Nro. XVIII. Laibachcr MMM Zeitung. ^^MWM^^'/ 84 Allezeit traurig ist beschwerlich, Allzeit fröhlich ist gefährlich. Allzeit glücklich ist unmöglich, Eins ums andre ist vergnüglich. Rotterdam den i. Apnl. (Astern wurde eine von 42s der diesigen Einwohner unterschriebene Bittschrift dem Magistrat übergeben, darinn die Abschaffung des Frcykorps , welches vor einiger Zelt in dieser Stadt errichtet worden, aus dem Grunde verlangt wird, weil dieses Korps statt, wie es vor-wandte, bey entstehenden Mltzvcr-ständniß oder Unordnung m der Stadt einigen Dienst zu leisten, vielmehr Unruhen verursachen könne, und ihm wirklich das Mißverständ-mß zuzuschreiben sey, welches sett l einiger Zeit zwischen den Einwohnern von Rotterdam herrscht. Haag den I. April. Eine alte, von ihren Renten lebende Dame zu Leyden hatte sich dcn Strom des Partheygeistes ge-gcn dcn Erbjwtthalter hinreifsen last stn, daß sie ihren Kutscher, vermittelst einer Belohnung von 20022 fi. in Beyseyn ihres darum wissenden Kammermädchens zu bereden suchte, den Prinzen zu ermordcn. Der ^Kutscher, welcher sorgte, 0aß,^ wenn er es ihr abschlüge, sie einen! andern dazu dingen möchte, verspricht es chr, geht aber gleich zuj dem Schultheiß der Stadt, «M eröffnet ihm dcn Anschlag. Der Magistrat schickt darauf Leute «ab, um die Alte;n beobachten, und laßt das Mädchen in Geheim abhören, welches die Sache Zcstand. Heute vernimmt man, daß diese drey Personen, vermuthlich um nicht viel Aufhebens von dieser Sache zu machen, für unsinig erklärt wordcn sind. An dem letzten Geburtstag dcs Prinzen Statthaltes, (den 8-v. M.) kam zu Utrecht eiuMalm gan'sgravitätisch zu einem Thore herein, und hatte eine orangcufarbenc-Co^aedc auf seinem Hut: sogleich vcrsam-' melte sich das Volk uin ihn herum/ zischte ihn aus, und mit Mühe rettete er sich, um vor grössern Gewaltthätigkeiten sicher zu seyn/auf das Rathhaus. Hier glaubte rr nun eine sichere Freystatte gefunden zu haben; allein er wurde in Verhaft genommen, und die Herren von dem Magistrat, welche vermuthlich glaubten / das Oberhaupt der Statthalteriancr gefangen zu haben, ertheilten Befehl, ihn scharf zu verhör««. Wie sehr fanden sie sich abex nicht in ihrcr Meinung betrogen, als der Mann in seinem Verhöre aussagte: „Meine Herren, ich verstehe Zar nicht, was Sie mit mir wollen; ich bin weder ein Staat-haltcrianer noch Patriot, weiß nicht einmal, was das ist, sondern lebe als ein armer Handwnksmann in der Vorstadt. Daß ich heute eine orangenfarbene Cocarde auf meinem Hut habe, daran ist eine Wtttc schuld. Es haben nämlich einige Herren von dem Freykorps mit mir . um 3 Guldcn gewettet, ich hätte das Hcrz nicht/ an dem heutigen Tage mit eincr-orangenfarbenen Cocarde aufdcülHNt durch'die Stadt ,u gehen. Da ich nun die 3 Guldenstücke sehr liebe, so bin ich die Wcttung eingegangen; ich sehe aber nun, daß ich betrogen bin;.dann eben die Vcrrather, welche mit mir gewettet haben, waren die ersten/ die mich mißhandelten. Inzwischen habe ich Zeugen, daß sie diese Wette mit mir cilMZangen, und sie werden mich also auch WM bezahlen müssend A^fdiost Art ^ßte u^llp also den Mann wohl wieded seinen Weg Zehen lassen. Leipzig den 31. März. Da die Montgolfierschen mit Dämpfen gefüllten Luftballons, wen sie von unerfahrnen Händen behandelt werden, leicht gefährlich werden , und Feucrsbrünste veranlassen können; so ist hier die Veranstaltung getroffen worden, daß dergleichen Versuche nicht ohne Vorwiffen und Gcnehmhaltung der Obrigkeit geschehen dürfen. Der Erfolg hat dlese weise Vorsicht auch bereits hinlänglich bestättigt, indem in unserer Nachbarschaft ein solcher Ballon,-welchem man Feuer in einem Dratkorbe mitgegeben hatte, auf einer Scheuer niedergefallen ist, wo-» durch selbe in die Whe gelegt wop-den. > Hamburg ^^ ^ April. Die mit dem Eisboote, welches die Kopenhagener Post von Affens über dcll kleinen Belt bringen sollte, verunglückte Personen sind folgende: der Lieutenant, Graf Ranzau, und sein Bedienter; Herr Kirchhofer/ ein Schweizer aus St. Gall; Hr. Lroichard, ein Lübecker; Hr. Sonnenkalb, ausHamburg; Hr.Teutsch, ein Kaufmann aus Randers; ein Studiosus, Iessm genannt, aus Tunbern; ein Jude, Namens Ema-nuel Samuel; ein Jude aus Stockholm ; ein pohlmschcr Jude; der Jude Meyer aus Mona ; ein Fremder aus Christiansfelde, dcr Schiffer, und 2 Matrofen. ^ ? Mayland dsftüto. April. ^ - Es ist die Nede, daß künftighin allhier allein dcr Hof und das Gu-bernium residiren werde, der Senat soll nach Cremona übersetzt, und das Generalmiljtairkommando nach« Mantua, die übrigen Dikastericn werden also gehoben. Bermög hoheBefehls wird dasBataillon von Kapprara, welches sich hier in der Besatzung auf dem Kastell befindet, nach Pavia übersetzt.- ! t N)ien den 9. April. ^ So heftig ist allhicr die Kälte, , daß in voriger Woche etliche Personen, welche nach Lanzendorf Kirch-fahrten gehen wollten, erfroren sind. Einige davon sind so übel zugerichtet / daß ihnen allhier in dem Bä- ckenhausel sogar die Finger abge-.wmmen werden müssen: eine Kalte in dem Aprilmonat, welche gewiß verdient den Annalen eingeschrieben zu werden. Von Feldmarschallieutenants zu Feldzeugmeister sind ernennet: Jakob v. Preisach; GrafPonz v. Leon; Christian Jakob v. Vogelfang; Johann Graf Palfy v. Erdödi; Ios. Graf Murey v. Melgum; Leopold Graf v. Stein; Baron v. Mathe-sen; Karl Graf v. Ferraris ; Christian Baron Pauer v. Four; und Michael Gras von Wallis. Bon F. M- L. zu Generale der Kavalerie/ Ludwig Graf v. Almasy. Von der prächtigen, aus 32200 Banden bestehenden Bibliothek/ welche der verstorbene kaiserl. Staatsminister in der Lombardcy, Graf von Firmian, hinterlassen hat, ist der Katalog zu Mayland, 8 Bande stark, erschienen. Die hinter-«laffenen Malereyen dieses Ministers werden auf ZOQOOO Gulden geschätzt. In Prag sollen zwey Körper verstorbener Jesuiten der Fakultät zur Untersuchung übergeben worden seyn, deren einer schon 6c>, der andere aber s i Jahre unter der Erde liegen, und noch unverwesend sind. ! Als vorm Iakr den Zigeunern itil i Ungarn und Siebenbürgen der allerhöchste Befehl ertheilt wurde, daß sie ihr herumziehendes Leben fahren lassen, und sich ansaßig machen sollen , hat einer von ihnen aus der MHunyader Gespannschaft sein Pferd MHu Markt gebracht, und um 6 fi. Mverkauft, ist nacher Haus gegan-Dgen, hat mit dem Geld seine Di-Wsposition gemacht, hinnach aber mit größter Kaltblütigkeit seinen Kopf in Feuer gesteckt, und sich verbrant, W«m, wie Kato, die Freyheit stincs WVolkcs nicht zu überleben. W Es ist unerhört, was aus London Wyom 20. März geschrieben wird, daß Wüämlich am 14. vorder mehr als' MiOo Bösewicht, mit Pistolen, und «rossen Messern bewaffnet, das »Opernhaus zu Heumarkt besetzt, und Malles, was nach gcendigter Oper aus ^ zWem Theater gieng, in Kontribution' genommen haben, so, daß nur we^ «ige Personen durchgekommen sind/ die nicht Geld, Uhr oder Dost (in- Zebüßt habm. Was wir oben von den in Prag gefundenen unverwcsenen Körpern^ zweyer Jesuiten angeführt, klart sich mebr auf aus dem, was wir aus Feitungen auszugsweise hier anführen. „Auf hohe Anordnung wurde am 27. v. M. um 9 Uhr Vormittags in der St. Klemcnskirche von der medizinischen Fakultät die Untersuchung der als gänzlich, oder zum Theil unvcrwescn gefunden seyn sollenden Körpern vorgenommen. Man! öffnete zuerst den Carg des P.Karll lSiebert, und sah denselben mit ei-!:cr Haut bedeckt, die einem alten/ sehr schmutzigen Pergament glieck, so, daß der Körper das Ansetzn einer Mumie zu haben schie u Diese Haut war im Gesichte gleichsam aufgeblasen, und gegenwärtig, weil der ganze Körper durch die Uiber-schwcmmung unter Waffcr gesetzt worden war, etwas feucht, und zalse. Man machte an der rechten Bauch-aegend, und am rechten Schenkel einen Einschnitt/ fand aber kein 'Fleisch darunter/ sondern etwas einem Teige ahnlich, welches ohne vorhergegangener Uiberschwemmung ein vermoderter Staub gewesen seyn würde. Daher hatte auch weder die Farbe der Hant> noch das darunter seyn sollende Fleisch etwas Men^ schcnahnliches, und die Anspannung der Haut im Gesichte , muß bloß von dem darunter befindlichen, und nun durch das Wasser angequollenen Moderstaube hergeleitet worden seyn, der nun wieder merklich eingetrocknet ist. — Man öffnete sonach den Sarg des P. Gottfried Weidinger, und fand ebenfalls viel ähnliches mit dem ersten, nur, daß alles mehr vermodert war, besonders aber der Kopf. — So etwas wird in Grüften öfters gefunden,« besonders wenn es Körper sind, die nicht jung, und nicht fett waren. Gedruckt in der Klcinmamischcn Buckdruckerer, log. im GersonisthenHaust N.io. in dcrKayuzinergasse> allwo dieFcitung alleDonerstag in der Frühe zu haben ijK