' Vro. 78. LMcher ^M ZtAng. Freytag den 30. Herbstm. Inländische Nachrichten. Laibach den 29. Hcrbsim. Vorgestern Nachmittag kaMlN Ee. Exzellenl dcr Hcrr Feld^eugmeisier Wenzcl Graf von Kollorcdo, Komwandirender in Il,nerösi.r' reich, hier an . und stiegen iw Casthofe znm wilden Mann ab, wo di<- Leibkom-paqnie des löbl. Graf von 2hurnlsct-en Regiments in Parade stand, we rilckse das ganze hier in Garnison iis^lide Bataillon des löbl. Graf von Thurnischen Infanterie Regiments aus, und machte vtrschicdcne Uibungen in Feuer, welche zur-qan llchen Zufrichenhnt Sr-Exzellenz des Hrn. Kommandierenden aus- fielen» N)ien den 24. s>erbsim. Des Erzherzogs Joseph K. H. haben Prag am 19. Herbsim. verlassen, i'nd sind am ver-Wichenen Dienstage des Abends hier mr. gttroßen. Mittwoche folgttn Se. K. H. der Pälatinns, verweilten aber nur einen Tag und rrißten schon den 22. nach Ofen ob. — Aus Prag vernimmt man , daß am 14. wieder die ganze Stadt beleuchtet , und an diesem Tage Ball im fürstl. LHttnstsinischen Hause war , wo sich auch dcr allcthöcl ste Hof einfand. — Am is. war N askenball bey Hofe. — Am 16. sind Se. V aj. nach dem fürstl. Lichten-sieinischkn Schlosse zu Kodoleg gefahren, und haben dort einer von dem Fürsten Veranstalteten Jagd beygewohner. Abends geruhten Se. Ma). die theatralischen Perspektive ein zweytes Mahl zu besuchen. Allerhöchjldieselben verfügten sich sodann in das Vaterlandse Theater, wo auf Sr. Maj. Vertan "5, ein böhmisches und ein deutsches Stück aufgeführt wurde. — Am >?. Nachmittags war grosses Artille-riemaliövre, dem Se. Maj. in Begleitung der Erzherzoge KK. HH. ungeachtet des üblen Wetters, die ganz? Dauer h'nwrch beywohnten. Abends fand sich der allerhöchste Hof bey dem Vallftste des Hrn. Erzbilchofs eitl. — Am i -!. war üall bey Hose. — Se. K. H. der Erzherzog Karl, ist am 20. d. M. von Prag aus, nach den Niederlanden abgereiset. — In Böhmen war die Erndte so reich , daß fast alle Gttreidesorten um das «Icermn taneum gefallen sind. Nach geeudigter Krö-' nung in Böhmen, werden Se. Maj. der Kaiser, Höchstdero Rükreise durch Mähren Hieher antretten, und gedenken den 28. d. in Vrünn einzutreffen. Der Sage nach, soll eine Verminderung der Dika-sterien vorgenommen, und auch das Tobaksamt wieder in Pachtung gegeben werden. Der politische Jude Pollaschek hat fich erboten, jährlich für hiesige Residenz 2400c, Scük Ochsen zu liefern, mit einer Kauzion von 200,000 fl., welcher Vorschlag vom Monarchen angenommen worden , um uns wohlfeileres Rindfleisch zu verschaffen. N)ittingau in Böhmen den l8. Herbstm. Ein Vorfall merkwürdig für die Jahrbücher der Menschheit, nicht minder selten , ereignete sich in der zur Herrschaft Wittingau gehörigen, an d r Prager Strasse gelegenen / sogenannten Ia-nowskischen Einöde; eine That , die die Gefühle der menschlichen Natur mit gräßlichem Schauder überfällt, und zur War« Ming bekannt gemacht zu werden verdienet — Der Bruder des B?sizers dieser Einöde , so v'lleicht eine geraume Zeit mit einem Groll gegen seinen Bruder schwanger ging, unternahm den 12. dies um 3 Uhr früh den graulichen Plan seiner Ausf'hrung. Alles schlief, nur noch wachte der Kleinmut in dem Busen des unglücklichen Thäters, als er sich mit einem geladenen Gewehr dem Bette seines Bruders, der samt dem Weide im festen Schlaf? lag, näherte/ er ichoß, und entferne sich durch das Fenster; sein Bruder durch den Knall des Gewehrs und durch eine am untern Le^en und linker Hand empfangene Streifwunde au geweckt, sprang zum F'Nstcr, in der Meinung, es wäreu Diebe da, als er aber einen 2ten Knall, und zugl?ich eine matte Mcnschenstimme hörte , lief er zur Thüre hinaus und in Garten, wo er zu seinem Entfern den Bruder, welch?? sich mittels des Schußes entlellue, im Blute schwimmend fand, er eilte zurück in snne Wohoung um solches seinem Weibe , welche noch im Bette lag, zu erzälen, aber um wie viel grösser war nicht sein Schreken, als er häufiges Blut vom Vctte strömen sah, und zugleich sein Welb vom ersten Schuß entfielet fand. Dieser Vorfall wurde sogleich der Qbrigkeis anqezeiqt , und bey vorgenommener Untersuchung wurde bey dem Thäter verschiedenes Mordgcräth vorgefunden. Ausländische Nachrichtcn. Deutschland. Im Preußischen sieht es izt nach Berliner Briefen wieder so kriegerisch aus, als je. In der Sache wegen Danzig und Thorn wollen sich Hindernisse hervorthun, wobey man nicht weiß , wie sich Rußland benehmen werde. Dieses scheint vielen au".Mallen , indem die preußischen Regimenter mit dem Herbstm auf den Frie-densfuß hauen gesezt werden sollen. Frankreich. Paris den »8« Herbstm. Mahrend als man die Erklärung des Königs über die ihm vorgelegte Konstimzionsakte erwartet, welche am 12. Hcrbstm. erfolgen sollte, zeigen sih die Freunoe und Feinde derselben, wie es scheint , wieder mehr als jemahls gegen einander erbittert, und wird sie von einer Seite eben so gerühmt, a s von der andern getadelt, und die 283 Glieder der Nazionalversammlung , welche die minderen Stimmm ausmachen , und schon mehrmals gegen alles, was von der Mehrheit entschieden worden ist, protesti-ret haben , find wieder mit einer Prote-stazion gegen die Konstitlizon im Ganzen und vorläufig gegen die Kon. Annch-Mung derselben erschienen. — Allgemein scheint man jedoch im ganzen Reiche die Nothwendigkeit lebhaft zu fühlen , daß die Gesetze wieder ihr Ansehn erhalten, und dadurch Qrdnung und Ruhe hergestellt werden, wovon das Land schon so lange auch die unselige Revoluzion und durch Fukzionen aller Art beraubet ist.— Noch immer erhalt man Berichte von einzelnen Vorfallen, welche zum Beweise Von der eingerissenen Ausgelassenheit, von den zügellolesten Leidenschaften, von dem geringen Ansehen der neucmgesetzten Verwaltungen , und von den Anmaßungen der sogenannten patriotischen Klubs dienen. — Die Wahlen zur künftigen Legislatur sind ün ganzen Reiche im Gange, und gehen übrigens ruhig vor sich. Die Neugnvähle len kommen allmählig in Paris an, und Man glaubt , sobald der König sich über die Konstttu.ionsakte wird erklaret haben, Werde die gegenwärtige Naz. Vers. endlich auseinander gehen, und die neue Legislatur eitttretten. Italien. Turin den zo. August. Heute sind an der Grenze von Genua zwischen den beiderseitigen Unterthanen neuerdings Feind- seligkeiten und Gewaltthätigkeiten verübet worden. Es sind darüber sogleich Befehle ergangen, das königliche Gebieth auf alle Art, selbst, wenn es nöthig ist , durch den Gebrauch der Waffen, gegen alle Anfalle zu schützen. — Die Truppen in Savoyen und überhaupt gegen die französische Grande zu , sind beträchtlich vermehret worden. — Der Pabst war einige Tage über unpäßlich, hat sich aber nach einer Aderlaß wieder erholet. — Der gan;e Kirchenstaat ist gegenwärtig von Räubern sehr beunruhiget, die vrele Gewaltthätigkeiten verüben. Man hat alle Polizeywachen und Truppen zahlreich auf das ausgesendet, um das Raubvolk zu verfolgen, und seit dem sind schon »8 Missethäter nach Rom gebracht worden. G n g l k n d. London den 6. Hervstm. Wunderbar wälzen sich die Staaten mit den Zeiten herum. Einst waren die Nordamerikaner ein von England besiegtes Volk: dann wurden Kolonisten daselbst angesiedelt , und izt geht Herr Hammond, als britischer Konsul, dahin ab, um mit diesem freigewordenen Volk einen Off - und Defensiv « AllianTraktat zu schließen. ^-Die lezten Berichte von Westindien melden, daß in St. Domingo abermals ein großer Aufruhr entstanden, und daß sich diese- Kolonie ganz unabhängig von Frankreich erklärt hat. — Zu Ende des vergangenen Monats ereignete sich eine traurige Begebenheit , in der Pfarre Klom-meny, welche nahe am Meere liqt, und von schauerlichen Felsen umgeben ist , de« ren Höhlen den Adlern, die sowohl ihrer ungcheuern Grösse, als Grausamkeit wegen verscheut sind, zum Ausenthalt die-nen. Mehrere Kinder spielten aussen vor Hütten in dieser Gat- »tung von Wüste, als sie von einem die-User Adler überfallen wurden. Ein Knab »von beiläufig 4 Jahren, der die Gefahr ^Verkannte, wollte sich wehren: allein der schrekliche Vogel beuiächtigte sich seiner, pakte ihn, und trug ihn von dannen in sein Raubn cst , wo 2 junge Adler mit Ungedult auf ihre Beute warteten. Der Vater , von der Gefahr seines Kindes unterrichtet , nahm die Höhle gewahr, in welcher sich der Raubvogel gefegt hatte, und ruft einige Nachbarsleute , welche ihn mittels eines Seils in die fatale Kluft hinabließen. Das entsezlichste Schauspiel bot sich dem Auge dieses unglücklichen Vaters dar. Er findet seinen Sohn fast in Stüke, und die Augen heraus gerissen. Auf das Geschrey seiner Annäherung nahmen die Vögel die Flucht , und er hatte den traurigen Trost, ohne einige Gefahr für sich selbst, sein zerfleischtes K'nd diesem Orte der Grausamkeit noch zu entführen , welches aber in 3 Stunden darauf verschied. T ü r k e v« Aonsiantinopel den 2. August. Alles ist hier in einer unaussprechlichen Bestür« zung , da eine Nachricht eingegangen ist / die der Religion Mohammeds und dem gan?,en Ottomanischen Reiche den Untergang drohet. Eine Arabische Horde von mehr als 52,000 Mann, hat sich wirklich der Stadt Mekka bemächtiget, hat alle dort verwahrten Schatze geraubt, den Scheriff abgesetzt, und an seine Stelle tinen aus ihren Hauptern gesetzt. Die r Groß-herr zeigt sich sehr betroffen, und will alle Kräfte aufbiethen , ein grosses Heer gegen die Rebellen zu senden ; aber man erkennt allgemein die Schwierigkeit dieser Unternehmung nach einem Kriege der das Reich an Mannschaft , und die Kassen an Gelde gan; erschöpft hat, und in einem Lande, wie Arabien , davon der größte Theil aus Wüstenenen, Felstn und unübersehbaren/ bloß mit Sande bedeckten Ebenen besieht. Bekanntlich hat die rußische Monarchin die Büste des berühmten Fox verlangt. Ein Londner Blatt sagt, der Großsultan habe ebenfalls den Wunsch, Herrn Pitts Kopf zu besinn, da aber der Friede mit Rußland so wenig zu Gunsten der Pforte ausgefallen sey, so werde der Sultan wohl dem Kopf die Büste vorziehen. Wird alle Dienst-und Freytaqe nachmittags um 4. Uhr auf dem Platze dlro. 183. in der von Kleinmayerschm Buchhandlung ausgeZeben.