete und diesen einen Einblick in die reiche und edle Har-. mvnie dieses Stilllebens vergönnte. Sollen wir dieses Bild mit den bezeichnendsten Emblemen ausstatten, so müßte man darauf Pergament-rollen mit anhängenden Staatssiegeln, große aufgeschlagene Bücher, eine Lyra und eine Palette, dazwischen mit reinem Geschmack geschlungene Feldblumen erblicke», um des Eigners Pflichteifer und Tüchtigkeit im Staatsdienste, seinen Wissensdurst und Reichthum an Kenntnissen, sein feines Verständniß der Kunst, seine innige Liebe zur Natur sinnbildlich anzudeuten. Aus dem Hintergründe aber müßte, das Ganze beherrschend, fast priesterhaft, die mystische Gestalt eines Kelches emporragen, welcher keineswegs der Kelch blindgläubiger Andacht oder gar frivolen Lebensgenusses, sondern der Kelch tiefer herber nnd fast ununterbrochener Leiden gewesen. In der That war sein ganzes langes Leben, physisch genommen, ein fortwährendes Leiden und Dulden, Kranksein oder Kränkeln, worin wol einzelne Stadien einige Erleichterung, andere nnd häufigere aber gar schmerzliche Steigerungen bezeichneten. Ueber Abstammung und Jugendzeit beobachtete er ein festes Schweigen, das auch wir zu achten hatten; wir wissen nur, daß letztere sich weder in materiellem Wolstande, noch in körperlichem Behagen bewegte. Früh schon kränkelnd und schwächlichen Körperbaues, erschien sein Aenßeres vor der Zeit gealtert und verfallend; aber dadurch auch ist es erklärbar, daß die gewöhnliche Veränderung späterer Jahre bei ihm milder auftrat und sein Aussehen als Achtziger sich von jenem des Vierzigers kaum merklich unterschied. Ueber das freie nnd ausdrucksvoll geschnittene Antlitz hatte körperliches Siechthum zwar seine unverkennbare Farbe gehaucht, aber kein Leiden vermochte den gewinnenden Ausdruck in Blick nnd Mienen zn verwischen, mit welchem die gesunde Seele dasselbe belebte und vergeistigte. Die Vielen, die ihn zur letzten Ruhestätte geleiteten, wußten wohl, daß ein edler nnd wohlwollender Mann, ein aufgeklärter nnd verdienstvoller Staatsdiener, ein aufopfernder Freund, ein Wohlthäter der Dürftigen dahingeschieden; aber nur die wenigen Eingeweihten fühlten zugleich, daß in diesem Leben das Leben eines Helden, eines Weisen erloschen sei. Denn eine Heldenseele fürwahr gehörte dazu, solch' ein martervolles Dasein durch mehr als 80 Jahre zn ertragen, wie er es ertrug; und nur ein wahrhaft Weiser vermochte es, die dürftige und gebrechliche Schale dieses Seins mit einem so reichen Inhalte, mit de» herrlichsten Blüthen des Geistes- nnd Ge-müthslcbens zu erfülle» und so zu einem Sein voll seltener innerer Schönheit zn gestalten, wie er gethan, ans eigener geistiger Kraft und Selbstständigkeit, in nnermüdeter Arbeit. Karg nnd eng zugemessen sind dem eifrigen Beamten — und welcher war eifriger als er? — die Stunden der Muße zur eigenen freien Verwendung. Und wie wußte er damit hauszuhalten, welche weite Gebiete menschlichen Wissens und Könnens hat er in den schmalen Fristen dnrchinessen! Keines derselben ließ er abseits liegen, kein Fach blieb ihm fremd. Rains nnd (Griechenlands Classiker las er geläufig in der Ursprache, ebenso die Brite» und Franzosen, Italiener nnd Spanier, von seiner gründlichen, alle Zweige umfassenden Kenntniß der deutschen Literatur ganz zu geschweige». In seiner gewählten mehrere tausend Bände enthaltenden Bibliothek, welche ein geräumiges Zimmer seiner Wohnung ausfüllte, blieb kaum ein Buch von ihm ungelesen. Es gewährt dem vieljährigen Freunde, an welchen er diese Bttchersaminlung vererbte, einen eigenthttnilEhen wehmüthigen nnd zugleich lehrreichen Genuß, in den einzelnen Bänden die Spuren seiner geistigen Wandlungen zu verfolgen und hiebei in den kurzen Randglossen nnd verschiedenen Zeichen, welche er bei markanteren Stellen beifällig oder tadelnd berichtigend oder ergänzend, anzubringen pflegte, treffliche lind stets bewährte Wegweiser zu finden. Manche Stunde war nebenbei der Musik gewidmet nnd der erwähnte Freund, vor Jahren sein Zimmernachbar, konnte oft bis in die späte Nacht seinem gewandten und seelenvvllen Spiele auf dem Klavier oder auf der Phisharmvnika mit Ver-gnügen lauschen. Nicht mindere Zeit ward der edel» Malerknnst gewid inet, so lange die noch »»geschwächte Sehkraft diese Beschäftigung gestattete; im Salon und Eintrittsziinmer seiner Wohnung waren sämmtliche Wände mit Oelgemälden von seiner Hand dicht bedeckt; es waren zumeist Copien nach Originalbildern anerkannter und geschätzter Meister, mit künstlerischem Geschmack »nd Geschick ausgeführt. Seine große Empfäng iichkeit für Naturschönheit, welcher die reiz- nnd wechselvvllen Umgebungen unserer Stadt so reichliche Nahrung boten, führte ihn in bessern Tagen oft hinaus ins Freie, wo inan ihn einsän: nnd sinnend wandeln, bisweilen auch in Begleitung von Freunden sah, denen er ein lieb- und lehrreicher Führer war, denn sein feiner und geistiger organisirtes Auge ließ ihn selbst auf den vielbetretenen Pfaden oft zum Entdecker von Landschaftsreizen werden, die bisher ganz übersehen oder unbeachtet geblieben waren. Ein Mann seiner Berufsstellnng nnd Weltbildnng konnte nnd durfte den großen politischen Bewegungen unserer Zeit unmöglich sich verschlissen. Im Geschäftsleben des Amtes für die staatliche Rechtsordnung tüchtig geschult, ohne einer Hauptgefahr des Bnreanlebens, dem dürren Formalismus zu verfallen, war er zugleich durch sein gründliches Geschiehtsstudium auf jene geistige Höhe gestellt, welche, den Fernblick schärfend, eine weite »nd klare Ucberschan der Weltlänfte gestattet. Indem er sich für die weltbewegenden Ideen und Postulate des Jahrhunderts, die in den brennenden Tagesfragen nach Verwirklichung ringen, ein richtiges nnd sympatisches Verständniß gewahrt hatte, blieb sein politischer Standpunkt jederzeit ein fester und unverrückbarer, sein Urtheil über Zeitgenossen nnd Ereignisse immer ein unbefangenes, freies nnd freisinniges. Das stürmische Jahr 1848, das ihn noch in amtlicher Stellung fand, gab ihm manche Gelegenheit, diese Gesinnung auch praktisch zu bethätigen. Nach den: unglücklichen italienischen Feldzuge (1859) begrüßte er die Wiederanbahnnng verfassungsmäßiger Zustände in Oesterreich und die ersten hoffnungsvollen Tage der Schmerling'schen Periode, wie nur Alle, mit Befriedigung und schönen Erwartungen. Doch die Enttäuschung folgte nur zu bald. Die Thatlosigkeit und deren Begleiter: der Misserfolg, der stete Systeinwcchsel, die hie und da durchblickende llnaufrichtigkeit, Wanket» und Wandel in niastgcbenden Regionen, die Sistirnngspolitik auf ihrer „freien Bahn", der jammervolle Siedentagekrieg, das neue Staatsrecht der Fnndamentalartikel und des „wahren Oesterreichcrthnms" mit dem ganzen Gefolge von förderalisti-schen, feudalen und cleriealen Belleitäten n. s. w. entrissen dem treuen Patrioten, der auf solchen Wegen sein geliebtes Oesterreich dem gänzlichen Verfalle zuwanken sah, manches Wort einschneidenden Tadels und herber Klage, manchen erschütternden Ausbruch empörten Unwillens und wehmüthiger Trauer. Doch war es dem Manne von deutscher Bildung und Gesinnung noch vor seinem Ende vergönnt, sich an dein glorreichen Aufschwänge und Siegesznge des deutschen Volkes zu erfrischen und zu erheben; aber auch seinem warmen österreichischen Herzen blieb die Genugthuung und der Trost nicht versagt, sein Heimatreich in einer günstigeren Wendung wieder ans bessere znknnftreichere Bahnen einlenken zn sehen. Wie sein Wirken im Leben, war im Scheiden auch sein letzter Wille, einfach, edel, dankbar, wohlwollend, harmonisch. Er war nie vermählt gewesen. Obschon er in Franenkreisen gern gesehen war und sich in denselben mit feinfühligem Takte gern und leicht bewegte, konnte er sich doch nie zn einem Bunde für das ganze Leben entschließen. Eine langjährige treue Dienerin führte seinen kleinen Haushalt und widmete ihm in den vielen Leidenszeiten bis zn seiner letzten Stunde die aufmerksamste und sorgfältigste Pflege. Sie bestimmte er zur Erbin seines bescheidenen Vermögens, der müßigen Summe jahrelanger Ersparnisse. Freunde und Freundinnen waren mit den angemessensten Anvenken lind Legaten in sinnigster Wahl bedacht. Daß aber die innere Harmonie seines Lebens bei dessen Abschlüsse auch nach außen harmonisch aus- und nachklinge, sprach ein Absatz seines Testamentes den Wunsch ans, daß in der Dom kirche das Requiem von Mozart für ihn abgehalten werde, wozu er einen Betrag von 200 Fl. bestimmte. So rief der Mann, der zeitlebens mit den größten Geistern aller Jahrhunderte den innigsten und vertrautesten Verkehr gepflogen, den großen Meister der Töne zum Begleiter auf jener letzten Bahn, auf welcher er, nmquvllen vom Wohllaute unsterblicher Harmonie, unserm Auge für immer entschwand. Wir umhüllen aber die stille Urne wieder mit dem dunklen Trauerflor, welchen wir für einen Augenblick hinweggezogen haben, nicht ohne das tiefe Bewußtsein, zwar einer Versündigung an dem Willen des Verewigten schuldig, doch auch einem mächtigen Gebote, einer Pflicht des Herzens hierbei gefolgt zu fein. 8 K .. ». Könne wollen Wolle können! Götter zollen Menschen gönnen Dann dem Wollen Aucb daS Können! -l n a st asinö G r ii n. M/iie Stadt Laibach, die heutige Hauptstadt Krams, ist eine alte Stadt ^^und sie weist heute noch ein alterthümliches Aeußere. Da gibt es noch eine Reihe Giebeldächer, Pfeiler und Bögen und Erker und Lngeck's, da breiten sich ans den Außenwänden der Häuser noch bunte Fresken aus -- meist wol Heiligenbilder — da sind Warzeichen zu sehen in Stein gehauen, da ein großer Christoph, der den Heiland durch die Wogen trügt, dort ein Marmormedaillon mit einein römischen Kaiserkvpf, noch ein Souvenir ans dem hier gestandenen römischen Emona, das ein befreundeter neuerer Forscher an die jenseitigen Borde des durch die jüngsten Pfahlbantenfnnde „auch in weiteren Kreisen bekannt gewordenen" Laibacher Moores gerückt wissen will. Das Rathhaus Laibachs zierten bislang die Steinfignren: ,,Adam und Eva" die als Hauptwarzeichen galten; fragten sich doch die Wanderbursche: Hast Du schon die Eva am Laibacher Rathhause geküßt, d. H. warst Du schon in Laibach?! An die Entstehung des Laibach, wie es uns heute noch ganz alter-thümlich anguckt, an die Entstehung des mittelalterlichen Laibach, des „Sitzes" der alten Krainer Markgrafen — nachdem sie die alte „Krain-burg" im Oberlande als Residenz aufgegeben — mahnt aber Tagüber und in Hellen Mondnächten das mitten in der Stadt auf ziemlich steiler nach der Stadtseite dichtbewaldeter Bergeshöhe thronende alte feste Schloß, das sich mit seinen grauen Rundthürinen und Mauern und Erkern von den, schon italisch-blauen Himmel abhebt wie ein wohlgelungenes schars-cvntourirtes Theater-Versetzstück! Das alte Laibach, wie es uns noch heute Schritt auf Schritt entgegentritt es hat aber früher als alle anderen befestigt gewesenen „Plätze" Oesterreich's die „Schnürbrust" der Stadtthore und Stadtmauern abgeworfen und ist in d iesem Sinne wenigstens eine freie Stadt geworden. Alte Bilder zeigen uns, daß diese Fortification Laibach's eine grimmige war; insbesondere gegen Ost und Süd war sie mit allem Anfwande von Thürmen, Basteien, Vorwerken n. s. w. ausgestattet, denn von da war der „Erbfeind" imminent! Selbst der die Stadt der Länge nach durchfließende und in zwei Hälften theilende Laibachflnß er war in die Befestigung mithineingezvgen und bildete einen natürlichen Wassergraben. Da stand das Wasserthvr und in dessen nächster Nähe der Thurm „Zabjak" (Frosch-Thurm) so benannt von dein daneben sich befindenden „Frosch-Platze" (Zabjak, von zulm slvvenisch — Frosch). Dieser Froschplatz zählt zu den ältesten Plätzen Laibachs und weist uns der alten Häuser eine Menge. An und in ein solch' altes Haus am Zabjak lade ich denn meine freundlichen Leser ein, mit mir zu treten, um dem „Musensohne im Rollstuhl" eine Visite abzustatten, mit dein Anastasius Grün zwar erst wenige Jahre vor seinem Tode bekannt geworden, den er aber nichtsdestoweniger gleich einem alten Freunde lieb hatte und in regem geistigen Verkehre gar sehr forderte und stützte. Wir lenken vom Jaeobsplatze, welchen heilte, verschiedensten Bestimmungen hingegeben die seit der ersten Aufhebung des Jesuitenordens verwaisten ehemaligen Paläste ihrer „Residenz" und ihres „Collegiums" hochragend umsäumen, in eine enge Gasse links und nach einer kleinen Biegung rechts und dem Ausblicke durch die Lücke, wo der Zabjak-Thurm ausgebrochen worden, auf die grünen Fluthen der Laibach hinab, stehen wir auf dem Zabjak, auf dem Froschplatze. Goldig glänzend und einladend winkt das nach deutscher Städtesittc in die Gasse Hangende Wirthszeichen zum „goldenen Fasset", in welcher Stammkneipe es vor Jahren, da Laibach noch ein reger Handelsplatz war und hier das Geld auf der Straße lag, hoch hergieug und allabendlich im Kreise biederer reicher Pfahlbürger zwei Jugendbilduer bei den berühmten großen „Krainer Krebsen" und so und soviel Maß rothen „Marweines" die populärsten Verlesungen hielten, der Eine über die französische Revolution, deren Tagebuch mit den Citaten aller Reden namentlich der Bergpartei er im kleinen Finger hatte, der Andere über Fauna und Flora beide zugleich, geschickt gewühlte, — Pvlizeiagenteu! Und an das ,,goldene Fassel" schmiegt sich eng und traulich in treuer altbewährter Nachbarschaft ein ebenso altes, ebenso schmales Haus drei Fenster in der Fronte, die im Parterre durch das breite Hausthor an der einen Seite auf zwei reducirt erscheinen. Wir stehen an diesem Hause! Hier wohnt der deutsche und slove-nische Dichter Josef Cimperman, der ,,Mnsensohu im Rollstuhl". Gewöhnlich klopft man an die Thüre, um zu wissen, ob der zu Besuchende zu Hause? — Wir klopfen an eine winzige Fensterscheibe im Erdgeschoß zu gleichem Zwecke. Das Fenstertheil öffnet sich, eine dürre Hand wird sichtbar nnd schiebt uns ein Cigarrenkistchen entgegen . . . Nein Mamka ich danke, ich brauche jetzt keine Cigarren; ich wollte nur fragen, ob Euer Herr Sohn zu Hanse sei. Jetzt hat sie mich erkannt, das alte Mütterchen und auch der in Sorge um Mutter und Bruder unermüdlich sich bethätigenden Schwester Stimme wird laut und man öffnet uns auch schon im Augenblicke weit die Thüre, die zu Cimpermann's Wohnstätte führt. Rasch überfliegt der Blick dieß Dichterheim — das ich mir noch malen lasse und dann neben die Ansicht von Krains deutschem Dichterhause hinhänge — rasch umfaßt der Blick Arbeitszimmer, Schlafzimmer der ganzen Familie, die Bibliothek des Mnsensohns und das Waarenlager des k. k. Tabakverschleißes, den die Mutter Cimperman's als ,,Zubuße" führt, denn all dieß ist in bem einen kleinen Gevierte vereinigt, an dessen Eingänge, an einem großen alterthümlichen eichenen Tische mitten unter Büchern und Schriften und stets umgeben von freundlichen Besuchen der ersten geistigen Capacitäten der Stadt von Damen und Herren unser Dichter in still bescheidener Weise thront. Da sitzt an den Stuhl gefesselt der junge 31jährige Mann, dessen wolanssehendes Gesicht, dessen großes klares Auge, dessen starke, Helle Stimme uns nicht den Kranken verrathen, den Leidenden besser gesagt, der Dank der fortgesetzten sorgfältigen Pflege der Seinen heute nur in-sv ferne Leidende, als er der freien Bewegung der untern Extremitäten entbehren muß. Der ganze übrige Mensch ist am Körper gesund und gesund ist auch der Geist, der vorzüglich seit dem Verkehre mit Anastasius Grün mächtiger und immer mächtiger seine Schwingen regt! Josef Eimperman geboren zu Laibach am 19. Februar 1847 war schon von Kindheit an schwächlicher Natur und mußte im 13. Lebens- jahre nach zurückgelegter Volksschule in Folge einer schweren Krankheit, die dann in einer unheilbaren Lähmung beider Füße ihren Abschluß fand, das Studium am Gymnasium aufgeben. Mit einem befreundeten Cvllegen, Gornik mit Namen, studirte er hierauf privat die vorzüglichsten Gymnasial-Gegenstände: die Freunde lasen zusammen die römischen und griechischen Klassiker, die ältere und neuere deutsche Literatur, Slaviea, dann Italienisch, Französisch und Englisch. Die ersten poetischen Versuche Cimperman's datiren aus dem Jahre 1864 und erregten die Aufmerksamkeit des für sein Volk und ganz ins-besonders für Laibach, zu früh verstorbenen genialen Rechtsgelehrten, Politiker und Schriftsteller l)r. E. H. Costa eines forensischen Redners, wie deren Jnnerösterreich heute nur einen, den Vertheidiger 1)r. Julius Kvsjek in Graz auszuweisen hat! Costa führte unsern Musensohn in den Kreis der nationalen „Spitzen" ein, die alle: Bleiweis Toman, Razlag, Krek, Levstik und Stritar das kleine Dichterhaus am Zabjak von Stund an häufig und immer häufiger besuchten. Dazu trat edler Frauen holde Gunst, das eigentliche Element für des Dichtergenius vollen Flug; die feingebildeteu Damen Frau Louise Razlag und die slovenische'Dichterin Frau Louise Pesjak (auch als deutsche Schriftstellerin mit schönen Beiträgen in Nvrdmann's. rasch RadicS, AnckstasiuS lÄriin Verschollenes nnd Vergilbtes 11 populär gewordenen „Neuen Jllnstrirten Zeitung" bekannt) nahten sich unserm Dichter, seinen Geschmack läuternd und ihn, den Sohn des Kleinhändlers, mit den Convenienzen der vornehmen Welt bekannt machend. Die eine dieser Damen krönte ihre liebevolle Sorge um den schwer gedrückten Musensohn, indem sie 1873 die Bekanntschaft desselben mit Anastasius Grün vermittelte, die jedoch, da Grün von diesem Jahre an Laibach nur flüchtig berührte, auf den brieflichen Verkehr beschränkt blieb. Das Bekanntwerden Cimperman's mit dem Grafen Auersperg war eben zur Zeit für ihn doppelter Balsam, da ihm gerade in jenem Jahre binnen acht Tagen Vater und Bruder Franz, letzterer ein zu den schönsten Hoffnungen berechtigendes dichterisches Talent, durch den Tod entrissen wurden. Bruder Franz noch ein Jüngling hatte sich bereits einen ehrenvollen Platz auf dem slovenischen Parnasse errungen. Cimperman, der 1873 seine deutschen Gedichte „Rosen und Disteln" veröffentlichte, gieng nun an die Herausgabe der nachgelassenen zalreichen slovenischen Poesien seines Bruders, die 1874 erschienen. Die aus dem obenerwähnten Kreise sowie in erster Reihe durch den geistigen Contakt mit Grün-Auersperg gewonnene Anregung trieb Cimperman zu erhöhter geistiger Produktion, slovenische Gedichte und Uebertragnngen von Dramen in das Slovensche waren die reichen Früchte dieser freudigen Arbeit. Und heute ist unser „Musensohn im Rollstuhl" mit der Uebersetznng von Göthes Faust ins Slovenische beschäftigt, welchem Riesenwerke er alle Stunden seiner Stimmung und der Muße von literarischen Brotarbeiten widmet. Der Verkehr mit Anastasius Grün wie gesagt erst 1873 begonnen, währte nicht einmal ein Lnstrum lang, denn schon 1876 ward der schöne geistige Bund vom Sensenmanne unerbittlich getrennt. Grün, auf Cimperman's Leben und Streben aufmerksam gemacht, sandte ihm durch jene Dame drei elegant ausgestattete Bände seiner Werke, seine Photographie und seinen freundlichen Gruß. „Nachdem ich ihm — erzählt uns Cimperman — hierauf geziemend gedankt und die Sache meinerseits als abgethan betrachtet hatte, erfreute er mich postwendend mit dem herzlichsten Briefe, worin er mir seine Gewogenheit auf die erfreulichste Art bewies." Anastasius Grün schreibt in diesem ersten Briefe an unsern Musensohn cl. <1. Thnrn-am-Hart 28. Juni 1873 u.a.: „Möge Ihnen das warme Herz, der aufwärts strebende, leuchtende und zündende Geistesfunke über körperliches Drangsal milde nno sänftigend hinüberhelfen und die Gunst der Musen Sie über die Ungunst äußerer Lebensverhältnisse trösten und erheben! Kann ich zeitweise dazu mitwirken, Ihnen hellere, freundlichere Stunden zu bereiten, so wird mir dieß gewiß zur aufrichtigen Freude gereichen." Und es hat der edle ächte Cavalier, der alle seine Briefe an den schlichten Cimperman schlicht mit „Anton Auersperg" unterzeichnete, oft und viel dazu beigetragen dem leidenden Musensohne hellere Stunden zu bereiten. Materiell und geistig. Die Briefe Grün's, die Cimperman als theure Reliquien bewahrt, sie zeigen, daß Auersperg mit dem strebenden Landsmanne alle möglichen Gesichtspunkte.auf die geistigen Strömungen von Einst und Jetzt, das politische Leben, zuvörderst det Heimat, Soeiales, Kunst und Wissen in Betracht zog. Deutsche, englische, slavische Literatur werden erörtert und bei dem einem Zweige der letztgenannten, bei dem auf dem Erkenntnißbaume der Heimat frisch und üppig grünenden slvvenischen Schriftthnme am öftesten und längsten Halt gemacht. Da schreibt Cimperman an Grün über Börne und Heine. Grün antwortet: Ihr Urtheil über Heine und Börne begreife ich gar wohl, ohne es ganz zu theilen. Sie beurtheilen eben beide nur mit dein Maßstabe der Gegenwart; man soll aber bedeutende Menschen mit den Maßstäben der Zeit messen in welcher sie gelebt und gewirkt haben. Was Sie an Börne verletzt (wahrscheinlich in den Pariser Briefen?) ist durch die Zustände in den 30er Jahren erklärlich und durch die Verbitterung, welche sich des als Sprößling des Frankfurter Ghetto vielfach mißhandelten Juden und Liberalen bemächtigt hatte. Sehen Sie davon ab, so werden Sie ihn gerechter beurtheilen und seinen reichen und tiefen Geist unbefangener genießen. Uebrigens Pflegt man Heine und Börne mit Unrecht zusammenzuwerfen, wol nur deßhalb weil sie Beide Juden und freiwillig Exilirte waren. In Charakter und Bestrebungen sind sie aber grundverschieden. In diesen Beziehungen steht Börne entschieden höher, während es anderseits unmöglich ist, der bestrickenden Anziehungskraft von Heine's reizendem und liebenswürdigem, ebenso reichem als versa-tilem Talente zu widerstehen." Und ein andermal schreibt Grün: „Die Wärme und Entschiedenheit, mit welcher Sie für Ihre geistigen Lieblinge eintreten, ist ein ebenso liebens- als achtungswürdiger Zug Ihres Charakters. Es hat mir wohl gethan zu sehen wie wacker Sie die causa „Göthe ooutra Börne" führen und durchkämpfen. Die Bosheiten und Angriffe des Letzteren jener literarischen Heroengcstalt gegenüber bleiben in der That beklagens-werthe Verirrungen eines sonst so klaren und objektiven Geistes. Sie sind nur erklärbar durch die Einseitigkeit des Standpunktes und die jüngsterwähnte Verbitterung, die den Partciinann Börne dem Minister und angeblichen „Fürstenknechte" Goethe gegenüber beeinflußt haben. Politische Parteiwnth aber verwirrt und verblendet selbst hervorragende Intelligenzen. Mit einem Worte Börne's Urtheil über Goethe ist und bleibt ein ungerechtes; aber dieser Umstand soll und darf uns selber nicht ungerecht gegen Börne machen." Den „Engländer" Anastasius Grün, den Dichter des Robin Hood interpelliere Cimperman »m einen dramatischen Stoff zur Uebertragung ins Slovenische, da wie wir schon an anderer Stelle gesehen haben der II* dramatische Verein an unsern Mnsensohn die von Auersperg scharf kriti-sirten buntesten Anforderungen in dieser Richtung stellte. „Was Ihre Absicht — schreibt Grün an Cimperinan — irgend ein Drama aus dem Englischen zu übersetzen, anbelangt, so wüßte ich Ihnen kaum einen bessern Rath zu geben als die Hinweisung ans die älteren klassischen Stücke von Shakespeare, Johnson, Otway, Marlow, Fletcher, Sheridan n. a. Das gegenwärtige Theater Englands liegt im Argen und zehrt entweder von seinen alten Berühmtheiten oder behilft sich neben derben Possen lokaler lind nationaler Spezialität mit dem Abhübe der französischen Bühne, wovon ich mich während meines Aufenthaltes in England selbst zu überzeugen Gelegenheit hatte." Uebrigens verspricht der durch seine liebenswürdigste Gefälligkeit bekannte sprüch-wörtlich gewordene Cavalier noch eigens zu Cimperman's Zwecken in der Sammlung „London Stage" nachzusehen. Von der Üebertragnng der Sappho Grillparzers räth Grün nebenbei bemerkt im selben Briefe entschieden ab, da sie „trotz des tüchtigen dramatischen Aufbaues, im Wesen doch lyrischer Natur sei." Denn es würde nicht leicht sein, die schwunghaft kräftigen wie die ätherisch zarten Stellen gleich glücklich und treu wiederzugeben. Fast in jedem Briefe werden die heimatlichen Verhältnisse und Interessen mit Feuer und Lebendigkeit, mit scharfer Kritik und doch mit pietätsvvllem Wohlwollen besprochen. Grün dankt dem Mnsensohne, der ihn ans dem Rollstuhl heraus mit dem Landsmanne Stritar, Professor in Wien und Redakteur der literarischen Zeitschrift „Zvon" (die Glocke) bekannt gemacht, in dem Auersperg „einen Mann von tüchtiger Bildung und weiterem Klarblicke neben gewinnenden llmgangüfvrmen" erblickt und mit dem er „unschwer sich verständigen zu können" glaubt. Er theilt ihm sein Urtheil über I)r. Krek in Graz mit, Professor der slavischen Philologie an der dortigen Hochschule, den Auersperg nach der Lektüre von dessen Werk „über slavische Literaturgeschichte" einen mit dem erforderlichen Wissen und Können ausgerüsteten Mann nennt. Grün gedenkt wolwollend der Verdienste, die sich jüngst erst A. Dimitz mit der „Geschichte Krains" erworben habe und sieht die Hauptstärke dieses Werkes in der Behandlung der Reformationszeit voraus! In dankbarer Erinnerung widmet er schöne Worte des Lobes den Sammlern der slovenischen Volkslieder Stankv Vraz und Kvrytko. Für das Grabmal von Cimperman's Bruder sendet Auersperg unserm Musensoh ie „einen kleinen Geldbetrag" aber nur ihm, zu seiner freien Verfügung, er (Cimperinan) möge das Geld als seine eigene Gabe beisteuern. „Meinerseits aber — schreibt der Politiker Auersperg — muß ich auf die Ehre verzichten meinen Namen auf der Beitragsliste verzeichnet zu finden. Sie dürfen mich nicht mißverstehen. Wer seine Blicke und bescheidenen Kräfte den großen cultnrellen und humanitären Aufgaben der Menschheit, wie solche sich für unser Jahrhundert geltend machen, zugewendet hat, der kann und will keiner einzelnen Nationalität ausschließlich dienen, aber auch keiner derselben feindlich gegenüberstehen. Dieselben Aufgaben machen sich mikrokosmisch in dem Völkergewirre Oesterreichs geltend und hier ist deren Lösung um so dankbarer, je schwieriger sie zugleich ist. Ueber Mittel und Wege hiezu sind die edelsten Kräfte uneins und in verschiedene Lager zerfallen. Hüben und drüben wird gekämpft, und solange der Kampf dauert, darf auch der Friedfertigste und Versöhnlichste den ihm angewiesenen Posten nicht verlassen. Und so verbietet auch mir ein gewisses politisches Decorum, in einem Lager auch nur scheinbar mich einzufinden, welches nicht das ineinige ist." In einem Schreiben Grün's an Cimperman <1 6. Thnrn-am-Hart 10. September 1875 begegnen wir einer kirchlich-politischen Aeußerung Auersperg's, die hohes Interesse hat. Cimperman hatte die Ernennung des als deutscher und slovenischer Schriftsteller wie als katholischer Theologe gleich Vortheilhaft bekannten hochgebildeten und kunstsinnigen Or. Pogaear him Jahre 1848 auch Redakteur einer Zeitschrift) zum Bischof von Laibach mit einem „Hnldignngsgedichte" begrüßt und dieses Poöm Anastasius Grün mitgetheilt. Darauf erwiderte Auersperg: „Was Sie Ihr Hntdigungsgedicht nennen, scheint mir zugleich ein Lied der Hoffnung zu sein. Möge sich diese Hoffnung auch im späteren Verlaufe der Jahre bewähren! Der Wunsch ist nicht ganz überflüssig, vbschvn die ersten Schritte, welche der von Ihnen Gefeierte auf dem neuen Boden gethan, nur Gutes verheißen. Aber römische Seife macht Boden und Sohlen schlüpfrig und Mancher ist schon ausgeglitten, dessen erstes Auftreten ein nicht minder festes und sicheres schien!" Die letzten Zeilen, die Cimperman von Grün's Hand erhielt waren in ein Distichon zusammengefaßt, lautend: Herzlichen Grutz dir und Dank in beflügelter Eile siir heute Biedres slovenisches Herz auch im hellenischen Vers. dre Erwiderung auf Cimperman's Gratulationsgedicht zur Jubelfeier, welches mit dem Wunsche schloß: Die gütige Allmacht beschere Dir dem Sänger von Gott, liebreich der Jahre noch viel Kämpfe noch weiter den Kamps fürs Recht und die Ehre der Menschheit Und dein erhebendes Lied labe noch lang uns das Herz Mir jedoch bleibe Du stets, Dn Edler, voll Nachsicht und Milde Bi« der erlösende Tod mich von den Leiden befreit. Wenige Monde später lag der Gefeierte — trotz der allseitig ausgesprochenen Wünsche für sein noch langes Leben — auf dem Todten- bette; der von Jugend auf gelähmte „Mnsensvhn im Rollstuhl" erfreut sich mit jedem jungen Jahre zunehmender physischer Besserung und wachscuver geistiger Frische und Schaffensfreudigkeit. Der Stern der Freude, der sich im Verkehre mit Anastasius Grün ober sein Haupt gestellt, er flimmert und glitzert ihn schirmend und stärkend und verschönt sein enges Dichterheim als ein helllenchtend Vermächtniß des dahingegangenen Dichtergrafen! Mir folgt, alö ob ein lieblich LooS uns kette Der Wald. Anasta siuö Grün. -MAser ,,lustige grüne Wald" er umsäumt mit seinem erfrischenden er-glückenden Hauche die Dichtungen Anastasius Grüns. Im ,,lustigen grünen Wald" Altenglands da ragt die Hünengestalt Robin Hoods, dessen Thaten und Abenteuer AnastasiuS Grün in meisterhaften Balladen „im Schatten stämmiger Eichen" zusammengefaßt gleichwie eine eigene Schöpfung wiedersingend dein deutschen Bvlke vorgestellt hat. Und wie es ihm im „Robin Hood" gelang, „den frischen Schmelz des grünen Waldgrnndes dem Urbilde ähnlich wiederzugeben" so gelang es ihm nicht minder meisterlich in der Uebertragung der slavischen „Volkslieder ans Krain" den trautinnigen Verkehr des Volkes mit den Bewohnern des Waldes mit Schwarzamsel und Nachtigall mit Fink und Eule in ursprünglichster Naivetät wiederznspiegeln-Und im „Pfaffen von Kahlenberg": Die Wanderer stehen erstaunt zu Lauschen Im hehren Bann der Einsamkeit Der grünen Wipsel Wellenrauschen Zieht über ihren Häuptern »veil Als stünden sie im Schloß der Fee Ans tiefstem Grund im Alpcnsee Dazwischen schmettern, jauchzen, schallen Der Waldvöglcin Liedcrspiele Als ob in'« leise Wogenwallen Ein Kaiarakt von Gesängen fiele. Horch, Donnerknall und Wiederholt Im Forste dröhnt von Zeit zu Zeit Der ältesten Urwaldbäume Fall, — Die Patriarchen nicht vom Leid, Gefällt nur von der Wucht der Zeit! Die „Königin" unter den Jagden, wenn dieses Wort erlaubt, die ,Miilsenjagd" er hat sie im „letzten Ritter" wenngleich in flüchtiger Skizze scharf -umrissen und an selber Stelle auch die schon historische Reiherbeize wie mit dem Auge des Zeitgenossen gesehen uns lebendig vor Augen gestellt. Zwei Ritter, Freunde, reiten über eine Haide, anfänglich beide stumm, denn sprach auch dieser hier aus das Wort, längst fühlts und denkt's der Andere dort, nur weil so tvdesstnmm die Haide fährt mählich Redelust in Beide, sie reden, werden heftig und immer heftiger und mit dem Zweikampf und mit dem Tode Beider endet ihr Ritt über die Haide und der Dichter, der dies Thema in einem feiner fchönstgedachten und ausgeführten Gedichte behandelt hat zieht daraus die „Wald und Flur" hochfeiernde Moral: Ich meine, die Schuld an solchem Leide Trägt nur die öde, stumme Haide; Wenn sie geritten im Palmenhain Sie wllrden zur Stunde noch Freunde sein; Wenn sie geritten im Blumenhage, Sie ritte» wohl noch am heutigen Tage. Treten wir von der Haide in des Dichters wolgepflegten „Park"; im Tepidarium begrüßen wir mit ihm die „erste Palme" deren „Krone" luftig schwankt am schlanken Schaft wie „Pfangefieder"; wir bewundern „Tasso's Cypressen" wir sehen die „Cedern jung im Wüchse stehen" und Wälschlands „Pinie", die zu des Warmhauses Fenstern hinaus grüßet, Deutschlands „Tanne", die am Hügel dort ragt. Und zu der Tanne Füßen breitet sich ein köstlicher Banmgarten, „wo um Mitternacht Zwiesprach halten die Bäume" und „predigen beim Sternlicht" der „lohende Rvsenbaum" und die „schlanke Pappel" und die „Weide mit wallendem Haar", der „reiche Pflanmenbaum" und der „hohe stolze Eichbaum", an dem sich die Epheuranke „mir um so inniger füget" und nach dieser „Banmpredigt" beginnen die Sänger des Waldes und der Luft ihren Choral „Romaneero der Vögel!" Dem Dichter Anastasius Grün machte der Graf Auersperg, der Herr der „Herrschaften" wenn möglich Conkurrenz in der Liebe für den Wald in der Sorge um den Wald. Den stark vernachlässigten Park in Thnrn-am-Hart, den rüden Wald daran, wie er sie ans den Händen der Vormundschaftsbehörde ins Eigenthum empfing, er hat Beiden die liebevollste Pflege gewidmet und heute ist der Park von Thnrn-am-Hart der schönste ans weit und breit und der Wald er wird nach den besten Principien moderner Fvrstwirth-schaft bewirthet. Graf Anton Alexander Auersperg der schon in frühester Jugend seine Engländer tüchtig stndirt hat, der „Parlamentarier im Vormärz", zugleich ein eminenter Nationalöconvm, er hat aber nicht blos für sein Heim in der Waltcnltnr gesorgt, er war auch für das Landeswvlfi KrainS nach dieser nationalöevnomisch so wichtigen Seite hin eifrigst besorgt. Schon im Landtage von 1845 am 15. September hat er einen auf durchgreifende Cu ltnrver bessern ng abzielenden fachmännisch gediegenen Vortrag über die Waldservituten Frage gehalten und auch in neuerer Zeit wo es sich wieder um die Aufforstung des langverödeten Karstes handelte, hat Auersperg seine gewichtigen Worte in dieser für einen großen Theil der Heimat vitalen Frage entscheidend in die Wag-schale gelegt! Und für die Sänger des Waldes und der Luft, die lieben Vögelein wie der Dichter so war auch der Mensch Grün-Auersperg der Hüter und Freund. Im Walde und ans den Höhen von Thurn-am-Hart ertönt frisch und fröhlich der Chor der Vögel aus dem die Solis der Nachtigallen in heilig-stiller Morgenfrühe zum Gebet uns laden.! Zum Gebet für den todten Freund des Waldes und seiner Bewohner, für den Dichtergrafen, der nach seinem innigsten Herzenswünsche seine ewige Ruhestätte gefunden im „lustigen grünen Wald". Dort ragt auf weithinschauendem eigens aus dem Forst gehauenem Freiplatze, von dem das Auge Wald und Flur überblickt und das Silberband der Save, die tief unten durch die Matten zieht, das prächtige Mausoleum, welches die liebende Gattin dem unvergeßlichen Gatten in treuem Gedenken errichtet hat. Ein Meisterwerk in Styl und Ausführung thront es auf der Bergeshöhe hinter dem Schlosse weithin sichtbar nach Nord und Süd, in drei Lande hin, in Krain nach Steier hin und hin nach Croatiens Gefilden nach den blutigen Siegesstätten der Auerspergischen Vorfahren! Breite steinerne Freitreppen in zwei Abtheilungen mit einem Ruheplatz führen zu dem Plateau empor, auf dem sich, auf breiter Terasse von grauem Gestein (aus der Umgebung) und von einem Kranz von Vergißmeinichtbeeten umzogen das vom Grazer Architekten C. Lurff entworfene Mausoleum erhebt eine hohe stattliche Rotunde ans weißem aus der obern Steiermark herbeigebrachten Sandstein im Renaissancestyl gehalten mit einem schön ausgeführten Säulenpvrtal. Durch das Portal, über welchem in Stein gehauen das Wort: „Uosurrecturm" in Blockschrift zu lesen ist, gelangt man in die über der Gruft befindliche Halle. Diese wird durch vorgelegte Pilaster, welche durch Rundbogen verbunden sind, in sechs Felder getheilt. Das eine derselben wird durch den Eingang durchbrochen; in dem gegenüberliegen den erhebt sich in einer Nische die weiße Marmorbüste des Dichters auf einem Granitsockel — ein wolgelungenes Bild! In dem Felde selbst finden sich Name, Gebnrts- und Sterbejahr des Verstorbenen verzeichnet. Die übrigen vier Felder werden von großen weißuinrahmten schwarzen Marmorplatten ausgefüllt, welche bestimmt sind, die Namen derer aufzunehmen, die einst an der Seite des Dichters ruhen werden. Ober dem Eingänge ist die Widmungslegende zu lesen, daß Gräfin Marie Auersperg-Attems ihrem Gemahl diese Ruhestätte errichten ließ; darüber ragen in distinguirter Steinarbeit die beiden Wappen der Familien Auersperg und Attems, und unter der Legende sind zwei umgekehrte Fackeln zu schauen! Das edel und stylvoll dem Charakter der Renaissance entsprechend geschmückte Innere erhält sein Licht von der Laterne, welche auf der reich cassetirten Kuppel aufgesetzt ist. Der milde Strahl des Sonnenlichtes dringt nicht allein in die Halle sondern auch durch eine übergitterte kreisrunde Oeffnung in jenen Grnft-Ranin, welcher die irdischen Ueberreste des unvergeßlichen Freiheitssängers birgt. Wir beugen uns zu dem Gitter ab, das feingearbeitet das Monogramm darstellt und blicken hinab in die Tiefe der Gruft; da liegt der Sarg mit dem theuren Dahingegangenen, der in seinen Liedern fortlebt und fortleben wird im deutschen Volke, und im Volke der Heimat, ob deutsch ob slavisch, und den Sarg bedecket noch die Fülle von Kränzen, die Liebe ünd Verehrung auf die Bahre des todten Dichters gelegt und die eine „Wagenburg von dem Sterbeorte nach hier hatte führen müssen!" So ruht er nach ehren- und ruhmreichem segensvollem Erdenwallen im Heimatsschooß und in Erfüllung ging, was der junge Dichter in dem glühendheißen Jugcndgruße an die Heimat*) als seinen innigsten Herzensdrang und Herzenswunsch bezeichnete: Sei mir gegrüßt Land meiner schönsten Träninc Land, das mir Lebe», Lied und Liebe gab Das liebend nährte meines Lenzes Keime Wie meine Wiege sei du auch mein Grab. O decke mich dereinst mit deinem Schilde Wenn mir gefallen alles ird'sche Loos Denn sieh! es schläft so sanft und ruht so milde DaS todte Kind in seiner Mittler Schoost. Und im „lustigen grünen Walde!" * >»- * Im „lustigen grünen Wald" liegt das schon im 16. Jahrhundert gebaute und weitgerühmte steiermärkische Bad Neuhaus— Eigenthum der steiermärkischen Landschaft — und in diesem Walbe von Neuhaus weilt so gerne die liebenswürdige Schwester des Dichtergrafen Therese Gräfin Auersperg geb. Gräfin Auersperg. Und hier weilte so gerne das ungarische Edelfräulein Eng eine von Latin» vics, durch Schönheit und Grazie, durch Geist und Witz gleich hervorragend. Diese Beauty ersten Ranges führte heim als Gattin der schmucke Neffe Anastasius Grün's, Alfons Graf Auersperg und umgab sie mit der ganzen Fülle seiner Liebe und zärtlichen Sorgfalt. Obschon der schönen, geistreichen, liebenswürdigen und pikanten Magyarin sofort die Führung in den Cercles der Heimstätte ihres Gemahls in dem „weißen Laibach" zufiel, obschon sie von der Schwie-germama und den übrigen Verwandten, dann den lieben Freundinnen Gräfin Wurmbrand und Baronin Prandau mit aller Herzlichkeit empfangen und umgeben war, so konnte sich doch die Tochter Ungarns *> „Jllyrien" aus Hormayer's Archiv von 1827 abgedruckt in meiner Festschrift: Anastasius Grün und seine Heimat. Stuttgart, I. G. Cotta p. 18 fs. nie und nimmer heimisch fühlen mitten in dem Sclavenjoche der Kleinstadt, die zufällig mehr denn manche andere in socialer Beziehung beengend und einengend wirkt! Wie mußte befreiend und beseligend zugleich jeder „Ausflug" von da auf ihren regen Geist auf ihre frische Natürlichkeit wirken, zumal die Ausflüge nach Thurn-am-Hart zum gefeierten Oheim, in den „lustigen grünen Wald von Thurn-am-Hart." Da war sie wie ein Kind, da sprang und hüpfte und lachte und sang sie und der hohe persönliche Freund der ritterlichen Nation der Magyaren er hatte seine Helle Freude an der „lieben und verehrten Nichte." Da verrannen ihr die Stunden wie Secunden und auch hier war sie der Mittelpunkt freundlichster Geselligkeit. Wiederholt lud Grün-Auersperg Neffen und Nichte in Briefen nach seinem Heim und äußerte seine unverhvlene Freude, wenn ihm die Möglichkeit eines Besuches in Aussicht gestellt wurde. Womit er der „lieben und verehrten Nichte" nur ein Vergnügen bereiten konnte, dort that er es und ich entnehme einem freundlichst zur Benützung überlassenen Briefe Grün's, daß der Oheim noch nach Blonden nach solch einem Besuche der Nichte eine Atrape sendet zum Weihnachtstisch, die ihr damals in Thurn-am-Hart so viel Spaß bereitet und die er eigens aus Paris hatte verschreiben müssen. Aber zurückgekehrt in das „weiße Laibach" fühlte die junge Dame immer wieder tief und immer tiefer die gähnende Leere des Bodens auf dem sie hier wandeln mußte und der schließlich in schrecklichem Abgrunde sich vor ihr öffnete und sie verschlang! Trotz der Liebe mit der sie ihr Gatte verehrte und die sie in gleicher Weise ihm erwiederte steigerte sich in ihr genährt von einem physischen Leiden und von der angeborenen Manie des Weltschmerzes, der nur in der Katastrophe endigt, die Unlust am Leben. Gleich drei Männern und zwei Damen ihrer Familie, die ihr seit 1858 im selbstgewühlten Tode sämmtlich durch Schußwaffe vorangegangen, machte schließlich auch die unglückliche Gräfin Eugenie gleichfalls mit einem Pistolenschüsse ihrem Leben ein Ende, die Ihrigen in tiefstes Leid versetzend! Der Oheim aber, der zartbesaitete und tieffühlende Dichter er blieb verschont dieses Ende der „lieben und verehrten Nichte" zu erleben. Noch das Jahr zuvor — Gräfin Engenic Auersperg starb im Mai 1877 — im Jubeljahre des Dichters 1876 hatte sie ihm in Gemeinschaft mit dessen Schwester ihrer Schwiegermutter ein reizendes Souvenir mit kunstvoller Hand gefertigt, das dem Jubilar unter den vielen Spenden eine hochwillkommene Gabe war. Er hat damals seiner Freude über den „schönen Schirm" in einem ebenso zarten als lieben Briefe Ausdruck gegeben, der hier des Doppelinteresses halber wörtlich folgen möge: Liebe und verehrte Nichte! Verzeihe mir mit liebenswürdiger Nachsicht, daß ich erst heilte erscheine, um Dir für Deine Güte nnd Freundlichkeit für Deine Mühe nnd Ausdauer in Anfertigung des wunderschönen Fcstgeschenkes, mit welchem Du im Vereine mit meiner lieben Schwester mich überrascht hast, ans ganzem Herzen meinen innigsten nnd wärmsten Dank zu sagen. Der reizende Schirm mit seinem sinnigen Bilde ist ein wahres Meisterwerk knnstbegabter Franenhand nnd ich weiß gar wohl, daß durch die Erkrankung meiner guten Schwester der größte Antheil daran ans Dich fällt; darum nochmals den allerherzlichsten Dank! Erlaube, daß ich Dir ein ganz bescheideiles Gegengeschenk zur Eriiinernng an diese letzten Tage darbieten dürfe. Tante Marie hatte nämlich den guten Gedanken von einer Gruppirnng meiner Festgeschenke ein photographisches Lichtbild aufnehmen zu lassen, ans welchem auch der köstliche Schirm, wie sich gebührt, gehörig paradirt. Nimm das Bild freundlich auf und laß es Dich bisweilen dessen denken, der Euer stets eingedenk ist, Dich und Alfons aufs Herzlichste grüßt und Dir in hochachtnngsvollster Anhänglichkeit zugethan bleibt als Dein aufrichtig ergebener Onkel Graz, 23. April 187«;. Anton Auersperg nchp. Wenige Monde nach diesem Schreiben lag der berühmte Onkel auf dem Sterbebette und noch war die „offieielle Trauer" um ihn nicht beendet so legten die Damen der Familie neuerdings die tiefe Trauer um eine andere „geliebte Nichte" des Dichtergrafen an und Engenie folgte dem Sarge derselben der in Laibach verstorbenen Baronin Leutzendorf geb. Baronesse Schweiger, die gleich ihrer noch lebenden Schwester, der Gemahlin des Regierungsrathes Baron Pascotini, Anastasius Grün als die Töchter seiner innigstgeliebten längst verstorbenen Schwester Baronin Schweiger von Kindesalter an mit der größten sorgsamsten Liebe beglückt hatte. Und wieder waren nur ein paar Monde verstrichen und Engenie lag selbst in der elmpalle arcksuts ans dem Paradebette. Mit in Laibach noch nie gesehenem Pompe mit dem ganzen Auf geböte modernen Bestattnngsgepränges war der Leichnam der unglück liehen Gräfin nach dem Bahnhöfe geleitet zur Ueberführnng in die ge liebte ersehnte Heimat Ungarn, ein Blüthenregen von Maiglöckchen und Vergißmeinnicht, ihren Lieblingsblnmen schmückte ihren Sarg. Ein bescheidener Dichterfrennd, Magistratsrath Pervna, widmete der Verstorbenen das schöne Akrostichon: Km böser Genius schlich zu Dir heran Umhüllte Deinen Geist mil tiefer Nacht chewaltig stark war seine« Wirkens Macht Ein Äanips dagegen, leerer Sinnen Wahn: Hlanienloscs Weh' durchzuckt des Opfers Brust, Ins wunde Herz zog ein mit wilder Lust Ki» Wunsch nach Ruhe, so ganz unbewnßt. Sie ruht daheim auf väterlichem Boden im forstreichen Slavonier-laude Ungarns, im Haine ihres Väterschlosscs Borsod, in der kühlen Gruft inmitten des Akazienwaldes, der bei ihrer Geburt gepflanzt worden und in dem sie so gerne geweilt, im Mausoleum, das ihr nach dem Entwürfe ihres untröstlichen Gatten die Ihrigen als eine prächtige kuppelgewvlbte Rotunde erbauen ließen, auf deren Altare das Bild der Auferstehung zu schauen ist, ein Symbol der geistigen Auferstehung von dem schweren Leid, das der unglücklichen Gräfin die Physis hienieden zugefügt hatte. Sie ruht im „lustigen grünen Wald" nach dem sie sich immer so gerne geflüchtet, wenn das irdische Leid sie zu tief gedrückt, bis sie diesem mit gewaltsamer Hand selbst das Ende gemacht. Zn großem Theil aber Ich meine die Schuld an solchem Leide Trägt nur die öde stumme Haide nicht aber etwa die waldumkrünzte Haide der ungarischen Heimat, nach der sie sich stets so mächtig gesehnt, sondern die soeiale Haide der fremden Stadt in der sie die Fremde leben gesollt! Radic«, Anastasiu» Grün BerschoücueS und ArrgilbteS. Die Ichl'iMkllkr mirr dem Haulk Jurrspktzg. nach der Krainmark versetzt, um hier an dem Colonisatians- und Culturwerk deutscher Mission mitzuarbeiten, sie bewährten sich in solcher Arbeit nicht nur als körperliche sondern stets auch als geistige Recken eminenter Größe und vollendeter Tüchtigkeit. Schon Ulrich von Liechtenstein preist die höfischen Sitten eines Anerspergers, den er im Tonrnier zu Friesach (in Kärnthen) kennen gelernt und Familienschriften der Auersperge bezeugen es, daß der „Minnesänger" ans seinein abenteuerlichen Zuge durch Kärnthen und Kraiu nach Italien auch auf der Stammburg der Auersperge im rebenumkrünzten Unterkrainer Boden Einkehr gehalten habe. In dieser Burg, der heute noch schönsten des Landes Krain, war überhaupt die Muse der Dichtkunst stets gerne gehört, und die Menge Manuscripte ans dem XIII., XIV. und XV. Jahrhundert, welche die fürstlich anersperg'sche Hausbibliothek*) — gegenwärtig fidei-kommissarisches Eigenthum Sr. Durchlaucht des Fürsten Karl Auersperg Präsidenten des Herrenhauses des östr. Reichsrathcs — bewahrt, sie beweisen uns, welche außergewöhnliche Pflege die Auersperge jener Zeiten dem Schriftthume angedcihen ließen. Die Chronik des Hauses weiß aus dem XV. Jahrhunderte von dem „weisen" Ritter Laurenz von Auersperg (f 1479) zu erzählen, der „in vielen Sprachen und Wissenschaften erfahren gewesen", und da und dort blickt uns aus dem Schranke der Handschriften ein Codex entgegen, desfen Entstehung wir gerne ihm zuschreiben. Er war Jurist, Medieiuer und auch Dichter geistlicher Lieder in lateinischer und deutscher Sprache! *) Siehe meinen Bericht über die von mir eben in der Vornahme begriffene Ordnung derselben in lt. .A»;elger.,.s1lr Bibliographie »nd Bibliotheks- Wissenschaft. 1878. (Januar-Tin^ Febrnärheft.) ' ' Anm. d. Vers. 12* ZWie Auersperge — ein deutsches Adelsgeschlecht aus Schwaben ^^im X. Jahrhunderte unserer Zeitrechnung „aus dem Reiche" Seine Dichtungen zeichnen sich durch besondere Reinheit der Form und durch nicht geringeren Schwung der Ideen aus, soweit dies eben der streng vvrgezeichnete Gang der biblischen Handlung gestattete. Seine Marienlieder sind aber geradezu meisterhaft! Ein Schriftsteller anderer Sorte war aber Herr Hans von Auersperg, der erklärte Liebling des „letzten Ritters" Kaiser Max I., einer der kühnsten Kriegshelden in der Abwehr der „Türkenvisiten" und in den Kämpfen mit dem „Löwen von San Marco", der jedoch mit der Feder nicht minder mächtig handtirte als mit dem Schwerte und von dem mit allem Fug gelten kann, was Anastasius Grün vom Prinzen Eugen sagt *): „Auch sein Wort streckt in den Sand". „In Harnisch" — wol in doppelter Bedeutung des Wortes — setzte er sich rückgekehrt aus einem gegen Venedig verlornen Feldzuge hin und schrieb es nieder, wie er und der Herzog Erich von Braun schweig das Vordringen des Feindes nicht haben aufhalten können, weil das kaiserliche Heer und die Nationalmiliz der krainischen Stünde allerorten von „Verräthern" umgeben gewesen und weil die nöthigen Snb-sidien an Geld und Waffen ans den kaiserlichen Kassen und Arsenalen immer nicht kommen wollten! Heute noch lesen wir in Göbler's zeitgenössischer Ehrvnika der Kriegshündel Maximilians bewundernd diese classischen Kriegsberichte Auerspergs, die so mancher Feldherr späterer Tage mnkakis mntanclis füglich hätte abschreiben können, »m damit seine eigene Situation zu „cvnterfeyen". Das erste von einem Auersperg selbst in Druck ausgegangene Werk finden wir aber ans dem Jahre 1655 stammend. Es ist dies des Andreas Trvjnnns von Auersperg in lateinischen Versen verfasste und in Graz (in Steiermark) herausgegebene »Nobilitas ot snpiautia XoIIouitsobiaun«. Das elegant geschriebene Büchlein behandelt die Thaten einer Heldenfamilie des Geschlechtes derer von Kvllonitsch, aus welchem der berühmte Reitervberst und spätere General Graf Christoph Kollonitsch und der Komorner Festnngsconunan-dant Ernst Graf Kollonitsch — bekannt durch seine wiederholten Zweikämpfe mit vornehmen Türken — Zeitgenossen des Herrn Andreas Trojanus von Auersperg, des Panegyrikers ihres Hauses, waren. Gleichfalls in Graz und nur wenige Jahre später erschien des Wolfgang Engelbert Grafen von Auersperg geographisches Werk: Orbis i ns ns. Das umfangreiche mit großem wissenschaftlichem Apparate ausgestattete Buch ist die erweiterte Dissertativnsschrift des 18jährigen Grafen, des zweitgebornen Sohnes des ersten Fürsten und Staatsministers Kaiser Leopold l., welcher erlauchte Jüngling das Hanptthema der Schrift am 15. August 1650 an der Grazer Universität „vertheidigte." »Orbis lusus« ist mit außerordentlichem Fleiße und großer Ge- *) „In der Beranda" x 202. nauigkeit in Benützung des damals zugänglichew geographischen und physikalisch-geographischen Materials zusammengestellt. Die Welt, den Kosmos im Spiele zu behandeln, das rechtfertigt der Verfasser mit dem Schlußsätze: »8i mnnckus tbsatinm ob vitn oomosäia ei-Ao orbis 68t lusus«. Was er aber den Jünglingen — und man darf dabei wol zuvorderst an die „jungen Herrn vom Adel" denken — im Vorworte zuruft »nt ckuin luäitis, stuäsakis« das haben wahrlich er und die Seinen immer selbst am treuesten gehalten! War der prächtige „Fürstenhvf" in Laibach auf Jahrhunderte hin der Mittel- und Sammelpunkt des socialen Vergnügens in der Hauptstadt des kleinen Lündchens, das die äußerste Grenzmark des Dentschthums gegen das Welschland darstellt und vom Spaziergänger nach Syrakus „der „letzte" Zipfel des deutschen Vaterlandes" genannt wurde, gab es in dem fresken-geschmückte» Balkonsaale dieses Palastes in reizvoller Abwechslung die erste italienische Oper in österreichischen Landen — zehn Jahre früher als in Paris — und die Stücke der „hochdeutschen Comödianten", die eben zur Zeit Wolf Engelberts von Auersperg (des Erbauers dieses Palastes und Begründers der heutigen großartigen Bibliothek, des Bruders des ersten Fürsten Johann Weikhard) in Schwung kamen, gab es unter diesen kunstsinnigen Mäeen Wolf Engelbert in den weiten prachtvollen Gürten, die den „Fürstenhvf" in der Ausdehnung heutiger zweier Vorstädte umgaben, alle erdenklichen pompösen Feste, Schießen, Ballspiel, Feuerwerke u. s. w.; bctheiligten sich die Auersperge dieser und kommender Tage an den wiederauflebenden Rittcrspielen des Mittelalters, den modernen Carroussels und dem Sporte der Jagd und des Scheibenschießens, zu dessen Uebung am Ende des XVIII. Jahrhunderts in Laibach eine eigene adelige Gesellschaft: „Diana der Jägerin" gegründet wurde, unter deren Mitgliedern sich fast säuunt liche damals lebenden Mitglieder der Familie Auersperg, Damen und Herren befanden, haben also die Auersperge die Pflege der „Spiele" und damit der Künste und des „Sports" immer hochgehalten, so blieben sie dabei stets eingedenk des Spruches »ut ckuui Inckitis, stmcksatis«. Auch das XVIII. Jahrhundert und dies wie leicht erklärlich, mehr als die früheren, führt uns Schriftsteller ans diesem erlauchten Hause vor. Ein Alois Graf Auersperg cultivirte das juristische Feld und schrieb: »Uraoleetioues aoaäomioao in partsm III et IV ckiz;68torum« (Wien 1750), zwei Auersperge der Salzburger Domherr Josef Graf Auersperg und der Gurker Bischof Johann Graf Auersperg das theologische Fach. Letzterer, welcher sich namentlich durch seinen „Hirtenbrief über die Toleranz der helvetischen und angsbnrgischen Religionsverwandten" das Lob Kaiser Josefs und den Ruf erhabener dem Character der Apostel angemessene» Denkungsart erwarb, war auch auf landwirthschaftlichem Gebiete als Schriftsteller thätig, indem er mehrere Schriften über die Krankheiten der Pflanzen nnd fpeciell über die der Bäume edirte. Von hervorragender fchriftstellerifcher Bedeutung erscheint aber in diesem Zeitabschnitte Sigismund Theodor Graf Auersperg, der zuerst als Kunsthistoriker auftrat, dann eine juridische Schrift publi-cirte und schließlich mit einer Reihe deutscher Gedichte glücklich debütirte. Wir werden bei dieser geistigen Erscheinung im Hause Auersperg des Langem verweilen, weil die Bethätigung derselben durch die Schrift zumeist in den Rahmen unserer Darstellung paßt, dann aber auch, weil der Mann an sich vielfach durch Lebensstellung und Aeußerung an dys wenige Decennien später dem Hause erblitzende Gestirn an Anastasius Grün gemahnt! Es wird dem Ruhme des unvergeßlichen hochgcfeiertcn Dichtergrafen Anton Alex. Auersperg — Anastasius Grün — keineswegs abträglich sein, daß wir durch einen glücklichen Zufall, durch die von mir in Graz gemachte Entdeckung der Gedichte des Grafen Sigismund Theodor von Auersperg (geb. 1757 — gest. 1803) in die Kenntniß noch eines neuhochdeutschen Dichters aus dem altberühmten Hause kommen. Gegen das Ende des XVIII. Jahrhunderts hatte sich in der reizenden Hauptstadt der grünen Steiermark in dem idyllisch-gelegenen Graz eine kleine Gemeinde von Dichtern und Denkern zusammengefunden, die nachstrebend nnd nacheifernd den großen Vorbildern „draußen im Reiche" den Cultus des Idealen in ihrem engeren Bezirke und mit aller Bescheidenheit trieben. Johann Ritter von Kalchberg, dessen Drama: „Die deutschen Ritter in Accon" auch über die Marken Oesterreichs hinaus Aufsehen erregte, Unruhe, Leon, Scheiger, Lettner n. a. bildeten die Cvlonie der „Ritter vom Geiste" in der Steiermark, die sich in sonst düsterer Zeit das hohe Verdienst erwarben, daß wir heute auch aus diesem Gaue deutscher Zunge berichten können, es habe derselbe zur Zeit den Wiederschein gesehen des Götterfunkens, den der deutsche Prometheus-Schiller herabgeholt. Wie sich um die deutschen Musenalmanache die meisten Größen der deutschen Poesie geschaart, so bildete auch der von Kalchberg und Unruhe begründete Grazer Almanach betitelt: „Früchte vaterländischer Musen" Graz 1780 ff. den Mittelpunkt der Vereinigung jener Dichter. Zu ihnen zählte auch Sigismund Theodor Graf Auersperg, der sich nach einem vorzüglichen Bildungsgänge Graz zu seinem blei benden Wohnorte erwählt hatte; lagen ja doch seine Besitzungen in der Steiermark selbst, von denen er, sobald der rauhe Winter ins Land gezogen, nach der damals noch wvlummauerten Hauptstadt „flüchtete", wo sich „um des Lichtes gesell'ge Flamme" die Gleichgesinnten schaarten und den Musen ihre Huldigungen darbrachten. Sigismund Theodor Graf Auersperg war (wie bereits nnge- deutet) am t. Juni 1757 geboren. Sein Vater war Heinrich Graf Auersperg (aus dem jüngeren Aste der älteren krainischen Linie) Herr der Herrschaft Kirchberg am Walde in Steiermark, Landeshauptmann in türain, später Gouverneur in Galizien und schließlich böhmisch-österreichischer Hchkanzler, welche Stelle er 1783 aufgab. Er starb 1793 in Graz. Die Mutter Sigismunds war eine geborne Gräfin Rottal; seine Gemahlin eine Gräfin Stnrgk, die aber schon nach einem Jahre glücklichster Ehe 1790 bei Geburt eines Sohnes ihm durch den Tod entrissen wurde. An Geschwistern zählte Graf Sigismund zwei Schwestern, deren eine Maria Theresia nnvermählt starb (1773) während die zweite Maria Anna sich 1782 mit Franz Josef Grafen Wurmbrand vermählte. Seine erste Erziehung genoß der junge Cavalier in der von der Kaiserin Königin Maria Theresia gegründeten Theresianischen Ritterakademie in Wien, an welcher in den Tagen, da Sigismund Graf Auersperg daselbst seine Bildung empfing, der österreichische Ossian Michael Denis (Sin cd) als Lehrer fungirte, welcher die seiner Leitung anvertraute Jugend ganz besonders in freiem Vortrage übte und dabei namentlich „lebhaft das Recht der Muttersprache gegenüber der lateinischen vertrat." Während es für die Schüler der Carls sch ule als ein Verbrechen galt, ein deutsches Buch zu lesen, verfaßte Denis für die Theresianisten eine „Sainmlung kürzerer Gedichte aus den neueren Dichtern Deutschlands", „damit die Jugend aus dem Dichterlesen die größten Vortheile in Absicht auf Verstand, Herz und Sprache schöpfe." Was Wunder daher, daß bei der Tiefe, mit der Denis sein „aesthetisch-pvetisches Fach" erfaßte und bei dem andern Umstande, daß er die patriotische (die deutsche gegenüber der bisher erklungenen fremden) Saite anschlug, dem „Barden Sined" seine Jünger begeistert auf den deutschen Parnaß nachfolgten, zum Ersten, daß sie sich bestrebten, dem „Meister" in gewandter deutscher Rede „Ehre zu machen". So hielt denn auch Sigismund Theodor Graf Auersperg 1772, als er aus dem kaiserlichen Institute schied, eine „Rede von dem Zustande der bildenden Künste in Wien" in deutscher Sprache, welche sich von anderen derartigen „Schulreden" durch selbstständige Behandlung und Ausdruck eigener Studien ganz außergewöhnlich auszeichnet.*) Auersperg, der, wie schon erwähnt, aus dem „Theresianum" ins Privatleben trat, hörte aber deshalb doch nicht auf, den schönen Künsten und Wissenschaften „nachzugehen". Ja selbst als juridisch-politischer Schriftsteller trat er auf und haben wir von ihm einen 1777 edirten „Versuch academischer Verwendung aus dem deutschen Staatsrechte von der kaiserlichen Wahlkapitulativn". *) Ich besprach diese Rede des AnSsührlichercn in einem Feuilleton der Wiener „Presse" anläßlich der im Frühjahre 1877 stattgehabten Eröffnung des Neubaues der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien. In die Jahre zwischen innen fällt aber der Beginn seiner bedeutendsten geistigen Thätigkeit, der Beginn seines dichterischen Schaffens, zu dem er, wie er selbst sagt, durch seinen Lehrer und Freund Sined (Denis) angeregt worden war. Der literarische Kreis in Graz an dessen Spitze Kalchberg, der unermüdliche Geisteskämpe stand, sah nachdem er sich mehr und mehr erweitert, den schöngeistigen Grafen Sigismund Theodor von Auersperg als eines der vornehmsten Glieder bei sich eintreten, dessen Patronanz wohl auch die Theilnahme zugeschrieben werden darf, welche diesem Bunde illustrer Geister zwei durch Geist und Geburt hervorragende Damen bewiesen: Nanette Gräfin von Wenkheim und Johanna Gräfin von Wurmbrand. Beide hohe Damen finden wir auch als Mitarbeiterinnen an dem citirten Grazer Almanach, in welchen: sie mit ansprechenden poetischen Gaben vertreten erscheinen. Sie chiffriren zwar nur ihre Beitrüge, sind aber aus der Chiffre selbst und mehr noch aus dem Zusammenhange derselben mit andern Daten unschwer zu erkennen. Desgleichen that unser Graf Sigismund Theodor Auersperg, welcher seine Beitrüge in den „Früchten vaterländischer Musen" mit S* Gr. v. A*** zu unterzeichnen pflegte. Das erste Bändchen dieses Grazer Musenalmanachs war (1789) erschienen, da gemahnte der Mitherausgeber Herr von Unruhe den Grafen an sein gegebenes Wort, Beiträge für dieses „Zum Besten der leidenden Menschheit" herausgegebene patriotische Unternehmen zu spenden, da der Graf bei den: Dichterkreise als begnadeter Jünger der Muse bekannt und beliebt war. In einem eigenen den Werth der Auersperg'schen Muse ebenso zart als treffend pointirenden Gedichte richtet oornm popnlo Herr v. Unruhe seine bittliche Aufforderung an den Dichtergrafcn. Sigismund Theodor Graf Auersperg hielt sein Wort und spendete als ersten Beitrag ein Danklied an den erhabenen Lehrer und Freund Denis. Es möge das schöne Gedicht denn gleich hier den ersten Platz einnehmen. Es lautet: Ln Sined. Ja Sined! Theurer Lehrer! Freund! Der Bardenweg ist schwer und steil, Unsicher ist des Wandrers Fnß Und driiuend die Gefahr. Ich fiihlt'S, erkannte jedesmal, Wann ich den Steig hinan begann, Die Wahrheit Deines Spruches mehr, Ich siihlt's und seufzte laut. Doch edler Siinger! zürne nicht Wenn mancher unbedachtsam kühn Den hohen Wolkenweg beginnt Und die Gefahr »lißkennt. Wem Sined's Silberton erklang Der schätzt, bewundert, liebt ihn; Ihm nachzulallcn wird sein Wunsch Vergessen die Gefahr. Noch kühner wagt der Jüngling, der Aus Deinem Munde Lehren sog, Die Bahn, auf der sein Meister glänzt, Begeistert nachzugchn. Wenn gleich sein Schritt unsicher wankt Bei jedem Tritt' ein Fall ihm droht, Und manchmal auch sein Fuß ihm glitscht. Und ihn vom Ziel entfernt. So that er doch sich selbst genug, Des jungen Adlers Schwung erreicht Den dreisten Flug des Vaters nicht, Und doch wagt er ihn auch! Diesem, die Heiligkeit des dichterischen Berufes feiernden Gedichte, ließ der Graf ein „Liebesgedicht" folgen, das sich durch die Zartheit der Form und ganz vornehmlich durch die gesunde Realität des Inhalts vor so unzähligen Liebeslamentationen jener und — unserer Tage glücklich abhebt. In Fanny ist es gerichtet (vorläufig eine noch festzustellende Persönlichkeit). Der Dichtergraf besingt sein Liebchen mit den Worten: „Wenn in jenen sel'gen Stunden Die die Liebe für uns schafft, Ich an deinen Busen sinke Dir mein Ang' von Liebe spricht; Und aus deinem holden Blicke Gegenliebe für mich strahlt: O dann sühl ich ganz der Liebe Unnennbares süßes Glück. Wenn dann weg aus deinen Armen Mich der frühe Morgen ruft; Und ans deinem Rosenmunde Mir ein „Lebewohl" ertönt; Wenn ich lange fern von deinen Liebevollen Blicken bin: O dann fühl' ich ganz der Liebe Namenlose — herbe Pein. Offenbar nach dem Tode seiner innigstgeliebten Gattin (1790) entstanden und an seine Schwester — damals bereits vermählte Gräfin Wurmbrand — gerichtet ist das nachstehende so sinnige und ethisch-reine Gedicht: Vrr Vlmiirnsri'mili. Diese Blumen, die ersten des Lenzes, Sieh, pflückt' ich sür Dich, o Schwester! Du Meines Herzens theure Vertraute! > Du Einzige, die mir noch blieb. Einsam standen die Blumen am Bache Süß dufteten sie und lieblich mir. Schön war ihrer Farben Gemische; Doch kurz ist die Dau'r ihrer Pracht. Keimen sah sie der heitere Morgen Und sanftere Lüfte reiften sie; Doch der Abend sieht sie entblüttcrt — Wie kurz war die Dau'r ihrer Pracht! Schwester! schneller noch fliehen die Jahre Der Schönheit, der Jugend uns dahin Nur der Tugend edlere Reize Sind sichere Bürgen des Glücks. Wit düsterem Weltschmerz-Hintergründe und ganz im Styl und Ton der Bardenweisen sind die beiden nächstfolgenden Gedichte, die ich hier als weitere Proben der Muse Sigismund Auerspergs gebe, die Gedichte: „Klage" und „Melancholie". Sie lauten: Magr. Hinab zn dumpfen Klagetönen, Harfe! Hinab ihr Saiten! tönt mir ein Lied, DaS meinem trüben Kummer gleiche, das Vom Felsen dumpfer noch mir wiederhalle. Hinab! Es gleiche grauenvollen Tönen, Wie von des Todcscngel« schrecklicher Trommelte schallen: flüstert Tranergesang Seyd meines tiefgefühlten Schmerzen« Zeugen. Ertönet von des besten Freunds Verluste Und du, geliebter Schatten! komm umschweb In leichtem Dunste deinen Hügel, horch Auf den Gesang, horch aus des Freundes Klage. Sieh, öde, freudenleer ist meine Seele, Kein Stral vertrauter Wonne tagt in ihr, Und meinem Aug entführt kein froher Blick, Kein Freudenbote schmeichelt meinem Ohr. Vorüber sind die kurzen Augenblicke Da sorgenlos und ungestört mein Glück Und frohe Wonne mein Geführte war. Mit Dir mein Freund! verlor ich sie auf immer. Verlassen sind die schattenreichen Günge, Und öde meine Grotte, wo wir sonst, In trauter Einsamkeit und ruhevoll So manchen schönen Tag vergnügt durchlebten. Die blumenreiche Flur, die bunte Wiese, Die goldne Saat, der kühle Buchenhain In dem wir oft, vom innersten Gefühl' Entzückt, des Schöpfers Allmacht priesen, Verlor für mich die mannigfalt'gcn Reize, Die sonst ans meine Seele männlich stark Gewirkt hatten, die wir Hand in Hand Bewundernd und Allvatern dankend sahen. Nur Dein Verlust süllt meiner Seele Leere, Dich seh ich Freund! Dich miß ich überall Am frühen Morgen; wenn der Abend graut' Denk ich an Dich und meine Thränen fließen. Melancholie. Gcsllhl! das zu des Menschen Glücke Zn seiner größten Strafe oft, Der Schäpser gab, wie mannigfaltig Sind deine mächt'gen Triebe nicht? Mit nnbegränzter, lautrer Wonne, Mit sanfter anmnthsvoller Lust, Die alle meine Wünsche krönet, Füllst du izt mein genügsam Herz: Schnell folgen düst'rcr Wehmut Thränen Und grenzenlose Bitterkeit; Bestürmen mächtig meinen Busen Und wüten fürchterlich darin». Noch unentschieden ist die Frage, Wird lange unbestimmt noch seh»: Ob ein gefühlvoll Herz besitzen Ein Glück ob cs ein Unglück seh? Wenn ich das selige Vergnügen, Da« stets des Wohlthun« Pflicht erzeugt, Im Danke de« Bedrängten ärnle, Den ich der Dürftigkeit entzog; Wenn dann an der Geliebten Busen Die jeden meiner Wünsche krönt, Mein Herz, dem ihren gleich an Treue Ihm liebevoll entgegcnschlägt; Wenn ich von Lotten'« Rosenlippen Der Liebe Sieg in einem Kuß In dem sich unsre Seelen einen Erkämpfte, durch sie glücküch ward; Wenn ich der Tugend mücht'ge Reize In nnversälschlem Glanze blühn, Und über Laster siegen sehe, Des Menschen Werth durch sie erkenn': O. dann, dann dünkt ein fühlend, zärtlich, Und jedem Eindruck' offen Herz Mir ein Geschenk des bessern Schicksal«; Und segnend dank' ich ihm dafür. Doch, wenn wein Blick ans Hülselvse, Hindarbende, Bedrängte triff!; Ich ihnen Mitleid nur — nicht Hälfe, Nicht Trost, nicht Rettung schaffen kann; Wenn ich mit unnennbaren Trieben, Die zärtlich treue Liebe weckt, Nach gleicher Gegenliebe strebe, Sie zu verdienen hoffen darf. Und statt dem zärtlichen Gefühle, Das billig sich wein Herz verspricht, Mit Undank nur gelohnt mir sehe, Getäuscht und hintergangen ward; Wenn dann zur Schande unsrer Seelen Der Laster schwarze Höllenbrut Geduldet nngestrafet tobte, Ich ihren Laus nicht hemmen kann: O dann, — dann dünkt ein fühlend zärtlich, Und jedem Eindruck ofscn Herz Mir eine Strafe des Geschickes Geschleudert von Jehova's Grimme. Ich habe hier aus der erwähnten Sammlung und ans dwn Ver-wandten mir gütigst zur Verfügung gestellten hanoschriftlichen Gedichte» des Grafen Sigismund Theodor von Auersperg die vornehmlichst charak teristischen Stücke herausgehoben und behalte es einer späteren Zeit vor, vielleicht den gesammten literarischen Nachlaß dieses hochbegabten Sprossen des an hervorragenden Männern und Frauen so reichen Geschlechtes selbstständig zu publieiren. Sigismund Theodor Graf Auersperg starb 1803. Um dieselbe Zeit trat als juridischer Schriftsteller Josef Graf Auersperg auf. Dieser edirte 1805 in Prag eine „Geschichte des königlich böhmischen Appellativnsgerichtes, welcher er 1810 ein anderes juristisches Werk folgen ließ. Dasselbe gleichfalls in Prag gedruckt und bei C. Haase verlegt führt den Titel: Ualbin's Oibor vnrinlis 6. VI. von den verschiedenen Gerichtshöfen des Königreichs Böhmen re. über- setzt und mit einem Commentar versehen von Johann Grafen Auersperg.*) Die politischen Verhältnisse und Ereignisse in Oesterreich, welche in Anastasius Grün's poetischen Meisterwerken in scharfer Charakteristik sich wiederspiegeln und dem poetischen Wirken des Staatsmannes Anton Alexander Grafen Auersperg ein reiches Feld segensvoller Thätigkeit eröffneten, sie führten auch ein anderes ein „erlauchtes" Glied der Familie hinaus zum geistige» Hurneh. *) In der Familienbibliothek Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. Se. Durchlaucht weil, der Fürst Viucenz Auersperg k. k. Oberst-kämmerer und Intendant der Hoftheater, war es, welcher 1848 in der Reihe der politischen Schriftsteller erscheinend mit seinem „Brief eines österreichischen Edelmannes" (Prag, Haase Söhne) nicht geringes Aufsehen erregte. Die Schrift, von conservativem Geiste erfüllt, unterscheidet sich jedoch in vortheilhaftester Weise in Tenor und Ton von den heute beliebten Fassungen konservativer Frondeurs. Die Hoheit der Gesinnung, welche diesen erlauchten Schriftsteller — den freisinnigsten und hochherzigsten Gönner von Kunst und Wissen — stets auszeichnete, sie tritt uns aus jeder Zeile dieses „Briefes" entgegen. Das Thema, das er behandelt, ist die nach eingetretener Auflösung des Unterthanenverbandes in Oesterreich anzubahnende neue Stellung des Adels im Staate. Lassen wir — ruft der edelgesinnte Cavalier — an der Stelle des Patrimonial--Verhältnisses ein patriarchalisches erblühen, gegründet ans freiwilligen Liebesdienst. Lassen wir dort, wo ein Recht uns zu Grundherrn machte, nun ein Familienband uns als Väter des Landes erhalten und so in das einfache Verhältniß zurückgeführt sein, von dem wir einst ausgingen (Seite 8). „Oesterreichs Adel — fährt der Fürst fort — muß ans die einzig wahren Grundlagen seiner Existenz, nämlich Ehre und Erde eine zweifache Gesellschaft gründen. Zuerst mit seinen früheren Unterthanen eine ans patriarchalischer Grundlage ruhende und sodann eine Gesellschaft der grundbesitzenden Edelleute unter sich. Du kennst mich genug — apostrophirt er den ungenannten Adressaten — daß ich Dir nicht erst die Versicherung zu geben brauche, ich bezwecke mit dieser zweitgenannten Gesellschaft des besitzenden Adels etwa die Sicherstell nng einer Adelskaste der Form nach, bei welcher es sich um Ah neu-Proben und Mesalliance-Verbote handelt, sondern ich will, daß der Adelstand, welcher nach einer zwei-hundertjährigen Uebergangspcriode nun wirklich aufhören soll, eine politische Stellung im Staate (als Stand) einzunehmen, von nun an ausschließlich als Gesellschaft bestehe und zwar als eine Gesellschaft, deren unwandelbare Basis Ehre und Grundbesitz und deren strenge Statuten geeignet seien, den Adelstand (auch ohne völkische Stellung) in die Lage zii setzen, seinen bisherigen Ehrenplatz als Vorkämpfer für Glaube, Kaiser und Vaterland auch künftig zu behaupten" (Seite 9). Nach einer detaillirten Anführung der den Unterthanen gegenüber zu leistenden „Liebesdienste" und der Ausführung seiner Gedanken über den Neubau der Gesellschaft schließt Fürst Auersperg die Broschüre mit den Worten: „Werfen wir hinweg jene elenden Hindernisse, welche Kleinmnth und Selbstsucht uns in den Weg legen könnten, wir brauchen keine Vorrechte! Wenn wir nur mit fester Rittertrene an der ererbten Scholle, an unserem Volke halten, so werden wir auch das Volk fest mit uns halten sehen an Gott, König und Recht! — und fallen wir, so wird unser Blut vergossen sein im Kreuzeszuge unseres Jahrhunderts, so hell und ruhmvoll, wie jenes unserer Väter im gelobten Lande." Ein Jahrzehnt später, als in Folge des „Tages von Solferino" der Bach'sche Absolutismus gebrochen war, lies; Fürst Auersperg dem „Briefe" von 1848 eine umfangreichere politische Schrift: »Kustina ot, abstins« folgen, in welcher er die Aufgaben des Adels in Oesterreich noch näher präcisirt und namentlich seine Theilnahme an einer konstitutionellen Verfassung des Staates eingehend erörtert. Für den Adel als Körperschaft prvjektirt der Fürst in dieser Schrift die Errichtung von Adels-Kammern zur Vertretung der Interessen dieser Körperschaft in jedem Kronlande und übergibt ein fertiges in allen Theilen ausgearbeitetes Statut solcher Adelskammern der Öffentlichkeit. Diese Schrift »Lustius ot akstino« fand eine Erwiederung in einem Briefe Sr. Erlaucht des Grafen Wnrmbrand, worauf aber Fürst Auersperg sofort wieder in einer neuen Broschüre antwortete, deren Form uns den gewandten Polemiker zeigt. Die letzte Schrift des Fürsten — gleichfalls politischen Inhalts — erschien 1862*) als die Wogen des neuen Verfassungslebcns unter Schmerling am höchsten gingen. Sie betitelt sich „Zwischen Stamm und Rinde". In bilderreicher Sprache führt darin der „österreichische Edelmann" den Vergleich durch zwischen dem Verhältniß der Borke zum lebensvollen Baume und den der gesunden verfassungsmäßigen Entwickelung des österreichischen Staatslebcns feindlichen Elementen, die sich zwischen Stamm und Rinde, zwischen Kaiser und Volk Oesterreichs drängen. Selbst der historischen Adelspartei in ihren idealsten Strebungen angehörend ruft er doch allen Frondeurs, welche die Bahn des konstitutionellen Systems wie sie in der Verfassung gegeben war, illusorisch machen wollten, in dem Schlußkapitel: „Gehorsam!" die inhaltsschweren Worte zu: „Ja doch! gehorchen muß der Adel seinem Kaiser und Herrn! indem er gerade und offen den Weg betritt, den sein Landesherr ihm zu gehen befiehlt! Auf diesem Wege aber ist er, wenn zum Rathe berufen, auch vor Gott und seiner Ehre verpflichtet, strenge und unbeugsam nach seinem Gewissen zu rathen und zu stimmen ... Aber (und darin liegt das Hauptgewicht seiner Rede) durchaus kein Unmöglichmachen des Weges selbst! keine Intrigue dagegen, keine Coalition mit Parteien, deren Endziel verdächtig — weil undeutlich! *) „Im Manuskript gedruckt." — Die Mittheilung dieser, wie der früher gcnann' ten Broschüren, verdanke ich Ihrer Durchl. der Frau Fürstin Wilhelmiuc Auersperg ged. Gräfin Colloredo-Mausseld, welche gleich ihrem selige» Gatten eine Förderin von Kunst und Wissen »nd zugleich eine hohe Wolthätcrin der Armen ist, die in ihr ein voour ä'unzs im wahrsten Sinuc des Wortes verehren. Der Verf. — und sicher ein Anderes ist, als Jenes welches der Adel erreichen will!" Ich habe mich absichtlich bei den politischen Schriften des Fürsten Vincenz Auersperg länger verweilt, weil sie, wenngleich von streng tvry-stischer Gesinnung durchdrungen, doch in gewisser Beziehung eine Aehn-lichkeit mit den politischen Ausführungen des Dichtergrafen Grün-Auersperg haben, in dem Ausdrucke des allen Gliedern dieser mit den Geschicken Oesterreichs durch nahezu ein Jahrtausend innigst verknüpften altberühmten Familie eigenthümlichen dynastischen Grundgefühls, das ihnen allen insgesammt durch alle Zeiten her zur Basis ihrer Handlungen und Strebungen ihrer mündlichen und schriftlichen Erklärungen gedient hat, das neuerdings den hochgesinnten Fürsten Adolph Auersperg in der jüngsten österreichischen Ministerkrise bestimmte, dem Appell seines Kaisers Folge zu leisten und die in die Hände des Monarchen gelegte Minister-Präsidentschaft abermals zu übernehmen! Als der Zeit nach Letzter in der Reihe der Schriftsteller ans dem Hause Auersperg ist Engen Graf Auersperg bekannt, welcher ein größer angelegtes Werk: „Das große Drama der Geschichte" begann, von welchem Werke die k. k. Hofbibliothek in Wien den daselbst 1853 erschienenen ersten Band bewahrt. Jus dkm .Bmkfmkchstl Innsküfillri Gl-iin's mik dkm Dc^saffkr. Vornahme, dem krainischen Helden und Staatsmanne Her-^(M7bard VIII. von Auersperg (1528—1575)*), der seither durch ^ ' die Huld Se. Majestät Kaiser Franz Josef I. in der Rnhmes-halle des k. k. Arsenals in Wien ein würdiges Denkmal in Marmor erhalten hat, eine Monographie zu widmen, führte mich im Jahre 1860 in die Beziehung zu dem berühmten Nachkommen meines Helden z» Anton Alexander Grafen Auersperg zn dem deutschen Dichter Anastasius Grün, dem ich mein Werk zn widmen beschloß. Die Bitte um Annahme dieser Widmung war die Einleitung zu einer Correspondenz, die mir unter den vielen und interessanten Briefen aus zwanzigjähriger fachwissenschaftlicher und pnblieistischer Thätigkeit stets zn den theuersten Erinnerungen an den Berkehr mit berühmten Zeitgenossen zählen wird. Mein Held, dessen kriegerisches und staatümännisches Wirken in das reichbewegte Zeitalter der Reformation fällt, zn deren eifrigsten und erfolggekröntesten Vorkämpfern er zählte sowie dessen in verzweif-lnngsvoller Abwehr der Türken erfolgtes wahrhaft tragisches Ende — sein Haupt ward in Constantinopel im Triumphe aufgeführt, — war ganz geeignet von vornherein die vollste Sympathie des feinfühligen Dichtergrafen meinem beabsichtigten Buche zuzuwenden. Er begleitete denn dasselbe vom Beginne der Coneeptivn, bis zu dessen Vollendung mit seinem vollsten Interesse. Besser als ich dieß zn schildern vermochte, sprechen Auerspergs Briese ans dieser Epoche an mich geschrieben von seiner liebevollen Sorgfalt »iir in Allem und Jedem darauf bezughabenden nützlich und förderlich zu sein. Es sind dieß nachstehende Schreiben Anastasius Grün's: Wien 1862, W. Braniiiiiller. gr. 8°. XX. ». 394 8. I. Euer Hochwolgeboren! Berchrter Herr Professor: Vor allem erlaube« Sie mir, Ihre gütige Nachsicht für die, wiewohl uufreiwillige, Berspätuug meiner Antwort auf Ihr so überaus freundliches und für mich so schmeichelhaftes Schreiben o. 27. d. M. in Anspruch zu nehmen. Die gerade in diesen Tage» stattgefundene Ueber-siedlung aus unserer Sotnmer-*) in die Winterwohnnng**) beraubte mich des ruhigen Plätzchens an meinem Schreibtische und somit auch der Gelegenheit meiner angenehmen Pflicht gegen Sie nachzukommen. Der Inhalt Ihrer geehrten Mittheilung mußte mich in doppelter Beziehung mit Freude und Dank erfüllen, denn erstens halte ich es für eine sehr glücklich gewählte eines vaterländischen Historikers würdige Aufgabe, das Leben und Wirken Herbards von Auersperg in einer Monographie zusammenzufassen und zweitens kann ich mich nur beglückt und geehrt fühlen, wenn Sie meinen Namen mit Ihrem vielversprechenden Werke in Verbindung bringen wollen. Mit wahrem Vergnügen und herzlichstem Danke nehme ich daher Ihr freundliches Anerbieten an und meine besten Wünsche begleiten Ihr schönes Unternehmen. Ihre gründlichen Studien über die Geschicke meiner Vorfahren lassen mich hoffen, daß die in Rede stehende Monographie vielleicht den Krystallisationspunkt für umfangreichere Arbeiten bilden und sich einst zu einem größeren Geschichtswerke erweitern werde. Beispielsweise würde etwa eine Geschichte des Schlosses und Geschlechtes Auersperg so ziemlich die Geschichte des Landes Kram, mit dem die Geschicke dieser Familie so innig zusammenhängen, namentlich im Mittelalter und in der Reformationszeit gleichzeitig in sich fassen. Dieß ist eine Idee, mit deren Ausführung ich selber mich in früherer Zeit getragen habe, die ich aber nur mit Freude und Beruhigung Ihren viel fachgewandteren Händen anvertraut wüßte. Mit den wiederholten Ausdrücken meines tiefen Dankgefühles und mit der ausgezeichnetsten Hochachtung Euer Hochwolgeboren ganz ergebenster Graz, 30. Oktober 1860. A. Auersperg w. x. II. Euer Hochwolgeboren! Verehrter Herr Professor! Empfangen Sie vor Allem ineinen wärmsten und herzlichsten Dank für die freundliche und ausführliche Mittheilung des Planes zu Ihrem Werke, welcher ein wohlgeordnetes, lehrreiches und anziehendes Ganzes *) Auf dein Rosoiibrrge. **) In der Zinzcndorfgassc Radic», Anastasiu» Grün Verschollenes lind Vergilbte». 13 erwarten läßt und das lebhafte Interesse dafür meinerseits nur steigern tonnte. Erlauben Sie mir ein- für allemal die Bitte, daß es Ihnen in allen Fällen, wo ich mit ineinen bescheidenen Kräften zur Forderung Ihres schönen Unternehmens mitzuwirken in der Lage sein sollte, gefällig sein möge, rückhaltlos über mich zu verfügen. Es ist ein sehr glücklicher Gedanke, daß das Werk mit dem Bild nisse Herbards geschmückt werden soll. Aber woher ein gutes gleichzei- tiges Bildnis; nehmen? Der von Ihnen eingeschlagene Weg dürfte allerdings am baldigsten zum Ziele führen, vorausgesetzt daß jener Münchener Oocksx ieonoKraxlnons eine brauchbarere und verläßlichere Ausbeute gewähre, als die Bilder in der Ahnengalerie des Schlosses Auersperg*), welche gerade für die älteren Zeiten die allergeringste Authenticität beanspruchen können, da sie alle so ziemlich nach einer Schablone und einem Costümmuster gemalt scheinen und als reine Phantasiebilder nur in ihrer Ansdruckslosigkeit eine solche Familienähnlichkeit zeigen, daß man unbeschadet ihrer Glaubwürdigkeit die Namensniitzerschriften immerhin mit einander vertauschen könnte. Es heißt vielleicht Eulen nach Athen tragen, wenn ich Ihnen, der Sie gewiß jede ans unsern Helden bezügliche Notiz und Bnchstelle kennen, rücksichtlich eines Bildes desselben, eine Andeutung zu geben mir erlaube, immerhin aber ist es möglich, daß die Notiz, die ich Ihnen zu geben habe, Ihnen entgangen sein könnte. Ich erinnere mich nämlich, in einem der letzten Bände der Ankershofen-Herrmann'schen Geschichte von Kärnthen gelesen zu haben, daß sich ein Bild Herbards (wahrscheinlich ein gleichzeitiges) auf einem der fürstlich Porzia'schen Schlösser in Kärnthen (ich glaube in Spital?) befinde. Ich habe das Bnch augenblicklich nicht zur Hand, A. Auersperg >u. p. V. E. H. Ich habe es mir wohl eombinirt, daß Ihr Ausbleiben mit den reichhaltigen Funden, welche Ihnen die Wiener Archivs-Schätze zugüng lich machten, und mit dem zu deren ergiebiger Benützung erforderliche» Zeitaufwande im Zusammenhang stehn und so sehr ich meinerseits bedauerte, Ihres freundlichen Besuches auf der Rückreise verlustig gegangen zu sein, so kann ich eine so gewissenhafte und ersprießliche Verwerthung der Ihnen verfügbar gewesenen Zeit nur gutheißen und im Interesse Ihres vielversprechenden Unternehmens beglückwünschen. Indem ich Ihre Freude über die reiche Ausbeute und namentlich über das schöne Bild Ihres Helden*) aufrichtig theile, möchte ich bezüglich der Wiedergabe des letzteren nur bemerken, daß ein von verläßlichen Händen ausgeführter Stahlstich mir umsomehr hier am Platze zu sein scheint, als mit einer Copie in Farben ein Wagniß verbunden ist, welches bei der gegenwärtigen Kunststufe des Farbendrucks kaum räthlich seilt dürfte und als ein mißlungener Farbendruck bestimmt von fatalerer Wirkung bleibt, als ein minder gelungener Stahlstich. In Wien dürfte nur die Staatsdruckerei jenem gewagten Versuche gewachsen und selbst da noch zu zweifeln sein, ob es selbst ihr gelingen könnte, ans so kleinem Raume alle jene Details und Nüaneen im Colvrit, auf welche Sie mit Recht in diesem Bilde so großen Werth legen, getreu und zugleich harmonisch wiederzugeben. Auch wäre der Kostenpunkt — obschvn ich darüber nicht genau unterrichtet bin — eine Frage, welche wenigstens der Verleger in sehr ernste Erwägung ziehen dürfte. Mit dem Allsdrucke u. s. w. E. H. ergebenster Graz 15. Januar 1861. A. Auersperg in. p. VI. E. H. Ihre jüngste sehr werthvolle und interessante Sendung ist mir zwar noch in Wien, aber fast in dem Augenblicke meiner Abreise zugekommen, daher ich nicht sogleich in der Lage war, Ihr freundliches Schreiben, *> Aus der Ambraser Sammluug im kais. Belvedere. Anm. d. Berf womit sie jene begleiteten, zu beantworten. Ich benütze hier eine meiner ersten Mußestunden, um Ihnen für die anziehenden literarischen Mittheilungen, unter welchen mich die Monographie über die Sisseker Schlacht*) vor allem interessirte, meinen herzlichsten Dank abzustatten .... Hr. Branmüller hat mir bereits mitgetheilt, das; die Hälfte Ihres Manuskriptes über unsern „Herbard" sich bereits in seinen Handen befindet; auch habe ich bei ihm die Zeichnung des Bildes und einen Probedruck zu sehen Gelegenheit gehabt. Bei diesem Anlasse wär es mir sehr erwünscht mich über Ihre Person und Ihre Bestrebungen aufs Vortheil-hafteste anssprechen zu können.. . . Sie erinnern Sich wohl noch, daß ich Sie in einem früheren Briefe auf ein Porträt Herbards, welches sich nach einer Andeutung der Ankershofen-Herrmann'schen Geschichte Äärntens in dem fürstl. Pvrzia'schen Schlosse Spital befinden soll, aufmerksam gemacht habe. Ein glücklicher Zufall nun führte mich vor kurzem zur Entdeckung des gegenwärtigen Besitzers und Aufbewahrungsortes jenes Bildes und ich würde Ihnen sehr dazu rathen, wenn Sie auf Ihrer Fericnreise nach Wien kommen sollten, dasselbe in Augenschein zu nehmen. Ich habe in diesem Sinne auch bereits den Eigenthümer eventuell auf Ihren Besuch vorbereitet. Das Bild befindet sich nämlich in Wien, in der Getreidemarktlaserne und zwar in der Wohnung seines jetzigen Besitzers des k. k. Obersteu**)Gottfried Grafen von A uersperg dessen Vater dasselbe vom Fürsten Porzia zum Geschenk erhalten hatte.***) Es ist identisch mit dem in dem gedachten Geschichtswerke angegebenen, wie nicht nur der soeben angeführte Umstand, sondern auch die Uebereinstimmung des lateinischen Epitaphs auf dem Bilde und in jener Schilderung bis in alle Details und sogar die incvrrecte Ueberschrift: Hm'bkn-cius rUi ^.uspsoli klärlich darthnt. Hütte» wir dessen Existenz früher gekannt sd. H. ans eigener Anschauung) so hätten Sie eine Copie dieses lebensgroßen, auch bezüglich des Costüms interessanten Bildes (statt jenes des bloßen Brustbildes ans der Ambrasersammlung) wahrscheinlich für Ihr Werk vorgezogen. Der Gesichtüansdrnck stimmt in beiden Bildern ziemlich überein. Indem ich meinen warmen Dank erneuere mit dem Ausdrucke u. s. w. E. H. ergebenster Graz 28. Juli 1861. A. Auersperg m. x. *) Laibach. I. BlaSnick 186!. — Eine Monographie über die enischcidende Schlacht de« GrenzheereS gegen die Türken 1596, i» welcher Andrea« vo» Anersperg der Führer und Sieger war. A. d. Verf. **) Gegenwiirtig FML. »nd Divisionär in Linz. Anin. d. Vers. ***) Gottsried Gras Auersperg schenkte später das Bild an Anastasius Grün, der es in seinem Palais in Graz mich sehen ließ. Anm. d. Vers. VII. Wien, Sonntag 28. Februar 62. E. H. .............. Bei Braninüller sah ich gestern auch das erste fertig gewordene Exemplar Ihres „Herbard", welcher wirklich in würdiger Stattlichkeit vor die Lesewelt treten wird. Das Buch ist vom Verleger sehr anständig und solid ausgestattet und ich kann Ihnen nur Glück dazu wünschen.............. Mit dem wiederholten Ausdrucke n. s. w. E. H. aufrichtig ergebener A. Auersperg. Dieser schriftlichen Anerkennung folgte nach der Ueberreichnug des Dcdicationsexemplars wahrend meines längeren Aufenthaltes in Graz die wiederholte mündliche Anerkennung und — »Hardarclrm rockivivus«, wie Grün-Auersperg von nun an ihn zu nennen pflegte, brachte mich in immer näheren Verkehr mit dem gefeierten Landsmanne, der sich mir von da stets als der echte Cavalier des Geistes und der Geburt bewies. Grün-Anersperg blieb mir fortan ein huldvoller Mäeen, der mich in jeder Weise stützte und förderte, mich in den unschätzbaren Verkehr mit den Durchlauchten den Fürsten von Auersperg brachte, mir die Freundlichkeit seines politischen Freundes Baron Otto Apfaltrern zuwandte, mit einem Worte mir in jeder Beziehung förderlich und nützlich war. Das Jahr nach dem Erscheinen des „Herbard" war es mir geglückt für die Landes- und beziehungsweise für die Cnltnrgeschichte Krains einen höchst werthvollen Fund zu machen. Ich entdeckte die lange vergebens gesuchte Spar der Ende des XVII. Jahrhunderts außer Land iverkanften Bibliothek des Chronisten Valvasor, die den Grundstein zur Errichtung der Agramer fürsterzbischöflichen Bibliothek legte. Nach erlangter Erlaubniß der Durchforschung dieser Bücherschatzes durch Se. Eminenz weil. Cardinal von Haulik ersuchte ich unsern patriotisch-gesinnten Dichtergrafen um eine Unterstütznna*i zur Vornahme solcher Arbeit. Sie ward mir und zwar mit folgendem Begleitbriefe: VIII. E. H. Ihr schätzbares Schreiben vom 20. d. M. ist mir erst gestern bei meiner Rückkunft von Thnrn-am-Hart, wo ich die vorige Woche zugebracht habe, hier ausgehändigt worden, daher Sie dessen etwas verspätete Beantwortung freundlich entschuldigen wollen. Ihrem Wunsche gemäß übersende ich Ihnen im Anschlüsse die erbetene Beihülfe zur Vornahme Ihrer Studien und Forschungen bczüg- *) Auch Baron Otto Apfaltrern trug sein Zchcrslcin zn diesem Unternehmen bei. Anm. d. Bcrf. lich der Valvasor'schen Bibliothek, welche ich mit dem lebhaftesten Interesse begleite. Sie würden mich daher durch gelegenheitliche Mittheilung über die Ergebnisse Ihrer Thätigkeit ans diesem Gebiete sehr zu Dank verbinden. In sichtlicher Eile mit dem Ausdrucke der vorzüglichsten Hochachtung E. H. ergebenster Graz 26. April 1863. A. Auersperg in. x>. Als der Lenz des Jahres 1876 mit dem Jubeltage des allgefeierten Freiheitssängers herannahte, da rüstete sich Alles im weiten Oesterreich Jung und Alt, Hoch und Nieder, Frauen und Männer um dem auser-kornen Lieblinge der Musen, dem heimatlichen Sänger, dem großen Patrioten, dem unerschrockenen Parlamentarier des Bor- und Nachmärz von allen Seiten aus allen Landen die gebührendste Huldigung darzubringen. Ich beschloß, den heimatlichen Dichter zu feiern und ihn als solchen aus seinen unvergänglichen Werken darzustellen. Mit dankens-werthem Entgegenkommen nahm die hochgeachtete Firma I. G. Cotta in Stuttgart mein Anerbieten zur Abfassung einer Jubelschrift in diesem Sinne auf. V- „Anastasius Grün und seine Heimat" benamsete ich das Buch und unter den vielen erschienenen durchweg höchst anerkennenden Lobsprüchen darüber bleibt mir wol, zumal es auch das letzte schriftliche Zeichen meines vieljährigen Verkehrs mit Grün-Auersperg ist, das liebevolle Schreiben, das mir auf die Einsendung meiner Jubelgabe der Viel-gefeierte zukommen ließ. Sofort nach dem Erhalte meines Buches sandte mir Anastasius Grün seinen Dank in telegraphischem Wege und bald darauf als er die beste Muße nach dem Trouble der Festtage zum Durchblättern der Schrift selbst benützt hatte schrieb er mir die folgenden ein theures Ver-müchtniß in sich schließenden Zeilen: IX. Euer Hochwvlgeboren! Auch heute noch — vielfach und fortwährend mit Abstattung meiner Dankespflichten in Anspruch genommen — kann ich Ihnen nur in aller Eile und in unzureichendem Maße für alles Liebe und Freundliche das Sie mir jüngst erwiesen meinen Dank aussprechen. Aber seien Sie überzeugt, daß ich auch in dieser knappen Form mein ganzes Gefühl und die dankbare Erkenntniß der mannigfachen Mühen und Studien niederlege, welche Sie in solchem Umfange meinen bescheidenen Arbeiten gewidmet haben. Schon das bei Cotta erschienene Buch, für welches ich Ihnen gleich beim Empfange eiligst im Telegraphenwege dankte und welches ich erst seither genauer kennen lernte, gab ein sprechendes Zeugniß davon und nun ergänzen Sie dasselbe zu meinem Erstaune» noch mit dem reichhaltigen in so verschiedenartigen Blättern aufgespeicherten Material. Da ich alles nicht im Augenblick bewältigen kann*), so habe ich für die ruhigeren Svmmertage durch Ihre Güte und Mühe gar manche genußreiche Lektüre in Aussicht. Meinen herzlichen Dank wiederholend mit der vorzüglichsten Hoch achtung Euer Hochwolgebvren ergebenster Graz 21. April 1876. Anton Auersperg m. i» *) Ich sandte mit der Festschrift noch mehrere historische nnv literar-historische mit dem Festtage in Zusammenhang gebrachte Feuilletons: „Weinrankcn um Anastasius Grüns Dichtungen", „Wald und Flur bei Anastasius Griin" ». s. w. an den Gefeierten. Anm. d. Bcrf. Druck von Franz Jahncke in Berti». Btumenstrase 70. Organ für das deutsche Theater Herausgegeben und redigirt V von Wilhelm H e u z c n. Dritter Jahrgang. 187!). Am l. und I!>. jeden Monats erscheint eine Nummer. Preis diertcljiihrlich 3 Mt. ese einzige, völlig unabhängige und jedwedem Cliquenwesen abholde Zeitschrift für die Interessen der deutschen Bühne, als svlche bei ihrem Erscheinen vvn der gcsammten Presse begrüßt und wahrend desselben begleitet von ihren einstimmigen Beifallsrufen (siehe die Recensionen umstehend) beginnen mit Neujahr 1879 den dritten Jahrgang ihres Bestehens; ein Loos, das nur äußerst selten einer rein dramaturgischen Fachzeitschrift, welche von höherem, künstlerischen Gesichtspunkte aus geleitet wurde, in Deutschland zu Theil geworden und nur erklärlich wird durch das rege, immer noch wachsende Interesse, welches die Intendanzen und Direetioncn, die Sänger und Schauspieler einer-, die Literaturhistoriker, Kunstacsthetiker und dramatischen Autoren andererseits unserem Unternehmen entgegenbrachten. Eben die seltene Mannichfaltigkcit des Stoffes, von welcher ein schwaches Bild zu geben wir auf das nebenstehende Inhaltsverzeichnis; verweisen, war es, die bei der Beschränktheit des dramaturgischen Kunstgebietcs doppelt anregend wirkte und so die Lebensfähigkeit unserer Zeitschrift außer Frage stellte. Alle besseren Elemente schlossen sich instinctiv dem ernstgemeinten und ernst durchgeführten Unternehmen an, wie alles faule verrottete Unwesen von der scharfen, aber gerechten Polemik in's Herz getroffen, instinctiv den gefährlichen Feind gewahrte, der sich nach Kräften die Aufgabe stellte, den Augiasstall der deutschen Theaterkritik auszumisten. Auch fernerhin soll es das Streben der „Dramaturgischen Blätter" sein, den Haß der Sudel- und Agenturblüttcr sich zu verdienen, welcher am Besten im Stande sein wird, ihr neue, edelgesinnte Freunde zuzuführen. Auch fernerhin wird sie arbeiten alles künstlerisch Mittelmäßige und Verwerfliche in gebührender Weise zu kennzeichnen, alles' wahrhaft Gehaltvolle nach Verdienst zu preisen. Ganz wie bisher soll die Zeitschrift mit einem oder mehreren Essays dramaturgischen, feuilletvnistischcn, theatcr- »der literaturhistorischen Inhalts eröffnet werden; die vornehmsten Theaterstädtc Deutschlands werden durch regelmäßige Corrcspondcuzen vertreten sei», in welchen alle irgend bemcrkcns-werthc Novitäten und Neucinstudirnngen, in erster Linie als literarische Prodncte, sodann aber auch nach der Seite ihrer theatralischen Verkörperung hin einer ebenso tiefgehenden, wie interessanten Kritik unterzogen werden, während die neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete der dramatischen und dramaturgischen Literatur, so weit sie mehr als blos ephemere Bedeutung habe», in regelmäßigen Recensionen berücksichtigt werden sollen, alles sonst irgendwie Wissenswertste aber aus dem Gesammt-gebietc der dramaturgischen und theatralischen Interessen in den „Zeitgeschichtlichen Thcateriiotizen" von Joseph Kürschner . Lit. i>. Äiioi." „ ... Da cs bisher an einem unabhängigen, allem Coteriewcsen fernstehenden dramaturgischen Organ fehlte, so ist die neue Monatsschrift, die diese Lücke auszufüllen verspricht, sehr willkommen zu heißen. Ein frischer ernster Zug geht durch das Blatt, und cs sei daher der Beachtung unserer Leser angelegentlich empfohlen. Europa." Allgemeine für das gebildete Deutschland. Organ des Ullg.Denksctjen Schriflflell'er-Verliands. Redaktion: Johannes j?roelß. Zweiter Jahrgang. 1878-7N. Am l. und IS. jeden Monats erscheint eine Nummer. Preis vicrtcljiihrlich S Marl. tripM. Verlag von Hermann Foltz, Allgemeine Literarische Korrespondenz. Emnc allgemeine literarische Correspviidenz für das gebildete Deutschland — kein ausschließlich kritisches Organ das von Gelehrten nur für Gelehrte, von Schöngeistern nur für Schöngeister verfaßt wird, sondern ein deutsches Literaturblatt, das über dem gesaminteu literarischen Leben möglichst umfassenden, für das Verständniß jedes allgemein gebildeten Deutschen berechneten Bericht, ein klares, übersichtliches Spiegelbild desselben giebt, will unsere Zeitschrift sein. Jedem Freunde der Literatur, dem daran gelegen, den Zusammenhang mit deren Leben aufrecht zu erhalten, und der sich zwischen den scheinbar regellos durch einander stürmenden Wogen der zeitgenössischen Literatur nach einem zielbewußten, vertrauenswcrthen Piloten umschaut, bietet sie sich daher als eine umfassende, unparteiische und von idealem und möglichst vorurtheilsfreiem Standpunkt verfaßte Revue über das geistige Lebe» unserer Zeit in Literatur und Wissenschaft dar, wie sie dein Bedürfniß und Interesse eines allgemein gebildeten Publikums entspricht. Der schönen Literatur gegenüber die Anschauungen vertretend, wie sie den geistigen Erben eines Herder und Lessing, Schiller und Goethe zum Maßstab dienen müssen, ist sie bestrebt der neuern und neuesten Literatur offenen Sinnes gerecht zu werden und sie im Zusammenhange mit der Vergangenheit und im Einklang mit der übrigen Culturbcwegung dem Verständniß nahe zu bringen. Auf den Gebieten der Wissenschaft, soweit diese in den bezeichneten Jntcressenkreis fallen, wird stets der Standpunkt der fortgeschrittenen ernsten Forschung wie einer idealen Auffassung der Welt und des Lebens von ihr innegehalten werden. Von hervorragenden Mitarbeitern unterstützt, sucht sie ein wohlgeordnetes und gesichtetes Lild jn tiirte» aller beachtenswertsten Erscheinungen ans dem Gebiete der schönen Literatur und deren Geschichte, und aus den Disciplinen der Philosophie und Pädagogik, Äesthetik und Kunstgeschichte, Geschichte und Ältertstninskniide, der Nätnr- und Gesellschastslestre soweit sic das Interesse eines allgemein gebildeten Publikums berühren, sei es durch größere Zinssätze, durch sachliche, mit dein blamen ihrer Autoren unterzeichnete prcenjionen, sei es endlich durch Aufnahme in die mit größter Sorgfalt von Jos. Kürschner bearbeiteten „Zeitgeschichtlichen Mittheilungen", welche alle wichtigeren Tagesereignisse im Leben der Literatur, der Presse und der Kunst übersichtlich verzeichnen. Literarische Fragen jeder Art finden in ihr ein Organ. Ermöglicht wird dies Ziel unseres Strebcns durch eine auserwählte und glänzende Schaar tüchtiger Mitarbeiter, die alle schriftstellerisch befähigte, bedeutende Vertreter ihres Faches, von denen viele Träger weitbekannter und gefeierter Namen sind. Die Besprechung wissenschaftlicher Werke wird nur den Händen von Specialgelehrten anvertraut und die Literatur des Auslands, welche stete Berücksichtigung findet, unterliegt ausschließlich der Beurtheilung durch bewährte Kenner der betreffenden einzelnen Nationalliteratnren. Die folgenden Autoren machen wir aus der größeren Zahl unserer Mitarbeiter namhaft. H. Bartling (London), H. BerghauS (Stettin), Conrad Beyer (Eisenach), G. N. Brcsca (Leipzig), Rud.Doehn (Dresden), Felix Dräsecke (Dresden), Julius Duboc (Dresden), Adolf Dux (Budapest), Murad Efendi (Dresden), Ernst Eckstein (Leipzig), G. Ennen (Köln), Carl Fulda (Marburg), Rudolf Gcnöe (Dresden), A. Gerstmann (Berlin), F. Goeler von Ravensburg (Heidelberg), Julius Große (Dresden), Robert Hamerling (Graz), Otto Hammann (Leipzig), Heinrich Hart (Glogau), Julius Hart (Bremen), Fr. Helbig (Arnstadt), Wilhelm Henzen (Leipzig), Will). Heß (Hannover), Hans Herrig (Berlin), I. I. Ho-negger (Zürich), Leopold Kätscher (London), W. Kaweran (Magdeburg), Karl Kehrbach (Halle a/S.>, Heinrich Keiter (Paderborn), Wilhelm Kenhler (Berlin), Friedr. Kirchner (Berlin), I. Kleinschmidt (Heidelberg) F. O. A. Kolbe (Stettin), Joseph Kürschner (Lichterfelde), A. Lammers (Bremen), H. Mähly (Basel), Joh. Ncubaner (Elbogcn), Max Oberbreycr (Berlin), H- Petrich (Stargardt), Carl du Prel (Brixen), Robert Proclß (Dresden), Joh. Proclß (Leipzig), W. Quanter «Berlin), P. von Radies (Laibach), Heim. Rohlfs (Güttingen), Rudloff (Frankfurt a/O.), Johannes ScherrlZurich), Schmidt-Weißen fels (Stuttgart), O. E. Seemann (Dresden), Adolf Stern (Dresden), A. Storni (Breslau), Max Stempel (Berlin), Adolf Strodtmann (Berlin), A. von Studnitz (Dresden), Bcnj. Letter (Dresden), Gustav Wacht (Mannheim), Heinrich Wäntig (Dresden), G. Weck (Ranntsch). I. Th. Zencker (Leipzig), Karl Zettel (NegenSburg). Dunk den außerordentlichen Opfern und Mühen der Verlagshandlung, Dank der vielseitigen warmen Theilnahme, welche uns von Anfang an aus der Mitte des Publikums cntgegeugetragcn wurde, hat sich die Allgemeine Literarische Correspondenz wider alles Erwarten schnell eine weite Verbreitung und eine geachtete Stellung errungen. Nachdem schon das Freie Deutsche Hochstift zu Frankfurt a. M., dessen Genossen über die ganze Erde verbreitet sind, durch die Wahl unseres Blatts zum Verösfcntlichungsmittcl seiner Berichte die Bedeutung unseres Blattes wesentlich erhöht hatte, hat dieses seht durch seine Erhebung zum OtMil lies Rllgeilieinen Deutzen 8l!irlMl'!I'ki--Ver^llill!e8 den Charakter eines repräsentativen Organs der literarischen Interessen Deutschlands erhalten. Der Redaktion ist dabei ihre volle Freiheit und Unabhängigkeit bewahrt geblieben; der Kampf gegen Kliguenwesen und alle jene feineren Variationen der Lüge, deren Handhabung die literarische Kritik in der öffentlichen Meinung so geschädigt hat, wird auch ferner eine ihrer Aufgaben sein. Die „Allgemeine Literarische Correspondenz" erscheint am l. und 15. jeden Monats zum Quartalprcis von 5 Mark. Ein Jahrgang umfaßt 2 Bände, welche vom Oktober bis März und April bis September laufen. Alle Buchhandlungen und Postanstaltcn nehmen Abonnementsbestellungen an. Leipzig, im Dezember 1878. Icr Verleger: §>c sicilastio»: Kermlinn Aoltz. Johannes Oroelsz. Im 1. Illlu'gllllg litt' Band L. Oktober 1877 bis März 1878. An» dctii Lcstcn dcr Caroline ilcnstcrin. Bo» Robert Proelß. Friedrich Hcststcl. Von Adolf Stern. Halstvcrscholicnc. I. Johnnn Jaeob Engel. Von Joseph Kürschner. Zur Schiilcrlitcratnr. Ein Beitrag zur Feier des 10. November. Von Sehmidt-We ißcnfcls. Eine Lücke in dcr biographischen Literatur. Heinrich Friedrich Jacobi. Von Adolf. Holtzmann. Paul Hcyse's »riic Lramcn. Von Wilhelm Henzen. Ein Erinncrnngssttatt ans das Grast Wilhelm Hauffs. Von Johannes Proelß- Joagni» Miller. Von Rudolph Doehn. Halstvcrscholicnc. II. F. H. K. de la Motte Fouqus. Von Joseph Kürschner. Ler Ursprung des modernen llomans. Von Hans Herrig. Lin üapilcl von deutscher Pedanterie. Von I. I. Maehly. / Li» »erschollenes Gedicht von Anastasins Gelln. Von P. v. Radies. Line literarische Wcihnachtsstctrachtnng. Von Johannes Proelß. Lic franwsischc Kriegs- und Ucnanchedlchlnng. Von Johann Neubauer. Nene Schriften über das Theater. Von Joseph Kürschner. Jean Pauls Charakter in seinem Liestcslestc». Von Julius Duboc. EI» Ücitrag pir Üiographic Eduard Vcvricnt'o. Von Robert Proelß. vic Idylle von Sesenheim. Von Schmidt Wcißenfels. Ein deutscher Lichter ans dein Hanse Auersperg vor Anajlasins Grün. Von P. von Radies. vic Todten des Jahres l!!77. Von Joseph Kürschner. Larl von Holtcl. Zum 24. Januar. Aon Johannes Proelß. Vas Todtschlvctgen poetischer Erzeugnisse. Von Karl Zettel. Emanncl Gcistcl's Späthcrstsistlätlcr. Von Adolf Stern. Ei» Litcratnrstlatt. Zum üOjahr. Geburtstag des Londoner „Athcnaeum". Von Johannes Proelß. Sie dramatische Kunst im Jahre Ist77. Von Otto Hammann. Schriftstcilcrische Unarten. Von Heinrich Keite r. Sine neue Lichtung Nichard Wagner s. Von Karl Vohsen. Der 2. Jahrgang umfaßt-. Band III. --- Oktober 1878 bis Mürz 1879 Preis pro Band Halbjahr 1l Eom^oiiill'il,'," rlitlillstl'lle Rii^lihe. Band s. April bis September 1878. Las Freie Lcntschc Hochstift zu Franiifurt a/M. Klemens Ürcntano. Von Hans Herrig. Zwei englische Lcssing-Kiographicn. Von 0. S. Seemann. Hcnril! Istscn's Stichen dcr Gesellschaft. Von Robert Proelß. Ünyard Taylor. Von Rudolf Doehn. Ernst keil. Von Johannes Proelß. Gottfried Üeilcr'g Züricher Uovctlcn. Von Robert Proelß. Ilciic Kcitragc zur Üiographic Heinrich Heine s. Von Julius Hart. Karl Gnhiiow's Pamphlet „Lionysins Longi-uns." Von Heinrich Keiter. Äiphonsc Landet. Von Gustav Wacht. Thätigkeit und Handlung. Von Rob. Proelß. Zmci Muffctstiographicn. Von L. Kätscher. Voltaire und Uonsscan. Von Hans Herrig. Älcraudrlncrlhnm nud die neuere Literatur. Von Johannes Proelß. Lpiclhagcn's neueste Uovciie. Von Heinrich Keiter. Judas Ischarioth in Legende, Sage und Lichtung. Von Fr. Helbig. Eine deutsche Kiographic. Von Joseph Kürschner. Westrand'» neueste Essays. Von Leopold Kätscher. Herder'» Ersten nnd Schriften. I. II. Von Adolf Stern. Vic Shakespeare-Lrlnntcrnngcn von Uostcrt proctst. Von O. S. Seemann. Schriften gegen die Socialdemokratie. Von Heinrich Keiter. Ler Internationale literarische üongrcst in Paris. Von Johannes Proelß. Gedichte und Ucimcrcicn. Von Heinr. Hart. Ler volksdichler Ludwig Anzcngrnstcr. Von Otto Hammann. Schriften zur Schnireforni. I. Von K. K e h r b ach. FrniiMfchc Poesie». VonLeopold Katseher. Adalstcrt von Lhamisso. Zum 21. August 1878. Von Carl Fulda, vic ungarische Lichtung dcr Gegenwart. Von Adolf Dux. Lic Verwahrlosung unserer Muttersprache. Von 1. Kalau vom Hofe. Lin Frühvollcndclcr. Zur Erinnerung an Carl Siebcl. Von Paul Lindenberg. John Grcenlcas Mittler, der Knükcrdichlcr. Von Rudolf Doehn. Ein Kries Friedrich Wilhelm IV. an Ädalstcrt von Lhamisso. Von Carl Fulda. Ilcstcr Volksstistliolhckcn. Von A. Lammcrs. Shakespeare nnd Moltörc. VonNob.Proelß. vic Gründung eines Allgemeinen Scntschcn Schrlststeilrrvcrstandrs. Band IV. --- April bis September 1879. Mk. pro Vierteljahr ü Ml. Neueste Erscheinungen ans dem Oerlag von Hermann Foltz in Leipzig. Am Aleer. Nordseebilder nird Seasideskizzen Iohcmues proelß. >«78. >-s Bogen i» s". Elegant ausgestattet. Preis: brochirt Z Mk., fein gebunden ^ Mk. Inhalt: 1. Auf nach der Seaside. 2. Ankunft in Margate. Z. ^setty und Leach. -s. Badegastsrenden. 5>. Fahrende Minstreis, ü. lstoher Besuch. 7. Am englischen Mecresstrand. 8. Theater. st. Ausflug nach Ramsgate. so. Lin Abenteuer. s l- Zum Schreine des heiligen Thomas. t2. An den Ufern der Themse. Dodenberg, die erste Autorität auf dein Gebiete, das durch diese Aeisebilder bereichert wird, schließt eine Besprechung derselben in der „Deutschen Rundschau" wie folgt: „lieber Allem schwebt eine gewisse Grazie, der Sonnenschein fröhlicher Wanderlust: und da proelß sich unter den Engländern (und Engländerinnen) viel umgesehen, so giebt sein anspruchsloses Buch „ns einen viel lebendigeren Einblick'in wirkliches englisches Leben als mancher anspruchsvolle Band, welcher über Enaland geschrieben' worden ist." Deutsche Dichterballe: )n der uchat hastet diesen Zeichnungen die schwer zu definirende Eigenart des Unmittelbaren und Selbsterlebten an; man hört zwischen den Zeilen das Rauschen der Brandung und das Schreien der Möven. Auch ist es dem Autor geglückt, die eigenthümliche Stimmung zum Ausdruck zu bringen, welche der jähe Kontrast zwischen dem betäubenden großstädtischen Leben und der erlösenden Ruhe am User des Meeres erzeugt." Ueber Land und Meer: „ . . . Der Verfasser schreibt, das sieht man den Skizzen ans Schritt und Tritt an, unter dem frischen, lebendigen Eindruck; sein Ange, sein Geist ist noch voll von dem Geschauten, und diese Unmittelbarkeit theilt sich in sehr anziehender Meise seiner Darstellung mit, die uns lebhaft an Rodcnbcrg erinnert. Das öffentliche und private Leben der Engländer, Land nnd Sceschaft, bilden den Vorwurf dieser reizenden Essays und Bilder." Magazin für kit. des Auslandes: . Mas diese Bilder vor ähm lichen guten Arbeiten besonders auszeichnet, ist die glückliche Verbindung der Landschaft mit anmnthiger Staffage und der Sinn für das Komische, den der Antor in hohem Grade besitzt, und den er stets in ilngezivnngener Meise zur Geltung bringt." , Jlln strikte Zeitun'g: ,, . . . voll poetischen Schwungs in der Gesammt-heit der Schilderung und doch mit grosser Liebe für ihre Einzelheiten giebt Proclß die empfangenen Eindrücke wieder. Nirgends bemerkt mail etwas wie Studium, aber immer findet man die Spuren gediegener Kenntniß von Land und Leuten, j deren Charakteristik weit größere Bedeutung als die, einfache Reiscskizzen zu seil, beanspruchen dürfen .... Mas immer aber Proelß erzählt, es erwärmt, nimmt ein sür den Gegenstand, und man kann auf seil. Buch mit einer Abänderung das Goethe'sche wort anwenden: „Und wo ihr's lest, da ist's interessant." Edlingcr's Literatnrblatt: „ . . . Und in der That, es haftet der Darstellung etwas an, von der erquickenden nnd anregenden Frische des Seewindes, der um Alt-Englands Kreideklippen weht . . . Auch der feinere Humor findet seine Stelle. Das neunte Kapitel, der „Ausflug nach Ramsgatc" ist in dieser Hinsicht ein kleines Kabinetsstück. Hart's Deutsche Monatsblätter: ,, . . . In den zwölf Feuilletons, die »ns der Verfasser bietet, steckt jene echte Subjektivität, die einschmeichelnde Poesie, welche diesem vielbekannten Genie die Bolle der Lvrik unter den Wissenschaften einräumte, eine lebhafte Frische, keine geschminkte Prüderie, keine gelehrte Pedanterie »nd — was am meisten hervorzuheben — keine Spur von Blasirthcit." Hainburger Lorrespondent: „ ... Ls ist ein eigenthümlicher Hauch, der ans diesem Luche lagert nnd ihm jenen bezaubernden Reiz verleiht, der uns bei lieblichen Landschaften stete anfs Nene anzieht nnd fesselt. Man fühlt es nnwillkürlich, das Alles ist am Meer geschrieben, mit klarem hellen, Ange und einem für alle Natnrschönhciten offenen Herzen. Gern folgt der Leser dem Verfasser überall hin, mag er von viclbewegten „nd vielbewegenden Leben der vier-inillionenstadt London oder dem nngezwnngenen Treiben im ländlichen Seebade Margate erzählen, oder die allgewaltige Mcereslandschaft, die lieblichen, im immer währenden Grün prangenden Gefilde Kents schildern." Aehnliche svmpathische Urtheile liegen vor von: Aeademy, Allgem. Literarische Corresponoenz, Bonner Zeitung, Deutsche (wiener) Leitung, Dresdner Journal, Dresdner Nachrichten, Grazer Zeitung, Hamburger Zeitung, Han növerscher Courier, Journal ^des Ltrangers, Leipziger Tageblatt, Nene Freie Presse, Norddeutsche Allgem. Zeitung, Mstdentschc Presse, Saale-Zeitung, Salon, Deutsche Schaubühne, Thüringische Zeitung, wiener Fremdenblatt, wiener Abendpost und vielen anderen Seiten. Zahrbuch s für das deutsche Theater. Line umfassende Rundschau über die Zustände und Ereignisse auf dem Gebiete des deutschen Theaters während der Zeit vom Netober s877 bis September s878. Nebst einem Generalregister. Joseph Kürschner. f. Jahrgang, is87y. 20 Bogen in gr. Elegant ausgestattet. Preis: brochirt 2 Mk. 75 Pf., fein gebunden 5 Mk. 50 Pf. Inhalt: Tages-Lhroiiik von s877/78. Unsere Todten. Mit einer Biographie polstein's von w. penzcn. Jubiläen nnd verwandtes. Säenlarfeste und Gedenktage. Denkmale und Stiftungen, preisertheilung und prcisansschreiben. Auszeichnungen und Ernennungen. Das Vereinswesen: I. Deutsche Genossenschaft dramatischer Autoren und Komponisten. von G. von der Groeben. II. Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger. von Bodo Vorchers. III. Einigkeit, Kranken-, sterbe- und Unterstützunaskaffe für deutsche Vühnen-Angehö-rige. IVl Verein zur Ausbildung armer Schauspielerkinder. V. Allgemeiner deutscher Musikerverband, von Hermann Thadewaldt. Vl. Verdeutsche vühnen- (Kartell-) Verein. VII. Verein deutscher Schauspieldirectoren. VIII. va^reuther Vatronatverein. von Hans von Ivolzogen. IX. Deutsche Schillerstiftung. X. Deutsche Shakespeare-Gesellschaft. Zur Rrchtspflrgc: I. Urbeberrecht in Beziehung zum Theater. Der Verkehr zwischen Bübnenleiter und Autor. ) Processe, alte und neue. Von Karl !v. vatz. II. Processe zwischen Theater-Angehörigen, ) Direktoren und -Agenten, venierkeuswerthe Entscheidungen. Die wichtigeren Theater- und Musikschulen. Hhrc Arschichic, p-rogrominc, tchrkrüfle »nd Frcqurnz. Theater-Brände. Die Bühnen-Novitätc». (Mit Kritiken von Ntto von Leixner.) llnserc Npcr. von Albert pah». Die Literatur des Theaters: I. Neue Dramen, besprochen von Gustav wacht. Fritz Reuters Lustspiele. Von Karl Tb. Gaedertz. Richard lvagner's z?arsivaldichtun^. von Milheln« Henzen. II. Historische, dramaturgische und Erläuterungsschriften, technische, Gesammt und Sammelwerke, Almanache, Kalender, Portraits:c. IIl. Aufsätze in Leitungen, Zeitschriften und Schulprogrammen; Disiertationen. Sonstiges Bemerkenswcrthes aus dem Theaterjahre Z877/78. Eine Schluß- j betrachtuiig. Die Berliner Eheatcr. Die deutschen Bühnen und ihre Vorstände. Ein verein für theatcrhistorische Forschung. Gcneralregistcr nnd Anzeigen. vei der einstimulig anerkannten Redeutung, die Joseph Kürschner's in den verflossenen Jahren ) erschienene „Chronologie des Theaters" besitzt und die nun ibre erweiterte Fortsetzung allein j in diesem Jahrbuch findet, das die Vortheile einer Chronologie mit denen einer zusammen- ^ hängenden Darstellung verbindet, erfreut sich das letztere gewiß einer weiten Verbreitung, um so i mehr als der Herausgeber seine Befähigung für derartige Arbeiten auch bei anderen Gelegenheiten s lum öftern aufs Glänzendste bewiesen hat. M Lin Aärrner im Dienst der Könige! Lrinnernngen an allerhand Anregen, Nahnworte und Kämpfe. von Moritz Müller. Haben die Aärrner zu thun." Schiller. s879- 62'/z Bogen in 8". Preis: broch. lo Nkark, eleg. geb. Z2 Merk. Dieser Band enthält eine Sammlung von wissenschaftlichen und soeial-polb tischen Aussätzen, welche das Resultat einer 2sjährigen öffentlichen Wirksamkeit eines süddeutschen Bürgers bilden. Ls ist somit ein werthvoller Beitrag zur Geschichte des letzten vierteljahrhuuderts unserer nationalen Entwickelung. Der Jugend-Lührer zum edlen Menschenthum. Lin Leitfaden für Lehrende und Lernende A. Neichenbach und L. Kattner. I. 5tuse: Uindcsweisheit. 6 Bogen. s878. Preis broch. 60 Pf. it. ^tufe: Borbilder aus der Geschichte. 8 Bg. s879> Preis br. 60Pf. Beide Theile in s Band gebunden 2 Mark. Zur Einführung in Lehranstalten wie zum vorlesen in, Hause eignet sich dies Merkchen ganz vorzüglich. Durch seine hohe Brauchbarkeit hat es sich rasch Eingang in verschiedenen Schulen verschafft. Druck von vär H Hermann in Leipzig. 8IoEks-?>