IV. Jahrgang. Nr. 61. -^ Zeitschrift str vaterländische Interessen. Erscheint jeden Dinstag und Freitag und kostet! Insertionsgebühren: Für die Llpoliige Peiit-Zeile oder deren Raum Mit der Post: Für Laibach summt Zustellung: bei Imaliger Einschaltung 8 kr., 2 Mal 8 fr., 3 Mal 10 fr. Ganzjährig fi, 6.— Ganzjährig fl. 5,— Stempel jedes Mal 30 kr. Halbjährig „ 3.— Halbjährig , 2.50 Inserate übernimmt Haasenstein sf Vogler in Wien, Wollzeilc 9, Einzelne Nummer 5 kr. Hamburg, Berlin, Leipzig, Franlfurt a/M., Basel. Die Redaktion befindet sich am Hauptplatz, Nr. t«, II. Stock. Geldsendungen find zu richten an den Eigenthüme r des Blattes. Die Administration in Ottokar Klerr's Buchhandlung Manuskripte werde» nicht zurückgesendet, anonyme Mitthcilnngen «ictt Hauptplatz, Nr. 313. berücksichtiget. Laibach, Freitag am 30. Juli 1869. Zur Charakteristik unserer Teutschthiimler. IV. I m letzten Artikel haben wir den Rückhalt lonstatirt, den un­ sere „Sogenannten" an der Regierung finden, wenn es gilt, den Bestrebungen der Nationalen hinderlich in den Weg zu treten; dieser zeigt sich wieder in allerjüngster Zeit gelegentlich der Wahle n für die Laibacher Handels- und Gewerbekammer. Aus den meisten bedeutenderen Orten des Landes laufen über­ einstimmende Berichte über das eigenthiimliche Vorgehen einzelner k. t. Beamten, welche doch durch diese Wahlen nicht im mindesten betroffen, beeinträchtiget werden, es regnet Proteste, ehe noch das Wahlresultat bekannt ist. Doch damit unsere Leser selbst sich ein Urtheil bilden können, theilen wir aus den uns zugekommenen Nach­richten einiges mit. I m Krainburge r Bezirk scheint der Herr Bezirkshauptmann die Sache als eine ämtliche oder als die seinige aufgefaßt zu haben, denn der Nmtsdiener war zugleich mit einer ausreichenden Menge von Verzeichnissen der Gegenkandidate n ausgerüstet, die er jedem Wähler zurückließ. Diese Zuvorkommenheit wäre zwar unge­wöhnlich, aber sehr löblich, wenn man damit dem ländlichen Wähler, welcher um die Kandidaten verlegen wäre, bloß an die Hand gehen würde, ohne auf seinen Entschluß irgendwie bestimmend einzuwirken, wenn man ihm nämlich die Kandidaten beide r Parteien zur freien Auswahl überlassen würde. Allein in dem besprochenen Falle konnte dieß unmöglich beabsichtiget worden sein, weil der Amtsbote nicht eine einzige Liste der nationalen Kandidaten bei sich führte. Noch auffallender zeigte sich die Agitation der Regierungspartei in Rudolfswert h und Umgegend. Dort ließ ein Bürgermeister dieser Partei durch den Gemeindediener vor der Kirche laut ausru­fen, „derjenige, der eine Wahlliste bekomme, möge sich damit zum Gemeindeamte begeben, wo man ihm die zu wählenden Kandidaten bezeichnen werde;" ja einige glcmbenseifrige Missionäre des Deutsch­tum s suchten durch falsche Vorspiegelungen Wähler zu gewinnen, ihr erfinderisches Genie wußte sie an den wundesten Stellen zu packen, indem einer derselben behauptete, „jene, die jetzt in der Handels­kammer sitzen, seien schuld, daß bei der Tracirung der Unterkrainer Bahn auf Rudolfswerth keine Rücksicht genommen wurde." Das sind natürlich Momente, die bei der Menge ziehen, und mancher schreibt im ersten Aerger die gegnerischen Kandidaten in die Liste oder läßt sie schreiben, weil ihm vorgeschwatzt wird, daß diese alles das wieder gut oder besser machen werden. Wi r müssen annehmen, daß die Re­gierung von diesen Manövern Kenntniß hat; wenn dieselben nicht eingestellt werden, so ist dieß der deutlichste Beweis, daß sie dieselben entweder gerne sieht, oder doch wenigstens ein Auge zudrückt. Die Sporen in diesem Kampfe aber verdienten sich die Beamten des k. k. Sleueramtes in Wippach. Man sah sie ohne Diäten bisher nie in so rastloser Thatigkcit von Or t zu Or t eilen, als nach der Veitheilung der Wahllisten, es schien fast, als kämpften sie um das eigene Sein. Einer dieser Ritter halte, um sicherer zu reussiren, den jedenfalls originellen Einfall, die nationalen Kandidaten für deutfche und umgekehrt auszugeben, und damit der Gemeindediener die beiden Listen leichter unterscheiden tonnte, martirte er mit dem Bleistift die nationalen Kandidaten, welche als die gegnerischen zu figuriren bestimmt waren. Auf diese Art gelang es ihm, die unwis­ senden ländlichen Wähler zu dupiren und einige Listen nach seinem Wunsch zu füllen. Außerdem wurden die Leute noch in den Aemtern bearbeitet, der Schreiber eines in Wippach um „Kapital und In ­ telligenz" sehr verdienten Doktors machte mit fieberhafter Hast Jagd auf Wahlzetteln und entlockte sie Weiber n in Abwesenheit ihrer Männer, natürlich unausgefüllt. Wir fragen: ist dieses Vorgehen, diese Beeinflußung des freien Volkswillens konstitutionell, gesetzlich? Entweder haben die Beamten einen höhern Auftrag, so zu handeln, oder thun sie es in einer ver­kehrten Auffassung ihres Wirkungskreises eigenmächtig. I m ersten Falle wundern wir uns darüber, daß die Listen überhaupt vertheilt werden, wenn man sie dann mit riesiger Kraftanstrengung und An­wendung von allen erdenklichen Mitteln wieder „einheimsen" will. Wozu denn die unnütze Zeitverschwedung? Man fülle die Wahl« zettel mit „genehmen" Kandidaten und lasse sie dann massenweise unterzeichnen. I m zweiten Falle staunen wir über die Kühnheit der Beamten, welche sonst dem über ihnen schwebenden Damoklesschwert der ämtlichen Nasen und Maßregelungen mit ängstlicher Miene zu entfliehen suchen, jetzt aber sich in einer Verdacht erregenden Weise sorglos darunter tummeln. Besteht denn etwa ein geheimes Regle­ment, worin die Beamten angewiesen werden, für die Kandidaten der deutschthümelnden Partei Propaganda zu machen, sich thunlichst an den Agitationen zu betheiligen? Uns ist davon nichts bekannt, womit aber keineswegs gesagt sein will , daß geheime Zirkulare dießbezüglich nicht hätten versendet werden tonnen; die Wahlbewegungen der letzten Periode in Böh ­men haben einige ähnlich interessante Schriftstücke geboren, warum sollte dieß bei uns nicht möglich, nicht wahrscheinlich sein? Gemeinderiithliche Interpellationen. Wir haben die Nummer 166 des „Tagblatt" vom 24. Iult und speziell den lehrreichen Artikel: „Die Beamten im Verfassungs­stllllte" vor uns, dessen Schlußmoment in dem angeblichen Ausspruche eines unserer Führer gipfelt: „Wenn meine Oberstaatsanwälte, Staats­anwälte (vielleicht auch Staatsanwalt-Substitute, — wir bitten diesen Zusatz als individuell zu betrachten) und meine Statthalter mit mir nicht gehen wollen, wer soll denn dann mit mir gehen?" Der Verfasser jenes Artikels macht seine Logik auf eine eigen­thiimliche Weise geltend; er sagt nämlich im Verlaufe feiner Dar­stellung wörtlich: Ma n wende nicht ein, daß in einem konstitutionellen Staate dem Beamten die Freiheit seiner Gesinnung gewahrt bleiben müsse; diesem Prinzipe wird ja dadurch Rechnung gelragen, daß man es jedem Beamten freigestellt hat, den Eid auf die Verfassung zu leisten oder abzulehnen. Dieser Satz klingt ganz wunderbar und anscheinend auch ge­ recht; in der Praxis aber, auf einen auf seinen Gehalt angewiesenen Beamten angewendet, hinkt derselbe bedeutend. Wenn nun z. B. in der später« Zeit das föderalistische Regime doch zum Durchbruch käme und der früher auf die Verfassung be­eidete Beamte aufgefordert würde, eine neue Regierungsform zu be­schwören, oder den Eid abzulehnen, was würden die Beamten, Pro­fessoren und Pensionisten, welche doch den Kern des konstitutionellen Vereines bilden, dieser Alternative gegenüber thun? Vielleicht wie einst Leonidas kämpfend sterben? Wir glauben es nicht! — Das sind sehr kitzliche Dinge für diese Herren, außer einige derselben befänden sich in der glücklichen Lage, zu den gewissen Skadenzen im Koupons­abschneiden zu machen; — der Nachsatz „oder abzulehnen" ist in seinen Konsequenzen fatal, wir versichern, sogar sehr fatal. Doch wir wollen die Sache vorderhand nicht weiter ausspinnen, denn wir haben allen Grund, uns bei unseren politischen Wider­sachern für das uns gemachte Kompliment des Vorschlages nämlich, uns als Kandidaten für die Handelskammer aufzustellen, zu bedanken. Wir sind 40 Jahre alt geworden und haben es bereits zum Kan­didaten für die Laibacher Handels- und Gewerbekammer gebracht. Welche Aussichten! Vielleicht werden wir sogar einmal Sektionschef im Handelsministerium und kommen dann in die Lage, uns mehr oder weniger echtfärbig zu bezeigen. Wir kommen weiter auf den Bericht aus derselben Nummer über die Gemeinderathssitzung vom 23. Juli, Zeile 18 und 59; letzlere lautet: „Dr . Kaltenegger bringt den Uebelstand zur Sprache, daß in der Zündhölzel-Fabrik in der Poljana ein die ganze Umge­bung belästigender penetranter Geruch erzeugt werde, und wünscht deßhalb Abhilfe." Nehmen wir nun diesen Antrag zur unparteiischen Beurthei­lung vor. Feuilleton. Bilder aus der Laibacher Gesellschaft, ii. Ein Ausflug eu lamille. Herr N. ist ein kleiner Beamte, heißt das, sein Gehalt ist klein, er nicht, noch weniger seine Familie, welche bis jetzt sieben weibliche Sprößlinge und zwei Stammhalter zählt. Wir haben die Worte „bis jetzt" ausdrücklich betont, weil nach Jahren die Familie noch weitern Zuwachs erhalten könnte, denn der Major, ein Jugend­freund des genannten Kleinen, findet die Frau mindestens noch passa­bel; und das will viel heißen, wenn man weiß, wie karg Majore mit ihren Lobsprücheu zu sein pflegen. Trotzdem sind drei von den weiblichen Engelchen bereits Engel, ihre Köpfe gerade groß genug, um eine Haube mit Anstand tragen zu können, obwohlsie hartnäckig gegen die Zumuthung Protestiren, als ob sie irgend ein Verlangen darnach trügen. Herr A. ist ein junger Mann, wie es die Auskultanten und Konzipienten bei regelmäßigem Gang der Avancements und dem vorausgesetzten Vorrath an Gehirn fast durchgehenbs zu sein berech­tiget sind. Herr A. bezieht vorläufig nur ein geringes Gehalt — man nennt das, glaube ich, Adjutum —, aber er zählt bereits die Zinsen seines in Aussicht stehenden erhöhetcn Gehaltes mit zu den Einnahmen, obschon sie vorläufig erst nur zur Erhaltung seiner Hoff­nung verwendet werden. Weiters ist Herr A. ein hübscher Mann mit einem zwar kleinen, aber kecken Schnurbart, rabenschwarzem Haar und einer schlanken, nach anderen sogar magern, jedenfalls mit Rück­sicht auf sein Adjutum vortheilhaft gebauten Gestalt, anspruchslosem Benehmen und in seinem Urtheile sehr zurückhaltend, er verschmähet es auch beharrlich, seine Weisheit zur Schau zu tragen, und läßt das Auditorium über diesen Punkt am liebsten im unklaren. Die Familie N. erfreut sich eines untadelhaften Rufes, den selbst A's Bemühungen, der ältesten Tochter zu gefallen, nicht trü­ben können. Der sinnige junge Mann hatte einmal das Glück, dem Gegenstande seiner Aufmerksamkeit auf der Promenade auf das Kleid zu treten; diese ziemlich intime Berührung hatte zur Folge, daß das Fräulein sich zürnend nach dem Schlepptreter umsah, wobei es dessen verlegenes Stottern auf die Vermuthung brachte, der liebenswürdige Mann müsse jedenfalls mehr Geist besitzen, als er hier zu zeigen für gut fand. Seit jenem gelungenen Annäherungsversuche hatte er Die seinerzeit mit Genehmigung der Behörde von der Firma Griesheim und Scheidet gegründete Zündhölzel-Fabrik befindet sich auf der untern Poljana; derzeitiger Besitzer ist F. G. Czap aus Iglau, Verwalter der Assozie Herrn Gustau Czap; das Etablisse­ment verdreifachte durch Vorzüglichkeit seines Fabrikates die Pro­duktion und wird sich noch diesen Sommer vergrößern, um die Fa­brik gegen die Erzeugungsmenge ihrer Vorfahren zu versechsfachen. Wir müssen annehmen, daß Herr Gemeinderath v. Kaltenegger seinen Antrag nicht gehörig überdacht hat, und versuchen den Ge­genstand dem Publikum gegenüber in das gehörige Licht zu setzen. Wir wollen annehmen, daß Herr v. K. einige der österreichi­schen Fabriksplätze kennt, oder vielmehr, daß er sich die Mühe ge­nommen hat, dieselben kennen zu lernen; — Wien, Prag, Brunn, Neichenberg, Iglau, Bielitz, Leipa u. f. w. u. s. w. haben Schaf- und Baumwollen-, Leinen- und Leder-, Kerzen- und Seifen-Fabriken, Unschlitt-Siedereien, Färbereien und Walkmühlen in der Mitte der Stadt; wir sind bereit, diese Thatsachen ausführlich zu beleuchten und zu beweisen. Wie kommt nun Herr v. K. dazu, den Gemeinderath um Abhilfe für die angeblich penetrant riechende Fabrik der Dilta Czap zu interpelliren und um Abhilfe zu ersuchen? Es ist wahr, daß mit Schwefelsaure präpanrtes Minium und aufgelöster Schwefel nicht nach Veilchen riechen, aber das Etablisse­ment ist eben eine Zündhölzchen-Fabrik, hat wie allerorts ihre be­hördliche Konzession, liegt auf einer Anhöhe am alleräußersten Ende der Poljanavorstadt und hat ihren Fabritsarzt, welcher dem Ge­meinderath die nöthigen Auskünfte über das in derselben herrschende Sllnitätswesen zu geben in der Lage ist. Welcher Gemeinderath beklagt sich z. B. in Idria, Eibiswald, Pl-ibram, Radaboj, u. s. w. über Schwefelgeruch oder Zinnober­fabriks-Ausdünstungen? sie öfters gesehen und auch ihr Gelegenheit gegeben, seine Rücken­ansicht auf der Promenade zu genießen, da er, so oft es fein Beruf erlaubte, vor ihr wie die Wolke vor den Israeliten einherschwebte; jeder weitere Annäherungsversuch wie der erste, aber mißlang, weil die Schöne, sobald sie ihn auf ihren Fersen ahnte, ihr Kleid in die Höhe zog. I n diesem wechselseitigen Einverständnisse lebten und prome­nirten die beiden bis zum heutigen Tage. Der heutige Tag ist zwar kein außergewöhnlicher, das Datum nicht einmal von historischer Bedeutung, es wurde an diesem Tage nicht einmal eine große Schlacht verloren; allein in der Chronik dieser Familie ziert er die erste Seite, denn vor einundzwanzig Jahren hatte an diesem Tage Frau N. sich in Hymens Bande schlagen lassen, Grund genug, daß man den Tag durch eine Land­partie zu feiern beschloß. Alles ist zum Auszuge gerüstet, die Töchter mit Fächern und Sonnenschirmen bewaffnet amfitheatralisch in Schlachtordnung aufge­stellt, die beiden kleinen Stammhalter als Avant-, die Eltern als Arriere-Garde; der Zug setzt sich in Bewegung einem nahen Gast-Hause in der Umgebung zu. Man ist ohne besondere Zwischenfälle an Ort und Stelle an­gelangt und nimmt im Freien bei einem Tische Platz, den die dienst­fertige ländliche Kellnerin unter einen schattenreichen Baum gestellt. Die junge Damenwelt labt sich vorderhand, wie es sittigen Jung­frauen geziemt, mit einem Glas Wasser, während Papa ein Seitel­chen schlürft und Mama, die als kundige Hausfrau den geheimen Wunsch ihres Gemals errathen, in der Küche Weisungen gibt, nach welcher Art zubereitet Hähndel am besten schmecken. Die Umgebung ist sehenswerth, bei jedem Schritt bietet sich dem Auge eine neue Ueberraschung: im Hintergrunde der Viehstall, dessen offene Thüren das ganze Innere dem Auge blosstellen, seitwärts der Schweinstall mit dem offenen Abzugskanal, knapp vor dem Hause ein hochaufgeworfener, soeben wieder vergrößerter Düngerhaufen, dessen Abflußgraben hart an dem Tische vorbei gezogen und halb gefüllt ist und sich in einem Gebüsch von Brennesseln und anderen Feuchtigkeit liebenden Zierpflanzen verliert. Den Vordergrund begrenzt das Nachbarhaus mit ähnlich lieblicher Einfassung. Sei es, daß die Familie für Reize dieser Art keinen Sinn hatte, sei es, daß sie durch eine kleine Bewegung den Appetit wach­rufen wollte, sie zog es vor, einen Spaziergang in's nahe Wäldchen zu machen. Kaum war sie hinter den Bäumen verschwunden, so Wir wollen annehmen, daß eine schwefelhaltige Therme beim Gaskandelaber in der Sternallee so recht mächtig herausbrechen würde, wir wollten keinem Gemeinderathe gerathen haben, um Ab­hilfe vielleicht gar totale Eindämmung dieser Quelle wegen belä­stigendem Geruch das Stadtverordneten-Kollegium Laibachs zu interpelliren; und was ist der Geruch einer solchen Therme gegen jenen einer 700 Schritte entfernten Zündhölzchen-Fabrik, welcher sich obendrein nur dann einstellt, wenn der Wind von Nordost blast! Wir werden an diesem streng unparteiischen Herrn Gemeinde­rath ganz irre und wissen nicht, wo wir den Grund dieser übereilten Kundgebung suchen sollen. Also verträgt sich der neue konstitutionelle, um jeden Preis nach vorwärts strebende Geist mit diesem Amendement? Wir werden dem Herrn Czap den Rath ertheilen, auf der Spitze des Grintovec eine Arbeitertolonie zu errichten und daselbst eine Zündhölzchen-Fabrik zu gründen, obwohl wir unserer Sache nicht sicher sind, baß jenseits der Karawanken, vielleicht in Völkermarkt oder Klagenfurt, ein diffiziller Gemeinderath sein Veto dagegen einlegt. Nehmen wir einen noch näher liegenden Fall. Die Gesellschaft unserer großen Papier-Fabriken Iosefsthal, Kaltenbrunn und Gör­tschach errichtet aus der Zuckerraffinerie oder in der allernächsten Nachbarschaft eine Filial-Fabrik; würde sich Herr v. K. wegen Ab­hilfe des Torf-, Steinkohlen- oder Schwefelsäure- und Chlorkalk-Geruches auch an den Gemeinderath wenden? Oder noch besser, es geschehe das, was wir in längstens zehn Jahren zuverlässig erwar­ten, daß die hiesigen Zuckerfabriksräume der ursprünglichen Bestim­mung zurückgegeben werden; wird in diesem Falle Herr v. K. eben­falls seine denkwürdige Interpellation vorzubringen die Lust haben? Herr v. K. hätte beherzigen sollen, daß außer Beamten auch andere, wahrscheinlich minder nützliche Klassen von Menschen den tauchte hinter der Ecke das Gesicht unseres schmachtenden Kourma­chers hervor. „ O ich ahnte es," begann er leise, „daß ich sie finden werde. Heute oder nie," fuhr er dann entschlossen fort, „wenn ich nur wüßte, was für Gesinnungen sie gegen mich hegt. — Halt, ich Hab es!" rief er plötzlich, sprang auf den Baum zu, unter welchem der mit Wassergläsern bedeckte Tisch stand, und ist als Mitglied des deut­schen Turnvereines bald ungesehen in der Baumkrone verschwunden. Nach kurzer Zeit kehrt die Familie zurück und nimmt um den Tisch herum Platz. Am Anzüge der beiden kleinen Stammhalter war im Wäldchen eine kleine Veränderung vorgegangen, die lichten Bein­kleider zeigen nämlich bläuliche Schattirungen, offenbar frische Ab­drücke durch die Last des Leibes gepreßter Heidelbeeren; der Papa legt gegen derlei eigenmächtige Versuche im Färben von Stoffen für die Hinkunft nachdrücklichst Verwahrung ein, läßt es aber mit Rück­ficht auf die Wichtigkeit des heutigen Festes dabei bewenden. Die Backhühner sind aufgetragen und sammt den unvermeidlichen mütterlichen Ermahnungen bald überwunden. Nun beginnt bei eifri­gem Stricken das gewöhnliche Geplauder. „Papa", fügt Elvira, die älteste von den sieben und zugleich die stille Flamme des Lauschers am Baume, „warst D u auch jemals Auskultant?" „Ich wollte, daß ich's gewesen wäre; dann wäre ich jetzt nicht Subalternbeamte." „Und hast D u auch" — hier stockte sie. „Nun, was denn?" „Den Damen Kleider getreten?" ergänzte Laura, die zweite, die Frage ihrer Schwester. I n dem Wipfel des Baumes vernahm man ein Rauschen. „Warum denn das Wort „auch?" fragte der Vater, „hat es denn jemand überhaupt gethan?" „Aha, der tückische Verehrer Elvirens," lachte Aurora, die dritte, etwas schnippisch. Das Rauschen am Baume wurde stärker. „Der schweigsame," setzte Laura hinzu. „Der verlegene." „Nenne ihn lieber so, wie er ist, einen, der das Pulver nicht erfunden hat." „Ist höchstens eine Unterlassungssünde. Stille Wasser sind tief." „Aber unheimlich und langweilig. Dieser Auskultant" — Weiter kam die Kritikerin nicht, denn auf dem Baume vernahm man ein sehr starkes Rauschen, wie von einem das Dickicht durch­brechenden Wilde, das die Aufmerksamkeit aller auf sich zog. Bald Staat bevölkern und der Ordnung halber Steuern zahlen; er wolle berücksichtigen, daß es keinen Staat gibt, der bloß Beamten zu seinen Unterthanen zählt und daß die Zeit lange vorüber ist, wo diese Klasse das Gerüste des Staates gebildet hat. Uns thut diese Polemil wahrhaftig weh, da wir zu den gemä­ßigten gehören, aber wir werden nicht anstehen, unsere Anschauungen gründlich darzulegen, und wir glauben aus dieser Affaire mit dem Applaus der Majorität hervorzugehen. So haben wir uns das Wirken eines verfassungsfreundlichen Gemeinderathes nicht gedacht, wir werden uns diese gemachte Erfahrung notiren und in den wei­teren Konsequenzen zu verwerthen wissen. (Schluß folgt.) Tagesneuigkeiten. Lllibllch, 30. Juli. — (Berichtigung.) Die Wahl des Landtagsllbgeordneten für die Umgebung Laibach — Oberlaibach findet nicht, wie es im Wahlaufrufe („Triglav" Nr. 60, Seite 7) irrthümlich heißt, morgen 31. d. M. Nachmittag, sondern Vormittag statt. — (Taborfotografie.) Unser renomirter Fotograf Herr E. Pogorelc hat soeben das Gedenkbild an den Tabor in ViL­marje vollendet. I n der Mitte des sehr gelungenen Tableaus er­scheint die Versammlung mit der Rednerbühne und dem Großkah­lenberge im Hintergrunde, über dem Ganzen prangt der Reichsadler, auf einer Seite mit der Aufschrift ,,N« uäajmo »«!" auf der an­dern „8Io2iiiw 86!" versehen. Unterhalb sieht man das Wappen von Krain mit der Aufschrift »Mvila 8IovsrHa!" Die Einfassung des Bildes ist ausgestattet mit den getroffenen Fotografien der Red­ner. Das Gedenkbild ist äußerst elegant und geschmackvoll ausge­führt und der Preis — 1 fl. ü. W. — so niedrig gestellt, daß dadurch jedem Patrioten die Möglichkeit geboten wird, sich ein ge­ lichteten sich die Aeste, ein menschlicher Körper wurde sichtbar, der im Falle vergeblich nach Haltpunkten haschte und urplötzlich neben dem Familienvater auf den grasigen Boden fiel, dabei dessen Pfeife, die er für den letzten Ast gehalten haben mochte, mitnehmend. Bei dieser überraschenden Entwickelung der verworrenen Situa­tion am Baume kreischte alles auf und suchte zu entfliehen. Als sich jedoch die herabgefallene Thierart als der Spezies Mensch angehörig entpuppte, wich das Grauen und da es sich weiters herausstellte, daß sie unter die Klasse der Auskultanten zu zählen wäre, siegte die Neugierde, obschon alle ein Gefühl der Beschämung wegen angethanen Unrechtes beschlich. Das Staunen legte sich, Herr A. stand wieder auf den Beinen jedoch keines Wortes mächtig. Endlich begann Herr N. : „Mein Herr, sie zeigen eine wunderbare Geschicklichkeit, Pfeifen­röhren von der Höhe herab zu erhaschen." Dabei zeigte er auf sein Pfeifenrohr, das der junge Mann noch immer in der Hand hielt, und fuhr dann fort: „Oder ist das etwa die Art, in der Sie sich Familien vorzustellen pflegen?" Herr A. spielte vor Verlegenheit alle Farben. „Hehe!" begann er stotternd, „entschuldigen Sie — ich — ich wollte bloß — eine Visite — machen — bitte tausendmal um Ver­gebung" — „I n welcher Absicht?" forschte Herr N. weiter. „Ohne Bedeutung — he — ich — ich wollte nur, — das heißt, eigentlich, sehr wichtig — ich wollte — ich bitte um die Hand des Fräuleins — E — Elvira." „So ! Und so schnell! I n einer ähnlichen Angelegenheit darf man nicht mit der Thü r in's Haus fallen, noch weniger aber in persönlicher Substanz vo m Baume . Belieben sie daher nur ruhig wieder auf den Baum zu steigen, und wenn meine Tochter ihnen gewogen ist, wird sie wieder zum Tisch kommen, und bann mögen sie in Gottesnamen — wieder vom Baume fallen. Ich empfehle mich." Der unglückliche stürzt fort. I n seiner Wohnung angelangt, findet er eine Schneiderrechnung auf dem Tische, die ihn derartig in Harnisch bringt, daß er dem Schneider einen möglichst groben Brief schreibt. Tags darauf findet er, nachdem er sich gesammelt, es für unvermeidlich, sich bei der Familie wegen des gestrigen Intermezzo'« zu entschuldigen, schreibt ein thunlichst höfliches Billet und schickt es an den — Schneider, während das gestern verfaßte an Herrn N. adressirt wird. Unter so bewandten Umständen wird allem Anscheine nach die Gelegenheit, noch einmal vom Baume zu fallen, nicht mehr kommen. wiß kostbares Andenken an den größten Tabor in den slovenischen Ländern anzuschaffen. — (An der Musikschule der filharmonischen Ge­sellschaft) fanden vorigen Samstag Nachmittags fünf Uhr die Prü­fungen statt. Darüber ist weiter nichts zu bemerken. Allein diesei Umstand halte die merkwürdige Thatsache zur Folge, daß die l. k. Grundlasten-Ablösungs- und Regulirungs-Landeskommission, die sog. „Unaus­sprechliche", es für gut fand, aus diesem Anlaße schon vor halb fünf Uhr ihre sämmtlichen Vureaux, das Einreichungsprotokoll nicht ausgenommen, zu schließen. Solch >— grenzenloser Kunstsinn ist geradezu rührend. — (Zwei interessante Redakteure) geben dem in Wien jetzt tagenden deutschen Journalisten-Kongresse, wie man uns aus Wien schreibt, eine besondere Weihe; diese Honora­tioren der deutsch-liberalen Journalistik sind Herr Ottomar Bam­berg, „Redakteur" (?) des „Tagblatt", und Herr Dimitz, Re­dakteur der „Laibacher Zeitung". Elsterer ist in der Journalistik nur als Schild bekannt, hinter welchem andere Kräfte, die vorläufig nicht als Journalisten sich demaskiren wollen, ihr Unwefen treiben; daß er sich zu einer höhein Bedeutung emporschwingen würde, davon sind vorderhand noch keine Anzeichen da. Der zweite debütirt zwar schon längere Zeit als faktischer, obwohl nicht unbeschränkter — Schneider der „Laibacher Zeitung" mit wenig durchschlagendem Er­folg und sitzt mit vieler Würde auf dem freien Sperrsitz im Theater, er tonnte sich aber bisher dennoch nicht entschließen, die Welt durch irgend ein klassisches Werk in Staunen zu versetzen, wenn man nämlich die wirklich „klassische" Petition konstitutionellen An­denkens abstrahirt, welche von der „ungebildeten" Landtagsmajorität so wenig „klassisch" befunden wurde, daß sie — 26 aet«, wanderte; die barbarischen, für literarischen Ohrenschmaus wenig zugänglichen Nationalen lehnten sogar die Vorlesung eines Werkes ab, das würdig war, um Geld gehört zu werden, dann aber wenigstens in der „Lai­bacher Zeitung" gedruckt um Geld an Mann gebracht wurde. Demnach ist die Frage, was denn die beiden „Redakteure" in Wien, und speziell bei dem Iournalistentage wohl suchen mögen und wo­mit sie sich dort legitimiren werden, eine Preisaufgabe. Vielleicht lernt Herr Dimitz dort die Methode, wie man Zeitungen mit noch weniger Zeitaufwand, als ihm zur Verfügung steht, schneidet, und Herr Bamberg läßt eine Rede vom Stappel, wie man Journalist und Redakteur wird, ohne einen Federstrich zu thun, ohne die unter seiner Firma erschienenen Artikel gelesen und — verstanden zu haben. Einen andern Zweck dieser Reise können wir nicht leicht er­gründen, denn die Annahme, die beiden Koryfäen des Zeitungs­schreibens wären nur des Banketts halber nach Wien gezogen, welches den Heroen die Stadt zum besten gab, wäre denn doch etwas zu — kühn. — (Zeitgemäße Anfrage an das „Tagblatt" und die „Laibacher Zeitung".) Beim Iournalistenbankett in Wien brachte der Minister Dr. Giskra einen Toast der öffentlichen Meinun g und allen, welche sie vertreten. Galt dieser Toast auch jenen Journalisten, welche die öffentliche Meinung — treten? — (Zur Gleichberechtigung) bringt „Slov. Narod" sehr drastische Illustrationen. Der Redakteur des Blattes Herr A. Tomsi ö wurde, da er auf deutsche Vorladungen keine Rücksicht nahm, trotzdem dieselben ihm auf die Thüre angenagelt worden waren, durch den Gerichtsdiener zwangsweife zum Untersuchungs­richter geführt. Hier bestand er auf feinem Rechte, als flovenifche Partei slovenisch vernommen zu werden, was einige heftige Sze­nen zwischen ihm und dem Untersuchungsrichter herbeiführte. Da sich jedoch Herr T. hartnäckig weigerte, auf deutsche Fragen zu antwor­ten, so kam endlich ein slov enisch es Protokoll zu Stande, welches ein Unikum seltener Art fein foll und auf des Untersuchungsrichters slovenische Sprache ein sehr trübes Licht wirft. Der Vorgeführte will gegen die gewaltthätige Vorführungsweise Protest einlegen. — Und dennoch ist dem Ministerium kein Fall bekannt, wo man der sprach­lichen Gleichberechtigung im Amte nicht Rechnung tragen würde! — (Am Verfassungstllge), welchen die „Deutschen" am 8. August in Cill i veranstalten wollen, beabsichtigen auch die slo­venischen Bewohner Steiermark teilzunehmen, um auch dort ihre Wünsche zu manifestircn. Demnach durfte der „Tabor" eine Wich­tigkeit erlangen, welche vie Arrangeure sich wohl schwerlich träumen ließen. Verstorbene. Den 18. Juli. Dem Hin. Vinzenz Slodler, k, t, Verwalter, sei» Kind Kalolina, alt 2 Iah« und 6 Monate, im Zwangsarbeitshause Nr. 47, o» Masern, — Dem Josef Perdan, Damvfmüllcr, sein Kind Antonia, alt 7 Wochen, in der Polanavorstllbt Nr. 34, an Fraisen. — Dem Herrn Lukas Mbe, Gastgeber, seine Stieftochter, Julian« Rutter, alt I?'/, Jahre, in der Kapuzinervorftadt Nr. 25, an der Lungentuberkulose. — Dem Herrn Heinrich Novaf, Haus­und Reolitätcnbesitzer, sein Sohn Heinrich, alt iL Jahre, in der Kapuziner-Vorstadt Nr. 86, an der Rückenmarklahmung, Den 19. Juli. Dem Hrn, Johann Tauler, Greisler, sein Kind Helena, alt I Monate und 6 Tage, in der TirnauVoiftadt Nr. 9, am Durchfalle. — Jakob Voden, Schmied, alt 44 Jahre, im Zivilspital, an der Herzlähmung. Der Frau Theresia Rap, Hüblersgattin, ihr Kind Anna, alt 2>/, Tage, im Ziuilspital, an Schwäche, in Folge der Fehlgeburt. — Dem Herrn Johann Peyzei, k. k. Oberlieutenant, sein Kind Mktorie, alt 1 V, Jahre, in der Et. Petersvorftalt Nr. 157, an der Lungenentzündung. Den 20. Juli. Dem Herrn Ferdinand Ludwig, Handelsmann, seine Frau Autonia, alt 49 Jahre, in der Stadt Nr. 3l2, an der Gehirnlühmung. Johann Pichler, Keuschler, alt 47 Jahre, im Zwilspital, an der Lungen­tuberkulose. z Zahnärztliches Etablissement ß 3 59—6. des 3 3 HeimaNN'schcs Haus nächst der Hradetzkybrücke. i A Die schönsten und besten XätlUb und I>ultälNeK- oder A D 82N8ßelli88e ohne Haken und Klammern, das vorzüglichste, ll L was die Zahntechnik zu leisten im Stande ist, weiden daselbst » « verfertigt und klombiiuußbu in 6uI U Daselbst Keüiiäst »ioii auob 6is ll