Erscheint Dienstag und Freitag. Nedaltion: Ltolt, N. Markt Nr. 22ll, 2. Et. Expedition: Nann Haus.Nr. >9». Insection»gebühren: f,ir die 2sP»ltige Zeile oder deren Raum für ! Mal S tr., 2 Mal z kr., 2 Mal l» kr. Insertion«. stempel jedei Mal 2« tr. Verlag und Druck »on I . Vlasnik. l. Jahrgang. Zeitschrist für vaterländische Interessen. (Monuscripte werden nicht zurückgesendet.) Laib ach am 27. Dezember 1865. Monnement für LuibaHR «»nljälirig 5 fi. — tr' halbjährig 2 „ 5ll »ieileliähli« > „ 25 „ Durch die Post: gxnziährig 6 fi. 40 kr haliiahlig 3 „ 20 „ «ierteliahii« l „ 70 ,, «inzelne Exemplare losten 5 Nlr. Verantwortliches Redakteur: P. v. Nadics. M t«3. Aei beginn i)e5 ersten Quartas8 II. Jahrganges unserer Zeitschrift. Pranumeratir Unser Blatt kostet im Verlage abgeholt ganzjährig 5 fi. - kr. halbjährig 2 „ 50 „ vierteljährig 1 ., 25 „ Ins Haus gestellt ganzjährig 5 „ 60 „ halbjährig 2 „ 80 „ vierteljährig 1 „ 40 „ Durch die Post zugesendet ganzjährig 6 „ 40 „ halbjährig 3 „ 20 „ vierteljährig 1 „ ?0 „ Aus dem Landtage. (ü, Sitzung am 4>. Dezember. — Fortsetzung und Schluß der Adreßdebatte. — Vorsitzender: Landeshauptmann Baron Codelli ; anwesend 32 Abgeordnete.) Rede des Abgeordneten Tr. Costa. (Fortsetzung.) Wo bleiben die Fragen der wichtigen, gerichtlichen politischen Reor­ganisation? Ist die Unabhängigkeit des Richterstandes ausgesprochen wor­den? Sind Schwurgerichte eingeführt worden, für die sich auch unser Landtag ausgesprochen hat? Ist das Strafgesetzbuch eiuer Besserung, einer Aenderung unterzogen worden, nachdem die ganze Welt schreit, daß dieses aus der absolutistischen Zeit herrührende Gesetz für die constitutionelle Epoche nicht tauge? Ja, die Strafgesetznovelle ist gegeben worden! Ich glaube, Niemand hätte es bedauert, wenn sie nicht gegeben worden wäre. (Beifall und Heiterkeit im Centrum und Publikum.) Ist die Minister-Verantwortlichkeit grundgesetzlich festgestellt worden? Hat man eine neue Concursordnung gegeben? Hat man das Versammlung«- und Vereinsrecht geregelt? Während der Zeit wurden die böhmisch - landwirthschaftlichen Gesellschaften gemaßregelt; hat der Reichsrath seine Stimme erhoben, als von dieser Maßregelung alle Blätter übertönten? Einige Antrage sind im Abgeordnetenhause in den Commissionen eingeschlafen, und im Uebrigen war die Thätigleit des Neichsrathes nur eine finanzielle, nur eine Thatig­keit, die sich allein auf das Budget erstreckt und darauf hat gerade mein Vorredner fo wesentliches Gewicht gelegt. Er sagt, man sehe das Budget an, wie es jetzt ist und wie es war bei Beginn der Reichsrathssession. Es ist nicht zu läugnen, daß das Budget eine Herabsetzung erfahren habe, aber Eines möchte ich doch dem geehrten Vorredner ins Gedächtniß rufen: Es war das Budget Heuer bereits im Oberhause angelangt und es hat der damalige Berichterstatter des Finanzausschusses Feldmarschall Heß be­reits den Bericht vorbereitet gehabt, um denselben zu erstatten, der Bericht war ertheilt und in die Zeitungen gekommen, wo die Commission des Oberhauses und ohne Zweifel auch das Herrenhaus erklärt hätte, daß auf die Abstriche des Abgeordnetenhauses im heurigen Jahre nicht eilige­gangen werden könne. Da hat Seine Majestät neue Rathgeber berufen, und diese neuen Rathgeber waren es, welche gesagt haben: Wenn wir eintreten sollen, so muß das Budget so angenommen werden, wie es das Abgeordnetenhaus beschlossen hat (Dr. Toman: Sehr richtig!), und jetzt erst hat der Berichterstatter des Herrenhauses es selbst für zweckmäßig gefunden, diese Abstriche zu befürworten. Das ist der Fall und das ist ein Punkt, wobei zugleich hingewiesen werden kann, ob das Ministerium Belcredi wirklich so schwarz ist, wie es von mancher Seite angeschwärzt wird. (Lebhafter Beifall im Centrum und im Publikum.) Ich glaube, das Ministerium Belcredi hat in wenigen Monaten eine Reihe wichtiger Gesetze und Verfügungen zwar oktroyirt, aber irgend ein begründetes sachliches Bedenken gegen diese Reformen hat man von keiner Seite aus­sprechen gehört; von allen Seiten werden diese voltswirthschaftlichen Refor­men als zweckmäßig, als dem Zweck entsprechend erkannt. Wenn ich also diese Thätigleit des Neichsrathes betrachte, so muß ich mich fragen: Ja, um Himmelswillen, warum wünschen wir denn so.den Reichsrath zurück? Es erwähnt die Adresse des hervorragenden welthistorischen Momentes, als Se. Majestät am 1. Mai 1861 die Voten der Landtage um sich versammelte und so das constitutionelle Leben in Ocstcrreich inaugurirte und von seinen Lippen die Hoffnung aussprach, daß die leeren Plätze alsbald gefüllt, der Reichsrath alsbald in Wahrheit ein voller und die Wirksamkeit desselben eine ersprießliche sein werde. Man braucht nicht das hochpoetische Gemüth des berühmten Verfassers dieser Adresse zu haben, um diesen Moment wahrhaft welthistorisch, wahrhaft erhebend zu finden; aber der Politiker erwägt die Bedeutung solcher Momente nicht nach den augenblicklichen Eindrücken, sondern erwägt sie nach den Erfolgen. (Oobro! Bravo! im Publikum.) Wäre die Hoffuuug, die Se. Majestät ausgesprochen haben, in Erfüllung gegangen, hätten die leeren Plätze im Abgeordnetenhause sich gefüllt, wäre die Thätigleit des Neichsrathes eine ersprießliche gewesen: in der Thai! jener Moment wäre der Ausgangs­ Wir ersuchen um die ganz ausführliche und leserliche Adresse, damit die Versendung Pünktlich erfolge. ß ^ Insertionsgebühren °^ H für die 2spaltige Zeile oder deren Raum für 1 Mal 6 kr., 2 Mal 8 „ 3 Mal 10 „ somit hier die billigsten. Insertionsstempel jedes Mal 30 kr. punkt einer constitutionellen Aera gewesen, und die Weltgeschichte würbe ewig davon schreiben. Aber solcher Momente gibt es im Staatsleben viele. Wer erinnert sich nicht, als vor zwei Jahren durch den damaligen Lenker der Regierung Oesterreichs von Schmerling ein zweiter solcher großartiger Moment in Scene gesetzt wurde. Wer erinnert sich nicht des Frankfurter Fürstentages, wo die Großbeutschen geglaubt haben, Barbarossa sei aus dem alten Schachte hervorgekommen und das deutsche Reich wird nunmehr erstehen, (vodro! Heiterkeit im Publikum.) Meine Herren! Auch das war ein großer überwältigender Moment, aber auch er war uichts Anderes, als der erste — eine große, eine schöne Täuschung. (Bravo! vodro! im Publikum.) Wir werden in Oesterreich so lange solchen Täuschungen uns hingeben müssen, so lange jene Serie spezifisch österreichischer Staatsmänner nicht aussterben wird, welche nicht anknüpfen an aller Staätsweisheit Anfang, an das Volt, das Land und seine In­teressen, welche, anstatt Real-Politik zu treiben, sich mehr mit idealer Politik beschäftigen (vobro! im Publikum), so lange Zeit nicht jene Staatsmänner aussterben, die ein geistreicher Abgeordneter des Wiener Landtages in der internationalen Exposition vom Jahre 1870 ausgestellt zu sehen wünscht (Heiterkeit im Publikum) als lehrreiches Beispiel, warum unsere Industrie, unser Ackerbau und unsere Producte so weit zurück ge­gen die Producte anderer Lander stehen. (Uobi-o!) Ich bin ein Mensch, der frei hier steht und frei spricht, und weil ich frei spreche, so kann ich auch aussprechen, ohne den Vorwurf fürchten zu müssen, daß ich irgend Jemanden eine Schmeichelei sagen will; aber offen muß ich bekennen, was ich von den bisherigen Vorgängen halte, daß die jetzige Regierung mit dem bisherigen Systeme gebrochen (Oodro! im Publikum), daß sie die Volkskraft entfesseln, daß sie dem Genius der Völker Oesterreichs freien Lauf lassen will. (Lebhafte vodro- und Bravo-Rufe im Publikum und Centrum.) Es ist bereits ausführlich erörtert worden und kann nie widerlegt werden, daß der Reichsrath weder rechtlich noch factisch der weitere war; er war eine größere Rechtsfiction, eine viel größere Rechts­fiction, als es diejenigen Fictionen sind, von denen unsere Gegner reden. (Heiterkeit im Centrum und Publikum.) Damals habe ich nicht gehört, Weber im Reichsrath, noch in unserem Landtage, daß zur Wahrung des Rechtsbewußtseins, daß zur Wahrung der Verfassung irgend Jemand der gegnerischen Seite einen Protest zu Protokoll gegeben hätte, ich habe nicht gehört, daß unser Landtag aufgefordert worden ist, auf Grundlage des §.19 lit. a, gegen die Anmaßung des engern Neichsrathes einen Protest zu richten (Rufe im Centrum: Sehr gut!), ich habe nicht gehört, daß Se. Majestät gebeten worden ist, die Verfassung aufrecht zu halten; — also was damals nicht Rechtens war, das soll heute Rechtens sein? Weil Se. Majestät in klarer Erkenntniß ein Unrecht nicht fortlaufen lassen wollen, sollen wir nun deßhalb jetzt eine Rechtsverwahrung einle­gen ? Ich glaube, das wäre damals am Platze gewesen, nicht jetzt. (Bravo! Dodrc»! im Centrum und Publikum.) Es wäre also immerwährend nur ein fingirter weiterer Reichsrath, immer nur ein Rumpfparlament, welches in Oesterreich Gesetze geben sollte. (Dr. Toman: Richtig!) Dreihundert­sechzig Abgeordnete soll das Abgeordnetenhaus haben, und wie bequem hat man sich's in der Geschäftsordnung gemacht! Hundert Abgeordnete sind genügend zur Beschlußfähigkeit, also kaum etwas mehr als ein Vier­tel, und Einundfünfzig Abgeordnete, also ein Siebentel davon, ist in der Lage, über ganz Oesterreich Gesetze zu geben. (Lebhafter Beifall im Cen­trum und Publikum.) Ich glaube, die österreichischen Völker sind groß genug und Ungarn und Kroatien sind viel zu viel in der Verfassung er­wachsen, als daß einige Grazer und Wiener Doctoren Gesetze geben soll­ten für ganz Oesterreich. Bereits im Jahre 1862 hat das Herrenhaus­mitglied Graf Auersperg es ausgesprochen und ein Amendement vorgelegt: „Jene Maßregeln seien der Regierung dringend zu empfehlen, welche ge­eignet scheinen, die gemeinschaftliche Behandlung aller dem Reiche gemein­schaftlichen Angelegenheiten dauernd herbeizuführen und zu sichern." Das ist nun der Weg der Februar-Verfassung nicht, aus dem Grunde nicht, weil Ungarn, weil Kroatien, und wie jetzt die Verhältnisse sind, auch Po» len und Böhmen in den Reichsrath nicht kommen (richtig!); inzwischen 424 '"-ri'e'gen aber unsere Gewerbe, unser Handel, der Ackerbau und die Mon­tanindustrie der Länder darnieder, weil wir nicht zur Ruhe und zur Ent« Wickelung unserer Kräfte kommen können. (Dol^ro! Bravo! im Publikum und Centrum.) Mau spricht immer viel von dem Segen, von den reichen Schätzen, die in unserer Erde liegen, aber wer thut etwas, um diese Schätze zu heben? Wir sind dahin gekommen, daß nämlich ein geistreicher Abgeordneter des niederüsterreichischen Landtages, den ich schon früher citirt habe, sagt: „Das Elend in Oesterreich ist das Product der einhei­mischen Staatsweisheit! Meine Herren! so wie es unter den ostindischen Inseln welche gibt, die ihre specifischen Gewürze haben, die nirgends an­ders wachsen, so wie Cayenne seinen eigenthümlichen Pfeffer hervorbringt, so haben wir ein specisisch vaterländisches Elend, das in keinem andern Reiche mit solcher Beharrlichkeit und solchem Fleiße gepflegt wird und das in keinem andern Reiche so intensiv wächst und so außerordentlich wuchert." (Rufe: Richtig!) Dieser Abgeordnete sagt weiter: „Wenn Alles Fiction war, Eines war keine: Der Verlust der Situation von 1860, der Verlust des Eredits, der Verlust der Millionen Wcrthe, welche unsere Production, unsere Arbeit, unser Vermögen ohne unsere Schuld erlitten haben, und wenn man sagen will, die ganze Verfassung war ein Versuch, so gestatte man mir zu antworten: Dann hat man uns versuchsweise arm gemacht." (Heiterkeit). Wohin unser Elend in Oesterreich, wohin wir ge­ kommen sind, ist im Reichsrathe selbst Heuer ausführlich erörtert worden, unmittelbar vor dem Sturze des Ministeriums Schmerling, und damals war es Graf Auersperg, welcher im Herrenhause gesagt hat: „Fantas­magorien eines auf die Spitze getriebenen Lebens- und Freudengenusses mögen uns über die dahinter lauernden Zustände nicht blenden; es liegt in ihnen der Stachel der Resignation, wenn nicht der Verzweiflung." Deshalb mußte ein neuer Weg eingeschlagen werden, und ich sehe keinen andern Weg, als den Weg vom 20. September. Meine Herren, ich glaube, die Staatsmänner, die jetzt regieren, sind gerade deshalb die rech­ten für Oesterreich, weil sie das nicht gethan haben, weil sie es den Völ­kern überlassen, weil sie zuerst die Stimmen der Völker hören wollen, um Sr. Majestät einen weitern Rath zu ertheilen. (Lebhafte Bravo- und Vndro-Rufe im Centrum und im Publikum.) „Möge die Lösung," hat Graf Auersperg im verstärkten Reichsrathe gesagt, „möge die Lösung, auf die wir hoffen, eine glückliche Verwirklichung jenes altclassischen Ein-' heitsbildes von Pfeilbündeln sein! Ich würde es für keine glückliche hal­ten, wenn man das Geheimniß des Zusammenhaltens blos im Zusammen­geschnürtsein suchen wollte; das. Geheimniß liegt in der richtigen Wahl des vereinigenden Bandes; für todte mechanische Körper ein mechanisches Band, für lebendige geistige Kräfte ein geistiges Band." Die Februarver­fassung war nichts Anderes, als ein mechanischer Vau, als ein Znsam­ mengefchnürtsein, und deshalb taugt sie für Oesterreich nicht, (vodro ! Bravo! im Centrum und im Publikum.) Ich will nun in Kurzem diejeni­gen Einwendungen besprechen, welche von der Gegenseite gegen die Aus­führungen der Vorredner gemacht worden sind. Da war zuerst der Herr Abgeordnete Deiman, welcher behauptet hat, wir, die wir gegen die Adresse sprechen, schwingen die nationale Fahne auch bei dieser Gelegenheit, Nun, meine Herren, ich möchte das nicht behaupten, aber wenn man gelesen hat, wie in allen Zeitschriften und in allen Reden in Graz und Wien die deutsche Frage sich gerade bei diesem Gegenstande wie ein rother Fa­den durchgezogen hat, wenn man gelesen hat, wie das Hauptorgan der cen­tralistischen Partei, die alte Presse, gesagt hat: Nicht centralistisch, sondern deutsch ist die Losung! Wenn man gelesen hat, wie der Abgeordnete Schindler in seiner Rede erwähnt hat: Weil das September-Manifest die Nationalitäten aufruft, so muß der niederösterreichische Landtag eine deutsche Antwort darauf geben! (vobro ! im Publikum) dann kann man sich denn doch nicht der Bemerkung entschlagen, daß die nationale Fahne geschwun­gen wird, aber nicht auf unserer, sondern auf gegnerischer Seite. Wir stehen diesmal, sowie immer, unter jener kaiserlichen Fahne, von der wir wissen, daß sie groß genug ist, daß auch unsere Fahne Platz darunter habe; wir wollen nicht Kampfer sein unter dem Aar des weiland deutschen Reiches, welcher in kalter Brust alle Stämme zu verzehren sucht, sondern wir fliehen unter die Fittige des österreichischen Kaiseraars, auf dessen Brust auch unser Landesschild seinen selbstständigen Platz hat (vodro ! im Publikum), wo auch wir im Bunde mit allen andern Ländern Oesterreichs Oesterreich groß und glücklich machen können. (Lebhafter Beifall im Cen­trum und im Publikum.) (Schluß folgt. Auch ein Nothstand. ii. Der Nothstand ist aber groß! Gegenseitig ätzt sich Dienstbote und Dienstgeber mit dem zersetzenden Gifte schrankenloser Willkühr, mit dem Mangel eines sittlichen Haltes an; die Charakterlosigkeit der Familie erzeugt großentheils das Ungebärdigsein und die sittliche Verrohung des Dienst­boten, und umgekehrt rüttelt diese an dem der Familie so nothwendigen inner« Frieden und Beständigkeitssinne. Dagegen gibt es nur ein Schutzmittel: die Selbsthilfe ; und je länger auf den Schutz von Außen gewartet wird, desto langer wird dieser Nothstand dauern; nicht Obrigkeit, sei sie staatliche oder gemeindliche, nicht kirchliche oder außerkirchliche Belehrung wird da für sich allein hel­fen; alles dies kann ein wirksamer Faktor für das Ganze werden, aber ohne Selbsthilfe bleiben sie ohnmächtig. Die Selbsthilfe muß jedoch eine doppelte sein; sie muß einerseits die Grundlagen für einen friedlichen und festen Familienverband schaffen, sie muß andererseits durch Assoziation die Dienstnehmer zwingen, sich der gegebenen Satzung zu fügen; also Einkehr in sich, und Verband zur Abwehr des Nothstandes. Es ist gewiß, daß alle andern Mittel nicht helfen; das beweist die tägliche Erfahrung. Der behördliche Schutz ist und kann kein nachhaltiger und durchgreifender sein, und richtet sich häufig nach individueller An­ schauung, die Zersetzung der Dienstnehmer ist schon so weit vorgeschritten, daß das behördliche Eingreifen ohne allgemeine und nachhaltige Wirkung bleiben muß, wenn nicht die Majorität der Dienstgeber selber die Autori­ tät des Gesetzes übt. Es spiegelt sich in diesem Kampfe der große soziale Kampf wieder, welcher sich in diesem Jahrhunderte vorbereitet und theilweise schon voll­zieht, der Kampf des vierten Standes mit dem dritten und den übriqen Standen. Hier wie dort wird die Lösung eine sittliche sein und durch Assozia­tion zur Durchführung kommen müssen. Also vor Allem schaffet Ih r Dienstgeber einen festen Halt in Eurer Familie, daß sie ihren Gliedern und Angehörigen ein liebes, sicheres gemüthbeherrschendes Heim' fein kann. Dann aber schließet einen festen Bund gegenüber den Dienstnehmern über die Grundsätze, unter denen Ihr sie in Eure Familie aufnehmen und in ihr erhalten wollt. So kommt Ih r Eurer Pflicht nach, die Euch Anvertrauten sittlich zu veredeln, und helft Euren gerechtfertigten Bedürfnissen auf die fräf­tigste Weise ab. Solche Assoziationen können sich in allen Gesellschaftsschichten ' in allen politischen Kreisen bilden, und sie sind jetzt um so leichter durchm» führen, als der materielle Nothstand Euch unter die Arme greift. Das Verhältniß des Hausdicnstes kann nie mit den Verhältnissen der Industrie- und fabriksmäßigen Lohnarbeit verglichen werden, denn es schließt noch ein wichtigeres Interesse als jene ein; unsere Dienstboten sind unsere Hausgenossen, und greifen mannigfaltig in unser innerstes Familienleben ein; wollen wir sie den Familienzwecken gemäß, so müssen wir ihnen Beziehungen zugestehen und abverlangen, welche weit über die Grenze der gewöhnlichen Lohnarbeit sich erstrecken. Und aus diesem Grunde müssen wir in uns und den Dienstboten gegenüber die Verhältnisse schaffen, die diesen Beziehungen nothwendige Grundbedingungen sind. Der Meister Hunger, der über kurz oder lang sehr fühlbar ein­greifen wird, — frißt er ja beim Landvolke sich schon ein — wird das Bestreben unterstützen, ja es ist mit Bestimmtheit voraus zu sagen, daß der gegebene Druck der materiellen Noth für sich in- kürzester Zeit eine Aenderung der DienstbotcnverlMnisse, mindestens beim Landvolke herbei­führen wird. Der Hausherr kann nicht mehr unter den bestehenden Preisbedingungen so viele Dienstboten unterhalten, und er wird einen nach ven andern außer Brod setzen; nur die billigen, fleißigen und be­scheidenen werden ihr Brod finden. Der Hunger wird viele der Entlas­senen zu Paaren treiben, ein Theil wird aber den Städten zuströmen, und dort, wo es eine Industrie gibt, in dieser Brod suchen, wird voll­kommen zum Proletarier sinken; und wenn reichlichere Zeiten und größere Nachfrage nach Arbeitern wieder kommen, wird der alte Kampf beginnen. Der materielle Druck allein ist somit nicht hinreichend, dauernd die Beziehungen der Dienstgeber und Dienstboten naturgemäß zu regeln. Nur die sittliche Regeneration der Familie einerseits und die feste Asso­ziation der Dienstgeber auf dieser Grundlage andererseits kann es! Wir wissen, daß wir nur Eine Seite dieser wirtschaftlichen Frage ins Auge fassen; uns scheint sie jedoch die wichtigste. Am Fuße der Alpen. Das Wesen der Wiener centralistischen Presse! Wir entnehmen dem trefflich geschriebenen Artikel: „Kreuziget ihn, kreuziget ihn", in Nr. 348 der „Politik" *), nachstehende Charakteristik der Wiener centralistischen Presse! Die „Politik" schreibt: „Sie haben sich — losgerissen, diese „Wach­ter" des österreichischen Konstitutionalismus, denn so unbändig und pol­ternd ist kaum je eine kultivirte und disciplinirte Partei über den Gegner hergefallen, wie es die centralistischen Organe heute thun, indem sie an­knüpfend an den Adreßbefchluß des böhmischen Landtages die Regierungs­politik und ihre Vertreter angreifen. Wie sie gleichzeitig die föderalistische Partei in Böhmen bekämpfen, ist nicht mehr neu; Böhmen und seine slavische Bevölkerung ist es ja seit mehr als einem Decennium gewohnt, von deutschen Publizisten, die sich rühmen, für gebildete Kreise zu schreiben und einer intelligenten Nation anzugehören, mit Kraftausdrücken eines landläufigen Pöbels beehrt zu werden. Ist die Lage der äußersten deut­schen Ostmark, ist der Beruf der Gladiatoren im Vorpostengefechte, oder ist das Bewußtsein der hohen Bildung dieser Wiener Journalistik, die aus einer Unzahl von Kurandas, Heines, Friedländers, Neustadtls, Hellers und Wieners besteht, daran Schuld, wir wissen es nicht, so viel steht je­doch fest, daß das gesammte deutsche Volt außer Oesterreich, von an­dern gebildeten Nationen gar nicht zu reden, nicht eine solche Publizistik besitzt, wie das Wiener Centralbureau des österreichischen Deutschtums, dem es seit Jahren gefällt, alle Nationalitäten Oesterreichs eine nach der andern auf die gemeinste Art zu besudeln. Man nenne uns in Wien jene Nationalität Oesterreichs, mit der die Wiener Blätter auf eine an­ständige Art gesprochen und über deren Angelegenheiten sie, wie es gebil­deten politischen Männern ziemt, unparteiisch und gerecht geschrieben hät­ten. Ungezogene Gassenjungen erfinden zur gegenseitigen Titulatur nicht so viele Schimpfnamen als die central!frische deutsche Presse in Wien ganzen Nationalitäten der Monarchie beigelegt hat. Aus Eskimos, wil­den Räuberhorden, Betyaren, Nasenabschneidern u. s. w. besteht die ver­kannte Bevölkerung in den Ländern des Kaisers von Oesterreich, die Palackien, Tomanie n und ähnlich heißen. Haben es diese Gentlemen nicht unter ihrer Würde gefunden, in dieser Weise Oesterreichs Nationa­litäten zu höhnen, als sie selbst noch das auserwählte Voll , waren, und die politische und nationale Gleichberechtigung — auf dem Papiere — ihrer Arroganz nicht schaden konnte, weil diejenigen, die ihre Durchführung verlangten, es höchstens bis zu Kettenstrafen brachten, um so mehr finden wir es begreiflich, daß sie gegenwärtig der Verdächtigungen, Schmähun­gen, Verdrehungen 'und Lügen nicht genug zusammentragen können, wo sie glauben, daß des Kaisers Wort verwirklicht, und den nationalen Be­vorzugungen und Hetzereien, von denen sie leben, ein Ende gemacht wer­den dürfte". An diese prägnante Schilderung wollen wir nur ein paar Worte der Mahnung an unsere Patrioten anschließen. Wir rufen ihnen nämlich zu: pränumerirt nicht mehr auf die centralistischen Tagesblätter! —; er» ") A„ch die „Generalconespondenz" reploduzirt diese» Nrtilel. An»,, d. Red. 425 scheinen ja doch in der Haupt- und Residenzstadt Wien, woher Ihr, wie In Bukurest eröffnete der Fürst am 17. Dezember die Kammern ganz begreiflich, täglich Nachrichten erhalten wollt und müßt, auch persönlich. Derselbe rekapitulirte in seiner Rede die Ereignisse des vergan­Tagesblätter , welche Euch dieselben Nachrichten bringen und zugleich genen Jahres, tonstatirte die im Inlande herrschende Ruhe und die guten die Interessen aller Völker Oesterreichs im Auge haben und weit entfernt Beziehungen zur Pforte. sind, das Eine oder das Andere ob seiner Eigenthümlichkeiten hintanzu­setzen oder gar zu verhöhnen — nehmt Euch also die „Zukunft" oder den „Wanderer", und Ihr werdet Euch über den Tausch gewiß nicht be­klagen können! Nevue der Landtage. Pest, 21. Dezember. Gestein war die erste Sitzung des bereits constituirten Hauses und zugleich die letzte vor den Feiertagen. Der interessanteste Theil derselben, wenigstens nach außen hin — waren die Ansprachen des Präsidenten und Vizepräsidenten. Dieselben entsprechen in ihrer Tendenz jener sich in den letzten festlichen Tagen in Ungarns Hauptstadt kundgebenden Stimmung, die vertrauensvoll in die Zukunft blickt, ohne irgend einen Erfolg bereits cscomptiren zu wollen. Szentiuany i betonte vor Allem, daß das Vaterland Thciten und keine phrasenreichen Reden erwarte, die traurige Vergangenheit wolle er hinter sich lassen und nur der Zukunft den Blick zusenden. „Vertrauensvoll trat der Monarch in-unsere Mitte, eine gefährliche Doctrin, die uns viel Unheil gebracht, ist, begraben, wir sind in unseren Hoffnungen bestärkt, denn der durch all­seitige Übereinstimmung acceptirte Ausgangspunkt ist die Pragmatische Sanction, von der Se. Majestät zugestanden hat, sie bilde die staatsrecht­liche Grundlage Ungarns und der Erbländer. Patriotismus und gegen­seitiges Vertrauen werden die Aufgabe erleichtern." Der Vizepräsident Graf Andrassy knüpfte an den 1861er Landtag an, dessen Thätigkeit der jetzige Landtag ergänzen müsse. Man werde beweisen," daß das Recht der Nation auch das Interesse des Reiches ist. Man werde beweisen, daß, wenn man sich an den Geist der 1848er Gesetze hält, dieß nur ge­schehe, um mit dem Nachbarvolle in ehrlicher und aufrichtiger Verbindung zu bleiben. Der Erfolg hänge aber nicht von Ungarn ab, denn die Völ­ker im Westen des Reiches müssen einsehen, daß mit der Herstellung der Integrität Ungarns die Grundlage des Gesammtreiches gestärkt werde; daß mit der Anerkennung der Rechtscontinuität ein beiderseitiges Interesse verfolgt werde, daß Oesterreich nicht durch Centralisation, sondern durch Aufrechthaltung des geschichtlichen Bedürfnisses sein Heil finden tonne. Wenn alle Jene, die auf Geheiß des Monarchen an der Entscheidung teilnehmen, von diesen Momenten überzeugt sein werden, kann sich die Thätigkeit des ungarischen Landtages erfolgreich gestalten, dann, sagt Audrassy, werden wir unser Ziel erreicht haben, daß beide Hälften des Reiches nach ihren besonderen Formen gleichmäßig frei sein sollen." Der weitere Verlauf der Sitzung war von keinem Interesse und erfolgte, da ohnedies schon eine Masse Urlaubsgesuche vorlagen, die Vertagung bis 8. Jänner 1866. Politische Nevue. Ein deutscher Liberaler schreibt in der „Köln. Zeitung" über Oester­reich Folgendes: „Die deutsch-österreichische Nationalität verhüllt sich das Haupt und sieht schwarz und pessimistisch in die Zukunft. Es ist wahr, das September-Manifest war eine unsanfte Berührung. Aber konnte es anders kommen? Hat das deutsche Element die vier Jahre der central!­sirten Reichsverfassung denn auch benutzt, um die Suprematie in der bun­ten Völkerfamilie der Monarchie zu verdienen? Welche Charaktere, welche organisatorische Köpfe, welche administrative Kapacitäten und welche Thaten hat es aufzuweisen? „Wir können warten", lautete das große Wort seines Hohenpriesters, Herrn v. Schmerling, aber die Weltgeschichte kann nicht warten, und ließ die Seifenblase platzen. Die deutsche Nationalität in Oesterreich steht im Großen und Ganzen noch nicht auf der geistigen Höhe, um die andern Nationalitäten mit jener Supcriorität zu durch­dringen uud unwiderstehlich sich unterzuordnen, wie es wohl anderswo vorgekommen. Man nehme die rein deutscheu Länder der Reihe nach vor, Tirol, Salzburg, Kärnten, Steiermark, die Erzherzogtümer, und die Hand ans das Herz gelegt, wie steht es mit der Aufklärung, mit der Bildung, mit dem Wissen, mit dem Arbeiten, mit dem Fortschritt - und mit dem deutschen Nationalgefühl? Und sie waren doch lange bevorzugt durch das herrschende System, die Vortheile geographischer Lage, den Einfluß einer deutschen Haupt- und Residenzstadt. Kann man den Italienern, den Slaven, den Magyaren verargen, wenn sie sich einem deutsch-öster­reichischen Uebergewicht nicht beugen wollen, dem sie mit besseren, zum mindesten gleichen Kräften und Fähigkeiten, jedenfalls aber mit einem in­tensiven Patriotismus begegneten? Einer deutschen Nationalität m ihrer intellektuellen und materiellen Totalität würde man eher Konzessionen gemacht haben, die man ihrem Fragment und ihrer Carricatur verweigerte". Nicht leicht konnte eine Nachricht so sehr überraschen, als die Mandatsniederlegung des Herrn v. Schmerling im böhmischen Landtag. Man übersehe dabei nicht, daß der Schritt in doppelter Beziehung wich­tiger und bedeutungsvoller ist, als jener des Fürsten Carlos Auersperg. Se. Durchlaucht ist damit nur aus dem Landtag geschieden, denn er bleibt als erbliches Mitglied des Herrenhauses Mitglied des Reichsrathes; aber der Erminister und jetzige Präsident des obersten Gerichtshofes, welcher vom böhmischen Landtage in'das Abgeordnetenhaus gesendet wurde, hat nun aufgehört, dem Reichsrathe anzugehören. Noch ist diese Fahnenflucht für Freund und Feind ein unaufgeklärtes Räthsel; nur gibt es bereits Viele, welcbe behaupten, Herr v. Schmerling habe schon lange darauf ge­sonnen, eine folche „Demonstration", jedoch in möglichst unauffälliger Weise zu machen, und im Schatten der böhmischen Cavaliere habe er dies nun am opportunsten gefunden. Briefe aus Rom vom 16. d. melden, es sei ein Uebereinkommen erzielt, welchem zufolge Italien künftig bei Rothschild die nöthigen Sum­men erlegen würde, um die Interessen von 25 Mill. röm. Scudi von der päpstlichen Anleihe zu berichtigen. Aus Florenz wird berichtet: Es wird versichert, Vegezzi werde zum Minister des königlichen Hauses ernannt werden. I n Spanien hegt man ernste Besorgnisse wegen des Gesundheitszu­standes der Königin, die sich abermals in gesegneten Umständen befindet. Die früher oft besprochene Reorganisation Polens, an deren Aus­führung man schon zweifelte, wird nun, wie man der „Schles. Ztg." aus Warschau mittheilt, doch zu Stande kommen, und zwar soll das König­reich in 11 Gouvernements mit 92 Kreisen eingethcilt werden. Nach den neuesten Nachrichten aus Mexico hat Langlais, der von den Tuilerien ernannte mexikanische Fiuanzminister, jetzt endlich eine Kon­ferenz mit dem Kaiser Maximilian gehabt und in Folge derselben be­schlossen, „auf Basis des französischen Budgets ein mexikanisches Budget anzufertigen". Lokales und Provinziales — Tagesordnung für die Gemeinderathssitzung am 28. d. M., Nachmittags 5 Uhr: Dringlichkeitsantrag, die bevorstehende Militärstellung betreffend; Genehmigung des mit dem Wasenmeister abgeschlossenen Ver­trages; Vorträge der Finanzsettion: a) Einführung einer Taxe für Lokal-Augenscheine, d) betreffend das Präliminare pro 1866, o) Rechnungs-Erledigung pro 1861; Vortrag des Verwaltung« - Comits für das Gut Unterthurn; Vorträge der Vausettion: »,) Sicherstellung der Lieferung des erfordeilichen Bauholzes, d) Liquidirung der Schotterlieferungskosten, o) Liquidirung der Kosten des Nostngassen - Kanals, ä) Liquidirung der Kosten der Pflasterung in der St. Peters-Vorstadt, o) Liquidirung der Kosten für Konservativ« des Rathsgebäudes; Vortrag der Schulsektion, die Remunerirung des Gewerbe-Unterrichtes der St. Jakobs-Schule be­treffend. Geheime Sitzung: Gesuch um Ertheilung eines Gehalts­vorschusses. Anmerkung: Im Hinblick auf den ß. 68 G. St. wollen sämmtliche Gemeinderäthe zuversichtlich erscheinen. — Die „Novios" machten aus Anlaß der kaiserlichen Thronrede in Pest die treffende Bemerkung, daß die Krone Ungarn so große Konzes­sionen gemacht habe, daß man an dem praktischen politischen Sinne der Magyaren verzweifeln müßte, wenn sie die ihnen nunmehr gebotene gün­stige Gelegenheit des Ausgleichs zurückweisen würden. Die kaiserliche „Wiener Zeitung" hat diesen Ausspruch der „Novioo" an hervorragender Stelle citirt. — Sonntag um 11 Uhr Vormittag fand in der 6itavuic:a die Vertheilung von 70 vollständigen Winteranzllgen an 41 Knaben und 29 Mädchen armer Eltern statt, welche Anzüge durch den nach dem Auf­rufe in unferm Blatte Nr. 88 zusammengetretenen Vereine von 40 Frauen und Fräuleins in der öitavuioa verfertigt wurden. Es war eine erhe­bende Feier dieser echtchristliche menschenfreundliche Akt; eine große Zahl der Vereinsmitglieder und auch NichtMitglieder hatte sich dazu eingefunden. I m Saale lagen auf langen Tischen die Pakete mit den angehefteten Zet­teln, worauf die Namen der zu Betheilenden standen. — Die Feier er­öffnete Dr. Leo Vonöina mit einer Ansprache an die Kleinen, worin er sie zur Dankbarkeit gegen die edlen Geber aufforderte und es ihnen klar machte, daß es keine Schande fei, arm zu sein — da ja Christus der Herr auch arm gewesen. Hierauf geschah die Betheilung mit den Kleidern und Schuhen, geleitet vom Herrn Lehrer Moöni l und Herrn Drasler. Da sich die Kleinen sogleich in den Garderoben der 6i­tÄvirioa umkleideten, so wurde die dadurch eingetretene Pause mit dem Vortrage von Liedern durch unfern braven Chor der 6itavuioa, ausge­füllt. Nun wurden die Kleinen wieder in den Saal geführt und Dr. Bleiwei s ergriff das Wort, indem er den Dank aussprach zuerst der Familie Orel , die die Idee hiezu angeregt und insbesonders dem Fräu­lein Julie Orel , die diese schöne Sitte in der Schweiz kennen gelernt und zu uns verpflanzt hat, dann allen Frauen und Fräuleins, die die Gc genstände gespendet und verfertigt — darauf hinweisend, wie sowohl der Be­sitz als die Erwerbung einer solchen Frau das größte Glück für jede» Mann sein müsse — den Neumarktlern, die durch Übersendung von Schuhen jetzt den^erstm Beweis gegeben, daß auch unter ihnen Sympa­thien für unsere öitaviücZ, rege sind, und schließlich denjenigen Herren Gewerbetreibenden, die mit höchst anerkennenswerther Uneigennützigkeit das Unternehmen gefördert haben. Nochmals der Frauen gedenkend, schloß Herr Dr. Bleiweis seine gediegene und mit großem Beifalle aufgenom­mene Rede mit den Worten Schiller's: „Ehret die Frauen!" — Dr. Ore l sprach sichtlich tiefgerührt seinen Dank im Namen seiner Familie für die wahrhaft großartige Unterstützung, die das von seiner Tochter an geregte, aber nur im Vereine mit den Andern möglich gewordene Unter­nehmen gefunden hat, und forderte die Kleinen auf, ihrem Dankgefühle durch die Rufe: Zivile den edlen Frauen und 2ivili allen Wohlthätern, Ausdruck zu geben, in welche Rufe die liebeu Kinder freudig einstimmten. Nun erhielt jedes Kind noch einen Striez Brod und einige Aepfel. So verließen die Kleinen um halb 1 Uhr die (ÄtaviücÄ,, deren Ausgangs­thore von einer zahlreichen Zusehermenge umlagert waren. Wir haben nur den einen Wunsch — es möchte diese schöne Sitte in unserer Oi­tavuiog, sich forterhalten zum Wohle der armen Kinder unserer Stadt und zur Ehre unserer edlen Frauen und Jungfrauen. Zivils! — Die gestern im Redoutensaale stattgehabte Christbaumfeier des katholischen Gesellenvereins war äußerst zahlreich besucht und auch Se. Excellenz der Herr Statthalter Baron Bach war anwesend. Sowohl die Deklamationen als die Gesänge — slovenisch und deutsch — insbesonders aber die plastischen Bilder aus dem Leben des egyptischen Josef (arrau­girt von Herrn v. Golde ».stein) fanden den verdienten Beifall. Wir kommen auf diese Vorstellung nächstens ausführlicher zu sprechen. — (Kinderspital.) Auch im Kinderspitale fand am Sonntage durch zu dem Zwecke eigens gewidmete Spenden mehrerer Schutzdamen und des Herrn Direktors der Anstalt eine Christbaumfeier statt, indem die kleinen Kranken mit Kleidungsstoffen betheilt wurden. — Morgen Donnerstag um 10 Uhr findet die Betheilung in der Kleinkinderbewahr-Nnstalt statt. — Am h. Christtage wurde in der D. O. Kirche eine neue Pasto­ralmesse von unserm tüchtigen Compositeur Nase!: aufgeführt, in welcher 42N auch Fräulein Helene Pesjak, Tochter der Frau Louise Pesjak, zum ersten Male mitwirkte, die mit ihrer schönen Stimme alle Zuhörer entzückte. — Das am 22. d. M. slattgefundene Leichenbegängniß des hiesigen Handelsmannes und Realitätenbcsitzers Herrn Anton Krispe r war in der That großartig und zeigte, in welch hoher Achtung der Verblichene bei der ganzen Bevölkerung dieser Stadt gestanden. Möge ihm die Erde leicht sein! — (Handels- und Gewerbekammer). Die für den 22. d. angekündigte Sitzung der Handels- und Gewerbekammer wurde nicht abgehalten. — Gestern fand in der Schießstätte die Generalversammlung des bereits 356 Mitglieder zählenden Kranken - Unterstützungs- und Versor­gung«-Vereines statt. Dr. Bleiweis leitete diese Versammlung, in welcher die Wahl der Direktion — durch 115 abgegebene Stimmzettel und zwar einstimmig — in nachstehender Weise vorgenommen wurde. Die Direktion besteht nun aus folgenden Herren: Direktor: Dr. E. H. Costa, Bürgermeister; Direktor-Stellvertreter: Franz Rösmann , Haus­besitzer und Handelsmann; Hauptkassier: Albert Samasfa, Hausbesitzer und Glockengießer; Controllor: Leopold Bürger , Hausbesitzer und Han­delsmann; Schrift- und Buchfllhrer: Peter v. Radics , Redakteur. Für die Dompfarre: Vereinskafsier: Anton Miklauöiö, Hausbe­sitzer, Stadt Nr. 257; Ausschüsse: Felix Weidinger , Hausbesitzer, Stadt Nr. 158; Paul Polegeg, Hausbesitzer, Froschplatz Nr. 112. Für die Stadtpfarre St. Jakob: Vereinskafsier: Franz Debeuz, Hausbesitzer und Hutmachermeister, Altenmarkt Nr. 160; Ausschüsse: An­ton Lainer, Hausbesitzer, Kastellberg Nr. 54; Thomas Pirnath, Hausbesitzer, St. Iatobsplatz Nr. 147. Für die Kapuziner-Vor« stadt: Vereinskafsier: Franz Waid Haus er, Gastgeber, Wiener Haupt­straße Nr. 3; Ausschüsse: Franz Legat, Hafnermeister, Triesterstraße Nr. 52; Andreas Zitierer, Schuhmachermeister, Kapuziner-Vorstadt Nr. 5. Für die Gradischa-Vorstadt: Vereinskafsier: Johann Mauser, Haus- und Realitätenbesitzer, Gradischa-Vorstadt Nr. 23; Ausschüsse: Jakob Spoliariö , Hausbesitzer und Schlossermeister, Gra­discha-Vorstadt Nr, 12; Wilhelm Rost, Hausbesitzer und Bindermeister, Gradischa-Vorstadt Nr. 40. Für die Pfarre St. Peter: Vereins­kafsier : Johann Novak, Hausbesitzer und Tischlermeister, St. Peter Nr. 37; Ausschüsse: Matthäus Schreiner, Hausbesitzer und Gürtler, St. Peter Nr. 95; Jakob Supanöiö, Maurermeister, Kuhthal 73. Für die Tirnauer Pfarre: Vereinskafsier: Johann Komar, Haus-und Rea­litätenbesitzer, Krakllu-Vorstadt Nr. 40; Ausschüsse: Franz Tomz, Haus» und Realitätenbesitzer, Krakau - Vorstadt Nr. 60; Johann Zitterer, Haus- und Realitätenbesitzer, Krakau - Vorstadt Nr. 30. — Auch wurde beschlossen, einen Vercinsdiener mit der Entlohnung per 5 fl. monatlich aufzunehmen. — Am vorigen Donnerstage fand die Generalversammlung des Vereins der Aerzte statt, welche sehr zahlreich besucht war — es waren 22 Mitglieder anwesend. Die Neuwahlen ergaben zum Obmann: Dr. Schiffer — nachdem der bisherige Herr Obmann, Medizinalrath Dr. Ritter von Andrioli, eine Wiederwahl abgelehnt hatte — zum Schrift­führer und Kassier: die in diesen Funktionen bisher thätig gewesenen Herren Dr. Valenta und Finz; zum Ehrenmitgliede wurde Hofrath Dr. Lösch« er ernannt. Dieser besonders durch die rastlosen Bemühun­gen des Herrn Dr. Valenta sich immer lebenskräftiger entwickelnde Verein findet nun eine immer größere Anerkennung, und sind demselben eben wieder die Herren Oberstabsarzt v. Malfatt i und Regimentsarzt Haas als Mitglieder beigetreten. — Prof. Dr. Schuh in Wien ist Plötzlich gestorben. — lVu2ui LoKuI). Mit der Feier des Silvester-Abends im Saale der ÜitavuioÄ. finden die geselligen Zusammenkünfte des ^U2ui 80K0I für Heuer ihren würdigen Abschluß. Das bereits festgesetzte Programm dieses Abends ist nachstehendes: Vor der Lotterie, welche um 10 Uhr ab­geschlossen wird: 1. Lo^olsIlÄ, Chor von Dr. G. Ipavec; 2. humori­stische Vorlesung aus dem Lrsuoelf; 3. VaKil«, Baß-Solo von Dr. Ipavec, nach dem Liede des Ienko; 4. «lurösk, Quartett; 5. Ildsöui Kräh, Gedicht von Levstik, Deklamation; 6. Orchester-Aufführung. Nach der Lotterie: 1. ?sw1iuöek, Quintett für Männerstimmen, von Heidrich, (in Costume); 2. Arie aus der Oper: „il ^rovatoro", Bariton - Solo; 3. komisches Zwischenspiel, ins Slovenische übertragen von Levstik; 4. NatiöeKova tzsuitsv, Oktett für Mannerstimmen, aus dem 6echischen; 5. Vorlesung aus dem Lrencelj; 6. V02U0 23, novo leto, von Koseski, Deklamation mit allegorischen Figuren. Der Anfang um 7 Uhr Abends. Eintritt nur für Mitglieder der öitavuioa und des ^n2ui 80K0I. — Der letzte 8oKoI-Abend in diesem Jahre am 23. d. M. war besonders gelungen, und von Herrn Nol i mit großem Witze und vorzüg­ lichem Eifer arrangirt. Chöre, einfache und Doppelquartette wechselten mit Musikpieyen die in wahrhaft meisterhafter Weise auf der Handhar­monika und der Zither vorgetragen wurden. Besonders trefflich war aber der Lronoelj, welcher dießmal mit einer illustrirten Beilage erschien, und aus dessen Inhalte wir namentlich einen witzigen Neujahrswunsch und ein Gedicht „AeoZraööen riöst" herausheben. Man trennte sich in der heitersten Stimmung erst in später Stunde. — Sonntag am 31. d. M. um 11 Uhr Vormittag halt die 6it3,vüioa ihre Generalversammlung. An der Tagesordnung steht: 1. Eröffnungsrede des Vorstandes Herrn Dr. Ivan Bleiweis; 2. Jahres­bericht des Sekretärs A. Praprotnik; 3. Rechnungslegung des Kassier« Ivan Vilhar; 4. Besprechung anderer Angelegenheiten; 5. Wahl des Vorstandes, des Kassiers und der Ausschußmitglieder. — Der durch seinen Salon in Wien allgemein bekannnte vorzüg­liche Eskamoteur Herr Hofzinser ist hier angekommen und wird eine Reihe von Vorstellungen geben. — Mit Jänner 1866 beginnt die Ausgabe der Ansichten'auS Krain. (Fotografische Aufnahmen nach der Natur von I. Diwisch 0 vsky, mit begleitendem Texte von P. v. Radics.) Dieses Bilderwerk erscheint in monatlichen Heften und bilden 12 einen Band; je ein Heft bringt 3 Fotografien und den dazu gehörigen erklärenden Text (in beutscher und slovenischer Sprache.) Die Objekte werden sein: Ansichten der Städte und vorzüglichsten Märkte. Landschaften, National-Trach­ten und historische Stätten (Kirchen, Schlösser, Ruinen u. f. w.). Die Bilder haben eine Länge von 15" und eine Breite von 12" und eignen sich in Ausführung und Form sowohl zu einem Album der Erinnerung an das schöne, leider noch zu wenig gekannte Land, als auch zu einer passenden Zimmerzierde. Der Text von Herrn P. v. Radics aus den verläßlichsten Originalquellen geschöpft, wird kurz gefaßt eine ge­diegene Erklärung zu den einzelnen Darstellungen abzugeben versuchen. Der Pränumerationspreis für einen Band beträgt ohne Postversenduna jährt. 24 fl., halbjährig 12 fl. und vierteljährig 6 fl. Oe. W., welcher Betrag im Vorhinein franko per Adresse: I . Diwifchovskh , Heraus-' geber und Verleger Laibach Sternallee Nr. 31 bis Ende Dezember 1865 einzusenden ist. Da dieser Preis geringe gestellt erscheint im Verhältnisse zu den kostspieligen Vorarbeiten, die dieses Unternehmen bedingte, so werden alle?. ^. Vaterlandsfreunde sowie alle Jene, die das herrliche Land entweder aus eigener Anschauung kennen gelernt haben, oder sich über dasselbe unterrichten wollen, zur recht zahlreichen Betheiligung an die­sem nationalen Werke eingeladen — welches die Naturmerkwürdigkeiten und die so interessante Geschichte dieses Landes in Wort und Bild ver­anschaulichen wird. Das I. Heft, welches am 15, Jänner erscheint enthält ausschließlich die „Ansicht von Laibach" in einer Länge von 44" und Breite von 16", um die Landeshauptstadt in einer ihrer Be­deutung würdigen Form zu bieten. Mit dem 2. Hefte beginnt die ange­gebene Einteilung mit 3 Bildern. Erinnerungstafel (aus dem Intelligenz«»«« der Laibacher Zeitung). Am 28. Dezember. Verlaffenschaftsanmeldung nach dem Lokalkaplan Herrn Andreas Likar in Tbenthal (Bez. A. Gotschee.) Am 29. Dezember. 3. erek. Feilbietung der dem Johann Iegliö von Ni-«»j»K gehörigen Realität; Schätzwerth 531 fi. (Bez. A. Radmannsdorf). Am 30, Dezember. 3. erek. Feilbietung der der Maria Podgorc von Vix»ui> gehörigen Realität sammt An- und Zugehör; Schätzwerth 550 fl. (Bez^ A, Rad« mannsdorf). Am 31. Dezember. 3. erek. Feilbietung der dem Blas Rozman von Wälsch­gereuth gehörigen Realitäten; Schätzwerth 3913 fi. (Bez. A. Radmannsdorf). Verstorbene. Am 80. Dezember. Herr Leopold Koliö,chirurgischer Subjekt, alt 23 Jahre, und dem Herrn Michael Pirmcmn, Riemermeifter, seine Gattin Agnes, alt 54 Jahre, beide in der Stadt Nr. 126, am Zehrsieber. Am 11. Dezember. Den, Thomas Slanovc, Magazinsarbeiter, sei» Sohn Florian, alt 8 Jahr, in der Klakau-Vorftadt Nr. 10, am Wasserköpfe. — Maria Verbic, Inwohnerin, alt 60 Jahre, in der Polana-Vorstadt Nr. 58, am Lungen­blutsturze. — Margarets)« Gaurik, Inwohuerswitwe, alt 48 Jahre, im Civilsvital, an der Wassersucht, Am 22. Dezember. Maria Kobler, Toglöhnerswesb, alt 5? Jahre im Civil-Spital, am organischen Herzfehler. — Dem Herrn Josef Widmar, Hausbesitzer, sein Kind Maria, alt 8 Tage in der St. Peter-Vorstadt 105, an der Mundsperre. Am 23. Dezember. Dem Herrn Karl Boschitsch, Handelsmann, sein zweit­geborenes Zwillmgskind Karl, alt 3 Stunden, nothgetauft, Nr. 198, an Schwäche in Folge von Frühgeburt. — Maria Verhouz, Bauerstochter, alt 26 Jahre, >m Civilsvital, am MopKus üi-i^Iiti». — Herr Vinzenz Pol, gewes. Cadet im k. k. l?. L.-I.-Regimente, alt 23 Jahre, in der Stadt, Nr. 142, an der Lungentuberkulose Lottoziehungen. K. l. Lottoziehung »m 23. d. M. Trieft: 89. 55. 13. 65. 82. Wochenmarkt in Laibach am 27. Dezember. Erdäpfel Mtz. fl, —.-, Linsen Mtz. st. 5.—, Erbsen Mtz. fl. 4.— , Fisolen Mehen fl. 4,80, Rindschmalz Pfund kr. 52, Schweineschmalz Pfund kr. 40, Speck frisch Pfund kr. 26, Speck geräuchert Pfund kr. 40, Butter Pfund kr. 48, Tier Stück 2 kr., Milch Mß. kr. 10, Rindfleisch Pf. 14 bis 16 kr., Kalbfleisch Pf. kr. 17, Schweinefleisch Pf. kr. 16, Schöpsenfleisch Pf. kr. 10, Hähndel pr. Stück kr. 30, Tauben Stück kr. 15, Heu Cent. fl. 1,50, Stroh Cent. fi. —.—, Holz hartes 3«zöllig Klafter fi. 8-50, weiches Kft. fl. 6.50, Wein rother Timer fi. 13, weißer Timer fl. 14. Getleidepreise in den Magazinen am 27. Dezember." Weizen Mtz. fl. 4.—, Korn Mtz. fl.2.69, Gerste Mtz. fl. 2,20, Hafer Mß. fi. 1.75, Halbfrucht Mtz. ff. 2,85, Heiden Mtz. fi. 2.40, Hirse Mtz. fl. 2.40, Kukurutz Mtz. st. 2.55. Nr 7008 Kundmachung. ("7 3) Die Einhebung der Hundetare für das Jahr 1866 und zwar von jedem Hunde im Stadtvomerio beginnt mit 15. bis einschließig 31.Ill -NUllr 18db und werden die neuen Hundemarken in der Stadtkasse aeaen Erlag von 2 fl. ausgefolgt. Dies wird mit Bezug auf den §. 14 der Vollzugsvorschrift über die Einhebung der Hundetaxe in Laibach mit der Erinnerung zur allge­meinen Kenntniß gebracht, daß vom 1. Febrmr 1866 an alle auf der Gasse betretenen und mit der vorgeschriebenen Marke nicht versehenen Hunde vom Wasenmeister eingefangen werden. Stadtmagistrat Laibach, am 13. Dezember 1865. Der Bürgermeister: Dr. E. H. Costa. Für die bei dem schmerzhaften Verluste unseres unvergeß­lichen, innigstgeliebten Vaters Änton Rri5per uns vielseitig bewiesene aufrichtige Theilnahme, wie auch für die so zahlreiche und ehrenvolle Begleitung zu seiner letzten Ruhe­stätte sagen den innigsten Dank Familie Krisper. (119-1)