MITTHEILUNGEN A US OEM GEBIETE DER STATISTIK. IIKIIAUSCiKCiEIIKN VON DEll DIRECTION DER ADMINISTRATIVEN STATISTIK IM K. K. HANDELS-MINISTERIUM. SECIISTER J AIIRG ANG. — lil. IIEFT. (Preis 1 fl. 20 kr. Conv.-Miinze.) WIEN, 18K7. AUS DER KAISERLICH-K0NIGL1CHEN IIOF- IIND STAATSDUUCKEREI. IN COMMISSION BEI W. BRADMDLLER. DIE DRITTE VERSAMMLUNG ZU WIEN IM SEPTEMBER 185 7. VON ADOLF FICKER, DOCTOH DEU PHILOSOPIHE UND DEU IIKCHTE, K. K. MINISTERIAL-SECRKTAU, M1TGMED MEHHEREH GELEIIRTEN GESELLSCIIAFTEN (Ml VEREINE, SKCRETAR DER VORBEREITUNGS-COMMISSION KUR DIE DRITTE VERSAMMLUNG DES CONUHESSBS UND DIESER VERSAMMLUNG SELRST. WIEN, 1857. A (IS DER KAISEIIUCH-KONIGUCHEN HOF- (JNII STAATSDRUCKEREI. IN COMMISSION BE1 W. BRADMULLER. 1 11 ll a 1 t. Seite I. Entstehung und Aufgabe der statistischen Congresse......................................... 3 II. Die Vorbereitungs-Gommission fiir die III. Versammlung des internationalen Con- gresses fiir Statistik................................................................ 7 l)cr Programms-Entvvurf und seine Grundlagen; Bericlit iiber dcnselben.................... it Zusamniensetzung der sechs Scctionen der Vorbereitungs-Commission......................... IS Das Programm ............................................................................. 16 Sprache der Congress-Verliandlungen....................................................... 17 III. Die Vorlagen der Behorden an die dritte Versammlung des Congresses.................. 19 Die Vorlagen des k. k. Ministerium's des Innern........................................ 19 „ „ „ „ „ der Justi/,......................................... 23 „ „ „ „ der Finanzen ...................................... 24 „ „ „ „ fiir Handel, Gc\verbe und offentliche Bauten . . 29 „ „ „ Gemeinderaths der Stadt Wicn....................................... 37 „ „ der Ilandels- und Gewerbekammer zn Triest................................. 37 IV. Eroffnung der dritten Versammlung des internationalen Congresses fiir Statistik . 39 Die Delegirten der fremden Regicrungen.................................................... 30 Die sonstigen Mitglieder des Congresses................................................... 41 Ansprache des k. k. Handels-Ministers an den Congress..................................... 44 Constituirung des definitiven Bureau's und Biidung der Seetionen......................... 4(i V. Berichte der fremden Delegirten iiber die Einrichtungen und Leistungen der offl- ciellen Statistik.................................................................... 49 Schuberfs Antrag und Debatte iiber dcnselben.............................................. 49 Die officielle Statistik im osmanischen Reiche............................................ K2 „ „ „ in Frankreieb................................................... !53 „ „ Grossbritannien.............................................. 84 „ „ „ „ Russland................................................ . SO „ „ Spanien........................................................ KB „ » „ „ Beigien....................................................... 89 „ „ „ „ den Niederlanden .... 89 „ „ „ „ DUnemark....................................................... 00 „ „ „ „ Sehweden....................................................... 01 „ „ „ „ Norwegen....................................................... 03 „ „ „ Toscana ..................................................... (!4 „ „ „ „ der Scluveiz................................................... 04 „ „ „ „ Baiern......................................................... 08 Seitc Uie officielle Statistik in tViirtemberg, . (iti „ „ „ „ Badcn ..................................................... ti8 „ „ „ „ Sachsen - Wciinar - Eiscnach.................................. 09 „ „ „ dcn sachsisehcn Herzogthuincrn................................ 09 „ „ ,, „ Hannover..................................................... 70 „ „ „ „ Braunschvveig................................................. 70 „ „ „ „ Meklenburg-Sclnvcrin...........................................7t „ „ „ „ Ocsterreicli.................................................. 71 „ „ „ „ nicht vertretenen italienischen Staatcn....................... 84 ,, ,, „ „ Serbien.......................... . . . .............. . 80 VI. Thatigkeit der Sectioncn des Congresses in Bezug auf das Programm und diess- fallige Verhandlungen in der allgemeinen Versammlung............................ 87 Krste S e c t i o n: a. Mortalitiits- Statistik.............................................................. 87 b. Statistik der Anstalten und Vcrcine fiirKranke undGcbrcchliche, soiviedes gesamm- ten Samtiitsivesens und soiner Resultatc............................................ 97 Z we i te S ec tio n: a. Statistik der Straf-Rechtspflegc ... 97 b. Statistik der Civil - Rechtspflegc ... 102 c. Statistik der Verthcilung und Bclastung des Grundcigenthumes .................103 D r i 11 e S e c t i o n : Finanz-Stutistik 100 V i e r t e S o c t i o n: Industrie-Statistik................................................................ 117 F ii n f t o S e c t i o n: Unterrichts- Statistik.............................................................. 123 Se c h ste Section: a. Vcrhaltniss der Statistik z.u ihren Hilfsvvissensehaften aus dem (iehiete der Natur-kunde...................................................................................129 b. Anu cmlung der Kartograpbie Und der Grapliik uberliaupt auf Zivecke der Statistik 131 e. Statistik der ethnographischcn Versehiedenhciten innerbalb cines Staats .... 134 VII. Antrage, wclche im Congresse zur Verhandlung kamen. a. Antriigo, ivelche mit dem Programme iin Zusamnienhange standen.......................137 b. Antriige, ivelehe ausserhalb des Programms iiegende Aufgaben der IV. Vcrsanun-lung des Congresses bczeichneten........................................................140 c. Antrage, ivelche sieh auf die Vorliandlungsform kiinftiger Congress-Vcrsainm-lungen bezogen ........................................................................ 144 d. Antrag auf Bethciligung Nord-America's an kiinftigen Versainmlungen des Congresses ................................................................................149 VIII. W. Farr’s Antrag wegen der Feststellung des Orts und der Zeit der IV. Congress- Versammlung; Schluss der 111. Versammlung des Congresses.............................100 IX. Verhandlungen wegen eines engeren Verbands fiir die Statistik der deutschen Staaten............................................................................ 103 X. Festlichkeiten; Ordensverleihungcn . .. 109 Die dritte Versammlimg* iles internationalcn Congresses (Tir Statistik zu Wien im September 1857. Statist. Mittheil. 1857. III. Hcft. 1 I. l/ie Versammlungen d e s statistisch en Congresses sincl ein Werk der »euesten Zeit; ihre Entstehung undAufgabe werden selbst jetzt noch bautig so unklar aufgefasst, dass auch die Versammlung, wclche iu Wien getagt bat, vvieder-holten Anlass bot, darauf zuriickzukommen. Als Biisching im Jahre 1758 seine „Vorbereitung zur Kenntniss der Staats-verfassung der europiiischen Heiche und Republiken“ herausgab, fiihlte er bereits, dass nacli dem Zusammentragen des Materials fur jedes einzelne Facli das Verarbei-teu des gesammelten Stofls kommen miisse, uhd vertauschte desshalb die friiher allein Oblicbe Conring-Acbeiiwairscbe Melbode der Statistik, die sogenannte ethnogra-phische, mit der vergleielienden, d. h. er versuchte, die Statistik welcbe bis daliin »lir das letzte Blatt der Gescbiclite eines oder melirerer Staaten gewesen, zu einer selbststiiudigen VVissenschaft umzuschaffen ')• 'J TrcRlich sagtF.W. Seliubert in dem I. Bande seines Ifnndhuchs der allgcmeinenStaaten-kunde von Europa, S. 25: „Es ist bis gegen das Ende des 18. Jahrhunderts der allgemeine Cha-rakter der wissenschitftlichen Studien, durch Sammlung, einfache Ueobachtung und Forschung vielniebr Materiatien fur jedes einzelne Facb anzubiiufen, als dieselben zu einem organiseben (iaiizen zu rerarbeiten. Dagegeti darf es vorzugsweise als das Eigentbmn der letzten 40 Jahre in Ansprueh genommen weiden, dass die vvisscnschafllichen A ib ei ten, auf jene an und fur sich verdienstliehen Sammlungen gestiitzt, gleiebartig nacb Innen und Aussen ibre Fortschritte auszu-uebnen sich beeifern. VViihrend sie also keineswegs verahsiiumen, fiir deri Uinfang der Wissen-sebaften selbst den \Veg des blosscn Sanunelns, Bcobaebtens, und des vereinzelten Forsehens weiter zu verfolgen, gehen sie zugleich mit grosser Besonnenheit bei der sorgfiiltigen Bearbeitung der bereits vorbandenen Materialien auf das tiefere Eindringen in die Wissenschaft aus. Sie rin-gen darnaeh, die Aufgaben und Grundgesetze jeder einzelnen NVissenschafl und ihren Zusammen-hang kennen zu lernen, durch Zusammenstetlung ahnlicber Uinge scharfsinnig combinirend das Gleichartige zu errathen und auf solehe VVeise iiberrasebende Itesultate unumstosslicher Wabrheit an s Liclit zu fordern, die friiher in ihren getrennten Bestandtheilen nicht einmal geahnt werden konnten. Diese Verfahrungsart des ani meisten fordernden Entgegenarbeilens, des Ankniipfens anerkannter AVabrheiten an nengefundene, hat das menschliche Wissen unermesslich bereichert, und uns olt in wenigen Jahren den Zielpunet erreichen lassen, nach wclebem wir bei der friiher gewohnten Methode uns vielleicbt ein Jahrhundert vergeblich abgcmuht baben wiirden. Sie hat ™it einem \Vortc die vergleielienden W iss en sc h a ft e n in’s Leben gerufen, und wie wir jetzt eine vergleichende Anatnmie, cine vergleichendc Spraehcnkunde und Geographie, durch 'hre anziehenden Resultate hochgestellt, zu ebren wissen, cbenso wahrhaft fruchtbar macht sich die vergleichende S ta atenku n d e, indem sie gleichartige Verbiiltnisse aus den versebiedenen Drči Generationen von Statistikern liakcn auf dem dergestalt gelegten Grunde \veiter gcbaut; dic „vergleichende Statistik" hat aufgehort cine Metliodc der Statistik zu bilden, sie allein ist \vissenschaftliche Statistik '). Je mehr aher ihre Anforderungen iiber Dasjenige hinausgingen, \vas jeder geordnete Biicher-sehrank zu leisten vermag, desto weniger komite man sicli iiber die Sclnvierigkeiteii tiiuschen, \velche der Lbsung dieser Aufgabe entgegenstanden mul dadurch aucb die praetischen auf Statistik basirten Bestrebungeri liihmten 2). Der Gedanke, die Hemmnisse der bezeichneten Art — welche hauptsachlicli in der Verschiedenheit der getvahlten Objecte statistischer Nachweisungen, in der (Jngleichartigkeit der Erbebungsmetboden mul in den Eigenthiimliclikeiten der Ver-ofTentlichungen verschiedener Staaten, endlicb in der Wahl ganz abweicbender Zeit-fristen fiir Erbebung mul Verolfentlichung bestebeu, — durch Verstiindigung Der-jenigen, welche das statistische Material beschallen und publiciren, zu beheben, lag nalie. Die Wander-Congresse von Fachmiinnern versebiedener vvissenschaftlicber (iebicte 3) gaben aucli die Form an die Kand, in welcher ilun am leiehtesten und vollstandigsten geniigt vverden konnte. Wer immer ihn zuerst ausgesproeben baben mag 4), in fruchtbringender Weise aufgegriflen und mit seltener Energie verfolgt baben ihn z\vei MSnner, welcbe auch die VViener Versammlung als Korypbaen der Wissenscbaft in ihrer Mitte verebrte Ouetelet und Visschers. Dic Scbritte, mittelst deren sie den am 11. Juli 1851 im Schoosse der belgisehen Central-Commission fiir Statistik vorgelegten Plan schon bis zum 20. November jenes Jahrs zu der einstimmigen Schlussfassung fiir seine Staaten in oiner solclicn Belcuchtung zusammenstellt, ilass oftmals . 322 aus : „VAllemagne, patrie des savants qui ont, les premiers, doline une forme scientifique a la statistique, — l’Allemagne, dont les gouvernernents ne se bornent pas a publier d'excellents documents sur toutes les branch.es de 1'economie sociale, mais foni encore professer la statistigue dans les universites, l’Allemagne meritait, au moins au meme litre gue la Belgique et ta France, 1'honneur de recevoir le Congres intemational“. des k. k. Ministeriums des Innern: die Ministerialratlie Dr. Joseph Lasser Hitter von Z o 11 h eim und Dr. Kajetan Edler von Mayer; des k. k. Ministeriums der Justiz: Ministerialrath Dr. Anton Hye Ritter von Gl u n ek, Sectionsrath August Khoss von Sternegg; des k. k. Ministeriums derFinanzen: Sectionschef Dr. Karl Ritter von llock, und die Ministerialratlie Dr. Moriz Franzi Ititter vou Ve stene ek und Anton Wisn er; des k. k. Ministeriums fiirCultus und Unterricht: Ministerialrath Dr. Eduard Tomase h ek; des k. k. Armee-Obercommando's : Generalmajor August von F1 i g e I y, Director des k. k. militar-geographischen Instituts; Oberst Joseph Langui-der vom General-Quartiermeisterstabe; der k. k. obersten Polizeibehorde: Hofrath Karl Edler von Lewinsky; der k. k. obersten Rechnungs-Controllsbehorde: Hofrath Johann Ritter von Luše h in; des k. k. Handels-Ministeriums (der Direetion fiir administrative Statistik): Sectionschef Dr. Karl Freiherr von Czoernig, Director; Sectionsralb Ignaz Engelhardt, Adjunct; die Ministerial-Secretare Valentin Streffleur ') und Adolf Fieker, in Dienstleistung hei der Direčtion der administrativen Statistik; b) als Vertreter der Wissenschaft: der kais. Akademie der Wissenschaf(en: Seine Excellenz Dr. Andreas Freiherr von Baumgartner, Prasident der kais. Akademie der Wissenschaften zu Wien; der k. k. Wiener Universitat: die oo. iio. Professoren Regierungsrath Dr. Johann S pri nger, Regierungsrath Dr. Leopold Neumann, Dr. Lorenz S te in, Dr. Moriz von Stubenrauch; anderer \vissenschaftliclier Bestrebungen: Medicinalrath Dr. Theodor H el m, Director des k. k. allgemeinen Krankenhauses in Wien; Dr. Gustav 11 ij f k e n, Sectionsratli im k. k. Handelsministerium; Dr. Friedrich VVilhelm Freiherr von Reden, Vice-Priisident der k. k. geographischenGesellschaft3); c) als Vertreter der volksvvirthschafllichen Beschaftigungen: Seine Excellenz Dr, Joseph Ritter von Pipitz, Gouverneur der k. k. osterr. priv. Nationalbank. *) Vor Abbaltung 7 ihre Thatigkeit begann, fiibrte Minister liilter von Toggenburg, als Stellvertreter des PrSsidenten fungirte Sectionschef Freiherr von Czoernig, als Secretar der Mini-sterial-Secretar Ficke r. Bei Auswabl jener Puncte, vvelclie fiir t!as Prograrnm des Congresses vorzusehlagen \varen, konntc mati nielit umhin, vor Allem auf die in den frttheren Versammlungen des Congresses bereits besprochcnen Gegenstiiude einen Blick zu richten. Hierbei slellle sicli sofort cin \vesentlieher Unterseliied z\visehen den Verhandlungen in Briissel und in Pariš heraus. Die BrOsseler Versammlung lBste ihre Aufgabe, indem sie die grosse Tliat der Ausfuhrung eines neuen practischen Gedankens verwirklichte und ilire Vorbereitungs-Cominission hatte diess ganz ricli-tig erkannt, wenn sie meinte, die in verscbiedenen LSndern aufgestellten Formularien wiirden zu priifen sein dans des congrcs spdciuux imtitues a cet e/fct2). Zu Pariš begann aber bereits der statistische Congress in der Hiehtung solcher Special-Con-gresse zu fungiren, die ernsten Detail-Arbeilen nahmen auf der zu Briissel gewonne-nenBasis iliren Anfaiig8). Damin seliien es uubedenklicli, auf die zuBrUssel bebandel-ten Gegenstiiude zuni Behufeder weiteren Ausarbeitung dortaufgestellter Skizzen zu-ruckzukommen, walirend die griindlichen Detail-Losungen von Pariš allerdings aucli von diesem oder jenem Standpunete zu dieser oder jener Ergiinzung oder Abiinderung Anlass bieten mogen, jedenfalls aber dem Statistiker in einer Form entgegentreten, die es ilnri zur Pfliebt inaclil, nielit oline die dringendste Notlnvendigkeit seine subjee-tive Ansicht den gefassten Besehliissen gegeniiber zu stellen, weil er dadurch die bei dem Mangel aller zwingenden Gewalt fiir die Realisirung der Scblussfassungen des Congresses allein maassgebende Eiiiflussuahuie der Ueberzeugung von ihrer bei den gevvicbtigsten Autoritiiten festwurzelnden Begriindung nur erschttttern vviirde. Von diesem Standpunete ausgebend, seliien cin rascher Ueberbliek des gesamm-ten Systems der Stalislik den sichersteu Leitfaden bei Aufstellung der Programms-Puncte fiir die VViener Versammlungzu bieten. Gleich dem ersten Elemente der Staatskraft, dem G rund und Boden, kleben tlieils jene Bestirninungen an, deren Inventarium das Cataster bildet, theils nelimen auf iliu eine An/.alil vun Umstiindcn Einlluss, \velclie dem Naturleben der Erde zuge-hiiren. Beziiglicb des Catasters bat die Briisselcr Versammlung des Congresses eine *) Fallati im IX. bande der Zeitschrift fiir die gesannnte Staats\vissenseliaft, S. 037, sagi selu- irut: „Bei dieser ersten Zusammenkunft der Statistiker galt es zuniichst, sich kennen zn lernen, sicli auf einem gemeinsainen lioden zusaniinenzuliiideii, die Uiinftige liinlieit vorzubereiten". a) Dullelin de la comnussion centrale, T. V, p. II, 110. “J Ieli halte es nielit fiir iibertlussig, liicr wieder Legoyt’s Urtheil in das Auge zu fassen. Audi er erkennt an: „Le Congres de Jlraxellen prenait ima serie de deeisionn tjui, ni elles n'oni encore pa recevoir partout une execution coni pičle, nul cependant exerce inimediatcment la plan heureuse influence nur len lravaux den principaux bureaux de nta/islii/ue de l'Europe“, nennt aber docli die Bescliliisse „nancepliblen d’un necond examen\viihrend er die VerbandluiigsgegcnstSndc zu Pariš ilirer vorwiegend practischon und detaillirten Hicbtiing \vegen als solehe bezeielinet, „1/111 n'iiiit pan eu 1’iinporlance c/ le vij’ interet de cellen, i/ai avaient ni juntemenl captive 1’atlenlion da Congres a Uruxellen“, anderseits von den Besehliissen sagi: „Len formulaircs votes portent te cacliet d’ime etude plim approfondie, d’une invesligation plus nevere, d'une neience plus sure d‘elle-memea. Anznlil ziemlich erschbpfender Eritsclieidungen gefiillt. Beziiglich (les z\veiten Punc-tes wiinschte auf jener Versainmlung Ramo n de la S a gr a, dass im Programme der nachsten eine Reihe von Fragen (ihcr Klimatologie, Orographie, Geographic der Pflanzen und Thiere und jene periodischen Pliiinomene des Lebens beider erscheine, \velehe dureh ihre Wirkungen in unmittelbarer Beziehung zu der Gesundhcitspolizei, der Boden-Cultur und der Verfassung des Grundeigenthums stehen. Die Brusseler Versammlung venvies diesen erst in ihrer Schiuss-Sitzung eingebrachten Antrag an die belgische Central-Commission fur Statistik; im avunl-projet des Pariser Programiraš wird aueli der statistitjue mdtdorologujue gedackt, rveiter geschali dcr-selben jedoch auf der zweiten Versammlung des internationalen statistischen Con-gresses keine Erwahnung. Die Bevolkerung und ihre Bewegung sind so vielseitig beliandelte StolTe, dass die Brusseler Versammlung nicht umhin konnte, vor AUem in ihre Besprechung einzugeben. Volkszahlung und Bevolkerungsregister vvurden erbrtert, die Bervegung des Civilstands einer mehrfaehen Betracbtung unterzogen. Die in Brflssel nicht zum Abschlusse gebrachte Nomenclatur der Todes-Ursachen fand eine sehr tief grei-fende Behandlung auf der Pariser Versammlung; die Einreihung der verschiedenen Krankheiten in einige vvenige Haupt-Classen blieb der nachsten Zusammentretung vorbehallen. Aueli die Special-Statistik der Geistes-Krankheiten, der Epidemien und der Ungliickfalle kann als abgethan angesehen werden. Endlich wurde schon zu Briissel die Statistik der Ausrvandnrung aus demGesichlspuucte eines grossen socialen Phiinomens, \velches fur Staatsvervvaltung und Wissenschaft gleiches Interesse darbie-tet, in Betracht gezogen; die dort gefassten Beschliisse liessen sich mit den in der Natur der Sache liegenden Modificationen auf die Statistik der Eimvanderungen anwenden. Hingegen \vurde cin Zvveig der Bevblkerungs-Statistik bisher nur obertlach-licli erwahnt, das Studium der etbuographischen V er s chi edenhe ite n , \velche innerhalb der Granzen fast jedes ausgedehuteren Reiches hervortreten. Wenn dieselben auch in hervorragendem Maasse nur bei drei europaischen Gross-staaten eine Rolle spielen, sind sie doeh fast fur keiu Land vollig umvichtig und verdienen um so mehr die Aufmerksamkeit des Statistikers, als sie mit den tief-greifendsten Eigenthiimlichkeiten in Leben, Sitte und Bildung zusammenhangen. Der Organismus der Staatsverwaltung bildet eines der wichtigsten Objecte statistiseher Forscbung und blieb bisher vorziiglich nur desshalb von den meisten officiellen Publicationen statistiseher Tafeln ausgeschlossen, weil seine Dar-stellung neben der rein zitfermassigen Aufzahlung eben so sehr einer textuellen Erlauterung bedarf und der Gebrauch einer solehen erst in jUngster Zeit den ervviinscbten Umfang zu erlangen beginnt, wahrend man friiher die Ziffer nicht bloss als das hauptsachliebste, sondern als das einzige Element der Statistik sich zu denkeu gewohnt war. Hier gilt ziemlich das Namliche, vvas beztiglich der Statistik der Reehtsi»tlege schon in Briissel bemerkt wurde: erst aus Uebersichten, welche fiir jedes einzelne Land die Competenz der Behbrden detaillirt darstellen, wird sich eine Gruppirung und Classificirung derselben ergeben, \velche auf die verschiedenen Lunder anvvendbar ware. An die Gevvinnung solcher Uebersieliten lland zu legcn, tlurfte eine der lohnendsten Aufgahen des Congresses sein. Was die Ergebnisse der Staatsverwalfung in ihren einzelnen Zvveigen betrifTt, so bat bis nun zu vur Allem die Statistik der Rccbtspflege eine ganz vorziiglicbe Aufmerksamkeil des statistischen Congresses auf sicii gezogen. Die fiinladung der Hrusseler Versammlung, die Juristen der versebiedenen Lunder mochten Listen aller nach den Gesetzen ihrer Heimath strafbaren Handlungen mit Pracisirung des einem jeden Namen entsprechenden Begriffs verfassen, h at jedoch zu keinem Ergebnisse gefubrt, \vessbalb die Pariser Versammlung ausdriicklich der nachstfolgenden eine Erneuerung dieser Einladung anbeimgab. Ebenso uberliess die zweite Versammlung des internationalen statistischen Congresses iliren Naclifolgern die Fest-stellung der Formiilarien zur Darstellung der Civil-Rechtspflege und besebrankte sieh darauf, in Uebereinstimmung mit dem von einem der ausgezeichnetsten Rechts-gelebrten Frankreich’o, Bayle-Mo uillard, erstatteten Berichte einige Wtinsehe auszusprechen , \velcbe zwischenweilig in Envagung gezogen vverden diirften. In beiden Theilen der Reehtspflege bietet sieb demnach noch ein weites Feld fiir fernere Erorterungen dar. Die mit der Statistik der Straf-Rechtspflege im engen Zusammeubange stehende Statistik der Strafanstal ten svurde von der Vorberei-tungs-Commission der Pariser Versammlung in ilir Progranun aufgenommen; sie kanu aber aueli als abgescblossen gellen, indem sie nach allen Ricbtungen bin erortert und einer Entseheidung zugefiihrt \vard. Was die Tbatigkeit der politiseben Verwaltung im engeren Sinne des Worts betrifft, so bracbte es wobl der Blick in eine bedenkliche Erscbeinung der Zeit mit sicli, dass die Mittel und Anstalten zur Linderung der Lage jener Classen, \velelie obne fremde Beisteuer selbst an den ersten Lebensbediirfnissen Notb leiden miissten, einen Gegenstand vorzuglicher Aufinerksamkeit der beiden ersten Ver-sammlungen des Congresses bildeten. In Brtissel begann man mit Erorterung der Frage, inwieweit der Notbstand dieser Art der Statistik iiberhaupt erfassbar sei, und fand sich dureh den engen Zusammenhang jedes Losuugsversuchs mil dem okonomischen lkidget der arbeitenden Classen auch auf die (immerbin die iiusscrsle Granze der statistischen Aufgabe beriihrende) Besprecbung dieses letzte-ren gelnhrt, iiber welebes kurz vorber in Belgien selir umfassende Erbebungen stattgefunden batten. In Pariš wurde ein Tlieil der llmnanilats-Anstalten in niihere Betrachtung gezogen, indem namentlich Sparcassen, Versorgungs- und Unter-stiitzungs-Vereiue den Gegenstand der detaillirten Forschung bildeten, an vvelebe sieb endlieh die Statistik der Versicherungs-Gesellschaften sebloss. Eine weitere Fortsetzung dieser Betrachtungen rniisste zunacbst auf die Anstalten und Vereine fiir Krankenpllogc , Gobar- und Findel - lliiuser , Krippen , Kinder-Bewabranstalten, Siechen- und Versorgungshauser, Taubstummen-, Blinden- und Irren-Anstalten und andere dergleichen Institute, deren Kenntnissnahme fiir die Statistik immer \vich-tiger und sclnvieriger vvird, endlieh auf das gesamnite Sanitatswesen eines Staats und seine Resultate fiihren. Ebenso bietet Bestand und Thiitigkeit der Armen-Institute, Wohllhatigkeits-Vereine n. s. f. einen reieben Štolf weiterer Untersuchungen dar. Unter den iibrigen Z\veigen der politischen Administration wiirden die Einrich-tungen und Erfolge der Sieherheits-Polizei, die \Virksamkeit der Gemeinde-Organe, die Thatigkeit der Vereiue u. in. a. berQcksichtigungswerthe Themata liefern. Eiiien selir wichtigen Tlieil der Ergebnisse der Staatsverwaltung bilden die Resultate der Finanz- und Mi lit ar- Verwaltung. Seit melir als einem Jahr-zehend besitzt Oesterreicb eine eben so klar als grundlich den gesaminten Staats-haushalt darlegende Finanz - Statistik und verbffentliebt dieselbe ihrern ganzen Umfange nach. Das avant -projct des Programms Jur die z\veite Versammlung unseres Congresses entliielt aucli die Finanz-Statistik, und der Congress spracli einstimmig den Wunsch aus, das Progrannn der nachstfolgenden Versammlung miige eine Iteilie vou Fragepuncten iiber die Staats-Einnahmen und Staats-Ausgaben, das Staats-Vermogen, die Slaats-Schulden und Tilgungs-Fonde enthalten, um dadurch vergleichbare Naelnveisungen iiber die iinanziellen Zustiinde der verscbiedenen Staaten anzubahnen. Der Wunscb des Congresses ging aber aucli dahin, die etwaigen Special-Budgets von Provinzen und die Vermogens-Gebarung der Geineiu-den in den Kreis dieser Envagungen einbezogen zu selien. Ein Ulick auf die Leistungeu der osterreichischen Finanz-Statistik musste es doppeit gereehtfertigt erscheinen lassen, dass diese sclnvierige Aufgabe eben der VViener Versammlung zuliel. Die meisten Zweige materieller und geistiger Oultur haben auch die beiden Versammlungen des internationalen statistischen Congresses zu Briissel und Pariš beschiiftigt, aber in sehr ungleichem Umfange und mit selir versebiedenem Erfolge. Nicht bloss die Kiirze der Zeit, sondern auch die von einer grossen Mebrbeit getlicilte Ueberzeugung, vergleichbare Naelnveisungen seien bei einer so ungleich-artig betriebenen Productiou kaum erreichbar, bewog die Brusseler Versammlung, auf jede nabere Angabe der Objecte einer lan d wi rthscha ft li eh en Statistik zu verzichten und das Verlangen mehrerer Mitglieder der berichterstattenden Seetion nach einem Minimum von Fragen fiir die Agricultur-Statistik bloss in das Protocoll aufzunehmen. Ueher den Antrag des Freiherrn von Reden verzeichnete Legoyt die Festslellang dieses Minimum’s unter jenen Puncten, \velche die Brusseler Ver-saminlung an die Pariser iibertragen babe, und nach einer lebhaften Discussion \vurde eine Reihe von Beschlussen gefasst, \velche jeues Minimum und die Art, wie die betreftenden Daten zu erlangen seien, feststellten. Ob man die Erorterung der Agricultur-Statistik hierrnit als erschopft ansehen will, mag dahin stehen. Gewiss ist diess nicht der Fali in Betreff der Industrie-S tat isti k, welche auch schon in Brilssel einen Gegenstand der Besprechung bildele. Eben auf diesein Gebiete bat die iisterreichische Statistik schon in den Tafeln fiir das Jahr 1841 Glanzendes geleislet, so dass sie vor anderen berufen erschicn, den Weg zur Ausfulluug der noch oflenen Liicken zu \veisen. Die Ziller der Etablissements und ihrer Arbeiter, die Angabe des Betriebsmaterials und der bevvegenden Kralte reicht nur eben aus, den Organismus der verscbiedenen Werk-statteu zu kennzeicbnen. Die ge\verbsokonomische Statistik musste ihre Aufgabe stels fiir ungelost halten, so lange es ihr nicht gelingt, Menge und Werth der Erzeugung festzustellen, vvorauf die Briisseler Versammlung nur bei der Statistik •les Berg- und H(ittenwesens vordachte. Die Statistik des aus\vartigen Handels gehort neben jener der Bevol-kerungsbewegung zu den meist durchgearbeitetcn Zweigen unserer Wissenschaft. Was in Briisšel dariiber verhandelt \vurde, kann als befriedigend gelten, zumal 'venn die \viditige Ergiinzung, welehe dic Pariser Versammlung durcli ihre Zusam-menstellungen iiber die verscbiedenen Handels-Ausweise brachte, beriicksichtigt wird. Dieselbe Versammlung bescbaftigte sich in selir ausgedehntem Maasse und in ausgezeichneterDurchfiihrung mit den La n d- und Wasser-Communicationen, welehe man gevvohnlich aus dem Gesichtspuncte ilirer Bestimmnng als Beforderungs-Anstalten des Handels betracbtet. Aus diesem Gesichtspuncte scheint sich dann aber liier noch eine andere Statistik anrcihen zu sollen, jene der grossen Geldmiichte der Gegenwart, der Banken und Cred it-Insti tute, deren Einfluss auf die Volks-wir/thschaft schon durcb den Umfang seiner tiefgreifenden Wirkungen den hochsten Grad von Bedeutsamkeit fiir sich in Anspruch niinmt. Von den drei Bichtungen, in welchen die Statistik der geistigen Cultur erfassbar erscheint — als Statistik der Erziehung und des Unterrichts, der Lei-stungen fiir VVissenschaft und Kunst, der kirchlichen Verhaltnisse — hat nur die erste zu Briissel eine Behandiung gefunden. Wie wenig mit den dort aufgestellten Satzen dio Sache als abgethan angesehen werden kiinne, dafiir zeugen schon die wiederholten Ani'egungen auf der Pariser Versammlung, die Sache neuerdings in Angriff zu nehmen , Anregungen, vvelchen selbst die Leitung der Versammlung ihre Zustimmung schenkte. Oesterreich bat in der allerjungsten Zeit eine gewaltige Umgestaltung auf diesem Gebiete durchgemacht und diese Umgestaltung wiirde ohne vielfache und tiefeingehende Beschaftigung mit der Uriterrichts-Statistik auf schr losen Grund gebaut haben: Oesterreich bat also gewiss auch vorAnderen den Beruf, in der Weiterforderung einer systematischen Behandiung dieser Statistik voranzugehen. Um zum Schlusse zu kommen: dass neben der Universal - Statistik eines Staats auch die Particular-Statištik ihre Berechtigung babe, \vurde schon auf den beiden fruheren Versammlungen des Congresses anerkannt; doch bescbriinkte man sich auf das von einem der geist- und kenntnissreichsten Forscher in diesem Gebiete cnt-vvorfene Programm fiir die Statistik der grossen Stiidte, welclies eben jetzt einer Arbeit unserer Beicbshauptstadt iiber ihre Statistik zu Grunde gelegt wird, wahrend doch auch die statistisChe Uebersicht ganzer Provinzen oder griisserer Complexe der-selben selbst in dem centralisirtesten Staate ihre Bedeutung nicht einbiissen vvird. Der auf den eben erlauterten Grundlagen beruhende Prog ram ms-Entwurf des Secretars der Vorbereitungs-Commission wurde dem k. k. Sections-Chef, Frei-herrn von Czoernig, zur Priifung iibergeben. Sein iiber das Ergebniss derselben an die Commission erstatteter Bericht belindet sich in Aller Handen. Sehr richtig bemerkt aus Anlass dieses Berichts ein geistvoller Beurtheiler *): „Einen rein kosmopolitischen Charakter kann der Congress nie ganz behaupten; es ‘) „AlIgemeine Zeitung" Nr. 228 f. liegt in der Natur tl er Saehe mul selbst im verruiuftigen Zvvecke des Weehselns mit dem Versammlungsorte, dass immer dasjenige Land, in vvelchem der Zusammentritt stattfindet, mehr oder \reniger in den Vordergrund tritt, nnd dass nicht nnr dessen specielle statistische Anstalten nnd Arheiten, sontlern ancli seine allgemeinen staat-lichen, geselligen nnd vvirthschaftliehen Verliiiltnisse zn besonderer Knnde gelangen; der internatinnalo Cliarakter nnd Zvveck des Congresses \vird die nationale Bei-mischung von dem Lande, welches iIm gastfrei aufnimmt, aueli immer annehmen“. Dossbalb ging ein selir lehrreicber Excurs von 28 Seifen iiber die Geschichte der Statistik in Oesterreieb , vvelebo cine der gliiuzendsten Seiten nnserer Staatsver-vvaltung umfasst, der detaillirten, tief eingehenden Erbrtermig der in das Programm aufzunehmcnden Panele voraus. Diese Erorlorung, welebe ibrerseits !i!> Druekseilen umtasst, karm hier nicht wiedcrholt vverden. Nor der Schlusssatz mbge eine Steli e finden, zunial ihm der wei-tere Verfolg der Verhandlungen die vollstiiiuligste Bekriiftigung zu Theil werden liess. „Gewiss ist bierbei die llofliuing gereebtfertigt, dass es den boi der Ausarbei-tung dieses Programms belbeiligten Mannern der Ver\vallnng, der olTiciellen Statistik, der VVissenscbaft mul der volksvvirthsebaftlieben Besebiiftigungen gelingen \verde, dureb gemeinschaftlicbcs, ernstes Znsammenvvirken die feste Grundlage vor-zubereiten, anf weleher die kommende Versarnrnlnng ilire Verhandlungen beginnen und zur Fbrderung des boben ibr vorgesteekten Zweckes zu Ende fiihren kann. Bei der Vielfaltigkcit der Aufgahcn, welcbe die iiber das gesammte Gebiet des Staats-lebens sich ausbreitende Statistik zu verfolgen bat, unissen immer nur einige wenige zur Behandlung einer Versammlung ausgevvahlt werden ’); aber jede einzelne ibren Gegenstand ersebopfende oder docb in der Tiefe erfassende Verhandlung bildet cinen Grundstein, vveleber, den bereits vorbandenen angefiigt, den scbbnen und dauernden Bau zu tragon bestimmt ist, der, in organisclier Entwicklung sich ') Audi schon anf S. 4S jenes Uerichls heissl es im gleichen Sinne: „Baron Diipin cleu-tete in seinem Berichte iiber den Programms-Kntwurf der Pariser Versammlung an, dass die Statistik, je practischer sie wird, eine je griissere Summe von Interessen sie in ihren Bereich zielit, desto mehr von dem Streben geleitet vvird, an Breite zn verlieren, was sie an der Tiefe ihrer Erorterungen gewinnt. Vermindert sieli dadurch schon der Umfang ihrer Darstellungen, von denen allerdings eine einzelne oft schr zahlreiche, friiber isolirt behandelte Gegenstiinde umfasst, so muss iliese Uinscbriinkung nocb vveiter bei soleben Objeeten reichen, welche man zur gemeinsehaftlieben Behandlung fiir mehrere, ja fur alle Nationen geeignet erachtet. Ilier-bei ist ferner zu beacbten, dass die VVissenscbaft und die administrative Praxis durch die griindliche und ersebopfende Behandlung eine s Gegenstands mehr gewinnt, als dureb die oberfliichliche Besprecbung einer Reibe von Objeeten , und dass eine einlassliehe Behandlung vieler Objecte die Zeit und die Kraft sovvobl der Milglieder nnserer Commission, als der Theil— nehmer an dem Congresse zu sehr zersplittern \viirde“. In derselbcn Weise spricht sich der Ver-treter der stalisticul sucielt/ bei dem Congresse, S. lirovvn, in seinem Berichte an die Gesellsehaft nus: „Al the two /ir e v to it« Coni/rcsses, in Bruoscls and in Bari«, «o manij nubjects wcre brought fortourd for discutmion, (kat it might almost hura bean prettumed tkat thc programtne of the Con-grees held at Vienna wotdd be of inferior interesi. Within the last fair gears, hoieever, thc rang of statistični inguiries ha« baru so rnuch cMcndcd, — so mani/ guestions of the highest imporlanca to thc progress of civithalion and thu wcll-bcing of societg, hura forced themsclvcs on our notica; and so rapid has been thc improvernent in the moda of collecting the Government Statitics of dif-ferent kingdoms and countries, thut the difficultg tras rather to condense than to enlarge the programme for the Third Gongress at Vienna“. (Juarterlg journal of thc statistični societg. March 1HHK, p. I. erhebend, als ein Denkmal unil zugleich als eine Frucht dur fortschreitenden Civili-sation »nd des Gedeihens der staatlichen Gemeinschaft dcn Generationen der fernen Zukunft iiberanhvortet werdon \vird“. Die Vorbereitungs-Commission adoptirte in ihrer Sitzung vom 27. Mai die Auf-riahme von 11 der im Entwurfe entbaltenen Puncte in das Programin der Verhand-lungen, mul tbeilte sich /,ur ferneren Bearbeitung dieser 1’iimjte in 6 Sectionen, 'velcbe von dem Rechte, nocli andere FachmSnner den Beratbungen bcizuziehen, zum 1’heile einen sehr ausgedehnten Gebraueh machlen. Die erste Section, welehe die Aufstellnng von arztlieben Todtenscheinen und von Formularien fiir eine Statistik der Krankenanstalten und des ,Sanitatswesens •iberhaupt zur Aufgabe balte und die Commissions-Mitglieder Ministerialratji Dr. Ritter von Lasser, Professor Or. von Stubenrauch und Medicinalrath Dr. Helm m sich begrifl'. verstiirkte sich durch mebrere Capacitiiten der medieinischen Praxis und Administration: Ministerialratb Dr. Karl Edler v. VVell. Medicinalrath Dr. Josepli Riedel, die Universitats-Professoren Dr. Borneo Seligmann und Dr. Franz Linz-bauer, Ministerial-Concipist Dr. Karl II el m, Dr. Mori/, llaller, und den Beamten der k. k. Gebiir- und Findel-Anstalt Jakob L o m m er. Die z\veite Seclion, welebe sich mit der Statistik der Sl ral- und Civil-Rechts-I'11 ege, des Besitzes und der Belastung des Grundeigentbums beschaftigen solite, bestand aus den ('ommissions-Mitgliederu Ministerialratb Dr. Bitter von 11 y e, Hofrath von Le\vinsky und Sectionsrath von K h o s s, und ge\vann cine weitere Arbeitskraft !,n dem k. k. Ministerial-Secretar im .lustiz-Ministerium, Dr. Anton Iteck. Nur die dritte Section, fiir Finanz-Statistik, unter dem Vorsitze des Sections-cliels Dr. Ritter von llock, welchen seine eben verijffentlichte Darstellung der I* inanzvervvallung Frankreicb's eben so aul' wissenscbaftlichem wie auf administrativen) ••ebiete als ausgezeichneten Kenner der Finanzzustiinde bewahrte '), aus Ministerial-•‘ath Dr. Ritter von Vesteneck, Hofrath liilter von Luscbin, den Sectionsrathen ^ng e I h ar d t und Dr. II o f k e n, und Dr. Freiherrn von Red en zusammengesetzt, beendete ibre Arbeiten innerhalb dieses Kreises von Commissions-Mitgliedern. Hingegen gewann die vierte, zur Bearbeitung der Industrie-Statistik berufene, unter dem Vorsitze des Sectionschefs Dr. Freiherrn von Czoernig, vvelcher schon I < vor 12 Jahren die erste Statistik der osferreicbischen Industrie verfasst und diese ausserst sehwierige Aufgabe mit dem glanzendsten Erfolge geliist batte, aus den Commissions-Mitgliedern Ministerialrathen von Mayer und VVLsner und Professor ••r. S tein gebildete, nebstden Reamtendes §tatistischen Rureau’s Ficker, Schmitt und Rossivvali, den Redacteur des sehr gehaltvollen Berichts iiber die Pariser Welt-Jndustrie-Ausstellung, k. k. Universitats-Protessor Dr. Eberhard Jonak, den Prasidenten und Secretiir der VViener Handels- und Gewerbekammer, Anton Edlen von Diick und Dr. Karl Holdhaus, und mehrere Notabilitaten der grossenIndustrie der Reichshauptstadt, H. D. S c h m i d, Emil S e y h I, F. B ose ban, C. Z i m m er m a n n *) Ein saelikundiger Franzose, Legoyt, sagt selbst von diesem Buehc: „Qui laiase bien lom derriere lui touten len publicatiom franpaises analogues“. (Jtevue contemp. T. 34, p. 338.J unil A. J. Mautner, fur die Theilnahme an ihren ebenso \vichtigen als umfassenden Verhandlungen. Die fiinfte Section, deren Leitung Regierungsratb Professor Dr. S pringer, der Nestor wissenschaftlicher Statistik in Oesterreich, iibernahm, war mit d er Bear-beitung dcs Programms fiir Unterrichts-Statistik beauftragt, mul na hm die Commissions-Mitglieder Ministerialrath Dr. Tom a seli ek, Begierungsrath Professor Dr. Neumann und Ministerial-Secretar Ficker, liberdiess aber nocli den Sectionsrath im k. k. Unterrichts-Ministerium Anton Krombholz und denUnivei*siti»ts-Professor Dr. Hermann Bonitz, Bearbeiter einer vorziiglichen Statistik der osterreichischen Gymnasien und Bealschulen, in sieli auf. In der sechsten Section, vvelcher einer der gefeiertsten Vertreter naturvvissen-schaftlicher Studien in Oesterreich, Se. Excellenz Dr. Andreas Freiherr von Baum-g a rt n er, prSsidirte, kam zuerst das Verlniltniss der Statistik zu ihren dem Gebiete der Naturkunde angehiirigen Hilfswissenscbaften zur Sprache, woran sich aber bald eiu \veiterer Programms-Punct, die Statistik der ethnographischen Verschiedenhei-ten eines Staats, reihte. Die Section, welcher die Commissions-Mitglieder Sections-chef Freiherr von Czo e mig , Generalmajor von Fligely, Oberst Languider und Ministerial-Secretar Streffleur zugewiesen waren und Ministerial-Secretar Ficker zugezogen \vurde, erfreute sich des Beitritts von KoryphUen verschiedener Z\veige der in Oesterreich stets mit Vorliebe gepflegten Natur\vissenschaften: Feld-marschall-Lieutenant Bitter von Hauslab, Begierungsrath und Universitats-Professor Dr.Andreas von Etti ngshau sen, Directorderk. k. meteorologischen Central-Anstalt und Universitats-Professor Dr. Karl Kreil, Universitats-Professoren Fr. Simony und Dr. Franz IJnger, Custos-Adjunct im k. k. zoologischen'Cabinete Dr. Leopold Fitzinger, Bergrath Franz Bitter von Hauer und Dr. Karl Fritsch, Adjunct bei der k. k. meteorologischen Central-Anstalt und Leiter der phanologisehen Beobach-tungen. Das Sub-Comite, vvelches sich mit der Anvvendung der Kartographie und der Graphik iiberbaupt auf die Zvvecke der Statistik zu befassen hatte, vvurde aus Feld-marschall-Lieutenant Bitter von llauslab, Sectionschef Freiherr vonCzoernig und den Ministerial-Secretaren Streffleur und Ficker zusammengesetzt, und lud noch weiters den durch seine kartographischen Leistungen riihmIiclist bo-kannten Major im k. k. Ingenieur-Geographen-Corps Joseph Sc bed a und den mit den kartographischen Arbeiten im statistischen Bureau beauftragten Beamten Anton Doležal zur Theilnahme ein. Ungeachtet der iiusserst karg zugemessenen Zoit vvurde von allen Sectionen die Arbeit ebenso griindlich als uinfassend durchgefuhrt. Das Pr o gr a mm in einem Quart-Bande von 148 Seiten mit zwei lithographirten Beilagen von 16 Bogen ent-halt nach der einstimmigen Anerkennung aller Betheiligten einen seltenen Beich-thum des schatzbarsten Materials1), dessen Vorhandensein allein die Bewiiltigung der Arbeiten des Congresses in den sechs Tagen seiner Verhandlung moglich machte. 1) Die deutsche Vicrteljahrsschrift nennt es „das fertigste und durchgearbcitetste von a)len“, „mit meisterhafter Consequenz gearbeitet", Prof. Schubert ein „hoch interessantes, wolcbes der Berathung reichcn Stoff darbietot“. Dic zvveite Section verzichtete zvvar darauf, (lic ilir unmittelbar gestell-ten Aufgaben zu Ibsen, umi begniigte sich, fiir Oesterreicli in BetrelT dei Straf-Rechtspflegc zu leisten, vvas die Pariscr Vorbereitungs-Coirmiission beziiglich dur franzbsischcn Gesetzgebung goilran, gleichzcitig aber fiir Straf- und Civil-Rechts-pfiege dem Congresso diejenigen Formularien vorzulegen, vvelelie in dieser Riick-sicbt vou der osterrcicliischen Justizvcrvvaltung aiigc\vcndot vverden sollen. Allein dieselben gewannen dadurch einc nocli auf keiner Vcrsammlurig des Congresses zur Geltung gekorninenc hbherc Bedeutsamkcit, dass von dem k. k. Ministerium derJustiz cine Beriicksiehtigung des vom Congrcsse zu fiillenden Urtheils in Anssichl gestclli wurde, \vie diese Formularien einzuricliten vvarcn, dami L die darnaeh verfassten Ausvveise iiber bsterreichische tleelitspilege aucli zu Vergleichungen mit den sta-tistischen Nachweisungen andcrer Staatcn geeignet vvaren. Beziiglieb des dritten der ilir zugevviesenen Puncte, der Statistik des Bcsitzes und der Belnstung des Grund-eigcnthums, crfreute sicli die Scction einer auf eindringliclie Sludicn derGeschiiftsordnungMinisterial-SecretarFicker (ur die Function in deutscher, und der schon an der Pariser Versammlung betheiligt gewesene Oesterreicher Louis Deb ra n z -) fiir jene in franzosischer Sprache envalilt wurden. ') Hin Nieht-Dcutscher, X. Heuschling, sagt im Monilettr ttelge N. 329, p. 4120, in rieh-(igcr \Viirdiguiig ilicser Verhultnisse gogeniiber einem zu Pariš gostellten Ahtrage auf ausschliess-lichcn Gehrauch dor franzosischen Spraehc: „Les dililtiralions da eongres de Vienne, ou Femptoi de la langue allemande a (!le la regle et eelui da fratifais F excej)tion, oni prouvi que, tlans F etat aetuel den espri/s, e’est la langue da page an Fon se trouve qui domine; la proposilion (Femploger me langue eonirnune, universelle, est au motne primaturie“. *) „Allemand tV angine, Franpaie par la langue, par la ver ve, par la vbodli des repar-ties, par Foriginalili piijuante des opinions“ sagt Lcgoyt in der Jlevue eonlemparaine, T. 'M, p. 339. lil. Neben den Arbeiten der Vorbereitungs-Commission ging aber noch eine andere, hocbst beachtensvverthe Thatigkeit der k. k. Regierung fiir den statistischen Con-gress einher. „In Wien zuerst"—konnte der Priisident der Versammlung mit voilem Redite in seiner Scblussrede sagen — „hat die unmittelbare Verbindung der Regie-rungen mit dem Congresse Wurzel gescblagen, und zwar der Regierung eines gros-sen und maehtigen Staats, welebe niebt nur ibre Bereitwilligkeit erklarte, in dem 'veiten Reiche Mimssregeln mit Rueksiclit auf die Bescbliisse des Congresses zu er-greifen, sondern auch schon im Vorbinein Hunderte von Beamten arbeiten liess, um in der Lage zu sein, zahlreiche und wiehtige Vorlagen statistischen Inhalts an den Congress zu bringen". Vier k. k. Ministerien bereiteten zurVorlage an den Congress D ruc k we r ke v o r, welche es verdienen, einer kurzen Skizzirung ibres eben so bedeutungsschvveren als interessanten Inhalts unterzogen zu werden 1). Von dem k. k. Ministerium des Innern wurden an den Congress gebracht: 1.Die Grundentlastung in Oesterreich. Erster Theil, betreffend die Kronlander Oesterreich ob und unter der Ens, Salzburg, Steiermark, Kiirnten, Krain, Kiistenland, Tirol, Biihmen, Mahren, Schlesien. Galizien, und das Grossberzogthum Krakau. Wien, 18S7. 2. StatistischeDarstellung d e s V c r e i n s vv c s e n s im Kaiserthu m e Oesterreich. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von Dr. Moriz von Stu-benrauch, k. k. o. o. Professor etc. Wien, I8S7. 3. Bibliographisch-statistische Uebersicht der Literatur des osterreicbiscben Kaiserstaats vom 1. Januar bis 31. December 1854. Von Dr. Constant W u r z bach von Tannenberg. Mit 57 Tabellen. Wien, 1856. — Desselben Verfassers bibliographisch-statistische Uebersicht etc. vom 1. Januar bis 31.December 1855. 2 Bande mit 83Tabellen. Wien, 1857. ') Selbstvcrstfindlich simi die folgcntlon Andcutungen wpit entfernt, don Gcsichts|iunct cincr litorariseli-kritisclien W(irdigung jcner Vorlagen fiir. sich in Anspruch zu nehmcn. Die Aulgabe, \vclche der osterreiuhischen Slaatsvervvaltung in der scbon 1848 Allerlroebst ausgesprochenen Entl astung des Grundcs undBodens gesetzt vvurde, war uacli Ausdehnung und Scbvvierigkeit eine colossale und nur der Energie cines Freiberrn von B a ch konnte es gelingen, diese Aufgabe neben allen deri schwierigen und wichtigen Arbeiten, welcbe die Neugestaltung des Beiclrs auf den iibrigen Gebieten der Gesetzgebungund Verwaltung mitsieh brachte, in einer Periode von \veniger als 9 Jahren fur einen grossen Theil der Monarchie, nahezu sainmt-liebe deutscb-slavische Kronliinder, zum Abscblusse zu bringen. I)as vorliegende Buch gibt iiber die Gesammtresultate der Operation in der angedeuteten Periode ein klares, licbtvolles Bild. Sein erster Abschnitt behandelt den Zusammenbang der Grundentlastung mit der fruheren Gesetzgebung iiber die Bodenbefreiung, und gibi einen kurzen Biickblick auf die persiinlichen Verhaltnisse des Bauernstands vom Uebergang desselben aus der Leibeigensehaft in die gemiis-sigte Unterthiinigkeit durch die Gesetze Maria Tberesia’s und Josepb's II. bis zum Jalire 1848, woran sicli eine Uebersieht der unter den verscbiedenartigsten Titeln erschienenen Bestiftung und Belastung des Grundeigentbums sebliesst. Laut der ange-seblossenen I. Tabelle gelangten fur die inBetracbt gezogenen Kronlander 38,587.940 Tage Hand- und Fussrobot, 150,173.72!) Tage Zugrobot (patentmiissig auf zweispan-nige reducirt), Zehenten itn Jabresvverthe von 4,007.4!)5 tl., Getreidegefalle mit 2,176,259 Metzen, fixe Geldleistungen im Jabreswertbe von 3,707.00!) II. und Be-sitzveranderungs-Gebubren im durcbscbnittlichcn Jahreswertbe von 2,143.911 II. zur Anmeldung und Ablosung1). In der zweiten Abtheilung wird die Liquidirung der Grundlasten und die Ennittlung der bierfiir entfallenden Eutscbiidigung besproclien. Aus den Tabellen II. bis VII. ergibt sicb, dass die Zalil der zum Bezuge einer Ent-schadigungs - oder Ablosungs-Summe Bereebtigten in den genannten Kronlandern 58.97K, jene der Verpfliebteten 2,872.200 betrug und die Zifler des ausgemittelten Entlastungs - Capitals 292,884.625 II. erreicbte. Der dritte Abschnitt endlich handelt von der Leistung der Entschadigung und von der Tilgung der Grundent-lastungsschuld, von der Grundung der Entlastungs-Fonde und der allmablichen Tilgung der von ihnen ausgestellten Obligationen. Naeh den Tabellen VIII. und IX. wurden 25,942.842 <1. Benten-Vorschusse und 5,676.735 H. Capitals-Vorschtisse ausgezablt, 54.267 Berechtigte waren bereits ganz abgefertigt oder in der Abferti-gung begrilfen. Die. Verlosung der Obligationen ist fur sammtliebe bezeicbnete Lan-der, mit Ausnabme Galizien’s, im Zuge. Das Detail der finanziellen Operationen jener Fonde bringen die Tabellen XI.—XVI., wahrend dieTabelle X. die gesammten Kosten der Liquidirungs - Operationen bis zum Schlusse des Vervvaltungsjahrs 1856 mit 3,908.594 II. nachweist. Eine der grossten volkswirtbschaftlichen Operationen, wie sie mit so geringer Storung des okonomisehen Zustands aller Tbeile nirgends abgewickelt wurde, ist in ilicser Darstellung nacb allem Detail analysirt. Da nur norli in Siebenbiirgen und *) Trn Konigreicho Uiilinren bcstanden ansser der Robot, dem Zehent und den Geldleistungen 7i! verschiedene Natural-Leistungon, in Miihren 246 versehiedene (leldgiebigkeiten. der Bukovvina das EntlastungsgeschSft nielit vollstiindig geordnet ist, wird das II. llcft des hoclist wichtigen VVerks gewiss bald folgcn. Ungeaclitet die Statistik unserer Zeit mit gevvaltiger Macht in die innersten Zustandc dcs Volkslebens einzudringen berniibt ist, liegt die Statistik des V ereins-\v e s e n s, \velches dueli einen selir bezeichnenden Ausdruck tur die Selbsttliatigkeit eines Volks naeli allen Kichtungen geistiger und materieller Entvvicklung liefert, noeb grossentheils bracb. So sind auch einzelne Z\veige dcs osterreichiscben Ver-eins\vesens, insbcsonderediewissenscbaftlichenundKunst-Vereine, dann die grosseren Versicherungs- und Credit-Anstalten, schon friiher Gegenstand statistischer Behand-lung gewesen; eine vollstiindige Darstcllung der osterreichiscben Vcreine aber komite erst versucbt werden, nacbdem durch eigene von den Central-Bebbrden gege-bencEuriuulare und durch dereriAusfullung von Seite der Vereins-Leiter das Materiale gevvonnen \var. Das im jugemlkraftigen Oesterreicb nunniebr in voller Ueppigkeit aufbluliende Streben nacli Association liess aucb eine solcbe amtlicbe Verfiigung vor drei Jabreri zuerst notbwendig erscheinen und Dr. Stubenrauch’s Bueli ist die Erucht dieser Erhebung. Es ist das Verdienst des Verfassers, aus den eingelaufenen Behelfen so viel als inoglich fiir eine Statistik der Vereine im vveitesten Sinne gcsebbpft zu baben, dalier insbesondere die Capitcl iiber Sparcassen, Credit- und Versicberungs-Anstalten, wo neben den vorgezeicbneten Blamjuetten die umfangrcichen Jabresbericbte und Recbnungs-Abschliisse im Drucke vorlagen, selir licbtvoll und mit interessantem Detail bebandelt siud. Aucb die llumanitats-Vereiiie sind zuineist in ibrem Organismus und NVirken besprocben, \vie denn der Tabelle jeder der 22 Kategorien ein erliiu-ternder Text vorangebt, umi nur die religibsen Vereine, jene zu geselligen und untergeordneten Local-Zweeken summariscb abgebandelt werden. Als Einleitung ist die Vereins-Gesetzgebung in Oesterreicb von den altesten Verordnungen bis in die jiingsten Tage, so wie eine allgemeine Tabelle beigegebcn, nacli welcber sicli der Stand aller Vereine in der Monarcbie mitEnde des Jahrs 18ti6 auf 6.213 belief, vvelcher \vieder, auf die im Bucbe angenommenen Haupt-Kategorien zuriickgefubrt, in 3.S37 Vereine zu religibsen Zivecken, 1.170 Wobltbatigkeits- und Humanitats-Vereine, 100 Vereine zur Beforderung der Sparsamkeit. 29 Leibanstalten und Vorscbussvereine, 441 Vereine zu landwirthschaftlichen und industriellen Zivecken, 111 wissenscbaftlicbe Vereine, 798 Vereine zu geselligen Zvvecken und 27 sonstige Vereine zerfallen. Die geistige Thiitigkeit eines Landcs und Volks in Wort und Scbrift bildet einen der wichtigsten Pactoren zur B eurtheilung fiir dessen Bildungs- und Ent-wicklungsstufe, \vessbalb die Erzeugnisse der Presse, iinveleben jene Thiitigkeit iliren Ausdruck tindet, fiir die Staatsverwaltung von jeher der bbebsten Beacbtung \vertb erkannt \vurden. An dieser Leitung liatte die Gesetzgebung durcli bemmende oder fftrderndc Erliisse, die Verwaltung durcli ertheilte Begiinstigungen iliren Antheil; docli gcbrach und gcbricht es nocli zur Slunde in dcn meistcn Staaten an einer klaren Einsicht in die generellcn Zustiinde der Literatur und genauer Kcnntniss dec durcli die behordliche Einflussnalime bervorgebrachten Wirkungen. Die Ursacbe dieses Mangels kann aber nur in Einem gefunden werden, in dem Fehlen einer statistischen Grundlage, einer genauen Kenntniss des Umfangs der geistigen Bewe-gung und Thiitigkeit. In dieser llinsiclit kommt dem osterreicbischen Kaiserstaate der Buhm zu, zuerst fur die Ansammlung des unerlassliehen Materials und dessen entsprechende Bearbeilung vorgesorgt zu haben. Ersteres geschali durcli das kaiserliche Patent vom 27. Mai 1852, \velches die Ablieferung eines P(lichtexemplars jeder innerbalb der osterreicbischen Landes-griinzen erscheinenden Uruckscbrift an die administrative Bibliotlick des Ministerium s des Innern verfiigte; Letzteres durcli die seither vun jenem Ministerum jalirweise verollentlichten bibliographisch-statistischen Uebersichten, deren drei vorliegen und sowobl durcli den Aulsclnvung der literarischen Zustiinde als eine melir und mebr eingehende Besprechung der Details von den 8 Druckbogeu, vvelcbe das Jahr 181)3 umfassten, fur 1854 auf 38 und fur 1855 auf 80 Druckbogeu vvuchsen. Um nur die Hauptresultate dieser umfang- und inbaltsreichen Bericbte zu envahnen, so ersebienen 1854 1855 politische Journale................................ 73 78 nicbt-politiscbe Journale......................... 302 377, \velelie in 11 Tabellen nacb Sprachen, Fachern, Ari des Erscheinens und Zalil der Jahrgange, so \vie in 17 vveiteren, dem Texte eingeflocbtenen, nach Kronlandern detaillirt werden, wozu nocli die Verzeiclmung aller irgend bedeutenden in den Journalen enthaltenen vvissenscbaftlichen Aufsiitze komrnt. Der nicht-periodiscben Literatur fehlt fur die beiden Jahre 1854 und 1855 dieVergleiehbarkeit, indem erst der letztereBericlit selir z\veckmiissig als statistisebe Einlieit die Bogenzahl annalim, welclie sicli fur 1855 auf 85.052 belief. Den 21 Capiteln, in welelien die einzelnen wissenschaftlichen Facher bcsprochen vverden, sind eben so viele Tabellen und atn Schlusse nocli 25 General-Uebersichten beige-geben. In den Abscbnitten findet jedes einigermassen bemerkensxvertbe literarische Product niclit nur Anfiibrung mit seinem vollen Titel, sondern zugleich kritische Bcleucbtung des Inbalts. Treten aucli die Bericbte mit dieser inneren Wertli-beurtheilung aus dem strengen Felde der Statistik in jenes der Literaturgescbiclite iiber, so haben sie doch die moglichste Festhaltung einer statistischen Basis darin gefunden, dass sie bloss die Ausspriicbe der Fach-Kritik mit Angabe der benutzten Quellen im Auszuge mittheilen. Aus der General-Tabelle A ersiebt man, dass die deutsche Sprache mit 1.806 Uruckscbriften obenan stebt, die italienisebe mit 1.497 zunachst folgt, die magyarische 040, dic čecbische 2,08, die polnisclie 1 1W zabit, die Drucksehriften jeder von den iibrigen lebenden Sprachen stark unter hundert zuriiekbleiben. Nocli interessantere Ergebnisse Iiefern die General-Tabellen B und C, vvelcho die Literatur nach Kronliindern und Sprachen, und nach Spracheu und Fitchern iiberblieken. Alle bier nicdergelegten, von staunenswerthem Sammelfleisse zeugenden Resultate besitzen gewiss nicbt nur momentanen, sondern bleibenden W erth, welcher sicli mit jeder neuen Veroffentlichung steigern und der statistisclien Wissenschaft cin neues Gebiet erobern wird. Das k. k. Mini st eri urn der Justiz Icgte dem Congresse vor: 1) ar s t el I u ng der Ergebnisse der Straf-Rechtspflege in s a m m 11 i c h e n K r o n 18 n d e r n d e s o s t e r r e i c h i s c h e n Kaiser-staats bei den Strafgericbten des Civilstands wahrend des Jahrs 185(5. Das Ministerium der Justiz ging bei dieser Vorlage von der Ausicht aus, dass die Vorsehliige zu den fiir internationale Statistik zu normirenden Vorscbriften und Grundsatzen ungemein anSicherheitgewinnen mussten, wenn dem Congresse zugleicb cine auf soleber Basis ruhende Arbeit iibergeben \viirde. Zur Losung der Aufgabe der 11. Section der Vorbereitungs-Commission vvurde eine „ Darstellung der Organisation, der Gerichtszustiindigkeit und des Wirkungs-kreises der Behorden fiir die Straf-Bechtspflege in Oesterreicb“ aus der gevvandten Feder des Ministerial-Seeretars l)r. Beck sclion vor ErofTnung des Congresses auf litbograpbiscliem Wege vervielfaltigt und jedem der sicli meldenden Giiste zuge-stellt. In derselben ist die Gliederung und der Instanzenzug, so \vie die Com-petenz und der Wirkungskreis der Strafgericbte nach den Bestiinmungen des Straf-gesetzes und Strafprocesses klar anschaulicb gemacht, woran sicli eine Darstellung der Phasen der arntlichen Thatigkeit der Strafgericbte und endlieb eine Besprecbung der statistisclien Ausweise alter und neuer Form und der zu diesem Bebufe angeord-neten Detaileingaben schliesst. Diese Abhandlung wurde im Wiederabdruck aueli als Einleitung der oben bezeichneten Darstellung vorausgescbickt, welche in 138 Tabellen das ZilTerdetail der im Jabre 18KG war das erste, von desseu Beginne an bereits nebst dem gemeinschaftlichen materiellen Strafgesetze aucli in allen Kronliindern des Kaiser-reiclis (mit Ausnahme der vollstandig der Militar-Jurisdiction unterstelienden Militiir-griinze) das namliclie Strafverfabren in Geltung \var. Erst von diesem Jabre an konnten d ah er die statistisclien Ausweise tiber die Straf-Rechtspflege nach einer und derselben Form fur alle Kronlander geliefert werden. Von diesem Jabre an eroHnete sicli dalier fiir die Statistik der Reehtsptlege erst ein weites (iebiet von fruclit-baren Beobachtungen und wichtigen Deductionen sowohl fiir die Wissenschaft als fiir die Praxis. Das Bucli behandelt sonach 44.503 Anklagen und 32.320 Verurtheilungcn 'vegen Verbrechen oder Vergehen, 489.038 Straf- Procedurcn wegen Uebertre-tungen nach allen ihren Phasen, und detaillirt insbesondere in (>2 Tabellen die persbnlichen Verhaltnisse der wegen Verbrechen oder Vergehen Verurtheilten nach Geschlecht, Alter, Beligion, Civilstand, Beschaftigung, Biidung, Vermiigen, Staatsangehorigkeit und etwaigen Ruckfalligkeit, so dass hier bei dem steten Ein-gchen in die einzelnen Kronliinder und Specificirung der strafbaren Handlungen einc seltene Fiille von Material zu politiseh-moralischen Studien geboten erscheint. Das k. k. Finanz-Ministerium braehte an den Congress eine Sammluug von Nachweisungen des interessantesten und wichtigsten Inhalts. So weii dieselbeu nur im Manuscripte vorlagen <), folgt hier das vollstiindige Verzeichniss: 1. Directe Besteuerung und Catastral-Verhaltnisse. 1. Darstellung des im Grundsteuer-Cataster veranschlagten jahrlicheu Natural- und Geld-Roh-Ertrags nebst den angevvendeten Producten- und entfallenden Durcbschnitts-Preisen. 2. Darstellung der im Grundsteuer-Cataster angevvendeten Durchsclmitte des Abzugs vorn Geld-Brutto-Ertrage zur Vergutung des Culturaufvvands. 3. Uebersicht des Flachenmaasses und Keinertrags nacli den Endergebnissen der Catastral-Operationen sowohl im Ganzen, als aucb vertheilt auf die verschiede-nen Culturen. 4. Nachweisung des jabrlieben Natural - Ertrags der einzelnen Cuiturgat-tungen, dann des bebauten Flachenmaasses und jochweisen Natural-Ertrags nach den versehiedeuen Bodenerzeugnissen auf G rund der im Cataster gepflogenen Erhe-bungen. Ji. Nachvveisurig der in die versehiedeuen Abstufungen des Catastral-Reinertrags fallenden behausten und unbehausten Grundbesitzer. (!. Darstellung des VerbSltnisses der in die einzelnen Abstufungen des Catastral-Reinertrags fallenden behausten und unbehausten Grundbesitzer bei Annahine der Gesammtzahl = 1.000. 7. Darstellung, wie viel im Durchsehnitte vom gesammten produetiven Flachen-maasse und Reinertrage auf jeden der behausten, dann der behausten und unbehausten Grundbesitzer entfallt. 8. Darstellung, wie viel im Durchsehnitte an Flachenmaass und Reinertrag des in Bearbeitung stehenden und unbearbeiteten produetiven Bodens auf 1 behausten Grundbesitzer in den deutsch-slavischen und auf 1 Grundbesitzer iiberhaupt in den ungrischen Landern entfallt. ‘J. Uebersicht der Anzahl der Grundparzellen, des Catastral-Flacbenmaasses und der Grundbesitzer, uebst der Darstellung, wie viele Parzellen auf 1 DMcile und 1 Grundbesitzer, dann wie viele Jochc auf 1 Parzelle und t Grundbesitzer entfallen. 10. Rerechnung des VVerths des gesammten Realbesitzes der osterreichischen Monarchie nebst der Darstellung des auf ein n. 6. Joch produetiven Rodens entfallenden Grundvverths. 11. Darstellung der Grundbesteuerung im Verwaltungsjahre 18S7. ') Hiose rciclic Sammlimg iiuanz—stntistisclier Doeumentft, wio sic noch kein Staat vnrotlent-liclitc, wird aueh im Drucke ersdieinen. 12. Darstellung des Porcentual-Verhiiltiiisses, in welchem die Grundsteuer zu deni Ertrage der ubrigen directen Steuern, dann der indirecten Abgaben steht. 13. Zusainmenstellung des Ertrags an der Grundsteuer in der 20jahrigen Periode von 1838 bis 1857. 14. Uebersicht der fiir das Verwaltungsjahi' 1857 vorgescbriebenen Gehiinde-steuer in den Landesbauptstadten und allen ubrigen Orten, nebst der Darstellung. vvie viel hiervon im Durcbschnitte auf 1 Kopf der Uevolkerung entfiiilt. 15. Uebersicht, \vie viel hiervon im Durehscluiitte auf 1 llaus entfiiilt. 16. Uebersicht der Brutto-Miethzinse in den Landesbauptstadten und allen ubrigen Orten, nebst der Darstellung, wie viel hiervon im Durcbschnitte auf 1 Kopf der Beviilkerung eutlallt. 17. Uebersicht, \vie viel hiervon auf 1 llaus entfallt. 18. Uebersicht dcr Hiiuser - Anzahl, der Wohnungs - Bestandtheile und des Ertrags an der llausclassensteuer im Jahre 1857. 19. Zusainmenstellung des Ertrags aller Arten der Gebaudesteuer in der 20jahrigen Periode vom Jahre 1838 bis 1857. 20. Zusainmenstellung der in der 20jahrigen Periode von 1834 bis 1853 bewil-ligteu Nachlasse an den llealsteuern. 21. Uebersicht des Ertrags der Erwerbsteuer und der mit derselben zusam-roenliangenden Einkomrnensteuer I. Classe im Vervvaltungsjahre 1857. 22. Uebersicht des Ertrags der Personal-Ervverbsteuer im Vervvaltungsjahre 1857. 23. Uebersicht der in den Jahren 1827 bis 1856 vorgescbriebenen Ervverb-und Personal-Erwerbsteuor. 24. Uebersicht des Ertrags der Einkomrnensteuer im Venvaltungsjahre 1857. 25. Uebersicht der Anzahl der Handel- und Gewerbetreibenden, der Hausirer, Jer bei der Industrie und den Gevverben venvendeten llilfsarbeiter, der zum llaus-stande gehorenden Dienstboten und der Taglohucr nebst der Darstellung des Jahres-Einkommens aus der Industrie, denGe\verben und anderen selbststandigenUnterneh-raungen, aus den Dienst- und Lohnverhaltnissen in der ganzen Monarchie. 26. Uebersicht,wie viel im Durcbschnitte von allen directen Steuern, mdirecten Abgaben und Zuschlagen des Ver\valtungsjahrs 1857 auf 1 Kopf der Uevolkerung entfallt, und wie vielePercent dieZuschlage zu den directen Steuern und wie viele jene zu den indirecten Abgaben in den einzelnen Kronlandern der Monarchie betragen. 27. Nachweisung, vvie viel von den einzelnen directen Steuern, indirecten Ab-giiben und Zuschlagen in der Residenzstadt Wien samnit Vorstadten auf I Kopf der Beviilkerung entfallt. 28. Zusainmenstellung des Brutto-Ertrags aller directen Steuern und indirecten Abgaben in der 20jahrigen Periode von 1838 bis 1857. 29. Zusammenziehung dcr in dieser Tabelle dargestellten Vermebrung oder Verminderung des Steuer-Ertrags in den einzelnen Jahren gegcn das Jahr 1838, sovvohl im Gelde als auch in Percenten. 30. Zusaminenstellung d er Markt-Durchschnitts-Preise der vier Ilaupt-Kornergattungen: I. Vom Jahre 1774 bis 1849 in allen Kronlandern der Monarchie nach der friiheren Eintlieilung. 31. II. Vom Jahre 18S0 bis 185G nacli der neuen Eintlieilung. II. Indirecte Besteuerung. 1. Statistische Nachweisungen des Uepartements fiir Slani pel, Taxen und u n m it te 1 bar e Gel) ii h r en (Enregistrcment) ftir die Vervvaltungsjahre 13,1854 und 1855 darstellend: n) Aus dem Stampelgefalle «. den Ertrag, die Kosten und den reinen Ueberschnss, (6. den Ertrag nacli den einzelnen Gegenstandeu der Stampelung, y. den Ertrag des Urkundonstiimpels nacli den einzelnen Stampelelassen und Kronlandern, so \vie den dazu erforderlich gevvesenen Papieraufvvand, d. die Menge der Spielkarten, Kalender, ausliindiselien Zeitungen und An-kiindigungen nach Stampelelassen, wo solehe vorkommen und nach den einzelnen Kronlandern. !>) Aus dem Taxgelalle e. den Ertrag der Taxen. cj Aus den unmittelbarcn Gebiihren C- den Ertrag der unmittelbaren Gebiihren. 2. Statistische Nachweisungen des Departcments fur die Verzehrungs-steuer fur die Vervvaltungsjahre 1851 bis 185(5 darstellend: a) Hauptiibersicht des Ertrags der Verzehrungssteuer nach den Hauptgegen-standen und mit Unterscheidung des ollenen Lands von den geschlossenen Stadten ftir die Gesammtinonarchie. b) Special-Uebersichten als Helege der Hauptiibersicht mit der Sonderung nach Kronlandern. c) Statistische Ergebnisse der Verzehrungssteuer mit Hervorhebung der ver-steuerten Mengen, der steuerbareu Unternehmungen und deren Abstufung nach dem Urnfange des IJetriebs und zwar: a. von ISier, |3. von gebrannten geistigen Fliissigkeiten, 7. von Wein, Most und Fleisch, von Schlacht- und Stechvich, 8. von Zueker aus Runkelriiben (auch Erdapfeln), s. von den in die geschlossenen Stšidte eingefiihrten oder daselbst erzeugten steuerbaren Gegenstiinden. 3. Statistische Nachvveisungen des Departements ftir das Zollgefalle: a) Nachweisung der Gesammtzahl der osterreichischen Zollamter nach Kalego-rien der Verwaltungsbefugnisse und mit der Angabe, ob sie an der Meeres-kiiste, an anderen Griinzen oder im inneren Zollgebiete aufgestellt sind, dann der Controlle-Aemter. b) Nachweisung cles systemisirten Personal- und Besoldungsstands dcr oster-reichischen Zoll- und Controllc-Aemter. c) Uebersielit dcr Einnalimen und Ausgaben dos Zollgefiills in don Venvaltungs-jahren 18I> 1 bis 1850. 4. Statistische Uebersielit der Gefalls-Strafverbandlungen. 5. Statistische Nachweisung des Stands der k. k. F i n a u z \v a c b e nach Kron-liindern und Dienstgraden (fiir 1850). Im Drucke aber ivurden vorgelegt: 1. D a s oster reichische T a b a k s - M o n o p o 1 s e i t d e s s e n A u s d e h-nung auf das gesammte Staatsgebiet. Von Ministerialratb Georg II. v. P1 e n k e r. 2. Der Bergwerksbetrieb im Kaiser tli ume Ocsterreich im Jabre 1855, naeb den Verwaltungsberichtcn der k. k. Berghauptmannschaflcn zusammengestellt. 3. Montan-IIandbuch des osterreie.bischen Kaisertbums fiir 1857, 1. Jahrgang; als Fortsetzung des von Job. Kr a us herausgegebenen Mandbuchs fiir Berg-, Miinz- und Forstwesen , 18. Jahrgang. 4. Vergleich en de Uebersielit des A e raria I-Mo n t an wese ns nach dem Voranschlage des Verwaltungsjahrs 1857 und den Ergebnissen des Ver-'valtungsjahrs 1855. 5. Verglei c h e n d e Uebersichtder S ul z er z cugn isse nach dem Voranschlage fiir das Venvaltungsjahr 1858 und den Ergebnissen des Vervvaltungs-jahrs 1850. G. Vergleich end e Uebersicht des Salzverschleisses, des S a Izve rbraucbs und der S a Iz pr c is e im Kaiserthume Oesterreich binnen den Jahren 1854 bis 1850. 7. Vergleicliende Uebersicht der Aerarial-Salinen-Forste nach dem Voranschlage fiir das Venvaltungsjahr 1858 und den Ergebnissen des Ver-'valtungsjahrs 1850. 8. Generalverordnung des k. k. Finanz-Ministerium's, womit die Anlage von U a g e r b ti c h e r n tur die Evidenzhaltung der oberirdischen Healitaten, Gerechtsame, Servituten und ahnlichen Obliegenheiten des Aerarial-, Montan- und Salihenvvesens eingeleitet wird. ‘J. Zusammenstellung der Ausmiinzungen OesterreiclPs nach dem Conventions-Miinz-Fusse seit 1815. Die mit grosser Sachkenntniss cinen der wichtigsten Gegenstiinde des Staats-haushalts besprechende Monographie iiber das Tabak-Monopol gliedert sicb in 4 Textabschnitte und 9 tabellarische Beilageu, deren jede wiedor mehrere Ueber-sichten und Unterabtheilungen enthiilt. Von den ersteren gibt der Abschnitt I. eine Darstellung des Tabakbaus und der Tabakblatter-Einlosung mit den nach den Kronlandern sicli ergeben-den Eigenthiimlichkeiten, wobei insbesondere eine Buckschau auf die in Un-gern und dem Banate gcschehenen Ansiedlungen von Tabak - Colonien einen genauen Einblick in diesen Wirlhschaftsz\veig vor (ler Einfuhrung des Monopols gewahrt 'j. Die ferneren Abschnitte des Textes sind: II. Betrieb der Staatsfabriken, dercn Verbrauch an Holistoll' mul Erzeugung an Fabricatcn; III. Verbraucb an Tabak und aus dem Verschleisse erzielter Einnabme; IV. Finanzielle Ergebnisse. Sammtliche Abscbnilte, so wie die beigegebenen Tafeln, umfassen den Zeil-raum vom 1. Miirz 1851, mit welchem das kaiserlicbe Patent fiir die ungrischen Lander in VVirksamkeit trat, kis zum Sehlusse des Jabrs 1830, somit einen Zeit-raurn, \velcher voUkommen ausreicbt die Wirkungen dieser fiir den osterreichischen Kaiserstaat bochwicbtigen Maassregel nach den erzielten Erfolgen zu wiirdigen, und liefern das denkvviirdigc Ergebniss, dass Bau, Fabrication und Verbrauch des Tabaks seit der Zeit, in weleber die IViiher exemten ungrischen Kroidiinder zum Monopol einbezogen vvurden, keines\vegs in Abnahme kam, sondern vielmebr deu raschestcn Aufsch\vung erfubr. Hicrnacb betrug im Jahre ■ somit im |otzter(!„ 18!i i. 185(5, mehr um die Zalil der iirarischen Tabakfabriken 17 24 7 die Zalil der Beamten , Diener und Arbeiter 10.800 19.228 8.428 die Summe der Centncr verarbeiteten Bobstolls 473.703 089.303 213.800 „ Summe der Gesannnterzeugung . 471.550 094.230 222.080 „ „ des Gesammtversclileisses 432.170 092.022 240.440 die Verscbleiss-Einnabme in Gulden . 27,400.397 47,171.908 19,703.311 Die weiteren Details der Tabellen \verfen aucli auf die Vertbeilung dieser Gesarnmtziller nach Jaliren und Kronlandern und namentlicb durcb die letztere aucli auf die Theilnahme der einzelnen Nationalitaten Oesterreich s an der Consumtion eiu Licht. Die ungemeine VVichtigkeit des Bergvverk-Bctriebs fiir National - Oeko-nomie und Staatsbaushalt hatte scbon friiber melir oder \veniger ausfiibrlicbe amt-liebe und halbamtliche Darstellungen bervorgcrufen, wie dergleichen in den grossen statistiscben Tafeln und den Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik, in Friese's Uebersichten etc. vorliegen. Die hier besprocbene Arbeit behandelt den gleicben Gegenstand auf Grundlage der vou den k. k. Berghauptmannscbaften in Folge der Vollzugsvorschrift zuin neucn Berggesetze vorgelcgten jabrlichen Ver\valtungs-bericbtc. Die Vorlage betrilft das Jabr 1855, umfasst aber nocli nicht die ganze Monarchie, indcm das allgemeinc Berggesctz fiir jenes Jabr im lombardisch- *) Hierdurch vvii il iliese Vcroffcntlieluing cin Corollar zu der glcichzeitig veroffentliclitcn Rtlmograpliio des Kniserslaals vem Kreilierrn ven Czocrnig, vvelelie im 3. Bande §. 89 diese Ari der Colonisirung vom etimographischcn, vvie die ersterc vom staa(swirthscliaftlichen Stand-puncte lieleuclitet. venetianischen Koriigreiehe und in Dalmatien nor,h niclit in Wirksamkeit getretenvvar, somit. auch keine Eingaben ans jenen Kronliindern vorlngen. Dagcgen sinil die Retriebergebnissc siimmtlicher Salz\verke, obglcich diesc der Oberaufsicht der lierg-Jjehenbehiirden nicht unterstehen, des Zusammenhangs wegen beigefiigt, und «»uch andere Quellen, \vie die Arbeiten dor k. k. geologischen Reichsanstalt, /ur Vervollstiindigung dcr Darstellung beniitzt. Der Text eriirtert alle Eiozclnheitcri und Vcrhiiltnisse des Bergbaus und lliil-tonbetriebs, nacb Kronliindern gesondert; die nachfolgenden Tabellen geben Uebcr-sichten der Production nach den einzelnen Metalleu und Mineralien, der zum Berg-bau verwendeten Bodenfljichen, der wicbtigsten Betriebseinrichtungen, des Arbeiter-stands, der vorgekommenen Unglucksfalle und der bestehendcn Bruderladen, der Bcrgwerks-Abgaben und des Salinenbetriebs. Das Montan-Handbuch des osterreichischcn Kaiserthums fiir 18i>7 tst eine amtliebe Portn.etzung des schon seit dem Jahre 1838 mit halbamtliehem Charakter von J. B. Kraus herausgegebenen Handbuchs fiir Berg-, Miinz- und Forst\vesen und stellt sich demnacb als der 18. Jahrgang (beziebungsweise 1. Jalir-{jang neuer Folge) dar. Schon diesc langc Zeil scines Bestands spridil fiir die •iediegenlieit des Inhalts und in der That enthalt das Handbuch in seinen zwci Iheilen (deren crstcr die k. k. Behiirden und Aemter, der z\veite die Privat-Berg-'verke und Bergvvesensvereine umfasst) niclit nur cin genaues Verzeichniss aller Oertlichkciten, Anstalten und Namen, sondcru auclt dureh die reicblich bcigegebenen Notizen iiber Einrichtung und Ertriigniss eine Fiille des schatzbarsten statistischen Materials. An diese detaillirten Darstellungen kniipfcn sich die in den Jahren 18J5J5 uud 18SG vcroffentlichten, auf das Bergwesen Bezug nchmcndcn Gesetze und Vcr-ordnungen, gleichfalls eine Fortsetzung der in den friiheren Jahren von Kraus gebrachten Rubrik, mit einem iiusserst zweckmassigen Register, so dass mit diesem Randbuche jedem am Bergfache mittelbar oder unmittclbar Bethciligten cin selir 'villkonunenes Hilfsmittcl an die Rand gegeben wird. Die theils den StaatsvorJuiscbliigen und Abschlussen unmittelbar entnommenen, theils auf deren Grundlage ausgefiihrten Arbeiten iiber die Gebarung des ararialen Montanwesens und iiber jene der Salzerzeugung beleuchten z'vei hervorragende Rubriken des Staatsbaushalts in ihrem rechnungsmassigen Detail. Die 4 hierher gehorigen, zum Theile selir reichhaltigenVorlagen (deren erstgenannte 128, die zweite 147 enggedruckte Folioseiten enthalt) gevvahren die interessan-testen, bis zur Gebarung der einzelnen Aemter und Wcrke binabsteigenden Auf-scbliisse, in deren Einzelheiten und den uberreicben Zilfersatz einzugehen nur der 1'achmann vermag, w;ibrend die Rauptresultate auch dem wenigcr Vertrauten die lieherzeugung zu schaffen vermogen, wie sehrOesterreich’sstaatswirthschaftlicheZu-stande nach den angedeuteten Richtungen ingedeihlichemAufsclnvungesichbefinden. Das k. k. Handels-Ministerium (welchem d i e D i r e c t i o n fii r a d m i n i-s trati ve Statistik unterstebt) legte dem Congresse vor: Ethnographie der osterreicbischen Monarchic von Karl Frei-herrn von Czoernig, I. Band I. Abtheilung, II. und Ul. Band, mit der ethnographischen Karte (los Kaiserstaats in 4 Ulattern und ihrer Reduction auf 1 Blatt. Oesterreich’s Neugestaltung, 1848 bis 1887, ron Karl Freiherrn von C z o e r n i g. Industrie- Statistik d e r o s t e r r e i c h i s c li e n M o n a r e h i e f (i r d a s .lalir 185«, 1. Heft. Steinwaaren, Thon\vaaren, Glasvvaaren. Mit 2 Karten. Strassen - Statistik des osterreichischen Kaiserstaats. 1. Heft. Mit 2 Karten. Strom-Karte d dass darin nicht nur eine genaue Beschreibung jeder beziiglichen Provinz mit der Angabe der bistorischen Reihenfolge der VolkerstUmme, \velehe dieselbe occupirten und bis auf den beutigenTag besetzt halten, gegeben, sondern auch die Entwieklung des geistigen und Cultur-Lebens dieser Volkerstiimme, die allmahliche Bildung 'brer staatlichen, kirchlicben, wissensehaftlichen, kunstlerischen und nationahvirth-sebafUieben Zustande, derEinfluss fremderNationalitiiten auf dieseVerbaltnisse durcli 'lic Uegriindung mannigfacher Colonien und die Einvvanderung fremder Stamme nachgewiesen, liierzu auch vielc bisher noch nicht bekannte oder ungenau veroffent-iichte Urkunden geliefert vverden. Dieses Riesenwerk, eine Encyklopiidie von selte->'er Reichhaltigkeit fiir ein bisher in Oesterreich fast brach gelegenes vvissen-schaftliches Feld, vermochte nicht in gleichem Maassstabe mit der Karte vorzu-schreiten, da es nicht bloss die fiir selbe beniitzten Materialien, sondern auch zalil-reiche weitere voraussetzte und eine griindliche Verarbeitung nicht wohl ohne genauere selbsterworbene Kenntniss der einzelnen Kronlander und Volksthiimiich-keiten gedacht werden konnte. Als die Fruclit dreizehnjahriger, mit eben so vieler Ausdauer als Umsicht fort-gesetzter, miihevoller Arbeit kam die ethnographische Karte der gesammten Monarchie im Wiuter des Jahrs 18S3 zum Abschlusse. Selbst ausserhalb der Sprach-GrSnzen und Sprach-Inseln entlialt sie nur ethnographisch \viclitige Puncte, niimlich :>l!e Oi tschaften mit melir als 2.000 Einvvohnern, in einer vierfachen Abstufung der Bezeichnung, und sammtliehe Sitze politischer Behorden, durcli drei verschiedene Gattungen der Schrift unterschieden. Um ihr auch eine entsprechende Ausstattung geben, wurde der Sticli dem riihmlichst bekannten Abtheilungs-Chef des militar-geographischen Instituts J. Scheda iibertragen, die Bewerkstelligung des Farben-drucks aber dem genannten Institute selbst anvertraut. Noch wahrend des Stichs der vier Bliitter war das Bureau unablassig beschaftigt, die eben damals eingetretenen Umgestaltungen der administrativen Gliederung in steter Evidenz zu halten, das Detail durch Beniitzung jeder sich darbietenden neuen Erhebung immer richtiger zu stellen, die ausserst schvvierige Schreibung der Ortsnamen auf consequent durchgefiihrte Priacipien zu basiren, und dem reichen Materiale auch die entsprechende Form der Darstellung zu geben. I)ie ethnographische Karte dcr iistcrreicliisclion Monarehie steht hinsichtlich der Dctaillirung und Verlasslichkeit ihrer Angaben einzig da, indem die allciii einigerinassen mit ihr vergleichbarc Arbeit Koppeifs tiber das europaische Russland sich fast nur auf dic Hervorbebung und beiliiufige Abgriinzung dcr grossen Gruppen beschrankt, vviihrend das Bild der Nationalitiiteii Oesterreich's nicht bloss aul' 100.001) Einzel-Daten berubt, sondern auch jcden irgend bedeutenden Ort an den Beugungen der Sprach-Griinze, jede Spracli-Insel, jedes einigermassen namhafte Mischungsverhijltniss vou Volksthiimliohkeiten wiedergibt. Von dem Texte sind bis j c Ut drei starke Bande, 1. Bands 1. Abtbeilung, 2. und 3. Band im Drucke vollendet. Der erste Band des Werks soli nebst der allgemeinen bistorisehen Einleitung und dcr Bescbreibung der ethnograpbischen Granzen und Inseln sanmrt dcr stati-stisch-ethnographischen Uebersicht aller Volksstamme dcr ostcrreicbisehen Monar-ebie die ethnograpbiscbe Gescbicbte der dcutschen Kronlander (wc!ebe man untcr der Bezeielinung von Nieder-, Ober-, Inner- und Vorder-Ocsterrcicb zu begreifen pflegte) entbalten, \vovon inzwiscben gegeinvartig nur die erste Abtbeilung, die all-gcmeiue Uebersicbt und die Darstcllung von Nieder-Oesterreicb (Oesterreieb untcr der Ens) umfassend, veroflcntliclil wurde, um dic Ausgaiic dcr zurn Abscblusse ge-diehenen Karte nicht liinger zu verzogcrn, zu welcber die Bescbreibung der Spracb-Granzen im allgemeinen Tbeile des crsten Bands einen kaum entbehrlichen Commcn-tar bildet. Die altere ethnograpbiscbe Gcsehielite des Kronlands Oesterreieb unter der Ens ist mit Beniitzung aller in neuester Zeit, insbesondere dureb dic Arbeitcn der kais. Akademie dcr Wissenschaften, so reichhaltig beigeschafftcn Hilfsmittel von be-\vabrtcn Federn miiglichst crschiijtfcnd behandelt und darili jedem Momente Becb-nung getragen, welcbes auf die Entwicklung dcr vorherrschenden deutseben Natio-nalitiit so wie der anderszungigen 1’arzellen durch die Einwirkung fremdlandiscben Einflusses und die Ausbildung des innercn politischen, commerziellen und geistigen Lebens maassgebend wurde. Die zweitc, grOssere Hiilfte des crsten Bandsnimmt die Neugestal tung der Gesammtmonarehie seit dem Jahre 1848 ein. Die Aufnahme dieser Darstcllung \var durch den Umstand bedingt, dass der osterreichische Kaiserstaat seit dem ge-nannten Zcitpuncte eine IJmstaltung in dcr Verfassung, Gesetzgebuiig und Verwal-tung erfuhr, vvelche eine Aufnahme der Hauptmomente dieser Neuerungen in das Werk unerlasslich maehte , vvenn dic Darstellung nicht, mit der geschicbtlichen Entwicklung bcim Jahre 1848 schliessend, dem Jahre 17!!7 naher als dem Jahre 18JJ7 stehen solite. Bei dem Mangel aller Vorarbeiten, auf die man hatte verweisen konnen, stellte sich aber bald die Unmoglichkeit heraus, diesen fiir den ganzen Staat so vvichtigen Zeitabschnitt in \venigenParagraphen darzustellen; daher wurde eine detaillirte Darstcllung mit Bezug auf alle ErlSsse und Verfiigungen vorgezogen und der ethnogra-phischen Geschiclite des Erzherzogthums Oesterreieb unter der Ens angefugt, da dieselhe bei dem Uerzlande der Monarehie und bei der Haupt- und Residenzstadt, (lem Sitze der Central-Regiernng des ganzen Reiclis, die passlicliste Stelle flnden musste. Was die innere Einrichtung dieser Darsteilung betrifft, so enthiilt der laufende Text den historisehen Gang und das Urllieil iiber den Erfolg und die Ergebnisse der beliandelten Zweige, die darauf folgende Auseinandersetzung in kleinerer Schrift den vvesentlichen Inhalt der beziiglichen Gesetze und Verordnungen, so wie das stalisti-sche Material in BetrefT der Erfolge aller beliandelten Einrichtungen. Von dieser Abtheilung des VVerks wird eben auch ein besonderer (bei Cotta in Stuttgart erscheinender) Abdruck unter dem Titel: „Neugestaltung der iister-reichischen Monarchie" veranstaltet und hiermit dem strengeren Fachmanne ein geeignetes Hilfsmittel zum genaueren Eingehen in das Studium des dermaligen Zustands der Monarcbie nach allen Z\veigen der Gesetzgebung und Verwaltung an die Hand gegeben. Den Schluss der ersten Abtheilung des ersten Bands bildet eine gcographisch-statistische Uebersicht des Erzherzogthums Oesterreich unter der Ens. Da ohnediess die statistisch-geographische Uebersicht der Bewolmer gegeben vverden musste, so lag die Absicht zu Grunde, die Beziehungen nachzmveisen, welche zwischen dem Boden und seinen Naturkraften einerseits, den Bewohnern und der Riickwirkung der Thatigkeit der letzteren andererseits in der Bearbeitung des Bodens, in der gewerblichen und commerciellen Thatigkeit obwalten. Diese Naclnveisung wird durch eine geognostische und cine orographische Karte anschaulicher gemacht, \vie auch ahnlichc fiir jedes Kronland folgen sollen. Die ethnographisch-statistische Detail-darstellung der Haupt- und Residenzstadt schliesst den reichen Inhalt der ersten Abtheilung. Die ethnographische Geschichte der ungrischen Liinder fiillt den II. und III. Band des in Bede stchenden Werks. Der Bearbeiter derselben, Ministerial-Secretar J. Haufler, war durch begiinstigende Verhaltnisse und gliihenden Eifer vorzugsweise zu dieser Arbeit berufen. Ein besonderes Augenmerk richtete er dabei auf die Geschichte der in friiherer Zeit in den ungrischen Landern gegriindeten Colo-nien, von welchen der vo!kswirthschaftliche Aufschwung und grossentheils auch die Civilisation jener Gebiete ausging, wobei deren Entstehung und Nationalitiit, deren Privilegien, mit Bezeichnung der Quellen, welche hieriiber handeln, umstand-lich angegeben wurden. Fiir die neuere Zeit noch belangreicher erscheint die einlassliche Darsteilung der von Maria Theresia und Joseph II. bcwerkstelligteri Colonisation der sudlichen Landestheile, insbesondere des Bariats, jener einzigen grosseren Colonisation neuerer Zeit, welche in soleheni Maasse gelungen ist und eine unwirthbare Einode zum bliihendsten und reichsten Landstriche des gesegneten Ungerlands erhoben bat. Fiir diese Geschichte sowohI, als fur jene der Einwan-derung der Serben, wurden die urkundliehen Schiitze der Archive des Finanz-Ministeriums und des (damaligen) Kriegs-Ministeriums beniitzt. Als diplomatischer Beleg fiir die Darsteilung der Colonie dient eine Sammlung der wichtigsten Urkun-den, die Freiheitsbriefe der ungrischen Stadte, der Siebenbiirger Sachsen und der Einwohner und Einwanderer nach Kroatien, Slavonien und Dalmatien enthaltend, Statist. Mittheil. 1857. III. Heft. 15 aus don Quellen (mit theilweiscr Berichtigung und Vervollstandigung dcs Texts nach don Original-Urkunden) abgedruckt, undzumTheile aus don Privilegien-Biichern dor Stiidte (wie z. B. von Giins und Eisenstadt) oder aus don Staats-Archiven zum erston Male veroffentliclit, \voran sieli die aus don oberivahnten Staats-Archiven gesclibpften Urkunden iiber die Colonisation des Banats und die \viedcrholten Ein-wanderungcn der Sorben reihen. Das erste Heft der Industrie-Statistik enth< die Darstellung der indu-striellcn Veredlung nicht-metallischer Mineralien und bespricht somit die mit Bear-beitung von Steinen und Steimvaaren, mit der Verfertigung von Thomvaaren, Glas und GIaswaaren beschiiftigten Etablissements und Gewerbe. Diese Arbeit bildet das erste Heft einer durcli den gewaltigen Fortscbritt, welchen die heimische Industrie bei vielen Ziveigen in der neueren Zeit erfuhr, nothwendig gewordenen neuen Bearbeitung der bereits im Jahre 1843 berausgegebenen Industrie-Statistik, welche die Ergebnisse des Jahrs 1841 umfasste und in den grossen statistischen Tafeln veroffentliclit wurde. Der neuen Ausgabe sind die jiingsten, das Jalir 183G betreffen-den Daten zu Grundc gelegt; bei Gewinnung und Bearbeitung derselben aber wur-den die scbon fiir die friihere Veroffentlichung aufgcstellten Grundsatze unveriindert beibehalten. Nach diesen vvurden die ersten Erhebungen auf amtlicbem Wege gemacht und wo solcbe nicbt ausreicliten, unmittelbare Vcrbindungen mit den Indu-striellen angekniipft, bierauf das gevvonnene Material einer streng \vissenscbaftlicben Priifung durcli Vergleicbung mit der Mcnge des verarbeiteten Robstoffs, mit der Leistungsfahigkeit der Maschinen nach teehnischer Erfahrung, so wie mit der Zalil der verwendeten Arbeiter und den Ergebnissen des ivirklicben Verkehrs unter-zogen. Auf diese Art kam man in die Lage, ein bei der Bereitivilligkeit, mit welcher die grosseren industriellen Unternehmungen last oline Ausnahme den Anforderungen entgegenkamen, auf positiven Daten beruhendes, die Wirklichkeit vbllig erreichen-des Ergebniss zu erringen und die Amvendung einer auf erfahrungsmassiger Grund-lage beruhenden Combination nur in seltenen Fiillen, vvo bei der kleinen Industrie und den Loeaigeiverben alle Vorlagen fehlten, in Anvvendung zu bringen. Dcrgestalt ist nicht nur ein klares Bild der envahnten Industrie-Zvveige geuonnen, vvelcbem iihnliche fiir die tibrigen Gruppen der osterreichischen Production in gleicber Weise folgen sollen, sondern auch den vom Congrcsse spaterbin gutgeheissenen Normen fiir derlei Nachweisungen, niimlich der Zugrundelegung directer Erhebungen mit mbglichstem Ausscblusse der Wahrscheinlicbkeitsrechnung, noch vor ibrer Sanctio-nirung vbllig entsprochen. Die Bearbeitung des vorliegenden llefts iibernahm, unter der Leitung des Frei-lierrn von C z oernig und auf Grundlage der von demselben im Jahre 1843 verfassten Gesammtdarstellung der Industrie des Kaiserstaats, Ministerial-Concipist Friedrich Schmitt, welclier das Studium der osterreichischen ludustrie-Verhaltnisse sich zu einer Lebensaufgabc gemacht hat. Zwei in Farbendruck ausgefuhrte Karten, die Thomvaaren- und Glas-Industrie umfassend, erhohen die Brauchbarkeit der Arbeit und sollen, in gleicber Weise mit dem Werke sich mehrend, die Anfange zu einem industriellen Atlas der Monarchie bilden. Kaiser Joseph II. hefabl hereits die Anlegung von Strassen-, Post- und Commercial-Mappen fiir jede Provinz des osterreichischen Kaiserstaats und die im Jalire 1811> errichtete Commerz-Hofcommission stellte Provinzial-Strassenkarten mil Erganzungs-tabellen und eine General-Strassenkarte der Monarchie zusammen, wclehen im Jalire 1837 eine General-Strassen-Statisti k des Kaiserreichs, als erlauternde systematische Beschreibung, folgte. Bci allen diesen Arbeilen war alier die com-mercielle Riicksicht vorvviegend in das Auge gefasst worden, die technische und militarische in deri Hintergrund getreten. Audi bezogen sich diese Arbeiten nur auf einen Theil der Monarebie, die nicbt-ungrisclien Provinzen. Das im Jahre 1848 gegrimdete Handels-Ministerium war dalier bemilht, diese Liickcn zu beseitigen; die General-Baudirection ordnete die Ausfiillung besonderer Formularien an, um eine jahrlicbe Beschreibung der Land- und VVasserstrassen, Fltlsse und SchifFfahrts-Kanale aus allen Kronlandern in vergleicbbarer Form zu erbalten. Auf dieser Grund-lage entstand die Strassen-Statistik des osterreichischen Kaiserstaats, deren Bear-beitung sich der auf dem Gebiete der Technik und der Administration gleicli riihmlich bekannte k. k. Ministerial-Secretar (jetzt Sectionsrath) Valentin Streffleur unter-zog. Diese Strassen-Statistik soli sich auf das ganze Staatsgebiet erstrecken, den Bau- und Erhaltungs-Zustand der Strassen , demnacb den Grad der practischen Beuiitzbarkeit, schildern und hierdurch den Baubeborden eine sicliere Grundlage fiir die Vertheilung der Jahres-Dotationen und einen Bauplan bieten, endlicli ausser der Strassenbeschreibung aucli die Nachvveisung iiber die Strassenvenvaltung liefern. Ncbstbei bat man im Auge behalten, durcb einen Rflckblick in die Vorzeit die Wich-tigkeit dar einzelnen Strassenziige kennen zu Iernen, wie sie ilinen im Laufe der Zeiten zu Theil geworden war, um auch fiir die Zukunft Anhaltspuncte zur Beur-tbeilung zu gewinnen, vvelche Strassenziige fiir Handels- und Operations-Zvvecke eine bleibende oder namentlicb bci der Ausbreitung des Eisenbahnnetzes eine ver-iintlerIiclie Bcdeutung erbalten. Das I. Heft enthalt die Einleitung und die Strassen-Bescbreibung des Herzogthums Kiirnten und ist mit zwei Karton versehen, von denen eine die Land- und VVasser-Communicationcn des Kaiserthums Oesterreicli, die andere die Land- und Wasser-Communicationen des Herzogthums Kiirnten in einer von Individuen des k. k. militar-geographischen Instituts durchgefuhrten grapbischen Darstellung gilit. Die Strassen-Beschreibung des Herzogthums Kiirnten wird in zwei Abschuitten gegeben, einer allgemeinen Uebersicht und einer tecbnischen Beschrei-bung, wobei die erstere die Lage des Lands und die klimatischen Verbiiltuisse, die Hurchgangs- und die Verbindungs-Linien mit den Nebenliindern, so wie die inneren Verbindungs\vege ersichtlich macht, die z\veite die Constructionsweise, folglich die Benutzbarkeit der Strassen fiir alle Zvvecke, darstellt und hierbei Reichsstrassen, deren Erbaltung aus den allgemeinen Staatsmitteln besorgt wird, und Landes-strassen, welcbe aus dem in die Landescassen fliessenden Steuerzuschlage erbalten \verden, unterscbeidet. Die General-Strassen-Statistik des Gesammtstaats wird sich nur auf die Reichsstrassen beschriinken; wabrend in der Strassen-Statistik der einzelnen Kronlander vorzugsweise die Landesinteressen vertreten und die baulichen und pbysikalischen Verbaltnisse der einzelnen Strassen beschrieben werden, wird es in jener mclir darauf ankommen, durch eine Classification der Zustiinde und Ver-gleichung der silmmtlichen Reichsstrassen Anhaltspuncte fiir die Feststellung eines Plans der unter Staatsobsorge stehenden Strassenbaue zu gewinnen. Durch den Umstand, dass dic SchifFfahrt auf der Donau auf dem letzten Pariser Friedcns - Congresse auf Grundlage der Iiestimmungen des Wiener Congresses fiir frei erklart und die Schiffbarerhaltung des Stroms zu einer gemeinschaftlichen Ange-legenlieit der Uferstaaten erhoben wurde, (and sieli die Direction der administrativen Statistik zur Herausgabe einer Schifffabrtskarte der Donau veranlasst, fiir \velche iibrigens die Materialien seit langer Zeit vorininden waren, da die Original— Aufnahmen bereits vomJahrel819 und den nachfolgenden berstammen. Sie beruhen durcligeliends auf trigonometrischen Vermessungen, und zwar in den deutschen Kronlandern auf der Triangulirung des Catasters und in den ehemals ungrischen Landern auf einer von den Landtagen angeordneten und durch Landes-lngenieure ausgefiihrten Triangulirung. Da bei der Detailvermessung ungleiche Maassstabe ange\vendet wurden, reducirte man sammtliche Aufnahmen auf e in Maass, namlich 1" = 400° oder 1:28.800 der Natur, welches nicht nur grossere Raume in guter Uebersicht darstellen liisst, sondern aueh gross genug ist, um alle hydrotechnischen Details, Schifffahrtshindernisse, Strombauten etc., in der Karte aufzunehmen. Die Zalil der Blatter in Folio wird sich auf ungefahr GO belaufen. Der Z\veck der Karte ist also nicht der einer hydrotechnischen Detailkarte, sondern nur der einer Schiff-falirts-Uebersichtskarte. Die Configuration des den Strom begleitenden Terrains ist der Original-aufnahme des k. k'General-Quartiermeister-Stabs entnommen. Die Stromverhiilt-nisse und die Wasserbauten sind von den betreffenden Landes - Baudirectionen nacli dem neuesten Stande richtig gestellt und in die Karte eingetragen \vorden. Zur gleichartigen Bezeichnung der natUrlicben Ufer, der Grundbeschaffenheit, der bydrotechnischen Messungen, der Uferbauten, Wasserwerke und Treppelwege, der Flussiibersetzungen und aller SchifTbarkeitsverhaltnisse wurde ein eigenes Schema entworfen, wie es wohl noch nie bei Uebersichtskarten in solcherVollstandigkeit zur Anvvendung kam. Eine Neuerung ist insbesondere der Versuch, die Stellen, wo ein auffallender Gefallswechsel Statt findet, sei es im convexen oder concaven Sinne, schon im Grundrisse erkenntlich zu machen, wodurch die Construction eigener Detailprofile entbehrlich wird. Die so ausgefiihrte Karte gibt somit ein getreues Hild der gegenvvartigen Stromverhaltnisse, und bildet in der Hand der Stromaufseher, an vvelcbe sie zu diesein Zwecke vertheilt wird, eine gleichartige und sichere Grundlage zum Ein-tragen aller zeit\veise eintretenden Veranderungen, wodurch die Direction der administrativen Statistik in den Stand gesetzt wird , mit Hilfe der periodisclien Ein-gaben auch die Evidenzhaltung der Karte zu iibernehmen und den Schifffahrern jeder-zeit Ausluinfte und Bilder iiber den neuesten Zustand der Stromverhaltnisse zu geben. Die Karte wird von einem Texte begleitet, welcber in die allgerneine Uebersicht und die Detailheschreibung zerfallt. Erstere umfasst die Terrain-Gestal-tung, die Gliederung der Donau nach Becken und Stromengen und die materielle BesehafFenheit (les Strombetts, die schilTbaren Zuflusse, eine iibersielitliche Zusam-inenstellung -der hy(Irotecbnischen Messungen an der Donau und iliren schilTbaren Nebentliissen, und eine Uebersicht der SchifTbarkeitsverhaltnisse und der Strom-bauten; let/.tere die streckenweise Sehilderung der Donau und in jeder einzelnen Strecke die Gliederung des Strombetts', die physikalischen Verhaltnisse des Stroms, die SchilTfahrtsverhaltnisse und die Strombauten, das Anland und deri Verkehr auf . dem Strome. Eine Uebersiclitskarte des Stroms und Detailzeichnilngen werden dem Texte zur Erlauterung beigegeben \verden. Von Seite der Gemeindevervvaltung der Stadt VVien wurde dem Con-gresse ein ileft statistischer Mittheilungen vorgelegt, vvelohes als Erstlingsversuch einer Statistik \Vien’s nach den von der Pariser Versammlung des Congresses bescblossenen Principien gelten soli. Durcli jene Vorlage bat die Gemeindevenval-tung iiber Anregung des Freiherrn von Czoernig aucli ilirerseits die Behauptung widerlegt, dass die vorn statistiscben Congresse gefassten Beschliisse meist auf uufruchtbaren Boden fallen und die von demselben gutgeheissenen Maassnabmen zur Verfassung statistischer Darstellungen nach einheitlichen Grundsatzen selten zur practischen Ausfiihrung gelangen, gleichzeitig aber den Beweis geliefert, dass es moglich sei, innerhalb kurzer Zeit jene fur die Statistik grosser Stiidte festgestellten Grundsatze unter Beriicksiclitigung localer Verhaltnisse zur Verwirklichung zu bringen, zumal wenn die tbiitige Mitvvirkung ausgezeichneter Fachmanner hinzutritt. So haben an der Verfassung dieses Probehefts die k. k. Direction der administrativen Statistik so wie die Leiter der vorziiglicbsten \vissenschaftlichen Institute wirksamen Antheil genommen. Zu dem Abschnitte „Topographie“ lieferten Seetions-rath llaidinger, die Directoren K. Kreil und K. v. Littrovv das entsprechende Materiale iiber geographische Lage, geologische Beschaffenheit des Bodens, atmospharische und klimatische Verhaltnisse; Prof. Fr. Simony ubernahin nebst der Erganzung mehrerer llubriken die schliessliche Redaction des ganzen Absclinitts. Der Abschnitt »Bevolkerung und deren Be\vegung“ vvurde nach den von der k. k. Direction der administrativen Statistik in dieser Beziehung gesammelten Erfahrungen von einem ihrer Beamten, J. V. Goehlert, redigirt, von ihm die bezugliche Bech-nungs-Arbeit der stadtischen Buchhaltung geleitet, und der erlauternde Tcxt verfasst, in welchem eine Bevolkerung von 469.221 Seelen aus zehn verschiedenen Gesichts-puncten (Behausung, Wohnlichkeit, Familienzahl, Zustiindigkeit, Geschlechtsver-schiedenlieit, Alter, Civilstand, Geburtsort, Beligion und Zuwachs) der Betrach-tung unterzogen wird. Die Nachweisungen iiber die „Be\vegung“ der Bevolkerung umfassen die vier Jahre 18153 bis 18156, und die als Anhang beigefugten Tabellen iiber die Wobnungsverhaltnisse zum Theile das Jahrzehent 1847 bis 18156. Die Fortsetzung der begonnenen Arbeit nach den gleichen Grundsatzen wird die Statistik mit einem Werke bereichern, \velehes der vom Seineprafecten M. Chabrol begrundeten Statistik der Stadt Pariš, bis jetzt der ausgedehntesten und gelungpnsten Arbeit dieser Art, wiirdig zur Seite gestellt werden kanu. Die II and c ls- und Ge \verbekatn mer zu Tri e st legte zwei auf die Statistik der Schifffahrt Oesterreich’s Bezug nebmenden Scbriften, namlich „Mo vimen ta di navit] ati on e in por ti austriaci e drli n navigazione austriaca in porti esteri negli anni J8H1—und Movimeuto detla navigazione e commcr cio in Trieste nell’ anno 18!>()“, vor. Erstere entlialt in selir detaillirten Tabellen den Schifffalirtsverkehr der einzelnen osterreichischen Hiifen nacli Flaggen, Herkunft und Bestimmung der SchilTe, und folgt der osterreichischen Schifffahrt selbst in freinde Hiifen; letztere \veist neben der Schifffahrt Triesfs (vvobei eine Tabelle iiber die Schiffsbewegung in den Jahren 1802 bis 1856 besonders hervorzuheben ist, indem in dieser Zeit die Zalil der eingelaufenen Schiffe von 5.442 mit I8(>.32(i Tonnen sich auf 10.905 mit 773.477 Tonnen erhohte) Menge und Wertb der im Jahre 1850 7,ur See ein- und ausgefuhrten Waaren (120,753.959 11. fiir die Einfuhr, 102,491.717 tl. fiir die Ausfuhr) samrnt der Menge der zu Lande nacli und von Triest beforderten Handelsartikel und dem Waarenverkehre Triesfs auf der Laibacher Eisenbahn im vorbenannten Jahre naeh ')• *) Audi Dr. Tormay und K. Galgoczi bestimmten cine Anzahl Excmplare ilirer dem Congressc vorgclegten Werku zur Vertheilung. Unter den zahlreichen Mitgliedern aus Oester-rcieh, welchc dem Congresse seliriftstellerisclir Arbciten vorlegtcn, erscheincn Sectionschcf Ritter von II o ek, Medieinalrath Ur. II e 1 m, die Professoren S tu m m er, Pr a s eh und li i e d er-mann, Landtafel-Direetor Demuth, Dr. Brachelli, Dr. Fricdmann, Dr. Glatter, der Publicist Tli. Pisling u. m. a. IV. Zahlreicher, als jede friihere, war clie dritte Versammlung des internationalen statistisclien Congresses, \velche in der Mittagsstunde des 31. Aiigust 1857 in dem grossen Saale der Stiinde Nieder-Oesterreichs eroffnet wurde, besuclit ‘). Die (27) Hegierungen, welche sich dabei vertreten liessen, und ihre (30) D el egi rte n waren folgende: Frankreldi: Alfred Legoyt, Chef des Bureau (le la statistiquc generale de France im kaiserl. Handels-Miaisterium. Grossbrilaniiien: Dr. William Farr, Esquire, Vorstand der statistisclien Sec-tion im kiinigl. General-Registrar-Office Kussland: Dr. J. B.VVernadski, Staatsrath im kaiserl. Ministerium des Innern. Spnnicn: Don Jose Azullo Graf von Hi pa I da, Mitglied der koniglichen stalisti-schen Central-Commission, Prasident der Akademie zu Valencia. Itclgicn: Adolf Quetclet, Prasident der koniglichen Central-Commision fiir Statistik und Director des kiinigl. Observatoriums; August Vi s sc h er s, Ratli im kiinigl. Bergwerks-Collegium und Mitglied derselben Central-Commission, und Di-visionschef im kiinigl. Ministerium des Innern, Xav. lieuschling, Secretar der Cornmission. Nicderliindoi Dr. M. M. vonBaumhauer, Chef des kiinigl. statistisclienBureau’s im Haag; Dr. J. Ac kersdy k, Professor an der kiinigl. UniversitiU zu Utrecht, und Dr. Simon Vissering, Professor an der kiinigl. Universitat zu Leyden. Diinemark: Staatsrath Dr. C. N. David, Vorstand des kiinigl. statistisclien Bureau’s. ') Die Zalil der ausgegebencn Karton stieg nvar auf 607 (wahrend sic in Briissel nur 150, in Pariš 322 betrug); allein in dicscr Ziflfer sin.1 aucli mehrere der boclistcn Wurdentriiger der Civil-und Militiir-Venvaltung begriflen,welcbe nach der Natur dcrSacbe von derVersammlung als (iiisto geolirt, nicht als Mitglieder betrachtet wurden, so dass nacli Aussebeidung derselben S3!) eriibrigen. s) Der andcre Vertreter der koniglichen Hegicrung, Albany F o n b I a n q u e, Vorstand des statistisclien Departements im kiin. Ilandels-Ministerium, wurde in Frankfurt am Main durch Krankheit zuruckgehaltcn; der Congrcss sprach in der Sitzung vom 2. September scin Bedauern uber diesen Zwischenfall aus. Scliffcden: Sanitatsrath Dr. Friedrich Theodor Berg, Secretar der konigl. Tabellen-Commission. Nonvegcn: Dr. Thorkil Halvorsen Aschehoug, Professor der kiinigl. Univer-sitiit zu Christiania. Tiirkci: Garabed Artin Daud Effendi, kaiserl. General-Consul zu Wien. Toseana: Attilio Ritter Zuccagni-Orlandini, Chcf-Secretar der gross-hcrzogl. Ministerial-Section fiir General-Statistik. Sebvveizerlsebe Eidgcnosseusehaft: Gerold Meyer von Knonau, Staatsarchiv-Director zu Ziirch. Baicrn: Staatsrath Dr. Friedr. Bernh. Wilh. von Hermann, Vorstand der konigl. General-Bergvverks- undSalincn-Administration, so vvie des konigl. statistischen Bureau’s; AViirleinbcrg: Finanz-Assessor Dr. Paul von Si ek, Mitglied und Secretar des konigl. statistisch-topographischen Bureau’s; Buden: Dr. Rudolf Dietz, Ministerialrath im grossherzogliehen Ministerium des Innern. Honigrcicb Sachscn: Regierungsrath Dr. Ernst E11 gel, Vorstand des statistischen Bureau’s im konigl. Ministerium des Innern. Sachsen-Weimar-Eisenach: Bernhard Rathgen, geheimer Regierungsrath im grossherzogl. Staats-Ministerium. Siichslsehc Uerzogthiimcr: Herzogi. Finanzrath G. Hopf, Baukbevollmachtigter in Gotha. Aiihult-Beruburg: Ministerialrath F. Hagemann, vortragender Rath im herzogl. Staats-Ministerium. Bannorer: Dr. J. E. Wappšius, 0. 0. Professor an der konigl, Universitat zu Giittingen, und konigl. Capitan a. D. C. Se\veloh, Vorstand des statistischen Rureau’s zu Hannover. Braunschweig: Dr. Friedrich Wilhelm Freiherr von Reden zu Wien. Meklenburg-Scbtverln: Geheimer Kanzleirath Pet. Fried. Rud. Faull, Dirigent des grossherzoglich statistischen Rureau’s zu Schwerin, und Oberlehrer Dr. Martin Christian Dippe, Mitglied des grossherzogl. statistischen Bureau’s zu Schvverin. Hamburg und Liibcek: Dr. Karl VVilhelm Asher zu Hamburg. Brciucn: Senator Otto Gil demeister. Der Vertreter PortugaFs, der konigl. Finanzminister Graf Antonio Jose d’Avila, vvar durch Amtsgeschafte, jener Nassau’s, der herzogl. Ministerialrath Ludvvig Vige-lius, durch Krankhcit am Erscheinen verhindert. Die Regierungen von Rurhesscn, Hessen Darmstadt, Oldenburg, Anbalt-Dessau-Kutbcn, den sebwarzburgischen, rcussisclicn und iippe'seheu Vilrstenthumern und Maldcek lehnten z\var die Beschickung des Congresses ah, sprachen jedoch ihren lebhaften Antheil an dessen Verhandlungen aus. Die Regierung der vereinigten Staaten von Piord-Ameriea bedauerte, tiber keine Mittel fiir Creirung einer derartigen Mission zu verfiigen. Die Zahl der sonstigen Nicht-Oesterreicher auf dem Cungrcsse be-trug 48 ') und vertheilte sich folgendermassen auf nachbenannte Staaten: Frank-reicli 8 (Staatsrath GrafDubois, Graf Beinhard, Graf Damas, Professor L. W o 1 o w s k i, Karl Vogl, A. Legrand, G. Lemercier und Wysluch ") aus Pariš), Grossbritannien 3 (Samuel Brown und N. Senior aus London, Dr. <1- Bulteel aus Plymouth), Russland 2 (Secretar der geographischen Gesellschaft v. L a m a n s k y und M. J. v. T h o r n e r aus St. Petersburg), P reussen 8 (geheimer Regierungsrath Professor Schubert aus Konigsberg, Dr. Otto Ilubn er und Geo-graph H. Mahlmann aus Berlin, Dr. Maximilian Friedlander, geli. Justizratb Dr.Neigebauer, Dr. Dittricb und Doctorand A. Riedl aus Breslau, Ritterguts-besitzer Dr. L. Friebelt aus VVresebcn), Spanien 1 (Professor Dr. Calvoy M a r t i n aus Madrid), N i e d e r 1 a n d e 1 (Fabricant v a n H e u k e 1 o m aus Leyden), D ii n e mar k 1 (A. 11. E. Ficli aus Kopenhagen), S c Inv eden 1 (Archivsbeamter Dr. K. G. Styffe aus Stockholm), No rw ege n 1 (Kammerherr M onrad aus Chri-stiania), T u r k e i 2 (Protomedicus Dr. L. Steege aus Jassy und Professor Wladimir Jakshizh aus Belgrad), Toscana 1 (Legations-Kanzler Franz Bottaro-Costa), Schweiz 1 (Geschaftstrager L. E. Steiger), Baiern 3 (Dr. Martell Frank aus Miinchen, Dr. Hier. llerold aus Wasserburg, Regierungsrath Dr. R. v. Escherich *ius Ansbach), Wiirtemberg 2 (Regierungsrath Adolf Miiller und Dr. A. Schaffle aus Stuttgart), Frankfurt 3 (General-Director Dr. Albert Varren-trapp, Dr. Franz Steingass und Dr. VV. Max Hehner), Konigreich S a c h sen 2 (Dr. Karl And ree aus Dresden und Philipp Kanit z aus Leipzig), Anlia 11 - D e s s a u - K o t h e n 1 (Director VVilli. Oechelhauser aus Dessau), Hannover 1 (k. Sanitats-Rath Dr. A. Muhry aus Gottingen), Hamburg 3 (llartwig Hertz, Dr. Ad. Soetb e er, Dr. C. A. St ulil m a n n), Holstein-Lauen-burg 1 (Professor Dr. Wilh. S e el i g aus Kiel). Unter den hier Geuannten vvaren als B evollmach tigte gelehrter Korper-schaften bezeichnet: fiir die statistični society in London: Samuel Brovvn, Viceprasident des Institute oj' Actuaries 3); fiir die k a is. russische geographische Gesellschaft: Lamansky, Secretar derselben; fiir den ge og r a p h is c h - s ta tis ti s eh en Verein in Frankfurt am M a i n: General-Director Albert V a r rent r a p p. Ilie Gesamintzahl der Nicht-Oesterreicher (77) stelit (i!i Nicht-Belgiern bei dertlriisselcr '>nd 100 Nieht-Franzosen bei der Pariser Versammlung (welelie ubrigens mit der Welt-Industi'ie-Ausstellung zusammenfiel) gegeniibor. a) Ilein VVolinsitze nach kommt hier aueb Siegfried Weiss uikI der Nationalitiit nacli Oetiercl-Director M a ni el von der osterreichisehen Staatseisenbahn-Gcsellschaft, anzureihen. 3) Ilie Vertretung der statistični societp solite ilire Vieeprasidenten John Boileau, Baronet, und Colonel Sykcs, vormaligen Priisidenten der ostindisclien Compagnie, und nebst ^ arr, Fonblanque und Brown auch Frederik Hendriks unifassen; die unerwartete Ver-liingerung der Parlainentsdauer hinderte aber das reehtzeitige Kintrellen dieser Repriisentanten m Wien. Die american geograpliical and statistični societg /,u New-York ver/ichtete zwar auf die Sendung eines Vertreters, sprach aber in einer eigenen Zuschrift ihre lebhafte Theilnahme fiir die Arbeiten des Congresses aus. Manclie Manner, deren Namen zuin Theile europaischen Klang haben, ver-mochten nur ihr Bedauern zu iiussern, dass sie an der Versammlung nicht tlieil-nehmen konnten. Icli nenne hierunter: Senator Baron K. Dupin, Vicepriisident der Pariser Versammlung des Congresses, Vieomte von Cormenin, Staatsratb, Natalis Rondo t, Delegirlen der Han-delskammer zu Lyon, und Dr. Br e ti 11 o n aus Montmorency; Professor Leone Levi in London; Staatsrath Peter v. Koppen in St. Petersburg, ivelcher zugleich zum Vertre-ter der kais. russisehen Akademie der Wissenschaften bestimmt war; Dr. W. Dieterici, geheimer Ober-Regierungsrath und Director des sta-tistiscben Bureau's, und Georg von Viebahn, geheimer Ober-Finanzratb, in Berlin, Regierungsrath Jacobi in Arensberg, die Universitats-Professoren Dr. Siegfried Hirscb zu Berlin, Dr. Tellkampf zn Breslau und Dr. E. Baum-stark, geh. Regierungsrath, zu Greifswalde; Director Dr. Meinicke zu Prenzlau und Professor Dr. Heinrich Berghaus zu Potsdam; Graf Arri vab ene und General-lnspeclor Ed. Ducpetiaux in Briissel; Ritter Corridi, Director des technischen Instituts zu Florenz; Bonaventura Montani, Director des statistisclicn Bureau’s zu Neapel; Dr. Marc D’Espine, Mitglied des Gesundheitsraths zu Genf; Universitats-Professor Dr. Ignaz Denzinger zu Wurzburg und Rector Beeg in F ur tli, dritter Vorstand des germanischen Museums; Director von Steinbeis und Obermedicinalrath Riecke in Stuttgart und Universitats-Professor Dr. Helferich in Tiibingen; Prasident des grossherzoglicben Finanz-Ministerium’s geli. Rath Franz Ant. R e gen a u er und Archivsdirector M o ne in Karlsruhe, die Universitats-Professoren geheimer Hofratb Dr. Karl Mittermaier, geli. llofratli Dr. K. II. Rau und geh. llofratli Dr. Rob. v. M o h 1 in Heidelberg und Dr. Karl K n i e s in Freiburg; llofratli Dr. F. W. Beneke in Naulieim, Regierungsrath Rothe in Kassel und Dr. Matthias, Director der Taubstummen-Anstalt in Friedberg; die Universitats-Professoren llofratli Dr. Wilhelm Ro sc h er in Leipzig und Dr. G. Hanssen in Gbttingen, die Directoren Dr. Hiilsse in Dresden, F. Noback in Chemnitz und Dr. A. Te likampf in Hannover; Regierungs-Assessor L. M. K. Becker in Oldcnburg; Senator Heinrich Geffcken in Hamburg; Dr. Georg Varrentrap p, erster Vorsteher des Vereins fiir Gcographie und Statistik zu Frankfurt a. M. Die osterreichiselien Mitglieder des Congresses, welchc ausserhalb Wien's domiciliren, vertheilen sicli folgendermassen auf die Kronlander: Oesterreich ob der Ens Steiermark .... 1 2 Krain........................................................2 Kiistenland..................................................2 Tirol........................................................3 Bohmen.....................................................l!i Miihren .....................................................8 Galizien....................................................!> ') Lombardisch-venetianisches Konigreich........................G Ungern...............•......................................17 Wojwodschaft.................................................1 Kroatien-Slavonien...........................................2 Siebenbiirgen................................................4 Endlich gehort hieher der in Pariš domicilirende Secretar des Congresses, L. Debrauz. AIs Vertreter von Korperschaften erschienen: fiir die k. ungrische Akademie der Wissen schaften der bekannte Statistiker Alexius v. Fenyes; fiir das k. k. Institut der Wissenschaften zu Rlailand Professor Franz Ambro soli; fiir die Landwirtbscbafts-Gesellschaft in O esterr eich o b der E n s ihr Secretar, Karl Schmutz ; fiir die k. k. patriotisch-bkonomische GeselIsebaft in Bohmen der Secretar ilires Bureau‘s fiir Iand- und forstwirthschafliclie Statistik, Leopold B r d i c z k a; fiir die II a n d e 1 s- und G e w e r b e k a m m e r n z u G r a t z, L a i b a c h, Inn s-bruck, Prag, Bud\veis, Pilsen, Briinn, Olmiitz, Brody, Verona, Pest, Temesvar, Agram, Essek, KI au senbu rg, Kro nstad t ilire Secre-tarc: Universitiits - Professor Dr. Johann BI a s c h k e, Dr. Anton Uranitsch, Dr. Joseph Dietler, Dr. Edmund Schebek, Karl No back, Anton Schneider, Dr. Robert Heym, Eduard Bohm, Dr. Joachim Landau, AIexander Edler von Sagramoso, Ludwig Bosa, Friedrich l’esty, Dr. J. E. von Tkalac, Dr. Joseph Posner, Sigmund Gaman und Franz Vos s. Mehrere Korperschaften hatten auch ilire Bepržisentanz an Congress-Mitglieder iibertragen, welche in Wien domiciliren. So die Lan d wirthschafts-Gesel 1-schaft in Salzburg an den k. k. Ministerialrath Ritter von Lasser, die Land-w ir tli s chaf ts - Ge s e Us c h a ft in G o r z an Freiherrn von An d r i a n , die m a h-risch-schlesische Gesellschaft fiir Ackerbau und Landeskunde an Seine Durchlaucht den k. k. Beichsrath Fiirsten von Salm, der siebenbiirgi-sche Vere i n fii r Geschichtsforschung und Landeskunde an den k. k. Ministerialrath Freiherrn von Reiche n s te in. ‘) Wozu allerdings nocli die lemporar i» Wien domicilirendcn Loitcr der galizisehen Eisen-balm-Gesellschaft, Leo Fiirst Sapieha und Wladimir Ritter von Uorkowski, und ihr Secretar Ludwig de Le n s kommen. Eudlich bestellte die k. k. Landwirthschafts - Gesellscha,ft tur Oesterreich unter d er En s de« Freiherrn Dr. F. W. von Reden und den k. k. Professor Dr. Joseph Arenstein, die Wiener Handels- und Gewerbe-kammer ihren Prasidenten Anton Edlen von Duck und Secretar Dr. Karl Hold-haus zu ihren Vertretern bei dem Congresse. Unter den 394 in \Vien domicilirenden Mitgliedern des Congresses gehorten der Kategorie der Staatsbeamten 167 (vvorunter SG aus den hochsten Rangstufen), 18 jener der Militiirs (und hierunter wieder 10 vom hochsten Range), 52 dem Stande der Professoren und den zunachst vervvandten Stellungen, 84 dem medici-nischen Doetoren-Collegium, soinit nur 18 Percente der Gesammtzahl den iibrigen Lebensverhaltnissen zu, vvorunter die Industrie mit 25 und die Publicistik mit 23 Vertretern noch besonders zu ervvahnen simi !). Naclulem der Prasident des provisorischen Rureau's, Freiherr von Czocrnig, die dritte Versammlung des internationalen statistischen Congresses fur eroflnet erkiart hatte, hielt der k. k. Minister fur Handel, Gevverbe und offent-iiche Bauten, Georg Ritter von Toggenburg, folgende, mit zahlreichen Rei-fallsbezeugungen aufgenommene Ansprache an dieselbe: „A!s die Hauptstadt des osterreichischen Kaiserstaats zum Versammlungsorte des dritten internationalen Congresses ervvahlt worden war, beeilte sich die Regie-rung Uber erhaltene gnadige Bevvilligung Sr. Majestat, Anstalten zu treffen, um den Zweck der heute eroflneten Versammlung moglichst zu fordern". „Sie kann sich zu dem Erfolge ihrer Remuhungen nur Gliick wiinschen, indem sie so viele ausgezeiclmete Vertreter der Wissenschaft und der verschiedenen Verwaltungszweige erblickt, \velehe dem ergangenen Aufrufe gefolgt sind. Seien Sie uns desshalb, meine Herren, willkommen an den Ufern der Donau! Aber vor AUem erlauben Sie mir, meinen Dank den Hegierungen auszudrucken, welclie Ohne bestreiten zu wollen, dass jenes Element, welches die deutsche Vi erteljahrs-se tiri It H. 80, S. 241 als das „bei allen Congressen unvermeidliche Statisten-Element“ bezeich-net, in der Wiener Versammlung vertreten war, wie es denn naeh dem Ausspruche desselben Berichterstattcrs „auc11 in Briissel und Pariš stark genug erschien", diirfte doch die an der glei-ehen Stelle ausgesprochene Anerkennung nielit zu iibersehen sein, dass „unter Jung und Alt bei den osterreichischen Mitgliedern cin geistiges Slreben beobaclitet wurde, welches iiberrascht bat und der osterreichischen Adininistration Uesultute vom grossten Belang verheisst und ver-biirgt". Darum scheint auch II e us c b I i ng's Ansicbt (Monit. belge Nr. 329, |i. 4121), „qun plim de la motite den membres da congres de Vienne peuvent el doivent etre considerds comme de simples curieux (ce qu’expliquent sujfisamment le fante el la magnificence deplmjes en cette cir-constanee par le gouvernement imperial)“, stark iiber die Wahrheit hinauszugreifen, zumal sie sich auf die geringe Zahl von Unterschriften des Autographen-Albums stiitzt, um deren Erlangung sich naeh der Natur der Sache fast nur bei den Nicht-Wiencrn bevvorben wurde. S. Brown diirfte in dieser Biicksicbt das Biclitigste gefunden haben, wenn er sagt (Quart. ./. oj' tke stal. society 18!i8, p. 9 f.): „ll would be readily imagined that when tke members of Congress assembled, thcir labours mere of no light character. They mere, hmvever, rendered doubly interesting by ihe union of men of Science and mtellect from ali parts of Europe, bringing to bear on earli of tliese grave topiču their cxperience, and the resulls of their individual ntudies; and siimulated by tke social intercourse wilh friends ioho had assisted at the previous Congresses, or new acquaintanc.cs of higlt attaimnents and enliglitened minds... .. This fact alonc teould indicate that such a Congress must be productive of veri/ great resulls to Statistics, mere it only by the cffeet of stimulating so mani/ to talce an interesi in the varietg of subjecls discussed, and to eonsider how they are treated in foreign countries“. so bcreitwillig ihre amtlichen Vertreter hieher sandten urul eben dadurch bezeug-ten, wie sehr sie dem statistischen Congresse seinen wahrhaft volkerverbinden-den Charakter bewahrt wissen wollen, auf dass die von nun an unbestreitbare und unbestrittene Gemeinniitzigkeit seiner Arbeiten sich fiir das offentliche Wohl aller civilisirten Volker immer fruclitbringender ervveisen moge“. „I)er Grundgedanke zur Veranstaltung solelier Versammlungen bat seit seiner ersten Anregung in Oesterreicb dcn lebbaftesten Anklang gefunden, und icb bofTc, dass sie im Verlaufe Ihrer Berathungen Gelegenheit finden werden, zu bemerken, wie wenig die ofTicielle Statistik unseres Kaiserstaats verabsaumt bat, jcnen Beschltissen und Wunsehen Bechnung zu tragen, welcbe auf den bisber abgehaltenen Versammlungen des statistischen Congresses ausgesprochen wurd-en“. „Der Zweck dieser periodiselien Zusammenkiinfte ist ja, iibereinstimmende Grundlagen fiir die Arbeiten der Statistik zu erlangen, um die Vergleicbung der in verscbiedenen Liindern gewonnenen Resultate zu ermoglichen; denn, wie diess einer der vorziiglicbsten Griinder dieser Versammlungen, der verebrte Prasident des statistischen Congresses zu Brttssel, so wabr sagte, „„olme die Mbglichkeit, Beobach-tungen zu vergleiclien, gibt es keinen Fortscbritt in denjenigen Wissenschaften3 welche auf Beobacbtungen beruben““. „Bei dem Standpuncte, welcben die Statistik gegenwiirtig fast in allen Staaten Europa's einnimmt, eriibrigte ibr mir dieser wichtige Schritt zu ihrer Vervollkomm-nung“. „Und in derThat, seit die Statistik nicht mehr als eine tbeoretisebe Wissenschaft oder als blosses Object fiir die Befriedigung der Wissbegierde gelehrter Miinner be-tracbtet wird, seit sie im Gegentheile fiir vorzugs\veise praetisebe Zwecke der staat-Iicben Gesellschaft dient und der Vervvaltung sowolil bei Beurtbeilung der bereits be-stehendenEinrichtungen undGesetze als aueli bei Ervvžgung neuerMaassregeln unaus-gesetzt ihre Dienste leistet, seit dieser Zeit, sage icb, wo die Statistik eine so wichtige Stelle im Regierungs-Systeme errungen bat, vermag weder die Fiille des Stofls nocb die grosse Mannigfaltigkeit der Nationen ihren Forschungen Granzen zu setzen“. „Hierbei ist vor Allem wesentlicb, eine Ordnung und Eintheilung ihres Materials festzustellen, die es moglich macht, ihre in den verscbiedenen Liindern gesam-melten Beobacbtungen unter einern und demselben Gesichtspuncte zusammenzustel-leu und die hieraus sich ergebenden Wabrheiten und Gesetze festzuhalten, welcbe der mensebliebe Geist auf rein speculativem Wege nie zu erreichen vermag“. „Diess ist ohne Zweifel eine grosse und selnvere Aufgabe, aber eben dessbalb jenes Eifers wiirdig, mit welchem Sie eben an dieselbe gehen. Wenn Sie Ihre Beobacbtungen zu einem Gemeingut macben, wehn Sie denselben den Stiimpel einer hiihercn Wabrheit aufdriicken und die aus den Thatsachen gezogenen Resultate in ein helleres Licht stellen, werden Sie dadurch nicht machtig die Begierungen bei der Erfullung ihrer eigenen Aufgabe unterstiitzen, zur Verbesserung des staatlichen Zu-stands und zum materiellen und moralischen Woble der Volker beitragen?“ „Und wenn Sie durch eiue gleichartige Einrichtung der statistischen Tafeln und durch gleichartige Benennungen in denselben die statistischen Ausvveisc der verschiedeuen Staaten einander nitber bringen, theileu Sie nicht die Meinung mit mir, dass die Gleichartigkeit in der Form auf die Gleichartigkeit des Stolfs ruckwir-ken und allmahlicli auch eine Annaherung in den staatlicheu Einrichtungen und Ge-setzen selbst herbeifuhren werde?“ „Ich kann daher wohl sagen, dadurch, dass Sie lieute in unserer Milte Ilire Ar-beiten vieder aufnelimen, widmen Sie sich einer Aufgabe der Civilisation, bei deren Losung Sie, seien Sie dessen gewiss, die Theilnahme aller Regierungen und den Beifall aller Nationen finden werden“ '). „Es sei mir nun gestattet, an die deutschen Mitglieder des Congresses noch meine besondere Begriissung zu richten. Zum ersten Male ist es, dass der internati-onale statistische Congress auf deutscbem Hoden zusammeritritt. Wir diirfen liierin eine Anerkennung des liolien Rangs eiblicken, \velchen die deutsche VVissensebaft auch auf dem Gebieto der Statistik einnimmt, und ich glaube beifiigen zu diirfen, auch eine Anerkennung Desjenigen, was die administrative Statistik in Oesterreich durcb das Talent und die Ilingebung der Manner, die sich ibr \vidmen, geleistet hat“. „Wenn die Einheit in der Statistik schon fur alle Staaten ein anstrebenswerthes Ziel ist, wie viel melir muss sie diess erst fur die deutschen Staaten sein, welche, durch ein engeres Band umschlossen, in so vielen Zweigen des offentlichen Lebens sich gleichformiger Einrichtungen erfreuen und deren noch mehrere anstreben. Es \vare als ein erfreuliches Ergebniss zu betrachten, \venn aus Anlass der gegenwartigen Versammlung des Congresses in den anwesenden deutschen Mitgliedern desselben der Gedanke rege wtirde, ausserhalb der Beziehungen, welehe der Congress zwischen den Statistikern aller Staaten zu vermitteln herufen ist, noch einen engeren Verband zvvischen den statistischen Bureaux der deutschen Staaten zu begriinden, der nicht verfehlen \viirde, den betreffenden Venvaltungen zu Statten zu kommen, und zugleich die Zvvecke des Congresses zu fordern". „Ich schliesse, meine llerren, indem ich Sie nochmals der vollen Theilnahme versichere, mit vvelcher die kaiserliche Regierung Ihren mithevollen Arbeiten folgt, und den aufrichtigsten VVunsch derselben ausspreche, die dritte Versammlung des statistischen Congresses moge eben so reicli an niitzlichen Resultaten sein, als es die beiden vorausgegangenen waren“. Nach einstiminiger Gutheissung der Geschaftsordnung ersucbte die Versammlung das provisoriscbe B ureau, seine NVirksamkeit in definitiver Eigenschaft fort-zusetzen, und genehmigte die Aufnahme der 30 Delegirten der fremden Regierungen in dasselbe als Elire n-Viceprasi d en ten. Nach demSchlusse der ersten SfFentlichen Sitzung hildeten sich die Sectionen3). Die erst e, fur Mortalitats-Statistik, Statistik der Krankenanstalten und des Sani- *) Bis hierher bedipnten sich Seine Kxeellenz der franzosischen Sprache, die Woi'te an die deutschen Mitglieder des Congresses \vurden in deutscher Sprache vorgetragen. s) Ueber das Princip ihrer Bildnng spridit sich X. Heuseliling (Monit. bclge Nr. 329. p. 4124) hochst anerkennend in folgenden Worten aus: „L'ehivation des mes (len ordonnateurs liu congres de Vienne est nttestee par ce fait i]u'its ont su compotser les differentes sections d’elements parfaitement homogene*: la premiere seetion reunissait les tnedeeins; la seeoride, les jurisconsultes; la troisUtrne, les econornisles /inanciers; la tjualrieme, les industriels; la cm- tatswesens iiberhaupt, eriviihlte zu ilirem Vorsitzenden Medicinalrath Dr. Theodor Helm und Dr. NVilliam Farr aus London und zu Schriftfiihrern Primararzt Dr. Karl Haller und Universitiits-Professor Dr. Romeo Seligmann. Die zweite, fiir Statistik der Straf- und Civil-Reclitspflege, die Vertheilung dcs Besitzes und der Belastung des Grundeigenthums, wurde von Ministerialrath Dr. Rilter von M ye-Glunek und Staatsrath Dr. David aus Kopenhagen geleitet und hatte den Ministe-rial-Concipisten Dr. von Hegeduš zum Schriftf'iihrer. In der dritten, fur Finanz-Statistik, prasidirte Sectionschef Dr. Rilter von H o ek, als dessen Stellvertreter geheimer RegierungsrathProf. Schubert aus Konigsberg und der Secretar der kais. russiscben geographischen Gesellschaft Lamansky; in dervierten, fur Industrie-Statistik, Sectionschef Dr. Freiherr von Czoernig und als dessen Stellvertreter Professor Wolowski; das Amt von Sehriftfiibrern iibernahmen in der dritten Dr. Dl to Hub n er aus Berlin und Ministerial-Concipist B neba e z ek, in der vierten Dr. Kreutzberg aus Prag und Universitiits-Professor Dr. Joniik. Die fiinfte Section, fur die Statistik des Unterrichts, berief zum Vorsitz Dr. von Baumhauer, Vorstand des kdn. niederlandischen statistiscben Bureau's und ernannte zu dessen Stellvertreter Ministerialrath Dr. Tomaschek; als Schriftfiihrer fungirte Dr. H. F. Bracbelli, Beamter der k. k. Direction fiir administrative Statistik, und Univer-sitats-Professor Dr. Koppelaus Krakau. Die seebste endlicb, fiir pbysische Statistik, Anwendung der Kartographie und Grapbik auf statistische Zwecke und Statistik der ethnographischen Versehiedenheiten eines Staates, stellte sieb unter die Leitung des Nestors der amtlicben Statistik, des Prasidenten der kdn. belgisehen Central-Commission fur Statistik, Adolf Quetelet, ernannte die Mitglieder der kais. Akadeinie der Wissenscbaften Dr. Arni Rone und lir. Kol Iar zu Viceprasidenten und iibertrug die Thiitigkeit eines Secretars dem k. k. Bergrathe Franz F oetterle, Mitgliede der geologischen Reichsanstalt. Da es jedem Mitgliede freistand, sieb an mehreren Sectionen zu betheiligen, liisst sieb die Ziffer der Theilnebmer einer jeden nieht scharf pracisiren; in runder Zalil nabmen 125 Congress-Mitglieder bauptsach-lich ari der L, 50 an der 11., 75 an der 111., 140 an der IV., 00 an der V. und 89 an der VI. Section Tbcil. Die Sectionen versammelten sicli tiiglicb Vormittags zwischen 8 und 12 Ubr, nach Bedarf aucli Nachmittags zu versebiedenen Stunden. Nebst der Eroffnungs-sitzung wurden nocli vier allgemeine Versammlungen, am 2., 3., 4. und 5. September, abgehalten, welcbe jedesmal von 12 bis 3 ricbteten sieh die Mittheilungen des Vertreters der kaiserlichen Regierung auf die in jenem Staate jiingst erschienenen periodischen und nicht-periodischen statistischen VerofTentlicbungen. Die periodiseh ersclieinendcn sind : Die zablreichen Ausweise iiber das Finanzwesen und den Staatshaushalt, ans denen man die ordentlichen finanziellen Mittel Frankreich’s bis auf s Klarste erseben kann; die Statistik der Militar-Aushebung, deren Daten aueh zur Bcurthcilung der Verhaltnisse der menschlichen Lebensdauer und insbesondere des physischen Gedei-hens der jiingeren Generation dienen und im Zusammenhange mit der Finanz-Statistik einen sicberen Maassstab fiir die materielle Macht des Staats licfern; die jabrliche Bilanz- des Verkehrs mit dem Auslande nebst den „AnnaIen des auswiirtigen Randels,“ deren erstere cin werthvolles Bild von der Productionskraft und dem com-merciellen Gciste, zugleicb abcr bis zu einem gewissen Puncte aucb von dem aus-\vartigen Einflusse Frankreich’s darstellt, wabrend die letzteren, als olTicielle Mittheilungen iiber den auswartigen Handel fremder Staaten, der Speculation franzosi-scher Industrieller geeignete Fingerzeige geben; ausser anderen Nachvveisungen iiber Einfubr und inlandische Production von Rob-Stoilen die Statistik der Montan- *) Lcgoyt, welcher aucb in Briisscl die kaiserliche Regierung vertrat, berichtete daselbsl, dass in Frankreich (wo Schon 1802 Napoleon I. vvollto, dass die Statistik, das budget des choses, die Aufgabe cines eigenen Bureau’s bilde) die statistischen Arbeiten unter die verschiedenen Ministerien vertheilt sind, beinahe jedes Ministerium Documente seines Ressorts veroffcntlicht, im Justiz-Mini-sterium und bei der Zoll-Direction des Finanz-Ministeriums sogar speciclle statistische Burcaus bestehen, wuhrend das Rurcau lur allgcmeine Statistik, \vclches 1884 entstand, bis 1882 unter der Leitung Moreaus de Jonnes’ war und seither von Legoyt dirigirt wird, den Auftrag bat, alle Documente iiber die Gesammtheit der bkonomisehen Thatsachcn zu sammcln. Legoyt stellte umstSndlieh dar, wie nebst den administrativen Documenten, welehe von den Prfifecten einlaufen, durch die mit Dcerct vom 1. Januar 1883 geschaffenen statistischen Cantonal-Commissionen und die Unter-Coinmissionen in den Gemeinden solehe Daten, zu deren Eriangung die Privat-ThStig-keit mitbelfen muss, gesammclt und der Priifung des Untcr-Prfifecten (mit Hilfe der Arondissc-ments-Commission und der Kammern) und des Priifeeten unterzogen werdcn. — Bei der Pariser Versammlung des Congresses entfiel ein ahnlicher Bericbt, indem Baron Pupin bei Beurtheilung des Programms-Entivurfs iiber die Geschichte der franzosischen Statistik sprach. Schon seit Ludwig XIV. veriangte ilie Regierung von den Intendantcn der Provinzen Naelnvcisungen iiber Bcvolkerung und Productionen, unter Napoleon I. wurden statistische Paten dcpartemonlsvveise gesammelt, seit 1834 18 Biinde kostbarer statistischer Documente von allgemeiner AViebtigkeit vcrortenlliebt. Unter den statistischen Publicationcn der verschiedenen Venvaltungszweige sind hervorzuheben: die jabrtveisen Darstellungcn des gesammten Staatshaushalts mit dem verglei-chenden Tableau fiir 1814—1830; die Tahellen iiber Ilandel und ScbilTfabrt, welche zwar schon seit 1818 erschcinen, aber erst seit 1831 musterhaft gevvorden sind; die Austvcise iiber die Ergebnisse der Straf-Reehtspflegc. Werthvolle Arbeiten sind aucb jene iiber die WoblthStigkcits-, Polizei- und Sanitals-Anstalten, iiber Marine und Colonien, iiber die Rccrutirungen. Pie beiden Ministerien des Kriogs und der Marine bearbeiten die Karte Frankreicb’s und der angriinzendon Meere. Wie lehrreich warcn die wicderholten Parstellungen der Fortschritte Algerien’s, die Karte des dffcntliehen Unterriebts, die geologiseben Zusammenstellungen, die Statistiken der Verkehrsvvcge, Caniile und Hafenbautcn, tles llcrg- und Hiittenwesens, und wie vortheilhaft 'virkten sie! Industrie, welche zugleich eine Darstellung der Unfalle in den Bergwerken enthalt; die Zusammenstellungen iiber Zahl, Tonnengelialt, Belastung und Fahrten der Schilfe auf den Binnengewassern; die Special-Statistiken der franzosischen Colonien und Algerien s; die Statistiken der vom Kaiser besonders begtinstigten Anstalten der Fiir-sorge fiir die arbeitenden Classen, Spar-Anstalten, wechselseitigen Hilfs-Gesell-schaftcn und der Caissc Bewegung der Bevblkerung in erster Linic; besonders bieten die neuesten derselben, wclche naeli dem von der Briisseler Versammlung des Congresses aufgestellten Programme verfasst sind, fiir den Staatsmann sovvohl, als fiir den Sittenforscher und Physiologen das grosste Interesso dar. Das Detail der ErgebniSse der letzteu Volks-zahlung (nacli Alter, Geschlecbt, Beschaftigung, Haushaltung, Wohnstatte, — mit Aufzeichnung der Blinden, Taubstummen, Blbdsinnigen und Geisteskranken) vom Jahre 18S6 wird im Beginne des Jahrs 18118 verolfentlicht \verden. Eine neue Agricultur - Statistik ist der Bcendigung nahe; sie stellt den Fortschritt der Land-vvirthsehaft in Frankreicli seit 1840 dar und beleuchtet zum ersten Mal die bko-nomisehe Lage der ackerbauenden Classen. Ihr werden ausgedehnte Nachweisungen iiber die von Elementar-Ereignissen und Vieliseuchen verursachten Schaden und iiber die Vertilgung gefahrlicher oder schiidlicher Thiere folgen. Ebenso werden eine Statistik der Irren, welche in Anstalten behandelt werden, und eine Statistik der Wohlthatigkeits-Anstalten in nachster Zukunft an das Licht treten. So \vie bei den bislier ervviihnten Puncten auf die Bescbliisse der friiberen Versammlungen des Congresses durcbgebends Riicksiclit genommen wurde, so gescbah diess auch bei einer unter der Leitung des Staatsraths Grafen Dubois und mit Beihilfe ausgezeichneter Ingenieure ausgearbeiteten Statistik der Eisenbahnen. Eine statistische Darstellung der anderen Communicationsmittel wurde schon im Jahre 18114 in der vom Ministerium fiir Ackerbau, Handel und offentliche Arbeiten herausgegebenen „Allgeineinen Statistik von Frankreicli" verolfentlicht. Endlich gchoren zu den nicht-periodischen Ver-olfentlichungen: die Statistik des Unterrichts, die grosse Karte von Frankreicli, von welcher Reductionen und lithographische Abdriicke bald verkauflich sein iverden, die mit S Banden bereits an den Tag getretene Statistik der Stadt Pariš, die Statistik der Pariser Wohlthiitigkeits-Anstalten, die Finanz- und Industrie-Statistik der Reichs-liauptstadt. BeziigliehGrossbritannieifs konnte es sich gleichfalls nur um Erganzung der fruheren Mittheilungen iibcr die Leistungcn der amtlichen Statistik handeln !). Die W. Furr Imltc schon zu Briissel, wo er mit F o n h 1 a ni| u c und Vali>y die kuniglichc Regicrung vcrtvat, auscinandergesctzt, dass alte Venvaltungsbchorden des Staats, der Graf-schafton und Gemeinden Biicher fiihren und mehr oder \veniger statistische Daten liefern, dass abor Form und Ankniipfungspuncte der statistischeu Publicationen verschieden sind, indem ausser dem Uudgct die Blaubiicher des Parlaments, die Verolientlicliungen speciellor Commissiire Staats-EinkUnfte und Ausgaben, so wie die Staatsschuldcn und die Vermbgens-Geba-rung der Gemeinden von England und Wales sind fortwiihrend ein Gegenstand jithr-licher statistischer Naclnveisungen. Neu hinzugekommen sind die hochst interessanten Berichte der Zollvervvaltung, die Naclnveisungen iiber binnenliindische Consumtions-Steuern und den Ertrag der Posten. Dessgleichen erscheinen jahrliche Berichte liber die Bodencultur und denWerth ihrer Production, so wie iiber Viehzucbt in Irland und Scbottland, und eine Statistik der Landwirthscbaft in England istvonCaird im Parlamente beantragt. Ebenso bat Lord Brougliam einen Gesetzentvvurf iiber Statistik der lleehtspllege eingebracbt und Bedgrave seine Arbeiten daruber im Sinne der Pariser Beschliisse vollstandig umgeformt. Dasgeneral rcgistrar office liat eben seinen 18. Bericht veroffentlicbt. Hinsiebtlicb des Gehiets der vereinigten Konigreicbe sind sehr (jute Karten von Irland im Maassstabe von 1: 10.560, von einem grosscn Theile Eiigland's und einem Theile Schottland’s im Maassstabe von 1:63.360 vorbanden. Die iu Folge der Brusseler Beschliisse begonuene Anfertigung von General-Karten im Maassstabe von 1 : 2.500 und von Stadte-Karten im Maassstabe von 1 : 800 wurde leider unterbrochen; Obrist James bat einen Bericht iiber die vollendeten Blatter und iiber Beductionen mit Hilfe der Photographie erstattet. Farr selbst entwarf ein Programm zur Classificirung der Bevolkcrung nach den verschiedenen Beschaftigungen; eine diesem Programme entsprechende Erliebung \vurde in England bereits mit den Bergwerks-Arbeitern begonnen, und die grosse Sterbliclikeit, welche in manchen Bergvverken England’s unter den Arbeitern herrscht, nacb ihren Ursachen, gleich der Sterbliclikeit in der Armee, zum Gegenstande sehr eifriger Untersuchungen gemacht. Seit der Pariser Versammlung des Congresses bat der board o(' trade ‘) ausser seinen gevvohnlichen Naclnveisungen einen Band iiber die Hilfsquellen uud den Handcl der britischen Colonien und deren Dependenzen, dess-gleichen statistische Notizen iiber Frankreich, Belgien, Niederlandc, die Hanse- und Inspectoren (namentlich die von der Vcrwaltung des Armenvvcsens ausgebenden), die von I1’ o n h I a imjuc bearbeitetenTabclIen des Handelsbureau’s (denen aucli Ausziigo aus den Statistiken anderer Liinder beigegeben vverden), die von Redgrave verfasste Criminal - Statistik, die MilitSr-Statistik Tulloch's und Balfours, jene der Marine von Burnett und Bryson in Betracht koiuinen, dass aber mebr, als irgendwo, die Privat-Thiitigkeit mit der Regierung eon-eurrirt, in vvelcher Rueksicht er besonders die statistische Gesellschaft zu London mit ihrer Vierteljalirssehrift, 1’ortcr's und Mac Culloch’s Leistungen bervorhob. Farr liattc liieran eine umstandliche Schilderung der Tbiitigkeit des ltegistrations-liureau’s fur Nachweisung der Hevoikcrungsbewegung in England und Wales (wiihrend in Scbottland und Irland eine diessffillige Registrirung kaum bestehe) gekniipft und den Vorgang bei der im Jnhre 185L stattgefundenen Volksziihlung detaillirt. — Zu Pariš, wo die Vertretung der britischen Regierung die niimliche "ar, berichtete Fonblanque, dass dieHandels-Tabellen seit 18li3 viel raseher und vollstiindiger geliefert vverden, als friiher, dass in dem Ausweise iiber den Handel, von 18!J4 angefangen, eine neue Ausmittlung der Waarenwerthe 1’latz greife, dass der board of trade ausser den Mittheilungen iiber Statistik fremder Staaten a neb jene der Colonien und Ostindien's bearbeite und 18!i3 kiirzere Ucbersichtstafein fur die Statistik Grossbritannicn's und Irland's aus den letzten ti> Jali-ren veroffentlicbt babe, dass Vorbercitungen fiir eine volIstSndige Agrieultur-Staiistik getrolVen wiirden, dass unter Fitzroy’s Leitung ein Rureau zur Sammlung der Daten fiir meteorologischc Statistik entstanden sei, dass die Publicationcn iiber die letzte Volkszfihlung sicli ihrem Abschlusse niihern und das Registrirungs-Gesetz fiir die Bevi)lkerungs-Bcwegung auf Scbottland ausgedehnt vverden solle. Die Mittheilungen iiber denselben wurden iu einem Briefe Fonblanque’s (in cnglischer Sprache) verlescn. stiidtc etc. verbffentlicht. Die monatliclien Ausweise iiber Handel und Schifffahrt wurden namentlich durch Naclnveisung der Hauptrichtungen des Imports und Exports der vorziiglichsten Handels-Artikel und durch Angabe des Werths derAusfulir nach jedem fremden Lunde und jeder britischen Colouie wesentlich verbessert. Der „Jahresbericht iiber Handel und Schifffahrt der vereinigten Konigreiche" wird gegen-wartig schon im zehnten Monate nach Jahresschluss veroffentlicht. Das seit 18!5S bestehende meteorologische Departement des board of tradc bat ausser einem Quart-bande voli der mannigfaltigsten Aufzeichnungen bereits 14 grosse Windkarten fur fast alle Theile der VVelt angefertigt. Melir als 200 Handelsschiffe und fast alle Kriegsschiffe sind mit vorziiglichen Apparaten fur meteorologische Beobachtungen versehen, zu deren systematischer Eintragung und Classilicirung beim genannten Departement an GO Bucher im Gebrauche sind. In jeder Beziehung leuchtet das Streben der britischen Regierung liervor, den Beschliissen des Congresses nach Moglichkeit Bechnung zu tragen *). Da Bussland zum ersten Male bei dem Congresse vertreten \var, musste die historische Skizze der Ausbildung seiner amtlichen Statistik (namentlich der Volkszahlungen) und die Darstellung der gegenvvartig fur Statistik bestehenden Ein-richtungen doppeltes Interesse in Anspruch nehmen. Die erste Volkszahlung, in Begleitung einer Art statistischer Bodenbeschrci-burig, nahmen die Mongolen zu Kie\v und Tschernigow im Jalire 124G theils durch die *) Von boher Wichtigkcit erscheint es, dass aucb Grossbritannicn das Hediirfniss nach ein-heitlicher Organisirung der Statistik fiililt. S. IJ r o w n sagt hieriiher im Quart. Journal der statistical societg (18S8, pag. 12): „ XVc may kope tkat Great Britain vsili Iceep paee with Belgium, France, and Austria, not merely in the cordial and \liberal recept ion of the delegates of foreign govemmenls, but in profiting by tke advanccment in Statistical Science, to tokich these great mcetings kave alreadg given rine. Jt would be an apt occasion to „set our houses in order“ and to bring under some special gov ernmen t department the publication of the . . . statistical docume nts so frequently put forth to tke puhlic. Tkere is no countrg in the ivorld wkcre questions of so muck importance kave been discussed loitliin tke last few years as in this — none, in tohich suck novel and grand conceptions kave been put into practice — nonc, in whick tke puhlic kas taken so direct and ardent an interest in accumulating tke materials for reflection, and for tke utilization of the results. IVitness the improvements in our census and population statisties, tke records of our commerce, of our railways, of our puhlic institutions; uoitness tke exertions and the writings of the Members of this Societi/, and of otker private societies of a similar leind. Ali tkat we want is unity, kannomj, combination in tke labours of individuals, and in tke Statistical Rcports of tke Government. Any effort to secure tlie.se important results ivill be well seconded by the co - operation, and reiearded by tke applause of tke countrij“. Und H e u s c li 1 i n g berichtet (im Moniteur bclge Nr. 329, pag. 4120) sehon aus dem Jalire 1856, wo man noch die Abhaltung der dritten Vcrsainmlung des Congresses (18.'»7) in London ervvartote: „Dans Vune des svances de la societe hritannigue pour les progres des Sciences, Lord Stan leg, president de la societe, apres avoir fait ressortir combien les travaux de statistiijue, accomplis en commun, etablissent d’ ut des points de contact entre les peuples, „il est prababic, a-t-il ajonte, quc le prockain congres de statistique se tiendra a Londres en 18!i 7. Ce sera notre devoir de ne point laisser eckapper cetle occasion de nous perfectionner de telic fapon, que l' annee I8H8 iious trouve en possession d’ un systeme regulierement organisti pour l’ enregistrement et pour la publication de tous les faits presentant un interet national et conforrne, si cela se'peni, au.x sgstemes etahlis en Belgigue et en France. Cette assimilation doit etre un principe essentiel de l’ organisation de ce genre des travaux: c’est le mogen d’ assurer anx nations le bčnčfice re'ciproque de l' expe'rience acquise par ckacunc d’ elles en particulicf. La creation d’un departement de statistique conforrne a nos besoins sera un sujet utile a soumettre aux discnssions du congres prockain et le si/st čute actuellement existant en Belgique serait, je pense, celui qni donnerait les m e illeur s resultat s.“ Localbehorden, tlieils durch eigene abgeordnete Beamte vor, als sie den unterjochten Hussen Steuern auferlegten. Spitter ordnetc Peter der Grosse 1704 und 1705 Zahlungen einzelner Classen im Districte Moskau, 1710 und 1718 aber eine umfas-sendere Volkszablung (so wie 1722 eine Verzeichnung aller Diirfer und Wohnplatze) an und befahl, dass diese Maassregel wiederholt vverde. So fanden von 1722 bis 1850 9 Zahlungen Statt, umfassten aber wegen ibres vorvviegend finanziellen Zvvecks vorzugsweise die mannlichen Individuen aus den einer Kopfsteuer unter-worfenen Classen, mit geringerer Beriicksichtigung der weiblichen und der sonstigen nielit besteuerten Bevolkerung, und erstreckten sieli aucli niclit auf das ganze Reich. Die neueste, im Jabre 1857 begonnene Volkszablung (Revision) soli jedoeh alle Provinzen des Kaiserthums in sieh begreifen. Die Listen werden — mit Ausnabme jener fiir die Leibeigenen, welche von ihren Herren gezablt werden, und fur einige Stiinde, die sicli selbst einzutragen liaben — von den Localbehorden der steucrpflich-tigen Classen angefertigt, sorgfiiltig controlirt und auszugsvveise dem Departement der Finanzen und dem dirigirenden Senate vorgelegt. In Finnland wird die Zahlung noch von den geistlichen Behorden besonders vorgenommen. Von namhafter Bedeu-tung sind auch: die Triangulirung des europaischen Russland’s, die zugleich mit statistischen, ethnographischen und historischen Untersuchungen verbundenen liefen-Messungen am baltischcn Meere, und die in einigen Gouvernements begonnene Catastrirung der Kronguter. Die Vermetfsungsbeamten haben iiberall auch Daten fur die Bodenbeschreibung zu sammeln, welche die Grundlage der Gouverne-mcnts-Beschreibungen liefern. Das im Jabre 1802 im Ministerium des Innern errichtete Gentral-Bureau fur Statistik oder statistische Comite unter dem Vorsitze des Stellvertreters des Ministers vereinigt alle statistischen Aufzeichnungen, \velche von Seite der LocaI-Verwaltungen den Ministerien gelangen oder von den Ministerien und General-Verwaltungen selbst geliefert werden, arbeitet diejenigen Partien aus, welche nicht in den aus-scbliesslichen Ressort eines anderen Departements gchoren, und veranstaltet von Zeit zu Zeit Verollentlichungen iiber einige Zvveige der Statistik. Mit dieserCentral-Anstalt stehen 33 statistische Comite's in den Gouvernements in directer Verbindung. Einige Special-Verwaltungen haben ihr besonderes statistisches Comite, wie jene der Com-municationsmittel, der Salinen etc., und auf der Universitat zu Kie\v besteht eine eigene, vorziiglich aus Professoren gebildete statistische Cornmission. Auch gehoren hierher die seit 1852 alljahrlich vom Ministerium des Innern angeordneten Unter-suchungsreisen oder statistischen Expeditionen, welche die Prufung und Controlirung der Erhebungen an ihren untersten Quellen, namentlich in Rucksicht auf die Bevolkerung und ihre Bewegung, zum Z\veeke haben. Fiir die Verbreitung statistischer Kenntnisse sorgen sovvohl die von den verschicdenen Departements herausgegcbenen Journale, die ofliciellen Zeitungen der Gouvernements und andere Druckwerke, als auch die fur Statistik an alleu Universitaten und sonstigen gelehrten Schulen crrich-teten Lehrkanzeln, eine statistische Section der geographischenGesellschaft und die bereits genannte Coinmission zu Kievv. Bei aller Thatigkeit, welche die russische Regierung entwickelt, besteht eine wunde Seite der ofliciellen Statistik liussland’s noch immer darin, dass die crsten Aufzeichnungen, welche hauptsachlich der Districts-Polizei obliegen, oft selir mangelhaft, ja willktirlich vorgenomrnen wurden; erst mit der Verbreitung von Einsicht und Kenntniss auch zu diesen untersten Organen der stati-stischen Erhebung ist die wunschenswerthe Verlasslichkeit und Vollstandigkeit ilirer Arbeiten zu erwarten, welclie die ervvahnten zahlreichen Anstalten fur Statistik ge-wiss redit fruchtbar machen vvird. In Spanien *) simi seit jiingster Zeit grosse Anstrengungen gemacht worden, um eine amtliclie Statistik ins Leben zu rufen. Naclidem schon im 14. Jahrhunderte in Arragonien, im 1(5. in Castilien, im 18. in ganz Spanien Volkszahlungen und in der Folge von den hochsten Verwaltungsbeh6rden auch andere statistisclie Arbei-ten, jedoch oline einen gemeinschaftlichen Plan, vorgenomrnen worden waren, bildete seit dem Amtsantritte dcs Ministeriums Narvaez das Zustandekommen einer miig-liclist vollstandigen Statistik eine ernste Sorge der Regierung; demnach \vurde die statistisclie Central-Comm ission in Madrid unter der unmittelbaren Lcitung des Herzogs von Valencia, und mit ihr in Verbindung Provinzial- und Bezirks-Commis-sionen aus den hervorragendsten Miinnern aller Berufszweige und Fachstudien, oline Riicksicht auf deren politiscbe Meinungen, gebildet. Diese Commissionen sind unter sicli derart geordnet, dass die Bezirks-Commissionen, — deren es so viele gibt, als Richter erster Instanz, indem jeder auch der betreffende Richter vorsteht, — die ersten Erhebungen vornehmen und fur die Vrerlassliclikeit der individuellen Arbeiten sorgen, die 49 permanenten Provinzial-Commissionen, jede unter dem Vor-sitze des Gouverneurs, die Zusammenstellungen nach Provinzen machen, cndlicli dio unmittelbar vom Minister-Prasidenten geleitete Central-Commission die letzte Verar-beitung besorgt und die Veroffentlichungen veranstaltet. Die Pliitze in diesen Commissionen sind Ehrenstellen; Secretare, Adjuncten u. dgl. vverden aber vom Staate besoldet. Der Berichterstatter bemerkte, das Land habe den Anordnungen der Regierung bereitwilliger, als vielleicht zu ervvarten stand, und vornamlich vom Natio-nalstolze geleitet, Folge gegeben, so dass die im Jahre 1857 unternommene Volks-ziihlung, trotz ilirer Schwierigkeit, einer raschen und ruhigen Vollendung zugefiihrt vvurde, die spanische Regierung sei hiernach auf dem besten Wcge, wenn das Ucbcr Spanien berielitete Ramon do laSagra auf der Hrusseler Versiunmlung, dass dio Entwerfung einer mit allon Hilfsmitteln der Wissenschaft auf/.uneliinenden Karto von ganz Spanien aus geographiscliem, geologisehem, lnineralogisehem und landwirttischaftlichem Gesiclits-punete den Ausgangspnnet vielfachor statistisclier Arbeiten bilden werde, dass nur zwei Observa-torien meteorologisehe Ueobaehtungen sammeln, eine neuoro Volksziihlung folile, die Notizen iiber Beviilkerungsbcwegung nur so weit reichen als die kirchliclien Aufzeichnungen, iiber medieinische Statistik bloss vereinzelte Mittheilungen in die Oeffentliclikeit gedrungen soien, eine Gesamint-Statistik des Uergbaues aus dem Endc dcs vorigen Jahrhunderts datire, iiber dio Industrie Cata-lonien’s cine guto Monographie bcstche, ausserdem aber der Bericht Cevada’s von 1850 die grossen Productionszweige Spanien’s umfasse, erst seit 184!t eine Darstellung des auswartigen Handels regelmiissig veriifVentlicht \verdc, die Budgcts das notbwcndige Material zur Wiirdigung des Staatshaushalts bieten, cndlicli dic Statistik des Unlerrichts sicli auf Angaben iiber Zabl der Schulen und Sehiiler bcschranke und nur bezuglieh Catalonicn's und der Balearen Datcn zur Straf-Rechtspflege zusaminengestellt seien.-Weiteros cmpfahl or Madoz’ Diccionario gcografico-esla-distico-historico de Espana y min posscusiones da Ultramar in Iti Biinden. Scbliesslicb gedaelite er der fortlaufenden Kcilic stalistiseber Tabcllcn, welche seit 1817 vom Special - Burcau fur Havanna und dio iibrige Insel Cuba bearbeitet \verden, Berčilkerung, 1’roduction, Einnabmen und Ausgabcn, und selir detaillirt don Scebaudol darstellen. kand Buhe geniesse, alle vom Congresse, dessen Wiclitigkeit man hocbschatze, beantragten Maassnahmen durcbzufiibren. Was den statistischen Musterstaat Belgien anbelangt, so vernahm dcr Congress mit Beziohung aiif die in der Pariser Versammlung crhaltonen Mittheilungen ‘), mit vielem Interesse die Maassnahmen, welche seither fur die Erweiterung und Befesti-gung der administrativen Statistik getrnflen wurden. Durcli ein Gesetz vom 2. Juni 18KG iiber die allgemeinen Volksziihlungen und die Verfassung derBevolkerungslisten ist dieser wichtige Gegenstand nun delinitiv und dauerhafter geregelt, als diess durcli blosse Regierungsverordnungen mbglich war. Die erste Volkszahlung nacli den Bestimrnungen dieses Gesetzes fand, in Verbindung mit neuen Erbebungen fur die Agrieultur-Slatistik, am 151. December 1856 Statt; die Hauptergebnisse dersel-ben vvurden bereits durcli eine besondere Subcommission unter der Leitung ih res Berichterstatters an die Ccntral-Commission, Visschcrs, ausgearbeitet. Ferner wurde eben die erste Statistik der Todes-Ursaclien verotfentlicht, \velclie mit mog-licbster Berucksichtigung des vom Pariser Congresse festgestellten Formulars zu-sainmengestellt ist. Endlicli \verden ausser den Decennal-Bericbten iiber die administrative und gcscllschaflliche Lage des Konigreichs in Zukunft auch jiihrliche statistische Nachweise iiber diejenigen Verhaltnisse ersclieinen, deren Natur und griis-sere Veranderlichkeit eine raschere Veroflentlichung erheiscbt, von welchen Jalires-bericbten der erste bereits an das Licht getreten ist. Im Kbnigreiche der Niederlande 2) wurde im Jahre 1856 den Kammern ein Gesetz-Entvvurf iiber die Begrabnisse vorgelegt, welcher die Aerzte zur Angabe der rodes-Ursachen verpdichtet, war jedoch (zur Zeit des Congresses) nocli nicht ') Heuschling, welcher auf der Pariser Versammlung neben Quetelet die belgische Regierung vertreten solite, durcli die schwere Erkrankung des Letztcrcn aber der ein7.ige Vertre-ter 8elgien's blieb, hob daselbst hervor: die Ergebnisse der Untersuehung iiber die okonomische Lage dcr arbeitenden Classen Belgien’s, den l‘lnn einer periodiscben Publieation zur Fortsetzung der zehnjahrigcn Uebersicbt der Lage des Konigreichs (1841—18K0), die Vorarboiten zu einer neuen Volksziiblung mit vollstiindiger Berucksichtigung der diessialligcn lleschlusse des Congresses, den Beginn einer Nachvveisung der Todes-Ursaclien nacli der vom Congresse gutgeheisse-*>en Nomenclatur, die verglcichonde Zusammenstellung der Handclsausvveiso verschiedener Liindcr, die regelmiissig erstatteten Beriehte dcr stSdtischen Verwaltungen. v. 1! a umhau or, welcher die niederliindischc Regierung auf den Versammlungen zuBrussel und Pariš allein vertrat, berichtete sclion in Brussel, dass im Jaliro 182(i in den Niedcrlandon ein Bureau der allgemeinen Statistik und statistische Proviiizial-Coininissionen errichtet worden scien, duserstere, einer aus holien Staatsbeauitcn zusammongesetzten statistischen Commission unter-geordnet, sieh bauptsiichlich mit der Statistik der Bevolkerung und ihrer Bewegung besehaftigte, »her sclion im Jaliro 1830 einging, nachdem die Provinzial-Commissionen thoihveise sclion friiher aufgchort hatten. Zwei neue statistische Bureaux wurden im Jahre 1848 bei den Ministerien des jnnern und der Finanzcn begrundet. Das crstere heschfiftigt sich mit den meisten Zweigcn dcr Statistik und verollentlicht vorzugsweise seine Arbeiten (namentlich iiber Volkszahlung, Unter->'ichtswesen und Wohlthatigkeits-Anstalten) im Stutvstisch Jnarboekjc; letzteres bearbeitet ausser der Finanz-Statistik jene des Handels und der Schillfahrt. Uas Justiz-Ministerium veroffentlicht die Statistik der Civil- und Criminal-Rechtspllege, das Ministerium dcr Colonien Jahresberichte iiber die Venvaltung und Statistik der iibcrseeischcn Besitzungen. Hierzu kommen noch dir jiihr-lichen Beriehte iiber die Irrenhauser und iiber den Stand der Ueiclie, Fliisse, Caniile u. s.w., end-lieh ein Bericht iiber den Stand der Landwirllischaft fur 18!>1. Die liaupt(|iiclle dcr niederlandi-schen Statistik bilden aber die Beriehte, welche die permanenten Deputationen jiihrlich den Pro-vmzialriithen niachcn; sie sind seit 1851 gleichfiirmig eingerichtet und stiitzen sich ihrerseits auf die Jahresberichte der Gemeindebehorden. — Bei der Pariser Versammlung lenkte v. Baum-hauer die Aufmerksamkeit voiziiglicli auf die nach Altersclassen abgetlieilten Nachweisungen zut* Discussion gelangt; ebcnso wuiclen erst vier Gesetzvorlagen in BetrcIT der gericlitlichen Medicin gemacht, boi deren Berathung die Frage von der Constatirung der Todes-Ursachen gleichfalls zur Sprache kommen diirfte, da die ineisten Mitglie-der der Kammern die Notliwendigkcit einer solchen anerkennen. In den drei griiss-ten Stiidten (Amsterdam, Haag, Rotterdam) pflegt man iibrigens die Todes-Ursachen bereits zu erheben; eine allgemcine Erbebung derselben ist oline gesetzliehe Anord-nung unausfubrbar. Das Ministerium steht aber aucli im Bcgriffe, in dem Budget fur 1858 zur Errichtung einer statistischen Central - Commission die Summc von 50.000 fl. zu beantragen. So wie in diesen beiden Puncten das Ministerium bemiiht ist, den Bescblussen des statistischen Congresses Folge zu geben, beriick-sichtigt es dieselben auch bei einer im Zuge befindlichen Verbesserung der Volks-zablungen, deren sehr ervviinscbliche definitive Begelung durch ein Gesetz in Aussicht steht. Die Einrichtungen der ofFiciellcn Statistik im Kbnigreiche Da ne mar k *) \vur-den bereits auf den beiden friiheren Versammlungen des Congresses besprochen, so dass fur diessmal nur die Berichterstattung iiber die Thatigkeit des statistischen Bureau’s in Kopenhagen seit dem Sommer 1855 erubrigte. Das schon vor 20 Jahren angefangene Tabellcnwerk, von welchem jahrlich 1 bis 2 Theile herausgegeben worden sind, ist auch in den Jahren 1855 und 1856 erschienen. Die 1855 erschienenen z\vei Bande enthalten die Besultate der Volks-zahlung von 1855, so wie die Ilandels- und SchifTfahrts-Statistik fur 1854, ein im Jahre 1856 erschienener Band umfasst die letztere fiir 1855. In diesem Bande vvird unter Anderem die schon oft als \vunschenswerth bezeichnete Frachtfahrt dargcstellt, d. i. die SchifFfahrt nationaler Fahrzeuge von eincm frcmden Lande zu einem anderen der Bevblkerung, mit Unterscheidung der stiidtischen und der liindlichen Beviilkcrung jeder Pro-vinz; auf die Naeluveisung der Lebendgeliorcnen fiir 1840 bis 1831, auf die Naeluveisung der Todesfiillc fiir denselben Zeitraum mit den obervviihntcn Unterabtheilungen; endlich auf die nacli vier verschiedenen Methoden beroclineten Mortalitiits-Tafoln. *) Auf der Briisseler Versammlung erscbicn Diinemark durch Profcssor Bergsiie, auf der Pariser durcli Staatsratb David vertreten. Zur Abfassung eines statistischen Tabellenvvcrks des Kiinigreichs wurde dureb kiinigliehcs Reseript vom 23. November 1833 cine cigene Commission niedergesetzt, \velche aus verschiedenen boben Staatsbeamten bestand, aber kein eigenes Bureau hatte, indem ibre Mitglicder, jeder fiir sieh, arbeiteten und sieli fiir die mechanischen Arbeilen der Subalternbeamten ilirer Bureaux bedienten. Diesc Commission, wclche bis 1849 18 Bande statistisclier Arbeiten aus fast allen vvichtigcn Zweigen verdflentliehte, wurde im genannten Jahre aufgeboben und durch ein dem Gesammt-Ministerium untergeordnetes Bureau der aBgemeinen Statistik ersetzt, dessen Chcf das Reclit erhielt, fiir die verschiedenen Minister in statistischen Angelegenheiten zu untcrzeichnen. Das statistische Tabellcnwerk wird von diesem in neuor Polge fortgesctzt und umfasst, ausser der Statistik der Bevolkcrung in ihrem gesammtenUmfange, die Wahlstatistik, die Statistik desBodens, des Ilandels und der SchiMahrt fiir siimmtliche Theile des Reichs. Andcre statistische Documcnte iiber Diinemark und die Nebenliinder sind die seit liingerer Zeit zusammengestellten Criminal-Tabcllen, die seit 1833 crstatteten Rechnungsiibersichten des Finanzministeriums und die Jahres-bericbte der Nationalbank. Einen permanenten Ausschuss fiir mediciniscbe Statistik besitzl die kdnigl. mediciniscbe.Gesellschaft zu Kopenhagen. Die Herzogthumer Schlesvvig, Uolstein und Lauenburg vvurden erst im Jahre 1839 in die Wirksamkeit der diinischen statistischen Commission einbezogen. Friiher, und fiir gewisse Zwcigo (wie namentlich Jusliz, Industrie und Finanzcn) auch noeli jetzt, besebaftigten und bcschiiftigen sieh die gewohnlichen Behiirden mit der Bearbeitung der statistischen Daten. Das vom Februar 1830 bis zum Mfirz 1832 zu Kiel bestandene statistische Bureau fiir die Herzogthumer verollcnt-lichte ein Heft stalistischcr Mittheilungen. freraden Lande. Die Dichtigkeit der Hevolkerung, sowolil nacli der Volksziihlung vom Jahre 18S!) als auch nach jener von 18415, wurde graphisch nacli einer ncuen Methode mit Curven dargestellt, \velclie zufolge einer sehr iu's Detail gehenden Beniitzung der Vermessungen verzeichnet siriti. Den Beschliissen der friiheren Congress- Versammlungen kam Danemark mit aller Muhe nach, namentlich in Bezug auf Statistik der Criminal-Justiz und der Mortalitat. Doch erschien die Nachweisung der Todes-Ursachen, wie diese auf der Pariser Versammlung festgestellt wurden, nur fiir die Stiidte als erspriesslich und wurde daher, mit Ausnahme der Todes-Ursachen in Folge von Epidemien, welche auch auf dem Lande genau zu constatiren sind, hloss in jenen eingefUhrt. Beziiglich des Konigreichs Sclnveden ') war bereits auf der Pariser Versammlung des Congresses angezeigt worden, dass, um den Arbeiten der schvvedi-schen ofl'ieiellen Statistik die niithige einheitliche Leitung zu sicliern, cine besondere *) Medicinnlratli Dr. Berg, welcher die schvvedische Rcgierung aucli auf der Pariser Versammlung vertrat, gab derselben einen sehr umfangreichen und interessanten Bericht iibcr die Fortschritte der Statistik in Sch\vcden. Kein Staat Europa’s liat so friihe und vielverzweigte statislisehe Arbeiten ausfiihren lassen als Schweden. Bereits im Jahre 1628 ordnete Ktinig Gustav Ado 1 f 11. die Einfiihrung eines allgemeincn Catasters an, aus welchem die Beschatfenheit, die Beniitzung und der Ertrag des Bodens als Grundlage der Steuerbeinessung zu ersehen wiire. Aber das darnals errichtcte Corps der Landmesser konnte nach der Art seiner Zusanunensetzung den gehegtcn Erwartungen nicbt entspreclien, bosonders da weder die Gemoinden-Abgritnzung nocli die Verhiiltnisse des Frivat-Besitzes hinreicliend geordnet waren. Die Begelung dieser Verhiiltnisse, Theilung des gemein-schaftlichen Eigenthums, Vereinigung der zerstreut gelegenen Grundstiicke, Feststellung der Griinzen und Dienstbarkeiten u. s. w. war mit so vielen SchVierigkeiten verbunden, dass sie Disher nocli nicbt iiberall vollendet ist, wesshalb auch die Flurkarten erst theilvveise beendet 'verdcn konnten. Zu Anfang des 11). Jahrhunderts wurde die Triangulirung in Angriff genom-men, welche d ure h das daniit beauftragtc militiirisch organisirte Corps der Topographen im Wescntlichcn zu linde gefiihrt ist. Ausser den von diesem Corps auf Grundlage der Flurkarten und neuer Erhebungen bearbeiteten Karten des griissten Theils der Monarehie im Maass-stabe von l:!i().000 wclehc aber noch nicht veroflentlicht wurden, bestehen nocli drei andere Artcn eigenthiimlicher KartcHarheiten in Schweden, namlich die vom Kronprinzen bearbeiteten Karten (von welchen jene der HShenverhfillnisse, der Waldungen, des Berg- und Hiittenwesens veroffentlicht sind), die ihrem Absehlusse sieh niihernden Plane der Stiidte und ihrer niichsten Umgebungen, und die erst im Beginne stehenden Kirchspielkarten. Meteorologische Beobachtungen finden bereits seit einem Jahrhunderte Statt und werden von der Akademie der Wissenschaftcn zu Stockholm regelmfissig publicirt. Auch die Pfarr-Begister enthalten seit demselben Zeitraume viele meteorologische und phSnologische Beob-achtungen. Seit einigen Jahrcn besteht cin vollstiindiges Nctz meteorologischer Stationen. In Bezug auf BevSlkerungs-Statistik ordnete schon das geistliche Gesetz von 1686 die regelmiissige Verzeichnung des Bestands und der Bewegung der Bevolkerung in den Kirch-spiels- oder Pfarr-Begistern an, welche zum Tlioile seit dem Beginne des 16. Jahrhunderts bestehen und zuerst von dem 1737 errichteten Sanitiits-Collegium, dann aber im Jahre 1746 v°n der Akademie der Wissenschaften f ii r die erste vollstiindigo Bcvolkcrungs-Nachweisung beniitzt wurden. Hierdurcb angeregt, liessen die Bcichsstiindc cine Beihe von Fragen und Instructionen hehufs rcgelmiissiger Erhebung der Bevolkerungsverhiiltnisse fiir alle 2.500 Pfar-reien ausarbeiten, bewilligten die erforderlichen Geldinittel und legten so den Grund zu den seit 17411 regeliniissig verfassten Tabellen iibcr Bevolkcrungsbevvegung, vvclche sieh allmiihlich vervollkommneten, wiihrend der Bestand der Einwohnerzahl 1749—1751 jahrvveise, von da T)is 1772 jedes dritte, seither jedes fiinfte Jalir erhoben wurde. Seit 1805 sebritt man auch zur Ziihlung der Lappen. Als besondere Behorde fiir diese umfassende Statistik der Bevolkerung wurde im Jahre 1756 die konigl. Tabellen-Commission aus Vertretern der obersten Vervval-tungsbehiirden und Mitgliedcrn der Akademie zusammengesetzt, welcher seit 1762 die aus-7-ugsweise, seit 1810 die vollstiindige VerolTentlichung ihrer Arbeiten zusteht. Die Statistik der Criminal-und Civil-Rechtspflege wird seit 1830 im Justiz-Ministcrium v«n einem statistisehen Special-Burcau, die Statistik der Straf-Anstalten seit mehr als30Jahren Commission beauftragt sei, dom Konige einen Vorschlag zur Errichtung ciues stati-stiselien Centralamts vorzulegen. Diesc Commission einigte sicli nun dahin, dass die verscliiedenen Central-Verwaltungsbehorden auch fernerbin die in ihr Ressort ein-scblagenden statistischcn Details sammeln, priifen und bearbeiten sollen, das kiinf-tige eigentliche statistische Bureau sicli Anfangs nur mit denjenigen Zweigen der Statistik beschaflige, fiir welche keine administrative Bchorde als Vertreterin bestelit, und dass endlicli zur Erzielung von Gleichformigkeit der Arbeiten nnd Venvend-barkeit derselben fiir wissenschaftlicbe und allgemeine Verwaltungszwecke eine berathende statistische Cent ral-C o mmission geliildet werde, welcbe unter dem Vorsitze des Ministers des Innern aus Delegirten der verschiedenen Verwaltungs-behorden, aus wissensehaftlichen, industriellen und anderen Notabilitaten zusam-mengesetzt \verden sollc. Dieser Vorschlag wurde vom Konige genebmigt und der Aufvvand (mit 18.000 tl. jahrlicb) von der Standeversammlung bewilligt. Hinsichtlich der mebr als cin Jabrbundert umfassenden und auf die Kirchen-biicber gegriindeten Bevolkerungs-Statistik Schweden’s unterbreitete im Jabre 1867 die Tabellen-Commission dem Konige den Vorschlag, dass Abschriften des Inbalts der Kirehenbucber in Bezug auf Civilstand dem statistischcn Bureau mitgetheiU vverden sollten; beziiglich der Statistik der Todes-Ursachen, welebe schon vorn Begiune des schvvediscben Tabellenvverks ein Hauptgcgenstand- desselben war, wurde von der obersten Medicinalbeborde die Einfiihrung der diessfiilligen Congress- von der Contral-Vervvaltung dieser Institute bearbeitet. Die statistischcn Berichte der obersten Sanitiits-Bchorde wurden sebon 1750—1770 bekannt gcmacbt, seit 1851 wicder aufgenoinmen. Die Statistik der industriellen Tbiitigkeil datirt aus nocli friiherer Zeit. Die grosse Bedeutung des sehwcdiscbcn Berg- und lllittenvrescns veranlasstc sebon unter Gustav Adolf die Ver-bffentliehung einer Monographie uber dasselbe. Das zu jener Zeit errichtete Berg-Collegium bat seitdem diesen Zweig der Statistik bearbeitet, seine Jabrcsberichtc aber crst seit 1832 im Drueke veroffontlicht. Die Statistik der gewerblicben Industrie wird sebon seit 1772 von einer eigenen 01>erverwaltung (dem Coinmorz-Collegium) bearbeitet und seit 1830 jahrvveise ver-offentlicht. Die Statistik der Landvvirthschaft datirt zwar sebon aus den Jaliren 1733 und 1741; man begniigtc sieli aber durch lungcrc Zeit (1772 — 1802) mit summarischen Notizen iiber Erntc-Ertrag und Marktpreise und begann erst dann wieder, die Pfarrer zu detaillirten Nacli-vveisungen zu verpflicbten, welebe Vcrpflichtung 1820 auf die Gouverncure der Provinzen iiberging. Sebr wurde die Agrieullur — Statistik dureb die Errichtung einer konigl. Akademic fiir Landvvirthschaft (1811) und der provinziellcn Ackerbau - Gesellschaften gefiirdert; jene erstattet Jahresberiebte iiber alle landvvirthscbaftlicbcn Verhiiltnisse. Docb bat die Schwierig-kcit, vollkommcn vcrlassliche Datcu zu erlangcn, bisber von der Vcrfassung einer Agricultur-Statistik abgeschreckt, und nur die Preise der Feldfriichte ersebeinen in den Jabresbericliten der obersten Finanzbehorde aufgenoinmen. In Bezug auf Handcls-Statistik wurde vom Kanzler Oxonstierna die Bearbeitung von Tafoln iiber Kin- und Ausfubr, nacb Mcnge und AVerth, fiir 1037 —1042 angeordnet, welcbe auf Swedenborg’s Anregiing 1723 — 1772 Ibrtgesetzt, seit 181!) regelmassig veroffontlicht wurden, und, sowie die Tabellen iiber Schifffahrt und Kiistenverkehr, jetzt vom Commerz-Collegium bearbeitet werden. Dor Griinder einer regelmSssigcn Finanz-Statistik ist glciehfalls Kiinig Gustav Adolf, indem er die Bearbeitung einer solehen 1023 anordneto; docb crfolgte die regelmiissige Vcr-offentlicbung des Itudgets und der Rccbenscbaftsbcricbte der Finanzverwaltung erst seit Anfang dieses Jabrbundcrts. Die linanziellen Opcrationen der Banken, Hjpothekencassen, der Spar-und Versichcrungs-Anstalten wcrden besonders publicirt. Endlicb sind noeb die in der amllichen Zeitung veroffentlichten Bericbte der obersten Verwaltungsbehorden fiir Strassen, Posten, Gesliite, der General-Direction des Catasters, und schliesslich die vorziiglicben Verwaltungsbericbte der Gouverneurc der Provinzen, die alle fiinf Jabre erfolgen, zu ervviibnen. Bescbliisse dem Kiinigo vorgeschlagen. Einen Ueberblick iiber die hauptsSchlich-sten Bevolkerungs-Verbaltnisse Scbweden’s vom Jahre 1749 an bis auf die Gegen-wart gibt der letzte Bericht d er Tabellen-Commission iiber die Bevvegung d er lievol-kerung in den Jahren 1851—1855. L)ie bauptsacblicbsten Elemente der Sanitats-Statistik werden seit dem Jalire 1851 von der obersten Medicinalbehorde in ihren Berichten iiber das Sanitatswesen veroffentlicbt. Eine neue Umgestaltung (mit Be-achtung derWiinsche des statistischen Congresses) erhalten von 1856 an die Bericbte des Justiz-Ministeriums iiber Criminal- und Civil-Reebtspflege. Das Capital-Conto des Reicbsbauptbuchs gibt cine ausfiihrliche Darstellung der Staats-Finanzen, die publi-eirte „Vergleicbende Darstellung der Steuern des sclivvedisehen Volks in den Jahren 180!)— 1850“ stellt eine vollstiindige Nomenclatur der finanziellen Einricbtungen, so wie der verscliiedenen Quellen der Staatseinkunfte dar. Die Statistik der Gemeinde-Finanzen sielit der Bearbeitung entgegen. Ueber Industrie-Statistik werden von der obersten Beborde fur Bergwerke, Fabriken, Handel und SchilTfabrt ziemlich detaillirte Naclnveise erboben, welcbe jedocli nur im Auszuge der Oeffentlichkeit iibergeben vverden. Fiir die geologisebe Durehforschung des Lands, fur Erricbtung von 30 neuen meteorologischen Beobachtungs-Stationen, so wie fiir die kartograpbiscbe Darstellung des Reiehs (vvelebe von dem militar-topographiscben Corps und der Landes-Ver-messungs-Beborde besorgt \vird) steht die Bevvilligung nambafter Summen in Aus-sieht. Dem Mangel einer Statistik des Unterriebts in Schweden wird bald abgeholfen * vrerden, sowobl durcb das zu erriehtende statistiscbe Bureau, als auch durch ein eigens fur diese Zvvecke zu creirendes Bureau im Miuisterium fur Cultus und Unterricht. Im Kijnigreiche Norwegen ') umfasst die Thiitigkeit des statistischen Bureau’s alle Zweige der officiellen Statistik, mit Ausnahme der Rechtsptlege, des oftentlicben Unterrichts und gewisser Z\veige der Finanzverwaltung; namentlich bat das statistiscbe Bureau zu bearbeiten: die Tabellen iiber die Besultate der alle 10 Jabre stattlindenden allgemeinen Volksziiblung, die jahrlicben Uerichte uber die Trauungen, Geburten und Todesfalle, iiber llaudel und ScbitTfahrt, die Tabellen iiber Communal-angelegenbeiten (Armeinvesen, Gemeinderechnungen, Hafencassenrecbnungen ete.), die funfjahrigen Bericbte iiber den Zustand der Industrie, die Tabellen iiber die Marktpreise des Getreides und einiger anderer Artikel, iiber die Sparcassen und iiber die Anzahl der llaubthiere. Einer wesentlieben Verbesserung seben die Tafeln iiber Armeinvesen entgegen, fiir dessen Leitung eine eigene Direction eingericlitet 'verden soli. Besondere Aufmerksamkeit wird in Nonvegen der Statistik der Preise der Grundparzellen gesclienkt; viele olFentliclie Institute, die Pupillen-Administration, *) Professor Scliweigaard, Vertrcter der konigliclien Regierung auf der Pariscr Ver-sammlung, hatte bereits hemerkt, dass bis ziim Sclilusse des Jalirs 1841» das „allgemcine sta- • istische Tabellenwerk“ bei dem Kinanz-Ministeriuiti vcrlusst wurde, wiihrend mit 1. Januar 1840 ein „Comptoir fiir das allgemeine statistiscbe Tabellenwerk“ bei dem Ministerium des Innern in das Leben trat, dass in jedem Quinquennium die Bericbte der StiftsamtsinSnner iiber die iikonomi-schen Zusliinde ibrer Vervvaltungsgebiete zusammengestellt werden, in jedem Jsebnten Jabre Kr-uebungen der Bevolkerungs-Verbiiltnisse, des Viebstands und des Ertrags von Gotreide und Kar-tofleln slattlinden, jabrweise aber Herichte iiber den ausvviirtigen Handel und die Seescliifffabrt an das Liebt trcten. die milden Stiftungen, die Banken, legen niimlicli in Norwegen grosse Capitalien in Hypotbeken an: zur genauen und verliisslichen Ermittlung, fiir welcben Betrag die einzelnen Grundstiicke gute Hypotheken darbieten, sind demnach die Fuhrer der Wedvvahr- und Hypotheken-Protocolle beauftragt, jahrliche Listen ilber die im Laufe des Jahrea verkauften Grundparzellen mit Angabe des Catasterwertbs und des Kaufpreises jeder verkauften Parzelle einzusenden, welcbe selion manclie wissen-scbaftlieh interessante und practisch brauchbare Besultate gegeben liaben. Im Grossherzogthume Toscana bat die amtlicbe Statistik kein giinstiges Gescbick erfahren. Zuccagni - Orlandini, Vertreter der grossherzoglichen Begierung bei dem Congresse <), ist der Nestor toscaniscber so wie iiberhaupt italienischer Statistik; sebon 1828 wurde von ibm ein bistoriseher Atlas deš Grossberzogthums, der zugleich viele statistische Aufzeicbnungen entliielt, und spater eine historiseh-statistische Chorograpbie von ganz Italien berausgegeben. In der Folge wurde das statistische Bureau errichtet und sammt dem Bureau des Civilstands in eine Ministerial-Section venvandelt. Seit aber das Herzogthum Lucca an Toscana kam, hauften sicli die Arbeiten in der Abtbeilung des Civil-Stands derart, dass (gemiiss einer Ministerial-Note vom 24. Mai 18K2) fast alle Beamten der sta-tistischen Abtbeilung an jene abgetreten vverden mussten, was zur Folge batte, dass mit Ausnahme der jahrlicben Veroffentlicbungen liber Bevfilkerungs- Statistik alle anderen periodiseben statistischen Publicationen seitber unferblieben. Docb stebt zu boffen, dass diese Epoche der Hemmung nun bald voriibergeben werde. Die Scbweizs) besitzt kein statistisebes Central-Bureau. Die Begierungen mehrerer Cantone bescb&ftigen sicli aber in sebr urnfassender Weise mit Statistik; in bestimmten Perioden werden namlicb den gesetzgebenden Batben dureb die Administrativ- und Justiz-Behorden Berichte erstattet, welcbe ein getreues Bild der staatlichen Zustande liefern, Miingel beleucbten und zweckmassige Vorscblage J) Bei der Briisseler Versammlung war das Grossherzogthum unvertreten, boi der Parisen-Versammlung ersehien Corridi als Delegirter. Er beričhtetc, dass selion seit 1826 cine statistische Gesellschaft in Florenz bestand, aber nur geringe Erfolge erzielte, dass Grossherzog Leopold II. am 1. Mai 1848 das statistische Bureau, zunSchst fiir die Naclnveisungcn iiber Gewerbe und Handel, begriindete, dcmselben aber selion im December mit Erweiterung seiner Funetionen eine neue Organisation gab, am 13. Januar 1849 das Bureau als Section mit 4 Departcments (fiir Topographie, Beviilkerung, Industrie, VervvalTung) dem Ministerium der Finanzcn zuvvies, endlich am 6. Deecmber 1840 mit dem Bureau des Civilstands verband und dem Cultus-Ministerium cin-verleihte. Die fiinf Biinde der Publicationen dieses Bureau’s unterzog Professor Na rdi einer Analyse; dieselben berQcksichtigen mehr, als sonst \vohl geschieht, die historisehe Seite jedes Thema’s. Sebr eingehend wird dic Statistik der Bevolkcrung behandelt; fiir die Industrie-Stati-stik sammelt die Kegierung Daten durch dic Behorden, \vendct sieh aber aucli an dielndustriellcn selbst und strebt, die Ermittlungen auch auf die Kleingevvcrbe auszudehnen. 3) Zu Briissel war dic Sehwciz durch Meyer von Knonau vertreten, wiilirend zu Pariš Marc d’Espine als Sprecher des Bundesstaats auftrat. Mejer bob zu Briissel unter den Cantonalberichten jene von Basel-Stadt, von St. Gallen und besonders von Ziireh hervor, erwiihnte neben Franseini auch Gon zenbach’s Arbeiten iiber die Handelsverhiiltnisse der Schweiz, und besprach die nach seinem Entwurfe bearbeiteten, sehr in’s Einzelne gebenden histo-risch-geograpbisc.il-statistischen Gemiildo aller Cantone. Marc d’Espine fiigte in Pariš bei, dass der Plan, statistische Cantonal - Commissionen zu errichten und einer statistischen Central-Commission unterzuordnen, vielen Anklang lindc, und gedacbte riihrnend der sehr interessanten Arbeiten Franseini’s iiber die Volksziihlung, iiber die Bodcncultur und iiber die Bevolkerungs-bewcgung. bringen*). Diese Cantonalberichte enthalten die werthvollsten Angaben iiber Beviil-kerungs-Statistik, Statistik dcs Armenvvesens, der Straf- und Civil-Rechtspflege, Medicinal-, Unterrichts- und Finanz-Statistik. Unablitingig voh diesen Rcchenschafts-Berichten werden iihnlichc von verscbiedenen philanthropischen und industriellen Vereinen publicirt, welcbe dcr Statistik grossen Nutzen geschalft haben. Unter dcn einzelnen Miinnern, welche fiir dic Statistik Vieles leisteten, nimmt der kiirzlich verstorbene Gelehrte Stephan Franscini dcn ersten Platz cin, weleher mit der grossten Uneigenniitzigkeit und Einsicbt, so wie mit eisernem Fleisse scinc Stellnng als Bundcsrath und Leiter der inneren Angelegenlieiten derEidgenossenschafl zur Auf-hellung statistischer Verhaltnisse beniitzte und in seiner Personlichkeit selbst ein sta-tistisches Bureau darstellte. Ausser seincm grosscren Werke: „Nnova statistica della Svizzera“, wurden seine iibrigen Arbeiten unter dem Titel „Beitriige zur Statistik der Schweiz“ veroffentlicht und diirften hoffentlich von seinem Nachfolger Battista Pio da fortgefiihrt werden. Dic seit der Pariser Versammlung des Congresses ver-blTentiichten beiden Bande behandeln den Boden, seine Bebauungsarten und Haupt-erzeugnisse, und die Beviilkcrungsbevvcgung fiir die Jahre 1880—1882. In der Kar-tograpliie werden sowohl von der Eidgenossenschaft, als von den Cantonalregierungen bedeutende Anstrengungen gemacht und einc detaillirtere Karte, als die hypsometrische des Cantons Ziirch, welehe dem statistiscben Congresse in Wien vorgelegt wurde, diirfte es nicht geben. Immer melir Anfmerksamkeit wird dcr physischen Statistik geschenkt, wahrend fiir dic Industrie-Statistik weit melir gescbeben konnte. Im Konigreiche Baiern wird eine Central-Commission zur Leitung der statistiscben Arbeiten durch ein Zusammemvirken der Staatsministerien, eines jeden fiir die in seinen Geschaftskreis fallenden Gegenstiinde, ersetzt, so dass das statistische Bur cau , welches dem koniglicben Staatsministerium des Handcls und der olfcnt-lichen Arbeiten untersteht, zuniiclist nur diejenigen Arbeiten ausfuhrt, welche eben • n den Bessort dieses Ministeriums einscblagen, vviihrend statistische Gegenstiinde, 'velebe dem Bereiche anderer Ministerien angehoren, nur nach den von diesen Ministerien selbst angeordneten Erhebungen entweder von ihnen selbst oder von dem statistiscben Bureau bearbeitet und veroffentlicht werden 3). *) Nachtriiglich zu der im Vortrage gemacliten Iicmerkung, dass in dem Halbcanton Obwalden nio eine Druckerei existirt babe, bcrichtigte der Vertreter der Selnvciz, „dass in Ob-'valden xv81irend kurzer Zoit eine kleinc Pressc bestanden bat, die jedoch nur Gebotbiicblein lie-ferte, dass es ahcr, wio uns dcr griindliche Kcnncr der schvreizerischen Hncbdi uckcrgescliichtc P. 'V. meldct, noeli zur Stunde cinrn Canton gibt, in welehem weder je ein Buchstabe gesetzt nocb ein Bogcn gedruekt wurde, den Halbcanton Appenzell-Inncrrhoden". a) Das Bestehen eines statistiscben Bureau's in Baiern, nšimlich ciner cigens zur Verarbei-tung der Jahresberichte der Administrativ - Beborden organisirten Abtheilung im Ministc-rium des Innern, datirt von dem Jahre 1832, wšihrend statistische Provinzialberichte schon im Jahre 1804 eingefiihrt wurden. Seit 1839 steht das statistische Bureau unter v. Hermanns Leitung; eine regelmiissige Veroffentlichung der statistiscben Taheilen findct erst seit 18!iOSlatt. Staatsrath v. Hermann vertrat die konigliche Uegierung auch auf den Versammlungen dcs Congresses zu Briissel und Pariš. 3) Das statistische Bureau verkehrt mit den Beamten , von welclien statistische Auskunft verlangt wird, niclit direet, sondern durch Vcrmittlung des Ministeriums des Handels Auch hin— siehtlich dcr Wahl der Gegenstiinde fiir statistische Arbeiten und des Umfangs derselben muss scin Chef sich mit dem Rcfcrenten fiir jcncn Vorwa!lungsz\veig, um den es sich handelt, in das Einvernehmen setzen. statist. Mitlhcil. 1857. III. Ileft. a Diejenigen Arbeiten, welche von den Staatsministerien und einzelnen Central-stellen isolirt vorgenommen und puhlicirt werden, sind: 1. vom Kriegs-Ministerium die detaillirten Vorlagen an die Standeversammlung iibcr Stand und Bedarf der Armee; die vom topographischen Bureau in AngrifT genommene Karte Baiern’s in 100 Blattern (zum grossten Theile bereits vollendet); die aus dernselben Bureau erscbienene Terrain- und Ortschaften-Karte des Konigreichs in IS Blattern; 2. voin Staatsministerium des lnnern (\velclies bisher die meisten seiner Gegenstande durch das statistische Bureau bearbeiten liess): Zusammenstellungen iiber das Armenwesen, den Vermogensstand der Gemeinden und Stiftungen; 3. vom Staatsministerium der Justiz: die Zusammenstellungen iiber Criminal-Statistik fiir die Jahre 1849—185S, wahrend bis zum Jahre 1849 diese im statistischen Bureau bearbeitet wurden; 4. vom Staatsministerium der Finanzen: die ausfuhrliehen Vorlagen an die Kammern iiber die gesammte Finanzverwaltung; 5. von der General-Direction der Verkehrs-Anstalten: die Statistik der Verkehrs-Anstalten, der Posten, Eisenbahnen und der Dampfschifffabrt; 6. von der General - Bergwerks- und Saliuen - Direction : die alljabrlichen Uebersichten der Production des Berg-, lliitten- und Salinen-Betriebs, so wie die Veroffentlichung der geognostiseben Arbeiten; 7. von der Cataster-Com-mission: die Catastral-Karten des Konigreichs, welche bereits vollendet und in den 26.000 Messtisch-Blattern verkauflieh sind; 8. von dem Forst-Bureau im Staatsministerium der Finanzen: die sehr ausfuhrliche Karte der Forste des Staats im Maass-stabe von 1 : 100.000. Die Arbeiten des statistischen Bureau’s erstreeken sieh dagegen auf: die Zusammenstellungen der Besultate der Volkszahlungen (sovvohl der alle 3 Jahre in Gemiissheit der Zollvereins-Vorschriften statifindenden, als aucli der gegliederten, \velche alle 12 Jahre vorzunehmen ist), der Zahlungder Gebiiude, der Bevvegungder Bevolkerung, der Auswanderungen, der Zahlung der Blinden und Taubstummen; die Besultate der Sicherheitspolizei; den Stand der Straf- und Zwangsarbeitshiiuser; die Statistik der Erziehungs- und Unterrichts-Anstalten; die Zusammenstellung des Stands der Viehzucbt und das Ernte-Cataster, welches ausser dem Anbaue und Ertrage auch die Vertheilung der Grundstiicke nach der Zalil der Besitzer und der Zalil der Parzellen, so wie den Lohn der Landbau-Arbeiter im ganzen Konigreiche enthalt. Da dasKonigreich Wiirtemberg durch seinen diessjiihrigen Delegirten bereits auf den friiheren Versammlungen des Congresses vertreten war ‘), so beschrankte sicli derselbe auf die wichlige Nachricht, dass durch eine konigliche Entschliessung vom !) Den dort erstatteten Berichtcn moge Folgendcs entnommen \verden: In Wiirtcmberg ist bereits im Jahre 1820 cin statistisch-topographisclies Bureau erriehtet worden, das dieBcslini-mung erhielt, cine genaue und vollsliindigc Landcs-, Volks- und Ortskunde zu liefern und die in jedem Jalirc sicli crgcbcndcn Veriinderungcn sorgffiltig zu sammein. Dieses Bureau wurde in die engste Verbindung mit der Landcsvcrmessungs- und kartographischen Behorde und der Cataster-Commission gcbraeht und erhielt das Recht, alle nothigen Erhebungen selbst vorzunchinen. Zum Zwccke grosseren Zusammenwirkcns saehkundiger Miinner aus verschiedencn Thcilcn des Landes ward sodann diesem Bureau im Jahre 1822 der halbofficielle Verein fiir Vaterlandskundc ange-schlossen, welchcr die Geschichte, Statistik und Topographie des Vaterlands zum Gegenstande seiner Arbeiten machen und die Itesultate hierron dem Publicum mitzutheilen besorgt sein solite. 2. Juni 18JJ6 der Vcrciii fiir Vaterlandskunde mit dem statistiseh-topograpbiscben Bureau zu einem Ganzen verschmolzen und cine statistische C entral-Commission mit einein umfassenden Statute erricbtet worden sei. Nacli diesem Statute hat das stati-stisch-topographische Bureau Notizen iiber alle gesellscliaftlichen und staatlichen Er-scheinungen zu sammeln und methodisch zu ordnen, deren iibersichtliche Kenntniss fiir die Staatsregierung und die Wissenscliaft von Wichtigkeit sein kann, so wie dasselbe ferner berufen ist, fiir die Verbreitung derjenigen Kenntnisse, \velebe einer Gesammt-Darstellung des Landes und der offentlicben Verbaltnisse zur Grund-lage dierien mUssen, durch Publicationen zu sorgcn. J)en Mittelpunet fiir die vuter-landiscbe Statistik bildet das Bureau, welchem tbeils von den Ministerien, den boheren und Mittel-Beborden, tbeils von den Bezirksamtern alle statistischen Ma-terialien mitzutbeilen sind, so dass ihm deren Bearbeitung zum Gebraucbe fiir die Staatsbeborden, beziebungsvveise zur VerofTentlicbung obliegt. Als statistiscbe Centralstelle bestebt das Bureau unter der Leitung eines Vorstands aus einer etatsmiissig bestimmten Anzahl ordentlicber Mitglieder, welcbe dieses Amt ent-'veder ausschliesslich oder als Auftrag neben einem anderen Staatsdienste beklei-den. Aus den Ministerien der Justiz, des Innern, des Kircben- und Scbulwesens und der Finanzen werden zur Mihvirkung bestandige Delegirte, fiir die topogra-pbiseben Arbeiten der jeweilige Vorstand der topograpbiseben Abtbeilung des General-Quartiermeisterstabs, dem Bureau beigeordnet, welcbes ausserdem fiir ein-zelne Pftlle sonstige Beamte der einscblagigen Departements und andere Sacb-verstandige der Beratbung beizicben kann. In okonomiscber und disciplinarer Be-ziebung stebt das Bureau ausscbliesslicb unter dem Finanz-Ministerium: als Landes-stelle aber ist es den boberen Verwaltungsstellen coordinirt. Die Arbeiten des Bureau’s vverden vorzugsvveise in den „wiirtembergischen Jabrbiicbern fiir vater-liindisebe Gesebicbte, Geograpbie, Statistik und Topographie“ verolTentlicbt: unter den neuesten sind namentlicb die Statistik der Geisteskranken und die Uebersiebten der Geburts- und Sterbefalle fiir die Jahre 184G — 1856 (mit Detaillirung ibres Verlauls) hervorzubeben. Ueber die Vertbeilung des Gnmdbesitzes uud tiber die Grosse der Lis zur neuesten Gesetzgcbung fall-lebenbar gevvesenen Fliicbe finden eben Erhebungen Statt. Von der dem Bureau obliegenden, auf 64 Hefte berecbneten, bocbst sorgfallig ausgefiibrten „Besebreibung des Kiinigreicbs nacli Oberamtsbezir-ken“ sind bisher 37 Ilefte erschienen und befindet sicb das 38. lleft unter der Presse. I)ie Thiitigkcit des Bureau’s in Bezug auf Kartenarbeiten ist eine sehr bedeuteude‘J. Fiir Z\vecke der Statistik bat die Kartographie sebon seit dem Jahre 1849 in W(ir-temberg die ausgedebnteste Anwendung gefunden. Es sind bis jetzt vom statistiscb- Im Jahre 1840 \vurden vier Mitglieder des Vereins zur niiheren Theilnalune an den Arbeiten des BureaiTs als Ueisitzer berufen. Seit 1850 kam aber erst regeres Leben in die Arbeiten des Bureau’s, dessen Leitung der Staatsministcr v. Herdegen ubernahm. Namentlieh trugen dio veroffentliehten Arbeiten nicbt bloss durch Ausbreitung iiber neuo Gebiete, sondern aueh durch die Art ihrer Behandlung den gesteigerlen Anforderungen der VVissenschalt in sehr anerkennens-werther Weise Hecbnung. ') Wir verweisen liier nur auf den grossen „topographischen Atlas" im Maassstabc von 1 : iJO.OOO. topographischen Bureau etwa 800 Karten bearbeitet, \velcbe die Intensitat der man-nigfaltigsten Verhaltnisse darstellcn. Ilinsichtlicli dcs Grossberzogthums 15 a d en \vurden die auf beiden friiheren Ver-sammlungen gegebenen Nachrichten <) dabin erganzt, dass es hier zur Dienst-obliegenheit eines jeden Beamten gehort, die Statistik iiber die seinen Wirkungs-kreis beriihrenden Gegensliiiide zu bearbeiten, und dass somit der gesammte Staats-Organismus den woblgegliederten Organismus filr die Bearbeitung der Statistik bildet. Um die Gleichformigkeit in der Behandlung statistischer Arbeiten zu er-zielen, verstandigen sicli die Ministerien unter einander iiber die statistische Be-bandlung jener Gegenstande, welche verscbiedene Verwaltungszweige beriihren. Jedes Ministerium gibt bestimmte Instructionen und Formulare, wornaeli die Er-lieliung der Thatsachen durcli jene Organe der Staatsverwaltung vorgenommen vvird, welcbe davon nach ihrer Stellung aus eigener Wabrnchmung die genaueste Kenntniss haben, hierauf aber cine sorgfaltige Priifung durch die vorgesetzte Behorde erfolgt. Ausserdem ist jenen Beamten, welche Orts- oder Amts-Visitationen vorzunehmen haben, aufgetragen, die Bichtigkeit der statistisehen Erhebungen, so weit moglich, an Ort und Slelle zu prufen. Die Bearbeitung des statistisehen Materials fiir die VeroflPentlichung ist Sache der einschliigigen Centralstelle oder *) Im Grossherzogthum Badcn, wclches auf der Briisseler Versammlung (les Congresses durch den geh. Hofrath Professor Mittermaicr, auf der Pariser Versammlung durch den (jcdoch nicht personlich ainvesend ge\vcsenen) geli. Hofrath 1’rofessor Bau vertreten war, bestand liis in die neueste Zeit kein eigenes statistisches Bureau, sonderu hci den einzelncn Ministerien vvurde die Erhcbung und Bearbeitung der jede Behorde beriihrenden statistisehen Notizen zu dem gouohnliehen (jcschliftskreise gerechnet. Der im Jahre 1830 gemachte Versueh zur Krrichtung einer Centralstelle fiir administrative Statistik (indem zum Zweeke der Bear-beitung einer Landcs-Statistik eine besondere Commission gehildet wnrde) hatte keine practischen Bcsultatc. I)ic Erhebungen fiir statistische Zweckc fanden meistentheils nur Statt, wie sicli eheu das Bedurfniss fiir dic Administration zeigte, und wurdcn dann tbeil\reise aueh dem Druckc und derVcroffentlielmng iibergeben. Miltermaicr herichtetc z.u llriissel iiber 4ii Fragen, welehe vom Ministerium dcs liinern an allc Gemeinden gestelll wurden, um auf ihre unter Controle der Behiirden erfolgende Bcantwortiing cine inoralische Statistik des Landes zu griinden. llald nach der Briisselor Versammlung vvurde das statistische Bureau im Ministerium des Innern eingerichtet, als dessen Hilfsbehorden die Itegierungen in den vier Kreiscn des Grosshcrzogthums und dic 70 BezirksUmtcr (untersfiitz.t von den Gemcinde-Vorstiinden) erscheinen. Bau hob in einer Zu-schrift an den Congress den besonderen Eifcr und die tiefe Einsicht hervor, mit wclchem der Ministerial-Direetor der volks\virthschaftlichen Intercssen, Ministerialrath Diet z, dic ofticielle Statistik pflegt, und crwfihnte der Ziflernkritik durch den Chcf des Bechnungs-Departements hci dem Ministerium des Innern. Ausscrhalh dcs Kreises derStaatsbeamtcn babe man nur die Hilfc der Landwirthschafts-Gesellschaft zur Erlangung einer detaillirten Agricultur-Statistik nicht entbehren zu konnen geglaubt, jedoch vorbehaltcn, im weitcrcn Verfolgo durch Errichtung einer sta tis l ise h c 11 Commission die llilfe von Fachinlinnern fiir die wisscnschaftliclie Forderung anderer Zvveige der Statistik in Ansprueh zu nehmen, da vorliiufig die Arbeiten auf einen kleinen Kreis ziemlich cinfacherThemen beschriinkl wcrden mussten. Als solche erscheinen: l.volkswirthschaft-lichc Gegenstande (Lami- und Forstwirthschaft, Berghau und H(ittenwesen, Verkehrsmittel, Ver-sicherungs-Anstalten), ‘i. Cultus und oftentlichcr tlnterricht, I!. Polizei, 4. Gemciiule\vesen, und H. allgemcine Uebersichten, denen sicli die Nachweisungen iiber Bevolkerungsbewegung anschliessen. Neben dem statistisehen Bureau im Ministerium dcs Innern befassen sicli aueh die Bhrigen Ministerien mit der Statistik der Gegenstiiiidc ihres Bessorts. Die Arbeiten des statistisehen Burcau’s \verdcn in den „Bcitriigen zur Slatistik der innercn Venvaltung des Grosshcrzogthums Baden“ ver-olVentliclit, von welclicn bisher S Hcfte ersehicnen sind, und dic Gemeinden des Grossherzog-tliums, deren Bestandtheile und Bevolkcrung Ende 18S2, Einnahmen und Ausgaben, so wie Ver-mogcnsverhiiltnisse der Gemeinden im Jahre 1881, die Forst-Polizci und Gemeinde-Forst-Vcrwal-tung, die Volksziililuiig vom December 1888 und die Auswandcrungen 1840—1888 darstellen. (les Ministeriums und es ist hierfiir bei jedem Collegiuin cin besonderer Referent bestimmt. Unter der Leitung des Referente« fiir Statistik im Ministerium des Innern bestelit bei diesem ein statistisches Bureau, welclies alle auf dic Statistik des Grossherzogthums beziiglichen Materialien sammelt, sicb liber die sta-tistischen Arbeiten des Auslands Kenntniss verschalft, auf Verlangen iiber statistische Vcrliiiltnisse Auskunft gibt und mit jenen Mannern der Wissenscbaft, die sicli mit der Bearbeitung der Statistik des Grossherzogthums befassen, die Ver-bindung erhiilt. Im Grossherzogthume Sachsen-Weimar-Eisenach wurde der Statistik schon seit dahren voin Staatsministerium besondere Aufmerksamkeit zugewcndet. Regelmiissig wiederkehrende statistische Erhebungen und Zusammenstellnngen haben schon im Jahre 1816 begonnen und werden scitdein immer vollstandiger fortge-setzt. Zu den Arbeiten der amtlichen Statistik gehort vor Allcm die Zusammenstellung der zufolge der Zollvereinsvertriige jedes dritte Jahr slattfindenden allgemeinen Volkszahlung, der jahrlichen Verzeicbnisse iiber die Geburten und Todesfalle, die ehelichen und Unterrichts-Verhaltnisse, der Erhebungen iiber die Ein- und Auswanderung. Fur die Statistik des Grundeigenthums haben die vorhandenen, seit et\va 20 Jahren revidirten Grundbiicher und Cataster in Verbinduug mit den lly-pothekenbiichern eine sichere Grundlage geliefert, so dass es mOglich gewordeu ist, eine vollstiindige Zusammenstellung iiber das Areal und seine Parzellirung, so wie iiber die Culturarten fiir eine jede Gemeinde des Landcs nacli einem ein-heitlichen Maasse zu liefern. Die Regierung beabsichligt, diese Erhebungen mit dem Anfange des Jahrs 1858 auch auf die hypothekarische Belastung des Grundeigenthums und die in dieser Hinsicht stattfindende Bewegurig zu erstrecken. Die anderen regelmassigen Arbeiten der offieicllen Statistik Iteziehen sicli auf jahr-liche Zusammenstellungen der Resultate der Straf- und Civil-Rechtspflege, auf die alle 3 Jahre stattlindende Publication des General-Etats der Staats-Einnahmen und Ausgaben und auf die Zusammenstellung der Naclnveise iiber das Vermogen sammtlicher Gemeinden des Landes und iiber ilire Einnahmen und Ausgaben fiir die Zwecke der Gemeindever\valtung, der Kirche, des Unterrichts und der Arinen-versorgung. Die Hauptresultate der ofliciellen Statistik werden in dem jedes zweite oder dritte Jahr neu erscheinenden Staatshandbuche fiir das Grossherzogthum, kilrzere Notizen in der Weimar’schen Zeitung veroflentlicht. In keinem der drei sachsischen Herzogthumer *) ist ein statistisches Bureau eingerichtet, sondern es iiegt einzelneu Behorden ob, fiir gewisse in ihr Ressort einschlagende Verhaltnisse statistische Notizen regelmiissig zu sammeln *) Das Hcrzogthum Sachscn-Koburg-Gotha war schon auf der Pariser Vcrsammlung des Congrcsses vcrtrcten, aucli wurde auf dcrsolben bcreits iiher dic Entwicklung und den Stand der Statistik in diesem Staate vom Finanzrath Hopf Nachricht gegebcn. Unter der Leitung des Dr. Hanse n, Dircctors der Sternwarte zu Sceberg, bat die Catastrirung des Herzogthums Gotha begonnen. Auch die bciden grossen wechselseitigcn Versicherungs-Gesellschaften in Gotha, die Lebensversicherungs-Gesellschaft und dieBrandschaden-Assecuranz, veriitTentlichen ihreUerichte; jene der ersteren namentlich lictern sehr werthvolle Ueitriige zur biologischcn Statistik, dcren Boarbcitung Hopf in Hubner's Jahrbuch fiir Volkswirthschaft und Statistik und im Lon-doner Asuurunce magazine hinterlegt hat. und in tabellarisclie Form zu bringen. Die Statistik wird in allen diesen Landern sclion seit friiher Zeit gepflegt und die Erhebungen, vvelche mit Genauigkeit und Vollstiindigkeit geschehen, betreffen vorzugs\veise die Populations-Verhaltnisse und die 13ewegung der Bevolkerung, werden aber seit dem Eintritte in den Zollverein auch auf Landwirthschaft, Industrie und Handel ausgedelint. Veroflentlicht erscheinen diese Erhebungen unter Anderem in „Darstellung der bei der Vereinigung der Herzog-tlnimer Koburg und Gotha in Betracht kommenden national - okonomisehen und finanziellen Verbaltnisse", „Nachrichten iiber den Bezirk des Kreisamts Altenburg, 1843“, und in Professor Briickner’s „Landeskunde des Herzogtliums Meinin-gen 1851—1853“, einem wahren Musterbucbe filr die Topographie eines Lan-des. Die herzoglichen Begierungen sind eben beschaftigt, zur Erricbtung stati-stiscber Aemter die notbigen Einleitungen zu treffen, und werden sich die Bescbliisse des Congresses, besonders die auf minder complicirte Erhebungen gerichleten, in vollem Maasse zu Nutzen machen, so\veit es die Mittel kleiner Staaten nur immer erlauben. Beziiglich des Konigreichs Hannover envahnte Professor Wappaus nur, dass die von ibin 1855 bericlitete ‘) Unterbreehung der statistischen Publicatio-nen Hannover's durch die Ernennung eines neuen Directors des statistischen Bu-reau’s, des kun. Capitans a. I). Seweloh, beseitigt sei und dass in den seither er-sehienenen beiden Heften IV und V „zur Statistik des Konigreichs Hannover" die Besultate der Volksziihlungen von 1852 und 1855, jene der Viehzahlung von 1853, die Ergebnisse der Bevolkerungsbewegung von 1853 bis 1855, endlich eine Uebersiclit der Irrsinnigen, Taubstummen und Blinden nacli der Zahlung vom November 185G sich finden. Im Herzogthuine Braun sclnveig \vurde erst mit 1. October 1853 ein sta-tistisches Bureau bcim Staatsministerium eingerichtet, dessen bisherige Leistun-gen, unter Beriicksicbtigung der demselben zu Gebote stehenden Mittel, sehr be-friedigend genannt werden diirfen. Unter den zahlreichen und hochst gediegenen Arbeiten, vvelche von dem Bureau bisher geliefert vvurden, aber nur zum Tlieile gedruckt sind, mussen hervorgehoben werden: die Ergebnisse der Volksziihlung vom December 1855, deren Darstellung ausser den wichtigsten Verhaltnissen der Bewohner auch die Gebiiude-Naclnveisungen nebst zweckmassigen Vergleichungen Professor W a p pit us hatte die konigliche Hcgierunp; bercits auf der Versammlung zu 1‘aris vertreten und daselbst berichtet, dass zwar Hannover (die Universilat Uiittingen mit Aehcnvvall, Sehlotzer und Hceren) die VViegc der statistischen Wissensehaft sei, dass auch die Itegierung seit Langem Nuclnveisungen iiber die Bevolkerung und iiber verschiedene Zweige der Staatsver-waltung gesammelt habe, dass aber die ersten Anfiinge otVicie 11 er Publicationen auf deni Gebiete der Statistik in den Sommer 1848 fallen, zu weleher Zeit der Staatsminister Stiive ein statisti-sches Bureau errichteto, dessen erste Arbeiten sich auf den auswSrtigen Handel, die Bevolkerung und die Agrar-Statistik erstreekten, wclchen eine Darstellung der Gcmeinheits-Tbeilungen und Verkoppelungcn folgte. Die Arbeiten des statistischen Bureau’s werden vorzugsweise in den von demselben berausgegebenen Heften „zur Statistik des Konigreichs Hannover" vcroflentlicht, von welchen bis 18!i3 drei Hcfte erschienen: t. Hinfuhr, Durchfuhr und Ausfuhr im Steuervercine vom t. .luli 1844 bis i. Juli 1848; ‘i. Agrar-Statistik (Aufnahine aus den Jahren 18,'U, 1832, 1848, 1849 und 18S0); Gcmeinheits-Tbeilungen und Verkoppelungcn von 1832- 181)2. Zu sonstigen Mittheilungen der officiellen Statistik sind das llof- und Staats-Handbueh und die Hannover 'sebe Zeitung bestimmt. enthalt; die Ein- und Ausvvanderungen in den Jahren 1853—1855; die Nachwei-sungen liber die Fortschritte der Ablosungen, Allodificationen und Separationen; die statistischen Arbeiten liber die Domainen und Forste und iiber die ausgefiihr-ten Drainirungen; die Mittheilungen iiber das Kirchcn- und Scbulwesen, iiber die Strafprocess-Sacben in den Jahren vont 1. Juli 1851 bis 30. Juni 1856, iiber die Gefangnisse und Corrections-Anstalten, endlich die Naclnveisung der im Herzog-tliume vorbandenen Actien-Gesellschaften. — Von Arbeiten anderer Beborden, welelie dem Gebiete der Statistik angehiiren, sind besonders namhaft zu macben: die zablreichen und licbtvollen Darstellungen iiber die Finanzen, welcbe regeliniis-sig den Lundstiinden vorgelegt werden, die Jahresberiehte der Staatseisenbahn-und Post-Verwaltung, die Mittheilungen aus dem Geschaftsbereiche der Baudirec-tion (Strassen-Bau und Unterhalt). Bis jetzt nocli \veniger Ausbeute fur Statistik liefert das Staatshandbucli (Adressbuch) des llerzogthums. Im Grossherzogthuin Meklenburg-Schwerin ‘) bestand Lis zum Jahre 1851 keine amtliche Behiirde fur Statistik. Das einzige Organ zur Sammlung und Ver-oflentlichung statistischer Nachrichten war die Redaction des Staatskalenders, welche, lediglich privilegirtes Privat-Unternehmen, von der Begierung durch Gestattung der Einsichtnahme in die erforderlicben Staatsacten, durch An\veisung vieler Beborden zu jahrlicben Berichten iiber die Veranderungen in den verscliiedenen Vervvaltungs-zweigen und durch eine jahrliche bestimnite Bemuneration unterstiitzt \vurde. Das statistische Bureau besteht aus 8 Mitgliedern, \velche den verscliiedenen hoheren VerwaUungsz\veigen oder anderen Berufsstellungen angehiiren und die Leitung der statistischen Arbeiten nur als ein Nebenamt iibernoinmen haben. Die Arbeiten des Bureau's, welche bisher zur Veroflcntlichung gelangten, sind: die Berichtigung der Kenntniss der Grosse des Landes, die Ermittlung der klimatischen Verhaltnisse durch sehr umfassende nieteorologisehe und phiinologische Beobachtungen, der Naclnveis von Ehbe und Fluth in der Ostsee, Bevolkerungslisten auf Grund der gebrauchlicben jahrlicben Zahlungen, Ermittlung der Grosse der jahrlichen iiber-seeischen Auswanderuug, sehr detaillirte jahrliche Uebersichten des meklenburgiscben Handels von 1852 an, Grosse des Viehstands von 3 zu 3 Jahren, eine Zusammen-stellung der Forst- und Jagdfrevel. Diese Arbeiten sind durch Abdruck in dem zu Schvverin erscheinenden „Archiv fiir Landeskunde in Meklenburg" puhlicirt worden. Der Vortrag des Congress-Prasidenten, Freiherrn v. Czoernig, iiber die statistischen Leistungen Oesterreich’s fand so einstimmige Anerkennung, dass sofort iiber Legoyt's und Wolowski’s Antrag die vollstšindige Aufnahme desselben in die Wiener Zeitung beschlossen wurde. Er erscheint desshalb auch hier im gunzen Umfange 2). Sclion auf der Pariser Versaminlimg hatte iter Dclcgirte der grossbcrzogliohcn Rcgic-runpj, Dr. Otto Hiibner, die Errichtung des statistischen Bureau’s und seine Bestimmung crwiilmt, atle wissenswerthen Nachweisungon iiber Topographie, Vei tlieilung des Grundeigen-tliums, Industrie, Handel, Keelitspflege, Staatshauslialt u. s. f. zu samincln. s) Die sehr wichtigen iihnlichen Mittheilungen, welche Freiherr v. Czoernig als Vcrtreter der kaisertichen Hegierung bei den Vorsammlungen des Congresses zu Uriissei und Pariš machte, werdeu hier gleichfulls wortgetreu eingeschaltet. „Ich habe gleich dcn Delegirten der iibrigen Staaten Ihuen auseinanderzu-setzen, was seit dem letzten stalistischen Congresse in Oesterreich fiir die Der z 11 liriissel am 21. September 1853 gehaltene Vortrag lautet: „Ein statistisches Bureau vvurde in Oesterreich auf Befelil des Kaisers Franz F. im .lahrc 1828 errichlet, mit der Bestimmung, versehiedene Zvveige der hoheren Staatsvervvaltung zu unter-stiitzen. Dasselbe war dem General-Iteehnungs-Directorium beigegeben und beniitzte vorziiglich die Nacluveisungen, welebe von den Staatsbuchhaltungen geliefert wurden; zudem waren alle anderen Zweige der Staatsverwaltung verpfliehtet, dem statistischen Bureau die Vorlagen zu lie-fern, welche es von ihnen forderte". „Mittelst jener Nachweisungen und dieser Vorlagen bearbeitete man jahnvoise Tabellen, welche die Ergebnisse der Vervvallung in Ziflern darstellten, und vertheilte sic lithographirt an dic Ministerien; einc anderweitigc Beniitzung derselben gab es nicht“. „Es ist Baron v. Kiibeck, (1853 nocbj Priisident des Reichsraths, vvelcher als Priisident des General-Rechnungs-Directoriums sich zur Aufgabe setzte, die Grundlagen des statisti— schen Bureau's zu erweitern und mit der rein administrativen Scitc der Statistik aucli die vvissen-schaftlicbe zu verbinden, indem er 1840 die Dircction der administrativen Statistik in’s Leben rief. Unmittelbar darauf hatte ich die Ehrc, zur Leitung dieses Burcau’s und zur Verarbeitung der Materialien, welche zur Redaction der officiellen Statistik Oestcrreich’s dienen sollten, berufen zu werdcn. Ich delinte diijselbe zuniichst auf die Zweige der Staatswirlhschaft, namlich Ackcrhau, Bcrghau, Industrie und llandcl aus, bcziiglich dercn man das licdiirfniss einer allgemeinen Kennt-nissnahme am meisten fiiblte. Als dieser Theil der Statistik beendet war, wurde seine Verollent-lichung gestattet, und zwar in Verbindung mit den Darstellungcn der Bevolkerung, des oftent-lichen Untcrrichts und der Bechtsptlcge, wiibrend in friiheren Zeiten die statistischen Tafeln nicht verolVentlicht worden \varen“. „Etwas spiiter, seit dem Jahre 1845, gcnehinigtc man die vollstiindige Veroftentlichung der statistischen Ausarbeitungen, selbst der eigentlich administrativen Theile, wclche sich liber alle Zwcige der Staatsvenvaltung ausdehnten. Diese Tafeln geben einc so vollstiindige und sachgetrcue Darlcgung der Finanzverwaltung, dass Jedermann cine genaue Kenntniss der Organisation dieses Verwallungszweigs ebensowohl, als der ungeheuren Hilfs<[uellcn erlangen kann, vvelche die Liinder Ocstcrrcich's fiir die Entwick!ung des allgemeinen Wohlstands und liationellen Reich-tliums darbieten". „Um cin Bcispiel anzufiihren, so ergibt sich aus diesen Tafeln, dass man bei der Vcr-vvaltung des Tabak - Monopola im Jahre 1841 28 Millionen Cigarren erzeugte, vviihrend diese Zitfer bis 1853 auf mehr als 800 Millionen angewachscn ist und noeli wcitcr gestiegen wiire, \vcnn dic Fabriken in ihrer Production mit der raschen Steigcrung der Consumtion gleicben Scbritt haltcn konnten. Man verdankt dem (1853) Minister der Finanzen und des Ilandels, Freiherrn v. Baumgartner, diese Entvvicklung in jener Periode, in wclcher er Tabakfabriken-Director war. Man sieht ausserdem, dass die Ziller der Wcrthe, welche dic osterreichisehe Industrie erzeugte, im Jahre 1845 auf 2.500 Millionen Francs stieg, oder auf dicselhe Ziller, vvelebe der Statistikcr Schnitzler fiir die gleicbzeitige industrielle Production Frankrcich's angab“. „Sie schen, mcine llerrcn, dass die Genauigkeit statistischer Arbeitcn und dic ausge-dehnteste Veroftentlichung ihrer Ergebnisse von der Rcgicrungsform unabhiingig sind“. „Die Direction der administrativen Statistik vvurde im Jahre 1848 dem Ministerium des Ilandels und der offentlichen Arbeitcn zugevviescn, als ein solehes entstand, dessen Bereich die Vcrwaltungsz\veige umfasste, vvclche das Hauptobject der statistischen Forschungen hilden". „Nach diesen historisehen Erlautcrungen crlauben Sie mir, ineinc Herrcn, eine gedriingte Darstellung der Thiitigkcit der Dircction und der Mittel zu geben, deren sic sich bedient, um dcn Z\vcck ihrer GrOndung zu erreichcn. Ilire Aufgabe ist, stets in der engsten Verbin- dung mit der Staatsverwaltung zu bleiben, diese auf jedem Schritte zu begleiten und das Geleistetc zu vcrzeichncn, sci es fiir die Staatsvervvaltung selbst, sei cs fiir das Publicum; eben so bemiiht sic sich, der Industrie und dem llandcl auf allen ihren Bahnen zu folgen, um in jedem Augenhlicke im Stande zu scin, die Aufschliisse zu geben, vvelchc man von ihr ver-langcn komite. Alle Ministerien wirken zusammen, um dieses Streben zu unterstiitzen, und die unteren Bchorden sind verpfliehtet, die Datcn zu liefern, welche in ihren VVirkungskrcis einschlagcn. Da cs jedoch allgemein bekannt ist, dass die fiir dcn spcciellen Gebrauch der Statistik verlangten Nachvvcisungon nicht immer genau und vollstiindig sind, sucht man diese Mitwirkung der Bchordcn auf einc kleine Zalil von Zusammcnstellungen zu beschriinken. Man bedient sich dafiir mit Erfolg einer anderen Vorgangsvveise, um die nothigen Vorlagen zu erlangen". „Man vveiss, dass versehiedene Zvveige der Staatsvervvaltung sich fast ununterhrochen in der Lage betinden, fiir dic spcciellen Aufgaben ihres Wirkungskreises Datcn zu heniithigen, Statistik, namentlich fur die officielle, gescliehen ist. Die selir vorgeriickte Stunde und die geringe Zeit, die fur unsere vveiteren Berathungen noch eriibrigt, legen mir und dass diese nach ilircr sorgsamen Zusammentragung in den Ilegistraturcn rulicn, wenn man sie eininal in der beabsichtigten Weisc beniitzt liat. Die Dircction dcr administrativen Statistik entnimmt den Registraturcn diese gewohnlich wertlivollen Vorlagen und macht sie zum Gegenstand weiterer Bearbeitungen. Dus Krgebniss ist noeli werthvollcr fur die Statistik, wcnn die Behorden, bevor sie jene Daten abfordern, der Direction der Statistik die Anferti-gung der Formularien iiberlassen, nach denen die Nachvvcisungen zusammengestellt \verden sollen. Auf diese Weise verschalVt man sieli initunter ein siclieres Mittel der Controle, indem die Daten unter verscliiedene Gesichtspuncte eingereiht vverdcn, welebe in ihren letzten Ergeb-uissen unter einander zusammenstimmcn miissen. Die kritisehe Priifung der Naeluveisungen, ohne welche keine Statistik Vertrauen ver-dient, inuss mit nocli mebr Strenge dort angcwcndet werden, wo die Angaben von Privaten herriihren, wie diess bei der Industrie und dem Binnenhandel der Fali ist. Icli will nieht alle Arten von Controle ervvalinen, sondern bloss bcmerken, dass man fiir die Statistik der Industrie die befriedigendsten llesultate erlangt, vvenn man von den Privaten die Angabe der Masebinen und Betriebsmittel, so wie die Zah! dcr in iliren Werkstatten beschaftigten Arbeiter verlangt und die Masse der Rohstolle oder Halbfabricate, vvclchc von dcr Industrie verbraucbt werden, so wie die in den Grossbandel gelangenden (Juantitiiten bereebnet, dic im Allge-meinen durch die Credits-Anstalten bekannt sinil, welcbc mit den Fubricanten in Vcrbindung stchen. Mit Ililfe einer Kenntniss des tccbniscben Tbcils der verschiedcnen Fabricationen und des Wcrtlis dcr techniseben Einheif einer jeden gelangt man, selbst olinc unmittelbare und detaillirte Angabe derMenge und dcs\Verths dcr industriellcn Erzcugnissc zu einer, der VVabrheit sebr nahe kommenden Abschatzung derselben, und die Approximation ist ja dieWabrbcit in dcr Statistik". »Um meine Darlegung zu beenden, gebc icli zur Aufziihlung der periodischen und anderen Wcrke (iber, welche von der Dircction der administrativen Statistik in Ocsterreicli veroflentlielit worden sind“. „Daliin gehoren vor Allein dic „Tafcln zur Statistik der Monarehie", \velche man jahrvvcise veroflentlielit, deren Doppeljahrgang 1847 und 1848 in wenigcn \Vochen crscbcincn wird. Ein Exemplar des Doppeljahrgangs 184!> und 1840 wird lhncn vorgelegt werden. Die „statistisclien Mittheilungcn“ ersclieinen seit vier Jahren tlieils inonatvveise, tlieils vierteljtihrig. Sic cntbalten Bericlite dcr osterreicbischcn Consuln, rorziiglicli jcner im Orientc, iiber den Verkchr der betref-fenden LSnder, detaillirte statistische Arbeiteu, wclclie in dem grossen \Vcrke kcinen Platz linden, und zcitwcisc statistische Ucbersichts-Tafeln, um cinigennasscn dic Vcrzogerung gut zu machcn, 'velebc in Folge der Schvvierigkeit des Drueks dic VerolVentliebung des grossen Wcrks triflt". „Die „Ausweise iiber den aus\v;irtigen Hamlet, iiber Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr" wer-den jalirweisc veroflentlielit; das .lalir 18ii‘/i ist unter derPresse. Dic „Austria“, Zeitschrift fiirStaats-'virtlischaft, wurde auf Auordnung des llandels-Ministers von dcr Dircction dcr Statistik gegriindet und ich besorgte im ersten Jahre die Ucdaction. Endlich dic grosse „etbnographische Karte“, an "elcher ich scit drcizehn Jahren arbeite und von welchcr ich oinen Entwurf Ihnen vorzulegen die Ehre liaben werde, ist noch nicht veroflentlielit, der dazu gehorige Tcxt noch nicht hcendet“. Der zu Pariš am 10. September 18B5 gehaltcne Vorlrag des Freihcrrn v. Czoernig war folgender: „Seit dcr Briisseler Vcrsammlung liat die Dircction dcr administrativen Statistik ihre Arheiten meht mir nicht vermindcrl, sondern ich besorge fast, Ilire Zeit zu selir in Anspruch zu nehmen, 'venn icli aucli nur iibersichtlich aufziihle, womit sie sicli in dcr Z\v ischenzcit beschaftigt liat“. „Die Dircction zerfiillt in Ablhcilungen, dercn jeder cine besondere Aufgabe zugewiesen ist. Die erste stellt dic grossen Tafeln zur Statistik der Monarchic zusammen, eine Sammlung von NacInvcisungen, welehe alle Zweigc der oflentliehcn Vcrwaltung und die volkswirlhschaftlicbe Lagc des Landes umfasst und zu jalirvveiser Veroflentlichung bestimiut ist. Zwei Biinde dieser Paleln, dic Jahre 1847 und 1848 betreflend, waren zur Zeit der Briisseler Vcrsammlung eben unter der Presse und sind scither der Oeflentlichkeit iibergeben wordcn. Mit zeitvvciliger Uchcrgehung dcr Jahre 184!) und 18H0, bezuglich vvclchcr cs in Folge der politischen Wirren unmdglich war, geniigend verlassliehc Daten zu crlangcn, nalim die Dircction alsbald die Tabellcn zur Statistik tles Jahrs 1851 in Angritf. Diese mussten den Ausgangspunct einer neuen Heihenfolgc bildcu, theils in Folge der Umstaltung, welche die Vervvaltung Ocsterreieh’s erfahren, thcils jener Verbes-serungen, die man in der Zusammenstellung der Tafeln selbst anzubringen bcmiilitwar. So kamen fiir einen grossen Theil der Naeluveisungen ncuc und vici detaillirtere Tabellcn in Gebrauch, dercn torni eine genaue Einsicht in den wirklichen Stand der beziiglichcn Zweige des offeutlichen Dicn-stes eroffnet. Die Einrichtung dieser Tabcllen stimmt zugleich vollkommen mit den Schlusslas-sungen des Briisseler Congresses iibercin, selbst wo sie sclion vor dem Zusammentritte derselben entworfen waren“. die Pflicht auf, nur sehr fliichtig und kurz Dinge zu beriihren, die ich sonst einer ausfuhrlichen Darstellung unterzogen hatte“. *Ich ervvahnc namentlich die Tabelle iiber die Bcwegung der Beviilkorung, wclche fiir das Jahr 1851 das erste Mal, und zvvar niclit ohne Sclnvierigkeit, angcwcndet wurde. Beziiglicli der Trauungen verlangt diese Tabelle die Zalil der erslcn und dic der wiederholten Elien, und nimmt in sich alle Angaben auf, mit deren Hilfe es moglich wird, die mittlere Dauer der Elien zu bestim-men. Fiir alle wissenswiirdigen Verhultnisse beziiglicli der Sterbliclikeit, insbesondere jener der Kinder, bcstehen in derselben eigene Hubriken. Dio Geburten, Trauungen und Sterbefiillc sind fiir jedes Kronland, fiir jcden Kreis und Bezirk der Monarebie naeh Monaten abgetheilt". „Die Einrichtung der Tafel der Justiz-Statistik entspricht dem gogernviirtigen Straf- und Civil—Heclite; sie stellt die Vcrbrecben, Vergehen und Uebertretungcn abgesonderl dar. Diese Statistik gelit demnacbst einer bedeutenden Entwicklung entgegen, da Seine Majestfit der Kaiser den Befclil ergeben liessen, dieselbe der neuen Gericbtsverfassung anzupassen. Zu diesein Ende bat das Ministerium der Justiz in Uebereinstiminung mit dem stutistisclion Burenu neue Tabellen entworfen und hierbei vorziiglieb die Darstellung der Bezichungen zwischen der Justizptlcgc und dem sittliclicn und volkswirtliscliaftlichen Zustande der Kronliinder im Augc gehabt“. „Eine ganz neue Tabelle wurde der Statistik des iilTentlichen Unterrielits gewidmet, wel-cher in Oesterreich seit wenigcn Jahren so rasebo Fortschritte gemacbt bat“. „Es ist hier am Platze, nocli einer sclir bedeutenden Umiinderung zu erwfihncn, wclebc in Betrell' der Erbebungen fiir die administrative Statistik vorgenommen wurde. Bis jetzt waren die Vervvaltungsbelidrden der Kronliinder beauftragt, die Materialien fiir dieselbe zu sammcln, riehtig zu stellen und dem statistischen Bureau vorzulegen. Diese Art der Erliebung empfiehlt sich dureh ibre Einfaclilieit und diirfte in dem Falle geniigen, wo es sicb nur um Saminlung und ordnende Zusaimnenstellung bandelt. Allein ist es notliwendig, dic Primitiv-Ermittlungen einer griindlicben Priifung zu untervvcrfen, so wird es scbwer sein, unter den zahlreichen Verwaltungsbeamten der Kronliinder, dic iiberdie^s mit andenveitigen driingenden Geschiiften iiberhuuft sind, die zur gonauen Siclitung der Naclnveisungen nothwendige Gleieh-artigkeit der Grundsiitze und Ansiehtcn, insbesondere aber cine solclie Vorliebe fiir Arbeiten dieser Art zu linden, dass sie aucli in diu kleinston Details mit derselben Schiirfo und Con-sequcnz eingehen, wie sie dieselben den wichtigsten Thatsaclien widmen. Es schicn dalier vortbeilhafter, jene Art der Erbebungen zu wiiblen, welelie ich die der Monographien nennen moelite. Sie bestebt darin, dass an die Vorstfinde der versebiedenen Anstalten Formulare mit dem Ersuchcn gesendet wcrdcn, dieselben auszufiillen“. „Der erste derartige Versuch wurde mit Erfolg bci den Unterricbts-Anstalten gemacht, und in Kurzcm wird das statistisebe Bureau in der Lage sein, einc vollstiindige Statistik dieses Verwaltungszweigs zusaminenzustellen". „Die Ergebnisse des Berg- und Hiittcmvesens bildeten den Gcgensland des zwciten Vcr-suclis. Formulare wurden an 4.000 Etablissements dieser Art vertlieilt; naeli ibrer Riiekge-langung erbielt cin mit den erfordcrlicben Faebkenntnissen ausgcriistcter Beamter den Auf-trag, dio versebiedenen Etablissements einer Provinz zu besueben, um iliren Stand und ilire Production zu studiren. Die Ergebnisse dieser Bereisungen wurden in den „Mittheilungcn aus dem Gebicte der Statistik" veroffentliclit, und zwar zur vollen Befricdigung der Indu-striellen, wie denn bereits dio Besitzer mehrerer Berg- und Hiittenwerko in Kiirnten sieh bittlicli an das statistisebe Bureau wcndetcn, dasselbe luogc aucli zu ibnen einen Beamten zu gleicliem Zwecke cntsenden“. „Die zweitc Abtbeilung dos stalischcn Bureau’s hat die Aufgabc, die Materialien fiir die Tafeln iiber den aus\viirtigen Mandel Oesterreich’s zusaminenzustellen. Dio Naclivvcisungcn des-selben, wclclie die Jahre 1851 und 1852 umfassen, sind vollendet; der das Jahr 1852 ent-haltendo Band ist im Drucke". „Soit dem Aufgebcn des Prohibitiv-Systems und der Einfcihrung gemassigtor Sehutz-zolle haben die Ausweise ilber den auswartigen Handcl ()esterrcich’s cine viol grossere Wich-tigkcit fiir dic Industricllen und Handeltreibenden erlangt, als sie ehedem besassen. Diese Tafeln sind naeli dem Muster der bezuglichcn franziisischcn VcrolTentlichungen eingerielitet. Um ihnen cin practischcs Interesse zu geben, worden in jedem Jahrgange auch die betreflen-den Ziffern der Handclsbewcgung des vorhergegangenen Jahrs noelimals aufgofiihrt und ErKiu-terungen iiber die Ursachen der augenfalligstcn DilVerenzen bcigcfiigt. Mit diesen Nachwei-sungen vvird die Angabc der DurehschnittszifTern, welche nach den zehnjabrigen Perioden 1831 —1840 und 1841—1850 hercchnet sind, in Betrcff derjenigen Waarcn verbunden, deren Einfuhr oder Ausfuhr in cincm Jalire den VVerth einer Million Gulden crreicht. Seliliosslich fol-gen die besonderen Tabellen, welclio bestimmt sind, den Fortschritt des liandels in den vorziig-lichsten Artikeln iunerhalb der letzten 20 Jalire nachzuwcisen“. „VorAllem aber erlaubc icli mir, Umen im kurzen Auszuge mitzutheilen, was in Oesterreicli geschehen ist, umdie Beschliisse derPariserVersammlung durchzufuhren. „l)ie dritte Abtheilung der Direction, die topographische, besehiiftigt sich mit dcr Bearbei-tung einer dctaillirtcn Statistik der Land- umi VVasser-Strassen. Diese Statistik ist bercits ziemlicb vorgeschriltcn; ihre Enliverfung erfolgte nach den Andeulungcn, wclebe in dem Programme unsc-res Congresses enthalten sind, und ieh wcrde die Ehre haben , cinige Abtheilungen der zvveilen Section dieser Versammlung vorzulegen. Eine Boschreibung der Wasserstrassen, welche die Angabe der Liinge, Brcite, Tiefe, des auf die Liingeneinheit bezogenen mittleren Gefiillcs, so wie die Bezeichnung der Gcstalt und TragfShigkeit dcr SchitVe entbiilt, ist gleiebfalls nabezu beendigt. Bis jetzt bestand koine Karte der Donau, eines der vorziiglichsten Fliisse Europa’s; das statistiscbe Burcau ist ebcn daran, diese Liickc aiiszufiillen. Es wird niimlich eine Donau-Karte in 00 Blattern ausgefiihrt, wclehe durchaus im gleicben Maassstabe ausgefubrt ist. Diese Karte wird der SchifT-fahrt auf dem Strome, welchc bckanntlich an mebreren Stellcn sebr bescbwerlich ist, erspriessliche Dienste leisten und jiihrlich rectificirt werden. Ueberdiess sammclt und veroflentlicht diese Abtheilung der Direction hjdrometi iscbe Beobachtungen iiber den Wasscrstand der scbilfbaren Fliisse in der Monarchie und ilber die Eisformation auf der Donau. Gleiebzeitig besehiiftigt sie sich mit der Ausarbeitung einer Statistik der Bau-Denkmale, welche cine Beschrcibung dcr Bauiiberrcste romischen Ursprungs, der Kircben und der vcrschiedenen militiiriseben Bautcn des Mittelalters cnthalt. Die arcbiiologiscbe Karte Sicbenbiirgen’s, einer an gesehicbtlicb-denk-wiirdigen Bauten, welcbe in dicZeiten derBdincr und in das Mittelaltcr zuriickgchen, so reicben, in dieser Beziehung aber so wenig gekannten Provinz, ist vollcndet und vvird in Kurzcm in dem Jahrbuche der k. k. Central-Commission fiir Erforschung und Erhaltung der Bau-Denkmale, dercn Prasident zu sein ieh die Ehre hube, verdlfentlicht wcrden. Diese Commission besitzt bercits eine reicbe Sammlung von Planen und Aufnahmen arehuologisehcn lnballs und vermehrt dieselbe nocb von Tag zu Tag“. „Eine weitere Aufgabe dieser Abtheilung des statistiseben Burcau’s ist cs, orographische Karten allerKronliinder der Monarchie, so wie Relief-Karten auf Grund genauer Erhebungcn anzu-fertigen. Die Uelief-Karte von Tirol nebst einer Relief-Skizze von Nieder-Oesterreicli liegt im Balaste der VVelt-IndusIrie-Ausstellung auf. Ieh habe schon frtiher die Ehre gehabt, den Entwurf einer orograpbischen Karte von Nieder-Oesterreicli vorzulegen, vvelche, hauptsachlich zu ethno-graphischen Studien bestimmt, auf Grund von 4.500 vcrschiedenen Ildbcnmessungen angelegt ist und in Farbcntonen die Hdbenstufen der verschiedenen Theilc des Lands darstellt". „Eino vierte Abtheilung der Direction bat die Bestimmung, die periodisebe Schrift, welche unter dem Titel „Mittbeilungen aus dem Gebicte der Statistik" ersebeint, zu verolfentlichen. Diese Schrift cnthalt Monographien und andere ausgedehntere statistiscbe oder volksvvirthschaftliche Arbeiten, die unternommen \vurden, um besonderen Bediirfnissen zu geniigen". „Im Jahre 1854 \vurdc eine Monographie des Ackerbaus und der Monlan-Industrie dcr Buko-wina veroffentlicht, ein Vcrsueh, der aucb in Betreff der iibrigen Kronliinder fortgeselzt wcrdcn wird. Der bcruhmtc Geolog Cotta bat aucli diese Arbcit bereits fiir seinc Briefe iiber die Buko-wina beniitzt". „I)ie Darstellung der Bcvolkcrungs-Beivegung in den dcutschcn und slavischen Kronliindcrn, ivelche ein vveiteres Hcft der „Mittheilungcn“ bringt, ist bereits nach den neuen Forinularien verlasst; man lindet in dersclben zuin ersten Male cine Reihe von Folgerungen, wclehe sich aus dem Studium dieser wichtigen Nachiveisungcn ergeben". „Die Monographie iiber die Runkelriibenzucker-Erzcugung lehrt ulic Fabriken im Detail kennen, welche sich mit diesem Productions-Zwcige besehiiftigen und bereits nabezu die Hiilftc des fiir die Bevolkerung Oesterreicb’s notbigen Zuckers liefern". „Sectionsrath Debrauz, Mitglied des Congresses, wurde nach Sjianicn, nach Portugal urid Marocco entsandt, um die Absatzwegc zu erforschen, welcbc diese Liindcr der osterrei-ebischen Industrie bieten konnten, und veroflentlicbte in den enviihnten „Mitthcilungcn“ cine Auseinanderšetzung dcr volksvvirtbschaftlichen Zustiindc jener Liinder, vvelehe von den Indu-striellen und Handeltreibendcn mit Beifall aufgenommen wurdc“. „Iin Allgemeinen kanu man sagen, dass Vcrivaltung und Wissenscbaft die Thatsachen niebt von demselben Gcsicbtspunctc aulfassen. Die Vcrwaltung begniigt sich, die Thatsachen anzugeben, obne daraus Folgerungen zu ziebcn, die AVissenschaft bingegen fasst vor Allem die Folgerungen in's Auge. Aber ungliieklicherWeise begegnet sie, auf sich allein bcschriinkt, den griissten Sclnvierigkeiten, wenn es sich darum bandelt, die Materialien fiir ihre Arbeiten herbcizuschaffen. Der besondcrc Umstand, dass ieh als hoherer Beamter im Ministerium des Handels dem Departcment der Cominunicationen vorstehe, bat cs mir moglich gemacbt, zwei machtige ilebel des offentlichen Wohlstands, Strasscn und Eisenbahnen, von dem doppelten Gesiebtspuncte der Vorvvaltung und der IVissenschaft zu behandeln. In den „statistischen Mit-theilungen" tindet sich der Rechenschaftsbericht iiber den Stand der Land- und IVasscr-Strassen Icli wcrde dabei die Folgenreihe der einzelnen Beschlusse oline Riicksicht auf die griissere oder geringere Wichtigkeit des Gegenstands beobachten". fiir die Jalire 1850 bis 1853 urid iiber die Ergebnissc des Betricbs der Staats-Eiscnbahnon im Jalne 1853“. „Bcr crstere gibt Rechenschaft iiber die Vervvendung einer Summe von 80 Millionen Francs, welche die ltegierung fiir Arbeiten an den Laiul- uiul Wasser-Strassen des Reichs verausgabt bat; er enthiilt uberdiess bemerkenswerthe Nachweisungen iiber die ReguRrung der Theiss, — ein Werk, vvelches den Laul' des Flusses um mehr als 400 Kilometer abkiirzt und der bearbeitungsfiibigen Fliiche des von demsclben durclischnittenen Lands cinen Zuwachs von nahe 3 Millionen Morgen des vorziiglielisten Rodens gewinnt, einen Zuvvachs, welcber nahezu der bebauten Oberiliiehe des Konigreichs Sacbsen oder des Grosshcrzoglhums Raden gleichkommt. Ferner ist darin der Rericht iiber den Erfolg einer ausgedehnten und schvvic-rigcn Arbeit entlialten, der Eindammung der Ronau, vvelche wkhrend eines Jahrbunderts ver-gebens vcrsucht wurde, da der Strom immcr vvieder die gegen seinc Ucberscbweminungen erricbteten VVerke durehbracb. Ras neue, seit dem Jabre 1852 angevvcndete Sjstem bcsteht darin, den Strom zu zvvingen, sicli selbst cin tieferes, den Bediirfnissen der Sehifffahrt ent-spreeliendes Relt zu graben und die zahlrcichen Abweiclmngen seines Laufs zu vcrlassen". „l)er Bericbt iiber Rau und Retrieb der Staats-Eisenbabnen ist der vollstiindigstc in Reutsch-land erschienene; alle Tliatsacben sind in demsclben naeh den Andeutungen des Entvvurfs einer Statistik der Communicationsmittel angegcben, welcher cinen Theil des Programms dieser Vcrsamm-lung bildet. RieserBericbt, welclien ieli dem Congresse gleielizeitig mit demjenigen iiber die andercn Communicationsmittel vorlegc, bat eine grosse Publicitiit in Ueutschland crbalten". „Rie ncueste Veroffentlichung des statistiscbcn Bureau's ist einc Ethnographic des Reichs. Sie begreift in sicli eine ethnographisehc Karte der Monarcbie, vvelche im Farbendrucke aus-gefiibrt ist, und zvvei Biinde des dazu gehorigcu Textcs, von welckem nocb ein dritter sicli bcreits im Brucke belindet. Ras VVcrk wird drei oder vier vveitere Biinde umfassen; die Karte ist die Frucht einer vicljiihrigen Arbeit. Es ist niebt leicht, sich cine Vorstellung von den Schvvierigkeiten zu macben, welcbe eine genaue Erbebung der Nationalitiiten darbielet, die oft sebr gemisebt an 100.000 vcrsebiedencn topographiscben Punclen vorkommen, abgeschen von der Miibe, vvelche die genaue Erforschung des Zeitpuncts ibrer Niederlassung und aller darauf beziig-licheu Verbaltnisse koslete“. „ln Oesterreich, und vor AUem in Ungern, sind die Nationalitiiten bucbstiiblich in einandcr eingezwiingt. Ressbalb zeigt aueb die Karte mehr als ziveitausend insclartige Gruppcn oder ver-einzelte etbuograpbiscbe Punete inmitten griisserer Gebictc einer anderen Nationalitiit. lliiutig lebcn abcr aucb zwei oder mebrere vcrschiedeno Nationalitiiten in derselben Gegcnd, oft in der-sclben Ortschaft". „Gcwissenbafte Genauigkeit herrschte bci Anfertigung dieser Karte, — eine Gcnauigkcit, ivclche den strengsten Anlorderungen der Wissenschaft entspricht und sicb eben darum niebt mit Darstcllungen begniigen konnte, die vielleicht nur cinem politischen Zvvecke dienen, keincsvvcgs aber auf die Wirkliebkeil der Ringe Riicksicht nchmen wiirden. Nacbdcm die Tbatsachen einmui festgestellt und gesammclt waren, vvurden sie mit der grossten Priieision inittclst verschiedener Farben auf 300 Karten von sebr grossen Rimensionen iibertragen, die hiernacb auf 4 Bliitter redu-cirt vvurden und nun die etlmographischc Karte bilden. Auf dieser Karte sind alle in cthnograpbi-scher Beziebung iviebtigen, d. i. alle diejenigen Orte oline Unterschied ibrer sonstigen Bcdeutung angegcben, vvelche die Grfinzen zvviscben versebiedenen Nationalitiiten bezeichnen oder cthnogra-pbisebe Inseln bilden. Man ziiblt in Oesterreich 15 Nationalitiiten (mit Abrechnung der Israeliten, vvelche zcrstrcut unter den anderen Volkerstammen leben) und jene 15 Nationalitiiten bilden 120 etbnographisebe Griinzlinien“. „Rer Text vvird eine Art Eneyklopiidie derZustiinde Oesterreiclfs liefern; man vvird in dem-sclbcn alle auf dio Geschichto der Vervvaltung, der Cultur, der wissenscbaftlichen und Kunst-zustiiude, auf die topograpbisebe Beschrcibung und Statistik der Kronliinder, dann auf die cigcnt-lich sogenaunte Statistik der versebiedenen Nationalitiiten sicli beziehenden Tbatsachen tinden“. „leh hatte bereits die Ebrc, dem Congresse sovvohl den Text als aueb die Karte vorzu-vveisen“. „Uin die Aufinerksamkeit des Congresses niebt zu ermuden, iibergebe icb andere vom stati-stischen Bureau vorbereiteten Arbeiten, namcntlicb den aus04Bliittcrn hestchcmlcn Industric-Atlas von Oesterreich. Icb vverde mir das Vergniigen macben, jenen Mitgliedern des Congresses, denen die Verolfentliehungen dieser Art lntcresse bieten konnten, nacli der Sitzung einige Bliitter dieser Sammlung mitzulbeilen und zugleich einige Erkliirungcn iiber die Einrichtung der grossen etbno-grapbischen Karte zu geben, so vvie ctliche Exemplare einer Broebure zu vertheilen, vvelche dio Geschichto des statistischen Bureau's und der von dcmselben bereits beendigten oder eben in Angriff genommenen Arbeiten bespricbt". „In Pariš hat man eine Nomenclatur hinsichtlich der Todes-Ursachen fest-gesetzt; diese Nomenclatur wurde mit einer darauf beziiglichen Arbeit des Gesund-heits-Raths von Gcnf an das k. k. Ministerium des Innern geleitet, welches das Doctoren-Collegium unserer Universitat audorderte, sich dariiber auszusprechen. Die Aeusserung des Doctoren - Collegiums fiel zu Gunsten dieser Nomenclatur aus, indem dasselbe in seinem Gutachten sich darauf bezog, dass mit eini-gen Modificationen diese Nomenclatur allerdings ausfUbrbar sei, namentlicli in den Hauptstadten, wo sich eine grossere Kraft der medicinischen Wissensclraft ver-fiigbar vorfindet. Aehnlicb ausserte sich die Gesellschaft der Aerzte“. „Das Weitere hierilber wird die Section, welche diesen Punct des Programms zu bearbeiten hat, Ihnen bckannt geben“. „Ein zweiter Punct in den Beschliissen des Pariser Congresses betrifTt die Ungliicksfalle, \velche auf den Eisenbahncn sich ereignen, und es \vurde hierfiir ein Formular festgesetzt. Nacli diesem Formulare sind die auf osterreichischen Eisen-bahnen in dem Jahre 185(5 vorgefallcnen Ungliicksfalle bereits classificirt und es wird demniichst diese Arbeit dem Drucke iibergeben \vorden“. „Nach dem ausfuhrlichen und einlasslicheu Formulare fiir Strassen-Statistik, welches auf dem Congresse zu Pariš vereinbart wurde, ist bei uns gegemvartig ein Kronland bearbeitet worden. Es ist dieses das Kronland Kilrnten, dessen Strassenbeschreibung mit der Strassenkarte des Landes Ihnen bereits mitgetheilt 'vorden ist, \vesshalb ich nicht weiter darauf eingehe". „Eben so umstandlich war das Formulare des Pariser Congresses in Beziehung auf Eisenbahnen. Da aber bereits in Oesterreich seit dem Jahre 18153 in Bezug auf die Staats-Eisenbahnen ein sehr umfangreicber Jahresbericlit gemacht wird und zur VerbfTentlichung gelangt, so fiigte es sich, dass in diesem Jahresberichte bei-nahe alle Puncte, welche das Pariser Programm festsetzte, nebstdem aber auch noch einige andere, insbesondere die iliicksicht auf die štete Vergleichung nach einer Proportionalzahl, welche es moglich macht, dass dieser Bericht mit jenen aller anderen Eisenbahnen verglichen vverden kanu, befolgt wurden. Nach Veroflentli-chung dieser Arbeit wurde auch von vielen Seiten aus Deutschland und selbst aus Frankreich das Verlangen der Mittheilung dieser Berichte behufs der Vergleichung mit den dortigen Ergebnissen gestellt“. „Eine der Abtheilungen der statistischen Arbeiten bezieht sich auf die Acker-bau-Statistik, welche grosstentheils noch in der Kiudheit liegt. Nicht, als ob nicht eine bedeutende Anzahl ahnlicher Arbeiten bereits gemacht wordeu ware; allein die Genauigkeit, Vollstandigkeit und Grundhaltigkeit dieser Arbeiten ist so grossen Schwierigkeiten untervvorfen, dass es nur in den seltensten Fallen und nach jahre-langer Muhe gelingt, eine solehe gesteigerten Anforderungen entsprechendeArbeit zu Stande zu bringen. Man hat diess auch auf dem Pariser Congresse gefuhlt; desshalb bedurfte es keiner langen Verhandlungen, um festzustellen, \velche Nachvveisungen rnan von einer Ackerbau-Statistik verlangt. Wohl aber \var die Meinung dariiber mehrfach getheilt, in welcher Weise die Erhebungen zu machen sind, welche der Ackerbau-Statistik zu Grunde gelegt werden sollen, da die Systeme der Erhebung durch besondere Commissionen, Ehrencommissionen und bezahlte Ageiiten tler Staatsgewalt einander gegenUbertraten“. »In Oesterreich sind die Anfiinge einer umfassenderen Ackerbau-Statistik des ganzen Staats nicht weit vorgeschritten. Es bedarf dazu eines Materials, welches noch niclit in allen Provinzen gesammelt worden ist. Die Frage, wie diese Samm-lung einzuleiten wiire, ist obnebin mebr localer Natur und muss von jedem Staate besonders in Betrachtung gezogen werden. In Oesterreich zeigte sich, dass unter den obwaltenden Umstanden die Erhebungen von Seite der Landwirthschafts-Gesellsclraften, vvelche fast in allen Kronlandern bestehen, die am leichtesten aus-fiibrbare und die grosste Hoffnung eines gunstigen Resultats gewahrende Modalitat ist“. „Das Ministerium des Innern hat sich auch vielfach in dieser Richtung bescliaf-tigt, und es sind bereits in Folge seiner Anregungen von Seite mehrerer Landwirth-schafts-Gesellschaften desshalb Erhebungen imZuge. Ich fiilire namentlich die Erhebungen im Konigreiche Bohmen an, welche durch 2.000 Delegirte auf allen Puncten des Kronlands in Wirksamkeit sind. Aehnliche Arbeiten wurden bereits friiher in Steiermark gemacht, und auch in Mahren sind mehrere diessfiillige Elaborate zur Kenntniss gekommen“. „Ein Gegenstand, vvelcher die Aufmerksamkeit in Pariš im hohen Grade erregt bat, war durch die Ausvvcise liber den ausw&rtigen Handel dargeboten, welche in so vielfaclier Beziehung, namentlich bei den gegenvvartigen Fortschritten desVerkehrs, von Wichtigkeit sind. Um diesen Erhebungen eine internationale Grundlage zu geben, d. i. sie vergleichbar zu machen, hob der sehr erfahrene Divisions-Chef Fleury in einem umfassenden Berichte hervor, dass namentlich vier Puncte nothig seien, die er bei Vergleichung der europaischen Ilandels-Ausvveise nicht allenthalben befolgt fand“. „Der erste Punct betrilTt die Beschleunigung. Soli eine ahnliche Nachweisung von Wichtigkeit fiir das Land sein, so muss sie unmittelbar darauf, als die Periode geschlossen ist, zur Veroffentlichung gelangen“. „fn dieser Beziehung hat die osterreichische Regierung dem Antrage Folge gegeben und es ist eine Einrichtung getroflfen worden, \velche die grosste Beschleunigung, die wohl in einem so umfassenden Staate moglich ist, herbeigefiihrt hat; es ist niimlich sechs Wochen nach Abschluss des Jahrs die Uebersicht der Ein-und Ausfuhr nach Menge und VVerth bereits im Drucke vertheilt worden. Dieses hatte eine grosse Schwierigkeit in einem Staate, welcher nicht, wie England und Frankreich, die grossen Vortheile einer langen Wassergranze hat, \vo in wenigen grossen Douanen die Verkehrsfiiden zusammenlaufen, vvahrend in Oesterreich nahe an 600 Granzamter auf der langen Granzlinie von der Bukovvina bis nach der Lombardie bestehen". „AUe diese Aemter miissen einzeln monatlich ihre Ausvveise einsenden und diese Verkehrs-Ausweise setzt das statistische Bureau nach vorlaufiger Priifung und eventueller Richtigstellung in einen Gesammtausweis zusammen, welcher monatlich veroffentlicht wird und am Eude des Jahrs zu dem gewiinschten Resultate der Uebersicht fiihrt. Damit konnte allerdings nicht jene Genauigkeit und Umstiindlich-keit verbunden vverden, welcher sich die osterreichisclien Handels-Ausweise seit ihrer Griindnng durch Freiherrn von Kiibeck befleissen, so, dass nicbt nur Menge und Werth der Erzeugnisse angegeben werden , sondern auch die Griinzen, iiber Reiche die Ein- und Ausfuhr stattfindet, sammt den mannigfachen daraus zu ziehenden Resultaten angegeben erscbeinen. Es lag ferner daran, bei diesen Nachvveisungen die wiclitige Beziebung der Vergleichung mit friiheren Jabren nicht zu verlieren. Man bat dieses bewerkstelligt, indem man die fruhere Uebung beibehielt und die kiirzeren Ausweise iiber Menge und Wertb unmittelbar 6 Wochen naeb Ablauf des Jahrs veriiffentlicht, dagegen aber die grossen umfassenden Ausvveise nach einer gegebenen Zeit, gevvobnlich im Laufe eines Jahrs, publicirt. Auch darin ist die Beschleunigung wesentlich, denn es bat in friiheren Jahren wohl an 3 Jahre gedauert, bis solche Nachvveise der Oeffentlichkeit iibergeben wurden“. „Ein zweiter Punct \var die Klage iiber den verschiedenen Beginn der Periode. Wahrend die meisten Staaten den 1. Januar als Beginn des Sonnenjahrs auch zum Anfange ihrer Ausvveise nahmen, ist dieses in England anders, in Oesterreich anders und in Nordamerica, ebenso in einigen anderen europiiischen Staaten verschie-den. InOesterreicli wurden in friiherer Zeit die Handels-Ausweise, weil sie einen Theil der Ergebnisse der Verwaltung bilden, nach unserem Verwaltungs-Jahre, \velches mit dem i. November beginnt, zusammengestellt. Dieses ist nunmehr in Folge der Verhandlungen des Pariser Congresses geandert und voin Jahre 1854 an, dessen Ergebnisse aber erst im Jahre 1850 zusammengestellt werden konnten, werden die Ausvveise des osterreichisclien Handels vom 1. Januar bis letzten December zusam-mengefasst und in Druck gelegt, \velches notbig machte, um keine Lučke nach dem Jahre 1853 zu lassen, eine eigene Uebersicht der beiden letzten Monate November und December 1853 zu veroffentlichen". »Gin fernerer Wunsch, namlich der, in Beziebung auf alle Handels-Ausvveise, gleicbes Gevvicht in Anvvendung gebracht zu selien, ist durch die gegenvviirtige Zoll-Gesetzgebung in Oesterreich verwirklicht, da unsere Zoll-Gesetze die Verzollung nach dem vereinslandischenZoll-1'funde, welches einem halbenKilogramme gleich ist, vorschreiben. Es ist somit das metrische System bereits in Ausfiihrung gebracht“. „Endlich wurde der Wunsch ausgedriickt, dass man den detaillirten Nachvvei-sungen der einzelnen Artikel in der Ausfuhr und Einfuhr eine Uebersicht (ein Besume) voraussende, vvelcbe die Verkehrs-Verhaltnisse des einen Staats mit dem anderen Staate zusammenfasse; auch diesem Wunsche ist in unseren Ausweisen willfahrt vvorden, vvo Sie gegenvvSrtig dieses Besume finden“. „BeziigIich der Justiz-Statistik kann ich micb auf das Programm berufen und vvir werden Niiheres noch von der Section boren, vvelcbe sich mit dem neuen Pro-gramine beschiiftigt. lcli vvill nur gelegeiiheillicb bemerken, dass das Formulare fiir Civil-Justiz in ausserst umstandlicher und detaillirter Weise bereits vollendet ist, dass ein Formulare fiir Criminal-Statistik mit neuen Zusalzen und Verbesserungen ebenfalls vorliegt, und endlich, dass die von dem Pariser Congresse aus statisti-schen Bucksichten empfohlene Einfiihrung der Casiers judiciaires oder der Verzeichnisse der bestraften Verbrecher nach ihrer Ortsangehorigkeit in Beziehung auf die diidurch erleichterte Naclnveisung der Straf-Riickfalle, bercits in Oesterreich Eingang findet und schon Verhandlungen mit Frankreich und den deutschen Bundes-staaten in der Sclnvebe steben, um cfie gegenseitige Mittheilung solcbcr Verzeichnisse zu erlangen“. „Hinsichtlich der Statistik der Untersuchungs-Gefangnisse und der Strafhauser wurden die bestehenden Formulare nach den Angaben des Pariser Congresses ver-bessert, damit die Dauer des Untersuchungs-Arrestes und die Strafdauer nach gewissen Abstufungen ersicbtlich gemacht werde“. „Kbenso wurden hinsicbtlich der Sparcassen und Assecuranz - Anstalten aus Anlass einer Erhebung, welche das Handels-Ministerium iiber diese Anstalten im ganzen Reiche zu machen hatte, die beziiglicben Naclnveise dem Pariser Formulare angepasst". „Einer der Puncte, welche in Pariš zur Spracbe kamen, war die Statistik der grossen Stadte“. „Es befindet sich in Europa wobl kaum eine grossere Stadt, die nicht ihre sta-tistische Beschreibung aufzuvveisen hatte; allein vom Standpuncte der Wissenscbaft ist aus solchen Beschreibungen meist nur Weniges zu entnehmen. Und wo dieses bcsser eingerichtet ist, da ist es gevvohnlich das Fachstudium des Gelehrten, \velcher die Beschreibung gemacht und sie genauer und detaillirter ausgearbeitet bat. Es lag daran, eine Form zu finden, vvelche geeignet \vare, fiir die grossen Stadte in Europa als Muster zu dienenM. „Allerdings konnte eine solche Form nirgends besser gefunden werden als in Pariš. Einmal weil Pariš die vorziiglichste Statistik bereits hatte, jene des Grafen Chabrol, welche, wenn auch nicht vollstandig, in S Banden vom Jahre 1825 bis in die neuere Zeit erscbienen ist, und weil man bei der Einsammlung der Notizen fiir diese Statistik solche Erlahrungen machen konnte, vvie sie andenvarts noch nicht vorgekommen sind. Endlich ist auch eine Weltstadt wie Pariš, wo sich alle Ver-haltnisse vereinigen, wo alle Puncte vorkommen, dic vielleicht in anderen Staaten nicht in ihrer Gesammtheit zur VVahrnehmung gelangen , vorziiglich geeignet, um das Muster einer solchen Statistik zu liefern“. „Der hiesige Gemeinderatli, welcher zu erkennen geben wollte, welchen Werth er auf die Versammlung des Congresses in Wien legt, hat eine solche Statistik von Wien in das Leben gernfen. Der Herr Biirgermeister, in dessen Handen sich die Ausfiihrung des Bescblusses befand, hat auch hier das Pariser Modeli als das geeignetste zu Grunde gelegt, und es ist Ihnen bereits ein erstes lleft mitgetheilt worden, aus welcbemSie die Absicht derMunicipalitat entnehmen kiinnen. Allerdings wird diese Arbeit sehr umfangreicli werden und noch viele Studien erfordern, aber sie wird auch, wenn vollendet, ein so genaues Bild unserer Stadt darbieten, wie wir es uns zu verschalTen bisher noch nicht vermochten. Die gegenwiirtige Vorlage ist nur der Beginn des Werks aus Anlass unserer Versammlung“. „Ich komme nun zu dem letzten Puncte, mit welchem sich der Congress in Pariš beschiiftigt hat, namlich der Errichtung von statistischenCentral-Commissionen. Es war diess ein Punet, vveleher vielleiclit minder die Aufmcrksamkeit erregt hat, vveleher aber, jemelir man sich mit dcn Schvvierigkeiten der SchafTung einer Statistik und mit dem grossen Einflusse der Statistik auf die Verwaltung vertraut macht, desto mehr in den Vordergrund tritt; nnd bald wird man zu der allgemeinen Ueberzeu-gung gelangt sein, dass, vvcnn man nicht zu der Einrichtung von Central-Commissio-nen oder ihnen ahnlichen Instituten schreitet, die officiello Statistik iliren Fortschritt nicht einhalten konnen, sondern an einem Punet anlangen wird, wo sie stationiir bleibt. Und, meine Herren, stationar bleiben ist Riickschritt“. „Hinsichtlich Oesterreich's war diessfalls die Halfte der Einrichtung bereits in unserem statistischen Bureau, oder, vvie es seit 1840 heisst, der Direction der administrativen Statistik vorhanden. Diese ist bereits so eingerichtet, dass sie alle Zvveige der Vervvaltung umfasst, und wenn noch niebt alle Zweige gleiehmassig be-bandelt worden sind, so liegt diess in der Ungeniigendheit der Kršifte, welcbe wir bisher darauf zu venvenden vermocbten“. „Nicht so verhalt es sich aber mit dem zvveiten und weit vvichtigeren Tbeile des statistischen Wirkens. Wenn die Statistik jenen Einfluss auf die Verwaltung er-langen soli, den man von ihr ansprecben darf, und \venn die Statistik selbst sich wieder aus dem bevvegten Leben der Verwaltung, so vvie aus dem Leben des Volks, vvelehes durch die Vervvaltung iiberwacbt wird, kriiftigen soli, dann muss sie aucb mit der Vervvaltung in unmittelbaren Zusammenhang treten. Jeder andere Versuch, dieseri Zusammenhang dauernd festzuhalten und fruchtbar zu machen, als der auf dem Wcge der Central-Commissionen, hat sich als nicht ausreichend ervviesen. Daber ist auch in Oesterreich die Einrichtung einer statistischen Central-Commis-sion angebahnt vvorden; die Verhandlungen hahen jedoch noch nicht zum Ab-schlusse gefiihrt und ich muss mich daher darauf beschranken, mitzutheilen, dass auch bei uns in dieser Richtung vorgegangen wird“. „Wenn ich hiermit dasjenige vorgetragen babe, vvas in Oesterreich mit Riick-sicht auf die Beschliisse des statistischen Congresses in Pariš geschehen ist und vvas so ziemlich alle Puncte umfasst, vvelche dort zur Sprache gekommen sind, so erlau-ben Sie mir noch vveiter zu ervvahnen, vvas die osterreichische Staatsvervvaltung gethan hat, um ihre hohe Achtung vor der Bedeutung unserer Versammlung an den Tag zu legen“. „Es sind, meine Herren, von drei Ministerien Arbeiten untcrnommen und zu Ende gefuhrt vvorden, vvelche oline den Anlass der Versammlung des statistischen Congresses in Wien vielleiclit gar nicht, oder spater, oder in geringerem Umfange ausgefiihrt vvorden sein wiirden“. „Ich heginne mit dem boben Ministerium des Innern. Es gibt vielleiclit keine Operation, vvelche in national-okonomischer Beziehung grossere Resultate nach sich gezogen hatte, als die Grundentlastung in Oesterreich, die Befreiung des Bodens in einem so grossen Theile von Mittel-Europa, vvo nun ganz neue Verkehrs-, ganz neue Bebauungs-Verhiiltnisse eintreten. So vvichtig es nun ist, diese Verhaltnisse zu kennen, so schvvierig, ja nur dem beziiglichen Ministerium mbglich ist es, das Detail, vvelehes diese Verhaltnisse begleitet, aufzufassen". Statist. Mitthcil. 1857. III. Heft. 6 „Wir miissen es daher (lem hohen Ministerium des Innern sehr Dank wissen, dass es sich veranlasst gefunden bat, diesen Gegenstand in einer besonderen Arbeit niederzulegen, von welcher Ihnen der erste Theil bereits mitgetheilt worden ist und der zvveite demnachst erscheinen wird“. „Ein zvveites sehr umfangreiches Werk iiber die Vereins-Statistik, oder Statistik derVereine in Oesterreich, ist durch eines unserer verebrten Mitglieder, Herrn Professor v. Stubenrauch, im Auftrage Sr. Exeellenz des Herrn Ministers des Innern verfasst worden und liegt ebenfalls zur Einsiclit vor. Sie werden dar-aus entnehmen, dass Tbatsaehen, vvelcbe bisber der statistiscben Beobachtung ganz und gar entgingen, vveil sie in so viele kleine Fractionen vertbeilt sind, zum ersten Male der Beobacbtung und wissenscbaftlichen Benutzung dargeboten wurden“. „Ueber das dritte VVerk, die Literatur-Statistik von Oesterreich, brauche icb nicht weiter zu sprechen, weil sie der Gegenstand eines Antrags ist, welcher beute noch zur Ihrer Kenntniss kommen \vird“. „lcb komme nun auf eine Arbeit des hohen Finanz-Ministeriurns. Se. Excellenz derHerr Finanz-Minister hat aus diesem Anlasse aus den reichen Archiven des Finanz-Ministeriums und der damit verbundenen Anstalten eine Summe von Documenten zusamrnenstellen und zu Ihrer Benutzung iibergeben lassen, vvelcbe, icli scheue mich nicht es auszusprechen, \vohl die vollstandigste, mindestens in vieler Beziehung die allererste Nacbweisung dieser Art ist, die je publicirt wurde. Mir ist nicht bekannt, dass iiber die Beziehungen der Finanzen und der national-okonomischen Verbaltnisse irgend eines Staats jenials so ausfubrliche Details in den Druck gebracht worden sind, wie sie sich in diesem Bande befinden". „Die bobe Wichtigkeit dieser Publication wird Ihnen erst dann klar werden, wenn das Buch gedruckt und, wie ich glaube versprechen zu diirfen, in die Hande aller Mitglieder der Versammlung gebracht vverden wird“. „Ich babe noch cin drittes Ministerium zu envahnen, \velcbes ebenfalls seine Achtung fiir den Congress in vielfacher Beziehung kundgegeben bat, das Ministerium der Justiz, vvelches aus Anlass der Versammlung die Criminal-Statistik fiir das Jahr 1856 zusamrnenstellen liess. Die Arbeit ist vollendet und befmdet sich im Drucke; vielleicht wird der Druck noch vollendet, bevor sie auseinandergehen, jedenfalls wird die Arbeit zu Ihrer Kenntniss gelangen“. „Nun erlauben Sie mir noch, an diese Erzahlung von Thatsacben den Ausdruck der Beriicksichtigung von Seile der Ministerien zu kniiplen, welcher in Ileschliis-sen, die kiinftig ausgefOhrt werden sollen, besteht". „Se. Excellenz der Herr Minister des Innern hat seinen Willen dahin kundgegeben, dass, wenn iiber den Punct der Erbebung der Todes-Ursachen Ihre Section Bericht erstattet und die Versammlung sich ausgesprochen haben wird, demnachst in Oesterreich eine Vervvaltungsmaassregel, ein Gesetz erscheinen soli, welches das, was liier beschlossen wird, zur Grundlage, beziiglich zur Beaehtung nehmen wird“. „Meine Herren, ich glaube, es ist das erste Mal, dass in einem Staate, nament-lich in einem grossen und miichtigen Staate, der unmittelbare Ausdruck Ihrer Arheiten zu einem administrativen Z\vecke in Anvvendung kommt". »Nicht minder muss ich liior den bekannt gegebenen Willen Sr. Excellenz des Herrn Justiz-Ministers erwahnen, dass, vvenn das hier vorgelegte Forniulare tur Criminal - Statistik Ihre Billigung erlialten haben vvird , man bei der \veiteren Begriindung und Vorlage an Sr. Majestat des Formulars, \velches den Erhebungen tibcr Straf-Rechtspflege in Oesterreich zu Grande gelegt werden soli, dasjenige vvahrnelime, was hier von Ilinen besclilossen werden wird“. „Ich \viirde nun zu den Leistungen der Direction der administrativen Statistik wahrend der letzten zwei Jahre iiberzugehen haben. Ich fasse mich auf das Kiir-zeste, um Ilire Zeit nicht langer in Anspruch zu nehrnen". „Meine Herren, fiir die Statistik ist die Zeit elastisch, lang und kurz. Wenn es sich um die Zusammenfassung und Bearbeitung von Materialien handelt, die bereits gesammelt worden sind, ist die Zeit lang, und in zwei Jahren vermag man eine reiche Arbeit zu liefern; wenn man aher die Materialien erst sammeln, priifen und ausseheiden muss, dann ist der Zeitraum von zwei Jahren sehr kurz“. „Ieh bemerke dieses, \veil ich Ilinen iiber die Vollendung, mindestens die vor-laufige Vollendung eines Werks zu berichten babe, vvelches 16 Jahre in Anspruch genommen hat, um zu dem gegenvvSrtigen Zustande seiner Ausfuhrung zu gelangen; es ist dioses die ethnographische Karte der Monarchie und der Commentar hierzu, cin Werk in drei Banden, \velclie Ilinen vorliegen. Die Karte ist vollendet, und z\var in zvvei Ausgaben und zur unmittelbaren Beniltzung reif. Der Commentar begreift bisher nur die ostlichen Liinder und das Erzherzogthum Oesterreich. Die deutschen Ijiiiider sind wohl aucli so \veit vorbereitet, dass deren Bearbeitung nicht weitere Sclnvierigkeiten erleiden \vird; allein es sind noch dic siidlichen und die slavischen nordlichen Kronlander, \velche der Bearbeitung entgegensehen, und woriiber noch ein \veiterer Beschluss nicht gefasst ist“. „Bei dieser Veranlassung ist eine Arbeit zusammengestellt worden, welche ich Umen empfehle, in der Voraussctzung, dass Sie alle an dem Fortschreiten des grossen Staats, in dessen Mitte Sie sich befinden, Antheil nehmen. Diese Arbeit, \velcher ich den Titel: „Neugestaltung von Oesterreich" gegeben babe, bildet einen integri-renden Theil der Ethnographie, wird aber demnachst selbststandig erscheinen, und liat zumZvvecke, alle grossen lieformen, vvelche machtig be\vegend in dem Volkslehen und der Staats-Organisation unseres Reichs vom Jahre 1848 bis in die Gegen\vart stattgeliabt haben, in gedrangter Uebersicht vorzufuhren, und da, wo es galt, auch die Besultate dieser Veranderungen darzulegen und mit statistischem Materiale zu begleiten“. „Ausser diesem kann ich nur noch die Fortsetzung des grossen Tabellenwerks nennen, wovon K Hefte vorliegen und worin die Bevolkerungsbewegung, die Beclits-pflege, die Montan-Industrie und die Lehr-Anstalten einer ganz neuen Bearbeitung unterzogen sind“. MIch muss daran eine Uemerkung knupfen, welehe ich fruher zu machen unter-lassen babe. Es ist in Pariš und Briissel die Rede davon gewesen, wie schwer es ist, die Frachtfahrt der Schifle, d. i. die Fahrt der SchifFe einer Flagge von einem frem-den Lande zum anderen zu ermitteln und statistisch nachzmveisen. Wir haben gestern 0° von den Herren v. Baumhauer und David gehort, dass in Holland und Danemark solclie Nachweišungen gemacht \verden. Ich habe bereits in Briissel, damals als es sich nocli um die Frage handelte, ob dieses iiberhaupt als Gegenstand der internati-onalen Statistik aufgenommen werden solle, die Ehre gehabt, zu bernerken, dass solche Nacbweisungen mit grosser Genauigkeit, seit dem Jahre 1841 in Oesterreich geliefert und in dem Tabellenwerke der officiellen Statistik aucli gedruckt worden“. „Ich hiitte nocli von den iibrigen Arbeiten der Direction der administrativen Statistik, die Ilinen vorgelegt vvorden sind, von der Donaukarte, von den verschiede-nen Heften der „Mittbeilungen“, worin namentlieb die Darstellung der Eisen-Industrie von Kiirnten und Krain als die vollstandigste Monograpbie, die je iiber diesen Gegenstand ausgearbeitet worden, zu ervvabnen ist, von dem Beginne der Industrie-Statistik von Oesterreich in z\veiter Auflage sammt den beigegehen Industrie-Karten, so wie von anderen statistischen Arbeiten, die im Saale vorgelegt worden und Ilinen zur Ansicht dargeboten sind, zu sprechen, ich lralte jedoch dafiir, mich dessbalb keiner weiteren Auseinandersetzung befleissen zu d (ir fen, da Ihnen diese Arbeiten vorliegen und ich bereits allzulange ihre Zeit in Anspruch genommen hahe“. Ueber die auf der diessmaligen Versammlung des Congresses nicht vertretenen italienischen Staaten1) gab Prolessor Dr. Nardi aus Padna folgendeNotizen, deren Beifugung zum Protocolle besehlossen vvurde. Alle italienischen Staaten haben eine oIHcielle Statistik unternommen, vvelche von Toscana, Sardinien und Modena am weitesten gefiihrt wurde. Fiir Mo de na 3) bat Dr. Boncaglia die »Statistica generale degli Stati Estesi“, tur S ardinien 8) Bartol o meis die „Notizie statistiche sugli Stati Sardi“ herausgegeben, beide sebr ausfiihrliehe und genaue Beschreibungen, besonders iiber Geographie, Topo-graphie, Bevolkerung und Productiou. Thatig arbeiteten im Konigreiche Sardinien Despine iiber das Cataster, Bertini iiber die Hydrographie, Scarascbi uber die Bodencultur. Audi Unterricht, Cultus und Justizweseu haben hier ihre Statistik gefunden und ganz hesonders \vichtig ist die von der kiju. medicinischen Commission bearbeitete Darstellung der Sanitatszustande der festliindischen Besitzungen des ') Zu Briissel \var von den hier in Hede stehenden Staaten nur Sardinien (durch Dr. Bertini), zu Pariš waren Sardinien (gleichlalls durcli Dr. Bertini), beide Sicilien (durehLey-marie) und Parma (dureh Cliaillot) verlreten. Doch erslattete Professor Nar
  • ) hat an den Werken von Affo, Lovati, B o s e 11 i und Molossi (dizionario topografico) gutc Bearbeitungen gefunden. Im Konigreiche b eide r S ici 1 i e n 2) und im Ki rchcns ta a t e °) sind seit 18151 Central-Commissionen der Statistik errichtet, vou \velchen statistische Provinzial- und Districts-Commissionen abhangen. Uit; Central-Commissionen haben 'vichtige Arbeiten, besonders iiber die Beviilkening und den Handel, herausgegeben. Ein reiches Materiale liefern die Privat-Arbeiten von Quadromani, Giustiniani, Gal a n ti, Maržo II a und Borsolli fiir Neapel und von Fea, C a lin dri, Mori-chini, Gabriele Itossi, Nigrisoli undGalli fiir den Kircbenstaat. Selu- tbiitig 'st die sicilianiscbe Statistik in Palermo, die von Baron d'Antelbo Ca n ci o p po geleitet wird. Die 23 Biinde seines „Giornale tli Stntistica“ enthalten sebr wich-tige und grimdliche Aufsatze, besonders iiber die Bodencultur, Bevolkerung, Handel und Industrie. Aucli Professor Jakshizh Ubergab seinen Bericbt iiber die serbische Statistik zur Aufnahme in das Protocoll. In Serbien werden statistische Aufzeichnungen erst seit 1830, wo das Land cine eigene Begierung erliielt, und zwar nur, so wie sie den verscbiedenen Vervval-tungszweigen zustehen, unternommen. Im Jahre 1834 \vurde behufs einer besseren Steuervertheilung eine Art Cataster vollendet, fiir welches in Ermanglung von lngenieuren und Fonds die Erbebungen durch Bauern, jedoch unter Aufsicht von Fiscal-Agenten, Statt fanden. Audi grifl’ in jenein Jahre die erste Volkszahlung, detaillirter als die secbs bisher nachgefolgten , Platz. Ueber die Bewegung der Bevolkerung werden seit 1837 sehr genaue Aufzeichnungen bei den Pfarreien gepllogen. Eine Statistik desAckerbaus datirt von den Jahren 1831 —1834, in welcher Zeit, so wie etwas vollstiindiger im Jahre 1846, aucli Erbebungen iiber den Vieh-stand angestellt wurden. Seit 1843 werden die Durchschnittspreise der vvichtigsten In Parma wnrde (nach Chai]lot’s unit NardPs Berieliten) von der gegcnwiirtigcn Rpgicrung glciclifalls cin statistischcs Bureau unter Molossi’s Lcitung aufgestellt und dem Hlini-sterium der Justiz einverleibt; 1’ublieationen desselhen sind bis jetzt nicht erseliienen. a) Im Kiinigreiclie Neapel ist (nach Nardi’s zu Pariš erstattetem Berichte) die General-Commission fur Statistik mit dem Ministerium des Innern verbunden. Den 1’rovinzial-Cominissionen (giunte provinciali) stelien die jevvciligcn Provinz-Intendanten, den Districts-Commissionen (i/iiinlc circoridariali) die ,jewciligen Unter-Intendantcn vor. Die letzteren Commissionen sind die Bchor-den fiir die Erhebung der statistischen Daten und bestehen aus dem Richter, dem Sindaco, dem Pfarrcr, dem Arzle und zwei vom Intendantcn bczcicbneten Notablen. Die ollicielle Statistik Nea-pel’s umfasst, so wie jene des Kirchenstaats, den phjsiscbcn, moralisclien, okonomischen und administrativen Zustand des Landes. Auf der lnsel Sicilien bestelit eine besondere Direction fiir Statistik zu Palermo, welche bcachtenswertho Arbeiten iiber die BevolkerungsverhSItnisse gclie-fert hat. 3) Zu Rom bestand schon seit liingercr Zeit im Ministerium des Handels und der offent-lichen Arbeiten ein statistischcs Bureau. Zur Ausarbeitung einer General-Statistik des Kirchenstaats nach bolgischem Muster vvurde im Jahre 18!it eine Central-Giunta errichtet, wclcher das bereits vorhandene statistische Materiale iiberwiesen ward, wahrcnd zur Sammlung der noch feh-Icnden Daten Provinzial - Giuntcn cingesetzt wurden. Unter den amtlichen Publicationen bob Na rdi zu Pariš die tavola preventiva pet- 1’esercizio del 18S2—18S3 und den prospelto delle merci introdotte ed estratte hervor. Bodenerzeugnisse aufgezeichnet. Weiters hat man in Serbien seil 1846 iiber die Bevvegung des auswiirtigen Handels, welcher dort in den Bereich des Finanz-Ministeriums gehort, statistische Tabellen mit sehr ausfiihrlichen Angaben iiber Mengen und Maasse d er Handels-Artikel, jedoch obne verliissliche VVerthbemessung. Audi besitzt das Finanz-Ministerium seit 1834 sehr vollstandige und detaillirte Naclnveise iiber die Staats-Einkiinfte, so wie jahrliche Verzeichnisse der Kopfsteuer-pflichtigen. Im Justiz-Ministerium werden Tabellen iiber die Civil- und Straf-Bechts-pflege angefertigt. Die Ministerien des Innern, der Finanzen, der Justiz und des' offentlichen Unterrichts sind verpfliebtet, dem Senate Ausweise iiber ihre Tbiitigkeit vorzulegen; doch strotzen solcbe in Folge mangelliafter Behandlung der ersten Daten von Fehlern. Endlich bereitet man in Serbien eine physikaliscbe Statistik in sehr grossem Maassstabe vor, zn welchem Ende 30 ineteorologische Stationen (fast alle vnn Sehulmeistern besorgt) bestehen. Ein statistisches Bureau besitzt das Fiirstenthum noch nicht; doch driiekt der Beriehterstatter, welcher die Griindung eines solehen schon vor 7 Jahren angeregt hat, die Ueberzeugung aus, dass seine Bemiiliungen in dieser Uiehtung nacli und naeh alle llindernisse uberwal(igen werden. Audi iiber einen ausser-europiiischen Staat, die Bepublik Chili, referirte Graf Bipalda. Er erwiilinte, dass dieser vorgesehrittenste der spanisch-americanischen Slaaten, nebst der funfjahrigen Voikszahlung in den jahrlichen Reehenschaftsberichten der Minister an den gesetzgebenden Congress treffliche statistische Arbeiten besitze. Ungemein reichhaltig war die Sammlung officieller Publicationen, welche von den Vertretern der verscliiedenen Begierungen dem Congresse vorge-legt vvurden. Ausser den Druckschriften und Karten, die von der k. k. Direction fUr administrative Statistik an den Congress gelangten, haben soldie die Delegirten Fraukreich's, Grossbritannien's, Spaniens’, Belgien's, der Niederlande, Diinemark’s, Schweden’s, Nor\vegen's, Baienfs, Baden's, Sachsen’s und der siichsischen Herzog-thiimer, Hannover’s, Hamburg’s und Liibeck’s ineist in sehr umfangreichen Zusam-inenstelluugen (denen viele interressante Privat-Arbeiten aus den lietreffenden Liin-deni beigefiigt waren) mitgetheilt. Audi der Vertreter der statistični society in London maehte sehr inhaltsreiche Vorlagen, und die american gcographical and stati-stical society ubersandte dem Congresse gleichfails eine Anzahl von l)ruckwerken *). *) Untcr den nicht - osterreichischcn Privaten, welehc unmittclbnr dem Congresse Druek-werke vorlegten, wird des kitiš, franzosisciien Staatsraths Grafen Dubois noch im Verfolge gedaeht werdcn. Dr. Otto Hubner bestimmte eine prosse Zalil von Exemplaren des eben erschie-nenen funften Jahrgangs seines „Jabrlniehs fiir Volkswirthsehaft und Statistik" zur Vertheilung unter die Congress-Miiglieder. Ausser beiden erwiiline ich: Professoi' Wolowski, Ilureau-Chef Legeret der Polizei-Prfifectur zu Pariš, Dr. Bertillon in Montmorency, Staatsrath W e r-nudski und Ta r a ss e n ko-0 tr es c liko f f in St. Petersburg, Dr. Mahlmann in Berlin, Bibliotliekar A. S cbe 1 er in Briissel, B.Marzolla in Neapel, Ant. Salvagnoli Marcbetti in Florenz, Professor Ja k s li iz h inBelgrad, Dr. Bencke in Naubeim, Dr. P. M en g es in Ober-Tiefenbach, Dr. Siegfried Weiss u. a. VI. Die Bearbeitung des Prog ram m s bildete den Hauptgegenslaod der Tha-tigkcit der Seetionen, deren Schriftfuhrern eine sehr vollstžndige Aufzeichnung der betreffenden Verhandlungen zu verdariken ist Nur so war es mbglieh, die bier folgende Skizze dieser liochst wiclitigen und interessanten Debatten mit der Darstel-lung der Schlussfassungen des Gesammt-Congresses zu verbinden. Krste Section. A. Mortalitats-Statistik. Die Mittheilungen der schon zu Pariš mit dieser Frage beschaftigt gewesenen Theilnehmer der Section stellten es ausser Zvveifel, dass das am Schlusse jener Ver-sammlung zu Stande gebrachte Uebereinkommen iiber die N o me n el a tur der To de s-Ursache n wcitere Verbesserungen nicht nur zulasse, sondern fordere. Auch das k. k. Ministerium des Innern hatte bereits aus Anlass eines Circulars des Genfer Gesundheitsratiis an die Aerzte und Todtenbeschauer Genfs die von Doctor Marc d’Espine entvvorfene Nomenclatur, welche von den zu Pariš gutgebeisscnen einigerrnassen abweichtdem Doctoren-Collegium der medicinischen Facultiit und der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien zur Begutachtung iibergeben. Das Doctoren- ’) Wahrend und nach der Wicncr Versammlung tauchto wicdcrholt (z. B. Revue contem-pomine T. 34, p. 337 und Moniteur bclge Nr. 329, p. 4124) der Antrag auf, dass den Sections-Verhandlungcn Stenographen beigezogen werden mochten. Es scheint abcr niclit, als ob diese Verhandlungen von ciner solehen Maassregel einen wesentlichcn Gewinn zu erwartcn biittcn, da jedenfalls die Ungczwungenheit der Dcbattc, der lehrreich conversationclle Charakter des Icb-haften Meinungsaustauscbes geopfert und die strcngc Korm des gemessenen Gangs einer Plcnar-Versainmlung aueh in die Seetionen, gevviss nicht zu ihrem Vortbcile, verpllanzt wurde. a) Die Pariscr Versammlung hatte namlich weder die Nomenclatur der Todes-Ursachcn nach W. Farr, noch nach Marc d’E spine, sondern eine dritte, wclche allerdings mit der Vorlage des Genfer Arzt-s mehr ubereinstimmte, gutgeheissen, der Gesundheitsrath von Genf hingegen ganz die Nomenclatur d’Espine's zur Richtschnur genommen. Collegiuin hatte die Aufnahme einzelner unvvissenschaftlicher Namen, die Einreihung von Diathesen unter die Todes-Ursachen, die Auslassung einzelner anatomisch-pathologisch festgestellter Krankheiten geriigt und den Schwierigkeiten der Durch-fuhrung bei minder gebildeten Aerzten durcli die Zulassung collectiver Bezeichnungen Ilechnung getragen; die Gesellschaft der Aerzte liatte ihrerseits eine AnzahI von Bemerkungen gemacht und einige Ervveiterungen der Todtenscheine gewiinsclit. Nachdem eine Debatte, an welcher sich Finanzrath Hopf, Dr. Berg, W. Farr, M e y e r v. Knonau, Regierungsratb Eseherich, Dr. Var reti trap p, Medicinalrath Dr. H el in, Dr. Moriz Hall er und Dr. Glatter betheiligten, den Standpunct fest-gestellt liatte, aus welcliem die an besagte Nomenclatur zu richtenden Forderungen zu beurtheilen waren, wahlte die Section ein Comite, besteliend aus Berg, Escherich, M. Haller und Prof. Dlauhy, den Prasidenten und Scliriftfiibrern der Section, um die Detailberathung der Nomenclatur vorzunelimen. Die Arbeiten dieses Comite"s erfreuten sich aucli der Unterstiitzung des Ministerialraths Dr. Well, Sanitatsraths Dr. Mtihry, Landes-Medicinalratbs Dr. Bernt, Oberphysicus Dr. Tormay, Stadtpliysicus Dr. Stulilberger, der Doctoren Flamm, Herzfelder, Na der, Striecb, Winternitz und W iti a čil, und des Freiherrn v. Reden, und fuhrten nacli lebhaften Erorterungen zu dem Resultate, dass jede einzelne Benennung in der Landessprache und gleichzeitig in der allen Aerzten verstiind-liclien lateinischen Spraclie aufgefulirt werden solle, die Anordnung der Classen nacli der Pariser Vorlage beizubehalten, das Detail derselben aber folgendermassen zu modificiren sei. I. Todtgeboren (Mortuus natus). II. Verstorben i n n e r h a lb d e r e r s t e n W o c li e nacli der Geburt (Mortuus cx debilitate vel deformitate congcnita intra primam liebdomadcm) \vegen S c b w a c h e oder a n g e b o r n c r M i s s b i 1 d u n g: Benennung der Todcsurtcn. Wasserkopf (Hj/droccphalus); Blausuclit (Cyanosis); Gespaltenes Rilckgrat (spina Afterverschluss (anus imperforatus); Andore Bildungsfehler, Monstrositiiten (alia vitia conformationis vel mon- Irifida); strosae deformitatis). III. Tod aus Altersscbwaclie (Marasmus senilis) von 00 Jahren. IV. G e w a 11 s a m e r T o d (Mnrs violenta): Selbstmord (suicidium); Hinrichtung (supplicium lef/ale); Mord, Todtsehlag, und tiidliche Tod im Kriege (Mors in bello); Verletzung (homicidium v. Hungertod (Mors cx farne), laesioncs letalesj; Z u f a 11 i g e r Tod (Mors accidentalis). Aus bekannter Ursache (cx Au eatisa nota); Aus u n bekannter Ursaclie fcx causa it/nota). V. Tod d u r c h Krankheiten: Bleichsucht (Chlorosis); Blut-Armutli (Anaemia)-, Blutflilsse (Haemorrhagiae); Brand (Gangraena)', Altersbrand (G. senilis); Brandbeule (Anthrax); Hospitalbrand (G. nosocomialis); Milzbrand - Karbunkel (Pustida maligna); Beinfrass und Knoclienbrand (Ca-ries ct Necrosis); Asiatische Cliolera (Cholera asi-atica); Einbeimiscbc Cholera (Cholera indigcna); Durchfall (Diarrhoca); Bulir (Dgsenteria); Eitervergiftung (Pgaemia); Englische Kv'Mkhe\t(PhachitisJ; Fistel (fistula)-, Giclit (Gutta, Arthritis poda-gr ica); Grippe (Influenza); Harnrubr (Diabetes); Krebs (Carčinoma)-, Bheuma (Rlieuma); Rothlauf (Ergsipelas); Riickenmarkdarre (Tabes dor-salis); Strictur (Strictura); Skrofelsucht (Scrofulosis); Typhus (Tgphus, fiitvre ty-plioide); Gelbes Fieber (Feb. flava); Bubonen-Pest (Pestis bubonica); Tropenfieber (Feb. rcmitten stro-pica); Tuberculose, acute (Tubercu-losis miliaris acuta); Tuberculose dcs Gehirns und seiner Iliiule (T. cerebri et meningum); Tuberculose derLungen (T.pul-monum); Tuberculose des Bauchfells (T. peritonaei); Tuberculose der Gedarme und Gekrosdriisen (T. entero-me-scnterica); Tuberculose der Gelenke (Ar-throcace); Pott’sche K\-aM\FA (Malum Pot-tii) -, Leicben-Vergiftung (Intoxicatio cadaverica); Rotz (Mulleus)-, Ilundswuth (Rabies canina); Schlangenbiss (Morsus serpen-tum); Kriebelkrankheit (Ergotismus); Siiuferkrankbeit (Alcoholismus, Delirium tremcns); Arsenik-Vergiftung, chronische (Into.r. chronica arseni calis) -, Quecksilber-Vergiftung, chroni-sclie (Mercurialismus chrotii-cus); Blei-Vergiftung^7w£. chr. satur-nina); Opium - Vergiftung, chronische (Int. chron. cx opio) -, Andere chronische Vergiftungen (Int. chron. aliae)-, Wassersucbt (Hgdrops); Wechselfieber (Eebris inter-mittens); Wechselfieber-Kacbexie (Cache-xia cx malaria); Entzundung des Gehirns und seiner Haute (Encephalitis ct Meningitis); Gehirn-Erweichung (Encepha-lomalacria); Gehirn-Schlagfluss (Apoplexia cerebrij; Ohnmaclit (Sgncope); Irrsinn (Imama}; Cretinismus (CretinismusJ; Riickenmarks - Entziindung ('My-elit is); Krampfe (ConvulsionesJ; Veitstanz (Chorea); Fallsucht (Epilcpsia); Kindbettfieber (Eclampsia par-turientium); Starrkrampf (Tetanus); Mundsperre der Neugeborenen (Trismus neonatorurn); Lalirnung (Parahjsis, Hemi- et Paraplegia); Kropf (Struma); Hiiutige Braune (Angina mem-branacea); Stimmritzen-Krampf (Laryngis-mus stridulus)-, Kehldeckel - Oedem (Oedema glottidis); Keuchhusten (Pertussis); Rippenfell-Entziindung (Pleuri-tis); Eiter-Erguss in der Brusthohle (Empgema); Luft-Austritt in der Brustholiie (Pneumothorax); Entziindung der Broncliien (liron-ch it is); Erweiterung der Broncliien (Bronchicctasia); Lungen - Entziindung (Pneumo-nia); Lungen-Blutschlag (Apopleccia pul.); Lmgvi\-Yir>\n&(Gungraena pul.)\ Fjungen - Erweiterung (Emphy-sema pulm.J; Lungen-Oedem (Oedema pulm.J; Brustkrainpf (AstlimaJ; Entziindung des Herzens und Herzbeutels (Carditis, Peri-et Endocarditis); Organische Herzkrankheiten (Morbi organ, cordisj; Schlagader-Erweiterung (Aneu-rysma); Gefass-Entziindung (AngioitisJ; Mundschwammchen (AphthaeJ; Mund- und Raehen-Croup (Diph-theritisj; Ohrspeicheldriisen - Entziindung (Parotitis); Wasserkrebs (NomaJ; Z u n g e n - E n t z ii n d u n g ss ; Magen-Entzundung (Gastritis); Magengeschwur, durcbbobrendes (Ulcus ventriculiperforans)\ liauchfell-Entzundung (Peritoni-tisj i Darm-Entzundung (Enteritis); Blinddarm-Entziindung (Typhli-tisj; Eingeklemmter Brucli (Ilernia incarcerata); Kotherbrechen (Illm, lntussus-eeptio); W urmkrankheit (Helmintliiasis); Leber-Entzundung (Hepatitis); Gelbsuclit (CholaemiaJ; Gallenstein - Bildung (Chololi-thiasis); Leber-Schwund, acuter (Atropina hepatis acutaj; Leber-Entartung (Degeneratio hepatis); Milz-Entzundung (SplenitisJ; Nieren-Entziindung (NephritisJ; Bright’sche Krankheit (Morbus BrigliiiJ; Harnblasen-Entziindung (Urocy-stitisj ; Blasenstein - Bildung (Uroli- tkiasis); Entziindung der Vorstelierdrii.se (Prost at itis); Friesel (Miliaria, suctte mili-aire); Masern (MorbilliJ; Scharlach (Scarlatina); Hypertrophie der Vorsteherdriise (Hypertrophia prostutac); GebSrmutter-Entziindung (Me- Blasenausschlag der Neugebore-nei\(Pempldgu8 tieonatorum)', tritis); Gebarmutter - Polype (Poltjpus ut eri); Eierstock -Entziindung (Oopho-ritis); Verhiirtung der Zellge\velie bei Neugeborenen (Sclerosis neo-nntorum); Blutflecken - Krankheit (Purpura haemorrliagica); Pellagra (Pellagra)\ Eierstock-Cyste (Cystis ovarii); Kindbett-Krankheiten (Morbi Knolliger Aussatz (Lcpra tu-berosa); puerperales); Syphilis (SypkilisJ; Blattern (Variola); Pachyderma (Elephantiasis padam , scroti etc.); VVeichselzopf (Plica polonicn). VI. Tod aus uiibekannter Ursache. Das Comite einigte sicli scliliesslieh daiuber, dass weder die Eintheilung in genau bestiminte und niclit genau bestimmbare Krankheiten, nocli irgend eine audere Eintheilung der in obiger Nomenclatur enthaltenen Krankheiten anzunehmen sei, insbesondere aus dem Grunde, weil die Nomenclatur nur auf jeden einzelnen Fali anzu\venden und hierbei jede andere Eintheilung bedeutungslos ist. Lange und eifrig wurde in der Section, wolche die Nomenclatur guthiess, die Frage discutirt, ob einer Classification der Krankheiten Raum zu geben sei. F ur eine solche sprachen W. Farr, Eschericb, Muhry, Hopf, Czyganek, Wi tla čil u. A. Dennoch entschied sicli die Section fur den Vorschlag des Comite s, welchen Helm und Berg vertheidigten, da jede Eintheilung eine unvollkommene bleiben inusse und nur eine dem jedesmaligen Stande der Wissenschaft entspre-ehende Gruppirung der einzelnen Krankheiten verlangt werden konne, \vie man sie zu geben bemuht gewesen sei. Gleichzeitig mit der Thatigkcit des Comite’s hatte die Section ihre Arbeiten fortgesetzt und sicli namentlich mit dem Institute der Todtenbeschau beschiiftigt. Nacli einer Darstellung des in Oesterreich und namentlich in Wien hierbei iiblichen Vorgangs durch Dr. Stuhlberger und der einstimmigen Anerkennung dcrUnaus-fiihrbarkeit einer von Marc d’Espine beantragten doppelten Erhebung der Todes-Ursache durch zwei verschiedene arztliche lndividuen, drehte sicli die Debatte zwischen W. Farr, Berg, Hopf und Helm vornamlich um die practische Aus-fuhrung der Todtenbeschau, ihre Granze und Controle gegeniiber dem behandelnden Arzte, die Befahigung der zu verwendenden lndividuen und die dariiber bereits gemachten Erfahrungen. Ministerialrath R. v. Lasser wiederholte die Erklarung des Programms, dass das k. k. Ministerium des Innern seine Geneigtheit ausge-sprochen habe, diejenigen Anordnungen zu treflen, welche nothwendig sein werden, damit in Oesterreich die Todes-Ursachen init moglichster Genauigkeit erhoben und die dadurch gewonnencn Materialien nach den von der dritten Versammlung des statistischen Congresses festzustellenden Grundsatzen gesanimelt und statistiscli ver-werthet werden. Er machte jedoch auf den grossen Unterschied zwischen denZwecken der Todtenbeschau (Constatirung des Tods und Erinittelung etwaiger Spuren eines veriibten Verbrechens), deren Erreichung man auch rechtlichen und verstandigen Nicht-Aerzten anvertrauen konne, und der Ermittelung der Todes-Ursache bei den an einer Krankheit unter arztlicher Behandlung Verstorbenen, welcbe Ermittelung ohne arztliehe Bildung unmoglicli sei, aufmerksam, und erlauterte sonacb, dass die osterreicbische Regierung dahin streben werde, nicht nur die Todtenbeschau iiberall durchzufiihren, sondern aucli fiir den letztbezeiclineten Eall zuerst in Krankenhausern und grossen Stiidten, allmahlich aber auch in weiterer Ausdehnung die Aerzte zur Ausstellung von Todtenscheinen in einer medicinisch-stalistisch verwerthbaren Form zu verpflichten. Die abgesonderte Vervverthung der von Aerzten und von Nicht-Aerzten er-mittelten Erhebungen bildcte nocli den Gegenstand einer weiteren Besprechung, an welcher Farr, Hopf, Escherieh, Landes-Medicinalrath Dr. Bernt, die Pro-fessoren Stubenrauch und Seligmann und Dr. Witlačil sich betheiligten. Die Section eiriigte sich endlich dahin, folgende z\vei Antrage an den Congress zu stellen: 1. „Jeder Sta at verlange von dem Arzte die Nachweisung der Todes-Ursache bei a 11 e n jene n Verstorbenen, wel che bei ihrem Ab-leben in seiner Behandlung standen. Zu diesem Zvvecke hat sich der Arzt der neuerdings geprilften und angenommenen Nomencla-tur und ehen keiner anderen als der in ihr enthaltenen Benennun-gen der Todes-Ursachen zn bedienen". 2. „J e der S ta at, in welchem die Todtenbeschau noch gar nicht oder d o c h nicht in der h i e r s o g 1 e i c h z u h e a n t r a g e n d e n W e i s e h e-steht, trage Sorge, dass im Interesse der Sanitatspolizei und der Gerechtigkeitspfle g e fiir jeden Todesfall constatirt werde, ob der Tod wirklich und ob er in natiirlicher oder nicht-natiirlicher Weise erfolgte; ferner, dass diese Todtenbeschau moglichst durch Aerzte vollzogcn und der Todtenbeschauer in allen Todesfallen ohne v o r a u s g e g a n g e n e arztliehe Behandlung zur moglichst g e-nauen Ausmittelung und Angabe der Todes-Ursache, cntsprechend der obener\vahnten Nomenclatur, verpflichtet werde , der Tod moge durch Krankheit oder aus einem anderen Grunde eingetreten sein“. Indem sofort die im Progamme abgedruckten Formularien der arztli-chen Todtenscheine zur Besprechung kamen, wurde folgende Redaction derselhen angenommen. Todtgeboren den l'“ 18 Alter des Fotus .... Monatc Gescblecbt imlnnlieb. weiblicb, iinbestiininbar Elielicli Unebclieb Gestorben vor, \viibrend der Geburt Geburtshige welcbe ? Beistand der Hutter geleistet von ciner Hebaniine, cincm Arztc? Ob Kunstliilfe? welehe ? Hat die Mutter sclion geborcn und wie vici mal? Ob und wie viele d. friihcrcn Kin-deraucli todtge-lioreu? Verstorben innerhulb der crsten Woche nach der Gebiirt aus Lebensscluviiche durcb cincn angcbornen Ilildungsfcliler Uhr vor oder nacli ) Mittag J Mitternacht Gcscbleelit mannlicb, weiblich Ehelicb, unehclieb Alter dcs Kindcs Hat die Mutter schon geborcn und wie vielmal? Ob die anderen Kinder aucli le-bensscbwaeh? oder inissgebildet Stadt — Vorstadt Charakter und Bescbaftigung der Eltcrn des Vuters Alter und Itcligion der Mutler dcs Vaters Vorwaltende Kranklieit der Mutter A n m e r k u n g. S t h d t — Vorstadt Nr. Vor- und Zuname Charakter und Beschiiftigung Geschlecht miinnlich, vveibiich Alter Stand ledig, verheiratet, verwitwet Religion Gebiirtig von Wolint in scit Jaliren, Monaten, Tagen Ort der Gewaltthat oder dcs ZufalU ilen 11,11 18 Uhr vor oder nacli | Gestorben am lcn 18 Uhr vor oder naeh | / Auftallende Veranlassung \ Geisteszustand 1 arin, vermSgend, reicli j dureli welehe Mittel? ' 1 tratTod uninittelb. od.durch / Folgekrankh. einu. \velehe? 1 kam Sclbstmord bei Bluts-\ verwandten vor u. vvelehon ? Mord, C dureli vvelches Mittel? Todtsehlag, ) todtliehe j tratTod unmittelb. od. dureh Verletzung J Folgekrankh. ein u. welehe? d. Vervund. j we|ehe? im Kriegc ( \ was fiir ein Ungliieksfall? dureh Un- 1 glucksfiille j tratTod uninittelb.od. dureh ( Folgekrankh. ein u. wclche? Anmerkung. Stadt — Vorstadt Nr. Vor- untl Zuname CharakterundBeschiiffigung Geschleelit mannlich, wciblich Alter alt Jahre, geboren im Monat dcs Jalires.... Stand Icdig, verheiratct, verwitwct Religion Gcbiirtig von Wolmt in seit Jahren Monatcn Tagen Art der Erkrankung Auffallende Krankheitsur-sache Gestorbcn den «- 18 Uhr vor oder nach | Mitteriincht i Name ■5 J Dauer J* / Jahre Monate Tage C \ i W \ •2, j Verlauf acut, chronisch 1 Auftreten sporadisch, epidemisch Folgckrankheitcnund Dauei derselben Plotzlicher Krankhcitszu-fall Anmerkung. Hinsichtlich der Verwerthung der Todtenscheine fasste die Section zwei Be-schliisse: a) Jeder Staat, welcher sich geneigt erklart, behufs der Erlie-b ung derMortalitats-Statistik die m eh rer w it h n te No in e n el a-t u r e i n z u Cii li r e n, m ii s s t e aiicbdenGebrauchjener a r z 11 i c h e n Todtenscheine anordncn, welche von der Section ausgear-beitet vnirden. b) 111 u s o r i s c h bleiben a 11 e Registrirungen, alle Maassregeln, wennnichtdieselben St a ate n u n d Regierungen, w e 1 c h e N o-menclatur und Todtenscheine annehmen, gleielizeitig ein eigenes medicinisch-statistisches Bureau creiren, um von d ort a us Al les anzuordnen, \vas zu geschehen h at, und um eben dort auch AUes das durcb Aerzte entsprechend zu vervver-then, was an statistischem Material eingeliefert sein vvird. Damit der innige Zusammeidiang der Nomenclatur mit den Todtenscheinen nicht so leicbt ausser Augen gelassen, sondern in seiner Wirknng bestiindig auf-recht erhalten werde, wnrde eine Instruction filr nothig erkannt, in der Section vorbereitet und von dem Vorsitzenden und den Schriftfiihrern in ihrem Detail ausge-arbeitet. In dem Berichte, welcben Medicinalratb Dr. II el m dem Congresse in der Sitzung vom 4. September in deutscher, Dr. Jo ris in franzosischer Spraclie vor-trug, resumirte er sammtliche Verbandlungen der Sectiori, und wies insbesondere nochmals darauf hin, dass es zwar unthuulich sei, die als Todes-Ursachen auftre-tenden Krankheiten in acnte und chronische oder in zyinotische, constitutionelle und locale einzutheilen, dass aber im Todtenscheine C das Verhaltenjedes einzelnen Krankheitsfalls beziiglich des (epidemischen oder sporadischen) Auftretens und (acuten oder chronischen) Verlaufs ersichtlich gemacbt \verde. Da die Discussion in der Section bereits eine erschbpfende ge\vesen war, so entspann sich in der Plenar-Versammlung eine solche nur ubcr die beantragte Er-richtung medicinisch-statistischer Bureaux. Legovt fand dieselbe weder leicht noch notlnvendig, da einerseits betriiehtliche Kosten damit im Zusammenhange slanden, andererseits die rein statistische Zusammenstellung der Vorlagen auch ohne arzt-liche Kenntnisse geleistet vverdeu konne. Das Letztere bestritt Farr nach den in England gemaehten Erfahrungen, ineinte jedoch, dass ein einzelner Arzt filr die Be-arbeitung der Todtenscheine eines ganzen Staats geniige, da allerdings ein Theil der Arbeit von blossen Gehilfen gemacbt werden konne. Eegoyt formulirte hierauf sei-nen Antrag dahin, dass jedem statistischen Bureau ein Arzt zur Bearbeitung der Nachweisungen iiber die Todes-Ursachen beigegeben werden moge. Auf Farr's Bemcrkung, die Modalitat der Ver\vendung eines Arztes konne man jedem Staate anheimgeben, modificirte Professor v. Stubenrauch das Amendement dahin: „Jeder Staat mbge dafiir sorgen, dass das auf vorstehende Weise gewonnene Materiale (iber die Todes-Ursachen sachverstandigen Organen zugevviesen, und von diesen im Interes s e der Statistik, der Heihvissenschaft und d er offentlichen Gesun dheitspflege zusammengestellt und verarbeitet werde. Legoyt trat seinerseits dieser Modifieation bei, uud nacli einer kurzen Discussion, ob nicbt viclleicht selbst der Sections-Antrag bloss babe ausdriicken \vollen, dass die medicinischen Erhe-bungen unter Zuziebung von Aerzten weiter zu verwerthen seien, schloss sicb die Versammlung dem modificirten Amendement einstimmig an. B. Statistik d er Anstalten und Vereine fiirKranke und Gebrech-I i c h e, so w i e d e s g e s a 111 m t e 11 Sanitiitsvvesens und s e i n e r lles ultate. In lielreflf der Statistik der Anstalten und Vereine fiir Kranke und Gebreeblicbe und des Sanitatswesens uberhaupt wurden der Seetion I>0 Tab el len vorgelegt, von denen 3 auf die Statistik der nicht auf Wechselseitigkeit begrilndeten Kranken-Unters tiitzungs-Vereine, — 12 auf Statistik der Gebrechlichen, — 4 auf die Statistik der K ran ken- An sta I ten, — 1 auf jene der Geb ar-Ans ta 1 ten, — 5 auf die Statistik der Findel-Anstalten, — 5 auf jene der Irren-Anstalten, — 6 auf die Statistik der Epi d emie n,— 1 auf die Statistik der hydrophobi-scben Fali e,— und 13 auf die Statistik des S a nit at s-Personals und der Sanitats-Organisation sicli beziehen. Diese Formularien wurden in ihrem Detail, dessen Prii-fung obnehin vielmebr nur Gegenstand des rubigen Studiums jedes Lesers, als Object der Debatte sein konnte, von allen Mitgliedern der Seetion so vortretllicb befunden, dass eine kurze Besprechung zu deni Bescblusse fiihrte, sie derPlenar-Versammlung zur Sanetionirung vorzulegen, \velcbe aueh iiber den in deutscber und franzosi-scber Spraebe vorgetragenen Bericbt des Medicinalraths Dr. Helin in der Sitzung vom y. September obne vveitere Discussion in der Art crfolgte, dass die Ein-fiihrung sammtlicherTabellen anempfoblen, eine allfallige Modificirung der Erfabrung anbeiingegeben wurde. Zwcitc Seetion. A. Statistik der Straf-Rechtspflege. lin Programme lag der Seetion nur eine Iteibe von Formula ri,en vor, welebe demniiebst in O-esterreich fur Nacbvveisung 'der Straf-Rechtspflege in Uebung kommen sollen, so wie in einer besonderen Beilage eine Darstellung des Organismus uud der Procedur der Straf-Rechtspflege im Kaiserstaate mitgetheilt \vorden war. Da den Remerkungen David’s, dass die „Vergehen“ im engeren Zusammen-bange mit den „Uebertretuugen“ als mit den „Verbrechen“ standen, und Asliers, dass die ganze Tricbotomie der strafbaren Handlungen praetiseh unbaltbar erscheine, gegeniiber dem Stande der beziiglicben Gesetzgebung in Oesterreich keine Folge Statist. Mittheil. 1857. III. Heft. 7 gegeben vverden komite, so fitnden nur folgende Abiinderungs - Antrage Aiumliine. Adi Sclilusse der Tabelle B ist nach Asher’s Bemerkung der sprachlich nicht begrundete mul sebwer verstandliche Unterschied der „Freisprechung“ und „Los-sprechung“ mit dem anderen „Freisprechung von der Anklage wegen Unzulanglichkeit der Beweismittel“ und „Schuldlosigkeits-Erklarung“ zu vertauscben. Die Tabelle D ist nacb dem Antrage des Professors Dr. Ko nek in zvvei, fiir Verbrechen und Ver-gehen, aufzuliisen, und bierbei in jener der Verbrechen die Rubrik „VerurtheiIung zu Arreststrafen, zu Geldslrafen, zu anderen Vermogensstrafen, zu korperlicher Ztichti-gung“ vvegzulassen, damit nicht ein eines Verbrecbens Angeklagter zu einer Arrest-oder Geldstrafe (wegen concurrirender Vergeben oder Uebertretungen) verurtbeilt erscbeine. In derselben Tabelle ist nacb David’s Bemerkung die Verurtbeilung z ur Kerkerstrafe in jene zu einfachem und schwerem Kerker zu unterscheiden. In der Tabelle K sind nacb David’s Antrag die Hubriken „Stand“ und „Fami-lienverbaltnisse" so abzuandern, dass ersichtlich werde, ob der Verurlbeilte ehe-licher oder unebelicber Geburt angehore, ob der verbeiratete in ebelieber Gemein-scbaft lebe oder nicht, — und bei dem Berufe statt „Grundbesitzer“ deutlicher »selbststiindige Landwirthschaftsbesitzer (mit Einsehluss der Piichter)“ zu benennen, die Hausbesitzer aber von den Rentenbesitzern zu trennen. Der Antrag des k. k. Sectionsraths Dr. Passy '). dass die Art der Bevveisfiih-rung auf welche sich eine Verurtbeilung griinde, zum Gegenstande einer besonde-ren Tabelle gemacht vverden tniige, rief eine langere lebhafte Discussion bervor, an welcher sich Dr. Asher, geheimer Justizrath Dr. Neigebaur, Hofratb v. Levvinsky, Ministerialrath Ritterv. Hye, Ministerial-Secretar Dr. Beck und Dr. Pisk o betlieiligten. Allseitig \vurde der practische Nut/.en einer solchen Tabelle fiir Liin d er, wo der Richter an Beweisregeln gebunden ist, und namentlich fiir das aus bochst verschiedenartigen nationalen Eleinenten zusammengesetzte Oesterreicb, anerkannt, nebst den Schwierigkeiten der Ausmittlung in F a 11 e n des gemischten Beweises aber besonders der Mangel internationaler Bedeutung dieses Fragepuncts geltend gemacht, wahrend die Priifung der vorgelegten Formularien den Zweck haben solle, sie zu Vergleichungen mit ahnlichen Tabellen anderer Staaten geeignet zu machen. Dr. Asher berichtete iin Namen der Section am 4. Se|tfember (in deut-scher und franzosiseber Sprache) an die allgemeine Versamrnlung iiber diese Aban-derungs-Antrage, welche bauptsaclilich desshalb so beschrankt seien, weil die vorgelegten Tabellen fiir den gegenwartigen Stand der osterreichiscben Straf-Rechts-pflege kaum mehr etwas zu wiinschen iibrig Hessen. Dr. Otto Miibner beantragte die fernere Aufnahme einer Rubrik uber den Werth der stattgefundenen Eigen thuins-B eschadigungen, da die Kosten der hierfiir verhangten Strafen oft ausser allem Verhaltnisse zu denselben stehen. Ritter v. IIye erkannte die () Audi diesor in Wisscnscliafl. und I’r:ixis gleicli aiisgflzcichnoto Kcchtsgolehrte isl bercils mn 19. Novpuil)i;r i8.'i7 aus dipscr Wclt geschiedeu. VViehtigkeit der Rubrik an, widerspraeh jedoch ilirer Motivirung, indem der Betrag der Eigenthums-Beschadigung selbst boi Diebstahlen, Betriigereien, Veruntreuungen und boshaften Beschadigungen freinden Eigenthnms nicbt den einzigen Maassstab der Strafbarkeit bilde, gesclnveige dcnn beim Baube. Nachdein Hiibner seine zur Unter-stiitzung gemacbten Bemerkungen voh dem Antrage getrcnnt liatte, sprachen Staats-ratli Dr. David und Dr. Asher gegen diesen let/.teren, da es fast, unmoglich sei, beim Betruge, ja sogar bei dem Diebstable cine solebe VVerthangabe in stilen jenen Fiillen mit Zuverlassigkeit zu erlangen, \vo es sicli nicbt bloss um bares Geld bandelt. Das Amendement wurde abgelcbnt, der Seetions-Beschluss gutgebeissen. Die Section begniigte sicli jedocb nicbt mit der Begutacbtung jener Formularien, sondern wendete sich auf David's und Asber’s Antrag sclion in der ersten Zusammentretung der Losung der bereits zu Briissel und Pariš gestcllten Aufgabe einer internationalen Statistik der Straf-Rechtspflege zu 1). lieide Antragsteller vvaren aber auch der Ueberzeugung, dass der bedeutende Umfang der Arbeit einer vergleichenden Zusammenstellung der Nomenclaturcn, Begriffsbestim-inungen und Strafsatze aller europSischen Strafgesetze die Krafte cines Einzelnen iiberschreite und selbst der Eintluss individueller Auflfassung auf die Redigirung die-ser Arbeit nicbt zu verineiden seiri diirfte, \vessbalb nur die Bildung einer internationalen Commission zum Ziele fiihren kiinne. Bitter v. IIy e erganzte den Antrag dabin, dass man die Staateu in Gruppen sondern und fur jede solehe eineu tuchtigen Faehmann in die Commission berufen, gleichzeitig aber aucb die Unterstutzung der boben Regierungen von Europa in Ansprucli nelimen solle. Nacli einer weiteren Diseussion, an vvelcber sich namentlieh Hofratb Lewinsky und Dr. Asher betheiligten, wurde folgender Bescbluss gefasst: „Es moge ein internationales Comite von fiinf bis acht Mit-gliedern gebildet \verden, um die Nomenclaturcn und Begriffs-bestimmungen der einzelnen stralbaren Handlungen und die dar-auf gesetzten Strafen fur sammtliche europaische Strafgesetzge-bungen vergleichend festziistellen, und daran die Darlegung des Uebereinstimmenden und der Verscbiedenheit dieser Gesetz-gebungen in Ansehung aller jener Recbtsinstitute und Daten der Justiz-Organisation, wie auch des Strafprocesses zu reihen, \velche filr die Criminal-Justiz-Statistik irgend ein Interesse haben und ein Moment der st a tisti seli e 11 Tab el len der Straf-Rechtspflege zu D i I d e n haben. Die Art und Weise ilirer Arbeiten, \vie auch die Form, in w e 1 c h e r selbe redigirt werden sollen, werde der Einsicht des C o m i t e 's a n h e i m g e s t e 111. D i c s e Commission moge i m W e g e des Congresses an die einzelnen Regierungen, \velche durch officielle ‘) Dr. v. Baumhauer und Staatsrath Dr. David hatten fiir Niederlande und Diincmark •'inc Nomenelatur aller gosctzlich strafliurcn Handlungen, mit Begriflsbestimmungen dersclben und Angabe des boclislen und niedrigsten Slrafmaasscs, der Seetion vorgelegt, Dr. Asher eino solebe Zusammenstellung aus den Strafgeset/.biiehern Oesterrcich’s, 1’reussen’s und Saehsens verfasst und im Vorworte einige Vergleichungon dersclben unter cinander, so wio mit den Strafgesetzen von Frankreieh und Iiaden vorgenommen. Vertreter an (len Verhandlungeu dieses CongressesTheil 211 n e lini e 11 g e 1* u h t e n, d a s A 11 s 11 c h e n r i c h t e n, d i e s e 1 b e n w o 11 e 11 e i n e kurze Skizze oder eiueu Auszug der in den beziiglichen Staaten geltenden Bestiininungen verfassen und nebst einein Exemplare der betref-f e 11 d e 11 Gesetzbttcher und e t w a ig e n Novellenbeigabenderzue r vv a h-leuden Commission zukommen las s e n, und je ein Individuum 11 a m-liaft machen, a n vvelcbes die Commission sicli jeweilig um weitere Aufkliirungen zu ivenden habe“. Nacli David's Antrag vvurde beschlossen, dieser Bitte nocli den Wunsch bei-zufugen, alle Mittheilungen der boben Regierurigen an die Commission mocbten nach Thunlicbkeit vou einer d e u t s c b e n oder f r a 11 z o s i s e h e u U e b e r s e t z u n g bcgleitet sein. Ministerialratb II y e und Ministerial-Secretar Beek beantragten hierauf dieFest-stellung von sieben Staaten grup pen zu dem obeu bezeicbneten Zweeke: 1. d i e d e u t s c h e n B1111 d e s s t a a t e n; 2. dieSehweizerCantone; 3. ltalien, Spanien, P or luga I und die Dona ufiirs ten tli ii mer; 4. F r a n k r e i e b, B e 1 g i e 11, Ni e deri a 11 d e u 11 d Gr o s s b r i t a 11 n i e 11; 5. B u s s 1 a n d, S e h \v e d e 11, N o r vv e g e n u n d I) a n e m a r k; 15. Turke i; 7. Gr i ec h eni and. Passy's Antrag, die Donaufurstentliiimer der secbslen Gruppe zuzmveisen, \vurde iiber llye's Eutgegnuug, dass das tiirkische Straf-Becht in Spracbe, Form und lnlialt von dem moldau-w alacbiscbeii viel mebr abweielie, als jenes der italieni-schen Staatengruppe, abgelebnt und die Gliederung der Gruppe gutgelieissen. Naelidem der von Prof. Ko nek und Sectionsrath v. Khoss gestellte Antrag, man mbge alle Faclimiinner zur Belbeiligung an der fraglieben Arbeit auftbrdern und nur die Zusammenstellung ihrer Mittheilungen durcb einen Bedacteur besorgen lassen, als ein (nacli der seit 1853 gemacbten Erfabrung) niclil zum Ziele fiihrender beseitigt \vorden war, entspann sicli eine lange und lebbafte Erorterung iiber eine and eu tu ngs weisc Be z eieli n un g vou Facbinan nem, \velclie die in Bede sleliende Commission zu bilden biitten. Nacli den Beinerkungen David’s, Daud Effendis, AsheFs, llye’s, Beck’s und Levvinsky's einigte sicli die Section iiber folgende Namen fflr die entspre-chenden Gruppen: 1. Prof. Dr. Herbstin Lemberg; 2. Ministerial-Secretar Dr. Beck; 3. Prof. Dr. G las er in Wien; 4. Dr. v. Baumliauer und Dr. Asher; 5. Staatsratli Dr. David, vorbehaltlich der Bezeicbnung von anderen Tlieil-nehmern ausserhalb Danemark’s; G. Daud E f f e udi; 7. Advocal Bo tli in Atlien. Die Beiziehung weiterer Mitglieder solle der Commission freistehen. Die Filhrung tlor bis zur Constituirung dos Comitd beziiglieh dieser sei nur zu \viinschen, dass das Material vollstiindig geliefert 'verde, vvomit dann dem Privat-Statistiker die Moglichkeit gelassen sei, die mannigfaltigsten Folgerungen nacli den verschiedensten Gesiehtspuncten daraus zu ziehcn, wurde beschlossen, dass die bei den meisten Staatcn herrschende Form der Einstellung der Brutto-Einnabmen im \veiteren Sinne l>e ibo h a 1 ton, jedoch die darunter belindlicben uneigentlichen Einnahmen, \velche in verscbiedenen Formen bar oder durch ein Entgelt an Mate-nalien oder Dienstlcistungen dem Zahlenden wieder hinausgezablt werden, in einer z\veiten Colonne ersichtlich geinacbt, biernach in der dritten Colonne dic erfibrigenden eigentlicben Einnahmen eingestellt \verden sollen, wobei jedoch bervorzuheben sein wird, dass auch diese eigentlicben Einnahmen immer nur Iloli-Einnahmen bleiben, weil die eigentlicben Vcrvvaltungs- und Einhebungskosten noch mcht abgezogen sind. Auch bei den Ausgaben sirid hiernach drei Colonnen durchzu-liihren: Gesammt-Ausgaben, uu eigenlliche Ausgaben, eigentliehe Ausgabeii '). Abgesehen vou einfachen Stylisirungs-Aenderungen fauden endlich beziiglieh einzelner Positionen des Programms folgende Amendements die Zustinimung der Section. ') Es wurden von der Section eigentlich vier Colonnen vorgesclilagen, 1 n dem die „uneigent-liclien Staatseinnahmen“ in zvvei Unterabtheilungen zerfnllen sollten, dic cine fur die bloss duroh-laufenden (tur fremde lleclinung beliobenen oder den Steuerpflichtigcn wiedor zuriickzucrstat-tenden) Betrage, die andere lur die unter den Kinnabmcn von Giitern, Industrie-Anstalten und KHuiiniinnischen Untcrnebinungen des Staats entlialtenen, in der Korin von Material- und Betriebs-jvosten \vieder zu verausgabenden Betriige; allein bei der scblicsslicben Uedaction sebien es einfacbcr, Ijo i d e Unterabtbeilungen in eine Colonne zusaminenzuziehen, da sebon der Titel jeder einzelnen ainnahme oder Ausgabe darlegt, in welebe der beideu Uuterabtlieilungen ste gebiire. I. Boi dem Scliema d er Einnahmen1): Iu 1, c wurde die Beifiigung d er Classensteuer zu den Abgaben vom Ein-kommen und Vermiigen gutgeheissen. Nach 1, g ist die Anmerkung einzuschalten: „Die Einnahmen aus der Erb-steuer kommen unter 2, c, bb, vor“. Bei 2, b, bb, oc sind aucli Fisclie und Schalthiere zu ervvahnen. Bei 3, i, na ist nacli y eine neue Post, »Transport von Geld und Werth-papieren“ einzuschalten. Die Unterabllieilung 4, c, bb hat sich zu beschranken auf „ E r 1 ii s von Biichern, Bildern und Karton, die aus Staatsinstituten hervorge-hen, deren Einnahmen niclit iu anderen Abtheilungen verrechnet werden“. Die Unterabtheilungen 4, g und h wurden ganz verworfen und die Aufnahme der dahin gehorigen Einnahmen unter die „anderen niclit besonders genannten Ein-nahmen" vorgezogen. Beziiglicli der Unterabtheilung 5 beantragte Prof. Dr. Seelig, die Namen „o rd e ntl iche“ und „ausser ordentliche Einna h m en“ ganzlich fallen zu las-sen, \veil die ilinen von der Section gegebene Bedeutung sclnver zur allgemeinen Anerkennung zu bringen sei, sonach sieh immer Zweifel ergeben wiirden, oh einzelne Posten dieser oder jener Kategorie angehoren. Prof. Dr. Ackersdyk fiigte bei: fur die Wissenschaft seien die erwahnten Namen nicbt nothwendig, und jeder Statistiker konne sich die Zahlen fiir die speciellen Zwecke, die er im Auge babe, zurecht legen; die Hauptsache sei, dass die Zahlen selbst vorliegen. Sonach heschloss die Section, mehrervvahnte Unterabtheilung J5 babe die Ueberschrift zu fuhren: „E i n n a b m en, yv e 1 c h e b I o s s d u r c h gegenwartige oder k u n f ti g e V e r m i n d e r u n g der Activen oder Verine hrung der P a s s iv en erzielt werden“. II. Bei dem Scliema der Ausgaben. Bei der Anmerkung 1 zur Unterabtheilung t wurde die Beschriinkung gut- geheissen, dass die Auslagen fiir Hoftheater und fur Sammlungen des Hofs nur dann aufzunebmen seien, falls dieselben im Budget bereits nachgewiesen werden. Die Ausgaben fiir das Ministerium des Hauses wurden aus der Unter-iibtheiluug 3 in die Unterabtheilung 2 iibertragen. Der Buhrik 8, e, d d wurde beigefugt: „ Wo die Hesscrvngs-und Straf-Amtalten dem Justiz-Ministcrium unterstelien, sind die Ausgaben fiir dieselben, so wie fiir den Transport der Striiflinge, in die Unterabllieilung 11 aufzunehmen und hier nur zur Notiz anzufiihrenu. Die Ausgaben fur Volkszahlung, Conscription, Armee-Erga nzung vvurden aus der Unterabtheilung 12 ausgeschieden und in die Unterabtheilung 8 unter f einbezogen. ‘) Die Section berieth znerst ilns Scliema der Ausgaben, weil os ihr saehpemiisser seliicn, im ofTentiichcn Hauslialt diese Rubrik vorangehen zu lassen; hicr ist aber die Ordnung des I’ro-gramms beibebalten, auf wclclies sich die Aenderungen bezieben. Bei der Unterabtheilung 9 wurde die Annicrkung angefiigt: „Die Einkiinfte a u s d e m e ig e n en V e r m ii g c n d c r Reli g i o n s g e n o s s e n s c h a ft e n o d e r nus g eist lic hen Stiftungen sind zur Notiz anzufiihrcn“; in der zur Rubrik b gehorigen Anmerkung ist auch der Missious-Anstalten zu gedenken. In der Rubrik 10, l>, aa sollen den Universitaten und gleichgestellten hoheren Lebr-Anstalten auch die mit denselben verbundenen Institute angescblossen werden, wodurch die bistoriscben Seminare in der Post 10, b, ce 7, entfallen. Auch der Schlusssat/, in 10, c, cc \vurde dureh den anderen ersetzt: „soferne sie sich nicbt als Ruhegelialte darstellen". Bei der Unterabtheilung 12 sind die unter c einzustellenden Ausgaben, um einer Irrung vorzubeugen, a!s „Zusehusse zu Leih-, Spar-, Versiehe-rungs-Anstalten u. s. \v.“ zu bezeiehnen. Dei der Unterabtheilung 13, b sind in der Rubrik aa und cc die Beitriige fiir Ver e in e /. u la n d- und forstwirthseliaftlichen, ge \v e r b I i c h e n und commerziellen Z w ec k e n, in der Rubrik bb die Beaufsichtigung der J a g d 'md Binnen-Fischerei einzuschalten , hingegen in der Rubrik dd die \Vorte »im Iunern“ wegzulassen und vielmebr auch noch die Beaufsichtigung und PSrderung der Seefischerei zu erwahnen. Der Beisatz „eleetrische“ bei dem NVortc „Telegraphen“ in 13, r/, aa \vurde als zu einengend beseiligt. In der Unterabtheilung 15, /' wurden die Kosten der Mari ne - I n seription bloss insoweit fiir aufnebmliar erkliirt, als sie nicht in jenen Cii r die allgemcine C011-seription enthalten sind. Professor Dr. Vis sering beantragte aus Anlass dieser Unterabtheilung, dass in Berucksichtiguug der grossen Bedeutung, welche die Colo ni e 11 einiger europai-scher Staaten erlangt haben, fiir die auf dieselben beziiglichen Ausgaben cine eigene Hauptabtheilung erolTnet werden moge. Die hieruber gefiihrte Discussion fiihrtc zu deni Beschlusse, aus der Ueberschrift von 1!5 die Worte „und die Colonien (iiber-seeischen)" hinvveg/.ulassen und statt derBubrik l sammt der zugehorigen Anmerkung einzuschalten: „10. fij r d i e C o 1 o n i e n: a) O b e r s t e Verwaltung im M u 11 e r 1 a n d e ; b) Zuschiisse aus d e r S t a a t s c a s s e f ii r d i e C o 1 o n i a I -V e r w a 11 u n g. Anmerkung. Uier sind nur die Ausgaben aufzufiihren, welche unmittelbar von der Staatscasse des Mutterlands bestritten iverden. Die b e sond er e n Colo-'Hial- li ud g et s sind als Beilage anzufugenu. In der letzten Unterabtheilung dieses Schema's wurde fiir die Rubrik d die Eriiflnung einer neuen Unter-Bubrik dd „Ver\v altungskosten der Staats-schul d“ beschlossen, womit die in bb, 1 angefiihrten »Erzeugungskosten des Papier-gelds“ selbstverstandlich entfallen; fiir die Rubrik c hiess iiber den Antrag des Hofratbs Ritter v. Luscbin die Section die Einschaltung folgender Anmerkung gut: r, Un ter Pensionen werden auch die Ruhebczuge des Dienerper 8 o na Is und die Abfertigungen in Capitalsbetriigen, dann die Erziehungs- bcitriigc fur die Ilinterlassenen wrstanden“ und ordnete dio Einbeziehung dcr Angeliorigen aller Individuen dor drei besorulers honaniit(;a Kategorien von Pensions-fahigen iu die Posten 1, 2, 3, somit die Ausscheidung jener Angehorigen aus dcr Post 4 („andere Personen") an; fur die Rubrik /’wurde bei bb, 2 die Berufung auf die ent-sprechende Alttheiliing des Schema’s der Einnahmeii (2, n) besclilossen; endlicli fur die Rubrik h in Uebereinstiinmung mit dem Antrage Seelig’s slatt der Uehersehrift „ausserordentliclie Ausgaben“ die andere „Ausgaben, die bloss zur Vermehrung derActiven ode r V erm ind e ru n g der Passiven dienen“ gevvahlt, und zur Beseitigung des Anstands wegen Einreihung der eigentlicli liier-her gehorigeuTilgung der Staatsschuld in die Rubrik , dass dem Ministerial-SecretSr Ficke r fiir seino eifrige Bctheiligunu an der Bearbeitung des Prograinms fiir Unterrichts-Stutistik und an den Vcrliandlungen der Section im Namen und Auftrage derselben Dank gesagt wurde. sicli kundgebenden Thatsachen, umi der Antrag, neben den Stylisirungs-Aende-rungen, den bereits ervvahnten Modificationen und Enveiterungen einzelner Satze des Programms, zu genehmigen n) die HinweglassungdesWortes„offentlich“inderUeberschrift des Programms, zur Vermeidung von MissverstSndnissen iiber den I11-lialt desselben; b) das Hin\vegfallen a 11 e r Fragepuncte ii b e r B i 1 d u n g de s L e h r-s t a 11 d s a u s derSpecial-Statistik j e n e r K a t e g o r i e n von P r i-111 ar- und Mittel-Schuleu, fiir welclie eben die Lehrer gebildet werden sollen, und das Uebertragen dieser Fragepuncte in den Ab- * s c h n i 11 von den Special-Schulen; e) die Einfuhrung eines eigenen Nachweises iiber Unterrichts-A n st alt e n fiir Erwacbsene in den Gegensiiinden der Volks-schule mit einem der Darstellung der Volkssebule fiir die .1 u g e n d n a c h g e b i 1 d e t e n S c h e m a; d) die Hervorliebung des Umstands, dass zwar in eine Detailli-r u n g d e r S p e c i a 1 - S c h u 1 e n n i c h t e i ng e g a n g e n w u r d e, weil sieli eben riicksichtlich ihrer die grosste Mannigfaltigkeit naeli speciellen Verliiilt-nissen ergibt, dass aber die Darstellung aller Kategorien vo n Pr ima r - u n d Mi 11 el - Seli ul e n un v o llstiindig blieb e, wenn ni c lit d en Lehre r- H il d u ngsa n s t a 1 te n fiir di e s e lb e n eiri eigenerAb-s e li n i 11 u n t e r d e n S p e c i a I - S c h u 1 e n g e w i d m e t w u r d e. Professor Dr. Wap piius vvidersprach dem sub n) erwahnten Antrage der Section, \veil eben der bffentliclie Unterriclit, nicht der zu Hause ertheilte den fassbaren Gegenstand dieses Zweigs der Statistik bilde. v. Baumbauer und Ficker bemerkten, die Auslassung des VVorts „6ffentlieh“ babe den Zvveck, die Ausscliliessung der von Corporationen oder Privaten, also nicht vom Staate errich-teten Schulen, welclie nicht im strengen Sinne der instruction publigue angelioren, von der Darstellung des Unterrichtswesens zu verhiiten. Professor Wa p piius meinte dagegen, es scheine ilim sonacli heissen zu sollen: „Statislik der Schulen" und Prof. v. Stubenrauch formulirte diesen Antrag da-hin, die Ueberschrift moge lauten : „Statistik der Unter richts-Anstalten“. Ficker enviederte, dass der Inlialt des ganzen Programms-Abschnitts hinreichend darthue, es sei mit der „Statistik des Unterrichts" niclits Anderes gemeint, als eine ^Statistik der Schulen", und v. Baumhauer 1'iigte hei, dass nicht bloss von den Lehranslalten (als Ganzes), sondern auch von dem Lehrpersonale, den Schiilern etc. gesprochen werde. Beide Amendements des Professors W a p piius wurden ver\vorfen. Professor v. Stubenrauch beantragte hierauf, dass der sub b) erwiihnte Antrag der Section aufgegeben werde und hiernach auch der sub d) aufgefiihrte sei-nem grosseren Tlieile nach entfalle. Auf Ficker’s Entgegnung, die Section babe diese Antrage gestellt, weil es ihr unpassend erschienen sei, hei den verschiedenen Kategorien der Volks- und Mittel-Schulen nur en passant der wichtigen Lehrer-Bildungsansta Iten zu er\vahnen, zumal dadurch die richtige Auifassung der Primiir- und Mittel-Schulen beeintriichtigt wiirde, bemerkte Stubenrauch weiter, dass die Mittel zur Bildung der Lehrer eincr bestimmten Classe von Schulen mit diesen Schulen selbst im innigsten Zusammenhange standen, diese Mittel iiberdiess vbllig ausser Betracht bleiben wiirden, \vo sie nicbt cben in einer Special-Schule bc-standen, endlicb allgemeine Special-Sehulen fiir Heranbildung von Lehrern a11er Kate-goricn gar nicht vorkamen. Hegierungsrath Professor S p ring er sprach die Ansicht aus, wenn man zu der urspriinglichen Fassung des Programms zuriickkehren wolle, miisse man das fiir die Lehrer-Bildungsanstalten enhvorfene Schema jedcnfalls unter eigener Rubrik bei den betrelTenden Kategorien von Schulen einschalten, nicbt bloss im Verlaufe der Fragen diescr Kategorien aufnehmen. Auf Ficker's Bemerkung, dass auch dicses nur von den Primar- und Mittel-Schulen gelten konne, da der Antrag der Section sicb nur auf solcbe bezieht, \viihrend die Formulirung des Programms fur die Bildungswege des Universitiits-Lebrstands unangetastet bleibt, zog Stubenrauch das Amendement zuriick. Sechste Section. A. Verhaltniss der Statistik zu ihren Hilfs\vissenschaftcn aus dem Gebiete der Naturkunde. Die Sections-Berathung ging von der schon aus der Lesung des Programms sicb ergebenden Ueberzeugung aus, dass das Ensemblc desselben tadellos sei und nur im Detail an das Gebotene einige Bemerkungen gekniipft \verden konnten. So ervvahnte Quetelet bei der 1. Abtheilung desselben die Bentitzung der Telegraphie zur Bestimmung der geograpbischen Liingcn, lebnte jedoch die Stellung eines diessfalligen Anlrags zum Programme ab. Der von Dr. Boue gestellte und von Sectionsrath Streffleur unterstiitzte Antrag, bei 1, d, den Beisatz „Herstellung von Reli efkarten" aufzunebmen, fiihrte liber Foet ter 1 e’s und S c h m i d l’s Entgegnung , dass die Besprechung solcher Karten vielmebr bei Abscbnitt B des Programms fiir die VI. Section am Platze u iire, zu einer langeren Debaltc, vvoran sicb Se. Durchlaucbt Reicbsrath Furst Salm, Brdiczka und k. k. Ratb Steinhauser betheiligten. Schliesslich \vurde der Antrag, gleicb jenein Gigl’s, die Notlnvendigkeit eincr orthographischen Scbrei-bung der Ortsnamen besonders bervorzubeben, fallcn gelassen. Beziiglich der 2. Abtheilung beantragte Prof. Dr. Schmidi die Weglassung der Bestimmung, dass die Hohenverzeichnisse nacb den Str o m- und Fluss-Gebiete n geordnet sein sollen, und zog die rein alpbabetische Rcihung der tlohenpuncte vor. Diesem Antrage trat die Section bei. lu der 4. Ablheilung vviinschte Dr. Dippe die Ersetzung der Worte „Ebbe und Flut“ bei Binnenseen durch die wissenscbaftlich genauere Stjdisirung „Pcriodische Veriinderungen des Wasserstands“, und Schmidi die Erwiibnung der Statist. Mittheil. 1857. III. Iloft, 9 Beeisung aucli bei den Binnenseen. Beiden Modificationen schloss sich dic Section an. In Betreff der in Abtheilung 6 ervvShnten IIagelsch 1 iige stellte Dr. Lukas eine genaue Begranzung des betroffenen Territoriums als notlnvendig dar; Dr. Fritsch wendete aber die Sclnvierigkeiten ein, mit welchcn eine solehe Angabe verbunden vvare, worauf Brdiczka den Antrag dahin modificirte, dass die Aus-debnung des dadurch verursachten Schadens angegeben werden moge, in welcber Fassung auch die Section das Amendement guthiess. Die vom Professor J a k s h i z h beantragte Aufnahme der Beobacbtungen ii b e r d a s V e r d ii n s t u n g s-\vasser unterblieb, vveil Dr. Fritsch dieselben erfahrungsgemiiss als vollig unpractisch bezeichnete. Da die Abtheilungen 7 und 8 auch die phanologischen Beobachtungen bervihren, welchen die neueste Zeit besondere Aufmerksamkeit zuwendet'), so bil-deten sie den Gegenstand selir eindringlicher Debatten der Section. Filrstedler’s Antrag auf Einfiihrung eines allgemeinen Systems von Beobachtungen der meteorolo-gischen Einflusse auf das Gedeihen und den Erfolg der Ernten wurde zwar auf die Mittlieilungen von Sick. Dr. Fritsch und Qu6telet, dass solehe Beobachtungen in vielen Gegenden Europa's und America’« bereits Statt fanden, niclit weiter ver-folgt. VVolil aber stellte Quetelet den Antrag, Dr. Fritsch moge mit einer ver-gleichenden Namhaftmachung der bislier iiblicheu verschiedenen Beobachtungsweisen auf phanologischemGebiete beauftragt vverden, um hiernach die beziiglichen Partien des Programms erganzen zu konnen. Auf den Vorschlag des Professors Dr. W a p p ii u s und Bergraths Foetterle wurde der Sections-Prasident ersucht, seinen gefeierten Namen dieser Arbeit nicht zu entziehen, wornach er sich zu einer Besprechung daruber mit Dr. Fritsch bereit erklarte. Der von Dr. Fritsch iiber die vorliegende Frage erstattete Bericht erfasste die meteorologischen und speciell die phanologischen Beobachtungen von dem Ge-sichtspuncte des Zusammenhangs der beobachteten Erscheinungen mit dem Ent-wicklungsgange der menschlichen Gesellschaft, und vindicirte ilinen nur in die-scm Zusammenhange eine statistische VVichtigkeit, der es dann enlspreche, dass die Herstellung einer Vergleichbarkeit jener Beobachtungen zu den Aufgaben des Congresses gehore. Als Mittel zur Lijsung dieser Aufgabe bezeichnete Fritsch den Fortbestand des aus Quetelet und ihm bestehenden Sub-Comite’s mit dem Bechte, sich durch Fachmiinner anderer Ijiinder zu verstarken und aus den in verschiedenen ') Ueber den hohen Werth derselben sprach sich auch nachtrSglich Qu e telet in einem an die k. belgiselie Akademie erstatteten Berichte aus: „Cctle etude difficile, mise en avant par le celebre Linne n’ avait d’ abord prin aucun devetoppement, peut-etre parcegu’on n’ avait pas les moyens suff'isants pour l' observation. Ellc fut reprise ensuite, et nolre Academie ful 1’une des premieres a s’en occuper. VAllemagne, toutefois, lui dunna un developpement plus aetif: deja fon avait senti, rim nos voisins, la necessile de inettre en contact les savants qui s'etaient occupes avee le plus de soiu des phenomenes periodiques des plantes et des animaux; on y avait aussi compris l' utilite d’ adopter un programme uniforme, eomme la Belgique. Les avantages de ces recherches, faites avec prudence, ont ete si bien apprecies qu' on voit les gouvemements les plus eelaires chercher a developper des etudes qui doivent necessairement conduire a une Science nouvelle“. L&ndern diessfalls besteliendeii Instructionen, um deren Mittheilung die hohen Begie-rungen anzugehen vviiren, bis zur nachsten Versamnrilung des Congresses eine allge-meinc Instruction fur meteorologische und speciell phanologische Beobachtungen zu verfassen. Bei der Debatte innerhalb der Section \vog jedoch die Ansicht vor, dass es sicli zunachst nur mn dic philriologischen Beobachtungen handle und fur solche nach Quetelet’s gewiss maassgebendem Ausspruche die Inslructionen, welehe an den meteorologischen Stationen Oesterreich’s im Gebrauche sind, sicli als vollkommen ausreichend ervveisen. Professor Dr. Schmidi beantragte demnach, die miter 7 und 8 des Programms angefiihrten sta tis tis c h wichtigen Momente a us dem Pflanzen- und Thier-Leben einfach durch den Abdruck der Instructionen, welche die k. k. Central-Anstalt fur Meteorologie und Erd-Magneti sinus in Wien in Betreff der phiinologischen Be-ob a c h tu ng en hinausgegeben hat, zu vervollstandigen. Dieser Antrag, von Foetterle und Streffleur unterstiitzt, wurde schliesslich angc-nommen. Den Bericht an die allgemeine Versammlung erstatteten in der Sitzung vom S. September Bergrath F o e 11 e r 1 e in deutscher, Akademiker Dr. Ami B o u e in fran-zosischer Sprache. Der Bericht liol) die Nothwendigkeit der Benutzung der von den Naturvvissenschaften gelieferten Thatsachen fur verschiedene Zvveige der Statistik hervorund bemerkte, wie das Bedurfniss fttr den Statistiker, sicli bei ilinen Baths zu erholen, mit ihrer eigenen Verbreitung und Entwicklung iinmer mehr hervorgetreten sei. Er billigte den bereits von der Vorbereitungs-Commission festgehaltenen Grund-satz, dass die Statistik sicli mit der Kenntniss der in den Bereich der Natunvissenschaften fallendenErscheinungen und derGesetze ihres Eintretens zu begniigen habe, ohne in die wissenschaftliche Eriirterung der \virkendenKrafte einzugehen. Ersprach 'veiterhin das einstimmige Urtheil der Section aus, die im Programme enthaltenen Fragep u n c te seien so vor tref fli c h gewahlt und so erschopfend zu-s a m m e n g e steli t, dass die ersten 6 Abtheiluiigen bloss kleinen Aendermigeu uu-terzogen und nur der 7. und 8. (iiber phanologische Erscheinungen) aus den von der k. k. Central-Anstalt fur Meteorologie und Erd-Magnetismus verfassten Instructionen fur derlei Beobachtungen die beziiglichen Stellen als Erganzung beigefugt wurden. Die allgemeine Versammlung, die Ueberzeugung der Section von der Vorziig-liehkeit des vorgelegten Programms theilend, trat diesen Antragen ohne weitere Debatte bei. B. A n w e n d u n g der K a r t o g r a p h i c u n (1 der Gr a p li i k u b c r h a u p t auf Z w ec k e der Statistik. Finanz-Assessor v. Sick, in dessen statistischem Bureau die fragliche Ainven-dung bereits seit Jahren eine sehr grosse Ausdehnung erlangt hat, eroffnete die 9* Debatte innerhalb der Seclion mit Vorlage einer grossen Anzahl von ihm verfasster Karton iiber versehiedene statistischo Verhaltnisse im Konigreiche Wiirtemberg. Er bcinerktc, dass deren bereits iiber 500 bcarbeitet seien, ihre Veroffentlichung jedocli an den grossen Kosten ein Hemmniss gefunden babe. Um die Karton zn ergiinzen, seien Tabellen und Erliiuterungen zusammengestellt, vvelcbe die Beniitzung dersel-ben erleicbtern. Zur Herabminderung der Kosten einer solcben Veroffentlichung beantragte K. Seli mutz, die Schraffirung statt der Farbensteigerung zu gebrauehen. Sectionsratli Streffleur, weleher gleiclifalls der Section cine grosse Zahl kartographischer Arbeiten iiber statistisebe Verhaltnisse des osterreiehischen Kaiserstaats vorlogte, glaubte, an der Farbensteigerung festhalten zu sollen, und schlug, um diese Dar-stellungs-Methode aucb fiir jene unzvveifelhaft zu maeben, welche weniger Uebung im bestimmten Erkennen der Farben besitzen, und uberhaupt moglichst zu vervoll-kommnen, zwolf Nuancen vor: 1. gelbe einfache Striche auf weissem Grunde; 2. gelbe Kreuzstriche auf weissem Grunde; 3. gelber Vollton; 4. rothe einfacbe Striche auf gelbem Grunde; 5. rotbe Kreuzstriche auf gelbem Grunde; G. rotbe einfache Striche auf weissem Grunde; 7. rothe Kreuzstriche auf vveissem Grunde; 8. rother Vollton; 9. blaue einfacbe Striche auf blauem Grunde; 10. blaue Kreuzstriche auf blauem Grunde; 11. blaue einfache Striche auf rothem Grunde; 12. blaue Kreuzstriche auf rothem Grunde. Er beantragte ferner, diese Farbenton-Steigerung fiir alle darzustellenden Verbaltnisse eines Bezirks beizubehalten, dainit man auf der Karte fiir jedes cin-zelne Verhaltniss sofort ablesen kiinne, vvelcbe Rangorduung der Bezirk in der frag-liclien Beziehung einnehme, und jedesmal das giinstigste Verhaltniss durch den dun-kelsten und das ungtinstigste durch deu hellsten auszudrucken. Wo mehr oder Veniger als z\volf Verhiiltniss-Steigerungcn zu berucksicbtigen sind, vviinscht er diesel-ben docli aucb in 12 Classen so vcrtheill zu selien, dass die Extreme von einander abgezogen, die Differenz aber durch 12 dividirt werde. Aus dieser Farben-Scala seien aber in der Zcichnung nur jene Tone anzuvvenden, welche den Verhaltnissen der absoluten Zahlen entsprechen. Eine Tabelle solle dabei stets die Ordnungszahlen der Bezirke, die Farben-Scala, die relativen Zahlen und die ilinen zu Grunde liegen-den absoluten Werthe enthalten. Streffleur fasstc zugleich die im Programme vorgescblagene Darstellungs-wcise der Ind us tri e-Kar ten in das Auge, und schlug vor, zu ihrer Vervollstan-digung den Ausdruck der Productions-Mengen und lVoduetions-NVerthe mittelst klei-ner Quadrate, vvelcbe der Wurzel aus dem zu construirenden Summen-Quadrate gleichkommen, beizufugen. Er wies schliesslich auf die vortrolTlichen C ul tur- Skelete von Tirol und einigen Theilen Ungern's im Maassstabe von 1:30.000 hin, welche die General-Direetion (les Grundsteuer-Catasters der Seetion vorlegte, und machte aufmerksam, wie unbedingt nothwendig bei allen hier in Rede ste-henden graphischen Verhiiltnissen das Arbeiten naeli gleichen Maassen und Ge-wichten sei. Die lebhafte Debatte, welehe sich hieriiber zvvischen deni Anlragstellcr und dem Sections - Priisidenten, Sr. Durchlaucht Fiirsten Salm, Dr. Houe, Brdiczka, Professor Dr. Schmi dl und Bergratli Foetterle entspann, fiihrte zu dem Bescblusse, die letzterwahnte Bemerkung Streffleur’s als den Ge-genstand einer eigenen Verhandlung fallen zu lassen, und seine Antrage beziiglieh der kartographischen Darstellungen einem Sub-Comite zur \veiteren Berathung und Berichterstattung zu/.uweisen. In dasselbe wurden Dr. v. Siek, Streff-leur, Dr. Boue, Foetterle, Schmutz, Brdiczka und k. k. Batli Stein-hauser gevvahlt. Aus den Berathungen dieses Sub-Comite’s ging ein detaillirtes Program m f ii r A11 w e n d u n g der K a r t o g r a p h i e und d c r G r a p h i k Uberhaupt a u f' Zivecke der Statistik hervor, dessen Hauptinhalt in folgenden vier Siitzen beruht: 1. Die graphischen Darstellungen in der Statistik si ud in vielen Fallen mit besonderem Nutzen anzuwenden, namentlich wenn es sich darum handelt, gewisse Ilauptverhaltnisse zur leiclit iiber-siehtlichen Vergleichung zu bringen. 2. Ein erlauternd er T ext soli sie stets begleiten. 3. Man kann die lineare Zeichnung mit Curven, Flachen etc. an und f(ir sich anwenden, oder a u c h c o n v e n t i o n c 11 c Z e i c h e n u n d F a r-bentone aufLandkarten a u bringen. 4. Durcli welche Zeichen Stoff, Intensitat, Baum und Zeit oder d e r e n V e r b i n d u n g a u s g e d r ii c k t, oder w e 1 c h e D a r s t e 11 u n g s \v c i s o uberhaupt angewendet vverden soli, hangt von dem Zwecke und dem Maassstabe der Darstel lung ab, und muss dem Entwerfenden iiberlas-sen bleiben. Speciell wcrden sodann in diesem Programme die L and kar ten mit Farben-ton-Steigerung (mit drei Grundfarben, 12 Classen, Beibehaltung der gleichen Unterahtheilung tur alle darzustellenden Verhaltnisse, und Steigerung der Farben-tone je nach dem Wachsen der Verhaltnisse), die Flur-Karten (Cultur-Karten, mit Bezeichnung der Bonitats-Classen), Industrie-Karte n (mit Beschrankung jeder Karte auf einen Industrie-Zweig oder cine Gruppe vcrwandter Industrie-Zweige, und dem Ausdrucke fur Mengen und Werthe der Productionen), S tras s e n- und Schifffahrts-Karten besprochen. Die Discussion dieses Programms in der Sections-Sitzung erkannte zwar an, dass es viel schatzenswerthes Material enthalte, luhrte jedocli zu keiner definitiven Entscheidung iiber Annahme oder Modificirung seines Details. Der gefasste Beschluss lautete sonach iiber Schmidl's Antrag nur dahin: a) die in dem Programme der Vorbereitungs-Commission vorge-schlagenen Bezeichnungen fiir Strassen- und St rorn-Karten w are n anzunehmen. b) Das eben erwah ute, voii dem Sub-Comit6 der Section vcr-f as s te specielleProgrammiiber die An \vendung der Kar to graji hi e und der G ra p hi k iiber haupt sei dem Bechenschaftsbe-riclite liber die dritte Versammlung des statistischen Con-gresses beizufiigen, damit in der naclisten Versmmlung cin d e fini ti ver Bese hi us s iiber die allgemeine Annahme dessel-b e n e r f o 1 g c n k o n n e. Foetterle in deutseher und Boue in franzosischer Sprache referirten hieruber um 5. September an die allgemeine Versammlung. Regierungsrath Dr. Engel bemerkte: nach seiner Ansicht Hessen sich die Me-thoden graphischcr Darstellung gevvisser Zahlen auf die Darstellung der absoluten und jene der relativen Zahlen, und beziiglich der einen oder der anderen ent\veder in ihrer Buhe oder in ihrer Bewegung zuriickfiihren; die Darstellung der absoluten Zahlen (in statistisch-topographischen Karten) habe ilire volle VVichtigkeit, hingegen sei jene der relativen Zahlen kein Fortschritt der Wissen-schaft, da sie nur immer cin einzelnes Verhaltniss und dieses in moglichst wenigen Abstufungen wiedergeben konne, wiihrend die Tabelle eine Menge raumlicher, zeitlieher und sachlicher Verschiedenheiten zur Anschauung bringt. Speciell ver-wahrte er sich gegen einige im Programme der Vorbereitungs-Commission ge-wahlte Bezeichnungen, weil er sie nicht fiir wissenschaftliche halten konne. Doch stellte er schliesslich aus Biicksicht auf die knapp bemessene Zeit fiir diese Verhand-lung kein Amendement. Sectionsrath Streffleur entgegnete, der Vorschlag des Sub-Comite's gehe eben auch dahin, moglichst nur die absoluten Zahlen und liloss, \vo diess nicht moglich ist, wenigstens die VerhSltnisse derselben zu Darstellung gebracht zu sehen. Die Antrage der Section wurden zum Beschlusse der allgemeinen Versammlung erhoben. C. Statistik der c t lino grap hi seli en Verschiedenheiten innerhalb e i ii e s Staats. Da dem vorgelegtcn Programme die ethnographische Karte und das gross-artige Werk des Freiherrn v. Czoernig zur Seite stand, so ergab sich nur nach zwei Richtungen eine Discussion. Sectionsrath Streffleur beantragte, im Puncte 3 das Wort „statistisch“ vor „Darstellung der einzelnen Volksstamme nach der Zalil der jedem Volksstamme an-gehorigen Bewohner und dem Umfange der von ihnen eingenommenen Wohnsitze“ hintvegzulassen, weil mit dieser Darstellung erst die Grundlage (ur weiterc ethno-graphisch-statistische Arbeiten gegeben sei. Dieser vom Freiherrn v. Baumgart-ner iinterstiitzte Antrag \vurde angenommen, hiugegen der andere abgelehnt, wor-naeli Streffleur wiinschte, dass Punct 4 die Fassung erhalte: „Statistische Nacli-vveisuug der Eigenthumlichkeiten der verschiedenen Nationalitaten, und zwar des phy-siscben, moralischen und geistigen Menschen“. Er meinte namlich, die im Programmo erwalmte „Charakteristik der Volksstamme nach ilirer geistigen und physischen Eigentliiimlichkeit“ gehore nicht zur Statistik, welche bestimmte Zahlenangaben und Rechnungen liber den Menscben nach Quetelet’s Muster fordere: hierbei whren uber die Massen nicht nach Venvaltungsgebieten, sondern nach ethnographischen Hegranzuugen zu trenrien, und die Einwirkung der orographischen und geognosti-schen Verhaltnisse, des Klima’s, der Dichtigkeit der Bevolkerung, ilirer VVohlhaben-heit oder Armuth u. s. w. zu erforschcn, um schliesslich den Einfluss der nationalen Eigenthumlichkeiten auf die Zustiinde, wenigstens annahernd, selbst nach seinem Maasse bestimmen zu konnen. Schliesslich bemcrkte Streffleur, dass aucli bei Stammen einer und derselben Nation, so wie bei ganz kleinen Gruppen fremder Nationalitaten die ethnographische Verschiedenheit und ihr Einfluss statistisch wichtig sei. Alexander Gigl, Heamter der administrativen Bibliolhek im k. k. Ministerium des Innern, legte cine graphische Darstellung der geistigen Bevvegung aller Volksstamme des osterreichischen Kaiserstaats fiir 183K vor, \vobei die Bevbl-kerungsdichtigkeit der Kronlander und die literarische Produetion derselben nach der Summe der in jenem Jahre gedruckten Biinde und llefte die beiden Hauptmo-mente bilden. Er kniipfte diese Vorlage an den Punct 4 des Programms: „Charak-teristik der Volksstamme nach ihrer geistigen Eigenthiimlichkeit", unter welchen Puneten gewiss aucli das geistige und Cultur-Leben, somit aucli die literarische Pro-duction begriffen sei. Ueber die Zweckmiissigkeit dieser Darstellungs\veise entspann sich cine langere Dcbatte, da Reichsrath Furst S a l m die (jualitative Seite jener Produetion vermisste, Professor Dr. Schmid l den Verlagsort nicht als ausschlag-gebend bezeichuete, Dr. Ami Boue einc Vervollstiindigung der Tabelle nach den Fachern der Wissenschaften, nach Verlagsorten und Autoren fiir nothig erkliirte. Ereiherr v. Baumgartner wunschte, wenigstens den Beisatz auf den Titel der Skizze aufgenommen zu sehen: „n a c h der Zalil der in den einzelnenKron-landern erschienenen Druckschriften bemessen", womit sicli der Ver-fasser einverstanden erkliirte. Eine weitere Folge wurde der Vorlage nicht gegeben, der Berichterstatter aber beauftragt, dieser Mittheilung bei dem Vortrage an die allgemeine Versammlung zu erwahnen '). l) Kine gleiche Erwiihnung trug die Section ilircm Berichterstatter bczuglich der Vrortriige S. D. des Reichsraths Fiirsten Salm iiber die Construction der Log uri tli m en in ilirer Ainvendung nuf Statistik und des Akademikers l)r. Ami Boue bczuglich einer Statistik der A k a d e m i e n, g e I e h r t c n G e s e 11 s c b a f t e n, g e w i s s e r vvissenscbaftlicb er Institute u n d p e r i od i s c he n D ruc ks eh r i ften nuf, indem sie in diesen Mittheilungen wichtige Bcitrligo fiir ihro Thiitigkeit erkannte. Den Bericht an die allgemeine Versammlung erstatteten in der Sitzung vom 5. September Bergrath Foetterle in deutscher, Akademiker Dr. Boue in franzo-sischer Spraclie. Aueh dieser Bericht venvies auf die grosse ethnographische Arbeit des Freiherrn von Czoernig, und formulirte sehliesslicli den Antrag: „die im Programme enthaltenen etlinographisch-statistischen Momente als Grundlagen ftir weitere auf Etbnograpliie beziigliche statistiscbe Fragen und Nachweisungen zu empfehlen“. Da aucb das Programm und der vorangehende Bericht nur beabsiclitigt hatte, jene Puncte bervorzuheben, von denen man auszugehen hiitte, wenn der etlmogra-phischen Statistik eine grossere Ausdebnung gegeben werden solite, so lag kein Gegenstand der Debatte vor, und der Antrag der Seetion wurde einstimmig gut-geheissen. VIL Die gestellten An tr Lig e, welche im Congresse zur Verhandlung kamen, bezogen sich theils auf Programms-Gegenstande, theils auf die einer nachsten Versammlung des Congresses zu stellenden Aufgaben, theils auf die Verhandlungs-Formen kiinf-liger Versammlungen, theils auf die Ausdehnung der Theilnahme an denselben. A. Antriige, welche mit dem Programrne im Zusammenbange stan-den, wurden entvveder unmittelbar bei den beziiglichen Sectioneu eingebracht oder vom Prasidenten des Congresses an dieselben gewiesen. 1. Der ersten Section fiel ein in der allgemeinen Versammlung vom 3. September gutgeheissener Antrag des Pester Comitats-Physicus Dr. Glatter zu, welchem General-Director A. Varrentrapp, Finanzrath G. llopf, Dr. Stuhlmann, Pro-lessor v. Stubenrauch, die Doctoren Czykanek, Karl und Moriz Hal le r, Kolisch und Stuhlberger beigetreten waren. Dieser Antrag ging dahin, dass sich in den Hauptstadten der einzelnen Staaten in den statistischen Bureaux beson-dere Comites bilden mochten, um die arztlich-statistischen Beziehungen der in geeigneter Art anzuregenden Sanitats-Individuen unter einander im Lande und ausser demselben zu vermitteln, die eingelaufencn Arbeiten zu sammeln, zu sichten und zur Vorlage filr die nachste Versaminlung des Congresses vorzubereiten. Die Section legte aber in vveiterein Verlaufe derselben Sitzung, welche obigen Antrag iu Berucksichtigung zu ziehen beschloss, ihre eigene Scblussfassung vor, 'velehe auf die Errichtung eigener medicinisch-statistischer Bureaux abzielte. Die allgemeine Versammlung lehnte diesen Sections-Hesehluss ab, und begniigte sich, nach dem Antrage von Legoyt und Stubenrauch auszusprechen, jeder Staat miige die Bearbeitung des Materials fiir Mortalitiits-Statistik sachverstiindigen Orga-»en zuweisen >)• Hiermit entfiel auch jener Antrag. ‘) bas Niihcro siclie S. 1)6 f. dieses Ucrichts. In der Section selbst stellte Sanitatsrath Dr. A. Mii lir y aus Giittingen dcn Anlrag: die liohen Regierungen mogen ersucht werden a) alle hewohnten O rt c ihrer Lander, vrelche in der Seeliolie von 3.000' und dariiber licgen, ver-/.eichnen und nacli Moglichkeit deri Einfluss dieser Seeliolie auf das Vorkommen der Lun gen-Sch windsu cht erheben zu lasscn; /3) geograpliisclie Uebersichten aller jener Gegenden ausfilhren zu lassen, in welcben Mal aria-Kra n klieiten vorkommen. Dr. Miihry motivirte seine Antriige dadurcb, dass der erstere theils erproben solle, ob die Lungen-Sclnvindsucht in der bezeichneten Seeliolie wirklicb bedeutend seltener vorkommt, theils die erwabnten Orte als climatisclie Heilorte oder Schutz-orte bei erblicber oder envorbener Anlage zu jenom Uebel zu ermitteln bez\vecke, der letztere aber bei der zerstreuten Lage der fraglichen Gegenden an den Kiisten-und Fluss-Mundungen, in Fluss-Thalern und Niederungen mit tbonhaltigem Roden wielitige topographische Daten iiber Salubritats-VerhSltnisse und bicrnach ein Mittel an die Hand geben diirfte, solclie Malaria-Gegenden zu sanificiren oder doeli vor denselben zu warnen. Die Section trat beiden Antragen vollstiindig bei; Medicinalratli Dr. Ilelm berichtete hieriiber (in deutscher und franzosiscber Spraclie) am K. September an die allgemeine Versammlung, vvelclie den Sections-Beschluss adoptirte. 2. In der Plenar-Versammlung vom 3. September brachten Prof. Dr. Ackersdyk, A. Visschers, Regierungsratli Dr. E n gel, geheimer Justizratli Dr. Neigebaur, Graf Reinliard, Ministerialrath Dietz, Prof. Wolo\vski, Ministerialratli Wiesner, die Handelskammer-Secretare Noback, Pesty, Rosa, Schneider, V os s, Karl Zimmermann, Dr. Schmidt, Prof. Dr. Jonak den Antrag ein, dass die Arbeiten der Commission fur Statistik der Straf-Rechtspflege sicli aucli auf die Straf - Gesetzgebung der vereinigten Staaten von Nord - A meri ca ausdelinen mochten. Ministerialrath Ilitter v. Ilye bemerkte, dass die zweite Section bereits in Folge der ihr mitgelheilten Zuschriften der Professoren geli. Hofrath Mittermaier und Tellkampf sich mit dieser Frage beschaftigte, sie jedoch \vegen der unverkennbaren Schwierigkeiten einer solchen Ausdelmung der Arbeit fal-len liess, aber bei einem von so vielen Autoritaten unterstutzten Antrage gerne wieder aufnehmen und sich mit den Antragstellern in Einverstandniss setzen \verde, um die zur Theilnahme an der Arbeit befiihigten Manner innerhalb der vereinigten Staaten kennen zu lernen. Rci derDebatte innerhalb der Section, woran sich besonders Dr. Aslier, Staats-ratli Dr. David, geli. Justizratli Dr. Neigebaur und Prof. Wolowski betheilig-ten, wurde das Wunsehens\verthe einer solchen Ausdelmung der beschlossenen Arbeiten im vollen Maasse anerkannt, nebst den schou beriihrten Sclnvierigkeiten aber aucli die Nothvvendigkeit geltend gemacht, die iibrigen Staaten des americani-schen Festlands, unter \velchen sich z. R. Brasilien einer sehr guten Gesetzgebung erfreut, gleichfalls in die Aufgabe der Commission einzubeziehen. Die Section beschloss desshalb, den Antrag dahin zu modificiren: „Der Con-gress wolle aussprechen, dass, solite es dem niedergesetzten Comite gelingen, seine Arbeiten auch auf die americaniscben Strafgesetz-g e b im g e 11, namentlich auf die v e r e i n i g t e 11 S t a a t e n N o r d - A m e r i c a's, auszudehnen, hierdurch das von ihm zu liefernde Elaborat nur bedeutend gevvinnen wiirde“. Dr. A sli er referirte liber diesen Antrag (in deutscher und franzosischer Spraclie) ain 4. September, und die allgemeine Versammlung trat dem Sections-Besclilusse bei. 3. Staatsrath Graf Dubois kniipfte in der allgemeinen Sitzung voin 3. September an Lcgoyt’s Vortrag iiber die Leistungen ftir Statistik in Fraukreich die Vorlegung eines Werks Uber Eisenbahn-Statistik Frankreicb's, an welchem miter seiner Leitung besonders Lecliatellier, Nicolas und Borredon gearbeitet batten *), und jene einer graphiseben Darsteilung, in \veleher der Verfasser, Nieolas, eine vollstiindige Geschichte der franzosischen Eisenbahnen, mit Riicksicht auf Aiihigekosten und Betriebsergebnisse, zu liefern beabsichtigte. Das erste Tableau umfasste die Langen der coueessionirten und der in Betrieb gesetzten Linien fur 18f>S; d;is zvveite die Kosten der ersten Einrichtung vom 1833 bis zum Schlusse des Jalirs 18J»K; das dritte die Bewegung von Bcisenden und Fracbten, in absoluten Ziflern und ftir jeden Kilometre, fiir 18fJG; das vierte gibt die Durchscbnitts-ziffer der Bewegung von Beisenden, Fracbten und Ziigen fiir einen Tag und einen Kilometre; das fiinfte die Durchschnittszifler der Einricbtungskosten fiir den Kilometre; das secbste den Durchscbnitt der Tarifsatze fur den Kilometre; das siebente "nd aclite Einnabmen, Ausgaben und Reinertrag fiir den Kilometre. Nacb dem Wunsebe des Grafen Dubois, dessen Bede auch Daten iiber die Jiingsten Fortscbritte des Eisenbahnwesens in Fraukreich bracbte, wurden Bucli und l’ableaux der sechsten Section zugewiesen. Unmittelbar der Section iibergab Staatsrath Dr. David seine graphische Darsteilung der Volksdichtigkeit Diinemark's und ilirer Bewegung in dem Zeitraumc von 184S bis 18S5. Die Section erkannte die vom Grafen Dubois vorgelegten Tableaux als sehr 'ibersichtlich und gut ausgefiihrt an, und erklarte die Idee David's, die Maasse •ncht nacli Mittelwerthen, sondern nacli der wabren Natur der Verhaltnisse darzu-stellen, folglicb auch die Bezirke niclit nach einer gegebenen administrativen Ein-theilung, sondern nach den eben in Frage stehenden Momenten und ihrem Wecbsel alizugriinzen, fiir einen wahren Fortschritt in der Wissenscbaft, dessen immer um-fassendere Anwendung nur als bochst wunschenswerth bezeichnet vverden miisse. ') Sehr riclitig bomcrkt Legoyt (Hume contemporianc T. 34, p. 333): „On n rcmarqur a modcstie pleine de gout avec Inijuelle V orateur, dissirrmlant la part considerablc qu’il avail eue a cetle publication, s’ est exchmvement attache a mettre en relief le concours de ces cutta-’>orateurn“. Sectionsrath Streffleur in deutscher und Akademiker Dr. Arni Boue in fran-ziisischer Sprache berichteten am S. September ari die allgemeine Versammlung und stellten iin Namen der VI. Section den Antrag: „der Congress miige sicli dahin aussprechen, dass die in den Tableaux des Staatsraths Grafen Dubois und der Karte des Staatraths Dr. David gewiililten Darstellungs-Methoden zur Anwendung in analogen Fallen zu empfehlen sejen1*. Der Congress trat diesem Antrage bei. In derselben Section stellte Professor Ko ris tka den Antrag: „Der Congress miige a u f die T a g e s o r d n u n g des n ac h s t e n C o n g r e s s e s folgende Frage stellen: \Vie ware in die graphische Darstellung grosser Stiidte (die sogenannten St adt plane) e in e grossere Einheit und eine z vveckmassigere Bezeichnung zu bringen, so dass die orographische Lage derselben, die Canalisirung und Wasserversorgung, die Bauart und Stockvverkszahl der Hauser, so \vie alle jene Momente, welche den pbysischen Charakter einer Stadt bestimmen, aus dieser Darstellung erkannt werden konnen". Die Section trat diesem Antrage bei; Bergrath Foetterle in deutscher, Ami Boue in franzosischer Sprache, referirten daruber am 5. September an die allgemeine Versammlung, und nacli der Bemerkung des Congress-Prasidenten, dass die Absicht \vabrscheinlich dahin gehen durfte, diesen Fragepunct in das Programm der nachsten Versammlung des Congresses aufgenommen zu selien, indein die Tagesordnung fiir jede einzelne Sitzung von dem Bureau festgestellt werde, wurde der Beschluss gefasst, den Antrag K o f i s t k a's der nachst-fungirenden V o r-bereitungs-Commission zu iibervveisen, damit sie den ihr angemessen scheinenden Gebrauch hiervon bei Entvverfung des Programms der vierten Versammlung des Congresses mache. it. Die drei Antrage, vvelche a us s er h alb des Programms der gegemvar-tigen Versammlung des Congresses liegende Aufgaben der nachsten bezeiehneten ‘). hatten mit den in der III., IV. und V. Section behandclten Gegenstanden die niichste Verwandtschaft, und kamen demnach auch in den envahnten Sectionen zur Be-sprechung. ’) Weitere Gegenstiinde der Verbandlung auf der niiclisten Versammlung wcrden ausser den jetzt zu besprechenden noch (vergleiche SS. 99 IV., 104 f., 128, 133 f., 140) bilden: a) die Arbeiten der Coinmission fur Statistik der Straf-Rechtspflege, \velche von der II. Section beantragt wurde; h j die Materialien iiber Vertheilung und Belastung des Grundeigenthums in den versehie-denen Landern, deren Sammlung gleielifalls iiber Antrag der II. Section besclilossen wor-den ist; c) die Kormularien fiir die Statistik der Special-Scbulen, deren Uearbeitung iiber Antrag der V. Section der niichsten Versammlung iiberlassen blieb; d) das voin Sub-Comite der VI. Scction verfasste specielle l‘rogramm iiber Anwendung der Graphik auf Zwecke der Statistik; e) die Frage iiber Herstellung mebrerer Einheit und zweckmSssiger Bezcichnungen in den graphiseben Uarstellungen grosser Sliidte, welcbe von der VI. Section als Aufgabc der nacli-sten Versammlung beantragt wurde. Dr. Soetbeer und Dr. Otto Hiibner brachten in der dritten Section den Antrag ein: „ Der Congress moge den Wunscb aussprechen, dass das Vorb erei-• u n g s - C o in i t c d e s nachsten i n t e r n a t i o n a I c n C o n g r e s s c s f u r Statistik einen Entwurf ausarbeite, vvie in moglichst gleichmiissiger und v o 11-stiindiger Weise eine tibersicbtliche Zusammenstellung iiber die in d e n e i n z e 1 n e n S t a a t e n bestehendenoder n e u zn b c g r ii n d e n d e n B a n-ken, Credit-Institute und sonstigen Actien-Gesellschaften und iiber die liauptsadiliclisten Ergebnisse der jahrlichen Geschiiftsthatig-keit derselben zu bewirken sei, und dass dasVorbereitungs-Comite sich, soweit thunlich, der Miihe unterzieben \volle, auf Grund der vori den verschiedenen Begierun-gen zeitig zu erbittenden Mittheilung der letzten Jahresabrecluiungen der erwahn-Anstalten und sonstigen dahin gehorigen Naclnveise, eine statistische Vorlage dieser Art anzufertigen, damit der nachste Congress nach Priifung solchen Entwurfs und solcher Vorlage das Weitere beschliesse. Es versteht sich iibrigens von selbst, dass es nicbt die Meinung sein kann, eine Specification der Wirksamkeit sammtlicher Actien-Gesellschaften herbeizufuhren, sondern hierfiir gewisse Kategorien aufzustellen sein \verden“. Die hohe Bedeutung, vvelche das Credits- und Associations-Wesen mit seinem tiefen Eingreifen in alle Verliiiltnisse des Erwerbs und Vermbgens erlangt bat, macht die Anfertigung vergleiclibarer Formularien fiir eine Statistik ihrer Ausdehnung und Ent\vieklung wiinschenswerth. Schon jetzt \verden aus Venvaltungs-Bueksichten in den meisten Staaten dcrartige Einrichtungen veranstaltet, und die Jahresrech-nungen in grosser Zalil veroffentliclit; eine miiglichst uinfassende und zuverlassige Zusammenstellung der gedaehten Art reicht jedoch iiber die Krafte eines Einzelnen hinaus. Namentlich vviiren in Bezug auf Actien-Gesellschaften gevvisse Buhriken aufzustellen, wornach dieselben einzutheilen kiimen, um die Entwicklung des Actienwesens nach den verschiedenen Bichtungen seiner Thatigkeit in den einzelnen Staaten desto leichter iibersehen und vergleichen zu konnen. Die Miihevvaltung, welche aus dem letzten Theile des Antrags fur die Vorbereitungs-Commission der nachsten Versamm-lung ervvachst, kiinne ihr nicht erspart werden, da sonst diese Versammlung selbst ausser Stande ware, in der kurzen Zeit ihrer Berathungen mit geniigender Ueber-sicht der in Betracht kommenden Verliiiltnisse iiber die ihr gemachten Vorschliige Beschliisse zu fassen. Die Vorbereitungs-Commission hatte bereits iiber einen ahnlichen Antrag ihres Secretars nach dem Berichte des Freiherrn v. Czoernig beschlossen, diesen Gegenstand der Behandlung einer spiiteren Versammlung anheimzustellen, da die Erfahrung noch zu kurz sei, um darauf eine maassgebende Beurtheilung dieser lief eingreifenden Institute griinden zu konnen. Um so unbedenklicher trat die Section •rnd auf den vom Sections-Chef Bitter v. U ock in deutscher und von X. Heuschling m franzosischer Sprache am 5. September erstatteten Bericht auch die allgemeiiie Versammlung dem Antrage bei. 2. In dcr allgemeinen Versammlung vom 4. September braehte der Handelskam-mer-Secretiir von Verona, Alexander v. Sagrainoso, den Antrag: „Nachdem der Antrag der vierten Seetion in Betreff der Industrie-Statistik zum Bescblusse erhoben worden ist und sornit der Uirifang dieser Ablheilung der statistischen Arbeiten auf die blosse Gewerbs-Industrie beschržnkt blieb, mogen in das Programm der vierten Versammlung des statistischen Congresses auch a 11 e iibri-gen Branchen der Vol kswi rthschaft und namentlich der Acker- und F or st ban aufgenommen werden“. Obwohl Regierungsrath Dr. Engel einvvendete, dass die beiden vorangehenden Versammlungen des Congresses bereits iiber die Statistik des Ackerbaus, des Han-dels, der Eisenbahnen, Land- und Wasser-Communicationen Beschliisse gefasst ha-ben und fast nichts Weiteres, als die Forstwirthschaft, eriibrige, wurde der Antrag an die vierle Seetion iibenviesen. Die Seetion waram Schlusse derThatigkeit des Congresses nicbt in der Lage, sicli in eine neue umstandlicbe Debatte einzulassen, und beauftragte demnach ihren Vorsitzenden, Freiherrn v. C z o er ni g, der Plenar-Ver-sammlung vorzusehlagen , dass der Antrag Sagramoso’s der V or bere itungs-Comrnission der n it c listen Versammlung des Congresses iibergeben werde, um nach den etwa obwaItenden speeicllen Verhaltnissen zn beurtbeilen, inwieferne der Antrag den Vorzug vor anderen Gegenstanden beanspruchen konne. Diescm Vorscblage trat die Plenar-Versammlung ain 5. September bei. 3. VVeitaus den interessantesten Stoli'der Vcrbandlung bot unter den drei crvvahn-ten Antriigen jener, welchen in der allgemeinen Versammlung vom 3. September Ministerialrath ltitter v. Lasser, als Vertreter des k. k. Ministeriums des Innern bei dem Congresse, und Dr. Constantin v. W ur zb acb, als Verfasser der bibliograpbiseb-statiseben Uebersicbt der Literatur des osterreichischen Kaiserstaats tur 1833 bis 1833 *), stellten, „dass eine kiinftige Versammlung des statistischen Congresses die statistischen Uebersichten und Darstellungen der L i t e-r a t u r in den e i n z e 1 n e n S t a a t e n zum G e g e n s t a n d e derPrufung machen und hierbei insbesondere Gelegenheit nehmen miige, aus-zusprechen, ob die diessfalls bei dem Ministerium des Innern ein-g e h a 11 e n e n F o r m e n z \v e e k m a s s i g s e i e n oder w e 1 c h e A e n d e r u n g e n daran vorzunehm en waren“. Staatsrath v. H e r m a n n fiigte sofort bei, dass er, durch die grundliche und gliickliehe Durchfiihrung der uberaus wiehtigen Idee, in dercn Sinne der Bericht Wurzbach s in soleher Vollstandigkeit und so gegliederter Ordnung einen ausser-ordentlichen Reichthum von Daten vor das Auge bringt, sehr erfreut, den Antrag recht dringeud unterstiitze. Secretar Debrauz spraeh sich gleichfalls dahin aus, ') Sielio S. 1!) ff. « dass man den Antrag nur mit der grossten Befriedigung aufnehmen kiinne, und die Vorziige des dem Congresse vorliegenden Berichts iiber die Literatur-Statistik Oesterreiclfs bei genauerer Priifung immer vollstandiger wiirdigen werde. Audi Professor Wolowski erkannte die TrefTIichkeit der Arheit Wurzbach's an und empfahl dieselbe als Muster fur ahnliche Arbeiten anderer Lander, zu deren Anre-gung der Antrag, iiber jene Priifung hinausgehend, ja eben fiibren solle. Der Antrag \vurde der fiinften Section zugewiesen. Begierungsrath Dr. Engel sprach sieh in derselben dahin aus, dass kein Stapt der Erde etwas Aebnliches tur Literatur-Statistik aufzuvveisen habe, wie diese von einem Hiesentleisse zeugenden Arlieiten Oesterreicb’s, dass er sie aber docli nicht fiir geeignet balte, den Rahmen fiir eine Literatur-Statistik aller Staaten zu bilden, weil nur wenige statistische Bureaux so viele Zeit und Kraft einem einzelnen Zvveige der Statislik zmveriden kormten, und weil diese Uebersicliteu zugleicli einen bibliographischen Charakter an sieli tragen. Was die fiir eine internationale Literatur-Statistik zu \vahlende Form betritTt, miisse sieli in ibr sowobl die nationale, als die volkswirtlischaftlicbe und die sittliclie und intellectuelle Bedeutung der Frage abspiegeln, und nach einer zweckmassigen Eintheilung der Wissenschaften in genaue Erwagung gezogen \ver-den, wie es mit Bestimmung der Quantitaten in der Literatur zu balten und ob der Beurtheilung der Qualitiit literariseher Erzeugnisse Raum zu geben sei. Fiir seine Person erkliirte sieli Engel gegen jede Einbeziehung der Kritik in die Literatur-Statistik, um die letztere nicht des ureigenen Cbarakters der Unparteiliclikeit zu cntkleiden. Er kniipfte endlich an das Besprochene den Wunsch, dass die Aufinerk-samkeit der Vorbereitungs-Coinmission fiir die nachste Versamnilung des Congresses auf die Beschaffung eines Bepertoriums der statistischen und nalional-okonomischen Literatur gelenkt vverde, um namentlich die Fluchtigkeit vieler interessanter Journal-Artikel zu bannen, und dass neben der Statistik des geschriebenen Worts auch jene des gesprochenen, die Statistik des Tbeaters, als eines der wiebtigsten Bildungs-mittel unserer Zeit, die verdiente Beriieksiehtiguug finden miige. Dr. v. Wurzbach entgegnete, der sclion liier und da laut gewordene Glaube, als \viire die Literatur-Statistik eine sehr kostspielige Arbeit, sei vollkommen irrig, es diirfte vielmehr nur wenige so \vohlfeile statistische Arbeiten geben, als die Literatur-Statistik Oesterreich’s, und das Tbeuerste daran die Druckkosten sein, 'velche der Staat bestreitet, da Wurzbach die Arbeit selbst in seiner ausseramt-licben Zeit, um einem persijnlichen Wunscbe des Herrn Ministers des Innern zu entsprechen, als Probe geleistet habe und jetzt erst einer Anordnung gewartig sei, welche deren Fortsetzung entweder beschliessen oder aufheben \vird. Bei der Form der Berichte seien jedoch allerdings zunžehst die osterreichischen Verhiiltnisse ins Auge gefasst worden, so eigentlnimliche Verhiiltnisse, dass die angenonunene Form kauin fiir einen anderen — meist einspraehigen — Staat ganz passen diirfte, vvess-halb er auch von der kiihnen Idee, dieses System allen anderen aufzudringen, weit entfernt sei. Was das kritische Element betrifft, \velches Engel aus dein Berichte ausgeschieden wissen wolle, so vverde eine genaue Priifung des VVerks \vohl die Ansicht hieruber inoditiciren. Vielleicht \vurde nach einer solchen Priifung auch der Wunsch EngeTs nach Besehaffung eines Repertoriums die statistiseh-national-okonoinische Literatur, um namentlich die Fliichtigkeit vieler interessanter Journal-Artikel zu bannen, mit dem I3eisatze versehen werden: „wie fur Oesterreich bereits Dr. von Wurzbach in seinen Berichten, namentlich im drit-ten, mitgutem Beispielevorangegangenist, und im Vorworte auf diesen Umstand und dessen Wichtigkeit besonders die Aufmerksamkeit der Versammlung und eines .Teden, der an der Literatur-Statistik Antheil nimmt, gelenkt hat“. Auch H. S. Hertz theilte die Ueberzeugung, dass der grossere Theil der Bemerkungen EngeTs nur als seine subjective Ansieht iiber die Arbeit Wurz-bach's gelten kiinne, \vahrend die der Section vorliegende Frage bloss die Biithlich-keit einer Aufnahme der Literatur-Statistik in das Programm der nachsten Versammlung sei. UeberAntrag desMinisterialratbs Dr. Tomasehek einigte sicli hierauf die Section dahin, der allgerneinen Versamnduug sei der Bescbluss vorzuscblagen: „In dem Programme der vierten Versammlung des internationa-len statisti seli en Congresses m o ge die Bearbeitung der Literatur-Statistik eine entsprechende Stelle finden, wobei die Aufmerksamkeit der nachst-fungirenden Vorbereitungs-Commission auf VVurz-bacli's bibliographisch-statistische Uebersichten der Literatur des osterreichisehen Kaiserstaats besonders darum gelenkt werde, \v e i 1 sie das Vollstandigste si n d, was bisjetztin dieserHinsieht geleistet \vorden ist“, — zugleich aber dem zum Beriebterstatter erwahlten Begierungsrathe Dr. E n gel unbenommen zu lassen, dass er seine individuellen An-sichten als solehe beifiige. Engel erstattete am 4. September den Bericht in deutseber Sprache; Secretiir Debrauz ubertrug ihn sofort in das Franzosische. Der Antrag der Section wurde einstimmig angenoinmen, die weitere Beacbtung der Bemerkungen EngeTs der C. Die Antrage, \velche sich auf die Verhandlungsform kiinftiger Versammlung e n des Congresses bezogen , waren beide von liolier Wieb-tigkeit fiir die Zwecke derselben. 1. In der Sitzung vom 2. September stellte Professor Wolowski den Antrag: „Die amtlichen Vertreter der versebiedenen Staaten sind ein-g e 1 a d e n, in der e r s t e n S i t z u n g der nachsten Versammlung des i n t e r-nationalen Congresses fur Statistik iiber Dasjenige Bericht zu er-s t a 11 e n, w a s in i h r e n L a n d e r n z u r Ausfiihrung der Beschliisse de r fruheren V c r s a m m 1 u n g e n g e s c h e h e n i s tw. In Abwescnheit des Antragstellers iibernahm Secretiir Debrauz die nabere Motivirung der Proposition, welche auf die \vohlberechtigte Frage nach den prac-tischen Resultaten der periodischen Abhaltung eines statistischen Congresses die beste Antwort vermittle. Er vvies auf die hiichst interessante Mittlieilung des Grafen Ripalda uber die amtliehc Statistik Spanien’s hin, wo man endlich erkannt habe, welche grosse Dienste sie dem Reiche zu leisten berufen sei; er machte auf die Schiitzc statistischer Documente aufmerksam, welcbe „Oesterreich’s Colbert*, Freiherr v. Bruck, dem Congresse vorgelegt babe. Die Statistik, welche Iange genug nur eine Beschaftigung speculativer Gelebrter gewesen, trete immer mebr in das practiscbe Leben ein, und die Regierungen fangen an, sie zu scbatzen und zu pflegen. Wolowski’s Antrag werde ihnen nun die \villkommene Gelegenbeit bieten, bekannt zu geben, vvas sie von einer Zeitfrist zur anderen fiir Fiirderung der Statistik, einer gevvaltigen Hilfsmacht der Administration in allen iliren Zvveigen, getban. Nach dieser mit vielem Beifalle aufgenommenen Rede wurde die Uebervveisung des Antrags an die vi er te Section gutgeheissen. In der Section betbeiligten sich an der Debatte Wolowski, Debrauz, Freiherr v. Czoernig, Prof. Dr. S tein, Ministerialrath Diet z und Regierungsrath Dr. Engel, welcher eine Abkiirzung dieser Bericbte durch ilire Zusammenstel-lung mittelst eines Redactions-Comite’s anregte. Die Section beschloss, den Antrag Wolowski’s dem Congresse in der Art zur Annahme zu empfehlen, dass die Vorbereitungs-Commission seiner nachsten Ver-sammlung zur Beriicksichtigung desselben bei Entwerfung des Programms eingela-den werde, und in der Motivirung hervorzuheben, dass hierdurcb den Vertretern der Regierungen ihr Recht gewahrt werde, die Fortschritte der Statistik in iliren Liindern und ibre eigene Thatigkeit nachzuweisen, und dass dieses kiirzer, praciser und gleichformiger als bisher geschehen konne. S tein erstattete ain 4. September (in deutscher und franzosiscber Sprache) den Bericht an die allgemcine Versammlung. Er bob hervor, der statistischc Con-gress liefere einen machtigen Bevveis fiir die Tbatsache, welche unsere Gegenwart beherrscht und die Grundlage der Entwicklung Europa’s zu bilden bestimmt ist, dass das Einverstandniss der Machte Europa’s die Quelle aller Elemente des Segens ist, deren sich die gesittete Welt erfreut. Die Regierungen, welcbe ihn beschickten, \viir-den aucb seinen VViinschen Recbnung tragen und ihn durch diescu Erfolg zu weiteren Anstrengungen ermuthigen. lin Geiste dieser Regierungen miisse es also aucb liegen, dass sie durch ihre Vertreter der jedesmaligen Versammlung des Congresses erklii-ren lassen, in vvelcbem Maasse sie von den Ergebnissen friiherer Verhandlungen fiir ihre statistische Thatigkeit Gebrauch gemacht haben. Da nun aber die Entvvieklung dieser Thatigkeit in verschiedenen Staaten sehr verschieden ist und hiichst ungleich-artigen Hindernissen begegnet, miisse man der Ausfiihrung dieses Reschlusses jene Freiheit der Bewegung geben, die allein auf einem so grossen und neuen Gebiete internationaler Thatigkeit einen allgemeinen, dauennlen Erfolg sichern konne. Wolo vvski fugte dem Sections-Berichte bei, das Muster von Berichten, wie er sie bei seinem Antrage vor Augen gehabt, sei der Vortrag des Freiherrn v. Czoernig uber die Leistungen der amtlichen Statistik Oesterreich's; in dem wohlverdienten Beifalle der Versammlung, welche einstimmig die Drucklegung dieses Berichts in der Wiener Zeitung ausgesprochen habe, liege die beste Uuterstiitzung Statist. Miltheil. 1857. III. Heft. 10 des jetzt in Verhandlung stehenden Antrags. Derselbe bez\vecke, ein Band zwischen den Verhandlungen der verschiedenen Versammlungen des Congrcsses zu kniipfen, dercn Zwischenraume mit den Arbeiten zur Durchfiihrung der Beschliisse ausgefiillt wiirden. Der Congress besitze nur eine moralische Gewalt, und an diese appellire der Antrag, die Regierungen zu regelmassigen Berichterstattungen ihrer Delegirten einzuladen. Der statistische Congress unterscheide sicli von anderen rein wissen-schaftliehen Vereinigungen durch die Theilnahme seiner officiellen Mitglieder, der Vermittler z\vischen dem Congresse und den Regierungen. Ihren so \vesentlichen und niitzlichen Mittheilungen seien in der gegenvviirtigen Versammlung Sehwierigkeiten gemacht worden, diese \volle der Antrag filr ein kiinftiges Mal beseitigen , und zugleich durch nabere Bezeichnung des Objects jener Mittheilungen und Beschran-kung ihres Vortrags auf die erste Sitzung dea einzigen einigermassen begrundeten Einwand ihres allzu grossen Urnfangs beheben. Legoyt hielt den Antrag Wolowski’s filr bedenklich, da die Delegirten nicht an dem Congresse Theil nahmen, um ihren Regierungen eine formelle Ver-pfliehtung aufzuladen, sondern sicli wechselseitig zu belehren und beleliren zu lassen und die fur jedes Land anwendbaren Verbesserungen im Gebiete der behandelten Z\veige der Statistik kennen zu lernen; die Regierungen, welche einem Besehlusse des Congresses Folge zu geben ausser Stand waren, miissten ihren Vertreter bei der nachsten Versammlung iu eine peinliche Stellung versetzen, oder es vorziehen, gar keinen zu senden, wenn Wolowski’s Antrag zum bindenden Besehlusse erhoben ware. Wolowski entgegnete, die Regierungen bevviesen schon durch ihrc Theilnahme an den Verhandlungen des Congresses, dass sie dieselben furmehr hielten, als blosse Besprechungen von Fachmannern; sie be\viesen durch die zur Vollziehung ein-zelner Besehlusse ergriffenen Maassregeln, dass sie ihnen das verdiente Gewicht auch practisch zuerkennen. Sein Antrag bezvvecke nicht im Mindesten, cine z\vingende Einflussnahme auf irgend eine Regierung auszuuben, indem jede, welche einen oder den anderen Beschluss des Congresses nicht in Vollzug setzt, gewiss ilire Griinde dafiir babe, und die Darlegung derselben vor dem Congresse nur be\veisen werde, dass auch sie mit Ernst seinen friiheren Verhandlungen gefolgt sei. Zu einer solehen Darlegung lade der Antrag sie ein, und konne um so minder etwas Verletzendes fur sie haben, als ja ihr Delegirter auch an der Berathung und Schlussfassung Theil gc-habt babe, um deren Durchfiihrung es sicli bei der Berichterstattung handeln vviirde. E ugel wunschte, die Mittheilungen, deren Wichtigkeit er zngibt, in ihrem Umfange nocli bestimmter begrauzt zu sehen, und stellle desshalb das Amendement: „bei jeder kiinftigen Versammlung des statistischen Congresses mogen die officiellen Delegirten zu einem besonderen Comite zu-sammentreten und in demselben eine Redactions-Deputation mit der m ii n d 1 i c h e n Berichterstattung d e s s e n vor dem Congresse beauftragen, vvas in ihren Landcrn zur Ausfuhrung der Besehlusse des Congresses geschehen sei“. Wolowski meinte, das Amendement enthalte eigentlich eine Umstosssung seines Antrags, indem an die Stelle der miindlichen und direeten, allein des oflicielleu Charakters der Vortragenden wiirdigen Mittheilung in feierlicher Sitzung des Congresses die Mittheilung im Schoosse cines Comite’s treten solle, dessen Hericht niemals die Wirksarnkeit jener ersteren haben konne. Selbst die Zeitersparniss sei eine grossentlieils illusorisehe, da die erste Sitzung einer jeden Versammlung ohnehin kaum andereren Arbeiten Raum gebe. Audi S te in erklarte, man tiiusclie sicb sehr iiber die practische Natur des statistisclien Congresses, wenn man fiirchte, seine Zeit mit Dem zu verlieren, \vas die eigentliche Auf-gabe desselben ist. Zu vernehmen, vvas der Congress in den einzelnen Landern erzielt babe, das sei ja doch von der griissten Wicbtigkeit. Ja, selbst der Zeitauf-wand hierfur konne unmoglich so bedeutend sein, als man behaupte, da das Gebiet, auf welches sieh Wolowski’s Antrag und der Beschluss der vierten Section beziehe, immer nur ein verhaltnissmassig bescbranktes bleibe. Engel stimmte den Bemerkungen Stein’s iiber die Wichtigkeit der fraglichen Berichterstattungen vollkommen bei, bielt jedocb daran fest, dass sie nach seinem Amendement nicht verloren geben, dass vielmehr bei dem miindlichen Vortrage jeder einzelnen jeder Berichterstatter sicb verpflichtet fuhle, moglichst kurz sicb zu fassen, und desshalb manches Wicbtige unterdriicke, wozu noch komme, dass im Redactions-Comite auch Deliberationen iiber die Bericbte stattfinden wurden, und gleich das Resultat dieser Erorterungen an die allgeineine Versammlung gelangen konne. Geheimer Regierungsralb Professor Seli ubert schloss die Debatte, indem er nicht nur WoIowsk i’s Ueberzeugung beitrat, dass die fraglichen Berichterstattun-gen eine moralische Veranlassung fiir die Regierungen seien, iiber die Beschliisse des Congresses und ilire Durchfiihrung nachzudenken, sondern sogar beifiigte, dass er in der Annahme des Antrags cine sehr \vichtige moralische Unterstiitzung der Vorstande statistischer Bureaux bei mancherlei Schwierigkeiten in jener Durchfiih-*'uug finde, — dessenungeacbtet aber das Amendement EngeTs fur eine Verbesse-i’ung des Antrags erklarte, weil die durch den Antrag bezvveckten Berichterstattungen alle den gleichen Gegenstand betrafen und ein Gesammtbild desselben nur aus ilirer Zusammenfassung hervorgehen konne, vvahrend bei dem gesonderten Vortrage hiiulige VViederholungen unvermeidlicb seien, deren ermiidende Kraft gegcniiber den ohnehin grossen Anstrengungen einer wahren Betheiligung an den Arbeiten des Congresses nicht ausser Reclmung bleiben durfe. Gleich Engel halte er die moglichste Ausdehnung der Sections-Berathungen fur dringend nothwendig, da die Zeit ciuer jeden Versammlung des Congresses sehr karg bemessen sei. Mit 71 gegen i>2 Stimmen trat der Congress dem Amendement bei <). ‘) Da das Amendement nur zu Wolowski's Antrage g-estellt wurde, bezieht sich sonach auch die Gutheissung des Congresses nur auf die kiinftige Destellung cines Uedactions-Comite’s fiir die Beriohterstattung der Delegirten (iber das in ihren Liindern zur Verwirklichung der Beschliisse vorangehender Vcrsammlungen Gesehehene. In diesem Sinne verlief aueli der gesammte Gang der Verhandlung und der Congress komite, oline seinen bei der Debatte iiber Sch u bert’s Antrag ‘iiisgedriickten Ansichten zu widersprechen, fiir diesen specielten Gegenstand einer Besehrankung beitreten, welche die sonstigen wiclitigen Mittheilungen der Delegirten iiber Statistik ilirer Llin-der, wofur das Motiv des Amendcments ohnehin niclit cintritt, keineswegs beirrt. Auch ist die Zusammenfassung der Einzelbcrichte in einen miindlichen Hauptbericht noch immer ihrer blossen Drucklegung vveit vorzuziehcn. Nicht minder wichtig wsir der Antrag, vvelchen Professor Dr. v. Stubenrauch undH. S. Hertz in der allgemeinen Versammlung vom 4. September stellten: „Bei der holien Wichtigkeit der in den einzelnen Sectionen gepflogencn Verhandlungen und bei dem Licbte, w e 1 c h e s d i e in ibremSchoosse stattgehabten Debatten und gcfassten Beschliisse auf die in Folge derselben an die General-Versammlung gestellten Antrage zu wer-fen geeignet sind, scheint es wiinschen s\verth, dass dem Compte rendu ein gedriingter Auszug a us den Protocollen der Sectionen liber die dort gefiihrten Debatten beigefugt werde“. Aucli dieser Antrag wurde an die vierte Section iiberwiesen. Dieselbe erkannte einstimmig die grosse Bedeutsamkeit seiner Verwirklichung an, und beauf-tragte Secretar Debrauz, an die allgemeine Versammlung einen unterstiitzenden liericlit zu erstatten. Diess geschah am S. September. Debrauz hob (in franzosischer und deut-scber Sprache) die doppelte Richtung der Thatigkeit des Congresses hervor, vvel-clier die Aufgabe liat, einerseits gewisse Grundsatze fiir die Bearbeitung der Statistik festzustellen, andererseits aber die detaillirte Durchfiihrung derselben fiir ein-zelne Z\veige der Statistik zu formuliren. Diese Detail-Berathung bediirfe der Mit-wirkung von Fachmannern, deren Thatigkeit sich aber grosstentheils auf die Section beschranke, da sie selten geneigt seien, in der offentlichen Versammlung das Wort zu nelimen ‘). So sei aueh diessmal die Erscliopfung des Programms nur durch die angestrengle Thatigkeit der Sectionen moglich gevvorden, in deren Berathung die Motivirung vieler vvichliger an die Versammlung gebrachter Antrage liege, wess-halb eine genaue Kenntnissnahme von jenen Berathungen eben so bervorragenden Nutzen darbiete, als sie ein Act der Gerecbtigkeit fiir die Betheiligten sei. Da nur Prof. Dr. Seligmann denWunsch ausserte, die Protocolle der ersten Section vollstitndig verolfentlicht zu sehen, Stubenrauch aber erwiederte, dass das Wort„Auszug“ in seinein Antrage bloss auf die Redaction sich beziehe, die Debatte aueh von ihm moglicbst vollstiindig festgehalten werden wolle, und der Congress-Priisident seinerseits kein Bedenken gegen die vollstiindige VeroITcntlichung eines oder des anderen Theils der Protocolle fand, so vvurde der Antrag ohne weitere Discussion zurn Beschlusse erhoben 2). ') Desshalb sagt die dcutsche Vi e r tel jah rssc hr ift (Bd. 80, S. 241) ganz richtig: „Dic Gcneral-Versammlung ist gar nicht das bereclitigte und noch weniger das l>ef!iliigte Tribunal dio Faclifragen zu discutiren und zu entscheiden“, und L e g oy ('(Revne coni. T. 34, p. 337) nennt die Sections-Ueratliungen „lapartie de beaucoup la plus interessante, la plus substandelle des Ira-vaux du congres“. Dass jedoch der Vorschlag, den Sections-Ablheilungcn Stenographen beizu-zicben inanchcs Bedenken gegen sich babe, kam scbon auf Seite 87 zur Sprache; eines der Motive, welche dio geringe Betbeiligung von Fachmannern an den allgemeinen Versammlungen mit sich bringen, wiirde durch jeno Maassregel aucli bei den Sections-lierathungen eintreten. 2) S tube n ra uch ’ s und He rt z’s Antrag wurde erst am vorletzten Tage der Versamm-lung gestellt. Der freivvillige Eifer der Schriftfiihrer aller Sectionen bat cs moglich gemacht, dass dem Compte rendu bercits fiir die dritte Versammlung des Congresses ziemlich reichhaltige D. In der allgemeinen Sitzung vom 3. September brachten dieselben Mitglieder, welehe den Antrag auf Einbeziehung der Strafgesetzgebung Nordamerica's in die Arbeiten der Commission fiir Strafjustiz-Statistik gestellt hatten ‘), aueh den anderen ein, dass die vereinigten Staaten von Nordamerica eingeladen werden mochten, ari der nachsten Versammlung des Congresses Theil zu nehinen. Freiberr v. Czoernig bemerkte hieriiber, dass eine solche Einladung nicht sowohl Sache des Congresses, als vielmehr der Regierung jenes Staats sei, inner-halb dessen die nachste Versammlung des Congresses tagen werde. In dieser Beziehung genuge es, den in Rede stehenden Wunsch der Vorbereitungs-Commission des nachsten Congresses mitzutheilen. Dieser Ansicbt trat aueh der Congress oline Abstimmung bei. Sections-Protoeolle beigefugt werden konnen. Gcwiss stclit dem Wcrthc dersclbcn eine nainhafte Steifrerung bevor, vvenn sie schon mit der Tendenz, einer kiinftigen Veroflentlichung zum Aus-gangspunete zu dienen, entworfen werden. ') Vergl. S. 138. VIII. Nachdem die Arbciten dcs Coiigresscs gescblossen \varen, stellte William Farr den Antrag, dass dic Vorbereitungs-Commission, vvelche fiir die dritte Versammlung des Congresses fungirt batte, nach dem friiher diessfalls beobachteten Vorgangc auch ermachtigt werde, Ort undZeit der vierten Versammlung festzustellen. Gel). RegierungsrathProf. Schubert bemerkte, dass mit„Zeit“ wohl nurderMonatgemeint sei, da die Periodicitat der Versammlungen mit Biennal-Intervallen feststehe, worauf Freiherr v. Czoernig entgegnete, dass sieb die letztere allerdings factiseli gestaltet babe, jedocb kein bindender Beschluss in dieser Richtung vorliege. Der Antrag wurde angenommen, wornacb Farr beifiigte, dass Fonblanque und er von der konigl. grossbritanniscken Regierung beauftragt seien, die Bereitvvilligkeit derselbenzur Aufnalime des Congresses in London zn erklaren. Seine feurige Rede, welcbe besonders die nabe Verwandtscbaft der Englander mit drei Hauptnationen des Festlands hervorhob und der etwas weiteren Entfernung London’s fiir die mei-sten europaischen Theilnehmer des Congresses die eroffnete Moglichkeit einer zabl-reicberen Theilnabme von Nicht-Europiiern entgegenhielt, wurde mit lebbaftestem Beifall aufgenommen, worauf der Prasident des Congresses ausserte, dieser Beifall vverde gewiss sein Echo in der Vorbereitungs-Commission finden, welcher der beziigliche Antrag vorgelegt vverden solle *)• Hierauf nahm Quetelet das Wort und bracbte im Namen der dritten Versammlung des Congresses den ehrfurchtsvollen Dank derselben fiir die ihr in Wien zu Theil gewordene glanzende Aufnabme Sr. k. k. Apostolischen Majestatdar. Er driickte ferners die Anerkennung des Congresses den Herren Min istem, ins-besondere Sr. Excellenz dem Herrn Man d e I s-M inis ter, dem Prasidenten des Congresses, Freiherrn v. Czoernig, fiir die umsichtige und unparteiiscbe Leitung der Verbandlungen, dem Bureau und der Vorbereitu ngs-Commission aus. Seine Worte fanden grossen Beifall und allgemeine Zustimmung. ‘) Die ostcrreicliisehc Vorhcreitungs-Commission hat nach dor ihr ertheilten Vollmacht bereits am 9. Januar 1 SiJH den Beschluss gcfasst, dass dio niichste Versniiimliinj' dcs Congresses im Sommer 18i»0 zu London Slall finden solle. Freiherr v. Czoernig versprach, den Ausdruck dieser Gesinnungen zur Aller-hochsten Kenntniss Sr. Majestiit zu bringen und die Herren Minister glcichfalls hier-von in Kenntniss zu setzen, und fuhr, nachdem er nocli den Dank des Bureau’s fiir die ihm zu Theil gewordene Anerkennung ausgesprochen liatte, in deutscher Sprache fort: „Erlauben Sie mir, noch einige Worte an Diejenigen zu richten, an die uns das gleiehe Band der Muttersprache bindet. Ich brauche Ilincn nicht zu wiederholen, dass ich es mir angelegen sein lassen vverde, Sr. Majestat, unserem allergnadigsten Merrn und Kaiser, und den Herren Ministern den Ausdruck der Verehrung, welchen Herr Quetelet gebrauclit bat, zu unterbreiten. Gestatten Sie miraber, noch einige Worte iiber die Wirksamkeit des Bureau’s beizufiigen. Das Bureau liatte die Absicht, Ilire Arbeiten mit Unparteilichkeit zu leiten; es muss auf Ilire Nachsicht Anspruch machen, wenn es nicht so gliicklich war, Ihren Beifall zu erlangen. Jede Versamm-lung des Congresses bat ihren speciellen charakteristischen Ausdruck. Die erste Ver-sammlung fand einen solchen iu dem grossen Werke der Ausfiihrung eines neuen praetisehen Gedankens. Die z\veite Versammlung gab diesein Gedanken durcli die Bichtung, welche sie einschlug, und durcli die hohere Bedeutung, welche die Be-gierungen auf Grundlage dessen dem Congresse und seinem Wirken schenkten. einen praciseren Ausdruck. Unsere Versammlung, meineHerren, bat nicht mindereine grosse Bedeutung; denn hier bat zuerst die unmittelbare Verbindung der Begierun-gen mit dem Congresse Wurzel geschlagen und zwar vor Allem der Begierung eines grossen und machtigen Staats, \velcher Hunderte von Beamten arbeiten liess, um in der Lage zu sein, die Vorlagen zu machen, vvelche Sie ihm verdanken, \vel-clier zugleich seine Bereitwilligkeit erklart bat, in seinem \veiten Beiche jene Maass-regeln zu ergreifen, welche mit Beriicksichtigung Ihrer Bathschlage ergrilfen werden sollen. Blicken wir auf unsere Arbeiten zuriick, so konnen wir mit dem Be-sultate unserer Bemiihungen zufrieden sein. Wir hahen Disciplinen der statistischen Wissenschaft neu gescliaffen, wir haben das Materiale fur die Vervvaltung ervveitcrt, wir haben den Mannern, welche unsere Beschlusse auszufuhrcn berufen sind, neue Mittel und neuen Muth gegeben, sie auszufuhren. Moge die vierte Versammlung, meine Herren, uns alle ehen so eifrig und freudig vereint selien, und moge auch sie Zeugniss geben von dem Streben, welches sicli in dem Worte „„Fort-schritt““ ausdriickt"! — Allgemeiner, grosser und anhaltender Beifall folgte dieser Bede. Visschers sprach hierauf den Dank der auswa rti gen Mitglieder des Congresses fiir denglanzendenund herzlichenEmpfang aus, welchen sie in Wien von Seite der Behorden, wie der Bewohner gefunden, bob riihmend die unermiidete Thatigkeit und Zuvorkommenheit des 1’rasidenten und der Secre-tare hervor, die es auch den Nicht-Deutschen moglich machte, den Verliandluu-gen der Versammlung zu folgen, und schloss mit der Anerkennung, welche sammt-lichen deutschenMitgliedern des Congresses fiir das durch eine solclie Verliingerung der Verhandlungen gebrachte Opfer gebiihre. Hierin fand er die Losung der oft fiir unlosbar gehaltenen Aufgabe, dem Congresse seinen wahrhaft internationalen Charakter auch in einem Lande zu bewahren, dessen Sprache nicht die allgemeine internationale sei ‘). Nachdem Regierungsrath Dr. Engel ein „Hoch“ auf Se. k. k. Apostoli-scheMajestat und auf die Neugestaltung Oesterreich"s vorgeschlagen, iu welches die Versammlung unter den lebhaftesten Beifallsbezeugungen einstimmte, erklarte der Priisident die dritte Versammlung des internationaleu statistischen Con-gresses fiir geseblossen. *) Auf das Warmste spridit aucli Legoyt nocli in seinemBerichte die Anerkcnnung hierfiir aus: „Grace h l’inepuisable complaisance avec laquelle le presidcnt voulait Men expliquer aux rares Franpais les proponitions faites en allemand, les amendements el le resultat des votes; grd.ce a l’ heureuse idee de choisir pour rapporteurs des sections des hornmes possedant l’ allemand et le franp.ais, on a pu suivre sur tous les bancs, la marelic de la discussion“. (IIer. conlemp. T. 34, p. 338.) Eben so K. V o gl: „Jl y avait, en effet, de se feliciter de eette epreuve decisive, qui rassura tous ceux dont les doutes avaient pu fairc craindre, que le congres en avanpant dans sesperegrinations ne devint ime espeee de Babel“. {.Journal des Economistes, Oct. 1837, p. 60.) IX. Schon in der Begrussungsrede Sr. Exc. des k. k. Handelsministers, Ritter v. Toggenburg, an den Congress war auch die Prage cines engeren Ver-bands fiir die Statistik der deutschen Staaten angeregt worden. Keine andere Richtung der Thatigkeit des Congresses erfreute sich vom ersten Anfange einer Kunde dariiber so allgemeiner Theilnahme im Publicum, wie diese. Ein sehr tiichtiger Fachmann spricht sieh dariiber folgenderrnassen aus1): „Vor allen internationalen Verknupfungen und Verabnlichungen ist es ebenso moglicli als unumganglich nolhig, ein nabereš Ziel, namlich die nationale Assi-milation der Statistik, zu erreicben. Wir besitzen durcb den Fleiss der statisti-scben Bureaux eine Masse des sebiitzbarsten Materials fiir die einzelnen Staaten DeutschlaHd's. Aber die Sehatze werden nicht gehoben, und sie konnen nur mit dem unsaglicbsten Aufwande an Zeit, und selbst dann mit der fast gevvissen Voraussetzung, nichts Vollstandiges, Allgemeines zusammenzubringen, herbeige-tragen und gesammelt werden. Die Folge biervon fiir die staatswissenscbaftliche Behandlung allgemeiner Fragen ist eine natiirliche und offenkundige. Die ver-'vandte franzosiscbe und namentlich die engliscbe Literatur schopft ihren grossen practischen Werth daraus, dass sie stets einen thatsficblichen Faden in den Handen bat. Die deutsche Wissenschaf't muss nur zu haufig rein speculativ vorgehen und dadurch wird der Werth der trefTIicbsten Arbeiten, die wir besitzen, sebr beein-triiehtigt. Nicbt Alle baben den Fleiss und das Talent, auch nur Wenige die Mittel, um die fehlenden Voraussetzungen sicli selbst zu erganzen, und die Nachtheile einer gehorigen geistigen Arbeitstheilung aus sicli selbst beraus zu iiberwinden. Die Wissensebaft wird hierdurch aber auch zur analogen Retracbtung vorherrschend 'ler auslandiscben Verhaltnisse gez\vungen; sie muss mit fremden Thatsachen scblussfolgern, weil ihr ein heimischer Tbatsacbenboden fehlt und so geriith sie unversebens in jene Nachahmung und Empfeblung oft disparater Verhaltnisse, im Gevvande jener in fremden Thatsachen auftretenden Ideologie, hinein, welche von den Mannern der Administration so viel beklagt \vird“. *) Allgcmcino Zeitung Nr. 284, S. 4049 f. In Folge dieser Ueberzeugung brachte Dr. Kreutzherg den Antrag ein, dass ein deutscher Central-Verein fiir Statistik begriindet und ein Journal fiir deutsche Statistik in das Leben gerufen werden mbge. Der Antragsteller fiigte zur Motivirung nur bei, dass der rasche Aufschwung mehr als einer Wissen-schaft durcli ihr Hcraustreten aus dem friiheren engeren Kreise und das Hiniiber-treten in das Gebiet des offentlichen Lebens ermoglicht \vurde, dass die Wissen-schaft hierdurch in demselben Maasse, in vvelchem sie gab, aucli wieder empfing, dass also auch die statistische Wissenschaft nur gevvinnen konne, wenn sie ein „Gemeingut der Nation“ werde und auf dem Gebiete der Wissenschaft die deutsche Nation als ein ungetrenntes Ganzes auftrcte. Bei der vvarmsten Anerkennung fiir die Motive des Antragstellers wendete Prof. VVolovvski ein, dass der Congress ein allgemein internationaler sei und in einer rein deutscben Frage nicht interveniren konne, welche niclit alle ver-tretenen Staaten, sondern nur einen gewissen Theil derselben betreffe. Geli. Regie-rungsrath Prof. Schubert stimmte bei, dass der internationale Congress einen Beschluss iiber Kreutzberg’s Antrag nicht fassen konne, glaubte aber, dass eben die Zusammenkunft so vieler deutscher Pfleger und Bearbeiter der Statistik hochst geeignet vvare, den angeregten Gegenstand aufzugreifen und die seit 9 Jahren fehlende allgemein - deutsche Zeitschrift fiir Statistik vvieder in das Leben zu rufen, vvelche in so vielen Beziehungen vermisst wird. Staatsrath von Hermann wies darauf hin, dass Freiherr v. Beden bereits 1846 cine solche Zeitschrift begriindete, ungeachtet seiner Gelehrsamkeit und Thatigkeit aber mit dem zweiten Jahrgange abbrechen musste, und ausserte einigen Zvveifel, ob statistische Publicationen in der Form eines taglich oder vvochentlich erscheinen-den Blattes eine Dauer versprechen, so selir er iibrigens den gliicklichen Gedanken Kreutzberg's vviirdige. Freiherr v. Czoernig verivies auf die Rede des k. k. Handels-Ministers, vvelcher eine nabere Vereinigung innerhalb der deutschen otficiellen Statistik in Anregung brachte; auch dieser Gegenstand komme, als ein ausschliessend deutscher, nicht zur Verhandlung innerhalb des internationalen Congresses, und so konne es sich beziiglich des in Frage stehenden Antrags nur um die Anerkennung des Grundsatzes handeln, iiber den kein Ziveifel bestehe, wiihrend die Ausfiihrung doch vvieder einem engeren deutsčhen Vereine uberlassen blciben musste, da der internationale Congress kein Organ bat, um sich mit einer solchen Ausfiihrung zu beschaftigen. Dr. Kreutzberg lehnte es auf eine vveitere Frage des Freiherrn v. Czoernig ab, seineu Antrag zuriickzuziehen, vvcil er den moralischen Hebel des Ansehens der Versammlung dafiir in Bevvegung zu setzen vviinsche; die Vervvei-sung des Antrags an eine Section vvurde jedoch von der Versammlung, in Ueber-einstimmung mit der von Wolowski, Schubert und dem Prasidenten vertre-tenen Auffassung ihres internationalen Charakfers, abgelehnt. Da sonach die Frage nicht auf dem Gesammt-Congresse vveiter verfolgt vverden komite, so vvurden die V er tre ter der deutschen Regierungen fiir den 7. September zu eincr Sitzung vereinigt, zu welcher tiberdiess nocli geheimcr Begierungsrath Prof. Schubert und Dr. OttoHiibner1) nebst den Mitglie-dern des Bureau’s geladcn wurden. Im Nacbstebenden wird das Protocoll dieser Sitzung mitgetheilt. „Freiherr v. Czocrnig begrusst die versammelteii Herren und bringt in Erinne-rung, dass Seine Excellenz der k. k. Herr Handels-Minister in der ersten Sitzung des Congresses darauf hingewiesen babe, wie wichtig die Begriindung eines engeren Verbands z\vischen den statistisclien Bureaux der deutschen Staaten in practisch-administrativer Biicksicht sein \viirde. Nachdem die Herren, vvelche als Vertreter der bohen Begierungen zu dem Congresse abgeordnet waren, noeli nicbt im Stande sein konnten, die Ansichten derselben in dieser Beziebung zu erforsehen, so handle es sicb auch nur darum, formell cine Grundlage fiir weitere Verhandlungen, falls solcbe beliebt werden sollten, zu gewinnen“. „Der Herr Vorsitzende verliest hierauf einen von ihm veranlassten Entwurf eines dahin zielenden Programms, welehen Herrn Regierungsrath Dr. En gel verfasst hatte“. Dieses Program m lautet: „„Eben so selir, wie die internationale, leidet aueb die deutsche nationale Statistik an dem Mangel an Uebercinstimmung in Bezug auf die Art der Erhebung und die Art der Zusaminenstellung, ferner in Bezug auf die Zeit und die Perioden der VViederkehr der Erhebung, endlich auch in Bezug auf die Zeit und Art der Ver-ofientlicbung der statistischen Daten. Jedes einzelne Bureau handelt in allen den genannten Beziebungen vtillig unabbangig von dem anderen, so dass dadurch auch unter den Ergebnissen der amtliehen deutschen Statistik Vergleichungen nur sclnver moglich sind““. „„Gleichwohl wiirde es den einzelnen Bureaux nur \venig verschlagen, hinsicht-lich der stiindig wiederkehrenden und beziiglich auch der erstmalig zu beginnenden Arbeiten nacli einem allgemeinen von einem Vereine der deutschen statistischen Bureaux festzustellenden Plane zu arbeiten““. „„Wenn ein solcber Verein zu Stande kame, so mochte es wiinschenswerlh scheinen, dass er sich iiber folgende Puncte verstandige und, die Genehmigung der boben Begierungen vorausgesetzt, dariiber Beschluss fasse , der Ausfiihrung dieser Beschlusse sich aber obligatorisch unterziehe““. „„1. Vereinbarung der hauptsachlic hsten Gegenstande amt-licher Erhebungen““. „„2. Anwendung iibereinstimmender Formular e zur Erhebung und Aufzeichnung der Tbatsacben““. m„3. Innehaltung gleicher Termine fiir gewisse Erbebungen und gleicher Intervalle fiir periodisch wiederkehrende Erbebungen““. ') Dr. Otto Hiibncr vcrliess Wien schon am 5. September. „„4. Befolgung tibereinstimmender Grundsatze bei der Ver-offentlichung der erhobenen und zusammengestel 11 e n That-saclien““. „„5. Obligatorischer Austausch aller Erhcbungs- und Bearbei-tungs-Formulare, so wie aller auf die Ausfiihrung stati sti-scher Bearbeitungen Bezug habender Verordnungen; nicht minder obligatorischer Austausch aller amtlichen statistischen Veroffentlichungen““. „„Die eben genannten S Puncte beziehen sich lediglich auf dio Erzielung einer grosseren oder geringeren Gleichformigkeit und Vergleiclibarkeit der Arbeiten der deutschen statistischen Bureaux““. „„Was nun aber die Arbeit der Vergleichung selbst anbelangt, so ist offenbar, dass gerade in dieser Beziehung sehr viele Arbeit doppelt und mehrfach gernacht wird, die bei einer richtigen Vertheilung nur einmal, dann aber auch uin so besser gernacht werden komite" „„Jedes einzelne deutsche Bureau treibt vergleichende Statistik und vergleicht natiirlich die Zustiinde seiues Landes mit denjenigen anderer Lander. Giibe es ein deutsches Central-Bureau, so vviirde dieses mit Vortheil fiir sich und jeden einzelnen Staat die Vergleichungen machen konnen und miissen. In Ermanglung eines solchen liegt es nun aber auf der Hand, dass schon cine organische Theilung der Arbeit der Vergleichung unter die verbiindeten deutschen Bureaux vvesentliche Erleichterungen darbietet. Denn indem jetzt z. B. Oesterreich seine statistisch festgestellten Zustande mit den analogen der iibrigen deutschen Staaten vergleicht, findet es zugleich die Beziehungen, welche zvvischen ihm und Preussen etc„ aber auch die, welche zvvi-sclien Preussen und Sachsen, Baiern und Hannover etc. stattlinden, mit einem Worte, es macht die Arbeit der Vergleichung zugleich fiir alle iibrigen Staaten mit. Ebenso verfahrt jeder andere Staat und giibe es so viel statistisehe Bureaux wie Staaten in Deutschland, so \viirde die Arbeit 38mal gethan werden, wahrend sie doch eigent-lich nur einmal gethan zu vverden brauchte, daferne die Vergleichungs- Arbeiten nach einem bestimmten System vertheilt wiirden““. „„Icli denke mir die Saehe beispielvveise so, dass Oesterreich etvva die vergleichende Territorial-Statistik, Preussen die vergleichende Bevolkerungs-Statistik, Baiern die vergleichende Ackerbau-Statistik, Sachsen die vergleichende Industrie-Statistik, die Hansestiidte die vergleichende Ilandels-Statistik ete. iibernelimen, jeden dieser Zweige so vollkonunen wie moglich bearbeiten, und die Besultate ihrer Arbeiten unmittelbar nach deren Beendigung in metallographischen Abdriicken den hetreffenden iibrigen Bureaux zusenden““. „„Bei solchem Verfahren wird mit viel geringerem Zeitaufwande eine ungleich bessere und vollstandigere Arbeit erzielt. Darum vviirde ein fernerer Punct der Besprechung sein““: „„6. Feststellung eines Plans zur Theilung der Arbeit der ver-gleiche nde n Stati s tik unter die statistischen Bureaux der einzelnen deutschen Staaten““. „„In gleicher Weise, wie die amtliche deutsche Statistik noch an dem Mangel der Uebereinstimmung and Verglcichbarkeit Ieidet, ebenso leidet sie an dem Mangel der Uebersichtlichkeit. Es gibt kein Organ, welches alles Das, was alljahrlieh in Be-treff der Statistik in den deutschen Staaten geschieht, in Kurze zur offentlichen Kenntniss bringt““. „„Gegenwartig sind die Arbeiten der Privat-Statistiker das Mittel, wodurch sich die amtlichen Statistiker iiber ihre Leistungen etc. unterrichten miissen. Es scheint mir angemessener zu sein, dass, anstatt sich fremder Organe zur Ideen-Mittheilung zu bedienen, die deutschen statistischen Bureaux selbst ein Organ schaflfen, aus we!chem sich Jeder, der es will, iiber die Leistungen und Verhaltnisse der amtli-clien Statistik vollkommen genau unterrichten kann. Daher erlaube ich mir als 7. Punct der Besprechung die Herausgabe eines amtlichen Jahrbuchs fiir deutsche Statistik zu empfehlen, dessen Inhaltsrubriken folgende sein konnten: a) Amtliche Nachrichten, d. h. Nachweise iiber die Personalverhiiltnisse und organisehen Einrichtungen und Veriinderungen bei den statistischen Bureaux der deutschen Staaten; b) Mittheiiung der Hauptresultate der in dem zuletzt abgelaufenen Jahre veroffent lichten oder zur Veroffentlichung vorbereiteten Arbeiten der einzelnen statistischen Bureaux, oder uberhaupt des neuesten auf das abgelaufene Jahr beziig-lichen statistischen und staatswirthschaftlichen Stoffs (nacli Liindern geordnet); c) Notizen iiber die auf den statistischen Bureaux in Arbeit belindlichen gros-seren Arbeiten; d) Mittheiiung der Hauptresultate der nacli Punct G auf den verschiedenen Bureaux bearbeiteten Uebersichten iiber vergleichende Statistik; e) (eventuell) einzelne auf ga n z Deutschland beziigliche Monographien aus dem Gebiete des Staats- und Er\verbslebens““. „„ VVerm das zu erschalTende amtliche Jahrbuch gewiss nicht hloss statistischen Bureaux, sondern auch dem gesammten fiir Statistik lnteresse zcigenden Publicum eine willkommene Erscheinung sein diirfte, namentlich dann, sobald es sich die be-schleunigte Mittheiiung der Thatsachen angelegen sein liisst, so werden die Fach-manner und Laien nicht minder ein anderes bis jetzt in Deutschland noch selnver vermisstes Organ mit Freuden begriissen, welches gleichfalls nur durch vereinte Krafte in brauchbarer Vollkommenheit herzustellen ist: 8. Die Beschaffung eines allgemeinen fortlaufenden Beperto-rium's iiber die sta ti stische und volkswirthschaftlicheLiteratur““. „„Die ungeheure Mannigfaltigkeit des auf den so eben bezeichneten Literatur-Gebieten zu Tage geforderten Stoffs und dessen rasche Verganglichkeit, so weit er nur in Tags- und Wochenschriften oder in losen Flugschriften zur Erscheinung kommt, macht es Jedem wiinschenswerth, nicht nur sich in dem Chaos so vieles hunt durch einander veiviffentlichten Materials rasch zurechtzufinden, sondern auch dem Ge-dachtniss durch eine systematische Aufzeichnung und Ordnung des sonst totaler Ver-gessenheit anheimfallenden Stoffs zu Hilfe zu kommen. Beides kann leiclit geschehen, a) wenn ein jedes statistische Bureau jedes einzelnen deutschen Staats alles Dasjenige, was in seinem Lande iiber statistische und national-okonomische Gegenstande in Zeitschriften und Flugschriften und beziehentlich auch in Biichern veroffentlicht wird, methodiseh sammelt, ferner b) darUber nach einem allgemein verabredeten Systeme eine kurze Notiz ver-fasst, diese Notizen sammelt, und c) am Schlusse jedes Jahrs die gesaminelten Notizen an die fur die Heraus-gabe des General-Repertorium’s eingesetzte Redaction iibersendet; d) vvenn endlich diese ltedaction die ihr zugekommenen Notizen nach Materien und Liindern sichtet, und inderArt, wie das Schubarth’scheGeneral-Reper-torium der techniscben Literatur, alljahrlich zur Veroffentlichung bringt““. n »Das Bureau, aus dessen Lande die Notizen stammen, vviirde zugleich die Ver-pflichtung ubernehmen, mindestens ein Esemplar der literarischen Publication, sei es eine Tagsschrift, oder eine Brochure, oder ein Buch, bibliothekarisch aufzube-wahren““. »Der Herr Vorsitzende bemerkt iiber dieses Programm, dass es sich nicht um Discutirung der einzelnen Puncte desselben handle, weil die Frage selbst, ob die angeregten Verhandlungen Statt finden wurden, noch nicht, entschieden sei; die Vorlage solle eben nur die Basis sein, auf welcher sich die Regierungen iiber das Eingehen in die mehrervvahnten Verhandlungen aussprechen konnten“. »Nach langerer Discussion, an \velcher sich sSmmtliche Anwesende betheiligten, wurde folgender Beschluss gefasst: Die Anwesenden nehinen die Vorlage mit vielem Danke entgegen und halten sie fur geeignet, ihren respecti-ven Regierungen vorgelegt zu w er d en. Sie werden sich dieser Pflicht unterziehen damit demnachst eine Ruckausserung erfolgen konne“. »Herr geheimer Rcgierungsrath Prof. Schubert iibernahin die gleiche Verpflichtung beziiglich derVorlage an die bei den Congresse nicht vertreten gewe-sene k. preussische Regierung". »Der Herr Vorsitzende beinerkte ferner, dass die bezeichneten Riickiiusserungen auf demselbcn Wege, wie die Mittheilung geschah, namlich durch die Herren Ver-treter und an ihn zu macheu sein diirften. Dieser Ansicht ptlichteten sammtliche Anvvesende bei, und der Herr Vorsitzende schloss mit der Erklširung, dass diese Riickiiusserungen sodami der k. k. Regierung den Anhaltspunct bieten wiirden, eventuell die Sache in ihre Iland zu nehmen uud sohin vveitere Schritte im diploma-tischen Wege zu thun“ ')■ *) In der Mittheilung der Verhandlungen und der Ueschliisse iiber einen engeren Vorband der deutschen statistischen Bureaux diirfte zugleich die Widerlegung der Bcincrkung H eus ch-ling’s im Moniteur kelt/e N. 1(29, p. 4121 liegen, welche sich auf die Griindung eines statistischen Ceutral-Bureau’s fur Deutschland beziehen: „La difficulte, il faut bien le rcconnaitre, se reduit a une qiiestion d’ argent, comme l’ a fort bien fait ressortir Mr. le professeur litina sc n de l'uni-versite de GneUinf/ue, dam une correspondance en pnrtie reproduite dans le Journal den Ecunu-mistes, Nr. du IS Oclobre 18SS, page 79. Que len trente sept gouvemements allemands accor-denl des mpyenspecuniaires sujfisants, et la c.entralisation de la statisligue en Allemagne esl assuree“ X. Hiermit war die dritte Versammlung des internationalen Congresses fiir Statistik beendet, welche ein geistreicher Beurtheiler „einen Ehrentag fiir Oester-r e i c h, e i 11 internationales W a h r z e i c h e n s e i n e r g e i s t i g e n V e r j ii n-gung“ nennt *). Es scheint hier nicht am Platze zu sein, was Oesterreich und Oesterreicher fiir den Congress und auf demselben gewirkt, abermals wiederholend aufzufiihren. Wohl aber moge es gestattet sein, den Freunden, welcbe aus Nord und Siid, aus Ost und West der Congress vereinte, noch ein paar Worte herzlicher Erinnerung zu vveihen. Vor allein verehrte der Congress in seiner Mitte den geistigen Urheber seiner Versammlungen, den gefeierten Chorfiihrer der Statistiker unserer Zeit, Quetelet, welcher die erste jener Versammlungen so ausgezeichnet leitete, an der zvveiten Theil zu nehmen aber gebindert worden war. Wenn sodann uuter den IJelegirten fremder Regierungen (um bei der von Seite 39 an eingehaltenen Ordnung zu bleiben) Legoyt's, welcherdas umfassende Gebiet der Statistik mit echt franzosischem Geiste durcbdringt und hierdurch den weitesten Kreisen geniessbar macht, Farr's, welchem bei einer seltenen Fiille von Kenntnissen vorziiglieh die Liebensvviirdigkeit seines Cbarakters allgemeine Sympatliie ervvarb, Visschers’s, eines ausgezeichneten Fiih-rers der Discussion, dessen Thatigkeit fiir den Congress als sehr bedeutungsvoll an-erkannt werden muss, des vielverdienten Heus e lil ing, v. Baumhauer‘s, vvelcher die miihevollen Arbeiten liber Unterricbts-Statistik leitete, Ackersdyk’s, dessen Gelehrsamkeit die Theorie der gesannnten Staatswissenschaft und Volkswirthscbafts-lehre mit klarem Blicke erfasst, David’s, eines ausgezeichneten Kenuers des Beehts und seiner Verwaltung, und Berg’s, des hocherfahrenen Vertreters arztlicher lJ Allgemeine Zoitung Nr. 2!>4 v. tl. Sept. 18S7, pag. 40!!0. Auch die deutsehe V i o rte I — jahrsschrift sagt (B. 80, S. 237): „Zum Bcwusstsein ist es nns allen jetzt gekommen, dass wu- bei der im Osten neuaufgehenden Cultur-Sonno nieht mehr in der alten geistigen Gleichgil-tigkeit gegcn den Hort I)eutschland’s nach Osten verliarrcn dilrfen“. Und Meyer v. Knonau liebt mit „freudigem Erstaunen" hervor, wie „das neugcstaltete Oesterreicli eine last sprichwiirt-lieh gewordenc Besonnenheit mit den Anforderungen unserer l)ewegtcn Zeit auf das gliicklichste zu verbinden weiss“. Wissenschaft in ilirer Anwendung auf deu Staat und seine Kunde, v. Herman n's, eines der geistvollsten Statistiker Deutschland’s, v. Sick’s, des unermiideten Pfle-gers der Anwendung kartographischer Darstellungen auf statistische Zwccke, des umsichtsvollen Vertreters des Zusammenhangs zwischen Statistik und volksvvirth-schaftlichen Interessen, Dietz, Engel’s, welcher durch Iogisclie Scliiirfe und klare Fassung seiner gevvandten Ilede nicht minder als durch ausgebreitete Fachkenntniss einen bemerkens\vertlien Einfluss auf die Verhandlungen nahm, Hopf’s, des eifrigen Fiirderers biologisclier Statistik, z\veier vviirdiger ReprSsentanten des gefeierten deutschen Lehrstands, NVappiius und Dippe, und Asher’s, eines der hervor-ragendsten Theilnehmer an der Strafrechts-Statistik, als der wirksamsten For-derer der Sections - Verhandlungen und der allgemeinen Versammlungen gedacht wird: soli damit nicht im Entferntesten eine Unterscheidung der Genannten gegen-iiber dem fiir Statistik rastlos eifrigen Grafen Ripalda, den Wortfuhrern der sta-tistischen Verbindung Russland’s und der Tiirkei mit dem iibrigen Europa, Wer-nadski und Daud Effendi, dem Nestor italienischer Statistik, Ritter Zuccagni-Orlandini, den emsigen Vertretern nonvegischer und schweizeriseher Statistik, Asehehoug und Meyer v. Knonau, den deutschen Freunden Rathgen, Sevveloh, Faull, Gildemeister und Hagemann gemacht werden. Dem Frei-herrn v. Reden wurde bereits auf Seite 8 speciell die verdiente Anerkennung gezollt. Unter den nicht-amtlichen Mitgliedern der Versaminlung endlich gliinzten vor Allem zwei Miinner der Wissenschaft: Prof. Wolovvski, dessen griindliche Gelehrsamkeit in allen Zvveigen der Volksvvirthscbaft <) in gleicher Holie mit seiner Gewandtheit als Redner und namentlich mit den Vorziigen einer die hoehste Eleganz athmenden Ausdrucks\veise steht, und Geli. Regierungsrath Prof. Schubert, der Nestor deutscher Wissenschaft der Statistik, dessen gedicgenen Werken das jiingere Geschlecht vielfache Relehrung und Anregung verdankt. Audi hier soli die Nennung dieser Reiden nieht im Entferntesten die Grafen Dubois und Reinhard, Rrown und Senior, v. Lama n s ky, Otto Hiibner, Mahlmann, Neigebaur, M011-rad, Jakschizh, M. Frank, v. Escherich, Schaffle, A. Varrentrapp, K. Andree, Muhry, Hertz, Soetbeer, Seelig u. a. ausschliessen, dereu lioch-geachteter Personlichkeit stets die warmste Erinnerung bewahrt vverden wird, deren eifriger und erfolgreicher Retheiligung an dem Congresse im Verfolge des gegen-\vartigen Rerichts zu wiederholten Malen gedacht \verden musste. Die glanzendste, ebrenvollste Aufnahme ward den Mitgliedern des Congresses in Wien allerorts zuTheil.2) Die reichen wissenschaftlichen Sammlungen und ') Rinen neuen Bcvveis seiner volkswirthse.haftlichen Kenntnisse und der Aclifung vor deul-seher Wissenschaft (fewiihite Wolowski dureli seino dem Conffresse vorgele^te Ueberset/.iini' von Roscher’s National-Oekonomie, welclie in dem reiclien Schulze der bei^efiigten gelehrten Zusiitze sieh zu dem Hango eines Originalwerks erhebt. *) Beziiglich der Anerkennung, welehc dieser Aufnahme von allen Mitgliedern des Congresses zu Theil wurde, geniige es, cine deutsclic, cine franzosische und eine englisclie Stimme zu horen. Meycr v. Knonau liSngt seinem Beriehto folgende Schlussbemerkung an: „S!immtlichen Theilnehmern kam man auch in Wien auf das zuvorkommendstc entgegen, und die dem Ocster-rcieher, namentlich dem Wioner, eigenthiimliche Gemiithlichkeit gab sicli ihnen auf die mannig-laltigsto Wciso kund“. ljegoyt nennt an zwei Stellen seines Bcrichtes (T. 34, p. 322 ct 33D) Museen der Residenz, das grossartige Institut des Arsenals standen ihnen zur Besichtigung und zum Besuche ofTen. Eine Lustfahrt auf de n Semmering am C. und eine solche auf der Donau nach Pressburg am 8. September *) erbobten die Festlicbkeiten, \veleben die AUerbocbste Huld noeb die Auszeiehnung beifugte, dass Seiue k. k. A p ost o I is c b e M a j e s t a t in einer besonderen Audicnz am 7. September sicli die Vertreter fremder Regierungen bei dem Con-gresse nebst mebreren andern Notabilitaten vorstellen liess und mit denselben huld-vollst sicb unterbielt. Als sprechender Ausdruek der Bedeutung, welchen die kaiserliche Regic-rung der Beschickung des Congresses durcb Delegirte auswartiger Staaten bei-legte, darf der Umstand gelten, dass Seine k. k. Apostolisebe Majestat sicb aller-gnadigst be\vogen fand, den Delegirten der vorzuglicbsten bei dem Congresse vertretenen Staaten osterreichische Orden zu verleihen. Insbesondere wurde dem Prasidenten der kftniglicb belgischen Central-Commission fiir Statistik, Quetelet, das Comtburkrcuz des Franz-Joseph-Ordens, dem Chef des kaiser-licb franzoschen Bureau’s der allgemeinen Statistik Legoyt, dem kaiserlicb russi-scben Staatsratbe Wernadski und dem koriiglicb sacbsiscben Regierungsratbe Dr. Eugel das Ritterkreuz des Leopold-Ordens, dem Direetor des koniglicb niederlandisehen statistiscben Bureau’s im Ministerium des Innern Dr. v. Baum-liauer, dem koniglicb diiniscben Staatsralbe Dr. David, dem koniglicb sclnve-diseben Sanitiitsratbe Dr. Berg und dem Professor an der koniglicli bannover’-scheri Universitiit Gottingen Dr. NVappSus der Orden der eisernen Krone 111. Classe, dem Mitgliede der koniglicb spaniscben statistiscben Central-Commis-sion Don .lose Azullo Condc de Ripalda, dem Direetor des grossberzoglicb toscanisclien statistiscben Bureau’s Attilio Cavaliere Z uccagn i - Orla n d i n i, dem koniglicb wurtembergiscben Finanz-Assessor Dr. v. Sick und dem grossber- dic „hospitalite tlit gouvernement aulrichicna „brillante“ und „des plus cordialet“. Endlieh S. Brown sagt in dem Bcricbte an die slalislical society: „Jt is impossikle to cluse tli is brief Report loithout a grateful record of tke hospitalities and attentions which were received lit/ lite foreign delegates ut Vidina from the austrian Government, and front cverij individual nalive of Austria, vjith tv/iout thcy werc brought into rontact at the Congress“. 'J Bei Knviihnunp der Ausfliige auf den Semmering und nach Pressburg (Moniteur belge, S. 4121) maclit H e us eh I ing folgende Bemerkung: „Les annales de la statintii/ite offrent l' exemple d'itne dame ru/tirani eette branche de Science, et cet cxemple, peul- etre unique, se rencontre precisement en Autriche: c’est la duchcsse de Giovane, premiere gouvernante de la princesse M arie-Louise, devenue l’ imperatrice des Franpais. El te a puli tič: Plan pour faire servir les voyages d la culture des jeunes gens qui se vouent au Service de l' Etat dans la carriere polilu/uc, aecompagne d'une table pour faciliter les observations statistiques et politiaues el de l’ cstjttisse d' une earlestatislique. Vienne 1796“. Das fragliche Werk, fiir den Solin der Vcrfasscrin, Herzog Karl Franz v. Giovane, bestimint, findet sieh in der k. k. Universitiits-Uibiiothck zu Wicn vor, ist aber ziemlich oline alle liedeutung. Die Verfasserin, Julie Herzogin von Giovano, geborne Baronin v. Mudersbach, war Obersthofmcistcrin Ihrer k. k. Ilobeit der Frau Erzherzogin Maria Louise, Sternkreuz-Ordensd.ime, Khrenmitglied der k. Akademien der Wissenscbaften zu Berlin und Stockholm und starb im Jahre 1805. Ilire iibrigen Werke sind: Die vicr Weltalter nach Ovid, in 4 Jdyllen. Wien 1784.— Ueber die Aufliebung der Leibeigenschaft in Bolnnen, Jdjlle. — Abhandlung iiber die Krage: Welche daueihafte Mittel gibt es, die Menschen oline Anwendung ausserlichcr Gewalt zum Gnten zu fiihren? Wiirzburg 178!>. — Letlera tli una dama sni codice delle leggi di S. Leueio. Neapcl 1790. — Lcttrcs sur l' education des Princesses. Wien 1791.— Gesammelt gab diese Sehriflen J. v. ltetzer, Wien 179II, heraus. Slalist. Alitthcil. 1857. III. Heft. 11 zoglich badiseben Ministerialrathe Dr. Dietz (las Ritterkreuz des Franz-Jo s eph-Ord ens verliehen. Die Tage der Versamrnlung aber werden nicht nur Vielen in freundlicher Eriri-nerung bleiben, sondern auch ihre Friichte tragen fiir „die Wisseaschaft dos Jahrhunderts “ !1) 1) „Auf Wiedcrschcn in London! ricf man sieh beim Abschied zu, und jeder nahrn das erbebende (Jefiihl mit in die Heirnat, cine Woehe verlebt zu haben, deren \viehtige Resultate auch scincm Lande zu gut kommen werden“, sagt Meycr v. Knonau. — Audi Farr, dessen inter-essanter Bericht iiber den Congrcss eben beim Sclilusse dieser Ifliilter nach \Vien gelangte, bringt 8m Ende desselben (S. 18,19) die bcherzigensvvertben AVorte: „WUhout having for their direct objeet tke promotion of peace or commercial advantages of ang kind, thc Congresses in Brusscls, Pariš and Vienna, have not only contributed to thc progress of statistical inquiry, l/ut have indirectly produced some bcneficial rcsults. Delegates from nearhj every stale of Europe have been broiight together to discuss measures for carrijing on inguiries (>y which their respcctive countries mag bc enabled to contribute most effectualhj to social Science, and thus, as nalions, become better known to themsclvcs and to the rest of thc world. The effect ofthis mast bc salutarg ; for the more people knoto of each other ihe more intimatelg thcy grom connectcd in interesi and affedion; ignorance bcing undoubtedlij the main canse of the prejudices, thc hostUities, and the isolation of civilhed nalions. The Congress, in the špirit illustrated at Vienna, not onlg tends ta incrcasc the friendlg relations of govcrnments willi each other, but it engages them more or less in the promotion of a great International ivork, — the complelion of thc statisties of Europe. The good effects of the union of the various countries of Europe in promoling a common objeet toerc scen at the great Exhibition of 18!ii; and theg have not pet subsided on the eonlinent. „Nobody“, tlte Prince Consort then happily remarked, „who has paid ang attention to thc pcculiar features of our present era will doubt for a moment that we are living at a period of most vionderful transition, mhich tends rapidhj to accomplish that grčat end, to ichich, indeed, ali history poinls, the reali-zation of the unity of mankind. Not a unity rehich brcaks doton the limits and levels the pcculiar charaeteristics of the different nalions of the earth; but rather a unity thc result and product of those ven/ national varieties and antagonistic qnalities“.