-4> Ksmstag den 23. Jänner 1830. Oseftthle an Ver Wahre der im achtzigsten Lebensjahre verblichenen Dosephine hon Nanthieri. ^Fm schlichten schwarzen SterbeNeide, seht! —» Daß sie sich selbst schon l<-,nge still bestellt, Die Lilie, —- der reinen Jungfrau Vild! Das Crucifix, bezeugend ihren Glauben, Hält krampfhaft sie in ihrer kalten Hand; Den Kranz von Rosmarin am Haupte, Umwallen silberweiße Locken nur; Geschloß'nen Auges, todtgeweihtem Angesicht?, Und kalt das arme, lange schon gebroch'ne Herz! -« So liegt sie hier — die greise Jungfrau — seht Der Duldung Vild, der stillen Resignation! — Ii)r Geist ist frei, entwunden dieser Hülle, Getragen von drei Cherubim^ zum Scernenthrone Sis heißen »Glaube! — Hoffnung! und Geduld! Ihr Sinnbild, seht dieß Kr e u tz, die Lllie, der N o s, marin! Im Toös, wie lni Leben, hielt Die vielgeprüfte Dulderinn ^tctö herzlichtreu und fest an sie! ^le treten vor deö Allerhöchsten Thron und sprechen: "Herr! ihre Lebensbahn war seltenlang! „Und sonder Nosen, voll der Dornen sah „Sie solche, vor sich „ur entfaltet! ,Doch drang, ihr beß'res Selbst erkennend, sie, »Von uns, von Tugend und Vernunft geleitet, »Den hoffnungsvollen Blick nach Aufwärts nur, »Zum Throne der Vergeltung hin, gerichtet, »Sie endlich — an das Ihr bestimmte Ziel.' »Du bist ja gnädig Herr! und heilest jene Wunden, «Die du den Deinen schlägst — in bangbewegteu Ctun. den! »So heil' auch hier, Allmächtiger! all' jene Schmerzen, »Die Wir auf Dein Geheiß — geschlagen diesem Herzen, „Das gläubighoffend, duldend ausgehaltc,'., „Vertrauend ganz — auf der Vergeltung Walte».' Am ,8. Jänner i83a, als am Vecrdiglmgstage. I. H. S"". ------------—»»,»«------------- Dramatische Anregungen. /Repertoire und Parterre, Man mag die Theaterlust auch in unseren mora« tischen Nosologien als eine Sucht oder Krankheit einzeichnen (sie heißt dann, weil es doch einmal griecher-nen muß, Theattomanie und ist bei unserer Verssund Neim-Wuth oft mit der Metromanie verschwistert), sie ist nun einmal da, und wir können der Schaubühne, als des eigentlichen Mittelpuncts unserer Kunstbildung, nicht mehr entbehren. Wegen dieser Unentbehrlichkeit ist nun aber auch die öffentliche Vühne überall für einen Gradmesser der Nildung und des Geschmacks an jedem Orte, wo ein Theater ist, immer mit Necht gehalten worden. Zwischen der Gesammtheit der Zuschauer und dem ausübenden Bühnenver^ eine findet die mannigfaltigste Wechselwirkung statt, und diesem, stets gegenseitig sich durchdringenden Ein- fluß zu würdigen", und, kann es seyn, zu leiten, ist das Geschäft einer Theaterkritik, wie sie seyn soll. Wer nun aber jenen Gradmesser mit Genauigkeit und Fertigkeit anzuwenden weiß, wird vorzüglich auf zwei Puncte seine Aufmerksamkeit wenden. Der eine ist das Repertoire jeder Bühne, oder die Liste der Stücke, die in einem gewissen Zeiträume aufgeführt worden sind. Gewiß, es gibt kaum etwas Lehrreicheres , als die Uebersicht des Repertoires bei jeder Bühne. Dem Kenner unserer Theaterliteratur ist es nur zu oft ein abschreckendes Sündenregister des herrschenden Ungeschmacks und der Vequemung zur schimpflichsten Frivolität, besonders da, wo Singspiel und Tanzkunst als Gebieterinnen, Posse als Diät für den vollen Magen, Lustspiel und Trauerspiel aber nur-als Zofen und Aufwarcemädchen angeschen werden, oder da, wo Befriedigung gaffender Schaulust und Erschütterung des Zwerchfells die einzige wünschenswer-the Bedingung eines vollen Hauses ist. Wie interessant, aber auch wie niederschlagend ist für den, demdas Theater in der ehrwürdigen Gestalt einer Vildungsschule erscheint, die Monatsübersicht und Musterung der meisten Bühnen^Repertoirs, besonders dann, wenn man im Geiste hinten oder vor den Coulissen, die oft sehr unwürdigen Zwingherren sieht, unter deren.Ioche die meisten Direc-tionen se.ufzen. Denn Zurechnung wegen der schlechten Wahl findet nur bei .... und solchen Bühnen statt, »vo dieDirection sich in völliger Unabhängigkeit von dem Ungeschmackund den wetterwendischen Launen cines viel begehrenden Publicums befindet, Fröhnen auch diesc — Beispiele sind nicht so selcen, als man denken sollte— blos aus Rücksichten, die der Säckel oder die Gunst gebietet, oder dlos der Lach - und Schaulust; bringen diese monaclich nicht wenigstensvicrmal *) das Erwählteste des alten und neuen dramatischen Bühnenschatzes mit Variationen auf d i e Bretter, welche die Welt bedeuten, ohne alle Rücksichten, ob es die Casse füllti so verdienen sie rücksichtslos vor den Richterstuhl der öffentlichen Meinung gezogen, und als Geschmacksverfälscher angeklagt zu werden. Doch wenn dieser Gradmesser des an einem Orte herrschenden Geschmacks und gegenseitiger Anforderung im allgemeinen und überall, wohin die Anzeige vom Repenorium einer Bühne gelangen kann, anwendbar ist, so gibt es auch für Fremde, die.einer Vühnenvorstellung beiwohnen, noch einen besondern. Das ist die krt, wie ') Das Gute musi reifen, muß mit nie übereilender Beharrlich, keit c>»gc,^t werden. Ein Publicum, das alle Tage Neues und Guteo sehen wollte, hatte cyklopischen Appetit nach (iavi.n-i uü0 Muräne». Das Güte musi" m dieser iinal» wentbareil Beschränkung selten seyn, „,id bleiben. der mündige und verständige Theil des Publicums, mit einem Worte die Gebildeten im Volke, während und nach der Vorstellung Vorgunst und Abgunst, Beifall und Mißfallen, versichtbaren und verlautbaren. Wer dieß zu beobachten weiß, der greift den Patienten an den Puls. Und Patient ist jeder Zuschauer; denn er leidet Eindrücke; er ist deßhalb gekommen, um zu leiden. Ob nun der Pulsschlag auftragen Umlauf und dickes Blut, auf böotisches Temperament hindeute, oder ob auf fieberhafte Erregbarkeit und Ueberreitzung^ das läßt sich leicht bestimmen. Nur scheint oft Ueberfüllung im hypersthenischen Zustand da zu seyn, und es jst doch nur Reitz der Schwäche, oder, um in der Sprache den Asklepiaden zu reden, es ist nur eine Ple-thora debilis. Daher sollten fremde Beobachter es wenigstens nicht bei einem Pulsgriff bewenden lassen. Vor allen muß man ,reilich darüber, im Klaren seyn; ist's gut, ist's nöthig, daß lauter Beifall durch Rufen und Kl.nschi'n ertöne? Die Antwort muß bejahend ausfallen. DcrMimen Kunst ist für den Augenblick — D'rum musi er geizen mit der Gegenwart Und im Gefühl der Würdigsten und Vesicn Ein lebend Denkmahl sich errichten. Es ist mehrmal wiederholt worden, daß auch feindenkende und im edelsten Sinne selbstgenügsame Schauspieler und Sänger des lauten Wiederhalles, des Resonanzbodens, nicht entbehren können, und daß ein träges, auS Mlgcnießcndcr Selbstsucht, aus Bequemlichkeit oder aus falscher Vornehmheit dcn Beifall verkümmerndes Publicum, eben so ungerecht gegen die Künstler, als thörig gegen seinen eigenen Vortheil handle. Lauter Beifall, gerecht und klug gespendet, *) ist die Ledenbmft des, Bühnenkünstlers. Das Alte: «singe mir nur und dcn Musen!« kann er nicht sprechen. Beifall spannt, reitzt, begeistert. Und ohne Begeisterung gelingt kein Werk der' schaffen-dcn und darstellenden Phantasie. Ihre Ausstrahlungen werden an starren Eisklumpen zum flackernd strömenden Nordlicht. 'Wir Haben, um nur zunächst bei uns stehen zu bleiben im Laib acher Bühnenvereine Individuen, welchen kein Publicum in Teutschland dcn Nahmen Künstler verweigern wird. Es sind freilich nur sehr wenige; aber ist dieß nicht selbst die Bedingung des Vortrefflichen, ^tun denn, auch diese wenigen Ausgezeichneten werden mehr als ihre Psiicht thun, sie werden in ermunterten Leistungen sich selbst übertreffen, sie werden zweimal mehr leisten, sie werden nm von unsichtbaren, unterirdischen Eingebungen abhängen, nie das Gedächtniß ausser sich haben, ja sie werden die Mindergeübten, die Masse fett st mit sich ') Abcr nicht von de» letzten Gallerie-Drangcrn überschau'i^ und vo» dcn bezahlten B^Nlllvzn'lügern gegeben. fortreißen, wenn der electrische Funke, den sie hervor-'zulocken bemüht sind, aus sie zurückschlägt. So kann sogar die Mittelmäßigkeit über sich selbst.erhoben werben!-------Publicum verstehe deinen Vorlhcil, gebrauche Dein Necht, siehe nicht aus den Nachbar, folge Deiner innern Stimme, sei mündig! und Du verdreifachst Deine Bühnengenüffe! —Aber dieser BeiM muß verständig und gerecht gespendet werden. Das ist nun die schwere Frage an den Puls des Publicums. Wir wollen wegen der Gefahr, verkannt, wegen Anmaffung, gescholten, wegen Schulmeistern,- verspottet zu werden, n,cht wligen — mit Beziehung auf einige ausgezeichnete Leistungen, womit zur Ehre .unserer Oberdi-rection die. Wintervorstellungen in unserem aus Dunkel ins Licht übergegangenen und in seinem Innern eben so freundlich als ein,adcnd gestalteten ständischen Büh. ne würdig begonnen haben — die Arten des Beifalls und Nichtbeifalls zu classisiciren, und so einen Versuch zu einer Kritik des Parterres machen. V. I. N. Eine indische Anecvote. (Nach der Erzählung eines Augenzeugen.) Im Jahre 182Z war dem Residenten der ostindischen Compagnie in Satära *) ein englischer Arzt, Oi> T—r, bcigegeben, welcher bei cincm Ausflug durch das marattische Gebiet plötzlich erki/cmkte. Er erklärte, daß sein Tod unvermeidlich sei, wenn er nicht schleunigst ein warmes Bad nehmen könne. Allein in dem Dorfe war keine Badwanne zu bekommen, und der Resident, (Zolonel V., schickte einen Boten an den jungen Raja, dcr fünf Stunden davon mit einem stiegenden Lager auf der Tiegcrjagd war. Der gutmüthige Hindu b?-sann sich lange, ohne auf etwas zu fallen, das dem Bedürfniß abhelfen körnue, bis er sich endlich erinnerte, daß die große Hecrpauke, eines der Insignien des marattischcn Reichs, welche bei Festen auf einem Elephanten vor dem Fürsten hergettagen und geschlagen wurde, im Lager sei, und befahl sogleich, das Fell abzuschneiden und die Pauke dem Kranken zu schicken. Umsonst stellten ihm seine braminischen Minister vor, welche große Entweihung das Bad eines Unreinen, ei-nes Menschen, der Kuhfleisch esse, in der heiligen Pauke seyn würde. Sie wurde durch einen Elephanten noch in der Nacht hingetragen und von dem Kranken gebraucht, aber ohne Erfolg; er starb denselben Tag. Colonel B. ) >Ucr Raja von Sat-'n'a ist ans d«r Fannlie von Siwaje, t em Gitter des maratuschcn Reichs; er wurde nach der völligen Unterwerfung der „,arattischcn Staaten im Jahr 1817 von den Engländern wieder'auf den Thron geseyt, dessen ihn , die Mlmsicr sm,cr Vorväter beraubt hatten. schrieb an T — r's Vater, einen wohlhabenden englischen Landbesitzer, dcn ganzen Verlauf, und der alte Vater war durch das Betragen des Raja so gerührt, daß er sich entschloß» ihm als Geschenk eine Flinte und Pistolen mit Percussionsschlöffern, die noch eine Neuigkeit waren und die er seinem Sohn zugedacht hatte, zu senden. Als der Resident die Waffen mit dem Brief des alten Mannes erhalten hatte, ging er zu dem Raja, sie zu überbringen, und erzählte ihm die Veranlassung und den Inhalt des Briefs. Der Naja sah ihn lange stumm an, schlug endlich die Hände zusammen mit den Worten: »Fürwahr, ihr Europäer habt schöne Sit. ten, und es ist kein Wunder, daß ihr uns überwunden.« Dann verlangte er den Brief des Vaters, der ihm lieber sei als die Waffen, obgleich tr nicht.lesen könne. Abends kam der alte braminlsche Minister, der sich vor allen der Entweihung der Pauke widersetzt hatte, in den Pallast des Residenten und sprach lange von dem Geschenk, und wie schön es von dem fremden Manne sei, sich ihrer dankbar zu erinnern, da sie doch Nichts mehr für ihn und für die Seinigen thun könnten. Am Ende fing er an zu weinen und sagte: »Unter uns ist Niemand, der es gethan hätte, und Wenige, welche es fühlen können.« --------- »--------- Anecvoten. Ein Journal liefert über den Besuch, den Herr Champollion, Vorstand der von der französischen Re- . gierung zur Erforschung der ägyptischen Alterthümer abgeschickten Commission, dem Vicekönige von Aegyp-ten vor der Rückkehr nach Europa abstattete, folgende Anecdote: Dieser französische Gelehrte zeigte dem Pascha sein Manuscript, das Resultat seiner Forschungen über die Alterthümer dieses Landes. Der Vicekönig, statt es bloß zu durchsehen, rief einen Bedienten, und befahl ihm, das Manuscript in seine Bibliothek zu tragen. Vergebens entschuldigte sich Hr. Champollion, daß das Werk erst ausgefeilt werden muffe, und ihm unentbehrlich seii vergebens erboth er sich, ihm später eine Abschrift davon zu überschicken,' der Vicekönig nahm von diesen Vorstellungen keine Notiz, und das Manuscript blieb zur Verzweiflung des Autors in den Händen des Pascha. Ein Beamter in Warschau erschrack vor Kurzein nicht wenig, als er Abends zehn Uhr nach Hause kam, und einen großen Löwen vor seinem Bette stehen sah, der ein Licht in der Hand hatte, und eben die Bettdecke aufheben wollte. Erschrocken lief er fort, und der Löwe mit Tausend Bitten und Entschuldigungen hintcn drein. Es war fein Bediente, dcr in der Zaubcrflöte den Abend als Statist einen Löwen gemacht hatte, und weites schon spät war, als die Oper zu Ende, aus Furcht vor seinem Herrn, noch in der Löwenhaut steckend, eiligst nach Hause gelaufen war. Der verstorbene Herzog A. v. S. G. neckte sich gerne mit der geistreichen Kammerdame Auguste v. W> Einst trat sie in den Kursaal und der Herzog redete sie mit den Worten aus Wallensteins Lager an: »Was? Der Blitz! »Das ist ja die Gustel aus Blasewitz.« Schnell antwortete Frau v. W., am Herzoge vorübergehend,, mit den darauf folgenden Worten der Marketenderinn : «I freilich ! und er ist wohl gar Mußjo, Der lange Peter aus Itzehö? Der seines Vaters goldne Füchse u. s. w.« Bekanntlich hatte der Herzog A. mit seines Vaters bedeutendem Nachlasse arg gewirthschaftet. Lord D..., ein Kunstfammler und eingebildeter Kenner, hatte ein Gemälde, das er für ein ausgezeichnetes Meisterwerk hielt. Er zeigte es einem berühmten Maler, um dessen Urtheil darüber zu vernehmen, mit den Worten: »Einige, denen ich dieß Gemäldl zeigte, wollten behaupten, es sei sine Kopie, aber Gott verdamme mich, wenn ich d^m nicht, der es noch einmal sagt, den Hals breche. Nun lieber Freund! sa- Zcn Sie mir offenherzig Ihre Meinung darüber« Ein junger Mann trat einst bei emem Balle einem Secretar, der sehr dünne und übel geformte Vei-»e hatte, auf eines dieser Fußgestelle. Der Secretar rief heftig aus: «Zum Teufel! glauben Sie daß ich meine Beine gestohlen habe?« — »O, gewiß nicht,« war die Antwort, »da hätten Sie sich gewiß ein Paar bessere ausgesucht.« E u r i o s a- Ein Kaufmann in ** ließ folgende gedruckt? Ankündigung unter Personen feiner Umgebung circuliren: Mode Waaren, Sowohl, als jede Gattung , FcliniN-Wanlc, besonders zur wärmeren Bekleidung für gegenwärtige Jahres ^ Zeit, von allen möglichen m»dernen sciclcn, 8ckal1'und LaumvvoII- Stoffen, nach dem neuesten Wicnm'-^nurnHl, sind bei Unterzeichneten, welcher, als Mngzt Incor^ol-iiter Ivaul- unci Ilnndoigmlmri, mit doppelter Aufmerksamkeit sein I^xm- so zu wählen und 5artii'l?n gewußt hat, daß nicht allein reine und frische Wagi-o, zugleich mit solchen Geschmack verbunden, daß jede Art und sorto, besonders Hlncl« Vv^rmi die neueste und sollet? I^c-"!-, mit sich trägt, schone und große Auswahl, welche zur vortheilhaften Befriedigung des geehrten Käu-fcrs vollkommen geeignet ist. Nicht gewohnt, meine? ^V23rcn.