Pränumerationspreise: Für Laibach ssammt Zustellung in'S Haus): Ganzjährig . . fi. 5.— Halbjährig . . „ 2.50 Vierteljährig . „ t,25 Mit Poftversenbung: Ganzjährig. . fl. 6.— Halbjährig . . „ 3.— Vierteljährig . „ 1.20 Einzelne Nummern 3 kr. Zeitschrift für vaterländische Interessen. (Erscheint Tillstag und Fltitllg.) Manuskripte werden nicht zurückgesendet, anonyme Mittheilungen nicht berücksichtiget. Jahrgang V. Laibach, Dinstag am 6. September 187N. Insertionsgebühre«: Für die zweispaltige Petita zeile oder deren Raum bei einmaliger Einschaltung 6kr.,2m»l8kr., 3mal lN kr. Stempel jedesmal 30 kr. Redaktion: Hauptplatz Nr. 313, II . Stock. Administration eben» daselbst in Ottokar KI e rr Buchhandlung Nr. 71. Die verfassungstreuen Dissidenten, i. Der eben geschlossene Landtag des Herzogtums Kram hat uus weitere Behelfe zur Veurtheilung jener Klique an die Hand gegeben, die sich mit Vorliebe die „verfassungstreue" nennt, zum Unterschiede der nationalen Partei. Sind auch die Studien weder tröstlich noch erhebend, so sind sie doch lehrreich und zeigen den Abgrund, in dem wir schon längst zerschmettert lagen, wenn dieß mit Willen dieser Klique geschehen tonnte. Wer die Elemente, aus denen die Vertretung der obengenannten Klique, Dank der ungerechten Wahlordnung zusammengesetzt ist, kennt — und wer sollte sie heute nicht kennen? —wird diese Erscheinung erklärlich finden; die Klique ist sich auch immer gleich geblieben, die wahrhaft liberalen Anschauungen des jetzigen Jahrhunderts, die in der Schweiz, in England, in Amerika die Oberhand gewonnen, gingen an unseren Verfassungstreuen spurlos vorüber, nicht ein Iota davon blieb an ihnen hängen. Wer sie zur Zeit ihrer Blüte sah, wie sie als Majorität des krainischen Landtages despotisch walteten, der wird sie auch jetzt erkennen, nicht ein Härchen des damals mit so viel Ostentation getragenen Zopfes ging verloren. „Keine Freiheit dem Volke" war damals ihr leitendes Prinzip und ist es jetzt noch; „Herrschen" war damals ihre oouäitic» «in« c^ull nou und ist es jetzt noch; „Germanisiren" ihre Tendenz und ist es jetzt noch. Während freiheitliche Regungen in allen übrigen Ländern Anklang fanden, in die alten Ideen und Gewohnheiten Breschen schössen und sich festsetzten, — bei unseren deutschlhümelnden Zopfträgern klopften sie umsonst an, auch nicht das kleinste Plätzchen wurde ihnen einge­räumt. Und so präsentiren sich diese Ruinen alter Zeiten und nem-Zkutarischer Zwingherrschaft noch heute demstaunenden vorgeschritte­nen Zeitalter und — was das sonderbarste ist — geben sich für Fortschrittsmänner aus, die mit den Zeitereignissen nicht nur Schritt halten, sondern ihnen sogar vorangeeilt sein wollen. Ein Abgeord­neter der Minorität erklärte es geradezu, daß er mit seiner Partei den gewiß liberalen Sprachgesetzcn gegenüber sich noch auf dem vorjährige n Standpunkte befinde. Die Erklärung war nicht ganz lichtig oder doch wenigstens unvollständig, denn sie hätte, um er­schöpfend und wahrheitsgemäß zu sein, lauten müssen: Wir befinden uns noch auf dem Standpunkte, auf dem sich wir und unsere Vor­fahren vor einem halben Jahrhundert befanden, daher werden wir, was auch jene gethan hätten, gegendie Gesetze stimmen. Diese kurzen Andeutungen und Hinweisungen auf die Vorgänge im krainischen Landtage, die sich, was jene Kliquevertreter betrifft, jährlich wiederholen, dementiren laut genug die so oft vorgebrachten Fräsen von Liberalismus und Fortschritt; sie beweisen hinlänglich, daß dieselben nicht vorrücken, sie decken endlich jene Tendenzen auf, die sie durch schöne Worte und verlockende Redensarten zu maskiren genöthiget sind, um nicht den Wolfspelz zu zeigen. Daß dieß schwierig ist, wird jedermann begreifen, ja es muß alles aufgeboten werden, was zweckdienlich scheint, selbst auf die Gefahr hin, daß es der menschlichen Vernunft und den allgemein herrschenden Gesetzen der Humanität schnurstraks zuwiderlauft. I m letzteren Genre namentlich leistet die Landtagsminorität wahrhaft Kolossales. Sie wird im Streben nach Konsequenz — nämlich im Hasse der slovenischen Nation — unkonsequent; was sie einstens, weil es ihren Zwecken, die stets dieselben sind, diente, n it aller Energie verfolgte, das läßt sie jetzt, weil es den verhaßter« Slovenen vortheilhaft ist, fahren, um gerade das Entgegengesetzte als Prinzip aufzustellen und dieß selbst dann, wenn sie sich ihrer Ohnmacht bewußt ist, wenn sie voraussehen kann, daß sie sich blamir Die eklatanteste Illustration zu dieser Behauptung gab sie im diesjährigen Landtage bei der Gelegenheit, als es sich um die Agnos zirung der Wahl des Abgeordneten von Oberlaibach-Adelsberg-LaaS handelte. Der Akt war gesetzmäßig vor sich gegangen, der Kandidat der „8Iov6llij3," war fast einstimmig gewählt worden, es war nicht die geringste Aussicht vorhanden, daß eine Wahlanfechtung erfolg­ reich sein tonnte; wäre ein Abgeordneter ihres Glaubensbekenntnisses gewählt worden, und zwar in der Weise, wie in diesem Jahre die Wahl vorgenommen worden war, dann hätte es keinem vernünftig denkenden Menschen einfallen können, dieselbe mit Aussicht auf Er folg bekämpfen zu wollen. Allein der Haß macht blind. Er verleitete unsere Verfassungs­treuen pro äamo sua zu einem Schritte, der, abgesehen davon daß er erfolglos blieb, sie auch auf einen Weg brachte, der ihrer Konsequenz geradezu entgegenlauft. Man erinnert sich noch, mit welch' einer Wuth sie in früheren Jahren die Nationalen anfielen welche diese Wahl in Folge des ungleichmäßigen Wahlstatuts der Märkte Adelsberg und Oberlaibach anfochten und verwarfen; also was sie früher vertheibigten, weil es nach ihrem Wunsche war, das bekämpften sie dießmal, weil es ihren Zwecken nicht förderlich war. Und dennoch wollen sie als ihre stärkste Seite die Konsequenz im allen Dingen angesehen wissen! Ja, konsequent sind sie — im Hasse der slovenischen Nation, des Volkes nämlich. Dieß deklarirten sie weiters dadurch, daß s'e gegen einen Antrag der Majorität waren, der doch eine Eingebung der reinsten Menschenliebe ist, gegen die Annahme der Petition um Amnestirung der armen Verurteilten von Ianjöe und Vevöe, die sicherlich nicht zu Verbrechern geworden wären, wenn es keine Ger­manisatoren, keine verfassungstreue Klique sammt Anhang in Kram gäbe. Durch die strenge Verurtheilung der „Verbrecher," welche der Arm des Gesetzes ereilte, ist ja ohnehin dem Gesetze und sagen wir, den Angefallenen, Genugthuung verschafft worden, ein Akt der Amnestie liegt außerhalb des Strafgesetzes, er ist ein Recht der Krone, das gegen die größten Verbrecher geübt werden kann; dieses Recht ist so heilig, daß es sich jeder Kritik entzieht, auch wenn es Unwürdigen zugute kommt. Und wenn es jemand verdient, so sind es die „Verbrecher" von Ianjöe, die doch keine Ahnung davon hatten, zu wie gros ein Verbrechen ihnen das Vertreiben der mißliebigen Fremdlinge d sich oben auf ihren Wiesen breit machten und ein Panier entfaltet n welches jenen ebenfalls gänzlich fremd war, würde angerechnet werd Ihre übereilte That haben sie ohnehin bis jetzt schon hart gebüs bei vielen von ihnen ist in Folge dessen der Vcrmögcnsstand gänzlick ruinirt, da die Arbeitskräfte ganzer Dörfer während der größten Arbeitszeit in Untersuchungshaft schmachteten. Das Elend hat sch nun bei solchen angesiedelt, es trifft nicht nur die Schuldigen, son dern auch deren unschuldige Weiber und Kinder, und wer nur noch ein menschliches Gefühl in der Brust hat, dem werden die arm Opfer sicherlich erbarmen. Nicht so den Vertretern des NenMuta­rismus im Landtag; diese haben kein Erbarmen mit dem Volte 'e gönnen den Armen die kaiserliche Amnestie nicht, sie wollen viel­ mehr, daß das Elend noch steige. Und trotzdem prahlen sie sich, daß sie das Volk lieben, es vertreten. Eine saubere Vertretung das! Nicht vertreten, sondern bloß treten wollen sie das Volk. Wie gut, daß die Erkenntniß der Tendenzen dieser fanatischen Klique in's Volt gedrungen ist, wie gut, daß sie sich in der Minorität befinden! Sollen wir weiter auch den von ihren Matadoren im Land­tage gehaltenen Reden nachgehen oder dieselben filtriren? Es lohnt die Mühe nicht, es ist der Sukkus jener Ungereimtheiten und Un­möglichkeiten, welche schon öfters im „Tagblatt" abgelagert und im tonst. Vereine abgesetzt wurden und welche in Invektiven und Aus­fällen auf die Nationalen gipfeln. Wer gewohnt ist, logisch zu deuten, muß staunen über die Berge der verkehrtesten Schlüsse und urwaldiger Anschauungen, die da in einer einzigen Rede aufgethürmt wurden, dieß alles natürlich unter dem Schilddache der eminentesten Verfassungstreue, denn der Verfassung zuliebe werden sie sogar gegen Nationen ungerecht, ignoriren ganze Völkerschaften. Natürlich, die Verfassung ist ein Palladium, zu dessen Erhaltung man unbedingt ganze Nationen opfern darf. Und doch, welcher Widerspruch zeigt sich wieder hier! Der Neichsrath, dieses ihnen über alles heilige Institut, soll beschickt werden und zwar auf den ausdrücklichen Wunsch des Monarchen, der in der gegenwärtigen Krisis die Vertreter aller Länder nm sich versammelt zu sehen wünscht; also ein Grund mehr für die Ver­fassungstreuen, eiligst ihre Vertreter nach Wien zu entsenden. Allein sie haben von einem Neichsrath, der nur aus diesem Grunde zu­sammenberufen wird, für sich vorläufig nichts zu hoffen; es wird darin kein Konkordat begraben, keine Schulgesetze nach ihrem Ge­schmacke den Landern oktrohirt; ein solcher Neichsrath ist nicht nach ihrem Wunsch und damit sie einen halbwegs plausiblen Grund finden, sich fernzuhalten, nehmen sie Anstoß an dem Beschlüsse des Land­tags, Abgeordnete nur aci Iioo, d. h. zur Wahl der Delegationen und Bewilligung des Kriegsbudgets zu entsenden und — merkwürdig genug — lehnen die Wahlen in den Neichsrath ab, für densie doch sonst leben und sterben wollten. Wer ergründet die sonderbaren Schwärmer, wer begreift ihre Logik und Konsequenz?! I n einem Momente, wo der Monarch selbst an den Patriotismus der Völker appellirt und die nationalen Streitigkeiten vorläufig vertagt zu sehen wünscht, bleiben sie ferne. Wenn es von ihnen abhiuge, würde Oesterreich vergebens auf Hilfe warten. Und dennoch nehmen sie den Mund voll von Patriotismus, faseln beständig von Verfassungstreue und würden es — vielleicht Feuilleton. Dr. Tomans Tod. Traure, o Göttin, mit mir, im Schmerze verhüllend das Antlitz, Menge mit Asche das Haar und öffne den Thränen die Schleußen, Schwarze Gewänder Dir hüll' um die trauernd erlahmeten Glieder. Nirgends die Tröstung Dir naht und niemand erleichtert das Herz Dir; Jeder hier Tröstung nur sucht und keiner erbarmend sie spendet, Keiner Dir stillet den Gramm, das Wehe Dir niemand vermindert. Dumpf durch die Gaue Dir tönt der klagenden Geister Gejammer, Alles erbebet und schaudernd hört es die tödtende Wehklag', So in den Lüften erschallt aus dem Munde der schützenden Geister, Welche bewachen mit Angst des slovenischen Volkes Geschicke, Leitend den schwierigen Bau, ihn sorgsam vor Schaden bewahrend. Schon ist begonnen der Bau, durch Pfeiler auch mächtig gestützet, Schon widersteht er mit Macht dem wüthenden feindlichen Anprall, Schon ist begonnen das Dach, vor Stürmen ihn wirksam zu schützen: Plötzlich die Säule zerbricht, die stützend die Ecke gestanden; Mächtig erdröhnet der Bau, das Gemäuer sich neiget zum Senken; Mächtig erbebt auch der Grund, erschüttert in innerster Feste. Ietzo die Säule da liegt, im Falle noch schreckend die Feinde, Mächtig im Falle noch, furchtbar zu schauen den gierigen Feinden, So sie bewundernd umsteh'«, bewundernd die Feste des Körpers. Nimmer zerbrechen sie konnten die niemals wankende Säule, Welche dem Wetter getrotzt, getrotzet dem feindlichen Anprall. Ietzo zerbrochen sie liegt, zerbröckelt durch finstere Mächte, Welche nimmer geruht, zu verfolgen der Völker Geschicke. Heftig erbebten die Gauen, die Marken der armen Slovenen, aus politischer Kurzsichtigkeit — dennoch darauf ankommen lassen, daß die gegenwärtige Verfassung durch eine auswärtige Macht gestürzt würde! O, diese Liberalen und Verfassungstreuen sind eine rare Sorte. Zur Situation. Vom Kriegsschauplätze sind sehr wichtige Nachrichten ein­getroffen, welche eine Wendung, wie man sie vielleicht nicht erwartet hatte, ankünden. Ein Telegramm des Königs von Preußen an die Königin vom 3. d. M. lautet: „Eine Kapitulation, wo­durch die ganze Armee in Sedan kriegsgefangen, ist soeben mit dem General Wimpffen geschlossen, der an Stelle des verwundeten Marschalls Mac-Mahon das Kommando führte. Der Kaiser hat nur sich selbst mir übergeben, da er das Kommando nicht führt und alles der Regentschaft in Paris überlaßt. Seinen Aufenthaltsort werde ich bestimmen, nachdem ich ihn gesprochen habe in einem Rendezvous, das sofort stattfindet. Welch' eine Wendung durch Gottes Fü­gung." Weitere, ebenfalls sehr wichtige Telegramme: Berlin, 4. September. Telegramm des Königs: Die Zusammenkunft mit Napoleon fand bei Sedan statt. Der Kaiser war gebeugt, aber würdig inHaltungund ergeben. Zu dessen Aufenthalte wurde Wilhe lmshöhe bei Cassel bestimmt. Paris , 4. September. Eine Proklamation des Gesammtmini­sterimns an die Franzosen gesteht das Mißgeschick der Armee, die Gefangennahme des Kaisers ein und sagt, diese Unglücksfälle erschüt­tern nicht unseren Muth. Paris ist im Verteidigungszustände und hat binnen wenigen Tagen eine neue Armee unter seinen Mauern» Eine andere Armee bildet sich an den Loire-Ufern. Die Energie, der Patriotismus, die Einigkeit der Franzosen weiden Frankreich retten. Paris , 4. September. (Kammersitzung, Mitternacht.) Jules Favre beantragt, Kaiser und Dynastie aller verfassungsgemäßen Rechte verlustig zu erklären und Ernennung einer Kammerkommission, ausgestattet mit allen Regierungsrechten und mit der Mission, den Feind vom französischen Gebiet zu vertreiben. Die Kammer nahm den Antrag mit tiefem Schweigen auf. Ucber die Wirkungen der Kapitulation der französischen Armee in Pari s gibt ein aus Base l datirtes Telegramm der „Politik" Wehes Gejammer erscholl und hallt' in slovenischen Landen. Selten, o Göttin, vergönnt, zu besingen so würdige Männer, Welche verehret das Volt, verwünschend das grimmige Fatum, So sie zu schnell ihm entriß, durchschneidend den Faden des Lebens, Tief in des Volkes Mark der zerfleischende, schmerzliche Schnitt drang, Welcher vom Baume ihm trennt' den mächtigsten,stärksten der Aeste, Tief verletzend das Mark der mächtig gedeihenden Linde, Und aus der Wunde entflossen Ströme belebenden Saftes; Traurig der Wipfel sich neigt, tief fühlend die schwächende Wunde, Und das Geblätter, das frisch und duftend des Baumes Gesundheit Kündete jedem, erschlafft uud welkend sich senket nach abwärts. Sahst Du, o Göttin, den Stern, der erschienen am nächtlichen Himmel? Nacht war es noch in dem Volt der immer hoffenden Slaven, Selten zerriß das Gewölk ein kurz nur leuchtendes Lichtlein; Einer der Sterne nur stand auf finster umdüstertem Himmel, Blaues und weißes Licht entsendend den armen Bedrückten. Nimmer beweglich er stand, das Volt in der Finsterniß leitend, Nimmer zu rücken vermocht' ihn von seinem erkorenen Standpunkt Eisiger Wind, der ihm trieb, ihn zu scheuchen, dräuende Wolken; Stets aus den Wolken er brach mit vielfach erhöhetem Glänze. Diesen der Knabe erschaut und folget ihm sicheren Fusses. Schnell war die Flamme entfacht, die jenen erhellend erfüllte, Innerer Stoff sie schürte zu mächtigem, loderndem Brande. Sah'st Du als Jüngling ihn schon, o Göttin, mitflammenden Augen, Feuer im Mund, in der Brust die gierig verzehrende Lohe? Hohe Begeiferung erfüllt' das heftig ihm pochende Herze, Zwingend zur Rede die Zunge, begeisternd die gierigen Lauscher, Tief sie treffend ins Herz, sie reißend zustürmischem Beifall. Jetzt in die Saiten er griff, und lieblich erklangen Akkorde Aufschluß, welches lautet: Nach soeben erhaltenen Telegrammen aus Paris soll dort die Republik proklamirt worden sein. Die Nieder­lage der Armee Mac-Mahons und dessen Gefangennahme wurde als von Mac-Mahon gemachter Verrath betrachtet. Alles ruft nach Waffen. Wo der gefangene Napoleon sich befindet, ist hier nicht bekannt. Der Kronprinz von Preußen hat seine Armee in Marsch gesetzt und soll bereits Rheims okkupirt haben. Zahlreiche französisch» Familien verlassen Frankreich und gehen nach der Schweiz. Die „W. Ztg." veröffentlicht das nachstehende kaiserliche Pa­tent vom 2. September 1870: Wir Franz Josef der Erste, von Gottes Gnaden Kaiser von Oesterreich, König von Ungarn und Böhmen lc. :c. thun kund und zu wissen: Der Zusammentritt des von Uns mit dem Patente vom 30. Juli l. I. auf den 5, September l. I . in Unsere Haupt- und Residenzstadt Wien einbe­rufenen Reichsrathes hat am 15. September 1870 zu erfolgen. Gegeben in Unserer Haupt- und Residenzstadt Wien am 2. Sep­tember im eintausendachthunderlsiebenzigsten, Unserer Reiche im zwei­undzwanzigsten Jahre. Franz Josef m. z>. Potocki m. p. Taaffe m. p. Tschllbuschnigg m. z>. Holzgethan m. p. Petrinü m. z>. Stremayr m. ^». Im Grazer Landtage verlas Professor Mausten folgende Deklaration: Hoher Landtag! Wenngleich die Dezemberverfassung niemals den legitimen Vertretungskörpern der in dieselbe einbezogenen Königreiche und Länder zur Annahme vorgelegt wurde und daher nach unserer, der Unterzeichner, Ueberzeugung der formellen Rechts­giltigkeit entbehrt; wenngleich der Reichsrath für die nichtungarischen Königreiche und Länder der Monarchie in seiner durch die Dezem­berverfassung ihm zugewiesenen Befugnisse und Funktionen eine In ­stitution ist, welche diestaatsrechtliche Persönlichkeit der Lander be­einträchtigt und ihre autonomische Freiheit über das erforderliche Maß beschränkt; wenngleich wir daher uns weder für verpflichtet, noch auch für befugt halten können, an einem auf Grund dieser Ver­fassung berufenen, mit den in ihr begründeten Kompetenzen ausge­statteten Reichsrath als solchem uns zu betheiligen; in Erwägung jedoch, daß gegenüber den folgenschweren Ereignissen, deren Schau­platz Europa gegenwärtig ist, das Reich im Stande sein muß, mit dem ganzen Gewicht seiner Macht und seines historischen Berufes einzutreten; in Erwägung, daß für die ungehinderte und energische Aktion des Staates erforderlich ist, daß der Regierung Sr. Majestät des Kaisers die materiellen Mittel und die moralische Unterstützung einer Vertretung der Gesammtmonarchie nicht fehlen; in Erwägung, Sanfter Gesänge, die Muse ihn schaute so hold iu der Wiege, Schenkt' ihm die Gabe, in lieblich bezaubernden Lauten der Sprache, So ihn die Mutter gelehrt, zu befingen die Reize der Heimat, Mächtig zu schwellen die Brust, zu entflammen schlummernde Triebe. Milde der Honig ihm floß in zierlich geformeten Versen, Wenn des Jünglings Brust erfaßte die fühlende Muse. Doch wenn finst'res Gewölk sich gesammelt auf düsterer Stirne, Tobende Stürme zerwühlten die Brust und zerrissen das Herze; — Wenn entfesselt mit Macht die innerlich schlummernden Geister Rafften zum Handeln sich auf, dann zuckten verderbliche Blitze Ihm aus Augen und Mund, die Feinde zerschmetternd in Falle. Düstere Bilder er liebt' und wußte sie trefflich zu malen. — Gleichwie der sanfte Wind Dir kühlend die schwitzende Wange Leise Dich fächelnd berührt, gewährend Dir liebliche Frische; Doch wenn er wachsend getrieben zum mächtigen, wüthenden Brausen, Feget den Boden, entwurzelt diestärkstensichsträubenden Eichen, Die er im Fluge erreicht, nicht achtend des eig'nen Verderbens: Also der Jüngling erschien, wenn die Flügel der dichtenden Muse Mächtig erfasset den Geist, ihn treibend zu fruchtbaren Thaten. Oft in die Lüfte er stieg, zu schauen die Thaten der Menschheit, Die er mit Weh' oft besang, das Auge gebadet in Thränen. Also der Jüngling, bevor ihn umhüllte die männliche Taga, Eh' noch der männliche Bart ihm umrahmte das adlige Antlitz, Ehe des Lebens Beruf gefaltet die denkende Stirne. Als er die Stufe erreicht, wo zum denkenden Manne der Jüngling Endlich geworden, wo viele betreten andere Wege, Mancher verloren auch geht von der heimisch erzogenen Herde, Nimmer die Scholl' er vergaß, wo gestanden die kindliche Wiege, Wo ihn die Mutter in Schlaf gelullet durch heimische Lieder, Welche er nimmer vergaß, die süß das Ohr ihm entzücket; Nimmer das Volk er vergaß das verwandte an Sprach' ihm und Sitten. daß es für diesen Zweck nothwendig ist, aber auch genügt, daß et­waige Erfordernisse für die Heeresmacht des Reiches bewilligt und die Wahlen in die Delegation für die mit den Ländern der unga­rischen Krone gemeinsamen Angelegenheiten vollzogen werden; in Erwägung, daß das für die Annahme dieser Akte in faktischer Wirk­samkeitstehende Organ der Reichsrath der Dezemberverfassung ist in Erwägung, daß wir unserem Rechtsstandpunkt nichts vergeben, wenn wir diese Thatsache anerkennend, unter Verwahrung gegen jede weitere daraus zu ziehende Folgerung mitwirken, daß der Reichs­rath zu den angegebenen Zwecken für dießmal zu Stande komme; glauben wir eine patriotische Pflicht zn erfüllen, wenn wir uns bereit erklären, mit der gedachten Beschränkung und unter dem erwähnten Vorbehalt an dem Akte der Reichsrathswahl uns zn betheiligen. Lokales. Lllibllch, 6. September. — (Skandal.) Als ?. Klinkow ström seine letzte Konferenz in der Domtirche, welche wie bei den vorhergegangenen von Zuhö­rern ganz gefüllt war, hielt, ereignete sich ein Skandal, welcher nur dem „Tagblatt" als eine Kundgebung des Liberalismus und der Aufklärung angenehm sein mag. Einige „böse Buben" aus den „besseren" Häusern, welche der elterlichen Zuchtruthe viel zu schnell ledig geworden, hatten „der Hetze wegen" am Ausgang der Kirche Posto gefaßt und einer von ihnen rief während der Rede des ?. Klinkowström mit Bezug auf einige Worte, die ihm nicht gefallen wollten: „Herunter mit ihm!" Sogleich wendete sich das ganze Zuhörerpublikum gegen den frechen Ruhestörer. Einzelne Rufe er­tönten: „Hinaus mit ihm!" und dem Buben wäre es arg gegangen, hätte er nicht zeitlich sein loses Maul sammt seiner wertheu Person in Sicherheit gebracht. Der Vorfall wurde der Polizei angezeigt und diese ist, wie wir hören, eifrig bemüht, den frechen, bübischen Ruhestörer auszuforschen uud dem Strafgerichte zu überliefern. — Diese Episode konstatirt nur unsere Behauptung, daß gerade in den sog. intelligenten und „besseren" Häusern für die Erziehung der Jugend schlecht gesorgt wird und daß die Nulhe dort viel zu selten in Gebrauch kommt. — (Journalistisches.) „ravlilia," hat, wie sein Redakteur in einer begreiflicherweise bittern, galligten Expektoration im „^vou " ankündigt, aufgehört zn erfcheinen. — Dasselbe ist mit den von Martelanec in Trieft redigirten slovenischen Zeitschriften der Fall, auch „ Holz, hartes, Pr. Klst. 7 «0 Linsen „ . . 4 50 — weiches, 22" „ 5 60 Als Lehrling oder Praktikant wird ein Knabe, der wenigstens die erste Gymnasial- ober Real» schulklasse mit gutem Erfolg absolvirt hat und der sloVenischtN und deutschen Sprache mächtig ist, in einem NlauntaKturwanreu - KeseliiM am Hauptplatze sogleich aufzunehmen gesucht. 63 — 2. Näheres aus Gefälligkeit in der Administration d. B. Mujer zum verkaufe. Die beiden in der Landeshauptstadt Laibach gelegenen zum ^08ßt 5li8olli'schen Verlasse gehörigen Häuser Nr. 8 in der Gra­dischavorstadt und Nr. 20 in der Vorstadt Krakau sind aus freier Hand unter dem Käufer sehr günstigen Bedingnissen sogleich zu verkaufen. — Das Haus Nr. 8 enthält 9 Zimmer, 4 Küchen, 1 Keller, 1 Boden, 1 Holzlege und wirft einen jährlichen Miethzins von 232 fl. ab. Das Haus Nr. 20 enthält 12 Zimmer, 3 Küchen, 2 Keller, 4 Holzlegen und wirft einen jährlichen Miethzins von 317 fl. ab. — Zu diesem Hause gehört auch ein sehr hübscher ertragsfähiger Garten. — Kauflustigen ertheilt weitere Auskunft Herr Oarl lanidoi'­Hill«, Juwelier am Kungreßplatze, sowie auch die Advo­katurskanzlei des Herrn Dr. Carl ^.IiÄLliixIi, Hauptplatz, Röß­mann'sches Haus, 2. Stock. 64-2 . s privil. Minuten Hähne. 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