(Postulat pla£*n» t goUtrtul.l Deutsche Zeitung —. Organ für die deutsche Minderheit im Dravabanat — Wchrtftleitung «MlUrmathMtgi Preiernova «lila 5, r«I»»hon kr.21 (inttrirbon) 1 v»j»g»pr«is» fit da, Inland: vierteljährig 40 Dia, halbjährig 80 Di«, gase ■aUaMcamgm »erde» t» d« »erwaltung z» billigst»« Gebühre» »»tgegengenomme» f jährig 160 Din. Für da» Ausland entsprechende Erhöhung. Sinjeluummer.Dw I.KS Erscheint wöchentlich zweimal: Donnerstag früh nnd Samstag früh mit dem Datum vom Sonntag Nummer 102 ? llelje, Sonntag, den 21. Dezember 1930 | 55. Jahrgang Zur Aufklärung Aus Anlaß der gegen mich eingeleiteten Unter« suchung und sohin erfolgter Verhaftung sind meiner Frau und mir aus dem Inland« und Auslande soviel Beweise liebevoller freundschaftlich anhänglicher Teilnahme zugekommen, andererseits aber über die Gründe des behördlichen Einschreitens so unsinnige Gerüchte und Mutmaßungen im Umlaufe gewesen, daß ich es für angezeigt erachte, zur Steuer der Wahr-heit der Oeffentlichkeit nachstehendes bekanntzugeben. Vor allem aber ist es mir Ehrenpflicht, allen behördlichen Organen, die mit meinem Falle zu tun hatten, meinen aufrichtigen Dank auszusprechen für die Art und Weise, in der die Untersuchung mit der größten Beschleunigung durchgeführt, andererseits ober im Rahmen der bestehenden Vorschriften meine Lage zu einer erträglichen gestaltet wurde. Dieses Verhalten der behördlichen Organe war mir umso wertvoller, weil ich darin einen Beweis mehr er-blicken durfte, daß alle von vornherein von meiner Schuldlosigkeit überzeugt waren. In der Sache selbst habe ich folgendes zu er-klären: Im Augenblicke der Hausdurchsuchung war ich der Meinung, daß diese im Zusammenhange mit einer von mir im Sommer dieses Jahres beim Völkerbund in Genf überreichten Petition stehe. Doch muhte ich diese Ansicht aus der Erwägung verwerfen, daß ja der Inhalt dieser Petition unserer Regierung schon seit Monaten bekannt ist, diese bereits ihre Gegen äußening abgegeben hat und das weitere Verfahren nun wie zwischen zwei Prozeh-Parteien bei Gericht seinen Fortgang nimmt. Erst bei meiner Vernehmung erfuhr ich den wahren Grund, welcher — dies sei mit Nachdruck betont — mit meiner Petition in keinem unmittel-baren Zusammenhange steht. Anläßlich meines Auf-entHaltes in Genf im August d. I. habe ich nämlich zufällig eine Dame getroffen sie stammt aus einer alten Familie unserer Stadt — die schon meh-rere Jahre in Genf lebt und sich auch schriftstel-lerisch betätigt. Ich kenne dieselbe seit meiner frühesten Jugend. Als sie den Zweck meines Besuches in Genf erfuhr, war der Anknüpfungspunkt gegeben für ihr Anerbieten, für unsere „Deutsche Zeitung" interessante Artikel zu senden, wogegen ich diese regelmäßig nicht nur ihr selbst, sondern auch dem von ihr empfohlenen „Cercle de la presse" in Genf zusenden solle. Bezüglich dieses letzteren be-merkte sie, daß er eine Art Zentralstelle der inter-nationalen Presseorganisation ist, wo die Zeitungen der ganzen Welt aufliegen. Bisher wisse und lese man in Genf nichts über die deutsche Minderheit in Jugoslawien und doch sei gerade Genf der Punkt, wo ständig alle Minderheitenvertreter zu-sammenkommen und vor allem der Völkerbund seinen Sitz hat. Alle diese Faktoren durch die eigenen Zeitungen über die Loge der deutschen Minderheit in Jugoslawien zu unterrichten, sei doch wichtig. Dem stimmte ich zu und habe die dauemde Zu-sendung unseres Blattes nach Genf nach meiner Keimkehr veranlaßt. Unsere ganz zufällige und beiderseits unerwar-tote Begegnung erfolgte um 10 Uhr abends — ich war in Gesellschaft meiner Frau und deren Schwä-gerin auf dem Pont du Mont Blanc. Wir spazierten dann durch die Straßen Genfs bis halb 12 Uhr nachts und trennten uns vor unserem Hotel. Am nächsten Morgen reiste ich mit meiner Frau und meiner Schwägerin nach Basel ab. In der Folge hat mir diese Dame mehrere Artikel zugesendet, die dann in unserer Zeiwng veröffentlicht wurden. Bei meiner Vernehmung wurde mir nun ein Kuvert mit meiner Adresse vorgelegt, das auf der Rückseite die genaue Genfer-Adresse dieser Dame trägt und aus der Vorderseite in recht auffälliger Weise links oben mit 2 Streifen gelben Papiers beklebt ist, welche die Aufschrift „Drucksache" und „Imprimee" in Handschrift enthalten. In diesem hiedurch schon an und für sich mehr als auffallenden Kuvert gerade als ob es die Absenderin eigens darauf abgesehen hätte, die Aufmerksamkeit der Post auf diese Sendung zu lenken — befanden sich zwei Nummern der in Genf erscheinenden, von einem kroatischen Emigranten Dr. Krnjevic heraus-gegebenen Zeitung „Croatia". Wer dieser Mann ist und welche Tendenz dieses Blatt verfolgt, von deren Eristenz ich bis zu diesem Augenblicke keine Ahnung hatte, wurde mir erst bei meiner Verneh-mung gesagt und ich war mir in diesem Momente auch der ganzen Tragweite des gegen mich schon durch die bloße Zusendung gegebenen Verdachtes einer strafbaren Handlung nach Punkt 5, Artikel I des Gesetzes zum Schutze des Staates bewußt. Ich war jedoch durch die glücklicherweise aufgehobene vollständige Korrespondenz zwischen dieser Dame und mir und andere Belege in der Lage zu beweisen: 1. daß ich von der Existenz eines Dr. Kntjevic und seines Blattes „Croatia" keine Kenntnis hatte, 2. daß ich mit diesem oder anderen kroatischen Emigranten und deren Blättern niemals, weder mündlich noch schriftlich, weder im Inlande noch im Auslande, in irgend eine Verbindung getreten bin; 3. daß sich meine Tätigkeit lediglich auf die Vertretung der berechtigten Interessen unserer deutschen Minderhett auf gesetzlichem Boden beschränkt: 4. daß ich die Dame in Genf in keiner Weise aufgefordert oder ihr auch nur indirekt zu verstehen gegeben habe, mir das Blatt „Croatia" oder über-Haupt Drucksachen zu senden; 5. daß sie dies nur im guten Glauben in der Meinung getan hat, daß ein darin enthaltener Ar-tikel über deutsche Minderheiten in Jugoslawien mich interessieren könnte, ohne Kenntnis davon, daß dieses Blatt separatistische Tendenzen vertritt, daher in unserem Staate als hochverräterisch verboten ist. Aus dem Vorgesagten wolle die Oeffentlichkeit entnehmen, daß ich lediglich das Opfer einer fremden, ohne jede schlechte Absicht geschehenen, von meinem Wollen und Wissen jedoch unbeeinflußten Handlung geworden bin. Celje, am 18. Dezember 1930. Dr. Walter Riedl. Siechtsanwalt. Abrüstung Vor sechs Wochen, als die Vorbereitende Ab-rüftungskommission zu ihrem letzten Sittungsabschnitt in Genf zusammentrat, durfte die Welt trotz aller bösen Erfahrungen noch Hoffnungen hegen. Jetzt, nach dem Abschluß der Verhandlungen, ist aller Optimismus fehl am Platze. Das Produkt wochen-langer, jahrelanger Beratungen ist ein unzulänglicher Entwurf für die konimende Abrüstungskonferenz. Die Vertreter der großen Militärmächte, der Eng-länder Lord Cecil und der Franzose Massigli, rühmen ihn in allen Tonarten. Aber die Völker, die nicht in Waffen starren, stehen aus der Seite des deutschen Vertreters in Genf, des Grafen Bernstorff, der den Entwurf unmißverständlich ablehnte, weil er das Wesentliche, den starken Willen zur Abrüstung, vermissen läßt. Geschlagene fünf Jahre haben sich die großen Mächte mit der Abrüstungsfrage herumgeschlagen. Wenige Tage nach der ersten Beratung der Kom-Mission, am 20. Mai 1926, sprach der Graf Bernstorff die düsteren Worte, die vorgebrachten Argumente hätten in ihm den Eindruck erweckt, als ob die Redner eher daran dächten, wie man nicht abrüsten könne. Die Prophezeiung des deutschen Diplomaten hat sich in vollem Umfange erfüllt. Die großen Militärmächte verfolgten eine konserva-tive Machlpolitil und stemmten sich gegen jeden ehrlichen Versuch einer praktischen Abrüstung. Ein paar Tatsachen zeigen, in welche Sackgasse die ganze Abrüstungsfrage in den letzten sechs Wochen geraten ist. Deutschland verlangte die Fest-setzung des jährlichen Ausbildungskontingents und der nach Rekruten und Reservisten spezialisierten Dienstzeit. Man wollte durch diesen Antrag die ausgebildeten Reserven erfassen und ihre Zahl herabsetzen. Die Militärmächte gingen über diesen Antrag zur Tagesordnung über. Deutschland erhob die Forderung nach einer Begrenzung des Kriegs-Materials. Die Kommission gab den deutschen Wün> schen auch hier nicht statt, sondern trat nur für eine Begrenzung des Rüstungsausgaben ein. Mit der Begrenzung der Rüstungsausgaben ist aber die mißliche Abrüstung um keinen Schritt weiter ge° bracht. Mit Leichtigkeit können die Militärmächte durch die Verschleierung ihres Etats die Aufrüstung Wanderskizzen aus Albanien Alerander von Spaic XIV. Beim Kaimakan Die Wirtin selbst führte mich den steinigen, steilen Weg hinan zum Gewaltigen. Ein Diener öffnet die Türe, schließt die Augen, legt den Kopf auf die Hand — der Kaimakan schläft! Die Sonne stieg eben empor, das Städtchen unter mir schien noch im Schatten des Berges und seiner Zwingburg zu schlummern. Ich habe Eile, drücke den Diener zur Seite und stehe in der Hausflur. „Wecke deinen Herrn!" Der Diener führt mich in ein geräumiges, mit Teppichen reich belegtes Gemach. Ich möge warten! War es nicht zu gewagt, den allmächtigen Kaimakan in seinem Schlafe zu stören? Wenn er. verärgert, mich bis Mittag warten läßt und dann das Teschkaret verweigert? Und dann — wie werde ich mich mit ihm verständigen? Kein Dolmetsch weit und breit, der eine mir geläufige Sprache spricht! Der Diener bringt schwarzen Kaffee und ladet mich ein, am Divan Platz zu nehmen. Am liebsten hätte ich mich auf den weichen Pfühl hingestreckt und ein paar Stunden geschlafen. Doch schon öffnet sich die Türe, groß, breit, in Schlafrock und Pantoffeln, mit Fez und Brille, steht der Kaimakan von mir. und — im besten Deutsch: Seite 2 Deutsche Zeitung Nummer 102 ihrer Armeen munter weiter betreiben. Das tollste Stück leistete sich aber die Abrüstungskommission mit der ausdrücklichen Bestätigung der Versmller Abrüstungsbestimmungen. Man schlug die War-nungen des Grafen Bernstorff in den Wind. Wa» nutzte der deutsche Hinweis, daß man die Abrü-stungsverhandlungen nicht in dem gleichen Geiste der Feindschaft und der Ungerechtigkeit führen könne, in dem damals das Verfailler Diktat entstand! Der Entwurf der Genfer Kommission nimmt sich erst aar nicht die Mühe, an den Kern der Abrüstung»-frage heranzugehen. Die weniaen positiven Bor-schlüge werden überwuchert von hundert und tausend Aufrüstungswimschen. Ein Wort ist hier am Platze über die merk-würdige englisch-amerikanische Haltung. Es hat mehr als einmal in der Hand des englischen Vertreters gelegen, positiven Abrüstungsvorschlägen zur An-nähme zu verhelfen. England erleichterte jedoch in keiner Weise dem Grafen Bernstorff seine schwierige Arbeit. Bei dem deutschen Reservisten-Borschlag und der Frage der Begrenzung des Kriegsmaterials enthielt sich England der Stimme. Hätte es sich zu einer klaren und eindeutigen Stellung durchgerungen, dann würde mancher deutscher Abrüstungsvorschlag willigere Ohren gefunden haben. Der kümmerliche Abrüstungsentwurf der Genfer Kommission geht jetzt an den Völkerbundsrat. Dort wird wohl demnächst auch die Entscheidung darüber fallen, wann und wo die große Abrüstungskonferenz zusammentreten soll. Vorläufig sind die Meinungen noch geteilt, ob das „schon" Ende 193 l oder erst 1932 geschehen kann. An sich besteht natürlich die Möglichkeit, daß die Abrüstungskonferenz sich nicht strikt an den Entwurf der Kommission hält. Aber die Wahrscheinlichkeit ist doch groß. daß der Ab-rüstungsentwurf der Kommission auch zur Grundlage der Konferenzberatungen gemacht wird. Bleiben die großen Mächte bei ihrer jetzigen Ansicht, dann laßt alle Hoffnung fahren! Die Abrüstungsfrage kann dann nie so geregelt werden, wie es im Interesse des Friedens wünschenswert wäre. Politische Rundschau Inland Großartige Feier des Geburtstages <5. M. des Königs im ganzen Staate Der 17. Dezember, an dem S. M der König 42 Jahre alt wurde, ist überall im Staate, in den größeren Orten und auch auf dem Lande, mit be-sonders herzlicher Feierlichkeit begangen worden. Mit aufrichtiger Dankbarkeit gedachte das Volk der Herrschertaten vom 6. Jänner und 3. Oktober, mit denen der König das Fundament für eine schönere und glücklichere Zukunft seines Volke» und Staates gelegt hatte. Die Residenzstadt Beograd verlieh der Geburtstagfeier des Herrschers besonderen Glanz. Eine vieltausendköpfige Menschenmenge begrüßte das Königspaar, als es zum Gottesdienst in der Hof-kirche erschien, mit begeisterten Ovationen. Nach dem „Entschuldigen Sie, mein lieber, guter Herr, daß ich Sie so lange habe warten lassen!" spricht er mich an. Höflich erkundigt er sich nach dem Zwecke meiner Reise. „Geographieprofessor sind Sie also? sso stand es im meinem Passe) — So kräftig und gesund sehen Sie aus, mein Herr?" „Das macht der Sport!" erklärte ich. „Und gewiß auch ein guter Reiter?" forschte er gutmütig, aber doch mißtrauisch weiter. „Zur Not. etwas ungewöhnt, der gestrige Ritt hat mich sehr ermüdet! Doch, wo haben Euer Gna-den", frug ich ablenkend, „so vorzüglich Deutsch gelernt? Sie waren wohl einige Jahre in Deutschland?" „Keineswegs, leider nicht, in der Schule in Konstantinopel wurde Deutsch gelehrt und in Alessio hatte ich einige Jahre Gelegenheit, Deutsch zu sprechen. Ich lese auch viel und ziehe deutsche Bücher allen anderen vor!" „Ich habe", antwortete ich, „die deutsche Sprache im Osten weit verbreiteter gesunden, als ich dachte. Im sibirischen Jrkutsk, in Kiachta an der mongolischen, in Rescht an der per-fischen Grenze und in anderen vom Weltverkehre entlegenen Orten habe ich Einheimische getroffen, die die deutsche Sprache beherrschten!" „Sie haben viele Länder bereist!" „In meiner Eigenschaft als Geographieprofessor!" „Und sind wohl selbst ein Deutscher?" Fejtgottesdienst hielt der Patriarch Varnava eine Ansprache an S. M. den König, in der er her-vorhob. daß es wenig Könige in der Geschichte der Menschheit gibt, die sich in gleich reichem Maße die Liebe des Volkes erworben haben wie König Aluander. Er besitze diese Liebe wie kein Sterb-licher auf Erden, er habe sie sich durch seine persönlichen Taten erworben. Ein Herrscher der geistigj Starten Am 16. Dezember erschien in Zagreb die erste Nummer der neuen Monatsschrift „Seljacka ökola" tBauernschule>, aus deren erster Seite als Leitartikel und Programm des Blattes folgende Worte S. M. des Königs gedruckt waren: Ich will ein Herrscher von geistig Starken nach meinem Geiste sein, von selbständigen, freien, für erfolgreiche Arbeit und glückliches Leben befähigten Bauern, von Staats-bildnern ihres nationalen Staates. Neuer Kommandant der Draudivision Mit Ukas S. M. des Königs ist der Dioisions-general Bogoljub Jlic, bisher Kommandant der Zetadioision, zum Kommandanten der Draudivision ernannt worden. Der bisherige Ausübende des Dienstes des Kommandanten der Draudivision Brigadegeneral des Generalstabs Jooan Veselinovic hat in gleicher Eigenschaft die Sumadijadivifion be-kommen. Ausland Protest von englischen Parlamen-tariern gegen die Verfolgung der Minderheiten in Polen An das Vökerbundsekretäriat ist vom englischen Außenministerium eine von 67 Abgeordneten des Unterhauses gefertigte Denkschrift eingelaufen, in der gegen die Verfolgung der deutschen Minderheiten in Polen Einspruch erhoben wird. Außerdem wird gefordert, dahin zu wirken, daß eine gesetzmäßige Behandlung der Minderheiten zustandelvmme. Auch wird auf die Verfolgung der ukrainischen Minderheit in Galizien hingewiesen. Interpellation der polnischen Par-lamentsopposition wegen der Ge-fangenenmihhandlungen in Brest-Litowst Die polnischen Oppositionsblätter veröffentlichten dieser Tage den Inhalt einer im Sejm eingebrachten Interpellation wegen der Mißhandlungen der ver-hafteten polnischen Parlamentarier im Militärge-fängnis in Brest - Litowsk. Darnach wurde der so-zialistijche Führer Dr. Liebermann auf dem Wege nach Brest von den ihn eskortierenden Gendarmen so lange geschlagen, bis er das Bewußtsein verlor und 20 blutige Wunden davontrug. Im Gefängnis mußten die Gefangenen, darunter Liebermann, Prof. Prager und der ehemalige Ministerpräsident Witos mit bloßen Händen Aborte reinigen, wobei ..Nein, ich bin Slawe!" Ein leichter Schatten flog über die Züge des Türken, nach kurzer Pause rief er den Diener und ließ wieder Kaffee bringen, auch eine Tasse mit Bäckereien. „Diese Süßigkeiten sind wohl eine türkische Nationalspeise?" nahm ich wieder das Gespräch auf. „Eine griechische!" belehrte er mich. „Als Ge-ographieprofessor", fügte er etwas ironisch bei, „werden Sie wohl wissen, daß die Einwohner des Epirus meist Griechen, oder richtiger gesagt, gräzisierte AI-baner sind, ebenso wie die Bevölkerung Mazedoniens zum größten Teile slawisch ist. Wir Jungtürken rechnen mit diesen unleugbaren Tatsachen, ebenso wie unsere Vorfahren, die Alttürken zu allen Zeiten damit richtig gerechnet haben!" Ich blickte ihn er-staunt an. „Glauben Sie", fuhr er sichtlich erfreut fort, das Gesprach auf die Politik zu bringen, „das; in einem Lande wie der Epirus, das dem Aus-stände und der Rebellion alle erwünschten Möglich-leiten des Kleinkrieges bietet, sich ein Herrenoo k wie die Türken jemals unter die blutige Tyrannei eines Ali Paschas gebeugt hätte, der noch daui kein Türke, sondern ein albanischer Kleste, ein Räuber aus Tepeleni war? Wer bat diesem Bluthunde, Weiberschänder und Geizhalse sein schauderhaftes Handwerk erleichtert? Die Griechen selbst, die sich gegenseitig befehdeten, dem alten Wollüstling unter-tänigst ihre Frauen, Töchter und Knaben brachten sie beständig beschimpft wurden. In den finsteren Gefängniszellen befanden sich nicht einmal Kübel für die natürlichen Bedürfnisse, das Lager bestand aus voneinander abstehenden Holzleisten ohne Stroh-sack. Als Nahrung erhielten die Gefangenen nur etwas Brot und warmes Sahwasser. Der Abgeordnete Popiel wurde in einer Nacht auf Befehl eines Hauptmanns in einen dunklen Raum gesperrt, von zwei Gendarmen gepackt und auf einen Tisch ge-warfen. Dann legte man ihm ein nasses Tuch auf den Rücken und versetze ihm mit eisernen Stäben 39 Hiebe, so daß er das Bewußtsein verlor. Ebens« wie Popiel sind auch noch Korfanty und Bauern-abgeordnete Baginski verprügelt worden. Ferner wurden Scheinhinrichtungen aufgeführt. König Carol II. und die Minderheiten In einer Bukarester Meldung des „Sieben-bürgisch - Deutschen Tagesblatts" wird über eine Audienz berichtet, die bei König Earol der deutsche Abgeordnete im Bukarester Parlament Rudolf Brandsch erhielt. Brandsch habe dem König einen eingehenden Bericht über die Minderheitenprobleme erstattet, dem der König ein großes Interesse bekundet habe. Der König habe dann erklärt: Trotz der schwierigen Probleme, die Rumänien gegenwärtig in wirtschaftlicher Hinsicht zu lösen habe, bestehe der feste Entschluß, in der Lösung der Minderheiten-ftage vorwärts zu kommen. Der König von Rumänien an die Schwabenbischöfe Bei der feierlichen Eidesablegung der Bischöfe Dr. Auguftin Pacha von Temeschwar und Stephan Fiedler von Sathmar-Großwardein hielt König Carol an beide Kirchenfürsten Ansprachen. Da beide Bischöfe aus dem schwäbischen Volksstamme de» Banats hervorgegangen sind und in ihren Diözesen zahlreiche Deutsche zu betreuen haben, sind die An-sprachen des Königs von besonderer Bedeutung. An Bischos Pacha sagte der König unter anderem: „Die Rolle, die Sie in diesem Bistum zu trogen haben, ist hehr und wird Ihnen erleichtert werden durch die schönen Eigenschaften der schwäbischen Bauern. Der Treueid, den der seelische Führer dieser Bevölkerung hier dem König und dem Land leistete, wird mir Sicherheit sein, daß Euer Hochwürden diesen tüchtigen Arbeitern der Felder Liebe und Glauben zum Herrscher und Vaterland einflößen werden, welche Dinge in erster Reihe berufen sind, den Frieden und die Einigkeit unter den Einwohnern verschiedenen Glaubens und verschiedener Zungen zu sichern. Ich umarme mit der gleichen Liebe alle Bewohner dieses Landes und bin davon überzeugt, daß mir von Seele zu Seele mit den gleichen Ge-fühlen geantwortet wird . . In der Rede des Herrschers an den Bischof Fiedler heißt es: „Träger des Kreuzes, Träger des christlichen Glaubens, sind Sie im besondern auch noch Träger des evangelischen Wortes, das da sagt: ,Das befehle ich euch, liebet einander!' Sie haben eine Organisation?-und Weg-weiserarbeit vor sich . . . und Sie können versichert sein, daß ich Ihre Aktivität im Norden und uin elenden Judaslohn ihre nächsten Verwandten verrieten! Grausamkeiten. Attrocitis!", fuhr er erregt fort, „gewiß, wir Jungtürken verabscheuen sie, doch Herr Professor müssen zugeben, daß die christlichen Balkanvölker nicht minder grausam find als die Türken. Die Geschichte beweist es! Sie irren, wenn Sie glauben, daß am Balkan kein Blut mehr fließen wird, sobald der Halbmond nimmer dort herrscht! Nur Blut zwingt diese Völker zur Gehorsam, im Blute watet ihre Rache, blutbefleckt sind die Hände ihrer Verräter und Emporkömmlinge — Erbstücke von der Urscholle, die sich bis zur Gegenwart erhallen aben. Sie hassen den Türken, aber noch ärger assen und morden sie sich untereinander!" „Sie meinen hiemit, Herr Kaimakan, wohl die Blutrache der Albaner? Was halten Sie von den Albanern?" „Von den Albanern? Da will ich Ihnen wiederholen, was Ali Pascha, selbst ein Toske, einem Eurpäer geantwortet hat, der ihm seine Grausamkeit vorhielt. Sie kennen die Griechen und Albaner noch nicht, hatte ihm der Satrap erklärt, während ich den einen Bruder aus der Platane aufhängen lasse, bestiehtt der andere Bruder die Trauergäste, die unter dem Baume stehen. Wenn ich einen von ihnen verbrenne, stiehlt der eigene Sohn die Asche, um sie zu verkaufen! Und wa» die Blutrache der Albaner betrifft, so dürfte diese kaum Aus Stadt und Land Seit« 4 Deutsche Zeitung Nummer 102 in dieser Weihnachtszeit auch dieses armen Unglück' lichen zu gedenken. ri Bezüglich der zu erbauenden Gast-wirtedierbraaerei A.-G. in Laöko teilt der vorbereitende Ausschuh u. a. folgendes mit: Die königliche Banalverwaltung des Draubanats in Ljubljana hat unter ZI. VIII Nr. 6859/1 vom 6. Dezember 1930 im Namen des Handels- und Jndustrieministeriums auf Grund der §§ 3 und 4 des Akt. Regl. und § 42 des Gesetzes über die Banalverwaltung den Vorlegern zu Handen des Herrn Dr. Iran Ros, Advokat. Bürgermeister und Banalrat in La5ko, die vorläufige Bewilligung für die Errichtung einer Aktiengesellschaft mit dem Namen „Gastwirtebierbrauerei A.-G. in Lasko" erteilt. Diese vorläufige Bewilligung berechtigt die Vorleger zur Durchführung aller für die Gründung der Gesellschaft nötigen Vorbereitungen. Im zeitlichen Frühjahr wird daher in Laöko mit dem Bau des neuen Fabriksgebäudes begonnen werden, das mit allen modernen Einrichtungen versehen werden wird. Bis jetzt sind weit über zwei Drittel des erforder-lichen Aktienkapitals gezeichnet, das aber gemäß der oben zitierten Bewilligung jederzeit auf 25 Milli-onen Din erhöht werden kann, falls sich hiezu eine Notwendigkeit zeigt. Die Besitzer von Motorfahrzeugen werden von der Vorstehung der städtischen Polizei aufmerksam gemacht, daß Motorfahrzeuge mit Voll-gummireifen nur noch bis Ende l I im Verkehr zugelassen sind. Vom Neujahr an mutz jedes Mo-torfahrzeug ausnahmslos Luftgummireifen haben. Der Spazierweg vom Pallossteg bis zum Sannhof, der seinerzeit vom verstorbenen Bürger Herrn Anton Skoberne fteiwillig abgetreten wurde, um den Bewohnern der Stadt und den Fremden einen schönen Spaziergang in staubfreier Natur zu ermöglichen, befindet sich gegenwärtig nach dem Hoch wasser in einem beklagenswerten Zustande. Da die Gemeinde nunmehr die technischen Mittel zur Ebung und Herrichtung der Wege besitzt, möchten wir ihre Aufmerksamkeit auf diesen schön gelegenen Weg hinlenken, damit er wieder in einen seinem Zweck entsprechenden Zustand versetzt wird. Vom Gericht. Am 16. Dezember fand vor dem Fünfersenat des hiesigen Preisgerichts die Ver-Handlung gegen den Besitzer Anton Eckgartner, feine Frau Antonia und seinen Neffen Matthias und Anton Kamensek aus Savinjak, Gemeinde Nadole im Gerichtsbezirk Rogatec, statt, denen die Anklage vorwarf, dag sie am 12. September den Auszügler Anton Nemec mit Stöcken erschlagen haben. Zwischen den Angeklagten und Nemec, der gegen Auszug seinen Besitz übergeben hatte, herrschten wegen dieses Auszuges beständige Streitig-leiten. Der Senat verurteilte Anton Eckgartner zu 12 Iahren Zuchthaus und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und Matthias Kamensek zu 15 Monaten strengen Arrests, während Antonia Eckgartner und Anton Kamensek freigesprochen wurden. Polizeinachrichten. Die hiesige Polizei hat den 25-jährigen Handelsreisenden Felii Klemencic aus Studemi bei Maribor verhaftet, weil er zwei Parteien um verschiedene Beträge, die er als An-zahlung für Lieferung von Seifen aus dem Beo-arader Magazin der Firma „Dclntond" betrogen hat. Beim Verhaften wurden einige Bestellbücher, voll mtt Aufträgen, gefunden, die er noch nicht nach Beograd abgeschickt hatte, trotzdem sie bereits im August und September aufgenommen worden waren. Klemencic verlangte von jeder Kunde Anzahlungen von 20 bis 200 Din. Die geschädigten Parteien mögen sich beim Kreisgericht in Celje melden. — Der Besitzer Ivan Tonian aus Klanc bei Dobrna verlor am vergangenen Samstag auf der Fahrt von Halec nach Celje oder später in der Stadt seine Brieftasche, in der sich 5960 Din und seine Jagd-karte befanden. — Am Dienstag in der Nacht ver» suchte der 19>jährige arbeitslose Schlossergehilfe Albin Vertmk, der auch von der Polizei in Maribor wegen eines Einbruches in eine Trafik in Studcnci gesucht wird, in die gesperrte Garderobe am hiesigen Bahn« Hof einzubrechen. Zum Glück befand sich darin ein Einsenbahnangestellter, den der Einbrecher nicht be-merkte und der ihn dann dem Wachmann übergab. Beim Verhör gab er zu, daß ^r auch Geld und verschiedene andere Sachen zum Schaden einer Kell-nerin in einem hiesigen Gasthaus gestohlen habe. Wahrscheinlich hat der junge Mann noch andere Einbrüche am Kerbholz. Unfälle und Verletzungen. Am Samsiag überfuhr ein unbekannter Radfahrer den 8 jährigen Sohn des Hausmeisters der Fabrik „Pirota" in Gaberje, Franz Odep und verletzte ihn schwer am rechten Bein. — In Negarje bei Platina wurden dem 8-jährigen Besttzerssvhn Albert Selig o vier Finger der Unken Hand von der Strohschneidma-schine weggeschnitten. — Am 13. Dezember gegen 11 Uhr vormittags wurde der 25«jährige Arbeiter Johann Drofenik auf der Aufladerampe der Zement-fabrik in Trbovlje von der Transmissionsvorrichtung erfaßt und unter das Räderwerk gezogen. Drofenik erlitt schwere Brust- und Bauchverletzungen, denen er bereits während der Ueberführung in das Kran-kenhaus erlag. — Dieser Tage stürzte am Umgebungsfriedhof der Diener der Steuerverwaltung in Celje Herr Skorjanc über ein Grab, wobei er sich zwei Rippen brach. Er wird im Allg. Krankenhaus geheili. — Der 18-jährige Besitzerssohn Albin Lupse aus Piljstajn kümmerte sich nicht um eine kleine Wunde, die er sich vor 14 Tagen durch einen Dorn am Zeigefinger der rechten Hand zugezogen hatte. Jetzt muhte ihm im Spital der Finger amputiert werden. Eheringe stets billigst bei Anton Leönik, Celje, Glavni trg 4. ■ > Totenliste für November 1930. In der Stadt: Motnikar Anton, 8 Monate, Arbeiters-find; Arlik Martin, 52 I., Knecht; Dr. Schurbi August, 82 I., Advokat; Jindra Sonja. 1 Monat. Geschäftsführerskind: Slemenik Josef, 86 I., gew. Eisenbahner; Puhlin Roza, 56 I, Haushälterin. — Im Krankenhaus: Zalar Andreas, 66I., Besitzer aus Umgb. Sv. Juri.ob j. z.; Akrinjar Johann, 51 I., Keuschler ausZitc; Brecko Terese, 65 I., Auszüglenn aus Jurkloster; Feldin Karl, 42 I., Arbeiter aus Skofjavas; Dvorsak Marie, 71 I., Streckenarbeitersgattin aus Marijagradec; Herle Heinrich, 22 I., Geschäftsführer aus Solcava; Hajnsek Anna. 2 I, Besitzerstochter aus Makole; Lesnika Tereze, 82 I., Gemeindearme aus Umgb. So. Jur ob j. z., Smodej Matilde, 12 I.. Tag-löhnerinnenstochter aus Ponikva: Zolgar Franz, 61 I.. Kanzleihilfsarbeiter aus Telje; Pinter Franz, 60 I., Arbeiter ausJBointf; Jabri! Anton, 71 I.. Fabriksarbeiter aus Store; Gorican Angela, I V, I., Fabriksarbeiterskind aus Celje Umab.; Krajnc Jakob, 63 I., Gerichtszusteller aus. Marijagradec I Rovak Maria, 34 I., Magd aus Smarje Umgb: Vodeb Ferdinand. 3'/. I., Bergarbeiterskind aus Sv. Pavel pri Preboldu; SioZir Josef, 34 I.. Fabriksarbeiter aus Celje Umgb.: Potocnik Maria, 31 I.. Kindermädchen aus Skale: Dofedla Karl, 26 I., Bergarbeiter aus Lilwje; Hallada Friederika, 76 I., Volksschullererin i. R. aus Celje; Gladisnik Johann. 75 I., Ortsarmer aus Slionica: Narat Maria, 78 I.. Ortsarme aus Celje Umgb. Konstantin- Emma- quelle quelle glänzende Wirkung; ttel Katarrhen Depot bei Gustav Stlger In Celje. Tonfilm in Celje. Die Leitung des hiesigen Stadtkinos teilt mit: Am Samstag, dem 20. De-jember, wird das Tonfilmkino eröffnet, in dem die besten Tonfilme der Welt vorgeführt werden sollen. Von der deutschen Produktton erwähnen wir die Tonfilme: 3 + 1 = 2 (Lilian Harvey und Willy Fritsch), „Der blaue Engel" (Emil Jannings), „Die letzte Kompagnie" (Konrad Veidt), „Der Liebling der Götter" «Emil Jannings), „Der unsterbliche Vagabund" (Liane Haid und Gustav Fröhlich), „Der Liebeswalzer" (Lilian Haroey), „Hadschi Murat" (Ivan Mozuhin), „Der Weg zum Nuhm" (Richard Tauber). „Zwei Herzen im Dreivierteltakt". „Ich glaube keiner Frau mehr!" (Richard Tauber), „Unzewitter über Montblanc" (Lern Riefenstahl und Louis Trenker), „Das Land des Lächelns" (Richard Tauber). „Der Korvettenkapitän" (Harn) Liedtke), „Die Brüder Karamasoff", „Ein Tango für dich". „Kapitan Dreyfuß" (Fritz Kortner) usw. — Von der amerikanischen Produktton: „Versklavte Seelen" (Greta Garbo), „Der ftuft" (Greta Garbo), „Der Leutnant des Zaren" (Ramon Rovarro), „Flirt" (Ramon Rovarro). „Kosaken" (John Gil-bett), „Anna Karenina" (Greta Garbo), „Halleluja" (Nina Mae), „Dynamit" (Konrad Nagel) „Ma riann" (Marion Dawis) „Erpreß Nr. 317" (Lon Chcmey), „Der lebende Leichnam" (John Gilbert). „20.000 Meilen unter dem Meere" (Lloyd Hughes) usw. — Die Kinoleitung weist in ihrer Bekannt-machung daraus hin, daß die erwähnten Filme bereits in allen Tonkinotheatern in Slowenien laufen, wie z. B. im „Elitni kino" in Ljubljana. im Kino ..Sokol" in Trbovlie, im Kino „Union" und im „Grajski kino" in Maribor. Da es leider noch keine heimischen bzw. slawische Tonfilme gibt, sei man auf die deutsche und amerikanische Produk Hon angewiesen. Dennoch seien aber in allen Ton< filmen die Aufschriften in der Staatssprache gehalten. Die Einrichtung des Tonfilmkinos habe ungeheure Opfer, gekostet, trotzdem habe sich der Eigentümer Herr Ceplak für das Tonfilmkino entschlossen, um dem Wunsch aller Bewohner von Celje und Um-gebung zu entsprechen. Stadttino. Am Samstag, 20., und Sonntag. 21. Dezember: „Zwei Herzen im '/« Takt", der berühmte Tonfilmschlager, der in den westlichen Großstädten unzähligemale über die Leinwand lief und auch in Ljubljana und in Maribor mit unge-heurem Erfolg vorgeführt wurde. Vorstellungen: am Samstag um 8 und um 10 Uhr, am Sonntag um 2, 4, 6, 8 und 10 Uhr abends. Freiwillige Feuerwehr Teile.. Telephon »9. Den Wochendieiist übernimmt am 20. Dez. der IN. 3*4-Commandant: Edmund Bandet. Maribor Wiederaufführung der heiteren Sie-vue „Dur und Moll, Ernst und Toll" des Männergesangvereines in Maribor. Die heitere Revue des Männergesangvereines, deren Teit und Musik vom l. Chormeister des Vereines, Herrn Professor Hermann Frisch stammen, wird einem allgemein geäußerten Wunsche entsprechend Samstag, den 27. Dezember, wieder aufgeführt werden.' Um den wirtschaftlich schwächeren Volksschichten den Besuch dieser Veranstaltung zu erleichtern, wurden die Preise der Plätze bedeutend ermäßigt. So werden diesmal die ersten zwei Sitzreihen $0 Din, die 3., 4. und 5. Reihe 25 Din, die 6., 7., 8. und 9. Reihe 20 Din, alle übrigen Reihen im Saale aber nur 10 Din kosten. Die Stehplätze wurdem mit dem für jeden einzelnen erschwinglichen Preis von 5 Din festgesetzt. Einem weiteren Wunsche Rechnung tragend, werden auf dem Balkon Tische aufgestellt sein. Alle diejenigen, die aus irgend einem Grunde der Uraufführung nicht beiwohnen konnten und jene, die die Revue sich nochmals anschauen wollen, tun gut daran, wenn sie sich sofort die von ihnen gewünschten Sitzplätze sichern, da bereits in dieser Woche nach solchen lebhafte Nachfrage war. Wir machen auf die Wiederaufführung dieser Revue unsere Leser besonders aufmerksam und sind über-zeugt, daß jeder, der sie besucht seine Erwartungen bei weitem übertroffen finden wird. Kartenvorverkauf wie gewöhnlich in der Musikalienhandlung Höfer in der ulica 10. Oktobra. Telephonische Bestellungen sind an Herrn Josef Baumeister in Maribor. Aleksandrooa 20, zu richten. Fernruf 2072. Promotion. Am Samstag wurde Herr Walter Georg Doliczek, ein Sohn des Steuerober« Verwalters i. R. Herrn Karl Wilhelm Dolticzek, an der Karl Franzens Universität in Graz zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert. Herzlichen Glückwunsch! Der Bau der neuen Draubrücke in der Vorstadt Melje in Sicht. Längere Zeit hindurch ist bereits der Plan, eine neue Draubrücke in Melje zu erbauen, besprochen worden. Vor kurzem hieß es sogar, daß der Bau aus dem Grunde ver-hindert sei, weil sich das zuständige Ministerium an der in diesem Falle zwecks Amortisation notwen-digen EinHebung einer Brückenmaut stößt. Wir haben an dieser Stelle damals nachgewiesen, daß abgesehen von anderen Teilen des Staates selbst in unserem Banate Brücken existieren, die eine Brückenmaut einHeben und daß es daher nur Recht und billig wäre, wenn diese Art der Amoriisierung auch für unsere Brücke Anwendung finden würde. Es kann kein Zweifel bestehen, daß die Reichs-brücke den bereits übergroßen Verkehre nicht mehr genügt, so daß der Bau einer weiteren Draubrücke besonders für den einen Großteil unserer Industrie beherbergenden III. Bezirk eine direkte Notwendigkeit ' darstellt. Run ist vom zustandigen Ministerium die Bewilligung zur EinHebung einer sogenannten Brük-kenmaut eingelangt und einem Brückenbau sieht ' nunmehr nichts im Wege, umsomehr, als sich wie Nummer 102 Deutsche Zeitung Seite 5 man hört, eine Schwezer Finanzgruppe bereits ge-meldet hat, die dieses Projekt finanzieren will. Unsere Stadtgemeinde würde n diesem Falle die Garantie Kr die Verzinsung übernehmen, wofür sie vom Ministerium bereits die Bewilligung erhalten hat. Hoffentlich werden im Laufe des Winters die noch notwendigen Konferenzen ein günstiges Resultat zeitigen, so daß im kommenden Jahre mit dem Bau begonnen werden kann. Mit der Fertigstellung dieser Brücke wird freilich auch die Vereinigung der Gemeinde Pobrezje mit der Stadt wieder aktuell werden, was von den dortigen Gemeindebürgern mit gemischten Gefühlen ausgenommen werden wird. Der Voranschlag des hiesigen Bezirks-ftrahenausschusses sieht Ausgaben in der Höhe von 10,428.527 Din vor. Rettungsdienst in den letzten Jahren. Laut den in der Rettungsstation aufliegenden Rap-portbüchern ist die Rettungsabteilung in den letzten Jahren in immer steigendem Maße in Anspruch genommen worden. So waren im Jahre 1925 1230, 1926 1562, 1927 1644, 1928 1850, 1929 2031 und bis zum 17. Dezember dieses Jahres die stattliche Anzahl von 2079 Ausfahrten zu ver-zeichnen. In den letzten 10 Tagen wurde die Ret-tungsabteilung in nicht weniger als 39 Fällen in Anspruch genommen. Ein Beweis, der die Rot-wendigleit dieser Humanitären Einrichtung jedermann eindringlich vor Augen führt. Eröffnung eines Volkscafös. Samstag, den 20. Dezember, wurde in der Koroska cesta 3 ein Volkscafe eröffnet. Der Besitzer des dortigen Gasthauses „Zur Roje" hat einen Teil seiner Lokalitäten als Kaffeehaus adaptieren lassen, in dem außer den beiden Logen auch einige Polsterbänke zum Sitzen.einladen. Tödlicher Unglücksfall. Als sich am ver-gangenen Dienstag abends gegen V, 7 Uhr der 27-jährige Eisenbahnunterbeamte Markus Kneser, der in Pobrezje wohnte, über die Eisenbahndrücke zum Dienstantritt nach dem Hauptbahnhof begeben wollte, wurde er mitten auf der Brücke von der Lokomotive des heranbrausenden Kärntner Perso-nenjuges ersaht und zur Seite geschleudert. Kneser erlitt einen Schädelbruch, schwere Quetschungen und eine Gehirnerschütterung. Er wurde von der Ret-tungsabteilung in das Krankenhaus gebracht, wo er gegen 12 Uhr nachts den erlittenen Verletzungen erlag. Herzschlag. Der Eisenbahner i. R. Adam Seriatz aus Studenci, dessen Frau dort ein Lebensmittelgeschäft betreibt, wurde im Kaufhaus Martinz & Strauß in der Herrengasse vom Herzschlag ge-rührt und verschied in wenigen Minuten. Die Be-pattungsanstalt überführte die Leiche in die Toten-kammer des städtischen Friedhofes in Pobrezje. Von einem Wolfshund angefallen. Der 54-jährige Glasermeister Johann Dezrrtan wurde beim Betreten einer Wohnung, die er in Ausübung seines Berufes aufsuchte, vom Wolfshund des Wohnungsinhabers angefallen und in den Ober-schenke! gebissen. Herr Dezman, der die Rettungs« station aufsuchte, hatte glücklicherweise nur eine un-bedeutende Schwellung davongetragen. Die Rettungs-abteilung legte ihm einen Verband an und entlieh ihn in häusliche Pflege. Zum Einbruch in Nospoh. Vergangene Woche brachen unbekannte Täter in das Herrenhaus des Weingartenbesitzers Herrn Oberingenieur Karl Jaburek in Rospoh Nr. 47 ein und entwendeten außer zwei Dutzend kompletten Bettwäschgarnituren, mehreren Kleidern und Schuhen auch eine in einem roten Köfferchen befindliche goldene Reiseweckeruhr. Herr Obering. Jaburek, der beim seinerzeiligen Bau der Reichsbrücke in Maribor als Ingenieur tätig war, erleidet dadurch einen Schaden von mindestens 80.000 Din. Die Gendarmerie fandet eifrig nach den Tätern. Freiw. Feuerwehr Maribor, Fern-spreche? 2224. Freiw. Rettungsabteilung Maribor, Fernsprecher 2336. Zum Feuerbcreitschaftsdienst in der kommenden Woche, und zwar vom 21. bis ein schließlich 27. Dezember, ist der III. Zug komman viert. Kommandant: Brandmeister Martin Ertl. Bereitschaft in Reserve: l. Zug. Freiw. Feuerwehr Pobrejje, Fern» sprccher 2306. Freiw. Feuerwehr Studenci, Fern« sprccher 2084. Apothekennachtdienst. Den Apotheken' nachtdienst in der kommenden Woche, und zwar vom 21. bis einschließlich 27. Dezember, versieht die Mohrenapotheke, Mr. Vladovic, in der Herrengasse. Rheumatische Bestellen Sie noch heute eine Flasche flLGR ^ fiir Massage und schon morgen werden Sie überraschenden Erfolg haben. den Kniehen, Handen, hissen. Gelenken, Hüsteln, Schultern, Schmerzt oder reisst Sie Itme Ueberall erhältlich: I Flasche Din 16.— flLGR rertreibt die ■ Krankheit sofort 4 Flaschen „AJga" Din 77. - 14 Flaschen „Alga" Din 205.-8 Flasehen „Alga" Din 131.— 25 Flaschen „Alga4' Din 320.— Laboratorium Algi Suaak Slovenska Bistrica Der Gemeindevoranschlag, der in der letzten Sitzung des Gerneinderalcs angenommen wurde und bis zum 24. d. M. im Stadtamte zur allgemeinen Einsichtnahme durch die Bürgerschaft aufliegt, weist nachfolgende Ziffern aus: Ordentlich e A u s g a b e n: 1. Gemeindewirtschaft (Steuern, Gebäudeerlialtung, Versicherungen, Brückenwage, Schlachthof) 14.897 Din. 2. Gemeindeverwaltung 44.482 Din. 3. Verzinsung und Amortisierung der Anleihe für die Bürgerschule 49.800 Din. 4. Polizei, Abschubstalion, Marktaussicht, Straßenbeleuchtung und Unterstützung der Frw. Feuerwehr 42.100 Din. 5. Straßen, Brücken, Kanäle und Vorarbeiten für den Bau einer Wasserleitung 27.860 Din. 6. Ge-sundheitswtsen mit Neukreierung einer Stadthebamme 15.700 Din. 7. Verschiedene Spesen nebst einem neuen Posten für die Erhaltung der Bezirkshaupt-mannschaft in Maribor 5500 Din. 8. Soziale Für-sorge 9400 Din. 9. Schul- und Bildungswesen 114.929 Din, und zwar für die beiden Volksschulen 74.504 Din, für die Bürgerschule 25.125 Din, für die Gewerbeschule 3000 Din, für das landwirt-schaftliche Schulwesen 200 Din, für den Kinder-garten 8300 Din, für den Organisten und kirchliche Veranstaltungen 1800 Din, Unterstützung des „Sokols" 1000 Din, Unterstützung des Verschö-nerungsvereines 1000 Din. 10. Für den Landwirt-schastsfond nebst Unterstützung der Ortsgruppe der Landwirtschaftlichen Gesellschaft 1000 Din. Außer-ordentliche Ausgaben: 6624 Din; zujam-men 331.168 Din. Einnahmen: 1. Gemeinde' wirtschaft 38.450 Din mit Erhöhung der Schlacht-gebühren. 2. Kapital 1000 Din. 3. Gebühren und Markttaren 18.500 Din. 4. Subventionen 25.000 Din, die allerdings auch noch nicht sichergestellt sind. 5. Verzehrungssteuer auf Wein und Most 1 Din pro Liter 97.000 Din. 6. Zuschlag auf Brannt-wein 20.000 Din. 7. Erhöhte Fleischumlage 9285 Din. 8. Verzehrungssteuer auf Bier 50 Din per hl 17.500 Din. 9. °50'7.,ige Umlage auf die direkten Steuern 105.557 Din; zusammen 332.292 Din. Ausgaben und Einnahmen sind demnach in Ein-klang gebracht. Ein tödliches Unglück hat sich am Montag, dem 15. d. M, nachmittags auf dem Fernbahnhof ereignet. Die 16-jährige Stieftochter des Maschinenmeisters im Kreissteinbruch Zg. Bistrica A. Pecenko, Gabriele Spat, wurde vom durchfahrenden Beo-grader Schnellzug erfahl, der ihr beide Beine ab-trennte und Verletzungen ain Kopfe beibrachte. Das Mädchen wurde sogleich in hoffnungslosem Zustande in das Allgemeine Krankenhaus in Maribor ge-bracht, wo es tags darauf seinen schweren Ver-letzungen erlegen ist. Weidmannsheil. Am Viittwoch, dem 17. d. M, gelang es den Mitgliedern des hiesigen Iagdvereines Herrn Forstmeister Ing. Miklau und Herrn Gemeindesekretär Pece im Vereinsrevier in Zgornja Bistrica je einen Fuchs zur Strecke zu bringen. Wirtschaft u.Ver?ehr Die Wünsche der jugoslawischen In- dnstrie. Die Zentrale der Jndustriekorporationen erbrachte auf ihrer letzten Tagung eine Entschließung, der wir folgendes entnehmen: Die Regierung wird ersucht, zwecks Förderung des Fortschrittes jeglicher Wirtschaftstätigkeit eine bestimmte und einheitliche Richtung unserer Wirtschaftspolitik durch Heran-ziehung und Nebeneinanderstellung der Tätigkeit aller Ressorts anzubahnen. Es ist unumgänglich notwendig, auch bei uns alle Kräfte anzuspannen und alle Erzeugungsmöglichkeiten auszunützen durch die Förderung der Landwirtschaft und der Industrie. Die Frage des industriellen Kredites soll durch die Erbringung eines eigenen Gesetzes über die För-derung und den Schug der heimischen Industrie auf Grund der einschlägigen Gesetze des König-reiches Serbien von 1873 und 1898 und auf Grund der Gesetze, die heute in den Nachbarstaaten in Kraft sind, geregelt werden. In den Nachbar-staaten herrscht das Bestreben, durch Förderung der Industrie den Ausfall in der Landwirtschaft wett^ zumachen. Angesichts dieser Tatsache sollen auch bei uns solche Maßnahmen eingeleitet werden. Die Entschließung befaßt sich dann mit der Krise der Forstindustrie und stellt die Forderung, den Privat-besitz an Wald unberührt zu lassen und nicht den Zwecken einer Agrarreform zuzuführen. Mit Rückficht auf die schweren Wirtschaftsverhältnisse wird der Finanzminister ersucht, durch die Verordnung über die Einführung der Tarifsätze zu der Pauschal-Umsatzsteuer eine weitere Belastung der Industrie zu vermeiden. Die Verwaltung des Vermögens der Zentrale und der Kreisämter für die Arbeiterver-sicherung, das mehrere hundert Millionen Dinar beträgt, soll erfahrenen Vertretern der in Frage kommenden Stände anvertraut werden. Die In-dustriekorporationen weisen auf die Nachteile hin, die der Industrie durch die Tätigkeit der begün-stigten staatlichen Industrieunternehmungen entstehen. Auf Reparationsrechnung sollen nur Gegenstände beschafft werden können, die im Jnlande nicht erzeugt werden. Bei der Vergebung von öffentlichen Ar-beiten auf Kredit sollen aus dem Ausland einge-führte Waren keine Zoll- und Gebührenfreiheit zum Schaden der einheimischen Industrie genießen. Es wird ersucht, neue Gesetzesbestimmungen übn die Vergebung der staatlichen und öffentlichen Lieferungen im Sinne des Schutzes der einheimischen Industrie und des Gewerbes zu erlassen. Herabsetzung der Verzehrungssteuer auf Wein. Am 12. Dezember hat S. M der König ein Gesetz unterschrieben, demzufolge einige De«tsche Zeitung Nummer 102 staatliche Berzehnmgstteuern ermäßigt, andere aber erhöht werden. So wird z. B. die Verzehrungssteuer auf Wein um die Hälfte herabgesetzt, und zwar »on 100 auf 50 Din pro Hektoliter. Die staaSiche Verzehrungssteuer auf Bier wird von 60 au' SO Para erhöht: ebenso die Verzehrungssteuer au Nrtrakte, EssenM und ätherische Oele mit Aikoho »on 3000 auf 3500 Din. Die Verzehrungssteuer «uf Spiritus erhöht sich von 20 auf 24 Din tbczro. von 23 auf 28 Din bei Spiritus aus Industriefabriken und bei importiertem Spiritus) pro Hektolitergrad. Am Tag nach der Verlautbarung dieser Gesetzesnovelle sind alle Mengen von Bier und Spiritus aufzuschreiben, für die die staatliche Verzehrungssteuer bereits gezahlt wurde. Die Differenz zur neuen Bemessung ist bis 1. Jänner 1931 zu bezahlen. Das Gesetz über Autobusunterneh-mungen. Die „Sluzbene Novine" vom 12. Dezember veröffentlichten das Gesetz über den regel-mäßigen und zeitweiligen Transport von Reisenden und Waren mit Motorfahrzeugen, das am 15. Tag nach der Verlautbarung, d. i. am 27. Dezember 1930, in Geltung treten wird. Für den Holzhandel kommen wieder bessere Zeiten. Auf dem italienischen und auch auf dem spanischen Holzmarkt zeigt sich neuerdings wieder größeres Interesse für jugoslawisches Holz. Das russische Holz, dessen Einfuhr eine Zeitang schädlich auf unseren Holzexport gewirkt hat, entspricht nämlich nicht den Bedürfnissen der genannten Märkte. Zollkrieg zwischen Ungarn und der Tschechoslowakei. Die Tschechoslowakische Handels-deleqativn bei den Handelsvertragsverhandlungen in Prag teilte am 16. Dezember der ungarischen Delegation mit, daß die Regierung die ungarischen Forderungen für unerfüllbar befunden habe. In-solgedessen verließ die ungarische Delegation Prag und der Zollkrieg wurde endgültig eingeleitet. Allerlei Filmstar» und Bankzusammenbruch. Dieser Tage ist die Bank von Hollywood, in ganz Amerika als Bank der Filmstars berühmt, zusam-mengebrochen. Da die meisten Filmstars ihr Ver-mögen dieser Bank anvertraut hatten, entstand auf die Nachricht vom Zusammenbruch unter den Film-stars ungeheure Aufreguno. Die Aufnahmen in den FUmstudios mußten unterbrochen werden. In aller Elle wurde eine Versammlung einberufen, an der die berühmtesten Filmschauspieler teilnahmen. Als der Aufforderung an die Leitung der Filmbank, sich auf dieser Versammlung zu verantworten, nicht nachgekommen wurde, formierte sich ein Demonstra-ttonszug der Filmstars, der sich zum Bankgebäude bewegte. Es kam vor den verschlossenen Türen des Gebäudes zu wüsten Szenen, bic zu Tausenden erschienenen Neugierigen konnten sehen, daß ihre aus der Leinwand teilweise so sanften Lieblinge sich wie toll benahmen und sich in nichts von jedem anderen Sterblichen unterschieden, die mit einem Schlage den größten Teil ihres Vermögens gefährdet sehen. Es kam zu einem direkten Angriff auf das Gebäude, Türen und Fenster wurden eingeschlagen, so daß schließlich die Polizei aufgeboten werden mußte. Die Beamten mußten von ihren Gummiknüppeln Ge-brauch machen. Es wurde eine Reihe von Verhaf-hingen vorgenommen und das Gericht hat Verfahren gegen zahlreiche Filmstars angekündigt. Die Verluste der Filmprominenten werden auf 30 Millionen Dollar geschätzt. Unter den besonders stark Betraf, fenen sollen sich Charlie Chaplin und Fairbanks befinden. Wieviel Lichtspieltheater gibt e» in Suropa? Nach der neuesten Statistik gibt es in ganz Europa 33.870 Lichtspieltheater, 11.445 mehr als im Jahre 1926, was einen Zuwachs von 33 v. H. in vier Jahren bedeutet. Die Zahl der Sitze wird auf 14,185.500 geschätzt, während es 1926 nur 8L02.330 Plätze gab. Im Jähre 1926 kamen durchschnittlich 390 Sitze auf den Saal, heute sind es 418. Nach der Zahl der Kinos steht Deutschland mit 5267 ander Spitze; in der Zahl der Plätze (1,876.000) aber wird es von Rußland und England übertroffen, die beide 2,200.000 Sitze ausweisen. Rußland hat 5200 Kino», England 4226, Frankreich 4221 mit einer Sitzzohl von 2,100.000. Diese drei Länder haben also alle mehr Sitze als Deutschland. Dann folgen Italien mit 2800 Kinos und ^800.000 Sitzen, Spanien mit 3000 und 2,468.750, Schweben mit 1182 Kino» und 200.000, die Tschechoslowakei mit 1845 Kinos und 400.000 Sitzen, Belgien mit 930 Kinos und 300.000 Sitzen, Oesterreich mit 869 und 384.000, Polen mit 631 und 203.220, Ungarn mit 524 und 180.000, Jugoslawien mit 400 Kinos und 104.000 Sitzen, Rumänien mit 568 Kinos und 100.000 Sitzen, Dänemark mit 380 und 80.000, Finnland mtt 265 und 59.000, Holland mit 236 und 90.000, Schweiz mit 305 und 70.000, Griechenland mit 230 und 115.000, Norwegen mit 212 und 60.000 Sitzen. „Gefpenfterschisfe." In den Ohren klingen uns unwillkürlich Motive aus Wagners „Fliegender Hollender" und das leichte Gruseln taucht m unserm Erinnern auf, da» wir als Kinder empfanden, als wir Hauffs Märchen vom „Gespensterschiff" lasen. Denn reichlich seltsam und romantisch klingt die Meldung von dem „Gespensterschiff", das englisch« Fischer, auf offener See treibend, fanden, und das sie nach dem englischen Hafen von St. Heller brachten. Man möchte an eine Märchenerzählung von Seeleuten glauben. Denn der Aberglaube der Seefahrer ist sprichwörtlich geworden und gegen die Fabeleien der Matrosen ist das Jägerlatein eine harmlose Renommisterei. Aber hier liegen tatsächliche Beweise vor, das Schiff liegt im Hafen, es ist fest-gestellt worden als der französische Zweimaster „Combressol". Besonders merkwürdig allerdings waren — nach den Erzählungen der englischen Fischer — die Umstände bei der Auffindung des „Gespensterschiffes". Denn dieses fuhr unter Segel, der Hilfsmotor arbeitete - nur der Kurs des Schiffes war derart merkmürdig, daß die Engländer es anriefen. Als aber auf ihre Signale keine Antwort kam, legten sie bei dem rätselhaften Zweimaster an und kletterten kurz entschlossen an Bord. Wer beschreibt aber ibr Erstaunen, als sie auf den ganzen Schiff keine Menschenseele entdeckten. In der Kajüte war der Tisch noch gedeckt, eine brennende Kerze zeugte davon, daß noch kurz vorher hier Menschen gesessen haben mußten. Aber keine Spur, keine Aufzeichnung verriet, wo die Besatzung geblieben sein konnte! Sicher hat ein unheimliches Gefühl die überraschten Engländer beschlichen, dann aber faßten sie sich ein Herz und brachten das herrenlose Schiff an Land. Altem Aberglauben nach bringt die Begegnung eines „Fliegenden Holländers" den Seeleuten Not und Tod — dieses ..Gespensterschiff" aber dürften seinen Findern sicher Glück bringen, denn die Bergungs-Prämie wird gewiß nicht gering sein! Kamps gegen Schnupfe«. — Eine ak. tuette Angelegenheit. Jeder Mensch hat sein System in der Bekämpfung der Erkältungserschei> nungen, die nun einmal unlöslich mit dieser Jahreszeit verbunden sind. Da schwören einige auf Dampf bäder oder Katzenfelle und andere Bahnbrecher leben nach der Devise „Verkühle dich täglich" und verzichten auch bei 40 Grad Kälte nicht auf ein Bad im eisgekühlten Wasser. In Amerika scheint man von einer panischen Furcht vor Erkältungen ergriffen zu sein, seitdem die unfehlbare Statistik errechnete, daß die Lohnempfänger Amerikas jährlich 400.000 Dollar durch dies unerfreulichen Erscheinungen verlieren. Im g eichen Verhältnis ist na« türlich auch die Produktion geschädigt. Infolgedessen ging man zum Angriff auf den Schnupfen über, um diesem heimtückischen Feind die Stirn beziehungs-weise die Nase zu bieten. Es wurde aus einer reichen Stiftung eine Spende von 40.000 Dollar an das Hopkins-Hospital in Baltimore überwiesen, damit ein energischer Kampf gegen den Schnupfen eingeleitet werde. Es soll einem Dr. I. A. Pfeifer von der Maryland-Universitäi auch gelungen sein, eine Schutzimpfung gegen Erkältungserscheinungen g finden. Der Impfung unterzogen sich zunächst tudentinnen des Gvucher College in Baltimore. Sie erhallen hierfür je 40 Dollar. Ein anderer Professor will dem Schnupfen durch ullraviolette Lichtbäder vorbauen, die angeblich die Empfänglich-aegen Katarrhe um ausgerechnet 42 Prozent herab-fetzen sollen. Ausgerechnet wird ferner, daß alte Leute nur halb so viel von Erkältungen bedroht sind wie junge. Ferner fei die Zahl der durch-gemachten Katarrhe umgekehrt proportional der Zahl der Jahre, die einem Menschenleben beschieden sind. Jeder Schnupfen sei ein großer Schritt näher zum Grabe. Vorläufig zunächst ein Schritt zur Gründung von Antischnupsen-Klubs. Die Mitglieder des Klubs leisten ein Gelöbnis, Unmengen von Grapefruitsast zu trinken, Wolle zu tragen, die Füße trocken zu hallen und täglich acht Stunden zu schlafen. Der berüchtigte Chikagoer Banden-sührer Bugs Moran, der allgemein unter dem Namen „König der Nordseite" bekannt ist einer der erbittertsten Feinde AI Capones, hatte sich vor Gericht gu verantworten. Hier konnte er nachweisen, daß er nicht nur einen großen Aktienbesitz sein eigen nennen konnte, sondern, daß er sich auch Grob-grundbefitzer nennen dürfte, da er in Florida m Gebiet von hunderttausend Morgen Land erworben hatte. Ebenso stellte er unter Beweis, daß er Mit-besitze? eine» — Kleiderreinigungsunternehmen» fei und dort ein GeHall von 100 Dollar wöchentlich erhalle. Daraufhin mußte ihn da, Gericht, das ihm nichts Strafbares nachweisen konnte, frei lassen. fürs Tjerz und Jjeim / Sitzt man abends im 3immer allein öder (was vorkommt) auch manchmal zu zwei'n. frägt man: wo nehm' ich die Stimmung jetzt her? £as ist doch, ich bitte, gar nicht so schwer: Jnan schafft sich an ein Grammophon! J)as Ijerz springt einem schon beim ersten Con. f)a hiört man foxtrott, 'nen üango und J)lues, j)as man vor freuden fast jucfjerzen muss / Und ist mal das WeiberI nicht richtig gestimmt. So dass sie vor Xanaweif ein Schmollen dann mimt.' fitem f}erze, sei stille, begib' dich zur Ruh' jfus dem Qrammo ertönt es ,,/Tch, f)u nur j)u" I Schon ist sie gleich reizend und auch fast gerührt. Weit s ie die Musik im ff erzen drin spürt. f)rum rasch nen Grammophon und platten dazu, bann hast du vor Jferger und Xangweil' stets Ruh', und wo man all aas nur bekommen mag?: i)as Beste und Billigste bei «7 Celje, Preiernova ul. 24-. U' J'OvOK. Schach - Ecke redigiert von Harald Schwab Wir bringen diesmal eine Partie Nimzowitsch'. die er gelegentlich einer Simultanvorstellung gegen 30 Spieler in Kopenhagen spielte. Weiß: Nimzowitsch, Schwarz: W. Nielsen Caro — Kann 1) e2—e4, c7—c6 2.) d2 d4, d7 -d5 3.) Sbt—c3, d5Xe4 4.) Sc3Xe4, Sb8 d7 5.) Sgl—f3, Sg8-f6 6.) Sc4—g3, e7— e6 7.) Lfl-d3, c€ c5! Diese Variante der Caro Kann Partie zählt zu den Lieblingsverteidigungen Nimzowitsch': es ist daher nicht uninteressant, ihn selbst dagegen an-kämpfen zu sehen. 8.) 0—0, Lf8—e7 9.) c2—c3, 0-0 10.) Tfl-eJ, b7—b6 11.) h2—h3, Lc8—b7 12.) Lei—f4, Lb7Xf3? Schwarz spielt auf Isolierung des d-Bauern, kommt aber damit den Plänen des Weißen nur entgegen, welcher hauptsächlich auf Besetzung de» Punktes e5 spielt 13.) DdlXf3, c5Xd4 14.) c3Xd4. Sf6—d5 15.) Ldü—e4!, lUm den Punkt e5 fest in Händen zu hallen, begibt sich Weiß des Vor-teiles des Lauferpaares, — und dies mit vollem Rechte!! 15.) . . . .. Sd7—f6 16.) Lf4—e5, Sf6Xe4 17.) Sg3Xe4, Sd5—fö Schwarz ist bestrebt, alles abzuholzen, um im Endspiel zu reusieren, gefährdet aber damit seinen KönigsflllgÄ, 18.) Tal —cl,! jverhindert Te8, denn Weiß gewänne nach TXT, DXT 20.) Sxf6-f-einen wichtigen Bauern j 18.) . . . 8k6Xe4 19.) Tel Xe4. Dd8-d5 20 ) Tel—c7, Le7 -d6 ? (®n Fehler, der Nimzowitsch Gelegenheit zu einer brillanten Kombinatton gibt; am besten war hier noch 20. ).....Ld8 21.) Tg4, g6 22.) DXD, eXd 23.) Td7, wobei Weiß das bessere Endspiel behalten hätte. Dagegen würde 20.) .... TkeS an 21.) LXg7! scheiternj 21.) Tc7—d7! Ta8—d8 22.) Td7Xd6! Td8Xd6 23.) Df3—f6!l Aufgegeben, da Schwarz auf jeden Fall matt wird. — Ein prachtvoller bchlutz! Anmerkungen noch A. Becker au» da Wiener Schachzeitung. Nummer 102 Deutsche Zeitung Seite 7 82 Sibirien Erinnerungen aus dem Weltkrieg und aus Ruhland Bon einem ehemaligen Siebzehner In solchem Maße, daß sie von der Legion bejertierten, um in Sibirien zu bleiben. Ich kann mich gut an einen Grazer erinnern, der am Morgen des folgenden Tages trüb seine Sachen zusammen-suchte. Wenige Stunden später war er verschwunden. Ich sah ihn auch am Schiff nicht mehr. Die Nachricht von unserer Abreise hatte sich ichnell verbreitet. Von Ftoraja Rjeika und Drugaja Rjeika, wo sich noch Kriegsgefangenenlager-befanden, 'wanderten Kriegsgefangene nach Gornostaj, um, da sie nicht wußten, wann für sie die Stunde der Er» lösung schlagen werde, billig Kleider und andere Sachen von uns zu laufen. Ich machte mich bei dieser Gelegenheit ganz leicht. Um lächerliche Preise, die eigentlich ein Geschenk bedeuteten, gab ich meine noch immer schöne österreichische Uniform und sogar meinen Filzsack her. Sie hatten den Wert für mich verloren, wir fuhren ja nachhause, sollten in heiße tropische Gegenden kommen, wozu also das Schleppen dieses Gepäcks? Am 20. Februar 1920 schien die hellste Winter-sonne auf die roten Kasernen in Gornostaj herab. Unsere Gewehre hatten wir abgegeben, den Sack gepackt. Unten auf unserem alten Exerzierplatz stellten wir uns auf und bildeten einen Zug, an den sich rückwärts die „Eoncittadini" anschlössen. Zwölf Kilometer war der Marsch lang, aber die drei Stunden vergingen im Fluge. Die Italiener sangen beständig Lieder. Und zwar sangen sie „vom Meere, das da kommt und geht." Im Hafen war ein großes Gedränge, weil sich auf kleinem Raum über 1000 Mann zur Ein-schiffung versammelten. Ich stand in der Einteilung und schaute auf das Schiff, dessen Mahe, wuchtig und lang an der Hafenmauer emporsteigend, mir riesenhaft erschienen. Und doch war die „England Maru" kein allzu großes Schiff, ein Warendampfer von 12.000 Tonnen. Noch in der Einteilung bekam jeder von uns ein kleines weißes Kärtchen, auf dem der Name des „Soldato" stand und die Kompagnie« bezeichnung. Ich tonnte es kaum erwarten, daß wir über die hölzerne Landungsbrücke das Schiff betreten würden. Sie ging ziemlich steil empor, weil das Schiff ohne Ladung nicht tief ging. Meine Ungeduld wurde durch die Furcht verursacht, daß im letzten Augenblick doch noch der Teufel sein Spiel haben und meine Mitfahrt verhindern könnte. Deshalb ging ich, als ich endlich zur Brücke herankam und das Schiff betreten konnte, schnell dorthin, wo unser Lagerraum sein sollte. Er war tief unten, durch eine Luke führte eine zu diesem Zweck neugemachte hol-^ernc Treppe hinab. Der Raum, der sonst der Ver« srachtung von Waren diente, war sehr groß. Durch einen beträchtlichen Teil des Schiffes zog er sich hin. Bis auf einen kleinen Platz unterhalb der Luke war er ganz mit doppellen Pritschen verbaut. Das Holz der Pritschen war neu und weiß -, zwischen jeder Liegerstätte befand sich ein abteilendes Brett, |o daß die Pritsche aus vielen kleinen Betten zu bestehen schien. Sie waren ganz schmal, so daß aerade ein Körper darin Platz fand, wenn er am Rücken lag. In jedem Bett waren ein neuer Stroh-sack und ein hartes Kopflissen. Mit den Liegerstätten in den Kriegsgefangenenlagern verglichen, waren diese Pritschen hochnobel. Dieser improvisierte Schlaf-saal war mit vielen elekttischen Lampen versehen, die hell brannten. Ich kroch sofort auf ein oberes Pritschenbett hinauf. Neben mir richteten sich Meneghini und Schweighofer häurlich ein. Sehr bequem war es hier nicht, weil sich der Schisfsboden ziemlich nahe über den Betten befand. Wenn man sich bloß ein bischen rühren, ffollte, stieß man mit dem Kopfe 'an^ TrotzdVm"gefieldie obere Pritsche besser. weil ich hier frei liegen k?«'Wte. wenn ich einmal droben war, während ich unte-vq^von den Hinauf-steigenden beständig gestört worden wäre. Unter uns hatten sich unser Israeli! u#® -in Wiener Tanz-meister eingerichtet, der wählend meines Aufent-Haltes in Gornostaj in dez^Stadt kommandiert ge-wesen war. Ein hübsch^, aber schon graumelierter Mann. £_ Die Tatsache Einschiffung, der eigenartige Schiffsgeruch, Fremde, das für uns das neue Heim gedeutete, hatten eine Stimmung erzeugt, in der die Ausrufe aufgeregt durcheinander schwirrten. Alte jrwcstaunlen wir, alles war hier wider Erwarten Die Männer setzten sich vorerst einmal jeder auf seinem Pritschenbrett zurecht, um gewissermaßen das Besitzerrecht zu befestigen. Dann aber stiegen sie wieder auf den Boden herab, drängten sich durch die Luke empor, um von Deck aus den Hafen und die Menschen darin zu betrachten. Ich ging nicht an Deck. Ich legte mich in meiner Kiste auf den Rücken nieder mit dem festen Entschluß, mich nicht eher an Deck zu zeigen, bis das Schiff aus dem Hafen hinausgeschwommeii war. Diese Vorsicht war natürlich übertrieben, aber lieber an übertriebener Vorsicht leiden, als dem Zufall auch nur ein Hun-dertstel der Möglichkeit bieten, vor der Ausfahrt noch ausgehoben zu werden. Vielleicht stand am Ufer irgendein kriegsgefangener Kamerad aus einem sibirischen Lager, der mich kannte und mich anrief. Als es dunkel wurde, kamen auch die anderen wieder herab und legten sich nieder. Es gab aber keine Ruhe, denn fast die ganze Nacht wurde von Pritsche zu Pritsche geplaudert. Ein unerhörter Zustand, hier im Bauch des japanischen Schiffes zu liegen! Ich hatte Ursache, in dieser Nacht die Weggäbe meines Filzschlafsacks zu'bedauern. Gerade über meinem Lager ging nämlich ein Luftschacht herab, durch den eine eisige Luft gerade auf meine Brust blies. Diese wurde inir so kalt, daß mir im Halbschlaf vorkam, als liege mein Herz in Eis eingebettet und müsse erfrieren. Diese erste Nacht am Schiff verging und wir standen am Morgen noch immer im Hafen. Endlich gegen 10 Uhr vormittags spürte ich, wie das Holz der Pritsche leise zu erzittern begann. Auf dem Eijenboden ober mir trappelten eilige Füße und irgendwo im Schiffsrumpf fing ein regelmäßiges Dröhnen an. Von einer Bewegung des Schiffes spürte ich aber nichts. Ich war fast ganz allein im Schlafraum, weil alle anderen auf Deck gelaufen waren, um dem Losmachen vom Ufer zuzusehen. Jetzt erst erschien es mir ganz gewiß, daß mich kein Zufall mehr vom Schiff fortbringen konnte. Daher stieg ich nun auch die Treppe hinauf. Das Schiff schwamm langsam aus dem Hafen hinaus. Ich halte das Gefühl, daß es ein riesiger Schlitten sei, der sich auf festem Boden fortbewegte. Das kam daher, weil das Meer im Hafen zuge-froren war und man festen Schneeboden ringsherum zu sehen vermeinte. Ein kleiner vierschrötiger Dampfer lief mit heftigem Pusten voraus und zerbrach das Eis, das in langen Klüften zersprang, so daß eine breite Rinne entstand, die sich gegen den blendenden Eisboden ganz schwarz abhob. In dieser Rinne fuhr unsere „England Maru" nach. Allmählich trat die Ufermauer zurück und die von dort her nachwinkenden Menschen wurden kleiner und kleiner. Bald kamen wir in freies, grünes Wasser: die Bucht tat sich ungeheuer groß auf. Das Meer wurde weit. Der Himmel war blau. Der Abschied vom schneeglänzenden Festland in strahlendes Sonnen-licht getaucht. Abschied von Sibirien! Ich stand und schaute, bis die Küste am fernen Horizont verschwand. Was für Gefühle mich bewegten? Hätte ich sie sofort damals, im Hauch des wunderbaren Meeres, in dieser unermeßlichen Weite, zu beschreiben versucht, ich wäre nicht dazu imstande gewesen. Um so weniger bin ich es heute, wo schon zehn Jahre seit jenem unvergeßlichen Tage verflossen sind. Sibirien ent-schwand für immer an jenem Horizont, es war nur noch eine dünne verschwommene Linie. Du unge-heures Land, mir warst du über fünf Jahre nur ein Kerker und doch zweifle ich nicht, daß du ein herrliches, gottgesegnetes Land bist! Du warst ein Kerker und dennoch kontest du mir auch Freuden geben und glückliche Stunden! Wir Glücklichen, das Weltmeer trug uns auf der zauberhaften Un-ermeßiichkeit seines Rückens von dem Lande weg, in dem Hunderttausende unserer Bruder namenlose Gräber gefunden hatten: Wie alles im Leben, so wurde uns auch unsere „England Maru" bald zur Gewohnheit. Allerdings eine Gewohnheit, die aus allem heraussiel, was ich bis dahin erlebt hatte. Diese Gewohnheit war ein beständiges Fest, ein dauernder Sonntag, eine Ge-wohnheit, mitten in der überwälligenden Größe des Meeres. Das Schiff kannten wir bald so gut wie eine Heimat. Nach kurzer Zeit war mir alle« vertraut; die Gestalten der eleganten japanischen Schiffs-offiziere auf der mit dem Nimbus der Unzugäng- lichkett umgebenen Kommandobrücke; die matt blin-kenden Reihen der Goldschnüre aus ihren Aenneln; die immer lächelnden japanischen Matrosen, die die gleichen Bändermützen trugen wie sonst Matrosen; der schachttiefe blitzende Maschinenraum, in dessen dröhnendes Maschinenheben und Senken ich stunden-lang hinunterschauen konnte, trotzdem ein warmer Oelgeruch heraufstieg, der das beständige Uebel-befinden in meinen, Magen und den leisen Schwin-bei in meinem Kopfe noch verstärkte. Wenn aus den unteren Räumen alles an Bord kam, war das Schiff so gesteckt voll, daß man sich kaum bewegen konnte. Unser Schlafraum befand sich unter dem Bug des Schiffes, auf dessen eisernem Boden die Ankermaschinen mit den unge-heuer dicken Ketten lagen. Mittschiffs und ksinten waren aber die Laderäume ebenfalls mit Pritschen vollgestopft, nur waren diese Räume noch größer als der unsere. Natürlich stieg ich meistens auf Deck heru»n. Oder ich stand vorne an der Ankerwinde und schaute auf die Unendlichkeit des Meeres hinaus. Rundun in einem ungeheuren Kreis, der den ganzen Himmel umfaßte und von ihm, wenn dieser dunstig war, durch keine Grenzlinie zu unter-scheiden war. dehnte sich der Ozean aus. Nur unser Schiff war fest in dieser wogenden Ewigkeit. Dabei" atmete man immer eine Lust ein, feucht und sonder-bar, eine ganz andere Luft als auf dem Lande. War es dieser Atem, war es die Wirkung des majestätisch einförmigen Kreises, des immer gleichen und doch so mächtigen Bildes, in dessen Mittelpunkt das Schiff dahinfuhr, mir kam vor, als habe ich eine andere Seele bekommen, als sei ich nicht inehr der Mensch, der gestern erst von der Erdschwere des Landes losgelöst wurde. Im japanischen Meer war es so kall, daß sich die Taue der Masten, das Außenwerk an Deck mit unzähligen Eiszapfen behingen. Seit die Sonne nicht mehr am Himmel stand — gibt es Herrlicheres als die Sonne, aufsteigend aus dem Meer, ihren hohen Bogen über dem Meer ziehend und in das Meer sinkend? — war unser Schiff dicht bedeckt mit dickem Reinfrost, so daß es wie ein weißer Schnee-palast aus dem Wasser herausstand. Der Himmel war grau und düster und ebenso sein Spiegel, das Meer. Die japanischen Matrosen schlössen die Luken und daraus ersah ich, daß Sturmwetter im Anzug war. Und es kam. Nicht als ob der Wind über die Wasserfläche dahergebraust wäre. Man spürte den Wind zuerst nur wenig, erst später wurde er so stark, daß man sich an allem anHallen mußte, was den Händen nahekam. Und auch dies nicht sosehr wegen der Gewalt des Windes, sondern well das Schiff wie betrunken schwankte, sich hob und senkte, der Horizont in schrecklichem Schwindeltanz zu tanzen begann. Er war scheinbar viel kleiner ge-worden, nicht mehr die gerade Linie, sondern wilde Bewegung. Das Schiff schien ruhig zu stehen, trotz-dem die Beine keinen Halt auf ihm hatten, es hob sich bloß der Wasserkreis rund herum. Einmal war er ganz tief drunten, so daß wir vom Deck aus nur den finsteren wolkenfliegenden Himmel sahen, dann stieg er im nächsten Augenblick hoch empor, so daß ich glaubte, die über dem Schiff drohenden Wasser-massen müßten auf uns herunterrollen. Das war eben das Verfluchte. Mit aller Konzentration meines Geistes stellte ich bei mir immer wieder fest, daß nicht diese Linie da draußen so entsetzlich auf und niederstieg, während das Schiff ruhig stand, sondern daß das Schiff es war, das auf die Wellenberge hinaufstieg und dann wieder tief in die Täler sank. Von der Seekrankheit hatten wir schon von Wladiwostok an gesprochen, als das Meer noch spiegeleben im Sonnenschein lag. Ich glaubte sie schon zu haben, weil mir beständig etwas übel war. Wo hatte ich eine Ahnung! Jetzt, wo weit hinaus ein großartiges Wogen, daherwandelnde Wellenberge zu sehen waren, die mit ungeheurem Schall an die Schiffswände andonnerten, wurde mir be-deutend übler. Wenn ich bloß einen Augenblick die verbissene Spannung des Willens verloren hätte, müßte ich sofort gebrochen haben. Alles in mir drängte zum Erbrechen. Ich überwand es unter tausend Vorwänden, die ich dem Magen vorredete. Vor allem blieb ich an Deck, über das die frischeste Luft fegte. Wenn ich starr auf den Horizont hinaus-sah und dabei den Gedanken festhielt, imm-r festhielt, daß der Horizont ja nicht tanze, sondern nur der elende Kasten unter meinen Bemen, schien mir immer wieder leichter zu werden. Trotz meiner Uebelkleit entzückte mich aber die unbeschreibliche Wildheit des Meeres. Wie das wogte! Hohe Berge wälzten sich schäumend heran, in schwarze tiefe Täler sahen wir von unserem Schiff turmties hinab» Seit« 8 Deutsche Zeltung Nummer 102 - SPAR- UND V ORSCHU SS VEREIN IN CELJE = ♦ ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ rcirliitrlerte 6enoMH>n*nhiilt mit unbeaoHrAnUtoi* Hastunu- :: Gegründet 1900 Telephon Nr. 213 internrbun Glavni trg '"■Spareinlagen, Darleihen und Kredite I '5 p gegen günstigste Bedingungen _| Elnlagenntand Din 30.000.000 Geldverkehr Din 230 000.000 HRANILNO IN POSOJILNO DRUSTYO V CELJU roglutrovtnut gntlriiyn /, ih'oi»io|i^»»o »»vc»» ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Platzvertreter in allen grösseren Orten de« Landes worden für Propaganda »on Staatsanleibe -Wortpapieren ans Ratenzahlung gesucht. Angebote an Publicitas, Zagreb, Jliea 9, unter „Nr. 25166- Zwei Kutschen, Personenauto Benzinbarrels, diverse Jutesäcke, Papiersäckchen, Transmissionsteile, Treibriemen, Telephone. Alles im guten Zustande verkäuflich. Anfragen an die Verwaltung des Blattes unter .Celje 36912". 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