ZUR ERFORSCHUNG DER WANDMALEREI DES MITTELALTERS Abb. 155—164. Walter Frodl, Wien Mit seinen Arbeiten über die m ittelalterliche M onumentalmalerei in Slowenien hat France Stele einem verhältnism äßig jungen Zweig der kunstgeschichtlichen Forschung einen großen Dienst geleistet. Er hat durch die Beschäftigung m it diesem Thema aber auch neuerdings die innige V erbindung bestätigt, die zwischen Kunstgeschichte und D enk­ m alpflege gerade au f diesem Fachgebiet besteht. Es ist kein Zufall, daß es fast im mer die D enkm alpfleger unter den K unsthistorikern waren, die sich der Erforschung der Freskom alerei angenommen haben; obliegt es doch ihnen, durch ständige Nachschau Erhaltungszustand und ö rt­ liche Situation zu überprüfen und etwa erforderliche konservatorische M aßnahmen in die Wege zu leiten. Bezeichnend ist auch, daß, von Ge­ legenheitspublikationen abgesehen, ihre Arbeiten meist versuchten, das ganze, ihrer denkm alpflegerischen O bhut unterstehende Gebiet, oder wenigstens zeitlich oder w erkstattm äßig begrenzbare D enkm älergruppen zu erfassen. Notgedrungen ergibt sich diese Betrachtungsweise bei einem D enkm älerbestand, dessen Entstehung, von wenigen gesicherten W erken abgesehen, im Dunkel der A nonym ität liegt und zu dessen w issenschaft­ licher E rklärung die stilkritische U ntersuchung m ehr als jede andere Methode herangezogen werden muß. N ur die breiteste Anlage des The­ mas, nur seine möglichst kom plexe Behandlung vermag einen gewissen Erfolg zu verbürgen. Die Arbeit von Paid Clemen bietet hiefür vielleicht das m arkanteste Beispiel. Freilich zeigt sie auch die schwierige, um nicht zu sagen hoffnungslose Situation, in der sich die W issenschaft gerade auf dem Gebiet der W andm alerei gegenüber einem denkm al­ pflegerisch falsch behandelten Bestand befindet. Umso höher ist Cle­ mens Verdienst zu werten, dessen C orpus der romanischen W andm alerei der Rheinprovinz, 1916 erschienen, noch immer von größter Bedeutung ist,1 obgleich eine total verdorbene D enkm älerreihe den Gegenstand der Arbeit bildet und das A bbildungsm aterial sich fast ausschließlich au f Kopien stützt, deren C harakter sehr deutlich den Stempel ihrer Entstehungszeit trägt. Die unterlaufenen Irrtiim er in der D atierung m ancher Zyklen werden freilich durch das in verschwenderischer Fülle mitgeteilte Wissen aufgewogen und wenn die Freude an der rein kunst- Abb. 155. Brixen, Johanneskirche, verrestaurierte Fresken geschichtlichen Betrachtungsw eise die historischen Im ponderabilien auch gelegentlich zu kurz kommen läßt, so bedeuten doch die allgemeinen stilistischen Erkenntnisse reichen Gewinn. Im einzelnen bleiben sie an ­ gesichts der entstellten, ihres ursprünglichen künstlerischen W ertes be­ raubten Gemälde Theorie und dem onstrieren eindringlich, wie sehr es Abb. 156. Matrei, O sttirol, überm alte Fresken nötig ist, daß W issenschaft und praktische Denkm alpflege Hand in Hand gehen. Kann ein entwicklungsgeschichtliches Bild etw a an W erken der Schnitzkunst annähernd auch dann entworfen werden, wenn die O bjekte durch Überm alungen oder unzulängliche Fassungen beeinträch­ tigt sind, so bedarf die Interpretation des M alwerkes der ursprünglichen, sorgfältig von allen Zutaten gereinigten O berfläche. Clemens W erk bringt deutlich in Erinnerung, welch weiten Weg sowohl die K unst­ wissenschaft als auch die D enkm alpflege seit 1916 zurückgelegt haben und es mag nicht ungerechtfertigt sein, sich einzelne Stationen dieses Weges ins G edächtnis zu rufen, weil da und dort noch Freskenbestände existieren, deren Zustand nur aus der jeweiligen Situation heraus ver­ standen w erden kann. Überdies, weil w ir in konservatorischer Hinsicht auch heute jene Sicherheit noch nicht allgemein erreicht haben, die uns gestatten w ürde m it Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Die Erforschung unserer M aterie, m it Ergebnissen, deren wir uns auch heute noch gelegentlich bedienen können, begann im Gebiet der einstigen Monarchie nach der Jahrhundertw ende. An zahlreichen H in­ weisen au f die Existenz m ittelalterlicher W andm alereien, an größeren A ufsätzen in der kunsttopographischen L iteratur hat es auch früher keineswegs gefehlt. Das Intersse am G egenstände hatte sich, geweckt durch eine Menge von bedeutenden Funden, gesteigert durch die um ­ fangreichen rom antischen W iederherstellungen und R ekonstruktionen in D eutschland, sogar verdichtet und es konzentrierte sich, dem historischen Sinn des Zeitalters gemäß au f solche Gegenstände, deren E rhaltungs­ zustand gut genug w ar, um ikonographische B etrachtungen und histo­ rische U ntersuchungen anzuregen. Berühm ten Beispielen etw a im R hein­ land reichlich einige Jahrzehnte später folgend, kam es auch in den österreichischen A lpenländern zu W iederherstellungen größeren Stils, deren G rundlage die puristische historisierende Einstellung der D enk­ m alpflege und, wenn m an so sagen darf, die ikonographische Speku­ lation der Theologen gebildet hatten. Teilweise schon zu A nfang der neunziger Jahre sind die bösen Konsequenzen dieser T ätigkeit erkannt Abb. 157. M atrei, O sttirol, überm alte Fresken Abb. 158. Matrei, O sttirol. St. Nikolauskirche, überm alte Fresken Abb. 159. M atrei, O sttirol. St. N ikolauskirche, Fresken nach der E ntrestaurierung t < wordeü^und gerade ihre katastrophalen technischen Mängel — bekann­ termaßen wurden alle »Restaurierungen« dieser Zeit in Ölfarben, oft auf Gipsgründen ausgeführt — mögen das Interesse der Generation, der auch France Stele angehört, auf das Gebiet der Wandmalerei hin­ gelenkt haben. Dazu kommt, daß die bis dahin in der Regel ehrenamtlich fungierenden Konservatoren immer häufiger durch fachlich ausgebildete Kunsthistoriker ersetzt wurden und diese — darin liegt wohl das »er­ regende Moment« — nun zum ersten Mal mit Kunstwerken dieser Art in unmittelbare Berührung kamen. Die Frage nach dem Gegenstand, nach dem Bildinhalt verlor zwar nicht ihre Bedeutung, aber sie verlor an Gewicht und neben sie trat im »kunst«-geschichtlichen Sinn die Frage nach dem Wert des Malwerkes als ästhetisches Erlebnis und kunst- geschichtliche Quelle. Für die neue Einstellung der Denkmalpflege ist Alois Riegels Schrill t der »moderne Denkmalkultus« 5 bestimmend geworden. Die darin auf­ gestellten Wertmaßstäbe schufen nun das Rückgrat für eine Tätigkeit, die mehr oder weniger intensiv von Unberufenen und Berufenen zum Unheil oder zum Heile der Kunst und historischen Denkmale ausgeiibt worden war. Der Entwicklungsgedanke als Kern der Riegelschen Theorie fixieri jedes Kunstdenkmal als historisches Dokument, dessen Aussagekraft durch eine Veränderung eingeschränkt oder vernichtet werden kann. Das Operieren mit den von Riegel eingeführten Wertbegriffen: Histo­ rischer Wert. Alterswert. Kunstwert. Stimmungswert u. s. w. erlaubt es. ein Denkmal auf die ihm zustehende Bedeutung zurückzu führen und danach das denkmalpflegerische Verhalten zu bestimmen. Gerade an der Wandmalerei zeigen sich alsbald die Früchte der Riegelschen Gedanken, wobei er unter anderem charakteristischer Weise auch auf die Im- ponderabilien der »Stimmungswirkung« hinwies, »die durch die rein optische Erscheinung der Altersspuren als Zeugen des allmählich hi­ storischen Werdens und Auslebens hervorgerufen wird«. Kurzerhand bezeichnete er die Übermalung der Fresken, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts geschehen war, als Verbrechen, für das es keine Ent­ schuldigung gebe. In Berichten, die wenige Jahre später über die Entdeckung und Restaurierung von Wandmalereien erschienen sind, werden nun über die Beschreibung der Bildinhalte hinaus stilkritische Urteile und kiinstleri- • sehe Wertungen abgegeben,5 Äußerungen, die die Schonung und Unter­ suchung der Bildoberfläche als Träger des dokumentarischen Beweises zur Voraussetzung hatten. Damit hat die kunstgeschichtliche Erfor­ schung des Komplexes der mittelalterlichen Freskomalerei ihren An­ fang genommen. Kurz darauf wurde bereits ein Verzeichnis aller in der Monarchie zwischen 1902 und 1906 neu aufgefundenen Wandgemälde zusammengestellt und auf die Notwendigkeit der Herausgabe eines • Corpus der Wandmalerei hingewiesen.6 Die Schätzung der Fresken als sehr unmittelbarer und — bei Neuaufdeckungen — oft unberührter Zeugen des »Kunstwollens« vergangener Zeiten setzte sich in der Folge rasch durch, so daß alsbald die ersten Gedanken an eine »Entrestaurie- rung«, noch vor kurzem »restaurierter«, d. h. rekonstruierter, ergänzter Abb. 160. M ariu Saul. K inderm ord, vor der E ntrestaurierung Abb. 161. M aria Saal, K inderm ord, nach der E ntrestaurierung und mit Ölfarbe übermalter Fresko-Ausstattungeu auftauchten,7 gefähr­ dete Freskenzycklen abgenommen und in die Geborgenheit von Museen geflüchtet8 und wichtige Wandgemälde von Übermalungen aus älterer Zeit befreit wurden.* Die ersten Kopien von Wandgemälden waren schon ■ zur Zeit der Rekonstruktionen hergestellt worden. Immerhin gibt es unter den Freskorestaurierungen, die zwischen etwa 1910 und 1930 in Österreich ausgefiihrt worden sind, einige die auch den später gestellien Anforderungen standzuhalten vermochten. 10 Im allgemeinen aber ist iest- zusteilen, daß erst um 1930 sich auch die technischen Kenntnisse soweit gefestigt hatten, um im Durchschnitt mehr oder minder einwandfreie Ergebnisse zu gewährleisten. Daß es nicht immer möglich ist, die Metho­ den, die der Sicherung des »kunstgeschichtlichen Dokumentes« gelten, konsequent anzuwenden, weil der »Neuwert« oder der »Gebrauchswert« einer Kirche nach einer Restaurierung den Auftraggebern wichtiger er­ scheint als wissenschaftliche Verantwortung, braucht nicht besonders erörtert zu werden. Die Frage ist auch solange nicht von wesentlicher Bedeutung, als es sich um untergeordnete in ihrer Eigenschaft als Do- A b h . 1 6 2 . S a l z b u r g , N o n n b e r g , S t i f t s k i r c h e . P a r a d i e s . 6 . N i s c h e ( I I I . G r e g o r i u s ) ( 1 . H l f . X I I . J h r h . ) kumente nebensächliclie Denkmäler handelt. Dies fetzustellen ist heute, angesichts des bereits vorhandenen Freskenbestandes möglich. Handelt es sich um Dokumente in unserem Sinn, so muf5 die Möglichkeit zur A b b . 1 6 5 . S a l z b u r g , S t i f t s k i r c h e , P a r a d i e s , 6 . N i s c h e ( H l . G r e g o r i u s ) a u s G . H e i d e r , M i t t e l a l t e r l i c h e K u n s t d e n k m a l e i n S a l z b u r g , T a f . 2 konsequenten Verfolgung exakter Methoden gegeben sein. Als Doku­ mente, die solchen Einschränkungen unterliegen würden wir alle Wand­ gemälde bis einschließlich des XIII. Jahrhunderts ohne Rücksicht auf ihre künstlerische Qualität betrachtet wissen wollen, ferner Gesamtaus­ stattungen oder Zyklen, auch wenn sie schon dem XY. oder XVI. Jahr­ hundert angehören. Unter allen Umständen aber erscheint es uns heute empfehlenswerter, allzugeringe Reste oder künstlerisch minderwertige Malereien hach Notierung und photographischer Aufnahme wieder mit Tünche zu überziehen, als sie um den Preis einer Ergänzung zu erhalten. Die Frage der oft kaum vermeidbaren Ergänzung kann ja in den sel­ tensten Fällen zufriedenstellend beantwortet werden. Zahlreich sind die Versuche, die zur Lösung dieser Frage in den letzten Jahrzehnten angestellt worden sind. Zu den ältesten — bereits in aller denkmalpflegerischer Schonung des Originalbestandes durch­ geführten — gehört die Ergänzung der Fehlstellen mit Kohlelinien auf * farbig neutral gestimmten Grund1 1 ; ähnlich die Methode, fehlendes nicht durch Zeichnung, sondern durch Grisaille-Malerei zu ersetzen. Während das erstgenannte Verfahren wohl als überholt gelten darf, gelangt das zweite, und zwar bei Malereien die aus dem späteren XVI. Jahrhundert oder der Barockzeit entstammen gelegentlich noch zur Anwendung. Be­ sonders ist hier auf die am Istituto del Restauro in Rom entwickelte Methode des Tratteggio zu verweisen, die bei »Wiederherstellung« der Mantegnafresken in Padua mit Erfolg angewendet wurde. Eines darf wohl als Grundregel gelten: die Ergänzung soll sich möglichst nicht auf wesentliche Bestandteile eines Gemäldes erstrecken (z. B. Neumalung von Köpfen!). Die völlige Aufhebung des »Kunstwertes« kann die Folge derartiger Ergänzungen sein. Eine wissenschaftliche Irreführung entsteht in der Regel nur bei bewußten Fälschungen, wie der aufsehenerregende Fall in der Lübecker Marienkirsche in den letzten Jahren erwiesen hat. Es gibt freilich noch eine Art der Ergänzung, die Anlaß zu grobem Irrtum geben kann. Schon Ende der Dreißiger-Jahre in einigen Fällen in bester Absicht angewendet, muß die Methode bei näherem Zusehen entschieden abgelehnt werden: In St. Nikolaus bei Matrei (Osttirol) wur­ den fehlende Köpfe einzelner Heiligenfiguren 11111 der künstlerischen Geschlossenheit des Gesamteindruckes willen im Umriß und in einem neutralen T011 dazugeschummert. Es wurde damit, vor allem für den Laien freilich ein günstigerer Gesamteindruck erreicht: gleichzeitg aber entstand die gefährlich irreführende Vorstellung, als handle es sich um die Untermalung der Köpfe, die im Original noch vorhanden sei, und als hätte gewissenhaftere Abdeckung ein besseres Endresultat erwarten las­ sen können. Ganz unbeabsichtigt also nähert sich diese Methode der raffinierten Fälschung und ist daher schon aus diesem Grund kaum mehr diskutabel. Leider ist sie vor wenigen Jahren noch bei einem der wertvollsten Denkmäler der Wandmalerei in den Alpen, bei den karo­ lingischen Fresken der Klosterkirche in Mustair — Münster (Graubiin- • den) herangezogen worden. 12 Gewiß war die Aufrechterhaltung des »Gebrauchswertes« der Kloster- und zugleich Pfarrkirche in der einsa­ men Gebirgsgegend die Voraussetzung dafür, daß die Fresken überhaupt freigelegt werden konnten. Vielleicht hätte sich diesp aber auch auf andere — im Hinblick auf den einzigartigen kunstgeschichtlichen Wert des Gemäldezyklus und des Bauwerkes — einwandfreiere Weise errei­ chen lassen. Abb. 164. Salzburg, Nonnberg, Stiftskirche, Kopie der Nische 6 im Paradies (Hl. Gregorius) Unter ähnlichen, ebenfalls vor etwa zwei Jahrzehnten ausgeführten Versuchen sei die, bewußt als Experiment unternommene Ergänzung des zur Hälfte zerstört gewesenen Freskenzyklus der Taborkirche in Weiz in freier künstlerischer Neuschöpfung angeführt. Der Versuch ist seither — wenigstens in Österreich und mit Wissen der staatlichen Denkmal­ pflege nicht wiederholt worden. Interessant war hiebei die Beobachtung, daß diese, für die Ergänzung von Wandmalereien nicht in Betracht zu ziehende Methode auf dem Gebiet der Glasmalerei, die einzig befrie­ digende zu sein scheint. 13 Wie dem aber auch sei: In den letzten Jahrzehnten ist bei der Behandlung von Wandgemälden so vieles versucht worden, daß der Denkmalpflege heute theoretisch eine reiche Auswahl an Lösungen zur Verfügung steht. Gerade an ihnen zeigt sich deutlich genug, wie wenig Lösungen es gibt und daß nur eine einzige wirklich tragbare Lösung gegeben ist: Fragmente als Fragmente stehen zu lassen, den Pinsel nur unter zwingendsten Umständen (etwa zur Ausfleckung kleinster Fehl­ stellen) in die Hand zu nehmen, auch die technischen Manipulationen auf das Allernotwendigste zu beschränken und vor allem keinerlei tech­ nische Experimente mit dem Kunstwrerk anzustellen. Über die Voraus­ setzungen unter denen wir Abnahmen oder Übertragungen von Fresken für vertretbar oder wünschenswert halten, ist kürzlich berichtet wor- ' den. 14 Den Tendenzen gegenüber, ältere Malereien »neuwertige zu machen, deren kompromißlose Ablehnung der Denkmalpflege oft nicht immer möglich ist, bildet heute die kunstgeschichtliche Forschung das Gegen­ gewicht. Sie hat in den letzten dreißig Jahren auch auf dem Gebiet der mittelalterlichen Freskomalerei historische und geographische Zusam­ menhänge klären und der Öffentlichkeit durch große Publikationen die Bedeutung der Monumentalmalerei demonstrieren können. Durch diese publizistische Tätigkeit stärkt sie gleichzeitg der Denk­ malpflege den Rücken. Soviel nun auch von beiden Seiten liir die Erhaltung und die Erforschung der mittelalterlichen Wandmalerei getan wurde und getan wird, sovieles bleibt noch zu tun übrig. Vor allem besteht der dringende Wunsch, daß die oben erwähnte, vor einem halben Jahrhundert geäußerte Absicht, ein Corpuswerk der Wandmalerei zu veranstalten, verwirklicht werde. Dieses Corpuswerk dürfte sich frei­ lich nicht auf ein Land beschränken, sondern sollte sich dem Gedanken des von der UNESCO herausgegebenen und geförderten Corpus der mittelalterilchen Glasmalerei entsprechend, auf ein möglichst großes Gebiet erstrecken. Vor allem sollten die vorromanischen, romanischen und die Denkmäler des XIII. und XIV. Jahrhunderts erfaßt werden. Wenn auch der Denkmälerbestand noch keineswegs fixiert ist, sondern jedes Jahr neue Entdeckungen bringt, so dürfte doch der gegenwärtige Bestand bereits ein Gerüst ergeben, das zu errichten sich wohl verlohnen würde. Daß die gewT iß ungeheuere Arbeit am zweckmäßigsten von den Denkmalpflegestellen zu leisten wäre, ergibt sich aus den geschilderten Beziehungen. Die Verzeichnung der einzelnen Denkmäler oder auch ganzer Denkmälergruppen ist stellenweise so weit gediehen — sei es in Notizen, Karteien, Einzelpublikationen oder Gesamtwerken — daß die Arbeit sich vielfach auf eine Katalogarbeit und die photographische Aufnahme beschränken würde. Um schließlich vollkommen brauchbar zu sein, hätten die Verzeich­ nisse genaue Literaturangaben und eine gründliche Darstellung der archivalischen Quellen zu enthalten und außer den Schemata der Ge­ mäldezyklen auch die Risse und Schnitte der Bauwerke an oder in denen sie sich befinden (soweit sie für die zeitliche Beurteilung der Malereien von Wert sind). Ikonograpliische Übersichten und Kartenskizzen über die geographische Verbreitung hätten die Angaben zu vervollständigen. Eine gewisse Bewegungsfreiheit müßte den Bearbeitern wohl zugestan­ den sein, da Art der Denkmäler und Verhältnisse in den einzelnen Län­ dern variieren. Stele hat mit seinen Monumenta artis slovenicae und mit vielen einzelnen Publikationen die Wandmalerei eines ganzen Landes erfaßt und damit eine jener grundlegenden Arbeiten geschaffen, deren Wert von Dauer ist. Wir hoffen und wünschen, daß ihr allenthalben im Laufe der Zeit ähhliche Arbeiten folgen, damit eines Tages, mit Hilfe dieser vielfigurigen bunten Mosaiken, aus übergeordneter Schau, die Geschichte der Wandmalerei geschrieben werden kann. A N M E R K U N G E N 1 P. Clemen, Die rom anische M onum entalm alerei in den Rheinlanden, D üsseldorf 1916. 2 J. G r a u s , R o m a n . W a n d m a l e r e i e n z u P ü r g g u n d H a r t b e r g , M i t t . d . Z . K. 1902, S. 78 ff. 3 A. Riegl, D er m oderne D enkm alkultus, sein Wesen und seine Entstell­ ung, Wien 1903. 4 D i e R e s t a u r i e r u n g d e r W a n d m a l e r e i i n d e r H e i l i g e n k r e u z k a p e l l e d e s D o ­ m e s a u f d e m W a w e l / K r a k a u , M i t t . d . Z. K. 1904, S p a l t e 272. 5 Die Fresken in der Filialkirche von Sclieraunitz in O berkrain (P. H a u ­ ser), Mitt. d. Z. K. 1906, Spalte 123 f, oder Bericht von M. Dvorak über die »W andmalereien in der P farrkirche von Rapotenstein«, Mitt. d. Z. K. 1906, Spal­ te 152 ff. 6 P. Hauser, Verzeichnis der von 1902 bis 1906 aufgedeckten W andm ale­ reien usw. Jahrb. d. Z. K. 1907. Anhang. 7 Z.B. J o h a n n e s k a p e l l e i n P ü r g g , S t m k . . d e r e n F r e s k e n 1892/94 i n d e r g e ­ s c h i l d e r t e n M e t h o d e w i e d e r h e r g e s t e l l t w o r d e n w a r e n . 1903 d a c h t e m a n s c h o n a n d i e R e s t a u r i e r u n g , d i e e r s t 1939 b e g o n n e n u n d 1948 f e r t i g g e s t e l l t w e r d e n k o n n t e . 8 L i c h t e n b e r g i m V i n t s c h g a u , T i r o l : 1913 a b g e n o m m e n u n d i n s T i r o l e r L a n ­ d e s m u s e u m F e r d i n a n d e u m i n I n n s b r u c k ü b e r t r a g e n ; M i t t . d . Z . K . 1914. 9 Vgl. A. Matejček, Die freigelegten W andm alereien in der St. Wenzels­ kapelle im Prager Dome, Mitt. d. Z. K. 1914. D er dem 16. Jahrhundert angehö­ rende sehr bedeutende Zyklus w ar von 1612 bis 1614 vom Hofm aler A. v. Kvetmi überm alt worden. 1 0 D azu gehörte die von Prof. M. Sternen in der B rücker M inoritenkirche 1915 ausgeführte Restaurierung. 1 1 Bereits vor dem ersten W eltkrieg in Einersdorf bei Bleiburg in U nter­ kärnten verwendet. 12 D a z u : L . B irc h le r , R e s t a u r i e r u n g v o n W a n d m a l e r e i e n i n K i r c h e n ( A u s d e r P r a x i s d e r E i d g e n ö s s i s c h e n K o m m i s s i o n f ü r h i s t . K u n s t d e n k m ä l e r ) . S e p a ­ r a t d r u c k . 1 3 Auf die G ründe kann hier nicht näher eingegangen werden. — D azu: E. Frodl-Kraft, M ittelalterliche Glasm alerei (Restaurierung und Erforschung), ü st. Zschft. f. K unst u. Dpfl.. 1/1955, S. 30 ff. 1 4 W. F r o d l, Z u r Ü b e r t r a g u n g e i n e s F r e s k o z y k l u s d e s 13. J h d t s . i m S t i f t S e c k a u , ö s t e r r . Z s c h f t . f. K u n s t u . D p f l . , 5-6/1954, S . 85 f f .