Laibachkr Taablatt. Dicbciction unö Expedition: Bahnhofgasse Nr. 15. St. 55. iSiiSts Freitag, 7. März 1879. — Morgen:Zoh,». @ott. ssEEvm 13. Jahr! M r°« - S-n,jä»r' st. ir J n J ° ' snfltn bit 6 Zeilkn 20 Ir, ^ ' Zur politischen Lage. Vor kurzem brachten große Blätter Bericht, daß die in beiden Parlamentshäusern cis und Irans bestehende und mit voller Dampfkraft arbeitende Opposition in Allianz treten werde, jedoch die Geschichte der letzten Tage belehrt uns, daß die Opposition cis und Irans ganz verschiedenen Prinzipien und Devisen huldigt. Die Opposition in Oesterreich folgt dem Losungsworte: „Ruhe ist des Bürgers erste Pflicht!" Nichts wäre entsetzlicher, als ein neuer Krieg! Eine Katastrophe, wie sie im Jahre des Unheils 1811 eiutrat, müsse verhütet werden. Oesterreich ist leider nicht im Besitze jener drei „göttlichen" Tugenden, die zur Führung eines blutigen Krieges dringend noth-wendig sind, es mangelt uns erstens — Geld, zweitens — Geld und drittens — Geld. Die Opposition in U n g a r n, der heißblütige Magyar geht schärfer ins Zeug, die ungarische Opposition schreit nach Action, nach großer Action, sie schwärmt, begeistert vom feurigen Rebensäfte des Tokay-gebirges, nach nichts Geringerem, als nach einem Kriege Oesterreich-Ungarns gegen — Rußland. Dr. Sturm, Mitglied der österreichischen Delegation, schüttete alle Pfeile aus seinem Köcher und richtete erstere gegen die Brust des Grafen Andrassy, um demselben nahezulegen, daß Oesterreich nicht in der Lage sei, die Politik des Kreuz-zuges nach Bosnien, in die Herzegowina, nach Novibazar und Salonichi zu unterstützen. Der geharnischte Redner versuchte, den Leiter des auswärtigen Amtes zu überzeugen, daß Oesterreich-Ungarn nicht die Mittel besitze, va banque zu spielen und dreihundert Millionen auf eine Karte zu setzen. In einem Punkte begegnen sich die Mitglieder der Oppositionen cis'und trans, nämlich die gemeinsame Opposition legt Kritik an gegenüber der österreichisch-ungarischen Orientpolitik, aber es gelang der gemeinsamen Opposition bis heute noch nicht, ein positives Programm zutage zn fördern und der Welt kund und zu wissen zu machen, was — nun zu thun sei, um Oesterreich-Ungarn aus dem Labyrinthe der Orientsrage zum glücklichen Ziele zu führen. Ans Seite der Opposition wird dem Einwurfe Ausdruck gegeben, daß die Opposition nicht verpflichtet sei, mit einem positiven Programme aufzutreten, diese Aufgabe obliege der Regierung. Wo es sich um die Wohlfahrt und Zukunft des Reiches, wo es sich um Besserung der politischen Lage, um die finanzielle Existenz, um die Freiheit und Lebensfähigkeit eines Staates handelt, steht auch der parlamentarischen Opposition, der Volksvertretung überhaupt das Recht zu, die Initiative zu ergreifen und geeignete Wege anzudeuten. Die Vertheidiger der Politik des Grafen An-drasfy betonen: daß Oesterreich durch die Erwerbung Bosniens jene Fackel, welche den Orient immer und immer in Brand steckte, erlöschen gemacht habe; die Erwerbung Bosniens und der Herzegowina sei für Oesterreich der Schlüssel zur Ausbreitung seines ins Stocken geratheuei' Handels; Oesterreich-Ungarn müsse das europäische Mandat erfüllen zum Besten seiner eigenen Interessen, seines eigenen und des großen Weltfriedens. Die Pessimisten sehen die politische Lage Oesterreich-Ungarns von einem ändern Standpunkte aus an, sie können der Occupationspolitik keinen Geschmack abgewinnen, es sagt ihnen nicht zu, sichere Hunderte Millionen Gulden auf unsicheren Gewinn in die Schanze zu schlagen, es mundet ihnen nicht, Geldopfer fremden Ländern zu bringen, die, im eigenen Lande dargebracht, sicher herrliche Früchte eingetragen hätten. Dieser Pessimismus äußert sich auch in gewissen militärischen Kreisen, man kombiniert, daß die Stellung Oesterreichs in Bosnien nichts tauge, nicht zeigen bis 6 Zeilen! für die Defensive, nicht für die Offensive, da sie zu exponiert, von Serbien und Montenegro flankiert und im Rücken genommen werden könne. Der Kriegsminister unternahm es in einer der letzten Delegationssitzungen, diese pessimistische Anschauung zu bekämpfen. Der Verlauf des heurigen Jahres wird nns belehren: ob die Orientpolitik des Grafen Au-drasfy Oesterreich-Ungarn zum Siege führt oder dem finanziellen Ruine näher bringt. Hoffnung einerseits, Besorgnis andererseits sind die Gefühle, welche derzeit die Brust der Staatsbürger cis und trans in erregtem Grade durchströmen. Die politische Lage Oesterreich-Ungarns ist eine in dunklen Schleier gehüllte. Möge letzterer zur Wohlfahrt des Reiches und seiner Völker gelüftet werden! Das Maulkorb-Gesetz. Der deutsche Reichstag beschäftigte sich am 4. d. mit der Berathung der Regierungsvorlage, betreffend die Ausübung der D.sciplinargewalt des Reichstages über seine Mitglieder. Staatssekretär Dr. Friedberg ergriff zuerst das Wort, um die Versammlung zu überzeugen, daß dieses Gesetz behufs Hintanhaltung verbrecherischer Aenße-rungeu im Parlamentshause nothwendig sei. Volle Beachtung verdient die Rede des Abgeordneten Laster, deren Inhalt wir registrieren wie folgt: Redner vermisse in den Motiven des Gesetzes ganz und gar den Nachweis des Bedürfnisses. Die Frage: was vorgegangen sei, daß jetzt ein anderes Recht in Deutschland gelten solle, als dreißig Jahre gegolten habe, sei nirgends beantwortet. Er habe in seiner parlamentarischen Praxis sehr ernste Szenen erlebt, habe beleidigende Ausdrücke gehört, scharfe Worte seien gefallen, und zwar mehr vom Regierungstisch als vom Hause; eine Gefahr sei aber durchaus nicht entstanden. Es handle sich hier nicht um Kleinigkeiten, Jemlleton. Die exemplarische Strafe. Erzählung aus dem Polnischen von Albert Wilczynski, übersetzt von R. B. (Fortsetzung.) Obwol ungern, machte sich Gleichen rasch davon. Der Vater, aufs neue zornentbrannt, schrie mich an: „Bring mir die Montur!" Ich stannte über diesen Befehl, denn ich hatte ihn schon lange nicht in der Montur gesehen und wußte, daß er sie nur bei feierlichen Anlässen, wie an Galatagen, hohen Festen oder zur Taufe eines seiner Kinder, anlegle. Gewöhnlich trug er einen kurzen ungarischen Leibrock mit schwarzen Verschnürungen und ungeheuren Knöpfen. - Ich brachte gleich das Gewünschte aus dem Alkoven, der Vater warf den Schnürrock weg, nahm die dargereichte Montur und begann in die Aermel zu fahren. Aber es wollte damit nicht recht vorwärts, denn er faltete die Stirn, tobte und schnauzte die Mutter an: „Wieder bist du schuld, daß ich die Montur nicht anziehen kann; du packtest mich so lange in Wolljacken und anderen Kram, sprachst, ich sei krank, schwächlich, bis sie mir zn enge wurde.™ Unter fortwährendem Schnauben und Schelten knöpfte er sie endlich bis unter den Hals zu, steckte die Epauletten an, drehte sich den Bart auf, staubte das an der Brust befestigte Bäudchen mit dem Sacktuche ab, nahm die Pfeife in den Mund und schrie, die noch immer ruhig dasitzende Mutter bemerkend: „So? Bist du noch hier? Hörtest du nicht, was ich befahl, he? Die Speisekammer muß geräumt werden!" „Du könntest mich mit dieser Komödie verschonen; was ist denn heute in dich gefahren? Wohin soll ich alle die Fäßchen, Gläser und dergleichen thun, wenn ich keinen ändern Ort dafür habe?" „Bomben und Granaten! Was geht das mich an? Ein Arrest ist keine Speisekammer, verstanden?" Und wieder brachte er sein Gesicht dem der Mutter nahe und kreuzte die Hände auf dem Rücken. Die aber rührte sich nicht von der Stelle, blickte nicht einmal aus seine erhitzten Wangen und nähte ruhig weiter. „Nun, wenn du mich reizest, steht es schlimm, bei Gott, schlimm!" und sich zu uns wendend, sagte er: „Allons! Kinder, mir nach ins Vorhaus. Du sollst sehen, wie ich dort Ordnung mache." Er riß die Thür heftig auf, ging rasch in den Flur, und ich mit der Schwester folgten unwillkürlich. Diese Speisekammer, der Bestimmung nach ein Arrest, gerade der Hofthür gegenüberliegend, war ein kleiner, feuchter Keller mit einem rauchgeschwärzten Fenster ober der Thür und zur Zeit angefüllt mit allerlei Gerumpel, altem HauSrath, Kübeln voll Mehl und Getreide; an den Wänden hingen mächtige Schinken, Speckseiten, Säckchen mit gedörrtem Obst, verschiedenen Hülsenfrüchten, Kümmel; kurz, diese Kammer war ein wirkliches Museum von Produkten eines ländlichen Haushaltes. Der Offizier öffnete mit Krachen und Gepolter die kleine Thür, stellte sich in die Mitte und schien zu überlegen, womit er den Anfang machen sollte. Vielleicht schwankte auch sein Entschluß, denn er zog sich kopfschüttelnd ein wenig zurück, fand aber bald feine Energie wieder, stieg auf eine Bank, die an der Wand lehnte, und begann mit der größten Sorgfalt die Speckseiten,' es handle sich um Aenderungen schwerwiegender Grundlaben der Verfassung. Der Einwand: man wolle mit dem Gesetze dritte, außer dem Hause stehende Personen vor Beleidigungen schützen, sei kleinlich und hinfällig. Es sei nicht richtig, daß, seit die Socialisten in das Haus getreten, derartige Ausschreitungen vorgekommen seien, welche eine Verfassungsänderung motivieren. Das Stärkste, was in der vorigen Session an Ausdrücken gefallen, sei von einer anderen Seite gekommen, als von der socialistischen. Den Ausdruck einer socialisti-schen Rede, welcher nahe an die Aufforderung zum Aufruhr streifte, zurückzuweifen, habe die Geschäftsordnung hingereicht. Der Reichskanzler selbst habe im Hans einmal den Ausdruck „Lüge" gebraucht und schließlich ihn modificiert. Es sei in der ganzen Praxis noch nicht Ein Fall vorgekommen, in welchem eine Ausschließung nöthig gewesen wäre, und es werde der Regierung nicht möglich sein, einen solchen anzuführen. Die straflose Veröffentlichung wahrheitsgetreuer Berichte sei keineswegs allein ein Privilegium der Parlamente. Der Richter und der Staatsanwalt werden wegen ihrer vielleicht beleidigenden Ausdrücke welche sie in ihrem Berufe brauchten, auch nicht verfolgt. Für die Beleidigung Dritter gebe es im Reichstag ein Mittel, da der Präsident, wenn die Absicht der Injurie klar wir, mit dem Ordnungsruf einschreiten könne. Daß im Abgeordnetenhause nicht die gleiche Praxis geübt werde, wie aus einem Präcedenzfall ersichtlich, sei wol die Ursache, daß die heutige Vorlage vorbereitet wurde und die Rücksicht ans eine spätere Gesetzgebung maßgebend gewesen ist. Im Jahre 1870 habe der Reichskanzler selbst dem Strafgesetze zugestimmt, welches die Redefreiheit aller deutschen Parlamente verbürgt. Seit 1870 seien trotz der gewählten Socialisten, trotz des schweren Kulturkampfes die Verhandlungen im deutschen Reichstage so geführt worden, daß die anderen Nationen Deutschland darum beneidet haben. Der Reichstag komme ihm vor, wie eine Versammlung von Senatoren. Wolle man die Geschäftsordnungen anderer Länder in Vergleich ziehen und hieraus die Noth-wenbigfeit der Vorlage debütieren, so imponiere ihm das nicht. Gemäß dem Temperament, gemäß der Geschichte der betreffenden Nationen müsse die Geschäftsordnung eingerichtet werden. Völlig unzutreffend sei der Vergleich mit England. Dort bestehe die Ausschließung, jedoch nicht wegen Aeußerungen im Hause, sondern wegen Verhaltens eines Mitgliedes außerhalb desselben. Das Strasrecht des englischen Parlaments habe sich entwickelt aus der früheren allgemeinen Strafgewalt des Parlaments; in keiner Geschäftsordnung sei dasselbe aber verzeichnet. In England werden wahrheitsgetreue Berichte überhaupt geschützt j es treffe daher auch in dieser Hinsicht das englische Beispiel für die Vorlage nicht zu. Der Ausschluß der Deffenttichfeit durch das Verbot von Berichten fei unzulässig. Die Autonomie des Reichstags wolle er nicht als eine Machtfrage betrachten, er halte sie aber für unentbehrlich, um den täglich bevorstehenden Wechselfällen Genüge zu thuit. Er glaube, kein Gesetz werde sich construiereu lassen, durch welches das freie Wort beschränkt werden könne durch Einfügung eines Strafthatbestandes. Dem lebendigen Wort und seinen Ausschreitungen könne nur das Uttheil der lebendigen Person des Präsidenten entgegengesetzt werden. Nicht immer sei es auch gegeben, die Form zu wahren; der Reichskanzler liefere selbst den Beleg hiefür. Durch die Beschränkung der Redefreiheit werde man kaum etwas anderes erreichen, als die politische Heuchelei in der Rede zu befördern. Es sei besser bei dem alten Grundsatz zu bleiben: „pectus facit oratorem.“ Die Vorlage habe zwei Zielpunkte der Strafe: einmal die Ausschließung; für dieselbe liege kein Bedürfnis vor; das andermal die Beschränkung der Verbreitung von Berichten. Dem gegenüber sei festzuhalten, daß in einem wahrheitsgetreuen Bericht weniger Beleidigung liege, als in dem gekürzten, und daß eine Gefahr mit ihm nicht verbunden sei. Er sei der Ueberzeugung, daß sich zur Durchführung der letzteren Maßregel kein Präsident finden werde. Die Vorlage enthalte weder eine Ausdehnung der Rechte des Präsidenten noch derjenigen des Hauses, sondern allein eine Beschränkung; sie sei inhaltlich nicht mit der Verfassung zu vereinbaren. Das Recht zum Ausschluß finde sich nur noch in fünf deutschen Staaten, welche zusammen noch nicht eine Million Einwohner haben. Dies falle nicht ins Gewicht. Die Exemplifikation der Motive auf das Ausland treffe nicht zu; die Gutachten der Rechtslehrer in den Motiven feien einseitig zusammengestellt. Enblich aber, wie stelle sich denn bie Strafgewalt des taufes ben Bunbesrathsinitgliebern gegenüber? olle auf biefe auch bas neue Gesetz angewenbet werben? Rebnet verlangt bie Ablehnung der Vorlage. Aus dem Kaiserpalaste in Petersburg. Das „N. Wr. Tgbl." bringt unter dem Stichworte „Nachtrag" folgenden Bericht: „In Petersburg scheinen außerordentliche Dinge vorgegangen zu sein. Nach Andeutungen, die in Wien emgetroffen sind, waren am 4. März ,n der russischen Hauptstadt abenteuerliche Gerüchte über seltsame Vorgänge am kaiserlichen Hofe verbreitet, Gerüchte, die factisch im Umlaufe waren, ohne daß es bis jetzt möglich ist, ben tatsächlichen Hintergrund betreiben zu erforschen. Diese Gerüchte sprachen zuerst von einer Verschärfung des ohnehin prekären Verhältnisses zwischen Vater und Sohn, zwischen Kaiser und Zarevits. Mb aber erzählte man sich, daß infolge des angedeuteten Eonflictes der Großfürst-Thronfolger bereits in Ketten und Banden schmachte, während andere ihn sogar schon eine Reise nach Schlüsselburg antreten ließen und sogar schon eine nahe Katastrophe in Aussicht stellten. Der mäßigsten Version zufolge soll Kaiser Alexander in den Vormittagsstunden des 4. März einen Besuch des Großfürste'n-Thron-folger erhalten haben; derselbe soll zu längerem Antichambrieren genöthigt gewesen sein, da bet Kaiser mit einigen Staatsministern konferierte. Hierauf würbe ber Zarevits vorgelassen und hatte eine etwa dreiviertelstündige Unterredung mit dem Zaren ohne Zeugen. Nach dieser verließ er erregt den Palast und fuhr nach Hause. Der Kaiser berief nun die noch im Paläste weilenden Munster vor sich und theilte ihnen, vor Aufregung zitternd und tobtenbleich, mit, daß er es im Staatsinteresse dringend geboten erachte, den Prinzen, den er in der heftigsten Weise subversiver Tendenzen anklagte, den er beschuldigte, mit den erbittertsten Feinden Rußlands in engem Bündnis zu sein, sofort in Gewahrsam zu bringen. Mit Mühe konnte, wie das Gerücht behauptet, der furchtbar aufgeregte Zar zu milderen Maßnahmen gegen seinen Sohn bestimmt werden. Der greise Herzog von Oldenburg, ein Jugendfreund Alexanders II., vermochte es, ihn einigermaßen zu besänftigen, so daß von der Abführung des Thronfolgers nach der liefländischen Festung gänzlich Abstand genommen wurde und der Kaiser sich begnügte, durch den Grafen Adlerberg seinem Sohne den Befehl überbringen zu lassen, er habe bis auf weiteres sein Palais nicht zu verlassen und sich in bemselben als Arrestant zu betrachten." Tagesnettigkeiten. — Zur Katastrophe in Xe plitz. Am 5. d. M. wurden in dein Schachte beim Stadtbade zwei Dynainitsprenguiigen auSgeführt und so weit ausgeteuft, daß abends um 6 Uhr die Tiefe beinahe au allen Stellen 1325 Zentimeter betrug; um diese Zeit standen die Arbeiter bereits im Wasser; nach jedem Schnsse tritt das Thermalwasser einige die Säckchen herabzunehmen, bie er behutsam auf einen ttebenftehetibeti Tisch legte; uns hieß er, unter Anempfehlung von Vorsicht, allerlei Kleinigkeiten in ben Alkoven tragen. Es war ergötzlich zu sehen, wie ber Kämpfer von Saragoffa uttb der Beresina, ongethan mit dem Offiziersmantel, die Schinken von Der Wand nahm und die Fäßchen hinausschaffte; obwol seitdem viele Jahre verstrichen sind und ich damals noch ein Kind war, erinnere ich mich doch, daß wir mit der Schwester herzlich lachten. Noch heute kommt mir unwillkürlich ein Lächeln, wenn ich daran denke. Während dieser Beschäftigung kam keuchend die Magd, die sich damit entschuldigte, daß sie Duszak auf dem Felde hätte suchen müssen, und sagte, er würde gleich kommen. Unter so ärgerlichen Umständen half also auch sie beim Ausräumen, und die Mutter, die hinzukam und die erbarmungslos zerschlagenen Einsiedegläser bemerkte, sah sich mit der Verzweiflung der tüchtigen Hausfrau genöthigt, ebenfalls mit Hand anzulegen. Endlich war die Kammer leer; erschöpft, ganz mit Staub und Spinneweben bedeckt, aber mit zufriedener Miene, weil er diesmal wenigstens seinen Willen durchgesetzt, kehrte der Vater ins Zimmer zurück. Einen Augenblick später kam Duszak, eilt alter, kleiner, gebückter, aber noch kräftiger Soldat. In jedem Aermel des weiten Mantels, den er trug, wäre damals bequem Platz für mich gewesen ; auf dem Buckel zwischen den Schultern war er so gedehnt, daß man wol drei Laibe Brod darin unterbracht hätte, wenigstens machten wir Kinder uns damals diese Vorstellung davon. Er war einer der eifrigsten und dabei nüchternsten im Dienste, weshalb ihn der Vater, dessen Liebling er war, bie Perle seiner Mannschaft nannte. Vielleicht verschaffte ihm auch bas feine Gewogenheit, weil er mir immer hölzerne Säbel schnitzte, ber Mutter in verschiedenen häuslichen Verrichtungen half, am besten die Pfeifenrohren reinigte und den Bart wichste. Kaum hatte der Alte die Schwelle überschritten und mit feinem gewöhnlichen : „Stehe zu Befehl, Herr Hauptmann!" sich gemeldet, als ihm schon der Vater den Auftrag ertheitte, auf den Boden zu gehen, zwei seit jeher dort liegende Karabiner herunterzubringen, Eile empfahl und wie gewöhnlich mit feinem: „Ver standen?" schloß. ' „Jawol, Herr Hauptmann!" antwortete der unruhige Soldat, wobei man jedoch an seiner ganzen Haltung merkte, daß er es nicht verstan- den hatte, denn schon öffnete er zu einer Entgegnung den Mund, als der Vater ben Befehl wiederholte, worauf der Graukopf sich wohl oder übel in der Hausflur verlor. Nach einer Viertelstunde beiläufig kehrte er zurück, mühselig zwei staubige, verrostete Karabiner schleppend. Er stellte sie an die Mauer und sagte aufs neue: „Stehe zu Befehl, Herr Hauptmann!" Der Vater blickte auf die Büchsen, lachte bitter, als wollte er eine Bemerkung über bereit musterhaften Zustand machen, und sprach schnell: „Nimm Modarczhk mit dir, schnallt die Säbel unt und fuhrt mir mit diesen Karabinern da augenblicklich den Säufer Kownacki lebendig oder tobt hieher," — und wieder runzelte er bei der Erinnerung an ben Miffethäter bie Stirn und fuhr sich burch den Schopf. „Stehe zu Befehl, Herr Hauptmann" — murmelte Duszak, rührte sich aber nicht vom Platze; man sah, daß ihm diese geheimnisvolle Weisung nicht einleuchtete. Aber die Gesten des Vaters und das Kommando: „Kehrt euch, marsch !" weckte ihn aus feiner Erstarrung; er nahm die Karabiner und ging hinaus. (Schluß folgt.) Eentimeter zurück, quillt jedoch jebesmal bnlD wieder hervor. — Zur Organisation der occupier-ten Provinzen. Im Wege der Länderchefs werden Beamte aufgesordert, um Dienstesstellen in Bosnien und der Herzegowina sich zu bewerbe». Die Landesregierung in Serajewo benöthigt derzeit folgende politische Beamte: Einen Bezirksadjuncteu für den Bezirk (Kaimakamat) Serajewo mit 1000 fl. Gehalt, 200 fl. Quartiergeld und 300 fl. Zulage; einen Polizei-Adjuncten mit dem gleichen Einkommen für Serajewo; sechs Kreiskommissäre für die Kreisämter (Mutessarifate) Serajewo. Tuzla, Banja-luka, Bihac. Mostar und Travnik mit einem Einkommen von 1700 fl. Die speziellen Erfordernisse dieser Beamten sind: Juridisch-politische Bildung und Befähigung für den executiven politischen Dienst, beziehungsweise die Verwendung in analoger Dien-steskategorie in der Monarchie; ferner sechs Kreis-Ingenieure für die letzterwähnten Kreisämter mit einem Einkommen von 1500 fl.; einen Landes-Sanitäts-Referenten bei der Landesregiernngs-Ab-theilnng für politische Verwaltung in Serajewo und einen Sekretär mit einem Einkommen von je 2800 fl. und zwei Eoncipisten mit einem Einkommen von 1500 fl. — Nebst dem vollkommenen Ausbaue der Straßen und Eisenbahnen in Bosnien wird im kommende» Sommer auch mit der topographischen Aufnahme des Landes begonnen werden. Unter der Leitung des Triangulierungs-Direktors im militär-geographischen Institute, Obersten v. Ganahl, werden Offiziere des genannten Instituts die zur Militärmappierung des Landes nvthwendige Triangulierung auf einem Flächenrauine von 240 Quadrat-in ei teil vornehmen. Die dann folgende Mappierung wird neben der topographischen Aufnahme auch statistische Daten über die Bevölkerung, Häuser, Viehstand und die geognostische» Verhältnisse des Landes zu sammeln haben. Von einer Katastrierung des Landes wird vorläufig abgesehen und dieselbe einem späteren Zeitpunkte Vorbehalten bleiben. — Interessanter Co n sessionswechsel. Die „Schl. Volksztg." empfängt aus Zabrze nachstehenden Bericht: „Seit kurzem wohnt eine Fa- milie v. Stach hier, die das gewiß seltene Glück hat, zwei jüdische, drei katholische und zwei evangelische Kinder zu ihren Familienmitgliedern zählen zu dürfen. Die Frau des betreffende» Herrn von Stach ist die Schwester des bekannten altkatholischen Panie Karninski, die ebenso wie letzterer jüdisch geboren, später aber katholisch wurde. Dieselbe heiratete, nachdem sie vom Katholicisnius wieder zum Judenthum übergetreten war, einen Inden, und aus dieser Ehe stammen die zwei jüdischen Kinder. Von ihrem Manne geschieden, wurde sie darauf wieder katholisch und heiratete dann wieder einen evangelischen Mann. Aus dieser Ehe wurden nun die drei weiblichen Sprößlinge der Mutter nach katholisch, während die beiden Knaben dem Vater nach evangelisch wurden. — Dies die Lösung des Räth-sels! Die schon schulpflichtigen Kinder gehen, ohne Unterschied der Confession, in die evangelische Schule." Lokal-undprovinzial-Angelegrnheiten. Aus der Gemeinderathssitzung. Laibach. 6. März. Gegenwärtig: Bürgermeister Lasch an als Vorsitzender, 19 Gemeinderäthe und der Magistrats-Kanzleileiter als Protokollsführer. Der Vorsitzende bestimmt die GRR. Dreo und Klun zu Verificatoren des heutigen Sitzungsproto-kolles. ES wird sofort zur Erledigung der Tagesordnung geschritten. 1. Bericht der Personalsection: GR. Dr. R. v. Kaltenegger theilt mit, daß auf Grund des Gemeindestatuts Heuer zehn Mit- glieder des Gemeinderathes aus diesem Körper aus-zutreteu haben, u. z. die GRR. Mahr, Dr. von Schrey, Dr. Suppan und Dr. Suppantschitsch (aus dem ersten Wahlkörper); Leskovic, Dr. Ritter von Schöppl und Dr. Keesbacher (aus dem zweiten Wahl-körpcr); Horak, Jnrcic und Klun (aus dem dritten Wahlkörper). Die Versammlung nimmt diese Mittheilung zur Kenntnis. 11. Berichte des Stadtmagistrates: 1.) Magistratsrath Jeras berichtet über die gegen die aus Anlaß der stattzufindenden Gemeinde-raths-Ergänznngswahlen aufgelegten Wählerlisten eingebrachten Reelamationen. Diesen Reclamationen wird auf Grund der Bestimmungen des Gemeindestatuts theils willfahrende, theils keine Folge gegeben, insbesondere wurde die Aufnahme fremder Staats- und Gemeinde-Angehörigen in die Wählerlisten abgelehnt. 2.) Die Gemeinderaths-Ergänzungswahlen werden für den dritten Wahlkörper am 15., für den zweiten am 16. und für den ersten am 17. April 1879 vorgenomincn werden. Der Magistrat wird die diessäUige Kundmachung und Vorarbeit zn besorgen haben. 3.) Ueber Antrag des GR. Dr. S u p p a n wird die Zusammensetzung der Wahlkommission dem Bürgermeister überlassen. III. Di e Berichte der Bausectio u werden in der Erwägung, als der Referent GR. Ziegler ans amtlichen Dienstesrücksichten verhindert ist, der heutigen Sitzung anzuwohnen, von der Tagesordnung abgesetzt. IV. Berichte der Finanzseetion: 1.) Referent GR. Dr. Suppan beantragt: den hiesigen Essigsiedern Kauz und Meyer sei auf Grund vorliegender Nachweisungen die Verzehrungssteuer-Rückvergütung für das Jahr 1878, und zwar elfterem im Betrage von tiOO fl. und letzterem im Betrage von 264 fl. 35 kr. aus der Stadtkasse zu leisten. Der Antrag wird angenommen. 2.) GR. LeSkovic berichtet, daß die Kanzlei-und Reise-Auslagen des Stadtökonomen in der Zeit vom 1. Juli bis Ende Dezember 1878 sich auf 242 fl. 29'/z kr. belaufe«. Der Gemeinderath genehmigt die vorgelegte Rechnung. 3.) lieber Bericht des GR. Leskovic wird der aus die Stadtkasse entfallende Concurrenzbeitrag für die coiitrcictlichen Realschulauslagen pro 1878 bewilligt. 4.) Nach Antrag des GR. Suppan wird die Stadtkasse angewiesen, auf Abschlag der an die krai-nische Sparkasse auShasteudeu städtischen Schuld einen Theilbetrag von 2000 fl. zu zahlen. GR. R e g a l i zieht seinen selbständigen Antrag, betreffend die Überreichung einer Petition an den Reichsrath um Erlaß eines Wuchergesetzes in der Erwägung, als das gegenwärtige Ministerium als ein definitives nicht anzusehen ist, zurück. GR. Regali beantragt eine vermehrte Beleuchtung in mehreren städtischen Vororten. Der Vorsitzende fordert den Antragsteller auf, diejenigen Straßen und Gassen, in welchen eine vermehrte Beleuchtung eingeführt werden soll, schriftlich namhaft zu machen. Diese Eingabe ist sodann der Magistratssection zuzuweisen. GR. P o t o t ti i k stellt den Dringlichkeitsantrag: die Wählerlisten seien Heuer in Druck zu legen. GR. Dr. v. Schrei) bemerkt: dieser Antrag hätte bei Berathungspunkt II., 2, eingebracht werden sollen, hier ist er nicht am Platze. GR. Dr. Suppan erinnert, daß ein ähnlicher Antrag bereits in einer früheren Sitzung abgelehnt wurde. Der gestellte Dringlichkeitsantrag wird wieder abgelehnt. GR. Potoknik spricht seine Bedenken gegen die Ablagerung von Schutt und Erdreich vom Jakobsquai in den Laibachfluß aus. Der Vorsitzende theilt mit, daß Schuttablagerungen nur an jenen Stellen stattfinden, wo Ufereinrisse und Suchtungen vorkamen ; Heuer und im künftigen Jahre werde die Uferregulierung dort fortgesetzt werden. GR. G o r ß i k beantragt die Herstellung einer Wasserabzugsmulde nächst den Häusern auf dem Kirchenplatze in der Tirnauvorstadt. Der Vorsitzende bemerkt, daß diese Arbeit im heurigen Jahre zur Ausführung gelangen werde. GR. Regali wünscht, daß vonseiteder Sicherheitswache und des Magistrates gegen die das Publikum stark belästigenden und auf bestimmten Plätzen sich aufstellenden Vagabunden eingeschritten und zeitweise Streifungen vorgenommen werden. Der Vorsitzende erklärt, an das städtische Polizeiamt die geeigneten Weisungen erlassen zu wollen. Der Vorsitzende schließt die öffentliche und es beginnt die geheime Sitznng. — (Zur Feier der silbernen Hochzeit.) Im Verlage der F. I. Ebenhöch'schen Buchhandlung (Heinrich Korb) in Linz an der Donau erschien soeben das vor einigen Tagen in unserem Blatte erwähnte: „Festspiel für Oesterreichs Jugend zur Feier der silbernen Hochzeit Ihrer k. k. Majestäten Franz Josef I. und Elisabeth" von Wilhelm Pailler, 8°, br. Preis bei netter Ausstattung 12 kr. — (Ernennung.) Herr Alois Tschech, derzeit Bezirksrichter in Marburg, wurde zum Lau-desgerichtsrathe in Laibach ernannt. — (Vom Beamtenvereiue.) Die diesjährige ordentliche Lokal- und Consortialversamm-lnng der hierländigen Mitgliedergruppe des ersten allgemeinen Beamtenvereins der österr.-ungarischen Monarchie wird Sonntag den 9. März 1879, vormittags 10 Uhr, im Glassalon der Perles'schen Brauerei in der Elefantengasse in Laibach stattfinden. — (Zur Theaterfrage.) Sämmtliche Logenbesitzer und Theaterfreunde wurden eingeladen, behufs Beschlußfassung über die Frage der für die nächste Saison zu gewährenden Subvention am Sonntag den 9. d. vormittags 11 Uhr im hiesigen großen Casinosaale erscheinen zu wollen. — (Straße nbaulichkeiten.) Am 22. d. werden im Amtslokale der Bezirkshauptmannschaft Krainburg mehrere Bauherstellungen auf der Loibler-, Kanker- und Wurznerftraße an inindestfordernde Unternehmungslustige überlassen werden. — (Erledigte Stelle.) Eine Concepts-praktieantenstelle mit dem Jahresadjutum von 500 Gulden ist bei der politischen Verwaltung in Krain zu besetzen. Gesuche bis Ende März l. I. an das hiesige Landespräsidium. — (Aus der Dichter welt.) Se. Majestät der Kaiser hat die literarischen Publikationen des Redactenrs Heinrich Penn, unter diesen auch das historische Trauerspiel „Mara", huldreichst angenommen und dem Verfasser die mit dem kaiserlichen Wahlspruche geschmückte goldene Medaille verliehen. — (Landschaftliches Theater.) Fräulein Nufcha Butze beschloß gestern ihr hierortigeS dreitägiges Gastspiel als „Louis" in Töpfers Lustspiel „Der Pariser Taugenichts". Der werthe Gast empfing für seine meisterhafte Leistung laute, wiederholte Beifallsbezeugungeu und erfuhr überdies die Auszeichnung mehrmaliger Hervorrufe. Der gefallene Blumenregen und die prächtigen Bouquetspenden mögen der jungen, talentierten Schauspielerin einige Entschädigung bieten für den vielleicht gehofften pecitiiiärcit Erfolg, welcher durch die unglückliche Wahl veralteter, bekannter Bühnenwerke wesentlich geschmälert wurde. — (Aus den Nachbarprovinzen.) In Widerlegung der über den Betrieb der Bleiberger Werfe im Umlauf befindlichen Gerüchte wird der Grazer „Tagespost" unterm 3. d. ans Klagen-furt mitgetheilt, daß die Erzeugung bei der Bleiberger Bergwerksunion weder stockt noch zurückgeht; von einem „Scheinleben" kann daher keine Rede sein, da die Production pro 1877 2.194,562 Kilogramm und 1878 2.673,772 Kilogramm in Blei- berg allein, ohne die anderen Hütten, betrug, und ferner die Arbeiterzahl in Bleiberg nicht auf 600 bis 700 Köpfe herunterging, sondern nach wie vor zwischen 1060 bis 1100 schwankt. Nicht nur der Blei-, sondern der ganze Metallmarkt und infolge dessen die ganze Montanindustrie leidet unter der dermalen abgeschwächten Consumtionskrast und der fortgesetzten Unsicherheit in den politischen, kommerziellen und finanziellen Verhältnissen. — („Die Salzburger Volkssagen"), herausgegeben und bearbeitet von R. v. F r e i s a u f s, erscheinen soeben in 13 illustrierten Lieferungen. Wir machen auf den der heutigen Nummer für die P. T. Stadtabonnenten beiliegenden Prospekt aufmerksam. Pränumerationen übernimmt und besorgt pünktlich die Buchhandlung v. Kleinmayr & Bamberg in Laibach, woselbst auch das erste Heft der „Salzburger Volkssagen" zur Einsicht aufliegt. — (Eisenbahnverkehr im Jänner 18 7 9.) I. Südbahn: Befördert wurden 405,252 Personen und 357,194 Tonnen Frachten; die Einnahme betrug 2.688,006 fl. und war bedeutend höher als im Jänner 1878. II. Nudolsbahn: Befördert wurden 59,818 Personen und 105,574 Tonnen Frachten; die Einnahme belief sich auf 295,168 fl. und war gleichfalls höher als im Jänner des Vorjahres. Ueber Kellerwirtyschaft. Der Essig stich des Weines, eine der gefährlichsten Krankheiten, tritt nicht besonders häufig an jüngeren Weinen auf, welche mehr von dem Kahnigwerden befallen werden, kann aber auch bei ganz fertigen Weinen Vorkommen, wenn dieselben einer zu hohen Kellertemperatur ausgesetzt werden. Der Essigstich wird durch die Entwicklung eines organischen Wesens bedingt, welches sich durch eiue ganz besonders geringe Größe auszeichnet und auf dem Weine einen dünnen, schwer bemerkbaren Schleier bildet. Das Ferment der Essiggährung ist zu jenen zu rechnen, welche ihre Wirknng nur bei ungehindertem Zutritt von Sauerstoff auszuüben vermögen, und beginnt demzufolge das Sauerwerden des Weines zuerst an der Oberfläche. Wenn man die Vorsicht gebraucht, den Wein in Fässern lagern zu lassen, welche mit Füllflaschen versehen find, so kann man bei Betrachtung der Oberfläche des Weines die Anwesenheit des Essigfermentes schon daran erkennen, daß die Oberfläche keinen vollkommen reinen Spiegel bildet. Ein sehr sicheres Erkennungsmittel des Essigfermentes bildet auch der Geruch, welchen der Wein annimmt, auf dem sich dieses Ferment ausbildet; er zeigt nämlich einen ausgesprochenen Geruch nach Essigsäure, und nimmt ein geübtes Geruchsorgan diesen Geruch schon wahr, wenn man noch kaum im stande ist, die Gegenwart von Essigferment auf dem Weine zu erkennen. Der Essigstich schreitet, wie wir schon erwähnt haben, im Weine auch vorwärts, wenn derselbe in noch so kühlen Kellern lagert; aber vielfache Versuche führten zu der wichtigen Thatsache, daß in einem Weine, welcher in einem Keller lagert, dessen Temperatur unter 11° C., liegt der Essigstich nicht anf-tritt, vorausgesetzt, daß der in solchen Kellern eingelagerte Wein nicht schon mit der Krankheit behaftet war. Das sicherste Mittel, sich gegen das Eintreten dieser höchst gefährlichen Krankheit zu schützen — schon ein ganz geringer Gehalt an Essigsäure macht einen Wein ganz untrinkbar — ist somit das Einlagern des Weines in kühle Keller. Wir bemerken hier, daß jeder Wein eine sehr geringe Menge von Essigsäure enthält, welche aber nicht als ein Krankheitsprodukt anzusehen ist, sondern einen, der Körper zu bilden scheint, welche durch die Wirkung des Alkoholfermentes entstehen. Rothweine enthalten immer mehr an Essigsäure als normale Weißweine, so daß möglicherweise zwischen dem Essigsäuregehalt eines Weines und dessen Gährnngstemperatur ein gewisser Znsammenhang besteht. In der landwirthschastlichen Wochenschrift „Der praktische Landwirth" bemerkt Dr. Josef Bersch, daß man bisher verschiedene Mittel vorgeschlagen hat, durch welche man im stande sein soll, den Essigstich eines Weines zu beseitigen; in Wirklichkeit ist aber keines dieser Mittel seinem Zwecke entsprechend. Es ist mit gar keinen Schwierigkeiten verbunden, in einem Weine, welcher schon eine gewisse Menge von Essigsäure enthält, den Ueberschuß an Säure zu beseitigen, indem man eine entsprechende Menge von Pottasche oder Marmorpnlver zufügt, wodurch die Säure zum Theile abgestumpft wird. Die essig-sauren Salze zeichnen sich aber durch einen hohen Grad von Löslichkeit aus und bleiben daher im Weine gelöst, welcher hierdurch einen unangenehmen Beigeschmack erhält. Das Ablasse» des Weines ist ein stark geschwefeltes Faß, oder das Vermischen desselben mit Snlicylsänre bewirkt zwar ein Stillstehen der Krankheit, indem das Essigferment hierdurch getödtet wird, aber es beläßt die Säure in dem Weine, und wird die Gegenwart derselben, selbst wenn nur eine sehr geringe Menge von Säure vorhanden ist, leicht durch das Geschmacksorgan heransgesunden. Um Wein, in welchem der Essigstich erst im Beginn ist, trinkbar zn machen, gibt es eigentlich nur ein praktisch verwendbares Mittel, welches darin besteht, daß man entweder durch Ablassen des Weines, oder durch Versetzen desselben mit Salieylsänre den Gährstoff tödtet und den Wein mit einem anderen verschneidet, der nur eine geringe Menge von Säure enthält, also, daß man den Essigsäuregehalt des Weines so weit verdünnt, daß derselbe für die Zunge nicht mehr wahrnehmbar ist. Hat der Essigstich in einem Weine aber einmal gewisse Fortschritte gemacht, so läßt sich solcher Wein durch kein Mittel wieder trinkbar machen, und kann nur noch dadurch einigermaßen einer Ver-werthuug zugeführt werden, daß man ihn zur Bereitung von Essig verwendet. Witterung. Laibach, 7. Mürz Das schöne Wetter fortdauernd, schwacher SO. Temperatur: morgens 7 Uhr — 04", nachmittags 2 Uhr + 9-2" C. (1878 + 12 6"; 1877 + 2'7" G.) «aromeler im Steigen, 744 02 Millimeter. Da» gestrige Tagesmittel der Temperatur + 18", um 0-7° unter dem Normale. Angekommene Fremde am 6. März. Hotel Stadt Wir». Meuschel und Götz, Kauflte., Nürnberg. — Widerwvhl, Kfm., Triest. Hotel Elefant. Mitter, k. k. Hüttenmeister, Jdria. — Mazct, Grundbesitzer, und Lavri?, Pfarrer, Nova Oslica. — v. Garzaroli, Scnofetsch. — Canawal, Kaufmannssohn, Villach. — Ortmayer, Ingenieur, Ried. — Pollak, Ksm., Braunau. Baierischer Hof. Speranzon, Treviso. — Beneglio, Billa-sranca. Mohren. Conradt, Baiern. Berstorbene. Den 6. März. Helena ZnideiW, Nähterin, 67 I , Tirnauergasse Nr. 21, Entkräftung. — Paula Aubel, Haus-bcsitzerskind, 13 Mon. 17 Tage, Petersstraße Nr. 7, Ge-hirnhöhlenwassersucht. Gedenktafel über die am 11. März 1 8 79 stattfiiidenden Licitativnen. 3. Feilb,, Petrii'sche Real., Michelstetten, BG. Krain-bnrg. — 3. Feilb., Marnsii'sche Real., Oberlaibach, BG. Oberlaibach. — 3. Fcilb., Petrii'sche Real., Großdolina, BG. Landstrab. - 3. Feilb., Skrobuth'sche Real., Ottok, BG. Landstratz. - 3. Feilb., Ferentti'sche Real.. Lase, BG. Landstraß. — 3. Feilb., Duler'sche Real., Karlöe, BG. Landstraß. — 3. Feilb., Premru'sche Real., Oberseld, BG. Wippach. — 3. Feilb., HorHen'sche Real., Mnnkendors, BG. Landstraß. — 3. Feilb., Komakar'sche Real., Raje, BG. Landstraß. — Neuerliche 2. Feilb., Spetic'sche Real., Eepuo, BG. Adelsberg. — 2. Feilb., Spilar'sche Real , Pali'je, BG. AdelSberg. — 2. Feilb., Dongan'sche Real., Altdirnbach, BG. Adelsberg. — 3. Feilb., Kontel'sche Real., Kal, BG. Adelsberg. — Reass. 3. Feilb., Feichtinger'sche Real., Rodne, BG. Treffen. — 1. Feilb., Zupan'sche Real., Michelste! ten, BG. Krainburg. Telegramm. Budapest, 6. März. Die österreichische Delegation Votierte de» Nachtragskredit für diplomatische Vertretungen in Rumänien, Serbien und Montenegro. Der Budgetausschuß nahm eine Resolution an, wonach die für die Occupatio» bewilligte» Gelder nicht für Administratioiis- oder Jnvestltlousauslagen zu verwenden sind. Der zweite Theil der Stnrm'schen Resolution, betreffend Nicht-ersolgung von Staatsvoi schlissen für Admiuistrations-oder Jnvestitioiiszivecke, wurde falle» gelassen. Graf Andrafsy erklärte, beide Regierungen seien einig, entweder durch formelle Erklärungen oder durch eine Bill ad hoc die provisorische Lösung der noch offenen Frage» in Angelegenheiten Bosniens vorznfchlagen. Minister Hofmann dementierte, daß die bosnische Kommission aufgehört und er die Kompetenzen derselben übernommen Hätte. Strohhüte zum Modernisieren und Waschen, Filzhüte zum Ueberformen, Streifen zum Plessieren, Gouffrieren, Auszacken und Säumen werden angenommen bei C. Brilli, Wienerstraße Nr. 29. Aus Gefälligkeit werden obige Arbeiten auch in der Modewarenhandlmig des Herrn Ernst btöckl für mich übernommen. Geräucherte Lachsliiiringe, sehr delikat und haltbar, per 5 Kilo-Kiste circa 40 Stück ft. 2, 3 Kisten fl. 5 55, franco (portofrei) nach jedem Orte Oesterreich-Ungarns gegen Postnachnahmc. Der üstcrr -nngar. Eingangszoll ist 2 kr. pr. Kilo. (120) Ottensen bei Hamburg. Xj. iMTolxr. Wiener Börse vom 6. März. Allgtmeiee Stesl»-feüutd. jJaeimtntc .... feilberrentc .... Boldrenle.............. felaateiofe, 1854. . . „ 1860 „ 1860(6tcl) „ 1864. . ®rnml«nttafluny«- •fctieutien«. Galizien............. Siebenbürgen . . . Zemtfet Banal . . Ungarn .............. And«« üff«ntli<6« AnltEicR. wiener Anlehen ... Acticn v. Aeufcen.