lOlf'62 S/ - //6rV Von demselben Verfasser sind in gleichem Verlage erschienen' Zur Kenntnis der gesunden und kranken Thranendruse. Preis M. 2.50 = K 2.80. „B. legt in seiner Arbeit eine ausgezeichnete Darstellung der normalen Anatomie der j Thranendruse vor, sovvie eine eingehende Schilderung der ver- schiedenen Erkrankungsformen dieses Organes. Die Krankheitsformen der Thranendruse werden klinisch, pathologisch-anatomisch und genetiscli genau geschildert. Bei dem reichen Inhalte des Werkes ist ein Hervorheben dieser oder jener Thatsache unmoglich. Da eine ahnliche Arbeit bisher so gut vvie ganz gefehlt bat, begriiBen wir die Bock’sche mit ganz besonderer Freude und empfehlen dies vortreffliche Werk den Herren Faclicollegen aufs Beste.“ (Fortschritte der Medicin, XV., S. 104.) Die angeborenen Kolobome des Augapfels. Eine anatomische und klinische Studie. Mit 39 Abbildungen auf 6 Tafeln in Lichtdruck und G Figuren im Texte. Preis M. 8.- = K 9.-. „.Die Arbeit ist eine vverte Bereicherung unserer Kenntnisse liber die Kolobome des Auges und ist daher zum Studium derselben, besonclers auch hinsichtlich der anatomischen Einzelheiten, iiusserst geeignet." ( XXIV.Jahresb.ilb . d. Leistungen u. Fortschritte im Gebieted. Ophthalmologie , S. 222.) „In einer sehr lesenswerten Monographie iiber Kolobome des Augapfels hat B. mit bewundernswertem Fleisse ein iiberaus reiches Material verarbeitet.“ (Centralblatt fiir Angenheilkunde, Leipzig 1894 , S. 493.) „Die Grundlage des vortrefflichen Werkes bildet die genaue anatomische Untersuchung von 22 einschliigigen Fallen, von denen 10 den Menschen- und 16 Thieraugen entstammten. Die Arbeit von Bock ist in klinischer wie in anatomischer Bezielmng gleich wertvoll und fiir den behandelten Gegen- stand von hervorragendster Bedeutung." [Deutsche medicinische Wochenschrift, Leipzig 1894, Nr. 21.) „. ... Das Buch, welches nur studirt, nicht aber in Kurze referirt werden kann, gliedert sich ubersichtlich in drei Absc.hnitte: . Das Werk stellt eine wertvolle Bereicherung der neuesten ophthalmologischen Literatur dar.“ (St. Petersburger med. Woclienschrift, 1894, Nr. 11.) Uber Trachom. Mit besonderer Berticksichtigung seines Vorkommens in Krain. Von Dr. Emil Bock, Primarius der Abtheilung fiir Augenkranke im Landesspitaie zu Laibach. : 1 U * Mit einer Kartenskizze. WlEN. Verlao von Josef ŠafAr. Alle Rechte vorbelialten. 101962 Seitdem ich in Krain als Augenarzt wirke (October 1887), , habe ich dem Trachom in diesem Lande grobe Aufmerksanikeit geschenkt, welche gleich im Anfang angeregt vvurde durch Falle verschiedener Stufen dieser Krankheit. Diese stammten zwar aus verschiedenen Theilen des Landes, aber vornehmlich doch aus einigen bestimmten Gegenden, so dass das Bild der Verbreitung des Trachoms in Krain fiir mich in groben Umrissen bald ge- geben war. Meine regelmaBigen Anzeigen aller mir vorgekommener Trachomfalle, diesbezugliche Veroffentiichungen') und meine Be- richte im Landessanitatsrathe veranlassten die Behorden seit dem Jahre 1891 auch in Krain MaBregeln zu ergreifen, um der Aus- breitung des Trachoms zu steuern. In Verfolgung dieser MaB- nahmen wurde ich unter anderem im April 1899 von der k. k. Landesregierung beauftragt, in einer der am meisten betroffenen Gegenden (Laserbach) Erhebungen, an Ort und Stelle zu pflegen und dartiber im Landessanitatsrcithe zu berichten. Es war mir eine vvjllkommene Gelegenheit, dieser Mittheilung iiber die Trachom- verhaltnisse in Laserbach einen umfassenden Bericht iiber das Trachom in Krain iiberhaupt anzuschlieBen, gestiitzt auf eine Er- fahrung von 12 Jahren. Ich fiilire iiber die von mir untersuchten Trachome Aufzeichnungen, so dass mir von den meisten der Aufenthaltsort bekannt ist, von vielen auch noch der Ort wo, bisvveilen auch die Art, wie die Ansteckung stattgefunden hat. Meine diesbeziiglichen Bemiihungen sind dadurch erleichtert, dass ich in meiner Sprechstunde und auf meiner Abtheilung im Landes- spitale fast alle Augenkranken Krains zu sehen bekomme. Es kann daher mein oben erwahnter Bericht, welcher bis zu Ende ') Uber Trachom. Allgem. Wien. mediz. Ztg. 1889. Die Anvvendung von Sublimat bei Trachom. Wien. klin. Wochenschr. 1891. 1 * 4 1899 vveitergefiihrt die Grundlage fiir diese Veroffentlichung ist, als ein annahernd genaues Bild der Trachomverhaltnisse ih Krain gelten, umsomehr, weil die darin enthaltenen Beobachtungen ein- heitlich sind und mit vieljahriger Kenntnis des Landes durch- gefiihrt wurden. Wenn ich daran gehe, in den folgenden Zeilen iiber den Gegenstand einem groBeren Kreise zu berichten, so geschieht dies aus mehreren Grunden: In erster Reihe leiten tnich solche augenarztlicher Art. Wenn man in einem verhaltnismaBig kleinen Kreise vvirkt, so kann man die verschiedenen Falle durch lange Zeit hindurch beobachten, kann so den Verlauf und die Ergebnisse arztlicher Eingriffe genau verfolgen, und auch was gerade bei Trachom sehr wichtig und bis nun fast gar nicht bekannt ist das Schicksa! jener Falle sehen, welche niemals arztlich behandelt wurden. Diese zeigen uns, dass das Trachom viel haufiger, als man bisher anzunehmen geneigt war, ohne Behandlung heilt, oder besser gesagt, zum Stil 1- stand kommt. Weiters sind es gute und bose Erfahrungen bei gehauftem Auftreten von Trachom in fiir sich abgeschlossenen Gegenden, in Waisenhausern u. dgl., welche nicht ohne Interesse sind. Endlich habe ich den Wunsch, meinen Bericht jenen wenigen anzuschlieBen, welche in groBerem Umfange die diesbezuglichen Verhaltnisse anderer Lander schildern (z. B. Ungarn, PreuBen 1 ), umsomehr, als mir auBer jenem iiber Bohmen 2 ) und Galizien 3 ) von keinem Kronlande Osterreichs ausfiihrlichere Mittheilungen bekannt sind. Die Bohmen betreffenden waren von Gesichtspunkten geleitet, welche mit den heutigen Erfahrungen nicht mehr iiberern- stimmen, jene iiber Galizien beschaftigen sich hauptsachlich mit den Aufzeichnungen der Militaraushebungen. Die Trachomfrage hat bereits einige Congresse beschaftigt, in deren Vortragen und Arbeiten auch die auf Ansuchen der be¬ treffenden Berichterstatter von mir eingesendeten Bemerkungen ’) Von diesen will ich nur ervvahnen: Feuer, Das Trachom in Ungarn, 1897. Hirschberg, Klinisches Jahrbuch (Fliigge und v. Mehring) 1897. Hirschberg, Berliner klin. Wochenschrift 1897. Greef Studien iiber epi- demische Augenkrankheiten. Klinisches Jahrbuch 1898. 2 ) Rei singer, Arcli. f. Ophthalm. XXXVI. 1, S. 167. •') Macheck, 7. Congress der polnischen Arzte und Naturforscher in Lemberg 1894, angefiihrt nach Nagel’s Jahresbericht XXV., S. 167. 5 unči ziffermaBigen Angaben iiber Krain aufgenommen wurden.‘) Merkwiirdigerweise wird im franzosischen Berichte Laibach zu Tirol gezahlt. Die Lehre voin Trachoin ist heute noch so vervvirrt, dass ich vor allem meinen Standpunkt in dieser Frage darlegen muss. Oestutzt auf anatomische Untersuchungen und klinische Beob- achtungen trenne ich Trachoin und Conjunctivitis fo 1 li¬ cu 1 a r i s voneinander. Die Komer des Trachoms sitzen in den tieferen Schichten der Bindehaut, uberragen daher diese nur mit einem Theile ihrer kugelahnlichen Oberflache, dringen mit der Zeit in die Tiefe und sitzen dann theilweise im Lidknorpel. In der iiberwiegenden Mehr- zahl der Falle zeigen sich die ersten Korner in der Bindehaut des Oberlides, hier vvieder im Bereiche des Lidknorpels und der oberen Obergangsfalte. Die Bindehaut des Unterlides wird von Trachom- kornern erst spater ergriffen, zeigt aber gleich zu Beginn ihr normales Lymphgewebe, die Follikeln, geschwollen. Das Trachom- korn ist mohnkorn- bis pfefferkorngroB, von grauer, graurothlicher oder schmutzigrother Farbe, seine Grenzen sind meist nicht deutlich. Es besteht aus Rundzellen entziindiicher Flerkunft. Die Bindehaut der Lider verliert schon nach kurzem Bestande der Krankheit Glanz und Durchsichtigkeit; denn sie ist blutreich, roth, oberflachlich in ihrem Papillarkorper und in ihrem Bindegewebe geschwollen. Die Zeichen der Entziindung ergreifen nach und nach alle Schichten des Lides. In einer Anzahl 2 ) von Fallen erkrankt auch die Oberflache der Hornhaut (Keratitis superficialis, Pannus). Das Trachomkorn setzt immer sehr giinstig verlaufende Falle ausgenonunen Narben, deren Dichte und Tiefe davon abhangt, wie tief das Korn und die mit ihm zusammenhangende Entziindung reichte. Langdauernde und von vorneherein schwere Trachome schadigen die Lider und den Augapfel sehr arg und fiihren nicht selten zur Erblindung. Das Trachom ist sehr an- steckend durch unmittelbare Ubertragung. Das Trachom ist ‘) von Renss, Statistik des Trachoms in Cisleithanien. Sonderabdruck aus den Arbeiten des m Budapest 1894 abgehaltenen Vlil. internationalen Congresses fiir Hygiene und Demographie. 1897. van Millingen, Annales d’oculist. Sept. 1895. Revue medico-pharmac. Oct. 1895. 2 ) Ra e lil man n gibt 63°/ 0 an. Nach meinen Erfahrungen ist diese Zalil in unseren Oegenden nicht so hocli. 6 das Muster einer chronischen Krankheit, auch sog. leichtere Falle dauern immer mehrere Monate; schwere Falle sind oft unheilbar und bediirfen jahrelanger arztlicher Behandlung, um in einen ertraglichen Zustand gebracht zu werden. Das Trachom kommt sporadisch und epidemisch vor, an vielen Orten der Erde ist es endemisch. Das Trachom ist eine Krankheit der Farnilien, Waisenhauser u. dgl. Man erkrankt an Trachom desto sch werer, je j u n ge r man ist. Greise erkranken schvverer, als Menschen in der Blute des Lebens. Die Erkrankung an Trachom wird durch Diirftigkeit der aufieren Verhaltnisse und Unsauberkeit der Menschen und ihrer Wohnstatten sehr begiinstigt; dieser Umstand fallt mehr ins Gewicht, als Veranlagung des einen oder des anderen Menschen- stammes, wenn auch manche Beobachtungen fur letztere bis zu einem gevvissen Grade sprechen. Die Korner der follicularen Bindehautentziindung sitzen in, man mochtefast sagen an der Oberflache der Bindehaut beider Lider, besonders reichlich in der unteren Ubergangsfalte, sparlicher im Tarsaltheile des oberen Lides. Diese Korner sind mohnkorngroB und etvvas dariiber, hellfleischrosa, sind Lymph- gewebe, sehen aber manchmal durchsichtig wie Blaschen aus, sind aber nicht mit Fliissigkeit gefullt, sondern tauschen dies nur durch ihre oberflachliche Lage vor. Die Bindehaut ist, von geringer Schvvellung und Rothung abgesehen, normal, vor allem immer durchsichtig, so dass man den Lidknorpel mit den MeibonTschen Driisen sehen kann. Die Bindehaut der Lider ist der einzige erkrankte Theil, das ubrige Lid und der Aug- apfel bleiben immer gesund. Die folliculare Bindehaut- entziindung ist eine langdauernde Krankheit, welche aber immer ohne Narben heilt, oder wenigstens in einen Zustand gebracht werden kann, dass der Kranke davon nicht belastigt und seine Umgebung nicht gefahrdet wird. Die folliculare Bindehaut- entzundung ist ansteckend, ob durch die Luft oder durch un- mittelbare Obertragung, weiB man nicht; jedenfalls spielt aber hier die Beschaffenheit der Luft in Schulzimmern u. dgl. eine Rolle. Die folliculare Bindehautentziindung tritt meist in Haufung der Falle auf; jedoch begegnet man nicht selten auch einzelnen Fallen. Sie ist vorvviegend eine Schulkrankheit; sie ergreift nur Kinder und jugendliche Individuen. Das Trachom ist eine bosartige, Conjunctivitis follicularis eine gutartige Erkrankung. Ich stimme aber jenen Augenarzten 7 nicht bei, welche sich dahin aussprechen, die Conjunctivitis follicularis sei so harmlos, dass sie gar keiner Behandlung bedarf. Dies alles ist leichi verstandlich, wenn wir die Herkunft der Korner beriicksichtigen. Das Trachomkorn ist eine infolge des Reizes durch ein uns noch unbekanntes kleinstes Lebewesen entstandene Ent- ziindung des Bindegewebes um die Lebevvesen, wie bei Tuber- culose, Lupus, Lepra u. dgl. Das Korn der Conjunctivitis follicularis ist echtes adenoides (Lymph-) Gewebe, welches theils in der gesunden Bindehaut des unteren Lides, besonders der Obergangsfalte (vor allem bei lymphatischen Menschen), bereits sichtbar ist, tlieils erst auf den Reiz der Erkrankung durch Anschwellung sichtbar wird. Eine Neubildung von reticularem Oewebe ist nicht ausge- schlossen. In dieser Weise lassen sich die beiden genannten Erkran- kungen der Bindehaut auseinanderhalten in deutlich ausge- sprochenen Fallen. Leider ist dies nicht immer so und man be- gegnet oft Fallen, in denen auch der erfahrene Augenarzt ge- rade dieser am ehesten nicht im Stande ist, bestimmt zu sagen, ob Trachom oder folliculare Bindehautentziindung vorliege. Solange es noch nicht gelungen ist, jene kleinsten Lebevvesen, vvelche dem Trachom zugrunde liegen, mit Sicherheit nachzu- vveisen, solange miissen wir ehrlich eingestehen, dass in manchen Fallen erst eine langere Beobachtung die obige Entscheidung moglich macht. Der Augenarzt befindetsich dann in derselben Lage, als der Arzt vor der Entdeckung des Tuberkelbacillus bei ver- schiedenen Erkrankungen der Luftvvege. Das Bacterium des Tra- choms ist wohl etvvas fiir sich besonderes, weil das Trachom auf anderen Schleimhauten nicht haftet. Die Schwierigkeit der Erkennung des Trachoms wird noch vermehrt durch jene Falle, wo durch Eindringen von Spaltpilzen Bindehautentziindungen mit acuter Kornerbildung auftreten (Ba- cillus Koch-Week, Pneumokokken), oder wo infolge auBerer Reize oder solcher im Bereiche des Auges (Entziindung) die physio- logischen Lymphfollikeln der Bindehaut des unteren Lides an- schwellen. Dieser letztere Vorgang ist gleich der Anschvvellung des Lymphgewebes an irgend einer Stelle des Korpers infolge eines entziindlichen Herdes im Bereiche des betreffenden Lymph- bezirkes. 8 Bei der Diagnose »Trachorm habe ich mich immer von deri oben angefiihrten Gesichtspunkten leiten lassen. Ich habe natiirlich auch viele verdachtige oder unklare Falle gesehen, deren rasche Heilung gegen Trachom sprach, oder welche sich bald der Beobachtung errtzogen, dass ich nicht dazu kam, die Entscheidung zu treffen. Solche Falle finden in diesem Berichte, besonders was den ziffermaBigen Theil betrifft, keine Beriick- sichtigung. Meine Erfahrungen beziiglich der Behandlung des Trachoms sind folgende: Ich habe auBer den durch die augenarztliche Uberlieferung bekannten Mitteln auch alle jene angewendet, welche von ver- schiedenen Seiten empfohlen wurden und habe auch selbstandig mit einem oder dem anderen Mittel Versuche angestellt. SchlieBlich bin ich aber zur Oberzeugung gekommen, dass man nur mit einer kleinen Anzahl von MaBnahmen wirklichen Erfolg erzielt, will daher die Versuche mit allen jenen, welche mehr oder weniger nur Modesachen sind oder die Bedeutung von Eintags- fliegen haben, nicht anfiihren, sondern mich liier nur auf jene beschranken, welche ich heute anvvende. An die Spitze setze ich, trotz mehrfacher gegentheiliger Behauptung, noch immer den Hollenstein und das schvvefel- saure Kupfer, den ersteren in vvassriger Losung von 2 — 3 zu Hundert als Pinselung, das letztere als plattgeschliffenen Krystall, so groB, dass man ihr. leicht halten kann. Nur hochst seiten vervvende ich Hollenstein mit Vaselin als Salbe. Die Anzeige zum Gebrauche des einen oder des anderen Mittels ubergehe ich als allgemein bekannt, und wi!l nur anfiihren, dass ich immer mit Hollenstein- pinselung beginne und sie auch im vveiteren Verlaufe dem Streichen mit Blaustein vorziehe, weil man mit ihr die Wirkung viel besser bemessen kann. Ich kenne keine Behandlungsart des Trachoms, bei vvelcher man des einen oder des anderen dieser beiden Mittel entrathen konnte, mit Ausnahme bei jenen, leider so seltenen Fallen, in vvelchen eine giinstige Lage der Trachom- korner es ermoglicht, dieselben durch einen operativen Eingriff zu entfernen. Beziiglich des Sublimats stehe ich heute noch aufdemselben Standpunkte, vvelchen ich in meiner oben angefiihrten Veroffent- lichung vertreten habe. In frischen Fallen ervveist es sich in der 9 Regel wirkungslos, bisweilen verschlimmert sich der Zustand sogar, dass ich seine Anvvendung bei diesen ganz aufgegeben habe. Bemerkenswert ist die erfolgreiche Wirkung in Fallen, welche aus meist nicht auffindbaren Griinden weder Hollenstein noch Blaustein vertragen, beziehungsvveise bei alten Fallen von Narben in der Bindehaut mit immer vviederkehrender oberflach- licher Entziindung der Hornhaut. Die gunstige Wirkung ist hier umso willkommener, als es sich hier um Falle handelt, welche mit der Hartnackigkeit der Reizerscheinungen die Geduld des Kranken und des Arztes auf eine harte Probe stellen. Die Behandlung besteht in Abreiben der Bindehaut der umgestiilpten Lider mit Wattebauschchen, welche in wasserige Losung von 1:5000 bis 1:1000 und sogar 1 :500 getaucht sind. In Losungen von 1:10.000 und 1:5000 ist es als zeitvveiliges Waschwasser der Bindehaut ein gutes Unterstiitzungsmittei der Behandlung mit Hollenstein oder Blaustein beim Auftreten zahlreicherer Falle in Waisenhausern u. dgl. Sublimatvaseline zum Verreiben im Bindehautsacke verordne ich zu hauslichem Gebrauche nicht nur Kranken mit altem Narbentrachom zur Milderung ihrer mannig- faltigen Beschwerden, sondern in Ausnahmsfallen auch solchen mit frischer Erkrankung, welche durch auBere (Jmstande ver- hindert sind oft den Arzt aufzusuchen, als Unterstiitzungsmittei der arztlichen Behandlung. So sehr ich von der Behandlung der Blennorrhoea neonatorum mit Protargol abrathen muss, so sehr kann ich es als eine Bereicherung unserer Behandlungsarten des Trachoms bezeichnen, jedoch keineswegs in dem Sinne, dass es ein Ersatz fiir den Hollenstein ware; denn in jenen Fallen, wo dieser angezeigt ist, ervveist sich Protargol als fast vvirkungslos. Ich vervvende es in Fallen, vvelche schon der Heilung entgegengehen, nicht nur zur Bestreichung der Bindehaut mit Wattebauschchen, sondern auch als Tropfvvasser (2°/ 0 ), wenn der Kranke nicht taglich zum Arzte kommen kann. Protargol erweist sich dann als vvirkungsvolles Adstringens, welches nicht nur sichtlich die kranke Bindehaut giinstig beeinflusst, sondern auch die beschwerlichen Gefuhle der Kranken, wie Brennen u. dgl., mildert oder zum Verschwinden bringt. Nach schweren Misserfolgen, welche ich mit J e q u i ri ty hatte, als einer der Ersten, welcher dieses Mittel (1882) anvvendete, beniitze ich es nicht mehr. Wohl aber habe ich in zwei Fallen 10 von Narbenpannus durch Einimpfung des Eiters von Blennor- rhoae neonatorum einen so guten Erfolg erzieit, dass beide, friiher ganz ervverbsunfahige Kranke wieder als Taglohner ganz gut arbeiten konnen. Weitere Einzelheiten, wie die Behandlung der Miterkrankung der Hornhaut bei Trachom, ervvahne ich nicht, weil ich hier keine erschopfende Darstellung der Behandlung des Trachoms zu geben beabsichtige und gehe daher gleich zur operativen Behandlung des Trachoms iiber, wobei ich die gegen die Folge- zustande dieser Krankheit gerichteten Verfahren (bei Verkriippelungen des Lides, falscher Wimperstellung u. s. w.) nicht, sondern nur die gegen das Trachom selbst bestimmten MaBnahmen beriick- sichtigen will. Bezuglich dieser letzteren muss jeder Augenarzt eingestehen, dass keine Operation, moge es welche immer hiezu empfohlene sein, allein im Stande ist, das Trachom zu heilen, ausgenommen jene seltenen Friihformen desselben, bei welchen die Korner vereinzelt in einer Ubergangsfalte der Bindehaut liegen, daher mit der Ausschneidung des erkrankten Theiles dieser auch das Trachom entfernt wird. Die Erfolge der Ausschneidung der oberen Obergangs- falte entsprechen keineswegs der oft so iiberschvvanglichen An- preisung dieses operativen Eingriffes. Es ist unrichtig, dass die Aus¬ schneidung der Obergangsfalte auch vvenn sie genau und sorg- faltig ausgefiihrt wurde das Trachom heilt, vor allem die Wieder- kelir der Hornhautentzundung verhutet. Die Anzahl der Falle, vvelche diesbeziiglich einen gtinstigen Erfolg (ob bleibend?) auf- vveisen, ist so verschwindend klein, dass sie die Hekatomben ausgeschnittener Obergangsfalten niemals rechtfertigen kann. Ich kenne mehrere Falle, in welchen nach von Fachgenossen regelrecht ausgefiihrter Ausschneidung der Obergangsfalten ver- derbliche Verkurzung der Bindehaut erfolgte. Die Ausschneidung der Obergangsfalte ist nur angezeigt: 1. Bei den Formen mit vereinzelten Kornern in den Ober¬ gangsfalten, insbesondere der oberen und halbmondformigen, allenfalls mit der Carunkel, so dass man durch die Entfernung dieser Bindehauttheile auch die ganzen Krankheitsherde vertilgt. Die Falle dieser Art sind aber sehr selten; denn die Bindehaut im Bereiche des Lidknorpels des oberen Lides ist gleichzeitig fast nie frei, und sobald man hier bereits auch Korner findet, ist die Ausschneidung der Obergangsfalte auch bei gleichzeitiger 11 andersartiger Zerstorung der Korner fast zweckIos; denn neben den sichtbaren Herden im Bereiche des Lidknorpels gibt es dami immer schon kieine, noch nicbt sichtbare, vvelche dann, nnbeein- flusst durch die Operation, weiter wuchern. Es wird daher auch unter einer groben Anzahl von Tracbomkranken das Verfahren unter dieser Anzeige nur sehr selten zur Ausfiihrung kommen konnen. 2. Bei so reichlicher Wuchernng des Gewebes, dass die Behandlung mit medicamentosen Mitteln entweder gar nicht oder nur in kaum absehbarer Zeit zum Zi'ele fiih rte. Auch diese Form ist nicht gerade haufig, betrifft aber dann in der Regel die obere und die untere Ubergangsfalte. Die Ausschneidung der Ubergangsfalte unter anderen An- zeigen zu machen, ist in der iibervviegenden Anzahl der Falle nicht nur nutzlos, sondern auch sehr oft unmittelbar schadlich durch Entfernung von Gewebe bei einer Erkrankung der Binde- haut, welche schon bei gewohnlicliem Verlaufe Narben, also Gevvebsverluste setzt, daher Schonung des Gewebes in seinem Flachenausmab unisomehr geboten ist. Ich mache die Ausschneidung immer mit Nahten, d. h. umsteche mit groben, stark gekriimmten Nadeln die Obergangs- falte, schneide diese heraus und ziehe dann die mittlervveile mit Faden versehenen Nadeln durch, so dass dann nach Knupfung dieser eine lineare Wunde, bzgsw. Narbe zustande kommt. Nur selten veranlasst die Eiterung eines oder des anderen Fadens eine kaum merkliche Verbreiterung der Narbe. Die Faden stoben sich in der Regel rasch von selbst ab, so dass es meist nicht nothvvendig ist, sie mit der Schere zu entfernen. Ich operiere hiebei nur selten in allgemeiner Betaubung; es geniigt in der Regel ortliche Unempfindlichkeit mit Eintraufelung von Cocain oder HolocaTn und Einspritzung von CocaTn unter die Bindehaut. Zu den operativen Eingriffen gehort noch das Entfernen der Trachomkorner mit Schonung des Gewebes, in welchem sie sitzen. Dies geschieht durch Ausquetschen mit den Fingernageln, oder mit eigens dazu gemachten Werkzeugen, insbesondere der Knapp’schen Rollpincette. Beide Verfahren sind roh, besonders das erstere, sehr schmerzhaft, daher grundlich nur in allgemeiner Betaubung und nur dann ausfiihrbar, wenn die Korner sulzig sind und eine gevvisse Grobe erreicht haben. Die 12 Erfolge, welche ich gesehen habe, sowohl bei den von mir so behandelten Fallen, als auch bei jenen, welche von Fachgenossen diesem Verfahren unterworfen wurden, sind wenig ermuthigend gewesen, insbesondere konnte ich keine nennensvverte Abkiirzung der Heilungsdauer beobachten und immer haben so operierte Augen nach vvie vor die medicamentose Behandlung nicht ent- behren konnen. ich ziehe daher die Zerstorung der Trachom- korner mit dem Oliihdraht den oben ervvahnten MaBnahmen vor. Sie macht zwar die medicamentose Behandlung auch nicht tiberfliissig, aber das Verfahren schont das Nachbargewebe, welches nicht gequetscht wird, und vveiters ist es viel vveniger schmerzhaft. Ich bohre die gluhende Drahtspitze nur in die groben Korner der Ubergangsfalten und der Carunkel. Man zerstort da- durch nattirlich keineswegs das ganze Kom, eroffnet es aber ausgiebig, so dass dann nach der in kurzer Zeit erfolgenden Ab- stofiung des Schorfes ein mit Wundwarzchen bedecktes Griibchen vorhanden ist, in welches die Hollensteinlosung gewiss besser eindringen kann, als durch die verdickte Epitheldecke der Binde- haut. Dieses Verfahren verkiirzt zweifellos die Krankheitsdauer. Zum besseren Verstandnis der Schilderung der Trachom- verhaltnisse in Krain und um Wiederholungen zu vermeiden, scheint es mir nothvvendig, einige allgemeine Bemerkungen iiber Krain voranzuschicken. Wenn wir Krain in eine nordliche und eine stidliche Halfte theilen, so stimmt dies auch annahernd mit einer Eintheilung beziiglich der Bodenbeschaffenheit uberein: Im Norden des Landes Mittelgebirge und Hochgebirge (bis zu 2864 m), im Siiden ein vveitaus groBerer ostlicher Theil von Hiigel- und Bergland mit Waldern von seltener Diclite und GroBe der Ausdehnung, an welchen sich vvestlich der ode Karst reiht. Zvvischen der nordlichen und sudlichen Halfte liegt in einer Ebene mit daran anschlieBendem machtigen Moor die Landeshauptstadt Laibach. Auch vvenn ich von den bekannten Verhaltnissen beziiglich der Wasserlaufe am Karst absehe, gibt es beziiglich der Wasser- versorgung in Krain noch manches Bemerkenswerte, indem wir auBer wenigen vvasserreichen Gegenden vvasserarme und ganz vvasserlose Bezirke finden, letztere aber nicht nur begreiflicher- weise in der Steinwiiste des Karstes, sondern auch auffallend gerade in den vvaldreichsten Gebieten des sudostlichen Theiles von 13 Krain, vvelche eben einen bis zu auBerordentlicher Tiefe vvasser- durchlassigen Steinboden haben, so dass die Bevolkerung und das sparliche Vieh hier lediglich auf das Wasser der Cisternen angewiesen sind. Die Bedingungen und die A rt des Lebens sind fur die Be¬ volkerung des Landes (laut Special-Orts-Repertorium von Krain, Wien 1894, herausgegeben von der k. k. Statistischen Central- commission, im jahre 1890: 28.033 Deutsche, 466.259 Slovenen) im groGen und ganzen ziemlich gleich vertheilt, was ich schon hier hervorheben mochte, weil das Vorkommen des Trachonis in deutschen und slovenischen Gegenden gleich ist, daher hier keine solchen Unterschiede bemerkbar sind, wie z. B. zvvischen den von Deutschen und jenen von Slaven bewohnten Gegenden Nordost- Deutschlands. Die diesbeziiglichen Ausnahmen werden an be- treffender Stelle ervvahnt und ihre Grunde auseinandergesetzt werden. Der groBte Theil des Landvolkes lebt vom Ackerbau, der aber mit seiner geringen Ausdehnung nur den ortlichen Bediirf- nissen genugt. Der Bevvohner des Hochgebirges und des Karstes betreibt noch in bescheidenem MaBe Zucht von Schafen und Ziegen. Im sudlichen Theile Krains bestellen die Weiber das Haus, die Manner gehen als Taglohner in die Walder zum Holzschlag oder wandern nach Amerika aus. Nur vvenige Orte Krains besitzen eine nennensvverte groBere Industrie. Die geringe Anzahl der Schienenstrange, vvelche das Land durchziehen, ist zwar durch die Gliederung des Bodens vorgeschrieben, lasst aber so viel vom Lande abseits liegen, dass ein verhaltnismaBig groBer Theil des Verkehrs auf die allerdings ausgezeichneten Land- straBen angewiesen ist. Er strebt hauptsachlich zwei Richtungen zu: nach Sudvvest zum Meere, und nach Nordost tiber Steier- mark zum Mittelpunkte des Reiches und nach Ungarn. Siidlich ist der Verkehr infolge des Mangels eines Schienennetzes auf die unmittelbare Nachbarschaft (Croatien) angevviesen, ein Umstand, der fiir die Verbreitung des Trachonis verhangnisvoll ist. Einen groBeren Verkehr im Norden und Nordvvesten verhindern die Julischen Alpen, Karavvanken und Steiner Alpen. Im Folgenden vvill ich die Trachomverhaltnisse in den einzelnen Bezirksliauptinannschaften besprechen. DieZahlen, vvelche die Er- krankungen betreffen, sind die Summe aller Trachomfalle, welche ich in der Zeit von Ende 1887 bis Ende 1899 gesehen 14 habe. Sie geben also keineswegs den gegenvvartigen Oe- sammtstand der Trach omkranken in Krain; denn manche von diesen Kranken sind verzogen, andere gestorben, manche geheilt, und nachdem die Zahl der zuwachsenden Falle den Ab- gangen nicht das 01eichgewicht zu halten scheint, besonders aber bei dem gegenvvartigen Fehlen des Auftretens in groBerer Menge, so ist der gegenvvartige Gesammtstand wahrscheinlich kleiner als die genannten Zahlen. Die Zahlen, welche sich auf die Einvvohner- zahl beziehen, habe ich dem oben erwahnten Orls-Repertorium entnommen. Fiir unsere Zwecke werden sie auch heute noch ihre Richtigkeit haben, weil die Vermehrung der Bevolkerung keines- wegs so groB war, dass sie unsere Verhaltnisrechnungen nennens- wert andern konnte. Zum besseren Verstandnis iiber die Lage der Ortlichkeiten untereinander diene die beigefiigte Kartenskizze, in welche die vvichtigsten Orte, welche zu unserer Frage in Beziehung stehen, eingezeichnet vvurden. Mit Rucksicht auf die Deutlichkeit musste von der Eintragung aller Orte, aus denen mir Trachom- ftille bekannt sind, Umgang genommen werden. Ich beginne mit der nordvvestlichen Ecke Krains, der Bezirks- hauptmannschaft Radmanns dorf, welche nur von Hochgebirge eingenommen wird und sehr diinn bevolkert ist, 26.497 Bewohner, fast nur Landleute. Unter den 12 mir aus 9 Ortschaften dieses Kreises bekannten Trachomfallen betrafen 3 Arbeiter, welche wieder verzogen sind. In Steinbuchel, einem in vveltabgeschiedenem Graben liegenden Dorfe (715 Bevvohner), leben 3, in Vigaun am FuBe der Karawanken (712 Einwohner) 1 Fali. Es sind dies hochbetagte Leute mit altem Narbentrachom, Trichiasis und dichter Triibung der Hornhaut, so dass sie kaum zur Selbst- fiihrung sehen. Sie wissen nicht anzugeben, wie lange sie krank sind, und es mangelt auch jeder Fingerzeig, von -wo die Ansteckung stammt. Es ist gewiss auffallend, dass diese schon von Anfang her schvveren Falle nicht mehr Menschen angesteckt haben. Das spricht aber keinesvvegs gegen die An- steckungsfahigkeit des Trachoms, sondern zeigt nur, dass diese Krankheit, ebenso wie jede andere iibertragbare, besonderer Be- dingungen bedarf, um ihre verderbliche Wirkung zu entfalten. Die ubrigen Falle sind jiingerer Zeit angehorig, Landleute, welche ich das eine- oder das anderemal gesehen habe. Bemerkenswert sind meine Erfahrungen in der angrenzenden, sehr ausgedehnten Bezirkshauptmannschaft Oberkrains, Krain- 15 burg (52.625 Bevvohner). Hier habe ich aus 15 Ortschaften 71 Trachome gesehen. Im nordlichen Theile liegt das an Arbeits- unternehmungen reiche Neumarktl (2099 Einvvohner). Ich vvundere mich, dass mir von hier bei einer groben freiziigigen Arbeiterschaft nur 3 Falle von Trachom bekannt sind. In der unmittelbaren Umgebung der Siadt Krainburg (2062 Be¬ vvohner) sehen wir aber einzelne Falle in zerstreuten Ort¬ schaften (s. u.) auftauchen. Dies war auch schon vor dem Jahre 1894 der Fali, als unter der Schuljugend der Stadt plotzlich eine groBere Menge von Augenkranken zur Beobachtung kam, vvelche sich rasch vermehrte, so dass von einer Epidemie gesprochen werden musste. Die von mir in behordlichem Auftrage vorge- nommene Untersuchung aller Schulkinder und einer Zahl anderer Bevvohner der Stadt ergab: a) eine Anzahl von zvveifellosen Trachomkranken, darunter eine 16jahrige Schiilerin. Diese war — wie ich erfuhr nach Krainburg aus einer Agramer Klosterschule zuriickgekehrt, vvelche mir, als von Trachom durchseucht, von mehreren anderen Fallen bekannt war; 2 der damaligen Falle sind heute noch nicht geheilt; b) eine groBe Anzahl von Conjunctivitis follicularis, und c) mehrere Falle von subacuter Entztindung der Bindehaut, bei welcher ich den Bacillus von Koch-Week als Ursache ver- muthete, vvas sich auch als richtig ervvies, als ich in Faibach 3 der Falle bacteriologisch untersuchen konnte. Der zielbevvussten und ausdauernden Thatigkeit des k. k. Amtsarztes in Krainburg vvar es zu danken, dass alles einen giinstigen Verlauf nahm. Bemerkensvvert ist es, dass zwei Laibacher nach einem mehrstiindigen Aufenthalt in Krainburg in rascher Folge darauf an einer Bindehautentziindung erkrankten, der eine mit schvveren Erscheinungen, vvie Blutungen in der Bindehaut, vvas aber nach zwei Tagen einem freundlicheren Bilde Platz machte. Fehrreich sind die Verhaltnisse im Bezirke Bischoflak (23.913 Bevvohner mit 16 Trachomen aus 8 Ortschaften). Von der an der Rudolfsbahn gelegenen Stadt gleichen Namens erstrecken sich gegen Westen zvvei Hauptthaler. In dem einen, dem von Pol lan d, beilaufig 20 -km lang, kenne ich 5 Falle aus zvvei Ort¬ schaften. In dem zvveiten Thale (beilaufig 25 km lang) aber haben vvir von Bischoflak bis an sein Ende, Zarc, eine geschlossene "Reihe von 5 Ortschaften mit 7 Trachomfallen. Aus Zarc (555 16 Bewohner), iiber 800 m hoch gelegen in der Einode der Abhange der Julischen Alpen, sah ich im Jahre 1890 den ersten Fali; heute haben wir daselbst bereits 3 Falle von Trachom; diese konnen wieder andere Leute anstecken und so konnen wir in absehbarer Zeit auch hier, wie an anderen Orten Krains, einen fur sich abgeschlossenen Trachomkreis haben, wenn es nicht gelingt, Wege zu finden, den Widerstand der Kranken gegen Behandlung zu brechen. Denn die Hohe des Ortes iiber dem Meeresspiegel benimmt keineswegs dem Trachom seine An- steckungsfahigkeit. Hinzufiigen muss ich noch, dass Zarc Verkehr hat mit dem angrenzenden Kiistenland (Podberda, Tolmein), welches gerade im Grenzgebiete Trachome aufvveist. Die Falle in den Orten Bischoflak (1349 Bewohner, 4 Tra¬ chome) und Trata (244 Bevvohner, 3 Trachome) zeigen lehrreich, wie aus durchseuchten Gegenden kommencje Trachomkranke den Mittelpunkt fiir neue Ansteckung bilden. Es handelt sich um zwei Ehepaare, deren Manner, aus an Trachom reichen Gegenden stammend, seit der Jugend an dieser Krankheit leiden: der eine aus dem Kiistenlandischen, der andere aus Schwarzenberg (siehe unten). Beide haben ihre Frauen angesteckt; das eine Ehepaar hat Trichiasis und Narbenpannus und ist fast erblindet, das andere erhalt sich durch fortvvahrende Behandlung auf ertraglicher Stufe, trotzdem der Mann Trachoma cicatriceum hat. Im Osten des Bezirkes Krainburg sehen wir in jiingerer Zeit in drei Orten je einen Trachomfall, und zwar in M ich el s tetten (279 Bevvohner), in Beischeid (101 Bewohner) und in Unter- Feichting(128 Bewohner). Diese fiir die Weiterverbreitung in dieser Gegend gefahrlichen einzelnen Falle mochte ich beziiglich derQuelle der Ansteckung mit der benachbarten Bezirkshauptmannschaft Stei n (40.210 Bevvohner mit 12 Trachomkranken in 11 Ortschaften) in Zusammenhang bringen, weil hier, wie mir die Kranken erzahlten, durch den wechselseitigen Kirchenbesuch Verkehr besteht. In dieser Bezirkshauptmannschaft im allgemeinen aber werden die sonst fiir die Sesshaftmachung des Trachoms ungiinstigen ortlichen Umstande verhaltnismaBig geringe Bevolkerungszahl in Hoch- gebirgsgegend bei Wasserreichthum bedeutungslos durch den Verkehr mit der benachbarten Steiermark, welche die zahlreichen Trachome ihres Unterlandes Ungarn und Croatien verdankt. Nach der Zahl und Art der Trachome, vvelche ich aus Unter-Steier- mark gesehen habe, muss besonders Feutschdorf und Lauffen 17 reich an Trachomen sein, gegen die man auch die zur Verfugung stehenden gesetzlichen Mittel nicht angevvendet zu haben scheint, sonst ware%s wohl nicht moglich, dass der an hochgradigem Trachom leidende Lehrer noch vor Jahren seinem Berufe nach- gieng. Sein Sohn kam nach Laibach in die Schule und steckte seinen Zimmergenossen an. Derselbe ungunstige Einfluss der Nachbarschaft gilt fur den nordlichen und nordwestlichen Theil der angrenzenden Bezirks- hauptmannschaft Littai mit 36.851 Bewohnern, darunter 18 Tra- chome in 15 Ortschaften. Hiezu kommt noch die Schar von Arbeitern in den Kohlengruben und Olashiitten im Osten dieses Bezirkes und in der benachbarten Steiermark (Sagor, Hrastnigg, Trifail), unter denen einige besonders schwere Trachomfalle aus Ungarn waren. Der westliche Theil der Hauptmannschaft Littai schlieBt sich an die Umgebung Laibach an (57.669 Bevvohner mit 38 Trachomen in 21 Orten). Hier ist die um die Hauptstadt dicht- gedrangte groBere Menge von Ortschaften bemerkenswert, aus denen & ich Trachomkranke gesehen habe. Diese gehorten fast durchwegs Fabriksarbeitern an, welche auBerhalb der Stadt auch in sehr entfernten Dorfern wohnen. Auffallend viele Trachome (18 aus 5 Ortschaften) sah ich aus dem Bezirke Oberlaibach (15.437 Bevvohner). Unter den 7 Trachomen von Franzdorf (762) kenne ich 3, welche einer aus 5 Personen bestehenden Familie angehoren und seit Jahren an schvverem Trachom leiden. In der sudlichen Halfte von Krain will ich gleich mit jenem Theile anfangen, der am meisten von Trachom, groBtentheils von solchem verderblicher Art, heimgesucht ist; es ist dies die Bezirks- hauptmannschaftGottschee (42.806 Bevvohner mit 139 Trachomen in 45 Ortschaften’). In dieser Hauptmannschaft ist es die Oe- meinde Laserbach (2535 Bewohner mit 7 Dorfern) im Bezirke Reifnitz (13.431 Bewohner), wo das Trachom, schon seit Jahr- zehnten sesshaft, nicht mehr auszurotten ist. Mir sind aus dieser Oemeinde 67 Trachome, alles schvvere, vernichtende Formen, bekannt; Formen, wie sie der Augenarzt zu sehen nur gewohnt ist aus schvver durchseuchten Oegenden, wie Galizien, Sudungarn, Agypten u. s. w. Von diesen 67 Fallen hatte ich im April 1899 Gelegenheit, an Ort und Stelle an einem Tage 43 in behordlichem ’) Die fortgesetzten amtlichen Nachforschungen haben in der letzten Zeit wieder tieue Falle gefunden. Boc k, Uber Trachom. 2 18 Auftrage zu untersuchen. Dem Geschlechte nach waren es 14 mannliche und 29 weibliche im Alter von 2 bis 75 Jahren. Man begegnet denselben Familiennamen, wei! immer mehrere Mit- glieder einer Familie erkrankt sind. Die Krankheit hat, mit Aus- nahme von 3 Kranken, alle auf beiden Augen ergriffen. Dem Grade nach gliedern sich die Falle folgendermaBen: a) frische Form, nur Korner, keine Narbenbildung . 16 b) altere Kornerform mit oberflachlicher Narbenbildung 2 c) Kornerform mit Narben im Tarsus . . .10 d) Narbenbildung und Schrumpfung der Bindehaut und des Lidknorpels . . . • • • .13 e) narbige Schrumpfung des ganzen Lides mit Ver- trocknung der Bindehaut und Fiornhaut . 2 Unter diesen 43 Trachomkranken fand ich frischen beiderseitigen Pannus . . lmal alten beiderseitigen Narbenpannus .... 5 alte beiderseitige Hornhautflecken : . . . I Hornhautnarbe mit Einheilung der Regenbogenhaut . 2 beiderseitiges fleischiges Fliigelfell .... 1 » Trichiasis, einseitig . . . . . . 2 » Trichiasis, beiderseitig . . . . . 2 » Es waren also unter diesen Fallen 13 mit kranken Horn- hauten und deren 11 mit einem Zustand derselben, der fur die Aufhellung der Triibungen gar keine Aussicht bietet. 3 von diesen Kranken sind voilkommen und unheilbar erblindet. Mit Ausnahme eines unter den frischen Fallen mit reichlicher Absonderung waren alle durch die geringe Feuchtigkeit der Bindehaut auf- fallend. Die Bindehaut der beiden Xerophthalmi war epidermis- artig. Die frischen Falle waren typisch, die meisten hatten auch bereits reichliche Korner in der Bindehaut des unteren Lides, einer davon solche bis tiber HanfkorngroBe. Um einigermaBen verstehen zu konnen, wie es moglich ist, dass die Krankheit diese groBe Ausdehnung mit solchen Ver- wiistungen der Augen annehmen konnte, muss ich einige Worte tiber die ortlichen Verhaltnisse hinzufiigen. Die 7 Dorfer der Gemeinde Laserbach bedecken einen Flachenraum von 53'06 km? und liegen hintereinander in einem von Nordvvest nach Siidost ziehenden langgestreckten, sehr schmalen thalartigen Einschnitt, welcher von bewaldeten Bergen (bis tiber 1250 m noch) nach 19 allen Richtungen eingeschlossen und nur nach Siiden offen ist. Die kroatische Grenze ist von hier auf der StraBe 14 km, auf einem FuBsteige 3 km entfernt. Wenn man von dieser Verbindung und dem iiber die oben genannten Berge ftihrenden FuBsteige (4 -5 Wegstunden) absieht, so ist das Laserbacher Thal nur von Westen von der Siidbahnstation Rakek und von Osten aus von Reifnitz (Unterkrainer Bahn) zuganglich nach 3 ] / 2 -, bzgsw.2 1 / 3 stun- diger Wagenfahrt. Diese gute StraBenverbindung besteht erst vvenige Jalire. Bei halbwegs bedeutenderem Schneefall ist auch diese nicht zu benutzen und die ganze Gegend ist von jedem Verkehr abgeschnitten. Der Boden ist Kalkfelsen, aber mit einer geniigend machtigen Schichte Erde bedeckt, um den groBartigsten wildreichen Waldern und einem nicht unbedeutenden Gebiete von Wiesen und Feldern Nahrung zu geben. Nur in kleinen Abschnitten sieht man kahles Gestein, aber nicht selten findet man trichterformige Bodeneinsenkungen von oft bedeutender Tiefe, sogenannte Dolinen, welche uns die Eigenart des nahen Karstes ins Gedachtnis rufen. Mit ihm bat die Laserbacher Gegend wegen der machtigen Schichte vvasserdurchlassigen Kalkbodens gemeinsam den Mangel an Quell- und Brunnenvvasser. Alle Dorfer sind nur auf ihre Cisternen angewiesen. Damit hangt auch die geringe Zalil des Viehstandes zusammen, fiir dessen Trankung auf der Hohe eines beilaufig in der Mitte des Thales stehenden Hiigels ein groBer Wassertiimpel sorgfaltig gehiitet wird. Die Bevolkerung ist sehr arm. Die Manner arbeiten als Holzschlager in den urvvaldartigen Forsten; nachdem aber dieser Verdienst nicht immer zur Verfiigung steht, so wandern viele Manner nach Amerika aus. Daher das Ubervviegen der weiblichen Be- vvohner daher auch der Trachomkranken vveiblichen Geschlechtes welche Haus und Feld bestellen. Der Menschenschlag ist kraftig, wenn man ihm auch nur allzudeutlich die harte Arbeit bei ungeniigender Ernahrung ansieht. Man findet nur vvenige scrophulose Kinder. Als Zeichen der groBen Armuth will ich noch anfiihren, dass sich im ganzen Thale nur ein Gasthaus befindet und dieses geniigt nur den alierbescheidensten An- spriichen. Die Pfarrkirche mit Friedhof, das Pfarrhaus und die Schule liegen auf einem 813 m hohen Bergkegel in der Mitte des Thales. Die Form der Trachome in Laserbach ware schon Bevveis genug, dass die Seuche hier seit Jahrzehnten besteht. Uber- 2 20 dies geben einige Kranke an, dass sie seit 30 Jahren augen- leidend seien. Manche davon kenne ich bereits liber 10 Jahre. Die Quelle der ersten Ansteckung lasst sich heute nach so langer Zeit kaum mehr ausfindig machen, man kann aber mit gutem Grunde annehmen, dass es dieselbe sei, aus vvelcher heute noch der Ansteckungsstoff nach dem Sudeti von Krain getragen wird, namlich aus dem nahen Croatien, welches eine grobe Zahl von Trachomkranken beherbergt (insbesondere in dem Grenzorte Cubar und Umgebung) und mit vvelchem reger Verkehr besteht. Die Falle jungerer Zeit werden gemischter Herkunft sein, namlich Abkommlinge der alten Falle von Laserbach und frisch aus Croatien eingeschleppte. Die Trachomendemie in Laserbach ist unter Beriicksichti- gung der oben ervvahnten ortlichen Verhaltnisse leicht verstand- lich: In einem von Bergen umschlossenen weltabgeschiedenen Thale lebt ein Hauflein von Menschen, welche dem Boden kaum das fiir des Lebens Nothdurft Unentbehrliche abgewinnen konnen. In harter Arbeit aufgewachsen, wird der Gesundheit keine Auf- merksamkeit geschenkt, besonders den Augen, solange diese auch nur halbwegs das Sehen ermoglichen. Hiezu kommt noch der Glaube des Volkes, dass man Augenkrankheiten nicht behandeln dtirfe, auch nicht konne. Erst wenn das Ubel weitgediehen ist, sucht man den Arzt auf; denn dass ein solcher in dieses ab- gelegene Thal kame, hat bis vor kurzem zu den groBten Selten- heiten gehort. Um aber zunt nachsten Arzt zu gelangen, bedarf es einer Wagenfahrt von 3 Stunden. Wer aber hat in Laserbach Wagen und Pferd?! Weitere Grande, dass das Trachom in Laserbach so ausgebreitet ist, sind der in diesen Gegenden sehr ungezwungene geschlechtliche Verkehr und der grobe Wasser- mangel, sowie die Armuth der Bevolkerung. Von den beiden letzteren Umstanden ist schon einer fiir sich allein im Stande, die ungunstigsten gesundheitlichen Verhaltnisse zu schaffen, denn sie veranlassen die Unreinlichkeit der Menschen, ihrer Wohnungen und Gebrauchsgegenstande. Wenn sich aber beide die Hande zu ge- meinsamer Arbeit reichen, dann ist es nicht auffallend, wenn eine so ansteckende Krankheit, wie das Trachom, im Laufe der Jahre verderbliche Fortschritte gemacht hat, umsomehr, als es bis nun an ausreichendem arztlichen Eingreifen fehlte. Gerechtervveise muss man zugeben, dass hiezu die auBeren Umstande durch die Lage und durch den Mangel eines Arztes an Ort und Stelle 21 denkbar ungiinstigst sind und auBerdem jede gesetzliche Hand- habe fehlt, um den Trachomkranken zu zwingen, sich langere Zeit arztlicher Behandlung zu unterziehen. Und nur lange, ziel- bewusste Behandlung kann Befriedigendes leislen; alles andere gibi nur kurz dauernden Erfolg, dem der den Kranken entmuthigende Ruckfall nur allzubald folgt. Kein Trachomkranker in Laserbach ist aber im Stande, die Kosten eines langeren Aufenthaltes in einem Orte, wo sich ein Arzt befindet, zu bestreiten; sucht er aber das Krankenhaus auf, so verblutet sich die Gemeinde Laserbach an den Spilalskosten und in beiden Fallen geht die Wirtschaft des Kranken dem Untergange entgegen. Ich werde zum Schlusse ausfiihren, wie ich mir eine dies- beziigliche Abhilfe vorstelle. Auch die unmittelbare Nachbarschaft von Laserbach, die Orte, auf dem das Thal gegen Norden abschlieBenden Bergriegel (besonders Gora mit 360 Bewohnern, unter denen ich 9 Trachome kenne), weisst Trachome in nicht geringer Zahl auf, vvelche, was Schwere der Erkrankung betrifft, denen von Laserbach gleichen. Ebenso das jenseits des ostlichen Hohenzuges gelegene Gebiet von Reifnitz, dessen Trachome meist junge Formen sind und wo in neuerer Zeit immer wieder neue Falle auftauchen, von denen leider nicht vvenige durch Hornhauterkrankungen einen schvveren Verlauf nehmen. Die Quelle der Ansteckung ist wohl Laserbach, einige Falle aber betreffen Auswanderer, vvelche mit Trachom behaftet aus Amerika zuriickkehrten, wo sie theils Bergleute vvaren, theils als Holzarbeiter in Waldern ihr Brot verdienten. Aus dem ganzen Bezirk Reifnitz habe ich 94 Trachome gesehen, vvelche in 16 Orten leben. In dem nach Norden angrenzenden Bezirke Gross-Laschitz (9514 Bevvohner) kenne ich 8 Orte, in vvelchen sich 14 Trachome befinden. Bemerkensvvert sind die eine zusammenhangende Orts- gruppe bildenden Dorfer Podgora (181), Podgorica (130) und Zagorica (421 Bevvohner), vvelche 8 Trachome beherbergen, fast alles junge Leute, meist frische Falle mit Erkrankung der Horn- liaut. Die genannten Orte liegen mit den Dorfern Videm (204) und Zdenska Vas (282 Bevvohner) mit je 1 Trachom in einer hochstens 4 km langen- und 2 km breiten Thalniederung, miissen daher als eine in sich abgeschlossene Trachomgruppe aufgefasst vverden, vvelche die Gefahr einer zuktinftigen Endemie in sich birgt. Es ist auffallend, dass aus dieser Gegend nach der Er- 22 offnung der Unterkrainer Bahn (1893) mehr Falle zur Beobachtung kamen. Hiebei mag in erster Linie wohl die Erleichterung der Reise nach Laibach zum Arzte in Betracht kommen; es ist aber gewiss auch gerechtfertigt daran zu denken, dass sich unter den Eisenbahnarbeitern, we!che aus verschiedenen Oegenden Sud- osterreichs kamen, der eine oder der andere Trachomkranke be- fand, welcher andere Leute ansteckte, umsomehr, als mir von der Theilstrecke Ortenegg ein solcher Fali bekannt ist, der mir aber dann aus dem Gesichte kam. Der engere Bezirk von Gottschee mit 19.861 Bevvohnern ist nicht arm an Trachomen, denn ich sah aus 21 Orten dieses Bezirkes 31 Trachome. 1 ) In diesem Gebiete herrschen so eigenthumliche Lebensverhaltnisse, dass auch betreffs des Trachoms besondere Gesichtspunkte gelten miissen. Ein grober Theil der Gottscheer Manner wandert als Flausiererin die weite Welt im vvahrenSinne des Wortes; denn wir finden den Gottscheer in den kleinen und groben Stadten Russlands ebenso wie in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika. Sein kiimmerliches Leben, seine Unterkunft in den schlechtesten Herbergen, sowie sein Beruf bringen ihn oft in die Gefahr der Ansteckung mitTrachom in Gegenden, welche davon durchseucht sind. So kommt er mit Trachom nach Hause und ist eine neue Quelle der Ansteckung flir seine Umgebung. Sein Wanderleben verhindert eine regelmaBige arztliche Behandlung, ebenso wie seine Ubervvachung als gemeingefahrlicher Kranke und so schleppt er das Trachom von Ort zu Ort. Diese Verhaltnisse finden sich vorzugsweise im ostlichen Theile, im westiichen und sudlichen Theile kommt auberdem auch der Verkehr mit dem angrenzenden Croatien in Betracht. In Gottschee findet man also Ahnliches, wie es Wilke von den mit Wandergewerben zusammen- hangenden ansteckenden Krankheiten in Russland geschildert hat. Im Gegensatze zu den anderen bis nun beschriebenen Gegenden Krains, in denen die Trachomkranken wenige Aus- nahmen abgerechnet (z. B. Geistliche) — der Landwirtschaft obliegen oder Arbeiter sind, finden wir unter denen des engeren Bezirkes von Gottschee den Bauernstand in der Minderzahl, sonst aber alle Stande vertreten: Gastvvirte, Handvverker verschiedener Art, Kaufleute, Kramer, Hausierer u. dgl. Dieser Umstand fallt nicht nur beziiglich der Ansteckungsgefahr durch die Erzeugnisse des ‘) Der kleine MaBstab der Karte gestattet es nicht, alle Orte einzu- zeiclinen. 23 Handwerkers u. dgl. ins Gevvicht, sondern ist auch vom volks- wirtschaftlichen Standpunkte aus ein groBes Hindernis fiir eine langere, mit Ervverbsstorung verbundene arztliche Behandlung; denn vvahrend fiir den Landmann eine andere Kraft arbeiten kann, ruht bei anderen Berufen der Bestand des ganzen Unternehmens, das Leben der ganzen Faniilie auf der einen Person, welche gar nicht oder nur mit groben Opfern ersetzt werden kann. DieTrachome, welche ich aus dem engeren Bezirke Gottschee kenne, haben alle sulzige Komer, starke Schwellung der Bindehaut und reichliche Absonderung. Verderbliche Formen mit schwerer Erkrankiing der Hornhaut oder Lidverkriippelung sind mir nur zwei in Erinnerung. Sehr haufig sind Mitglieder einer Faniilie trachom- krank, bisweilen in verschiedenen Dorfern wohnend. Gerade aus der Gottscheer Gegend sind mir Falle bekannt, welche auBer- halb Krains als Dienstboten jahrelang von einern Orte zum andern zogen, ohne dass das Trachom geburend berucksichtigt wurde,auBerbei wesentlicher Verschlimmerung, so dass die Gefahr der Ansteckung eine unabsehbare ist. Wenn man von der Stadt Laibach und ihrer Umgebung absieht, wo aus natiirlichen Ursachen im Laufe der Jahre eine groBere Anzahl von Trachomkranken zur Beobachtung kommt, so weist auBer der Bezirkshauptmannschaft Gottschee jene von Loitsch (40.273 Bewohner mit 56 Trachomen in 1Q Ortschaften) die groBte Anzahl von Trachomkranken auf, weil solche in den Gemeinden Oblak (4436 Bewohnermit 14 Trachomen in 6 Dorfern) und Selivvarzenberg (2079 Bewohner mit 17 Trachomen in 2 Dorfern) mehrfach vorkommen. Diese von mir gesehanen Falle stellen aber kaum die volle Zahl dar. Auch aus dem hochst gelegenen (1090 m) Dorfe Krains, Woiska, mit 252 Bevvohnern sind mir 2 Trachome bekannt. Diese beiden Gemeinden mussen aber gesondert betrachtet vverden; sie stehen miteinander in keiner Verbindung, Oblak liegt im Siidosten, Schvvarzenberg im Nordwesten der Hauptmannschaft Loitsch. Bezuglich Oblak ist die Ankniipfung an schon Ervvahntes moglich, denn die Gemeinde Oblak liegt im hiigeligen Waldgebiete ostlich vom Zirknitzer See, also nicht nur raumlich angeschlossen an den nordlichen Theil der Hauptmannschaft Gottschee (Gross-Laschitz), sondern auch mit diesem und mit Reifnitz sowie Laserbach in Verbindung durch einen grofien StraBenzug. Alle Kranken gehoren dem Bauern- stande an. Manche sind schon jahrelang augenleidend und zeigen 24 schwere Veranderungen an den Lidern und der Hornhaut. Schwarzenberg liegt 687 m hoch, nordlich vom Birnbaumer Walde, vom groben Verkehre abgeschlossen. Es hat mehrere Familien, in denen einige Mitglieder an Trachom erkrankt sind und unter diesen kenne ich einige mit schwersten Formen. Wie und von woher das Trachom liier eingeschleppt vvurde, lasst sich heute auch nur vermuthungsvveise nicht mehr bestimmen. Der geringe Verkehr dieses Ortes beruhrt alle Nachbargebiete. Bemerkensvvert ist es, dass unter der zahlreichen Arbeiter- schaft des groben Bergvverkes Idria keine Trachome zur Beob- achtung kommen, bzgsw. mir nicht bekannt sind. Die 2 Falle von Laas(411 Bewohner) betreffen Mutter und Sohn. Beziiglich der auf 6 Dorfer vertheilten 15 Falle im engeren Bezirke Foitsch (14.831 Bewohner) weise ich nur darauf hin, dass von hier ein reger Verkehr mit dem Suden von Krain herrscht, indem sich die Manner dahin als Holzschlager verdingen. 1 ) Was die nach Westen angrenzende Bezirkshauptmannschaft Adelsberg (41.479 Bevvohner mit 19 Trachomen in 8 Ortschaften) betrifft, liegen die Verhaltnisse beziiglich der Ansteckungsquelle etwas klarer. Hier kommt nicht nur der Verkehr mit dem Bezirke Loitsch, sondern auch jenermit Triest, Fiume und Pola in Betracht, wie die Falle in Adelsberg(1652Einwohner, 5 Trachome), St. Peter (273 Einwohner, 4Trachome), 111 y r i s c h Feistritz (615 Einvvohner, 1 Trachom) und Orafenbrunn (815Einwohner)zeigten.In letzterem Orte sind 3 Mitglieder einer Familie seit Jahren an Trachom schvver erkrankt und behandeln sich unter zeitvveiliger arztiicher Aufsicht gegenseitig mit Blaustein. Einige von den oben ervvahnten Trachomen betrafen Bahnbedienstete. Die 3 Falle im Wippacher Oebiete (2333 Bevvohner) geben der Vermuthung iiber die Her- kunft der Ansteckung vveitesten Spielraum, weil Wippach sovvohl mit Schwarzenberg (siehe oben) als auch liber Haidenschaft mit Gorz und dem Kiistenlandischen Verbindung hat. In jiingster Zeit ist mir ein Fali aus Senoschetz bekannt geworden. Wenn wir weiters die drei siidostlichen Bezirkshauptmann- schaften Tsch ernembl (28.460 Bevvohner), Rudolfsvverth (48.346 Bewohner) und Gurkfeld (53.237 Bevvohner) betrachten, so finden wir, dass die Anzahl der Trachomkranke beherbergenden Ort- >) Miindlicher Mittheilung nach haben Untersuchungen jiingster Zeit in Wojska, Idria und Umgebung von Laas mehrere Trachome gefunden, weiche ich noch nicht gesehen habe. 25 schaften in Krain im Gegensatz zu anderen Landern gegen Osten merkwiirdigerweisefortschreitend abnimmt. DieZahl derausdiesen Bezirken zur Beobachtung kommenden Tracbome ist gering, was umso auffallender ist, wenn wir berucksichtigen, dass sie zwischen trachonireichen Oegenden eingekeilt sind. Bei Tschernembl (Bezirk Mottling, 11.514 Bewohner mit 7 Trachomen in 4 Orten, und Bezirk Tschernembl, 16.946 Bevvohner mit 7 Trachomen in drei Ortschaften) erklart sich der genannte Umstand wohl aus dem Man gel einer Eisenbahn und dem deshalb auBerst geringen Verkehr. Ich kenne auch hier einige Falle, welche aus Amerika trachom- krank zuriickgekommen sind. Die 11 Trachome, vvelche ich aus dem Bezirke Rudolfsvverth gesehen habe(Bezirk Rudolfswerth 27.248 Bewohner mit 4 Trachomen in 4 Orten, Bezirk Seisen- berg 11.222 Bewohner mit 3 Trachomen in 2 Orten, und Bezirk Treffen, 9876 Bewohner mit 5 Trachomen in 4 Orten), lassen mich ihrer Natur nach schlieBen, dass es dort noch andere Falle von Trachom geben muss, vvelche ich aber noch nicht kenne. Aus der Ourkfelder Bezirkshauptmannschaft (Bezirk Gurkfeld, 16.952 Bewohner mit 3 Trachomen in 1 Orte, und Bezirk Ratschach, 9188 Bewohner mit 2 Trachomen in 1 Orte) werden manche Augenkranke vvahrscheinlich in die Spitaler der benachbarten Steiermark gehen, weil diese von dort leichter erreichbar sind als Laibach. Ich komme zum Schluss zur Landeshauptstadt Laibach. Es ist ganz natOrlich, dass in einer Stadt von beilaufig 35.000 Ein- vvohnern im Laufe von 12 Jalnen eine groBere Anzahl von Trachomkranken zur Beobachtung kommt (374), besonders wenn man beriicksichtigt, dass in der Stadt mehrere Trachome verschie- denen Ursprungs leben (Agypten, Bohmen, Croatien, Italien, Triest, Ungarn), und wenn man weiter berucksichtigt, dass hier drei Anstalten bestehen, in denen Trachom mehrere Jahre endemisch war, und zwar erwiesenermaBen im Madchenvvaisenhause vom Ende 1888 an, im Knabenvvaisenhause vom Jahre 1890 an und in der Zvvangsarbeitsanstalt zu derselben Zeit. Am verderblichsten war die Krankheit im Madchenvvaisen- hause, nicht nur fur die Anstalt selbst, sondern vvohl auch fiir das Land; denn unbegreiflichervveise wurde die Anstalt nicht nur nicht gesperrt, sondern Kranke wurden entlassen und die zuriickgebliebenen Kranken besuchten mit den gesunden externen und internen Schiilerinnen vermischt die Schule, worauf ich jede 26 vveitere arztliche Thatigkeit in der Anstalt ablehnte. Die Zahl der Kranken stieg in kurzer Zeit, die ungunstigen auBeren Bedingungen, der schiechte allgemeine Zustand des Korpers der Zoglinge, waren der beste Boden fur eine so ansteckende Krankheit. An den Folgen des Trachoms leiden heute noch einige Madchen, vvelche sich meist in dienender Steliung befinden, einige davon in Laibach und Umgebung. Ich kenne drei, vvelche durch Hornhauttrubungen schwachsichtig sind, zwei davon sind ervverbsunfahig; andere bedurfen noch immer zeitweiliger arztlicher Behandlnng. Ich er- vvahne dies, weil man daraus sieht, wohin eine leichtfertige Be- handlung der Hygiene des Trachoms fuhrt. Der Mittheilung des gegenvvartigen Anstaltsarztes zufolge ist das Haus seit Jahren \vieder trachomfrei. Im Knabenwaisenhause wurde nach einem ebenso unthatigen Vorspiel die Sache thatkraftiger angepackt: die Anstalt wurde gesperrt und die Wiedereroffnung, bzgsw. Aufnahme von Kindern erst gestattet, nachdem sich die Behorde die Oberzeugung ver- schafft hatte, dass die Gevvahr fur die Befolgung der behordlichen Vorschriften vorhanden sei. Trotzdem war die Zahl der Kranken im Laufe der Zeit nicht klein. Der Anstaltsarzt hat soweit mir bekannt ist heute noch bisvveilen mit einem oder dem anderen Falle zu kampfen. In der Zvvangsarbeitsanstalt waren zu der oben genannten Zeit die Arbeitssale und die Zvvanglinge so unsauber gehalten, dass die Krankheit besten Boden fand, als sie durch zwei Zvvang¬ linge aus Niederosterreich, bzgsvv. Istrien, eingeschleppt vvurde. Als ich auf behordliches Ersuchen alle Bevvohner des Hauses (beilaufig 300) ansah, fand ich 18 ausgesprochene Trachome, eine groBere AnzahI von verdachtigen Fallen und auch manche Conjunctivitis scrophulosa. Unter den ubrigen Insassen vvaren jene mit gesunden Bindehauten in verschvvindender Minderzahl, was auf den Aufenthalt in den schlecht geltifteten, schmutzigen Salen und den Mangel an entsprechender Reinigung des Korpers zuruckzufuhren vvar. Es bedurfte einer mehr als dreijahrigen, unausgesetzten Arbeit, um das Trachom auszumerzen. Ich habe dann noch ofters von Zeit zu Zeit alle Zvvanglinge untersucht und nur hie und da vvieder einen neuen Fali gefunden, seit vier Jahren aber kein Trachom mehr aus dieser Anstalt gesehen. Die Sauberung der oben ervvahnten drei Anstalten ist ein Bevveis, dass man auch in so durchseuchten Hausern mit that- 27 kraftiger und unausgesetzter Arbeit der Krankheit Herr werden kan n. PlanmaBige Untersuchungen in allen Schulen Laibachs, wie sie 1890 und 1899 behordlich vorgenommen wurden, haben immerzur Auffindung eines oder des anderen noch nicht bekannten Tracliomfalles gefiihrt. AuBerdem kamen dann auch zahlreiche verdachtige Falle mit nicht klarem klinischen Bilde zum Vor- scheine. Derartige Falle sieFit man aber auch noch sonst oft. Wenn man in einem kleineren Kreise annahernd alle Augen- kranken zu Gesicht bekommt, macht man die sehr bemerkens- werte Erfahrung, dass sich solche verdachtige Erkrankungen bisvveilen auffallend haufen, dazu noch in der Regel aus dem- selben Stadttheil stammen, nicht selten dieselbe Schule besuchen, was das Ganze natiirlich noch verdachtiger erscheinen lasst. Diese zweifelhaften Falle, welche man bis zur Entscheidung hygienisch wie Trachom behandeln muss, werden dann erstaus den Zahlenausvveisen verschwinden, wenn man den Erreger des Trachoms gefunden haben wird. Solche Bindehautentziindungen sind wahrscheinlich auf schadliche auBere Einflusse zuriickzu- fiihren und sind unter entsprechender Behandlung in kurzer Zeit geheilt, so dass dann der Zvveifel iiber die Art der Krankheit gelost ist. Eine besondere Gefahr bergen die Scharen von Maurern, welche aus den kiistenlandischen Gebieten und aus der Provinz Venedig kommen, weil unter ihnen sich immer einige Trachom- kranke befinden. Dieser Ubelstand machte sich besonders im Jahre 1895 bemerkbar, als nach dem Erdbeben ein Heer von 4000 Arbeitern nach Laibach kam. Das Stadtphysikat begegnete dem aber wirksam, indem es fiir Trachomkranke und -verdachtige bei ihren Arbeitsgebern so schwer zu erftillende Bedingungen fiir die Unterkunft stellte, dass solche Arbeiter entlassen wurden und wieder in ihre Heimat zogen. Bei den in den obigen Auseinandersetzungen angefiihrten Fallen habe ich wo nicht besonders bemerkt anzunehmen Grund gehabt, dass die Erkrankung an Trachom im Wohnorte des Kranken stattgefunden hat. Im Verlaufe der Jahre habe ich auch eine Anzahl von Fallen gesehen, welche auBerhalb Krains an Trachom erkrankt waren und theils in Krain ihren standigen 28 Wohnsitz hatten, theils sich vorubergehend in Laibach aufhielten; und zwar ans: Bohmen 5, Oalizien 1, Oorz und Gradiška 7, Istrien 6, Karnten 5, Niederosterreich 6, Schlesien 1, Steiermark 44 (darunter aus Leutschdorf 13), Triest 13, Bosnien 4, Fiume 4, Croatien 22, Ungarn 13, Agypten 6, Italien 10, Ostindien 2, Sachsen 1, Serbien 5, Spanien 1. In einem Zeitraum von 12 Jahren (October 1887 bis Ende 1899) habe ich in Krain 899 Trachome gesehen, unter denen 741 (82-4%) in diesem Lande lebten, der Rest, 158 Falle (17'5%), betraf Ausvvartige. In der genannten Zeit habe ich 16.508 Augen- kranke in meiner Sprechstunde und 6031 auf meiner Abtheilung im Landesspitale gehabt, also zusammen 22.539. Die Trachom- kranken betrugen also 3-98 0 / 0 aller von mir in Krain untersuchten Augenkranken. Im Verhaltnis zu anderen Landern ist also Krain noch nicht stark heimgesucht. Dies ist ein Verhaltnis, welches sich zahlenmaBig feststellen lasst. Anders ist es mit der Frage, vvieviele Trachomkranke gegenvvartig in Krain leben. Diese lasst sich nicht beantvvorten, weil es selbst bei entsprechend aus- gedehnten behordlichen MaBnahmen unmoglich ist, innerhalb einer sehr kurzen Frist — und nur so hatte es einen Wert alle Trachomkranke zu zahlen. Meine Zahlen sind hiezu kaum vervvend- bar, vveil von den innerhalb 12 Jahren von mir gesehenen 741 Tra- chomen heute nicht mehr alle in Betracht kommen konnen, denn mehrere sind gestorben, manche verzogen und nicht vvenige wurden auch geheilt. Man kann daher nur sagen, dass innerhalb 12 Jahren in einem Fande mit rund 500.000 Einvvohnern (nach der Volks- zahlung von 1890 hatte Krain 498.958 Einvvohner) 741 Trachome zur Beobachtung kamen, keineswegs aber, dass auf 10.000 Ein¬ vvohner 14 Trachome kommen, umsomehr, als die folgenden Zahlen bevveisen, dass in den letzten Jahren das Verhaltnis des Zuvvachses nicht mehr die Hohe frtiherer Jahre erreichte. Damit ist leider nicht gesagt, dass das Trachom abnimmt; denn in den groBen Zahlen meiner ersten Jahre sind eben alle alten, friiher gar nicht beriicksichtigten Falle und auch die Massenerkrankungen in den verschiedenen Anstalten inbegriffen. Die Zahlenverhaltnisse vvaren im Faufe der Jahre sehr schvvankend, was folgende Zusammenstellung zeigt: Im Jahre 1887/88 sah ich 99 Trachome; 1889, 54; 1890, 233; 1891, 183; 1892, 81; 1893, 53; 1894, 44; 1895, 35; 1896, 36; 1897, 15; 1898, 34; 1899, 32. 29 Die groBten Schvvankungen zeigen die Jahre 1887 bis 1891. Sie erklaren sich durch die Epidemien in den oben genannten Anstalten; 1890 fand eine Untersuchung aller Schiiler Laibachs statt; 1891 bestand die Abtheiiung fiir Augenkranke im hiesigen Landesspitale das erste Jahr. Vom Jahre 1894 an hielt sich die Zalil der jahrlich beobachteten Trachomfalle auf ziemlich gleicher Hohe. lnfolge dieser Verschiedenheiten hat sich zu verschiedenen Zeiten audi ein verschiedenes Verhaltnis ergeben, was ich hier deshalb besonders betone, weil die betreffenden Zahlen in niehreren Statistiken Verwendung fanden. Als Prof. von Reuss in Wien und Dr. van Millingen in Constantinopel sich wegen Angaben liber das Trachom in Krain an mich wandten, fiir ihre Vortrage am Congress in Budapest 1894, so waren gerade die Jahre der oben ervvahnten Haufung der Falle abgelaufen und ich hatte im Beginne meines Wirkens in Krain eben alle oder wenigstens viele der alten Falle zu sehen bekommen, also unter 10.559 Augenkranken 703 Trachome, d. i. 6 - 67%. Rechnete ich damals die Falle der Epidemien ab, so blieb ein Verhaltnis von 4'32% ubrig. Als Ende 1896 Prof. Hirschbergin Berlin mit einer gleichen Anfrage an mich herantrat, ergab meine damalige Zu- sammensteliung 3‘5’/ 0 . Meine heutige, in welcher alle Epidemie- falle mitgerechnet sind, zeigt 3’98%, woraus man ersehen kann, dass die Zalil der vereinzelten Falle in Krain sich annahernd auf gleicher Hohe erhalten hat. In den nachsten Jahren muss sie sich aber vermindern, sollen wir nicht wieder da und dort auf eimnal ein groBeres Aufflackern erleben. Auf Grund meiner obigen Erfahrungen kann ich iiber das Trachom in Krain Folgendes sagen: Das Trachom kommt in ganz Krain vor, und zwar vereinzelt in zahlreichen Ortschaften und in einigen bestimmten Gemeinden endemisch. Der Ortlichkeit nach finden wir die wenigsten Falle im nordvvestlichen Theile (Bezirkshauptmannschaft Radmannsdorf). Die Ursache davon liegt in der sparlichen Bevolkerung und der weltentriickten Lage der Thaler und nicht in der Bodenbeschaffen- heit (Hochgebirge bis 2864 /«); denn in der Bezirkshauptmann¬ schaft Stein, mit derselben Bodenbeschaffenheit (bis 2559 m), finden wir mehr Trachome, wegen des regeren Verkehres mit dem benachbarten, an Trachomen reichen Siidsteiermark (Leutsch- 30 dorf). Auch die Trachomverhaltnisse in den anderen Theilen Krains zeigen, dass nicht die Bodenbeschaffenheit, sondern die Verkehrsverhaltnisse entscheidend sind, wie dies im weiteren und engeren im Gottscheer Bezirke ersichtlich ist. 1 ) Weiters konmit we- sentlich das Reinlichkeitsbediirfnis der betreffenden Bevolkerung in Betracht, welchem — auch wenn es vorhanden ware — bei dem grofien Wassermangel im siidlichen Krain nicht Geniige geleistet werden kann. Die Nationalitat kommt nicht in Betracht; denngerade im Gottscheer Bezirke sind deutsche und slovenische Ortschaften gleich stark ergriffen. Besonders bemerkt werden mtissen die Ge- meinden mit reichlich endemischem Trachom, in erster Reihe Laser- bach, dann Oblak und Schwarzenberg. In den Ortschaften dieser nimmt das Trachom nicht nur an Zahl, sondern auch an Verderb- lichkeit der Form zu, also keine Erschopfung des Giftes, vvahrend die vereinzelten, im Lande zerstreuten Falle selten bosartig ver- laufen, in kurzerer Zeit geheilt sind, allerdings mit Narbenbildung, und bisvveilen auch ohne Behandlung von selbst mit Narben¬ bildung in der Bindehaut und Fiornhautflecken enden, wie ich es mehrmals in unzweifelhaften Fallen gesehen habe, besonders dann sehr klar, wenn ein Auge von selbst ausgeheilt und das andere noch mit Trachoma cum panno behaftet ist. ich wii! hier auch die Beobachtung anfiihren, dass ein von einem schweren Falle ') teli ervvahne dies deshalb besonders, weil inanche Augeniirzte geneigt sind, Chibret beizustimmen, welcher sagte (Kopenhagener Congress 1884), dass das Trachom in einer Hohe von iiber 200 m seine Ansteckungsfahigkeit verliere. So fiihren Rei si nger (s. oben) fiir Bohmen und Miller (Miinchener medic. Wochenschrift 1897) fiir das Mainthal an, dass in den Niederungen das Trachom am haufigsten sei. Dies hangt aber wohl mit dem regeren Verkehre zusammen. Sehr bezeichnend sind die Angaben von Levvkovvitsch (Centralblatt fiir Augenheilkunde 1897), vvelcher in Siidafrika bei den Buren das Trachom ebenso iiaufig in einer Holie von 6000 FuB fand, wie an der Meereskiiste. Ahnliche Mittheiiungen machte auch Vo s s i u s am Congress zu Budapest 1897. In neuester Zeit sagt auch Hirschberg (s. oben, S. 267), dass in Europa das Trachom oberhalb 600 m iiber dem Meeresspiegel fehle. Die Trachome in Zarc (liber 800 m) und in Woiska (1090 m) vvidersprechen dieser Angabe. Das Verhaltnis zvvischen Vorkommen des Trachoms und der Hohenlage des betreffenden Ortes wird man wohl dahin aussprechen mtissen, dass das Trachom iiberailhin, also auch in hochgelegene Orte verschleppt werden kann, dass es aber im Gebirge infolge der giinstigen auBeren Bedin- gungen (geniigende Menge von Wasser, gute Luft, gesunder Mensciienschlag, geringer Verkehr) sich nicht so leicht festsetzen kann, als in der in den genannten Beziehungen nicht so begiinstigten Ebene. 31 Angesteckter ofters nur eine ieichte Form durchmacht, welche in kurzer Zeit heilt, wie ich dies mehrmals sah bei erwachsenen Kindern, welche von dem alten Trachom des Vaters oder der Mutter angesteckt wurden. Wir finden alle Formen vertreten, und zwar: a) Trachome, welche zur Narbenbildung in der Bindehaut der Lider und in der Hornhaut gefuhrt haben, so dass die betreffenden Augen unheilbar schwachsichtig oder erblindet, daher nicht mehr Gegenstand arztlicher Behandlung sind, aber keine krankhafte Absonderung mehr haben, daher bezugiich der Ansteckungsfahigkeit wahrscheinlich nicht mehr in Betracht kommen, daher auch nur in geringem Grade besonderer gesund- heitlicher MaBnahmen bediirfen. b) Trachome, bei denen die Vernarbung in Bindehaut und Hornhaut erst beginnt, daher eine entsprechende arztliche Be¬ handlung Aussicht bietet, Erblindung zu verhiiten, und bei denen die Bindehaut noch mehr oder weniger reichlich absondert, daher die Ansteckungsgefahr noch drohend ist, weshalb diese Falle dringendst hygienischer MaBregeln bediirfen. c) Trachomfalle jiingster Entstehung, welche die sorgfaltigste arztliche Behandlung und die strengsten hygienischen MaBnahmen erheischen, soli nicht der betreffende Kranke und seine Umgebung zeitlebens Schaden leiden und ein Mittelpunkt fiir weitere Aus- breitung des Trachoms werden. Die Gruppe a) ist durch nicht wenige, die Gruppe b) und c) durch zahlreiche, letztere noch durch sich mehrende Falle vertreten, welche theils in Gegenden mit alten Trachomen ent- stehen, theils an bisher verschonten Orten neu hinzukommen. Bezugiich des Geschlechtes kann ein Ubervviegen des vveiblichen festgestellt werden. Vom zartesten Kindesalter bis zum Greisenalter sind alle Stufen vertreten. Auffallend sind in den letzten 2 Jahren haufigere Erkrankungen bei Kindern unter 10 Jahren (das jiingste beobachtete 2 Jahre), meist mit Erkrankung der H or n hau t. Die iibervviegende Mehrzahl der Falle gehort dem Bauern- und Arbeiterstande an; man findet aber auch die verschiedensten Berufsarten vertreten, und zwar: Maurer, Hausierer, Schlosser, Postbeamte, Bautechniker, Ingenieur, Schiller, Waisenkinder, Zvvang- 32 linge, Kaufleute, Lehrjungen, Officiere, Private, Dienstboten, Tag- lohner, Bettler, Amtsdiener, Seefahrer, Gastwirte, Kellner, Lehrer, Geistliche, Consul, Bahnwachter, Conducteur, Fleischhauer, Hoch- schuler, Thierbandiger, Pferdevvarter, Bezirksfeldwebel, Ordens- schwester, Circusreiterin und Frauen verschiedener Gesellschafts- classen. Die Assentlisten Krains vveisen auffaliend wenige Trachomfalle vor. Die Quelle und der Weg der Ansteckung lasst sich oft niclit mit Sicherheit auffinden. Gerade an den Orten der groBten Verbrei- tung des Trachoms ist fur die Beantwortung dieser Frage seit dem ersten Auftreten schon ein zn langer Zeitraum, mehrere Jahrzehnte verstrichen. Gewiss ist es, dass in Krain im Gegensatz zu anderen Landern nicht durch Militar das Trachom eingeschleppt wurde. Im aligemeinen kann man sagen, dass auBer den schon im Lande vorhandenen Fallen die Nachbarschaft der an Trachom reichen Lander, Sudsteiermark und Croatien, sowie die Kiisten- striche des Adriatischen Meeres und die Hafenstadte dieses in Be- tracht kommen. Im siidostlichen Theile Krains wurde auch manches schvvere Trachom von zuriickgekehrten Auswanderern aus Amerika eingeschleppt. Die heute in Krain vorhandenen Trachome sind nicht nur ein groBer Schaden fur die davon Befallenen, sondern auch eine Gefahr ftir das Land durch die Ansteckung immer neuer Leute und Kreise, umsomehr, als man es nicht nur mit dem Unverstande kranker Menschen tiberhaupt, sondern auch mit dem Misstrauen des Bauers, dem Unglauben an die An- steckungsfahigkeit und hindernden ortlichen Verhaltnissen zu thun hat. Leider gibt es auch Gebildete, welc.he sich missliebig aussprechen iiber MaBregeln, welche Vorkehrungen gegen An¬ steckung bezvvecken. Es ist daher dringend nothvvendig, auch in Krain mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gegen das Trachom anzukampfen, welchen aber durch die gegenvvartig noch unzureichenden gesetz- lichen Bestimmungen eine allzu enge Grenze gesteckt ist. Bis nun habe ich jedes Trachom dem Stadtmagistrate Laibach, bzgsw. der Landesregierung angezeigt. In der Landeshauptstadt wird der Betreffende zum Stadtphysicat beschieden und erhalt hier einen Controlzettel, auf vvelchem der behandelnde Arzt vvochentlich bestatigt, dass der Kranke behandelt wird. Diesen Ausweis muss der Kranke allwochentlich beim Stadtphysicate vor- 33 weisen. Auf diese Art ist es bisher gelungen, Behandlung des Trachomkranken und Schutz seiner Umgebung in entsprechender Weise durchzufiihren. Mir sind nur zwei Falle bekannt, in vvelchen die Stadtbehorde auf Widerstand stieB, der aber erfolgreich dadurch gebrochen wurde, dass die Betreffenden wegen niehrmaliger Nicht- befolgung der behordlichen Vorladung mit Arreststrafen belegt wurden. Bei den im iibrigen Lande, meist entfernt von einem Arzte, wohnenden Fallen stehen die Verhaltnisse sehr ungiinstig. Der Kranke wird auf die arztliche Anzeige hin zur politischen Behorde vorgeladen und vom Amtsarzte untersucht und belehrt, bzgsw. behandelt. Nur in seltenen Fallen folgt der Kranke den ihni ge- gebenen Weisungen; meist kommt er gar nicht vvieder und lasst jede vveitere Vorladung unberiicksichtigt; der Amtsarzt besucht dann bei gegebener anderer Gelegenheit den Trachomkranken in seinem Wohnorte und fordert ihn abermals auf, in regelmaBigen Zeitraumen zu erscheinen, was natiirlich abermals nicht geschieht. So schlaft die ganze Sache nach und nach ein, der Kranke hat oft auch ohne Behandlung den ersten Sturm uberstanden, ist bis zu einem gevvissen Grade wieder arbeitsfahig, der sich gelegentlich nach ihm erkundigende Gendarm erhalt die Auskunft, dass der Kranke gesund sei, und so entschvvindet der Trachomkranke, auf den dringlichst aufmerksam gemacht wurde, bald dem Gesichts- kreise und dem Gedachtnis der Behorde, wenn er nicht vvieder schvver erkrankt abermals erscheint, oder neue Falle in demselben Orte die Aufmerksamkeit auf den alten Bekannten lenken, und zeigen, wie ansteckend dieser erste Fali gewirkt hat. Die Erfolglosigkeit der arztlichen Anzeige, Trachomkranke am Lande betreffend, hat ihren Grund an dem Mangel einer ge- setzlichen Handhabe gegen widerspenstige Trachomkranke vor- zugehen. Das Fehlen diesbeziiglicher Bestiminungen ist leicht erklart, weil es bisher noch nicht moglich war einen Vorgang zu finden, bei welchem die Erfiillung arztlicher Bedingungen ver- eint vverden konnte mit der Vermeidung volksvvirtschaftlichen Schadens; denn wenn im Wohnorte des Kranken oder in un- mittelbarer Nahe kein Arzt ansassig ist, so ist eine regelmaBige Behandlung fiir den Trachomkranken gleichbedeutend mit der Unmoglichkeit seinem Berufe nachzukommen; ganz abgesehen von der Erfiillung jener Bedingungen, vvelche den Schutz der Nebenmenschen zum Zvvecke haben. Nachdem wir vvissen, wie ein Trachomkranker zu behandeln ist und vvelche MaBnahmen Bock, Uber Trachom. 3 34 wir zu ergreifen haben, um eine Weiterverbreitung zu verhindern, so handelt es sich bezuglich der thatsachlichen Durchfiihrung nur um die Losung einer volkswirtschaftlichen Frage. Aus weiter unten Folgendem kann man ersehen, dass der mit Trachom Be- haftete von so vielen Beschaftigungen ausgeschlossen werden muss, dass er eigentlich ervverbsunfahig ist. Wenn es auch im ersten Augenblicke widersinnig erscheint, so ist gerade dieser Umstand ein Orund mehr, gegen jeden Trachomkranken unerbittlich vorzugehen, denn nur so kann man seine gefahrdeten Mitmenschen vor dem gleichen traurigen Lose bevvahren, auch vom Trachom ergriffen zu werden. Vom volkswirtschaftIichen Standpunkte aus ist die Schadigung einer Existenz kein zu hoher Preis fur die Verhinderungder Verseuchung eines ganzen Ortes. Allejene Lander, in denen vor beilaufig 20 Jahren das Trachom vvenig beachtet wurde, heute aber unter dieser Seuche entsetzlich leiden, sind eine malmende Aufforderung zum Kanipfe gegen diese OeiBel der Menschheit. Wer horen will, wie schrecklich das Los der Trachom¬ kranken ist, der lese Deneff e (Enquete sur Letat de 1’ophthalmie granuleuse en Belgique. Bruxelles 1890), eine Schrift aus dem von Trachom durchseuchten Belgien, wo fur die Bekampfung der Krankheit so gut wie nichts geschah. Deneff e selbst und auch andere Arzte haben an Trachom gelitten. Wer zahlenmaBig erfahren will, wie das Trachom um sich greifen kann, der lese Feuer liber Ungarnund Hirschberg’s oben angefiihrte Arbeiten. Das Trachom ist eine Gefahr fur ganz Europa. Ich vervveise hier in erster Reihe auf Ungarn und die daselbst dagegen ergriffenen MaBregeln. In Krain haben wir fiir die Bekampfung des Trachoms verhaltnis- maBig giinstige Bedingungen, weil das Land klein ist und seine vielfach gebirgige Beschaffenheit mit sparlicher Volkszahl und geringem Verkehr der Ausbreitung einer solchen Krankheit vvenig Vorschub leistet. Zur Bekampfung des Trachoms und der Verhiitung seiner Weiterverbreitung halte ich im allgemeinen folgende MaBregeln fiir nothvvendig und werde dann noch Verhaltnisse, wie z. B. in Laserbach oder auch Oblak und Schvvarzenberg besonders be- riicksichtigen. Jeder an Trachom Erkrankte oder vvegen Trachom Verdachtige muss vom Arzte der betreffenden Behorde unverziiglich angezeigt 35 werden und diese muss sich durch entsprechende Beaufsichtigung Gewissheit verschaffen, dass der Kranke alles befolgt, was vom Arzte und der Behorde zum Zwecke der Wiedergenesung und dem der Verhutung der Weiterverbreitung der Krankheit aufgetragen und verfiigt wurde. Vernachlassigung der Anzeigepflicht ist strenge zu ahnden. Auch die Umgebung des Kranken ist liber die Gefahr der Ansteckung, ihre Wege und die Mittel zu ihrer Bekampfung zu belehren, aber auch ftir die Befolgung der Vorschriften verant- wortlich zu machen. Dahin gehort zuvorderst Vermeidung ge- meinsamer Beniitzung von Gebrauchsgegenstanden, womoglich ein gesonderter Schlafraum, denn bei gemeinsamer Beniitzung eines Schlafraumes kommt es am leichtesten zur Vervvechslung der Gebrauchsgegenstande, wie z. B. Handtuch. Wo letzterer nicht moglich ist, muss fiir besonders peinliche Sauberkeit und fleibige Liiftung des Zimmers gesorgt werden. Der FuBboden muss immer feucht gereinigt, darf nicht trocken gekehrt vverden, die Thiir- klinken u. dgl. miissen ofters mit Weingeist oder mit Seife und Biirste abgerieben werden. Selbstverstandiich gilt dasselbe auch tur den gesonderten Schlafraum eines Trachomkranken. Die Leib- und Bettvvasche des Kranken muss, bevor sie mit der der ubrigen Familie gemeinsam gewaschen wird, friiher ausgiebig mit heifiem Wasser bebruht werden. Der Trachomkranke ist zu verhalten, seine Augen moglichst wenig mit den Handen zu beriihren und diese ofters des Tages mit einer Lysollosung zu waschen. Gemeindevorsteher und Gendarmen sind aufzufordern, Leute, welche ilinen als lange Zeit an einer Augenkrankheit Leidende bekannt sind, anzuzeigen, daniit arztlich die Art der Krankheit festgestellt vverde. Geistliche und Lehrer sind zu ersuchen, die Bemiihungen der Behorde in dieser Beziehung zu unterstiitzen. II. Die Schule besuchende Trachomkranke miissen dieser wenigstens solange fernbleiben, als die Absonderung der Binde- haut eine vermehrte ist. Haben die krankhaften Erscheinungen in dieser Beziehung aufgehort, dann kann man dem Kranken den Besuch der Schule wieder gestatten, jedoch muss er selbst und auch Lehrer sowie Mitschuler entsprechend genaue Wei- sungen erhalten, wie der Ubertragung der Krankheit vorgebeugt werden kann: Der Kranke soli es vermeiden, seine Augen mit den Handen zu beriihren, muss diese peinlich sauber halten, seine Mitschuler diirfen ihn nicht bei den Handen anfassen, vom 3 * 36 Kranken beniitzte Gegenstande, wie Bleistift, Federstiel, Biicher u. s. w., diirfen von anderen nicht gebraucht werden. Der gemeinschaftliche Turnunterricht und Geratheturnen ist fiir einen Trachomkranken nicht gestattet. In Musikschulen darf der Kranke nur dann das Instrument, \velches auch fiir andere Schuler bestimmt ist, beniitzen, wenn er sich in Gegenwart des Lehrers die Hande mit Lysol gereinigt hat und dies nach jeder neuerlichen Beriihrung der Augen mit den Handen wiederho!t. Es ware in Erwagung zu zielien, ob man nicht, wie Krug in Dresden 1890, Trachomkranken VerhaltungsmaBregeln gedruckt geben soli. Dies vvare die einzige Art, der ich als Vertheilung einer Druckschrift zustimmen mochte; die im allgemeinen im Lande verbreiteten volksfasslichen Schriften sind vvirkungslos, denn sie werden nicht gelesen und sind im Bedarfsfalle in den betreffenden Amtern gar nicht mehr auffindbar. Trachomkranke, welche mit anderen Arbeitern in gemein- schaftlichen Raumen thatig sind, diirfen diese nicht beniitzen, solange die Absonderung der Bindehaut krankhaft vermehrt ist. Hat diese nachgelassen, so darf der Arbeiter nur unter der Be- dingung seinem Berufe nachgehen, dass er sein eigenes, nur fiir seinen Gebrauch bestimmtes Handwerkzeug verwendet. Verfertigt der Arbeiter Gegenstande, an denen der An- steckungsstoff des Trachoms haften bleiben und sie daher die Krankheit weiter verbreiten konnen, so miissen dementsprechende MaBregeln ergriffen werden, d. h. Desinficierung der betreffenden Gegenstande, oder, wenn dies nicht moglich ist, Untersagung, dieselben in den Handel zu bringen. Fiir einen in eigener Werkstatte allein arbeitenden Trachom¬ kranken kommt nur der letzterwahnte Umstand in Betracht. Unbedingt ist es zu verbieten, dass Trachomkranke in Kaufladen als Verkaufer thatig sind; ebenso als im Schreibfache Beschaftigte in Amtern, weiters als Dienstmanner, Schaffner bei Verkehrsanstalten, Brieftrager, Amtsdiener, Kellner, Aufwarter und Bedienstete in Gasthausern, soferne sie in irgend einer Weise mit den Gasten in Beriihrung kommen konnten. Die Wiederaufnahme des Berufes kann nur der Arzt gestatten und muss dann bemiiht sein, in jedem einzelnen Falle das hygienisch Richtige zu treffen. 37 Dienstboten, welche nur in der engeren Familie vervvendet werden, kann das Weiterverbleiben daselbst gestattet werden, falls der Dienstgeber nach vorangegangener Belehrung die Oefahr und Verantwortung fiir eine Ansteckung im Hause iiber- nimmt. Freudenmadchen, vvelche an Trachom leiden, sind von der Polizei dem Spitale zu ubergeben, in derselben Weise, wie dies mit den an Syphilis Erkrankten geschieht. Trachomkranke sollen verhalten werden, in offentlichen Badern mit stehendem Wasser weder zu untertauchen, noch sich das Gesicht zu vvaschen, weil man weiB, dass auf diese Weise Trachom verbreitet vvird. Ein warnendes Beispiel sind die rituellen Bader der Jiidinnen. Wenn ein mit Trachom Behafteter heiratet, so miissen die betreffenden hygienischen MaBregeln besonders eindringlich eingescharft werden. Trachomkranke, denen unter den oben angefiihrten Be- dingungen die Wiederaufnahme ihrer Beschaftigung gestattet worden ist, diirfen aber dieser an Tagen, an welchen sie vom Arzte behandelt vvurden, nach vorgenommener Behandlung nicht nachgehen, weil sie dann immer stundenlang eine vermehrte Absonderung haben und daher besonders ansteckungsfahig sind. III. Der Trachomkranke ist von der betreffenden Behorde mit einem Controlzettel zu versehen, auf dem der behandelnde Arzt regelmaBig bestatigt, dass der Kranke sich behandeln lasst. Dieser Zettel ist in passenden Zvvischenraumen der Behorde vorzuvveisen. IV. Trachomkranke, vvelche den behordlichen, bzgsw. arzt- lichen Auftragen nicht nachkommen, sind mit aller Strenge zu behandeln; ein Kranker kann zwar nicht bevormundet werden wegen Versaumnis der zur Wiedererlangung seiner eigenen Gesundheit nothwendigen Schritte, er kann aber jedenfalls strengstens verhalten vverden, die Gesundheit seiner Neben- menschen nicht zu gefahrden. Eine unmittelbare gesetzliche Be- stimmung gegen vviderspenstige Trachomkranke besteht leider noch nicht, es vvird aber solchen Leuten gevviss mittelbar bei- zukommen sein, im FJjnvveis auf die fiir die Umgebung drohende Ansteckung, also Beeintrachtigung der Gesundheit der Mit- menschen. Wenn nicht anders, so kann die betreffende Behorde den Trachomkranken, \velcher den Auftrag, sich einer regelmaBigen 38 Behandlung zu unterziehen, nicht befolgt, so oft zur Ausvveis- leistung amtlich vorladen, bis auch ein Widerspenstiger einsieht, dass er so wichtigen Verfiigungen zu gehorchen hat. Die Gefahr fiir die Amtsperson, mit den Bestimmungen liber personliche Freiheit in Widerspruch zu kommen, ist verschwindend klein gegen die Durchseuchung eines Hauses oder Ortes. V. Fiir Trachom-Verdachtige gelten solange die fur Trachom- kranke angefiihrten Bestimmungen, bis die Art der Krankheit mit Gewissheit entschieden werden konnte. VI. Schulen, in welchen einige Trachomkranke oder dieser Krankheit Verdachtige vorhanden sind, miissen auf einige Tage geschlossen werden, vvahrend welcher eine griindliche Desinfection der Schulraume vorzunehmen ist. Dieselbe hat bei ausgiebiger Liiftung ihr Hauptgewicht auf jene des FuBbodens, der Schul- banke, der Thiiren und Klinken mit heiBer Lauge, Seife und Biirste zu verlegen. Die Schvvamme fiir die Schultafeln sind zu vernichten und durch neue zu ersetzen. Schulen, in denen eine groBere Anzahl von Schulern an Trachom erkrankt sind, miissen fur langere Zeit geschlossen werden, die Wande sind frisch zu tiinchen, die Raume sind zu schvvefeln oder mit Formol zu desinficieren, im iibrigen ist aber so wie oben angefiihrt vorzugehen. Vor der Wiedereroffnung und auch in der darauffolgenden Zeit sind die Augen aller Schul- kinder vvieder zu untersuchen. Die Kinder sind zur peinlichsten Sauberkeit der Hande und Fingernagel zu verhalten, am besten man lasst sie vor dem Unterrichte im Beisein des Lehrers die Hande in einer Lysollosung vvaschen. Der FuBboden muss immer feucht gereinigt vverden. Sind in einem Waisenhause, in einer Strafanstalt u. dgl. auch nur vvenige Falle von Trachom vorgekommen, so muss man so verfahren, wie oben bei Schulen auseinandergesetzt wurde. Weiters miissen die Kranken von den Gesunden vollkommen gesondert vverden, besonders was die Schlafraume betrifft, die Aufnahme neuer Zoglinge ist zu sperren, Trachomkranke diirfen auf keinen Fali aus der Anstalt entlassen vverden, sondern miissen in dieser bis zu ihrer Gesundung verbleiben oder einem Kranken- hause iibergeben vverden. Bei einer groBeren Anzahl von Trachom- kranken miissen aus diesen in der Anstalt eigene Abtheilungen fiir Schule u. dgl. gebildet vverden. 39 In einer Anstalt mit Trachomkranken muss allen hygienischen Einzelheiten groBte Aufmerksamkeit geschenkt werden, besonders aber was das Waschzeug, die Wasche und das Bad betrifft. Es empfiehlt sich auch, die Augen der Oesunden jeden zweiten Tag mit einer desinficierenden Losung (Kalium hyper- manganicum, Hydrargyrum oxycyanatum) zu spiilen. Hat der Arzt die Aufnahme von Zoglingen wieder gestattet, dann mussen die Augen der neu eintretenden sorgfaltig unter- sucht werden, um einer abermaligen Einschleppung des Trachoms vorzubeugen. Vil. Epidemisches Auftreten von Trachom erfordert besonders eingreifende und strenge MaBregeln, vvelche sich nach Art der Ausbreitung, Ortlichkeit u. s. vv. richten mussen. Einzelheiten, welche darauf Bezug haben, sollen vveiter unten nach den in Krainburg und Laserbach gemachten Erfahrungen auseinander- gesetzt werden. Vlil. Schulen mussen von Zeit zu Zeit planmaBig untersucht vverden. Gerade in dieser Beziehung macht sich in Osterreich der Mangel an Schularzten sehr ftihlbar. IX. Herbergen, Massenquartieren u. dgl. muss beziiglich des Trachoms besondere Aufmerksamkeit geschenkt vverden. X. In Gegenden, wo Trachom bereits beobachtet vvurde, muss von Zeit zu Zeit die Bevolkerung vvenigstens mit Stich- proben untersucht vverden, um einen Schluss ziehen zu konnen, ob sich die Krankheit vveiter verbreitet oder nicht. XI. Trachomkranke, vvelche so vveit vom Arzte entfernt vvohnen, dass sie von diesem nicht behandelt vverden konnen, mogen durch einen Laien, z. B. Lehrer, nach Vorschrift und Unter- vveisung von Seite des Arztes behandelt vverden. Der Arzt hat dann in entsprechenden Zeitraumen durch erneuerte Untersuchung diese Behandlung zu beaufsichtigen (Naheres siehe unten). XII. Da die als Manoverfeld vervvendeten Gegenden Inner- krains Trachome beherbergen, ist die k. k. Militarbehorde auf- merksam zu machen, zum Zvvecke entsprechender MaBregeln, dass die Soldaten sich hier nicht anstecken und dann die Krankheit zu Hause vveiter verbreiten. XIII. Die an Krain, grenzenden Lander sind einzuladen, an der Bekampfung des Trachoms theilzunehmen. XIV. Die Schaffung eines Reichs-, bzgsvv. Landesgesetzes ist sehr nothvvendig, zur Stiitze der arztlichen und behordlichen 40 Anordnungen, um Trachomkranke, welche diesen nicht gehorchen vvollen, auf gesetzlichem Wege hiezu zu zwingen. Dieses Gesetz miisste ganz allgemein gehalten sein, um eine entsprechende An- passung au die ortlichen und anderen Verhaltnisse zu ermoglichen und den Verfiigungen weiten Spielraum zu gestatten. Wenn in Gegenden, welche dem Verkehre ganz entriickt sind, Trachom in einer groBeren Anzahl auftritt oder endemisch ist, wie in Krain in Laserbach oder Schvvarzenberg, so wird zwar ein grofier Theil der oben angefiihrten Vorschlage anwendbar sein, in mancher Beziehung aber sind die Verhaltnisse so eigen- artig, dass besondere Verfiigungen berechtigt und nothvvendig vvaren. Zur Begriindung dessen mogen folgende Auseinander- setzungen gestattet sein, bei vvelchen einige Wiederholungen aus dem friiher Gesagten freilich unvermeidlich sind. Ich habe hiebei in erster Reihe immer das von Trachom so schwer heimgesuchte Laserbacher Thal im Auge. Eine solche Gegend bedarf vor allern eines standigen Arztes, wenn auch vielleicht nur fur einige Jahre. Seine zielbewusste und unausgesetzte Thatigkeit wiirde Uberraschendes leisten: Alle frischen Falle konnten in dieser Zeit geheilt oder wenigstens so weit gebracht werden, dass dem Trachom seine fur den be- treffenden Kranken verderblichen Eigenschaften genommen vviirden; gleichzeitig vviirde so die Zahl der Ansteckungsherde vermindert werden. Die Falle langerer Bestandzeit vviirden endgiltig durch- sichtige Hornhaute gevvinnen. Die alten Falle wiirden vor voll- kommener Vernichtung bewahrt vverden. Der betreffende Arzt komite auch durch kleine operative Eingriffe augenblickliche Er- leichterung verschaffen und dauernde Schadigung der Augen ver- hindern. Er miisste sein Augenmerk auf die Verhiitung des Trachoms durch Untervveisung der Bevolkerung richten. Wenn ein Arzt nur einmal vvochentlich in die betreffende Gegend konimt, wie dies jetzt der Fali ist, so vverden die Erfolge der Behandlung ganz ungeniigend sein, gevviss aber im Missver- haltnisse stehen mitdengroBen Kosten und dem Zeitaufvvand, vvelche damit verbunden sind. Ich vervveise hier auf meine Ausfiihrungen, vvelche ich oben iiber die groBen Entfernungen gemacht habe. Oberdies kann man von der so zerstreut vvohnenden Bevolkerung nicht verlangen, dass alle Kranken an einem bestimmten Tage zu einer bestimmten Stunde sich an einem Orte einfinden, so dass 41 also der ambulante Arzt niemals alle Kranken sehen wird. Dass aber die Trachomkranken zu dem weit entfernten Arzte ofters kommen oder sicli ins Krankenhaus fur langere Zeit aufnehmen lassen, scheitert an der Armut der Einzelnen und der ganzen Oemeinde. Es ware also die Bestellung eines standigen Arztes in dieser Gegend wenn auch nur ftir einige Jahre das richtige Mittel. Ein Ausweg, der noch in Betracht zu ziehen vvare, ist die Untervveisung einer Laienperson, am besten des Lehrers, in der Behandlung der Trachomkranken, wobei ich vornehmlich jene mit Losung von Hollenstein, mit Blaustein und mit Sublimat im Auge habe. Wenn man einen derartigen Vorschlag macht, muss man von vornherein auf den Einvvand gefasst sein, dass man auf diese Weise einen Curpfuscher heranziehe. Dieser Einvvand ist aber nicht gerechtfertigt, denn der betreffende Laie ware ja nur der Helfer des Arztes, vvelcher jenem die entsprechenden Wei- sungen gibt und ihn in Zeitraumen von 8 10 Tagen immer vvieder beaufsichtigt. Nur das, was der Arzt anordnet und nichts anderes, darf der Laie machen. Nachdem die Bevolkerung dieser Gemeinden nur aus Land- leuten besteht, fallt hier leider die Moglichkeit fort, Damen der Gutsherrschaften u. dgl. in dieser Weise in Anspruch zu nehmen, wie dies in manchen Gegenden von Norddeutschland mit Erfolg der Fali ist. Abgesehen von der umnittelbaren Behandlung der Augen, sind in einer so durchseuchten Gegend noch einige den Arzt betreffende Umstande zu beriicksichtigen, welche ich auch an- fiihren muss, wobei ich bemerken will, dass sich derartige Ver- fiigungen seinerzeit in Krainburg als durchfiihrbar und niitzlich ervviesen haben. Die Stunde der taglichen Behandlung einer so groben Zahl weit zerstreuter Trachomkranker wird sich bis zu einem ge- wissen Grade nach den ortlichen Verhaltnissen richten miissen, jedenfalls aber darf sie nicht erst gegen Abend stattfinden, weil Atzmittel erfahrungsgemab zu dieser Zeit schlecht vertragen vverden. Im Sommer undbei giinstigem Wetterwerden die Kranken am besten im Freien in einem Gartenhauschen oder dgl. vor- genommen, sonst in einem zu ebener Erde gelegenen lichten Zimmer. Jeder Kranke muss sich, bevor er zum Arzte tritt, seine 42 Hande in einem hiezu aufgestellten, mit LysolIosung gefullten Kiibel mit einer harten Biirste reinigen (was der Arzt jedem Kranken zeigen muss), damit er seine nach der Behandlung thranenden Augen nicht mit schmutzigen Fingern wischt. Nacli der Pinselung oder Streichung erhalt er ein Bauschchen entfetteter Baumwolle, um seine thranenden Augen zu trocknen, und darf sich vom Orte der Behandlung erst auf den Heimweg begeben, nachdem er sich nochmals dem Arzte gezeigt und dieser fest- gestellt hat, dass die Augen nicht mehr thranen. Die zum Wischen beniitzte Watte muss der Kranke nun in einen dazu aufgestellten Kiibel werfen. Die so abgesammelte Watte und auch andere Ver- bandstoffe werden nach der Sprechstunde verbrannt. Bevor sich der Kranke entfernt, muss er seine mit der Trachomabsonderung verunreinigten Hande abermals mit Lysol und Biirste reinigen. Es ist iiberhaupt eine vvichtige Aufgabe des Arztes, die Kranken auf die Nothvvendigkeit ofterer Reinigung der Hande in eigenen Schiisseln wahrend des Tages aufmerksam zu machen, damit so nach und nach die Verunreinigung der gemeinsamen Haus- gegenstande, besonders der Thurklinken, und damit die Weiter- verbreitunggehindert wird. je groBer die Reinlichkeit des Trachom- kranken, desto geringer die Oefahr fiir seine Umgebung. Weiters muss der Arzt die Gesunden aufmerksam machen, sich die Augen nie mit der Hanci, bzgsw. den vielleicht mit Trachom beschmutzten Fingern zu vvischen, sondem sich hiezu eines reinen Zeuges zu bedienen. Die Trachomkranken miissen unbedingt ihre eigenen Gebrauchsgegenstande haben; ihre Wasche muss fiir sich allein gewaschen vverden. Bei der Kleinheit der Hauser ist eine Sonderung der Schlafraume fiir Kranke ganz ausgeschlossen, dagegen muss man nachdriicklich das Schlafen von mehr als einer Person in einem Bette verbieten. Man muss eben mit eiserner Unnachgiebig- keit die Kranken und Gesunden auf jene Umstande aufmerksam machen, durch vvelche die Ubertragung stattfinden kann; dann wird die Bevolkerung selbst an der VerhOtung des Trachoms mitarbeiten. Endlich muss der Arzt darauf drangen, dass die Hiitten fleiBig geliiftet und diese sovvie die Einrichtung sammt den Thtirklinken rasch hintereinander mehreremale mit Wasser, Seife, Sand und Stroh grundlich abgerieben werden, um in dieser Beziehung einmal eine Grundlage zu schaffen, auf der hygienisch vveiter gebaut werden kann. Bei dem groBen Wassermangel in Laserbach wird man hiezu Regentage wahlen mtissen. Die Er- 43 bauung einer Wasserleitung ist fiir diese Gemeinde eine dringende Nothvvendigkeit. Es wird manchen harten Kampf geben, bevor man auch nur theilvveise das Ziel erreicht haben wird; man wird groben Widerstand zu iiberwinden haben, besonders deshalb, weil nicht nur der Bauer, sondern auch manche den gebildeten Standen angehorige Personlichkeiten die Ansteckung fur eine Fabel halten und alies als eine Fiigung Gottes mit Ergebung hinnehmen, daher jeden Schritt dagegen fur nutzlos erachten. So grob die Gefahr ist, dass das Trachom innerhalb der Gemeinde Laserbach noch breiteren Boden gewinnt, so wenig drohend ist die einer Weiterverbreitung der Krankheit von hier ins iibrige Land; denn die Gemeinde ist raumlich fiir sich ab- geschlossen, liegt in weltabgeschiedener Einsamkeit und hat keinen Verkehr nach auben, mit Ausnahme jenes der Manner in die benachbarten Walder bis nach Croatien; dort aber kommen die Leute in trachomreiche Gebiete, so dass sich eine Gefahr in um- gekehrtem Sinne ergibt, namlich die der Einschleppung neuer Trachomfalle aus Croatien nach Krain. Die Gefahr der unmittel- baren Verbreitung des Trachoms aus Laserbach ins iibrige Land kame erst dann in Betracht, wenn sich in einer solchen Trachom- gemeinde ein Industriezvveig entwickelte, dessen Erzeugnisse von Trachomkranken gearbeitet, mit Trachomabsonderung beschmutzt den Ansteckungsstoff auf dem Wege der unmittelbaren Beriihrung der Gegenstande durch andere Personen diesen mittheilen wiirde. Dies galte besonders fiir Kleinindustrie, z. B. Erzeugung von Spielsachen aus Holz, Ziindholzchen u. dgl. Gegenvvartig sind Bretterund Latten die einzigen Ausfuhrgegenstande von Laserbach. * * * Wenn ich mit der vorliegenden Arbeit etwas zur Klarung der Trachomfrage beigetragen habe, dann ist mein Wunsch und meine Absicht erfiillt. Laibach, Ende 1899. DRUCK VON LEOP. KARAFIAT4 KUCHARZ IN BRUN« Von demselben Verfasser sind in gleiohem Verlage erschienen: AKATOMIE des menschlichen Orbitalinhaltes nach Enucleation des Augapfels. Mit 3 lithographirten Tafeln. Preis M. 1.60 = K 1.80. Erfahrungen auf dem Gebiete der Augenheilkunde. Bericht iiber 1641 Augenkranke umi 70 Star-Extractionen. Mit 11 Gesichtsfeldaufnahmen. Preis M. 2.70 = K 3.—. „Der vorliegende Bericht des Verfassers belehrt uns nicht nur iiber die Leistungen und Wirkungskreis desselben als Augenarzt in Laibach, sondern er zeichnet sich namentlich durch seinen reichen wissenschaftliclien Inlialt aus und bildet so unter der besclieidenen Form eines Jahresberichtes eine fur j eden Augenarzt interessante Darstellung des beobachteten Materiales, welche durch das selbstiindige wissenschaftliche Urtheil des Verfassers einen bleibenden Wert erhalt.“ ( Medicinisch-chirurg . Rundschau) B .Was jedoch diesen Bericht interessant macht, ist, dass ein Mann dieses ganze Materiale gesehen und untersucht hat, und dass Bock, der durch seine pathologisch-anatomischen Arbeiten sicli einen glanzenden Namen erworben und der unter Stellwag’s Leitung eine langjahrige klinische Schulung durch- gemacht hat, bei der Aufzahlung der einzelnen Krankheitsfalle und Gattungen und bei der Art der Therapie aphoristische Bemerkungen anknupft und hierdurch auch dem anscheinend geringfiigigsten Fali Interesse abzugewinnen weiss.“ ( Wr. med. Presse) . Reich an ungemein lehrreichen (auch fiir den Nichtspecialisten) Beobachtungen ist der 2. Theil der Arbeit ...“ (Medicin . Jahrbiicher) .... Falle, die in der Literatur selten oder nicht^beschrieben erscheinen, hat Bock ausfuhrlich und klar besprochen/ (Arztl. Centralanzeiger.) PATHOLOGISCHE ANATOMIE DES AUGES. SYSTEMATISCH BEARBEITET VON Dr. CARL WEDL, WEIL. PROFESSOR DER HISTOLOGIE, K. K. HOFRATH UND Dr. EMIL BOCK, PR1MARARZT DER ABTHEILUNG FUR AUGENKRANKE IM LANDESSPITALE ZU LAIBACH, VORMALS ASSISTENT AN HOFRATH v. STELLWAG’S AUGENKLINIK. Mit einem Atlas von 196 Figuren auf XXXIII Lichtdruck-Tafeln in Quart. Herabgesetzter Preis (statt M. 50.—) nur M. 30.— = K 36.—. Medicinischer Verlag von Josef Šafar in Wien. Propliylaxe und Beseitignng des Trachoms in der k. und k. osterreichisch-ungarisclien Armee. Von Dr. Karl Hoor, Professor an der k. ung. Universitat in Klausenburg. Preis M. 2.20 = K 2.40. Zur Trachomfrage der k. und k. Armee. Von Dr. Rudolf Ebert, k. u. k. Regimentsarzt 1. Classe. Mit 2 graphisolien Darstellungen im Texte. Preis M. 1.20 = K. 1.40. Leseproben flir die Nahe. Jager’s Schriftscalen, modificirt von Prof. Dr. E. Fuchs. Preis M. —.70 = K —.80. — Grosse Ausgabe M. 1,— = K 1 20. Ed. v. Jaeger’s grosser ophthalmoskopischer Atlas: Beitrage zur Ikitholoaie cLes Auges. Von Eduard Jaeger Ritter von Jaxttlial. IV. Liefernng. Mit 56 Tafeln in Farbendruck. Wien 1870. Imp. 4°. Cart. Herabgesetzter Preis (statt M. 144.—) nur M. 36.— = K 40. ~ . ,,Die Bilder dieses Atlases werden an Naturwahrheit und Schčnheit der AusfUhrung schwerlich jemals erreicht, sicher niemals iibertroffen werden." (Prof. Fuchs in seiner Antrittsrede.) UST Die vorliegende n IV. Lieferung“ umfasst den grossten Theil des seit. Jaliren vergriffenen, completen \Verkes und bildet mit Bezug auf den Inhalt, und von der Paginirung abgesehen. ein abgeschlossenes Ganzes. Zu beziehen durcli alle Buchhandlungen des In- und Auslandes. 0RUCK VON LE0P. KARAFIAT S KUCHARZ IN BRUNN