Wahlfpruchr Was roh begehren von der Ankunft Ferne»» Daß Brot und Arbeit uns gerüstet stchen. Daß unsere Kinder in der Schule lernen Und unsere Greise nicht mehr betteln gehen. G. Herwegh % ÄleMnRr. 2325,10.526 H. 10.512. bftClgontC 38.418. iseMhnll Zenlralorgan des Oesterreichischen Eisenbahn-Personales. RedMm: Wien V/i, Brauhausgaffe 84. ReLakttonrschlut: Zwei Ta,« »er ton Erscheine» de» Blatte». Sprechstunden sind jeden Tag m!t Ausnahme der Sonn- und Feiertage von 10 Uhr vormittags bis V*4 Uhr nachmittags. Insertionspreis: Lie einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 14 Heller. Bei Jahresauftrag Rabatt. Abonnements-Bedingungen: Halbjährlich...............................Kr. 2-88 Ganzjährlich .............................. 2-76 Kür das Deutsche Reich ganzjährlich Mk. 6'—. Für das übrige Ausland ganzjährlich 6 Franken. Erscheint jeden 1., 10. und 20. Im Monat. Nr. 19 Wien, den 1. Suli 1914. 22. gahrg. Set Mord — von der Moral gestaltet. Die Arbeiterschaft ist eine unbedingte Anhängerin der Geschwornengerichte, weil sie in ihnen einen Ansatz zur wirklichen Volksjustiz erblickt. Es ist gut und notwendig. sich dies zu wiederholen, denn die Geschwornengerichte haben sich in den letzten Jahren in Oesterreich nicht wenig -bemüht, die Arbeiterschaft von dieser ihrer Ueberzeugung zu befreien. Was die Geschwornen an beabsichtigten und bewußten Fehlurteilen in den letzten Jahren gefällt haben, ist schon eine sehr starke Herausforderung, die nur das eine beweist, daß der Kampf um Demokratisierung des Gerichtswesens eine immer dringlichere Ausgabe wird, eine Aufgabe, an deren Lösung auch die Gewerkschaften in hohem Grad interessiert sind. Die Dinge sind schon so weit gediehen, daß man von den Geschwornen nur die Reinkultur von Klassenjustiz erwarten kann, daß gerade dort, aus purem Klasseninteresse heraus, — die schönsten Justizmorde begangen werden. Das muß anders werden. Es genügt nicht, daß die Arbeiterschaft immer mehr Abscheu und Widerwillen vor den Geschwornen bekommt, sondern es muß um Aenderung des Wahlmodus, der Auswahl der Geschwornen, gekämpft werden, wenn wir nicht die Mitschuld auf uns laden wollen, daß Urteile wie eben jetzt wieder in Graz gefällt werden. kann zufrieden schmunzeln: „Das ist ja nicht so schlimm geworden", und Mattaschitz bringt dem Mordbuben einen vollständigen Freibrief. Und noch ein zweites ist jetzt klar. Kunschak hat auch Schule gemacht. „Ich habe das Bild vor Augen gehabt," sagte Mattaschitz, „daß ich zugrunde gehen muß. Dann ist mir das eingefallen vom Kunschak, und ich habe mich gefürchtet, daß ich auch so unmöglich bin, wie der." Also wieder glücklicherweise ein Opfer des Terrorismus der Gewerkschaftsbewegung! Wie interessant, daß diese bedauernswerten Opfer des Terrorismus vor dem Terror, den sie alle selbst ausüben und so brutal ausüben, nicht zurückschrecken! Fast könnte man daraus den Schluß ziehen, daß die Streikbrecher, daß die Verräter der Arbeitersache eben für jedes Verbrechen reif sind. Und solche traurige Gestalten sollen erhöhten Schutz genießen, während man die freie, die anständige Arbeiterschaft knebeln will. Kunschak, Mattaschitz und Kciling, das sind Märtyrer des Verteidigungskampfes der Profitjäger: solche Leute werden und müssen geschützt werden im Interesse des Profits, und wenn dabei die Moral hundertmal zugrunde geht. Moral?! Wie ist uns da? Zweimal wurde im Grazer Prozeß von der Moral geredet. Da sagte der öffentliche Ankläger die merkwürdigen Worte: „Jede wirtschaftliche und politische Organisation zeigt mitunter Formen, über deren sittlichen Gehalt man manchmal Grazer Geschworne. haben den Attentäter aus den ^Litemckann," Wir geben ohneweiters zu, daß sich die Lgndesvcrtrauensmann der Schneiderorganiwiion vdm | Entwicklung per wirtschaftlichen Verhältnisse, daß sich der ganze Klassenkampf eine neue, eine andere Moral zurechtgemacht hat, als sie früher galt. Aber niemand Mordversuch freigesprochen. Wieder einmal ist ein. Verbrechen, das an einem Wortführer der organisierten Arbeiterschaft begangen wurde, für straflos, für zulässig erklärt worden. Dir Arbeiterschaft ist nunmehr vogelfrei, so herrlich weit haben wir es gebracht. Nach Leitmeritz nunmehr Graz; und dann ...? Sorgengebeugt muß man so fragen. Denn jetzt sieht jedes pflichtvergessene Individuum, daß der Freispruch des Mörders Keiling kein Zufall, sondern der Ausfluß einer festgewurzelten Anschauung ist. Und da ist es begreiflich, daß man sich bemüht, für diese furchtbare Feststellung eine Erklärung zu finden. Vorerst sei der Sachverhalt kurz wiedergegeben: Während der Grazer Lohnbewegung der Schneider wurde der Vertrauensmann der Streikenden, Genosse Kosel, der gleichzeitig der Streikführer war, von einem ihm wohlbekannten und befreundeten Gehilfen, namens Mattaschitz, der wegen Unzuverlässigkeit in Geldsachen kritisiert, aus der Organisation ausgetreten ist, aus unmittelbarer Nähe angeschossen und schwer verletzt. Mattaschitz wurde naämlich Streikbrecher und drohte, er werde sich rächen, weil man ihn desStrcikbrnchs überwiesen hat. Die Polizei hat die Anzeige von der Drohung unbeachtet gelassen und so dem Mattaschitz die Ausführung der Tat ermöglicht. Mattaschitz bekennt ohneweiters, daß er die Absicht hatte, Kosel zu erschießen und daß er ihn auch angeschossen hat. Und nun geht er als freigesprochen, als Triumphator aus dem Gerichtssaal. Wie ist das nur möglich? . Das Grazer Urteil ist ein neuer Beweis, wie lich die Klassengegensätze bei uns zuspitzen. Da reden die Gelehrten und Sie Idealisten von Mitteln zur Linderung der Klassengegensätze, und e i n Urteil, wie das Grazer, belehrt die Arbeiterschaft- von der harten Wirklichkeit, daß die Klassengegensätze immer schärfer werden. Gestreikt wurde auch früher oft, die Arbeiterschaft tut heute nichts anderes, als sie bis jetzt getan hat; die Aenderung ist nur auf der anderen Seite vor sich gegangen. Die ausbeutenden Klassen verfechten jetzt ihre Interessen mit ganz anderen, noch unvergleichlich roheren Mitteln als sonst. Und Mattaschitz ist eben nur ein Produkt dieser neuen, Anschauung der bürgerlichen Welt. Warum sollte gerade ihm, dem „minderwertigen" Menschen, wie ihn die Gerichtspsychiater nannten, die besondere, liebevolle Sorgfalt, mit der man den nützlichen Elementen, den Streikbrechern, .entgegenkommt, nicht zu Kopf gestiegen sein? So klar es für alle anständigen Lcnte ist, daß gerade der Fall Mattaschitz eine endgültige Widerlegung der Legende vom verfolgten Arbeitswilligen ist, denn Mattaschitz vermag nichts Aehnliches aufzuzählen, so klar ist es auch, daß der Attentäter nur eine Probe aufs Exempel gemacht hat. Ist der verbrecherische Streik-brecher straflos? Oder war der Freispruch Keilings nur ein zufälliger Justizirrtum? Und siehe da! Mattaschitz hat den Beweis erbracht, daß Streikbrecher und derartiges Gelichter alles, alles wagen, begehen dürfen. Keiling vermag zu beweisen, daß die Arbeitergewerkschaften etwas Unmoralisches angestrebt oder begangen hätten. Und Verwerflicheres als Mord kann es doch nicht geben; Kunschak, Keiling und Mattaschitz, dieses mörderische Dreigestirn, hatte mit dem organisierten Klassenkampf, mit der Organisation überhaupt nichts gemein. Sie waren und sind nur Kreaturen des Ausbeutertums, dem sie „Material" zur Bekämpfung der Arbeiterbewegung liefern wollten, sie sind die Verkörperung der Ausbeutermoral. Noch tieferen Einblick in die Gedankenwelt der Ausbeuterschaft gestattet die Rede des Verteidigers. „Der wirtschaftliche Kampf stellt sich außerhalb des Gesetzes; in diesem Kampf hört jede Gesetzlichkeit auf und nur die Leidenschaft spielt eine Nolle." Man braucht natürlich die Reden eines Verteidigers, dem es sich doch nur um die Befreiung seines Klienten handelt, nicht allzu tragisch zu nehmen. Aber diese Rede zeigt eine solche Menge von Unkenntnis des Kampfes der Arbeiterklasse, daß man geradezu erschrecken könnte, wenn man nicht vorzieht, diese Auslassungen als bewußte und beabsichtigte Verleumdung aufzufassen. Aber der Verteidiger kann mildernde Umstände für sich anführen. Man erinnere sich nur an die famose Aeußerung des Obersten Gerichtshofes anläßlich der Entscheidung über den Deckungswechsel der Grazer Tischlermeistervercinigung; der Beschluß dieser Vereinigung, wonach ein Meister zur Zahlung von 1000 Kr. verpflichtet werden sollte, wnrde von zwei Gerichts-instanzen als Wider die guten Sitten verstoßend erklärt. „Nein," meinte der Oberste Gerichtshof, „der strenge Maßstab des sittlich Gestatteten muß dort eine Ein-schränkung erfahren, wo im Lohnkampf Organisationen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern einander gegen-überstehen. Dies deshalb, weil die Mittel zur Erreichung des gesteckten Zieles, sobald sie von interessierten Inter-essentengruppen angewendet werben, vom sittlichen Standpunkt minder streng beurteilt werden wie in dem Falle, wenn sich derselben ein einzelner bedient, eine Erwägung, die einerseits in der Größe der beiderseits auf dem Spiel stehenden Interessenten und anderseits in dem Zustand wirtschaftlicher Notwehr ihre Erklärung findet." Und wieder war Graz der Ort eines Prozesses, der mit einem Lolmkampf zusammeuhängt. Wen konnte es wundern, daß der Grazer Verteidiger sich die Meinung des Obersten Gerichtshofes zu Eigen gemacht hat, und es ebenfalls ablchnt, „den strengen Matzstab des sittlich Gestatteten" anzulegcn. Verständnisinnig. sind ihm die Geschwornen gefolgt. Auch für sie gilt die Moral des Obersten Gerichtshofes, die Mittel zur Erreichung des gesteckten Zieles müssen vom sittlichen Standpunkt minder streng beurteilt inerben, So gelangten die Ge- schwornen im Namen der „neuen" Moral zum Freispruch. Mattaschitz haben sie zur Freiheit verhelfen, Hunderten von ähnlichen Leuten den Revolver in die Hand gedrückt. Ob sie dabei bedacht haben, daß sie die anständige Arbeiterschaft zur Notwehr zwingen, für die die Moral aller Zeiten ganz besondere Rechte festgesetzt hat? Wie ein Blitz beleuchtet der Freispruch von Graz die Situation. Er wird die letzten Arbeiter aufpeitschen und ihnen zeigen, daß „wir Wilden doch bessere Leute sind", und ihnen auch den Weg zu uns, zur Armee der anständigen organisierten Arbeiter zeigen. Denn mit einer so verfaulten Gesellschaft kann der Arbeiter keinen Zusammenhang haben. ________________________ Sei Parteigenosse. Oft und oft ward dargetan, daß die Arbeiterbewegung dreieinig sein muß, damit das Proletariat geistig und physisch kampffähig gemacht und erhalten werde. Partei, Gewerkschaft und Genossenschaft müssen Zusammenwirken, um die Arbeiterbewegung dauernd vorwärtszubringen. Ein Zweig der Arbeiterbewegung kann den anderen nicht ersetzen, weder in der unmittelbaren Gegenwartsarbeit noch in der Bewältigung der großen Auf-gäbe, die ihrer in der Zukunft harrt. Als Verkäufer der Ware Arbeitskraft gehört der Arbeiter in die Gemeinschaft. Durch sie erzielt er einen höheren Preis für seine Ware. Zur guten Verwendung seines Lohnes gehört er in die Konsumgenossenschaft. Um für Gewerkschaft und Genossenschaft den Boden zu sichern, muß der Arbeiter politisch kämpfen. Nur im politischen Kampf, den die Partei zu führen bat, erringt er sich Einfluß auf Gemeinde, Land und Staat, die tausendfältig in sein Leben singreifen, eö täglich materiell und geistig beeinflussen. Nur im politischen Kampf kann die Staatsgewalt erobert werden, die wir brauchen, um die kapitalistische Wirtschaftsordnung in eine sozialistische umgestalten zu können. „ ,,,, Würde dieser Gedankengang überall richtig erfaßt werden, dann müßte sich folgendes Bild ergeben: Gewerkschaft, Genossenschaft und Partei müßten gleich stark fein, j a Partei und Genossenschaft sogar stärker als die Gewerkschaften. Denn die Gewerkschaften beschränken sich notwendigerweise auf die Organisation des Proletariats, während die Partei-Organisation jedem, der sich zu den Grundsätzen des Parteiprogramms bekennt, offensteht, auch wenn er kein Arbeiter ist, und die Genossenschaft jedermann als Mitglied aufnimmt. In der Praxis ist das aber, wie wir wissen, nicht der Fall. Die Gewerkschaftsbewegung ist größer als die Genossenschaftsbewegung, diese wieder weit größer als die Parteiorganisation. Und es sind durchaus nicht alle Mitglieder der politischen Organisation genossenschaftlich und gewerkschaftlich organisiert, die Genossenschafter nicht durchwegs wenigstens bloß gewerkschaftlich. Es gibt proletarische Parteimitglieder, die weder genossenschaftlich noch _ ge-werkschaftlich organisiert sind. Es gibt gewiß proletarische Genossenschafter, die weder gewerkschaftlich noch politisch organisiert sind. Und es gibt viele Gewerkschaftsmitglieder, die weder genossenschaftlich noch politisch orgam- Das ist begreiflich. Den Gedanken der Gewerk-schaftsorganisation erfaßt der Arbeiter zunächst. Daß ein höherer Lohn besser ist als ein kleiner nnd eine kürzere Arbeitszeit angenehmer als eine längere, ist nicht schwer zu begreifen. Die Mittel, welche die Gewerkschaft an-wendet, sind — beute hat sich das freilich schon ein Wenig geändert — auch unschwer verständlich. Mit einem Ruck erreicht sie einen positiven Erfolg und bringt dem Arbeiter durch Lohnerhöhung reichlichen Ersatz für seine gezahlten Beiträge. Sie unterstützt ihn in der Not. Sie erweist sich als eine Sparkasse, der man schon aus kluger Berechnung angehören soll. Weil viele Arbeiter nur aus diesen Gründen beitreten, ist die Fluktuation in den Ge-werkschaften sehr groß. Bringt die Mitgliedschaft nicht rasch genug baren Gewinn, so verläßt der unaufgeklärte Arbeiter die ihm im Augenblick wertlos erscheinende Organisation. Aehnlich steht es mit der Genossenschaft. Der Beitritt zum Konsumverein bedeutet kein großes Opfer, ist umgekehrt ein unmittelbarer Vorteil. Man bekommt am Jahresschluß eine Dividende, man kauft dieses oder jenes Der „Eisenbalmer" erscheint in einer üluiimtc von 58.000 Exemplaren. irrt Konsumverein billiger oder besser als beim Kauf-ntantt. Und was man im Konsumverein nicht gerade billiger oder besser bekomnrt, das kauft man nach wie vor — anderwärts. Längst nicht alle Genossenschaftsmitglieder hatten genossenschaftliche Treue. Dies ist erst ein Produkt der genossenschaftlichen Erziehung. Am schwierigsten hat es die Partei. Wie oft hört der Vertrauensmann an der Wohnungstür: „Was habe ich davon, datz ich die Beiträge bezahle?" Selbst in den Zeiten, in denen die Parlamentsmaschine nicht leer läuft oder gar stille steht, sondern Gesetze tut Interesse der Arbeiterklasse zutage fördert, begreift es der Arbeiter sehr schwer, daß er eine politische Organisation braucht. Der politische Kampf erscheint ihm notwendig. Die eigene politische Organisation nicht. Zur Gewerkschaft oder Genossenschaft führt den Arbeiter sein unmittelbar persönliches Interesse. Zur Partei bringt ihn das Klassenbewußtsein, der sehr gesunde und leider viel zu wenig Don h a n d e n c K l a s s en e g o i s mu s. So weit die Ausführungen des Genossen Danne-berg im „Kamps", der nun zu recht hat, wenn er sagt: Am schwierigsten hat es die Partei. Davon können wohl auch wir in unserem Agitationskreise ein Lied singen. Bei der Hauptwahl zum Reichsrat im Jahre 1911 vereinigten sich auf die Kandidaten unserer Partei 13.238 Stimmen. Wie gering nimmt sich dagegen die Zahl der in unserer Partei organisierten Sozialdemokraten aus! Freilich könnten die gegnerischen Parteien alle miteinander froh seilt, wenn sie 3000 politisch organisierte Mitglieder in diesem Gebiet aufweisen könnten. Nun dürfen und wollen wir uns aber an den Gegnern kein Beispiel in dieser Hinsicht nehmen. Wir dürfen nicht zufrieden sein, wenn wir eine solche Anzahl Wählerstimmen aufweisen können und die Zahl der Parteimitglieder nur etwas über ein Viertel der Zahl der sozialdemokratischen Wähler beträgt. Die Frage, w a s wir Wohl I e i st e n könnten, wenn diese 1 3.000 Wähler auch Parteimitglieder und ,,Bolksrecht"-Leser wären, liegt ja sehr nahe. Nun haben wir im Kreise an gewerkschaftlich organisierten Arbeitern 5309, an „Volksrechft'-Abonnenten Samstag etwas über 5000. Wir sehen, das Verhältnis der Zahl der Parteimitglieder zur Zahl der sozialdemokratischen Wähler steht am ungünstigsten. Die Zahl der politisch organisierten Arbeiter reicht also nicht an die Mitgliederzahl der^Gewerkschafteit heran. Das einzugestehen ist keine schände und auch kein Schaden. Bei den hierzulande herrschenden Verhältnissen ist dieses auch nicht zu verwundern. Um Sozialdemokrat zu sein, gehört entschieden schon ein gewisses Maß von politischer Einsicht und etwas allgemeines Verständnis dazu. Zu Wahlzeiten schlägt sich so mancher zu den sozialdemokratischen Wählern, der mit den staatlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zuständen unzufrieden ist. Auf ihn übt das Programm der Sozialdemokraten den stärksten Einfluß aus, die Werbekraft der sozialistischen Gedanken ist so groß, daß viele Wähler in die Reiben der Sozialdemokraten eintreten, um sozialdemokratisch zu wählen. Der Organisation aber bleiben sie fern. Es ist gewiß nur das beste Zeichen, daß im entscheidenden Augenblick sich so viele um das Banner des Sozialismus scharen. Von Fall zu Fall vergrößert so sich die Zahl der Anhänger unserer Grundsätze. Wohlgemerkt, der Anhänger, nicht aber auch die der Partei Mitglieder. Es ist vielleicht nicht übertrieben, wenn man sagt, daß es bisher nicht einmal gar so leicht möglich war. die Anhänger auch schon zu überzeugten Parteimitgliedern zu machen. Es steckt eben zum Teil doch in unserer Organisation noch immer ein Stück von dem Geist der alten Zeit. „Trau, schau, wem!" Dieser früher streng geübte Feuilleton. „Die drei Kreuztriiger des Asendahnrapitkls." Ein Blick auf die Grsenbahnverhältnisse vor vierzig Jahren. Gin bürgerliches Zeugnis des Eisenbahnerelends vor mehr als vierzig Jahren finden wir in einem interessanten Aufsatz unter obigem Titel ind der „Gartenlaube" aus dem Jahre 1871 (Heft 81, Seite 520). Er behandelt die Entlohnungs-und Dienstzustände auf den deutschen Bahnen, sowohl der Staats« bahnen im allgemeinen als auch der Privatbahnen, und hebt besonders drei Kategorien von Bediensteten, und zwar die Bahnwärter, die Weichen st ellcr und die Packmeister als die „Kreuzträger des Eisenbahnkapitals" heraus-Bemcrkenswert ist die offene, bis auf die Wurzel der Sache gehende Sprache des genannten bürgerlichen Organs. Und da der Aufsatz nicht unterzeichnet ist, ist anzunehmen, daß er sich der „Gartenlaube" um eine Darlegung aus eigener Initiative handelte, indem sie eine besondere Betonung auf den Umstand legte, daß „diese Kreuzträger noch keinen Fürsprecher im Reichstag gefunden habeit". Allerdings muhten der Redaktion der „Gartenlaube" in dem Berichtsjahr die Klagen und Beschwerden aus den drei genannten Kategorien schockweise zugekommen und derart ergreifend gewesen sein, daß sie sich entschloß, „einmal" ein kräftiges Wort gegen die furchtbare Ausbeutung des Personals zu wagen. Die Unterlage des Aufsatzes bildet in erster Linie die Klage über die zu erleidende furchtbare Kälte in den sogenannten „W ä r t e r b u d e n", die aus Brettern errichtet sind, oft wcitklaffende Spalten haben, durch welche der eisige Wind den Schnee treibt. Die Bahnwärter erhielten damals durch vier Wintermonate täglich einen Silbergroschen*) zum Ankauf von Holz und Kohlen, womit man es den Bahnwärtern „freift e 111 e, mit diesem Aufwand für Heizungsmaterial in der grimmigen Kälte in ihren zugigen Bretterbuden die Glieder zu erfrieren, oder von ihrer kärglichen Einnahme ihrer Familie noch einen Teil zu entziehen, um das >W ärterhaus« dieser Bahn zu Heizen..." „W e n n man mit demVieh so verführe, so würde sich doch wenigstens der Tierschutzberein ins Mittel legen...!" *) 1 Silbergroschen — 10 Pfennig »-- 12 Heller. Grundsatz bei der Aufnahme neuer Mitglieder gilt auch vielfach heute noch und so will gar mancher sich mit der Gewinnung von Parteimitgliedern nur ungern befassen, weil er jedenfalls von dem nicht unrichtigen Gedanken ausgeht, daß ein Arbeiter, noch dazu ein gewerkschaftlich organisierter Arbeiter, selbst wissen sollte, daß er auch zur Partei gehört. An andere Leute werbend heranzutreten, unterläßt man häufig ganz. Für die Gewerkschaft ist schließlich der Arbeiter unter Hinweis auf die wirtschaftlichen Vorteile zu gewinnen, ja er kamt sogar ein ganz brauchbarer Funktionär werden. Bei der Gewinnung von Parteimitgliedern hat man früher eine gewisse Vorsicht walten lassen, besonders bei der Aufstellung von Parteifunktionären. Weil man immer den Gedanken hatte — und ganz hat man ihn auch jetzt noch nicht aufgegeben — daß wir den Genossen nicht des Parteibeitrages wegen haben wollen, sondern wir wollen in dem Mitglied einen P a r t.e i g e n o s s e n, einen Sozialdemokraten, besitzen. Das bloße Beitragzahlen allein genügt noch nicht, denn der Beitrag allein verbürgt noch keine Gesinnung. Freilich muß man annehmen, daß jeder mit der Entrichtung des Beitrages auch in die Reihen der Parteigenossen eintritt, und heutzutage geht es nicht mehr an, daß die Sozialdemokratie eine allzu strenge Auslese bei der Aufnahme neuer Mitglieder walten läßt. Das mag früher einmal gegolten haben, heute aber mutz die Partei für alle offen-stehen, die willens sind, einzutreten. Die Organisation bat nur dafür zu sorgen, daß aus jenen, die zu unseren Reihen stoßen, auch überzeugte Sozialdemokraten werde n. Darum wird ja auch jetzt die Diskussion von Parteifragen weit über den einstigen engen Rahmen hinaus geübt. Und doch steht trotz der Größe der Partei die Zahl der Mitglieder mit jener _ unserer natürlichen A n-1) äuge r noch immer in einem Mißverhältnis, wozu außer der Kompliziertheit der Organisationsform ganz sicher auch der Umstand beitragen mag, daß viele besonders werbetüchtige Genossen durch ihre gewerkschaftliche Tätigkeit an einer intensiveren Parteiarbeit gehindert sind, abgesehen davon, daß infolge der vielen Gewerkschaftsarbeiten, welche alle Anstrengung erfordern, die Gewerkschaftsvorstände an einer eingehenden prinzipiellen Schulung ihrer Mitglieder gebindert sind. Die Aufklärung der Arbeiter, früher Sache der Gewerkschaften, ist zu einer Aufgabe der Partei und der B i l d u n g s au s s chü ss e geworden. Und Partei und Bildungsausschuß können n u r dort Erfolge erzielen, wo sich tüchtige, opferbereite Vertrauensmänner in den Dienst der uns so heiligen Sache stellen. So gut wie für die Gewerkschaften und für die Konsumgenossenschaften muß auch für die Partei agitiert werden. Aber noch einmal fei es betont: nicht des Parteibeitrages wegen, den zu guter Letzt auch ein unzufriedener Indifferenter zahlt. Grundsatz aller unserer Agitation muß sein: Kämpfer zu gewinnen, Parteigenossen mit klarer Ueberzeugung heranzubilden und die Arbeiter als klassenbewußte Sozialdemokraten in unsere Reihen zu bringen. Der für den Herbst nach dem Internationalen Kongreß in Aussicht genommenen Werbeaktion könnte jetzt schon vorgearbeitet werden: durch Festigung der Organisation in Form der lokalen Konzentration der tätigen Kräfte und durch die Verbreitung unserer Parteipresse. Die Parteimitgliedschaft bei der Sozialdemokratie muß mehr zum Inhalt haben als bloß die Eintragung in die Mitgliederliste. Der revolutionäre Gedanke der Sozialdemokratie bedarf des ganzen Menschen, der als Partei- Das Blatt klärte seine Leser über die Wärterbuden-Ivirtschaft wie folgt auf: „Auf den wenigsten Bahnen Norddeutschlands sind die Wärterhäuser bewohnbar oder gar zur Familienwohnung eingerichtet (man findet dies nur in Oesterreich*), Sachsen und hie und da in Süddeutschland); die für sie erbauten hölzernen oder steinernen Buden gleichen in der Regel nur ein wenig verlängerten Schilderhäuschens... So muß der Wärter wie der Weichensteller anderwärts und, wo es keine nähere Gelegenheit gibt, wohl auch eine Stunde und weiter entfernt wohnen..." Hinsichtlich des Lohnes wird in dem Aufsatz einigemal der niedrige Betrag unterstrichen, den diese in Betracht kommenden Bediensteten beziehen, nämlich: „zehn Taler**) monatlich!" Dabei ist noch ausdrücklich zu bemerken, daß es nicht jedem Arbeiter möglich war, einen Eisenbahndienst zu erhalten, weil jeder, der einen solchen Dienst wollte, vorerst eine Kaution von hundertundfünfzig Talern leisten muhte. Dies traf insbesondere bei den Pack-meistern zu, die vorzüglich wohl wegen der Kautionsleistung selbst, den Betrag von 16 Taler***) Monatslohn erhielten. Aber mit diesen 10 oder 16 Talern MonatSlohn ein Auslangen zu finden, erschien dem Blatte derart entsetzlich, daß es zur Verurteilung einer solchen Ausbeutungssucht die schärfsten Worte fand: „Bei der teuren Wohnungsmiete und den hohen *) Bis zum Jahre 1871 hatten wir in Oesterreich folgende Bahnen: die Nordbahn; die Südbahn; die Kaiserin« Elisabeth, ganisationsfehler innerhalb der Staatsbahndirektion zugrunde. Die Verwaltung des Direktionsgebäudes gehört in die Hand eines tüchtigen Fachmannes, und da die Staatsbahndirektion über eine Unzahl technischvorgebit* deter Beamten verfügt, wird sie bei der Auswahl nicht in Verlegenheit kommen. Der heutige Administrator ist eine Null, denn er darf ohne die Einwilligung des Vorstandes der Abteilung 2, eines Juristen, nichts anordnen, unternehmen, bestellen. Die Abteilung 2 hat laut Or» ganisationsstatut die Rechts- und allgemeinen Verwaltungsangelegenheiten der Direktion zu besorgen. Die Verwaltung des Direktionsgebäudes ist aber keine allgemeine, sondern eine sehr spezielle Angelegenheit, denn außer diesem einzigen Gebäude verwaltet die Abteilung 2 kein zweites im ganzen Direktionsbezirk, und da sie dieses so verwaltet, daß sich dort die Schwindsucht eingenistet und eine ganze Reihe von Opfern gefordert hat, so ist es höchste Zeit, ihr diesen Verwaltungsgegenstand aus den allzu ungeschickten Händen zu winden. J Wir können nicht schließen, ohne noch einen Punkt von Wichtigkeit zu berühren. Im Direktionsgebäude hat auch der Sanitätskonsulent sein Büro. Dieser freundliche alte Herr wird es uns gewiß nicht übelnehmen, wenn wir von ihm erwarten, daß er sich in diesem Kampf gegen die Schwindsucht und gegen den Bürokratismus auf die Seite des Personals stellen wird; daß er hin und wieder jo eine kleine, überraschende, sanitäre Revision einzelner überfüllter, verschmutzter Amtsräume vornimmt; daß er vielleicht hie und da die Luft und den Staub in solchen Räumen auf ihren Bazillengehalt untersucht; daß er sich womöglich darum kümmert, an welchen Krankheiten die Krankgemeldeten leiden und die Toten gestorben sind; daß er eventuell dein Hausadministrator mit Winken an die Hand geht, wie inan ein verseuchtes Zimmer wieder entseucht; daß er den Direktionsgewaltigen nahelegt, daß in einer solchen Kaserne jährlich mindestens einmal eine allgemeine, gründliche, sich überallhin erstreckende Reinigung, ohne Rücksicht auf die Kosten, unerläßlich ist, kurzum, daß er ein Anwalt des Personals in allen jenen Fragen sei, die mit dessen Bestrebungen, mich einer langen Dienstzeit einen langen Ruhestand in voller Rüstigkeit genießen zu können, verknüpft sind. dafür zu sorgen, daß nicht die Eigensucht der Spekulation der Diensttüchtigkeit dieser Leute durch ungenügenden, in keinem Verhältnis zu den Ansprüche», wie zur Gefahr und Verantwortlichkeit ihrer Leistung stehenden Lohn den größten Eintrag tue!" Ja, noch mehr: Der Verfasser des in Rede stehenden Aufsatzes spricht mit voller SBucht feiner Kunst und Aufrichtigkeit dezidiert und ausdrücklich aus, was er über eine Dienst-, Be« ziehungsweise Arbeitszeit von 15 bis 18 Stunden denkt: „ES ist offenbare Menschenquälerei! Und ist'5 eine Anforderung, die der Sicherheit des öffentlichen Verkehres dient? Nein! Es ist vom Geld sack gedeckte Gewissenlosigkeit!"----------- Es sind für ein bürgerliches Blatt gewiß kräftige, es sind schlagende Worte, die der Verfasser des Aufsatzes „Die Kreuzträger des Eisenbahnkapitals" gefunden und furchtlos geschrieben hat. Wir entdecken in ihnen ein feines soziales Gefühl und ein bereits tieferes Erkennen der Klassenunterschiede und der Macht und der Wirkung des Kapitalismus. So kurz feine Darlegung auch ist, sie erweist, daß er in die Lage der Arbeiterschaft eingedrungen ist, indem er zugleich mutig uni kühn die wahre Ursache aufdeckt. Wir nehmen von seinen Ausführungen um so lieber Notiz, als wir konstatieren müssen, daß ein solches Eintreten für die der Verelendung preis, gegeben gewesenen Eisenbahner von einem bürgerlichen Blai! in der Tat energisch genannt werden kann, leider aber nur ein einzigesmal zu verzeichnen ist. Seitdem sind die Verhältnisse unserer Klassenbrüder in Deutschland wohl etwas bessere geworden, aber das Eisenbahnerelend an sich ist doch noch immer aktuell. Vieles müßte auch in Deutschland noch behoben werden... Aber in unserem lieben Oesterreich treffen verhältnismäßig die Schilderungen und Ausführungen auch heute vollständig zu, und wo dies nicht der Fall fein sollte, treiben wir durch die in Szene gesetzten Verschlechterungsmaßnahmen mit rapider Schnelligkeit ent. gegen. Unsere Eisenbahngewaltigen, mit Herrn v. Förster an der Spitze, überschütten förmlich die Eisenbahner mit der. artigen Maßnahmen, auf daß es so werde, wie in Deutschland im Jahre 1871. Selbstverständlich findet sich bei uns kein bürgerliche» Blatt, daS es den Herren offen und ehrlich sagen würde, was sie sind: Die rücksichtslosen Vertreter des Kapitalismus! Franz Swoboda. Hie lWUWlM Skl MiWkl Im AiüIUsiWUmW. In unserem ersten Artikel (siehe „Eisenbahner" Nummer 15, Seite 3) haben wir bereits aufgezeigt, wie und warum die Nationalisten ohne Unterschied gegen die Organisation der Berufsgenossenschaftlichen Unfallver-sicherungsanstalt der österreichischen Eisenbahnen Stellung nehmen, wie sie gegen die Zentralisation hetzen, die Verwaltung als zu teuer erklären und unter einem eine noch viel teurere Verwaltung Vorschlägen. In der Subkomiteesitzung des Sozialverstcherungs-ausschusses, welche am Donnerstag den 14. Mai 1914 stattfand, haben die Tschechisch- und Polnischnationalen eine ziemlich weitgehende Dezentralisation der Unfallversicherungsanstalt der Eisenbahnen durchgesetzt. Für diese slawische Forderung haben auch die Abgeordneten des Deutschen Nationalverbandes und die Christlichsozialen gestimmt, um, wie der deutschradikale Abgeord-nete K r o y sagte, „den anderssprachigen Nationen ent* gegenzukommen"; in Wahrheit aber deshalb, weil die gewählten Vorstandsmitglieder der Unfallversicherung^ anstatt der österreichischen Eisenbahnen Sozialdemokraten sind. Der Haß dieser Deutschnationalen gegen die deutschen Volksgenossen, die Sozialdemokraten sind, ist eben viel stärker, als ihr Haß gegen die Slawen. Zugleich kam auch die beabsichtigte Drittelung des Vorstandes der Anstalt auf Grund einer Anfrage, welche Abgeordneter Genosse T o m s ch i k an den Herrn Sektionschef Ritter v. Wolf richtete, zur Sprache. Während der Abgeordnete Dr. v. Licht für die Parität mit Proporz bei den Wahlen in den Vorstand der Unfallversicherungsanstalt der österreichischen Eisenbahnen eintrat, ist der Abgeordnete Kroy ein entschiedener Anhänger der Drittelung, und zwar deshalb, weil er dazu vom „Reichs-bund deutscher Eisenbahner" beauftragt ist und auch ein diesbezügliches Schreiben besitzt, wie er dem Abgeordneten v. Licht während dessen Ausführungen dazwischen rief. Dieser deutschgelbe Reichsbund ist wirklich eine nette Interessenvertretung der deutschen Eisenbahner. Aus Haß gegen die Sozialdemokraten schädigen sie skrupellos die Rechte der verunglückten Eisenbahner in der Unfallversicherungsanstalt. Als Begründung für diesen Verrat an den Interessen der verunglückten Eisenbahner gaukeln sie ihren blinden Anhängern vor, daß die gewählten sozialdemokratischen Vorstandsmitglieder nur den verunglückten Sozialdemokraten in der Anstalt vertreten, aber MT Besucht nur Lokale, itt welchen der »Eisenbahner" aufliegt! IBS den verunglückten Eisenbahner, der eine andere politische Gesinnung hat, nicht. So tote der Lump ist, so denkt er auch von anderen. Heraus mit den Beweisen, wenn solche aufzubringen sind, daß die gewählten Vorstandsmitglieder, welche Sozialdemokraten sind, ihre Pflicht gegenüber den verunglückten Eisenbahnern ohne Rücksicht auf ihre politische Gesinnung nicht erfüllt haben. Die gewählten Vorstandsmitglieder haben stets getrachtet, nach Recht und Gewissen ihre Aufgabe zu erfüllen, das heißt die gesetzlichen Bestimmungen im Interesse der verunglückten Eisenbahner auszulegen, so weit dies nur möglich war. Daß es unter den verunglückten Eisenbahnern eine Anzahl Leute gibt, die mit der ihnen zugemessenen Rente nicht einverstanden sind und glauben, es sei ihnen unrecht geschehen, ist nicht auf ein Verschulden der gewählten Vorstandsmitglieder zurückzuführen. Den Grad der Erwerbsfähigkeit oder Unfähigkeit bestimmen nicht die Vorstandsmitglieder, sondern die Aerzte und auf Grund der ärztlichen Gutachten die Majorität des Vorstandes. Besonders zu erwähnen ist die Oberflächlichkeit des Vertreters des Eisenbahnministeriums, des früheren Obmannes der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt, des Herrn Sektionschefs Rudi, in seinen Argumenten gegen die zu „teure" Verwaltung. Ganz davon abgesehen, daß der Herr Sektionschef als ehemaliger Obmann dieser Anstalt Gelegenheit genug gehabt hätte, wenn die Verwaltung tatsächlich zu teuer ist, diese zu verbilligen. Warum hat er nichts unternommen? Jetzt erst, nachdem er nicht mehr Obmann dieser Anstalt ist" findet er die Verwaltung zu teuer. Und wie hat der Herr Sek-tionschef argumentiert? Er hat einen alten Bericht des Ministeriums des Innern über die Arbeiter-Unfallversicherungsanstalten vom Jahre 1909 und einen Bericht der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt vom Jahre 1912 miteinander verglichen. So ausgerüstet, nahm er gegen die Ausführungen des Abgeordneten Genossen T o m s ch i k Stellung, die derselbe feinem Artikel entsprechend (siehe Stummer 16 des „Eisenbahner" vom 20. Mai 1914) im Subkomitee gehalten hat. Der Herr Sektionschef ging von der Anschauung aus, daß es falsch ist, einen Vergleich zu ziehen zwischen der Beitragsleistung an die territorialen Anstalten und ihren Verwalhingskosten und der Beitragsleistung an die Berufsgenossenschaftliche Unfallver-sicheruugsanstalt und den Verwaltungskosten dieser Anstalt. Er fand es zweckmäßiger, eine Gegenüberstellung in Prozenten zur ausgezahlten Unfallentschädigung zum Besten zu geben, die vollständig falsch war, weil er sich gar keine Mühe gab, in ernster Weise die Sache zu behandeln. Er kam dabei zu einem Ergebnis, nach dem die Verwaltungskosten der Arbeiter-Unfallversicherungsanstalten durchschnittlich 3 Prozent ausmachen sollen, währenddem die Verwaltungsausgaben der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt sogar zirka 10 Prozent im Vergleich zur Unfallentschädigung aus-machen sollen. Daß dies nicht richtig ist, gebt aus der Tabelle VI hervor, die wir am Schluß dieses Artikels anführen. Ferner sollen die Eisenbahner der Kleinbahnen über Wunsch der Nationalen nicht mehr bei der Berufs-genossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt versichert werden, sondern bei den territorialen Arbeiter-Uufallver» sichernngsanstalten, was für die Kleinbahner eine Schädigung bedeutet. Bei den territorialen Anstalten ist man mit den Verhältnissen der Bahnen nicht vertraut, man beachtet manches nicht, was für die Leute wichtig ist. Aus nationalen Gründen sollen also die Eisenbahner der Kleinbahnen geschädigt werden. Heber die Verhandlung des Subkomitees am 14. Mai 1914 haben wir folgendes zu berichten: Auf der Tagesordnung stand die Unfallversicherung der Eisenbahner, und zwar die slawischen, besser gesagt, nationalen Forderungen der Tschechen, wobei die Polen die Vermittlerrolle übernommen hatten. Als erster Redner meldete sich Reichsratsabgeorditeter Tomschik zum Wort und findet es erstaunlich, daß das Giscn-bahnministerium nicht gegen die vielen falschen Behauptungen, die von einzelnen Mitgliedern des Subkomitees über die Unfallversicherung der Eisenbahner gemacht wurden, Stellung genommen hat. Tomschik legt zahlenmäßig dar. daß die Argumente, die die Gegner der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsnnstalt Vorbringen, falsch sind, und daß sie mit allen ihren Ausführungen nichts anderes bekunden als den Hatz, den sie gegen die gewühlten sozialdemokratischen Borstandsmitglider der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt hegen. Schließlich stellt Tomschik an den Sketionschef Wolf die Frage, ob die Regierung bei Ernennung des sogenannten unparteiischen Drittels .der Hoffnung der Nationalen Rechnung tragen wird, ihre Vertäuensmanner, die durch die Wahl nicht in den Vorstand gelangen können, zu Vorstandsmitgliedern zu ernennen. Haller (Polenklub) stellt folgenden Antrag: § 261. »Die Unfallversicherung der Bediensteten der dem öffentlichen Verkehr dienenden Eisenbahnunternehmungen erfolgt durch die auf Grund des § 58 des Gesetzes vom 28. Dezember 1887 errichtete, den Bestimmungen des gegenwärtigen Gesetzes entsprechend umzubildende Berufßgenossenfchaftlichc Unfallver-sichcrungSanstalt ^ der österreichischen Eisenbahnen. Solche Eisenbahnen, die als Kleinbahnen konzessioniert oder zufolge einer Erklärung deS Eisenbahnministeriums mit Rücksicht auf ihre technische Ausstattung oder ihre Verkehrsverhältnisse oder die Ausdehnung ihres Bahnnetzes hinsichtlich der Durchführung des Gesetzes gleich wie Kleinbahnen zu behandeln sind, können der BersicherungSpflicht auch durch die Versicherung bei der zuständigen territorialen Unfallversiche-rnngSanstalt Genüge leisten." § 266 a. Zur Besorgung deS Außendienstes werden Geschäftsstellen errichtet, lieber Sitz. Sprengel und Wirkungskreis der Geschäftsstellen trifft der Vorstand der Anstalt die erforderlichen Anordnungen, die jeweils der Genehmigung des Eisen-bahn Ministers unterliegen. Den Geschäftsstellen ist insbesondere zu übertragen: 1. Die Vermittlung des Verkehrs zwischen den Anspruchsberechtigten und der Versicherungsanstalt; 2. die Beteiligung an den Unfallserhebungen; 3. die Vorbereitung der Unfallscntschädigungsangelegen-heiten für die Beschlußfassung der zuständigen Anstaltsorgane: 4. der Verkehr mit den Krankenkassen; 5. die Rentnerkontrolle; 6. die Vertretung der Anstalt vor den Versicherungsgerichten infolge Auftrages der Anstalt. Der Vorstand bestimmt den zur Leitung der Geschäftsstellen berufenen Beamten und weist ihm die erforderlichen Hilfskräfte zu. Zur Bestellung des leitenden Beamten ist die Genehmigung des Eisenbahnministeriums erforderlich. 8 266b. Die Vorschriften der §§ 262 bis 265, ferner § 266, Absatz 4, finden auch dann Anwendung, wenn die Versicherung von Eisenbahubediensteten bei einer territorialen Unfallversicherungsanstalt erfolgt (§ 261, Absatz 2). Der Bemessung der Versicherungsbeiträge wird in diesen Fällen der tatsächlich bezogene Arbeitsverdienst zugrunde gelegt. 8 275, Absatz 2. Mindestens 25 Prozent der zur dauernden Veranlagung verfügbaren Bestände sind in Staatspapiereu, mindestens 15 Prozent in Obligationen von Landesanleihen oder in Pfandbriefen, Schuldverschreibungen von Ländern. LandeS-banfen oder Landeshypothekenanstalten nach Maßgabe der auf die einzelnen Länder entfallenden BcitragSleistungen anzulegen. Burival (tschechischradikal) unterstützt diesen Antrag. Sektionschef Wolf wendet sich gegen die Ausführungen des Abgeordneten Tomschik. Er vertritt den Standpunkt, daß die Verwaltung der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt zu teuer sei. Sein Argument ist, daß die Evidenz-baltung der Betriebe, die Hereinbringung der Beiträge bei den Arbeiter-llnfallversicherungsanstalten sehr viel Arbeit erfordern, was bei der Berufsgenossenschaftlichen Unfallver-sicherungsanstalt nicht der Fall sei. Zum Schluß beantwortet er die Anfrage des Abgeordneten Tomschik. Die Regierung werde selbstverständlich nur solche Männer in die Verwaltung entsenden, von denen vorauszusetzen ist, daß sie nicht nur das Interesse des Versicherten, sondern auch das der Anstalt im Auge haben werden. Er dankt den Antragstellern für ihren BermittlungSantrag und bittet, ihn anzunehmen. Kroy (deutschradikal) dankt dem Herrn SektionZchef v. Wolf für seine Ausführungen und erklärt, er werde, um den anderssprachigen Nationen entgegenzukommen, für den Antrag Haller stimmen. Sektionschef Rudi will gegen Tomschik Nachweisen, daß die Verwaltungskosten der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt zu hoch seien. Er benützt dazu ein Material und Ziffern, welche man nicht gegeuüberstellen soll, da dieselben aus verschiedenen Jahrgängen stammen, was also auf eine sehr oberflächliche Behandlung der Frage schließen läßt. Er vertritt die Ansicht, daß seine Gegenüberstellung, und zwar die Verwaltungskosten in Prozent zur Unfallsentschädigung und nicht zur Beitragsleistung auszurechnen die richtige sei, und rechnet aus, daß die Verwaltungskosten der Arbciter-Unfallsanstalten nur 3 Prozent, dis Verwaltungskosten der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalten zirka 10 Prozent betragen. Zum Schluß erklärte er, daß er sich im übrigen den Ausführungen des Sektionschef Wolf anschließe. Tr. Licht (Nationalverband) tritt gleichfalls für den Antrag Haller ein. Er spricht aber gegen die Drittelung des Vorstandes, ist für die Parität mit Proporz bei den Wahlen des Vorstandes. Widholz (Sozialdemokrat): Das angebliche Kompromiß geht an den Interessen der Eisenbahner vorüber. Die aufrecht erhaltene Drittelung des Vorstandes bedeutet eine Entrechtung der Eisenbahner Raub an erworbenen Rechten. Die geplanten Geschäftsstellen werden zum Teil hinfällig werden, wenn das Personal der Kleinbahnen den territorialen Anstalten zugewiesen wird. Die in dem Antrag aufgezähltcn Agenden hätte die Anstalt schon im Laufe der fünfundzwanzig Jahre ihres Bestandes zweifellos solchen Geschäftsstellen übertragen, wenn dadurch auch nur kleine Vorteile zu erreichen wären. Die Sozialdemokraten könnten' für diesen Antrag nur stimmen, wenn die Vertretung der Angestellten im Vorstand uneingeschränkt bliebe. Der Antrag Winter (Separatist), den wir schon in unserem ersten Artikel besprochen haben, wird abgelehnt, der Antrag Haller mit Mehrheit gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Zur Verhandlung gelangt nun der § 218. Dieser Paragraph handelt von dem Statut der territorialen Unfallversicherungsanstalten. Er schreibt vor, daß das Statut auch Bestimmungen über das Wahlrecht enthalten soll. Die Tschechen verlangen die Aenderung dieses Paragraphen; sie wollen in den Paragraphen eine Bestimmung einfügen, daß große Unternehmer, die mehr als 50 Arbeiter beschäftigen» keinesfalls mehr Stimmen abgeben dürfen als diejenigen Unternehmer, die bloß 50 Arbeiter beschäftigen. Nach kurzer Debatte wird die Reassn-micrung dieses Paragraphen abgelehnt. schließlich gelangt noch einmal der 8 28 (Ernennung der Beamten der Bezirksstellen) zur Beratung. Ter Antrag Viskovsky, daß die leitenden Beamten der Bezirksstelle auf Grund eines Ternavorschlages der Unfallversicherungsanstalt von der politischen Landesbehörde ernannt werden, wird abgelehnt. Angenommen wirb der Antrag Haller, demgemäß die leitenden Beamten der Bezirksstelle von der Unfallversicherungsanstalt zu ernennen und von der politischen Landesbehörde zu bestätigen sind. Das Subkomitee hat seine Arbeit beendet, und ist nun wieder der Vollausschutz an der Reihe. Er hat noch das vierte Hauptstück. (Invalidenversicherung) zu beraten und den Bericht des Subkomitees über die ihm zu-gewiesenen strittigen Fragen entgegenzunehmen. Außerdem hat der Vollausschuß auch noch die Unfallversicherung der Eisenbahner zu beraten, lieber dieses Kapitel mutz noch im Vollausschutz sehr ernst gesprochen werden. Im Nachstehenden wollen wir nun zu den Argumentationen der Regierungsvertreter und der verschiedenen nationalen Abgeordneten noch einmal Stellung nehmen und den verschiedenen Herren beweisen, daß sie die Sache sehr oberflächlich behandelt haben und sich ausschließlich nur vom politischen Standpunkt leiten ließen. Wir haben uns schon in unserem vorhergehenden Artikel mit verschiedenen Argumenten befaßt, wollen aber doch noch einmal auf einige zurückkommen und untersuchen, ob die Verwaltung der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt wirklich so teuer ist, tote behauptet wird; daß dem Argument für die daran geknüpften Forderungen jede Beweiskraft mangelt, mag einstweilen dahingestellt bleiben. Um zu einem Urteil über die .Höhe der Verwaltungskosten der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt zu kommen, ist es vor allem nötig, ein Der-gleichsobjekt zu finden. Die Herren, denen die Verwaltungskosten der Berufsgenossenschaftlichen Uufallverstche-rungsanstalt zu hoch scheinen, haben, sofern sie nicht überhaupt nur eine durch nichts belegte Behauptung auf, stellen, die Kosten der territorialen Arbeiter-Unfallversicherungsanstalten zum Vergleich herangezogen. Freilich haben sie nicht untersucht, ob die Berufsgenossenschaftliche Unfallversicherungsanstalt und die territorialen Anstalten wirklich so gleichgeartete Organisationen sind, daß ohneweiters ein Vergleich halbwegs richtige Folgerungen zuläßt. Einzig der Herr Sektionschef Wolf hat darauf hingewiesen, daß zwischen den von der Berufsgenossen. schaftlichen Unfallversicherungsanstalt und von den territorialen Anstalten zu leistenden Agenden nicht unwesentliche Unterschiede bestehen. Er hat nämlich ausgeführt, daß den territorialen Anstalten für die Führung des Betriebskatasters (Evidenzhaltung der versicherten Betriebe, Kontrolle der Notierungen der Lohnsuimnen, Hereinbringung der Versicherungsbeiträge. Ueberprüflmg der Gefahrenklasseneinteilung ec.) erhebliche Kosten erwachsen, da sie für diese Agenden, welche für die Berufs-genossenschaftliche Unfallversicherungsanstalt von gar keiner oder nur geringer Bedeutung sind, einen großen Apparat benötigen. Ter Herr Sektionschef hat.es aber wohlweislich unterlassen, auch Umstände anzuführen, die aus die Verwaltungskosten der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt erhöhend einwirken, denn er hätte damit die Beweiskraft seiner Ausführungen vermindert. Solcher Umstände gibt es aber, und zur Steuer der Wahrheit sehen wir uns veranlaßt, hier einzelne an» zuführen. Die Unfälle beim Eisenbahnbetrieb sind in ihrem Durchschnitt weitaus schwerer als die Unfälle in den bei den territorialen Anstalten versicherten Betrieben, die Verletzungen sind bedeutender, viele Unfälle verursachen mehrere Verletzungen, auch die Folgen der Verletzungen sind natürlich erheblicher, das Heilverfahren ist von längerer Dauer; dadurch aber werden selbstverständlich die Kosten für Erhebungen und ärztliche Untersuchungen gesteigert. Zum Beweis der Behauptung, daß die Unfälle beim Bahnbetrieb weitaus schwerer sind als in anderen Betrieben, drucken wir aus dem I. Beiheft — welches vor kurzer Zeit erschienen ist — zu den amtlichen Nachrichten des Ministeriums des Innern betreffend die Gebarung und Ergebnisse der Unfallstatistik der Arbeiter-Unfallversicherungsanstalten im Jahre 1911 eine Tabelle ab, welche die prozentuale Verteilung der dauernd Erwerbsunfähigen am Ende des Jahres 1911 nach dem Grade der Erwerbsunfähigkeit zeigt. ___________________________ Tabelle I. _________________ jj Bo» je 100 am Stflufje der Jahres 1011 der» II Banbcncn dauernd ErmerbSuMhIqen waren solche, bei welchen die Erwerbsfähigkeit bcrlnlrächtigt war um Bezeichnung k c r A n ft a 11 ; 0'-y« '/=-•/, 7.-7. 7,-7, 7,-7. 7. bei vollen EiwrrWSHtgkcit Wien 57'2 246 83 4-1 45 1 3 Salzburg 24-1 850 14' 5 5'9 14-9 5-3 Prag 37'5 30-8 12-8 5‘9 8'5 4‘5 Brünn 33-3 37-5 11-3 6-9 8-0 3-0 Graz 35 9 37-8 12-0 50 7'7 1-6 Triest 29-8 13-7 8-2 8-4 5-0 Lemberg 20-5 33-2 16-6 7-0 20-0 27 Alle territorialen Anstalten .... 42-0 30-2 11-3 5'5 7-9 31 Berufsgenossenschastliche Unfallversicherungs-Anstalt . . 8-5 23-6 17-6 11-2 19-6 19-5 Sämtliche Anstalten . | 38-5 29-6 12 0 61 91 • 1- - ° ' „ c J ° ° ■■■ - <• 0 > ■ h- Wie aus dieser Tabelle ersichtlich ist, haben htlo den territorialen Anstalten "42 Prozent aller Rentner Renten für eine Einbuße bis zu einem Sechstel der Er-werbsfähigkeit, also Renten bis 10 Prozent des Jahresarbeitsverdienstes und nur 31 Prozent der Rentner die Höchstrenten. Bei der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt haben nur 8-5 Prozent Renten für eine Einbuße an Erwerbsfähigkett bis zu einem Sechstel, aber 195 Prozent die Höchstrenten. Rentner, welchen hohe Renten gegeben werden mußten, weil sie schwere Verletzungen erlitten hatten, sind also bei der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt ungleich mehr als bei den territorialen Anstalten. Eine Weitere Mehrbelastung entsteht für die Berufsgenossenschaftliche Unfallversicherungsanstalt durch die Notwendigkeit, sofort zu jeder Unfallanzeige Stellung zu nehmen. Die territorialen Anstalten, deren Mprozentige Renten dem Krankengeld fast gleich sind, konnten mit den Krankenkassen ein Abkommen treffen, demzufolge die Krankenkassen nicht nur bis zur Entscheidung, ob der Erkrankung ein Unfall zugrunde liegt oder nicht, das Krankengeld zur Auszahlung bringen, sondern auch für die Folge die Auszahlung der Heil-Perfahrensrenten übernehmen, um die Gesamtbeträge dann halbjährig unter einem zu verrechnen. Ein solcher Vorgang ist bei der Berufsgenossen, schaftlichen Unfallversicherungsanstalt nicht möglich, da das Krankengeld auch als nur vorläufiges Aeguivalent für die 90prozentigen Renten, die um vieles höher sind, nicht gegeben werden kann. Die Berufsgenossenschastliche Unfallversicherungsanstalt muß daher gleich nach dem Einlangen der Unfallsanzeige notwendig scheinende Er-Hebungen veranlassen, und für alle Fälle, in denen die Erkrankung als Folge eines Unfalles anzuerkennen ist, Eventualbescheide aussenden, um die Auszahlung der Heilverfahrensrenten nicht zu verzögern. Für die größere Zahl dieser Fälle stellt sich dann nachträglich heraus, daß die Genesung innerhalb der vierwöchigen Karenzfrist erfolgte und der ausgesendete Bescheid somit gegenstandslos geworden ist. Die Zahl dieser rück-kommenden Bescheide beträgt alljährlich viele Tausende; diese Bescheide stellen also ein sehr beträchtliches Arbeits-guantum dar, das für die territorialen Anstalten nicht in Betracht kommt, da sie, wie eben ausgeführt, nicht gezwungen sind, sofort Entscheidungen hinauszugeben. _Mit dem hier Angeführten soll natürlich eine erschöpfende Auszählung der Verschiedenheiten des Arbeitsgebietes der Anstalten nicht gegeben sein, es soll nur gezeigt werden, daß die Anstalten keineswegs so gleich organisiert sein können, daß nicht bei der Verwertung von Schlüssen, die einem Vergleichen entsprungen sind, Vorsicht geboten erscheint. Schreiten wir nun zum Vergleichen der Ver-waltungskosten selbst, so scheint es auch hier geboten, vor den Vergleich zu prüfen, ob Gleiches Gleichem gegen* übersteht. Wir geben daher eine Zusammenstellung der Verwaltungskosten aller territorialen Anstalten und der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt im Jahre 1911, getrennt nach Ausgabeposten. (Auch diese Zusammenstellung, wie alle folgenden, wurde dem schon angeführten Beiheft I zu den Amtlichen Nachrichten, Jahrgang 1913, des Ministeriums des Innern betreffend die Gebarung und Ergebnisse der Unfallstatistik der Ar-beiter-Unfallversicherungsanstalten entnommen.) hiefür den gewählten Vorstandsmitgliedern aufgebürdet werden. Wir sind uns vollkommen klar, daß auch bei der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt noch Tabelle II. Bezeichnung der Anstalt Laufende Verwaltung-- kosten Allgemeine Unfallerhedung»' kosten Lerztliche Honorare Schiedkaerichtr- kosten Beitrag ,u den Kosten de« Gewerbeinfpek-tionidienste« «esamte Berte altungl-losten Kt o nett Salzburg • • • • • • • •••'• • • • • • * Brunn Graz ... Triest....... Lemberg 1,049.559-17 185.567-52 1,032.158-17 522.644-91 255.786-03 192.237-92 464.471-43 50.292-38 1 8.969-60 169.220-63 1 36.576-12 | 15.303-53 | 20.043-43 i 14.889-90 | 152.958-35 25.440-93 137.280-21 58.115-54 22.050-49 16.873-83 32.221-66 | 101.295-44 13.230-87 106.979-58 33.953-13 8.386-32 | 7.277-97 ] 22.858-67 | 7.400'-2.800-— 10.400-— 5.400-— 2.000"— 1.400-— 1.400-— 1,361.505-34 236.008-92 1,456.038-59 656.689-70 303.526-37 237.833-15 535.841-66 Alle territorialen Anstalten. . Berussgenossenschastliche Unfallversicherungs-anstalt . . 3,702.425-15 732.095-03 315.295-59 69.199-81 444.941-01 206.022-11 293.981.98 176.833-75 30.800-- 4,787.443-73 1,184.150-70 Sämtliche Anstalten. . 4,434.520-18 384.49540 650.963-12 470.815-78 30.800-— 5,971.594-43 Pcrzcntueller Anteil der Berufsgenossenschaft-lichen Unfallversicherungsanstalt an den Kosten sämtlicher Anstalten 16-51 % 18-00% j 3V65 % 37-56 % j 19-83 % Aus dieser Zusammenstellung ist zu entnehmen, daß die gesamten Verwaltungskosten der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt 19-83 Prozent der gesamten Verwaltungskosten betragen. Für die Einzel-Posten stellt sich der entsprechende Prozentsatz wie folgt: Laufende Verwaltungskosten 16-51 Prozent, Unfallerhebungskosten 18 Prozent, ärztliche Honorare 31-65 Prozent und Schiedsgerichtskosten 37-56 Prozent. Auffallend ist die außerordentliche Höhe (absolut und relativ) der Schiedsgerichtskosten und der Kosten für ärztliche Honorare der Berufsgenossenschaftlichen Unfallverfiche-rungsanstalt, es erscheint daher notwendig, sich vor allem mit diesen Posten zu befassen. Zu diesem Behuse geben wir eine tabellarische Zusammenstellung mehrerer die Tätigkeit der Schiedsgerichte beleuchtenden Daten. manches besser gemacht werden könnte, daß sich auch bei den Verwaltungskosten noch Ersparungen erzielen ließen: ist dies bisher unterblieben, so trifft aber sicher die gewählten Vorstandsmitglieder die geringste Schuld hieran. Aus diese Seite der Frage wollen wir jedoch später zurückkommen. Da sich also infolge des Dargelegten die Kosten für ärztliche Honorare auch nicht zu einer Einbeziehung in die Vergleichsgrundlagen eignen, die Frage, ob die Aerztekosten der Berufsgenosfenschaftlichen Unfallverfiche-ruttgsanstalt zu hoch sind, vielmehr eine Separatunter, suchung erheischt, bleibt für diese Vergleichsgrundlage die Summe der laufenden Verwaltungskosten und der allgemeinen Unfallerhebungskosten. Wir geben nun eine Zusammenstellung dieses zum Vergleich dienenden Teiles der Verwaltungskosten mit den Lohnsummen, den 58er-Tabelle III. Er zeigt sich, daß der prozentuelle Anteil der Beruf!» genossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt an den Gesamtsummen bei der Zahl der Versicherten und bei der Zahl der Rentner etwas geringer und bei der Zahl der Unfallsanzeigen um die Hälfte höher ist als der prozentuelle Anteil der Berufsgenossenschaftlichen Unfall-Versicherungsanstalt an der Summe der Verwaltungs-kosten. Bei der Zahl der entschädigten Unfälle ist der prozentuelle Anteil der Berufsgenossenschaftlichen Unfalls Versicherungsanstalt dem prozentuellen Anteilder Berufs» genossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt an drr Summe der Verwaltungskosten fast gleich. Jedenfalls lassen diese Verhältniszahlen den Schluß gerechtfertigt erscheinen, daß im Durchschnitt ein Unterschied zu un-gunsten der Berufsgenossenschaftlichen Unfallverfiche-rungsanstalt nicht besteht. Die folgende Tabelle V stellt das Verhältnis der Verwaltungskosten zu den in der früheren Aufstellung ziffermäßig gebrachten Daten dar. . Tabelle V. Bezeichnung der Anstalt Laufende VerwaltungS-foftcit und allgemeine Unfallerhebungskosten Don den laufenden Verwaltung?-kosten und' allgemeinen Unfall, erhebungskosten entfallen «- •14 LALL iS 69 j ==! E=S-S *C sMsÜ Kronen. Bezeichnung d er Anstalt ®! 2 = n ” S-I’v ■Sag og's ■ei? ! |g «HZ i§ IL 5il ~=-| 6 ™- S-Ssg B-g-t-üi eSfg IZGZ li'fä Z e glsSI Pi«! 1 = s e g 2 S c1-" 5 => E-ilS-rl @*iebl|erichi«- Auf eine erledigte ffla«: entfallen an Kosten Kronen Wien . . , Salzburg Prag Brunn G^az Sätest Lemberg 23.536 19.580 9.343 5.212 3.279 3.159 506 5.459 1.678 501 416 1.172 90-17 101-04 231-94 85-70 53-62 79-82 357-43 2.742 398 4.7-22 1.317 361 282 913 1.163 151 2.096 451 88 56 193 42-41 37-94 44-39 34-24 24-38 19-86 21-14 1 101.295-44 13.230-87 106.979-58 33.953-13 8.386-32 7.277-97 22.858-67 36-94 33-24 22-66 25-78 23-23 25-81 25-04 Alle territorialen Anstalten. . Berufsgenosfenfchaftliche Unfallversicherungsanstalt 100.991 1-2.891 781 127-64 23-20 10.735 559 4.198 118 39-11 21-11 293.981-98 176.833-75 | 2739 316-34 Sämtliche Anstalten. . 134.651 13.672 101-54 11.294 Ij 4.316 ■ II 38-21 470.815-73 j 3769 War aus der vorhergehenden Tabelle zu ersehen, daß die Schiedsgerichtskosten absolut und relativ wesentlich höher sind als die Schiedsgerichtskosten der territorialen Anstalten, so zeigt die nunmehrige Zusammenstellung, daß im Hinblick auf die Zahl der erledigten L-chiedsgerichtsklagen die Kosten der Berufsgenossenschaftlichen Ünfallversicherungsanstalt um ein Vielfaches höher sind als die Kosten der territorialen Anstalten. Die Höhe der Schiedsgerichtskosten entzieht sich aber zum größten Teil dem Einfluß der Anstalten. Wie kommt es nun, daß bei demselben Schiedsgericht, bei dem die Er-ledigung einet Klage für die Arbeiter-Unfallversicherungsanftalt Wien sich durchschnittlich aus Kr. 3694 stellt, die Durchschnittskosten für einen erledigten Klagefall der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungs-anstalt Kr. 316-34 betragen? Es muß doch wohl angenommen werden, daß die Fälle in ihrem Wesen außerordentliche Verschiedenheit zeigen, daß die Fälle der Berufsgenosfenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt weitaus komplizierter sind und deren Erledigung daher auch ungleich höhere Kosten verursacht. Diese höheren Kosten, die sich der Beeinflussung durch die Anstalt vielfach ent-ziehen, der Verwaltung zur Last zu buchen, daraus zu schließen, daß die Verwaltung zu teuer und daher nicht gut ist, geht wohl nicht an. Vergleicht man daher die Verwaltungskosten der Berufsgenossenschaftlichen Unfall-Versicherungsanstalt mit den Verwaltungskosten der territorialer Anstalten, so ist notgedrungen die Post «Schiedsgerichtskosten" auszuscheiden. Nun zu den Kosten für ärztliche Honorare. Auch diese Post ist bei der Berufsgenossenschaftlichen Unfall-Versicherunganstalt außerordentlich hoch. Ein statistisches Material über die Zahl und Art der zur ärztlichen Unter-suchung gelangenden Fälle, das ausgewertet werden könnte, liegt leider nicht vor; ob die Höhe dieser Post bei der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungs-anstalt gerechtfertigt ist oder nicht, ist daher abschließend nicht zu beurteilen. Da wir aber gesehen haben, daß die Schiedsgerichtskosten sich im Durchschnitt für die Berufsgenossenschaftliche Unfallversicherungsanstalt viel höher stellen als für die territorialen Anstalten, so kann wohl angenommen werden, daß auch Sie ärztlichen Untersuchungen der Verunfallten des Eisenbahnbetriebes in-folge der Schwere und Kompliziertheit der Verletzungen im Durchschnitt relativ höhere Kosten verursachen als die ärztlichen Untersuchungen der in anderen Betrieben Verletzten. Ist aber trotzdem die in Rede stehende Post der Verwaltungskosten zu hoch, was, wie schon gesagt, mangels eines statistischen Materials, schwer festzustellen ist, ist also das von der Berufsgenosfenschaftlichen Un-fallversicherungsanstalt hiebei gelmndhabte System mangelhaft, so kann doch unmöglich die Verantwortung sicherungsbeiträgen und den ausbezahlten Entschädigungen sowie mit der Zahl der Versicherten, der Zahl der Unfallsanzeigen, der Zahl der eine Entschädigung begründenden Unfälle und der Zahl der dauernden Renten. Wien. . Salzburg Prag . . Brünn . Graz . . Triest Lemberg 2-17 1-55 2-11 2-03 2-49 2-42 5'66 Alle territorialen Anstalten Berufsftenos-fenschastliche Unfallverfiche-^ rungsanstalt I 2 29 1'80 10-53 6-91 8-93 9-48 11-48 9'56 15-64 9-98 4-20 Sämtliche Anstalten . . . 2-19 8-12 18-53| 11-84 15-69 18-94 18-58 17-22: 40-94 259 1-59 1-88 1-70 2-60 2-61 3-97 17-42 6-57 2-20 2-73 31-39 38-85 51-04 28-56 29-02 40 73 146-19 137-34 99-81 129-89 95-69 106"35 143-82 404-52 34 24 36-18 32 91 39-25 47-64 53 26 75-04 39-78 23 81 13-6711 2-28 35 79 132-77 141-02 134 08 38-52 45'46 39-52 Die Verhältniszahlen sind bei den Geldposten für die Berufsgenossenschaftliche Unfallversicherungsanstalt weitaus niedriger als für die territorialen Anstalten, für die anderen Vergleichsziffern sind die Verhältniszahlei» einander im Durchschnitt ungefähr gleich. Auch hier ist ein Unterschied zu ungunsten der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt nicht zu finden. Die Verwaltungskosten der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt sind also keineswegs, wie behauptet, höher als die der territorialen Anstalten. , Da die Herren Gegner belieben, stets mit den „gesamten" VerwaltnngSkosten zu operieren, ohne Rückficht-ob diese Betrüge für den Zweck taugen, geben wir auf der folgenden Seite 6 in der Tabelle VI noch eine Zusammenstellung über das Verhältnis der „gesamten" Verwaltungskosten zu den in der vorhergehenden Tabelle angeführten Vergleichsposten. Das Verhältnis würde sich demnach für die Berufs-genossenschaftliche Unfallversicherungsanstalt etwas un« Tabelle IV. Bezeichnung der Anstalt Summe der laufenden $cr-waltungrkostcn und der allgemeinen Unfall-«chebungskofte» per IUI Der Berechnung der Versicherungsbeiträge znorunde liegende Lohnsummen per 1911 Versicherungsbeiträge per 1911 Summe der Im Jahre 1911 zur Auszahlung gelangten Unfalls-entschädlgungen M || c £ “ ° 5* 5£§s Sf> 0 0 ES es1». 5-- c «3 SSi r s 1 E-ffigS i|il 5-w c-g * £ B ß'f "SS = = !2 = |Ü’E L.43-C ß ~ Kronen Wien Salzburg Prag Brünn Graz ........ Triest Lemberg ... . . . 1,099.851-55 194.537-12 1,201.378-80 559.221-03 271.089-56 212.281-35 479.36133 | 506,388.094-— 125,205.325--568,574.523--275,979-810-— 108,845.784 — 87,890.126-— 84,692.688-— | 10,446.475-56 2,815.567-80 13,457.993-86 5,896.406-25 2,361.496-37 2,221.646-27 3,065.252-36 | 6,934.144-80 1,642.478-98 7,676.832-44 2,952.25865 1,459.215-34 1,233.060-68 1,170.900-94 424.201 122.310 639-998 329.180 104.200 81.379 120.857 35.033 5.008 23.536 19.580 9.343 5.212 3.279 8.008 1.949 9.249 5.844 2.549 1.476 1.185 32.124 5.377 36.504 14.246 5.690 3.986 6.388 Alle territorialen Anstalten BerufSgenossenschast-liche Unfallverfiche-rungsanstalt . . . 4,017.720-74 801.294-84 1 1.757,576.350-- 445,789.059-— 40,264.838-47 19,077.00602 23,068.891-83 12,189.622-47 1,822.125 292.998 100.991 33.660 30.260 5.682 104,315 17.625 Sämtliche Anstalten . 4,819.015-58 2.203,365.409-- 59,341.844-49 35,258.514-30 2,115.123 134.651 35.942 121.940 Perzentueller Anteil der Berufsgenoffen-fchaftlichen Unfallversicherungsanstalt an den Summen für sämtliche Anstalten . | 16*63 % ! ‘ 1 20-23 "/, . 32-15 Va 34-57 % 13-85% 25-00 % ' 15-81 % 14-45 % Der prozentuelle Anteil der Berufsgenossenschaft, lichen Unfallversicherungsanstalt an den Summen für sämtliche Anstalten stellt sich bei den Verwaltungskosten auf 16-63 Prozent. Bei allen anderen hier einbezogenen Geldposten ist der prozentuelle Anteil der Berufs-genossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt weitaus höher, hiemeit verglichen scheinen die Verwaltungskosten niedriger als die der territorialen Anstalten. Diesen Schluß wirklich zu ziehen, wäre natürlich übereilt, da höhere Versicherungsbeiträge und höhere Entschädigungen nicht immer mehr Arbeit und damit mehr Kosten verursachen müssen. Einen sicheren Schluß lassen die Zahlen der Versicherten, die Zahlen der Unfallsanzeigen und die ■ Zahlen der Rentner zu, denn diefe Ziffern veranschaulichen ,mindestens teilweise die su leistende Arbeit. günstiger stellen, keineswegs jedoch rechtfertigt dieses das Geschrei wegen der „viel zu teuren" Verwaltung. Ob die von den einzelnen Anstalten zu leistenden Arbeiten dem Aufwand voll entsprechen, ist natürlich eine andere Frage, die statistisch nicht zu beantworten ist. lieber die Behauptung, daß die Agenden der territorialen Anstalten viel umfangreicher feien als die Agenden der Berufsgenosfenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt, haben wir uns schon einleitend geäußert. Hier steht Ansicht gegen Ansicht. Verlohnen wird eS sich aber, für den Fall, daß die Agenden der Berufsgenossen, schaftlichen Unfallversicherungsanstalt wirklich geringer und daher ihre Verwaltung im Vergleich mit den territorialen Anstalten zu teuer ist, zu untersuchen, wen hiefiir die Verantwortung trifft. Von den Gegnern der Eisen- bahnerrechte werden immer die gewählten Vorstands- Mitglieder als die Schuldtragenden bezeichnet, und daher die Drittelung des Vorstandes als das Heilmittel ge-priesen. Obwohl diese Behauptungen jedem, der nur etwas Einblick hat, als absurd erscheinen müssen, wollen wir uns doch noch einmal damit befassen. Tabelle VI. „®e:amte" BerwaltungS-kostcn Von den „gesamten" Ber-waltungslosten entsallen »ns Bezeichnung der Anstalt f|i_ K = c „-eg a älSL 8 3 L s-j* P % es, l| 11 S 5 o —< BA & % £ H S«? £ 5 = 13*1 t gf 5-g § = Bn ”2 t 6» r e I ■s S-§ o| 5 o sf c .2 -5 Sj3 «c; II il iS o ffl r o n e n Wien 2-69 13-0 19-63! 3-21 38-86 42-38 Salzburg Prag Brünn 1-88 8-4 14-371 1-93 47 13 43-89 2-56 10-8 18-97 228 61-86 39-89 2-38 111 22 24 1-99 33 55 46-10 Graz 2-79 12-9 20-80 2-91 32-48 53-34 Triest 2-71 10-7 19-29 2-92 45 63 59-67 Lemberg 6-33 17-5 45-76 4-43163-42 83-88 Alle territorialen Anstalten 2 "72 11-9 20'75 2-63 47-40 45-89 Berufsgenossenschaftliche Unfallversicherungs-Anstalt . . 2-66 62 9-71 4-04 35-18 67-19 Sämtliche Anstalten . 2-71 10-1 16-94 2-82 44-35 47-31 Im Vorstand der Berufsgenossenschaftlichen Unfall-Versicherungsanstalt sitzen derzeit neun von den Eisenbahnverwaltungen ernannte und neun von den Versicherten gewählte Mitglieder. Bei Stimmengleichheit dirimiert der Obmann des Vorstandes. Dieser war immer der Zahl der ernannten Vorstandsmitglieder entnommen. Die von den Bahnverwaltungen ernannten Vorstandsmitglieder haben also immer die Majorität. Daß sie diese Majorität besitzen und dies auch wissen, haben vor kurzem die Abstimmungen über das Disziplinär-statut der Bediensteten bewiesen. Sie haben gegen die einheitlich stimmenden neun gewählten Vorstandsmitglieder Verschlechterungen der Disziplinarordnung einzig dadurch zum Beschluß erhoben, daß die Stimme des Obmannes doppelt gezählt wurde. Die neun Vertrauensmänner der Bahnverwaltungen, wovon derzeit acht vom Eisenbahnministerium bestimmt werden, sind höhere Beamte, also Verwaltungsfachmänner. Die neun gewählten Vorstandsmitglieder gehören dem Status der Unterbeamten und Diener an, die sich gewiß nicht anmaßen, in Fragen der Administration besonders versiert zu sein. Diese neun gewählten Vorstandsmitglieder, die. wenn es die Gegenseite für nötig hält, immer eine Minorität sind, sollen nun für Mängel der Verwaltung verantwortlich sein? Wenn die ernannten Vorstandsmitglieder je halbwegs vernünftige Vorschläge zur Reformierung der Verwaltung gemacht hätten, die gewählten Vorstands-Mitglieder hätten der Durchführung dieser Reformen sicherlich keine Schwierigkeiten bereitet. Die ernannten Vorstandsmitglieder haben aber nicht nur keine halb-Wegs vernünftigen, sie haben überhaupt keine Vorschläge zur Reformierung der Verwaltung gemacht. Ja, im Gegenteil, Anträge, die diesbezüglich von den gewählten Vorstandsmitgliedern gestellt wurden, wurden achtlos übergangen; ein Reorganisationskomitce, das seit Jahr und Dag über Antrag der gewählten Vorstandsmitglieder besteht, hält keine Sitzungen, jedenfalls weil die er-nannten Vorstandsmitglieder solche nicht für nötig halten. Und da kommen Leute und finden, daß die Ver-waltung zu teuer sei, und daß die gewählten Vorstandsmitglieder daran die Schuld tragen. Den Herrn Sektionschef Rudi, dem auch die Verwaltung zu teuer ist und der selbst ein Jahr lang Obmann' des Vorstandes war, möchten wir doch fragen, welche Vorschläge zur Behebung dieses Mangels er seinerzeit gemacht hat, oder ob ihm erst, seit er diese Funktion nicht mehr bekleidet, diese Erleuchtung gekommen ist. Die Herren, welche so sehr das Verlangen tragen, den Eisenbahnern ihre Rechte zu beschneiden, sollten sich doch ihre Argumente ein wenig genauer ansehen, sonst machen sie sich lächerlich. Um nur ein Beispiel herauszugreifen, verweisen wir darauf, daß sicher die Zusammensetzung des Personals der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt auf die Höhe der Ver-waltungskosten ungünstig einwirkt. Einesteils gelangte bis vor kurzem bei der Berufsgenossenschaftlichen Unfall-Versicherungsanstalt nur männliches, also höher besoldetes Personal zur Anstellung, während die territorialen Anstalten schon seit langem mit weiblichen, also minder entlohnten Hilfskräften arbeiten. Andernteils ist dieZahl der juristisch gebildeten und als solche angestellten und mit Rücksicht hierauf höher entlohnten Beamten bei der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt viel höher als bei den territorialen Anstalten. Während bei der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt von ungefähr 150 Bediensteten 16 in dem mit höheren Bezügen dotierten Juristenstatus eingeteilt sind, finden sowohl die Arbeiter-Unfallversicherungsanstalt Wien, wie -die Arbeiter-Unfallversicherungsanstalt Prag bei einem Bedienstetenstand von je ungefähr 250 Personen mit 5 bis 6 Juristen ihr Auslangen. Die Einstellung dieser großen Zahl von Juristen ist ganz und gar das Werk der ernannten Vorstandsmitglieder. Zu wiederholten Malen haben die gewählten Vorstands« Mitglieder darauf hingewiesen, daß ein Bedarf an Juristen nicht in dem Ausmaß vorhanden ist und daher weitere Einreihungen in diesen Status nicht mehr vorgenommen werden sollten, sie predigten aber tauben Ohren. .Im großen und ganzen haben die gewählten Vorstandsmitglieder naturgemäß auf die Administration der Anstalt nur wenig Enfluß ausgeübt. Erst in der letzten -Zeit, als sie sich der Erkenntnis nicht verschließen konnten. daß die ernannten Vorstandsmitglieder ihre Tätigkeit mit dem Rentenkürzen als erschöpft ansehen, daß daher auch längst fällige Reformen unterbleiben, versuchten sie durch Vorschläge und Anträge im einzelnen Wandel zu schaffen, jedoch ohne wesentlichen Erfolg. Die gewählten Vorstandsmitglieder sahen von jeher ihre Hauptaufgabe darin, die Rechte der Verletzten zu vertreten, darauf zu achten, daß nicht entgegen den gesetzlichen Bestimmungen zu niedrige Renten gegeben werden. Wie wir also gesehen haben, ist die Behauptung, daß die Verwaltungskosten der Berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsaustalt im Vergleich mit den terri-torrlen Anstalten zu hoch seien, einer entsprechenden Ueberprüfung gegenüber nicht aufrechtzuerhalten. Arbeitet der Apparat auf einzelnen Gebieten aber vielleicht wirklich zu teuer, so trifft die Verantwortung hiefür einzig und allein die von den Bahnverwaltungen ernannten Vorstandsmitglieder. Niemand aber wird sich durch das Geschrei über die teure Verwaltung Vortäuschen lassen, daß es den Herren wirklich um die Kosten der Verwaltung zu tun ist; wir wissen vielmehr, daß die Gegner der Eisenbahner es nur darauf abgesehen haben, die Eisenbahnerrechte zu beschneiden. Daß ihnen dies nicht zu leicht gelingen wird, dafür werden die Eisenbahner zu sorgen wissen. Vom Kretschmer über Hoftat Böhm zum Generaldirektor Gintl. Ein sozialer Rückblick auf die ausschließlich privilegierte Buschtiehrader Eisenbahn. Man schreibt uns: Der vor kurzer Zeit stattgefundene Wechsel in der obersten Leitung der ausschließlich privilegierten Buchtehrader Eisenbahn bietet uns Gelegenheit, ein Kapitel zu besprechen, das für alle Eisenbahner von besonderem Interesse ist, weil es zeigt, wohin eine gute Organisation führt und in welcher Weise Bedienstete behandelt werden, welche in stummer Lethargie dahinleben und ihre materielle Sorge der Vorsehung überlasten. Am 1. Juni d. I. ist der langjährige Leiter des Unternehmens, Herr Generaldirektor Hofrat Dr. Hugo Böhm, von seinem Posten offiziell zurückgetreten, und an seiner Stelle Herr Dr. Hans Ritter v. Gintl Generaldirektor geworden. Wer von den älteren Bediensteten oder deren Söhne, welche sich nachher dem Eisenbahndienst widmeten, erinnert sich anläßlich dieses Ereignisses nicht jener Zeit, in welcher der nun scheidende Herr Hofrat Böhm die Würde eines Direktors aus den Händen eines Mannes übernahm, besten die wenigen noch dienstverrichtenden Eisenbahner stets mit einem eigentümlichen Gefühl gedenken. Es war am 1. August des Jahres 1898, als die Eisenbahner der Buschtehrader Eisenbahn mittels Zirkular in Kenntnis gesetzt wurden, daß Generaldirektor Wilhelm K re t schul e r zurücktrete und an seiner Stelle Herr Dr. Hugo Böhm, seit dem Jahre 1881 Stellvertreter des Kretschmer, zum Direktor ernannt wurde. Die Freude, welche damals die gesamten Bediensteten beherrschte, zu beschreiben, ist einfach unmöglich. Während beim Amtsantritt des Kretschmer in Jahre 1881 im Flammenschein brennender Kerzen die streng konservative Gesinnung der Bediensteten zum Ausdruck kam, wurde der Amtsantritt des Herrn Böhm einfach, jedoch in freudiger Erregung aller, gefeiert. Mit sichtlichem Interesse das Vorgefallene besprechend, sah man Gruppen von Bediensteten beisammenstehen, um Schlüsse auf ihre Zukunft zu ziehen: „Er geht, der alte L p!" der für die berechtigten Klagen seiner Untergebenen keine andere Antwort fand, als: „Die Erdäpfeln sind doch sehr billig, und das ist für Sie doch die Hauptsache." Aehnliche Worte konnte der Schreiber dieses hören, ohne zu ahnen, daß es auch ihm Bcschieben sei, in den künftigen Bewegungen als Vertrauensmann der Bediensteten mit m vorderster Reihe zu wir. len. Die Freude währte nicht lange, denn Kretschmer, der Best. gehaßte blieb im Verwaltungsrat und vereitelte jede wie immer geartete Verbesserungsmaßnahme selbst dann, wenn diese die Unterstützung Dr. Böhms fand. In stummer Resignation endete die Freude, und allgemein hieß es: „Böhm würde schon etwas für uns tun, aber er kann nicht u. s. w.". So mußte sich selbstverständlich die Aera Böhm so lange in derselben Richtung fortbewegen, welche der reaktionäre Geist Kretschmerers vorgezeichnet hatte, bis endlich die sozialistische Welle der Erkenntnis auch die Gehirne der Eisenbahner erreichte. Anfangs einige wenige, wuchs von Tag zu Tag die Schar jener, welche über, zeugt waren, daß eine fühlbare Verbesserung der Verhältnisse nur durch den engen Zusammenschluß aller erreicht werden kann. Wer kennt nicht die Verfolgungen, welche anhuben, um jenen beherzten, aber zugleich gefürchteten Männern unserer Bewegung die Arbeit zu verekeln. Der Name Jentscher erinnert an so vieles aus vergangenen Tagen. Er war ein allerdings wenig geistreicher, destomehr aber vom persönlichen Egoismus beseelter Gegner, welcher nebst den Ehrungen der Verwaltung für seine organisationsfeindliche Betätigung (er wurde vom Unterbeamten des Zugbegleitungsdienstes zum Beamten ernannt) vielleicht in der sicheren Ueberzeugung der Fruchtlosigkeit seiner Gegnerschaft ruhig zuwartete, um die Früchte der Organisationsarbeit anderer mitzugenießen. Mit Stolz erinnern wir uns noch jener geheimen Zusammenkünfte, in welcher Genosse Tomschik in schwerer Zeit und beredter Sprache die Eisenbahner der Buschtehrader Eisenbahn für den Anschluß an die Organisation zu gewinnen suchte. Von einzelnen Spitzeln des damaligen Stationsvorstandes in Komotau, Herrn Prtkel-maier, ja sogar von der Polizei verfolgt, mußten die Zusammenkünfte zumeist in Privatwohnungen abgehalten, nicht selten sogar ein gemeinsamer Spaziergang vorgeschützt werden, bei welchem auf irgendeinem Feldrain oder Waldessaum die internen Fragen der Organisation besprochen wurden. Diese beschwerliche und opferreiche Arbeit war für uns Buschtehrader nicht umsonst geleistet worden. Trotzdem damals unsere Or-ganisation zu einer direkten Aktion noch zu schwach war, wurden schon zu dieser Zeit mannigfache Verbesserungen, insbesondere in Bezug auf Personalbchandlung, erreicht. Dag mann, hafte Auftreten unserer Vertrauensmänner und die fortgesetzte Kritik in unserer Fachpresse, dem „Eisenbahner", damals das einzige Organ, welches die berechtigten Interessen der Eisenbahner vertrat, haben nicht nur den Unterläufern der Verwaltung Respekt eingeflöht und sie zu einer humaneren Behandlung der Bediensteten erzogen, sondern es muhte dieses Ver. halten durch die fortgesetzte zielbewusste Organisationsarbeit auch einen Einfluß auf die Direktion ausüben. Es kam das Jahr 1905 und mit diesem das gewaltige Ringen der Eisenbahner aller Bahnen in Oesterreich, mit Aus-nahmer der Aussig-Teplitzer Eisenbahn, deren Bedienstete damals sich der Patronanz des Kroj erfreuten. Nur dem Einfluß unserer Gewerkschaft und den mit ihr verbundenen Berufs- und Unterstützungsvereinen, welche vor der Koalition nur ein Scheindasein in sozialer Beziehung führten, ist es zu danken, daß diese große Bewegung zustande kam. Mit berechtigtem Stolz erinnern wir uns jener Stunden, in welchem unsere Genossen Vertrauensmänner Gelegenheit hatten, unsere Forderungen, Wünsche und Beschwerden nicht nur bei der Direktion der Buschtöhrader Eisenbahn, sondern auch im k. k. Eisenbahnministerium zu vertreten. Trotzdem durch das verräterische Verhalten sogenannter nationaler Organisationen — der Eisenbahner war einige Jahre vorher Wähler der V. Kurie geworden — nicht das erreicht wurde, was hätte können erreicht werden, so bildete diese Bewegung für die Bediensteten der Buschtehrader Eisenbahn den Ausgangspunkt weiterer Bewegungen, welche durch unsere Koalition durchgeführt wurden, und was die Hauptsache ist, daher festgestellt werden muß, die Anerkennung der Organisation und eine personalfreundliche Taktik der Verwaltung brachte. Erst in dieser Zeit konnte der Liberalismus Dr. Böhms für die Bediensteten fühlbar werden, weil durch die Organisation die Basis geschaffen war. Es war im Herbst 1907, als die sozialdemokratischen Vertrauensmänner nach der großen Versammlung in den städtischen Parksälen in Komotau den Auftrag erhielten, Herrn Dr. Böhm eine Resolution zu überreichen, in welcher die Bediensteten sich mit den gemachten Zugeständnissen nicht einverstanden erklärten. Unvergeßlich wird den Genossen diese seltene spontane Willenskundgebung des Personals bleiben, unvergeßlich jedoch auch den Vertrauensmännern der Augenblick bei der Ueberreichung der Resolution, in welchem Hofrat Böhm im kategorischen Imperativ erklärte: „Meine Herren, das ist eine Drohung, und drohen lasse ich mir nicht. Bedenken Sie, daß Sie sich in einer fixen Stellung befinden und Familie haben. Ich werde mit den äußersten Mitteln, die mir zu Gebote stehen, Vorgehen". Die Kugel war im Rollen, wie einer unserer Vertrauensmänner in der damaligen Versammlung erwähnte, gewann jedoch durch das geschlossene Verhalten der Bediensteten sowie die taktische Leitung unserer Organisation und der besonnenen Haltung des Herrn Hofrat Böhm freien Lauf, denn bereits am zweiten Tag nach jener denkwürdigen Audienz begannen die Unterhandlungen, welche zu einem befriedigenden Abschluß im Interesse der Bediensteten führten. Groß war damals die Freude unter den Bediensteten, so daß wir ohne Uebertreibung mit Rücksicht auf die annehmbaren Zugeständnisse diese Bewegung als einen Markstein in der Geschichte der sozialen Bewegung des Personals der Buschtiehrader Eisenbahn bezeichnen können. Aber, und das mutz ganz besonders hervorgehoben werden,, diese Bewegung bildet auch einen Markstein in der Geschichte unserer Gewerkschaft, weil bewiesen wurde, was durch eine internationale, geschlossene und kampfbereite Organisation erreicht werden kann. So wurde der reaktionäre Geist Kretschmers auf der Buschtiehrader Eisenbahn überwunden, und Hofrat Böhm kann, trotzdem er seine Pflicht als Generaldirektor des Unternehmens den Aktionären gegenüber erfüllte, indem er die ihm anvertrauten investierten Kapitalien vorzüglich verwaltete, auch mit Befriedigung auf die Werke sozialer Fürsorge im Interesse seiner Bediensteten zurückblicken, so daß alle Bediensteten den Wunsch hegen, die besonnene Haltung und der Geist sozialer Geretchigkeit möge auch den Träger der Aera Gintl beherrschen. Herr Hofrat Dr. Hugo Söhnt hat sich vom gesamten Personal in einfachen schlichten Worten des Dankes mit einem herzlichen Lebewohl verabschiedet. Wir betrachten daher es als unsere Pflicht, seiner, nach einer bewegten, mit offenem Visier beendeten Kampfperiode, in ehrender Weise zu gedenken und hoffen, daß er auch in seinem neuen Wirkungskreis sich bemüht, die aggresiven Reibungsflächen, welche sich naturgemäß zwischen Unternehmer und Bediensteten ergeben, zu mildern. Unser neuer Generaldirektor, Herr Dr. Hans Ritter v. Gintl, hat in einem Antrittszirkular dem gesamten Personal seinen Gruß entboten und schriftlich bekundet, daß er nicht allein aus Pflichtgefühl, sondern der eigenen Regung seines Herzens folgend, dem Personal im Rahmen der Möglichkeit entgegenkommen werde, erwartet jedoch seitens der Bediensteten, nachdem er die Leitung des Unternehmens in einer schweren Zeit wirtschaftlicher Depression übernommen hat, treue Pflichterfüllung und rege Mitarbeit. Gewiß ist durch die allgemeine wirtschaftliche Depression eS für den Leiter des Unternehmens schwerer, personalfreundlich zu sein, wenn er unter Personalsreundlichkeit nicht ein wohlwollendes Lächeln, sondern die Durchführung sozialer Reformen versteht, jedoch lange kein Grund, jedwede Verbesserungsaktion, so wie cs den Anschein hat, zu erdrosseln« An unserer Pflichterfüllung soll es auch in Zukunft nicht mangeln, wenn unsere rege Mitarbeit auch nicht jene Früchte im Interesse unserer Familien zeitigt, welche Herrn Dr. HanS Ritter v. Gintl beschicken sein werden. So erwarten wir zunächst eine der fortschreitenden Teuerung entsprechende Berücksichtigung, damit wir unsere Pflichten im Interesse der Anstalt und ohne Risiko für unsere Familien erfüllen können, um so mehr, als während der Amtstätigkeit, beziehungsweise seit dem Einfluß des Herrn Gintl, die Turnusse des Lokomotiv- und Zugbegleitungspersonals sowie jene der Kohlenarbeiter dringend einer Reform bedürfen. \ Daher erwarten wir organisierten Eisenbahner der Buschtiehrader Eisenbahn, allerdings nicht im illuminierten Schein erstrahlender Kerzen, wie unsere notleidenden Vorfahren bei Beginn der Aera Kretschmer, sondern gestützt auf unsere große Veranwortung, unser Rechtsbewuhtsein und unsere Organisation, eine entgegenkommende Haltung des Herrn Generaldirektors Dr. Hans Ritter v. Gintl. Dem gesamten Personal der Buschtiehrader Eisenbahn, auch jenen, welche so gern auS egoistischen Motiven die Einigkeit stören wollen, diene zur Kenntnis, daß sie, solange sie ihre Klassenlage erkennen und in richtiger Erkenntnis dessen, eifrig bemührt sind, ihre mit großen Opfern und an Erfolgen reiche Organisation auSzubauen, sie um ihre Zukunft nicht besorgt sein brauchen. Vernachlässigen die Eisenbahner trotz der gemachten Erfahrungen ihre Organisation, sowie es durch die separatistischen Querelen einzelner den Anschein hat, dann, und dessen sind wir sicher, wird der Geist Kretschmers wieder erwachen, und sie werden in der Person des Herrn Dr. v. Gintl einen Generaldirektor haben, wie sie ihn eigentlich nicht besser verdienen. Wzl. Inland. Geschworne und Verbrecher. Ein Beitrag zum Kapitel: „Justitia regnorum fimdamentum".*) Für den Zensor: Wir wollen in dem Titel natürlich nicht sagen, daß unsere Geschwornen Richter und Verbrecher in einer Person seien. Das würden Sie, ganz gleich, ob wir damit den Nagel auf den Kops treffen ‘ würden, oder nicht, konfiszieren, weil ja auch unsere Geschwornen für Sie ein Noli me tangere sind. Wir reden ja überhaupt nicht von einer spezifisch österreichischen Sache. In der Rubrik „Gerichtssaal" verschiedener Blätter finden Sie zum Beispiel, daß auch reichsdeutsche Geschworne dasselbe treffen, wie die Herren von Leitmeritz, Brüx und Graz. Sie können deshalb den Titel trotz Hochenburger und Heinold stehen lassen. Die Unternehmer im österreichischen Buchdruckergewerbe konnten sich nicht auf einen Tarif einigen. Es kam zu einer Aussperrung. Da brachte ein Gewohnheitsverbrecher. der mehr Zeit im Zuchthaus als außerhalb desselben verbringt, sogenannte „Arbeitswillige" nach Letschen. Dte Polizei duldet den Verbrecher, duldet, daß er einen Revolver als technisches Hilfsmittel führt. Und der Zuchthäusler macht von seinem „Recht" Gebrauch. Das kostet einen unbescholtenen Familienvater das Leben. Der Unternehmersöldling und Mörder kommt vor das Schwurgericht zu Leitmeritz. Auf der Geschwornenbank sitzen Fabrikanten, Klassengegner der ausgesperrten Buchdrucker, Klassengegner des Ermordeten. Sie sprechen den Mörder frei. Sie sprechen ihn des Mordes frei, trotzdem er vorbedacht und ohne Zwang einen Menschen getötet hat, sie verneinen sogar die Frage, ob er Totschlag verübte. Daß er „die Notwehr überschritten", geben sie noch zu, trotzdem die Zeugen unter Eid erklären, daß kein Anlatz zu einer Wehr, weil keine Bedrohung vorhanden gewesen. Hochbefriedigt verläßt der Mörder den Gerichtssaal. Die „Männer ans dem Volk" haben ihn verstanden. Vor dem Schwurgericht zu Brüx steht ein sozialdemokratischer Redakteur. Er soll einen Verein beleidigt haben. Die Geschwornen sind Mitglieder des beleidigten Vereines. Sie sind die Ankläger des Redakteurs, sie sind auch seine Richter. Der Redakteur beweist durch eidlich einvernommene Zeugen, daß er die Beleidigung nicht begehen konnte, weil er zur Zeit der Tat abwesend war. Die Vereinsmitglieder und Geschwornen sprechen ihn trotzdem schuldig. Sie sprechen ihren Gegner schuldig eines Vergehens, das er nach klaren, unwidersprochen gebliebenen Zeugenaussagen nicht begangen hat. Ihren von ihnen selbst geklagten Gegner sprechen sie schuldig. Ganz einfach. Ganz selbstverständlich. In Preußisch-Schlefien erschlägt ein Gutsbesitzer seinen Knecht. Die Kollegen des Mörders bilden die Jury. Die Kollegen, die Klassengenossen und Standes-genossen des Mörders sind seine Richter. Sie sprechen ihren Freund, den Mörder, frei. Sie gratulieren ihm nachher. Sie drücken ihm die Hand. Er drückt sie ihnen. Das ist so selbstverständlich — weil die Gerechtigkeit die Grundlage des Staates ist. In Graz streiken die Schneider. Da ist ein Streikbrecher, der anderer Ansicht ist als die im Kampf Stehenden. Dieser Ansicht mutz er Ausdruck geben. Womit sollte er das sonst tun, als mit dem Revolver? Also lauert er dem Sekretär der Streikenden auf und gibt auf ihn einige Schüsse ab. Ein blanker Zufall stört seine Absicht. Der Sekretär muß nicht sterben, den der Streikbrecher, nach eigener Angabe, „kaltmachen" wollte. Der Mord-bube wird darum nicht besser. Aber er hat „Glück". Denn auf der Geschwornenbank sitzen Gegner des Streiks. Sie können aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen und sprechen den Menschen frei, der, nach eigener Aussage, den Arbeitersekretär erschießen wollte. Auf der Welt laufen viele Trottel herum. Die behaupten, datz „die Sozialdemokraten den Klassenkampf erfunden" hätten. Diese ob ihrer Naivität ungemein bedauernswerten Zeitgenossen scheinen die Rubrik „Gerichtssaal" in den Blättern nicht zu lesen. Denn würden sie das tun, so müßten sie — selbst wenn sie sonst nichts lesen und lernen würden — wohl zu der Ueberzengung kommen, daß die Klassengegensätze keine „sozialdemokratische Erfindung" sind. Unter den Geschwornen gibt es, dank der vom Standpunkt der Herrschenden recht geschickt ausgearbeiteten Voraussetzungen für die Würde des „Volksrichters", keine (oder fast keine) Sozialdemokraten. Aber nirgends sonst findet sich so viel Klassen-bewußtsein, so viel wohlverstandenes Klassenbewußtsein als ans den Geschwornenbänken. Das ist sehr schlimm. Aber auch sehr gut. Denn wirksamer, als durch solche Beispiele könnte für die sozialdemokratische Forderung, die Gejchwornengertchic nicht mehr auf das Besitzprivileg zu gründen, wohl nicht mehr Propaganda gemacht werden. Das ist sehr gut, aber auch aus einem anderen Grund: Die Arbeiter lernen aus solchen Beispielen auch, was Klassenbewußtsein ist. Und das ist um so mehr notwendig. als heute das niemand weniger versteht, als die große Masse der Arbeiter. Die Arbeiter sollten nur die Geschwornenurteile und deren Voraussetzungen aufmerksam verfolgen, dann würden sie schon daraufkommen, daß der Klassenkampf keine böswillige sozialdemokratische Erfindung ist. Christlichsozialer Katzenjammer über die 8.14-Wirt-schaft. Im niederösterreichischen Landtag sprach der christlichsoziale Abgeordnete Steinet, Obmann des christlichsozialen Bürgerklubs des Wiener Gemeinderates, in der Debatte über die Beitragsleistung des Landes zum Defizit der Wiener Stadtbahn: „Als im Subkomitee der Verkehrsanlagekommission bet_ Plan der Elektrifizierung der Stadtbahn zugleich mit der Erbauung der Untergrundbahn beraten wurde, hat das K r i e g s in i n i st e r i u m die Forderung g e* stellt, daß, wenn der Betrieb elektrifiziert werde, t 8 g l i ch f ü n f z i g D a in p f l o k o m o t i v e n i n B e-reitschaft stehen müßten, falls die Armee siebraucht. Es ist das eine ungeheure finanzielle Belastung der Untergrundbahnen. *) Die Gerechtigkeit ist die Grundlage des Staates. Wenn im StaatSeisenbahnrat der Vertreter des Eisenbahnministeriums bezüglich der Wienerwal d-bahn erklärt habe, die Regierung sei nicht in der Lage, eine finanzielle Beteiligung des Staates an dieser Bahn durch deren Aufnahme in die Lokalbahnvorlage ins Auge zu fassen, müsse folgendes festgestellt werden: Vor zwei Jahren, lange vor Einbringung der Lokalbahnvorlage, hat der damalige Eisenbahnminister dem Landesausschußreferenten für Niederösterreich in einer Besprechung, an der auch ich teilnahm, nach langen Verhandlungen den Betrag von drei Millionen zugesichert. (Lebhafte Hört!-Hört!°Rufe.) lieber das jetzige Vorgehen der Regierung muß ich das tiefste Bedauern öffentlich aussprechen. (Sehr richtig!) Die Herren vom Eisenbahnministerium können versichert sein, daß wir uns auch auf die Hinterfüße stellen und in gewohnter Weise (!) unsere Pflicht erfüllen werden. So geht e s nicht mit dem § 14, wenn man Wien schädigt. Dieses System wird bald ein Ende haben, und es werden sich jene Freunde, welche Anhänger des absoluten Regimes sind, üb erzev g en, daß dieser Zu st and auf dem Rückender Wiener Bevölkerung ausgetragen wird." (Lebhafter Beifall.) Also, ein christlichsozialer Häuptling, der nun über die 8-14-Herrschaft klagt, die er und seine Partei, wie seine Presse durch die systematische Verschimpfierung des Parlaments, der „Diätenschlucker", „Zehnerjäger" u. s. w. herbeigeführt und bejubelt haben! Der Katzenjammer ist da, bei den Deutschnationalen wie bei den Christlich-sozialen und sie schreien nach dem Parlament! Was würden nun die Herren sagen, wenn man jetzt sie beschuldigen würde, daß sie nur deshalb über den § 14 jammern, weil sie Sehnsucht nach den Diäten haben? Mit diesem schändlichen Mittel fiat ja bekanntlich die deutsch-nationale und die christlichsoziale Stürgkh-Presse die Proteste der sozialdemokratischen Partei gegen den 93er-sassungsbruch bekämpft! Jbre Wähler könnten ihnen das jetzt auch Vorhalten — freilich, diese Wähler haben kein Gedächtnis! __________________ Aus dem Gerichtssaal. Eine eigenartige Fernwirkung. AIS der Wächtersubstitut Johann Kühne! am 14. November 1912 in den Morgenstunden auf den Dächern eines Arbeiterzuges die brennenden Anzünder in die Gefässe einfügte, glitt er beim Uebersteigen von einem Wagendach zum anderen infolge Glatteises aus, wobei ihm während des Sturzes Flammen in das Gesicht schlugen und das Kopfhaar versengten. Erst bei der periodischen Augenuntersuchung anfangs Jänner 1013 konstatierte der Bahnarzt Dr. Roth in Jägerndors eine Herabsetzung, der Sehschärfe und erklärte ihn zum exekutiven Eisenbahndienst untauglich. Nach dieser Untersuchung zeigte erst Kühnel den Unfall vom 14. November 1912 an und brachte die Sehstörung, die schließlich immer ärger wurde, damit in Zusammenhang. Gegen den ablehnenden Bescheid der Berufsgenossen-schaflichen Unfallversicherungsanstalt klagte Kühnel durch Dr. Gustav Harpner auf Rentenzahlung. Bei der ersten Verhandlung erklärte der Augensachverständige Professor Dr. Hanke an den Augen keine van einem Unfall herrührende Verletzung zu finde», vielleicht sei der chronische Sehnervenschwund auf den starken Temperaturunterschied bei der Petroleumexplosion zurückzuführen, doch halte er dies für wenig wahrscheinlich. Der Nervensach-berständige Professor Dr. v. Stejskal erklärte weder Anzeichen eines Hirnleidens, noch Anzeichen einer sonstigen Nervenkrankheit zu finden; es müsse nach dem Unfall eine Zwischenkrankheit ausgetreten sein. Da der Vorsitzende Oberlandes-gerichtsrat Dr. Cap jedoch aus der Aktenlage konstatierte, datz Kühnel erst Mitte Jänner 1914 in den Krankenstand trat und bis dahin Dienst, wenn auch zuletzt nicht mehr exekutiven Dienst gemacht hatte, beantragte der Klagevertreter Dr. Hans T a u ß k h im Hinblick auf die Unschlüssigkeit der Gutachten und die Schwierigkeit des Falles, die Beobachtung Kühnels in einem Krankenhaus und die Beiziehung eines dritten Sachverständigen. Das Schiedsgericht entsprach diesem Antrag und vertagte die Verbandlung auf einen Monat. Bei der fortgesetzten Verhandlung erklärte Professor Dr. v. Stejskal auf Grund der Beobachtung , eine innere Erkrankung sei nicht vorhanden. Professor Hanke zitierte Stellen aus der medizinischen Literatur, wonach einmal bei Verbrennung beider Unterschenkel, ein anderes Mal bei einer,Verbrennung am linken Arm, in letzterem Falle sogar bei einer Verbrennung, die nicht einmal den zweiten Grad überschritten hatte, einmal nach einer Verbrennung des Handrückens und eines Vorderarmteiles infolge einer Petroleumexplosion ein krankhafter Eiweißzerfall eingetreten sei. der eine Blutverände-rung im ganzen Organismus und schließlich einen Sehnerven-schwund verursacht habe; dies seien F r rn w i rku n ge n. Mit einer solchen habe man es möglicherweise auch hier zu tun. Der Zusammenhang lasse sich medizinisch erklären. Professor v. Ltejskal bemerkte, es sei auch schon eine Darm-erkrankung als Fernwirkung nach einer an einer anderen Körperstelle vorgekommenen Verbrennung nachgewiesen worden. Der dritte Sachverständige Professor Königstein (Augenarzt) bestätigte die Zitierungen Professor Haukes, erklärte aber einen Zusammenhang für nicht wahrscheinlich, weil der Bahnarzt Dr. Roth nach seiner Zeugenaussage den Kläger erst im Jänner 1914 behandelt habe, der Sehschwund aber, wenn er Unfallsfolge wäre, schon früher hätte auftreten müssen; es sei daher der Sehschwund der wahrscheinliche Vorläufer einer künftigen inneren Erkrankung, die der Nervenspezialist jetzt noch nicht erkenne. Professor v. Stejskal hinwiederum meinte, eine konstitutionelle Nervenerkrankung müßte im 42. Lebensjahre schon vorhanden sein, werde also gewiß nicht mehr entstehen. Klagevertreter Dr. Hans Tauszky verwies darauf, datz alle Sachverständigen Brandwunden gefunden hätten. Die Fernwirkung von den Brandwunden unterhalb der Augen bis zum Augenschwund selbst sei nach dem Gutachten des Professors Hanke durchaus glaubhaft. DaS Schiedsgericht unter dem, Vorsitz des OberlandeS-gerichtSrates Dr. Cap verurteilte tatsächlich die beklagte Anstalt zur Zahlung einer 90prozentigen Heilverfahrensrente, täglicher Kr. 2’68 sowie zur entsprechenden Rentennachzahlung. Das Gutachten des Professors Königstein sei nicht maßgebend, weil dieser Sachverständige mit der der gerichtlichen Beurteilung vorbehaltenen Beweiswürdigung in der Richtung sich befaßt habe, ob die Angaben des BahnarzteS Dr. Roth glaubhafter als jene des Klägers seien. Dagegen habe das Gutachten Professor Hankes im Zusammenhang mit jenem Professor von StejSkalS für eine Stattgebung der Klage genügt. Da Kühnel nunmehr erblindet ist, wird auf Grund dieser Entscheidung die Anstalt über diesbezügliche Anzeige eine 120prozenüge Siechtumsrente zusprechen. Ein verurteilter Schimpfbold. Am 18. Februar 1014 fand im Hotel FuchS in Wien, XV, Mariahilferstrahe, eine Versammlung der Zugsbegleiter der Westbahn statt, bei welcher Oberkondukteur Josef W a b i t s ch über Standesfragen der Zugsbegleiter referierte. Während des Vortrages unterbrach Kondukteur Robert Vogel Herrn Wabitsch und rief ihm zu, „er (Wabitsch) sei ein schlechter Kerl!", eine Aeußerung, die Vogel, zur Rede gestellt, noch wiederholte. Gegen diesen Vorwurf brachte Herr Wabitsch durch Dr. Anton Braß die Klage wegen Ehrenbeleidigung gegen den Beschuldigten ein. Bei der vor dem Bezirksgericht Fünfhaus durchgeführten Hauptverhandlung versuchte nun Vogel, für seine Behauptung einen Wahrheitsbeweis anzutreten, der aber aus das kläglichste scheiterte. In Gemäßheit des Antrages des Klagevertreters wurde Vogel, gegen den zugleich noch über eine andere, von Herrn M e i tz e n i s ch eingebrachte Ehrenbeleidigungsklage verhandelt wurde, zu drei Tagen strenge» Arrests und zum Kostenersatz verurteilt. Streiflichter. Endlich eine kleine Aenderung in der FahrordnungS-wirtschaft. Bekanntlich hat sowohl die Staats- als auch die Südbahuverwaltung Ersparnisse auch darin gesucht, dem Großteil des Fahrpersonals keine Fahrordnungen zu geben. Selbst die k. k. Generalinspektion als Ueberwachungsbehörde hat gegen ihr besseres Wissen dem Ersparnngstrieb dieser Verwaltungen ein besonderes Wohlwollen entgegengebracht. Unsere Einwände müssen aber doch einige Wirkung gehabt haben, denn die k. k. Staatsbcihndirektionen veröffentlichen gegenwärtig folgenden Erlaß: Beteilung der Zugbegleitinannschaft mit Dienstfahrordiiuiigs-behelfen. An die exekutiven Dienststellen. DaS k. k. Eisenbahnministerium hat mit dem Erlaß vom 7. Mai 1014, Z. 47.416, 20a ex 918 zum Gegenstand nachstehendes verordnet: In teilweiser Abänderung der Bestimmungen des Artikels 72, Punkt 7, der Vorschriften für den Verkehrsdienst Nr. XIX, wird. hinsichtlich der Beteilung der Zugbegleit-mannschast mit DienstsahrordnungSbehelfen folgende Norm festgesetzt: a) Jeder ständige Zugsbegleitcr sowie jene Bremser, die auf längeren Strecken verwendet werden, haben das Fahrordnungsbuch derjenigen Linie zu erhalten, auf der sie den Dienst versehen. Dagegen sind Berg- und Turnusbremser, die nur auf kurzen Teilstrecken verwendet werden, mit FahrplanauSzügen zu beteilen. b) Mit dem Anhang zur Fah.-ordnung und dem Er-gängSheft, Teil I, desselben sind alle Zugssuhrer zu be- c) DaS Ergänzungsheft, Teil II, des Anhanges zur Fahrordnung haben die Zugsführer, die Manipulationskon-Lukteure, sowie alle Revijwnskondukteure bet den Personen* führenden Zügen zu erhalten. ,1) Von der Tabelle I und II deS ErganzungShefte>-, Teil I (Verzeichnis engster Objekte, beziehungsweise mim-maler Geleiseentfernungen), sind Sonderabdrücke herzustellen, mit denen sämtliche Zugsbegleiter zu beteilen sind, die das Ergänzungsheft, Teil I, selbst nicht erhalten. Hiedurch erscheint auch den Bestimmungen des Artikels 181, Punkt 2, der Vorschriften für den Verkehrsdienst Nr. XIX Rechnung getragen. Im Bedarfsfalle können in diele Sonderabdrücke auch andere wichtige Bestimmungen und Anordnungen lokaler Natur Aufnahme finden." Vorstehender Erlaß ist vorzumerken: In den Vorschriften Nr. XIX, bei den Artikeln 72 (7) und 131 (2), den Vorschriften Nr. XX bei den Artikeln 66 (5) und 100 (2), und m den Vorschriften Nr. XXIII a Bei den Artikel 46 (7) und 78 (2). Auch ist hievon in dem eingangs der erwähnten Vorschriften enthaltenen Verzeichnis Vormerkung zu machen. Für die Durchführung bleiben die Herren Dienstvor-stände verantwortlich. Der aus vorstehender Ministerialverordnunz resultierende Mehrbedarf an Dienstfahrordnungen ist sogleich festzustellen und anher bekanntzugeben, hingegen sind die überzählig gewordenen Ergä.izungsheftc. Teil II, samt Beilagen einzuziehen und an die Abteilung V/6 abzuführen. Gleichzeitig ist der für die Hinkunft erforderliche Bedarf an Dienstfahrordnungen neu zufainmenznstellen und an die Abteilung 5/V zu übermitteln. Wien, am 25. Mai 1914. Für den k. k. Direktor: G e r st n e r m. p. (Z. 1677—V.) Diese Aenderung zeigt eine Wendung zur Einsicht. Aber diese Einsicht hat die Südbahnverwaltung noch nicht ausbringen können. Vielleicht werden'S NnglückSfälle erzwingen! Von der Wiener Lokalbahn. (Berechtigte Klagen deö Personals.) Bei der Wiener Lokalbahn sind die Verhältnisse recht traurig. Das Geschäft nimmt von Jahr zu Jahr zu, insbesondere heuer geht es sehr gut, damit steigt auch die Arbeit, und es ist gelinde gesagt, eine große Ungerechtigkeit, bei den kleinsten — den Pionieren — die daS Geld recht schwer und bitter verdienen müssen, so wütend zu sparen. ! Dem kleinen Beamten gibt man 82 Kr. Ouartiergeld im Monat in die Hand. Statt jedes zweite Jahr um 100 Kr., wie es die Dienstordnung vorschreibt, rückt er erst in 8 bis 4 Jahren um 100 Kr. vor. Die Dienstordnung wird also in diesem Punkt, wo es sich um Rechte de» Personals handelt, nicht streng ge. handhabt; nur wenn es sich um Strafen handelt, da wird fort gestraft, mit Entlassung gedroht und letztere Strafe zumeist auch angewendet. Mit welchen Gefühlen die Bediensteten da arbeiten, kann sich jeder leicht vorstellen. Wegen der miserablen Entlohnung will weder beim Oberbau noch im Magazin jemand bleiben. Parteien müssen zumeist helfen, sonst kommen sie nicht fort. Aus diesem Grund bleiben Parteien oft ans, da sie bei den anderen Bahnen ganz anders bedient werden. Und da soll sich zum Beispiel daS MagazinS-gefchäft heben? DaS ist ausgeschlossen, da die Parteien in Wien zum Beispiel sich so etwas nicht bieten lassen, notabene, da die Nebengebühren erst unlängst erhöht wurden. 4 Da ist daS Sparen ganz am unrichtigen Platz angewendet und kann keine gute Frucht tragen. Der größte Teil des Personals beim äußeren Dienst ist verdrossen und bleibt nicht. Kein Wunder! Tausende Kronen könnten aber leicht jedes Jahr erspart werden, wenn die vielen teuren Bücher beim Verkehrs- und kommerziellen Dienst teils abgeschafst und teils durch bloß geheftete Nötizbücher, die für eine Lokalbahn vollkommen genügen (es war früher auch so, erst Herr Revident Waha und Kontrollor Klugsberger haben gebundene Journale eingeführt), ersetzt würden. , Beim kommerziellen Dienst überhaupt herrscht jn puncto Drucksorten ein förmlicher Luxus. Dagegen kann man zum Beispiel ein bißchen Tinte oder einen Bogen Löschpapier nicht bekommen! So gespart wird hier. Das sind einige von den vielen tausend bitteren Be. schwerden, die die Bediensteten haben. Ob nicht auch diese Sklaven einmal ihr hartes Joch abschütteln werden? WohnungSpolitik in der Triester k. k. Staatsbahnbirektion. Nachdem andere Direktionen, sei es aus Wohnungsnot, sei es aus Wohnungsteuerung gezwungen waren, dem Personal sogenannte Personalhäuser zu bauen, ist auch unsere Direktion diesen Beispielen „der Wohltätigkeit" gefolgt. In welcher Art und Weise sie diese Wohltätigkeit ausübt, möge in nachfolgenden Zeilen gezeigt werden. Zwecks Baues der Personalhäuser wurde vorerst zum teueren Preis der Boden gekauft. Nachdem bekanntermaßen eine k. k. Staatsbahndirektion kem Vermögen besitzt, lieh sie sich das nötige Kleingeld beim Provisionsfonds der Bediensteten der k. k. österreichischen Staatsbahnen aus und garantierte eine 4prozentige Verzinsung. Schon bei diesem Beginnen zeigt sich der Pferdefuß: nicht der Provisionsfonds baut, bei dem die Bediensteten mitzusprechen haben, sondern die k. k. Staatsbahndirektion, damit sie in Hinkunft die absolute Hauseigentümerin vorstellen kann. Nun wird auf diesem Grund und Boden „staatsbahnmäßig", das heißt teuer und schlecht gebaut. Dabei wird zur leichteren Verzinsung des Kapitals nicht der ganze Grund, sondern nur zwei Drittel verbaut. Für die Verzinsung des dritten Teiles des im Boden festgelegten Kapitals müssen nun die glücklichen Bewohner beisteuern, aber nicht nur das, sie müssen auch mit ihrem Mietzins einen k. k. Staatsbahnadjunkten als Administrator samt einem Stab von bezahlten Hausbesorgern aushalten. Im An-fang wurde dem Personal die Begünstigung eines Hausver-trauensmännershstems gewährt, nachdem jedoch die Hausvertrauensmänner eingesehen haben, daß man sie nur zu Vorschubzwecken bei unangenehmen Zwischenfällen gebrauchte, der Herr Administrator jedoch für jede gerechte Beschwerde der-selben taub war und anordnete, was ihm beliebte, legten sie diese zweifelhaften Ehrenstellen nieder, ohne daß die k. k. Staatsbahndirektion es der Mühe wert gesunden hätte, nach der Ursache der Niederlegung zu forschen. Da die k. k. Staatsbahndirektion die Hauseigentümerin darstellt, so ist sie nicht gezwungen, eine Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben vorzulegen, darum wunderten auch niemand die Gerüchte, die umherzuschweben begannen, daß zu teuer gebaut wurde, daß sich das Kapital mit dem derzeitigen Mietzins nicht verzinse und dergleichen, bis nicht, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, ein Zirkular angeschlagen wurde, laut welchem jeder Mietpartei der Wasserzins erhöht wurde. Das betroffene Personal veranstaltete nun zwei Versammlungen; in der ersten wurde eine Deputation gewählt, die die verschiedenen Wünsche der Mieter der Staatsbahndirektion vorzubringen hatte, in der zweiten erfolgte die Berichterstattung, welche in dem negativen Erfolg gipfelte: Wir sind die Hausherren und nicht der Provisionsfonds, wem es nicht patzt, der möge ausziehen! Bemerkt möge noch werden, daß die Deputation nicht weiter als bis zum Oberstaatsbahnrat v. Seemann gekommen ist, der von der Vorsprache vom Adjunkten Novak und dessen Hinterläufeln bereits, wie uns bekannt, vorher verständigt war. Am 28. Februar machten nun die Mieter mittels rekommandierten Schreibens eine Eingabe an die k. k. Staatsbahndirektion als Hausverweserin, worin sie um Abhilfe der dringendsten Unzukömmlichkeiten ersuchten, doch scheint dieselbe, wie ein richtiger Kapitalist, für nichts anderes mehr Sinn zu haben, als unter allen möglichen und unmöglichen Titeln die Mietzinse zu erhöhen. ! Doch fast hätten wir eine Unwahrheit gesagt; sie hat noch ein anderes Interesse: sie kämpft, fast wie weiland Don Quixote, gegen die rote Farbe, gegen rote Fahnen, wie sie dies am l^Mai gar so herrlich gezeigt hat. Wir verraten nun noch den Schluß dazu, daß den Beteiligten im Wiederholungsfall die Kündigung in Aussicht gestellt wurde. Sie matzt sich also das Recht an, den freien Mietern das Licht und die freie Luft über der Straße verbieten zu dürfen; im eigenen Hof hat sie aber nicht die Macht, dem vom Dienst müden Zugsbegleiter, der, am Tage den Schlaf für die Nacht nachholen mutz, die nötige Ruhe zu schaffen. i Damit die Gesamtverwaltung der Personalhäuser ja nicht eines aller Merkmale des kapitalistisch-ausbeuterischen Systems entbehrt, fehlt ihr auch nicht die innere Aufsicht, worüber eigentlich ein ganzes Kapitel zu berichten wäre, wir wollen jedoch heute nur auf das Spitzelunwesen, das sich ausgebildet hat, Hinweisen. Die Hausbesorger müssen, da sie vom Administrator abhängen, alles berichten, was sie gehört oder was vor-gefallen ist. Daß diese Uebertragung, da der Mensch irren kann und nachgewiesenermaßen nicht immer das Gevörte richtig wiedergeben kann, leider oft anders ausfällt als sie sollte; darunter leiden natürlich die Mieter. Für diese Liebesdienste mutz nun eine Belohnung erfolgen, und die erfolgt in der Weise, daß für Delikte, die den Mietern die Kündigung bringen, bei elfteren durch die Finger gesehen wird; sonst kann man es sich nicht erklären, daß zum Beispiel den Mietern die Uebernachtung fremder Parteien streng verboten wird, dagegen vom Bahnhof ergatterte fremde Personen bei derlei Personal-Häuser bewohnenden Parteien anstandslos geduldet werden. Anderer Art ist wieder die Belohnung, daß für jede kleinste Handreichung der Administrationsfonds belastet wird, ja es ist soweit gekommen, daß heute nicht einmal ein Nagel mehr eingeschlagen wird, ohne hiefür Rechnung gelegt zu haben; dagegen werden die borgeschriebenen Arbeiten, wie Reinigung von Türen überhaupt nicht mehr durchgeführt. Die Vorgangsweise der Administration ist es, die uns gezwungen hat, diesen Weg zu beschreiten; die gesamte Eisenbahnerschaft, möge wissen, daß die Staatsbahndirektion Triest unter dem jetzigen Regime nur eines gelernt hat, das ist — die kapitalistische Ausbeutungsweise. Bon den Signalschloffern in Galizien. Bei der im Monat Oktober 1913 stattgefundenen Landeskonferenz sämtlicher Signalschlosser Galiziens wurde eine Deputation, bestehend aus den Genossen Vinzenz Winiarski (Krakau), Peter Hawylak (Lemberg) und Karl Rataj ews k i (Stanislau), gewählt, welche die Aufgabe hatte, folgende Forderungen im k. k. Eisenbahnministerium zu unterbreiten und zu vertreten: 1. Ernennung der Signalschlosser mit dem Gehalt von 1200 Kronen zu Unterbeamten. 2. Erhöhung des gegenwärtigen Reisepauschales von 50 auf 60 Kr., sowie Stabilisierung der im Taglohn stehenden Aushilfsschlosser, welche den Dienst auf stabilen Posten in der Strecke versehen. Das k. k. Eisenbahnministerium hat in Erledigung des Ansuchens um die Vorsprache den Genossen Karl Ratajewski durch die Staatsbahndirektion Stanislau verständigt, daß das Erscheinen der Deputation bei Seiner Exzellenz dem Herrn Eisenbahnminister und beim Departement XXII n ganz über, flüssig ist, nachdem die vorliegenden Wünsche dem k. k. Eisen-bahmninisterium aus dem Grunde wohlbekannt sind, nachdem eine Deputatoin der Signalschloffer am 11. Oktober 1913 im Eisenbahnministerium mit denselben Wünschen und Forderungen erschienen ist. Gleichzeitig hat das f. f. Eiscnbahn-ministerium eröffnet, datz die Erledigung der Angelegenheit der Signalschlosser im vollen Zuge ist, und wird dieselbe in kurzer Zeit abgeschlossen werden. lonniertl WM«. Aus bat Amtsblättern. Achtung, Nordbahnbedienstete! Aus dem nachstehenden Erlaß der Nordbahndirektion ist zu entnehmen, daß einer ganzen Reihe von Nordbahnbedien. steten neuerlich die Gefahr droht, daß sie durch Ueberstellung aus Kategorien mit höherem Endgehalt in solche mit niederem Endgehalt um die ihnen laut der Dienstordnung der k. k. Staatsbahnen, § 40, gebührenden Rechte gekürzt werden. ES handelt sich dabei darum, daß laut § 40, Punkt 3 der Dienstordnung der k. k. Staatsbahnen, jedem Bediensteten die Un-verkürzbarkeit der ihm nach Maßgabe der Dienstklasse, beziehungsweise Gehaltkategorie und der Gehaltstufe, in welcher er steht, gebührenden oder zuerkannten ständigen Bezüge (Gehalt und Quartiergeld) gewährleistet ist. In einem Beispiel dargelegt, steht es mit der Sache so: Jemand wird als Kondukteur in der Gruppe B der Diener, für welche ein Anfangsgehalt von 900 Kr. und ein Endgehalt von 1600 Kr., beziehungsweise mit der Dienstalterszulage von 1700 Kr., mit je zwei-und dreijährigen Vorrückungsfristen um 100 Kr. festgesetzt ist, in die Gruppe C der Diener, sagen wir als Nachtwächter, wo der Endgehalt nur 1400 Kr., beziehungsweise mit der Dienstalterszulage 1500 Kr. beträgt, überstellt. Durch diese Ueberstellung werden ihm seine in der Gruppe B gewährleisteten ständigen Bezüge, das ist in dem Falle der festgesetzte Endgehalt von 1600 Kr., beziehungsweise 1700 Kr. auf 1400 Kr., beziehungsweise 1500 Kr. reduziert. Dadurch ist nun sein Recht, daß ihm. seine ständigen Bezüge in der Gehältkategorie B der Diener, die ihm zuerkannt wurden, nicht gekürzt werden dürfen, verletzt worden. Diese Gefahr droht den Nordbahnbediensteten neuerlich, und zwar auf Grund der Bestimmungen des nachstehenden Erlasses, wo sicher zu erwarten ist, datz eine ganze Reihe von Bediensteten aus höheren in niedere Kategorien überstellt wird. Solche Fälle sind auch bisher, insbesondere im Bereich der Nordbahndirektion und der übrigen neuberstaatlichten Bahnen, zahlreich vorgekommen, und ist die Zentrale unserer Organisation daran, diese Rechtsverletzungen im Gerichtsweg anzukämpfen und den in Betracht kommenden Bediensteten, die unsere Mitglieder sind, auf diesem Weg ihr Recht zu sichern. Wir machen die Nordbahnbediensteten auf diese Gefahr aufmerksam und hoffen, daß sie im eigenen Interesse dafür sorgen werden, daß ihnen ihre Rechte nicht angetastet werden. Natürlich kann die Organisation nur für jene Bedienstete im konkreten Falle in so weitgehender Weise eintreten, die Mitglieder unserer Organisation sinnd. Die übrigen werden eben selbst sehen müssen, wie sie ihr Recht erhalten. K. k. Nordbahndirektion. Wien, am 9. Juni 1914. Betreff: Skontrierung des Personal-standes des Stations- und Fahrdienstes. Dienstbefehl Nr. 448. An die Abteilungen I, V, VI a, die Betriebsinspektorate und an alle Bahnbetriebs- und Bahnstationsämter! _ Bei Revision der von den Stationen in Befolgung des Erlasses der k. k. Nordbahndirektion Nr. 234 vom 20. März 1914, Akt Nr. 17.531 ex 1914, eingesandten Personalstandesnachweisungen haben sich zahlreiche Unstimmigkeiten ergeben. Insbesondere wurde die Wahrnehmung gemacht, datz viele Bedienstete zu Verwendungen herangezogen werden, die ihrem Diensttitel nicht entsprechen. Da es eines der wichtigsten Erfordernisse einer korrekten Personalwirtschaft bildet, datz jeder Bedienstete die in seinem Diensttitel zum Ausdruck kommende Stellung auch tatsächlich bekleidet, und da nur dann eine anstandslose Personaldisposition möglich ist, wenn der Diensttitel des Bediensteten einen sicheren Schluß auf dessen Verwendungsmöglichkeit zuläßt, ergibt sich die Notwendigkeit, den Personalstand der Stationen einer genauen Revision zu unterziehen. Bei den Stationen Wien-Floridsdorf, Straßhof, Gänserndorf, Lundenburg, Brünn, Prerau, Olmütz, Mährisch-Ostrau, Oderfurt, Ostrau-Montanbahn, Oderberg, Dzieditz, Bielitz, Oswiecim, Trzebinia. Krakau und Szczakowa wird diese Revision durch eine aus dem Vertreter der Abteilung I, dem zuständigen Transportkontrollor, dem Verkehrskontrollor oder Fachbeamten des zuständigen Betriebsinspektorats und dem Dienstvorstand bestehende Kommission an Ort und Stelle vorgenommen werden. Die genannten Dienststellen werden daher angewiesen, im Einvernehmen mit den betreffenden Transport- und Verkehrskontrolloren, beziehungsweise Fachbeamten, sofort die erforderlichen Vorarbeiten durchzufühcen und über den Abschluß derselben und-Bereithaltung des der Skontrierungskommission vorzulegenden Materials direkt an das Büro 1/2 bis 1. August 1914 zu berichten. Bezüglich der vorgenannten Stationen haben die Betriebsinspektorate den Zeitpunkt des Zusammentrittes der Kommissionen in den einzelnen Stationen im Einvernehmen mit der Abteilung I festzustellen. Alle übrigen Stationen werden beauftragt, nach vorherigem Einvernehmen mit dem Verkehrskontrollor, beziehungsweise Fachbeamten des Betriebsinspektorats ein Verzeichnis derjenigen ihnen unterstehenden Unterbeamten und Diener, deren Diensttitel mit ihrer Verwendung nicht übereinstimmt, nach beiliegendem Muster A binnen vierzehn Tagen im Wege des Vorgesetzten Betriebsinspektorats dem Büro 1/2 vorzulegen. In der Rubrik „Anmerkung" dieses Verzeichnisses sind, wenn die vom Diensttitel abweichende Verwendung auf einer direk-tionellen Verfügung beruht, die Daten dieser Verfügung (Amtsblattnummer, beziehungsweise Direktionszahl und Jahreszahl) anzugeben, andernfalls aber ist eingehend zu motivieren, warum der betreffende Bedienstete auf seinem Diensttitel nicht entsprechenden Posten verwendet wird, und wegen Ueberstellung, beziehungsweise Ernennung in die der faktischen Verwendung entsprechende Bedienstetenkategorie Antrag zu stellen, der entsprechend zu begründen ist. Ist die nicht titelmäßige Verwendung nur vorübergehend, so daß ein Ueberstellungs- beziehungsweise Ernennungsantrag zu entfallen hat, so ist der Grund der anderweitigen Einteilung anzugeben und darzulegen, wann und unter welchen Voraussetzungen die titelgemätze Verwendung des betreffenden Bediensteten wieder eintreten wird. Da bei der im Jahre 1913 stattgefundenen Revision der Personalnormierung des Stationsdienstes ein Teil der normierten Verschubaufseherposten in Weichenkontrollorposten um-normiert wurde und sich deshalb gegenwärtig viele Platzmeister und Verschubaufseher auf normierten Weichenkontrollorposten befinden, so sind, damit über deren Ueberstellung oder anderweitige Einteilung entschieden werden kann, in den von den Stationen vorzulegenden Verzeichnissen alle Platzmeister und Verschubaufseher anzuführen und ist b e i j e d e m e i n z e l n c n seine gegenwärtige Verwendung anzugeben. In der Kategorie der Platzmeister und Verschubaufseher sind nämlich vier Gruppen zu unterscheiden, nämlich: a) solche Platzmeister und Verschubaufseher, die auf Posten in Verwendung sind, welche auch nach der revidierten Normierung als Verschubaufseherposten normiert sind; b) Platzmeister und Verschubaufseher, die auf einem nach der revidierten Normierung zwar als Weichenkontrollor-posten normierten Posten verwendet werden, deren Posten aber von solcher Wichtigkeit und in dienstlicher Beziehung von solcher Bedeutung sind, daß be ider früheren Nordbahnverwaltung die auf diesen Posten verwendeten ehemaligen Stationsaufseher regelmäßig Unterbeamte (Wagenmeister) geworden sind. Diese Posten werden den in Betracht kommenden Stationen nachträglich bekanntgegeben werden; e) jene Platzmeister und Verschubaufseher, die sich auf einem normierten Weichenkontrollorposten befinden, dem jedoch die Wichtigkeit wie unter Punkt b) nicht gukommt; d) jene Platzmeister und Verschubaufseher, welche weder beim Rangier- noch beim Sicherheitsdienst, sondern anderweitig als Wächter, Portiere, Kanzleikräfte rc. verwendet werden. In den borzulegenden Verzeichnissen ist nun bei jedem einzelnen Platzmeister und Verschubaufseher unter entsprechender Begründung anzugeben, in welcher dieser vier Gruppen er gehört, und allenfalls wegen Ueberstellung Antrag zu stellen. , Da die zur Herbeiführung einer Uebereinftimmung des Diensttitels mit der Verwendung geplante UeberstellungSaktion für die gesamte Personalgebarung und mit Rücksicht auf die Postenbesetzungen auch für das Fortkommen der Bediensteten selbst von weittragender Bedeutung ist, wird die Erwartung ausgesprochen, daß die Herren Stationsvorstände nicht nur die vorzulegenden Verzeichnisse mit der größten Sorgfalt und Aufmerksamkeit verfassen, sondern daß sie auch in Zukunft für die vorschriftsmäßige, dem Titel entsprechende Verwendung ihres Personals stets Sorge tragen und im Falle, als sich eine dauernde Verwendung auf einem anderen Posten als erforderlich erweisen sollte, rechtzeitig Antrag stellen. Die Abteilung I wird angewiesen, sich durch zeitweilige unvorhergesehene Skontrierung des Personalstandes in den Stationen von der den Vorschriften entsprechenden Standesführung und Verwendung desselben zu überzeugen, und werden die Herren Stationsvorstände sowie die von den Stationsvorständen mit der Führung der Personalagenden betrauten Organe für die strikte Befolgung der hinsichtlich der dem Diensttitel entsprechenden Verwendung des Personals bestehenden Vorschriften verantwortlich gemacht. Der k. k. Direktor: Banhans. i LLJ!lgl! IJ!"------------------- ■ 1 Korrespondenzen. Äßling. (Heizhausexpositur.) Der vor wenigen Tagen zum Vorarbeiter ernannte Kohlenarbeiter Valentin Kol man hat seine Tätigkeit bereits begonnen, nämlich das Denunzieren. Wir fordern ihn daher auf, diese unrühmliche Tätigkeit sofort einzustellen, andernfalls wir uns mit ihm eingehender befassen müßten. — Den Herrn Maschinenmeister und Expositurleiter M a l l h ersuchen wir, dem Kolman bei der nächsten Denunziation energisch die Tür zu weisen. Gmünd. (W e r k st ä t t e.) Schon einigemal haben wir auf die Freunderl- und Protektionswirtschaft des Werkmeisters Hoffmann, welche er sich unter den früheren Werkstättenvorständen leistete, hingewiesen. Als jedoch der Herr Vorstand Streller die Leitung übernahm, da hatte es den Anschein,! als ob diesem verwerflichen Treiben des Hoffmann endlich ein Ende bereitet würde. Doch Herr Hoffmann hat eine sehr dicke Haut, und eine moralische Ohrfeige mehr oder weniger geniert ihn nicht. Vom Reichsbund deutscher Eisenbahner ausgeschlossen, von der Liedertafel kaltgestellt, mußte er doch etwas unternehmen, um nicht ganz verstoßen und vergessen zu werden. Mit Hilfe einiger Nachläufer gründete er einen „Deutschen Jugendbund". Doch auch die Mitglieder des Jugendbundes dürften bald die wahre Absicht des Herrn Hoffmann durchschaut haben und wollen von dem Deutschtum des Hoffmann nichts mehr hören. Nun hat er in der Person des Ignaz Berger, einem bekannten Wirrkops, einen Helfer und „Gesinnungsgenossen auf Raten" gefunden. Die beiden, Hoffmann und Berger, die sich stets als politische Gegner bekämpften, sind nun zum Gaudium aller anständigen Leute sogenannte Freunde geworden, das heißt Berger, der zum „Bummerl" ernannt ist, hat eine Zeitlang für gewisse geheime Pläne des Hoffmann nach seinen bescheidenen Kräften mitzuhelfen. Als Lohn erhält erden ersten Posten, der in der Sattlerei frei wird. Nun war durch das Ableben eines Oberwerkmannes ein Posten' in der Sattlerei frei geworden. Diesen Posten sollte ein von der Direktion aufgenommener Arbeiter erhalten. Doch Herr Hoffmann hatte es anders beschlossen. Der Neu-aufgenommene wurde in die Lackiererei gesteckt, und der von Hoffmann protegierte Berger erhielt den freigewordenen Posten für seine treuen Dienste. Damit ist wiederum erwiesen, daß sich Leute, die sich als Zuträger für die politische Streberei und Veremsmeierei des Herrn Hoffmann mißbrauchen lassen, bessere Posten in der Werkstätte zugewiesen erhalten. Durch solche Bevorzugungen der Günstlinge werden die anderen, geschickten Arbeiter, welche bereits 10 bis 16 Jahre in der Werkstütte zur Zufriedenheit gearbeitet haben, übervorteilt. Bei so manchem dieser Günstlinge würde man bei einer eventuellen Prüfung über Verwendung und Leistungsfähigkeit seine blauen Wunder erleben. Vielleicht ist Herr Werkstättenvorstand Streller so umsichtig, dieser verwerflichen Protektionswirtschaft des Werkmeisters Hoffmann ein Ende zu bereiten. Komotau. (Die Verschlechterungen der Turnusse aus der Buschtiehrader Eisenbahn.) Wir haben nun in der vorigen Nummer unseres Fachblattes über die Verschlechterungen auf der B. E. B. geschrieben, und wollen dieselben noch ergänzen, damit nicht die Oeffentlichkeit glaubt, das Personal der B. E. B. hat den Himmel auf Erden. Im Monat März d. I., als die Zugsbegleiterversammlung in Oberdorf tagte, wurde die Parole an das Personal ausgegeben, von jeder Partie ein Verzeichnis über die Verspätungen der Züge anzulegen. Dasselbe wurde gemacht. Heute, nach einem Monat, können wir konstatieren, daß Partien durch Mehrleistung eine Verspätung von 23 bis 28 Stunden aufweisen können. Die geringste jedoch mit 6 bis 7 Stunden. Nun wird man sagen, es ist nicht möglich, oder das Personal hat absichtlich in den Stationen so lange verschoben. Warum werden von seiten der k. k. Generalinspektion solche Stundenpässe nicht kontrolliert? Warum wird das Personal nicht gefragt? Ein Beispiel folgendes: Zug 154a verkehrt von Eger bis Komotau (112-5) in 6 Stunden 34 Minuten, hat in fünf Stationen ein Durchfahren. In Neusattl wurden dem Zug bei einer Minute Ausenthült 600 Tonnen Brutto und Vorspann bis Karlsbad beigegeben. Laut Instruktion soll ein Zug rangiert sein, daß die weitestgehenden Stationen rückwärts, die Nächstliegenden Stationen der Reihe nach hinter den Hüttelwagen zu stehen kommen. 600 Tonnen ausrangieren läßt sich in einer Minute nicht bewältigen, zumal dreimal angefahren werden muß. Bis Komotau hatte Zug 154a mehr wie drei Stunden Verspätung am Rücken. Die meisten Züge haben nach der neuen technischen Fahr» 5Nr- IS " Wien, Mi MM ordnung 1 Minute, in größeren Stationen 16 bis 20 Minuten Aufenthalt. Die Belastung wurde vereinfacht, auf „Normale" erhöht, so daß eine Maschine der Friedenskategorie lila über "erg und Tal früher 380 bis 400 Tonnen ohne die Prozente, jetzt 460 Tonnen, auf Horizontalen 830 Tonnen Brutto nehmen muß. Die Fahrzeiten wurden gekürzt, die Brems-prozqnie erhöht, das Personal um einen Mann reduziert. Das Brennmaterial ist ein schlechtes, und all diese Taten, die über Anordnung einer höheren Instanz geschehen, werden auf das Konto des Personals durchgeführt. In vielen Stationen gab man ein Durchfahren. Mit einer Belastung von 880 Tonnen ist eS dem Führer und Heizer nicht möglich, bei diesem Brennmaterial den Zeiger auf 12 zu erhalten, und es mutz, um eine Explosion zu verhindern, angehalten werden, um neuerdings Dampf zu machen u. f. w. Betrachten wir nun die Vorgangsweise gewisser Stationen, wie Tirschnitz, Falkenau, Karlsbad und Kaaden. Das sind vier Dispotztionsstationen, in denen jeder Zug Brutto wechselt. ES kommt ein Zug von Eger tu Tirschnitz an. Laut Fahrordnung sind 30 Minuten Aufenthalt. Die Berschubpartie rangiert das Brutto, welches über Franzensbad kommt und beigegeben wird, erst aus. Nun heißt es warten. Nach 80 Minuten kommt nun der Kontrollwächter und meldet, daß die Berschubpartie fertig ist, jedoch die Einfahrt für einen kommenden Zug gestellt ist. Roch warten, bis der Zug herinnen ist. Nun kann der Komotauer Zug, der längst in Königsberg sein sollte, verschieben. Von Eger hat er verschiedene Stationen im Zug. Dieselben bekommt er in Tirschnitz. Nun werden nach Tunlichkeit nur die nächsten Stationen zusammenrangiert. Währenddessen kommt die k. f. Staatsbahn, nun heißt es wieder: Verschub cinstellen. Endlich ist man am Zug, aber wie sieht er aus? Jede Station auf zwei- bis dreimal im Zug. In Falkenau ist es noch schlechter. Dieselbe Manipulation wie in Tirschnitz und Karlsbad. Daher die großen Verspätungen, die nur am Personal auSgehen. Sie kommen um die Ruhezeit, und für die Verspätungen bekommt das Personal nichts. In der Station Wickwitz, wo das Nachschieben der Züge von Prag beginnt, hat man ebenfalls eine Partie reduziert, und es sind statt fünf nur vier Partien zum Nachschieben. Selbstverständlich, laut Fahrordnung geht es aus. Wegen der oben angeführten Verspätungen nur^ eines Zuges Nr. 163 muh der nächstfolgende Zug 155a eine Stunde oder noch länger warten auf die Nachschublokomotive. Diese Verspätung ist nicht mehr einzubringen bis Eger. In Eger mutz sich das Personal erst Feuer machen, was wiederum eine längere Zeit dauert. Endlich, um 5 Uhr früh, kommt man ins Bett, aus welchem man schon um Ö Uhr früh wieder geweckt wird. Um il Uhr 40 Minuten ist Abfahrt, um 12 Uhr nachts Ankunft in Komotau. Nach dieser Tour folgen noch acht Nachttouren, zwei schon zuvor, sind zehn Nachttouren hintereinander. Was nun die Verwaltung an den Verspätungen an ihrem Personal verdient hat, haben wir uns die Mühe genommen, der Öffentlichkeit dasselbe in Zahlen anzuführen: In erster Linie wurden die Fahrzeiten, die Aufenthalte u. s. tobte Ruhe außer Haus und zu Hause gekürzt, die Güterzugs-artien von 31 auf 29 reduziert, zwei Tagzüge, 163 und 162, wurden aufgelassen, die das Personal an den Reservetagen fahren muß und täglich verkehren. Das sind nun lauter solche Einführungen, die unser Herr Gintl mit aus dem Ministerium zur B. E. B. brachte. Deshalb ist die Ursache vorhanden, daß das Personal der B. E. B. nnmer unzufriedener wird, und betrachtet diesen Erlaß, auf den wir noch z» sprechen kommen, als Provokation. Wir haben nun diese Stundenverspätungen, die das Personal durch Mehrleistung im Monat Mai machte, auf die 29 Partien verteilt, so daß durchschnittlich zehn Stunden auf eine Partie kommen. Bei Zugführern machen diese Ist,,Stunden ä 80 H. im Monat 3 Kr., bei Manipulanten ä 26 H. Kr. 2'60, bei den übrigen Zugsbegleitern ä 18 H. Kr. '1 80, viermal — 7'20, zusammen Str. 12'80; multipliziert nrii^'29, gewinnt die Verwaltung der B. E. B. Kr. 871'20 in einem Monat für die Verspätungen. In einem Jahr ergibt sich eine Summe von Kr. 4.464'40, der Gehalt des Inspektors Fischer von Komotau, der mit ein Interesse an der Ausbeutung seines ihm untergeordneten Personals an den Tag legt. Von diesen 30 Minuten, die manchen Zugsbegleitern in der Rekapitulation übrig sind, bekommt er ebenfalls nichts, weil nach den Normen des Stundengeldes erst die 31. Minute als Stunde verrechnet werden kann. Auf solche Weise wird nun das Personal nach allen Richtungen hin betrogen. Es wären noch viele Verschlechterungen anzuführen, aber wir wollen ab-loarten, ob die Verwaltung denn doch nichts unternehmen wird, dieser Sparwut Einhalt zu tun, und dem Personal mehr Entgegenkommen gezeigt wird. Wir ersuchen Herrn Generaldirektor Gintl darum, wenn er noch ein warmfühlendes Herz für sein ihm untergebenes Personal hat. Der Strick darf nicht zu straff angezogen werden, soll er nicht zerreißen. Auch das Personal wird seiner Dienstespflicht mit Freuden Nachkommen und Herrn Gintl das Vertrauen entgegenbringen, wenn bessere Verhältnisse für das gesamte Personal eintreten. Bis jetzt ist es daher nur pure Scheinheiligkeit, die er da in seinem Erlaß betreffs der Uebernahme der VerwaTung der B. E. B. dem Personal gegenüber herabgelangen ließ. Alle seine Verfügungen tragen den Stempel brutaler Mißachtung des Personals auf Recht und Gerechtigkeit, und alles, was noch halbwegs gut bei der B. E. B. war, gegen die anderen Bahnen, mutz vergewaltigt werden. Unerträglich ist der Druck auf das gesamte Personal, ohne Unterschied des Berufes, und empörend und niederschmetternd für die Bediensteten ist die Einführung des Akkord- und Prämiensystems im Heizhaus und der Werkstätte, das den sittlichen Defekt der Verwaltung aufzeigt. Der Angriff auf die gewährleisteten Rechte der Bediensteten, der ruckweife losbricht, bringt ohne Scham die erbeuteten Happen in Sicherheit. Das Personal, besonders die Zugsbegleiter, seufzen unter der Wucht der verfügten Vor-schlechterungen, und sie sind nahe daran, zu verbluten. So ist das Regime Gintl, daS wir hiemit aufzeigen, und es tut not, daß sich die breite Öffentlichkeit dagegen wehrt, bevor eS zu spät ist. Wir wünschen, daß sich das Unsicherheitsgefühl der Bediensteten auch auf daS Publikum übertrage, und vielleicht dadurch eine Aenderung des Systems Gintl nebst seinem Stab herbeiführe. Daß solche Ueberreizung und Ueberbürdung des Personals die Sicherheit gefährdet, ist selbstverständlich. Die Sinne werden ganz abgestumpft. Ganz mürrisch geht der Zugsbegleiter in sowie außer Dienst. Gebrochen an Leib und Seele zu Hause angclangt, findet er kein gutes Wort für feine Gattin, noch für seine Kinder. Die Gattin jammert ihm vor, eS lange auf keiner Seite u. f. w. Nun stellen sich bei den Bediensteten durch die Ueberreizung der Nerven verschiedene Krankheiten ein, die ebenfalls mit dem Regime Gintl enden. Ladowitz. („St eichsbündle r" gegen „Reich s< bündIer". In der Station Ladowitz der k. k. Staatsbahn herrscht seit einiger Zeit große Aufregung unter dem Personal, weil der Platzmeister Körner den Bediensteten verwehrt, die beim Verschub von den Waggons herabfallenden _ Kohlen für sich aufzulesen und diejenigen, die eS tun, des Diebstahls beschuldigt. Ein Bediensteter mußte sich dieser Beschuldigung wegen sogar vor Gericht verantworten, wurde aber freigesprochen, weil ihm kein Diebstahl nachgewiesen werden konnte. Kurze Zeit nach dieser Verhandlung erlaubte sich der Werkmann K o l a r z, der Mitglied deS „Reichsbundes deutscher Eisenbahner" ist, gegenüber dem Platzmeister Körner, der auch Mitglied des „Reichsbundes" ist, die Aeutzerung: „Das hätten Sie unterlassen können; wie Sie bei dem Einkommen waren, haben Sie auch getrachtet, sich in irgendeiner Weise zu helfen." Durch diese Worte fühlte sich Körner beleidigt und sagte: „Ich habe einen Zeugen, daß ich nicht gestohlen habe." Kolarz erwiderte: „DaS könnte Morawetz am besten beweisen, daß Sie 'HB f» eunmwtiiK* sich noch als Platzmeister Holz aneigneten, das Ihnen nicht ge> hörte." Nun brachte Körner eine Ehrenbeleidigungsklage gegen den Wagechmtzer Anton Morawetz ein. Die erste Verhandlung fand in Dux am 18. Mai statt, wurde aber vertagt zum Zweck weiterer Zeugeneinvernahmen. Körner war von einem vom „ReichSbund deutscher Eisenbahner" beigestellten Advokaten vertreten, und der wunderte sich nicht wenig, daß von der gegnerischen Seite als Entlastungszeugen ebenfalls eine Reihe von Mitgliedern des NeichsbundeS geführt wurden, sogar drei. — Am 15. Juni fand nun die zweite Verhandlung statt, bei der der Wahrheitsbeweis durch den Angeklagten Morawetz erbracht wurde und dieser daher freigesprochen werden mußte, dem Körner wurde bewiesen, daß er sich Holz angeeignet hatte, das ihm nicht gehörte. Körner muß nun auch die aufgelaufenen Gerichtskosten tragen. MartenBad. Wir haben in Nummer 18 vom 1. Mai über Herrn Bahnmeister Repisch eine kurze Notiz gebracht, über welche sich die Ortsgruppe Schweissing des „Reichsbundes" fürchterlich aufregt. In der Folge 10/11 versucht dieselbe, Herrn R e p i f ch reinzufegen. Wir wissen nicht, ob Herr Bahnmeister Repisch sich diese Wäschermädl bestellt oder ob dieselben aus eigener Initiative eine Probe „teutschen" Mutes abgaben. Konstatieren müssen wir jedoch, daß dieselben damit dem Herrn Bahnmeister Repisch sowie sich selbst einen schlechten Dienst erwiesen haben. Wenn dieselben mit dem Herrn Bahnmeister vollkommen zufrieden sind, so beweist das gar nicht, daß derselbe den von uns angezogenen Paragraphen vollkommen respektiert, sonder eher da? Gegenteil. Die hiesigen Reichs-Bündlet hätten sich dieses Dokument ersparen können, weil wir dieselben auch ohne diese» zur Genüge kennen. Es gehört ja gewiß kein besonderer Mut dazu, seinen Vorgesetzten anzu-winfeln. Dies liegt ja schon in der Natur einer jeden Hundeseele. Selzthal. Vor nicht langer Zeit wurde hier ein Stationsarbeiter entlassen. Der Grund seiner Entlassung war ein Brief, dem Herrn Inspektor Koller gewidmet, als dessen Schreiber der Stationsarbeiter herausgefunden wurde. Der Brief enthielt die höchst interessanten — pardon — höchst beleidigenden Worte: „Groß sein tut e 5 nicht allein, sonst holte die Kuh den Hasen ein." Der Schreiber dieser Zeilen wollte damit einen harmlosen Witz unter seinen ^Kollegen machen, welcher noch an Reiz gewann, als er das Schreiben in ein Kuvert gab, welches er zufällig zur Hand hatte und cs kaltblütig mit dem Namen de? gestrengen Herrn Inspektors schmückte. Hierauf legte er diesen inhaltsschweren Brief unter daS Papier seines Schreibtisches mit dem Vorsatz, ihn vor Dienstübergabe zu vernichten. Sei es, daß der lange 24stündige Dienst, oder die Dienstübergabe den sonst klar Denkenden vergessen machte. Er erinnerte sich des Briefes erst, als es bereits zu spät war. Der Brief wurde entdeckt und als „Eisenbahndienstsache" den anderen Korrespondenzen eingereiht. Das Protokoll hierüber wurde wahrheitsgetreu verfaßt. Die Strafe dafür ist uns bekannt. Ob sie nach den obwaltenden Umständen gerecht ist, darüber möge jeder selbst urteilen, einer ist gewiß: Wäre die Strafe von einem Dienstvorstand verhängt worden, welcher selbstbewußt handeln kann, und sich über die Verwendbarkeit seiner Untergebenen selbst überzeugt und bei einer Bestrafung die Individualität des Täters in Betracht zieht, die Bestrafung wäre dann gerechter ausgefallen. Erwähnt sei noch, daß der Entlassene im Dienst sehr tüchtig war, jeden ihm anvertrauten Dienst, war er auch noch so verantwortungsvoll, mit peinlicher Genauigkeit versah. Er wurde das Opfer eines unglücklichen Zusalles. Wir geben uns der angenehmen Hoffnung hin, daß sich dem Entlassenen eine bessere Zukunft erschließen möge. Stadial». Am 2. Juni veranstaltete die Ortsgruppe Stadlau zu Ehren des Genossen Madzak, Weichensteller der k. k. Staatsbahn, zu seinem 40jährigen Dienstjubiläum in JankS Gasthaus in Stadlau einen Variete-Abend mit Konzert, welches die Stadlauer Eisenbahnerkapelle besorgte. Einleitend brachte die zwölsjährige Tochter des Genossen Pitzan zu Ehren des Jubilars ein schönes Gedicht zum Vortrag, worauf sie ihm ein Blumenbukett überreichte. Namens der Ortsgruppe hielt Obmann Genosse Babowsky mit der lteberreichung eines Bildes an den Jubilar eine Ansprache. Im Auftrag der Zentrale war Genosse Dusek erschienen, welcher den Jubilar zu seinem 40jährigen Dinstjubiläum, sowie zu seinem 20jährigen Jubiläum als Mitglied und Vertrauensmann un-serer Gewerkschaft beglückwünschte, namens der Zentrale für sein unermüdliches Wirken den Dank und den Wunsch aussprach, daß uns Genosse Madzak anderen Eisenbahnbedien-steten zum Vorbild noch lang erhalten bleiben möge. Der Jubilar, Genosse Madzak. hielt, von Tränen gerührt, an die anwesenden Festteilnehmer eine Ansprache, in welcher er sich für die ihm zuteil gewordene Ehrung bedankte, und schloß mit einem dreimaligen Hoch auf die Solidarität der Eisenbahner. Stnuding. (N o r d b a h n.) Wie überall,_ so ist auch hier infolge der neuen Normierung eine Personalreduzierung eingetreten. ES wurden die Posten dreier Verschubaufseher und eines Oberverschiebers, welch letzterer die Bedienung der Stauding-Stramberger Eisenbahn mit deren Lokomotive bei Verschiebungen am Nordbahnhof zu besorgen hatte, als überflüssig befunden. Wie wir in Erfahrung gebracht hoben,_ sollen noch weitere Reduzierungen vorgenommen werden. Das schönste Bei uns ist. daß die getroffenen Verfügungen nicht, wie ange-kündigt, am 1. Mai, sondern schon mit 1. April in Kraft traten. Wir wollen versuchen, nachzuweisen, daß schon heute bei dem geringen Personalstand das Auskommen nicht gefunden wird, wie erst dann zu Zeiten des stärkeren Verkehrs. Zur Abwicklung des Verschubdienstes sind fünf Partien ä drei Mann und drei Verschubaufseher eingeteilt, wovon täglich sechs Verschieber und ein Verschubaufseher im Dienst stehen sollen. Das trifft aber nicht zu da bei einer der Partien schon seit Jahresfrist ein Mann fehlt, der schon wiederholt gefordert, aber immer unter verschiedenen Ausreden abgelehnt wurde. Da nun durch die abwechselnden Diensttouren das Zusammentreffen mit dieser Partie einen Stand von fünf Mann ergibt, wird die Leistung der übrigen um vieles erhöht und erschwert. Die Wagenbewegung der Station der einmündenden Lokalbahnen sowie die Beistellung zur Schleppbahn der Waggonfabrik erfordert gewiß daS nötige Personal, welches sich auf zwei Mann und ein die Verschiebung leitender Organ auf der Nord- und ebensoviel auf der Südseite zu verteilen hätte. Die sich ergebenden Verständigungen im Verlauf der Verschiebung mit dem beteiligten Lokonwtiv- und Blocksignalpersonal müssen oder sollen doch ohne Unterbrechung der Arbeit gepflogen werden. Somit bliebe ein Mann, der ständig zur Disposition des Verkehrsbeamten bestimmt ist, und außerdem noch das Bezetteln der von der Stauding-Stramberg-Eisenbahn übergegangenen fremden Wagen mit Uebergangszetteln sowie das Entfernen derselben Bei der Rückkehr nach dieser zu besorgen hätte, Wirklichkeit schaut die Sache aber ganz anders aus. Da eine Vollständigkeit der Verschubpartien nur selten zutrifft, und oft Leute durch Krankheit und verschiedene Ursachen vom Dienst beurlaubt werden müssen, so sollte man glauben, daß ein zum Ersatz auSgcbildeteS Personal vorhanden sei. Mer leider ist dem nicht so, denn bei unS erlernt man eine praktische Ausbildung nur mit Schaufel und Besen in der Hand am Fiaker, platz im Zusammenkehren tierischer Fäkalien. Mutz das so sein? Auch wir halten auf Reinlichkeit und lieben Ordnung. ES kommt daher öfter vor, datz Verschiebungen von zwei oder einem Mann, sogar vom Verschubaufseher allein durchgeführt werden. Kann ein Zug infolge der angeführten Verhältnisse nicht recht, zeitig fertiggestellt und expediert werden, so hätte man schneller verschieben sollen. Wenn in der Schnelligkeit etwas passiert. -'T&anrara . , „ A^/gHtrg\^ dann wiederum hätte man langsamer und vorsichtiger tw> schieben sollen. Auch durch Wziehung der Verschubaufseher, welche nach der alten Diensteinteilung je einer auf der Nord-' und Südseite postiert sind, ist eine Verschlechterung eingetreten,1 da der Blocksignaldiener nun jetzt allein sich in der Stellwerks-Hütte befindet. Uebendies müssen die Verschieber das Austragen und Anzünden der Wechsel und Signale am Wend sowie das Auslöschen und Einsammeln in der Früh besorgen, was auch zwei Mann erfordert. Somit gehen wieder zwei Mann für die in diese Zeit fallenden Verschiebungen verloren. Aus all dem Angeführten ist ersichtlich, datz eine Reduzierung des Verschub» Personals in Stauding eine Gefahr für die Beteiligten beinhaltet, und diese Zustände für die Dauer nicht zu hatten sind.' Billach. Wie bei uns die Rechtspflege aussieht, sei an einigen Beispielen dargelegt. Der Blockwärter Johann Kob an in Faak ist ein Bediensteter, der nach dem Zeugnis der Be-amtenschaft jederzeit korrekt seinen Dienst versah. Vor einiger Zeit wurde er in einen peinlichen Konflikt hineingezerrt, in dessen Konsequenz er wirtschaftlich ruiniert wurde. Neben ihm machte ein gewisser Adunka Dienst. Dieser Mensch ist ein ausgesprochener Alkoholiker, der schon wiederholt disziplinariter bestraft wurde und auch strafweise nach Faak kam. Trotz dieser Defekte erfreut er sich der Sympathie des dortigen Vorstandes, einer Sympathie, die sich der organisiert e Wächter Koban nicht erringen konnte... Adunka provozierte vor einiger Zeit einen Streit mit Kolo n und griff ihn tätlich an. Dieser muhte sich wehren, schlug zurück, und die Folge war, datz beide vor Gericht kamen. Adunka bekam fünf Tage Arrest und mußte 50 Kr. Strafe zahlen, Koban bekam einen Tag Arrest. Obwohl schon aus dem Strafausmaß hervorgeht, datz Koban in Notwehr gehandelt hatte, fiel er als Opfer. Telegraphisch wurde er nach Mallnik versetzt. Obwohl Koban einen flehentlichen Appell an die Direktion richtete, diese Versetzung nicht durchzuführen, da sie ihn wirtschaftlich ruiniere — Koban hat nun mit vielen Sorgen eine kleine Wirtschaft in Faak erworben — wurde diese Versetzung durchgeführt. Da die kümmerliche Vegetation in Mallnik die Haltung eines kleinen Viehstandes nicht zuläht. muß $$o< b a n alles, was er so schwer erworben hat, um jeden Preis losschlage»! Nicht genug an dem. Er scheint einen UriaS» Brief nach Mallnik mitbekommen zu haben. Der dortige Vor, stand ließ den anerkannt tüchtigen Bediensteten — Zeugnis des ihm gehässigen Vorstandes Ken da in Faak — bei drei Prüfungen durchfallen und steckte ihn als A r b e i t e r ins Magazin. Was notabene die Bestimmungen verletzt, da Stob an za definitiv ist. So sieht die Gerechtigkeit im DirektionSbezu'k Billach aus! „ , „ Ein anderer Fall: Der Obervcrschieber Paul Mayer-Hofer in Villach wurde im Jahre 1912 von Knittelfeld nach Villach versetzt. Er war erst kurze Zeit dort, als er nachts eine Partie beladener Wagen in das Brettergeleise der Firma S c a r p a zu begleiten hatte, um sie dort durch Bremsen zum Stillstand zu bringen. Da Mayerhofer noch ortsunkundig war, fragte er einen älteren Verschieber, ob da» Geleise frei sei, und der Wechsel, da nicht beleuchtet war, richtig stehe. Dieser bejahte. Doch als er eine kürzt Strecke gefahren war, krachte es. Er ivar auf einem anderen Geleise auf dorr stehende Wagen aufgefahren, die er in der Dunkelheit nicht bemerkt hatte. Die Ladung de- Wagens, luf dem sich Mayerhofer befand, war stark verschoben, und Mayerhofer hatte Gluck, datz er mit dem bloßen Schrecken davonkam. Er erhielt 1 Kr. Strafe. Später wurde er noch einmal mit 2 Kr. bestraft, weil ein Verschieber seiner Partie einen Wechsel zu kurz gestellt hatte, so datz eine Entgleisung stattfand. Mayerhofer erfreut sich eben nicht der Gunst des Herrn Inspektors Fugger, der der Frau Mayerhofer auf ihre Bitte, ihren Mann doch gütiger zu behandeln, antwortete: „Ihr Mann ist sehr frech. Er mutz hinaus aus meiner Station!" DaS ist bis jetzt nicht gelungen, nämlich da» Hinausekeln M a y c r-Hofers. Aber am 24. Mai 1914 wurde er vom Oberverschieber dien st abgezogen, undanseine Stelle kam ein Versch ieber, der gar nicht die Prüfung für diesen Posten abgelegt hat! Auf seine Beschwerde erhielt May er Hofer vom Inspektor Fugger nur ausweichende Antworten. Wenn die Direktion diesen Vorgang billigt, ist M a y e r h o f e r in schwerwiegender Weise geschädigt, da er nicht mehr die Möglichkeit hat, Unterbeamter zu werden. , ... Noch sei aus dem vorliegenden Material der tfall Pichler herausgezogen. Dieser Arbeiter war durch vier Jahre in Villach als Weichensteller verwendet worden. Seit die Station blockiert ist, wurde er zur Blockbedienung und Freimeldung der Zeiger verwendet. In dieser Eigenschaft wurde ihm nn Mai 1914 1 Kr. Strafe diktiert, die aber dem Beamten Kirch-lechner — der dies wohl weiß — gebührt hätte. Darüber wurde im „Arbeiterwille" berichtet. Nun wollte man von Pichler wissen, wer diesen Artikel verfaßt habe, und als er dies nicht sagen konnte, wurde er ins Gütermagazin als Arbeiter gesteckt, wo ihm jede Aussicht, definitiv zu werden, benommen ist. ..... Diese drei Fälle sollen nur als Schulbeispiel zeigen, wie die ganze Existenz der Bediensteten von der Laune und der Sympathie oder Antipathie gewisser Beamten abhängt. So weit ist es im Direktionsbezirk Villach gekommen! Wird die k. k. Direktion sich endlich ihrer Pflicht bewußt werden und da Ordnung machen? Es wäre Hohe Zeit... Billach. Von der Südbahnverwaltung kann man es öfter hören, datz sie gerne bereit sei, das Bestmögliche für ihr Personal zu tun. Doch von der Südbahnverwaltung bis zu den einzelnen Dienstesstellen ist oft ein gar weiter Weg. auf den selbst die besten Absichten in Verlust geraten können. Da haben wir zum Beispiel in Unterdrauburg eine Kaserne für das Zugbegleitungspersonal, wo es nicht nur an dem nötigen Brennmaterial für die Oefen in den Zimmern fehlt, sondern auch die Oefen und die Betten in einem jämmerlichen Zustand sind. Oft, wenn sich« die Bremser das mitgebrachte Essen wärmen wollen, ist kein Brennholz vorhanden, und wenn eines da ist, dann muß es vom Personal erst zerkleinert werden. Die Oefen rauchen, daß es ein Skandal ist, die Bett-decken sind schon die längste Zeit weder gelüftet noch gründlich geklopft worden. Ebenso läßt die Behandlung einiger Beamten viel zu wünschen übrig. So wollen gewisse Beamte die Villacher Bremser unter Androhung von Strafen zwingen, mit Zug 484 nach Marburg zu fahren. Selbstredend müssen die Bremser eine derartige Ueberbürdung im Interesse der Verkehrssicherheit ablehnen, denn eine 18stündige Dienstzeit mit einem Sammelzug ist des Guten zu viel. .Hoffentlich sehen die Herren ein, datz auch die Zugsbegleiter das Recht haben, erträglichere Zustände zu verlangen. Znaim. Auf eine Notiz im „Deutschen Eisenbahner", worin die Sozialdemokraten denunziert werden, daß sich zwei ihrer Mitglieder ungerechtfertigte Eintragungen in den Stun-denbücheln machten, erwiderte die „Znaimer Volksstimme", daß dies eine gemeine Denunziatii n ist und bemerkte gleichzeitig, daß auch wir den Reichsbund hiefür verantwortlich machen könnten, datz die Frau eines ihrer Mitglieder ein Dienstmäd-chen zum Fleischdiebstahl verleitete. Nach Erscheinen dieser Notiz erhielt die Fran des Reichsbündlers und DirektionSvertrauenL-mannes Strunz eine anonyme. Karte, worin ihr geschrieben wurde, daß sie es sei, welche diese Notiz angeht. Wohlgemerkt,' in unserer Zeitungsnotiz war kein Name angegeben, aus dem Grund, weil wir nicht mit so gemeinen Mitteln kämpfen. Hätte ein vernünftiger Mensch wie Herr Strunz dieje Karte erhalten, der hätte ganz einfach das Anonyme dorthin befördert, wo es hin gehört. Was macht aber Herr Strunz. Er nimmt die anonyme Karte und läuft damit zum Staatsanwalt und zum Bezirksgericht und läßt Erhebungen pflegen. Welchen Erfolg zeitigten die Erhebungen? Natürlich den, daß Herr S t runz um eine Blamage reicher ist. Herr Strunz, wir haben Sie stets im politischen Kampf für einen geistesarmen Menschen gehalten, aber daß Sie so naiv sind und auf eine anonyme Karte etwas geben, das ist doch zu stark, oder sollte sich vielleicht bei Ihnen das alte Sprichwort behaupten: Dem schuldigen Mann geht das Grausen an? Weil Herr Strunz mit dem Staatsanwalt und dem Bezirksgericht kein Glück hatte, kühlt sich ein Alleswisser in der Folge 10 des „Deutschen Eisenbahner" sein Mütchen. Der dumme Artikelschreiber im „Deutschen Eisenbahner" verlangt von unseren Genossen, daß dieselben für die Zeitungsnotiz und für die anonyme Karte mit ihren Namen die Verantwortung übernehmen. Im Falle dieselben dies nicht tun, zitiert man das Zitat: „Der größte Schuft im ganzen Lan'd ist und bleibt der Denunziant". Wir glauben, daß mit diesem Zitat fehl-gegriffen wurde, und es vielmehr den Artikelschreiber im „Deutschen Eisenbahner" betrifft. VersamirUungsberichte. Eine Abrechn.lnq mit den Verkehrsbnndlcrn. Versammlungsauflösung durch den Regierungsvertreter. . Verkehrsbündler sind daraufgekommen, daß hin-sichtlich der Stärke ihrer Auchorganisation, im Vergleich zur Gesamtzahl der Eisenbahner, ein schreiendes Mißverhältns besteht. 360.000 Eisenbahner und 9000 Verkehrsbündler — wenigstens soweit sie am Papier stehen. Wie stimmt das nun zusammen? Hier mutz eingcgriffen, die Bewegung muß aufgefrischt und den Eisenbahnern muß gesagt werden, datz auch so eine Art Verkehrsbund auf der Welt ist. Bis heute haben das die wenigsten gewußt und das ist auch der Grund, warum die Eisenbahner den Verkehrsbund bisher nicht gefunden haben. Und besonders in Schwarzach tritt diese Tatsache kratz zutage, denn die dortige Zahlstelle des Verkehrsbundes hängt bereits auf der Krepierhälfte und führt — trotz des Vorhandenseins so vieler Eisenbahner — ein Leben, das Gott erbarm. Das mutz anders werden! Und so machten sich die Macher vom Landesverband der Gewerkschaft christlicher Eisenbahner Salzburgs — wie sie sich großsprecherisch nennen — auf die Socken, setzten sich auf die Eisenbahn und flugs ging es nach Schwarzach. Dortselbst ließen die schwarzen Herrschaften einige Tage zuvor durch Einladungen den Eisenbahnern kundtun, daß sie beabsichtigen, am Sonntag den 14. d. M. im Hotel „zur Post" eine öffentliche Vereinsversammlung abzuhalten. „Referent von auswärts." „Eisenbahner, Kollegen und Oberbauarbeiter, kommt alle, alle!" Und richtig: die „Eisenbahner", die „Kollegen" und die „Oberbauarbeiter" sind wirklich in großer Zahl gekommen. Aber die Macher des Verkehrsbundes konnten an der großen Zahl der Erschienenen so gar nicht recht froh werden. Je mehr sich diese häuften, um so mehr trübte sich das christliche Gemüt der Arrangeure, denn nur zu bald mußten sie gewahr werden, daß der weitaus größte Teil der Erschienenen wohl Eisenbahner, aber nichts weniger als Verkehrsbündler waren. Angesichts dieser Tatsache mutzten sich die erschienenen „drei Weisen aus dem Morgenlande" schon dazu verstehen, auch die Gegner zum Worte kommen zu lassen. Es mag ihnen dies etwas schwer gefallen sein, war aber immerhin das klügste, was sie in Anbetracht der Situation tun konnten. Unsere Mitglieder bildeten gut zwei Drittel der Versammlung, während das andere Drittel Christlichsoziale waren und zum Grotzteil aus Bauern und Mitgliedern des christlichsozialen Arbeitervereines sich zusammensetzte. Verkehrsbündler waren alles in allem kein Dutzend vorhanden! Den Vorsitzenden haben sie sich in der Person des pensionierten Oberkondukteurs Pießinger aus Salzburg kommen lassen und als Referenten -waren der Obmann des Landesverbandes der Gewerkschaft christlicher Eisenbahner Herr Steinwenber aus Salzburg und ein Herr Koller aus Wien erschienen. Vor Beginn der Versammlung stellte ttch auch ein Regierungsvertreter ein — von der Anwesenheit des Obmannes der Verkehrsbündler von Bischofshofen gar nicht zu reden. Als erster sprach der Obmann des Landesverbandes Herr Steinwendcr aus Salzburg. Er beklagte sich darüber, datz sich die Eisenbahner für den Verkehrsbund so wenig' interessieren, der doch so Grotzariiges leiste. Viele Eisenbahner seien in der roten Gewerkschaft, die eigentlich in den Verkehrsbund gehören. Derselbe nehme sich in warmer Weise für die Eisenbahner an, habe den Bau von Holzbaracken betrieben und gewährt seinen Mitgliedern sogar eine Sterbeabsertigung. Auch habe der Verkehrsbund im Jahre 1911 mit der passiven Resistenz gedroht, während diese von den Sozialdemokraten in einer Versammlung in Wien abgelehnt wurde. Wie die letzte Bewegung vor sich gegangen ist, das sei ohnedies bekannt. Mit den Obcrbauarbeitern sei es besonders traurig gestellt und der Verkehrsbund wolle sich ihrer annehmen. Die große sozialdemokratische Organisation leiste viel, aber der Verkehrsbund noch viel mehr, trotzdem er viel kleiner ist. Uebrigens ist die Sozialdemokratie auf der ganzen Linie im Rückgang begriffen, ihre Mitglieder treten massenhaft aus, und wenn die Eisenbahner Sinn und Verständnis haben, so mögen sie korporativ dem christlichsozialen Verkehrsbund beitreten. Mit dieser Versammlung wollen sie versuchen, in die Eisenbahner von Schwarzach einzudringen, denn ihre hiesige Zahlstelle sei der Mitglieder bedürftig. Es fehlte nur an Aufklärung und Versammlungen. Der Verkehrsbund wolle damit aber heute ganz ernstlich beginnen und sei überzeugt, daß es von Erfolg sein wird. ♦ Sodann kam als zweiter Referent Herr Koller aus Wien an die Reihe, der in recht schmalspuriger Form sich seiner Aufgabe erledigte. So erzählte er unter anderem der Versammlung, datz die christlichsozialen Abgeordneten auf Betreiben des Verkehrsbundes im Jahre 1905 im Budgetausschuß die Einstellung von einer Million Kronen für die Errichtung von Schutzhütten zur Einnehmung der Mahlzeiten der Oberbauarbeiter auf dem Arlberg veranlaßt haben, mutzte aber gleichzeitig gestehen, das; von diesen Schutzhütten selbst heute noch nichts zu sehen ist! Der Verkehrsbund habe zwei Rechts-schutzangelcgcnheiten durchgeführt und jede davon habe ihm genau drei Tausend Kronen gekostet und schon das allein sei Grund genug, daß sich alle Eisenbahner dem Verkehrsbund anschlietzen sollten. Dieser von den beiden Referenten anderthalb Stunden lang verzapfte wässerige und geistlose Schwatz wurde von der Versammlung wiederholt durch Gelächter und Zwischen-rufe begleitet und der Beifall am Schlutz ihrer Reden lieh selbst für die christliche Bescheidenheit alles zu wünschen übrig. Und nun trat als Wortführer der Sozialdemokraten unter allgemeiner Spannung der Versammlung Genosse Zwinger in8 Treffen. Derselbe schilderte in großen Umrissen die Lage der Eisenbahner bis zu den Neunzigerjahren des verflossenen Jahrhunderts und skizzierte das Erstehen und die Entwicklung der österreichischen Eisenbahnerbewegung, die aus der Not des Personals heraus geboten wurde und unter den größten Hindernissen und ständigem Kampf sich vollzogen hat. Heute sind die Eisenbahner ein Faktor geworden, mit dem man rechnen muß. Grundstürzende Aenderungen in den Dienst-, Entlohnungs- und Versorgungsverhältnissen wurden geschaffen, und zwar auS eigener Kraft und die Sozialdemokratie ist es, die sich daran daS größte und alleinige Verdienst erworben, die allein sich der Eisenbahner angenommen und diese kampffähig gemacht hat und sie hat eö getan zu einer Zeit, als es noch leint Belohnung in Form von Mandaten gegeben hat. Der verhaßten Sozialdemokratie blieb es Vorbehalten, sich um die schuh- und rechtlosen Eisenbahner zu kümmern. Und erst als unter ihrer Führung die Eisenbahner zur Macht geworden und im Verein mit der übrigen klassenbewußten Arbeiterschaft politische Rechte sich erkämpft hatten, erst dann haben die bürgerlichen Parteien, die Nationalen und die Christlichsozialen, ihr Herz für die Eisenbahner entdeckt. Sie ergingen sich in Anbiederungen und versprachen den Eisenbahnern alles Heil, wenn sie sich unter ihre Fittiche begeben und sich unter die Aegide der Christlichsozialen und unter die Patronanz der Nationalen stellen. Was aber die Religion und der Nationalismus mit der Magenfrage zu tun haben, vermag Redner nicht zu ergründen. Die Absicht, den Eisenbahnern jju helfen, war bei den bürgerlichen Parteien schon damals mcht vorhanden und ihr Liebeswerben bei den Eisenbahnern entsprang nur parteipolitischen Motiven, weil sie als Nutznießer unserer kapitalistischen Gesellschaftsordnung im Erstarken der auf sozialistischer Grundlage stehenden Bewegung der Eisenbahner eine Gefahr für sich erblickten, und weil die Eisenbahner mittlerweile Wähler geworden waren und politischen Einfluß erlangt hatten, durch deren Hilfe man zu Mandaten kommen konnte und vornehmlich deshalb, weil die Eisenbahnerbewegung nicht mehr umzubringen war! Wie wenig die von den bürgerlichen Parteien gegründeten Eisenbahnervereine vom Personal als Bedürfnis empfunden werden, geht daraus hervor, daß der christlichsoziale Verkehrsbund trotz seines 16jährigen Bestandes erst an 9000 Mitglieder zählt, während die sozialdemokratische Organisation bereits 57.000 Eisenbahner in sich vereinigt. Die Christlichsozialen und Nationalen haben es mit den Eisenbahnern nie ehrlich gemeint und wenn die beiden Referenten über die Lage der Oberbauarbeiter ein Jammerlied gesungen haben, so müsse Redner dem gegenüberstellen, daß es den Oberbauarbeitern bedeutend besser gehen könnte, wenn die Christlichsozialen nicht fortgesetzt zu Verrätern an ihnen geworden wären! Genosse Zwinger besaßt sich hierauf mit dem 38-Mil-lionen-Antrag, der vom Abgeordnetenhaus im Dezember 1911 einstimmig beschlossen, dessen restlose Durchführung jedoch sechs Monate nachher von den Nationalen und Christlichsozialen durch die Niederstimmung des 17-Millionen-Antrages des Abgeordneten Tomschik vereitelt wurde. Springgistig ruft der Vorsitzende: „Das wiss'n ma eh!" und die Herren beim Tisch des Präsidiums begannen nervös zu werden. Herr Stein-Wender rutschte unruhig auf seinem Sessel herum, und der Herr aus Wien rupfte beständig an seinem Backenbart. Genosse Zwinger ließ aber nicht locker und schonungslos legte er den Verrat, die Verlogenheit und Demagogie der Christlichsozialen bloß, griff zurück auf ihre Verrätereien in den Jahren 1908 und 1910 und illustrierte die ganze Kette christlichsozialer Eisenbahnerfeindlichkeit. Wenn sie behaupten, erklärte Genosse Zwinger fortfahrend, daß ihre Organisation die billigste ist, so muß ich hinzufügen, daß sie auch die wertloseste ist. Wie weit es mit der Leistungsfähigkeit ihrer Organisation her ist, beweist, datz sie in den zwei Berichtsjahren 1911 und 1912 nur 59 Rechtsschutzangelegenheiten mit gerichtlicher Austragung erledigt und 60 Unfallsangelegenheiten durchgeführt hat, während unsere Organisation im Vorjahr allein 106.000 Kr. für Rechtsschutz und 53.000 Kr. an Unterstützungen u. s. w. ausgeworfen hat. Mit der Passiven haben sie leicht drohen, weil sie niemand hinter sich haben und bar jedes Verantwortlichkeitsgefühls sind und weil ihr moralisches Gewissen dehnungsfähig genug ist, abgesehen, daß es ihnen auch nicht ernst damit war; ihr nachträgliches Verhalten hat das hinlänglich bewiesen! In Schwarzach werden sie keine Mitglieder fangen. Auf ihre „Rettung" können wir verzichten und den gesunden Sinn der Eisenbahner mit ihren Irrlehren zu vergiften, das wird ihnen nicht gelingen! Zu wiederholten Malen wurde Genosse Zwinger vom Vorsitzenden unterbrochen mit der Drohung, daß er ihm das Wort entziehen werde, wenn er nicht Schluß mache. Die Herren glaubten wohl, die Gegner mit ein paar lumpigen Minuten abspeisen zu können. Mit witziger Schlagfertigkeit leuchtete der sozialdemokratische Redner den verkehrsbündleri-schen Machern heim und seine ungefähr dreiviertelstündiqeii Darlegungen schlugen zündend ein und lösten bei der Versammlung stürmischen Widerhall aus. Sodann ergriff Herr Steinwender zur Erwiderung das Wort. Wer aber glaubte, eine Widerlegung der vom sozialdemokratischen. Redner festgestellten Tatsachen und geübten Kritik zu hören, der befand sich am Holzweg. Herr Steinwender hat sich die Sache viel leichter gemacht und auf ein Gebiet verlegt, das den Christlichsozialen viel geläufiger ist und weniger Kopfzerbrechen verursacht. Er zog die Schleusen der Gemeinheit und Niedertracht auf. Zuerst schwadronierte er unter dem Gelächter der Versammelten von Patriotismus und Staatserhaltung, dann erst kam in ihm der richtige Christlichsoziale zum Vorschein. In den sozialdemokratischen Konsumvereinen herrschen die skandalösesten Zustände und gestohlen werde, so daß einer vom anderen nicht sicher sei. Diese Behauptung brachte dieser ediert Seele stürmische Pfuirufe ein und ein ganzes Dutzend von Namen christlichsozialer Diebe und Defraudanten wurden ihm von der Versammlung entgegengeschleudert. Dann ging es weiter: Die Führer der Sozialdemokraten sind nichts als lauter Juden, und wenn der sozialdemokratische Redner gesagt hat, daß r die Christlich-sozialen die Eisenbahner verraten und gegen die 17 Millionen gestimmt haben, dann stelle er fest, daß bei der Abstimmung über diesen Antrag im Abgeordnetenhaus neun Sozialdemokraten durch vorheriges Verlassen des Saales sich von der Abstimmung gedrückt haben. — Hier wurde dem Verleumder ein Mann gesetzt. — Genosse Zwinger aufspringend: „Namen nennen!" Und schon stimmt auch die Versammlung in diesen Ruf ein. Verlegen und unsicher blickt Steinwender um sich und da die Ruse immer stürmischer wurden, kam es endlich von seinen christlichen Lippen: „Ich werde die Namen in der Presse bekanntgeben." Nun war die Lüge offenbar, der Verleumder entlarvt! Ein ungeheurer Sturm der Entrüstung bemächtigte sich der Versammlung und „Lügner", „Verleumder", „Schurke", „Schuft", „Feigling" prasselte es nur so auf ihn ein. Steinwender will weitersprechen, aber kaum öffnet er den Mund vom neuen, hagelt es auf ihn nieder. „Zuerst Namen nennen, dann reden wir weiter!" „Namen nennen oder Schluß!" „Verleumder haben zu schweigen!" und dergleichen Ruse werden fortgesetzt laut. Der Regierungsvertreter erhebt sich, fordert zur Ruhe und droht mit der Auflösung der Versammlung. Umsonst. „Namen nennen oder Schluß!" braust es immer wieder durch den mit Menschen gefüllten Saal. Der Vorsitzende ist ohnmächtig und vermag nicht den geringsten Einfluß auSzuüben. Der Sturm dauert unentwegt fort. Der Regierungsvertreter geht nun mit der Auflösung vor und die Versammelten nehmen dieselbe mit ironischen Bravorufen und Händeklatschen entgegen. So endete der „SiegeSzug" der christlichen VerkehrS-bundfeldherren. Marschall Steinwender hat von den Schwarzacher Eisenbahnern eine moralische Züchtigung erfahren, die er sobald nicht vergessen wird. Auf ein Wiedersehen werden die Schwarzacher freilich etwas lange verzichten müssen. Hoffentlich fällt es uns nicht schwer! 'l. Suff T9T4' .... '3trT19_ 1 ■■■"■» ii ----------------— / Konferenz der Lokalbahnbediensteten Oesterreichs. Anläßlich der am 22. Juni d. I. stattgefundenen Generalversammlung des Pensionsinstituts der österreichischen Lokalbahnen hatte die Zentrale unserer Organisation vor der Generalversammlung eine Besprechung der Delegierten einberufen. Zu derselben waren von 20 Lokalbahnen 28 Delegierte erschienen. «' Der erste Punkt der Verhandlung galt der Stellungnahme zu der Behandlung, die den Delegierten durch die Machthaber im Pensionsfonds und in den Direktionen der einzelnen Lokalbahnen zuteil wird. ES ist insbesondere die Wirtschaft mit den Vollmachten, ein statutenwidriger Vorgang, der von den Direktionen dazu benützt wird, um die gewählten Vertreter des Personals von der Teilnahme an der Generalversammlung fernzuhalten. Es galt aber auch die Stellungnahme zu der Lebensfrage der Lokalbahner, der Aenderung der Statuten des Pensionsfonds, der bisher alle möglichen Hindernisse Bereitet wurden, lieber die einzuhaltende Taktik in der Generalversammlung wurden entsprechende Beschlüsse gefaßt, und waren die Delegierten einstimmig entschlossen, allen diesen unhaltbaren Zuständen einen energischen Widerstand entgegenzusetzen. Beim zweiten Punkt galten die Beratungen der Verbesserung der Lage des Lokalbahnpersonals, und dem Ausbau der Organisation. Bitter und zahlreich waren die Klagen der Delegierten Über die noch bei vielen Lokalbahnen herrschenden krassen Ungerechtigkeiten und Mißstände. Die Zentrale der Organisation wurde ersucht, hier helfend einzugreifen. Es wurde auch der Ausbau der Organisation besprochen, insbesondere die Schaffung und der Ausbau des Vertrauensmännersystems bei allen Lokalbahnen im ganzen Reich. Die Zentrale wurde Beauftragt, die notwendigen Schritte sofort einzuleiten. Beim Punkt „Eventuelles" wurden noch einige Anfragen aufklärend erledigt. An den Verhandlungen nahm auch der Vertreter des TransportarBeiterverbandes Genosse Weigl teil und griff mit feinem Wissen und seinen reichen Erfahrungen wiederholt in die DeBatte erfolgreich ein. Diese Tagung wird wieder neues LeBen in die Reihen der Lokalbahner bringen, und wollen wir hoffen, daß sich die Früchte dieser Arbeit recht bald einstellen werden. Grusibach. Am 21. Juni l. I. fand in Grußbach in Brachtls Gasthaus eine freie Eisenbahnerbersammlung statt, zu der Genosse S w o b o d a von der Zentrale als Referent erschien. Auf der Tagesordnung war: 1. Die Lohn- und Anstellungsverhältnisse der provisorischen Bediensteten. 2. Die Ouartiergelbfrage in Grußbach. 3. Anträge und Anfragen. Ausgehend von den im 38-Millionen-Kronenbefchluß enthaltenen Anträgen schilderte Genosse S w o b o d a zum ersten Punkt der Tagesordnung alle jene Verschlechterungsmaßnahmen des Eisenbahnminifteriums, die es ohne jedwedes soziales Empfinden bei den Lohnarbeitern burchftihrte: Die Teilung der Grundlöhne in örtliche und Rayonsgrundlöhne; in Lohn und Zuschlägen; die Einführung von Probezeiten mit den niedrigsten Lohnen und Festsetzung von Lohnen auf Grund von Angebot unbNachfrage. Das Eisenbahnministerium machte aus der Eisenbahn eine Börse und etablierte unter den Arbeitskräften eine Konkurrenz nach unten hin, um große ArBeitsleistnngen zu den Billigsten Lohnsätzen zu erhalten. Es verschlechtert die Anstellungsmöglichkeiten derart, daß in Zukunft Anstellungen Überhaupt hintangehalten werden solleit? Genosse S w o b o d a behandelte sodann die Lohn-Vorrückungen, den Ausschluß der Bahnerhaltungsarbeiter aus der 20-H.-Vorrückung, und kam auf die Ursachen zu sprechen, wie solche Verschlechterungen dem Personal aufzubürden möglich war. Mangel an Bewußtsein, Mangel an Sozialismus sind zum großen Teil schuld. Es muß daher die Organisation aus-gebaut und gestärkt werden. Diese Ausführungen regten eine lebhafte Debatte an, aus welcher besonders die Titelfrage: „A u sh i l f s k on d u k-t e u r a n in ä r t e r“ hervorgehoben werden soll, von welchem Titel Genosse Swoboda darlegte, datz derselbe kein offizieller fei. Genosse Swoboda versprach, daß die Organisation im Eisenbahnministerium intervenieren werde, um so mehr, da hier offenbar werde, datz die Vorstände den ernannten Aushilss-koiidukteuranwärtern in Bezug auf ihre Ernennung Still-schweigen auferlegt habe! Beim zweiten Punkt wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: In der am 21. Juni 1. I. in Fr. Brachtls Gasthaus in Grnßbach stattgefundenen EifenBahnerticrfammlung wurde folgende Resolution gefaßt: Wie in allen Orten, ist auch hier der Zins enorm gestiegen. Dabei sind die Wohnungen schlecht und oft auch un-gesund. Wo eine bessere Wohnung zu haben ist, ist der Zins viel höher als das fystemisierte Ouartiergetb. Ueberhaupt alle dem Bahnhof nahegelegenen Wohnungen sinb so teuer, datz sich ein Unterbeamter oder Diener eine solche nicht mieten kann, da sein Ouartiergetb von 50 Prozent viel zu niedrig ist. Deswegen sinb die Söebiensteten gezwungen, die schlechteren, entfernten Wohnungen zu mieten, urtb haben dann bei jedem Gang in ober aus dem Dienst einen Weg von zwei Kilometer, ja noch mehr zu machen, wodurch wieder die Ruhezeit der Bebiensteten erheblich verkürzt wirb. Wenn nun schon bie Bediensteten solche Beschwernisse auf sich nehmen, so ist ber größere Uebelstanb boch der, daß sie von ihrem Gehalt mehr als 100 Kr. jährlich auf bas Ouartiergelb baraufgeben müssen, um die Wohnungsmiete zu bezahlen. Dieser Zustand ist unhaltbar geworden, weshalb bie versammelten Eisenbahner bie Einreihung bes Bahnbetriebsamtes Grußbach-Schönau in eine höhere Cuarticrgelbklasse, wie es den tatsächlichen Verhältnissen entspricht, verlangen. Zur Überreichung dieser Resolution im Dienstweg wurden zwei Genossen gewählt. Nachbem beim dritten Punkt noch verschiedene Angelegenheiten ihre Erledigung fanden, fchloß der Vorsitzende Genosse Scheifler um 7 Uhr abends die Versammlung. Slngcnfurt. (lieber die Verschlechterungsmaßnahmen auf den Eisenbahnen) sprach Genosse S ch e i b e i n aus Innsbruck in einer am vergangenen Sonntag unter dem Vorsitz des Genossen L a ck n e r abgehaltenen Eisenbahnerversammlung. Er wies zisfermäßig nach, daß die 15 Millionen, die das Parlament zur Aufbesserung bewilligte, nicht im vollen Umfang ihrer Bestimmung zugeführt wurden. Sparen ist der oberste Grundsatz, der im Eisenbahnministerium vor allem Geltung hat. Gespart wird natürlich nicht oben, sondern ausschließlich bei den unteren Kategorien. Leute werden vom Dienste abgezogen, Partien verkleinert und die Vorrückungsverhältnisse verschlechtert. Vor allem soll die Erenn-nung zu Unterbeamten möglichst eingeschränkt werden. DaS schönste Stückchen leistete man sich gegenüber den Oberbauarbeitern, denen vor Jahren bereits eine Zulage von 20 H-zugesprochen, jetzt aber nur eine solche von 10 H. gegeben wurde. Auch bei den Eisenbahnern gilt: „Macht ist Recht!" Wollen wir zu unserem Rechte kommen, müssen wir eine Mach' darstellen, was nur mit dem Ausbau unserer Organisationen erreicht werden kann. Deshalb tue jeder seine Pflicht, llntei Nr. 19 Wien, Mittwoch «»Der Eifeul»al,»er." 1. Juli 1914 Seite 11 „Mfälligem" berichtete Genoffe Scheibe in noch über die Baugenossenschaft. Es sprachen noch Genosse Schön Herr, der die Eisenbahner auf den Wert einer Bibliothek aufmerksam wachte und ihnen die Zentralbibliothek zur regen Benützung empfahl, und Genosse S t e i n r i e g e l, der zum Beitritt zum Konsumverein „Einigkeit" aufforderte. Hierauf schloß Genosse L a ck n e r mit einem kurzen Schlußwort die Sitzung. Brünn I. (Ober Bauarbeiter Versammlung.) 3tu Gasthaus des Genossen Mauka tagte am 21. Juni eine sehr gut Besuchte Versammlung der DberBauarBeiter, zu welcher auch SlrBeiter von der Strecke Brünn—Böhmisch-Trübau, Tisch-uotoitz, LundenBurg, Kojetein—Nezamyslitz—Olmütz erschienen pnb. Den Vorsitz führte Genoffe Pfeffer. Das Referat führte Genosse Dusek, welcher die Lage der Oberbauarbeiter schilderte und auf die unzureichende Durchführung der Lohnregelung sowie die Zurücksetzung und Entrechtung der Oberbauarbeiter hinwies. Unter gespanntester Aufmerksamkeit der Anwesenden wurde das Referat beifälligst ausgenommen. Eine Reihe von Arbeitern meldete sich zum Wort, um die Verhältnisse derselben in ihren Dienstorten zu schildern. Nach einem kräftigen Schlußwort des Referenten forderte der Vorsitzende : Anwesenden auf, ihre Lauheit gegenüber der Organisation aufzugeben, mitzuarbeiten und biefelBc zu stärken und auszu-Bauen. Um % 12 Uhr vormittags schloß diese vielversprechende Versammlung, welche der Organisation wieder viele Mitglieder zuführtc. Brünn I. (H e i z h a u s a r B e i t c r v e r s a m m l u nlg.) Am 22. Juni tagte im Gasthaus des Genossen Mauka in Kum-rowitz eine massenhaft besuchte Versammlung der Arbeiter des Heizhauses Brünn (St. E. G.), die sich mit der brutalen Vorgangsweise des Heizhausleiters Staatsbahnrates Herrn Faimann Beschäftigte. Den Vorsitz führte Genosse Z a p l e t a l. Genosse Janausek, welcher in ABwesenheit des Referenten Genossen Dusek, welcher erst spät abends von einer Konferenz in Wien kommen konnte, die Verhältnisse im Heizhaus Be. sprach, Beklagte das Vorgehen des Heizhausleiters den Ar. beitem gegenüber. Genosse Dusek, der inzwischen angelangt war, befaßte sich mit Einzelheiten und unterzog die Handlungsweise des Herrn Faimann einer zwar scharfen, aber gerechten Kritik. Der Referent meinte, daß es weder im Interesse der Unternehmung noch des Herrn Faimann liege, den Arbeitern eine solche Behandlung angedeihen zu lassen. Die Arbeiter sind friedfertige Leute, die gern in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen; an ihren Rechten lassen sie sich aber nichts verkürzen. Der in der Versammlung anwesende Revident Herr Kratochwil versuchte zwar, Herrn Faimann zu verteidigen, doch gelang e8 ihm nicht. Im Gegenteil, er Bestätigte vielmehr indirekt die gegen den Heizhauschef erljo&encn Vorwürfe. Eine Reihe von Genossen ergriffen in dieser Angelegenheit das Wort, und Genosse Dusek, die Ausführungen in seinem Schlußwort zusammenfassend, richtete an den Herrn Revidenten das E-r suchen, den Heizhauschef von der unter der ArBeiterfchaft herrschenden Erregung zu informieren und ihm nahezulegen, in .der Verfolgung der organisierten ArBeiterschaft eingul)alten. Aus den Organisationen. Böhmisch-Kamnitz. (V e r e i n s n o t i z.) AB Juli 1914 finden die Monatsversammlungen jeden ersten Samstag im Monat um 8 Uhr abends im Vereinslokal statt. Die Mitglieder werden ersucht, die Versammlungen stets zahlreich zu Besuchen. Steyr. (Voranzeige.) Die Ortsgruppe Steyr hält am 16. August d. I. ihre zwanzigjährige Gründungsfeier ab. DierOrtsgruppenleitung hofft auf einen zahlreichen Besuch, um die Feier zu einem würdigen Fest zu gestalten. SUD Wien. (Ortsgruppe XIV, T o u r i st e n s e k t i on.) Einladung zu dem am 6. Juli 1914 (Bei ungünstiger Witterung am 12. Juli 1914) stattsindenden Familienausflug nach Gablitz (Station Purkersdorf) in Herrn Leopold Wallners Garten und Saallokalitäten. Musik- und Gesangvorträge, Bestkegelschieben und andere Volks- sowie Kinderbelustigungen. Anfang 8 Uhr nachmittags. Regiebeitrag 20 H. per Person. Kinder unter 14 Jahren frei. Rückmarsch mit Lampions. Um zahlreichen Zuspruch ersucht: Das Komitee. Linz n. d. Donau. (V e r e i n s n o t i z.) Den Genossen Zugsbegleitern diene zur Kenntnis, daß folgende Genossen als SuBkassiere aufgestellt sind: Joses Eipeldauer, Karl Neu-Hauser, Josef Schober. Franz L u g m e i e r, Josef Kaiser, August A s ch l, Heinrich Berger, Josef Mayer und Georg Haider. Obgenannte SuBkassiere sind Berechtigt, die Monatsbeiträge der Mitglieder Behufs Abführung an den OrtSgruppenkaffier entgegenzunehmen. WolfSbrrg. (V e r f a m m l u n g S b e r i ch t,) Bei der am 16. Juni stattgefundenen außerordentlichen Generalverfamm-lung wurden folgende Genoffen neu-, respektive wiedergcwählt: Peter Kogler, OBmann, Karl Dlouhy, Stellvertreter; Franz Scharf, Kassier, Adolf R amu sch, Stellvertreter; Michael Am lach er, Schriftführer, Johann Vertjanz, Stellvertreter; Heinrich KalsBerger, Sebastian Lillak und Anton Heini sch, Revisoren; Anton Heini sch, Bibliothekar; Peter Furtner, Johann Rassi recte Koinig, Peter Kraxner, Ferdinand Weiß Bäck, Raimund Six und Johann Roitz, Ausschüsse; Karl Dlouhy, Peter Kogler, Michael Amlacher, Peter Furtner, Peter Kraxner, Johann R a s s i recte Koinig und SeBastian Lillak, Vertrauensmänner. — Sämtliche Zuschriften sind zu richten an Peter Kogler, WoIfsBerg (Kärnten), Schoßbach Nr. 24. — Die Monatsversammlungen werden jeden ersten Samitag im Monat um 8 Uhr abends im Vereinslokal abgehalten. Sprechsaal. An die geehrten Funktionäre nnd Vertrauensmänner der Ortsgruppen. Von Tag zu Tag mehren sich die Fälle, daß in der Zentrale sowie auch in der Administration und Redaktion mit Strafporto belegte Briefe einlangen. Manchen Tag beträgt das Strafporto 6 b i s 6 K r., was jährlich weit über 1000 Kr. ausmacht. Diese Summe, die für Agitationszwecke nützlich verwendet werden könnte, wird ganz nutzlos dem Fiskus eingehändigt. Obwohl wir uns schon einmal in dieser Sache an euch wendeten, aber leider keinen Erfolg erzielten, so bleibt uns nichts anderes übrig, als den Wunsch zu wiederholen, daß die Genossen allerorts genau beachten, daß Briefe, die über 20 Gramm wiegen, mit einer 20-H.-Briefmarke versehen sein müssen. Bis zu 10 H. Porto kann nicht mehr als ein gewöhnlicher Brief (Quartformat, vierseitig) verschickt werden; was mehr beigelegt wird, übersteigt das Gewicht und muß als Doppelbrief, das ist mit 20 H. frankiert sein. Falls die vorstehenden Weisungen nicht befolgt werden, so sind wir gezwungen, künftighin die Annahme der mit Strafporto belegten Briefe zu verweigern. Das Strafporto beträgt immer den doppelten Betrag des Hrankos. Am besten ist es, jeden Brief, in dem mehr als ein Bogen Papier liegt, vor der Aufgabe abwiegen zu lassen. Alles nähere über Frankierung von Postsendungen ist alljährlich im Eisenbahner-Kalender enthalten. Wer daher nicht will, daß durch die Zurückweisung von unfrankierten oder ungenügend frankierten Briefen seine Angelegenheit verzögert oder gar in Verlust geht, der beherzige unseren Wunsch. Laut Beschluß der letzten Delegiertenversammluug dürfen ab 1. Juli 1914 alle neubeitretenden Mitglieder nur mit der Hinterbliebenenunterstützungseinüchtung aufgenommen werden. Es ist daher von nun an notwendig, daß in die Aufnahmescheine die genauen Geburtsdaten und der Charakter eingetragen werden. Durch unrichtige Informationen könnten sich bei einer Inanspruchnahme schwere Komplikationen ergeben. Bei dieser Gelegenheit bringen wir gleichfalls in Erinnerung, daß die Zentrale eine große Anzahl der Bücher von Adolf B r a u n („Die Gewerkschaft, ihre Entwicklung und Kämpfe") angekauft hat und in der Lage ist, das Exemplar mit bloß Kr. 4‘40 franko abzugeben. Dieses Buch sollte in keiner Bibliothek fehlen, und ersuchen wir daher um dessen Ankauf. Der hiefür entfallende Betrag muß per Erlagschein im vorhinein an unsere Administration eingesendet werden._________________________ Achtung, Bahnrichter des Direktionsbezirkes Villach? Die in unserer letzten Nummer des „Eisenbahner" vom 20. v. M. für den 1. Juli I. I. in St. Veit an der Glan angekündigte Bahnm e i ster v e r sam m lu n g (soll richtig Bahnrichterversammlung beißen) findet am 1. Juli 1914 nicht statt. Am 12. Juli d. I. um 10 Uhr vormittags findet in St. Veit an der Glan in Hafners Gasthaus eine Versammlung der Bahnrichter vom gesamten Direktionsbezirk Villach statt, und zwar mit folgender Tagesordnung: 1. Bericht über die letzte Sitzung der Personalkommiffion. 2. Ausbau des Vertrauensmännersystems. 8. Eventuelles. Alle dienstfreien Bahnrichter des Direktionsbezirkes Villach sollen zu dieser wichtigen Versammlung erscheinen. Die Zentralleitung. . Offene Anfragen. An die k. f. Staatsbahndirektion Triest! Ist es bei der k. f. Staatsbahndirektion möglich, einen Maschinenaufseher- eventuell Maschinistenposten zu erlangen, ohne den Befähigungsnachweis laut Handelsministerialverord-nung vom 15. Juli 1891, R.-G.-Bl. Nr. 108, über abgelegte Prüfungen über Wartung von Dampfkesseln und stationären Dampfmaschinen? Wenn dies nicht der Fall ist, so wolle die k. k. Staatsbahndirektion veranlassen, daß die Befähigungsnachweise, bei den Maschinenauffeljern auf ihre Gültigkeit überprüft werden. Mitteilungen der Zentrale. Verwaltungskomitecsitzung am 24. Juni 1914. — Entgegennahme des Berichtes über die Betriebsführung des Eisenbahnerheims. — Berichte und Beschlußfassung über eine Reihe administrativer Angelegenheiten. — Beschlußfassung über Neuanschaffungen in der Administration des „Eisenbahner". — Erledigung des vor-Itegenöen Einlaufes. Zentralausschuhsihung am 17. Juni 1914. — Entgegennahme des Berichtes über die letzte Sitzung des Verwaltungskomitees. — Eröffnung der Beratungen über den Ausbau des Vertrauensmännersystems. — Entgegennahme mehrerer Berichte und Erledigung des vorliegenden Einlaufes. Üthimheiliiing btt Bminülrulion. Folgende Ortsgruppen, respektive Zahlstellen hqben mit 27. Juni 1914 noch immer nicht das Geld für die MaieouponS iiefendet, obwohl schon mit 10. Juni der äußerste Termin für ine Abrechnung gewesen ist. Um aber die dadurch betroffenen Mitglieder in ihren erworbenen Rechten nicht verkürzen zu müssen, ersuchen wir die Vereinsleitungen der hier angeführten Ortsgruppen, sofort den Rückstand zu begleichen und künftighin darauf zu achten, damit rechtzeitig die Geldabfuhr durchgeführt wird. So schulden die Ortsgruppen Deutfch-Brod, Ja. worzno und Tarnow die Beiträge per April und Mai 1914, wogegen nachfolgende Ortsgruppen die Beiträge per Mai dieses Jahres schulden: Böhmisch-Trübau, El bogen, Friedland, Göding, Groh-Wossek, Halicz, Krakau, Moldau, Morsztzn, Neuern, St. Veit an der Glan, Triest V, Zwettl und Zagorz. Versammlungsanzeigen. In nachstehenden Orten finden Versammlungen statt: Böhmisch-Kamnitz. Am 4. Juli um 8 Uhr abends im Vereinslokal. St. Valentin. Am 4. Juli um 8 Uhr abends in Hubers Gasthaus. Triest-St. AndrS. Am 4. Juli um 8 Uhr abends im Gasthaus „International", Via Gian Rinaldo, Zugsbegleiterversammlung. Neuda». Am 4. Juli um 8 Uhr abends im Vereinslokal. Steyr. Am 6. Juli um 1 Uhr nachmittags in Söll-Hubers Gasthaus. Nieder-Lindewiese. Am 6. Juli um 10 Uhr vormittags in Niklasdorf. Am 6. Juli um 3 Uhr nachmittags in Nieder-Linde-wiese im Hotel „Bahnhof". Wiener-Neustadt. Am 5. Juli um 2 Uhr nachmittags im Arbeiterheim Bahnrichter, und Aushilfsbahnrichterversammlung. Schwechat. Am 7. Juli um 8 Uhr äBente in Frau Proidls Gasthaus. Reichrnberg. Am 7. Juli im Vereinslokal, Gasthaus zum roten Adler", Hanicherstrafee' in Reichenberg. Oderberg. Am 13. Juli um 8 Uhr abends Generalversammlung im BereinSlolal. Mitgliedsbücher find mitzubringen. Briefkasten der Redaktion. R. 365, Neschwitz. Pensionierte und provisionierte Bedienstete erhalten, soweit dieselben während ihrer aktiven Dienstleistung mit SeBenSmittelfreifcheinen beteilt waren, unter den gleichen Voraussetzungen und Modalitäten wie aktive Bedienstete Lebensmittelsreischeine. — Reichenberg. Kandidatenlisten für die Lokalkommission werden im „Eisenbahner" nicht mehr veröffentlicht. — K. 42. Ihre Angaben scheinen nicht richtig zu sein. Wenn Sie am 1. Juli 1913 die 1000 Kr. erreichten, so hätten Sie die 1100 Kr. am 1. Juli 1_0 1 2 erreichen sollen. Sie schreiben aber 1. Juli 1913. Haben Sie eine schlechte Qualifikation oder eine Disziplinarstrafe gehaßt? (Z. 5524 I. M. 1914.) — Lundcnburg-Mährisch-Ncuiwrf. Was Sie in Ihrem Schreiben mit den 16 Stunden anführen, entspricht den Bestimmungen. Es ist zwar eine kniffige Auslegung der Bestimmung, aBer sie ist so kunstgerecht dem Erlaß über die Dienst- und Ruhezeiten nngepaßt, daß es unmöglich ist, von einer Entrechtung der Bediensteten zu reden. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion und Administration keine wie Immer geartete Ver- o o antwortung. s o Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion und Administration keine wie Immer geartete Ver-o o antwortung. o o Schuhoersandhaus Gegen Teilzahlung ohne Frolsaufsohlag, Zahlbar in Monatsraten a 3 Kronen per paar Zusendung von Illustriertem Katalog 57 nebst Bedingungen n. Massanleitnng gratis und franko. Leo Edel, IDien 1, Fleischmarkt 15. Erstes amerik. Marko „L E S“ Reg. Schutzmarke Alleinverkauf für Oesterreich-Ungarn l 500 Kronen zahle ich Jhnni. wenn mein Wurzel -Vertilger „:liin > Balsam" Ihre Hühneraugen, Warzen e-i und Hornhaut i-i nicht ins Tagen schmerzlos entfernt. Preis: l Tiegel kamt Garantiebrief 1 Kr. 8 Tiegel Kr. 2'50. Hundert? Dank» und Anerkennungvlmreibe». KEM6NY, KASCHAU (Kassa) I. Postfach lit/715 (Ungarn.) Universal-Fcmglas 1913 \ Ein billiges aber gutes Glas! iiiMitiiiiHiiiiiiüiiiiimtiniiiiiiiiiiTTiiiiiiiiiiiiiittiiiitiitimiitiiiiiiiiimunniiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiimtfiiiuiiiiiiiiiiiitiiii Hervorragende Lichtstärke, erzeugt duroh Rlesenllnsen außergewöhnlicher Qualität, zaubert Bilder von überraschender Plastik hervor. Enorme Helligkeit, welche noch bei Dämmerung die fixierten Gegenstände wie durch einen Reflektor beleuchtet erkennen läßt, macht unser Modell 1913 zum besten Uni. versalglas für Helle, Sport, Jagd, Theater etc. Zusendung erfolgt ohne tede Anzahlung 5 Tage zur Probe _M mit vollständig bedingungslosem Rücksendungsrecht bei Nichtgefallen und berechnen wir dieses vorzügliche Glas samt feldttichiigem Etui und zwei Umhfingericmcn mit nur 48 K bei monat- l Verlangen Sie sofort liehen Zahlungen von nur HiiOUCII. umcreAnsidütiendung. Bsal §}. Freund,Ge«, m.>».p0>h«& sü/io WienVI/* j IHmtrierieKetaloge über andcrcModclle auf Verlangen gratis u.freL | Ich erkläre, daß die von mir in dem Schreiben an Herrn k. k. Staatsbahnrat Karl Salomon gegen Herrn Friedrich Weberin Bodenbach erhobenen Vorwürfe jeder Grundlage entbehren: ich nehme die in diesem Brief enthaltenen Beleidigungen mit Bedauern zurück und bitte Herrn Weber um Entschuldigung. Marie Fockc ______________ auS Schönborn. Alle Männer die infolge schlechter Jngendgewohn- heiten, Ausschreitungen und dergleichen an dem Schwinden ihrer besten Kraft zu leiden haben, wollen keinesfalls vers&umon, die lichtvolle nnd aufkllrendo Schrift eines Nervenarztes über Ursachen, Folgen and Aussichten anf Heilung der Nervenschwäche zn lesen, illustriert, neu bearbeitet. Zu beziehen für K. V60 In Briefmarken von Dr. Ruinier» H8llnnsta.lt. Otepf 881 (Schwelt). 1914er Junggeflügel Garantiert lobende Ankunft franko teder Station: 20 St. grosse fette Brst» itibner K 20 —, 12 St. grosse fette Bleeenenten K 22'—, o St. grosse fette Kleaengänee K 39-50 per Nachnahme liefert S. MANDEL, Skalat 300 (Oest). Achtung! Schuhe! @tra»a$fdiu6e, Tomen- 5 St., Herren» 6 St r. Dauerhafte Sonn-taaskchube, Damen- 7 Str., Herren-S »r. Hochfeine Borcalf- un» Ehevreaurfchuhe, fchwarzu. braun, anch amerikanisch, spottbillig. Joh. Samck, WienX, Keplerg.14, gegenüber der Lotterie. Äerkauf nur im X. Stork. Kein Aasienladen, daher olles billiger. RESTE. Infolge halbjähriger Inventur verkaufe ich verschiedene Baum-wollwaren in Resten unter dem Erzeugnugsproie, und zwar: Kanafase (Bettzeug), schöne Muster, licht n. dunkel. Oxfords (grobfärblg) auf Hemden. Französische Zephlre für Hemden and Blusen. Blaudrucke für Hauskleider und Schürzen. Brlsetta fttr Röcke. Wslste Weben für Unterwäsche nnd Austattangen. Handtücher, Flanells n. Barchente, Garantiert echtfarbige u. waschechte Galantarleware. 1 Paket, enthaltend 86 bis 40m schön sortierter Reste, K 13-50, Die Reste sind 8 bis 14 m lang. Versand per Nachname durch die Lelnanwaren-Weberel Ant. Marschik fllesshübel b, Neustadt a. d, Mettaa. (Bei Bestellung von 2 Paketen = franko Zusendung.) ------ Unsere Welt-Camera ist das Ereignis de» Tage» denn ela ermöglicht »» jedermann, ohne Mühe und ohne Vorlrennt-nluc die vorzüglichsten BUder anzufertigen. Wes bisher eine Kensl war. Ist au cl» Kinderspiel I Mltllutcn ausgeschlossen! Unsere Welt-Camera, welche wir Ihnen ohne tede Antahlung 5 Tage zur Probe liefern, vereinigt alle denkbaren Vorzüge! Handlichstes Formst, Gr. ex 12X4 om, Gowloht nur 800 g, für Qlaspl.u.Fllms verwendbar, bequen In der Tasohe unterzubringen, ste>, bilste Bauart etc. Wir liefern Ihner* die Camera gegen A KV ______ Teilzahlungen von HUT w Ui, monatlich bei einem Preise von Insgesamt nur 00 Kronen, Lassen Sie sich sofort unsere Welt-Camera zur Probe kommest. Postkarte genügt. Bel Nichtgefallen haben Sie nur die ganz minimalen Porto«posen zu tragen. Ein Risiko haben Sie demnach nicht —• BialSiFreund^Grs. m. b.a, Postfach 5543 Wien VI/* Unseren retchillnstrlerten Katalog Ober ander« Modelle In allen Preislagen senden wir Ihnen anf Vertan#«« gratis and Ir«i, SCHOIHDSUCHT! TUBERKULOSE! Sind Sie ilungenleidend? So schreiben Sie mir noch heute, portofrei ein neues Mittel senden, werden von der Wirkung freudig überrascht sein. Vielleicht haben Sie schon viel Geld für IhreGesundheit ausgegeben und doch keine Besserung oder nur vorübergehende erzielt. Doch ich kann Ihnen mein Wort darauf geben, daß ich das rechte Mittel habe, um die Ursache der Schwindsucht, die Tuberkel - Bazillen, aus IhremKörper für immer zu entfernen. Auch alle anderen Ich will Ihnen ganz umsonst und das schon vielen geholfen hat. Sie Leiden, die mit Tuberkulose Zusammenhängen, werden dadurcbgeheilt.Täg-lich erhalte ich Dank und Anerkennungsschreiben von Personen, die jahrelang anSch wind sucht gelitten haben, ohne Besserung zu finden bis sie sich an mich wandten. Machen Sie einen Versuch! Es kostet Sie nur eine Postkarte. Ich sende Ihnen ein wertvolles Buch und ein gutes Mittel ganz umsonst. Schreiben Sie sofort öder schneiden Sie diese Annonce aus, Sie werden mir spä- | Gratäs tor auch dafür Dank wissen, wenn ich Ihnen geholfen :: habe. :: TheoThommen an Meu-Ällschwlll Nr. 6 :: Post St. Ludwig im Eäsass. :: Wiens hesteu. billigste Ein-Hfl II Br Bai Msquelle ist die in Eisen-IIII Irll Ifllitilinerkreisen allbekannte IllUiJlssMund langjährig bestehende Fünfhauser Möbelniederlage ölen xu/1, Uarianüferstrasse 142 (neben der Löwendrogerie). Politierte Zimmereinrichtungen von 140 Stf. aufwärts; Itürfiencitirimtunßen ton 40 Str. aufwärts: moderne Küchen, weiß, von 70 Str. aufwärts: Schlaf, und Sveifezinimer von 280 Str. auswärts; Plüschdiwan von <50 Sr.: Betteiniätze von O Sr.; Matratzen von 12 Kr.: einzelne Mädel billigst. Kleiner Preiskatalog für Provinz gratis. Großes Möbelalbum für 90 Heller in Briefmarken franko. Briefliche Bestellungen streng reell wie bei persönlicher Auswahl. Zufuhr in alle Bezirke und Bahnhöfe frei. Warnung! Achten Sie genau auf meine Firma _ Ftinfhausee Möbelnlodorlaga und meine Schutzmarke .Konduktenr", welche als Kennzeichen meines Registrierte Geschäftes in Lebensgröfie in meinem Schaufenster ausgestellt Schutzmarke ist. baffen Sir sich nicht irrcführen. Sie find erst dann beim S.mhns, richtigen fficfchäft, wenn Sie nebige Schutzmarke, Firma und Wanten auf gelben Schildern vor dem Geschäfts» lokal fehen. Euer Wohlgeboreul Ihre Sendung, mit welcher ich sehr zufrieden bin, erhalten. Alles langte in gutem Zustand an, werde bald nachbestellen. Hochachtend mit Gruß Bischofshofen. Josef Fink Kondukteur der k. k. österr. Staatsbahnen. Benisch Beste böhmische Bezugsquelle I Billige Bettfedern 1 lkg graue, nute, geidiliffene 3 K, bester« 2 K.40 stzrimahalbweif,« 3K BO; meiste 4 K; weist«, flaumige B K 10; 1 kg hochfeine, schnreweiste, geschliffene 6 K 40, 3 K ;1 kg Dannen (fittmm), grau« Stil: weiße, feine 10 K; allerfeinster Brustflanm 13 K. Bei Abnahme von 5 kg franko. Fertig gefüllte Betten ausdtchtfltdigem roten, blauen, weißen oder gelbenNanllng, 1 Tuchent, 180cm lang, lirla 120 om breit, mitsamt 2 Kobsk,'se». i-de» 80 am lang, ztria «oam breit, gefüllt mit neuem grauen, sehr dauerhaften, flaumigen Bettfedern46 K, Salbdannen 20 K; Dannen 24 K; einzelne Tuchente 10 K, 12 K, 14 K, 16 K; SlobfHffcii II K, 8 it 5U, 4 h; Tuchenten, *00om lang, 140 cm breit, IS K, 14 K 70, 17 K 80, *1 K. Kopfkissen, «0 mn lang. 70 em breit. 4 K 60, 6 K 20, 6 K 70: Untertuchente au« starkem, gestreiften Gradl, 180 cm lang, 110 om breit, 13 K 80, 14 h.80. «erfand gegen Nachnahme von 12 K an franko, Umtausch gestattet, für Nichtpasiende, Geld retour. « 8. Benisch in Deschenitz Nr. 158, Böhmen. —— SielifllBiiftrlcrtf Preisliste gratis und franko. -- Flechtenkranke Warum lauge leiden? Wenn Ihnen dock 'durch Apotheker StauderS Luzema-Balsanr sofort .frilfe gebracht wird! flechten' leiden aller Art, HantanSschlage, Hämorrhoidalausschläge, leibst in veralteten Fällen. verschwinden überraschend. Zahlreiche Dankschreiben von Geheilten. In Oesterreich-Ungarn mit den besten Erfolgen eingefnhrt. Probedose 3 Kronen. Allein nur durch die Rothsche Apotheke, Kaufbeurcn, D. 27 (bayr. Allgäu). Ohrensausen Ohrcuflich, Schwcrhörigkcit, nicht nusicborcne Taubheit beseitigt in 'MGehörslZL. gratinS. Preis Kr.4Doppel-fläsche Kr. 6-50. Versand zollfrei durch die Stadtapotheke Pfasseu-hofen am Ilm *145 (Bayern). Auf Raten Goldkette für Herren u. Damen 60 Gramm »ohwer, 140 K, monatlich « K. Erstklassige Sllboruhr mit 3 Silbcrdockeln 14 K. Lieferung Überallhin. Wer billig Uhr und Kette kaufen will, schreibe sofort. RI orhnoi< lundenburo 2oe , Lecnner, ooldwarenhaus. Pro Paar 8 K u. io n Gesetzlich geschützt! 42 50.000 war fionuniiWe welche mir wegen zu später Lieferung zurückgeblieben und dief ür die schwersten Strapazen geeignet sind, habe ich mich entschlossen, zum Selbstkostenpreise von 8 Kr. per Paar zu versenden. Die Schuhe sind au» bestem Rohleder, mit stark genagelter Lederfohle. Wjfätze mit Eifel beschlagen und Lederriemen. Diese Schuhe sind besonder» für die Alpenländer empfehlenswert. Bei Bestellung genügt Zentimetermaß oder Rummernangabe. Umtausch gestattet. Beifand per Nachnahme durch bas Schuherporthaus Franz Human», Wien, 2. Bezirk, AloiSgaffe S/24, I. k. handelSaor. protokollierte Firma. Von Herrschaften abgelegte Herrenkleiber spottbillig nur bei Heinrich Weinberger l. Bez.. Singerstraße Nr. 6. Kleiber auch leihweise. +I1AI1A+ GUMMI "t5Ä«if*e , für Herren u. Damen übertrifft alles Dagewesene an Feinheit und Festigkeit. Per . Dutzend Kr. 4, 6, 8 und 10. Neuheit f. Herren, dauernd zu gebrau» chen, Stück 4 Kr. Frauenspritzen re. billigst, «erfand diskret per Nachnahme od.Bries-marken. Preislisten gratis, berfeh losten 80 H. — Stets viele Neuheiten. 3. Gvirnerr Wien T/2, Schön-brtmnerflr. 141 E. Zuckerkrankheit, geschwollene Fitste beseitigt man rasch durch Dr. Nevllles Herz- und Walfcrludittee. Preis 4 Kronen, 8 Pakete 10 Kronen, «erfand zollfrei durch: Stadtapottioks Pfaffenbotin a. d. Ilm 10 (Babetu). Beste und reellste Bezugsquelle! Billige 1 Kilo graue, geichlissene K 2*—, bessere K 2 40. halbweisre K 2*80. weisrc K 4'—. bessere K r. —, Herrschaftöschleitz, schneeweis; K 8 —, Hochprima K 9 50, -w -v- - Daunen, grau K 6 —. 7*— und 8'—, Daunen, weis; K io-—, Brustflaum K 12'r-, Kaiscrflaum Ki4’-. Von 5 Kilo an franko. Fertig gefüllte Besten aus dichtfädigem roten, blauen, gelben oder weißen Nanking: l Tuchent zirka 180-120 cm groß, samt 2 Kvpspolstern. diese zirka 80/60 cm groß, genügend gefüllt mit neuen, grauen, dauerhaften Federn K 16 —, Halbdaune» IC 20'—, Daunen K 24 —, Tuchent allein IC 12'—. 14'— und 16'—, ilovfpolfter allein K 3 —, s-öo und K 4'—. Tuchent, zirka 180/140 cm groß, K 15'—, 18'— und 20.—, Kopfvolster, zirka 90/70 cm groß, K 4'50, 5'— und 5'50, Unterbett, zirka 180/116 cm groß, K IS IS— und 18'—, versendet gegen Nachnahme, Verpackung gratis, von K 10'— an franko Josef Blahut in Deschenitz Nr. 109 (Böhmerwald). Richtpaffendes umgetauscht oder Geld zurück. — «erlangen Sie die ausführliche, illustrierte Preisliste gratis und franko. Im Interesse des kaufenden Publikums ist es dringend geboten, sich bei Bestellungen und allen Anfrage» des vollen Namens Jo«ef Blahut zu bedienen, da nur ich die eigentliche alte Firma hin und größten Wert darauf lege, meine verehrten Abnehmer aus das streng solideste zu bediene». Kühle Limonade äußerst erfrischend und durststillend, von hervorragend delikatem Heschmak und seinem Zstrucht-aröma, bereitet man nach meinem Verfahren durch einfachste Seibstbereitung. Selbstkosten ca. 2 Heller pro Flasche. Verlangen Sie Probe für l SMen gratis äIää IHaxNoa, König!. Span. u. Griech. Hoflieferant, Bodenbach in Böhmen 182c Mit verluft! Bestellt euch jeder für eure Familie ein Paket fehlerfreie Reste, enthaltend: Prima-Kanevas für Bettüberzüge, starken tzemdoxford, Zephir für Hemden und Kleider. Blaudruck, Blusen- und Kleiderstoffe, Leinwand ic. Alles in Prima-Qualität. 40 Meter um 16 Kr., beste Sorte 40 Meter um 18 Kr. per Nachnahme. Die Länge der Reste beträgt von 4 bis 14 Meter und kann jeder Rest bestens verwendet werden. j— Für Wicdcrvcrkäufcr glänzender Verdienst. ,■-:: Alois Vodak, Lmenweberei, Nachod (Plhov). Billige ■Mettfedern und Staunen_________________________ ■ 1 Kilo graue geschlissene K 2'—. bessere K -1*40, naibwetsse prima ■ K 2*80« welsse K 4*—, prima daunenweiche K 6*—, hoohprlma K 7*—, 2 8'— und 9*60. Daunen, graue K 6*—, 7*—. welsse prima K10'—. Brust» U flaum K 12*—. von B Kilo an franko. E Fertig gefüllte Betten B »na dichtfädigem roten, blauen, gelben oder weiesen Inlett ■ (Nanking), 1 luohent ca. 180 cm lang, 120 cm breit, samt 2 Kopf» ■ polstern, Jeder ca. 80 cm lang, 60 cm breit, genügend gefüllt mit * neuen grauen, flaumigen und dauerhaften Bettfedern K lo*—, Halb» ■ daunen K 20*—, Daunenfedern K 24*—. Einzelne Tuohente K 10*—. ■ 12*—, 14*— 16'—. Einzelne Kopfpolster K 8*—, 8*6U, 4 —. Tuohente 2 200X140 cm gross K 13*—, 16*—, 18*—. 20*—. Kopfpolster 90X70 cm ■ gross K 4*60. 6*—, 6*60. Untertuohente aus bestem Bettgradei ■ $80X116 cm gross K 13 — und K 16*— versendet von K 10*— an franko gegen Nachnahme oder Vorauszahlung ■ Max Berger in Deschenitz Hr. 249/4, Böhmerwold ® Kein Risiko, da Umtausch erlaubt oder Geld rückerstattet wird. ■ Reichhaltige illustrierte Preisliste aller Bettwaren gratis. W Tilsiterkäse! in Laiben, ca. 5 kg schwer, so gut wi^ Emmenthaler, Packung in Stannj . liefert überall 1 kg a K 1*40 mit Lm ballage per Nachnahme Dampfmolkerel Josef Rohera Laun, Böhmen. Bei grösserer Abnahme entsprechend billiger. Tüchtige Vertreter werden aufgenommen. istrinner Natur* EIME! Weiss oder rot, gute Qualität, 44 Heller per Liter, fko. Pisino, gegen «acn-nähme, liefere ich in eigen Gebinden von 56 Liter anfwart • LADISLAUS HRADEK, PISINO, ISTRIEN- mmm in herlichcr Brünncr Gegend, wird unter günstigen ' Bedingungen um 6000 Kronen verkauft. Die Hälfte de» Preises kann stehen bleiben. Das Haus besteht au» 2 Zimmern, 1 Küche, 1 Borhaus, 1 Keller, Hof, 2 Gärten, samt Hausgeräten und Brunnen mit gutem Trinkwasier. 10 Minuten von der elektrischen Station Schreibwald. Nähere» im Eifenbahnerfekretariat Brünn, Adlergasie 24. lÖOOfttdjen Dank! Jahrelang litt ich an Gicht und Rheuma- itn Medizinen, Pulver uno Bader in grover Anzahl, aber nichts wollte helfen: da erfuhr ich von Ihrer bewährten Pohl-fcife (ä Stück Kr. l'SO) und versuchte auch noch diese» Mittel. Zu meiner größten Freude kann ich konstatieren, daß jetzt nach I4Iägigem Gebrauch Ihrer Seife alle Schmerzen und Schlaflosigkeit geschwunden sind und ich mich ......................................... nicht. Pölten, 10 Joses Psenneberger, Et. PB Niedcrösterreich, Lederergasse Pohl-Eelse S® die sich auch bei Reißen, Stechen, Jucken, Rheuma und Hantausfchlägen vorzüglich bewährt hat, ist zu haben in Kartons A Kr. S'90 direkt beim St« zeuget I. ©. Pohl, Braunau am In» Nr. 12. Depot» in Wien: Apotheken: I, Plaukengasse 0, Grabe» 7, Fleischmarkt 1, Hoher Markt «, Wollzeile 13, XII, Meid, linacr Hautitftrafte 45. Frauen! + HM- Gegen Störnngen und Blutstockung hilft sofort mein Retensor uonJBoitor iVlcimicr, Paris. Auch bei längerer Zeit. Preis Kr. »'4S, Stärke II Kr. 6'—. (Auch geg. Nachnahme.) Interessanter Ratgeber und Preisliste über echte Pariser Schutzmittel für Herren und Damen sowie berühmte Schönheitsmittel gratis. >Berfchlosien gegen 20S.) KosmoS-Berfand. Wiener-Neustadt B. Istrloner Rotaein Primaqnalität, garantiert natureoht, kann ich von nun an dank meine» groason Kundenkreises zn 36 Helle* per Liter senden; wer Fässer zm Füllung sendet, 35 Heller ab Station Polet, pr. Nachn., solange vorrätg. R. Kandolin, Weingrosshandlung ‘BZ) MA' gegen - MONATSRATEN X" 1ÄHNE ANZAHLUNG , ' liefert ; ->->»- TASCHEN;WAN0;VVtCKEH7; fst »PENDELUHREN / ls EJUWELEN E » G0LD-U.SIL6ERWAREN} 0 ptische Erzeugnisse ’ Phofogrofische Apparate . • Grarnrnophiine uidiiimvpnvHc.. [‘‘i- j • ADOLF JlRKA W '■ , •--• iiMUM-iiür . juwiiiin . T KRUMMAUa/dMOLDAU Jll.Kafaioqe gratis. • AUswahlsenduhgeri auf Verlangen i«Mwinrniiin'ii>firaini- ü ii 1. ! ! ,! !!' ! r 1 ! !. - Mil! 11 H wo zimmer LEOPOLD NEDOMHNSKYS >00 zimmer NEUERBHUTES, BESTEMPFEHLENSWERTES HOTEL ERZHERZOG RAINER STHDTZENTRHLE LH6E WIEN IV. HHUPTSTRHSSE 27/29 GRÖSSTER KOMFORT FHMIL1ENHOTEL I. RHNGES BÜRGERLICHE PREISE ANGENEHMER HUFENTHHLT UND BELIEBTER RENDEZ-VOUSPLHTZ DER P.T. EISENBAHNER MITGLIEDER DES ALLGEMEINEN RECHTSSCHUTZ- UND GE-WERKSCHHFTSyERElNES GENIESSEN BESONDERE PREISERMftSSIGUNGEN I ' Herausgeber Sofcf TomkLU. — WerantworUicher Redakteur Franz Lill. — Druck» und Verlagsanstalt .Vorwärts" Swoboda it tt*„ Wien, Rechte Wienzeile 97.