Theologische Verantwortlicher Redakteur: llr. Johann Chrys. Pogazhar. M 15. Samstag den 14. April. 1849. Was hat ein Seelsorger in unfern Tagen besonders in der Schnle zu thnn? »Herr! ich sah drei Szenen von dem großen Schauspiele an mir vorüber gehen, nnd erzitterte in Erwartung des Weitern. Ich sah in der ersten Szene, wie grundschlechte Politiker dich, o Gott! verabschiedeten mit den Worten: Wir brauchen deiner Nicht, nm Land und Leute zu regieren; wir können es ohne dich. Ich schwieg nnd weinte. Ich sah in der zweiten, wie unverständige Moralisten dich verabschiedeten mit den Worten: Wir brauchen dich nicht mehr, nm die Menschen gut und froh zn machen; wir können cs ohne dich. Ich schwieg und seufzte. Ich sah iu der dritten, wie sogar wahnsinnige Theologen dich, mein Herr und mein Gott! mit den Worten verabschiedete»: Wir können die Menschen auch ohne dich weise nnd selig machen. Herr! sprach ich, wie lange noch? — So wird das Volk ohne Religion, die Religion ohne Leben, die Welt ohne Hirten, die Priester ohne Salbung, die Gelehrte» ohne Weisheit, die Große» ohne Demuth, die Gebräuche ohne Kraft, das Laster ohne Scheu, die Tugend ohne stütze, die Jugend ohne lebendiges Beispiel, die Zukunft schreckender als die Gegenwart. Man will Glückseligkeit ohne Tugend, Tugend ohne Gvttesvcrehruug, Gottesverehrung ohne Gotteser-leuchtu»g, will Politik ohne Moral, will Moral ohne Religion, will Religion ohne Offenbarung, will Offenbarung ohne Kirche, will eine Kirche ohne heiligen Geist, will das, was bloß in Einigung bestehen kann, trennen und durch Trennung gedeihlich machen«. So schilderte der greise Bischof Sailer am Abende seines Lebens unsere Zeit in einem klaren Bilde, dessen Vollendung wir erlebt und dessen Wahrheit wir erfahren haben. Ein modernes Heidenthum hat sich unter den Menschen entwickelt, dessen Sauerteig unter allen Ständen immer weiter um sich greift. Die Menschen haben die Quelle des lebendigen Wassers verlassen und sich Zisternen gegraben, die kein Wasser halten. Sic beten das goldene Kalb der sogenannten Aufklärung, der Habsucht und des Sinnengcunßcs an und haben Gott und sein Reich nur zu häufig verlasse». Wo blühet noch die Hoffnung einer besseren Zukunft? »Lasset die Kleinen zu mir kommen«, ruft Jesus; »denn solcher ist das Himmelreich«, Die Heranwachsende Jugend in dieses Reich cinzn-führen, ist nun die wichtigste, aber auch die lohnendste Aufgabe für jeden Seelsorger. Die Schule bietet ihm dazu die schönste Gelegenheit, um auf de» Hausnnter-richt fortznbanen, oder ihn zu ersetzen, und für den weiteren kirchlichen Unterricht ci»e» guten Grund zu legen. Da aber unsere Schulen nicht allein Lehr-, sondern auch Erziehungsanstalten sein sollten, in welchen gute Staats- und Himmelsbürger her-angebildet werden, wo cs au, Zweiten weit allgemeiner als am Erstem mangelt, so dürfte es »icht überflüssig fein, wenn sich Seelsorger und erfahrene Schulmänner ihre Gedanken, Ansichten und Erfahrungen gegenseitig anstanschen und mittheilen. Gegenseitige Mittheilung über Schule und Erziehung ist ein großer Liebesdienst zur Heranbildung besserer Menschen, besserer Zeiten. Sind unsere Schulen Gottes Prachtgärten und die Seelsorger deren kluge Pfleger, so muß ihre erste Sorge sein, daß ihre zarten Pfleglinge den erforderlichen Grad an Licht und Wärme erhalten; oder ohne Bild, daß die Bildung des Verstandes und des Herzens einen gleichen Schritt lMte. Bloß den Verstand auf Kosten des Herzens mit Kenntnissen über-hänfen, bildet kalte Vernunftmenschen und führet zum starren Nationalismus; mit Vernachlässigung des Verstandes die Gefühle des Herzens anzuregen, erzeugt bloße Blüten ohne Frncht, eine leere Empfindung und führt zum Piätismus und Schwärmerei. Beides ist eine nachteilige Vorbildung, die nur zu häufig in den Schulen, so wie in der häuslichen Erziehung vorgesunden nur halbe Menschen erziehet. Uebrigens darf cs dcr Seelsorger nie übersehen, daß die Kinder so wie alle unverdorbene, noch ungebildete Menschen in dcr Regel mehr Herz als Verstand besitzen , und es daher viel leichter ist, durch das Herz zu ihrem Verstaube, als durch den kalten Verstand den Weg zum Herzen zu finden. Man lese die Jngendschriften eines Christof von Schmid und lerne gemüthlich, herzlich und wahrhaft kindlich fein. Und hat man die Herzen der Kleinen für sich gewonnen, dann versäume man nichts, auch deren Verstandskräfte mit beit angemessenen Reli-gionskenntnissen zu bereichern und man wird keine halben Menschen heranziehen. Leider war in nnsern Volksschulen, nicht minder auch iu den höher» Lehranstalten die kalte Verstandes-bildung auch tit der Religion bisher nur zu vorherrschend und auf Kosten des Herzens betrieben. Der Same des göttlichen Wortes in das Erdreich der Jugend gelegt blieb ohne belebende Wärme tobt, brachte keine guten Früchte und wurde vom Umkranle überflügelt und erstickt, bas auch üt einem kalte» Bobeu wuchert. »Unsere Schulen sind i» der Regel Eisgruben, klagte der selige Fürstbischof Roman und hatte Recht. Was nützet mir das lichteste Zimmer, wenn cs mich i» demselben bis zum Erstarren frieret und nur jede Arbeit unmöglich macht? Was nützen der Kirche und dem Staate die geschickteste» Mitglieder mit den ansgebreitetsten Kenntnissen, wenn in ihrem Busen für Recht und Tugend kein warmes Herz schlagt? Haben wir nicht die traurige Erfahrung, daß die studierende Jugend mit jedem Jahre ihres Fortschreitens irreligiöser wird, und daß nur zu häufig das religiöse Bewußtsein, das religiöse Leben in dem Maße schwindet, als sich die Verstandeskenntiiisse mehren, bis atbltch bie modernen Mnsensöhne mit den Schulen auch die Religion verlassen. Und woher dieses? Daher, weil man die Religion mehr z»r Verstandes-, als zur Sache des Herzens gemacht und behandelt hat. Die Religionsprüsungen fallen in der Schule sehr gut — außer der Schule häufig sehr schlecht aus. Das Leben ist die eigentliche wahre Religionsprüfung. Sollte es in diesem wichtigen Stücke besser werden, so sei der Seelsorger selbst ein Mann der Religion, des Alles belebenden Chnstenthums. Die Kinder ahmen lieber das nach, was sie vom Lehrer sehe», als das, waö sie hören. Aeltern, die ihre Kinder mit der Rute beten lernen —und Schulmänner, die ihren Schülern den Katechismus mit Strafe» beibringen, haben mit ihrer christliche!? Erziehung kein Glück; sie machen der Jugend die Religion verhaßt n»d erziehen nur Sklaven, keine freien Kinder Gottes, wie sie der Apostel haben will. Man lese den ersten Abschnitt der schönen Jugendschrift von Christof Schund: Rosa von Tanenburg, und sehe, wie man Kinder Gott erkenne,r, und dann beten lehret. Wird in der Schule gebetet, so bete der Katechet und Schullehrer laut mit den Kindern, mache vor den Kleinen das heil. Kreuzzeicheu unb falte andächtig die Hände. Führen wir die Kinder tit die Kirche, so schämen wir uns nicht, mit den Schülern zu knien und alle Religionsgebräuche, welche wir den Kindern anem-pfebleu, selbst mit einem lebendigen frommen Sinn zu Üben. »Wenn ihr nicht werdet, wie die Kinder«, spricht unser Herr und Meister, »so werdet ihr nicht in das Himmelreich entgehen*. O der alte Seelenrost: die Re- ligtonsscheue so vieler moderner Schulmänner, die sich schämen, fromm und gottesfürchtig zu sei», hat nur zu allgemein auch die zweite Blüte unserer Jugend angefressen. Die Religionsscheue ist der tödtcubc Pesthauch eines lebenbigcn Christenthums. Wer sich Christi schämt, der ist nicht sein; beim: »Wer mich vor den Menschen verläugnetj, beit will ich vor meinem Vater verläugne», der im Himmel ist;« sind seine Worte. Dem Religionsunterrichte 1111b ber religiösen Erziehung mehr Leben zu geben sind angemessene Bilder für Kinder ein vortreffliches Mittel. Die katechetifchen Bilder von Bernhard Galnra, Fürstbischöfe von Briren, diesem nnermüdeten Arbeiter im Weinberge des Herrn entworfen, mit dem deutschen und slowenischen Tcrte in Gratz beim Herrn Heribert Lainpel zu haben, verdienen wegen ihrer Zweckmäßigkeit und Wohlfeilheit auch bei uns eine allgemeinere Verbreitung und Theiluahme. Sie sind wahre Hansmissionäre, die von Kindern heimgebracht und von Hausgenossen angesehen mit ihre» lieber-schriftc» die Wahrheiten unserer heiligen Religion predigen. Wer erinnert sich nicht mit Freuden an die frohe Jugendzeit und die anzichcudeu Katecheten-Geschenke, ohne daß sich seine religiöse Gesinnung verjüngt? Nicht um ein Königreich hätte ich das Bilbcheu bes heil. Bisch oses Nikolaus gegeben, bas mir »teilt erster Religions-lehrer geschenkt, als ich seine Fragen zu seiner Zufriedenheit beantwortete. Dergleichen Geschenke sollen aber gut gewählt, nach Verdienst gereicht ttitd nicht zu häufig sein. Eiu vorzügliches Beförderungsmittel religiöser Erziehung sind feierliche Andachten für Kinder besonders veranstaltet. Die Feie r der ersten Hl. Co mm uni o n ist das schönste Maifest des katholische» Lebens. Seelsorger, welche eine feierliche Kinder .Wic»er Congreß.« allc die Anordnungen wieder zurückzuweisen, welchen eben abzuhclfen, die Kirche gezwungen war, ihre Disciplin in diesem äußerst wichtigen Gegenstände abznändern.«: »In den gegenwärtigen Zeiten, in welchen die demokratischen Grundsätze in den Gemüthern der Jugend, besonders aus den vergangenen Revolutionen entwickelt, verbreitet, und derselben eingeflößt worden sind, kann der H. Vater nicht unterlassen, die Fürsten auf diese Aendernng aufmerksam zu machen, welche sie in der Kirche einführen wollen, und welche einst den Regierungen selbst nicht wenig schädlich werden könnte.« »Da nun der H. Vatcr auf der einen Seite nicht sieht, daß die Notwendigkeit oder der Nutzen der Kirche eine solche Veränderung der Disciplin erheische, dagegen er auf der ändern Seite sogar überzeugt ist, daß eiu solches System der Kirche selbst gefährlich werden könne, indem es, wie oben angedeutet ist, jene Mißbräuche wieder herbeifühmt könnte, weßwcgen cs abgeschafft wurde, so sicht sich derselbe veranlaßt, cs nicht zu genehmigen.« V Kirchliche Nachrichten. Die hockwürdigsten Bischöfe Oesterreichs sind von dem hohen Ministerium auf den dritten Sonntag nach Ostern nach Wien eingeladen worden, um über die kirchlichen Verhältnisse zu berathen. Der hochwürdigste Herr Fürsterzbischof von Ollmütz hat aber fein Schloß in Krem* sier zu diesem Ende angcbotcn, damit auf solche Weise die Lästerungen gesühnt würden, welche von hier aus gegen die Kirche und ihre Vorsteher gefalle». Eine Con-fcrenz der Bischöfe thut auch wegen des Clerus dringend Roth, denn man kann sich nicht vorstellen, wie die eccbv scheu Blätter sich bemühen das kirchliche Bewußtsein des Clerus zu fälschen, und das Volk zu Forderungen au die Kirche aufzustacheln, mit deren Bewilligung >tc Verfassung der Kirche nothwendig fallen müßte. Neulich wurde in der »Norodnt Nowiny« offen mit der Reßns-citirung des Hussitismus gedroht, wenn den sogenannten Volkswünschen nicht Rechnung getragen würde. In dem Blatte vom 7. d. M. wu^de die vorn Ministerrath vor-geschlagenc Conferenz mit der Versammlung des Löwen mit den Katzen verglichen, zn der freilich die armen Mäuse, die da aufgespeist werden sollen, nicht geladen werden durften. Personal - Nachricht ans der La ibacherDiöcefe. Am 25 Marz d. 3. ist Hr. Zosef Skuschek, Erpositus in giatfliijciclo, gestorben. Berichtigung. 3» Nr. 14 der »Theol. Zeitschrift« ist zu lese». Seite U8 Sv. 2 Z. 18 von unten: die statt dvr. S. 118 Sp. 2 Z. 13 von unten Wühler statt Wähle119t@p. l 3.3 g» reizt er statt geneigter. S. H9 Z. 4 zeugen statt reigen. S. 119 Sp. 1 Z. 9 ZoritÄgnu th statt Zornes-wuth. S. 120 Sp. 2 3- 4 nach welcheMHatt welchen. ___________________________________ Gedruckt bei Josef Blasnik in Laibach.