Nlätter ans Rrain. Veilage M- Laib acher Ieitnng. ^>«. 37. Erster Jahrgang. R3 September R857. Die knarrenden S'ticfel. Spl»nis6)c Ilcünnn.;c. ^cn Nasen mild bescuehtend Kam leis' mid lau die Nacht; Es standen hell und leuchtend Die Sternlein ans der Wacht: Da gab ein leises Zeichen, Die Schönste zu bcschleichen. Mein Herz mir, das bewegte, Von Liebcsgluth entfacht. Ich schwang gewandt und leise Mich zur Altan' empor Und schlüpft' in gleicher Weist Entlang den Corridor; ' Da fingen — weh' mir, Narren! — Die Stiefel an zu knarren, Dic ich bei meinem Schuster Erst eben nur erkor. Behend' vor jedem Späher Mich deckend nach Gebühr, Doch knarrend kam ich näher An dic ersehnte Thür; Schon dacht' ich einzuschreiten--------- Da trat aus cincr zweiten — Dic — Mutter, statt dcr Tochter Mit hellem Licht hcrfnr. Uud ich — zurück geschwinde, Von icncr Kcrz' umffammt, Gab dieses Wort dem Winde: Znm Teufel cillcsammt! Und wirst dn dich erdreisten Hinfort bei deinem Leisten Zu bleiben ^ dann, vor Allen, O Schuster! sei verdammt. ! S'tein in Arain. Ein Gang auf die Alpcn. ! Kanter allen Werken, welche von der Schönheit und Eigenthümlichkeit dcr 'Alpengegenden handeln, hat mich keins in so mächtigem Maße angesprochen, als „Starklof's Kreuz- und Querzüge durch die Alpen." Das ist keine Reisebeschreibung nach der Mode, Starklof zieht nicht die große Heerstraße dcr Touristen von Profession; er vermeidet dic langweilige Gesellschaft, welche, mit dem Reisehandbuch bewaffnet, der Natur zu Leibe geht, an den schönsten Plätzen dieselbe angähnt und sie nur schön findet, da, wo es gewöhnlich ist, in Ertase zu gerathen —> aus einsamen Pfaden, oft nur von dem Wilde betreten, erklimmt er die Höhen, die unbesuchtesten, um sich an der uncntweihten Schönheit der Einsamkeit zu ergötzen. Ein schwermüthiger Zug, eine edle Verachtung des großen , Menschentrosses gibt sich in dem Vuche kund, und da das darin Ansgesprochne Selbstempfundenes und wirklich Erlebtes in echt poetischer Weise Dargebotenes ist, so wird das Buch auf jeden denkenden Leser eine große Anziehungskraft ausüben, auch wenn ihm das tragische Ende Starklof's unbekannt sein sollte. Diesem Vuche verdankte ich eine große Sehnsucht, die mich nach den Alpen zog; ich wollte die mächtigen Vergkoloffe, die mein Auge lange von ferne angestaunt, ein Mal in der ! Nähe sehen; ich wollte ein Mal in ihren Schluchten wandern, rasten und meinen Gedanken nachhängen. Darum nahm ich mir eines Tages einen Führer und zog aus Stein dem Gebirge zu. Der kürzere Weg führt an dem rechten Ufer der Feistritz, an der Pulverfabrik und dem „Vrüunl" vorüber nach Straine, wo man den Fluß überschreitet, auf das linke Ufer und cm den Eingang des Feistritzthales gelangt. Auch über Münkendorf kann man hierher kommen; allein der Weg ist weiter und weniger anmuthig. Straine's Kirche mit dem abgesondert stehenden Thurme blickt freundlich von einem Hügel herab, als wollte sie dem Alpenwanderer einen Gruß auftragen an das hohe Gebirge. Der erste Theil des Fcistritzthales hat noch nicht das Gepräge tiefer Einsamkeit; man berührt noch ein in Straine ^ eingepfarrtes Dorf /numn^, und nach diesem mehrere einzeln liegende Häuser und Gehöfte, ehe mau den Wohnungen der Menschen gänzlich Ade sagt. Vis /nnmn^ läßt sich der Weg auch zn Wagen zurücklegen. 146 Es ist ein schönes Thal, zwischen schönbewaldeten Höhen ! sich hinziehend und von der raschfließenden, kalten, klaren ^ Feistritz belebt, die dem Wanderer zur Linken bleibt, bis der ^ Weg eine Biegung nach rechts macht. Nachdem mein Auge an ! dem schönen Vild der übereinander geschobenen Gcbirgsmassen ! mit dem Grün der Wälder und den im Hintergrund emporragenden kahlen Fclsenriesen sich sattgenossen hatte, wendete ! ich meine Aufmerksamkeit auf die Flora der Voralpen und ließ mich, um den Weg mir zu verkürzen, in ein Gespräch mit > meinem Führer ein, der den Namen Josef trug und Förster eines in Laibach wohlbekannten passton irten Alpenjägers war. ! Es war ein freundlicher, bescheidener, unterrichteter Mensch, ^ stets bereit, das Lob und den Ruhm seines Herrn zu verkünden, und ich mußte — und that es gerne — alle die Iagd- ^ geschichten anhören, die oft meine Bewunderung, oft meine > Zweifel erregten. Allein letztere ließ ich nicht laut werden, ^ auch nicht, als er mir erzählte, sein Herr habe auf 6W Schritte einen Gemsbock geschossen! So plaudernd kamen wir endlich an die Stelle, wo die ! Feistriß durch einen bei 39 Klafter tiefen Fclsschacht mit wildem ! Gebrause sich zwängt. Ein herabgestürztes Felsstück bildet eine ! natürliche Brücke und von dem hinabzusehen in den tiefen ! Schlund, wo die Wellen sich brechen und tosen, ist ein großartiger Genuß. Mein Führer — ich will ihn nun immer Josef nennen — schoß seine Flinte hinein ab, und das in der engen j Spalte krachende Getöse des Schalles vermehrte die Schauerlichkeit der Scene. — Von hier gelangten wir nach einer ! Viertelstunde an einige Hütten, deren Bewohner, die Gebrüder ! Urschitz, allen Besuchern der Alpen wohlbekannt sind. i Die alten, kahlen Felsricsen umstehen hier einen kleinen ! Thalkessel, wo das lustige Gebirgskind, die Feistritz, aus dem ! ^ Felsen der Ni'lmn hervorspringt und sich in einem kleinen ! Becken sammelt, gleichsam als wollte es sich hier erst das Licht > der Welt recht ansehen, ehe es weiter rauscht. Die Quelle, ! kalt und klar, ist ziemlich stark. ! Josef's Herr hat in der einen Urschitz'schen Hütte einen Theil wohnlicher herrichten lassen, der gewiß schon manchem müden Alpenwandercr zur Raststätte gedient hat. Wir verzehrten hier unser Mittagbcot, tranken Feistritzwasser und schließlich einen, von Josef gebrauten schwarzen Kaffeh, der z selbst einem Gnesda Ehre gemacht haben würde. Nach einer mehrstündigen Rast traten wir den Weg nach dem „großen Sattel," wie der Einschnitt zwischen der Lrnn» und 1'lnnava heißt, an. Der erste Theil des Weges ist höchst mühselig; er ! steigt gerade auf, bis man nach einstündigem Klettern die Wand des Berges erreicht, an welcher dann der Pfad sich, allmälig steigend, hinzieht. Die Nachmittagsonne brannte heiß, wir löschten unsern Durst mit Beeren, welche in großer Menge zu unsern Füßen wuchsen, denn auf eine O-uelle trafen wir erst nach mehrstündigem Steigen. Aber trotz der Mühseligkeit des Weges ward mir immer wohler zu Muth. Die Alpenlust belebt und ermuthigt, und wenn ich so Kuppe um Kuppe sichtbar werden sah, wenn ich die grauen Häupter der Gebirge anblickte, wie sie so ernst in die Bläue des Himmels empor- ragten, da verschwand alle Müdigkeit und es zog mich hinan: exeolsior! Schon hatten sich tiefe Schatten in die Schluchten gesenkt, nur die schroffen Zinken der Gebirge erglänzten noch, vom Strahle der Sonne beleuchtet, als wir vor der einzigen Alpenhütte anlangten, welche „im Sattel" zu finden ist. Der Vorrath von trockenem Holz in der Hütte war uns ein willkommner Fnnd uud bald loderte in dem engen Raume ein helles Feuer; das schadhafte Dach wurde mittelst Schindeln einigermaßen reparirt und dann machte sich Josef auf den Weg, um Trinkwasser herbeizuschaffen. Es litt mich nicht in der Hütte, ich mußte herausgehen, um die herrliche, stille, laue Sommernacht recht zu genießen. Ich war allein — lautlose Stille war um mich her. Das Mondlicht hatte die Abendröthe abgelöst, und statt der warmen Beleuchtung, welche vor Kurzem die Höhen und Kuppen noch übergoß, lag nun der bleiche, kalte Schein des Mondes auf den Zacken und Gipfeln, die dadurch in ihren Conturen gegen die dunkle Bläue des Firmaments hart und schroff hervortraten. Auf dem hohen Grase, das rings um die Hütte stand, perlte der Nachtthau; kein Laut war vernehmbar, nur da und dort rollte ein Steinchen von der Felsenwand der Ni'lma oder der llannv«. — Endlich hörte ich rufen — es war Josef, der in der Dunkelheit der Schlucht den Pfad zur Hütte verfehlt hatte. Meiue Antwort gab ihm die Richtung an, uud er kam mit einem großen Stück Schnee an seinem Alpenstocke, das er in der Nähe des Feuers aufhing und das uns in seinem herabttöpfelnden Naß einen erwünschten Labetrunk schenkte. Unser Abendbrot schmeckte uns nach der gehabten Anstrengung ungemein, und nachdem wir noch bei einer Zigarre allerlei geschwatzt und Josef mir noch einige Iagdgeschichten erzählt hatte, streckten wir uns auf unsere Bretter, um im Schlaf die verbrauchten Kräfte des Körpers zu ersetzen. Josef schnarchte auch bald auf echt jagdmännische Manier wie ein Bär, und mir blieb — nichts anders übrig, als das Feuer zu unterhalten, und, da mich der Schlaf floh, meinen Gedanken nachzuhängen. Fern der Welt uud ihrem Trug, In dcr Berge Güisamfeiten Webt' mir der Gedanken Flug Einen Traum voll Lieblichkeiten. Was ich einst erstrebt, errang, Und im Drang dcr Zeit verloren, Weht mich an mit Zanbcrklang Und mein Herz scheint neugeboren. Schönes, längstcutschwundncs Glück, Mit den ros'gen Mädchcnwangen: Lilieuarm kommst du zurück, Mich mit Liebe zu umfangen? Ach, 's ist ein Gebild der Luft, Das,ein Hauch des Winds zerstöret — , Alpcnnacht voll Vlumcnduft Hat die Seele nur bethörct, ! Noch lagerten die Schatten der Nacht auf der Erde, als ! wir die beschwerliche Strecke bis zur höchsten Stelle des „Sattel" l erstiegen. Unterdcß hatte die Sonne begonnen, die Spitzen der Berge mit Morgengold zu belegen. Es war ein herrlicher, ein ! großartig schöner Anblick. Ueberall starrten unsern Blicken die gigantischen Felsmassen, tausendfach zugegipfelt und zugespitzt, wie Thürmchen eines gothischen Prachtbaues, entgegen, l Und alle diese Zacken und Ecken, diese Wände und Spitzen > waren in das belebende Frühlicht der Sonne getaucht, während tief unten in den Schluchten und weit hinaus in der Ebene die grauen Schleier des Nebels noch lagen. Auf der andern Seite des Sattels ist eine jähabfallende Felsenwand, von dem Sulzbacherthale aus nur an einer Stelle müh- ! sa'm zu ersteigen. Da rollten wir Steine hinab und lauschten ! dem donncrähnlichen Getöse, mit welchem sie tief unten zerschellten. Von den Felsen drüben stürzte die Sann herab und begann ihren Lauf durch das Thal hin gen Sulzbach zu. Angesichts dieser erhabenen Schönheit, dieser Großartigkeit der Natur, wie klein war Alles, was wir da „unten" gelassen ^ hatten! Die Stadt mit ihrem Staub und ihrer Hitze, die ! Menschen mit ihrer hastenden Thätigkeit, mit all den Phan- ! tomen, denen sie nachjagen, um dercnwillen sie sich hassen, ! beneiden, anfeinden — das verschwindet alles aus dein Gedächtniß. Hier fühlt man sich als Mensch, als denkendes, empfindendes Wesen, das fähig ist, die Größe und Pracht der i Werke des ewigen Schöpfers zu würdigen, sich ihrer Schönheit zu freuen. — ! Nachdem ich mich gelabt an dem Anblick der Natur und ! mit den kleinen schönen Alpenblumenkindern mich bekannt ! gemacht hatte, stiegen wir wieder zur Hütte herab. Der ^ Morgenimbiß schmeckte nach einer so frühen Strapatze vor- l trefflich, und schon nach wenig Stnnden Nicdersteigens betraten wir wieder das Nowl solilml« des Urschitz. (Fortsetzung folgt.) S'agen der S'lovenen. IV. In der altslavischen Mythologie wird erzählt, daß die ^ höchste Gottheit einst zur Erde herabgestiegen sei und sich in ! einen Kukuk verwandelt habe, um dem Volke über des Lebens Ziel und Ende zu wahrsagen. Deßhalb galt es in der Meinung des Volkes als größte Sünde, einen Kukuk zu todten; wer sich dieser Sünde schuldig machte, wurde mit dem Tode bestraft. Daß dieser Vogel die Gabe der Prophezeiung besitze, namentlich, daß er durch seinen Rnf die Zahl der noch zum Leben bestimmten Jahre Demjenigen angebe, welcher seiner Stimme aufmerksam lausche, ist noch immer ein unter dem ^ Wolke hie und da verbreiteter Aberglaube. — Alsdann ist der Kukuk der Vogel des Frühlings, der durch seinen Ruf die Natur aus ihrem Winterschlaf weckt; er ist der Vogel der Freude uud der Lust. Bei den Slaven in Untersteicrmark herrscht noch ein anderer Aberglaube in Bezug auf den Kukuk, welcher namentlich unter den Mädchen sehr verbreitet ist. Da heißt es, kein Mädchen dürfe des Morgens nüchtern den Kukuk schreien hören, wenn es nicht sich der Gefahr aussetzen wollte, in Välde seinen schönsten Schmuck zu verlieren. Aus diesem Grunde geht kein Mädchen nüchtern in den Wald. — Vei den Serben ist der Kukuk kein Vogel der Freude, sondern der Trauer. Die serbische Sage berichtet darüber Fol^ gendes: Der Kukuk war, bevor er Vogel wurde, ein wunderschönes Mädchen, wie kein zweites mehr im Lande zu finden war. Dasselbe hatte einen Bruder, den es über alle Maßen liebte. Da kam der Erbfeind) die Türken fielen in das Land, uud wer da Kraft hatte, eine Waffe zu tragen, der zog hinaus in die Feldschlacht. Unter den Kämpfern war auch der Bruder des Mädchens. Tapfer stritt er für sein Vaterland, für seinen Glauben gegen den schlimmen Feind; allein das Geschick wollte nicht, daß er zur Schwester zurückkehre. Er fiel auf dem Felde der Ehre. Als das die Schwester vernahm, überließ sie sich dem wildesten Schnurze; sie ging hinaus an den Bach und weinte ihre heißen Thränen hinein; sie wehklagte und weinte so lange, bis Gott sich ihrer erbarmte und sie in einen Vogel, in den Kukuk, verwandelte. — Nach einer andern Lesart nahm sie durch ihr Wehklagen und Weinen dem Bruder die Ruhe im Grabe, so daß sie dieser in einen Kukuk verwünschte *). >— Noch eine dritte Version gibt es, nach welcher sie von Gott zur Strafe in einen Kukuk verwandelt wurde, weil sie sich durch den Schinerz und die Verzweiflung zu Lästerungen und Flüchen hinreißen ließ, ähnlich Bürger's Leonoren, von der auch der Geistergesang sagt: Gcduld, Geduld, Wenn's Herz auch bricht; Mit Gott im Himmel hadre nicht! — In Dalmaticn cristirt eine andere Sage. Nach derselben weinten und klagten die beiden Schwestern Lazar's (welcher in der Schlacht auf dem Amselfelde fiel) auf dem Grabe des Helden so lange, bis sie in Kukuke verwandelt wurden. Seit dieser Zeit müssen sie am Samstag der Woche, in welcher das Lazarfcst fällt, zuerst schreien. So ist der Kukuk der Vogel des Weh's und der Trauer. Daher bedeutet auch kukovnU, kukuken, so viel als jammern und wehklagen. In den serbischen Volksliedern gibt es eine Menge Anspielungen, welche den Kukuk in diese Beziehung setzeu; auch die ruthenischen Volkslieder haben deren häufig. Noch heut zu Tage weint das serbische Mädchen, das einen geliebten Bruder verloren hat, so oft es im Lenze zum ersten Mal den Kukuk wieder hört. Verschiedenes Ein Prachtschiff. Thompson und Kompagnie in Glasgow ließen ihren.jüngst erbauten Australienfahrer »11,0 ^uslrn-lasian« zur Probereise nach Alerandria ausstatten. Begonnen am 1. November v. I., konnte er bereits am 1V. Juni letzthin vom Stapel lauseu. Er rechnet 2800 Tonnen Gehalt, mißt 360 Fuß ganze Länge und 42 zwischen Balken. Seine mächtige Schraube wird durch zwei Maschinen von 700 Pferdekraft in 5) Dahcr wohl ncch jctzt die Verwünschung: hol' dich dcr Kukuk! Bewegung gesetzt. Er hat 6 Dampfkessel, 30 Heizöfen und ^ 2 Zylinder von 90 Zoll. Auf dcm Hiitterthcil des Schiffes sind 60 Schlafzimmer errichtet, geräumig und luftig. Der Salon befindet sich tiefer, auf dem Hauptverdcck, und faßt bequem 180 Personen beim Mahl. Es ist kein Schiff mehr, es ist eine Wohnstätte für eine ganze Kolonie. Die Mannschaft ^ wird aus 140 Personen bestehen. Außerdem sind Schlafräume ! für 200 Passagiere erster Klasse und für 60 der zweiten Klasse ' gebaut, mit einem zweiten Salon für diese letztcrn auf dem Vorderthcil. Alle Schlafzimmer sind erleuchtet, doch so, daß z die Reisenden das Licht nicht erreichen können, und alle Feuers- ! gefahr für das Fahrzeug entfernt bleibt. Sieben Badezimmer > sind eingerichtet, und 21 jener Räume, deren Namen unsere Leser errathen müssen. Daß mit solchen Verhältnissen der Verzehrenden die Vorsorge für die Unterhaltungsmittel gleichen Schritt geht, brauchen wir kaum zu bemerken. Alles hat seinen besondern Vewahrnngsort: Ware, Proviant, Geld, Pulver, alles in verzinkten wasserdichten Behältern. Für Trinkwasser z besteht ein Behälter von 30 Tonnen, was sogar überflüssig, da da? Schiff mit einer Destillerie versehen ist, die täglich 2600 Gallonen Secwasser entsalzen kann. Für warmes Wasser, zum Waschen und Baden, ist übermäßig Fürsorge getragen, und ein fernerer Raum hat die Bestimmung, 430 Tonnen Wasser aufzunehmen als Ballast, sobald der Kohlenvorrath abnimmt und das Schiff fortschreitend erleichtert wird. Zwei Kühe sind für den Milchvorrath, 120 Schafe, 36 Schweine und 100 Dutzend Hühner für die Nahrung vorhanden, abgesehen, ver- ! steht sich, von der gewöhnlichen Quantität trockenen und gesalzenen Fleisches) und da es heiß sein kann während der Ueberfahrt nach den Antipoden, so wird ein eigener Eiskeller mit 19 Tonne» gefrorncn Wassers gefüllt. Der Schiffsraum ist ! nach Art des „Great Eastern" durch eiserne Wände in 6—7 z Stnbcn abgetheilt, gleichfalls wasserdicht. Ein Telegraph hilft, dem Kapitän zur Grthcilung der Befehle in schwierigen Mo- ^ menten. Sieben Bote, darunter 4 Rettungsböte, mit allen ! Verbesserungen der Mechanik zur Herablassung, und 4 Kutter ! sind sür Zufälle unvorhergesehener Gefahr. Am 12. Sept. ! sollte der »^U8tl-nll,8Üm« seinen ersten Ausflug nach Aleran- ! dria unternehmen, und, wenn dieser glücklich abläuft, alsbald nach Australien steuern. Seine Erbauungskösten betragen etwa ^ N0.000 Pfd. St. Gine lebende Uhr. Nach Art der Botaniker, welche eine Flora-Uhr konstruirten, hat ein Jäger eine ornithologische Uhr aufgestellt, indem er die Stunden des Erwachens und des Gesanges gewisser Vögel verzeichnete. Das Signal gibt der „Buchfink," der von allen Vögeln am frühesten aufsteht. Sein Gesang eilt der Morgenröthe voran und laßt sich von I V« bis, 2 Uhr Morgens hören. Nach ihm, von 2 bis halb 3 Uhr erwacht der „Mönch" und läßt seinen Gesang ertönen, welcher jenem der Nachtigall gleichkommen würde, wenn er nicht so kurz wäre. Von 2Vo bis 3 Uhr hört man den Schlag der Wachtel, der Freundin unglücklicher Schuldner. Von 3 bis 3l/. Uhr läßt die Grasmücke ihre Melodien erschallen. Von 3^ bis 4 Uhr kömmt die schwarze Amsel, der Spottvogcl einiger Gegenden, die alle Weisen so gut nachpfeift, daß Herr Dureau de la Malle allen Amseln eines Kantons die „Marseillaise" singen machte, indem er eine Amsel losließ, welcher er sie gelehrt hatte. Von 4 bis 4^ Uhr läßt sich die Stimme der Lerche hören. Von 4^ bis 5 Uhr ertönt der lockende Gesang der schwarzköpfigen Meise. Von 6 bis 5^ Uhr erwacht der Sperling, dieser geflügelte Gassenjunge, und beginnt mit seinem Zirpen. Interessanter Fund. Man meldet der „Attg. Ztg." aus Bologna vom 24. August: Verflossene Woche wurde bei den zn der neuen Eisenbahnbrücke über den Nenofluß stattfindenden Ausgrabungen eine bedeutende Anzahl wohlerhaltener alter Goldmünzen von verschiedenem Gepräge imd sehr seltener Art gefunden. Ungefähr in der Tiefe von 4 Meter, in Mitte des Flußbettes, stieß man auf eine Schicht schwarzer Kieselerde, und in einem Raum von 3 Meter Länge und 1 ^ Meter Breite fand man über hundert dieser alten Goldmünzen zerstreut. Einige davon sind von dreieckiger und viereckiger Form; die meisten tragen das Gepräge des vierten Jahrhunderts. Die dortigen Archäologen schließen daraus, daß zur Zeit der Invasion der Völkerwanderung irgend ein mächtiger Anführer dieser wilden Horden in dem Fliißbett des reißenden Bcrgstroms begraben und diese Münzen dem Leichnam beigefügt worden seien. Die sogenannte „Schenk Vtarie« ist eine den Wienern wohlbekannte Person. Man beschenkt die Arme die nie anspricht, sondern nur „anblickt," gerne, und selbst'dcm Fremden müßte die hol^, magere, in Allem absonderliche Gestalt auffallen, wenn sie ihm begegnen sollte. Die „Gerichtshalle" erzählt die Geschichte der armen „Schenk-Marie," wie folgt: „Das Volk nennt die Arme die „Schenk-Marie," und zwar passend genug, da sie von der seltsamen Thorheit besessen ist, Alles, was man ihr gibt, weiter zu geben. Vor etwa zehn, Jahren hieß sie die schöne Marie. Ein junger reicher Mann verliebte sich in sie und erwarb ihre ganze Herzeusneigung. Hr gab sich als einfacher Handwerker aus, bethörte sie, und als das Unglück geschehen war, erklärte er ihr, er könne sie nicht heiraten, seiner Stellung, seiner Verwandten wegen, aber seine Geliebte solle sie bleiben, bis sie seiner überdrüssig würde. Marie weinte viel und behauptete, er habe sie niemals geliebt. Kurze Zeit darauf kündigte sich in ihr, nebst einer bcklagens-werthen Theilnahmslosigkeü, die absonderliche Manie an, welche sie seither nicht mehr verließ. Der jun^ge Mann, dem sein Unrecht erst an den Folgen desselben in seiner ganzen Schärfe deutlich wurde, überhäufte sie mit Geschenken und suchte in dieser Weise sein Gewissen zu entlasten. Allein, so viel er auch geben mochte, es reichte nie. Je mehr er ihr schenkte, desto weniger hatte sie. — Die Möbel ihres Zimmers, die Kleider ! vom Leibe, die Speisen vom Tische gab sie hin. Im Uebrigen lenksam, wie ein willenloses Kind war sie bis zur Halsstörrig-keit eigensinnig in dem Gelüste zu schenken. Es half keine Vorsicht, kein Zwang gcaen diesen Wahnsinn. Die schöne Marie lastete wie ein Fluch auf dem Leben des jungen Mannes. — > Er machte sich, nachdem er Vieles gelitten, von ihr los, und bestimmte ihr d^' Zinsen eines kleinen Kapitals für ihren ^ Unterhalt. Aber sie verschenkt auch dieß, so wie Alles, was i mildthätige Herzen ihr zukommen lassen, und soll es uns nicht j wundern, eines Tages zn hören: die „Schenk-Marie" ist Hun-^ gers gestorben." Druck und Vcrlag von Ign. v. Kleinmayr A F. Vambcrg i>i Laibach. — Verantwortliche- Ncdactcur: F. Vamberg.