. Erscheint Insertionsgebühren: jeden Samstag Für die 3spaltige Zeile oder deren Raum bei l iuallger und kostet: Vinschaüung 0 tr.. 2 Mal 8 fr.. 3 Mal 10 tr. Stempel )ede« Mal 3« lr. Mit der Post ganzjährig . . ft. halbjährig . . „ 2,50 Ntdaltio» und Administllltioli: Für Laibach ganzjährig . . fi 4,— ^lesterfraueugllffi Nr. 5? (gegenütcr dem Casiuo). halbjährig . . „ 2.— Zuschriften und GeldsendunsM halbjährig 30 fr. ,u entrichten. Fül di« Zustellung in'« Haus sind ganzjährig 5U lr., find zu richten »>> den Eigenthümer d<» Blatte«. NIMV. Einzeln« Nummer 10 lr. Manuskript« werden nicht zurückgesendet. ZeWrift für vaterländische Interessen. Eigenthümer, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: I>6t6r (^i'^NVSUi. I«. Jahrgang, Laibach am 16. Mai 1868. M 22. Das Ergeoniß der Ergänzungswahlen für den Gemeinderath. Das war eine heiße Woche! Mancher, der schon am Montag seufzend rief: „Ach, wären nur auch schon diese Tage überstanden!" — ruht nun von den Strapazen des Wahl­tampfes aus, der Heuer Dimensionen angenommen hatte wie noch nie zuvor. Noch nie war die Agitation eine so lebhafte, die Aufregung eine so große gewesen, wie dießmal. Daß die stürmischen Tage vorüber sind, darüber wird also wohl jeder froh sein, auch jeder, der jenen Standpunkt einnimmt, auf welchem wir stehen, obwohl wi r gerade keinen Grund haben, über den Ausgang der Wahlen froh zu fein. Die Candidaten des bürgerlichen Wahlcomitös sind in zwei Wahlkörpern, im ersten und im zweiten, unterlegen. Indem wir später noch auf die Ursachen dieser Niederlage mit den sich daran knüpfen­den Consequenzen zurückzukommen und manche Vorgänge wah­rend der Wahltage zu beleuchten gedenken, verzeichnen wir heute nur die Resultate der Wahlgänge. I m III . Wahltörper erschienen von 201 Wählern 163, gewählr sind die Candidaten des bürgerlichen Wahlcomit6s: Herr Dr. Bleiwels mit 122, H. Verhovec mit 121, H. Dr. Ahaöiö mit 116, H. Patiö mit 114 Stimmen. Von den gegnerischen Candidaten erhielt: Herr Pirter 49, H. Komar 43, H. MatevLe 42, H. Rudholzer 36 Stimmen. I m II . Wahltörper betheiligten sich von 48? Wählern 420; die Majorität erlangten: Herr Stedry mit 247, H. Bürger mit 247, H. Marin­schet mit 241 Simmen. Von den Candidaten des bürgerlichen Wahlcomit6s fielen auf Herrn Dompfarrer Supan 175, auf H. Tönnies 175, auf H. Dr. 2upanec 168 Stimmen. Im I. Wahltörper erschienen vois 240 Wählern 209, und drangen die gegnerischen Candidaten: die Herren Dreo mit 125, Lasnit mit 121, Samassa mit 121, Pauer mit 118 Stimmen durch. Die Candidaten des bürgerlichen Wahlcomitäs erhielten: Herr Souvan 90, H. Auer 87, H. Blasnit 86 und H. Rößman 85 Stimmen. Die malcontenten allzeit „Verfassungstreuen" haben so­nach jetzt die Majorität im Gemeinderathe und da die Herren goldene Berge — versprochen haben, so müssen wir der Stadt Laibach zu dem Ergebnisse der Wahlen natürlich gratuliren. Das „klanäite »,iuioi!" wird wohl nicht ausbleiben; ob aber auch die iuimio i werden einstimmen können?!? Die Grundsteinlegung zum böhmischen Nationaltheater in Prag. Das hundertthürmige Prag geht einem Freudentage entgegen, einem Freudentage der ganzen Nation. „Auf dem Berge Lip geboren, auf dem weißen Berge vernichtet, in Prag auferstanden" — diese Worte, welche den vom Berge Lir» gebrochenen Grundstein für den neuen nationalen Musentempel schmückten, sagen es deutlich, welches Fest am 16. d. M., dem Tage Iohannis von Nepomuk, mit der Grundsteinlegung zum Feuilleton. Aus der Reisetasche eines Pilger. Es ist nicht meine Absicht eine Reiseheschreibung zu lie­fern, indem ich etwa vom Laibacher Bahnhof angefangen iinen über 800 deutsche Meilen langen Faden verfolgen würde. Dieß würde weder der Raum dieses Blattes noch die Geduld der Leser gestatten. Ich bringe daher nur kurze, flüchtige Auf­zeichnungen, die in den Reisebüchern nicht vorkommen und auch in andern Reisebeschreibungen nicht enthalten sind. Ich bin durchaus nicht gewillt, irgendwie systematisch vorzugchen, fondern voll­ständige Ungezwungenheit soll mir zur Regel dienen. Vor allem Eines: Das Wort „Pilger " haben unsere patentirten Kul­turträger in dessen neuester Bedeutung bereits eingebürgert, wie alle«, was „gut und schon" ist; für einen „Gebildeten" »st daher jede weitere Einleitung hierüber überflüssig. — Noch vor der Eisenbahnstation LKrsLuo^v — welches Wort übrigens viel leichter ausgesprochen wird, als ViK, weil Mes Polnisch, dieses aber slovenisch ist — machte mich der muntere liebenswürdige Reisegefährte K... . auf den „Bäde­ler aufmerksam, worin zu lesen ist, daß den Reisenden an nÄ^s " ^"?i e Bücher, Zeitschriften aller Art und sogar russisches Papiergeld abgenommen werde. Mir wurde es angst und bange, denn, um mich mit den Russen zu verständigen, hatte ich mir aus Anrathen eines genialen Hausirers mitae­"«""^ ' "^ ° russische Sprachlehre" von Schmidt, öffentlichen Lehrer der russischen Sprache an der Universität A . !li g ^ d „Neuer Lehrgang der russischen Sprache« von Dr. A. Bolz, Lehrer der russisch"« Sp?ache an der lonigl Kriegsschule zu Berlin . Noch lieber hätte ich R,!«, " ^ ^ "schiene russische Sprachlehre angeschafft Beim Suchen bedeutete man mir jedoch, so etwas sei dummes Zeug — wie jemals die Hinterlader. Dann hatte ich mir in den Kopf gesetzt die Russen zu überzeugen, daß es Daniel ln der Lowengrube viel gemüthlicher gehabt haben müsse als NF^"° " !VA"? b^use. Deshalb hatte ich mir, m.t Rücksicht darauf, daß diese« Mißverhältniß im Ausland nirgends ttnd R5 ? w""/Üblic h erscheint, olgende nicht unbedeu­tende Behelf; zu verschaffen gewußt: 33 Jahrgänge der „Lai­bach« Zeitung«, 13 der „Presse«, 13 ^T°aesv°N" ?8 "NlfK'^ ^ t «Klagmfurler'Zei.ung^2°^v°m Telegrafen"; außerdem hatte ich requirirt einige klassische böhmischen Theater gefeiert wird. Die Theilnahme, welche der Festtag in allen Gauen der böhmischen Krone findet, ist eine berechtigte und hocherfreuliche. Aber nicht nur die Böhmen freuen sich — alle flavifchen Brüder freuen sich mit ihnen! Die geistige Solidarität der Slaven manifestirt sich bei dieser Gelegenheit auf das Glänzendste und läßt das Beste hoffen für das gesammte Slaventhum. Wo immer nur Slaven woh­ nen, findet das Fest einen freudigen Widerhall und von allen Seiten melden sich slavische Bruder als Festtheilnehmer an. Außer den 133 böhmisch-mährischen Gesangsvereinen (um nur einiges anzuführen) entsenden auch 66 böhmische Theatervereine ihre Deputationen (500 Personen). Aus der Hana treffen außer einem Bandenum von 400 Mann hundert Mädchen ein. Deputationen, Repräsentanten aus allen slavi­ sche« Ländern sind angekündigt; von flovenifchen Patrioten hat sich der stelermärtische Landtagsabgeordnete Dr. Josef VoZnjat nach Prag begeben; wir freuen uns, daß die Slovenen durch emen fo ausgezeichnet würdigen Vertreter repräsentirt sein werden, tönneu aber das Bedauern nicht unterdrücken, daß Herr Voönjat, so viel uns wenigstens bis jetzt bekannt ist, der einzige Slovene ist, der zu dieser für alle Slaven so bedeutungsvollen Feier gereist ist. Der hie­ sige Turnverein 8c»K,o1 war leider nicht in der Lage der Ein­ ladung des Festausschusses zu entsprechen, hauptsächlich deß­ halb nicht, da mehrere Mitglieder des 8oKol gesonnen sind, an der Zusammenkunft aller slavischen Turnvereine in Prag im Juni d. I . Theil zu nehmen; der Ausschutz hat daher den Näöelnit des Präger KioKul, Hrn. Dr. Mir. Tyrö, ersucht, die Vertretung des Vereines bei der Feier zu über­ nehmen. Ueberall, wo slavische Vereine eristircn, lommen heute die Mitglieder zusammen, um wenigstens im Geiste mit den Brüdern in Prag vereint zu sein und in der Ferne das freudige Ereigniß mitzufeiern. Welcher Jubel, welcher Enthusiasmus diejer Tage in Prag herrsche läßt sich daraus ermessen, daß sich die Ucberführung der Grundsteine, die von verschiedenen Gegenden eingesendet wordensind, zu wahren Festen gestaltet hat. So bildete namentlich die Ueberführung des oben erwähnten Steines vom Berge Rip einen förmlichen Triumphzug. Vierzig Reiter gaben dem mit Inschriften, Fahnen, Kränzen reichgeschmückten Wagen, auf dem der mächtige Block von circa 40 Ztr. Gewicht lag, das Geleite. Von Ott zu Ort ward der Zug festlich empfangen, überall gab es Triumph­ pforten und Ovationen in Menge, durch den fortwährenden Anschluß neuer Deputionen schwoll der Zug zu immer größerem Umfange an. Als sich der Zug Prag näherte, war die Theil­ nahme schon massenhaft; gewiß an 60000 Menschen waren auf den Beinen. Die Studentenfchaft, der Prager, Karoli­ nenthaler und Kleinseitener 80K0I, dann mehrere Gesang­ vereine gingen dem Zuge entgegen, Deputationen von Vereinen und Corporatiouen waren in Zwischenräumen aufgestellt, darunter auch eine Deputation der Prager Kamen, in deren Namen Frau PodlipslÄ einen Kranz auf den Stein niederlegte. Auf dem Karolinenthaler Hauptplatze machte der Zug Halt, um uoch den Grundstein vom altehrwürdigen Aökov, der noch größer ist als der Grundstein von Rip, zu empfangen. Bis der Festzug zum Bauplätze kam, dauerte es volle 3 Stunden, da wegen des riesigen Andranges immer nur Schritt für Schritt gefahren werden tonnte. — Werke von Central - Wahlcomitö's. Nebst einem Nadel­büchschen, welches alle seit 10 Jahren in Kram gedruckten deutschen Werte über die schönen Künste und Wissenschaften, Beiträge zur Volksbildung und zur Förderung des allgemeinen Wohlstandes enthielt, hatte ich auch 60 Rubel in Papier, die ich in Wien bei Zinner zu st. 1.72 getauft hatte. Alles dieses schätzbare Material war also in Gefahr, eine Beute der „Bar­baren" zu werden. Mittlerweile gelangten wir auf die Station 1r26biQÄ. Eine ganze Menge Juden in schwarzem Anzüge mit obligater, lang herabhängender Haarlocke an jeder Schläfe erwartete uns auf dem Perron. Ich dachte, es sei dieß eine De­putation und übernahm schnell die Rolle eines echten Deutsch­liberalen aus Krain, indem ich zu ihnen trat, einen nach dem andern umarmte und tüßte; ohne sie zu Wort kommen zu las­sen, sprach ich sichtbar gerührt: „Meine Herren! Die Sonne der Freiheit ist gekommen — alle Vorurtheile sind vergessen — theuere Brüder! kommt nach Laibach — alles erwartet Euch mit offenen Armen — alles sollt Ihr haben, Tisch und Bett, alles wollen wir mit Euch theilen« „Kafen ze Rubel? geben ze 1.74? — 73? — 72? — 71? — nuuu — ?" hörte man erwiedern! Ich war bitter enttäuscht, es waren dieß Geldwechsler, die mehr mit unser« Börsen als mit den liberalen Floskeln shmpaihisirten. Eine halbe Stunde später — am 16. Mai 1867 12 Uhr 10 Min. N. M. — passirten wir, einstweilen 62 Mann stark, den kleinen Fluß lsprsemda, welcher die Grenze bildet, und — wir zogen ein in das „Barbarenland". Die Meisten fieberten, es schien, als verließen sie vor Scham alle die durch viele Jahre eingebläuten falschen Begriffe über dieses Land. Mich juckte schon der Rücken, Freund H, fühlte fchon die Knute, und Freund B. der auch etwas zu lebhaft von Sibi­rien träumte, bekam Gefröre an Händen und Füßen. I n Granica, erste russische Eisenbahnstation, wurden wir von den Anwesenden enthusiastisch begrüßt. Die dienstthuenden Grenz-, Zoll- oder Polizcibeamten nahmen uns die Pässe, Fahrkarten und Gepäckszeltel ab; dann wurden wir in den ersten Stock des schönen, geräumigen Station«- und Zotige» bäudes beschieden. Ich fürchtete, wir würden da bis auf die Haut durchvisitirt — vielleicht gar geschoren und rasirt werden. Statt dessen fanden wir — eine gedeckte Tafel für etwa 100 Personen, besetzt mit vielen Batterien, geladen mit fein­stem französifchen Rebensäfte, mit Backwerk, Früchten, Blumen «. Wir fanden da unsere Sinne wieder, die zahlreichen, ge- ^ schmackvollen und glänzenden Militär-Uniformen machten auf Die Anmeldungen zur Festvorstellung am St. Iohanni» tage (Smetana's „Üalibor") sind so massenhaft eingelaufen, daß es unmöglich ist, alle, die es wünschen, mit dieser Einen Vorstellung zu befriedigen; deßhalb hat die Direktion des böhmischen Landestheaters beschlossen, auch noch am Sonntag nach Iohanni eine zweite Festvorstellung zu veranstalten, zu welcher Oebors beliebte Oper „Drüiioiuii-»" gewählt wurde. Auch dieser Vorstellung wird ein von Herrn I . Kolär ver faßter Prolog vorangehen. Außerdem wird am St. Iohanni tage selbst im Neustädter Theater Tyls „8tr»Kouiok/ äu ää.!l," und Abends im Interimstheater BozdLchs „Ukrou tHoLi'tL" aufgeführt werden. Den zweiten Tag nach St. Jo­ hann findet im Neustädter Theater Nachmittags eine Vor­ stellung von Kolärs ,,2i2kov» »mrt" und am selben Tage Abends im Imterimstheater eine Vorstellung von Sabin«« „Insorät" statt. Es werden also eigentlich sechs Festvor­stellungen stattfinden. Auch Smetanas „vallbor" wirb den Pragern zugänglich gemacht, indem dem Publikum gegen ge­ wöhnliche« Entröe der Zutritt zu der letzten Generalprobe gestattet werden wird. Coummssation. Von Fr. Schollmayr. Wenn man bedenkt, daß wir diesseits der Leitha noch immer leinen ordentlichen Kataster zu Wegen gebracht haben, daß wir seit beinahe zwei Decennien mit der Grundentlastung beschäftigt sind, daß wir immer noch nicht ein ordentliche« Grundbuch haben und an die Grundstück;ufammenle gung noch gar nicht gedacht wird — Faktoren von denen unbedingt das Wohl eines Landes abhängt —, so wäre man wohl versucht auch in dieser Hinsicht sich jenseits der Leitha zu wünschen. Die Ungarn machen natürlich überall, mit Jedem und mit Allem einen kurzen Prozeß; und so wirb es kommen, daß das Königreich Ungarn, welches etwa um zwanzig Jahre später die Katastralvermessung ins Land bekam, selbe doch früher beendet haben wird als „die übrigen Länder" und zwar noch mit dem besondern Unterschiebe, daß Ungarn nicht nur zugleich hiebet die Grundlasten-Ablösung durchführt, son­dern auch ein vollständiges Grundbuch anlegt und schließlich dem ganzen die Krone durch die Commassirung der Grund» stücke aufsetzt. Dieß ist eine Riesenarbeit, die wir bei uns nach dem bisherigen Laufe der Dinge, nicht in 100 Jahren fertig bringen. Es hat schon einmal ein Abgeordneter im ReichSrathe die Commassirung berührt, doch scheint dieß in den Brunnen gefallen zu fein. Ich erlaube mir im Folgenden über die Wich­ tigkeit und Tragweite der Commassation nicht nur im Interesse eines jeden einzelnen Besitzers, sondern auch in volkswirth» schafllicher Richtung einige Worte zu sagen. Daß da« jetzige System der Gemengewirthschaft in Krain ein bedeutendes Hinderniß für den Aufschwung der Bodenkultur ist, wird jeder intelligente Fachmann wohl zugeben. — Bo denverschwendung durch die vielen Grenzen, Raine, Feld-uiid Triebwege; Zeitverlust auf diesen krummen Linien durch das Hin- und Herziehen; Erschwerung der Aufsicht; Unmöglichkeit der meisten Kapitalverwendungen im Großen, wie für Ent­ und Bewässerungen von Aeckern und Wiesen, falls nicht ein uns den besten Eindruck. Aufgefallen war uns nur der Zoll« beamten „schwarzer Frack", der hier in — duntelweichsel blauer Farbe mit gelben Knöpfen getragen wird. Viele dräng, ten sich um diese Erscheinung näher zu prüfen, da Niemand glauben wollte, daß es auf der Welt Beamte geben könne, die ihr Ansehen und ihre Würde zu wahren vermöchten ohne den wirklich schwarzen Frack. Das Diner begann, die Bouteillen knallten, man hielt Reden und sang die Voltshhmne mit begeisterten Uräl — natürlich mit entblößtem Haupte. Allein ich — klug und weise — nahm mir gleichzeitig einen Fasanschlegel in den Mund, bedeckte den Kopf mit der Serviette und duckte mich unter den Tisch. Durch Nichtsingen und Bcdecktsein wollte ich den bösen Zungen einen beliebten Stoff zum Breitschlagen ent ziehen. Mit dieser genialen Schwenkung trat ich in die Reihe iener Männer ein, die unter allen Verhältnissen immer nur gewinnen tonnen. — Die Koffer waren nicht geöffnet worden, der „Bädeter" hatte wieder einmal gelogen wie gedruckt. Ich fand meinen Koffer in Warschau im „Hotel Europe« Zim mer-Nr 41 wieder. Das Nadelbüchschen, welches ich in der Gilötasche trug, kam ebenfalls ohne Anstand durch. Allein die vorheraenannten, mühevoll zusammen getragenen Zeitung« blätter — die Hauptbagage — waren unverantwortlicher Weise — zu Hause geblieben. Ein größerer Theil davon wanderte, wie ich später erfuhr, im Laufe der Zeit verkleinert par< tienweise zu einem Landmanne in Moste, den«er Stoffwechsel mit reicher Ernte für seine rationelle Handlungsweise belohnte. Den kleineren Theil, die „alte Tante«, erhielt der «nomniirte. Salamimann am Mehlmartt zur gewöhnlichen Emballage. Spottvogel Freund Kh. lachte herzlich über diesen Vorfall, witzig bemerkend: Das sei die neueste „Errungenschaft", daß auf diese Weise nun doch auch in die „Laib. Ztg.« Artikel kommen die — genießbar sind. Dieses Rückblicken in die Heimat möge man mir ver­zeihen; ich glaubte mich damit zu trösten ür den zurückge­bliebenen „Druck". Uebrigens wäre ich «°hl auch ohne diese« meiner wehmüthigen Anwandlungen Herr 8°"°" ^ m am mirter Gefellfchaft vergißt man j» vieles. D.e "elfachm an­genehmen Ueberraschungen versetzten .«"« " S " >« m ^ vergnügteste Stimmung, in der wir Abschied nahmen von der Grenze. Ei« „roy«1" und der Sevatatzug flog geg.» Norden. seltener Geist voll Einsicht und Eintracht alle Nachbar» be­seelt: dieß sind die traurigen Folgen unserer heutigen «Jemen» gewirthschaft. Viel nachtheiliger ist jedoch hiebei noch der Flurzwang, der den Besitzer hindert, auf dem zwischen andern Grund­stücken eingezwängten Acker die gewünschten Kulturen rationell zu betreiben und denselben auch zu einem gesteigerten Ertrage zu bringen. Nur zu oft ist er gezwungen, anstatt eine ordent­liche Fruchtwechselwirthschllft (die nach Horste' s System wäre sicher für uns hier die geeigneteste) zu betreiben, bei seiner sonst meist überall schon verworfenen Dreifelderwirt­schaft verbleiben. Eben dadurch leidet auch die Hebung der Viehzucht, indem es schwer wird unter solchen Verhältnissen viele und besonders perennirende Futterkräuter «u bauen; es soll jeder Landwirt!) trachten, diese drückend^ Kesseln Von sich zu werfen, da hiedurch nicht nur fein eigener sondern auch der Volkswohlstand überhaupt gehoben würde. Daß von Seite der Regierung jüngster Zeit zur Hebung des Volkswohlstandes gewaltige Maßregeln in Angriff genom­men (freilich nicht durchgeführt) worden sind, ist unleugbar, und es bleibt nur noch der Wunsch, selbe baldigst realisirt zu sehen, um dann fordern zu können, daß auch jedes einzelne Glied der großen Kette feine Trag-, Spanne und Willens« traft wegen des eigenen „Ich"' chiezu zu widmen gezwungen wäre. Die Forst- und Landwirthfchaft hat in Mitteleuropa drei große und geschichtliche Eniwickelungen durchgemacht. I n alten Zeiten, als die Bevölkerung noch schwach und deren Bedürf­nisse geringe waren, damals gab es nur Weidewirtschaft mit einer sich hierauf gründenden Viehzucht. Nach einer langen Periode, zur Zeit des Kaifers Karl des Großen, wo die mei­sten Verhältnisse im Sinne der damaligen Zeit neu geordnet wurden und die Bevölkerung zunahm, mußte man nothgedrun­gen mehr zum Ackerbau greifen und damals entstand zur Ge­winnung von mehr Körnern die Dreifelderwirtschaft mit ihrem Flurenzwang. Diese Dreifelderwirthschaft hat sich an 1000 Jahre erhalten, bis endlich durch die massenhafte Zunahme der Bevölkerung und sonach auch des Konsums auch dieses System als gänzlich^ ungenügend befunden wurde. Das 19. Jahrhundert hat uns wieder neue Ideen auf­gezwungen, es hat uns gelehrt, daß die Landwirtschaft uns nicht nur das Brod verschaffen soll, sondern daß selbe so be­stellt sein muß, daß sie als Gewerbe noch die Rente des Kapitals abwerfen muß, und dieses durch eine oldentliche Fruchtwechselwirihschaft. Den Ausschlag zu dieser Wendung für das 19. Jahr­hundert gab wohl für den Continent die Nacht vom 4. August 1789, in der die französische constituirende Versammlung be­schlossen hat, die Aufhebung aller nicht auf privatrechtlichen Titeln ruhenden Grundlasten durchzuführen und unbedingte Freiheit des Bodens zu veranlassen. Durch diese voltswirth­schllftliche Maßregel, da die meisten Besitzer mit ihrem Grunde und Boden anders wie bisher verfügen konnten, ist auch eine Unwälzung in der Landwirthfchaft im allgemeinen vor sich gegangen. Den größten Theil zum Umschwung der Dinge trug jedoch im 19. Jahrhundert Lie b i g als Agricultur­chemiter bei. Denn allein durch diesen hat die Bodenkultur eine derartige intensive Richtung erhalten, daß man die Mög­lichkeit hat, den Anforderungen der immensen Bevölkerung in Anbetracht der Bodenerzeugnisse Genüge zu leisten. Frei­lich haben wir immer noch eine 4. Umwandlungsperiode durch­zumachen, bis wir in die Fußstapfen der Chinesen, dieser wahrhaft rationellen Ackerbauer treten weroen, welche Um­wandlung wohl auch unausweichlich ist. Alles dieß nun läßtsich nur durch Einführung von Frucht-Wechselsystemen, und seinerzeit bei noch höherer Intelligenz durch die freien Wirtschaften erreichen, allem dem muß jedoch nothwendig die Commassation, — Güterzusammenlegung vor­ausgehen. Die Commassation besteht darin, daß die Aecker und Wiesen, Weiden und Oedungen, auch einzelne Waldparzellen, je in eine Masse zusammengeworfen und an die bisherigen Be» sitzer wieder frisch ausgetheilt werden, entweder je in einem, oder in mehreren Stücken. Die Zusammenlegung kann sich auf ganze Fluren, Gelände oder auch nur auf einzelne Par­teien ausdehnen. Daß bei der Zusammenlegung zugleich die Lasten abgelöst, Meliorationen durch Be- und Entwässerung, Regelung der Bäche und Flüsst, Ausgleichung der Markungs­grenzen, Anlagen von Pferdetummelplätzen, Kies-, Sand-, Lehm-, Schottergruben, Baumschulen u. dgl. vorgenommen weiden, liegt in der Natur der Sache. So eine vollständige Zusammenlegung ist tief einschnei­dend in die Besitzverhältnisse und gibt sich kund schon in ih­rem Aeußern. I n Gegenden, wo die Commassation durchgeführt ist ha­ben die Felder und Wiesen regelmäßige Grenzen, überall sind Zufahrten vorhanden, es entstehen schöne Obstalleen; die so oft angetroffene Unzahl von Verzäunungen ist verfchwunden; da, wo früher nur alte Weiber mit der Kratze in den spann­breiten Aeckern wie Maulwürfe herumwühlten, tummeln sich vor dem Zugmair'schen Schwörzer-Pflug (Ruchadlo) ein paar kräftige Pferde, die den Boden auf 10 bis 15 Zoll Tiefe wie linirt aufwerfen; der Wald, die Wiese, der Acker bekommt jenen Platz, der dazu auch paßt; unbeschränkt ist die Benützung de« Eigentums; die aus materiellen und moralischen Grün­den verwerfliche Einzelhut hört auf; Futterbau wird einge­führt; die zahllosen Hecken, Raine, Steinriegel verschwinden; in die Dörfer kehrt die langvermißte Ordnung und Reinlich­keit ein; die Miststatten werden verbessert, und schließlich öffnet sicher auch der Staats- und Landesfond seine Arme, um durch Unterstützungen zum Anschaffen von neuen und verbesserten, als nützlich anerkannten Ackergeräthschaften und Maschinen, mit welchen dann die Anlegung von Musterwirtschaften den Grund finden soll, behilflich zu sein. « ^""° Z°« 6r? in Böhmen zur Durchführung der so zahlreichen Musterwirtschaften, die neuester Zeit zum Auf­schwünge der dortigen Bodenkultur und der bäuerlichen Fach­'^< U"F d,asm"si° beigetragen haben, nicht den frühern, für da« Wohl des Landes fo besorgten Landtag und die Unter­stützung vom Staate hinter sich gehabt, so wäre ihm die schwie­^ ^"^ e d " er sich gestellt: „Hebung des Kleingrundbe­sitzers" sicherlich auch nicht geglückt; um so mehr thut eine solche Stütze bei uns noth, da wir keinen reichen böhmischen Adel, der sich mit der Bodenbearbeitung befaßte, unter unfern Großgrundbesitzern haben. Das eigentliche Ideal der Commassation besteht darin daß man auf dem Wege des freiwilligen Austausches seine Grundstücke beisammen und seinen Hof in deren Mitte be­kommt. Welche großen ökonomischen Vortheile das Hofsystem h«t>, zeigen uns England, Flandern, die Marschen an der Nordsee, teilweise Deutschland, Böhmen, Mähren, Polen, Ungarn. Daß dieses Ideal bei uns, wo schon meist die zu­sammenhängenden Ortschaften bestehen, nicht ausführbar ist, ^kann wohl nicht geleugnet werden, und man wird sich nur be­gnügen müssen, die vielen kleinen Parzellen durch eine passende Arronditung, mit der selbst schon viel gewonnen ist, zusammen­zubringen. I n vielen Ländern hat man die Erfahrung ge­macht, daß selbst nur durch solche Güterzusammenlegung der Bauer in wenigen Jahren sich von den Schulden befreite, daß sich die Beftellungs- und Einbringungskoste« auf die Hälfte leducirten, während sich der Reinertrag der Güter um 20"/ , erhöhte. Trotzdem bin ich aber beinahe überzeugt, daß vorderhand wenige Arrondirungen vor sich gehen würden, wenn wir auch ein Nrrondirungsgesetz hätten, das die widerstrebende Mino­rität zur Zusammenlegung zwingen sollte. I m Nachstehenden will ich noch versuchen, einige der meist dagegen aufgestellten Vorurteile zu. entkräften. Di e Kenntniß der Vortheile der Zusammenlegung müßte durch Vertrauensmänner den Betreffende« beigebrachl werden. Die Besorgnis; im Vermögen verkürzt zu werde n ist zwar nicht ungegründet, wenn Sachverständige und Schutzleute ungeübt (etwa solche, wie die vom Kammer­rat Ott in der „Laib. Ztg." Nr. 46 und 47 beschriebenen) find, da die Ertragsschätzung des ersten Katasters Manchem noch als Schreckbilv dient. Es müßten daher durch die Re­gierung und die Fachvereine geübte Leute herangezogen wer­de«, solche, denen man vertrauensvoll die neue Vermögens­teilung in die Hände legen kann. Der Kostenpunkt hängt von den Schutzleuten ab; je geübter diese sind, desto kleiner wird auch der Kostenaufwand fein. Die Verschiedenheit des Bodens ist kein Hinderniß, indem man jeden Besitzer die Felder in verschiedenen Lagen vereinigt anweisen kann. Die Kleinheit der Besitzungen bildet ebenfalls leine« Grund, da eben eine übermäßige Zerstückelung immer die Zu ­sammenlegung hervorrief. — Die erschwerte Verlauf­lichleit größerer Parzellen. Sobald die Vortheile der Arrondirung einmal recht erkannt sind, wird man die Felder nicht mehr so planlos theilen, und nicht alle Erbe« i!> den Besitz eines Ackers setzen. — Rechtliche Bedenken. Selbst bei einer zwangsweisen Arrondirung ist die Enteignung dort, wv sie zum allgemeinen Besten geschieht, lein unrechtmäßiger Eingriff in das Privateigentum, da die Bevormundung des Staates in Betreff der Waldungen (viäe unser Forstgesetz) oder bei Ablösung der Grundlasten ohnehin auch schon derar­tige Maßregeln in Anwendung gebracht hat. Hiemit wäre das Wesentlichste gesagt, und es bleibt nur zu wünschen, daß sich die Commassation, die sich in inlelligenteit Kulturländern fortschreitend Bahn gebrochen hat, auch bei uns recht rasch zum Wohle des Einzelnen wie auch der Gesammt­heit entwickeln möchte. Eine Volksversammlung in Böhmen. Dem Meeting unterhalb deS Berges Lip am 11. Ma i wohnte eine solche Menschenmasse bei, wie man sie nur sehr selten beisammen zu sehen Gelegenheit hat. Die Zahl aller Anwesenden dürfte mit der Ziffer von 20.000 wohl nicht überschätzt sein. Es waren darunter namentlich Bewohner der Bezirke von Roudnic, Mslnit, Velvarn, Libochovic, Schlan und Laun, ja selbst deutsche Bezirke, darunter namentlich jener von Leitmeritz war ziemlich zahlreich vertreten. I n Ien ­öovic, wo der Prager Zug aus Rostot, LibLic, Kralup und Veltrus an 100 Personen mitgebracht hatte, wurden die An­gekommenen von einer Musikkapelle und einer Sotolabtheilung, dann einer großen Volksmenge aus den nächsten Dörfern em­pfangen und auf die Straße geleitet. Nach kurzem Aufenthalte fetzte sich der Zug in Bewegung und gelangte fo durch die Dörfer Ienöoves, ÜernouZek und Ober-Ctinoves, wo überall Triumphbogen errichtet waren, gegen Mittag an den Fuß des Georgsberges. Der Anblick, welchen dieser schon aus weiter Entfernung bot, war ein interessanter. An der Spitze des Ber­ges, neben der Kirche wehte auf einer 18 Ellen hohen Stange eine slavische trilolore Fahne, weiter unten eine zweite. An dem AbHange des Berges waren an 50 Zelte errichtet, in welchen Bier, Wein, Brot, Würste und Lebkuchen feilgeboten wurden. Unterhalb des Li p war eine Tribüne errichtet, auf Welcher in weiß-rother Schrift geschrieben stand: ,,^»m« «, bnäemo!" Der Bezirkssetretär von Mölnik, Herr Franz Winkler , hob in seiner Rede den Umstand hervor, daß es sich bei der bevorstehenden Vermögenssteuer eigentlich nicht so sehr um eine neue Steuer , als vielmehr um eine An­tastung eines TheileS des Eigenthums handle, wogegen das ganze Volt auf das nachdrücklichste zu protestiren gezwungen sei, dies auszusprechen wäre der Zweck des Meetings. Herr Pra2ä,k aus ChoruZic, lonstatirte den mit rauschen­dem Beifalle aufgenommenen Grundsatz, daß daraus, daß die Ungarn nicht zahlen zu können behaupte», noch lange nicht folge, daß wir zu zahlen im Stande sind, nnd schloß mit der Aufforderung, es möge sich die Versammlung für die Konservirung des alten Staatsrechtes der Krone Böhmens erklären. Herr Opindler , Sekretär der Vezirtsvertretung von Roudnic stellt den Antrag, die Versammlung möge folgende Resolution beschließen: „I n Erwägung dessen, wie sehr zur selben Zeit, da das Königreich Ungarn sich einer vollständigen konstitutionellen Ver­waltung«- und staatlichen Selbständigkeit erfreut: unfer nicht minder glorreiches und wichtiges Königreich selbst des gering­sten Schattens seiner ehemaligen Selbständigkeit entledigt ist, ohne daß unsere Nation etwas Anderes erfahren würde, als die bitterste Noth und unaufhörliche Erniedrigungen; indem wir ferner vernehmen, daß die Majorität eines uns fremden Parlamentes unserem verarmten Vaterland« schon wieder neue und schlimmere Lasten aufbürden will, als die bisherigen es gewesen sind, erklären wir, getreue Söhne des böhmischen Vol­les, die wir am Fuße des geheiligten Llp versammelt sind, wie uns unser Gewissen gebietet: daß wir leine neuen Laste» mehr zu tragen im Stande sind, sowie wir auch nicht begrei­fen, woher die Majorität jenes Wiener Parlamentes das Recht hernimmt, über uns, ohne uns, zu entscheiden. Aus diesem Grunde verwahren wir uns entschieden gegen eine jede Steuer­erhöhung überhaupt, indem wir zugleich verlangen, daß auch die bisherigen ungeheuren Lasten vermindert, nnd in Allem, was uns betrifft, der Wille dieses Königreiches gehört werden möge. — Wir wollen so glücklich und frei in unserem Va­terland« sein, wie unsere Väter es gewesen sind. Wir wollen, daß das einst freie böhmische Volt wieder Herr seiner Ge­schicke werde und allein entscheide über alle seine Angelegen­heiten in Gemeinschaft mit dem gekrönten König. Wir wollen, daß in Böhmen kein anderes Gesetz gelte, als das, welches der legale böhmische Landtag, ausgearbeitet und der gekrönte böhmische König bestätigt hat, daß fomit in Böhmen leine Steuer auferlegt und kein Militär ausgehoben weiden dürfe, als nach verfassungsmäßigem Beschlüsse des böhmischen Land­tages in Gemeinschaft mit dem böhmischen König. Damit auf diese Weise unser historisches Recht, welches nicht» Anderes bedeutet, als die Freiheit, die Selbständigkeit und Unabhängigkeit des glorreichen Königreiches Böhmen, die einzigen Garantien einer glücklichen Zukunft, der Kraft und des Wohlstandes, erneuert werde: begehren und verlangen wir mit allem Nachdrucke eines durch die tiefste Ueberzeugung ae­kräftigten Willens: Erstens, daß der gegenwärtige ungerecht zusammengesetzte böhmische Landtag sobald als möglich aufgelöst werden möge. Zweitens, daß Wahlen für einen neuen Landtag des Königreiches Böhmen ausgeschrieben werden mögen, und zwar Wahlen auf gerechtester Grundlage, damit das ganze Voll in allen seinen Klassen vertreten werde: somit Wahlen auf Grund des allgemeinen Stimmrechtes; und endlich drittens, daß dieser so organisirte Landtag neben unseren alten Rechten such ein«, Verfassung für da« Königreich Böhmen ausarbeiten möge, die unserem Vaterlande eine gleiche Selbständigkeit und Freiheit gewährt, wie dem Königreich Ungarn^" Diese Resolution wurde unter lauten Beifallsrufen mit Stimmeneinhelligkcit angenommen. Das Meeting unter dem altehrwürdigen Georgsberge, das beutlich zeigt-, wie tief die alten Rechte Böhmens im Volle selbst wurzeln, wird nicht vereinzelt bleiben und schon gehey Nachrichten ein, denen zufolge ähnliche Kundgebungen auch anderwärts, besonders in Mähren für die nächste Zeit bevor stehen. Die Finanzvorlagen im Budgetausschuß. Der Budgetausschuß hat am 12. d. M . den Bericht und die Anträge des SubkomitöS entgegengenommen. Letzteres stellte vorerst dem Ausschusse anHeim, sich über die Vermö ­genssteuer auszusprechen, damit hie Regierung für den Fall der Ablehnung die nöthigen Schritte veranlassen tonne, welche eine anderweitige Deckung des Ausfalles ermöglichen. Dieser Vorschlag wurde auch angenommen, und Abg. Skene stellte nun im Namen des Subkomit6s den Antrag, die Regierung«­vorläge, betreffend die Vermögenssteuer, sei abzulehnen. Dieser Antrag des Sublon>it6's wurde mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. I n der Beratung über das Gesetz wegen Regelung und Konvert,irung der Staatsschuld glaubte das Subtomitä, daß sich der Ausschuß zunächst im Prinzipe schlüssig machen möge, ob die Konvertirung der Staatsschuld zwangs­weise durchzuführen, und bei dieser Durchführung der Kour«. werth zu Grunde zu legen sei, uch daß schließlich eine Summe bestimmt werde, welche den Staatsgläubigern im Ganzen in Abzug zu bringen sei. Der Finanzminister war wohl im All gemeinen nicht dagegen, glaubte aber, daß man rascher zum Ziele komme, wenn man sich sogleich über Wn Abzug aus spreche. Ueber Antrag des Abgeordneten Schindler wurde be schlössen: Es sei in die Bestimmung jener Ziffern einzugehen welche man den Staatsgläubigern abziehen wolle. Auf Antrag des Abgeordneten Mayr wurde beschlossen: Die Zinsen der Staatsschuld sind außer der bestehenden 7percentigen Einlom. mensteuer mit einem Abzug von 18 Percent zu besteuern. — I n zwei sehr wichtigen Fragen hat der Budgetausschuß also bereits gesprochen und die Annahme ist kaum eine irrige, daß die Beschlüsse de« Älidgetausschusses von dem Neichsrathe zu den seinigen gemacht werden düchen. Mi t Befriedigung konstatiren wir, daß die Vermögenssteuer gefallen ist, und überlassen es angesichts des zweiten Punktes den Staatsgläu­ bigern, ob sie der 7- und 18percentige Abzug befriedigt oder nicht. Allein zu besorge» steht, daß das Fallenlassen der Ver mögenssteuer zu einer neuen Steuermaßregel führen wird, und dieß umsomehr, als man von allen Seiten die Einführung einer Klassensteuer betont und auch von einer Erhöhung der gegenwärtig bestehenden Steuern spricht. Das Deficit muß gedeckt werden, das ist richtig. Herr Vrestcl mag da eben zuseh'u, wie er es zu Wege bringt, aber mit neuen Steuern möge uns der Herr Minister nicht heim» suchen. Politische Revue. Inland. Wien. Dieser Tage ist auf Grundlage der Staats» grundgesetze dem Kultusminister das Gesuch um gesetzliche An erkennung des neuen Glaubensbekenntnisses, das aus 26 Ar­tikeln besteht, überreicht worden. Die Ueberreichung geschah durch Herrn Dr. Rudolf Weinberg« und einen der für die eventuelle Leitung der Wiener Gemeinde ausersehenen Prediger: den jungen Theologen August Forstner, einen geborenen Wiener, der zunt katholischen Geistlichen bestimmt gewesen und eine Zeit lang schon Kleriker bei den Jesuiten war, sich aber bald von ihnen lossagte und zur neukatholifchen Lehre wandte. Herr v. Hasne r erklärte den beiden Herren, daß die gesetzliche Anerkennung einer neuen Religionsgesellschaft nicht im Verordnungswege durch das Ministerium, sondern nur mittelst einer vor den Reichsrath zu bringenden Gesetzes»« läge geschehen könne. Etwas Anderes sei es allerdings mit dem Rechte des Privat-GottesdiensteS, welches wohl keinem Hin­dernisse begegnen würde, und er glaube ihnen bezüglich diese« Punktes eine rasche, günstige Erledigung ihres Gesuches zu sagen zu können. — Sobald diese Erledigung herabgelangt sein wird, sollen die gottesdienstlichen Uebungen der Wiener Neulatholiten ihren Anfang nehmen. Unmittelbar jetzt aber fchon «erden von den Leitern der Bewegung die nöthigen Schritte gethan, um die Vorlage eines Gefetzentwurfes auf Anerkennung der Neutatholiken wo möglich noch im Laufe der gegenwärtigen Session des Neichsrathe« zu Wege zu bringen. Was die Stärke der Anhängerschaft betrifft, deren sich die neue Lehre erfreut, fo wird sie mit ziemlich hohen Zahlen beziffert; in Wien soll der Anhang über Erwarten groß sein. — Am 11. d. M. Nachmittag überbrachte eine Depu­tation des fünften Wiener AtbeitertageS dem Minister des Innern die Resolutionen, welche auf diesem Tage gefaßt worden waren. Die Konversation dauerte dreiviertel Stun­den. Der Minister bemerkte, daß das Kabinet nach einer erst vielmonatlichen Führung der Geschäfte unmöglich in der Lage sei, ein für die Verfassung fo wichtiges Gesetz, wie das Wahl­gesetz umzuändern. Das Ministerium stehe auf dem Vodeu der sanktionirten Verfassung Dom Dezember 1). I . und halte an derselben uiwerbrüchlich fest; zudem, so fuhr der Minister fort, habe das allgemeine Wahlrecht nur geringe Sympathien im Lande und nur wenige Stimmen, die der äußersten Lin­ken des Abgeordnetenhauses angehören, haben für allgemeine Wahlen plädirt. Der Minister führte im Gespräche den Gedanken weiter aus nnd schloß damit, daß das direkte Wahl­ recht, wie eS in Frankreich bestehe, in Oesterreich für jetzt und wohl »och für längere Zeit nicht durchführbar sei und auch in Frankreich Manches zur Korruption der Massen bei­getragen habe. — Ein zur Deputation gehörender junger Ar­beiter gebrauchte fehr häufig das Wort „Freiheit." Ihm fagte der Minister beiläufig: „Hätten Sie so ernst für die Freiheit gekämpft, so würden Sie dieselbe weniger häufig im Munde führen. Nicht um das Wort, sondern um die Sache handelt es sich." Dr. Giskra nahm überhaupt wiederholt Anlaß, der Deputation bemerllich zu machen, daß mit Be­nützung der Schlagwort« des Tages wenig gethan sei. — Die Sitzung des Herrenhauses vom 13. Mai über­raschte durch einen ganz unerwarteten Zwischenfall — durch einen offenen Zwiespalt der Anschauungen auf der Regierung«« banl nämlich. Drei Vertreter des Ministeriums befanden sich auf derselben, Fürst Auersperg, Herr v. Hasner und Dr. Herbst, und von diesen Dreien stimmten die zwei Elfteren gegen den Dritten, gegen den Iustizminister, trotz­dem derselbe seine Ansichten gewissermaßen im Namen der Regierung auseinandergesetzt hatte, so daß man den von ihm eingenommenen Standpunkt als den des Gesammtministeriums betrachten mußte. Die Sache ging nämlich so. Man war in die Berathung über die Aufhebung der Wuchergesetze ein­getreten. Dr. Zelinla erstattete den Bericht. Der erste Paragraph des Gesetzes wurde in der Fassung des Abgeordneten» Hauses genehmigt. Bei dem zweiten, welcher bestimmte, daß für den Fall, als bei Aufnahme des Darlehens keine Zinsen bebungen worden wären, allgemein der Satz von sechs Per­zent zu gelten habe, hatte die Kommission des Herrenhauses eine Aenderung in Vorschlag gebracht, die wohl zu­meist den verschuldeten Gutsbesitzern zu Gute kommen muß. Sie beantragte nämlich für hypothezirte, für pfandsichere Schulden bei nichtbedungenen Zinsen den Satz von nur fünf Perzent anzunehmen. Dagegen erhob sich nach Baron Szymonowicz, welcher für die Fassung des Abgeordnetenhauses eintrat, Dr. Herbst, indem er auf die Mißlichkeiten hinwies, welche der Antrag der Kommission in sich schließe und dem Hause gleichfalls empfahl, den ursprüng­lichen Text des Abgeordnetenhauses wieder aufzunehmen. Man mußte in diesen Darlegungen die Ansicht der Regierung zu hören glauben. Desto lebhafter war die allgemeine Ueberra­fchung, als es zur Abstimmung kam und für den vom Iustiz­minister empfohlenen Antrag die beiden andern anwesenden Minister, die bekanntlich zugleich Herrenhausmitglieber sind, sich nicht erhoben, daß sie aber dafür sodann mit der Ma­jorität des Hauses gegen ihren Kollegen stimmten. Man sah gleich darauf Herrn Dr. Herbst in sehr erregtem Gespräche mit dem Fürsten Auersperg und Herrn v. Hasner, worauf er feine Papiere zusammennahm und den Saal verließ, in welchem er auch nicht mehr erschien. Ihm folgten bald die beiden andern Minister mit dem inzwischen eingetretenen Grafen Potocki und das so überaus wichtige Gesetz wurde zu Ende berathen, ohne daß ein Regierungsvertreter sich weiter an der Debatte betheiligte. I m Vorsaale — erzählte man sich später — habe der Iustizminister einem hervorragen­den Mitgliede der Regierungspartei des Herrenhauses gegen­über seinen verletzten Empfindungen scharfen Aus­druck gegeben und bemerkt, daß er auf einer Genugthuung werbe bestehen müssen. AglllM. Der unionistische Gemeiuderath von Agram hat die Gemeinheiten des Wien-Pester RegierungsorganeS „De­batte" gegen den Bischof Stroßmayer noch überboten. Wie nämlich das hiesige, unter der verantwortlichen Redaktion des Dr. Gaj und unter dem Schutze der Magyaren stehende Amtsblatt „Narodne Novine" meldet, hat der unionistische Gemeinderath der Landeshauptstadt Agram in seiner letzten Sitzung beschlossen, die bisher unter dem Namen „Stroß­mayergasse" hier bestehende Gasse in die „Marie Valeriegasse" umzutaufen. Der „Wand.", dem doch in Hinblick auf seine Vorliebe für die Schöpfer des magyarischen Dualismus Nie» mand Sympathien für die föderalistischen Kroaten nachsagen kann, verurtheilt diese Maßlosigkeit des Rauchischen Gemeiude­rathes, indem er schreibt: „Die durch diesen über Antrag des städtischen Physilus gefaßten Beschluß begangene Taktlosigkeit wird die Gemeindevertretung bei unserem Publikum gewiß tompromittireu, denn nicht die Sucht, ihre Vorgängerin, welche aus Anlaß der allseitig anerkannten großen Verdienste Stroß­mayer« um die Hebung der heimischen Lehrinstitute jene Gasse „Stroßmayergllsse" getauft, — in den Augen der Welt zu lompromittiren, sondern rein nur die Loyalitätshascherei ist die wahre Ursache, daß die Gemeindevertretung von Agram auf einen Antrag einging, welcher in der Geschichte solcher kleiner Parlamente vielleicht unerhört dasteht. Wenn schon der red­selige Antragsteller die Taktlosigkeit begangen hat, einen der­artigen, den Bischof Stroßmayer im hohen Grade verletzenden Antrag zu stellen, so hätte die Gemeindevertretung vorerst be­denken und sich durch eines ihrer Mitglieder bei der einige hundert Schritte vom Magistratsgebäude entfernten l. Landes­hauptkasse persönlich überzeugen können, daß bei der letzteren über 150.000 fl. erliegen, welche Bischof Stroßmayer für ein­heimische Institute — welche seinerzeit nur der Landeshaupt­stadt zu Gute kommen werden — gespendet. Wir glauben daher, daß ein solcher Mann nicht verdient hat, von der Haupt« städtischen Stadtrepräsentanz auf solche Art verletzt und zu­liche Genehmigung von der hohen Statthalterei erhielt. Auch rückgesetzt zu weiden. Dieser Beschluß unserer noch sehr jun­wir zollen ihm hiefür unsere volle Anerkennung. Noch eine in­gen Gemeindevertretung kommt übrigens jedenfalls als ein teressante Mittheilung habe ich zu verzeichnen. Sie wissen, daß Zeichen der Zeit und der Stimmung in gewissen Kreisen zu unsere Stadtgemeinde ein eigenes Statut schon unterm 21. registriren, ist aber nichtsdestoweniger im gegenwärtigen Mo­Jänner v. I . erhalten und daß sich dieselbe schon seit dem mente der eben angebahnten Aussöhnung aller Parteien nach Sommer v. I . als vollkommen selbständige, unmittelbar der jeder Richtung hin doppelt zu betlagen. Es hätte sich denn Statthalterei untergeordnete Gemeinde tonstituirt hat. Unter doch wohl eine andere Gasse gefunden, die man, ohne Jeman­solchen Umständen ist es eine ganz natürliche Folge, daß jede den zu verletzen, hätte umtaufen tonnen." selbstbewußte Gemeinde die Autonomie nach allen Richtungen soweit als möglich auszudehnen bestrebt ist. Bei uns ist dieß Lembeig. Ueber die polnische Politik äußert sich der hie­nicht der Fall; denn das hiesige Bezirksamt erklärte, daß es sige „Dz. Lw." : „Die Unfähigkeit der polnischen Reichsraths» die Geschäftsagende der Besteuerung für das städt. Pomörium delegation länger zu entschuldigen, ist schwer. Umstände, Zu­dem hiesigen Stadtamte mit 1. d. M. übergeben werde, weil fall, Glück haben den Polnischen Reichsräthlern den Schlüssel diese Agende ebenfalls in die eigene Competenz der Gemeinde der Position in die Hand gedrückt: — sie wußten davon in­gehöre. Allein die Gemeinde scheint das Referat in der Steuer­sofern zu profitiren, als sie zum Werkzeug einer Koterie her­angelegenheit sehr zu fürchten und zu besorgen, daß dadurch absanken. Sie hatten die Wahl des Bündnisses mit den Un­mehrere bisher noch bestehende, intime Freundschaftsverhält­garn und den Böhmen oder mit beiden zugleich, um sie mit­nisse gelöset, resp. zerschlagen werden könnten; sie hat daher einander zu versöhnen; statt dessen wählten sie die Allianz mit dagegen die Beschwerde an die h> Statthalterei in Graz er­den deutschen Liberalen. Kein Kalendermacher würde auf einen griffen. Was würden diese Herren bei der Durchführung der solchen Gedanken verfallen. Nachdem die polnischen Reichs-Vermögenssteuer machen! Jetzt gegen die Bewilligung derselben räthler die Böhmen in einer Verzweiflungslage gelassen hat­zu protestiren, dazu haben sie nicht den Muth, denn man ten, trugen sie entschieden dazu bei, daß ein Theil der öster­könnte sie illiberal schelten, zahlen wollen sie aber auch nichts, reichischen Slaven in die Arme Rußlands getrieben wurde, denn der Unmuth spricht sich allgemein ganz offen gegen die während sie andererseits die Ungarn durch ihr zweideutiges Maßregel aus, — es bliebe also nur das eine übrig, unsere Verfahren beleidigten: dafür aber erfreuten sie sich über einen Matadore müßten sich auf einmal als arme, Teufel geriren. Monat des Beifalles der verkäuflichen deutschen Journalistik. Ein großes Resultat." Was sagen die Herren Rogawsli und Ziemialtowsti zu dieser Opposition im eigenen Lande? Ausland. Ans dem Oriente. Die „Dunavslll Zora" ver­öffentlicht folgenden Aufruf an die Bulgaren, der ihr aus Belgrad eingeschickt wurde: „Der Winter ist vorüber, der Frühling fängt an. Die Berge grünen und alle Wefen er­wachen vom Winterschlaf«. Nur Du bulgarische Nation schläfst noch, leistest noch Sklavendienste und fügst Dich noch dem asiatischen Despotismus! Du seufzest noch immer in der Skla­verei und erträgst willig Dein Martyrium! Bulgaren, Helden­söhne! Schüttelt Euer Sklavenjoch ab! Lange genug habt Ihr geduldet, genug und zu viel! I m Himmel und auf Erde hört man Euren Schmerzensschrei. — Blicket auf gegen die Sonne und sehet was die Freiheit ist — und trachtet nach ihr vom ganzen Herzen. Erwacht und Euer Losungswort sei Frei­heit und Gerechtigkeit." — Anschließend an die Version, daß Preußen und Rußland in der orientalischen Frage einig sind, bringt das Bulgarenorgan „Dunavska Zora", wie es sagt, aus guter Quelle die Nachricht, daß zwischen den genannten Mächten ein geheimer Vertrag bestehe, wornach Bulgarien mit Rumänien unter der Krone des Fürsten Karl vereinigt werden soll. Das genannte Blatt bemerkt hiezu, daß die Zusammen­gehörigkeit dieser bcioen Nachbarvölker, sowohl ethnograsisch als geograsisch bedingt sei, indem die Bewohner des Hochlan­des von Stara-Planina bis zu den Karpathen an der Donau, seit ewigen Zeiten in Freundschaft und bestem Einvernehmen gelebt haben. Die „Maledonia", eines der einflußreichsten bulgarischen Blätter, äußert sich bezüglich der bulgarischen Forderungen der Türkei gegenüber: „Wenn man uns sagt, eS gebe keine bul­garische Frage, so sagen wir: es wird eine bulgarische Frage so lange geben, bis wir nicht gleichberechtigt mit allen übrigen Völkern unter der Souveränität des Sultansstehen. Die Bul­garen wollen nicht ein Gegenstand der Unruhe im ottomani­schen Reiche sein; im Gegentheile, unsere Kraft, unser Reich­thum kann die Bedingung für eine lange und blühende Zu­kunft des ottomanischen Kaiserreiches sein. Aber man werde uns gerecht gleich den Serben und Rumänen, denn wir sind sechs Millionen und nicht zwei Millionen, wie die Türken meinen, und man erfülle zum Danke für unsere Anhänglichkeit an den Sultan unsere gerechten Wünsche." Correspondenzen. Cillt 8. Mai. 0. — Der Ihnen letzthin mitgetheilten Nachricht über die Resignation des Bürgermeisters Dr. Mörtl habe ich nachträglich beizufügen, daß dieselbe nicht so sehr we­gen der in der damaligen Gemeinderaths-Sitzung zur Sprache gekommenen Schulangclegenheit und der hierüber gepflogenen Debatte, sondern in Folge des von dem Bürgermeister gehal­tenen Vortrages bezüglich der vom Justizministerium herabge­langten Genehmigung wegen Adaptirung des hiesigen Kloster­gebäudes zu Iustizzwecken, erfolgte. Wegen dieses, wie erzählt wird, sehr langweilig erstatteten Vortrages, sollen sich mehrere Mitglieder des Ausschusses in das Nebenzimmer begeben, und sich zur Vertreibung der langen Weile Cigarren angezündet haben. Ueber diese Theilnahmslosigkeit soll der Herr Bürger­meister aufgebracht worden sein, und es entstand hierüber eine etwas heftige Debatte, bei welcher Dr. Mörtl abermals von seinem Leberleiden befallen wurde, und in Folge dessen sein Ehrenamt als Bürgermeister niederlegte und sich entfernte. Die Resignation desselben geht übrigens klanglos vorüber, es erhob sich bisher nicht Eine Stimme, um das Geschehene un­geschehen zu machen, und auch nicht ein Schritt wurde in die­ser Richtung gethan. Diese Thatsache liefert fomit den Be­weis der allseiligen Befriedigung, die dem Abgetretenem zu­nächst von seinen besten Freunden und getreuesten Gesinnungs­genossen in unzweideutigster Weise zu erkennen gegeben wurde. Dr. Mörtl, mehrseitig um die Ursache seiner Resignation be­fragt, erklärte selbst, daß ihm sein Leberleiden nicht gestatte, sich mit dem öffentlichen Gemeindeleben zu beschäftigen. Soll er denn feinen krankhaften Zustand nicht schon früher gekannt haben? Wir unserseits haben bereits mehrfache Beweise sowohl im Privat- als öffentlichen Leben erhalten, wornach wir seine Leber als im hohen Grade krankhaft zu erkennen allen Grund hatten. Er hat sich durch solche interessante Szenen unvergeßlich gemacht. Einer der letzten Akte seiner Thätigteit war, daß er für den 30. v. M . die hiesigen Bürger in den Salon „zum weißen Ochsen" zu einer Besprechung wegen der Empfangs­feierlichkeiten, welche bei der Ankunft des deutschen Grazer Gesangsvereines zu den Pfingstfeiertagen arrangirt weiden sol­len, eingeladen hat. Wahrend sich der eine Theil unserer Be­völkerung mit solchen Festarrangements beschäftiget, denkt der andere Theil an die der Hilfe fo sehr bedürftigen Bewohner von Tüchern, welche durch den letzten Brand theilweise um ihr ganzes Hab und Gut gebracht wurden. Die hiesige (Ätalnica hat nämlich am Sonntag den 3. d. M. eine Tombola arrangirt, deren Ertrag für die Verunglückten bestimmt wurde. Es gingen dabei 60 fi. ein, welche Tags darauf sogleich der Bestimmung zugeführt und mit dem wärmsten Danke in Empfang genom­men worden sind. Die erste Hilfe ließ jedoch der gegenwär­tige Bezirksamts-Leiter Herr Ioset den Verunglückten zu Theil werden, indem er fchon am ersten Tage nach dem Unglücke einen Betrag von 100 fi. aus eben vorhandenen Geldern unter die Verunglückten vertheilen ließ, wozu er die nachträg­ Kunst und Literatur. — Der von den Herrn Vltel und Star^ ausgeschrl« bene Preis von 6 Dukaten in Gold für die beste Composi tion zur Grundsteinlegung des böhmischen Nationaltheaters wurde in der letzten Ausschußsitzung des Präger Gesangver eines „Ulalial" der Komposition „NIuv t»K, HnK oiti8" von Karl 8 «bor zuerkannt. Es waren im Ganzen 16 Com Positionen eingesandt worden. Als Preisrichter fungirten die Herren Smetan», SkuherstF und Ulm. Die preisgekrönte Composition wird allen Gesangvereinen zugesandt, die übrigen aber den Herren Compositeuren zurückgestellt werden, wenn dieselben ihre Compositionen nicht dem Prager „lllläiol" zu überlassen gesonnen sind. — Der böhm. Vibliograf Fr. A. Urbänek hat soeben sein „Verzeichniß aller im 1.1867 in Oesterreich in böhmischer und slovakischer Sprache erschienenen Bücher, Musitalien und Kunsterzeugnisse" herausgegeben. — Direktor Väcsl. Krl2ek's rühmlichst bekannte „süd slavische Anthologie" (^ntliolo^^ jiKoslovanLkä), welche nebst einer vergleichenden Sprachlehre des Böhmischen und Südslavischen mit einem Wörterbuche versehen ist, überging in das Eigenthum der böhmischen Verlagsbuchhandlung I . L. Kober in Prag. — In demselben Verlage erscheint dem nächst: Die allgemeine Geschichte für die Oberrealschulen (VseokLoii^ äßjspi» z>ro v^ M s^ol^ reä,1uä) vom Prof. M. R. Koväl. — I n Wien erschienen: „Beiträge zur Alterthumslunbe der serbischen Landstriche an der Donau von Praovo bis Bel grab" von I . Kanitz. Mit 19 Illustrationen. — Die l. russische Akademie der Wissenschaften wird ein von Lavrovsli j ausgearbeitetes serbisch russisches Wörterbuch herausgeben. Später sollen ähnliche Lexika auch der andern slavischen Sprachen edirt werden. — Nil Al. Popov, Dozent der alt-russischen Geschichte an der Moskauer Universität, schreibt an der „Geschichte der galizischen Russinen seit der Zeit der österreichi schen Herrschaft." Die Arbeit ist um so verdienstvoller, als es bisher keinem Russinen aus politischen Rücksichten möglich war, sich an diesen Gegenstand zu wagen. — „81ovar llerI:6Vll0'8ls,vi»,i!8k2,A<) i rugKüSO Hu, 2)>K»" (Wörterbuch der kirchenslav. und der russischen Sprache) erschien, von der tais. Akademie herausgegeben, soeben in 4 großen Bänden in Petersburg. Der Preis ist 7'/« Rubel. — In Neusohl erschien: LlovnusKä, 8v»äb» »ledo: NPOsob z»^tn,iiiÄ » uäää,vu,ni«, inlaäeH neve»t^ riii vms », svÄäoKuoin veseli 3 priPHenFmi nvÄäoKn^iiii piesriami. (Die slovatische Hochzeit, oder: Die Werbung und Verheiratung der Braut. Mit den gebräuchlichen Hochzeitsliedern.) Zusammen gestellt von A. Em. Timko, — Allgemeine Aufmerksamkeit erregt gegenwärtig in Rußland eine Broschüre des Grafen Apratsin , der längere Zeit in Bulgarien als Freiwilliger weilte. Die Broschüre führt als Motto den Vers Der2avins: 0 Lo»g' n^rii i vH» tvcxjn, vsslLnu», (Rußland, nur ein Schritt und die ganze Welt ist dein). — Ueber Prof. A. ßembera's in unserm Blatte schon besprochene Arbeit: „2äx»,äul Hlovans" bringt da« «Grazer Volksblatt" eine Besprechung, worin das Wert als unbedingt geeignet bezeichnet wird, „die Aufmerksamkeit aller Forscher auf dem Gebiete der slavischen NlterthUmer in hohem Grade anzuregen und auf die genauere Kenntniß dieses Gebietes ein Helles Licht zu werfen. Es ist dieß keine von jenen unbedeu« tenden Tendenzschriften, deren unzählige unbemerkt hier und da auftauchen und sogleich in den Abgrund der Vergessenheit versinken, sondern vielmehr ein Werk, das auf jahrelangem eifrigen Studium beruht und, auf die zahlreichsten Quellen ge stützt, eine Ansicht ausspricht, die wahrscheinlich Einigen para dor erscheinen wird, aber jedem unparteiischen Leser die An ertennung der Umsicht, kritischen Schärfe und Belesenheit des Verfassers abzwingen muß." — Soeben sind von Herrn A. I . Hlavä,ö, Chormei ster deS serbischen Kirchengesangvereines in Werschetz, mehrere musikalische Compositionen erschienen. Das beste Zeugniß über deren Werth gibt der Umstand, daß Seine Durchlaucht Fürst Michael Obrenovi«! III . von Serbien die Widmung der Piecen annahm, als sich eine artistische Kommission gün» stig über das Wer! aussprach. Der Compositeur hatte die Ehre, ein Prachtexemplar Seiner Durchlaucht persönlich zu überreichen. I n Wien sind die Compositionen bei C. Spin» zu bekommen. Tagesneuigkeiten. Luibllch, 16. Mai. — (Concert.) Heute Abends nm 8 Uhr veranstaltet im landschaftlichen Theater Herr Franz Gerbec sein zweites Concert. Programm: Ouvertüre zur Oper „lioiuso und ^ulio" von Gounod. Vorgetragen von der k. t. Regi« mentstapelle Graf Huyn. 2. Solo. Vorgetragen von der Frau Anna Pefsiack. 3. Ltaroöes^«,. Vorgetragen vom Männerchore der öitalnica . 4. Lieder. Vorgetragen vom Concertgeber: ») 2 Hoßoiu! Gedicht und Musik vom Eon» certgeber. b) Lied des venezianischen Gondoliers von Giac. Meyerbeer. 5. Trio (L-äur), für Violin, Violoncell und Piano von L. v. Beethoven; vorgetragen von den Herren; Ioh. Sora, Schantel und Ant. Förster. 6. Tenor-Arie aus „Guiäo und Oinevr«,", von F. Halevy; vorgetragen vom Concertgeber. 7. Uolitsv. (Composition' des Concertgeber«); vorgetragen vom Männerchore der 6i ­talnica. 8. Isroett aus „I^ore-li«, Lor^i»,^, von G. Donizetti . Vorgetragen von der Frau Anna Pefsiack, dem Concertgeber und dem Herrn Alb. Palen ta. Hierauf bringt der dramatische Verein durch seine Mitglieder das laltige Lustspiel: „Lo ^ v»» «primiI KäH z>o^ä«t«äoiuu?" zur Aufführung. Personen: öeLAroK, Pechfabrilant; AtHän,, seine Frau; TonöäK, Bauer; ßpeln, sein Weib, — (Nach dem heutigen Concerte) versammeln sich die Mitglieder de« Männerchors der öitaliii«!, mit jenen des 80K0I im Hotel Elefant, um in geselligem Kreise der erhebenden Feier zu gedenken, welche am heutigen Tage in Prag begangen wird. — Die öiwluio» in Marburg ver anstaltet heute ebenfalls anläßlich des böhmischen National­festes eine Abendunterhaltung im Vereinslokale, um dadurch der slavischen Einmüthigkeit und Wechselseitigkeit Ausdruck zu geben. — (Ausflug de« „80K0I".) Donnerstag den 21. d. M . oder, falls das Wetter an diesem Tage ungünstig sein sollte, Sonntag den 24. Mai, macht der „8oKol" seinen ersten Ausflug. Die ausführlichen Programme und Einla düngen mit den auf den Ausflug bezüglichen Bestimmungen weiden ehestens ausgegeben werden. — (Die Telegrafenftation Velbes^ist für die Sommermonate am 15. d. M . eröffnet worden. — (Bestätigte Wahlen.) Das l. t. Handelsmini-Leobersborf und der hiesige Arbeiter - Fortschrittsverein am bedeutende Kaution zu leisten gesetzlich vorgeschrieben, wurde sterium hat die Wiederwahl des Val. Supa n zum Präsi­Platze vor dem Rathhause, um in geordneten Reihen den die Landwirthschaftsgesellschaft aber nicht in der Lage war^ denten und des Ioh. Nep. Horak zum Vicepräsidenten der Festzug anzutreten. Mit klingendem Spiel und hochflatternden die erwähnte Kaution legen zu tonnen — an Herrn Josef hiesigen Handels- und Gewerbetammer bestätigt. Fahnen bewegte sich der Verein, von Tausenden Zuschern be^ Blasnik und Herrn Setretär Dr. Johann Bleiweis zu über­ — (Adelsberger öitalnica.) Das Programm gleitet, durch die Stadt gegen das Jägerhaus unterhalb der lassen, welche zwei Uebernehmer die geforderte Kaution ge. der Eröffnungsbeseda der Adelsberger öitalnica, welche sehr Weilburg, auf dessen Wiese das Fest abgehalten und begonnen leistet und unter einem das ganze Deficit bis zum Jahre llimimiit zu werden verspricht, ist folgendes: 1. Veuso slo-wurde. Die große Anzahl von Gästen unterhielten sich durch 1849 an die Gesellschaftstassa vergütet haben. vsu»! ^ pegew, aufgeführt von der Adelsberger Musikbande. das Vortragen von Gesangspiecen, sowie durch das Schau-Von der Kasse der t. t. Landwirthschaftsgesellschaft 2. Rede des Präsidenten. 3. „?o2är»v" Männerchor mit turnen in der fröhlichsten Laune. Das gemüthliche Fest wurde zu Laibach am 15. Mai 1868. Quartett, von Karl Klinar . 4. Deklamation: Vse 2«, vero äoin in osZarj», vorgetragen von einem Fräulein. 5. „Du­ moviuÄ,", Duett mit Brummchor. 6. Ouvertüre 1a „LoKe­ üüeune« zu 4 Händen. 7. „Laitan" , gesungen von einem Frau« lein. 8. „Vegsljs v ?o3taini" Musik von Leopold Velar, Worte von Anton Praprotnik. 9. „Naxrsj" Chor. — („Aquarellen aus den Reichsstuben.") Die neuesten Aquarellen bringen folgende humoristische Skizze: Einfacher ist das schon — man braucht da leinen Klubb, keine Klubbsitzung, keine Linke, keine Rechte, lein Centrum, ja man braucht eigentlich gar nicht hineinzugehen, der bezügliche Res­sortminister läßt seine Vorlagen unter den Herren cirknliren, der Herr Mayr oder der Herr Groß oder der Herr Figuly u. a. m. machen der t. k. Staatsdruckerei einen Besuch, er­zählen den Herren Setzern der Reichsrathsprotokolle, was sie allenfalls gegen die Vorlage einzuwenden hätten, und dann am Samstag, oder nein, denn am Samstag macht man einen kleinen bis Montag oder Dienstag dauernden Abstecher zum „häuslichen Herd" — an einem beliebigen Tage kommt man zusammen und nimmt das Ding an. Ein freisinniges Mini­sterium ist sehr bequem, es gibt nichts bequemeres, und unser Ministerium ist sehr freisinnig, es gibt nichts freisinnigeres, wenn das auch Herr Hock, der Banhans des Herrenhauses, und Herr Banhans, der Hock des Abgeordnetenhauses, nicht glauben wollen und immer Anträge stellen, die sie erst nach „gewordener Aufklärung von Seite Sr. Excellenz" wieder zu­ rückziehen. Die Pfiffigen, sie wissen sehr wohl, daß die Mini­ster, wenn sie weniger freisinnig einem liberalen Amendement entgegenträten, dieß beiläufig thun würden, indem sie versicher­ten, der Antrag komme ihnen deshalb nicht gelegen, weil er zu liberal sei, er ziehe dort, wo die Regierungsvorlage sich ab­sichtlich unbestimmt ausgedrückt habe, unangenehm pracise Li­ nien u. dgl. Gegenüber von so wenig freisinnigen Ministern würden die Herren Hock und Banhans selbstverständlich auf ihren Anträgen beharren. Nun sind aber die Minister so frei­sinnig, daß sie (nicht mit denselben Worten, sondern beiläufig) sagen: „Der ehrenwerthe Herr Vorredner hat vollkommen Recht, und die Regierung kann seinen Antrag nur freudig be­grüßen, sie hält denselben jedoch für vollkommen überflüssig, denn es ist doch füglich nicht anzunehmen, baß eine solche li­berale Regierung nicht ohne diesen Antrag das selber thun werde, was der Antrag will." Nach derlei „Aufklärungen", welche Loch genug sind, daß die beiden parlamentarischen Tho-masse Hock und Banhans mit Befriedigung ihre ergebensten Finger hineinstecken tonnen, bleibt dann somit wohl nichts übrig, als die verletzenden Amendements fallen zu lassen. Man kann die Regierung doch nicht verdrießlich machen, jetzt, da sie in einer solchen Weise liberal ist, daß sich bei sogar einem Haare Graf Potocky einen Vollbart stehen läßt, und da sie eine Thätigkeit entfaltet, welche die Becke'sche Vantnotenpresse wirblich machen könnte. Es vergeht kein Tag, an welchem nicht ein Minister ein Gesetz auf den Tisch des Hauses legt. Kaum wünscht sich das Voll etwas, und ein Abgeordneter sinnt dar­über nach, wie er diesen Wunsch in einen Antrag zusammen­fassen könnte, so zieht schon die Excellenz Giskra oder die Ercellenz Herbst einen dießbezüglichen Gesetzentwurf aus der Tasche und fordert dessen Annahme, d. h. bittet um die „ver­fassungsmäßige Behandlung", was übrigens eines und das« selbe ist. Am thätigsten ist der Iustizminister Dr. Herbst, er hat auch den angenehmsten Platz, alle die Vögel, welche seine Vorgänger unter dem Feuer des h. Hauses langsam braten mußten, stiegen jetzt nacheinander in seinen Mund. Aufhebung d« Schuldhaft, Freigebung der Advokatie lc,, alle Reformen, die sich langsam vorbereiteten, werden der jetzigen Iustizeicel­lenz gutgeschrieben, so wie man nicht übel Lust hat, Herrn Dr. Brestel dafür verantwortlich zu machen, daß der Staat so verschuldet ist, und wie man seinerzeit, wenn Dr. Brestel sich mit der Herstellung des finanziellen Gleichgewichtes müde gerackert haben wird — Herrn Dr. Herbst als Oesterreichs Deficit-Heiland preist, wenn derselbe vielleicht das mühsam verkleisterte Finanzportefeuille übernehmen wollte, um denIu« stizministerfauteuil Herrn v. Waser zu überlassen, welcher sich stets so auffällig um denselben bewegt, daß man darauf schwö­ren möchte, er fetzt sich nach Schluß der Sitzung, wenn er allein ist, manchmal hinein. V — (Ein Genrebild für den H. Finanzmini­ster.) Unter diesem Titel erzählte der Feuilletonist des „N . W. T.," was ihm jüngst bei einem Ausfluge in einer der nächsten Umgebungen Wiens begegnete. „I n einem Wirthshaus­garten an der Kegelbahn traf ich drei Soldaten, die mit dem Kellner und etlichen Bauernburschcn aus Leibeskräften Kegel schoben. Der Einsatz war natürlich Geld, und zwar verhält­mßmäßig viel Geld; es wurde „Schnur" gespielt, das heißt, jeder Einzelne schob nur einmal, und der die meisten Kegel gemacht hatte, zog das Geld ein. Und der Einsatz „per Schnur", für die Partie also, welche nur wenige Minuten dauerte, be­trug zehn Kreuzer. Wenn in der Stadt ehrsame Kleinbürger eine solche Partie um zwei Kreuzer spielen, so gilt das schon für eine kleine Verschwendung, denn „es trägt's nicht." Die Soldaten aber warfen ihre Zehneil hin, als wären sie bei dem kleinen Platten-Erporlgeschaft in der Staatsdruckerei be­theiligt gewesen und .der Vierkrug kreiste, und die Leute waren so wohlgemuth, wie Leute, die da wissen, daß sie sich etwa« vergönnen können, ohne morgen gleich Ebbe zu spüren und m. Verlegenheit zu sein. Durch die ganze Szene neugierig gemacht, fing ich den Wirth, nb denn die Soldaten vielleicht emen Treffer in der kleinen Lotterie gemacht, der nun in kur­zem Wege „verputzt« werde. „Ach nein, lautete die Auskunft, die Drei liegen hier fchon ein paar Wochen auf Steuerereku­tlvn und das Geschäft geht so gut, daß sie immer Geld in den Taschen und dabei die Aussicht haben, noch recht lange hier zu bleiben. Denn die Steuerschuldner zahlen Erekutions­gebühr auf Eielutionsgebühr, ohne daß natürlich ihre Steuer­schuld dadurch auch nur um einen Heller geringer wird." Es war eine reizende Illustration zu dem Satze von der , noch lang? nicht erschöpften und noch weit größerer Anspannuna fähigen" Steuerkraft des Volkes.« — (Auch ein Maifest.) Begünstigt vom herrlichsten Wetter versammelten sich, schreibt man dem „N. Frdbl." aus Baden 10. d., heute präzis 2 Uhr Nachmittags der hiesige Männergesangverein, der Turnverein, der Gesangverein von jedoch durch das Benehmen des Wiesenbesitzers gestört, indem dieser Wieseneigenthümer G. den lustigen Sängern gegenüber förmliche Schildwachen stellte und an die Wächter den Befehl ertheilen ließ, Niemanden in den Wald von diesseits nach jenseits Passiren zu lassen. Ein Weinhauer, dem jedoch von diesemstrengen Befehle nichts bekannt sein mochte, wollte eine Flasche Wein seiner jenseits auf der Wiese wartenden Frau bringen, wurde jedoch beim ersten Schritt der Grenzüberschrei­ tung von einem Wächter am Halse gepackt, förmlich gedrosselt und zu Boden geworfen. Der bestürzte Gesangverein eilte zu Hilfe, um Mittel zu machen; jedoch hattensich während dieser Zeit schon zwei Parteien gebildet, welche mit kräftiger Hand und derben Stöcken derart aufeinander hieben, daß sich das ganze Fest in ein förmliches Gefecht umwandelte, wo es nicht an blutigen Köpfen und großen Beulen mangelte, der größte Theil sich flüchtete, sowie der Plötzliche Regen das verunglückte Fest endete. — (Telegraphie.) Der Chef des Görzer Telegra­phen-Amtes hat, wie die „G. Z." schreibt, ein neues Tele­graphen-System erfunden, welches sowohl hinsichtlich der Ein­fachheit als auch insbesondere in ökonomischer Beziehung alle bisher bekannten Telegraphen-Apparate übertreffen soll, und wird derselbe binnen einigen Tagen eine praktische Probezwi­schen den Eisenbahn-Telegraphen-Aemtern Görz und Sagrado vornehmen, welcher viele fachmännische Capacitäten und an­dere hochgestellte Persönlichkeiten beiwohnen werden. Nach die­ser Probe wird derselbe diese Apparate gelegenheitlich der Blu­men- und Gemüseausstellung mit freundlicher Erlaubniß des Municipiums in einem Cabinette des neuen Munizipal-Ge» bäudes zur Besichtigung des Publikums gegen ein mäßiges Entröe aufstellen. Das Erträgniß ist den Armen von Görz ge­widmet. — (Abermals ein verhafteter Polizeiagent.) Aus Baden wird berichtet, daß der Nachfolger des wegen Verdachtes der Mitschuld an einem Morde verhafteten Lich­tenegger, welcher seit 26. v. M . als Polizei-Agent wirksam war, zu nicht geringer Ueberraschung der Badener Bevölkerung vom dortigen Untersuchungsrichter verhaftet wurde. — Der Grund der Verhaftung soll der Verdacht einer Wechselfäl­fchung sein. — Der Reichsrath soll Ende Mai vertagt werden, worauf die Landtage einberufen würden. Neuerdings ver­lautet, daß letztere mit 16. Juni ihre Thätigkeit beginnen und sechs Wochen, d. i. bis zum 1. August beisammen bleiben sol­len. Die Sessivnsdauer soll indessen vom cisleithanischen Mi ­nisterium nicht so streng aufgefaßt werden; denjenigen Land­tagen, welche mit ihren Arbeiten nicht in dieser Zeit fertig werden sollten, wird, wie man sich in Deputirtenkreisen erzählt, ohne Weiteres noch eine zweiwöchentliche Verlängerung — bis 15. August — bewilligt. An meine Herrn Wähler vom III . Wahlkörper. Ich danke Ihnen für das mir durch die Wiederwahl ge­schenkte Vertrauen, dem ich nach der Beschränktheit meiner Kräfte, so wie seit dem Jahre 1850, wo die bürgerliche Stadt­vertretung noch ungetheilt wirkte, zu entsprechen bemüht sein werde. Die seit kurzer Zeit geschaffene Regierungspartei wird mich, der ich dem Rechtsprinzipe unverbrüchlich huldige, in meiner Verufspflicht nicht beirren und hoffentlich auch nicht beirren wollen, nachdem sie sich selbst verfassungstreu genannt, die Staatsgrundgesetze hoch betont, also die Handhabung der allgemeinen Gesetze, im Gegensatze zur persönlichen Willkür und eigenartigen Auslegung, als ihr Panier für die Stadt­ vertretung entfaltet hat. Bei Collisionen der Regierungsforderungen mit den Ge­ meindeinteressen, bei Eingriffen in das Selbstverwaltungsrecht der Stadtgemeinde und bei Anträgen in Ansehung der Corol­ larien solchen Vorganges, dann der praktischen Wirksamkeit der Gleichberechtigung der Nation, — wird sich der wirtliche Wille erst erkennen lassen. Einseitige Tendenzen würden der Menschenwürde und dem Rechtsbegriffe Abbruch thun und gefährlich wirken. Die Wissenschaften sind ein Produkt der Menschheit, nicht einer Nation, und werden jeder Nation nur in ihrem Idiom erschlossen, was die Übersetzungen klassischer Werte be­weisen; — die Kultur einer Nation ist die Folge solcher Er­schließung und der eigenen Entwicklung, nicht aber des Ge­brauches der Idiome der Autoren; — und darnach soll über den öffentlichen Gebrauch der Sprache einer jeden Nation ge» urtheilt, die Kultur aber nicht Einer Nation allein vindizirt werden. Die bürgerliche Wohlfahrt ist die Folge keiner andern Ursache, als des wirtlichen Gebrauches des Volksrechtes inner­halb des Rahmens der verbesserten Verfassung; — daher ist jede prohibitive oder imperative Maßregel gegen solchen Rcchts­gebrauch eine Verkümmerung der bürgerlichen Wohlfahrt eben so, wie das Idol, daß eine undefinirte Freiheit, Humanität und Liberalität die höchsten Güter der Menschheit seien, nur als eine Beirrung des Rechtsgefllhls der Menschen angesehen werden kann. Laibach am 15. Mai 1666. Dr. Ioh. Ahaöiö, als Gemeinderath. Entgegnung. Auf das Eingesendet in der „Laib. Zeit." vom 7. d. M . Nr. 105, dessen Einschaltung angeblich von mehreren Wählern, die nebenbei auch Mitglieder der t. l. Landwirth­schaftsgescllschaft sind, veranlaßt wurde, wird auf Anordnung des Präsidenten der genannten Gesellschaft, Herrn Fidelis Terpinz von der Gefellschaftstasse entgegnet und resp. nach­gewiesen, daß von dem Jahre 1643, als dem Zeitpunkte der Entstehung der „Novice", bis zum Jahre 1849 von dem er­wähnten Blatte in eigener Regie sich ein bedeutendes Defizit für die Landwirthschaftsgesellschaft zeigte; damit jedoch die Ge­sellschaft nicht noch größere Verluste träfen, wurde am 20. November 1849 unter dem Vorsitze des Herrn Präsidenten Fidelis Terpinz von der Generalversammlung beschlossen, dieses Blatt — für welches von damals an weiters noch eine Verstorbene. Den 30. April. Man« Schleimer, Institutsarme, all s> Jahre, im Versorgungshause Nr. 4. an der Lungenlähmung - Alois Treo, Maurergeselle, au« Maggie, Bezirk Udine, »lt 28 Jahre im Zivilspital, »m Typhus. ' Den 1. Mai. Josef 0e<5, Taglöhner, alt 34 Jahre, im Zivil« spital, an der Lungentuberkulose. Den 3. Mai. Helen» Micheliö, Inwohnerswitwe, all "?5 Jahre, in der Stadt Nr. 22«, an der Lnugenlühmung. — Rudolf Mal, Zimmermaler, alt t? Jahre, im Zwilspital, «n der Lungen, tuberkulöse. — Dem Josef Kotar, Taglöhner, sein Kind War», <,<> Itl Monate, im Elisabeth-Kinderspital »n der Polana-VorstadtNr 67, an der Auszehrung. ' Den 4. Mai. Maria Oblat, Köchin, alt 85 Iah«, ,„ der Stadt Nr. 22«, an der Entträftung. — Dem Herrn Mathias Rop« Gastgeber, sein« Gattin Antoni», alt 36 Jahre, in der Karlstadier» Vorstadt Nr. 20, an Erschöpfung der Kräfte. — Johann Prolet Taglöhner, alt 43 Jahre, im Zivilspital, au der Lungenlähmung ' Den 5. Mai. Der Helen» Bengov, Lampenanzünderswitwe ihr Kind Katharina, alt 5 Jahre, in der St. Pet«r«-Vorft«dt Nr.' 22, »n Fraisen. Den l>. Mai. Karl Golz, Schneidergesellt, alt 42 I,h« in der Stadt Nr. 184, und Engelbert Peiuhaupt, Fabrikarbeiter' «l» 3l> Jahre, im Zivilspital, beide an der Lungentuberlulos«. -^ F„n, KafteliL, Bettler, alt 74 Jahre, im Zivilspital, an A»er»sch«»ch, Den ?. Mai. Dem Josef Ohoczty, Schuster, sein Kind Joses, alt 14 Monate, in der Stadt Nr. 3l>, an der Auszehrung. — Franz Medic, Meßner, alt 54 Jahre, in der Kapuziner-Vorstadt Nr. iß, »n der Nrustwassersucht. Den 8. Mai. Dem Herrn Simon Klopöiö, Gastgeber, sein Kind Josef, alt 8 Wochen, in der Polana-Vorstadt Nr. 58, an Fraisen. — Dem Joses Smolniker, Ooldarbeiters-Gehilfe, sei» Kind Eduard, »lt 3'/, Jahre, in der Kapuziner-Vorstadt Nr. 23, an dir Auszehrung. — Dem Herrn Anton Franzi, Gymnafial-Tchuldiener, sein erstgeborne« Zwillingstind Anna, alt t2 Stunden, in der Polan» Vorstadt Nr. 82, an Lebensschwäche. — Frau Maria Svetina, Gast gebers- und Realitütenbesitzerswitwe, alt Lt Jahre, in der Kapuziner» Vorstadt Nr. 73, an der Gehirnlähmnug. Den 9. Mai. Herr Valentin Iesche, l. t. Finanzprokuratur«-Beamte, alt 48 Jahre, in der Polana-Vorstadt Nr. 82, «n der Herzlähmung. — Herr Franz Dlouchi, Sübbahn-Verkehrs.Vleve, «lt 30 Jahre, im Zivilspital »in Typhus. — Apolloni» Kreö, Magd, alt 28 Jahre, in Zivilspital, an der Lungeutuberkulose. Den 11, Mai. Dem Herrn Franz Kaiser, bürgl. Schuhmacher meiste«, sein Sohn Franz, alt 25 Jahre, in der Stadt Nr. 149, an der Lungentuberkulose. Anmerkung. Im Monate April 1888 find 81 Personen ge sterben, davon 46 männlichen und 35 weiblichen Geschlecht«. Der bekannte GllsthllUs-Gllltell zum 55 6?» Fess^FU^I» ^ «FHF5" nun wieder eröffnet, wild dem ?. 1'. Publikum zum geneig­testen Besuche anempfohlen. Für prompte Bedienung mit guten Speisen und Ge« tränten ist die beste Sorge getragen. 35 I. Glsbacher. 1«—2. Spemlle Wirkung de« von Dr. I , G. Popp, prakt. Zahnarzt in Wien, dargestellt von Dr. Juli»« Iauel, prakt. Arzt,c. Verordnet auf der k. t. Kliml zu Wien »0» den Herren Dr. Professor Oppolzer, Rektor Magnif, k. sächs. Hofrath, Dr. Kletzinsri, Dr. Vrant«, Dr. Heller,c. E« dient zur Reinigung der Zähne überhaupt. E« löst durch seinechemischen Eigenschaften de» Schleim zwischen «ud »us de» Zähnen. Besonders zu empfehlen ist dessen Gebrauch nach der Mahl­zeit, weil die zwischen den Zähnen zurückgebliebenen Fleisch­lheilchen durch ihren Uebergang in Fäulniß die Substanz der Zähne bedrohen und eine« üble« Geruch aus dem Munde ver« breiten. Selbst in denjenigen Fallen, wo bereit« der Weinstein sich abzulagern beginnt, wird es mit Vortheil ««gewendet, indem e« der Erhärtung entgegenarbeitet. Denn, ist auch nur der kleinste Punkt eine« Zahnes abgesprungen, so wirb der so entblößte Zahn bald vom Beinfraße ergriffen, geht jedenfalls zu Grnnde undsteckt die gesunden Zähne an. E« gibt den Zähne» ihre schöne natürliche Farbe wieder, indem es jeden fremdartigen Neberzugchemisch zersetzt und ab­ spült. Sehr nutzbringend bewährt essich in Neinerhaltung künst» licher Zähne. G« erhält dieselben in ihrer ursprüngliche» Farbe< in ihrem Glänze, «erhütet den Ansatz de« Weinsteine«, sowie es selbe vor jedem üblen Geruch bewahrt. E« beschwichtigt nicht nur die Schmerzen, welche hohle und brandige Zähne mit sich bringen, sondern thnt dem weiteren Umsichgreifen de« Uebel« Einhalt. Ebenso bewährtsich da« Anatheriu-Mnndwasser auch gegen Fäulniß im Zahnfleische und als einsichere« »nd verläßliche« Besänftigungsmittel bei Schmerzen »0» hohlen Zähnen, sowie bei rheumatischen Zahnschmerzen. Da« Nnatherin-Mundwasser stillt leicht, sicher und ohne daß man irgend eine nachtheilige Folge zu befürchten hat, den Schmerz in der kürzesten Zeit. Ueberaus schühenswerth ist da« Nnatherin-Mundwasser in Erhaltung de« Wohlgeruch« de« Athem«, sowie in Hebung uud Entfernung eine« vorhandenen übelriechenden Athem«, uud «« genügt das täglich öftere Ausspülen de« Munde« mit diesem Wasser. Nicht genug zu empfehlen ist e« bei schwammigem Jahn-> sieische. Wird da« Nnatherin-Mundwasser t»nm vier Wochen vorschriftsmäßig angewendet, so verschwindet die Bläffe de« tranken Zahnfleische« und macht ein« gefälligeren Rosenrote Platz. Ebenso treffend bewährtsich da« Nnatherin-Mundwasser Lei lockersitzenden Zahnen, emem Uebel, an dem so viele Scrophu« löse z« leiden Pfiegen, sowie auch, wenn im vorgerückten Alter ein Schwinden de« Zahnfleische« eintritt. Einsichere« Mittel ist da« Anatherin-Mundwaffer eben­ falls bei leicht blutende« Zahnfleische. 2ie Ursache hievon liegt in der Schwäche der Zahngesäße. In diesem Falle ist eine steife Zahnbürste sogar erforderlich, d«sie da« Zahnfleisch starisizir», wodurch neue Thätigkeit hervorgerufen wird. ^ . . ^ , Zu haben in Laibach bei Anton Klisp«, Josef Knlln­ger, Ioh. Kraschowitz, Pelriii« 4 Pill«, Ed. Mahr und Klllschowih' Witwe; - Krainburg bei F. Krisper. Vleiburg bei Herbst, Npothelel; - Warasdin bei H»I«l, Apotheker;-Rud°lf«werth bei T. Rlzzoli, «p°'^er> ­Gurtfeld-bei Friede. Vömches, Ap°»lMr: - Stein »«, Jahn, Apotheker; - Bischoflack bei Karl Fabian!, ÄMY« votyerer; — Bllchosia« ve> »nr« o«".«"'" ,^, ' f"?." «.'.. l...» 5: .«...«. ..«>, «Nnnelmi. Apotheker. Görz bei Franz L°zz« und Pontom, Apotheker Gedruckt bei Josef Blasnik in Laibach.