Pränumcrations-Preise: Für Laibach: Banzjährig . . . 8 fl. 40 fr. Halbjährig . . " . 4 „ 20 „ vierteljährig. . 2 „ io „ Mrnallich . . . — „ 70 „ Laibacher Mit Der Post: Ganzjährig . . . n fi. - Halbjährig . . . z „ j Bietteljährig. . . 2 „ ' ft. Siit Zustellung ins Hans viertel* jühtig 25 fr., aioinxlliih 8 fr. - Einzelne Nummern (i fr. Tagblatt. Anonime Mittheilungen werden nicht berücksichtigt; Manuskripte nicht zurückgesendet. Rclmklton Babnhilgasje 3!r. 132. Skpc-ition und Inscratcn-ßurrnu: Kongrcßplatz Nr. 81 (Buchhandlung von I. v.K!emnrayr & ft. Bamberg). Jnscrtionsprcise: Für die einspaltige Petik^eile 3 It., bei zweimaliger Einschaltung ä 5 lt. dreimal ä 7 fr. , Insenicnöstemvel jedesmal 30 ft. Bei größeren Inseraten intb öfterer Einschaltung entsprechender Rabatts Nr. 124. Donnerstag, 1. Juni 1871. — Morgen: Erasmus. 4. Jahrgang. Die Mission des Ministeriums Hohenwart, sein plötzliches meteorhaftes Auftauchen auf dem politischen Horizont Westösterreichs war lange ein Räthsel geblieben, über den Zweck seines Daseins, wie über seine sonderbare Zusammensetzung haben sich viele vergebens den Kopf zerbrochen. Nun, die gewünschte Aufklärung ist endlich erfolgt. Einer der intimsten Schildträger des Grafen, der ultra-montane Tiroler, Baron Giovanelli, ebenso redselig als ungeschickt im parlamentarischen Vortrag, hat p der jüngsten Adreßdebatte bedenklich aus der Schule geschwatzt. Daß er nach seiner Behauptung öanz und gar nicht aus der Fassung gebracht wurde, als Gras Hohenwart im Verfassnngsauöschusse die Erklärung abgab, er wolle Böhmen, Tirol, Krain U. s. w. dieselben Zugeständnisse machen, wie Galizien, wofern sie nur den Wunsch darnach äußerten, wundert uus von Giovanelli gar nicht. Interessanter aber war cs, als er der Reichsrathsmajorität ganz offen ins Gesicht sagte, nicht sie sei es, mit welcher die staatsrechtliche Opposition zu verhandeln x Seit sei längst vorüber. Wenn eines ihrer Mitglieder der Regierung zngernfen habe, sie hatte kernen Plan, so sei das nicht wahr. Der Plan der Regierung sei vielmehr der gewesen, die Reichsrathsmajorität zu zersetzen, und dieser Plan sei gelungen. Dies heißt eben so unumwunden, als klar und deutlich gesprochen. Glücklicherweise hat uns die «dreßdebatte darüber belehrt, daß dieser Plan nicht gelungen, daß er schmählich gescheitert. Eine unparteiischere Stimme hierüber, als die des „Vaterland," des Organes der feudalen Hochtories, kann es wohl nicht geben. Dieses kann nicht umhin, folgendes zu schreiben: „Wir haben wiederholentlich der Befürchtung Ausdruck gegeben, das Ministerium Hohenwart dürfte am Ende feine Regierungs-thätigkeü auf die Zersetzung der vorhandenen politischen Parteien richten .... Wir müßten das Erstehen einer gesinnungslosen Mittel-Partei als eine der bedenklichsten Kalamitäten begrüßen, die unser schwer geprüftes Reich bisher betroffen haben. Jndeß zeigt sich auch darin wieder das sprüchwörtliche Glück Oesterreichs, daß eine solche Mittelpyrtei hier durchaus nicht zu Stande zu bringen ist. Zwischen beiden Prinzipien ist kein Kompromiß möglich, also auch keine Partei als Trägerin derselben denkbar. An dieser Unmöglichkeit müssen diesbezügliche Versuche des gegenwärtigen Kabinets ebenso scheitern, als die analogen Absichten des Grafen Alfred Potocki gescheitert sind. Das vorige Ministerium machte sich beim Zusammentritt des Reichsrathes keine geringen Hoffnungen auf die Konslituirung einer Mittelpartei im Abgeordneten-haufe. Wir wissen auch, daß Graf K u e n b u r g von sehr hoher Seite aufgefordert wurde, sich die Verwirklichung solcher Absichten angelegen sein zu lassen, daß er diesein Wunsche nachzukvmmen versprach, aber sein Versprechen nicht halten konnte! Wir wissen weiter, und da« ist kein Geheimniß mehr, daß Se. Majestät der Kaiser einen ähnlichen Wunsch in Tirol geäußert hat, jedoch von dem betreffenden patriotischen Abgeordneten die loyale Antwort erhielt, ein Aufgeben der patriotischen Prinzipien zu Gunsten eines Kompromisses mit der Dezemberverfassung sei unmöglich. Bon dieser in der Natur der Sache begründeten Unmöglichkeit sollte sich Graf Hohenwart nachgerade ebenfalls überzeugt haben. Wie geschickt auch die Sache in Angriff genommen wurde, so ist doch durchaus kein Erfolg erzielt worden. Im Abgeordnetenhause stehen sich nach wie vor die beiden Parteien schroff gegenüber. Und wie weit auch die Rechte von ihrem eigentlichen Programme abgewichen sein mag, so steht doch fest, daß man darin wohl temporäre Schwäche und bedenkliche Nachgiebigkeit der gerade am Ruder befindlichen Regierung gegenüber, aber kein Aufgebe» des Prinzips zu Gunsten der Dezemberversassung sehen kann. Wir wenigstens sind überzeugt, daß die Landtage von Krain, Tirol und Vorarlberg und die föderalistischen Minoritäten in den Landtagen von Oberösterreich und Steiermark bei der nächsten Gelegenheit ebenso entschieden gegen die Dezemberversassung Front machen werden, wie in der letzten Session. Ganz und gar mißglückt ist aber der Versuck, innerhalb der Verfassungspartei eine Spaltung hervorzurufen. Wenn ein Mitglied der Rechten (der oben genannte Baron Giovanelli) der Gegenpartei zurief, die Regierungsvorlage habe den Plan, sic zn zersetzen, und dieser Plan sei gelungen, so widerspricht das allbekannten Thatsachen. Und gerade die Abtei-Verhandlung ist ein Prüfstein gewesen, wobei zur Evidenz bewiesen wurde, daß keine Zersetzung der Vcrsassnngspartei gelungen ist. Fast vollzählig erschien die Liiike im Hause. Die Linke hat bewiesen, daß sie fester als je zusammenhält und daß jede Spekulation auf ihre Zersetzung bis jetzt wenigstens durchaus keine faktischen Anhaltspunkte aufzuweisen hat." So das „Vaterland," das in neuester Zeit dem Grasen Hohenwart durchaus nicht grün ist uud eine merkwürdige« Hinneigung zur liberalen Partei bekundet. Ungeachtet die vierteljährige Versuchspolitik, die nunmehr der edle Graf hinter sich hat und welche allerdings zunächst die Zersetzung der vorhandenen politischen Parteien und die Bildung des Jeuilleton. Zur Naturgeschichte der Reklame. „Opodeldok, das ist, wenn inan Kreuzschmerzen hat." Der Berliner Eckensteher, der diese Definition angab, würde von der Reklame vielleicht sagen: «Reklame, das ist, wenn man etwas zu verwerthen wünscht." In der That handelt es sich dabei um Interesse irgend einer Anempfehlung, begleitet von dem Wunsche, sie dem Publikum bestens ein-gonglich zu machen. Diesen Zweck übrigens verlegen auch Zeitungsanzeigen anderer Art; die Re-:la.mt ihrerseits hat vor ihnen voraus, daß sie einen oeionderen Platz einnimmt, beinahe wie ein Artikel. Wenn sie es recht fein anlegt, wird sie bestrebt sein, emem Artikel denn auch so ähnlich zu sehen, als es >hr erreichbar ist, und nicht eher die Eigenschaft t!nct, Reklame zu verrathen, als bis der Augenblick "tritt, wo es unvermeidlich wird. Einer englischen Reklame zum Beispiel kommt k» nicht darauf au, sich ein Stück Roman beizu-Seben, wenn cs ihrem Interesse dient. Nehme man ®n- es fei ein englisches Schiff gescheitert und eine niah( Matrosen habe sich an eine unbekannte Küste gerettet. Eine begünstigte Zeitung bringt den ersten näheren Bericht darüber. Es waren ihrer eilf, einschließlich des Hochbootsmannes; sie hatten weder Waffen noch Proviant. Entlang des Strandes erstreckte sich weithin eine unwirthbare Oede; also mußten sie landeinwärts ziehen, um die Mittel zur Fristung ihres Lebens zu suchen. Einem Touristen von Berns begegnete es einmal unter ähnlichen Umständen, daß er nach langem Umherirren endlich in der Ferne einen Galgen erblickte, worauf er getrost ausrief: „Gottlob, ich bin in einem zivilisirten Lande!" Nicht so gut wurde cs unseren wandernden Matrosen, denn sie fielen halbverschmachtet einem Stamme mcnschenfressender Wilder in die Hände. Zur Begrüßung nahm man sie fest, band ihnen die Arme und führte sie so dem Götzen Munkodschumbo vor, welcher eigentlich ein Klotz war, versehen mit einem häßlich ausgeschnitzten Kopse, wie man dergleichen mitunter an dem Griffe eines Stockes oder eines Regenschirmes anbringt. Ihm sollten sic als Opfer geschlachtet und sodann gebraten werden. Die Messer blinken, das Feuer brennt, die Hoffnung erlischt. Da geht mit einem male ein Umschwung vor sich, wie wenn ein Sturm sich in Sonnenschein verwandelt. Zunächst dem Götzen gegenüber steht der Hochbootsmann; auf seinen Vorgesetzten rechten Fuß fällt der Widerschein des Feuers. Die Krieger des Stammes schicken sich eben an zu dem gebräuchlichen Opfertanze, als ihr Führer plötzlich das Zeichen zn einer Unterbrechung gibt. Er wirft einen Blick auf den Hochbootsmann, prallt zurück und stößt einen Schrei des Erstaunens aus, auf dem Stiefel des Fremdlings spiegelt sich der Gott Munkodschumbo, wie er leibt und lebt, dort gleichsam seine zweite Residenz nehmend. Es ist klar, diese Verherrlichung durch sein Ebenbild bedeutet seinen Schutz, seine entschiedene Gönnerschaft. Sofort werfen die Menschenfresser ihre Schlachtmesser weg, binden die Gefangenen los, laben sie mit Speise und Trank und geleiten sie nachher auf eine» Weg, der in ein zivilifirtes Land führt. Bis dahin, wie man sieht, hat man in Unbefangenheit ein Abenteuer schiffbrüchiger Matrosen vor sich; nun erst kommt die Reklame nach mit dem Aufstecken einer kaufmännischen Firma. „Man erwäge," heißt es weiter, „daß die Stiefel des Hoch-bootsmannes drei Tage lang Unwetter und Nässe zu bestehen hatten, jedoch ihr Spiegelglanz hielt ans, und dieser glückliche Umstand rettete ihm uud seiner Mannschaft das Leben. Die von ihm gebrauchte Wichse war aus der Fabrik von Daniel Aufschneider und Compagnie, mit deren Erzeugnissen keine andere „neuen wahrhaften Oesterreicherthums" sich zur Hauptaufgabe gemacht hat, schmählich gescheitert ist, erfreut sich diese seine Thätigkeit dennoch fort und fort bei den czechischen Organen der beifälligste» Beurtheilung. Dieser Beifall der Czechen mag auch der Grund sein, warum sich Graf Hohenwart beim Moiiarche» dafür verbürgen konnte, er werde, sowie er durch den Ausgleich mit Galizien die Polen im Reichsrathe festhatte, binnen kurzem auch die Ezecheu in den Reichsrath bringen. Dieser Zusicherung und dem Vertrauen in ihre Verwirklichung, das man an allerhöchster Stelle hegt, wird es auch zuzuschreibeu sein, wenn die Adresse vorderhand unberücksichtigt bleiben und dem Grafen eine weitere Frist für seine VersuchSpolitik zugestanden werden sollte.____________ Rückblick aus den Ausstand in Paris. Die Welt steht noch immer unter dem Eindruck der Pariser Ereignisse und wird sich vou denselben auch nicht so bald erhole». Die letzten Ueber-reste der Insurrektion, welche nach Viucemieö zurück-gedrängt wurden, haben sich am 29. Mai ergeben. Zahlreiche Versprengte werden noch immer als Ge-faugeuc eiugebracht. Das „Journal officiel" veröffentlicht einen Erlaß Thiers' vom 29. Mai, in welchem die Entwaffnung von Paris anbefohleu und die Auflösung der Nationalgarde des Departements Seine verfügt wird. Alles, was jetzt »ach Niederwerfung der Kommune in Paris wie in Versailles geschieht und vorbereitet wird, deutet auf eiue strenge, unerbittliche Reaktion hi», über welche alle Parteien der Nationalversammlung im Augenblicke einig sind, so weit auch ihre Bestrebunge» i» der Zukunft auseinander laufen mögen. Es wird ungemein schwer sein, beim unglücklichen Temperament der Franzosen, de» Rückfall aus einem Extrem ins andere weniger grell zu gestalten und den Anforderungen der Gerechtigkeit wie der Menschlichkeit gleichzeitig Rechnung zu tragen. In den Kreisen der Nationalversammlung herrscht rin wilder Jubel, der sich zunächst in ungeheuerlichen Anträgen kundgibt, wie der, den Verkauf des Petroleums, eines so unentbehrlichen Artikels, gleich dem des Schießpulvers zu beschränken, oder gewisse Anträge zur Knebelung der Presse, die an die schlimmste Aera des zweiten Kaiserreiches erinnern. Tiefer Schmerz ob der Ereignisse in Paris erfüllt die gesammte englische Presse, und daS leitende Journal, die „Times," kann selbst im Brande Babilous, im Falle Jerusalems und in der Plünderung Roms keine Parallele finden, während die „Daily News" den Brand von Moskau im Vergleiche mit den Flammen der Tuilerie» bloö eine militärische Maßregel nennen. Die merkwürdige Macht der Berichterstattung der englischen Journale zeigt sich auch bei dieser Gelegenheit. Während des Krieges zwischen Frankreich »»d Deutschland wäre» es die englischen Jouruale, die d»rch ihre Berichterstatter der Welt die detaillirte» Beschreibungen aller militärischen Vorgänge gaben. Einer der Berichterstatter der „Times" fiel auf de», Schlachtfelde, uud die Korrcspondcteu der „Daily News" waren in zahllosen Gefahren. Diesmal ist es abermals die englische Presse, welche der Welt einen Blick auf die Szenen hinter den Barrikaden gewährt und Bilder fotografirt, welche sonst unbemerkt vorübergegangen wären. Der Korrespondent der „Daily News" beschreibt die dämonische Freude, mit welcher Weiber Nationalgardisten, die an ler Insurrektion theilgenommen haben, aus ihren Versteckorten hervorschleppen uud de» Soldaten überliefern, welche sie nicht etwa erschieße», sondern mit ihren Gewehren erschlagen nnd sich wahre» höllische» Orgie» der langsamen Rache hingeben. Wohl hat dieser Korrespondent Recht, ferne» Brief damit zu schließe«: ES fehlt uus nur noch der Nero, der während des Brandes der Stadt die Fiedel spielt. Heber das Aussehen der gefangenen Jnsnr-genten wird der „(Steile beige" aus Versailles vom 22. Mai geschrieben: „Einer ersten Kolonne von 12-bis 1500 gefangene» Föderirten folgten im Kaufe des Tages fünf oder sechs andere von gleicher Zahl. Welcher Anblick! Die ganze Insurrektion ist darin vertrete»; die einen sind kräftige Arbeiter, gewöhnt an harte Eisenarbeit, Maurer, Zimmerleute; die anderen sind bleiche, magere Gestalten oder junge Bursche» vou 15,16 uud 18 Jahre». Diese trage» die Blouse, jeue eine Jacke, andere sind in Lumpen gekleidet. Biele tragen die Uniform der Nationalgarde oder die verschiedenen Kostüme der Franktireurs. Besonders fallen diejenigen auf, deren Erscheinung einen militärischen Anstrich hat und die entweder den Rock des Artilleristen, die Weste der Zuaven, oder den Mantel der Linieninfanterie tragen. Einige Granköpfe, die einen fast edel, die anderen scheußlich, hier stolze und entschlossene Blicke, dort abgespannte oder schamvolle Züge, Frauen mit harte» uud leidenschaftlichen Stimmen, andere, die wie arme Teufelcheu ausfehen, die um das Schicksal ihrer Ehegatten besorgt sind, Marketenderiune» i» ihrem schauspielerartigen Kostüm — so ist die menschliche Heerde beschaffen, welche in sich alle Leidenschaften, alles Elend der Insurrektion birgt. Geschrei, Schiiups-reden und Skandal begleite» diese Elende» dnrch die Straßen bis zur Höhe von Satory. welche sie in bloßem Kopfe unter einer glühenden Sonne ersteigen, um in dem Lager untergebracht zu werden, welches die Truppeu eben verlassen haben, um nach Paris zu marschiren." sich zu messen vermag. Man habe Acht auf die Echtheit der Etiquette." Auch in Deutschland ist man in Ausbildung der Reklame nicht zurückgeblieben; ihre Kultur erstreckt sich bereits bis in kleinere Lebenskreise hinab. Daß es nicht schüchtern dabei zugeht, ist bekannt genug; eine hervorhebende Erwähnung jedoch dürfte nachstehender Fall verdiene». Die Gräfin v. Don-dersberg aß für ihr Leben gerne Stockfisch, obwohl sie ihn so schwer verdaute, daß sie regelmäßig nachher an Magenbeschwerdeu litt. Jedoch als eine resolute alte Dame ließ sie sich das nicht ansechten, sondern er schmeckte ihr darum fast nur um so besser. Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht. Eines Tages wurden die Magenbeschwerden so arg, daß man Besorgniß schöpfte und eine Kutsche abgehen ließ, um de» besten Arzt aus _ der nächstgelegenen Stadt zu holen. Unglücklicherweise war Dr. Latua-rius gerade mit einer schweren Entbindung beschäftigt. Er könne jetzt nicht weg, ließ er sagen, komme aber so bald als nur immer möglich; für einstweilen möge die Gräfin cs mit einer Schnitte guten alten Emmenthalers versuchen, was ein schon oft bewährtes Verdauungsmittel nach dem Genufse vou Stockfisch sei. Als er am folgenden Morgen in Dondersberg eintraf, empfingen ihn vorwurfsvolle Blicke. Es war zu spät, die Gräfin war in der Nacht gestorben. Er fragte nach, ob sie seinen Rath befolgt habe, zur Antwort zuckte man mit den Achseln, und so that er seinerseits zur Erwiderung auch. Nun aber wollte er beweisen, daß sein Rath einen guten Grund gehabt, und nahm unter Beiziehung von Zengen die Sektion vor. Hierbei fand sich im Mage», wie man erwartet hatte, der gciiofsciie Stockfisch als ei» unverdauter Klumpe», allein Dr. Latuarius, nicht faul, streute geriebenen Emmen« thalcr darauf, nähte wieder zu, und als man nach einigen Stunden von neuem auffchnitt, stellte sich heraus, daß der Stockfisch nunmehr richtig verdaut war. So wenigste»« die allgemeine Sage. Mit Recht machte eine so wunderbare Begebenheit Aussehen. Wiener Lotterieschwester» hätte» daraus die Ziffer» zu einem Ternosatze zusammengesucht; ein speknlirender Kaufmann jener Gegend aber ließ die Geschichte drucken und verwerthete sie als Puff durch den Zusatz: „Derartiger Emmenthaler, unschätzbar während der Fastenzeit, ist zu haben bei Jakob AmS-born, Platanenstraßc Nr. 17; Abnehmer größerer Posten erhalten Rabatt." (Fortsetzung folgt.) Politische Rundschau. Laibach, 1. Juni. Inland. Die Adresse des Abgeordnetenhauses wurde am 30. Mai Sr. Majestät vom Präsidium überreicht. Die Antwort des Kaisers kc»ueu wir in allgemeinen Andeutungen; der Wortlaut wird in der morgigen Sitzimg dem Hause mitgetheilt werden. So viel bis jetzt »o» dieser Antwort verlautet, labe der Kaiser den Ausdruck der Loyalität und Treue in der Adresse anerkennend hervvrgehoben und das Haus zur Mitwirkung bei der Herstellung des inner« Friedens aufgefordert. Er selbst, wie die Regierung streben dies Ziel auf verfassungsmäßigem Wege an. Hiemit ist das dem Ministerium vom Haufe crthcilte energische Mißtrauensvotum abgelehnt. Welche Folgen dieser Schritt btt Krone iu der Haltuug des Abgeordnetenhauses nach ich ziehen werde, ist abzuwarten. Zunächst verlangt aS Ministerium natürlich die Bewilligung des Budgets uud die Geuehmiguug der galizischc» Vorlage. Nun wird sich zeigen, ob das Haus einem Kabiuet, dem es sein Mißtrauen auf so eklatante Weise kund gegeben, die Mittel zur Fortexistenz so ohne weiteres bewilligen wird. Wie der „Volksfreund" hört, find Graf Elam-M a r t i n i tz und R i e g e r in Wien und verhandeln eifrig mit der Regierung; im Hanfe .Hohen* wart's sollen auch Berathungen mit Mitgliedern der Rechten des Abgeordnetenhauses ftattfinden. Dazu bemerkt selbst der „Volkssreund" : „Das kann gar nichts an der Thatsache ändern, daß die Regierung von der deutschen Partei politisch vernichtet st, und daß sich in Oesterreich ohne die Deutschen denn doch nicht regieren läßt." Die polnischen Blätter fahren fort, die jüngsten Reden der Herren Klaczko und Czerkawski zu kri-tisiren und die Haltung ihrer Abgeordnete» überhaupt zu rügen. So sagt unter ändern der „Dzien* nik polski": „So tief, wie jetzt, sind wir noch nie ge» unten. Wir werden bei dieser schiindlichen Speicht cckcrci schön davon kommen. In der ganzen werden wir, die den polnischen Namen entehren, verhaßt und, was ärger, verachtet sein. Die Regierung aber, der wir dienen, wird uns im Falle des Sieges der Obhut von Gendarmen und Jesuiten auvertrauen." Das Blatt veröffentlicht auch Stimmen aus dem Lande, die mit Entrüstung über den Knechtessinn der polnischen Abgeordneten den Stab brechen. Der „Tagesbote ans Mähren" enthält interessante Enthüllungen über die außerparlamentarischen Stützen des Ministeriums Hohenwart. Trotz des Dementis der „Wiener Abendpost" wird Kabiuets-rath Braun als derjenige bezeichnet, welcher die Ideen des Föderalismus durch Läuder-Delegativuen zur Anerkennung bringen wird. Der Kabiuetsrath soll zu diesem Zwecke einen mährischen Geistlichen und Gelehrten vor längerer Zeit aufgefordert haben, einen diesfälligeu Plan zu liefern. Ausland. Der Erzbischof von München, wo gegenwärtig in DöllingerS Hans ein Kongreß von Altkatholikeu tagt, hat Maßregel» getroffen, um die Gegner der päpstlichen Unfehlbarkeit i» seiner Diözese daö ganze Gewicht seiner bischöflichen Macht fühlen zu lasse». Die Seelsorger der Diözese Miiiichen-Freising wurde» angewiesen, jedem Beichtenden die Absolution zu verweigern, wenn er, um seinen Glauben an das unfehlbare Lehramt des Papstes befragt, als Gegner dieses Dogma's sich erklärt. Und ferner wurden die Seelsorger verpflichtet, ihren ganze» Einfluß bei den Frauen und Töchtern der „Verirrten" geltend zu machen. Die letztere Verfügung dürfte wohl überflüssig sein, da sich die geistlichen Herren jenem Theile ihrer Ausgabe, der iu der Ei»" flußuahme auf die Frauen nnd Töchter von Ver^ irrten besteht, stets mit großem Eifer gewidmet haben. Die Führer der freidenkenden Katholiken in Deutschland aber dürfen dem Erzbischose von München dankbar dafür sein, daß er Maßregel' dafür trifft, welche selbst dem beschränktesten Kopse über die höchst weltlichen Zwecke, welche die Bischöfe verfolge», Klarheit schassen müssen. Von den Ultramontanen werden große Anstrengungen gemacht, am 16. Juni, dem Jahres -ged eichtniß von des Papstes Wahl, eine überwältigende Kundgebung in Szene zu setzen. Zufüllig ist aber derselbe Tag auch der Jahrestag, an welchem der Papst Italien segnete und Oesterreich aussorderte, freiwillig die Lombardei und Venedig abzutreteu, und um ihren Gegnern nun das Spiel zu verderben, beabsichtigen die römischen Liberalen, den Tag mit einer großen Feierlichkeit zu begehen. Nicht nur soll die ganze Stadt feiern, sondern die Straßen werden im dreifarbigen Flaggen -schmuck prangen, und bei Nacht wird die Stadt auf Kosten der Munizipalität beleuchtet werden. Die Kündigung dieses Beschlusses hat im ultrainon-tanen tzager keine geringe Verwirrung angerichtet. Die Gesellschaft zur Wahrnehmung der katholischen Interessen versammelte sich in aller Eile und entschied sich dahin, die Anhänger des Papstes'sollten keine Demonstration halten. Indessen hat es doch seine Schwierigkeiten, eine auf so großem Fuße or-ganisirte Demonstration ganz ins Stocken zu bringen. Manche der Deputationen aus der Provinz und vom Auslande her können nicht wohl zurückgehalten werden, und diese Leute werde» mit Verwunderung Zeugen der Ehrenbezeigungen sein, welche den, Papste von Jenen gezollt werden, die ihn angeblich gefangen halten. Die Jesuiten dringen unter Wchen Umständen ernster als je darauf, daß der Mpst von Rom abreisen müsse. Sie fürchten selbst den Einfluß der Demonstration des Volkes auf den Papst, dessen Enthusiasmus durch das Alter keineswegs geschwächt ist. Papst Pius IX. hat am 15. Mai eine Enzi-klika an alle Bischöfe erlassen, worin er die Garantien der italienischen Regierung „als ein Machwerk der Lüge und Heuchelei und eine Verletzung der päpstlichen Rechte und Freiheit" bezeichnet und zugleich gegen diese rechtslosen Garantien protestirt die Bischöfe auffordert, mit den Gläubigen ihrer Diözesen den Beistand Gottes zu erflehen, damit der Kirche Friede, den Völkern Ruhe und den Feinden die Bekehrung zu Theil werde. Inzwischen ist jede neue päpstliche Enziklika eine neue Kriegserklärung an die ganze gebildete Welt, und so lange noch solche Schriftstücke von Rom aus pu-WzH't werden, wird der Kirche gewiß niemals der miede, den Völkern niemals die Ruhe zu Theil werden, und statt der Bekehrung der Feinde wird nur der Abfall der Freunde erfolgen. Zur Tagesgeschichte. — Die Sozial-Demokraten Wiens |M>en den ersten Pfingsttag zu einer Versammlung in ^.-Neustadt benützt. Man sah und hörte die ge-Ähnlichen Faiseurs; die paar Reden und die studirten ^ravos, alles ging wie am Schnürchen. Ein Redner (Scheu) kam auf die Borgänge in Paris zu sprechen: $?Qn gerathe in Entsetzen und Erstaune» über dieselben. Man begreife diese Barbarei nicht! Wir, rust der Sozialdemokrat aus, begreifen sie. (Zustimmung.) Dreimal hat das französische Volk Brot ge« fordert, 1830, 1848 und 1853, jedesmal hat man 16 "'^ergefeuert! Und heute wundert man sich, wenn gegenüber dem furchtbaren Drucke eine so entsetzliche /teartion eingetreten ? Er billige sie nicht und wolle E nicht beschönigen, aber er begreife sie. (Zustimmung.) 518 Mittel gegen solche Vorgänge empfiehlt Redner allgemeine Stimm- und Wahlrecht. Die Pariser Kommunisten hatten bekanntlich im Augenblicke, da sie entsetzlichen Greuel begingen, noch weit mehr Frei-Wen. Das Wahlrecht hat mit solchen entmenschten fördern nichts zu thun, und es hätte den Wiener vzial-Demokraten wahrlich weit besser angestanden, gegen die blutige Pariser Kameradschaft laut zu pro-I 'ren, statt sich selbst durch die halbverhüllte Zustim-Un9 aus immer in Wien zu distreditiren. to — Der Abgeordnete Dr. Klier, welchem das eserat über die verschiedenartigen Petitionen um Auf- hebung des Zeitungsstempels übertragen war, hat feinen Bericht vollendet. Er beantragt in demselben gänzliche Aushebung des Inseraten-, Plakaten- und Zeitungsstempels und es ist zu erwarten, daß sich der Ausschuß diesem Antrage anschließen werde. — Die „Berliner Montags-Zeitung" schreibt in ihrer Rubrik, die sie sarkastisch .Die Wahrheit" benennt, aus Wien: Bald nach dem Rothbuch soll den Delegationen eine die Zustände der einzelnen Reichs-theite in Bezug auf die ©efammtheit schildernde Sammlung von Aktenstücken vorgelegt werden. Diese Sammlung wird den Titel „Bunt-Buch" führen. — Ein Korrespondent schreibt aus Mährisch-Neustadt der „Olmützer-Zeitung" : Schon öfter klopfte an meine Thüre, bittend um ein Almosen, ein Greis, dessen Züge eine unaussprechliche Wehmuth ausbrücken; sein verschämter Blick gibt nur zu deutlich Zeugniß, wie schwer ihm bas Betteln ankommt. Auf meine Frage hörte ich fotgenbe Erzählung: „Ich bin ber alte Lehrer von Moskele bei Oskau, geboren zu Mar-kerSborf im Jahre 1780, unb heiße Josef Weigel, bin baher 91 Jahre alt. In meiner Jugenb war ich 16 Jahre Schulgehilse in Dollein, worauf ich nach Moskele versetzt würbe, wo ich als selbständiger Lehrer burch 42 Jahre wirkte — unb war somit burch 58 Jahre im Jugenbuntemchte thätig. Im Jahre 1848 warb ich burch 29 Wochen an bas Krankenbett gefesselt, trat die Schule meinem Sohne ab, der annoch „Provisor" der Schule ist. Ich erhalte als Pension täglich 91/8 fr. O, wäre ich bamals gestorben! Der Herr hat es nicht gewollt. Jetzt kann ich, wie Sie an mir sehen, nicht mehr arbeiten — unb so bin ich zum Betteln gezwungen, um mich unb mein 79jähriges Weib, mit bern ich im Ehestanbe burch 53 Jahre lebe, zu ernähren. O, es fällt mir sehr schwer!" Die Kleibung bes Armen war bie eines recht bedrängten, verschämten Bettlers. Er ging mich um ein Beinkleid an, da das seine mit mancherlei Flecken geflickt war. Ich wurde gerührt bei solcher Erzählung. Es trat mir eine Throne ins Auge unb — wahrlich ich schäme mich ihrer nicht. Ein Mann, bet dem Staate burch 58 Jahre gedient, Derbtente wohl ein besseres Los. — Ist benn niemand berufen, hier zu helfen und dem armen Lehrer seine letzten Lebensstun-ben etwas erträglicher zu machen ? — Was bie Verheerung von Paris insbesondere in geschäftlicher Beziehnng zu bebeuten haben wird, ist noch unabsehbar. Von ben großen Instituten bürste zumal der Kredit Foncier empfindlichen Schaden gelitten haben, da zumal auf städtische GrunbstUcke sein Psaubbriesgeschäst ein sehr schwunghaftes war. Die Assekuranz-Gesellschaften werden naturgemäß durch bie flatastrose ber letzten Tage zum Theil ruinirt fein. Von unsagbarer Bedeutung ist die Zerstörung im Stadthaus von Paris, wo das Depositenamt Milliar-ben von Kautionen hütet unb wo bie Grundbücher von Paris niedergelegt sind; doch scheint bas Feuer den rechten Flügel, in welchem biese Registraturen sich befinben, nicht ergriffen zu haben. Unversehrt blieb das Haus der Familie Rothschild, und auch die Ma-gastns Reunis, an denen die Anglobank bekanntlich ein Interesse hat, sind nur durch ein paar Schüsse äußerlich beschädigt. — Prinz L u l u ein Giftmischer. Aus Kassel wird geschrieben: In diesen Tagen traf hier die Nachricht ein, daß der vor kurzem in die Dienste des Kaisers Napoleon getretene Friseur Rothstein, Sohn des hiesigen Hoftheater-Friseurs, in Folge einer an ihm versuchten Vergiftung im deutschen Hospital zu London schwer erkrankt darniederliege. Wir theilen die Einzelnheiten dieses höchst bedauerlichen Vorfalles nach dem „Neuen Kasseler Anzeiger" mit, besten Berichterstatter jeboch nicht für bie Genauigkeit berselben entstehen kann. Herr Rothstein soll nämlich, wie erzählt wird, nachdem er in Gesellschaft von Leuten aus der nächsten Umgebung des Kaisers etwas genossen haue, plötzlich zusammengestürzt sein, und hätte der zufällig in der Nähe sich befindende Leibarzt Dr. Gor-visard erklärt, es handle sich hier um Vergiftung. Die ohne Verzug angewendeten Gegenmittel führten glücklicherweise eine Besserung in dem Zustande des Kranken herbei und war es möglich, ihn dem deutschen Hospital anzuvertrauen. Die sofort eingeleitete Untersuchung soll ein Individuum ermittelt haben, welches behauptet, von dem jungen Prinzen gedungen gewesen zu sein, den ihm verhaßten Deutschen gegen eine gewisse Summe aus der Welt zu schassen. Es wäre dies eine so entsetzliche Verwirrung eines jugendlichen Gemüthes, daß unser Gefühl sich noch sträubt, jener Aussage schon jetzt unbedingten Glauben beiznmeffen. Beiläufig bemerkt, hatte Napoleon Herrn Rothstein, welcher ihn während seiner Gefangenschaft auf der Wilhelmshöhe täglich frisirte, liebgewonnen und ihn später von England aus auffordern lasten, ihm dorthin zu folgen. Wir unsererseits trauen Sulu einen so gefährlichen Deutschenhaß nicht zn und sehen mit Spannung aus England der natürlichen Erklärung jenes Vergiftungsfalles entgegen. Lokal- und Provinzial-Angelegenheiten. Lokal-Chronik. — (Der Herr Statthalter Baron Conrad) verließ mit dem heutigen Schnellzuge unsere Landeshauptstadt, um an feinen neuen Bestimmungsort Linz abzugehen. Ein zahlreiches, allen Ständen angehöriges Publikum gab demselben das Geleite. Wir bemerkten darunter den Bürgermeister und mehrere Gemeinderäthe, Vertreter der Handelskammer, der Geistlichkeit und Beamte aller Dikasterien. — (Statthalter Baron Konrad ein Lutheraner!) Wiener Blätter lassen sich von ihren Korrespondenten aus Oberösterreich berichten, daß man baselbst in allen Kreisen ber Ankunft bes neuen Statthalters mit großer Spannung entgegensehe. Ganz be-sonberS aber seien es bie Protestanten Oberösterreichs, welche in ber Wahl desselben ein außergewöhnlich bemerkenswerthes Ereigniß finden. Leiber müssen wir die schönen Hoffnungen unb Illusionen, die man auf den angeblichen Protestantismus des Herrn BaronS baut, grausam zerstören, benn uns ist selber nur als recht guter Katholik bekannt. Uebrigen» wäre in der Stadt bes guten Bischofs Rubigier ein lutherischer Statthalter ja auch ein Greuel! — (AuS dem k. k. Landesschulrathe.) In der Sitzung am 4. Mai gelangte ein Bericht eines BezirksschulratheS zur Verhanblung, wonach sich An. stänbe wegen Einsetzung eines Ortsschulrathes deshalb ergaben, baß fast alle Gemeinbevertreter im Winter auf Hausierhandel abwesend sind. Es wurde beschlossen, durch entsprechenbe Belehrung bahin zu wirken, baß wenigstens bie Ersatzmänner aus solchen wählbaren Mitgliedern ber Gemeinbe gewählt werden, welche beit größten Theil des Jahres zu Hause zubringen. Für die Lehrerbildungsanstalt wurde eine Dienerstelle mit 300 fl. Gehalt und 50 fl. Quartiergeld sistemisirt. Die Gesetzentwürfe, betreffend die Errichtung unb Erhaltung ber öffentlichen Volksschulen, bann die Recht«. Verhältnisse bes Lehrerstanbes an Volksschulen in Ärain, bie nach Anordnung bes Unterrichtsministers einer Überprüfung durch den Landesschulrath unterzogen werben sollen, würben einem AnSschuste aus 4 Mit« gliebern zur Vorberathung zugewiesen. Diese Mitglieder sind: RegierungSrath Hozhevar, Dr. Bleiweis, Domprobst Pogaöar und Lehrer Praprotmk. — (Der Handels-Kranken- und Pensions-Verein) begeht Sonntag den 4. Juni sein Gründungsfest mit Abhaltung einer Messe in der Stadtpfarrkirche St. Jakob um 11 Uhr. Auf Ansuchen der Vereinsdirektion wird der Damen- und Herrenchor der filhartnonischen Gesellschaft unter Leitung des Herrn Musikdirektors Ncdved die Messe mit Gesang begleiten. — (Ein bemerkenswerthes Gestand-niß.) Als im vorigen Jahre ber Krieg zwischen Frankreich unb Deutschland ausbrach, standen bekanntlich Slovenen und Klerikale auf Seite erstem Macht und forderten laut Oesterreichs Einmischung zu Gunsten des Beschützers der weltlichen Papstherrschaft unb ergingen sich in Schmähungen der Deutschen, die für die Neutralität Oesterreichs kämpften. Nun tritt der flovenisch-klerikale Verein in Marburg mit einer Resolution hervor, in welcher unter anderem gejagt wird: „Ohne bit österreichische Neutralität hätte der preu-ßisch-sranzösische Krieg gewiß noch größere Ausdehnung angenommen und schließlich unfern Staat in die äußerste Gefahr gestürzt." Ganz richtig, nur ist nicht zu vergessen, daß unsere Slowenen und Klerikalen es nicht waren, welchen Oesterreich seine Neutralität und damit die Rettung aus der „äußersten Gefahr" der Zertrümmerung verdankte. — (Aus Adelsberg) wird uns mitgetheilt, daß die Karten für den Besuch der Grotte am Pfingstmontage den ganzen Tag Über in einem offenen Stande bei der Einmündung der Grottenzufahrt in die Reichsstraße verkauft und am Eingänge der Grotte eigentlich nur ausnahmsweise abgegeben wurden. Dann wäre es aber nur zu wünschen gewesen, daß der Ort für den Tagesverkauf der Karten in einer auffälligeren Weise kenntlich gemacht wurde, so wie es uns jedenfalls nothwendig scheint, das heillose Gedränge am Eingänge der Grotte, es mag aus welchen Ursachen immer entstehen, durch zweckmäßige Anordnungen hintanzuhalten. — (Zum unfreiwilligen Seebade der steierifchen Wallfahrer in Veldes.) Am 22. Mai begaben sich, wie alljährlich um diese Zeit, aus Steiermark kommende Wallfahrer zum Luschari-berge. Da sie jedesmal auch die Jnfelkirche in Veldes besuchen, so fuhren sie auf mehreren Kähnen nach derselben. Als einer dieser meist mit Weibern beladenen Kähne sich der zur Jnfelkirche führenden Stiege näherte und anlegen wollte, drängten alle nach vorwärts, weil jede die erste draußen sein wollte, der Schnabel des Schiffes senkte sich, das Schiff schlug um, und alles stürzte in den See. Da schon einige der übrigen Schiffe angelegt hatten und Leute in Menge auf der Insel waren, konnten die meisten gleich herausgezogen werden. Vier Weiber verloren das Bewußtsein und sanken unter, wurden jedoch alle herausgezogen und die sogleich angewendeten Belebungsversuche hatten guten Erfolg. Da man ober nicht wußte wie viele Leute eigentlich auf dem Schiffe sich befanden, so war e6 um so schwieriger, zu eruiren, ob noch jemand fehle. Man warf also Netze ans, allein man fand niemand mehr. Da auch bis heute noch keine Leiche ausgeworfen wurde und von keiner Seile trotz der Nachfrage jemand vermißt wird, so ist gegründete Ursache vorhanden, anzunehmen, daß niemand ertrunken. Eingesendet. Unterleibsbruchleidende werden aus die in dieser Nummer enthaltene bezügliche Annonce von G. Ttnrzen-tßfirr aufmerksam gemacht. t Höchst beachtenswerth für alle Diejenige», welche geneigt sind, aus eine solide und Ersolg versprechende Weise dem Glücke die Hand zu bieten, 'ist die im heutigen Blatte erschienene Annonce ■ des Hauses w Botlenwleser A' Co. in Hamburg;. | Witterung. Laibach, 1. Juni. Morgens trübe, der Krimberg in Nebel gefüllt, später theilweise Lichtung, schwacher Ostwind. Wärme Morgens 6 Uhr -f 10.8“, Nachm. 2 Ubr > 17.2° R. (1870 +12.6°; 1869 -|- 15.7”). Barometer 325.01"' im fallen. Das gestrige Tagesrnittel der Wärme + 14.3", um 0.8° über dem Normale. Bom Monate Juni besagt die Bauernregel: Juni trocken mehr als »aß. Füllt mit gutem Wein das Faß. Wen» »atz und kalt der Juni war, Verderbt er meist das ganze Jahr. Donnerts im Juni, so geräth da§ Korn. Nordwind im Juni, weht Kor» nnd Wein ins Land. Angckommcne Fremde. Am 31. Mai. Stadt Wien. Sindicki, Doktor, Triest. — Orecko, Schuldirektor, Görz. — Pollok, Kanfm., Wien. — Brodlaj, Private, Triest. — Ritter v. Goßlct, Hrastnig. — Lesti», Küinmerjungser. Trieft. — Mnsqnitter, Handelsm., Kci nifcha. — Ritter v. Bcstenek, Beamter, Gnrkfeld Klefaiil Reifinger, Agent, Triest. — Graf Scribani, Jll.-Feisiriz. — Grünhut, Agent, Triifl. — Gruden, Landwehrlieut., Adelsbirg. — Tr. Scbuloss, Advvkatnrs-Kandidat, Wien. — Jallheim, k. k. Hofrath, Wien. — Frau C. Cnrtius und Frau S. Doederlein, Stuttgart. — E. D. Mei.r, Wisandotte. — Kruß, Kausm., Wie». — Okoru, Podliso. — Hirschler, ft aufm., Wien. — Ärenn, Kanfm, Gottschee. — Nusso, Triest. — Thomann, Kropp. — Stampfel, Privat, Gottschee. Dal Corso mit Familie, Beroua.______________________ Verstorbene. Den 30. Mat. Dem Johann Doliner, Inwohner, sein Kind Florian, alt 2 Jahre, im Elisabethkinderspilale an der Gedärmentziindung. Den 3 1. Mai. Agnes Reinert, Tischlersgatti», alt 39 Jahre, im Zivilspital an der Abzehrung. — Peter Fink, Pens. Kanzleidiener, alt 61 Jahre, in der Stadt Nr. 100 an der Lnngensncht. Gedenktafel über die am 5. Juni 1871 stattfindenden Lizitationen. 3. Feilb., Dolenc'sche Real., i'aibad), LG. Laibach. — 2. Feilb., Weslej'sche Real., Laibach, LG. Laibach. Telegramme. Wien, 31. Mai. Die „Wiener Abendpost" meldet: Auf die Mittheilung der nordamerikanifchen Regierung, daß die amerikauifch-spanischc Kommission in Washington zur Austragung der aus der Insurrektion aus Kuba gegen Spanien hervorgegangenen Ansprüche den österreichischen Gesandten Baron Lederer zum Obmann des Schiedsgerichtes gewühlt hat, ertheilte der Kaiser bereitwilligst seine Zustimmung, daß Lederer diese Aufgabe annehme. t Oeffentlicher Dank. Wir beehren und, dem hochverehrte» hiesige» Ossizierskorpö, alle» Freunden und Bekannten, sowie den zahlreichen Theilnehmer» a» dem Leichenbegängnisse des verewigten Nikolaus «itofer, k. f. Lieutenants in Pension, NamenS der übrigen nicht anwesenden Familien Mitglieder unjern innigsten, tiefgefühlten Dank hiemit öffentlich ansznsprechen. (251) Margarethe Likoscr, Witwe des Verstorbenen, Math. Zuvba, k. k. Telegrasenbeainter, Schwiegersohn. Ein Fvrtcpianv von Streicher in Wien, Palisanderholz, beste Konstruktion, wegen Abreise um 400 fl. zu verkaufen. Anfrage: Neuer Markt im Landhause beim Portier. (247-2) Die besten und billigsten Nähmaschinen, mit fünfjähriger Garantie, sind z» habe» Klage,lfnrter-strastc Rr. 8*3, zweite» Stdrf. Auch wird das Maschin »ähen gegen ein Honorar von 5 fl. gründlich gelehrt. (Greifer ü 70 fl., Ketten ü, 70 fl., Selititzen- nanicliincu stärkste Gattung ü 90 fl. (252—1) /nr ilntcrlcilistiriidjlcibcnbf. Die Brnchsalbe von tz). Ltnrzcnegaer in HcriSüU, Schweiz, hat in Folge ihrer vorzüglichen Wirksamkeit bei Nnterleibsbriichen, Muttervorfällen und Hämorrhoiden vielseitigsten Dank geerntet. Zahlreiche Atteste bestätigen eine vollständige Hciltutfl selbst bei veralteten Füllen. Ans frankirte Anfragen wird Gebrauchsanweisung gratis versendet. — Zn beziehen in Töpfen zu 3 fl. 20 kr ö. W sowohl durch den Ithfinder selbst, als durch Herrn )oscs WriS zur Mohrenapotheke, T»chla»ben Nr. 27 in Wie». (177-5) Taufende werde» oft an zweifelhafte Unternehmungen gewagt, während vielfach Gelegenheit geboten ist, mit geringer Einlage zu bedeutenden Kapitalien z» gelangen. Dur» ihre «ortheilhafte Einrichtung ganz be , sonders zu einem soliden Glückversuche geeignet ift| die vom Staate Hamburg genehmigte und garan-tirte große Geld-Berlosung, ’ ‘ , ' . Million Mark! eventuell als Hauptgewinn, überhaupt aber Gewinne I von Mark 150.000 — >,»0.000 30.0001 — 40.000 — 25 000 — 2mal 20.000 I 3mal 15.000 — «mal 12 000 - Imnl 11.000 - «mal 10.000 - 4mnl 8000 - 3mnl 00001 I — IImal 5000 — 2mal 4000 - 28mnl 3000 — lOtiinal 2000 — timnl 1500 -5 mal 1200 — 150 mal 1000 — 20«mal 500 ic. IC bietet obige Verlosung in ihrer Ge-1 samintheit »»d kann die Betheiligung um so mehr I empfohlen werde», als weit über die Hälfte derl Lose im Laufe der Ziehungen mit Gewinn gezogen I werde» müssen. Zu der schon am 31. Sunt d. I stattfindenden 1. Ziehung kosten: vianze Vrigiiial-Lvse fl. 3\, Halbe „ „ „ \\ i e Stticvtcl ft pf tt | ivobei wir anSVriicklich bemerke», daß von uii6 nur die wirkliche», mit ven, amtlichen Wappen versehenen Orifliual=Vofe versandt werde«. t Das Unterzeichnete Großhandlungshaus wird I i geneigte Aufträge gegen Einsendung des Betrages I in Banknoten sofort ausführen und Verlosungs-1 I Pläne gratis beifügen; auch werden wir wie bisher I i bestrebt sein, durch pünktlichste Uebersenintug der I amtlichen Ziehungslisten, sowie durch sorgsamste ^ Bedienung das Vertrauen unserer geehrte» Interessenten zu rechtfertigen. Da der größte Theil der Lose beeeits l placirt ist nnd bei den, lebhaften Zuspruch,! dessen st* uiisere gliiekliche Kollekte er > freut, die iiotb vorräthige» Lose bald Verl griffe» fei» durften, s» beliebe inn» firfil mit B stellunge» baldigst direkt ,» wen-' ! de» an (22t)—5) Bottenwieser & Co., Baut- und Wechselgeschäft in Hamburg;. I Wiener Börse vom 31. Mai. Staatsfonds. öperc.Rente, üst.Pav. bto. dl», öft.in Silb. Lose eon 1654 . . . fcoie eon 1860, ganze Lose von 1860, günst. Vrämiensch. e. 1864 . Q-rundentl.-Obl. Stetermat! ju 5 piet. Karaten, Jtrain a.flcftenlanb 5 „ Ungern . . |U5 „ Ätoat. u. Stao.5 „ Liebenbürg. „ 5 „ Aotlen. «attonaltanl . . . Union - Bank . . . lirebitanftatt . . . tt. ö. e6. Hvxoth..«ank. f. 9 10 69 SO „ . 95.— 95 50 Prlorit&ta-OUIlg. 101.60 102 25 6ttbb..@el. jusoogr. bto. Bon« 6 pikt. Vlotbb. (100 fl. EM.) Ei-b.°B.(200fl.i>.w.) Staatsbahn Pr. Stück StaatSb. pr. St. 18(17 Wubolfeb.isoofl.ö.ro.) grani-Orf. (200 fl.©.) Lose. Scebit loo fl. ö. SD. . Don.-DampssS.-Sel. ju 100 fl. CM. . . ■trieftet 100 fl. EM. . bto. so fl. ö.W. . Ofenct . 40 fl. ö.W. Salm . „ 40 „ | 176 50 177.-177.25 177 75 i I es 60 P2.8C 8Ü.25 89.5« 106.851106.5« 86.80 87.- @elb wart 110.75 111 — $38.- $39 -99.— ' 99.r» 88.75 89.J0 1S9.J5 189.76 135.— 135.f0 90.60 90 80 96.90 97.10 171.— 171 60 102.60 103.50 Kl.— 184.— 58.— 60.--3«.— 86.50 40 501 41.' SO.— 1 80 60 31.-, 86.-; SU.— 30.50 £1.501 28.50 22.— 13.-17. — ISIS.- 15.50 108.20 103. J“ 103.W BereinSthaler Silber 103.5t. 124 20 5.88 9.88* 1.83 122.85 124. Jß 5.8» 9.8», 182 36 Telegrafischer Wechselkurs vom 1. Juni. 5perz. Rente österr. Papier 59.40. — 5perz. Re»» österr. Silber 69.15. — 1860er Staatsanleben 101.90. r" Bankaktien 793. — Kreditaktien 283.90. - London 1?-^"' - Silber 12175. - S. k. Münz-Dnkaten 5 85. — R»-poleonsd'or 9.84 V,. Druck eea 3gü. L. Älemmapt 4 tzer. MJasoSet® in Laibach. Ber'.ezrr unB für die Redaktion verantwortlich: Dttcmar Bamberg.