tnr Annst, Literatur, Theater u. geselliges Leben. Nedigirt von Leopold Kordesch. ^ 3. Freitag am HO. Mai 1839. N»n dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich zwei Nummern, jedes Mal ei,n dalber Bogen. Der Preis des Nlottcs ist i» ?»ibach aanziähri« ü, halbiabri,! Z st. Durch die f. t. Post unter Lnuveri mit portofreier Zusendung ganzjäbrig u, balbiabrig 4 st, C, M., »nd wird balbjährig voraus­ bezabit. Alle t. f. Postämter nehme» Pra'uunieration an. I n Laibach prnnumerirl man beim Verleger am Raan, Nr. iyu, i,» ersten Nlocte. Gallerte berühmter Krainer. Es dürfte nicht unerwünscht seyn, über unsere rühm­-würdigen vaterländischen Missionäre in Nord-Amerika, die Herren Friedrich Baraga und Franz Pierz, wie es bisher aus den Berichten der Leopoldinen-Stiftung, aus Zeitschriften und Privatbriefen in abgebrochenen Zeiträu­men thcilweise mitgetheilt wurde, Einiges in umfassender Kürze wiederzugeben und zu berichtigen. i. Friedrich Baraga, Missionär in Nord-Amerika. Friedrich Barag a wurde in der Pfarre Döbernik nächst Treffen, in Untertrain, von bemittelten Eltern am 23. Juni 1797 geboren, begab sich nach vollendeten philoso­phischen Studien von Laibach nach Wien, und begann hier die Rechtsstudien. Nachdem er bereits früher in der ita­lienischen und französischen Sprache bedeutende Fortschritte gemacht, verlegte er sich in Wien auch auf das Studium der englischen.Sprache, unbewußt, daß ihm diese Kennt­nisse dereinst in einem erhabener« Berufe so nützlich seyn werden. Nach den gut beendeten Nechtscursen folgte aber Baraga seiner entschiedenen Neigung zum geistlichen Stan-de und begann die theologischen Studien in Laibach mit so empfehlendem Erfolge, daß ihm schon nach dem Schlü­sse des dritten Jahrgangs (am 21. September 1823) die Priesterweihe ertheilt wurde. I m folgenden Jahre kam er in die Seelsorge nach St. Martin bei Krainburg und von da (i«28) nach Möttling, wo er bis zum Jahre 1830 be­lassen wurde. Nachdem der hochverdiente Leopoldinen-Verein in Wien am 13. Mai 1829 seine Thätigkeit für die katholischen Äiissionen in Nord-Amerika begonnen, und seine Samm­lungen und Berichte in alle österreichischen Provinzen ver­breitet hatte, war Friedrich Barag a der erste Weltprie­ster in unserem Kaiserstaate, welcher Vaterland und Alles zu verlassen und den indischen Wilden das Licht des christ­lichen Glaubens zu tragen unabänderlich beschlossen hatte. Unter tausend Segenswünschen reis'te er am 12. Novem­ber 1830 von Wien über Baiern nach Frankreich ab, schiffte sich am 1. December desselben Jahres in Unvr« <-!»oe ein, und betrat nach einer stürmischen, cinmonatli­chen Fahrt zum Neujahrstage 1831 im Hafen von New-Jork den amerikanischen Boden. I n Cincinnati, dem Ziel seiner Reise, erbat er sich selbst von seinem nunmehr vor­gesetzten, dortigen bischöfl. Ordinariate die schwierige Auf­gabe, unmittelbar zu den heidnischen Indiern in die Mis­sion geschickt zu werden und erhielt auch bald die Wei­sung, zu den wilden Ottawa's Indiern nach Hri»-« oi-oei«: in das Gebiet Michigan der vereinigten Staaten (800 amerik. Meilen von Cincinnati entfernt) abzureisen, wo er am 28. Mai 1831 eintraf. Hier gründete Friedrich Ba­raga seine erste Missionsstation, verlegte sich ungesäumt auf die Erlernung der indischen Sprache, unterrichtete die Jugend im Lesen, Schreiben, Rechnen und in der Reli­gion, predigte das Evangelium (natürlich anfangs mittelst Dolmetscher), unterzog sich allen Mühen, Entbehrungen und Pflichten eines wahrhaft apostolischen Missionärs, und hatte schon in dem ersten Jahre über dritthalb hundert heidnische Indier getauft. Hier verfaßte er auch gar bald ein indisches Gebetbuch mit angehängtem Katechismus, das er in Detroit, der Hauptstadt des Gebietes Michigan, drucken ließ. Rührend ist es zu hören, wie segenreich seine Lehren für Menschenwohl und Seelenheil wirkten, indem diese Wilden das Laster der Trunkenheit, dem sie bis zum em­pörendsten Uebermaße ergeben waren, blos auf das Wort eines katholischen Priesters gänzlich ablegten, und sogar nach dem Zeugnisse der Andersgläubigen, durch seine Mü­hen und Lehren die beispielvollsten Christen im amerikani­schen Indien geworden sind. Nachdem sich Friedrich Barag a für diese wohlunter­richtete Gemeinde einen Nachfolger von seinem Ordinariate erbeten, führte ihn sein unermüdeter Eifer 300 amerik. Meilen weiter, an die Grenzscheide des Staates Michi­gan und des freien Gebietes der Ottawa's - Indier, grün­dete dort (im Oktober 1833) seine zweite Missions-Sta­tion St. Maria am großen Fluße ('l'l>« zzrnu» Niv<,'r) und K» hatte bald (binnen 16 Monaten) 170 Indier getauft. I m Februar 1835 .besuchte er Detroit, ging von hio «!ii>e>in>) zu den Otschipwe-Indiern, und gründete dort./eine dritt e Mis­ sions-Station St . Joseph am Obersee, im Gebiete Nord­ west, (jetzt Wisconsin genannt) in den vereinigten Staa­ ten, gegen 800 amerik. Meilen von Detroit entfernt. I n diesen, äußerst unwirthlichen und kalten Waldern und Wasserwüsten schrieb er während des rauhen Winters ein krainisches Werk: „l'remil'l^evn»^« llitiriii i>ulie ro­?,l>>" als Andenken für seine geliebten Lattdsleute, und eine „Abhandlung über Geschichte, Charakcer, Sitten, und Ge­bräuche der nord-amerikanischen Indier" in deutscher Spra­che, (beide gedruckt bei Joseph Blasni k in Laibach;) dann in der Sprache der Otschipwe-Indier ein »Ge­bet-, Gesang-und Lesebuch« und „das Leben Jesu," welche in Paris gedruckt wurden. Auch hier hatte er schon in den ersten zwölf Monaten 2Z3 Wilde getauft. Aus Rücksicht für seine rühmlichen Verdienste wurde Friedrich Varag a nun auch zum bischöflichen Vicarius für das Gebiet Nordwest oder Wisconsin ernannt. I m Jahre 183? machte derselbe eine Reise nach Eu­ropa, besuchte sein Vaterland Krain, predigte in Laibach in deutscher und krainischer Sprache unter unglaublichem Zulaufe des Volles, und reis'te dann bald über Wien und Frankreich in seine Mission nach Nord-Amerika zurück. Ih n begleiteten zwei fromme Krainer, welche sich ihm zur Bedienung als Knechte und Handwerker anboten, so wie seine Schwester Antonia , welche schon früher in Paris verweilte und die nöthigen Sprachen lernte, um in Ame­rika durch Schulunterricht bei den Neubekehrten dem Herrn zu dienen. Am 8. Oktober 1837 erreichte er glücklich seine Mis­sions-Station St . Joseph am Obersee, zum Truste seiner lieben Neubekehrten, welche ihn als ihren wiedergeschenk­ten Vater freudevoll empfingen. I n dieser Missions-Sta­tion, welche durch seinen unermüdeten Eifer so heilige Früchte trägt, und durch seine aus Europa mitgebrachten Geschenke der Missionsfreunde nun auch eine niedliche Kirche erhielt, wünscht Friedrich Barag a für den Glau­ben zu leben und zu sterben. Segen seinem Wirken! — F. 5. Le l,«t. Habicht. Tragi - komische Novelle von I. köwenthol. (Fortsetzung.) IV. Habicht hatte über seine Nase schon so viel leiden müssen, daß man ihm gerne den anfänglichen Wonnetau­mel nach einer Metamorphose zu Gute halten wird, die mehr ein Triumph der Magie, als der Wissenschaft zu seyn schien. Er hatte in seiner Einbildung die Inconvenicnz seines physischen Nebels übertrieb«», und er kam sich jetzt wie ein Mensch vor, der sich lange unter der Last der Schande beugen mußte, und endlich vor den Augen der Welt wie reingewaschen dasteht; diese falsche Ansicht von seinem ehemaligen Zustande verhinderte ihn bei all' seinem gesunden, natürlichen und ausgebildeten Verstände, Herr seiner Gefühle zu werden. I n kühlen, Momenten empfand er jedoch, daß es aus mit seinem Verstände sey, wenn er den Regungen seiner Freude keine Schranken sehte; dies kostete ihn zwar einen Kampf, allein er überwand, und auf seinen Freudenrausch folgte nun die dem vernünftigen Menschen weit angemessenere, ruhige Zufriedenheit. Dessen ungeachtet war es ihm noch schwer, sich ganz in seine gegenwärtige Lage zu finden. Oefter verfiel er in Träumereien, als ob der alte Gram noch auf seinem Herzen laste. Der Galeerensclave wird, wenn auch schon längst der Gesellschaft wiedergegeben, im Gehen seinen Fuß nach sich schleppen, als ob der eiserne Ring ihn noch immer gefes­selt hielte; so schielte Habicht nach alrer Gewohnheit mit den Augen niederwärts, gleichsam als ob er etwas suchte, und so wie jene, welche ein Glied verloren haben, dann nicht minder das früher gehabte Gefühl empfinden sollen, prikelte es auch ihn fortwährend an der Nase; er wollte daran sich reiben, in der Zerstreuung vergaß er aber, daß sein Finger sich wenigstens einen Daumen weit von seiner gegenwärtigen Nase,in der Quere bewege. Nun bedeu­tet aber eine ähnliche Fingerbewegung in allen Ländern so viel als: „Kommen Sie her!" und alle auf dem Schiffe, welche sich in der Richtung seiner Nase befanden, eilten herbei, um sich nach seinen Befehlen zu erkundigen. Glück­licher Weise verloren weder die Passagiere, noch sonst Je­mand auf dem Schiffe ein Wort über dieses seltsame Be­nehmen, das sich nur zu oft wiederholte und Allen ein unerklärliches Rächsel blieb. Am Tage sammelte sich indessen Habicht schnell, des Nachts aber war er ganz die Beute seiner Vergangenheit; im Schlafe war er ganz Habicht mit der großen Nase, Phantome umgrins'ten ihn in seinen Träumen, und ver­gällten ihm so den Genuß seines Glückes, und gar oft fuhr er plötzlich im Schlafe auf, verließ ganz verwirrt und er­schrocken seine Hängematte, ergriff einen Leuchter, lief vor den Spiegel in der Kajütte und stand da eine Weile, bis er sich besehen, befühlt und überzeugt hatte, daß er wirk­lich verändert sey, dann aber lachte er selbst über seine nächtlichen Visionen und über seine verstörte Toilette und legte sich wieder zur Ruhe, um neuerdings von anderen Träumen geneckt zu werden. Die Fahrt war lang und beschwerlich. Das Schiff hatte mit gewaltigen Stürmen zu kämpfen und war öfters mit dem Untergang bedroht. Zum ersten Male sah Ha­ bicht dem Tode mit Angst und Bangen entgegen. Ster­ben, jetzt, da sich die lachendste Aussicht vor seinen Bli­cken entrollte, sterben an der Pforte der Lebensgenüsse! — Dieser Gedanke machte ihn schaudern. — Nach einer fünfmonatlichen Reise befand er sich end­lich auf der Themse, unweit der brittischen Hauptstadt, «nd jetzt war sein moralisches Wesen ein ganz anderes. I n der Nähe der Menschen, denen er jetzt an Gestalt völlig gleich war, gab er auch ihren Ideen und Handlun­gen nicht im Geringsten nach; alles übrige war ihm nun R1 gleichgültig, wenn es nicht in irgend einer Beziehung mit ihm selbst stand, ja selbst über seine indische Reise freute er sich nur in so ferne, als er mit seinen ausländischen Zeu­gen, mit seinen indischen undchinesischen Arbeiten prunken zu tonnen glaubte; der Vorsehung zu danken, die ihn bis­her so wunderbar beschützt, daran dachte er nicht. — v. Bald war er London's, der Engländer, der Klubbs, der Thee's, der Reform, des Rauchs und des Nebels recht herzlich satt. Es zog ihn in die Heimat, er verschaffte sich einen Paß unter einem aus der Luft gegriffenen Na­men, und begab sich nach der Hauptstadt seines Vater­landes. Bevor er sich jedoch seiner Frau vorstellte, beschloß er genaue Erkundigungen über ihr Betragen während sei­ner Anwesenheit einzuziehen. Bald nach seiner Ankunft vernahm er den Tod eines reichen Verwandten, der ihn zum Universalerben eingesetzt hatte. Er verfügte sich zu'einem Notar, der ihm beinahe in's Gesicht, lachte. »Sie Herr Habicht?» sprach er „Sie belieben zu spassen, ich kannte Herrn Habicht wie mich selbst, man brauchte ihn auch nur ein Mal gesehen zu haben, um seine Züge nie wieder aus dem Gedächtnisse zu verlieren,; ich bitte Sie, künstig einen andern zur Zielscheibe Ihrer Scherze zu machen.« Dieser Vorfall that Habicht nicht um des Geldes Willen leid, er hatte dessen genug; allein der Verlust seines Namens, seiner Identität war ei» Schlag, der ihn sehr hart traf. Indessen beruhigte er sich und freute sich anderseits wieder, jeden Eindruck der Ver­gangenheit nun völlig bei Allen verwischt zu sehen. Er warf sich jetzt ganz in die Arme des Vergnügens: Jagden, Landparthien, Theater, Bälle, Theegesellschaften boten ihm Stoff genug, sich seine Tages- und Abendstun­den zu verkürzen. I n den Zirkeln, die er besuchte, ver­anlasite ihm seine Zerstreuung noch manche tragi-komische Scene-; es entschlüpften ihm zuweilen Worte über Ver­hältnisse, welche ihm früher im Vertrauen mitgetheilt wor­den waren; den einen fragte er ganz naiv, wann er ihm denn die tausend Gulden zu zahlen gedenke, die er ihm vor seiner Abreise geliehen; „wie war es noch mit Fräulein M*« fragte er einen andern in Gegenwart des Fräuleins W", mit dem er eben einige Herzensergüsse gewechselt hatte. Dadurch und durch ähnliche tzuid i»-<, q»u setzte er sich und andere in die. größte Verlegenheit, kam es zu Anzüglich­keiten, die ihm viele erbitterte Feinde verschafften. Außer­dem hatte er seinem Rufe auch durch einige Liebesintriguen bedeutend geschadet, die er gesponnen, und er fühlte jetzt eine Leere, welche er früher gar nicht gekannt. Verglich er seine Gegenwart nun mit der Vergangenheit, so sah er, wie viel er verloren, und wie wenig er gewonnen hatte. Für seinen väterlichen Namen, seine speziellen Ver­hältnisse, seine Ehre hatte er leider nur den Namen eines Wüstlings, eines unerklärlichen, räthselhaften Sonderlings eingetauscht, und sich obenein unversöhnliche Feinde erworben. Wohl war ich ehedem ein besserer Mensch! rief er schmerzlich; ich litt zwar viel, doch ich litt unschuldig, mir blieb das Gefühl meines Selbstwerches, jetzt erröthe ich, wenn ich einen Blick in mein Inneres thue. Während er eines Abends in einem Zirkel mit einer jungen Dame in einem Gespräche begriffen war, drang plötzlich ein Name an sein Ohr, der ihn an allen Gliedern beben machte. Ein Bedienter meldete Frau Habicht. — L u-ise trat bald darauf ein. Mehrere Damen, und darunter die Hausfrau gingen ihr mit Achtung entgegen. Sie war der Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit. Nach zwei Jahren,sah er sie wieder, und wie?—schöner, anmuths­voller, als er je sie gedacht, von Allen geachtet und ge­liebt, nur einige Schritte waren sie von einander entfernt, und er mußte schweigen, durfte seine Gefühle nicht laur werden lassen, die ihn zu ersticken drohten; seine Frau stand vor ihm und erkannte ihn nicht, konnte ihn nicht erken­nen! — Seine innere Bewegung mußte in jenem Augenblicke sehr heftig gewesen seyn, denn er hatte, ohne es zu wissen, den Arm seiner Nachbarin gefaßt und ihn so sehr mit sei­ner Hand gepreßt, daß sie sich ihm nur mit Mühe ent­winden konnte. Wiewohl ihr Arm ganz blau vom Drucke war/ so fand sie die Scene doch gar zu komisch, als daß sie darüber ungehalten seyn sollte, 'und nachdem sie sich recht satt gelacht hatte, sprach sie, indem sie auf ihren Arm deutete: „Frau Habicht muß einen eigenen Eindruck auf Sie gemacht haben.« Er entschuldigte sich mit einem herzhaften Compliment; so kam das Gespräch auf Luise, und er erfuhr nun zu seinem Erstaunen, zugleich aber zu seiner Freude, daß Luise nach seiner Abreise Alles aufgeboten hatte, seinen Aufenthalt zu erfahren, und als jede Nachforschung verge­ bens war/ Trauerkleider angelegt, und sich bis vor Kur­ zem von jeder Gesellschaft zurückgezogen hatte. „Sollte ihr Gatte etwa mit Grund —< „„Was Grund? Nicht den mindesten hatte er. Frau Habicht führte stets einen musterhaften tadellosen Wan­ del. Sie sehen auch, mit welcher Rücksicht man ihr von allen Seiten begegnet. Bereits zwanzig Heiratsanträge hat sie zurückgewiesen, weil sie ihren Gatten nicht verges. sen kann, der wahrlich eine solche Treue, eine solche An­ hänglichkeit nicht verdiente.«« — I n diesem Augenblicke kam Luise herbei. Die beiden Frauen umarmten einander schwesterlich. Habicht war wie versteinert. Er stand Luisen so nah, ihre Kleider berührten sich, er hörte sie sprechen, er sah ihr schwermü­chiges Lächeln, er unterdrückte eine Thräne, die sich aus seinem Auge schleichen wollte; seine Brust war beklommen, er mußte in's Freie — „Gott!" rief er, als er sich allein im Garten befand, „sie war also unschuldig, sie liebt mich noch, und ich Grausamer konnte sie verlassen! Was soll ich nun thun? wozu mich entschließen? Vor sie hintreten und mich nennen? Sie wird, sie kann mir nicht glauben. O welchen unseligen Dienst hat der Ka>chmirer Arzt mir geleistet!« Zehn Jahre seines Lebens und sein ganzes Vermögen würde er jetzt darum gegeben haben, seine ehemalige Nase wieder zu erhalten. Lange noch irrte er im Garten herum. Beim Nachhausegehen traf er wieder mit Luisen zusam­men, die so eben, von einem bejahrten Herrn begleitet, zum Wagen ging, wo ein anderer Mann ihrer harrte und ihr einen Pelz um die Schultern warf. Ein Schein der Laterne fiel auf ihn — es war.Fleur d' Orange. Ha­ bicht hätte ihm auf der freien Strasse uni den Hals sin-' ken mögen.— I n der schlaflosen Nacht, welche auf diesen für ihn so ereignißvollen Tag folgte, durchkreuzten tausenderlei Pla­ne seine Sinne. Um jeden Preis sollte Luise die Seine werden, und da er als Gatte nicht auftreten durfte, so faßte er den Entschluß, sein Glück als Liebhaber zu versuchen. (Beschluß folgt.) 3levne des Mannigfaltigen. »Der Spiegel" erzählt Folgendes: In Preßburg lebt ein armer Handelsmann, Namens Joseph Rothschild. Sein Weib war der Entbindung nahe, und in der armen Wirchschafc fehlte es überall. Der Mann , so fleißig und unermüdec er auch war, vermochte mit seinem kleinen Han­del doch kaum die allcrnothwendigsten Bedürfnisse herbeizu­schaffen. Da die Zeit der Entbindung seiner Frau immer näher rückce, so entschloß er sich, nach Wien zu reisen, um bei einigen Landsleu«», die dort etablirt waren, einige Wa­ren auf Kredit zu erhalten. Kaum gingen ein Paar Tage nach der Abreise Josephs vorüber, so genas sein Weib ei­nes gesunden Knaben. — Mi t diesem Haussegen wuchs die Noth der armen Mutter auf's Acußerste. I n dieser Ver­zweiflung schrieb sie den kläglichen Zustand, in welchem sie sich befand, ihrem Manne, und bat ihn flehentlich, nach Hause zu kommen; da sie aber die Adresse ihres Mannes in Wien nicht kannte, schrieb sie geradezu: „An Joseph Rothschild in Wien,« hoffend, ihr Mann werde den Brief erhalten. — Der Zufall, der schon so viele Freuden gestört, und eben so viele Leiden gehoben hat, erschien auch hier als Vermittler. Der Brief kam in das Fach des- be­rühmten Banquiers, Herrn von Rothschild. — Dieser las die Klagen des armen Weibes, sandte ungesäumt­100 fl. C. M. der Wöchnerin, und ließ den Mann, Na­mens Joseph Rothschild, in Wien aufsuchen. Bald war er gefunden. Der arme Handelsmann war nicht wenig erschro­cken, als man ihn zu dem unbekannten Namensvetter brach­te. Der Banquicr empfing denselben mit edler Leutseligkeit, indem er ihm zu der Geburt seines Sohnes Glück wünsch­te. — Natürlich mußte der arme Mann immer mehr in Verlegenheit gerathen. „Da Ihr denn doch einen Unter­stützer brauche, so nehmt mich als solchen. Die So^ge für die Zukunft des kleinen Weltbürgers sey mir überlassen," sprach lächelnd der edle Menschenfreund und reichte den Brief von Josephs Frau sammr einem ansehnlichen Geschenke dem überraschien Glücklichen. — Diese einfache, buchstäblich wahre Begebenheit soll keine Lobhudelfeier des allgemein geachteten Banquiers seyn, denn über solche -ist ein Mann erhaben, der seit seinem Aufenthalte in Wien unzählige Beispiele seines edlen Wohlthätigkeitssinnes aufzuweisen hac, und dem Wohlthun ein Bedürfniß ist. Es ist viel mehr der Zufall zu bewundern, der so ungesucht eine arme Fa­milie glücklich gemacht hat. I n der Bibel befinden sich 31,173 Verse, ?73,6 92 Wörter und 3,Z««,i80 Buchstaben. Der Name Iehova kommt «835 Male vor, das Wort „und " 4«,227 Male, das mittelste Kapitel ist der 11?. Psalm und der mittelste Vers ist der 8. Vers des 101. Psalms. Man rechne nach und überzeuge sich!— Panorama und Wachsfignren-Eabinett des Mathias Hortz. Man ficht in neuerer Zeit so viele Panoramen und Wachsfigureu-Cabiuette, und mitunter so viele mißlungene Erzeugnisse der Art , daß die Lust des Publikums zum Besuche derlei Vorstellungen sich nolhwendig ab­stumpfen muß. Um desto angenehmer ist es dann für den Kunstfreund» dem es nicht an der Quantität, sondern mehr an der Qualität der Gegen« stände dieser Art liegt, wenn er cinmal wieder etwas Gelungenes zu Ge­sichte bekömmt. Wir glauben daher das kunstsinnige Publikum Laibach's auf das seit einigen Tagen an, Platze neben der Sternallee aufgestellte Cabmett von Wachsfiguren und panoramaartigen Darstellungen des Herrn Mathia s Hortz mit Recht aufmerksam mache» zu dürfen, als sowohl die plastischen Darstellungen, wie die recht lebendig und naturgetreu gemalten Bilder sei­ner optischen Zunmerrcise alle Anerkennung verdienen. Unter den Wachsfiguren, die erst vor zwei Jahren durch römische Künstler augefertigt wurden, zeichnen sich sowohl durch richtige Zeichnung und schönen Ausdruck des Gesichtes, als durch echtes, «ric,italisches Costume aus: »Christus, der W e lth e ila n d«, »die heilige Familie", »P ctcr im G cfäng n i ssc, mi t den. Enge l" und»I acobu s".-Auch die Königin von Portugal!, Donna Maria da Glori«, vor dem, Muttcrgottes-Nilde tnieend, ist ein vortreffliches Wachsbild. Unter den Bildern des Panorama nehmen sich: »Der Vesuv" , »Eon stan tinc", »Nizza", »Saint Pierre in Mittelamcrita, »Q u c> bcck", »Lissabon" — und unter de» Bildern der Ueberschwenimung von Pesth und Ofen besonders das vierte, das deutsche Theater und de» schönen Theaterplatz im Prospekt — sehr vortheilhaft und sehenswerth aus. Wir wünschen dem Vigenthllmer, der noch einige Zeit hier zu blei­ben gedenkt, einen recht zahlreichen Zuspruch, an de», es ihn» bei de»! ge­ringen Stande der Eintrittspreise auch nicht leicht f,HIen wird. Leopold Kordcsch. Krain's Flora Von den vorzüglichsten Gewachsen des f. k. botanische» Gartens zu Laibach sind bis znui in. Mai folgende zur Blüte gekommen i HjuZ» rer>t->n§, rankender Günsel. — Hrobis ulriinü, Alpen-Gän­sekraut, -i - .'Vr. Zrcnuüu, Sand-Gnnsekraut. — üülu!» »lbu, weiße Virte. Let. c.irrmticu, karpotische Nirte. — ^nrcininin« pr«ten«i3, Wiesen-Schaumkraut. — Ore x i>It>«, weiße Segge. — <2nellc!ur>!uiu »,i>)U5, gro­ßes Schöllkraut. — lllirinne I>uureull>, immergrüner Seidelbast. — Den­ti,riu ene:>pn^IIc>3, neunblät. Zahnwurz.— Uroba ciüntü, gcwinipcrt. Hun­gerblümch. — Lrnineciiuin «Ipinul», Alpen-Sockenbl. — Lupnurb!» lü^pu­ri55iu2, Cypressen-Wolfsmilch. — Tupn. ^nlei«, süße Wolfsmilch. ^ Llecnnin» nirsut« , rauhhaarige Gundelrebe. — I^uriluann l'llrux-icum, gem. Löwenzahn. — »riicliuiu .iiro'nuin, Alpenkresse. — kotentill» ci» nere», aschgr. Fingerkraut. — ?ri,nu!« c» rn in lici,, trainische Schlüsselt. — ?r. venuztl», reihende >Schlüsselbl. — kr. inu!ticep5 , viel­köpfige Schlüsselbl. — ?runu5 5r,in<>52, Schlehen-Pslaume.— Nibe5 rllü^ui- Kilinum, Hl a düit'scher Johannisbeerstrauch. —8n!ix ulb», weiße Weide. — 8»!ix c« rn i «1 ic», trainische Weide. — 8^1. purp, rothe Vaud­weide. — 8»I. lipclii», Uferweide. — 8!>x!kr,,->.i;» triäüi-t^IiteZ, dreitbeili­ges Steinbrech. — NideZ 8cupnlii, Scopol! scher Iohanncsbecrstrauch. — UIinuZ in^jur, großer Nüster. — Vllleriüng tririteri'3, drciblätt. Baldrian. — Verunicu ngreZti«. Acker-Ehrenpreis. — Ver. lluxbamni, Burbaums Ehrenp. — Ver. l>ecIerA?tllI., epheublntt. Ehrenp. — Ver. tripN) Ilu« , drciblätt. Ehrcnp. — Vinci» minor, kleines Tinugriin. — Viulu mirubill'5, Wundcr-Neilche». — Villi, niten«, glänz. Veilchen. Ändr. Fleisch mann, Mitglied der kön. bayrischen botanische» Gesellschaft i» Negensburg. ic., Auflösung der Cdarade im Blatte Nr. 2. Anstand. Laibach. Druck und Verlag von Joseph Blasnik.