LMcher TaMtt. Rcdaction und Expedition: Bahnhofgassc Nr. 15. Nr. 140. PränumerationSprcise-Für Laibach i Ganzj. fl. 8-40; Zustellung ins Haus »rtlj. LS Ir. Mit der Post: Gan,jähr. fl. 12. InsertionSPreise: Ein- Freitag, 31. Juni 1878. — Morgen: Paulinus. LiedÄAung^i^ An- 11. Jahrg. Die Diplomaten des Berliner Kongresses.* Graf Schuwaloff. Graf Schuwaloff ist, nachdem er dazu beigetragen, das Zustandekommen des Kongresses zu ermöglichen, und nachdem er ihm den Weg geebnet, von seiner Regierung beauftragt worden, die russische Politik im Verein mit Fürst Gor-tschakoff in Berlin zu vertreten und die Interessen seines Landes dort zu vertheidigen. Er war im vergangenen Winter zum Bevollmächtigte» für die Konferenz, die man in Baden zu versammeln suchte, bestimmt worden. Als er nach neun Jahren voll Arbeit und KaMps, müde der Regierungsgeschäfte, in dem Botschafterposten in London eine Ruhestellung suchen wollte, dachte er gewiß nicht darau, daß die Ereignisse ihn so schnell in volle Tätigkeit zurückführen würden. Graf Schuwaloff übte seinen Einfluß in Rußland zugunsten von Reformen und des Fortschritts aus; im Auslande hat er nach und nach die Rolle eines Vertheidigers der Friedenspolitik angenommen. Die Presse und die öffentliche Meinung haben ihn mit den gemäßigten und vernünftigen Ansichten identifieiert, indem sie ihn in betonten Gegensatz zu dem General Jgnatieff stellten, den man immer als den bösen Genius anklagte, der den Krieg schürte. Im Gegensatz zu diesem Rivalen, der als Liebhaber der unterirdischen Wege gilt, als Erfinder von Problemen, um sich das Verdienst ihrer Lösung zuschreiben zu können, ist Graf Schuwaloff an das Ziel gelangt, indem er gerade und offen seinen Weg verfolgte. Und als schwierige Stunden kamen, da war er naturgemäß der Mann der Situation. Nach dem Attentat vom 4./16. April 1866 betraute ihn Alexander II. mit den schwierigen Functionen eines Chefs der dritten Seetion der Privatkanzlei des Kaisers. Er war damals Generalgouverneur von Livland und Kurland und hatte verstanden, seinen administrativen Talenten Wur- *) Vrgl. Nr. 137—139 d. Bl. digung zu verschaffen. In seinem neuen Departement mit einer unumschränkten Vollmacht ausgerüstet, allmächtig (es fand keine Ernennung statt, ohne daß er darum befragt wurde), zeichnete er die Spuren seiner Verwaltung in die inneren Angelegenheiten ein, indem er zugleich die ehrgeizigen Gelüste nach außen hin entmutigte. In der inbetreff der deutschen und der polnischen Provinzen befolgten Politik findet man ebenfalls Spuren seines Wirkens. Als während des Winters 1867 auf 1868 eine große Hungersnoth in Rußland wüthete, versuchten die Gegner des Grafen, ihn zu stürzen, jedoch umsonst. Im Jahre 1873 wurde er nach London gesandt mit einer geheimen Mission an die englische Regierung, welche von doppeltem Erfolge gekrönt war. Er leitete die Heirat des Herzogs von Edinburg mit der Großfürstin Marie ein, und er beruhigte das königliche Kabinet über die Pläne Rußlands in Centralasien. Die öffentliche Meinung war wegen des Fortschritts der kaiserlichen Herrschaft nach dieser Seite hin aufgeregt worden, und die Beziehungen zwischen beiden Ländern fingen an, gespannt zu werden. Nach dem Tode des Baron Brunnofi kam Graf Schuwaloff an deffen Stelle als Botschafter nach London. Er war der Regierungsgeschäfte müde und wollte sich zurückziehen; doch, da er sich noch voller Thatkraft fühlte, wollte er diesen diplomatischen Posten als eine Art Uebergangsstadium benützen; er wollte ihn einige Jahre verwalten und dann wieder seine Stelle im kaiserlichen Rath einnehmen. Man vermnthet, daß der Gras thätigen Antheil an den Unterhandlungen seit dem Beginn der orientalischen Krisis genommen hat. Ihm lag die schwierige Aufgabe ob, freundschaftliche Beziehungen zwischen Rußland und England zu erhalten, zu einer Zeit, wo die Interessen beider Länder gerade die entgegengesetzten zu sein schienen; es handelte sich darum, einen Bruch zu verhüten, England zu veranlassen, neutral zu bleiben, und dem geschickten Diplomaten ist dies gelungen. Während achtzehn Monaten stand Graf Schuwaloff dreimal zeigen bi» - Zeilen Lv kr. im Vordergründe der Ereignisse: bei den Verhandlungen über das Londoner Protokoll (März 1877), deren Durchführung die Reise des Generals Jgnatieff so schwierig machte; dann, als er im Mai 1877 von St. Petersburg das Programm der russischen Politik überbrachte, die in dem Memorandum vom 8. Juni 1877 dargelegt war, und endlich bei seiner letzten Reise nach St. Petersburg , welche die Berufung des Kongresses zum Resultat hatte. Seit zwei Jahren hat Graf Schuwaloff unaufhörlich in der Bresche gestanden, indem er Auß um Fuß die Chancen des Friedens ver-theidigte und, nachdem einmal der Conflict unvermeidlich geworden war, sich anstrengte, ihn zu lokalisieren. Während des ganzen Feldzuges hat er das Terrain für die zukünftigen Unterhandlungen zwischen England und Rußland vorbereitet. Mit der Einnahme von Plewna begann eine neue Phase; der kriegerische Strom stieg in England, die Erbitterung wurde von Tag zu Tag lebhafter. Indem er mit ruhigem Auge die Gefahren der Lage überblickte, hat der Botschafter dieselben seiner Regierung nicht verheimlicht; er hatte den Muth, ihr den wahren Sachverhalt darzustellen, ohne dabei aufzuhören, dem englischen Kabinet eine selbstbewußte Haltung zu zeigen. Stunden der Angst sind nicht ausgeblieben; mehr als einmal schien die Aufrechterhaltung des Friedens fast unmöglich zu sein; der Graf hat niemals den Muth verloren; es war ihm immer möglich, bei den reichen Hilfsmitteln seines Geistes irgend ein Versöhnungsmittel zu finden; er wußte Zeit zu gewinnen, um den Leidenschaften zu gestatten, sich zu beruhigen. Seit seiner am 22. Mai erfolgten Rückkehr von St. Petersburg hat Graf Schuwaloff die Unterhandlungen mit großer Raschheit geführt. Er war sich bewußt, daß Europa unter der Situation litt, daß alle Interessen seit zwei Jahren schwere Opfer hatten bringen müssen, und er beeilte sich, dem Zustande der entnervenden Ungewißheit ein Ende zu machen. Jnmitte einer fast JeuilleLon. Marjorie Da w. Nach dem Englischen des Thomas Bailey Aldrich. IX. Edward Delaney an John Flemming, 23. August. Ich kehre soeben von der seltsamsten Unterredung mit Marjorie zurück. Sie hat mir ihr Interesse für Dich gestanden. Doch mit welcher Bescheidenheit und Würde! Ihre Worte entschlüpfen meiner Feder, indem ich es versuche, sie auf das Papier zu bringen; und in der That, es lag weniger in dem, was sie sagte, als in der Art und Weise, wie sie es that. Und diese Art und Weise kann ich nicht wiedergeben. Vielleicht war es mit ein nothwendiger Bestandtheil dieser ganzen seltsamen Geschichte, daß sie einem Dritten bekannte, was sie für einen Mann empfinde, den sie niemals gesehen. Doch ich habe mit Deiner Hilfe die Fähigkeit verloren, mich über etwas zu wundern. Ich nehme alles hin, wie man es im Traume thut. Nun, da ich mich wieder auf meinem Zimmer befinde, erscheint mir alles wie eine Vision; die schwarzen Massen Rembrandt'scher Schatten unter den Bäumen, die Johcmniskäserchen in den Gebüschen, das Meer drüben und Marjorie in der Hängematte! Es ist Mitternacht vorüber und ich bin zu schläfrig, um mehr zu schreiben. Donnerstag Morgen. Mein Vater hat plötzlich den Gedanken gefaßt, einige Tage auf den Shoalinseln zuzubringen. So lange wirst Du also nichts von mir hören. Ich sehe Marjorie im Garten mit ihrem Vater lustwandeln. Ich wünschte, sie noch allein sprechen zu können, ehe wir gehen, doch werde ich wahrscheinlich keine Gelegenheit dazu haben. X. Edward Delaney an John Flemming, 28. August. Du seist im Begriffe, in eine zweite Kindheit zu versinken, sagtest Du? Deine Verstandes- kräfte seien so geschwächt, daß meine in Briefform verabreichten Dosen geistiger Nahrung zu stark für Dich seien, nicht so? Nun, ich will zu Deinen Gunsten über den Sarkasmus hinweggehen, der diesen Worten enthalten ist, da ich sehe, daß rn ein fünftägiges Süllschweigen von meiner Seite hinreicht, Dich in die tiefste Niedergeschlagenheit zu versetzen. Wir kehrten heute Morgens von Appledore, der verzauberten Insel, zurück, wo man gegen Entgelt von vier Dollars täglich verköstigt wird. Ich finde auf meinem Schreibtische drei Briefe von Dir! Offenbar hegst Du nicht den geringsten Zweifel in Bezug auf die Annehmlichkeit, welche unsere Korrespondenz mir gewährt. Diese Briefe sind nicht datiert, doch in demjenigen, den ich für den letzten halte, befinden sich zwei Stellen, welche meine Aufmerksamkeit erregten. Du wirst meine Offenheit entschuldigen, Flemming, dock es drängt sich mir die Ueberzeugung auf, daß Deme Geisteskräfte in demselben Verkältnisse abnehmen, wie Dein Bein kräftiger wird. Du ziehst mich über einen gewissen Punkt zu Rathe. Ich will Dir feindlichen Umgebung hat die Geradheit und Würde > seines Benehmens es ihm möglich gemacht, den Sturm zu beschwören. Die Lage war eine heikle, rum Beispiel im Augenblick der Unterzeichnung des Friedens von San Stefano oder nach dem Rücktritte Lord Derby's. Doch hat der Takt des Grafen Schnwaloff alle Schwierigkeiten überwunden. Als Sohn des Oberhofmeisters Grafen Andreas Schnwaloff ist er in gewisser Beziehnng inmitte der kaiserlichen Familie erzogen worden. Von eleganter Persönlichkeit, mit frischer Gesichtsfarbe, Schnurrbart und weißen Haaren, hat Graf Schnwaloff ein sehr sympathisches Aeußeres. Als vollkommener Mann von Welt, liebenswürdig in der Unterhaltung, mit der Gabe lebhafter Gegenantwort und origineller Vergleiche hat er sich zahlreiche Freunde in der aristokratischen Gesellschaft Londons erworben, mit der er in fleißigem Verkehr steht und wo man seine liebenswürdigen Eigenschaften wol zu würdigen weiß. In der ganzen Kraft des Mannesalters (er ist ungefähr 54 Jahre alt), gilt er sür einen unermüdlichen Arbeiter. Seine Ansichten sind weit und voll von Toleranz. Er zieht Thatsachen den Redensarten vor und bildet sich rasch ein Urtheil über die Situation, ohne sich in Illusionen zu wiegen. Als aufgeklärter Patriot und eines der Häupter der konservativen Partei in Rußland hat er niemals viel Neigung zu den slavophilen Ideen gezeigt. Man bezeichnet ihn als wahrscheinlichen Nachfolger des Fürsten Gortschakoff. Wenn diese Vermuthungen zur Wahrheit werden, so wird Rußland in der Leitung seiner auswärtigen Beziehungen in ihm einen Freund des Friedens nnd einen Diplomaten haben, der aller Lüge, allen Ränken Feind ist. Graf Schnwaloff ist der Sendung des Grafen Alexis Orloff, der Rußland auf dem Kongreß in Paris 1856 vertrat und welcher der Vater des jetzigen Botschafters ist, beigegeben. Eine englisch-österreichische Verständigung. Die „N. fr. Pr." schreibt: Das in unserm (vom 19. d.) Morgenblatte gemeldete, schon vor zwei Tagen in Paris verbreitet gewesene Gerücht, daß zwischen Oesterreich und England in Berlin eine Vereinbarung ähnlich jener abgeschlossen worden, über welche der „Globe" seine vielbesprochenen Enthüllungen brachte, gewinnt durch Mittheilun-geu, die uus heute aus Berlin zugehen, ein gewisses Relief. Dauach ist das Zusammenstehen Oesterreichs und Englands auf dem Kongresse und „über den Kongreß hinaus" ein gesichertes. Es kann in den russisch-englischen Vereinbarungen, die übrigens noch als eines offiziellen Charakters entbehrend angesehen werden, kaum etwas erblickt werden, das gegen die erwähnte englisch-österrei-chifche Uebereinstimmnng gerichtet wäre. In der That wird auch in London, trotz der gestrigen Erklärungen des Herzogs von Richmond, dem vom „Globe" mitgetheilten Memorandum die Bedeutung einer offiziellen Abmachung abgesprochen. Wahrscheinlich hängt es damit auch zusammen, daß die Angriffe, welche das Memorandum seitens der englischen Presse, auch der eonservativen, erfährt, nicht gegen Lord Beaeonsfield und das Kabinett, sondern gegen Lord Salisbury gerichtet sind, welcher jenes Doeument Unterzeichnete. Es deutet dies darauf hin, daß man in den unterrichteten Kreisen einen Unterschied zwischen einem Übereinkommen macht, welches Staaten zu ihrem Schutze abschließen, und zwischen Vereinbarungen, welche Staatsmänner behufs Präcisierung der „persönlichen Standpunkte" treffen, welche sie bei Berathungen einzunehmen „gedenken." Tagesneuigkeiten. — Der Verkauf des ordinären geschnitten e u R a u ch t a b a k s im ledigen Zustande mit dein Preise von 45 kr. pr. 500 Gramm und von 2 kr. pr. 20 Gramm wird, sobald die Vorräthe an ledigem Tabak erschöpft sein werden, ausgelassen und hierauf diese Rauchtabaksorte ausschließlich in Briefen mit dem Preise von 3 fl. 60 kr. für 100 Stück und von 4 kr. für 1 Stück abgegeben werden. Die Landesbehördeil haben die nöthigen Weisungen an die Verschleißorgane zu erlassen, sobald die Mittheilung von der k. k. Generaldireetion der Tabakregie einlangt, daß die Verschleißmagazine sich nnr mehr mit ordinären Rauchtabakbriefen zu bevor-räthigen haben. — Ein Geheimbuud. Wie der „N. f. Pr." aus Prag geschrieben wird, ist es in den letzten Tagen den Bemühnngen der Sicherheitsbehörde gelungen, die Mitglieder eines Geheimbundes in dem Augenblicke zu überraschen, als sie in einem verfallenen Thnrme beim Karlshofe ihre nächtliche Zusammenkunft hielten. Um in den Thurm zu gelangen, mußten die Theiluehmer an Stricken emporklettern. Dieselben hatten es uicht blos auf Diebstähle, sondern auch auf weit schwerere Verbrechen abgesehen, und es wnrdeu in ihrem Besitze auch diverse Wasfeu, als Pistoleu, Dolche u. f. w. vorgefunden. Im ganzen sind elf Theilnehmer im Alter zwischen 14 und 24 Jahren in Haft genommen und dem Landes- als Strafgerichte eingeliefert worden, wo die Untersuchung mit großem Eifer betrieben wird. Heute haben anläßlich dieser Verhaftungen bereits mehrere gerichtliche Hausdurchsuchungen stattgefunden. Die Mitglieder des Geheimbundes hatten, wie man erzählt, ihre eigenen Statuten, nach denen jeder Verräther als dem Tode verfallen erklärt wurde. Nach den Aussagen eines Beteiligten soll sich unter denselben auch jenes Subjekt befinden, das vor Jahren eine Petarde beim Polizeidireetions-Gebäude abbrannte. diesen Rath nicht vorenthalten. Nach meiner Meinung könntest Du nichts Unpassenderes thnn, als Marjorie Daw in einem Billett für die Blume danken. Dies würde, ich bin überzeugt davon, ihr Zartgefühl in unverzeihlicher Weise verletzen. Sie kennt Dich nur durch mich; Du bist ihr ein abstracter Begriff, ein Schemen, ein Traum, aus deni der leiseste Anstoß sie erwecken müßte. Natürlich, wenn Du ein Billet an mich einschließest und auf dessen Abgabe bestehst, so werde ich es bestellen; doch möchte ich Dir rathen, es zu unterlassen. Du sagst, Du seist im stande, mit Hilfe eines Stockes im Zimmer umherzugehen, und hegtest die Absicht, in dem Augenblicke hieher abzureisen, als Dr. Dillon Dich für kräftig genug dazu erklärt. Und ich möchte Dir auch davon abrathen. Siehst Du denn nicht, daß mit jeder Stunde, die Du fern bleibst, Marjorie's Interesse für Dich sich steigert und Dein Einfluß auf sie zunimmt? Du wirst durch Deine Uebereilnng alles verderben. Warte, bis Du vollkommen hergestellt bist, oder auf alle Fälle, komme nicht, ohne es mir vorher angezeigt zu haben. Ich fürchte die Wirkung Deines allzu plötzlichen Erscheinens hier — unter den obwaltenden Umständen. Marjorie war offenbar erfreut, uns wieder zu sehen, und sie reichte mir in ihrer herzlichen Weise beide Hände zur Begrüßung dar. Sie ließ heute nachmittags ihren Wagen einen Augenblick vor unserer Thüre halten. Sie war wegen ihrer Bilder in Rivermouth gewesen. Unglücklicherweise hat der Photograph irgend eine Säure über die Platte ausgegossen und so mußte sie ihm noch einmal sitzen. Ich habe eine Ahnung, daß irgend etwas Marjorie beunruhigt. Sie hatte heute eine zerstreute Miene, die ihr sonst nicht eigen ist. Doch vielleicht ist es nur Einbildung von meiner Seite. Ich schließe diesen Brief und lasse Einiges ungesagt, um meinen Vater auf einem jener langen Spaziergänge zu begleiten, die seine Hauptarznei sind — sowie die meinige. — Mit dem Eisenbahnzug um die Wette. Von Mezö-Keresztes bis Bors fuhr — wie man dem „Ellenör" schreibt — am vorigen Donnerstag ein Herr mit dem Eiseubahnzug um die Wette. Seinen feurigen und ausdauernden Pferden sah man keine Ueberanstrenguug an, ob-wol sic um einige Minuten vor dem Zng in Bors anlangten. Anlaß zn diesem Bravourstück gab, daß der betreffende Herr in Keresztes eingetroffen war, als bereits das Abfahrtsignal gegeben worden, weshalb mau ihm keine Fahrkarte mehr ausfolgte. Er rief daher den Bahnbeamten einige eben nicht freundliche Worte zn, sprang in seinen Wagen und gewann schließlich, deu Eisenbahnzug überholend, diesem und den Herren Bahnbeamten das Neujahr ab. — Generaldirektor Eugen B ontonx scheidet Ende dieses Monates aus dem Dienste der Südbahngesellschaft, Generaldirektor Friedrich Schüler tritt seine Function als solcher formell mit 1. Juli d. I. an. — Der Krankenstand der russischen Operations-Armeen betrug am 15. d. M. laut Nachrichten aus San Stefano 53,000 Manu. Die Armee südlich des Balkans zählt 31,000, jene nördlich desselben 15,000, die Armee nördlich der Donau 7000 Kranke. Die Sterbefälle betragen fünf Perzent. Typhus ist die vorherrschende Krankheit. — Ein „blinder" Passagier. Den merkwürdigsten Passagiersitz oder vielmehr ein Lager, wie es bis jetzt wol noch uicht benützt worden ist, hat jemand, wie das „Nanmbnrger Kreisblatt" mit-theilt, kürzlich auf der Thüringer Bahn gesucht und gefunden. Auf dem Bahnhofe in Eisenach fanden die Wageurevisoreu beim Eintreffen des Nacht-Schnellzuges einen Mann, anscheinend dem Handelsstande angehörend, welcher die Fahrt von Erfurt bis Eisenach uuter dem einen Personenwagen, auf deu eisernen Bremsstaugeu liegeud mitgemacht hatte. Bedenkt inan die rasende Geschwindigkeit, mit welcher dieser Zug fährt, und die heftigen Schwankungen, welchen diese Wageu, namentlich in den Cur-ven, ausgesetzt sind, so muß man sich über den glücklichen Verlauf dieser Fahrt wundern. — Uuter dem Wasser zu fahren. Kapitän Boyton hat nun einen Rivalen erhalten. Ein Grieche, Namens Grigari, hat eine Schiffseonstruetion erfunden, mit welcher es ihm möglich sein soll, stundenlang uuter dem Wasser iu aller Gemüths-ruhe herumzufahren. Vor einigen Tagen hat derselbe im Hafen von Pyräus Versuche angestellt, welche einen sehr günstigen Erfolg anfgewiesen haben sollen. Er verweilte mit seinem Schiffchen in Gesellschaft zweier Kinder bei dritthalb Stunden unter dem Wasser. Lokal- und ProvinM-Angelegenheiten. Constitutionekker Verein in Aaiback. Der Ausschuß beehrt sich hiemit, die P. T. Herren Vereinsmitglieder zur 68. Mouatsversaulmliing einzuladen, die Montag den 2t. d. M. abends 8 Uhr im Casinoklubzimmcr stattsindct. Tagesordnung: Unsere Landes-Bolksschulgesetze. — (Die kraiuifche Sparkasse) hat für Montag den 24. d. eine außerordentliche Versammlung ihrer Mitglieder einberufen, um über die Frage der Erbauung eines ueueu Sparkassegebäudes, beziehungsweise über die Wahl des Bauplatzes, endlichen Beschluß zu fasseu. — (Das FrohuleichnamSfest) wurde gestern infolge eingetretener regnerischer Witterung unter Theiluahme der Zivil- und Militärautoritäten im Innern der hiesigen Domkirche gefeiert. — (Voni Schieß stande.) Herrn E. C. Mayers Bestschießen wurde gestern abgeschlossen. Beste haben gewonnen: I. auf der Feldscheibe die Herren: Oskar Tschiukel erstes, Victor Galle zweites (durch Los, jeder 84 P.), Theodor Tschinkel drittes (69 P.), und O, Bamberg viertes (68 P.); II. auf der Standscheibe die Herren: Richard Mayer erstes, C. Karinger zweites, Direktor Zenari drittes und I. Pleiweis jun. viertes Best. — (Roseuflora.) Alle Blumenfreunde in Laibach möchten wir aufmerksam machen, die im Blu-men- und Ziergarten des Herrn Ermacora in üppigster Pracht stehende Rosenflora, d, H. 300 blühende Rosenbäume und das prächtige Rosenzelt, mindestens 1000 Rosen tragend, in Augenschein zu nehmen. — (Aus dem nationalen Lager.) Bei Aufstellung und Enthüllung des aus carrarischem Marmor gemeißelten SlomZek-Monumentes in der Domkirche zu Marburg wollte die nationale Partei eine große „nationale" Feier unter freiem Himmel in Szene setzen, es fand sich jedoch, wie die „Blätter für die Alpenländer Oesterreichs" melden, kein begeisterter „Patriot", der zu diesem Zwecke seinen Geldbeutel öffnen wollte. — (Tnrnerausslug.) Unternehmungsgeist ist den beiden Turnvereinen in Laibach und Cilli nicht abzusprechen; ihrem Programme gemäß unternahmen 32 Mitglieder des ersteren und 21 des letzteren, ungeachtet der Morgen des gestrigen Tages zu einem weiteren Ausfluge nicht günstig war, das projektierte Stelldichein im freundlichen Gewerkschaftsorte Trifail. Die Laibacher Turner fuhren mit dem Frühzuge der Südbahn nach Sagor, nahmen dort im Stenovitz'schen Gasthause ein schmackhaftes Frühstück ein, warteten dort den volle zwei Stunden anhaltenden Regen ab und begaben sich über Berg und Thal nach Trifail. Im dortigen Gewerkschaftsrayon wurde die muntere Schar von den Beamten der Gewerkschaft nnd der Gewerk-fchafts-Musikkapelle empfangen; mittlerweile rückten die Cillier Turner eben auch über Berg und Thal nach Trifail ein, und die vereinten Turnvereine von Laibach nnd Cilli hielten unter Vormarsch der genannten Musikkapelle und unter Vorantraguug der Fahnen ihren Einzug in den Gewerkschaftsort. Der Empfang, die Begrüßung war eine herzliche und freundschaftliche. Beim gemeinschaftlichen Mahle, Welches in dem prächtig deeorierten Saale der Gewerkschafts-Restauration stattfand uud dem mehr als 60 Gäste, darunter auch drei Damen aus Cilli anwohnten, herrschte die beste, heiterste Stimmung. Die Gewerkschafts-Musikkapelle besorgte die Tafelmusik. Es wurde eine ansehnliche Zahl von Toasten vom Stapel gelassen: Herr Max Krenner, Vorstand des Laibacher Turnvereins, hob hervor, daß der Brudervereiu Cilli deu Ruf ertönen ließ, beide Turnvereine mögen mobilisieren und sich in Trifail einfinden; beide Turnvereine trotzten dem Sturme der Witterung nnd fanden sich wacker ein. Der Redner brachte dem Cillier Vereine ein dreimaliges „Lebehoch!" Herr Tisch, Turnlehrer des Cillier Vereines, nannte die Turner die Pionniere der Freiheit nnd leerte auf das Wohl der Laibacher Turner daS Glas. Herr Rüting stimmte zu Ehren des Hausherrn, der Gewerkschaft Trifail, ein „Gut Heil" an. Gewerkschaftsbuchhalter Herr Schiffrer brachte sämmtlicheu Gästen ein „fröhliches Glück auf!" Ein weiterer Toast galt sämmtlichen Turnvereinen, den ersten Kämpfern und Streitern für die im Jahre 1848 geborne konstitutionelle Freiheit; anch der Damenwelt, deren Ziel es von der Wiege bis zum Grabe ist, die Männerwelt zu „mobilisieren", galt ein feuriger Toast, wofür eine der anwesenden Damen in herzlichen Worten dankte. Herr Rüting ergriff das Wort, »m in Erinnerung zu bringen, daß die Turnvereine es waren, die seinerzeit die in deutschen Landen auf der Tagesordnung gestandenen Zerwürfnisse zu Grabe trugen. Aufgabe der deutschen Turnvereine sei es auch heute, den unter den verschiedenen Nationalitäten herrschenden Bruderzwist zu tödten und einen Banm zu schaffen, unter dessen Schatten alle Stämme, alle Nationen Oesterreichs sich einfinden und einig werden mögen. Oesterreich über alles, und daß es einig werde — Gut Heil! Turnlehrer Herr Tisch constatierte. daß die Turuerei humanistische Zwecke verfolge und deshalb den Turnern allen ein dauerndes Wohl! Nach geschlossener Mahlzeit nahmen die Turner unter gefälliger Führung des Werksbeamten Herrn Moser einen Bergtagbau in Augenschein. Die projektierten Turnübungen mußten wegen des eingetretenen Gußregens, der Dämme zerriß, deu Bach aus seinen Ufern trieb und an Gewerkschaftsentitäten großen Schaden anrichtete, unterbleiben. Der Cillier Verein hatte zu diesem Zwecke viele Turngeräthe nach Trifail schaffen lassen. Um 5 Uhr nachmittags begann die Kneipe, die viel Unterhaltendes und Gemüthliches bot und die beiden Vereine näher aneinander kettete. Für den Trisailer Schnlpsennig wurden 5 fl. gespendet. Der Abschied in siebenter Abendstunde war ein herzlicher, der Werksbeamtenschaft iu Trifail wurde ein donnerndes „Gut Heil" dargebracht. Nach 7 Uhr abends wnrde mittelst Südbahn die Rückfahrt nach Laibach angetreten. — (Best kegelscheiben.) Bei dem znm Vortheile des Krankensondes des hiesigen Militär-Veteranenvereines im Aner'schen Garten veranstalteten Bestkegelscheiben wurden bis gestern 500 Serien abgeschoben, höchste Kegelzahl 19. — (Durch Kraiu im Jahre 1671) reisten die Gebrüder Georg Ernst und Max Wilhelm Freiherren von Galler von Schloß Wildon aus iu Begleitung ihres Hofmeisters nach Italien. In dem Reisebericht, den die Grazer „Tagespost" in ihrem gestrigen Feuilleton veröffentlicht, lesen wir: Das Saunthal auswärts über Franz sichren sie auf Laibach zu. Hier war der Bruder des Hofmeisters, Herr Gladitsch, Domherr; bei diesem kehrten sie ein. Die Schöuheit der Stadt fanden sie „possierlich", doch nicht in des Wortes heutiger Bedeutung. Im Gegentheile waren sie ganz entzückt über die vielen Sehenswürdigkeiten; namentlich bewunderten sie das Anersperg'sche Palais mit seinen schönen Kunstsammlungen, der großartigen Bibliothek und den herrlichen Sälen, „daß sich dessen khein Potentat schämen dürffte." Abscheulich fanden sie das Laibacher Moor mit seinen garstigen Nebeln; nichtsdestoweniger hätte man auch davon seinen Spaß uud Nutzen von der Menge Enten und anderem „morastigen Geflügelwerch", das sich dort aufhalte. Aus Furcht vor den Oberlaibachern, „so ein args Gesindel ist", und bei denen man nur schlecht equipiert werde, wurde gleich in Laibach je ein Pferd für drei Kronen bis Mestri gemiethet. — (Der Zirknizer See) nimmt wieder einmal andere Gestalt an, das Wasser läuft durch die taufende dort vorhandenen Sauglöcher ab, und man hofft auf eine ergiebige Heuernte. — (Der Blitz) schlug am 6. M. d. in den Thurm der am Annaberge nächst Katzendorf, Bezirk Gottschee, stehenden Kapelle ein uud zündete. Den Bewohnern der nahegelegenen Ortschaften gelang es, den unteren Theil des Thurmes zu retten und den Brand zu löschen. — (Bad Gallen egg.) Die Herren Prasch-niker, Gutsbesitzer in Schloß Gallenegg, nächst der Südbahnstation Sagor, ließen das aus alter Zeit her berühmte warme Grottenbad bei Gallenegg mit großem Kostenanfwande comfortabel Herstellen. Es befindet sich derzeit dort das Grottenbad, ein geschlossenes Badhaus für Wannenbäder und ein großes offenes Badebassin. Aufgabe der Bade-eigenthümer wird es sein, für entsprechende Unterkunft und Bewirthnng der Badegäste zu sorgen und ohne Verzug eine Restauration zu bauen. — (Zwei Zusuer'fche Liederpreise) zu 20 und 10 Dukaten, welche auf Grund einer Stiftung jährlich durch das Wiener Confervatorinm zur Vertheiluug gelangen, sind an die Zöglinge des dritten Jahrganges der Wiener Compositionsschnle, Rudolf Krzyzanowski (erster) und Ernst Ludwig (zweiter), verliehen worden. Diese Preise wurden denselben feierlich übergeben, nachdem der Vortrag beider Preislieder durch einen Gesangsschüler des Instituts vorangegangen war. Gewiß eine anspre-' chende Feier. Es dürste Hierlands nicht allgemein bekannt sein, daß der Stifter dieser Preise, Vincenz Znsner, ein geborner Krainer war, der sich später bleibend in Graz niederließ, er War als anspruchsloser, gemüthvoller Dichter seinerzeit sehr beliebt und gelesen. — (Aus den Nachbarprovinzen.) Die Landesregierung in Kärnten hat die ihr unterstehende» Gemeindevorstehungen aufgefordert, auf Abstellung der Concnbinate zu dringen. — Wie die „Blätter für die Alpenländer" berichten, wurden die Forts Malborghet und Predil vor kurzem mit neuartigen Geschützen versehen. — Die Wasserfälle des Malta-thales in Kärnten erfreuen sich Heuer wegen ihrer Mächtigkeit und Schönheit Vonseite der Touristen eines zahlreichen Besuches. — (Eiu Sieg bergmännischer Thätig-keit.) Nach Bericht der „Klagenf. Ztg." verkündeten in Bleiberg (Kärnten) 72 Pöllerschüsse die Vollendung des größten Werkes bergmännischer Thätigkeit in Kärnten, nämlich der im Jahre 1787 begonnene Kaiser-Leopold-Erbstollen hat nach 91jährigem Betriebe sein Ziel, die Grubenbaue des äußeren Bleiberges, mit 4846 Meter Strecke Länge soeben erreicht, die Thalsohle wurde um 72 Meter mit dem Erbstollen unterfahren, so daß dem Bergbaubetriebe jetzt ein noch nnbenütztes, unangegriffenes Gebiet von 72 Metern unter den bisherigen Baueu zur Verfügung steht und damit ein neues, auf Jahrhunderte ausreichendes Angriffsobjekt erschlossen ist. — (Für die Handelswelt.) Im Juli l. I. wurden im nachbarlichen Kärnten Jahr- und Viehmärkte abgehalten, und zwar: am 1. in Reisberg (Lavantthal), 2. in Eisenkappel, 5. in Winklern, 12. in Leifling, 13. in Köttelach (bei Bleiburg), 18. in Waitfchach, 22. in Gnttaring, 25. in Reichenfels, Sachsenburg und Straßburg, 26. in Rojach bei St. Paul und St. Salvator. — (Aus der Badezeitung.) Der Bäderbesuch will sich infolge der herrschenden politischen und volkswirthschaftlichen Krise einerseits und infolge der andauernd unbeständigen Witterung andererseits Heuer nicht zu einem lebhaften gestalten; Baden-Baden ist schwach, Baden bei Wien gut, Franzensbad in Böhmen gut, Füred in Ungarn sehr gut, Gainfahreu bei Vöslau gut, Gießhübel gut, Homburg schwach, Kaltenleutgeben (Kaltwasserheilanstalt nächst Wien) schwach, Karlsbad gut, Kis-singen schwach, Krapina-Teplitz sehr gut, Krimnitza gut, Lippik (Jodbad) gut, Marienbad (Böhmen) mittelgut, Rohitsch-Sauerbrunn schwach, Schönau» Teplitz (Böhmen) schwach, Teplitz (Böhmen) sehr gut, Topusko schwach, Trencin-Teplitz schwach, Wartenberg (Kaltwasserheilanstalt) sehr gut und Weidlingau bei Wien (Kaltwasserheilanstalt) gut besucht. — (Schlachers Kriegskarte, neue Folge.) Der Mehrzahl unserer Leser wird die im vorigen Jahre vom k. k. Hauptmann Schlacher erschienene vorzügliche Karte des russisch-türkischen Kriegsschauplatzes bekannt sein. Sie gehörte zu den gesuchtesten Kriegskarten, und den vielen Besitzern derselben wird es gewiß von Werth sein, zu erfahren, daß soeben eine neue Folge in vier Blättern erschienen ist. Auch diese Karte dürfte in Bezug auf praktische Anordnung, elegante Ausführung und Billigkeit des Preises kaum zu übertreffen sein. — Die vier Blätter bieten: 1.) eine Uebersichtskarte der Ländergebiete Rußlands und Englands in Europa und Asien (eine Weltkarte nach Mercators Projektion) in sechsfachem Farbendruck; 2.) eine Karte der Balkan-Halbinsel nach den Grenzbestimmungen des Friedens von San Stefano. I : 3.000,000. in zehnfachem Farbendruck (diese wahrhaft küustlerisch ausgeführte Karte ist die erste und einzige, der die vom k. k. militär-geographischen Institute in jüngster Zeit herausgegebene große Generalstabskarte als Grundlage diente); 3.) eine Karte der Küstenländer des Schwarzen Meeres, 1 : 4.000,000, in vierfachem Farbendruck; 4.) eine Karte der Küstenländer der Ostsee, 1:3.000,000, in vierfachem Farbendruck. — Sämmtliche Karten sind technisch vorzüglich aus-geführt durch das in der Kartographie unerreicht dastehende k. k. militär-geographische Institut in Wien. Der Preis für alle vier Blätter beträgt nur fl. 1 50, mit recommandierter Postzusendung fl. 165. Die Karte ist Verlag von Faesy L Frick, k. k. Hofbuchhandlung in Wien. Graben 27. Bestellungen besorgt die hiesige Buchhandlung von Kleinmayr L Bamberg. Landwirthschaftliche Industrie. (Schluß.) Auch bei Erweiterung des Betriebes, Aufnahme anderer Rohstoffe in den Kreis der Verarbeitung, so wie sonstigen Betriebsresormen u. s. w. müßten auf Grund der maßgebenden Verhältnisse die dafür und dagegen sprechenden Factoren genau erhoben und geprüft werden. Die jetzige Jndustrielage gestattet nur die einfachste, billigste Ban-Ausführung, wenn deren Dauer auch nicht auf mehrere Jahrzehnte hinaus berechnet ist; es sind also wohlfeilste Baumaterialien und Sisteme bedingt; dagegen ist die rationelle Betriebseinrichtung, die Verwendung erprobter Maschinen und Apparate in der Art, wie es die Verhältnisse des Judustriewerkes erheischen, von großem Belange, weil dadurch hauptsächlich die Fabricationsresultate bedingt werden. Industrie-Etablissements entwickeln sich gewöhnlich erst allmälig, und steigert sich in nicht vereinzelten Fällen im Verlause oft nur einiger Jahre deren Production gegen die ursprüngliche Verarbeitung sehr wesentlich. Es ist demnach schon bei der ersten Einrichtung Sorge zu treffen, daß die Disposition des Raumes und die Anordnung der Betriebsobjekte derart geschehe, daß bei Produetious-vergrößerungen der allfällige Ersatz von Maschine» und Apparaten durch leistungsfähigere oder die Vermehrung derselben, dann die nöthigen Zubanten u. s. w. erfolgen können, ohne daß besondere Störungen der früheren Anlage nothwendig wären. Eine Brennerei, die früher mit Göpel arbeitete, kann im Falle des Erfordernisses später auf Dampfbetrieb eingerichtet werden; ein niedergrädiger Sprit läßt sich durch Veränderungen am Apparate später hochgrädiger erzeugen; besonders in der Brauerei werden häufig Zubanten behufs Vergrößerung der Malzräume «md Keller nöthig, und so gibt es im Industriebetriebe viele derartige, hier nicht weiter zu bezeichnende Fälle. Diese besonders maßgebenden Grundsätze müßten durch den industriellen Consu-lenten hoch gehalten werden. Auch an dem eigentlichen Betriebe hätte sich der Jndustrieconsulent zu betheiligeu, und zwar bei Ueberwachuug und Leitung der Jndnstriewerke, auch bei Rentenpräliminarien nnd Calcnlationeu über das sactische Erträgnis; bei größeren Verkäufen u. f. w. wäre seine Einflußnahme immerhin geboten. Darüber entscheiden hauptsächlich die speziellen Fälle, die Administration und Dicustorganisation der größeren Güter, sowie der Umstand, in welcher Weise für die unmittelbare Geschäftsführung der Industrie-Werke gesorgt ist. Jedenfalls dürfte es einem für industriellen Rath durch Kenntnisse und Erfahrung befähigten Organe, dessen Lebensaufgabe es wäre, auf dem Gebiete der landwirthschastlichen Industrie stets vollkommen au trüt zu sein nnd besonders deren Fortschritte genau zu erfassen, gewiß möglich sein, dadurch, daß diese in richtiger Weise für verschiedene landwirthschaftliche Industrien zur Anwendung kämen, Nützliches für den Industriebetrieb zu schaffen. Die Wichtigkeit der landwirthschaftliche» Industrie erheischt Unterstützung mit allen Mitteln, wenn auch ihr Stand zeitweise das Vertrauen in dieselbe gemindert hätte. Eine neue Versicherungsanstalt. Zu der bereits bestehenden reichen Zahl der Versicherungsanstalten ist in neuester Zeit eine neue gekommen, nämlich eine gegen Unfälle, die aus Beschädigungen an Leben und Gesundheit erwachsen. Einige Journale von politischer und volkswirtschaftlicher Färbung beeilen sich, diese neue Institution, deren Ersprießlichkeit für jedes einzelne Individuum sowol als auch für große Körperschaften und Vereine, insbesondere sür Arbeitsgeber nnd Arbeitsnehmer, offen in die Augen springt, der Beachtung des Publikums anznempsehlen. Die Gründer dieser neuen Versicherungsgattuug betonen, daß durch die Benützung dieser Institution jedem gebildeten Menschen, der berufen wurde, ein nicht ungefährliches Gewerbe zu treiben, oder der einem Bernfszweige angehört, der die Möglichkeit körperlicher Verletzungen nicht von vorneherein nahezu gänzlich ausfchließt, die längst herbeigewünschte Gelegenheit geboten, sich selbst nnd seine Familienglieder, Dienstnntergebenen, Arbeiter n. s. w. von den unangenehmen und drückenden Folgen eines körperlichen Unfalles, von lange anhaltender oder-bleibender Erwerbsunfähigkeit zu schützen. Die Nothwendigkeit und Nützlichkeit eines solchen Versicherunzsinstitutes kann nicht in Abrede gestellt werden, denn niemand, weder Herr noch Diener, weder Fabriksbesitzer noch Fabriksarbeiter, weder Gutsbesitzer noch Holzknecht, weder Jagdinhaber, noch Jagdtreiber, ist heute sicher, ob ihn nicht morgen der Zufall oder der böse Dämon mit einem Unfalle, der an Leib und Gesundheit Schaden bringt, heimsucht; die Unfallsversicherung dürfte demnach für jedermann, ob reich, ob arm, ob jung, ob alt, empfehlungswreth sein. Die Unfallsversicherung hat die verschiedenen Berufzweige je nach dem Grade ihrer wahrscheinlichen Gefährlichkeit in Betracht gezogen, dieselben in zwölf Klassen gruppiert und dafür die verhältnismäßig entsprechenden Prämien-Tarise angefetzt. Personen, deren Leben und Gesundheit infolge ihrer Berufsgeschäfte nur im geringen Maße gefährdet sind, wurden in die niedrigste Ge-fahrklasse eingereiht. Schmied, Tischler, Schlosser, Bergmann, Arbeiter in chemischen Fabriken, Loco-motivsührer, Heizer, Bahnwächter n. a. erfahren mit Rücksicht auf die mit ihrer Dienstesleistuug verbundenen Gefahren verhältnismäßige Rangierung. Es ist zu hoffen, daß Aerzte, Seelsorger, Gemeindevorsteher, Lehrer n. a. Männer der Intelligenz die minder gebildete Bevölkerung auf das neu gegründete Institut aufmerksam machen und sie zum Beitritte einladen. Die „Schweizerische Unsalls-Versichernngsgesell-fchaft," gegründet auf Actien, arbeitet mit einem Grundkapitale von 5 Millionen Francs, in 5000 Actien, L 1000 Francs bestehend, und hat vor kurzem die Bewilligung zur Einbürgerung dieses Institutes in Oesterreich erhalten. Witterung. Laibach, 21. Juni. Morgens Nebel, daun wechselnde Bewölkung, nachmittags thcilwcise Aufheiterung, schwacher O. Wärme: morgens 7 Uhr 16 0°, nachmittags 2 Uhr -j- 24'4° 6. (1877 25 4°; 1876 -j- 25-4° 6.) Barometer im Steigen, 738 06 mm. Das vorgestrige Tagesmittel der Wärme -i- 16 6°, das gestrige -j- 14 7, beziehungsweise um 1'9° nnd 3 9° unter dem Normale; der gestrige Niederschlag 43 00 mw. Regen. Verstorbene. Im k. k. Garnisonsspitale: Den 10. Juni. Johann Brave, Infanterist der 13.Komp. des 17. Jnfantcric-Reservekommandos, Bauchfellentzündung. — Anton Rebee, Infanterist der 18. Kompagnie des 17. Jnfanterie-Reservekommandos, Gehirnhautentzündung. Den 11. Juni. Georg Palajsa, Infanterist der 4. Komp. des 53. Jnf.-Reg., Lungenödem. — Jakob Mi-heliö, Schütze vom Jnstruetionscadre des 25. Landwehr-Schützenbataillons, Gehirnhautentzündung. Lebensmittel-Preise in Laibach am 19. Juni. Weizen 8 fl. 78 kr., Korn 6 fl. 18 kr., Gerste 5 fl. 20 kr., Haser 3 fl. 41 kr., Buchweizen 5 fl. 85 kr., Hirse 6 fl. 18 kr., Knkurutz 6 fl. — kr. per Hektoliter; Erdiipfel 2 fl. 70 kr. per 100 Kilogramm: Fisolen 10 fl. — kr. per Hektoliter; Rindschmalz 92 kr., Schweinfett 80 kr., Speck, frischer 70 kr., geselchter 72 kr., Butter 80 kr. per Kilogramm; Eier kr. per Stück; Milch 7 kr. per Liter; Rindfleisch 54 kr., Kalbfleisch 52 kr., Schweinfleisch 68 kr. per Kilogramm; Heu 1 fl. 60 kr., Stroh 1 fl. 42 kr. per 100 Kilogramm; hartes Holz 6 fl. — kr., weiches Holz 4 fl. — kr. per vier C.-Meter; Wein, rother 24 fl., weißer 20 fl. per 100 Liter. Gedenktafel über die am 25. Juni 1878 stattfindenden Li-citationen. 2. Feilb., Krek'sche Real., Heil. Geist, BG. Lack. — 2. Feilb., Ueman'fche Real., Kleinzerouz, BG. Rudolfswerth. ___ Telegramm. Berlin, 20. Juni. Die Zulassung Griechenlands zum Kongresse ist gesichert; das Präsidium entscheidet, zu welchen Sitzungen Griechenland zuzuziehen sei. Heute finden abermals Besprechungen der österreichischen, englischen und russischen Delegierten statt. Beim Kronprinzen ist heute Diner zu Ehren der österreichischen und russischen Delegierten. Angekommene Fremde am 21. Juni. Hotel Stadt Wien. Neukranz, Kfm., Berlin. — Weil, Stuttgart. — Gutfreund, Reis., Prag. — Glaser, Ten-schere, Freudenthal, Kuaht, Hermann und Schneider, Kflte.. Wien. — Bozzini, Triest. — Ritter v. Hoch, k. k. Major in Pension, s. Gemalin, Penzing. — Ritter v. Wippel-Wegenheim, k. k. Landesgerichtsrath, Steyer. — Gütz, Kfm., Nürnberg. — Viola, Agent, Fiume. — Petritsch, Privat, Wien. Hotel Elefant. Sturzeis und Grünhut, Wien, — Maller, Kfm., Debrezin. — Gerdinitfch, Gymnasiallehrer, Gott-schee. — Hübner, Ragnsa. —.Dr. Erschen, Bezirksarzt; Lerne, Schlossermeister, nnd Cerne Maria, Littai. Warnung. Ich erkläre hiemit, daß ich nur jene Zahlungen leiste, sür welche ich mich persönlich verpflichte. (287) 3—2 t-ouiso Ii-ojanoviok. Wiener Börse vom 19. Juni. Akkgemeine §taat«-schukü. Geld Ware 63 95 64 05 66 - 66-10 74 30 74 40 Staatslose, 1839. . . ,, 1854. . . „ 1860. . . 1860(5tel) „ 1864. . . 334— 108 50 113 75 122-50 138 25 336 — 108 75 114— 123 — 138 75 Grunäentkastungs- Obligationen. Galizien Siebenbürgen . . . -Temeser Banat . . . 85 75 76 50 77 50 78 25 86 25 77 — 78— 78-75 Äaäere öffentliche Ankeken- Donan-Regul.-Lose. Ung. Prämienanlehen Wiener Anlehen . - - 104— 79 25 94— 104 25 79 50 94 25 Aetien v. Banken. Kreditanstalt f.H.n.G. Escompte-Ges.,n.ö. . Nationalbank 240 — 847— 240 25 849'— Aetien v. Transport Uateraekmungea. Alföld-Bahn Donau-Dampfschiff-Elisabeth-Westbayn . Ferdinands-Nordb. . Franz-2oseph-Bahn. Galiz. Karl-Ludwigb. Lemberg -- Czernowitz -Lloyd-Gesellschaft . . 121 — 448'-175 — 2155 136— 253 — 123 50 495— 12125 449— 175 50 2160 136 50 253 50 124 — 497 — Nordwestbahn - . . RudolsS-Bahn . . Staatsbahn .... Südbahn............. Ung. Nordostbahn . Pfandbrief«. Bodenkreditanstalt in Gold........... in österr. Währ. . Nationalen? .... Ungar. Bodenlredit- Prioritäk-Obkig. Elisabethbahn, I.Em. Ferd.-Nordb. i. Silber Franz-Joseph-Bahn. Galiz.K-Ludwigb,l.E-Oest. Nordwest-Bahn Siebenbürger Bahn Staatsbahn, 1. Em. Südbahn L Z Perz. „ ^ 5 „ . Privalkose. Kreditlose ......... RudolsSstiftung. . - Divisen. London Gehört«». Dulaten............ Lv Francs .......... 1V0 d. Reichsmark Silber............. Geld 110 — 118-25 281-50 78 75 1.15— 103 — 91'— 98-90 95-50 !'25 105-25 89 — 101-50 8S-— 88- 155-50 112-25 91-25 18450 1450 117-SO S-59 9-40>z S7'8S 102-50 Ware 11050 118-75 79 — 115-50 109-50 91-25 99 — 92 50 105-75 S9-20 1VL-— 89-25 66-2L 156 — 112-75 94-50 1K5-- 15- 11710 5 so S4I 57 95 102-SÜ Telegrafischer Kursbericht am 21. Juni. Papier-Rente 63 60. — Silber-Rente 65 50. — Gold-Rente 73-80. — 1860er Staats-Anlehen 113 50. — Bankaktien 837. — Kreditaetien 237 80. — London 117 80. — Silber 102.60. — K. k. Münzdukaten 5 60. — 20-Franes-Stücke 9-45. —100 Reichsmark 58 25. Druck von Jg. v. Kleinmayr L Fed. Bamberg. Verleger: Lttomar Bamberg. Für die Redaction verantwortlich: Franz Müller.