Pranumerationspreise: Für Lllibach (sammt Zustellung in's Haus): Ganzjährig . . fi. 5.— Halbjahng . . „ 2,50 Vierteljährlg . „ 1,25 Mit Postverseudung: Ganzjährig . . fl, 6,— Halbjährig . . „ 3.— Vierteljährig . „ l.50 Einzelne Nunmieru 3 fr. Zeitschrift für vaterländische Interessen. (Erscheint Tinstllg und Fleitllg.) Manuskripte werden nicht zurückgesendet, anonyme Mitthcilungen nicht berücksichtiget. Jahrgang V. Laibach, Freitag am 20. Mai 1870. Insertionsgebühren. Für die zweispaltige Petit zeile oder deren Na einmaliger Einsö «l fr.,2mal8kr., 3ii , Stempel jedesm«3HlM5kW' Nedaktion: Ha ^ Nr, 3!3, II, Administration eben daselbst in Ottokar K l er i s Buchhandlung Nr. 40. Offizielle Kritik. Wir beeilen uns, unseren Lesern im nachfolgenden den Wort­ laut eines Artikels mitzutheilen, welchen die amtliche „Laibache r Zeitung" unterm 18. d. M. veröffentlicht. Wir hallen dafür, daß dieser Artikel ein amtliches Aktenstück ist, welches sämmtlichen offiziellen Blättern mitgetheilt wurde, denn anders können wir uns die Veröffentlichung dieser vernichtenden Kritik über das Hasner'sche Ministerium — und zumal in der „Laib. Zeitung" — nicht erklä­ ren. Wir behalten uns vor, im nächsten Blatte über diesen Artikel, welcher wie ein Blitz die Situation erhellt und ein ganzes Programm des Ministeriums Potocki involvirt, einige Bemerkungen zu machen, können jedoch nicht umhin, schon heute beizufügen, daß es sich äu­ ßerst possierlich macht, wenn die „Laib. Zeitung" (!! ) in der un­ angenehmen Lage ist, heute versichern zu müssen, daß sie es war,' welche seit jeher nach ihren bescheidenen Kräften dazu beigetragen hat, daß die öffentliche Meinung über die Verderblichkeit der Politik des früheren Ministeriums aufgeklärt werde. Dann weiter: „Wir selbst haben dem Ministerium Hasner gegenüber von dem Rechte der Krilik umfassenden Gebrauch gemacht." Wi r staunen und bedauern selbst, daß uns die großen Ver­dienste der „Laib. Zeitung" nach dieser Richtung hin so ganz und gar unbekannt waren, und leiten hievon die große Lehre ab, daß es denn doch wahr ist, daß hinter diesen offiziösen und offiziellen oft die entschiedensten Demokraten stecken müssen; — anders läßt sich die Geschichte nicht erklären. Dieser Artikel der „Laib. Zeitung" lautet: „Wenn Graf Potocki die Verfassung durch einen Staatsstreich vernichtet hatte, fo könnten sich die Parteigänger der durch die ei­gene Unfähigkeit gestürzten politischen Klique über seine Politik nicht maßloser äußern, als dieß jetzt schon der Fall ist. Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgend ein der Verfassungs­treue beflissenes Organ eine neue himmelschreiende Sünde der Regierung ans Sonnenlicht brachte. Begeht das Ministerium zufällig keinen Fehler, so erfindet man mit einer Geschicklichkeit die jeden Großinquisitor zieren würde, ein Verbrechen, das man je nach Be­darf entweder dem Ministerpräsidenten oder dem Reichskanzler zur Last legt. Wäre auch nur die Hälfte von dem wahr, was über die jetzige Regierung geschrieben wirb, man müßte über die Langnmth der Krone erstaunen, deren Vertrauen zu den leitenden Staatsmän­nern nach untrüglichen Symptomen unerschüttert scheint. Die Kritik, die an der Politik des Ministeriums geübt wird, ist bald so verlo­gen, daß sie Entrüstung erregen muß, bald so läppisch, daß sie nur ein mitleidiges Lächeln hervorrufen kann. Da wird dem Ministerium vorgeworfen, daß es der Reaktion in die Hände arbeite, eine Be­hauptung, die mit dem auf die Kräftigung und Sicherung des öf­fentlichen Rechtes gerichteten Streben der Regierung im Widerspruche steht. Dort macht Einer, der ein Privilegium auf die Staatsweis« heit erworben zu haben glaubt, der Regierung den Vorwurf, daß sie den Ausgleich noch nicht bewerkstelligt habe, behauptet aber in einem Athem, daß der Ausgleich überhaupt ein Ding der Unmög­lichkeit sei. Dabei geberdet sie sich, als hätte ihnen ein Konzil von Verfllssungsdoktrinären die Unfehlbarkeit votirt, und erklären Jeden für einen Verräther, der sich ein minder befangenes Urtheil über die Politik des Ausgleiches gebildet hat. Irren wir nicht, so ist dasPotocki schuldig bekennen muß,Regierung, die den schwachen größte Verbrechen, dessen sich Graf sein Muth, der ihn die Zügel der Händen des Parlamentär! fchen Ministerium s entfielen, aufnehmen ließ. Das verzeihe! ihm die Parteigänger der Reich srathskliqu e nimmermehr, daß, er sich einer Aufgabe unterzog, vor der die gefallenen Größen scheu und ängstlich zurückwichen. Das ist in ihren Augen ein straf­würdiges Beginnen, daß in ganz Oesterreich ein Staatsmann es unternahm, den gründlich verfahrenen Staatskarren wieder auf den richtigen Weg zurückzuführen. Und das Zeugniß müssen wir den früheren Ministern ausstellen, sie haben es verstanden, ihren Nachfolgern die Arbeit schwer zu machen. Durch ihre ausgezeichnete Regierungskunst, die man uns als unfehlbar anpreisen will, haben sie den Reichsrath der Zersetzung, der Selbstauflösung nahegebracht und Zustände geschaffen, die jedes patriotisch fühlende Herz tief bc trüben müssen. Wenn auch die Politik des Ausgleiches bisher noch keinen entscheidenden Erfolg aufzuweisen hat, so bedauern wir doch nicht, nach unseren bescheidenen Kräften dazu beigetra g?_n zu haben (??), daß die öffentliche Meinung über die Ver derblichkeit der Politik des früheren Kabinets aufgeklärt werde. Wenn wir dabei etwas zu bedauern haben, so ist es nur das eine, daß dem Ministerium Hasner nicht mehr die Zeit blieb, mit seinen Nothwahlgesetze und seiner partiellen Landtagsauflösung Fiask o zn machen. Hoffentlich hätte dann niemand mehr daran gezweifelt, daß die Politik, wie sie früher getrieben wurde, zum Ruin der Verfas­sung führt. Die Fäden der friedlichen Verhandlung, die das Ministerium Hasner fast vollständig Abgerissen hatte, wieder aufzunehmen, war nicht leicht. Mit den öechen, die dem Minister Gislra auf seine freundliche Einladung einen demüthigenden Absagebrief geschickt hatten, die Unterhandlungen einzuleiten, war immerhin etwas, und gewiß schwieliger, als sich von ihnen einen Korb zu holen. Wie viel Stand­punkte hätte das Hasner'sche Kabinet darum gegeben, wenn es die Üechen wenigstens zur^Beschickung des Landtages von Böhmen hätte bewegen können. Die öechen halten heute noch an ihrer Deklaration fFt. Das ist richtig und wir bedauern es. Wer hat denn aber den Rechen den willkommenen Vorwand für ihre Deklarationspolitit ge­boten? Wer hat den <3echen so lange hartnäckig jede, auch die ge ringste Konzession verweigert, daß sie endlich mit einem Scheine von Berechtigung über Nichtachtung ihrer nationalen und staatsrechtlichen Forderungen klagen und ihren passiven Widerstand als Nothwehr darstellen konnten? Wer hat endlich sogar die Polen, die ihre An sprüche auf verfassungsmäßigem Wege geltend machten, gleichfalls n die passive Opposition gedrängt? Wer hat den Austritt der natio­nalen Fraktionen aus dem Abgeordnetenhause geradezu provozirt? Wer sonst als jene Regierung und jene Reichsrathsmajiorität dere Organe nun das große Wort führen und einen heillosen Lärm schla­gen, weil Graf Potocki ihre Fehler noch nicht verbessert hat. Bekanntlich ist es leichter, eine schwierige Arbeit aus dem Fun­damcnt zu beginnen, als das fehlerhafte Werk eines anderen aus­zubesfern. Fern sei es von uns, der Kritik enge Schranken zu ziehen, oder das freimüthige Urtheil der Gegner tadeln zu wollen. W' r selbst (???)haben dem Ministerium Hasner gegenüber von dem Rechte der Kritik umfassenden Gebrauch ge macht. Es fällt uns gar nicht ein, die Minister, die jetzt als Rath» geber der Krone fungiren, und ihre Politik als unfehlbar und von zedem Irrthum vollkommen frei darzustellen. Wir begreifen es voll­kommen, daß diejenigen, die von der Ausgleichspolitik kein Heil er­warten, jeden Mißgriff, jeden nebensächlichen Umstand gegen die Negierung, deren Entfernung sie wünschen, ausbeuten. An diese Me­thode des politischen Kampfes sind wir gewöhnt, wir lassensie gelten. Aber indem gerade jene Organe, die sich für die Hüter der deutschen Interessen und des deutschen Volksthums ausgeben, den Ausgleichs­bestrebungen den Krieg erklären, wälzen sie auf die deutsche Bevöl­kerung die Verantwortlichkeit für das Mißlingen des Ausgleiches. Das Interesse einer Koterie, die kein Iota der Verfassung preisgeben will , weil sie um ihre allvermögende Stellung besorgt ist, wird da verwechselt mit dem wirtlichen Interesse der Deutschösterreicher, auf dem Boden des erworbenen Rechtes alle Nationalitäten zur verfas­sungsmäßigen Thätigteit zu vereinigen. Während die Deutschüster­reicher gewiß nicht Gegner der Versöhnungspolitit sind, toben die Organe, die ohne Mandat das Interesse der Deutschen zu wahren vorgeben, wie die Deklaranten bis vor kurzem gelobt haben. Die Deutschösterreicher haben alle Ursache, sich gegen den Mißbrauch, der mit ihrem Namen und mit ihren Interessen getrieben wird, zu verwahren. Wenn die Parteigänger der gestürzten Klique noch länger ungestört fortfahren dürfen, im Namen des Deutschthums der Ver­söhnungspolitik Schwierigkeiten zu bereiten und die Ausgleichsidee schroff zurückzuweisen, so wird man bald gegen die Denischösterreicher den unverdienten Vorwurf erheben, der die öechischen Deklaranten trifft, daß sie durch ihre Hartnäckigkeit und Unversöhnlichkeit die be­friedigende Gestaltung des Staatswesens verhindern. Um diesen Verdacht von den Deutschen, die den nationalen Frieden herbei­sehnen, abzuwehren, thut es Noth, daß die Bevölkerung zu Neu­wahlen aufgefordert werde, damit sie ihren Willen zum Ausdruck bringen könne." Niederhaltung des Slavischen an der Wiener Universität. Ueber diesen, natürlich vorerst alle Slaven, dann aber auch unfere Interessen berührenden Punkt bringt die „Zuk." einen ebenso zeitgemäßen, als eingehenden Artikel, den wir unseren Lesern nicht vorenthalten zu dürfen glauben. Derselbe lautet: „Zu wiederholten Malen ist in diesen Blättern über die stief­mütterliche Behandlung Klage geführt worden, welche man der sla­vischen Wissenschaft an der Wiener Universität angedeihen läßt. Unter dem Ministerium Hasner war das vollständig systematisch und Feuilleton. Leiden eines NeMntars. Jedes Wesen auf Gottes geduldigem Erdboden hat seine Lei­den, wie so sollte also der Mensch im allgemeinen und eine Abart desselben, der Nemskutar , davon befreit sein! Der Deutsche sucht sein Vaterland, der Russe hat die Knute, der Franzose seinen Napoleon, der Engländer die griechische Frage, der Oesterreicher sein Ministerium, der Pole sein Polen nicht, der Slovenc die Dezember­verfassung, den Z. 19, die Gleichberechtigung und das Landesgericht und der Nemnkutar hat trotz der zuletzt erwähnten Güter einige kleine Leiden, die indeß auch zu recht großen sich entwickeln können, wenn es anders die günstige Temperatur gestaltet, wie wir im nachfolgenden darthun werden. Es ist ein verführerisch reizender Maitag; die Frau X., glück­liche Besitzerin eines Hauses in der St . Petersvorstadt und einer Loge im Theater, die ihr an gewissen Tagen, wo tartarisch gespielt wird, nicht um 1000 fl. feil ist, liegt noch in tiefem Schlafe, ein rosiges Iugendlacheln umspielt die fleischigen Lippen; ein Traum ist es, der ihr dieses einst vielleicht verführerische Lächeln auf den ein­stens wohl auch rosigen Mund zaubert, ein Traum, wie ihn nicht leicht Sterbliche träumen. Die ehrwürdige Matrone sieht sich nämlich als Madona, nein, als Jungfrau Germania vielumworben hoch auf dem Throne sitzen. Tausende jauchzen ihr zu, man hebt sie auf den Triumfwagen, vier mächtige Rosse ziehen an — denn zwei nur würden die Last des gewichtigen Körpers selbst im Traume nicht von die Verfolgung und Niederhaltung jeder Bewegung zu Gunsten des Slavismus galt als Prinzip. Am eklatantesten bewies das der Ver° such der mährischen und schlesischen Studenten, welche im letzten Winter eine Versammlung im Interesse der mährischen Universität abhalten wollten. Wir haben aus Vesorgniß, den jungen Leuten nicht in ihrer Karriere zu schaden, damals jede weitere Mittheilung dar­über unterlassen, kommen aber nun, da man nichts niehr für sie zu fürchten hat, darauf zurück. I n der angedeuteten Angelegenheit sollte nämlich eine Ver­sammlung aller hier studierenden slavischen Akademiker aus Mähren und Schlesien auf den 17. März l. I . in den filosofifchen Lehrsaal Nr. 16 des Universitätsgebäudes einberufen werden. Als jedoch die Vertrauensmänner der Studentenschaft mit der Anmeldung jener Versammlung zum Uniuersitäts-Rektor kamen, sprach sich derselbe dahin aus, daß die Ankündigung der Zusammenkunft nur unter der Bedingung am schwarzen Brett angeschlagen werden dürfe, wenn sie bloß in deutscher Sprache geschrieben ist. Man that, wie verlangt wurde, aber die deutsch verfaßte und mit der Unterschrift des De­kans versehene Ankündigung wurde in unwürdiger Weise zweimal offenbar durch anders gesinnte Studenten vom schwarzen Brette her­untergerissen. Trotz aller dieser Hindernisse kamen doch zur festge­setzten Zeit etwa 100 mährische und schlesische Hörer slavischer Na­tionalität zusammen. Bevor der Präses, stuä. pliilos. Barth. Thol', die Versammlung eröffnete, wurde ihm vom anwesenden Po» lizeitomlnissar bedeutet, man solle in deutscher Sprache verhandeln, und als diesem darauf entgegnet wurde, die Versammlung werde darauf nicht eingehen, erklärte der Herr Kommissär, er müßte in diesem Falle die Versammlung auflösen. Als nun der Präses die Worte des Herrn Kommissärs in böhmischer Sprache der Versamm­lung mittheilen wollte, wurde er vom Kommissär unterbrochen, der nun in deutscher Sprache sagte, man möchte entweder deutsch ver­handeln oder er müßte sich entfernen und die Verantwortung für alles dem Präses überlassen. Hätte auch Niederösterreich und Wien nicht die böhmische Sprache zur Landessprache, so sei trotzdem die Polizeidirettion immer so „Höftich", hier in Wien Verhandlungen in böhmischer Sprache zuzulassen, wenn sich nur ein Kommissär, der der böhmischen Sprache mächtig sei, vorfinde. Er aber als geborener Wiener verstehe nicht böhmisch und ersuche daher, man möchte in deutscher Sprache verhandeln. Als der Präses nun verkündigte, daß man unter dieser Bedingung nicht verhandeln werde, und daß dieß nur als ein indirektes Verbot der böhmischen Verhandlung betrachtet werden müsse, beliebte der Herr Kommissär dieß eine Verdrehung seiner Worte und eine „Lüge" zu nennen. Darüber mußte natürlich der Präses die Versammlung für aufgelöst erklären. der Stelle rücken —, und fort geht es unter Iubelgeschrei. — — I n diesem Augenblicke ertönt auf der Gasse eine höllische Musik, heidnischer Lärm macht die Fensterscheiben zittern, der Schlaf und mit ihm der herrliche Traum sind dahin, das faunische Lächeln ver­wandelt sich in Grimm, denn die Melodien, so unbarmherzig ihr Trommelfell attentiren, sind slo venisch. Sind denn Haiduken in die Stadt gedrungen? Eva's Tochter springt, so schnell es die Kör­perform zuläßt, aus dem Bette, wirft einen Rock über das Nacht­hemd, stülpt eine Nachthaube auf den Kopf und eilt an's Fenster. Ih r Götter, ist's möglich! Garibaldianer, nein, ärger noch, rothbehemdete Soko listen exzediren unter Vortrag einer skanda­lösen Fahne, auf der nicht einmal die deutschen Farben zu sehen, und unter Vortritt einer Musik, wo nicht ein einziger Akkord an das „deutsche Vaterland" erinnert. Himmelschreiender Exzeß, und zwar gleich auf nüchternen Magen, vor dem Morgenkaffee! Wo ist doch die Polizei? Der Morgen ist somit verdorben, der Kaffee schlecht, die Milch angebrannt, das Mittagsessen niederträchtig, die Musik zerreißt ihr noch unablässig die Ohren, sie sieht überall die ver­wünschten Rolhhemdler. Nachmittags schlägt sie sogar eine Partie nach Rosenbach aus und eine Plauschvartie ist nicht vollzählig, Abends hat sie Schwindel, in der Nacht spucken Rothhemdler in allen Ecken und Kobolde necken sie mit slovenischen Melodien. Arme Frau! Da lehnt ein Fortschrittsfreund am Fenster und raucht seine Morgenpfeife, die blauen Wolken in die sonnige, heitere Atmossäre entsendend. Doch nicht lange dauert sein Vergnügen, denn plötzlich ertönt eine fürchterliche Musik und eine Menschenmasse wälzt sich die Gasse herauf. Der Spektakel ist heillos, und da! da — ist's Es ist uns nicht bekannt, ob und was in dieser Sache weiter geschehen ist; wir fragen nur: welch' einen Heiden-Skandal hätte die ganze hiesige und auswärtige Presse gemacht, wenn z. B. im umgekehrten Falle deutschen Studenten der Gebrauch ihrer Mutter­sprache verweigert worden wäre? Wir fragen, ob der Universitäts-Rektor das „Recht" hat, die Sprache zu bestimmen, in welcher An­schläge an das „schwarze Brett" gelangen dürfen? Ob er das Recht hat, eine im Staate von vielen Millionen gesprochene Sprache ge­radezu zu verbieten? Wir haben im verflossenen Winter die traurigen Folgen ge­sehen, welche es an der hiesigen Universität für einzelne Studenten hat, wenn sie sich als „Nichtdeutsche" dokumentiren; wie sie Sti­pendien verlieren und sonst allerlei Verdrießlichkeiten ausgesetzt sind. Darum auch haben wir es den jungen Männern nicht verargt, wenn sie unter dem Regiment Hasners jene eigenmächtige Unterdrückung geduldig hinnahmen. Aber jetzt ist die Zeit anders; jetzt glauben wir, das zur Sprache bringen zu dürfen, ohne der Gegenwart und Zukunft unserer hoffnungsvollen studirenden Jugend Schaden zu» zufügen." Zur Situation Wien, 17. Mai. Das politische Interesse konzentrirt sich mo­mentan auf die Vorgänge in Prag. Die Konferenzen, welche dort seit Samstag stattfinden, sind für die vorläufigen Ergebnisse der Ausgleichsattion entscheidend. Ueber die Berathungen selbst ist bisher nichts positives bekannt geworden. Man nennt die Namen der Be­theiligten und gibt die Zeit an, zu welcher die Unterhandlungen ge­pflogen werden. Ueber das Resultat verlautet jedoch noch nichts de­finitives. Da aber die Böhmen und Mährer die Beschickung des Reichsrathes, das Alfa und Omega des Ministeriums, perhorres­ziren, so müssen, nieint die „Tagespr.", die Hoffnungen auf das Zustandekommen einer Verständigung in dieser Richtung auf ein Minimum reduzirt werden. Die wichtigste Nachricht, welche zu den Ausgleichsverhandlun­gen aus Prag hier eingetroffen, ist die Meldung der böhmischen Blätter, daß der historische Adel in Böhmen dem vollen Wortlaute der Deklaration der böhmischen Abgeordneten beigetreten ist. Die Basis der nun stattfindenden Unterhandlungen mit dem Grafen Po­tocki ist die Deklaration. Ueber die sonstigen Vorgänge in Prag liegen keine bestimmten Mittheilungen vor. Die Tirole r haben nach dem „Vaterl." den gewesenen Reichs­rathsabgeordneten Prof. und Dr. Jäger in Wien beauftragt, dem Ministerpräsidenten die Wünsche Tirols vorzutragen. Wie dem ob­ möglich! — marschirt eine Kolonne der verpönten Sokolisten mit frech herausfordernden Federn am vorschriftswidrigen Hute. Heda, Polizei! Himmelschreiender Unfug, in früher Morgenstunde die Vcr­fasfungsfreuude aus dem süßen Schlummer zu wecken! Ist's mit der Sicherheit in Laibach schon so arg bestellt, daß sich eine derart skan­dalöse Szene auf öffentlicher Straße abspielen darf? Wüthend verläßt der Verfasfungsfreund das Fenster, kleidet sich schnell an und eilt in's Kaffeehaus, um hier feinen Grimm durch eine Morgenlektllre der „N. F. Pr." u. ä. abzukühlen. Aber das erste, was ihm in die Augen fällt, ist die „Novice", die er wüthend von sich stößt, daß sie unter den Tisch fällt, wohin sie eigentlich ge­hört, und dort fo lange bleibt, bis sie der ausgleichsfreundliche Mar­queur wieder zu dem unverdienten Ehrenplatz auf dem Tische erhebt. Die „N . Fr. Pr." suchend erwischt er den „Brencelj", den er über drei Tische hinweg in den Winkel schnellt. Ein Skandal, daß diese Blätter öffentlich aufliegen! Endlich sieht er ein umgekehrtes Blatt, er liest einige Zeilen, aber die Sprache ist nicht die ihm bereits geläufige, die Tensenz befremdet ihn. Sollte etwa — — Bestürzt wendet er das Blatt um. „Triglav"! Skandal, pyramidaler Skan­dal! Und er hat einige Zeilen schon verschluckt! Wüthend stürmt er hinaus, der Tag ist gründlich verdorben; seine Freunde erkundigen sich teilnehmend nach der Ursache seines Unwohlseins, allein er mag durch Erzählung den Schmerz nicht auffrischen. Abends hat er sich in so weit erholt, daß er im Kasinogarten unter deutschen Männern Bier trinkt. Aber kaum hat er das achte Hrügel getrunken — er trinkt in der Regel wohl doppelt so viel —, Horcht er wieder auf. Ist ein Erdbeben da oder eine Horde wilder Kannibalen im Anzüge? Die Erde dröhnt vom Gestampfe Wüthen­der, die Lüfte zittern von rohen Stimmen, die aus berauschten Kehlen zitirten Blatte geschrieben wird, kann man sich außer dem Lande kaum eine Vorstellung machen von dem Drucke, unter dem die Ti­roler schmachten. „Bei uns ist bald alles, was ehrlich ist, in Unter­suchung; beinahe in allen Gerichtsbezirkcn werden Kinder, Weiber, Vorsteher und Geistliche untersucht und verurtheilt. Die Schulkala­mität ist geradezu eine wahre Folterbank für Eltern, Kinder Lehrer und Gemeinden geworden." Tagesneuigkeiten. — Das Statut für die Landwehr der dießseitigen Königreiche und Länder hat die kaiserliche Sanktion erhalten. Die Länder dieß« seits der Leitha werden in neun Landwehr-Kommando-Vezirke einge­theilt, welche in ihrer Territorial-Abgrenzung mit den General- und Mililär-Kommando-Bezirken des stehenden Heeres zusammenfallen. Demgemäß werden: 1. Niederösterreich, 2. Öberösterreich und Salz­burg, 3. Mähren und Schlesien, 4. Steiermark, Kärnten und Krain , 5. Stadt Trieft, Istrien, Görz und Gradista, 6. Tirol und Vorarl­berg, 7. Böhmen, 8. Galizien und Bukowina und 9. Dalmatien je einen Landwehr-Kommando-Bezirt bilden. Die Landwehr-Bataillone erhalten fortlaufende Nummern und werden nach dem Lande und dem Hauptorte des Landwehr-Bataillons-Bezirkcs benannt, z. B. t. t. niederöst. Landwehr-Bataillon Wien. Die Hauptorte und Num­mern der Landwehr-Bataillone sind folgende: Nr. 1. Wien, 2. Kor­neuburg, 3. St. Polten, 4. Wiener-Neustadt. 5. Krems, 6. Linz, 7. Wels, 8. Salzburg, 9. Troppau, 10. Teschen, 11. Weißkirchen, 12. Kremsier, 13, Brunn, 14. Iglau, 15. Olmütz, 16. Mährisch-Schönberg, 17. Graz, 18. Leoben, 19. Marburg, 20. Cilli, 21. Klagenfurt, 22. Villach, 23. Laibach, 24. Nudolfswerth, 25. Trieft mit dem Standorte Görz, 26. Pisino, 27. Pisek, 28. Vud­weis, 29. Königgrätz, 30. Hohenmauth, 31. Üaslau, 32. Deutsch-Vrod, 33. Prag, 34. Veraun mit dem Standorte Smichov, 35. Pilsen, 36. Klattau, 37. Iungbunzlau, 38. Böhmisch-Leipa, 39. Theresienstadt, 40. Brür, 41. Eger, 42. Saaz, 43. Iiöin, 44. Trauten««, 45. Neuhaus, 46. Tabor, 47. Krakau, 48. Wieliczka, 49. Wadowice. 50. Kenty, 51. Neu-Sandez, 52. Bochnia, 53. Tar­now, 54. Iaslo, 55. Rzeszow, 56. Kolbuczow, 57. Sanol, 58. Krasno, 59. Przemysl, 60. Iaroslau, 61. Sambor, 62. Droho­bycze, 63. Lemberg, 64. Zolkiew, 65. Strh, 66. Bobrka, 67. Zlo­czow, 68. Brody, 69. Brzezan, 70. Vuczaz, 71. Tarnopol, 72. Zalesczyk, 73. Stanislau, 74. Ezortkow. 75. Kolomea, 76. Kotz­mann, 77. Czernowitz, 78. Suczawa. Für die Formation der Land­wehr in Dalmatien ist noch keine Bestimmung erfolgt. Die Kavallerie formirt die 1. Dragoner-Eskadron in Niederösterreich, Nr. 2 in dringen. Was soll denn das sein? Das Weltgericht ist ja noch nicht im Anzüge, er hat ja noch leine Vorladung dazu. Wahrhaftig, beim Barte De2man's! Das sind Slovenen, an ihrem Feldgeschrei erkennt er sie. „Avi^o ! 2ivijn! " tönt tausend­stimmig durch die Lüfte, der Ruf dringt entweihend in des Kasinos geheiligte Hallen. I n diesem Augenblicke erscheint der Kellner mit der Speistarte „Was befehlen?" Wahrhaftig, der Kerl ist unverschämt! Angesichts so flagranter Übertretungen, Vergehen, Verbrechen, Todtschläge u. s. w., die auf der Gasse vor sich gehen, hat derselbe noch den beleidigenden Gal­ genhumor, bei dem Gaste Appetit vorauszusetzen! „Weißt Du, Un­ glücklicher, ob ich noch das Krügel hier leeren werde, ehe die Rotte uns stürmt? Bringe mir ein Paar gebratene —" — „Tauben?" — „Nein, Sokoli, hörst Du, nur auf die hält' ich Appetit!" Der Arme ist rasend, durch das hochverrätherifche Geschrei aus der Gasse hat er ohnehin sein Gehör verloren, er stürmt fort, wirft sich halb angekleidet in's Bett und frißt 1000 Slovenen — na­ türlich im Traume. Als er am Morgen erwacht und die 1000 gefressenen Slove­ nen im Magen vermißt, ist er wüthend. Es war also nur ein Traum, ein Gaukelspiel! Er ist fogar geneigt, die Tags vorher erlebten Vor­ gänge für Produkte einer aufgeregten Fantasie oder für Spuckwerl zu halten, allein er überzeugt sich leider alsbald vom Gegentheil, es hat sich ihm nämlich ein Theil der Galle in den Magen ergossen, er ist krank und zwar nicht bloß körperlich, auch geistig. Armer! Wir wüßten ein Mittel für Dich. Werde Slovene, werde ein Nationaler, ein Patriot, nnd Du bist von Deinen Leiden befreit und lebst vielleicht einige Jahre länger. Oberösterreich und Salzburg, Nr. 3 und 4 in Mähren und Schle­sien, Nr. 5 und 6 in Steiermark, Kärnten und Krain, Nr. 7, 8, 9, 10, 11 und 12 in Böhmen. Die 13 Uhlanen-Eskadronen er­gänzen sich aus Galizien und der Bukowina. Die in Niederöster­reich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Kärnten und Krai n sick ergänzenden Landwehr-Bataillone sind Schützen, die übrigen Infanterie-Bataillone. Lokales. Lllibllch, 20. Mai. — (SchllllMgtlegcilhciten.) Bekanntlich hat sich das Mini­sterium für Kultus und Unterricht an die Landesausschllsse behufs Meinungsäußerung darüber gewendet, ob es zweckmäßig wäre, in dem bisherigen Usus, das Schuljahr im Sommer zu schließen und im Herbst zu eröffnen, eine Aenderung eintreten zu lassen. Der krai nische Landcsausschuß hat nun nach Berathung mit den er­fahrensten Schulmännern feine Meinung dahin abgegeben, es möge bei dem bisherigen Usus verbleiben; er sprach nur den Wunsch aus, es möchte die Ferienzeit, die jetzt mit Anfang August beginnt, erst mit September eintreten, wo dann konscquenterweise der Schluß der­selben erst mit Monat Okiober erfolgen würde, wie dieß schon im Küstenlande üblich. Damit würde auch der vom Ministerium erho­bene Einwand beseitigt, welcher besonders sich darauf stützt, daß die Prüfungen im Hochsommer, also in der größten Hitze vorgenom­men werden. — (Das „Laib. Tllgbllltt") erklärt in einer Replik auf die Antwort der „Novice" in der Subventionsfrage, daß es unehren­haf t wäre Bezüge aus dem Dispositionsfonde zu erhalten. Un ­ehrenhaft , „Tagblättchen", ist Deine Tendenz, Deine Schreib­weise, Deine Lügen, und wenn Dich dafü r jemand bezahlt, dann ist die Subvention eine unehrenhafte. Die Ansichten über Ehre sind eben verschieden. — (Berichtigung.) I n Nr. 39 vom 17. d. M . wolle im 3. Epigramme statt des sinnstörenden Wortes: „Boden" — „Lode" (grobes Wolletuch) gelesen werden. — I m Interesse solcher Personen, die sich gerne bei anerkannt soliden Geldverlofungen betheiligen, «erweisen wir auf die in unserem heutigen Blatte befindliche Bekanntmachung des Handlungs-Hauses I . Weinberg ^r. in Hamburg. Die so beliebten Vraunschweiger Original-Lose finden allseits ra­sche» Absatz und kann dieses Haus auch wegen seiner stets reellen und prompten Bedienung bestens empfohlen werden. Epigramme. Gleiche Wirkung. Weßhalb keine Diebsnotizen? Weil die meisten Diebe sitzen. Und Kravalle man nicht macht? Weil der Deschmann wird bewacht. Gemeinsinn? Man Hort' ja alle Stund': „Das Pflaster geht zu Grund'" Ein solches Publikum Dem Stadtrath scheint zu dumm. Doch läßt — es ist zum Lachen — Ein neues Pflaster machen Für seine An-, Nachbeter, Gewisse — Pflastertreter. Gut Heil. Ihr ruft „Gut Heil!" Ein Wiederhall Kommt nicht! Das ganze Land bleibt stumm. Ih r ruft „Unheil!" Ach tausendmal Um Ietz'ca, Ianjöe dröhnt's herum! Fatal. Freund 2arjev opponiret gut, Ma n hält ihn doch für zart und weich, Ist Gentlemann — gewiß — Vollblut Und immer nicht gentil zugleich. Gut Schlauch. Der Stadtrath sei geehrt, Der Himmel ihm zum Lohn!? Ter gratis spritzt und kehrt — Den Rücken der Nation. ANW 3c Eröffnung des mit Gas beleuchteten erweiterten und der auf das geschmackvollste renovirten Bestscheiben um Ehampagner. Um geneigten Zuspruch für die Sommersaison bittet 37-2 . achtungsvoll ^an Kliain ? Restaurant. Tank und Anempfehlung. Der achtungsvoll Gefertigte beehrt sich dem ?. 1?. Publikum hiermit anzuzeigen, daß er den nett Hergerichtelen 8ommerjalon jammt Harten und RegMaHn im Gasthause „2UM 5LNRN" eröffnet hat. Indem derselbe für das ihm bis nun geschenkte Zutrauen höf­lichst dankt, spricht er zugleich die Versicherung ans, seine verehrten Gäste mit echten Tisch-Deffertweinen, abgelegenem Märzen-Bie r nnd vorzüglicher Küche prompt und solid zu bedienen. Um zahlreichen Zuspruch ersucht achtungsvoll 36-2. Gastgeber „2N,n 8teru", Iahrmarktplatz. Das Glück blüht im Weinberge! ev. icw.lwtt Thaler bilden den Hauptgewinn der neuesten, großen, von der Herzog!. Brilmischw. Liinelmrgel Landesregierung genehmigten u. garantirtcn Geld-Verlosung. 29.000 Gewinne kommen in wenigen Monaten zur sicheren Entschei­dung, darunter befinden sich Haupttreffer von ev. Thaler 100,000, 60,000, 40,000, 20,000, 15,000,18,000,10,000,8000, 3mal 6,000, 3mal 5,000, 12mal 4000, 2mal 3000, 34mal 2000, 155mal 1000, 261 mal 400 :c. 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Eigentümer, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: ^a,K. ^Movo . — Druck von ^08ek Lignit : in Laibach.