Kamstag den 22. August 1829. S cy e i n t 0 v. n frohes, glückwünschendes Volk auf den Knien,- — lieber Freund, es war ein schöner Anblick, und der alte ehrwürdige Mann weinte unaufhörlich. Als er "ber endlich über den Pcterspiatz wegfuhr, als er in die Vorhalle eintrat, als er ausstieg und auf dem Tragsessel gegen die Mittelthüre der Kirche St. Pelri getragen wurde, als ihm ein brausendes, tumultuari-sches Nvviva entgegen donnerte, und die goldglänzen-dcn heiteren Nähen und Fernen des Tempels vor ihm sich öffneien, da vermochte er nicht mchr,- er weinte wie ein Kind, er hielt ein Tuch vor die Augen, und manche Thräne floß ihm von einem gerührten Menschenherzen zu. Diesen Augenblick will ich nicht vergessen, denn nichts ergreift mich heftiger, als die schöne Wirkung einer geistigen Kraft in einem großen Ganzen, und wo hätte ich diese jemals in ernstern und kolossaleren Formen gesehen? — ----,» — Nes Sultans Schatz in Uonstantinopel. Verschiedene Gesetze des Korans schreiben den Muselmännern vor, Ersparnisse zu machen. Um dieser Vorschrift nachzukommen, legte jeder Monarch, der seit Mahomed II., welcher Konstantinopel im Jahre 1453 eroberte, und daselbst rcsidirte, in einem Zimmer des Serails all' das Gold, Silber und andere Kostbarkeiten zurück, weiche er zu sammeln vermochte. Die auf di^se Art durch jeden Sultan zurückgelegte Summe stieg bis aus beiläufig 5 Millionen Gul« den. Dieß soll, wie man sagt, eine dem eingeführten Gebrauche gemäße Summe gewesen seyn. Diese befolgte Vorschrift in Aufhäufung der Sparbrträge abgerechnet, welche er aus dem Umlaufe im Staate zog, rechnete es sich jeder Sultan für eine höhere Gunst des Himmels an, wenn er denselben die in kostbaren Steinen und andern höchst werchvollcn Gegenständen bestehenden Geschenke beifügen, und sie dadurch vermehren konnte. Ja, das Vorurtheil hierbei stieg im muhamedani? schen Reiche zu solch' einer Höhe, daß man selbst die Überzeugung nährt, je mehr diese Anhäufungen vergrößert, desto glücklicher und gesegneter würde die Regierung sepn. Bis jetzt hieß man sie dcn heiligen Schatz. Allein der sonderbarste Umstand bei allem dem ist, was aus diesem Schatze wird, den jeoer Sultan auf diese Art aufhaust. Jedes Jahr nimmt der Kislar Aga, oder Oderhaupt der Eunuchen, ein Inventar über die in demselben Jahre gesammelten Reichthümer auf, und nach Beendigung deM begibt sich der Großherr, begleitet von den Großwürdenträgern des Reichs, im Staate nach der heiligen Schatzkammer, und heftet sein Siegel auf die Kiste. Nach dem Tode des Großherrn findet man in diesem Zimmer so viele Kisten, als er Jahre gelebt; dann wird es verschlossen, die Siegel derDignilarien des Rcichs auf die Thüre desselben gelegt, und die Ausschrift angebracht, welche die Anzeige enthält, von welchem Sultan der Schatz sti. Del nachfolgende Herrscher sammelt seinen Schatz in einem andern Zimmer dcs Serails; nach seinem Tode lr^> es auch verschlossen, und sofort nach jeder neuen !)ü-- g-'erung. Seil Mahomed II. waren nun Hl Sultane zu Konstantinopel, folglich sind eben so viele Zimmer im Serail, die jedes den von einem Sultan gesammelten Schatz enthalten. Gin Sanvsturm. In den großen Wüsten Afrikas und Asiens find Sandstürme keine Seltenheit und richten bisweilen großes Unglück an. Menschen und Thiere werden von 4hnen begraben und sterben eines elenden Todes. Im Jahre 1822 reiscte der englische Major Denham von Sokna nach Murzuk (in Afrika) und wurde in der Wüste von einem Sandsturme überfallen, der ihm «ine deutliche Vorstellung von der furchtbaren Wirkung dieser Winde gab. Derselbe hob den feinen Sand, wo-niit der Boden bedeckt war, in die Höhe, so daß die Zanze Atmosphäre damit angefüllt war; in dem unermeßlichen Raume vor sich konnten die Reisenden kaum einige Fuß weit sehen; die Sonne war ganz verfinstert 2md ein erstickendes und drückendes Gefühl bemächtigte sich ihrer, so wie sie durch die Sandmasscn schritten. Bisweilen verloren sie die Kamehle ganz aus dem Gesichte, ob sie gleich nur wenige Fuß vor ihnen waren. Den Pferden hing die Zunge aus dem Munde und sie wollten nicht gegen den herumfliegenden Sand gehen. Ein Schaf, das der Earauane folgte, legte sich nieder imd man mußte es schlachten. Alle quälte ein brennen-der, nicht zu stillender Durst. Bis um 3 Uhr Nachmittags hatten sie bloß eine kleine Strecke zurückgelegt, gls der Wind nach Osten umsprang und man wieber frei athmete. In diesen Wüsten sieht man auch Sandsäulen, welche besonders der berühmte Reisende Bruce als sehr furchtbar schildert. Als der Engländer Browne 3m Jahre 1796 eines Tages auf dem Marktplatze zu Kobbä in Darfur saß, bemerkte er eine sonderbare Erscheinung in der Luft, die er bald für eine Sandsaule, erkannte, welche ein Wirbelwind in der Wüste «mporhob. Sie war dem Anscheine nach 1 1^2 engli' sche Meile von ihm entfernt und dauerte ungefähr acht Minuten. Der Sand ist in der Wüste bisweilen zu Hügeln von 20 bis 60 Fuß Hö'he aufgehäuft. O u r i o s a> In Copenhagen starb unlängst ein fthr reicher Mann, Namens Arbor, der i^ TonnenßGoldes, aber <—kein Kind hinterließ, und ein wahrhafter Epicuracr war. Morgens im Vette trank er Kaffeh und aß vier warme Pasteten. Wenn er aufgestanden war, trank er Thee und rauchte eine Pfeife. Hierauf kam ^das Frühstück: zwei warme Gerichte, wobei sein Arzt gegenwärtig seyn mußte, dem er jährlich 1200 Reichs-bancothalcr zahlte. Mittags verzehrte er nicht weniger als 4 — 6 Gerichte, und Abends, wenn er aus der Gesellschaft kam, wieder drei Gerichte. Seine Bibliothek bestand bloß aus drei großen Foliobänden, die er in seinem Zimmer bei verschlossenen Thüren hatte einbinden lassen, und welche nichts als königlich dänische Obligationen enthielten. Diese Bände trug er zur Terminzeit, am 11. Juni und 11. December, jedes Mal hin und zurück und höhlte sich seine Zinjcn. Er hatte in Copcnhagcn fünf völlig meublirte Häuser. Ward Jemand in einem derselben oder in der Nähe krank, so zog er sogleich in ein anderes. In der nordamerikanischcn Grafschaft Mcdina haben die Mädchen, um dem zu häufigen Genuß des Branntweins unter den jungen Herren entgegen zu wirken, den Beschluß gefaßt, an keinen Liebhaber geistiger Getränke ihr Herz zu verschenken. Die jungen Leute haben dagegen Repressalien gebraucht, und sich verabredet, keinem Frauenzimmer, das einen Schnürleib trägt, den Hof zu machen. Wenn der Branntwein, sagen sie, die Menschen zu Tausenden Hinweg-gerafft, so hätten die Schnmlcibcr sie zu Zehntausenden getödtet. Vommersche Anecvoten. Ein Pommcrschcr Edelmann sagte seiner Frau, die ihn in der Nacht bat, aufzustehen und Licht zu ma-chen, weil sie sich sterbend fühle: »Eh, so stirb man, und lat mick slavcn >« (schlafen.) Ein preußischer General, der nach vielen Jahren wieder nach Pommern kam, seine alte Mutter noch fand und traktine, wurde von ihr gefragt: »Myn Sö'"' ick hebbe di !a Hans tö'pcn (taufen) laten, we bis d»» denn to den Namen Lenz (Excellenz) gekommen?« Ein pommcrscher Soldat, dem in der Schlacht bei» He Beine abgeschossen waren, sagte dem Chirurg' «Hundertmal hab' ick dem lcven Gott Leib und Seele empfohlen, aberst ni; an die verfluchten Bcene 2?' dacht.« Nevacteur: M'. Vav. Keinrich. Verleger: Dgnaz Al. Svler v. Uleinmau^