NN3R2NNN2FN Kr Kunst, Wissenschaft und geselliges Leben. Nedigirt von Franz Hermann von Hermannsthal. 222« V^23N<3H>Ä<2, ^ 22. Montag am H.3. Juli 184V. Von dieser Zeitschrift erscheine!! wöchentlich zwei Nummern, jedes Mal ein halber Vollen. Du?«st ,nn rorto-rreier Zusendung ganzjnbrig », dalbillbllg , sl. s.M., und wird oalbjahlig ««raus, bezahlt. Alle l. k. Postämter nehmen Pränumeration an. In Laibach pranumeriri maii beim Verleger am siaan, Nr. m ersten Vlocte. Einem Freunde. stehst, wie Zar so bettelarm D u früherhi» gewesen, Hält dich «oll Liebe, treu nnd war,», Umarmt ein holdes Wesen. Kann eine groß're Eiligkeit Das Erdendasein geben? D'runi schütz' als Mann zu jeder Zeit Der holden Blume Leben. Wenn stch im Sturme graus und wild Des Schicksals Woge» Ihürmcn, Muß deine Hand als fester Schild Die Theuerc beschirmen. Daß dich «oll wahrer Innigfeit Ei,i andres Sei» umranke, Ist deinem Herzen jederzeit Ein göttlicher Gedanke. — Vielleicht nach Jahren wird dir einst Die bange Stunde fonmie» , , Da du a« ihrem Lager weinst» Die dir der Tod genommen. Unglücklich bist du wohl, d» sie» Die dich geliebt, enteilet; Unglücklicher ist doch, der nie I»> Paradies geweitet. lud. G » llfr. Neu »> a „ n. Der Snvestrom in Krain. Topographisch-statistisch dargestellt »»» Kar l P rennet . (Fortsetzung.) Indessen hängt der Wohlstand des Ortes selbst von der stärkeren oder minderen Savebefchiffung ab. I n den Jahren, wo die k. k. Armeen in Italien standen, und nebst de« Privat-Getreidetransporten auch viele Aerarial-Getrei­delieferungen wegen der bedeutenden Abkürzung des Trans­portes auf dem Savestrome Statt fanden, war der Ver­dienst der Schiffleute auch größer; gegenwärtig entspringt derselbe aus Waaren-, Wein- und Getreide-Transporten, welch' letztere beinahe das ganze Jahr hindurch, wenn es anders der Wasserstand zuläßr, vorkommen. Littay wurde vom Kaiser Ferdinand i. zum Markte erhoben, es erhielt landesfürstliche Freiheiten auf 5 Jahrmärkte. Die Jahr­markts-.Privilegien erhielten von weiland Seiner Majestät Kaiser Franz i. ihre Erneuerung. Der Name Littay (in der Landessprache l/»ti,n) ist der Etymologie nach in dem lateinischen l.ilu» (Gestade) zu suchen, und nachdem geschichtlich gewiß ist, daß zu de» «Zeiten der Römer, die Save ebenfalls schon beschifft wur­de, so kann man mit Grund schließen, daß in jener Pe­riode auch schon das l.ttu» (Littay) ein von den Sauefah­rern bewohnter oder in der damaligen Savebeschiffung bekannter Landungsplatz gewesen, und wohl der älteste be­ kannte Ort der ganzen dortigen Umgebung fein mag. Von Littay abwärts passirt man die Felder des Mark­tes, den niedlichen Hof Gerbin, den mit mehren Schlös­sern versehenen, der Sage nach den hier auf Blei , sogar auf Gold arbeitenden Bergknappen in der Vorzeit den Ursprung verdankenden, mit einer Decanatspfarre versehe­nen, nicht unbedeutenden Ort St. Martin bei Littay, de« St. Märtnerboden bei dem Dorf« Raan («reß), und gelangt nach «»lijek. Eine nähere Beschreibung des St . Märcnerbodens, seiner Schlösser und Orcschaften, gedenke ich in meiner vorhabenden Topographie des Bezirkes Sit­tich zu liefern; hier bemerke ich nur, daß von Littay so« wohl als auch von dem Orte Raan Bezirksseitenstraßen über St. Martin bei Littay und Wagensberg an die Agra­mer Commercialstraße führen, und von St. Martin bei Lit­tay eine andere Bezirksstraße über den bedeutenden Berg bei Trebeleu durch das Veßniz Thal und Sostru nach der Hauptstadt geht, welche jedoch nicht unter die guten Stras­sen gehört. Bei iNlMM, wo die Ueberfuhr nach Ponovitsch sich befindet, welche die Verbindung des oberen und unteren Landeskreises unterhält, steht bedeutenderes Gebirge bloß an dem linken Ufer der Save; an dem von dem Schmelz-Berg- und Hammerwerle Passiek herabfließenden Bache gleiches Namens stehenden Dorfe Unter-l.uuz ist dasselbe zwar etwas offner und freier, schließt stch aber unter dem 8 V ——» erwähnten Dorfe bald wieder, und von da verengen sich die beiden Ufer immer mehr und mehr, his man in der Gegend zwischen Neuko und nsrilni» die engste Strecke zwischen schroffen Felsenbergen, einen wahrhaft schauerli­ chen Engpas;, erreicht, wo kein Hufschlag des Treppelweges mehr besteht, sondern Menschen die beladenen Schiffe auf dem kümmerlich ausgemeisselten und ausgehauenen Fußwe­ ge ziehen müssen. Diesem großen Navigationsbeschwerniffe wird nun über hohe Anordnung unserer umsichtigen, wohl­ wollenden Landesregierung abgeholfen werden, indem ein ordentlicher Hufschlag-Treppelweg für den Schiffszug be­ reits im Werke ist. Von hier gelangt man nun zu dem sogenannten Pruß» niker Canal (m» ^el). Da hier nach der ganzen Breite des Strombettes Felsengruppen sich befinden, so war man bedacht, die Beschiffung der Save mittelst Herstellung eines gemauerten Canals möglich und gefahrlos zu machen. Dieser Canal ist 330 Klafter lang, hat hingegen nur eine Schiffsbreite und einen Fall von 8 Schuh ohne Schleus­ sen. An diesem Canale befindet sich auch ein ärarisches Gebäude, mit der gehörigen Unterkunft und Bauernwirrh­ schaft zur leichteren Subsistenz des daselbst befindlichen Wirthes versehen; dieses Gebäude sammt der Wirthschaft wird nebst der Gerechtigkeit, den dösigen Schiffzug zu be­ sorgen, von dem Aerar von sechs zu sechs Jahren verpach­ tet. Zugleich hat hier wegen der nöthigen Aufsicht hin« sichtlich der Navigation ein k. k. Navigationswerkführer seine Wohnung. Ein zweiter Canal befindet sich bei dem sogenannten weißen Schwall (>»el i>!»l). Dieser Canal, aus massiven Steinen, in der Breite eines Schiffes und 70 Klafter lang, ist ebenfalls wegen der an dieser Stelle durch das ganze Strombett verbreiteten Felsen erbaut wor­ den. Hier ist der schöne Wasserfall des in die Save fiiessenden Mitalebaches zu sehen, welcher unter die Na­turschönheicen unsers Heimatlandes gehört. Die Reise geht nun auf dem Savestrome am Orte Saudörfel <^8»vn,) vorüber nach Ratschach. Dreiviertel Stunden von Rat­schach aufwärts befindet sich am «-rnota Bache zu Niviz die wohleingerichtete Papierfabrik des Herrn Pothorn , wel­che einen starken Absatz nach Croatien hat. Bäche, welche an dem gegenwärtig besprochenen lin­ken oder Neustädtler Saueufer in diesen Strom von l»«cl­8>'»l! bis Ratschach abwärts sich ergießen, sind: der Bach Llllcwne , 6i>ltiu/,e , ^I.inni?! , 8l»t>>><-^ , liuiuslli, «eil», Hl»I>>Ic, pnsjelc, N«nlc<,, Ler6!»i«, INitüle und NibuiK. Ratschach, ein der Herrschaft gleiches Namens untcr­thäniger Markt, an dem Ausfluße des »llnotn, Baches in die Save gelegen, ist der Sitz eines k. k. Navigations-Assistenten, eines k. k. Navigations-Zollamtes, zugleich Landungsplatz für die Saveschiffe, und hat eine Pfar­re. Der Ort ist nicht von Bedeutung, hat aber sechs Jahr- und Viehmärkte, auf welchen viel steierisches Groß­hornvieh zum Verkaufe erscheint. Die Saveschiffahrt macht den Ort etwas lebhaft. Das herrschaftliche Schloß gleiches Namens steht auf einer Anhöhe im Markte; die Ruine Ratschach, das Stammschloß der einstigen Herren von Natschach, unter welchen im Jahre 1206 ein Robert von Natschach erscheint, liegt auf einem den Markt beherrschenden Berge. Die Herren von Rat­schach sind Aach Schönlebens Genealogie des gräflich schärfenberg'schen Hauses ein Nebenast der so mächtigen, in der Folge in die siebenegg'sche, gallenberg'sche, dann osterberg'sche Linie getheilten Herren von Schärfe^nberg gewesen. Gegenwärtiger Besitzer der Herrschaft Rarschach ist Herr Marimilian Posch, der zugleich Inhaber der Herrschaft Schärfenberg ist. (Fortsetzung folgt.) Skizzen aus Deutschland. Von Adolph Ritter v. T sch « b u sch» igg. (Beschluß.) Tief ergriffen verweilt man vor diesem herrlichen Bilde, dem Meisterstücke germanischer Kunst. Sollte über­haupt das vielfach begabte Land, durch das man in steti­gem Fortschreiten wandert,— müssen die hohen Denkmale nicht zu ernstem Nachsinnen auffordern, und alle Gedan­ken in Ehrfurcht dem Auffassen des Wesens und der Würde des deutschen'Vaterlandes zuwenden? Ist unser Deutsch­land nicht hochhcrrlich und ewigen Preises werth? Als die Antike unwiederbringlich zertrümmert war, und ihre Ansich­ten und Satzungen nicht länger für die Menschheit paß. ten, als auch der Orient nur Genuß, feige Erschlaffung nach verheerender Ueberspannung bot, war dem Norden die doppelte Wiedergeburt der Erde und des Geschlechts vorbehalten. Der Hunne und Seinesgleichen mochten zer­trümmern, der Germane erschuf. Hinter Klippen und Wäldern des Nordens war ein Rest des ursprünglichen, unverdorbenen Geschlechtes aufbewahrt worden, zur rechten Stunde brachen die Reken mir blauen Augen und blonden Haaren hervor, und bauten die neue Welt über den Trüm­mern der alten. Ihre Muskeln waren Stahl, ihre Ner­ven der Verführung nicht zugänglich, sie wußten wenig, aber nichts Falsches. Wie den Hirten des Gebirges ver­kündeten ihnen Engel die christliche Sendung und fandeil willige Herzen. Die Antike wollte in Schönheit und Genuß den Himmel auf die Erde ziehen, das Christenthum bildete in Wahrheit und Entsagung die Erde für den Himmel. Die Deutschen hatten Nichts zu vergessen, Nichts abzulegen, nur zu erlernen, zu erstreben. Beides thaten sie redlich und ureigenthümlich. Aber bald fanden sich abtrünnige Stämme, während Longobarden und Normannen sich in die Völkertrümmer der Lateiner verloren, Gallien die Franken verschlang und Britannien die Stamme der Angeln und Sachsen, während die Westgothen sich in Hispanien pro­vincialisirten, und die alte, nordische Heimat andere Stäm­me in langsamer, secundärer Fortbildung zurückhielt, ward das große Germanien die eigentliche Wiege der jungen, selbstständigen Entwickelung. Die Provincialen pfropften anderwärts auf den Trieb der verpflanzten Eichensprößlinge die halbwelken Keime des Alterthums. Das deutsche Mark gab ihnen zwar neue Kraft, aber die deutsche Entfaltung ward dort gehindert. I n den Wäldern Germaniens trieb aber die Eiche nur eigenthüm­ 87 liche Zweige. Die Bildung schritt hier allerdings langsa­mer vor, aber organisch und dauernd; von innen heraus gestaltete sich das Leben; die deutsche Gesittung ist nicht «lernt und eingeprägt, sie ist erfunden und angelebt. Lange bemitleideten die neuen Italiener und Franzo­sen die rauhe, ungeschliffene Mundart ihrer zurückgebliebe­nen Brüder. Die Geschichte sollte sie schamroth machen; sie fielen über die bereits vollkommen gebildete lateinische Mundart her, zerrissen und verdarben sie in barbarische Mundarten, die erst nach Jahrhunderten wieder zur Wür­de eigener Mundarten erhoben wurden; wir bildeten die alte Sprache des Nordens und der Barbarei bis zu den Bedürfnissen der höchsten Culturstufe hinan. Wahr ist es, daß wir mehr Zeit dazu brauchten, aber zerstören ist leich­ter als aufbauen. Selbst unsere eckigen, gothischen Schriftzeichen sind ein löbliches Denkmal eigenthümlichen, unabhängigen Fort­ schreitens. Der Deutsche ist ja selbst noch ein scharfer, eckiger Urgranit; die Völkerwanderung trug ihn aus den Höhen des einsamen Nordens, er ist noch nicht abgerun­ det und vermorscht in tausendfacher, gesellschaftlicher Um- ' wälzung. Die Deutschen schufen, was sie bedurften, sie raub­ ten nicht aus den Trümmern. I n jedem Fache des deut­ schen Strebens zeigt sich eine frische, selbstständige Rich­ tung. Der Deutsche verließ die alte Tempelform; er hatte sie nicht erfunden, sie entsprach nicht seinen frommen Be­ dürfnissen. Seine Dome sind nicht reizende Wohnungen Sterblicher, sie sind versteinte, heilige Haine, wie sie schon vor der christlichen Zeit der Schauplatz seiner Andacht wa­ ren. Die spitze Tanne des Nordens ist das Vorbild sei­ ner Bauwerke; ihre schlanken Stämme vereinen sich zu seinen, Säulenbündeln, in tausend Spitzen und Thürm­ chen dringt sie allerhalben aus der Masse seiner Bauwerke hervor. Seine Dome sind durchbrochen, wie es das Dun­ kel geweihter Haine war. Drachenleiber und abentheuer­ liche Thiergestalten scheinen hastig und geschreckt hervor­ zuspringen: alles Unreine muß die Gegenwart Gottes flie­ hen.- Aber in den Nischen und Zwischenräumen stehen Heilige und andere fromme Bildwerke. Wie die Wipfel des Waldes weisen seine Münster zum Himmel, und wo sie abbrechen, da führt ein Kreuz oder sonst ein heiliges Symbol die unsichtbare Verbindung weiter. Eben so ist auch die deutsche Malerei beschaffen; sie wollte nicht die schönste menschliche Gestalt zeigen, sondern die ewige Sendung im sichtbaren Menschen darstellen. Nicht eine warme, üppige Landschaft dient als fröhlicher Hintergrund; ihre Folie ist der Himmel, überirdischer Gold­grund, ein Abglanz der ewigen Glorie. Die alten deut­schen Meister scheuten sich oder verschmähten, die irdische Schönheit in ihren Reizen hinzustellen, sie verzeichneten oft , sogar die menschliche Gestalt, als hätten sie nie ein Weib geliebt; aber die Ahnung des Paradieses, ein frommes Vergessen der Welt lag in ihren Gestalten. Der Mangel der gemeinen Naturkenntniß ward reichlich durch die Wis^ senschaft göttlicher Dinge ersetzt. Sie machten ihre Stu­ dien nicht an profanen Dirnen, sondern himmlischen Vi­sionen. Die Italiener liebten und malten, die Deutschen verherrlichten Gott durch ihre Arbeiten. Die Scheu vor dem Nakten, die züchtige Unkenntniß desselben trägt Schuld, daß die Sculptur in Germanien nicht recht fortkommen wollte. Der unschuldige deutsche Sinn erschrack vor dem Bloßstellen gefährlicher Reize; die Bildnerei blieb ihnen eine heidnische Kunst. Schön und ersprießlich ist es auch, daß es nicht ei­nen deutschen Staat, sondern einen deutschen Bund gibt. So findet jede Neigung, jede Anlage um so leichter ihren Schauplatz; hundert Musenstädte blühen, aber keine Cen­tralstadt zerstreut und verdirbt die deutsche Jugend. Die Säfte der Intelligenz pulsiren gleichmäßig verlheilt über die ganze Oberfläche. Nach althergebrachter Weise schrei­tet die deutsche Bildung und Gestaltung weiter; weise Fürsten und biedere Völker arbeiten daran in treuem Ein-Verständnisse. Unser Deutschland hatte noch keinen T>> rannen. Leise und mild wie Pflanzen safte, treiben die Le­benskräfte in seinen Adern; jeder Fortschritt ist organische, dauernde Errungenschaft. Es mag nicht mit Blutkitte fremdartige Flitter ansetzen. Aber der Wunderborn der Weltweisheit wird in seinem Schooß ausgekocht. Deutsch­ land ist die Vorrathkammer der Systeme. Es erwägt im­ mer auch den Gegensah, darum treten seine Thesen nur allmählig und vorsichtig ins Leben. Wie herrlich waren endlich von jeher auch die deut­ schen Dichtwerke. Dem Homerischen Epos stellt sich das Niebelungenlied in würdiger Eigenthümlichteit entgegen. Sein Hintergrund ist das schöne, hügelige Rebenland, das der breite, blaue Rhein durchzieht, und die herrliche Mark von Oesterreich. Helena ist das görter- und Helden-um­ worbene Weib der Antike, verführerisch reizend, wandelbar und gefährlich. Chriemhilde ist die züchrige, treue deutsche Mannin. Eine Liebe erschöpft den Reichthum ihres Her­ zens, ihr folgendes Leben ist nur ein Klagelied, ein Tod­ tenopfer für Siegfried. Aber noch viele heitere und zärt­ liche Sängerstimmen schallen an der deutschen Liedertafel, und alle feiern Liebe, Ehre und Frömmigkeit. Die jüngsten Richtungen des Zeitgeistes sind aller­dings undeutsch, und wir nur Schüler, nicht Meister da­rin. Das Ausland mag die Flitter der Verschwendung feiner liefern, als unser Vaterland; leichtfertiger Vorwitz und unfromme Frechheit entspricht nur wenig germanischer Sitte; — aber wir wollen hoffen, daß es stiller deutscher Bestrebung gelingen wird, das Weltleben aus seinen ma­teriellen Leidenschaften wieder aufzurichten, und dem Höch­sten der endlichen und ewigen Welt zuzuführen. Ma,l«igfaltiges. (Ein Nachtwandler.) Das „Pesther Tageblatt» berichtet aus Gelpa Nachstehendes: Der allgemein geachtete herzogt. Koburg-Koharn'sche Architect, Herr K...r, sing seit einiger Zeit an mondsüchtig zu werden, ohne daß ihn jedoch dieß mysteriöse Uebel in seinem anstrengenden Fachge­schäfte sonderlich beirrte; denn gerade damals wurde der nachtwandelnde Seelenkranle — obzwar gegen gesellige «8 Freuden mehr als ehedem abgestumpft-von seinem schönen Kunstberufe so zu sagen inspirirt, und lieferte während des Clairvoyantismus die trefflichsten, tadellosesten architectoni­schen Pläne, nach denen eben Heuer eine palastähnliche Villa in italienischem Stile auf einer Berghohe des roman­tischen Gran-Thales aufgeführt wurde. Das schwebende, leichte, gefällige Gebäude stieg unter Aufsicht des melan­cholischen Künstlers, der sein Werk zu jeder Tageszeit flei­ßig inspicirte, rasch empor; doch schien dem ««ermüdeten Schöpfer vieler herrlichen Bauten der Muranyer-Herrschaft jener Eifer noch nicht hinlänglich: denn er verließ auch nächtlicherweise sein Lager, und wollte auch bei Sternen- und Mondesschimmer den werdenden Palast beschauen. Leider waren so gefährliche Wanderungen ihm verderblich; denn es be­gab sich, daß er vor Kurzem um Mitternacht mit Winkel- und Klaftermaß versehen dasMauergerüste besteigend, und auf der höchsten Etage Etwas an einer Säulenecke untersuchend, von der schwindlichen Höhe herabstürzte. Am nächsten Mor­gen fanden die erschrockenen Arbeiter ihren geehrten Mei­ster in der schauerlichen Thaltiefe mit zerschelltem Haupte liegend, um ihn herum seine zerstreuten Meßinstrumente.— (Die Zeitschrift „0i <,.->,«!>") erscheint seit 4. s. M. in veränderter Form, nicht mehr in Monacheften, fondern Dienstags und Freitags in jeder Woche, auf Fiumaner Velinpapier in Groß-Quart-Format, herausgegeben von Herrn Franz Suppan , redigirt von Herrn Heinrich Bor n stein. Der Preis für Auswärtige ist 4 fl. 48 kr. ganz-, und 2 fl. 24 tr. CM . halbjährig. Das vor uns liegende Doppelblatt vom i . und 3. l. M . empfiehlt sich durch Nettigkeit der Ausstattung und Mannigfaltigkeit des Inhaltes. — (Illyrisches Theater.) Aus dem so eben erwähn­ten Blatte ersehen wir, daß am 4«. v. M. in Agram die erste dramatische Vorstellung in illyrischer Sprache von ei­ner vaterländischen Schauspieler-Gesellschaft gegeben wur­de. Der Enthusiasmus des übervollen Hauses ist nicht zu beschreiben, und mit nationaler Begeisterung wurden alle jene Stellen aufgenommen, die sich auf die Würde der Nationalität und auf die angestammte Treue des Croaten für seinen König und sein Vaterland bezogen. Bis zum 3. l. V?5 hatten vier Vorstellungen Statt. — Maifenilleton. Mirtheilnugen aus den» Ta­ssebuche eines Wieners. ) Der unsterbliche Herde r sogt: »Große Städte sind große Laster« — wan tann ihm im Allgemeinen nicht Unrecht geben, über fast «Hut mir's weh, diesen Ausspruch auch auf Wien anwenden zu sollen, auf dieses hei« lere friedliche, patriarchalische Wien. Es geht dem Ocstcrreicher wirklich Vom Herzen, wenn er singt: »Es gibt nur eine Kaiserstadt, es gibt nur ein Wien!» hat man ein Jahr lang hier gelebt, so singt man es unwill« türlich mit, natürlich, wenn Einem nicht etwa unter einer fatalen Constel­lotion vo» Umständen das harte Gebot an die Kehle greift: »Vogel sing' oder stirb!« Gewiß, ich bin Nichts weniger, als ein Enthusiast, aber Ehre Allem, dem Ehre gebührt; ich lebe in Wie» cnn »innre, und das zwar — mir darf ich doch selbst die Wahrheit eingestehen — mit den bescheidensten Mitteln «on der Welt; guter Gott! bin ich doch nicht einmal der Schatten eine« Crocsus! Wein alter Freund, der Gr. P', hatte Recht, als er neu' lich bemerkte: »Wien sei ihm immer wie ein Park im größten Maßstabe ') Eigentlich sollten diese Mitteilungen Intuitione n heißen, da es sich der Verfasser zur Aufgabe gemacht, im Gegensatze zu den sonssiqen Iournalberichterstatt,rn, die sich nur auf das rein Objective der Dinge „nd Ereignisse zu beschranken pflegen, letztere in sein Inneres zu zie­hen, und so vom indioidncllen Standpuncte aus sowohl mit seinem geissigen Auge zu betrachten, »ls mit de,» eigcnthümlich angeregten Gefühle zu erfassen. Es entgeht übrioens dem geneigten Leser eben so weniq, als uns, daß das Mai-Feuilleton etwas spät kommt; indessen ist bei seiner mehr reflectirendcn »ls referirenden Weise die Ver­zögerung , für welche wir nicht tünnen, weniger empfindlich, und für die Zukunft hoffe» wir, mit der Zeit besser Schritt halten zu tonnen. Am», d. Red. vorgekommen; seine herrlichen Umgebungen, wie sie keine andere Haupt, stadt Europo's aufzuweisen hat, sind die weitläufigsten Gortenanlagcn mit dem reizendsten Wechsel, wie man sich ihn nur wünschen kann; die Donau der malerische, das Ganze belebende Bach dieses großartig, landschaftlichen Bildes, das Glocis ein grünes, allecndurchschuittenes Wiesenparterre^ gleichsam ein Garten im Garte» für den allernächsten Ausflug, Wien end­lich selbst das kolossale Lusthaus dieses Parks, ein riesiges Gartencscurial. ein Aranjuez, wo dem Glücklichen schone Tage blühen und lächeln ohne Ende." Ich sage noch einmal, der gute R' hat Recht, aber da ich die Idee des Nützlichen dem Süße» zuzugesellen liebe, so möchl' ich mich noch eines an­deren Gleichnisses bedienen, und Wien sowohl in Rücksicht seines nie stille stehenden Schaffens und Treibens, »ls auch in Betreff seiner inner» werk­stättlicken Ordnung einen Bienenstock nennen, wo die Schwärme aus- und einziehen, wo viel des köstlichen Honigs und gediegenen Wachses bereitet wird, Honig der Genüsse und des Ucberflußes süßer Seim für alle Sinne aus allen Nlülen des Lebens, und Wachs, biegsam und weich für alle E,n­drücke, Wachs »ls Nahrung für die auflodernde Flamme des Geistes. Wer sich überzeugen will, ob mein Vergleich nicht etwa hinke, der so»,nie jetzt »ach Wien, wo der Sommer mit Sonnenglorie und seinem Düftenimbus vor den Thoren der Stadt erschienen und sehe, wie die weitgeöffncte» Flug­löcher nicht geräumig genug sind für die hinaus drängende, ins Freie stre­bende Bicnenmasse. So zieht denn hin, suchet und wählet die schönste» und duftigsten Blumen, trinket den würzigen Nektar des amblosischen Kelches «nd sammelt emsig für die Tage des Winters! Die wahre'und echte Biene wird es nicht machcn, wie die Schmetterlinge und Drohnen, die nur gemes­sen, auf fremde Kosten genießen, und nicht bewahre» wollen. Es ist doch ein recht schöner, rührender Zug im Charakter der Mensch­heit, die umwandelbare, treue Liebe zur alten, h,iligen Natur, und ich gebe leine» Menschen ganz auf, so lange der reine, edle Natursinn in ihm nicht erstorben. Das alte Stollberg'sche Lied: »Süße, heilige Natur, laß' mich geh'» auf deiner Spur -c." ist gewiß längst rucucn geworden, und doch son­derbarerweise! singt es noch immer alle Welt, wenn auch nicht mit dem Munde, um so lauter und ausdrucksvoller mit dem Herzen, wenn der Jüngling Lenz kommt, um sie ins Grüne zu führen. Es muß das ein gu­tes Lied sei», was uns so schnell all' unsere brillante», künstlich ersonnenen, iiberschwenglichen Winlerfreuden vergessen läßt, was uns vergesse» inacht den Carnevalsjubel, unsere Talons, unsere Theater und Co„cerie, was uns endlich sogar unser Elyssum schließen heißt, zu-dem man eigentlich hinabstei­gen muß, wie weiland Orpheus, umEurndicen zu holen. Ich möchte d'rouf wetten, daß es schon lange vor Stolber g gesungen worden, und daß er es nur abgelauscht dem großen, unsichtbaren Minnesänger.— Der 1. Mai, Von «ltershcr für Jedermann ein rother Tag im Ka­lender, ward Heuer ungewöhnlicherwcise ein grauer. Hu ! wie das schnob, sauste und brauste! die Luft verdickt und Verfinstert, das Thermometer fast au, Gefrierpunkte. Der arme Prater ! die in Staub untergegangene P raterfahrt ! die bitter getäuschten Prater^Paradcmenschen! Nur Phleg­matiker «nd Wcltweise (ich vermeide die Bezeichnung Philosophe n zu besorgender Mistuerständnisse wegen absichtlich) dürften sich vielleicht enthal­te» haben, den 1. Mai platterdings einen boshaften Aprilnarren zu schel­ten; die ganze übrige Welt schnupfte ihn so. Ich, zwar weder Phlegmali­cns noch Weltweisel, ging milder mit ihm ins Gericht, und nannte ihn we­der so »och so, ja »»achte nicht einmal ein Notabene oder pro inemnrin in meinen Kalender; da lese ich aber neulich in eine»! geschätzten hiesigen Jour­nale eine so scharfe Invective gegen de» ohnehin schon comprittirten erste» Mai , daß ich eine kleine Glosse in meine,» Kalender nicht unterdrücken sann. Ein kritischer, unnachsichtig-rigoroser Mann beschuldigt ihn dort der A<>ncn,->,!,nc!!, und wirft ihm vor, daß er sich jetzt auf einmal in Gegen­sätzen zu gefallen anfange, plötzlich den Cnniker spiele, dem es ei» beson­deres Vergnügen zu machen scheint, die ehrlichen, geputzten und eleganten Straßenspaziergänzer n.it Kehricht und Kolb zu bewerfen, dagegen arme Leute und Bettler in abgelegenen, verborgenen Winkeln mit Blumen z» bestreuen, sie »n sein volles, schwellendes Herz zu drücken, in seine Arme zu schließen, und mit duftender Lippe zu süßen. — Bravo, Mai! daran hast du wohl gethon! Dacht' ich's doch immer, daß du's nicht so übel meinst, wenn du auch brausest, schnaubst und sausest! Und Ihr , armen Leute, Ih« frierenden Bettler, seid doch getrosten Muths! Seht, nicht den Reiche« allein, auch Euch will der Mai angehören, und es ist noch nicht Euer letz­ter Mai gekommen, das that der erste mit dein Munde des Sturmes lunl. — I n der That, dieses Maithema ist ein reicher, humoristischer Stoff. (Fortsetzung folgt.) Laibach. Druck und Nerlass des Joseph Vlasnik.