^44> Kamstag den M. Oetobev 1830. Nall Vergißmeinnicht. ^-l>^ir sollten scheidend von einander gehen, Da bliebst du noch, und nahmst mit schwanker Hand Ein blaues Blümchen, so am WsgeZrand Auf dürrem Boden einsam war zu sehen. Du gabst es mir; ich konnt' es nicht verschmähen. Indem im Ang' dir eine Thräne stand, Begannst du: »Wie dcr Vlmne rein Gewanv Wird meine Treue makellos bestehen.* Seit jenem Abschied auf entfernter Au Sah ich wohl manche Welle schon entgleiten, Und freudlos sind die Stunden jetzt und rauh; Doch treu gedenk' ich noch der alten Zeiten, Dein Vlnmchen aber ist nun welk und grau; Ich will nicht denken, was dieß kann bedeuten. Hugo vom Schwarzthale. Nie Shakers. In den vereinigten Staaten von Nordamerika, wo alle christlichen Confessionen gleiche kirchliche Freiheit genießen, breiteten sich auch seit einigen Iahr-zehenden die Secte der sogenannten S hakers aus. Sie stammen eigentlich aus England; ihre Stif-termn war A:n Lee, die Tochter eines Grobschmi-vcs aus Manchester. Die Hauptgrundsätze ihrer Leh-« zmo : Gemeinschaft der Güter, völlige Enthaltsam- keit Z bin s-'6 tlich der Vermischung beider Geschlechter, und Verehrung Gottes durch Tanzen. Die Stifte-rinn gab höhere Inspirationen vor; sie that Wunder, verkündigte die baldige Wiedercrscheinung Christi auf Erden und sprach von tausendjährigem Reich. Sie sing an in England Proselyten unter dcn gemeinsten Volksklaffen zu machen, die ihr bei ihren öffentlichen Predigten nMfolgten, lärmende Bet- oder viel"ehr Tanzstunden hielten und dadurch d'e öffentliche Ruhe siörtcn. Sie wurde deshalb mit ihren Freunden zu verschiedenen Malen gesanglich eingezogen; einmal begann sogar das ungeduldige und ungläubige Publicum sie zu steinigen. Die gute Seele, von welcher übrigens die böse Welt behauptete, daß die meisten ihrer Verzückungen durch geistige Getränke bewirkt würden, wanderte deshalb im Jahre ü??^ mit ihrer Familie und mehreren ihrer Freunde nach Ncw-Vork aus, und ließ sich daselbst nieder. Ihr Ehemann, gleichfalls ein Grobschmid, wurde aber ihrer müde, entfernte sich von ihr, und nahm eine andcre Frau. Hierauf wandte sich die Verflossene nach Albany, und hielt dort Versammlungen. Diese Versammlungen kamen jedoch den Amerikanern — es war gerade zur' Zeit des Nevolutionskrieges — so verdächtig vor, daß die gute Dame mit mehreren ihrer Freunde in Albany festgesetzt, und nach der Gegend von New-Aork spe-dirt wurde, um sie den Engländern , die damals noch Meister dieser Stadt waren, zu überlassen. Sie kam aber bald wieder ,'zurück, und ihre Getreuen kauften nun Land in der Gegend von Niskapuna, und bauten sich daselbst ar. Da sich diese Sccte nun ruhig verhielt, so ließ die Negierung sie auck ruhig leben. Die Kolonie zu Ncu-Libanon, derHauplsid derShaker, t?? hatte im Jahre 1825 gegen 60) Mitglieder, die in Familien eingetheilt sind. Einige dieser Familien zählen über 100 Kopfe beiderlei Geschlechtes. Jede wohnt in einer Häusergruppe zusammen, und hat einen Aeltesten an ihrer Vpitze. Die Aeltesten aller Familien bilden einen Nath, der das Wohl der Gemeinde besorgt. Für den Gottesdienst haben sie eine Art Prediger, zwei männlichen und zwei weiblichen Ge« schlechtes, welche Sonntags Vorträge halten. In den Häusern, in welchen übrigens die größte Reinlichkeit herrscht, leben auf einer Seite die Brüder und auf der andern die Schw,estc'.'n. Wenn eine Familie zu den Shakers treten will, so müssen sogleich geschwisterliche Verhältnisse zwische.n Mann und Frau eintreten. Die Kinder werden sodann in den Shaker - Grundsätzen erzogen; auch finden verwaisete Kinder bei ihnen willige Aufnahme. Sie haben zu Neu - Libanon eine recht niedliche Kirche, Aufcjner Seite stehen amphitheatralische Bänke für die alten Mitglieder der Gemeinde, denen das Springen und Tanzen schon schwer fällt. Der Fußboden ist mit schönem Cedernholze gedielt und gut polirt; die Breter sind in ,einander ^hne Nägel gefalzt. Der Gottesdienst beginnt mit einer Rede, welche die Gemeinde stehend anhört. Zuipeilen kommt der Geist über den Einen und über den Andern i sie werden von der Ncde so ergriffen, daß sie anfangen sich zu schütteln, und ganz sonderbare Contorsionen zu machen. Dann beginnen die Gebete, die gesungen werden, und hei denen getanzt wird. Jedes Mitglied hat zu seinen Springen einen Platz von ungefähr 4 Quadrat-Fuß; und bisweilen werden die Capriolen mit einem solchen Eiser gemacht, daß sie ganz ohnmächtig niederfallen. Die Shakers zeichnen sich übrigens durch Pünct-lichkeit und Reinlichkeit aus. Sie treiben Handel, Viehzucht und Gemüsebau, auch ziehen sie eine Men« ge officineller Krauler, die keinen unerheblichen Handelsartikel ausmachen. ^,ux armes! ^ Auf, meinschönes weibliches Geschlecht! auf! bewaffne deine Augen Mit dem Blitze, deine Lippen mit dem Donner, und dein Kinngrübchen mit Lanzen, auf! auf! man beraubt, man lästert dich ! dusollst nicht mehr — ha! wie soll ich's wieder sagen —, du sollst nicht mehr —, o, wo ist kölnisches Wasser? —, du sollst nicht mehr das »schöne Geschlecht« seyn! — H Mit Zittern schreib' ich es nieder; mein Herz blutet, die Feder sträubt sich in meiner Hand, daß die Erde solche Barbaren tragt, dle so was sagen. M? es ist so! Ein Herr Mönnich behauptet es gedruckt: »Die Männer sind das schöne Geschlecht!« Hr. Mönnich führt zwei Beweise an. Erstens: «Eva war kein ursprüngliches Geschöpf, sie ist nur ^in Fheil und ein Theil kann nicht schöner fein als das Ganz e." Das ist pfiffig! Eben so könnte man beweisen, daß die Auster schöner und kostbarer ist als die Perle, .denn die Perle ist ja nur ein Theil der Auster, und Hin Theil kann ja nicht mehr Perle sein als das Ganze; folglich sind die Austern Perlen und die Perlen Austern! Wenn Hr. Mönnich ein Werk in drei Theilen schriebe, so wurde vielleicht blos ein Theil lieber gelesen werden als das Ganze; wie kann das sein? Zweitens führt Herr Mönnich an: »Es sind .immer männliche Nosse, Rinder .und Schafe, die bei Volksfesten an die Spitze gestellt werbend Herr Mönnich schließt also von männlichen Scha' fen auf schafliche Männer? Es ist ein köstlicher Gedanke! weil männliche Ochsen an der Spitze der Volks' ftste stehen, sind die Männer das schöne Geschlecht! Eben so gut könnte man sagen: weil weibliche Vogel weniger singen und schlagen als männliche, so ist das weibliche Geschlecht das stillere Geschlecht! Zuletzt meint Herr Mönnich, man Mißte nicht »Die Sonne« und »der Mond,« sondern «die Mond« und »der Sonn?« sagen. O, das ist klar wie der Sonne! Ich trage daher darauf an, matt soll nicht mehr sagen: «der Herr Mönnich, sondern »die Herr Mönn ich." Zage nicht mein theures, vielgeliebtes, schönes Geschlecht, so lange diese meine drei Schreidefmgcr eine Feder regieren,- sollst du das schöne Geschlecht hei-ßen, und ich kann dir di« Versicherung geben, daß ich nie etwas dazu beitragen werde, daß die Männer das schöne Geschlecht genannt werde» sotten. M. G. Saphir. Tivoli hFi TMien. Unter den Belustigungsorten Wiens verdient das neuerrichtete Tivoli des Herrn Gericke und Wag" ne r in Ober -Meidling am grünen Berg eine besondere Erwähnung. Den ungetheiltesten Beifall genießt vor allem die so prachtvoll angelegte Kreisfahrbahn (Rutschderg), die immer von Fahrenden besucht ist, während auch' die übrigen Anlagen, zwar jetzt.now größtentheils unvollendet, mit Recht Vieles versp"-chcn. Von dem Casse - Gebäude gelangt man ber^ 475 ttUfwMts durch zierliche Gartenanlagen zur Kreisfahr-vahn, welche an ein großes geschmackvolles Gebäude stößt. Ringsum ist dieses mit einer Säulenhalle umgeben , und über dem Ganzen ladet.eine Terrasse zur Beschauung eines Naturpanorama's ein, welches dem Äugenden Anblick der erhabenen Residenz sammt ihrer malerischen Umgegend höchst anziehe.nd ,und überraschend barbietet. Einige Stufen abwärts von der Säulenhalle gelangt man zu den niedlichen und sehr eleganten Wagen, in welche man MMen WH die Kreisfahrt beginnen kann. Auf vier neben einander siegenden Bahnen sieht man abwechselnd die FahrlustjZen gleichsam um die Wette fahren, und sehr schnell an ihr Ziel ^langen. Düse Wagen werden .durch ihre eigene Schwung- und Schwerkraft bergab und bergaufMl. schnell hingerollt. Die vier Räder gehen durchaus in einem Gleise, aus, dem sie nicht weichen können. Das Gebäude, welches alles Entsprechende für den Besuchenden enthalten wird, war bei der Eröffnung noch nicht vollendet; jedoch ist mit Gewißheit zu sagen, daß die Unternehmer nichts unterließen, umdi^n B.elusti-gungsort geschmackvoll, angenehm und großartig herzustellen. Drei wohlbestellte Orchester, das eine Hon dem Infanterie - Regiments Giulap, das andere von dem Trompetercorps des Auersperg'schen Kürassier-Regiments , und das dritte unter der Leitung des b.elieb-ten Musikdirettors, Johann Strauß, ergötzten schon am Tag» der Eröffnung das Ohr der Schau- nndFahx-lusiigen. Die anlockenden Credenzen des Traiteurs und Zuckerbäckers boten ein Non ^lus ultra für den Gaumenkitzel dar, und ein ganzes Heer von Dienerschaft stand den Gästen zu Gebote. Bei eintretender Dämmerung wurde der ganze Schauplatz beleuchtet. Auf dem zierlichen Geländer, welches sich zu beiden Seiten um die Fahrbahn zieht, waren zwischen Blu-menvascn unzählige Lichter in künstlich gemachten Tulpen von verschiedener Farbe aufgestellt. Desgleichen waren auf dem Vrustgeländer der Terrasse große weiße Tulpen angebracht, in welchen Kerzenlichter brannten. Auf den Ecken der Terrasse weheten kaiserl. Fahnen. In den Gartenanlagen waren mehrere Bogen aufgestellt, welche ebenfalls reichlich beleuchtet wurden. Auch-die Säuleuhalle war stark beleuchtet. Im Hintergründe dcs Gartens wurde auch ein artiges Feuerwerk ab< gebrannt. Aberglauben ver Kinvus. (Aus dem Tagebuch« des englischen Obersten Welsh.) !?.«^°" °? ^"^ °"l°« et zu nennen, und würden jedem Product ahnlicher Art eben so Ehre machen, wie Druck, Papier und Einband. 2. „Das Veilchen.« Ta schenbu ch für F reu ndo einer erheiternden und gemüthlichen Lectürc. Vierzehnter Iah rgan g. I. i83,. (Wien, H. Buchholz.) Auch dieses, vo» demselben Herausgeber besorgte Tasche»' büchlein enthält, bei ungemein netter Verzierung mit Modebil-dcrn und Kupfern, recht entsprechende Gaben. Schmid's' Maske; Seidl's: Lebenslauf in 2 Buchstaben; dcc Rabe von Bologna, Thomas Damasccna (l>esondo>'s für Kram, aus dessen Geschichte der Stoff geschupft ist, von vic-lcm Interesse,) «Hätt' ich das gewusjt!" »c. ,c. und die Mehrzahl der Gedichte werden gcwis, mit eben solcher Theilnahme gelesen werden, als Straube's: Feiger Ritter, der geliehen e V r a u t r i n g, und drei Geschichte» in eine M Briefe des Herausgebers an einen Familicnvü' tcr :c. :c., durch welche sich auszeichnet das 'geschmackvoll ausg^ sta'etc dritte Taschenbuch, womit der thätige Herr Buchholö Uno beschenkte, nämlich: „Der Freund des schöne» Geschlechtes.« Taschenbuch für i83i. Acht und zwanzigster Jahrgang. Runst - Motizen. (Verspätet.) Der in diesem Blatte jüngst belobte Virtuos alif d<'r Violim'' Herr Eduard Iäll, rechtfertigte in dem am 11. d.M. in ocw Saale der philharmonischen Gesellschaft mit allgemeinem, stur»"' schen BeifMe gegebenen Concerte dcil glänzenden Ruf, den ^ dicsnnal von der Kaiserstadt mitbrachte, durch s'«ne ungetvc''^ Kunstfertigkeit und durch den aus der Seele geholten, hinreißt den Vortrag auf das vollkommenste.' Wir müssen Herrn I. für diesen herrlichen Kunstgennsi »"' so mehr unseren wärmsten Dank nachsenden, als es bei se>>^ Ankunft in Laibach seine feste Absicht war, una^'gehaltcn dem 2^ te seiner Bestimmung (Tricsi) zuzueilen, und er nur durch ^ drillenden Bitten ftincr hiesigen zahlreichen.Freunde über ^^ Zcit zu verweilen vermocht werden konnte. S h n r a d e. An Hrn. A. Sch.....r. (Zweisilbig.) Wenn Ncgen rauscht und Wind und Wetter weht; Mag man sich gern zur ersten Sylbe retten; Nur die erschreckt kein Sturm, auf deren^Ruhebetten Dlc Zweite sieht. Zählt Mancher auch zu den vom Glück erhalt'nen Gal>cl> Das Eigenthum der Ersten nicht, So kann doch wohl der arme Wicht, An seiner Frau das Ganz« haben. NeVacteur: Fr. Vav. Keinrich. ^erle^er: Zlgnaz Al-Gvler v. UleinMüS'''