für Aunst, Wissenschaft und geselliges Leben. Nedigirt von Franz Hermann von Hermannsthal. .M V Montag an: Jänner Ä^4Ä. Von dieser Keilschrift crlcheine,, wöckenilich zwei Nummer,,, jedes Mal ein halber Bogen. Der Preis des Blattes ist in Laibach «»nziahriü t>, ""^ i»!b>äbr,a z fl. Durch d,e l. l. ^»si unicr Onuvert mir rorioireier Zusendung ganziahrig l>, halbiäblig 4 fl. C.M., und wird halbjährig voraus« be»ahll. Alle l. l. Postöiulcr »ebmen Pränumeration an. In Laibach vränumerirl man beim Verleger am Ra»n, Nr. iyl>, »n ersten Stocke. Der letzte Tänzer Ballade von I » h. Nep. Vogl. ') brav» Lgnner < ?»3ravo La nner. Nur die Geige frisch gestrichen, Heiss», walzen, walze», walzen. Vis die Sterne sind »erblichen. Also ruft's «on hundert Lippen, Als» ruft's in hundert Herzen, Und die Walzeruielodien Klingen hin in M»ll und Terzen. Engbehostc Herr'n mit mäckt'ge» Zwickel-, Schnur- und Iudeubärlen, Fassen zierlich ihre Damen, Die zu walzen nur begehrten. Und in flatternd weißen Kleidern Nauschen diese hin wie Feen, Vis im süßen Wonnetaumel Ihre Sinne fast «ergehen. Schone Rosa , Blondgelockte, Zierlichste der Tänzerine», Ha, wie lacht des Walzens Wonne D»ch aus jeder deiner Mienen! Wie nur weißt du mit den kleinen. Flinken Füßchen hiuzuschwebcn, Gleich als wären Automaten All' die Andern ohne Leben. Zehnmal hat die schlanke Schone Sch»n durchlauscht des Saales Länge, Und es ward hei jedem Walzer Ihres Tänzers Brust zu enge. Und noch immer nicht befriedigt. Wie Main» auch mahnt an's Schlafen, Sucht sie für de» nächsten Walzer Nur n»ch einen neuen Sklaven. Sieh, d» naht ein zartes Herrchen, Schwarzbefrackt, mit dünnen Beinen, Bleich das Antlitz, schmal v»ii Taille, Wie sie's jetzt zu lieben scheinen. Dieser spricht: «Mein Fräulein, darf ich Mir noch eine Tour erbitten?« lind sie tniret, artig lächelnd. Nach salongemäßen Sitten. Und die Walzermclodic» Rauschen in bacchanl'sche» Weisen» Ha, wie fliegen da die Beiden Fort in wilden Wirbelkreise». Wie das brauset, schleift und wehet, Wie sich's hastet ohne Halten, Gleich als wurden fortgerissen Sic von zaub'rischcn Gewalien. Ei, warum nur brenne» immer Düsterer des Saales Kerzen? Selbst die lichterhcllen Wände Scheinen mählich sich zu schwärzen. Doch das schworzbcfrackte Herrchen Reißt sie fort in wirren Ringen ^ Nein, das sind nicht mehr die Räume, Die sie schimmernd erst umfingen. Ocdc Heiden, finst're Wolken Kreisen fluchtig um die Beiden, Jetzt ein Kirchturm, ein Gemäuer, Nebe» hängend grauen Weiden. Horch, was klirrt? — Aus rost'gen Angeln Rasselt »uf ein altes Gitter, Und hinein mit seiner Schönen Braust der topf're Wülzerritter. Hügel rangen da an Hügel, Nein, sie sieht es nicht im Truge! Ueber »achtbcthaute Gräber Rasen beide hin i,n, Fluge. Und ihr Haar durchweht die Lüfte, Fiebernd klappern ihre Zähne, Und ihr Herz erstarrt im Busen Ob der schaudervollen Scene. Ach, umsonst sucht sich die Arme Ihrem Tanzer zu entringen, Spinncnartig weiß der Rasche Sic nur fester zu umschlingen. Schau, da fliegt sein Schopf vom Scheitel, Und sein Frack zerfällt in Fetzen, Und ein Neingeripp erblicket Sie mit Schaudern und Entsetzen; ')Vog l lieferlein dieser allegorischen Ballade gewiß einen der wohlgemeintesten Aufsätze für unsere tan,' gen von umeren junge» und liebenswürdige» Leserinen, welche den Tönen »onLanncr undStrouß so ge» und —beherzigen. Fühlt von ihm sich fortgerissen. Gleich als hätten be,de Flügel, Unter Klappern, unter Rasseln, Ueber Schollen, Särge, Hügel. Und die alten moosaen Steine Taumeln ihnen aus dem Wege, Und ein schaurig Nachtgczüchte Wird um sie mit einmal rege. Aus den Gräbern tauchen Larven, Hohl das Au»,' und weiß wie Kreide, Winken hier mit dürre,» Finger, Haschen dort »ach ihrem Kleide. Plötzlich reißt zu Ro sa's Füssen Mit Getrach sich auf die Erde, Und in schwindelnd raschen Wirbeln Zerrt zur Gruft sie der Gefährte. Da entringt ein gellend wilder Schreckensschrei sich ihrem Munde, Aber schon ist sie umfangen Sammt dem Scheusal von de,» Schlünde, Sieh, da flirrt's vor ihren Blicken, Horch, d» klinge» wirre Klänge, Und ii» Saale sieht sie wieder Sich uiuriiigt von buiitcr Menge. Denn am Arme ihres Tänzers War sie plötzlich hingesunken. Als zum zwölften Mal die Runde Sic durchjagt von Wonne trunken. Doch verschwunden wie ein Schatten War im selben Nu der Grause, Und die erst voll Lust noch glühte, Bri»gt ma» halb entseelt nach Hause. Bettet sie !» »'eiche Kisse», Rennt nach Arzt und Apotheke, Doch im Saale dreht sich's wieder Lustig auf de,» alten Flecke. Und des Wülzcrkönigs Bogen Ist schon wieder flink im Gange, Als das dumpfe Zllgenglöckchen Drein sich mengt mit schrillem Klange. und walzcrlustige Zeit; möchten doch diejeni' überaus gern folgen, denselben nicht überschl»­ 294 Die Stubenberge. Von Karl Preiiner. (Fortsetzung.) Nach sechs und zwanzig Wochen langer Haft brach­ ten diese Herren endlich eine Tagsatzung zu Prag zuwcgen, wurden am Palmsonntage 12?0 aus ihrer Gefangenschaft entlassen, und fanden in ihrer Heimath ihre Schlösser zer­ brochen. Siegfried von Mährenber g wurde aber auf listige Weise nach Prag gelockt, wo ihn Ottokar schreck­ lich foltern, und dann erst tödten ließ. Seine Gebeine be­ wahrt das unvergleichliche Ioanneum zu Gratz. Ottokar ent­ galt seine grausame That blutig durch seinen Tod in der Völkerschlacht am Marchfelde wider Rudolph von Habs­ burg, von den Söhnen des Mährenberges gefällt. Ausser den alten Ruinen des Stammschlosses Stubenberg ist aber noch ein anderes, jüngeres Schloß Stubenberg vorhanden, allein der Familie nicht mehr gehörig, sondern ein Eigenthum der Grafen von Herber st ein, welche früher Lehensvasallen der Srubenberge waren. Dieses zweite Stubenberg liegt unweit der Pfarrkirche gleiches Namens auf einer unbedeutenden Anhöhe. Es bildet ein ziemlich regelmäßiges Viereck und ist mit einem Graben und in der Vorderseite mit einer Zugbrücke versehen, je­ doch auch schon verlassen, und zum Theile abgebrochen. Als die Herren von Stubenberg ihren Wohnfitz aus der oberivähnten, nun in ihrem Schutte da liegenden Stammburg in das von Wülfing von Kapfenberg an­geerbte Kavfenberg im Jahre 118? verlegten, hielten sie zu Stubenberg ihre eigenen Burggrafen, von welchen in einer Urkunde vom Jahre 1131 sich ein Peter von der Heyde einen Burggrafen zu Stubenberg nennt; und zwar fassenstubenberg'sche Burggrafen so lange daselbst als noch ein Stück der gleichnamigen Herrschaft der Familie eigen blieb. Ohne Zweifel mag die neue Burg nach der Zerstörung des alten Stammsitzes erbaut worden sein. Ei­ner noch vorhandenen Sage zu Folge soll diese zweite Burg nebst allen im Feistritzthale gelegenen stubenberg'schen Besitzungen durch die Hand einer Herrin von Stuben ­berg an einen Ritter von Herberstein gekommen sein. Der Ursprung dieses wahrhaften Herrengeschlechtes verliert sich sohin in das Dunkel jener Zeiten, aus welchen an historischen Daten bezüglich unserer ältesten Familien so wenige und nur äußerst dunkle vorhanden sind, welche großenthcils auf angeerbten sich auch schon verlierenden Sa­gen beruhen. Doch ist, wie wir bereits gesehen haben und noch wei­terhin lesen werden, unter allen alten Edclgeschlechtern Steiermarks dieses eben diejenige Herrenfamilie, welche zur Geschichte des Landes den meisten Stoff geliefert hat. Bevor wir zur Fortsetzung der historisch-genealogischen Skizze der Stubenberge schreiten, finde ich über die bereits ein paarmal in diesem Aufsatze derührte Pfarr­kirche zu Stubenberg noch zu bemerken, daß sie nebst dem Patronare und der Vogtei mir den stubenberg'schen Be­sitzungen an die Herbersteine übergegangen und nun eine Schutz- und Patronatskirche der Herrschaft Herber­ stcin ist. Sie ist ihres alten Ursprunges wegen auch gut dotirt, obschon im Jahre 1372 ein Pfarrer zu Stuben­ berg, Wülfing Winkhler , die gößischen Lehenstheile die­ ser Pfarrkirche bei Stillung und am Hühnerberge dem Hanns von Stubenber g um e? Pfennige überlassen hat. Auch müssen wir, bevor wir aus dem freundlichen, mit mehren Burgruinen besetzten Feistritzthale scheiden, eine in physischer Rücksicht besonders merkwürdige Erschei­ nung, in dem sogenannten Rüblande an den dortigen In ­ sassen besonders auffallend, den verehrten Lesern mittheilen. Dieses Rübland, eine malerische Gebirgsgegend, stellt an seinen Bewohnern, und selbst an Greisen, eine aus­ gezeichnet schöne Gesichtsbildilng dar, welche den dortigen besonders guten, gesunden, und reinen Bcrgquellen zuge­ schrieben werden soll. Ich beginne nun die Reihe dieser edlen Herren und ihre Geschichte, so weit ich mir solche bei den wenigen mir zu Gebo­ testehenden Hilfsmitteln zusammenzustellen im Stanoe >var. Der Erste, dem Namen nach in der Familie bekann­ te, und in ihrer Stammtafel vorkommende Stubenberg ist jener Wülfin g i., dessen ich bereits oben zu Anfang dieser Skizze erwähnte. Dieser herrliche Ritter Steiermarks war bereits vor dem Jahre 1000 Eigenthümer der seiner Familie von Wülfing von Kapfenberg abgetretenen Veste und Herrschaft Kapfenberg. Er war mit der schönen Agnes Gräfin von Habsburg oder Habsberg, deren Bruder Otto Gaugraf zu Bäreneck in Obersteiermark gewesen, vermählt. Diese Vermählung ist der Stoff zu einer ro­mantisch-tragischen Epoche in der Geschichte seines Lebens und seines Hauses geworden, deren Andenken noch immer in dem Wappen der Familie durch den blonden Haarzopf lebend erhalten wird. Wülfing lernte die schöne Agnes, Schwester sei­nes Freundes Otto , kennen. Gleichgestimmte Herzen fin­den sich bald, und es entspann sich zwischen ihnen eine Liebe, die bei den reichen Besitzungen und dem Ansehen Stubenberg s in Kurzem in eine freudenvolle, glückliche Ehe übergegangen wäre, wenn nicht Wülfing , durch ein früheres Gelübde gebunden, nach der Sitte seiner Zeit mit dem deutschen Kaiser (wahrscheinlich Heinrich II.) einen Ritterzug nach Italien unternehmen, und sich von seiner Agnes hätte trennen müssen. I n der bitteren Stun­de des Abschiedes setzten die Liebenden für die Zeit der Wiederkehr Wülfings sieben volle Jahre fest, und Ag­nes gab ihrem scheidenden Ritter einen aus ihren schö­nen langen blonden Haaren geflochtenen Zopf und einen Ring als Zeichen unverbrüchlicher Treue auf seine weite Reise mit. Wülfin g verschloß diese theuren Andenken in ein eigens verfertigtes einem Zopfe ähnliches Behältniß, und befestigte solches auf seinem Helme. (Fortsetzung folgt.) Tiroler - Fahrte«. Von L du <>>'!> Silcsius. (Fortsetzung.) Das Dörfchen Moos, das wir bald darauf durchwan­derten, besteht aus wenigen zerstreuten und ärmlichen Hut­ FSH ten, in welchen aber ein gesundes und frohes Bergvolk hauset. Es war ein Sonntagsnachmittag, an welchem die Leute meistens, müßig plaudernd, vor ihrer Hüttenthüre standen, mit welcher idyllischen Geselligkeit die Einsamkeit der ungeheuren Natur ringsumher seltsam contrastirte. Hier beginnen die der rauhen Hohen sonst gewohnten Na­delbäume nach und nach immer mehr zu verkümmern und seltener zu werden; nackte Felsenjoche steigen, überhan­gend steil und von scharf ausgezackten Formen, auf beiden Seiten himmelan, ewigen Schnee auf ihren kahlen Häup­tern und kleine Gletscher auf ihren rauhen Schultern tra­gend; über Alles hinweg schaut aber die ungeheuere ge­frorne Wand. — Links von Moos, zum Glücke durch ei­nen vom Wildbache durchbrausten tiefen Abgrund davon getrennt, liegen grauenvolle Maßen wüsten SteingerölleS gegen den hohen Lachtelberg hinangechürmt — eine ohne Lebensgefahr nicht zu beschreitende Gegend, indem die Oberfläche des ganzen Berges in beständiger Bewegung begriffen ist. Von Zeit zu Zeit vernimmt man, hier vor­überwandelnd, einen dumpfen Donner aus der Hohe; es ist irgend ein gewattiger Felsblock, der sich oben abgelöst und langsam aber unwiderstehlich in die Tiefe hinabrollt. Seine Gewalt reißt andere seines Gleichen mit sich, die längere Zeit in trügerischer Ruhe verweilt, und so scheint manchmal die ganze wüste Trümmerwand im Kreisen be­griffen. Kleinere Steine und rieselnder Felssand sind aber fortwährend im Niederkollern und Stäuben begriffen, ohne daß man mehr darauf achtet; es ist, als ob die neckischen Berggeister von oben herab ihre kleinen Spiele trieben mit den Menschlein der Tiefe. Wundervoll und mannigfaltig ist die ewige Natur in jeder ihrer Lebensregungen; im Hochgebirge ist auch die geringste derselben noch immer gi­gantisch und Staunen erregend. Neben so wilden Sce­nen der Verheerung tritt der allgemeine Alpensegen, aus welchem sie, wie einzelne Schreckbildcr aus einer Kette lieb­licher Träume, herausragen, um so herzcrfreulicher hervor. Je weiter man in das Innere des Thales dringt, desto üppiger und balsamischer grünt und duftet die Alpenstur, desto zahlreicher und fröhlicher blocken und läuten dieHeer­ den, und zuletzt erweitert sich die düstere Schlucht sogar wieder zu einer geräumigen Thalrotunde, aus deren reich­gesegnercm Wiesenschooße sich der von hundert Bergquel­len genährte Nasen bis hoch an die bemoosten Granitmau­ern der Seitenwände hinaufzieht, über welche wieder die ewigen Schneehäupter, wie ehrwürdige Patriarchen, auf zwei aus ihnen hervorgegangene, tiefere Generationen her­niederschauen. Wir befinden uns, eine halbe Stunde von Moos, in Hinterdux, der obersten und letzten Ortschaft dieses merkwürdigen Thales, am Fuße des rauhen Durer­joches, über welches am Eingange des unwirthbaren Wei­tenchales vorbei der Saumpfad, eine der Hauptwasser­scheiden Europa's überschreitend, in die nach Süden ge­neigte Eisakregion führt. Hincerdux, nur aus sieben Höfen bestehend, bildet eine der lieblichsten Hochgebirgslandschaften, bei deren An­blicke jede gefühlvolle Seele mit dem wehmüthig-süßen Gefühle gänzlicher Weltabgeschiedenheit, vollendeten länd­lichen Friedens durchschauert werden muß. Traulich steht das Dörfchen mit seiner Capelle mitten in den Wiesen und Haferfeldern der Tiefe; ringsumher grasen die Alpen­kühe am Fuße der Gebirge; höher hinauf klettern und rupfen die Ziegen und Schafe, und tiefblau herein schaut der ewige Himmel über dem ewigen Krystalle der Eisberge in die tiefe, stille Thalwelt hinab, die nur das Murmeln des Baches, das Zwitschern der menschenbefreundeten Schwalbe belebt. I n schier erdrückender Nähe winkt aber die schneeweiße Eiskuppel der gefrornen Wand und ihrer ebenbürtigen Nachbarn zu sich hinan, brüderlich angereiht an eine ganze Keite unersteiglicher Gletscher, worunter der Alpeiner und der Stampfler Ferner die merkwürdig­sten sind. Doch ist die Nähe der Eiskoloße nur schein­bar für das Auge vorhanden; man hat von Hinterdur noch gute zwei Stunden bis zum Fuße der gefrornen Wand hinanzullettern. Hinter den sieben idyllischen Hüt­ten empfing uns die großartigste Alpennatur. Eine gute Viertelstunde lang zog sich die Wiesenmatte sanft hinan gegen die den Hintergrund amphitheatralisch umgränzenden Riesenberge. Einige einzelne Grashöfe bezeugen, daß auch diese Bergeinsamkeit noch bewohnt; dazwischen stehen ein­zelne stämmige Hirten, auf ihre Stecken gestützt und in ihren rauhen Lodenkitteln, mit ihren verwilderten Värren fast von unheimlichem Aussehen, aber gutmüthig, zutrau­lich und klug im Gespräche. Scharen von lustigen Stie­ren, meistens schneeweiß oder grau und nur hie und da mit gefärbten Flecken, tummeln sich weit und breit mit übermüthiger, urfreier Naturkräftigleit und Fröhlichkeit umher, in tollen Wettkämpfen mit den markigen jungen Hörnern und Eisenstirnen gegen einander rennend, sich überwerfend und überkugelnd und die Echos der Felsklüfte mit hundertfachem Geblöcke weckend — Repräsentanten des immer mehr von der Erde entschwindenden freien Noma­denlebens. Mi t frisch umher blitzenden Augen hatten uns die fröhlichen Naturkinder alsbald erspäht, kamen in schwer­fälligem Sprunge, in leichtem Trabe von nah und fern herangeeill, und bald hatten wir auf allen Selten unsere Satelliten, die um uns her courbettirten. Schon war ich, der ich von dem kecken Uebermmhe der Alpenrinder viel gehört, auf ernstliche Vertheidigungsmaßregeln bedacht; der Füh­rer beschwichtigte mich aber lachend, und bald zeigte sich's auch, daß die guten Burschen friedlich und harmlos, wie die ganze Alpennatur rings umher, und wohl nur nach ei­ner Salzlecke lüstern waren. So tummelten sie sich eine Weile freundlich um uns herum, hielten nur dann und ,»ann—wie gefließentlich zu unserer Belustigung —ein paar lustige Renntämpfe gegen einander, uns selber mit den dräuenden Hörnern nicht im Mindesten gefährdend, und kehrten, wie wir näher gegen die umwirthbaren Joch-Höhen hinanschritten, springend und blockend wieder nach ihren fetten Weideplätzen zurück. (Fortsetzung folgt.) Neues. (Kunstansicht.) Ein in Paris ansäßiger, jetzt in Berlin verweilender Kunstkenner und Chemiker, Namens IOO Eduard Stolle , hat die Ansicht ausgesprochen: daß die bisher für Wachsmalerei gehaltenen antiken Wandgemälde nl f<-««o<> gemalt seien, und zwar so, daß der Kalt sowohl als die Farben mit Milch angemacht seien, wodurch jene schone Farbenpracht hervorgebracht würde, die man noch jetzt an ihnen bewundert.— (Drahtweberei.) Die feinen preussischen Eisenarbei­ten sind bekannt; allein in England hat man in diesem Zweige der Kunst ungemeine Fortschritte gemacht, denn man webt dorr Drahcgaze mit nicht weniger als 1Z0 Lochern auf ei­nen Zoll. Dieses Gewebe ist außerordentlich schon und so fein, daß es reißt wie Papier. Man glaubt, die Damen werden bald solche Drahtgazebänder bei ihrer Toilette ocr­wenden. — (Eisenbahn-Unfälle.) Auf englischen Eisenbahnen sind wieder in 8 Tagen 5 Menschen verunglückt, daher sich Vieler im Publicum eineAengstlichkeit bemächtiget, sich dieses Neisemittels zu bedienen, obwohl anerkannter Maßen nicht die Erfindung, sondern Nachläßigteit in Handhabung derselben an den Unfällen Schuld trägt. Strenge Strafen werden demnach von den heilsamsten Folgen sein. — November- «nd Decemberfeuilleton. Mit ­theiluuge« aus dem Tagebuche eines Wie­ners. (Fortsetzung.) Eine zweite höbe Festgabe der Tonmuse nenn' ich das im k. f. Re­doutensaale am 8. Deccmber aufgeführte große Oratorium »Saul und Da­vid«, Text von Chr. Kuffner, Musit von Ostmayer, t. f. Vicchofca­pcllmeister. Die Soloparte befanden sich in den Händen der Dlle. Maye r und der Herren Staudigl , Lutz, Wein topf, Geer; May seder diriesirte, die k. f. Hoftapelle und das Orchester sammt Chor der k. k. H»f­«per wirkten, Worte und Töne warfen ihr magisches Netz um Ohr und Seele der Hörenden; wie sollte das nicht einen vollendeten Sieg gegeben haben? Auch einen schonen, ruhrenden Act der Pietät sahen wir Polyhym­ni» vollbrinaen, kein Fürst kann auf eine großartigere Weise Wohlthatcn spenden. Die Künstler des hies. Musikvercins veranstalteten nämlich zum Besten der Witwen und Waisen dieses Instituts die Aufführung der vier Jahrs« zeiten Hayd»'s ; das nenn' ich doch im Namen der Genien der Humani­tät und Kunst an die Munificenz des Publicums appelliren, und die em­pfangenen Beweise edler Freigebigkeit mit einer klingende n Münze von unschätzbarem Wrrthe vergelten! Ueberhaupt muß ich bekennen, daß es dem wahren Menschenfreunde die innigste Freude bereitet, wahrzunehmen, wie es sich die Kunst allenthalben, namentlich aber in Wien, zur heiligen Auf­gabe gemacht zu haben scheint, mit der Wohltbcitigteit Hand in Hand zu gehen, und so durch diese segcusvolle Gemeinschaft ihre himmlische Abkunft immer augenscheinlicher zu bestätigen. Gilt es irgendwo, etwas bleibend Gutes ins Leben zu rufen, das Andenken irgend eines bedeutungvollen Ereignisses oder großartigen Moments durch einen Act der Humanität zu feiern und zu firiren , «der kommt es darauf an, in der Wüste des L.bens aus starren Felsen mit Mosis Wundcrstabc plötzlich eine reichlich strömende Quelle, dem Unglücke zur Labe, hervor zu locken! gewiß wird die Kunst die erste »uf dem Platze sein und thälig, rüstig milfordern, gründen und aufbauen helfen/ retten und erquicken. Stille daher mit den verleumderischen Invec­tiven gegen die sogenannte unpraktische Sublimität der Kunst; wolltet Ih r auch den Lorber ihr versagen, darf ihr doch Niemand die Nürgertrone ent­reißen. Einen glänzenden Beleg meiner Behauptung lieferte die am üy. No­vember im k. t. Hofburgtheater zu Gunsten der grauen Schwestern stattge­fundene Akademie, die ein wahrer Wettstreit ausgezeichneter Kunsiträfte in dem von mir »»gedeuteten Sinne genannt werden muß. Proch spendete eine im italienischen Style gehaltene effektvolle Ou­vertüre, Dlle. Enghaus sprach einen Von Deinhardstein gedichteten Prolog, Dlle. Mertz trug ein Adagio und Ernst's »Carneval in Venedig« auf der Guitarre vor, Hr. Hal m gab c,ne dramatische Gele>,enheitspiece »Die Pflegetochter« — trefflich der Bedeutung des Augenblicks angemessen - dann folgte von Franz (von Brau n au) ein kleines, aber bis in die zartesten Nuancen gelungenes Lustspiel »Jadcss«, ein Musterbild femster u»d simiiqster Komik — endlich > der übrigen noch mitcingestochtencn Knnss- na­mentlich Musikproductioncn gar nicht zu gedenken, ein Fragment vonGrill ­parze r neuestem histor.Dram« »Libussa«, u»d zwar das Vorspiel dessel­ben , herrlich und hochpoetisch, wie es der Dichter immer i» alle» seinen Schöpfungen gewesen. Freund, dem solche Genüße geworden, wardst Du nicht tausendfach entschädigt für Dein auf den Altar der Menschenliebe ge-. legte« Opfer und fügst Du Dich, halb beschämt durch diese Fülle von Ersatz, nicht gerne dem Gebote: »Es soll die Linke nicht wissen, was die Rechte gegeben?" — (Fortsetzung folgt.) Erwiederung auf die Vcurtheilung der Oper »die Nachtwandlerin« im illyrischen Blatte Nr. 52. Jener Hr. Referent erklärte Anfanas !» seiner Deta,lir»ng der Oper, daß ick als Amino hinsichtlich der Auffassung »»einer Partie, sowohl durch meine reinen chromatischen Läufe, so wie durch meine klaren und klangvol­len Triller als ausgezeichnete Vravour-Vängeri» den schönsten Triumph feierte, und durch den Ausdruck des innigsten Gefühles mir den oXgemei­»cn Beifall des verehrten Publicums erwarb, und sagt gleich im nächst­folgenden Satze »daß man bei der zweiten Strophe der Final > Arie »Lust „nd Freude >c.« nach der Originalmelodie vergebens horchte, indem ich die­selbe mit Trillern und Läufen zu sehr überhäufte, wegen welcher Triller­sucht (wie sich dieser Herr Referent auszudrücke» beliebt) alles Liebliche und Sanfte der Idee des Coinpositeurs verloren ging.« — Wenige oder gar keinen Composiicur wird man nennen tonnen, die bei Coronen der Sängerin oder dem Sänger eine positive Verzierung oder Cadeuz vorschreiben, sondern sie überlasse» es gewöhnlich de,» gute,! Geschmacke oder der Einsicht und Kehlenfertigkeit desjenigen Individuums, welchem die Leistung einer solchen Partie übertrage» wurde. — Ohne un­bescheiden zu erscheine» < erlaube Ich mir zu bemerken, daß ich auf den be­deutendste» Bühnen Europa's mit den, ungelheiltesten Beifalle aufgenom­men wurde, und mein Name einen guten Klang in de,» Register der Pri­»le Donnen sich erwarb. Schmeichelhafte schriftliche Aeußcrunge» über meine Leistungen in, Gebiete der Vcfangskunst sowohl, als auch über meine Dorstellungwcise, habe ich von den compelentesten Richtern, z. B . von den Hrn. P a er, Auber, Herold, Sp » » tini, Spohr, Rossini, C b e-lord, Lindpaintner u, s. w. in Hände», die stündlich zur gefälligen Einsicht zu Diensten stehen. Ich hatte das Glück, meistens unter der persönlichen Leitung dieser gewiß accredirten Herren mein Talen! Zeltend machen zu tonne», um so schmerzlicher wäre es für mich, we»n ich durch die Willkühr eines Einzelnen plötzlich mein, mir am musscalischen Horizonte durch Jahre erworbenes Renommee angelastet sehen würde. Tlldolini und Tachinardi-Pcrsiani hörte ich selbst, und weiß ge»au, daß sie die 2te Strophe der genannten Arie (wie auch die erste Arie »Meines Herzens schnelles Schlagen«) variirtcn und sogar genannte Va­riationen im Stiche erschiene». Daß ich nu» diese Varia!i«»cn nicht beibe­halten, sonder» »ach meinem Gutdünken eine eigene geschaffen, tan» nicht wohl ei»cr Rüge verdiene»/ sondern es ist Geschmacksache. Daß ich den 6uü t des Herrn Einsenders nicht errathen habe, ist wohl möglich, wozu aber Vergleiche zwischen mir und einer anderen Sän­gerin dienen solle», begreife ich wahrlich nicht, und halte es für äußerst unnütz, da viele Sängerinen in Methode, Stimme und Auffassunggabe ganz verschieden sein können und demohiigeachlet Jede ei»e schätzcoswerthe Acguisiiion für eine Kunstanstalt sein mag. Eine denkende und roulinirte Sängerin, glaube ich, wird jedenfalls sich bestreben, bei Wiederholungen das ewige Einerlei zu vermeidcn, und namentlich in französischen und italienischen Composmonen durch zweckmä­ßige Verzierungen dem Ganzen neuen Reiz zu verschaffen sucken/ worin denn eigentlich Vortrag und gule Schule begriffen sind. Bei klassischen Werken z. N. Don Juan, Vcstalin, Faust, Icßonda, Jüdin u. dgl. würde ich es für eine Sünde halten, auch nur eine Note abzuändern. Schließlich erlaube ich mir zu bemerken, daß mir von Seite de» hiesigen resp. Theaterbesucher und Ku»stfreunde schon die gütigsten Beweise Derer Zufriedenheit und Achtung zu Theil geworden sind. Laibach den 4. Jänner l«4l. Marie Rosner. Laibach. Druck und Verlag des Joseph Blasnik.