Nr. 259. Sonntag, 25. Oktober 1914. 133. Jahrgang. Mum p»änumerntl«n«urel»: Mi Pustvers^likuüg: «anzMrin « l(, lMibuchii« lb«. Im livülol! ganzMrlg ^ « ll. hulbjählill 1, ^. Mr ble ^ufteNung i»« Hau« ganzjährig « l^. - I»s»»«»«n«,,l»iU,r: Mi llelne Inserate ! b!« zu vier Zellen 80 K, «rv^ere per Zrilc 1» l,: bei vsteren »üi^^rhoülügei, per Zeile « l». ' ^ir »Lniwch« Zen,!,'!^» cr!ch< ta„lich, mit Ai!)»ulime !irr >5onn- und Feiertage, Nie Adlnlnlftratl«» btfinbel sich Mllluöiöstrahe «r, 1«: dir P«>nk««n Milloöi<'s!lahe Nr. 1«. Sprechstunden der Medallion von » bl« l« Uhr »urmillllli«. Uns.anlu'rte priese werden »icht angenomuien, Manuskripte nicht zurüsgeftellt. Telephon-Nr. der Redaktion 53. Der Arteg. Telrgramn:e des k. k. Colr^razihrn-Korrrspmlftrnz-Vureaus: Asterreich - Ungarn. Neue Methoden der russische» Kriegführung. Wien, 24. Oktober. Aus deck Kriegsftressequartier wird gemeldet- Die Methode der russischen Kriegführung findet durch eine aus verläßlicher Quelle stammende Nachricht eine neuerliche Illustration: Die Nüssen haben auf die Gefangennahme oder den Tod eines unserer Truppenfi'chrcr einen Preis von 8tMW Nubcl ausgesetzt. Nun erklärt sich ein Attentat auf einen Kommandanten, das glülllichcrwcse ohne Erfolg blieb. Ernennung vou Einjährig-Freiwilligen zn Kadetten in der Reserve. Wien, 24. Oktober. Einjährig-Freiwillige, die den Präsenzdieiist in diesem Jahre angetreten haben, sowie Freiwillige oder auf die ikriegsdaucr assentierte Wehrpflichtige, die die wissenschaftliche Befähigung zum einjährigen Präsenzdicust besitzen, dann auch ehemalige Einjahrig-Freiwillige, die an der Wiederholung des Nachweises über die praktische (theoretische) Befähigung zum Reserveoffizier lediglich durch den Ausbruch des Krieges gehindert wurden, können, wenn sie mit Erfolg als Zugs-kommandant verwendet werden, oder sich durch ihr vorzügliches Verhalten vor dem Feinde auszeichnen, zu Kadetten in der Reserve ernannt werden. Alle diese Personen müssen jedoch unbedingt in außerordentlicher Beziehung zum Offizicrsasftiraulcn geeiguet sein. Das Recht zur Ernennung steht den Trupftenkommandanten zu. Bei den Truppenteilen (Formationen), die von ihrem Standeskörper dauernd getrennt sind, oder die in keinem Ab-teilungs(Tmppcnkörfter) verband stehen, übergeht dieses Recht auf den Kommandanten selbst, wenn er Stabsoffizier ist, sonst aber auf den nächsten Vorgesetzten Stabsoffizier oder General, dem das Necht der Vefehlsgebung über den Truppenteil (die Formation) dauernd zusteht. Für die Neuregelung der Militärversorgung. Wien, 24. Oktober. Ministerpräsident Graf Stürglh empfing heute, wie die „Nathaus-Korre-spoudeuz" meldet, den Bürgermeister der Stadt Wien Dr. Wciskirchncr, der eine Petition der Gemeinde Wien in Angelegenheit der zeitgcrechten Abänderung des Mililärversorgungsgesetzes und der gesetzlichen Bestimmungen über die Versorgung der Witwen und Waisen von Offizieren und Mauu-schaftspersoncn überreichte. Der Ministerpräsident erklärte, daß die Negicruug die Notwendigkeit einer Neuregelung der Militärversorgung voll und ganz anerkenne und daß bereits Anregungen in dieser Nichtung von den Kriegsverwaltungcn bei den beiderseitigen Negierungen erfolgt seien. Die Negierung bringe dieser hochwichtigen Frage das größte -Interesse entgegen und werde auf ihre Erledigung dringen. Die Inspektionsreise des Erzherzogs Franz Salvator. Esscgg, 21. Oktober. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Erzherzog Franz Salvator kam gestern auf seiner Inspektionsreise mittelst Seftaratzuges hier an. Bei dem Rund-gange durch die Spitäler sprach der Herr Erzherzog zahlreiche Verwundete an. Von Essegg begab sich der Herr Erzherzog nach Fi'mfkirchen. Die Überwachung der telephonischen Gespräche. Wien, 24. Oktober. Das Publikum wird darauf aufmerksam gemacht, daß wahrend des Kriegs- zustandes die telephonischen Gespräche überwacht werden. Falls hiebei konstatiert wird, daß das Telephon zur Mitteilung beunruhigender Gerüchle über die K'riegscreiguisse mißbraucht wird, löunen nach 55 .'.i!, Punkt i <' der TelcPhonordnung, jene Tele-phonsprechstclten, von welchen aus derlei unzulässige Gespräche geführt werden, außer Betrieb gestellt werden. Teutsches Reich Bum westlichen Kriegsschauplahe. Berlin, 24. Oktober. Großes Hauptquartier, 24. Oktober, vormittags: Die Kämpfe im Mer-Z)pres-Kanal-abschnittc sind außerordentlich hartnäckig. Im Norden gelang es uuö, mit erheblichen Kräften den Kanal zu ül-crschiciten. Ostlich Kjprcö und jüdwcsttich Lillc drangen unsere Truppen in heftigen Kämpfcn langsam vor. Ost» ende wurde gestern in völlig zweckloser Weise von englischen Schiffen beschossen. Im Argonncnwnlde lame« unsere Truppen ebenfalls uurwärts. Es wurden mehrere Maschinengewehre erbeutet und eine Anzahl Gefangene gemacht. Zwei französische Flngzenge wurden hier her» Untergeschossen. Nördlich von Toul bei Flircl) lehnten die Franzosen eine ihnen von «ns zur Bestattung ihrer großen Zahl vor der Front liegenden Toten und zur Vcr-gung ihrer Berwundeten angebotene Waffenruhe ab. ^ Westlich Auguftow erncnertcn die Russen ihre Angriffe, die sämtlich abgeschlagen wurden. London, 24. Oktober. Das Preßburcau veröffentlicht den Bericht eines Augenzeugen ans dem britischen Hauptquartier über die Kämpfe au der Aisne und südlich von Nicuftort. Der Bericht sagt: Das Ergebnis der Kämpfe ist befriedigend, ohne cine Entscheidung zu bedeuten. Der linke Flügel der Verbündeten rückte trotz des Widerstandes des Feindes an der Aisnc beträchtlich vor. Am rechten Flügel war das Ziel, den: Drucke des Feindes Widerstand zu leisten. Alle Gefechte im Norden haben nur vorbereitenden Charakter. Auf dein nördlichen Gebiete sind die Verbindungen schlecht, da man stets auf Moraste stößt, die von unzähligen Kanälen und Teichen durchschnitten sind. Der Feind bestand meist aus Kavallerie, die durch Jäger zu Fuß und vielen Maschinengewehren unterstützt wurde. Anderwärts steht zahlreiche Infanterie. Viele Häuser sind in Verteidigungszusland gefetzt und in den Zimmern sind Schncllfeuergeschütze aufgestellt. Ein scharfes Treffen fand in der einzigen Hügcl-gegend bei Mons de Eats in der Nähe von Hasebrouck statt. Hier fiel Prinz Maz von Hcfscn. Er wurde mit drei englischen Offizieren auf Klosterland begraben. Einen traurigen Anblick bieten die zerstörten Dörfer, in denen Kadaver von Pferden, Kühen und Schweinen die Straßen bedecken. Es lagen dort auch gefallene Deutsche, die von den Bewohnern begraben wurden. Das Schauspiel aller dieser Zerstörungen und der Anblick der überall mit hölzernen Kreuzen und mit Blumen geschmückten Gräber ist unvergeßlich. Amsterdam, 24. Oktober. „Het Nieuws van den Tag" melden aus Oostburg unter dem 22. d. M.: Viele Belgier kommen noch immer aus der Nich-tuug von Eecloo hier an. Sie berichten übereinstimmend, daß viele Verwundete aus Brügge im Begriffe seien, die Stadt zu verlassen. Das Bombardement bei Middelterke und Dixmude werde von Tag zu Tag heftiger. Man sehe den ganzen Nachthimmel von Geschützfeuer beleuchtet. An der ganzen Küste höre man das Geschrei der durch deu Kanonendonner aufgejagten Eeevögel. Die Scheinwerfer der Engländer üben eine unbeschreiblich unheimliche Wir-tung ans. Ein Flüchtling aus Middelkerke erzählt, daß alle Dörfer, die er Passiert habe, eiu Bild der allgemeiueu Verwüstung bieten. Zum Überfall in Löwen. Berlin, 24. Oktober. Der „Lokalanzeigcr" meldet aus Brüssel: Die Untersuchung der Vorgänge in Löwen, mit der Feldkriegsgerichtsrat Dr. Ioers beauftragt worden war, ist setzt abgeschlossen. Es wurden viele belgische und deutsche Zeugen vernommen. Ohne daß Einzelheiten mitgeteilt werden dürfen steht fest, daß die Einwohner von Löwen am 25i. August durch Naketeu mit den aus Antwerpen auffallenden Truppen in Verbindung gestanden haben und daß Zivilisten von den Dächern und aus den Fenstern zuerst geschossen haben. Sonnt ist in jeder Beziehung einwandfrei festgestellt, daß die Schuld auf Seite der Bevölkerung Löwens liegt. Damit wird mit der auf Grund von Lügennachri'ch-ieu erhobenen Beschuldigung, die Deutschen hätten ohne Not wie die Barbaren gehaust, eudgültig aufgeräumt. Es ist erwiesen, daß das Nathaus, die Perle von Löwen, gerade durch die Aufopferung der deutschen Eisenbahner gerettet wurde, die durch Sprengung von Nachbarhäusern das Feuer versperrten. (5lue Deulschrift über die Stellung Englands und Frank« rcicho zur Londoner Sec'Kricgsrcchtserllärung. Berlin, 24. Oktober. (Wolff-Bureau.) Die kaiserlich deutsche Regierung übermittelt den neutralen Mächten eine Denkschrift über die Stellung Englands und Frankreichs zu der londoner Soe-Kricgsrechlscrklärnng, worin ausgeführt wird: Die Zustände und Abänderungen, mit denen nach der Order vom 20. August 1914 die britische Regierung während des gegenwärtigen Krieges die Londoner Sce-Kriegsrechtsertlärnng vom 26. Februar 1909 beobachten will, heben die Erklärung in wesentlichen Punkten auf lind greifen dadurch gleichzeitig in das geltende Völkerrecht ein. Die einschneidende Abänderung dcr Londoner Erklärung findet sich in dm Bestimmungen über die relative Konterbande. Die Londoner Erklärung sür relative Konterbande wird beseitigt und letztere im Ergebnis der absoluten Konterbande völlig gleichgestellt. Damit wird der zur Versorgung der Bevölkerung des kriegführenden Staates bestimmte neutrale Handel mit Gegenständen der relativen Konterbande, also insbesondere mit Lcbcnsmittelu, der im geltenden Völkerrecht als legitim anerkannt ist, nahezu illusorisch gemacht und so das Interesse der Kriegführenden mit den Neutralen in völkerrechtswidriger Weise verletzt. Der angebliche Armccbcfehl 5laiser Wilhelms. Berlin, 24. Oktober. (Wolff-Vureau.) Mit großer Hartnäckigkeit wiederholt die englische Presfe die Behauptung, daß Kaiser Wilhelm am 19. August iu Aachen einen Armeebefehl erlassen habe, worin von dem verächtlichen Neere des Generalseldmar-schalls French die Nede gewesen sei. Diese Meldung beruht in ihrem vollen Umfange auf Erfindung. Kaiser Wilhelm war weder seit Veginn des Krieges in Aachen, noch erließ er den behaupteten Armeebefehl. Für Nriessswohlfalirtszwecke. Berlin, 24. Oktober. Wie der „Lokalanzeiger" meldet, hat Kaiser Wilhelm, einen; Wunsche der Laibacher Zeitung Nr. 259 ______________________2146____________________________25. Oktober 1914 Kaiserin entsprechend, anläßlich ihres gestrigen Geburtstages von Geschenken abgesehen und ihr einen größeren Geldbetrag für ,^rie(Ml'ohlfal)rtszwecke zur Verfügung gestellt. Aus Antwerpen. Rotterdam, 23. Oktober. Der „Notterdamer Courant" meldet aus Breda vom 22. d.: Ein Holländer, der heute mittag Antwerpen verlassen hat, berichtet, daß gegen 3^ Uhr nachmittags ein Zeppelin-Luftschiff in südlicher Richtung gegen die Stadt flog. Die in Antwerpen eintreffenden Verwundeten würden zum größten Teile nach dem Tiergarten gebracht, ein großes Hospitalschiff liege auf der Scheide. Frankreich Der Blutzoll der französischen (Generale. Bern, 24. Oktober. Der „Bund" zitiert unter der Überschrift „Der Blutzoll der französischen Generale" die „Perseverenza", die meldet, daß bisher wenigstens 2l französische Gelierale oder in Genc-ralsstellung befindliche Offiziere gefallen sind, darunter die vier Divisionskommandeure Vridour (nicht Eydour.) von der 5. Kavalleriedivision, Vat-listi ('17. Infanteriedivision), Rafsnel (Kolonialdivision), Marcot (ttl. Infanteriedivision zweiter Linie) und 17 Vrigaoegcnernlc oder Oberstbriga-diere. Auch die Englander haben nach den „Daily Mail" mehrere Korpskommandcure verloren. Neue französische Truppen. London, 24. Oktober. Die „Times" melden aus Bordeaux: Nach zwei Monaten Ausbildung stehen jetzt neue Truppen bereit, die zu Iossrcs Armee stoßen sollen. Die jungen Leute sollen mit Nescrveabteilungen vereinigt werden, die erst jetzt zu den Fahnen berufen werden. Man nimmt an, daß das französische Heer dadurch um eine halbe Million frischer Truppen vermehrt wird. — Das Wolff-Vureau bemertt hiezu: ,5ier ist wieder einmal der Wunsch des Geoantens Vater. Die Verbündeten richten sich gegenseitig an den großen Zahlen auf, die sie einander vortäuschen. Die L«M in Paris. — Abschaffung der roten Hosen. Berlin, 24. Ollober. Die „Vossische Zeitung" meldet aus Kopenhagen: Die Arbeiten an den Pariser VefestigungÄverlen werden mil doppelter ,^'raft fortgesetzt. Gallieni befahl, alle Verwundeten aus den Pariser Hospitälern fortzuschaffen. Nach Ansicht sachkundiger Personen reicht der Kohlcnuorrat von Paris nur bis Mitte Dezember aus. Dasselbe Blatt meldet aus dem Haag: Die Erfahrungen des Krieges haben in Frankreich zu dein Beschlusse geführt, die roten Hosen abzuschaffen und blaugraue Uniformen einzuführen; aber vorerst soll das vorhandene rote Tuch aufgebraucht werden. Ein verunglmtter Flieger. Bordeaux, 23. Oktober. Der Flieger Senator Raymond ist bei einem Erkundigungsflugc in der Nähe von Toul tödlich vcmnsMclt. Paris, 24. Oktober. Die „Agence Havas" meldet: Senator Raymond wurde während eines Er-kunoungsfluges voil deutschen Kugeln tödlich verletzt. Er landete zwischen den feindlichen Linien, wurde jedoch vou den Franzosen unter großen Verlusten herausgehauen. Raymond tonnte vor seinem Tode die Ergebnisse der Erkundung mitteilen. (5in nationaler Kreuzzua. qca.cn den Alkohol empfohlen. Basel, 23. Oktober. Der hier eingetroffene „Temps" vom 21. Oktober empfiehlt das vom Pariser Militärgouverneur und vom Polizeipräfellen erlassene Verbot, Absinth zu verkaufen oder feilzubieten, zur Nachahmung und bemerkt: Die Maßregel kann nicht genug gelobt wcrdeu. Wenn man das Übel, das die französische Nasse zerfresse, den Alkoholisinus, gleichzeitig mit dem Kreuzzug gegen das Barbarentum von außen ausrotteu wollte, müß-teu die Franzosen auch einen nationalen Kreuzzug gegen den Alkohol führen. England Verhaftung miliiiirpflichtisser Österreicher und Deutscher in England. London, 2Z. Oktober. „Daily Telegraph" meldet: Der Staatssekretär des Innern hat an die Polizei eine Verordnung erlassen, alle Deutschen, Österreicher und Ungarn, die im militärpflichtigen Alter stehen, zu verhaften und dm Militärbehörden zu überweisen. Aus vielen Teilen werden massenhaft Verhaftungen gemeldet. Der Seekrieg. Ein Bericht des deutschen Admiralstabes. Berlin, 24. Oktober. Das Wolff-Bureau meldet: Die bereits früher nicht amtlich gemeldete, am 18. Oktober mittags erfolgte Vernichtung des englischen Kreuzers „Hawke" durch ein deutsches Unterseeboot wird hicdurch amtlich bestätigt. Das Unter-scelioot ist wohlbehalten zurückgekehrt. Am 20. Oktober ist der englische Dcunpfer „Glitra" an der norwegischen Küste von einein deutschen Unterseeboote durch Offnen der Ventile versenkt worden, nachdem die Besatzung auf Aufforderung das Schiff in Schiffsbooten verlassen hatte. Der stellvertretende Chef des Admualstabes: Behnke. Die Taten der „Emden" in englischer Beleuchtung. London, 23. Oktober. Dle „Times" schreiben: Der kühne Neine deutsche Kreuzer „Emden" erschien diesmal in der Arabischen See nnd hat gute Beute gemacht, welche an Tonucngchalt den Wert der von der „Emdcn" in der Bucht von Bengalen gemachten Beute noch übertrifft. Die „Emdcn" versenkte diesmal fünf Schiffe, darunter ein ganz neues der britischen Indian Compagnie und ein großes mit Kautschuk und Ziun beladenes Schiff der Hold-Linie sowie ein wertvolles Barl'Schiff. Sie beschlagnahmte ferner das mit Kohle bclndcnc Schiff „Oxford", um ein verlorenes Kohlenschiff zu ersehen. Das britische Publikum war bisher geneigt, die Kreuzfahrten der „Emdcn" mit Amnscment uud Toleranz zu betrachten, besonders weil die Offiziere sich wiederholt als so gute Sportsleute erwiesen hatten. Nun aber ist die Zeit gekommen, die Admiralität zu fragen, wann sie beabsichtigt, der kecken Laufbahn des Kreuzers „Emden" ein Ende zu fetzen. Sein Auftreten an der Küste von (5oromandel schnitt Virma ab und lahmte den Handel Kalkuttas. Cd lostcte England über eine Million Pfund Sterling. Das Wiedererschcinen des Kreuzers bedeutet dm direttcn Verlust einer zweiten Million, so daß wir in wenigen Wochen nahezu den Preis für einen Dreadnought verloren. Die „Emdcn" ist ferner verantwortlich für die Höhe der gegenwärtigen Versicherungsrcnte fi'rr Nouten nach dem Orient. So lann uns eventuell der indische Poftdienft unterbrochen werde». Wir wünschen nicht, die gegenwärtige Tendenz mitzumachen und hoch-(ingestellte Seeleute anzugreifen, aber wir müssen eine wachsende Unzusricdenheit mit den Maßnahmen der Admiralität verzeichnen. Die Nation fürchtet, daft bei der Admiralität die Tendenz herrscht, ihre Tätigkeit zu zersplittern und sie würde Nachweise begrüßen, daß die Admiralität sich ausschließlicher auf ihre eigentliche Aufgabe konzentriert. DnS englische Schlachtschiff „Triumph" von einer deut» schcn Haubitze vor Tsingtau schwer beschädigt. Frankfurt a. M., 23. Oktober. Die „Frankfurter Zeitung" meldet aus Rotterdam: Die Festung von Tsingtau wurde von dem japauischcn Kriegsschiffe lind dem englischen Linienschiffe „Triumph" bisher erfolglos beschossen. Am 14. Oktober wurde das Oberdeck des „Tri» mnvh" von dem Geschosse einer schwereil Haubitze durch. schlagen. Das deutsche Kanonenboot „Jaguar" ist leicht beschädigt worden. (Das englische Schlachtschiff „Triunwh" verdrängt bei einer Länge von 133 Metern und einer Breite von 22 Metern 1t.8U0 Tonnen. Die Zwillingsmaschinen von 14.090 111' verleihen dem Schiffe eine Geschwindigkeit von 19 Seemeilen. Die Artillerie besteht aus vier 25 Zentimeter-, vierzehn 19 Zentimeter-, vierzehn 7,6 Zentimeter- und acht 5,7 Zentimeter-Kanonen sowie aus zwei leichtcu Geschützen. Vi.er Unterwasser-D'orcftedolancier-rohrc vervollständigen oie Waffen dieses im Jahre 1903 vom Stapel gelassenen Schiffes. Die Panzerung ist verteilt: Gürtel- und Seitenpanzer 178 Millimeter, schwere Artillerie 252 Millimeter, mittlere Artillerie 178 Millimeter, Kommandowrm 252 Millimeter und Panzerdeck 76 Millimeter. Der Vemannuugsstand zählt 700 Köpfe. Anm. d. Nod.) Der deutsche Kreuzer „Karlsruhe" verselrktc 13 britische Dainftfer mit zusannncn 6l).l)W Tonnen. London, 23. Oktober. Neuter-Meldung aus Las Palmas: Der deutsche Dampfer „Krcfeld" ist mit der Mannschaft von 13 britischen Dampfern, die der deutsche Kreuzer „Karlsruhe" im Atlantischen Ozean versenkt hat, in Teneriffa eingelaufen. Der gesamte Tonucninhalt der versenkten Fahrzeuge belauft sich auf 60.00ft Tonnen. Das englische Unterseeboot „E 3" vermißt. London, 23. Oktober. Die Admiralität gibt bekannt: Das britische Unterseeboot „E 3" ist beträchtlich überfällig. Man befürchtet, daß es in der Nordsee gesunken ist. Ein britisches Torpedoboot auf Grund gelaufen. London, 24. Ottobcr. Die „Times" melden: Das britische Torpedoboot „Dryad" ist an der Nordtuste Schottlands auf Grund gelaufen. Die Mannschaft wurde gerettet. Auf eine Mine gestoßen. Göteborg, 24. Oktober. Der schwedische Dampfer „Alice", mit einer Koksladung von London nach Göteborg unterwegs, ist außerhalb von Lowostoft auf eine Mine gesloßelu Von der Besatzung werden neun Mann vermißt. Ein norwegischer Dampfer gesunken. Christian!«, 23. Oktober. Der norwegische Dampfer „Hcimland" ist auf der Fahrt von Amsterdam nach England gesuuken. Die Mannschaft wurde gerettet. Portugal. Das Verhalten Portugals im Europäischen Kriege. London, 23. Oktober. Das Reuter-Bureau erfährt aus maßgebender portugiesischer Quelle, daß Portugal seit Beginn des Krieges in enger Verbindung mit der englischen Negierung stand, um zu erwägen, wie die Bestimmungen des Bündnisses am besten Wirksani zu machen seien. Bestimmte militärische Einzelheiten über den Beistand Portugals würden noch beraten und in wenigen Tagen festgesetzt werden. Die royalistische Bewegung sei bedeutungslos. Monarchistische Unruhen. Lyon, 24. Oktober. „Lc Journal" meldet aus Lissabon: In der Nacht vom 20. bis 21. d. M. fanden an verschiedenen Stellen Portugals monarchistische Unruhen statt. Lissabon war einige Stunden wegen der Zer-schncioung von Tclcgraphendrähtcn und Zerstörung der Eisenbahnlinie von Nord-Pm-tngal abgeschnitten. In Mafra beschlagnahmte ein wegen seiner monarchistischen Gesinnung bekannter Offizier mit etwa 100 Zivilisten die Waffcnvorräte in der Militärschule und versuchte, die Soldaten der Militärschule zum Ausstände zu bewegen. Von Lissabon alls wurden Truppen nach Mafra gesandt Rußland. Auszeichnung des russifchen Generalissimus. Petersburg, 21. Oktober. Zar Nikolaus verlieh dem Generalissimus Großfürsten Nikolaj Nilolajevi? ill Anerkennung seiner Tapferkeit, Energie und unerschütterlichen Festigten bei Durchführung der >tr>eg5plane, die del, russischen Waffen neuen Ruhin brachten, die Insignien des St. Georgs-Ordens dritter blasse. Serbie«. Ein Aufruf zur Vefreiunn Mazedoniens. Eofia, 24. Oktober. Der bekannte mazedonische Führer l^lev veröffentlicht in der „.Uambana" einen Ausruf an die Mazedonier, worin er sie auffordert, angesichts der unaufhörlichen und unerträglichen (Greueltaten der Serben an der bulgarischen Bevölkerung Mazedoniens nach Mazedonien zurückzukehren, um die Stammesbrüder zu befreien. Die Dreibundmächte würden nichts dagegen haben, der Treiverband aber habe lein Recht zum Einspruch, weil russische Tampser osfen Waffen uud Geld nach ^erbien führen und damit die Todfeinde Bulgariens unterstützen. Alle Mazedonier mühten sich ungesäumt auf ein neues Terrain werfen uud die Ket-teu der serbischen Klnechtschaft für immer zerbrechen. Ter Krieg in den Kolonien. Die Helden von Kiautschau. Berlin, 24. Oktober. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Mit dem erhebenden Bewußtsein, daß deutscher Heldenmut sich auch im fernen Osten zu betä-tigcn weiß, sind die Blicke des deutschen Vaterlandes auf das Häuslein tapferer Krieger gerichtet, die Kiautschau gegen den Raubanfall der Japaner verteidigen. Alle Versuche des an Zahl weit überlegenen Feindes, unsere Stellungen zu erstürmen, sind gescheitert. Bereits 2500 Japaner sind tot oder verwundet vor den Wällen Tsingtaus. Wohl ist schon mancher unserer dort lämftfcnden Helden gefallen, aber uncrschüttert ist der Mut der Besatzung, die getreu dem schlichten Versprechen des tapferen Führers bis zum äußersten ihre Pflicht tun wird. Druck und Verlag von Jg. v. Kleimnayr H Fed. Vamlicrg. — Verantwortlicher Nedalteur: Nnton Funtet.