WLhlspruch: Was Tcir begeht« von der Kmlwtft 5** Saf? Brot und Arbeit uns gerüstet stehe«. T'üf, unsere Ätnbcr in der schule lerne» Und unsere Greise nicht mehr betteln -ehe». G. Acmegfj. Televbon Nr. 2328. Zer SÄeckkonto 88.418. Zentralorgan des Oesterreichischen Eisenbahn-Personales. RedaMon: Wien VA, Zentagaffe Nr. 8. Redaktionoschluß: Zwei Tage vor dem Erscheine» des Blatte«. Sprechstunden ! Abonnements-Bedingungen: find jeden Tag mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage von 10 Uhr < «nnlhinfirlirfi . Kr. 2°88 vorEags bis '/.I Uhr nachmittags. Jxtl | Ganzjährlich........................... » orlb Für das Deutsche Reich ganzjährlich Mk. 6'—. Für das übrige Ausland ganzjährlich 9 Franken. Jnsertionspreis: » oder deren C lftrag Rabatt. Erscheint jeden 1., 10. und 20. im Monat. Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 14 Heller. Bei Iahresaustrag Rabatt. Rr. 10 Men, den 1. Avril 1812. 20. Jahrg. 20 0 ..Di« soziale Fra,? Brt Bei Bodenbach ans.' (SS 19 f r e, österreichischer Minister bc? Innern, t86S. 1892 20 S|| urt hängt das Alltagskleid des grauen Werkel-■V V tages ln den Kasten, und schmückt euch mit roten Rosen zum frohen Gedenken, und mit dem taufrischen Grün freudigen Zukunftshoffens! Einen Jubilar begrüßen heute die Eisenbahner Oesterreichs, und sie feiern die zwanzigste Wiederkehr seiner Geburtsstunde im Geiste, indem sie die in harter Tagesfron wie im Waffsnlärm des Kampfes sonst keine Muße zu beschaulicher Betrachtung finden, für einen Augenblick innehalten, um auf die Wegstrecke zurückblicken, die wir im rastlosen Aufstieg gewandert sind. Zwanzig Jahre! Sicher ist eine solche Periode, die im Leben des einzelnen eine ganz gewaltige Rolle spielt, kein Zeitraum, der geeignet wäre, im großen sozialen Werdeprozeß, der das Los von Völkern und Staaten bestimmt, grundstürzende Veränderungen hervorzurufen. Denn was find auch zwei Dezennien im Verlauf der gewaltigen sozialen Entwicklung, die mit ganz anderem Zeit- und Wertmaß rechnet, wie der einzelne Mensch in feinem rasch vergänglichen Dasein. Und dennoch haben auch diese zwanzig Jahre genügt, um _ das Leben der österreichischen Eisenbahnerschaft in ihrer Gesamtheit mit einem wesentlich anderen Inhalt zu erfüllen, und die Verhältnisie von damals einer gründlichen und tiefeinschneidenden Wandlung zu unterziehen. Vor zwanzig Jahren noch war der Bedienstete und Arbeiter des EisenLahnver-kehrs ein stummes und, fast möchte man sagen, ein seelenloses Werkzeug, mit dessen Hilfe der Staat und der private Kapitalismus Mehrwert schmiedete, ohne daß dem lebendigen Schöpfer aller neuen Werte irgendeine andere Rolle, als die des Ambos zuge- iino einet Knechtung, die Mimmer als auf mancher anderen Berufsschichte auf dem Proletarier in der blauen Uniform lastete, kam der große Erwecker Sozialismus, und zeigte dem Verkehrspersonale die Wege zum gemeinsamen Handeln, zum solidarischen Zusammenschluß in einer modernen gewerkschaftlichen Organisation. Heber die künstlichen Gegen» sätze, die der Staat und die herrschenden Klassen durch die Züchtung des Kastengeistes und des S t a n-desdünkels unter den Eisenbahnern geschaffen hatten, hinweg, bahnte sich das Empfinden Eingang, daß die allen gemeinsame Not c i n gemeinschaftliches Handeln nötig mache, und weckte wie überall, auch unter den Eisenbahnern das Klasse iv bewußtsei n. Und seit diesen Tagen der großen und machtvollen Erweckung hat die Eisenbahnerschaft Oesterreichs in unausgesetztem und manchmal wahrlich recht hartem Kampfe sehr viel zur Hebung ihrer Klassenlage durchgesetzt. Die „Alten" unter uns, die noch in den harten Tagen, wo das kleine Schifflein, umdräut von zornigen Wellen, in die stürmische See ging, das schwankende Fahrzeug mitbestiegeu, kennen den Unterschied von damals und heute wohl, und sie wissen cs, wie sehr gerade die jüngere Kollegenschaft jenen Wackeren Dank schuldet, die mit Mut und Ausdauer allen Gefahren trotzten, und so die mächtige Organisation schaffen halfen, die uns heute fo wehrhaft zur Seite steht. Aber noch sind die Tage des Kampfes nicht vollgezählt, und die Feinde und Gegner, deren Reihen sich nun fester schließen, sind eine Mahnung an uns, rastlos, . in unerschöpflicher Ausdauer das angefangene Werk fortzusetzen. Aber in dieser Arbeit wollen wir am zwanzigsten Jahrestage für einen Augenblick stille halten und zurückschauen von der Anhöhe, die wir unter Ueberwinduug mancherlei Fährlichkeiten erstiegen haben, auf alle jene Wegstrecken, wo wir so manchen Feind bezwangen und manch schönen Erfolg für uns mit nach Hause nahmen. Und aus dem Vergangenen wollen wir neuen Mut für die Zukunft schöpfen. Und dann mit neuer Zuversicht und frischer Tatkraft weiter und immer weiter, bis alle Feinde niedergerungen und der Sieg unser ist. Das sei unser aller Gelöbnis am zwanzigsten Jahrestage unserer Organisation: Und ob die Welt voll Teufel wär', Es muß uns doch gelingen! Fr. L. Rückblicke auf die kntwMuns unserer Lrgauifation. Vom Reichsratsabgeordneten Josef Tomschik. Zwanzig Jahre sind seit der ersten Gründung unserer Organisation verflossen und viel Mühe und aufreibende Arbeit liegt hinter uns, aber selbstverständlich auch noch vor uns. Zwanzig Jahre, eine lange Spanne Zeit für ein Menschenalter, doch den Genossen, die stets mitten in der Organisationsarbeit gestanden, ist diese Zeit schnell vergangen, nur zu schnell, da so vieles im Interesse der Organisation der Eisenbahner zu leisten ist. Ohne mich auf allzu viele Details einzulassen, will ich im nachfolgenden die Entwicklung unserer Organisation während dieser zwanzig Jahre schildern. Ohne Ausschmückung, in knappen Zügen, soweit es mir der beschränkte Raum, der mir für diesen Artikel zur Verfügung steht, gestattet. Im Jahre 1892 wurde der Verkehrsbedienstetenoerein gegründet, der seine Tätigkeit auch auf die Wiener Tramwahbediensteten erstreckte. Das waren die ersten Anfänge der Eisenbahnerorganisation in Oesterreich. Auf Schritt und Tritt stellten sich Hindernisse entgegen. Die Agitation für die Organisation war keine leichte, denn es hieß damals Mut haben, sich frei und offen zur Organisation zu bekennen. Im Jahre 1893 wurden fünf Fachvereine, und zwar für die Eisenbahnbediensteten und Arbeiter der k. k. Staatsbahnen, der St. E. G., der Südbahn, der N.W.B. und der Nordbahn gegründet, deren Zentralen ihren Sitz in Wien hatten und die ihre Tätigkeit auf ganz Oesterreich erstreckten. Diese Gründungen waren damals hauptsächlich der Ansicht entsprungen, dieArbeit in den Zentralen bahnweise zu leiten, da bei jeder der Privatbahnen und bei den k. k. Staatsbahnen andere Verhältnisse existierten, und die Organisationsarbeiten von den Zentralleitungsmitgliedern einer jeden Bahn selbst geleistet werden mußten. — Im Jahre 1894 fand dann die Zusammenfassung der fünf Fachvereine und des Verkehrsbedienstetenvereines in einem Verband statt, dessen Aufgabe zuerst die Besprechung der gemeinsamen Angelegenheiten, wie Unfallversicherung, Verwaltung und Redaktion des Fachblattes „Der Eisenbahner", Aktionen allgemeiner Natur, Agitation rc. war. Der Redakteur des „Eisenbahner" hatte neben seinen redaktionellen Arbeiten die Agenden des Verbandes zu führen, und auch die meisten Agitationsversammlungen in der Provinz als Referent zu absolvieren. Im Jahre 1896 fand, einberufen vom Verband der oben genannten Eisenbahnervereine, der e rjt e österreichische Estenbahnerkongreß in Wien im Saal „zur goldenen Hirn" auf der Mariahilferstraße statt. Der, Zweck dieses Kongresses war, die schlechte Lage des österreichischen Eisenbahnpersonals zu besprechen und entsprechende Beschlüsse zu fassen, in welchen die torderungen des Personals zum Ausdruck kamen, on den österreichischen Eisenbahnverwaltungen wurde nämlich die Lage der Eisenbahner in der Oeffentlich-keit als eine rosige geschildert, und die Bestrebungen der im Verband vereinigten Fachorganisationen nach Verbesserung der Lage der Eisenbahnbedienstcten als das Werk von Hetzern und Wühlern hingestellt. Dieser Kongreß hatte nun den Zweck, durch Delegierte aus den Kreisen der aktiv dienenden Eisenbahner selbst der Oeffentlichkeit die Lage der Eisenbahner zu verkünden. Die Delegierten, welche aktiv dienende Estenbahn-bedicnstctc waren, wußten sehr genau, daß sic das, was sie auf dem Kongreß sprachen, auch zu verantworten hatten, und es konnte seitens der Vahnverwaltungen in der Oeffentlichkeit nicht der Vorwurf erhoben werden, daß diese Redner unverantwortliche, bahnfrcmde Hetzer und Wühler sind. Das Verdienst des Ersten österreichischen Eisenbahnerkongresses war, daß er das Elend der österreichischen Eisenbahner aufdeckte, dazu Stellung nahm und die Forderungen der Eisenbahner präzisierte. Anschließend an diesen Kongreß fand auch der Erste Verbandstag statt und es wurde auf demselben der Beschluß gefaßt, den Rechtsschutz und die Agitation zu zentralisieren und ein Verbandssekretariat zu errichten. Diesem Verbandssekretariat fiel die Aufgabe zu, in der Frage der Rechtsschutztätigkeit Hand in Hand mit der Redaktion des „Eisenbahner" bahnbrechend im Interesse der Eisenbahner Oesterreichs borzugehen. Damals standen noch die meisten Richter in Oesterreich, wenn Eisenbahner wegen einem Zusammenstoß oder einem anderen Eisenbahnunfall sich vor Gericht verantworten mußten, auf dem Standpunkt, daß der Wortlaut der Instruktion maßgebend sei für die Handlungen der Eisenbahner. Die Richter waren damals noch nicht über den Unterschied, der zwischen den Wortlaut der Instruktion und der usuellen Dienstverrichtung besteht, aufgeklärt und informiert. Das damals am besten organisierte Personal der Südbahn unterzog sich der mühevollen Aufgabe, um die Oeffentlichkeit auf die überlangen Dienstzeiten und die Unmöglichkeit der Einhaltung der Instruktionen aufmerksam zu machen, in die passive Resistenz zu treten. Um eine kürzere Dienstzeit zu erzielen und den Gerichten den Widerspruch der Jn-struktionsvorschriften und der usuellen Dienstverrichtung aufzuzeigen, wurde die erste passive Resistenz in Oesterreich im Jahre. 1896 auf der Südbahn mit Erfolg durchgeführt. Es war ein Verdienst unserer Organisation, welche eine ausgebreitete Rechtsschutztätigkeit entwickelte und auch viele Provinzadvokaten mit der wirklichen Verrichtung des Eisenbahndienstes vertraut machte, und durch die fachkundigen Vertretungen der Eisenbahner bei Gericht auf die Richter aufklärend wirkte, daß die Freisprüche der angeklagten Eisenbahner Zunahmen, so daß sich der ehemalige Eisenbahnminister Wsttek zur Zeit der fahrplanmäßigen Eisenbahnen.fälle veranlaßt sah, in den Jahren 1898 und l8to einen Erlaß herauszugeben, in welchem davor gewarnt wurde, die Eisenbahnbediensteten ohne genügende Anhaltspunkte dem Gericht auszuliefern, da sonst die Freisprüche überhand nehmen und die Bahnverwaltung vor der Oeffentlichkeit in Mißkredit kommt. Das war der erste Erfolg der Organisation. Ein weiterer Erfolg der Organisation war, daß das Sclbstbewußtsein der organisierten Eisenbahnbediensteten gehoben wurde, da die Organisation gegen die brutale Behandlung der Bediensteten und Arbeiter seitens der Vorgesetzten energisch auftrat. Die Bediensteten, die früher sich nicht rühren durften, bekamen Mut, ihre Rechte zu fordern, wenn sie ihre Pflichten erfüllt hatten. Die Organisation war anfangs des Jahres 1897 auf 25.000 Mitglieder angewachsen. Nun kam der brutale Schlag der damaligen Regierung Badeni-Guttcnberg, und die Organisation (Die Fachvcreine und der Verband) wurde am 10. März 1897 als staatsgefährlich aufgelöst. Es trat ein Rückschlag ein, die Organisation sank auf 11.000 Mitglieder herunter, die sich um das Fachblatt „Der Eisenbahner" scharrten. Es ging nun an eine neue Vereinsgründung, welche im Jahre 1898 durchgesetzt wurde und die den Titel „2111 g e-meiner Rechtsschutz und Gewerkschaftsverein für Oe st erreich" erhielt, den sie heute noch führt. Die Form der neuen Organisation war ein vollkommen zentralistische. Viel Agitation und Aufklärungsarbeit mußte geleistet werden, bis die Mitgliederzahl im Jahre 1903 wieder auf die Zahl von 25.000 gebracht war. Im Jahre 1902 wurde der zweite österreichische Eisenbahnerkongreß abgehalten, zu dem auch die Regierung einen Vertreter entsandte, und zwar vom Arbeitsstatistischen Amt, der auch das Eisenbahnministerium vertrat. Dieser Kongreß befaßte sich mit der Frage, welche Organisationsform die wichtigste und zweckmäßigste für die Eisenbahner von Oesterreich ist, und faßte den Beschluß, keine separatistischen Ka-tegorienvcreine, sondern nur eine einheitliche, zentralistische Organisationsform für die Eisenbahner empfehlen zu können. Der zweite wichtige Punkt, den der Kongreß verhandelte, war die Beratung über die Möglichkeit der Durchführung unseres bereits im Jahre 1897 im Parlament durch den damaligen Abgeordneten Doktor Verkauf eingebrachten Gesetzentwurfes über die Regelung der Vertragsverhältnisse der Eisenbahner. Da der damalige Eisenbahnminister Wittek die Behauptung aufstellte, daß 89 Millionen Kronen zur Durchführung unseres Gesetzentwurfes notwendig seien, und die Durchführung des Gesetzentwurfes daher unmöglich sei, war es Aufgabe des Kongresses, die Möglichkeit und Notwendigkeit der Durchführung des Gesetzentwurfes zu beweisen. _ — Der Kongreß hatte Aufklärungsarbeit unter den Eisenbahnern geleistet. Neuerliche Agitationsarbeit setzte ein. Der Ruf nach Verbesserung der Lage wurde von den Eisenbahnern immer lauter erhoben, und als im Jahre 1004 die Teuerung der Lebensmittel und Wohnungen einsetzte, kam es im Jahre 1905 zum Kampfe, der außer dem Beginn der Verbesserung der Lage der Eisenbahner auch die Anerkennung der Organisation als Verhandlungsfaktor herbeiführte. Dieser Erfolg war um so bemerkenswerter, als im Jahre 1897 unsere Organisation als staatsgefährlich aufgelöst wurde. Von nun cm ging es mit der Organisation aufwärts, die Zahl der Mitglieder stieg, und alle Eisenbahner fühlten, ob organisiert oder nicht, welchen Wert die sozialdemokratische Feuilleton. Aus vergangenen Tagen. Erinnerungen aus den Jahren 1888 bis 1894. Von Rudolf Müller. „Wir haben gebaut ein stattliches HauS." „ES nützt ja eh nichts!" ist die bekannte Ausrede aller Zaghaften und Faulen, wenn an sie die Aufforderung gerichtet wird, an dem Ausbau ihrer Berufsorganisation teilzunehmen. Wie falsch diese Ausrede ist, beweist am besten der heutige Tag und die zwanzigjährige erfolgreiche Tätigkeit unserer Organisation. Wenn die Welt aus lauter Zaghaften und Schwächlingen bestände, wäre sie wohl wert, unterzugehen. Es gäbe dann keine Kultur und keinen Fortschritt. Doch über dieses Kapitel will ich in heiliger Stunde nicht sprechen An einem so hohen Festtag mutz die Kritik für einen Augenblick innehalten. Wir wollen an diesem Tag nur die gesammelten Erinnerungen von „d a m a l s" ein wenig vor unseren Augen vorüberziehen lasten, an dem Geschaffenen uns erfreuen und dann seftstellen, w a s w a r — was ist. Ein Geburtstag ist von altersher immer als der Tag eines Ereignisses angesehen worden, das festlich begangen wurde. Wir Eisenbahner hätten allen Anlatz und Grund, diesen Tag festlich zu begehen. Wenn wir es dennoch Unterlasten, so tun wir es, weil auf uns unendlich viele Pflichten lasten, die zu erfüllen unsere Genossen ein Recht zu verlangen haben. Wir glauben daher in vollem Einverständnis mit unseren Genosten zu handeln, wenn wir diesen Tag in Arbeit und harter Pflichterfüllung verbringen, was wohl mehr Anerkennung finden wird als lärmende Feststimmung. Wir haben, um eS kurz zu sagen, zu Fe st feiern noch keine Zeit. Erst wenn die Ernte in der Scheune ruht, können Feier- und Erholungstage eingeschaltet werden. Zuerst die Arbeit, dann das Spiel, sagt ein altes Sprichwort. In unseren Herzen, da feiern wir, da ist stolze Freude vorhanden! Was am heutigen Tage die organisierten Eisenbahner denken, die Gründer fühlen, kann man mit Worten nicht aussprechen, noch andeuten, noch durch Feste ersehen; das mutz mit ganzer Seele empfunden fein! Wer nun zurück zu damals! Die Kämpfe, die die österreichische Arbeiterschaft für den Bestand ihrer Organisation im Anfang zu bestehen hatte, haben, außer Rußland, sich nirgends in so krassen Formen abgespielt wie in unserem unglücklichen Lande. Die Geschichte der österreichischen Arbeiterschaft ist in des Wortes wahrster Bedeutung mit dem Blute der Arbeiter geschrieben. Jeder Fortschritt von 1848 bis 1869 und von da aufwärts bis zum 17. September 1911 mutzte mit dem Blute der Arbeiter erkauft werden. Doch: „Kein Tränenlicd, kein Klagelied, Kein Lied um jeden, der da fiel!" Und immer, wenn man der Meinung war, die Verfol-gungSwut der Gewalthaber haben ein Ende erreicht, brachte der nächste Tag noch größere Brutalitäten. Alle Künste der Staatsgewalt ließ man an uns spielen! Einmal wurden wir verlacht, das anderemal totgeschwiegen, das drittemal niedergeknüppelt. „Zuckerbrot und — Peitsche" waren das Mittel, das die Bureaukraten anwendeten, um das Proletariat zur Räson zu bringen. Insbesondere die neuere Geschichte der österreichischen Arbeiterschaft ist voll von grausamen Brutalitäten. Vom 31. Jänner 1884 bis 9. Juni 1891 lagerte über Wien, Klosterneuburg und Wiener-Neustadt die eiserne Hand des Ausnahmszustandes. In dieser Zeit suchten die Staatsanwälte nach jeder freien Regung wie einst Herodes nach dem Kindlein. Und trotzdem blieb das Proletariat Sieger. Aus dieser Zeit will ich nun einige Fragmente aus meinen Erinnerungen jenen Genosten erzählen, die das Glück hatten, damals nicht mitkämpfen zu müssen. Gegen Ende des AuSnahmSzustandeS, der die überwältigende erste 1. Maifeier von 1860 zu Werke brachte, da keimte es in dem niederösterreichischen Proletariat überall. Ueberall regte es sich und es war, mit Ulrich v. Hutten zu reden, „eine Freude, zu leben". Das Parteileben spielte sich damals fast ausnahmslos in den „nichtpolitischen Bildungsvereinen" ab, von wo den Mitgliedern das sozialistische Gift tüchtig und sachgemäß eingeimpft wurde. Alle aus dieser Schule hervorgegangenen Zöglinge waren wetterfeste und überzeugungstreue Kämpfer, die für die Partei jederzeit Gut und Leben opferten. Mitglieder, wie man sie, heute zuweilen antrifft, die eine Krone in den Verein entlegen und dafür hundert sofort zurückverlaitgen, gab es damals nicht. Jeder arbeitete seiner Ueberzeugung nach mit allen Kräften für die Partei und für die große Idee des Sozialismus. Nur eine solche Kerntruppe konnte das Kunststück vollbringen, ein ganzes Netz von Fach- organisationen (Gewerkschaften) innerhalb einer fabelhast kurzen und gefährlichen Zeit über das ganze Reich zu schaffen. * * Als im Jahre 1886 der Sozialistenkongretz zu Paris den Beschluß faßte, alljährlich am 1. Mai die Arbeit ruhen zu lassen und diesen Tag als einen internationalen Arbeiterfeiertag zu begehen, an welchem die Arbeiterschaft ihre Forderungen an den Staat und die herrschenden Gewalten zu stellen hat, war in Wien und auch in verschiedenen Orten der Provinz schon eine tüchtige politisch, besonders aber gewerkschaftlich geschulte Ar-beiterschaft vorhanden. Die Nachricht über diesen Beschluß fand unter den Arbeitern den freudigsten Widerhall und wurde überall mit Jubel ausgenommen. Tag und Nacht wurde an der Durchführung dieses Beschlusses — was damals m Wien keine Kleinigkeit war - gearbeitet und über d.e Bedeutung des Tages gesprochen. Ich war damals tätiges Mitglied des Ar-beiter-Bildungsvereines auf der Landstraße. Dieser war neben dem Gumpendorfer Bildungsverein der Zweitälteste in Wien und aus seiner Mitte ging eine Reihe der tüchtigsten Führer der Partei hervor. Am Vorabend deS 1. Mai wurde noch eine Versammlung abgehalten. in der auch ich einige begeisterte Worte sprach. Damals hatte ich noch die üble Gewohnheit, die übrigens auch jetzt noch grassiert, immer und überall zu sprechen. Ich fühlte einen stark ausgeprägten Drang, meine Gedanken den Versammelten in Worten mitzuteilen. Die Nacht vor dem 1. Ma, und schon vorher brachte ich schlaflos in freudiger Erwartung der kommenden Dinge zu. Immer wieder beschäftigte ich mich mit dem großen Ereignis des kommenden Tages, vor allem aber mit der Frage, wie ich es anstellen soll, um an der denk-würdigen Demonstration teilnehmen zu können. Ich mutzte, wie schon so oft vorher, zu einer Notlüge greifen, und krank werden. Und ich wurde krank. Um 8 Uhr früh stand der Stationschef Bründl mit dem Chefarzt Madö vor meinem Bette, um die Krankheit und den Grad derselben zu konstatieren. Etwas Fieber — ich soll das Bett hüten und die ver-ordnete Arznei nehmen. Morgen wird es wieder gut seift, meinte der Chefarzt. Der Herr Stationschef machte über die Diagnose ein verärgertes Gesicht. Man sah es ihm an, daß ihm mein Marod sein wider den Strich ging. Ich war tatsächlich durch die vielen aufgeopferten Nächte ganz herabgekommen. Kaum waren die Abgesandten der Direktion außer Sehweite, sprang ich aus dem Bette, zog mich an und eilte, in Dreher, Nr. 10 7,Dev MMkaWer.*^ Seite 3 V Eisenbahnerorganisation für die Eisenbahner im allgemeinen hat. Mit dem Jahre 1905, als der erste Kampf einsetzte, hat die Organisation, was die Verbesserung der Lage des Eisenbahnpersonals Oesterreichs anbelangt, keinen Augenblick versäumt, die verschiedenen Situationen im Interesse der Eisenbahner auszunützen. Im Jahre 1907 wurde auf den Privatbahnen die Durchführung der bereits im Jahre 1905 gemachten Zugeständnisse durchgesetzt und weitere Zugeständnisse erreicht. Im Jahre 1908 wurde die Einreihung der Wächter in die III. Dienergruppe zugestanden. Bei den Verhandlungen zur Aufbesserung der Lage wurde seitens der verbündeten Organisationen ein Betrag von 14 Millionen zur Aufbesserung der Lage der Eisenbahner auf den k. k. Staatsbahnen erreicht. Auch die Privatbahnen mußten diesem Beispiel folgen. In jüngster Zeit kam bekanntlich die Aufwendung der Summe von 21 Millionen Kronen zur Aufbesserung der Lage der Eisenbahner auf den k. k. Staatsbahnen. Bei den Verhandlungen über die Verstaatlichung der Privatbabnen (K. F. N. B., B. N. B., Oe. N. W. B. und St. E. G.) im Parlament haben die sozialdemokratischen Abgeordneten und die Organisation bei- der Einreihung des Personals der verstaatlichten Bahnen in den Status des k. k. Staatsbahnschemas stets die Interessen des Personals auf das kräftigste vertreten und das Personal vor Schaden zu bewahren getrachtet, was auch zum großen Teil mit Erfolg gelungen ist. Der Erfolg ist deshalb besonders in Betracht zu ziehen, wenn man im Gegensatz dazu die Verstaatlichungsperioden der ehemaligen Elisabeth-Bahn, heutige Westbahn, der Karl Lud-wigs-Bahn, der Böhmischen Westbahn 2C„ ins Auge faßt, zu einer Zeit, als keine Organisation der Eisenbahner existierte, welche sich um die Wahrung der Rechte der verstaatlichten Eisenbahner gekümmert hätte. Die Mitgliederzahl der Organisation ist gegenwärtig auf 59.000 gestiegen, lieber 300.000 Eisenbahner sind auf den österreichischen Eisenbahnen beschäftigt. Wir haben also nur den sechsten 'Teil der Eisenbahner Oesterreichs nach 20jähriger Organisationstätigkeit in unserer Organisation. Gewiß eine geringe Zahl bewußter Eisenbahner im Gegensatz zur großen Masse der außerhalb der Organisation stehenden Eisenbahner, welche ebenfalls die Frucht der Organisationsarbeit und Kampfestätigkeit des organisierten Eisenbahnpersonals mitgenossen haben, ohne für die Organisation etwas zu leisten. ... Zwanzig Jahre aufreibende Organisations-r?t,gkeit haben wir hinter uns. Die Organisation hat viel Gutes für die Eisenbahner erreicht, wenn ihnen auch viele materielle Erfolge wieder durch dte Neuerung der Lebensmittel- und Wohnungspreise .-2rSen wurden. Doch man bedenke, um wieviel schlechter die Lage der Personals wäre, wenn diese Erfolge durch die 20jährige Organisationstätigkeit nicht erobert worden wären. Zwanzig Jahre Organisationsarbeit liegen hinter unsi', UT~ toi* können stolz sein auf das, was geleistet wuroe. ^och blicken wir nach vorwärts, was alles noch zu vollbringen ist, und welche Gefahren uns drohen. Bereits Erreichtes will man den Eisenbahnen wieder entreißen. Es gilt, nicht nur neue Erfolge zu erzielen, fondern das Errungene auch festzuhalten. Wollen die Eisenbahner schneller vorwärts kommen, und das, was sie erreicht haben, sicherer bewahren, dann gibt es nur ein Mittel: „Hinein in die Organisation!" Unser gubilöum. Ist es denn auch wirklich wahr, daß es schon zwanzig Jahre her ist? Die Alten, die zu ihrer lleberraschung heute die Kunde vernehmen, schütteln verwundert den Kopf. Unmöglich, schon zwanzig?! Wie Träumende reiben sie sich mit beiden Händen in den Augen, um das Erinnern rasch zu bewerkstelligen. Der Kalender und das schneeige Haupt der Alten bestätigen die Tatsache, daß am 2. April es wirklich schon zwanzig Jahre her ist, seit der Grundstein zu unserer heutigen Organisation gelegt wurde. Der 2. April ist daher für die Eisenbahner kein gewöhnliches Jubiläumsdatum, welches die Wiederkehr des zwanzigsten Jahrestages bezeichnet, an welchem sich die Gründung des „Fachvereines der Verkehrsbediensteten" vollzogen hat, sondern er ist der Tag der geistigen und sittlichen Erhebung der österreichischen Eisen-bahnerschaft überhaupt. Es ist der Tag, da zum örstenmal die Werbetrommel des Sozialismus an das Ohr der Eisenbahner schlug, der Tag, an dem die Eisenbahner aus ihrem unheilvollen Schlaf für immer erwachten, der Tag, an welchem sie an den Sklavenketen zerrten und die Mündigkeit erlangten, selbständig zu handeln. An diesem Tag sprach ein Eisenbahner zum erstenmal die Eisenbahner als G e-nossen an. Fürwahr, dieser Tag, ist für uns ein heiliger Tag! Er steht in unserem Andenken höher, als alle jene, die uns die Geschichte oder die Kirche im Kalender rot anstrich. An diesem Tage wurden wir uns unserer Menschenwürde zum erstenmal bewußt und leisteten zum Gelöbnis den Rüttlischwur für den Sozialismus, mit dem wir uns vermählten. Diesem Stern folgten wir bisher in vollem Vertrauen, an ihn glauben wir, er wird unser Erlöser sein! An diesem Tage sahen einige der unsrigen weit, unendlich weit in der Ferne die Sonne der Freiheit aufgehen. Gesegnet sei dieser Tag für alle Zeiten! Tausenden und Atiettausenden brachte dieser Tag Erbauung, eine neue Religion und reiche Früchte. Zwanzig Jahre! Ein kurzer Zeitraum! Und doch: Welch inhaltsschwere Geschehnisse vermögen diese zwanzig Jahre in sich zu schließen! Nur eine Sekunde der Weltgeschichte zog an uns vorüber. Aber tiefe, weitreichende Wandlung brachte sie uns. Wie jene sagenhafte Blume, die in den wenigen Stunden einer Nacht die hundertjährige Hülle ihrer Blütenknospe sprengt, um diese zu unerhört farbenprächtiger Entfaltung zu bringen, so haben vor zwei Jahrzehnten die Sklaven des Flügelrades ihre Fesseln gebrochen, und hocherhobenen Hauptes, alle Hindernisse niederwerfend, streben sie dem Ziele zu, das auf ferner Höhe erglänzt. An diesem unseren Festtage wollen wir wie der Wanderer, der dem Gipfel eines fast unbezwingbaren Berges zustrebt, einen Augenblick innehalten, um zu sehen, welche Strecke Weges schon zurückgelegt ist. Gottlob, wir sind am halben Wege! Dort unten, wo die schweren Nebelballen lagern, um die Scharen von schwarzen Raben kreisen, ist ev aufgestiegen. Vor ihm liegen die gähnenden Schlünde und Schluchten, die Riffe und Zacken, die sich schon manches Opfer holten. Oefter als ihm lieb war, mußte der Wanderer wegen Todesgefahr den geraden Weg meiden und einen weiten Umweg suchen, der an seine Kräfte und an seine Zeit große Anforderungen stellte,' die ihn an dem Erfolg verzweifeln ließen, der aber dennoch znm sicheren Ziele führte. Ein großes Stück gefährlichen und beschwerlichen Weges hat er zurückzulegen, viel mehr, als er beim Aufstieg geahnt hatte. Der Wanderer mit festem Ziel darf sich nicht lange des Beschauens freuen, denn aufwärts und vorwärts führt der Weg ihn zum Ideal. Bevor er feinen Fuß wieder in den Kies setzt, mustert er den Weg und die Entfernung seines Zieles. Der Weg ist schmal, steil und steinig und führt Über fast unüberwindbare Hindernisse. Ein leiser Zweifel durchzuckt seine Brust ob all dieser Gefahren, die seiner harren. Ein ganzes Wolkenmeer lagert sich vor dem Ansteigenden; Stürme wüten, Blitze zucken, der Donner grollt, Berge beben, Baumriesen fallen stöhnend wie Strohbalme, Rieselwässer schäumen zu schwellenden Wildbächen an, die alles, was ihnen im Wege steht, in die unheilvolle Tiefe reißen. Der Wanderer steht fest. Er kennt die Naturgesetze. Des öfteren erlebte er mit Entsetzen bei seinem Ausstiege solche Stürme, solche Wetterrevolutionen. Er weiß, je höher er kommt, desto größer werden die Gefahren, desto furchtbarer werden die Wetter. Ausdauer und Geduld sind die einzigen Mittel, solchen Gefahren zu trotzen. Hätte er diese Tugenden nicht geübt, so hätte er niemals an das halbe Ziel kommen können. Die Freude, so weit vorgedrungen zu sein, verstärkt seine Kraft und seine Hoffnung. Endlich hören die Stürme auf zu wüten, die Nebel teilen sich, der Donner verstummt und von dem Gipfel leuchtet purpurrat die alles belebende, alles befreiende Sonne! Aufwärts und vorwärts setzt der Wanderer mit frischem Mut und neuer Kraft den Weg zum Ziele fort. War und ist dieser Weg nicht genau so wie der uusrige? Vor zwanzig Jahren war die Verbreitung des Organisationsgedankens bei den Eisenbahnern ein mühevolles und in jeder Beziehung gefahrvolles Unternehmen. Einige stürzten ab, einige blieben ans halbem Wege stehen, aber ein Teil der Wackeren ging unbeirrt den steinigen Weg, den er gehen mußte. Die Eisenbahnerschaft Oesterreichs dankt daher heute ihren Pfadfindern und Vorkämpfern für ihre zwanzigjährige Arbeit, für ihren Mut, für die Energie, die sie im Interesse der Organisierten aufwendeten, vom ganzen Herzen. Es wäre aber gefehlt, anzunehmen, daß es nur i h r Verdienst gewesen war. Die Organisierung der Eisenbahner war eine Notwendigkeit. Notwendigkeiten erfüllen sich von selbst, wenn die Initiative zur Durchführung gegeben wird. Zur Durchsetzung solcher Initiativen gehört nur Energie, Saal, wo die Versammlung tagte. So gesund und stark habe ich mich m meinem ^eöert nicht gefühlt, als an diesem Maientag. Nachmittag marschierte ich mit im Zuge in den Prater und hätte vor Freude über den großartigen Demonstrationszug jubeln können tote etne Lerche. Sll§ ich um 11 Uhr nachts heimkam, wurde mir die Hiobspost mitgeteilt, daß die besorgten Wächter meiner Gesundheit mich noch weitere zweimal besuchen wollten. Was mir geschah ist nicht interessant genug hier zu erzählen. Die diktierte Straft habe ich für dieses Delikt leicht ertragen, „denn ich bin mit dabei gewesen". Ich ließ mich deshalb durch nichts abschrecken und arbeitete von nun an erst recht für die Verbreitung des Sozialismus. Mir war ernst um die Befreiung des Proletariats. Jeden Augenblick wäre ich bereit getoesen, alles für die Partei daranzusetzen. So wie ich, waren auch alle anderen Genossen der damaligen Zeit gewesen. Familienrücksichten und andere Bedürfnisse traten bei allen weit zurück. Wir dachten nur an die Partei, für die wir nur allein lebten. * » « So verging der Winter, und nach verschiedenen Fährnissen war der 13. März, der höchste Feier- und Demonstra» tionstag der Wiener Arbeiterschaft, angebrochen. Alle Branchen nahmen mit ihren Kränzen vor dem Vereinslokal Aufstellung, wo der Abmarsch zum Friedhof erfolgen sollte. Ich stand ohne ca«z und ohne Gefolgschaft da und wurde von den Ordnern oan ttS im Luge eingereiht. In dieser Stunde fühlte ich den 8 zen Jammer der Rückständigkeit und den Jndifferentis-rnTtna* Berufsgenossen in mir! Es wurde in mir I n. ,6 l*“1“1 der Gedanke rege: Ich werde, ■ Ir*« „ «V* Eisenbahner ebenfalls organi-au den Gefallenen von 1845 f. rC V , in meiner Rolle als Rückwärtsstehender einen recht täglichen Eindruck gemacht haben. Da klopfte mir der Obmann des politischen Vereines. Genosse Winzig, der leider schon gestorben ist, Quf bie Achseln, stellte mich an die Spitze des Zuges und ubergab mir den Kranz des Arbeiter-BildungSvereuies zu tragen. Das war damals eine große Ehre und Auszeichnung für einen Parteigenossen! Währenddes langen Marsches beschäftigte ich mich mit dem Gedanken — der mich von nun an nicht mehr verließ — wie ich es an stellen sollte, eine Eisenbahnerorganisation, welche von sozial!-{tische -n G eist getragen ist, zu schaffen. Ich habe diesen Gedanken niemand mitgeteilt, weil ich ausgelacht worden wäre. Eher hätte man daran geglaubt, daß man die Sterne vom Himmel holen könnte, als die rückständigen Eisenbahner dem Sozialismus zuzuführen. Am nächsten Abend schon besuchte ich Herrn Bizo, der Redakteur der wandelbaren und heute noch bestehenden „Verkehrs-Zeitung" war. Ich war damals fleißiger Mitarbeiter dieser Zeitung und veröffentlichte einige Leitartikel und Notizen aus dem Eifenbahnerleben, die Aufsehen machten und die der alten VerkehrStante. wie wir sie später nannten, eine Reihe von Monnenten eintrug. . Rasch setzte ich meinen Plan dem Redakteur sowie der Herausgeberin Frau Truxa auseinander und fand in allen Punkten ihre Zustimmung und die Versicherung der werktätigen Mithilfe. Zur Ausführung und Propagierung meines Planes suchte ich mittlerweile gleichgesinnte Eisenbahner, die mir behilflich fein sollten. Der Bildungsverein Landstraße, an den ich mich wandte, sandte über meinen Wunsch an alle Brudervereine ein Schreiben, in welchem ersucht wurde, uns mitzuteilen, ob bei ihnen Eisenbahner als Mitglieder eingeschrieben sind. Die Antworten, die entliefen, waren für mich trostlos. Drei Leute, mich mit eingeschlossen, waren vom Flügelrad in ganz Oesterreich als Mitglieder angemeldet. Einer davon war Portier am Hauptzollamt. Ihm galt mein erster Besuch. Als ich zu ihm kam und meine Idee auskramte und ihm als Nachbar bat, an dem großen Werke mitzuhelfen, nannte er mich ein- über das anderemal einen Narren. Er sei, so sagte er, nur deshalb beim Vereine, wegen der Bücher, die seine Tochter brauche, hätte aber mit der Sozialdemokratie nichts zu schaffen. Ich ging gedeftet meiner Wege Als ich am nächsten Tag wieder in den Bildungsverein kam, teilte mir der Obmann mit, daß der Genosse Portier in größter Aufregung bei ihm war und um feine Streichung aus dem Verein ersuchte. Er bat flehentlich, feine Familie zu schonen und niemand etwas von seiner Zugehörigkeit zu diesem Verein zu verraten. Die erste Sondierung war also nicht verheißungsvoll. Die Genossen im Vereine meinten, daß meine Idee so gut wie schon begraben sei und rieten mir von dem zwecklosen Beginnen ernstlich ab. Ich aber ruhte nicht. Ich sondierte nun weiter unter meinen engeren Kollegen. Der erste war der Magazinaufseher Töpfer, den ich in meinen Plan einweihte. Er versprach mir, mitzutun. Am anderen Tage aber ging er hin wie Judas Jschariot und verriet mich. Was mir das eintrug, will ich verschweigen. Zwei Tage lang wurde mit mir Protokoll aufgenommen und hernach wurde ich direkt unter Polizeiaufsicht gestellt. Ich wurde nun vorsichtiger. Im Vereine mit Genossen Bizo wurden in aller Eile die Statuten ausgearbeitet. Der Inhalt, der uns übrigens gleichgültig war, war ganz harmlos. Das Statut trug den stolzen Titel: Fach verein der Verkehrsbediensteten Oesterreichs. Nach den gesammelten Erfahrungen war es ausgeschlossen, eine reine Eisenbahnerorganisation allein zu errichten. Darum wählten wir diese allgemeine Bezeichnung. Es fehlten einerseits die nötigen Leute hiezu, anderseits wollte matt die definitiven Eisenbahner durch Annahme von Funktionen nicht an das Messet der Verwaltung ausliefern. Der Verein sollte daher im Anfang alle bei dem Verkehr beschäftigten Personen umfassen. Tramway- und Speditionsbedienstete sollten wegen der bestehenden Gefahren vorläufig den Vorstand bilden und die erste Agitation auf den Bahnen betreiben. Die Statuten waren fertig, die Vorarbeiten abgeschlossen. Als Proponenten des Vereines gewann ich den Stuf* leger Mataufch der Speditionsfirma Binder, einen für die Polizei ganz unbedenklichen Mann. Die vom Gesetz verlangte 28tägige Frist der Bewilligung kam mir wie eine Ewigkeit vor. Täglich wartete ich mit Sehnsucht auf den Genossen Mataufch, der als Frächter zu mir am Bahnhof kam. Die Zeit lief ab, ohne daß ein Verbot gegen die Errichtung des geplanten Vereines erlassen wurde. Die Anzeige zur konstituierenden Ge« nemlverfammlung an die gefürchtete Polizei wurde gemacht und der 2. April als Verfamm lungstag fest, gelegt. Mailands Saal in der Brigittenau, der schon mehreren Vereinen als. Wiege diente, wurde als Versammlung-lokal ausgenommen. Die Einladungen wurden von den Spe-ditionsbediensteten auf den Bahnhöfen verteilt. Die wenigen Stunden, die mich von dem historischen Moment trennten, waren die aufregendsten meines Lebens. Jede Stunde wurde zur Unendlichkeit. Bange Sorgen tauchten in mir auf, ob denn das Werk gelingen werde. Was später sein wird und wie alles enden wird, daran dachte ich nicht. In den vorhergehenden letzten drei Tagen tobten in Wien furchtbare Märzstürme. Alle Teufel schienen losgekettet zu fein. In den Nächten herrschten Märzfröste mit solcher Stärke, die alle früh aufsprohenden Knospen vernichteten. Der Winter wollte nochmals mit aller Kraft den Kampf für seine Herrschaft gegen den herannahen, den Frühling ausnehmen. Er unterlag. Es kam trotz alledem der Frühling! Am Morgen des 2. April fchien die Sonne nach fo langer Finsternis in ihrer ganzen Herrlichkeit und verkündete, daß den Sieg der Frühling davpntrug. Es war ein Wiedererwachen der Natur. Der Abend rückte allmählich heran und ein warmer Föhn strich über unsere erhitzten Gesichter, als wir uns auf IW Sorget dafür, datz der „Eisenbahner" anch vom reisenden Publikum gelesen werdet Wissen und Ausdauer — mit ihnen, muß das Werk gelingen. — Und es ist gelungen! Die materialistische Geschichtsforschung zeigt uns, daß geschichtliche Notwendigkeiten immer in Erfüllung gehen und daß die Träger der Werke immer die daran Interessierten sind. Aber sie leugnet es auch nicht, daß das Interesse den Interessierten oft, ja in den meisten Fällen erst beigebracht werden muß. Allerdings ist es eine klare, nachgewiesene Tatsache, daß Bewegungen nur dort entstehen können, wo die Bedingungen dafür vorhanden sind. Und diese fanden sich bei den Eisenbahnern im reichsten Matze vor. Aller gute Wille und alle Aufopferung der Begründer der ersten Eisenbahnerorganisation hätte nichts gefruchtet, wenn die Verhältnisse ihr Dasein und ibre Entwicklung nicht ermöglicht hätten, und wären ^en überaus tapferen Gründern alle denkbaren Mitteln zu Gebote gestanden, über welche sie ja nicht verfügten, so hätten sie dieselben doch nur hinopfern können, ohne einen Erfolg zu erzielen. Die zwanzigjährige Geschichte unserer Organisation ist vor allem ein Beweis sür die Notwendigkeit ihres Bestandes. Wie es damals um uns stand wissen viele. Lassen wir an diesem großen Feiertage die gewaltige Wandlung der Dinge vor unseren Augen vorüberziehen, und cs wird uns klar werden: Es geht aufwärts, es geht vorwärts, immer vorwärts! Es geht mit starkem, raschen Schritte dem Biele entgegen, und immer rascher wird es gehen, je fester, je inniger sich die Eisenbahner aneinander schließen. Kamps gab es bisher, Kampf wird es weiterhin sein, aber der Sieg rückt näher — mit diesem Bewußtsein gehen wir hoffnungsfreudig und unerschrocken dem dritten Jahrzehnt mit der Losung entgegen: Alles für und alles durch die Organisation! Vorwärts mit vollem Dampf! R. M. zwei Jahrzehnte gewerkschaftlicher Arbeit. Von Franz Lill. Gedenktage im allgemeinen sind Meilensteine am Wege der Geschichte. Als aufragende Wahrzeichen lassen sie uns die einzelnen Etappen, die unsere Vorfahren und wir selbst auf unserer Wanderung zurückgelegt haben, prüfend überschauen, und gestatten uns, so eine Art Bilanz aufzustellen über die Ergebnisse der Vergangenheit. Und so gewinnen wir in dem Vorhandenen gleichsam eine sichere Warte, von der aus wir weiten Ausblick in eine fernere Zukunft halten, und uns selbst ein Prognosrikon stellen können. Die Eisenbahnevschast Oesterreichs geht heute daran, die Ergebnisse einer zwanzigjährigen organisatorischen Bilanz zu revidieren. Daß sie diese Ausgabe mit dem Gefühle innerlichster und stolzester Befriedigung vollziehen kann, beweisen die Tatsachen, mit denen die „Alten" von heute immerhin Vergleiche mit den Verhältnissen von damals zn Nutz und Lehr' der Jungen und Zaghaften anstellen mögen. Und wer irgendwie Sinn und Verständnis für lebendigen Anschauungsunterricht besitzt, der wird ob Freund oder Feind — bekennen müssen, daß sich in den beruflichen Verhältnissen der Eisenbahner inner- halb der verflossenen zwei Jahrzehnte vieles gründlich geändert hat, was noch vor 20 Jahren zum unantastbaren Bestand der auf der Eisenbahn verbliebenen vormärzlichen eingerosteten Bureaukratie gehört hat. Daß cs möglich war, unter heldenhafter Ueberwin-dung aller Widerstände Verbesserungen in dienstlicher und beruflicher Beziehung zu schaffen, und den an militärischen Kadavergehorsam gewöhnten Eisenbahner die freie Menschenwürde und das Gefühl des vollwertigen Staatsbürgers zu geben, das ist das unvergängliche Verdienst der zwanzigjährigen Organisationsarbeit, die keine Kritik und hämische Nörgelsucht zu verkleinern vermag. Und in dieser moralischen und materiellen Hebung, die die Klassenlage der österreichischen Eisenbahnbediensteten in diesen letzten 20 Jahren erfahren hat, steckt zugleich ein gewaltiges Stück nationaler Arbeit, die den Stiefkindern der Nation, ob sie nun Tschechen, Deutsche oder Polen sind, ein Stück Kultur erschlossen hat, ohne die der Nationalbegriff leere, inhaltslose Phrase ist. In dem, was die Organisation in den letzten Jahren den Bahnverwaltungen und der Regierung an materiellen Zugeständnissen stückweise abgerungen hat. und mt_ den ziffermäßig faßbaren Zuwendungen an Rechtsschutz und Unterstützungen an bedrängte Eisenbahner während dieser 20 Jahre, verkörpert sich ein so hoher nationaler Kulturwert, an den keinerlei chauvinistische Demagogie heranreicht. In den Tagen der versuchten nationalen Massenverblödung sollte diese Selbstverständlichkeit bei jeder Gelegenheit fest-gestellt werden. Aber es handelt sich heute, wo die organisierten Eisenbahner Oesterreichs stolze Rückschau halten können. nicht bloß um die positiven Erfolge allein. Noch ist der große und lange Werktag nicht vollendet, der nur durch eine kleine Pause zur innerlichen Sammlung und des dankbaren Gedenkens unterbrochen werden soll — und die Arbeit, die noch getan werden muß, harrt in überreicher Fülle der Kraft und zähen Ausdauer mutvoller Kämpfer. Den Blick nach auf- und vorwärts gerichtet, so muß noch manches Bollwerk überstiegen werden, bis der freie Weg hinüberführt ins Sonnenland einer lichteren Zukunft. Wer vor diesem stetigen Fortschritt bangt eben heute mehr als je dem Staate und der Bourgeoisie. In der gesamten internationalen Welt des Kapitalismus regt sich Heute der Geist des Widerstandes gegen die Forderungen der Arbeiterklasse stärker als je vorher. Gerade iit einem Lande, wo man über die großen Kämpfe zwischen Arbeiterschaft einerseits und Kapital und Staatsgewalt anderseits längst Hinaus zu sein schien, in England, sehen wir jetzt, wie alles, was zu den Nutznießern des bürgerlichen Klassenstaates gehört, sich in verjüngter Kraft gegen die Arbeiterschaft aufbäumt, um ihr bei dem soeben unternommenen Anlauf zu weiterem Fortschritt entschlossen in den Weg zu treten. Und denselben Vorgang beobachten wir inallen Staaten, wo die Kraft der Arbeiterschaft bisher Hinreichte, der herrschenden Klasse Erfolge abzuzwingen. Aber mit ganz besonderem Nachdruck formieren alle kapitalistischen Staaten ihre Kampsheere gegen die Organisation der Eisenbahner, wie wir das in den letzten Jahren in Holland, Ungarn, Italien und Frankreich gesehen haben. Und in Oesterreich? Die Lohnkämpfe, die in den letzten Jahren auf den Eisenbahnen geführt wurden, haben die ganze Meute unserer Feinde mobil gemacht, und cs vergeht keine Gelegenheit, wo nicht der Staat von den großen kapitalistischen Organisationen gemahnt wird, es den übrigen Staaten gleichzutun, und oen Eisenbahnern das Recht auf Koalition zu nehmen. Und wie sehr der Staat, der ja schließlich nur die Exekutive der besitzenden Klasse ist, diesen fortgesetzten Einflüsterungen unterliegt, das beweisen uns außer der unseren Lesern bereits vorgeführten beabsichtigten Strafgesetzreform zahllose andere Mahnungen aus jüngster Zeit. In allen diesen Vorgängen, die unsere schärfste Aufmerksamkeit erfordern, spiegeln sich die Niederschläge aus den Lohnkämpfen der Eisenbahner, die diese in der Öffentlichkeit auslösten, wieder. Die Öffentlichkeit steht, soweit sie aus rein proletarischen Klassen ausscheidet, eben nicht auf Seite streikender oder auch nur resistieren-der Eisenbahnbediensteter. Der Geschäftsmann, der seine Waren nicht oder im verdorbenen Zustand erhält, weil sie auf der Bahn nicht oder nicht rechtzeitig befördert werden konnten, wird in der Regel geneigt sein, den kämpfenden Eisenbahnern alle Teufel an den Hals zu wünschen, die ihn so in seiner Tätigkeit, Profit zu machen, stören. Fällt ein solcher Kampf der Eisenbahner noch dazu in eine Zeit außerordentlicher Preissteigerung, so ist gar kein Zweifel, daß die Wirkungen, die er auslöst, sich zunächst in einer wirklichen Hungersnot bei der am wenigsten kaufkräftigen Klasse bemerkbar machen können, was natürlich auch zu den damit unzertrennlich verbundenen Folgen von Hungerkrawallen führen kann. In einer solchen Periode wird natürlich der Staat, wenn er sich von den Mächten, die ihn repräsentieren — und das ist heute ohne Zweifel das Finanzkapital — in feinem Vorgehen gestützt weiß, gar nicht verlegen sein und die schärfsten Mitei gegen die Eisenbahner in Anwendung bringen. Er tut das selbstverständlich mit um so größerer Ruhe und Sicherheit, wenn er sich im Einklang mit der Stimmung weiterer Schichten der Bevölkerung weiß und nicht zu fürchten braucht, den Widerspruch der öffentlichen Meinung herauszufordern. Diese aber steht nun einmal unter dem Einfluß von realen Wirt» schaftsinteresscn und laßt sich keineswegs von ethischen Gesichtspunkten leiten. Darauf konnte man freilich antworten, daß das alles auf den Streik zutreffen mag, daß es aber wesentlich anders bei einem passiven Widerstand sei. Dieser bestehe bekanntlich im Eisenbahnverkehr in der strikten Einhaltung der Instruktionen und Vorschriften, wodurch freilich der Verkehr gestört und die Strecken „verstopft" toerben. Sftoer boS ist nicht bte S<$>iilb ber Bediensteten, und sie können auf keinen Fall für die Folgen verantwortlich gemacht werden, die durch die strikte Befolgung von gesetzlichen Vorschriften entstehen. Das ist, theoretisch wenigstens, so richtig, MB man darüber nicht zu reden braucht. Wer praktisch liegt doch die Sache so, daß die Nichteinhaltung der Instruktion der regelrechte Normalzustand auf der Eisenbahn ist. Werden die Instruktionen wirklich einmal ganz allgemein eingehalten, so bedeutet das eben die Kriegserklärung an den Unternehmer, an Staat und Gesellschaft, denn es kommt doch lediglich alles auf die Wirkung an, die erzielt wird. Da diese aber erfahrungsgemäß bei einer passiven Resistenz den Wir- den Weg dahin machten, ltm halb 8 Uhr war ich am Platze. Einige Tramway, und Speditionsbedienstete hatten bereits Platz genommen und diskutierten über die kommenden Dinge. Auf ihren Gesichtern lag eine feierliche Stimmung. Als die Zeit zur Eröffnung der Versammlung herannahte, waren laut Protokoll 67 Personen anwesend, darunter 18 Bedienstete und Arbeiter der diversen Bahnen. Unter lautloser Stille und großer Spannung eröffnete der Proponent die Versammlung. Von einem Zettel las er die wenigen Worte, die er zu sagen hatte, herunter und gab die Tagesordnung bekannt. Nach Verlesung der Statuten und sonstigen Formalien wurde zur Wahl in den Vorstand geschritten. In denselben wurde der Proponent Mat au sch als Obmann, ich als Obmannstellbertreter, Petersilka (Tramway) als Kassier und H o r i k (Franz Josephs-Bahn) als Schriftführer gewählt. Die anderen Ausschußmitglieder, die ich niemals mehr wiedersah, wurden auf das Geratewohl aus der Versammlung entnommen. Das Referat über Zweck und Nutzen des Vereines hielt Karl Höger, der damals fast alle Vereine aus der Taufe hob. Obwohl seine Rede ganz sachlich gehalten war, konnte es sich der Regierungsvertreter nicht nehmen lassen, den Redner unausgesetzt zu unterbrechen. Es schien, als ob er Morgenluft wittere! Rach seiner Amtsmiene zu schließen, hätte er am liebsten unser neugeborenes Kindlein. das unbeholfen in den Windeln lag, wieder erdrosseln wollen. Nach der Versammlung fand eine Besprechung mit den Funktionären statt. Das VereinSlokal wurde in die Innere Stadt, Hitzelbergers Ga st hau S, Hohen st aufen st ratze 15, verlegt^ wo alle Donnerstage Sitzungen und Besprechungen stattfanden. Ein Flugblatt wurde an die VerkehrSbediensteten hinauSgegebcn, in welchem den Berufskollegen die vollzogene Konstituierung bekanntgegeben und kurz der Zweck des Vereines erklärt wurde. Dieses lose Blatt erfüllte seinen Zweck. Die Südbahner, die stets die Fortschrittlichsten und Radikalsten gewesen sind, waren auch damals die ersten, die in großer Zahl dem Verein beitraten und kräftig in die Speichen griffen. Die Namen dieser ersten Hilfeleister muß ich leider verschweigen, weil ich leicht den einen oder den anderen dieser Braven vergeffen und unbeabsichtigt kränken könnte. Ein Teil hängt heute noch in zäher Ausdauer und abgöttischer Liebe an ihrer Organisation. Die Bahn war von nun an frei und jeder tat das Menschenmöglichste. Aber auch Hindernisse, die wir nicht voraussahen, taten sich turmhoch vor uns auf. Die offiziöse „Wiener Zeitung" ließ einen Leitartikeln mit der Ueberschrift erscheinen: „Der Sozialismus der goldenen Knöpfe". In demselben wurden die Bahnverwaltung und die Staatsgewalt aufgefordert, Gegenmahregeln gegen den neuesten, aber gefährlichsten Feind anzuwenden. Der Scharsmacherartikel schloß mit den Worten: „Mögen die Konsuln darüber wachen, daß Oesterreichs junge Volkswirtschaft keinen Schaden erleide." Der Lokomotivführer-, Kondukteur- und Be-amtenverein, die das Heil der Eisenbahner i(i der „Selbsthilfe" sahen, waren unseren Bestrebungen gegenüber spinnefeind gesinnt. Sic alle sahen in dem neuen Verein einen unliebsamen Rivalen, der ihre veraltete und unbcwährte Selbsthilfe über den Haufen rennen, ihre Ruhe und Alleinherrschaft stören könnte. Jeder Schritt, den wir taten, wurde bekrittelt, jede Tat herabgesetzt. Mißtrauen und einer ungezähmten Eifersucht begegneten wir auf allen Linien. All das genierte uns nicht; „Geh' deine Bahn" war unsere Losung. Den Südbahnerkollegen gehört das unbestrittene Verdienst, die vorhandene Aversion im Kondukteurverein gebrochen zu haben. Jo mehr wir angefeindet wurden, desto schneller wuchs die Zahl unserer Anhänger. Innerhalb sechs Monaten wurden in der Leopold-stadt, Prater, Alsergrund, Favoriten, Liesing, Meidling, Penzing, Rudolfsheim. Hernals, Währing, Döbling, Floridsdorf, Lundenburg, Aussig und Bodenbach Ortsgruppen errichtet. Zahlstellen in Teschen, Lobnig, Graz. Salzburg und Ostrau waren auf einen Schlag entstanden. Ueberall wurde der neue Kämpfer mit Begeisterung ausgenommen. Die Mitgliederzahl betrug schon gegen 6000. Eines Tages tras den Obmann ein Herzschlag. Da niemand anderer zur Annahme dieser Stelle zu bewegen war, mußte ich diese Funktion an-nchmen, die mich beinahe ins Verderben brachte. Die unausgesetzte Versammlungstätigkeit, die der junge Fachverein entwickelte und bei der ich ausnahmslos als Redner auftrat, hat die Bahnverwaltungen und insbesondere die Genossenschaft der Schwersuhrwerker gegen mich aufgebracht. Mein Vorgesetzter, Inspektor Herdeggen, der jetzige Regie, rungsrat und Direktor der E. W. A. ließ mich zu sich rufen und redete mir in wahrhaft väterlicher Weise zu, mein Vorhaben einzustellen, da er sonst außerstande wäre, den Ansturm auf mich abzuwehrcn. Herr Herdeggen war damals Gemeinderat der Stadt Wien und stand der Politik sehr nahe. Ein Zurück gab es für mich nicht mehr. Und so wurde meine Versetzung in das damalige Baucrnnest Sollenau verfügt. Alle Bitten, mich in Wien zu lasten, Rücksicht auf meine kranke Familie zu nehmen, prallten an dem Willen des Direktor-tyranen Jellinek wirkungslos ab. Ich mußte ohne Familie nach Sollenau. Bei meinem Abschied sagte mir Direktor Jellinek folgendes: „Ich bin alt geworden und habe mich um Politik niemals gekümmert und dulde dies auch von keinem meiner Angestellten." Als ich ihm sagte, daß das „sich um die Politik nicht kümmern" der größte Schaden sei, den man der Nation antun könnte, nannte er mich einen Frechling und Narren, dem er die Politik schon austreiben werde. Er schloß seine Mahnung: „Entweder biegen oder brechen", und fügte noch, fast freundschaftlich, hinzu: „Sollten Sie jedoch Reue annehmen, dann werde ich für Ihr weiteres Fortkommen bestens Sorge tragen und Ihnen eine Sration übertragen, wo Sie ein gemachter Mann sind." Die Reue kam nicht, weil ich nichts zu bereuen hatte. In Sollenau angekommen, setzte ich meine Tätigkeit mündlich und noch mehr schriftlich bis über Mürzzuschlag fort. Die Direktion wollte mich aus eine andere Art kirre machen. Sie verfügte, dah mein nachgesendetes Essen nicht mehr auf der Maschine mitgenommen werden dürfe, sondern als Eilgutkolli gegen Entrichtung der tarifmäßigen Gebühr aufzugeben fei und strafte mich extra noch wegen „bcS Essens" mit einem Gulden. Diese Blocknote habe ich noch big heute alS „Dokument der Zeiten Schande" aufbewahrt. So ging nun auf Geheiß des Verwaltungsrates der Disziplinarausschuß unter Mitwirkung meiner lieben Kameraden hm und kündigte mir knapp vor meiner Pensionierung (nur fehlten noch 2'A Monate auf zehn definitive Dienstjahre) den ge,eil-fchaftlichen Dienst. Jetzt war ich aller Fesseln frei und arbeitete mit Volldampf für die Organisation, die ich als meinen Lebensinhalt, als mein Lebenswerk betrachtete. Leider besaß der junge Streiter auch nicht einen disponiblen Kreuzer, den man mir als Unterstützung oder Entschädigung für die Ab-. Haltung von Versammlungen geben konnte. Der Mitgliedsbeitrag betrug damals 7 kr. per Woche, kaum hinreichend, die notwendigen Drucksorten anzuschaffen. Der Bezirksausschuß Landstraße, dem ich und die Organisation noch heute zu großem Dank verpflichtet sind, hielt ein Fest ab und leitete eine Sammlung ein, um mich und die junge Organisation üfer Wasser zu halten. Um die Organisationsidee propagieren zu können, ließ ich wieder einige Flugblätter h.nausflattern, denen eine Broschüre, „Der erste Lichtstrahl betitelt, nachfolgte. Diese Broschüre erschien in einer für Oie damalige Zeit ungewöhnliche Auflage von 15.000 Exemplaren und wurde mit großer Begeisterung bei den Eisenbahnern ausgenommen. Von nun an verging kein Tag. wo nicht Versammlungen in allen Wiener Bezirken unter den verschiedenen Arten det VerkehrSbediensteten stattsanden und die Bildung neuer Ortsgruppen erfolgte, * * Mer immer noch ging es mir und den anderen Genossen viel zu langsam vorwärts. Der Mangel eines Sprach, rohres, einer Zeitung« machte sich sehr fühlbar. Der Ausschuß, kungen eines Streiks nahezu gleichkommt, so heißt es auch, damit dem S t a a t e an seinen Lebensnerv greifen, der darauf im Interesse seiner Selbsterhaltung mit allen Machtmitteln reagieren wird. Auch die passive Resistenz bedeutet somit für den Staat einen ihm aufgedrungenen K r iegs-z u st a n d, bei dein bekanntlich alle Grundsätze des geltenden Rechtes verlassen und der Kamps z u einerbloßen Machtprobe wird. Für den modernen Staat und die bürgerliche Gesellschaft überhaupt, besteht also in einer wirklich ernsthaften Organisation der Eisenbahner, die Gefahr, die man los werden möchte unter allen Umständen. Und Lohnkämpfe, die die Eisenbahner zu führen gezwungen sind, werden dergestalt zu politischen K ä m P s e n, um so mehr, je vollkommener der Eisenbahnbetrieb sich zu einem Monopol des Staates entwickelt. Welche Ausblicke sich aus dieser Betrachtungsweise für die Zukunft ergeben, ist nicht schwer festzustellen. Die Mächte, die der Eisenbahnerschaft immer mehr geschlossen in den Weg treten, sind unabsehbar an Zahl und Einfluß. Und es wäre eine Unterlassungssünde, wenn wir nicht an dem Tage, wo wir rückschauend Vergangenes überprüfen, nicht auch einen Blick in die Zukunft werfen wollten, um die Chancen zu überschauen, die sich für unsere Weiterarbeit dar-bicten. Sie sind nicht rosig, und nicht danach angetan, um auf unseren Lorbeeren r a st e n zu können. Aber es ist gut auch am Festtage zu wissen, daß noch arbeitsreiche Wochen vor uns liegen. Nur wenn wir voll und ganz verstehen, daß die gewaltigen Berge, die noch zu übersteigen sind, auf der kommenden Strecke liegen, dann werden wir rüstig weite r-Bauen und weiterschreiteu, trotz aller Feinde und Querköpfe, bis hinan zum Bergesgipfel, von wo aus wir das Neuland der Zukunft schauen! Wir sind die Kraft, wir sind dar Leben! Als im Jahre 1897 im Frühjahre die Bediensteten der Schweizerischen Ostbahnen zur Durchsetzung ihrer Wünsche in den Streik traten, da glaubten die Gewaltmenschen Badeni und Guttenberg, daß es an der Zeit wäre, der so viel verhaßten österreichischen Eisenbahnerorganisation den Todesstoß zu versetzen und dieselbe ein für allemal mit Stumpf und Stiel auszurotten. Am 9. März, morgens 7 Uhr, wurde zum Schlage ausgeholt. Zu gleicher Zeit flatterte die ministerielle Verfügung nach allen Winkeln des großen Reiches hinaus und gab den Bezirkshaupt-wannschasten Gelegenheit, ihr Können zu erproben. Alle Jnventargegcnstände wurden versiegelt, der «Eisenbahner" eingestellt, das Vereinsleben mit einem Federstrich fiftiert. Hunderte von schlaflosen Nächten waren vergebens geopfert, alle Hoffnungen eingesargt, das vorhandene Vermögen konfisziert. Die Heldentat selber war in den Amtsblättern Verlautbart und an allen öffentlichen Stellen affichiert. Das worein kalter Märztag! Die Reaktion fetzte mit ihren alten, verrosteten Waffen wie im Vormärz wieder ein und vertier feit anderthalb Jahren öfters gewechselt wurde, bestand zuletzt in seiner Mehrheit nur mehr aus Eisenbahnern. Dieser ging daran, die „Verkehrs-Zeitung", das einzige damals bestehende Eisenbahnerblatt, abzulösen. Als sich die Verhandlungen zerschlugen, wurde mit nichts und aus nichts ein selbständiges Eisenbahncrblatt „Ter Eisenbahner" geschaffen, dem eine Beilage, „Der Tramwaybedienstete", beigegeben wurde. Am 15. November 1893, also kaum 14 Monate nach der Gründung des FachvereineS, erschien die Probenummer. Hui, gab's da einen Jubel! Von vielen ersehnt und begrüßt, von vielen verflucht! Daß die erste und alle nachfolgenden Nummern der Konfiskation verfielen, versteht sich von selbst. Erst jetzt konnte der Ausschutz daran schreiten, mich als seinen Sekretär und Redakteur mit einem Monatsgehalt von 30 fl. anzustellen. DaS Dekret, welches mir eingehändigt wurde, trug die Unterschrift des Josef Goby, Kondukteur der Südbahn, als Obmann und Heinrich Wintersberger, Kondukteur der Südbahn, als Schriftführer. Von jetzt ab konnte erst von einer systematischen Aufklärungsarbeit und- einer planmäßigen Agitation gesprochen werden. Bisher hatte sich das Vereinsleben in meiner Wohnung vollzogen. Jetzt erst nehmen wir einen drei Meter langen und zwei Meter breiten Milchladen, X, Van der Nüllgasse 18, auf. wo der Verein und die Zeitung sich nieder-ließen. Noch in demselben Jahre (Herbst 1893), als im Parla. Ent die Novelle zur Unfallversicherung eingebracht wurde, nahmen der Verein und seine Presse trotz seiner Jugend frohen Anteil und entscheidenden Einfluß auf den Gang der Verhandlungen. Die große Protestversammlung in den „Drei Engelsälen" QUf j,er Wieden, in welcher Genosse Reumann und Genüsse Naff unsere Stellungnahme zum Gesetz präzisierten, hatte jhre Wirkung auf das Parlament mtsgeübt. Unser Gei>t beherrschte die schier endlose Debatte ganz. Genosse P e r n e r st o r f e x, Dr. Lueger, Pattai und viele andere beriefen sich in ihren Reden immer wieder auf unsere -Wünsche. Ich verfaßte ein Flugblatt in der Sache und warf es von her Galerie des Abgeordnetenhauses auf die Plätze der erstaunten Abgeordneten. Bei meiner Verhaftung wurde mir mitgeteilt, daß ich der erste bin, der solchen Frevel beging. Ich war jedoch auf diese „Frechheit" seljr stolz. Genosse Wintcrö-berger wurde sodann ad hoc zu einer Enquete ins Parlament einberufen, in der er in mannhafter Weise der Regierung und den Abgeordneten unsere Wünsche bekanntgab. Das Verhand-lungsmaterial wurde zu einer Broschüre verarbeitet, die den Titel ..Kampf und Sieg der Aktie" trug und die die beabsichtigte Wirkung vollkommen erfüllte. Im selbxn Jahre wurde eine große Aktion zur Errichtung einer Personalkommission bei der Südbahn eingeleitet und mit Erfolg durchgeführt. In die Wahlen der Kranken- pflanzte ihre Absicht bis auf den letzten Assistenten fort. . Das Reichsgericht bestätigte die Auflösung. Das Parlament, welches zur Wahrung der staats-bürgerlichen Rechte auf gerufen wurde, feierte vor Freude förmliche Orgien über diese Tat. Insbesondere waren es die Christlichsozialen, welche zur Macht gekommen waren, die vor Jubel Purzelbäume schlugen. Unvergessen sollen die Reden der Abgeordneten Prohaska. A x nt a n n und K r 6 k sein, die die Badeniten als Helden hinstellten und feierten. General Guttenberg als erster Eisenbahnminister, der sich sein Leben lang nicht mit sozialen Fragen beschäftigte, erklärte im Parlament: Die Auflösung des Vereines war eine Notwendigkeit, weil diese Organisation staatsfeindliche Tendenzen verfolge. Die Bediensteten verlangen mehr Lohn, kürzere Arbeitszeit. Würde man ihren Wünschen entsprechen müssen, dann würden die Bahnen passiv werden, der Unternehmungsgeist konnte sich nicht entwickeln und niemand würde mehr Bahnen bauen wollen, weil sich diese Unternehmen nicht mehr rentieren möchten. Diese Darlegungen fanden begreiflicherweise bei den Kapitalistenvertretern freudigen Widerhall. Sie sahen ein, daß, wenn sic den Bediensteten mehr Lohn zahlen sollen und die Arbeitszeit verkürzen, der Unternehmergewinn kleiner, die Aktie fallen würde. Wer dazu beiträgt, daß die Aktie falle, verfolge staatsfeindliche Tendenzen. Das Geständnis der Regierung war den bürgerlichen Abgeordneten klar. Die Auflösung blieb daher aufrecht. Es war eiu Sieg der Aktie. Doch die Reaktionäre jubelten zu früh! Die Regierungen denken, die Massen lenken! Der Sozialismus hatte bereits zu tief seine Wurzeln gescblaaen. Mehr als die Hälfte der damaligen Mitglieder blieben ihrer Sache treu und scharten sich um'ihr Fachblatt, den „Eisenbahner", der ihnen die niedergerittene Öraanisation ersetzte. Nur die Zaghaften verhielten sich passiv. Aber es waren noch nicht alle Mörsen vorbei! , Nach ungefähr einem Jahre feierte der Organisationsgedanke von neuem seine Auferstehung. So wie der Vhönir aus feiner ciacnen AfcT'c von selbst erstand, fo entstand und fo wird für affe Zeiten die Organisation der Eisenbahner von selbst erstehen und bestehen müssen. Für die Eisenbahner ist die Organisation eine Lebensnotwendigkeit geworden. Lebensnotwendig :ten sehen sich trotz' allein Enigegensteminen von selbst durch, möge kommen, was da will! Das ist ein wirtschaftliches nnd natürliches (Metz.' Im Jänner 1808 wurde die Wiedergeburt und das Sichwiederfinden in einem kleinen Gasthaus in der Hosmühlgasse des VI. Bezirkes gefeiert. Die Eisenbahner konnten den Gedanken nick't lünaer ertragen. daß sie ihre gerechte Sache, welche sie mit legalen Mitteln zu erreichen suchen, nicht im vollen Lichte der Oefsentl'/'keit. vertreten dürfe». Tort, wo ein Wille vorbanden, ist bald ein Weg gefunden. Nach Ablauf eines Jahres standen wieder 13.642 Mitglieder, und zwar 11.624 deutsche, 1758 tschechische und 260 polnische in der Öraanisation. D r a h t s ch m i d t. P r o s k e, und wie die Direktionsgewaltigen alle hießen, ließen es an Versetzungen. Strafen und Entlassungen nick't feblen. um die Be- fas[cn der Staats-, Süd- und Österreichischen Nordwestbahn wurde zum erstenmal mit überwältigendem Erfolg von unserer Seite eingcgrikfkn. Der Anschlag, welcher BilinSki, der damals Präsident der k. k. Staatsbahnen war, auf den § 33 der Dienstordnung machte, wurde abgewehrt: der Geheunerlaß der N. W. 93. gegen unseren Verein wurde derart zerzaust daß er niemals dem Wortlaut nach angewendet werden konnte und die schrankenlose Brutalität der Herren von Görgey und Jeitteles, denen unser Verein ein . Dorn im Auge war, eingeschränkt. Am 10. November 18 0 3 fand die exste Wahlrechtsversammlung für hie Eisenbahner in den „Drei Engelsälen" statt, wo an Stelle des entschuldigten Genossen Pernerstorser ich das Referat führte und die erschienenen Kollegen, so gut ich cS konnte, in die Anfangsgründe der Politik einführte. „SBir brauchen", so sagte ich am Schluß der Versammlung, „das Wahlrecht wie die Luft und daS Wasser, wir müssen cS aus Selbsterhaltungstrieb erkämpfen, koste es, was da wolle." Erst nach weiteren 14 schweren Kamvfjahren wurde unser damaliger Traum erfüllt und die Eisenbahner erlebten die Freude, selbst einen Vertreter ins Parlament entsenden zu können. Aber auch einen verzweifelten Streik mutzte die junge Organisation mit der Neuen Wiener Tramwahgesellschaft führen, welcher zwei Opfer forderte, wovon eines (Hofmeister) sechs Monate Kerker erhielt. Obwohl in diesem Lohnkampf die Bediensteten formell unterlagen, wurde dennoch eine Reihe von nicht zu überschätzenden Vorteilen errungen Mittlerweile hat der Staatsanwalt drei Anklagen gegen mich eingebracht, die mir zusammen 21 Tage Arrest eint rügen. Zum Glück standen wir im Kampf mit dem Eiscnbahnkapital nicht mehr allein. Genosse Tomschik organisierte die Heizhaus- und Werk-siättenarbOter. Am Schluß des Jahres 1893 hatten die k. k. Staatsbahnen, die St. E. G.» die Nord- und Südbahnbetriebe ihre eigenen Fach, und Unterstützungsvereine der Werkstätten* und Heizhausarbeiter. Diese Organisation wuchs unter der umsichtigen Leitung des Gründers und feiner Vertrauensmänner zusehends. Für diese Gruppe wurde ebenso ein Fachblatt wie für die Verkehrsbediensteten geschaffen, daS den Namen „Die Eisenbah n-Z eitung" führte und bald auch in tschechischer Sprache herausgegeben wurde. Das Blatt hatte aber nur kurzen Bestand und mußte wieder eingestellt werden. Im Jahre 1893 waren die Eisenbahnerorganisationen auf dem Ersten internationalen Kongreß zu Zürich und im Jahre 1894 am Zweiten internationalen Kongreß in Paris durch Genossen Tomschik vertreten. Durch das Nebeneinanderarbeiten der beiden Organisationen und ihrer Blätter entstanden Grenzstreitigkeiten. die der weiteren Entwicklung und Ausbreitung dieser Organisationen nicht dienlich gewesen diensteten von ihrem Vorhaben einzuschüchteru und'' abzuschrecken. Aber aK die Mittelchen und Mittel waren vergebens. Wurde ein Vertrauensmann versetzt oder entlassen, traten zwei andere in die Bresche. Die Organisation wuchs allmählich und erreichte im Jahre 1905 die stattliche Zahl von 32.721 Mitgliedern. Hievon waren 21.633 Deutsche, 8028 Tschechen/ 2238 Polen. 733 Slowenen und 89 Italiener. In diesem Jahre setzte in Oesterreich die Wahlrecbtsbcwe-gung mit seltener Stärke ein und riß die Indifferenten aus ihrem Schlaf. Die Eifenbalmer benützten die Gelegenheit und setzten sich gleichfalls für die Erringung dieses Rechtes ein und verknüpften diese Forderung mit einer Reihe von Personalsragen. Zum erstenmal fühlten die Regierung und die herrschenden Ge^ walten die Macht der Eisenbahnerorganisation. Der Kampf wurde ohne Opfer und mit Erfolg für beide. Richtungen abgeschlossen. In diesem Jahre mußten die Bahnverwaltungeu die totgeglaubte Organisation als lebend, wirkend und zu Recht bestehend mit süß-saurer Miene anerkennen. Diese Errungenschaft ist eine bleibende kulturhistorische % a t ersten Range s. Es wäre verfehlt, anzunehmen, als ob das Eisenbahnministerium und die Privatbahnen durch die Anerkennung der Organisation als gleichwertiger Kompaziszent plötzlich von einem heiligen Geist überschatteten worden wären und sich zu'einer sie ehrenden, modernen Auffassung bekannt hätten. Leider war dies nicht so. — Nicht aus eigenem Antrieb, sondern der eiserne Muß diktierte ihnen ihr Verhalten. Als zwei Jahre später, 1007, die Eisenbahner den großen Privatbahnen den Krieg erklärten, weil diese ihnen vorertthalten batten, was die Staats-bahnen bereits im Jahre 1005 ihren Bediensteten gaben, schwoll die Organisation auf 51.832 Mitglieder an. Es waren in derselben 35,235 Deutsche, il.780 Tschechen, 2675 Polen. 1771 Slowenen und 371 Jta liener. Im abgelaufenen Jahre (1911), wo die furcht^ bare Teuerung die Eisenbahner neuerlich zum Kampf ums Leben rief, schließt sic mit einem Mitgliederstand von 59.470 ab. Dieselben verteilen sich auf 41.550 Deutsche. 11.534 Tschechen, 4100 Polen, 1756 Slo wenen, 320 Italiener und 120 Rutbenen und Kroaten. Was von besonderem Jntexesie ist und nicht scharf genug hervorgehoben werden kann, ist, daß der Aufstieg von einem Jahr zum anderen in gleiche,u Tempo erfolgte und daß niemals ein Rückgang, sa nicht ein mal ein Stillstand ein trat. Wer die Anstrengungen der Nationalen, Christlichsoziclen und der Separatisten aller Grade in dem letzten Jahre. beobachtete, wer die Mitteln und die Niedertracht kennt, die sie in. ihrer blinden Wut oenen uns, anwendeten, der muß sagen, daß unser Wachsen nnd unsere Festigung ein Kunststück ist, das seinesgleichen in der Geschichte der Arbeiterbewegung suck>t. Es zeigt dies, daß die Eisenbahner sich des rechten Weges und der rechten Waffen klar fiud. Wenden wir den Blick für einen Augenblick von den allgemeinen Kämpfen und Erfolgen ab und b>" trachten wir. was die Organisation aus eigener Macht den Mitgliedern seit dem Jahre 1899 bis Ende 1911, also innerhalb zwölf Jahren, geboten hat. wären. Von beiden Seiten brach sich die Ansicht durch, diesen Zustand zu beseitigen und die vorhandenen Vereine zu einem Verband unter einheitlicher Leitung zusaininenzufasicn. Ohne jede Störung und Bitterkeit vollzog sich der Zusammenschluß. Als VcrbandZsckretär wurde Genosse Tomschik angestellt, der damals der einzige unter den Eisenbahnern war. pet von Gewerkschaftsbewegung und deren Fragen etwas verstand. Die „Eisenbahner Zeitung" wurde aufgelösten und als Vcrbando-organ wurde der „Eisenbahner" als der ältere Kämpfer belassen. Am 1. Juni 1894 übernahm Genosse Tomschik die Redaktion des „Eisenbahner". Von da ab kann man erst von einer Gewerkschaftsbewegung und von einem Gewerkschaftskampf der österreichischen Eisenbaliner im heutigen Sinn sprechen. Von da ab legte die Organisation ihre Kinderschuhe ul', um Siebenmeilenstiefel anzuziehen. Mit Riesenschritten wuchs die Anzahl der Anhänger, aber auch ihre Feinde. Christlichsoziale und deutschnationale Eisenbahnerorganisationen gab es jn der gefährlichen Zeit, wo jeder, der offen auftrat, seine Existenz auf das Spiel setzte, noch nicht. Erst als der Erzreaktionär v. W i 11 e f Minister wurde, war der Boden für diese Sorte von Organisationen geebnet und der Sen für sie frei gemacht. Die Deutschnationalen kommen viel später. Sie sind komischerweise ein Produkt des allgemeinen Wahlrechts, gegen das sie sich immer wehrten und noch wehren. Sie sind von den Bürger-lichen Parteien als Wahlhilfe geschaffen worden, denen die Aufgabe zufallen sollte, die Einigkeit unter den Eisenbahnern zu sprengen. Die kurz dargelegte Entstehungs- und Entwicklung-' geschichte unserer Organisation ist zugleich ein Stück Partei-geschichte und ein Stück Kulturgeschichte Oesterreichs. Sie bildet ein Ruhmesblatt, das wohl schöner und ruhmreicher ist als manch andere Kapitel in der Geschichte unseres Vaterlandes; und gerade deshalb sind wir und die gesamte Arbeiterschaft stolz darauf. Der Aufstieg feit dieser Zeit gehört eigentlich schon mit in die neuere Geschichte unserer Organisation, weshalb ich hiemit abbreche. ES wird sich jedoch bald die Gelegenheit ergeben, auch diese zu skizzieren. Wer die Geschichte und die Tradition seiner Organisation nicht kennt, hat nicht bloß ein: große Lücke tii unserem Wissen, sondern wird auch oft zu falschen Schlüssen kommen und vielerlei Erscheinungen unrichtig beurteilen. So will ich diese Erinnerungen mit dem Zitat au' Freiligrath schließe», welches ich vor zwanzig Jahren am 2. April 1902 am Schluß meiner Rede an der Wiege unserer Organisation gesprochen habe: „Trotz alledem! Ihr könnt uns hemmen, doch ihr bezwingt uns nicht — unser die Welt trotz alledem! Für Rechtsschutz zahlte sie seit jener Zeit hie Summe von Kr. 570.502'08 aus. Dieser Riesenbetrag legt Zeugnis ab, wie arg cs noch um das Recht der Eisenbahner steht. Wie viel Kummer, wie viel Tränen wurden durch diesen Betrag da nicht getrocknet? An Notstandsunterstützungeu wurden in der gleichen Zeit nicht weniger als Är.437.531'55 an die Mitglieder ausgefolgt. Zusammen wurden für Rechtsschutz und Unterstützungen innerhalb 12 Jahren der Betrag von Kr. 1,008.033"63 verausgabt. Für Bildungszwecke, Vorträge, Versammlungen, Bücher und Fachzeitungen wurden in der gleichen Zeit K r. 2,5 5 9.2 3 4'2 8 aus-gegeben. In dieser Summe steckt das Geheimnis unseres unaufhaltsamen Vorwärtsschceitens. Welche Anziehungskraft unsere Organisation unausgesetzt auf die Indifferenten ausübt, beweisen folgende Zahlen: Seit 1899 bis 1911 sind nicht weniger als 1 7 9.4 1 4 Mitglieder beigetreten, die, wenn die Aktionen erledigt und ihre Wünsche zum Teil erfüllt waren, wieder ruhig austraten. Die niedrigste Beitrittsziffer war im Jahre 1899 mit 4009, die höchste im Jahre 1909 mit 19.905. Ausgetreten sind in demselben Zeitraum 1 3 3.6 1 6 Mitglieder. Tie niedrigste Ziffer fällt auf 1899 mit 1292, die höchste in das Jahr 1910 mit 18.772. Mehr als zwei Drittel aller Eisenbahner waren somit schon einmal in unserer Organisation und haben von der Organisation Vorteile genossen. Die Mitgliederzunahme beträat früher in Prozenten ausgedrückt. 335'9 Prozent. Für die Anwerbung und Agitation dieser fluktuierenden Elemente wurde die Summe von K r. 2 1 4.9 2 8'8 3 verausgabt. Tie Gesamtleistungen an die Mitglieder betrugen daher Kr. 3,782.196 74. Wir lassen diese Ziffern ohne jede textliche Ausschmückung folgen, weil wir annehmen, daß ihre Wirkungen von selbst die eindringlichste Sprache führen, die jeder versteht. In ganz Mitteleuropa ist keine ähnliche Organisation, die aus eigener Kraft und verhältnismäßig kleinen Beiträgen solche Errungenschaften auf dem Gebiet der Personalpolitik, noch auf dem Gebiet der sozialen Selbsthilfe aufweisen kann, wie die unsere. Und gerade diese Ziffern verleihen dem heutigen Tage den Festesglanz. Ihr Nörgler und Gegner, beseht die Leistungen aus der zweiten Ver-cinspcriode unseres Organisationslebens und nennt eine andere, die der unseren gleicht. Wenn ihr noch in der Lage seid, objektiv zu denken, so sprecht es aus: Wir s i n d d i e K r a f t, w i r s i n d d a s L e b e n! . R. M. Unsere Rechtsschutz- und Unter-ftütznugstötigleit feit itiraniißSatzten. Von Frnuz Josef TuSck. Schwer war das Los, das die Eisenbahner Oesterreichs in früheren Jahren zu tragen hatten. Im Dienst unmenschlich üoerangestrengt und ausgebeutet, elend entlohnt, waren sie der Willkür der Unternehmer und Vorgesetzten preisgegeben; sie hatten niemand, der sich ihrer angenommen hätte; sie lebten im Zustand vollkommener Rechtlosigkeit. Sie waren rechtlos in persönlicher und dienstlicher Beziehung; rechtlos dem Unternehmer, dem Vorgesetzten, rechtlos selbst den Gerichten gegenüber. Die wenigen Rechtsvertreter, die sich in dem Gewirr der Instruktionen ausgekannt, waren für die Mehrzahl der Bediensteten nicht zu erreichen, dazu die veraltete Zivilprozeßordnung, mit den jahrelangen Prozessen, die mit enormen Auslagen verbunden waren und die Uninformiertheit der Richter mit den Eisenbahnver-hältnissen haben es bewirkt, daß so häufige Verurteilungen vorkamen, daß die Prozesse der verunglückten Eisenbahner, welche das Haftpflichtgesetz angerufen hatten, verloren gingen und den armen Krüppel nicht nur um jede Entschädigung brachten, sondern ihm auch noch obendrein den letzten Heller aus der Tasche zogen und ihn zum Bettltt machten. Darum ist es wie eine Erlösung über die Eisenbahner gekommen, als im Jahre 1.892 die Organisation gegründet wurde und den Mitgliedern unter anderem auch der Rechtsschutz zugesichert wurde. Freilich war zu dieser Zeit die Rechtsschutztätigkeit sehr beschränkt und nicht systematisch durchgeführt: auch verfügte die junge Organisation über wenige Rechtsvertreter, die mit Erfolg die Vertretung der Eisenbahner übernehmen konnten. Erst im Jahre 1894, am 15. Februar, stellte bei der Generalversammlung des „Fachvereines der Verkehrsbediensteten" Genosse W i u-tersberger den Antrag, der Rechtsschutz sei in der .Zentrale dieses Vereines zu zentralisieren und damit wurde der erste Schritt zu einem systematischen Ausbau der Rechtsschutztätigkeit gemacht. Vom I. Verbandstag am I. Juni 1894, wurde dieser Beschluß von den im Perband vertretenen Fachvereinen übernommen und der Rechtsschutz der Mitglieder statutarisch gesichert. Aber erst beim II. Verbandstag, welcher am 24. März des Jahres 1896 in Wien im Gasthaus „Zur goldenen Birn" tagte, wurde die Zentralisierung des Rechtsschutzes 1 für alle Eisenbahnerfachvereine beschlossen und ein spezielles Rechtsbureau beim Verband errichtet; eS wurde auch ein einheitlicher Beitrag seitens der Mitglieder bestimmt, von welchem die Kosten der Rechtsschutztätigkeit bestritten werden sollten; auch wurde beschlossen, vom 1. Juni 1896 an. eine juristische Sprechstunde einzusühren, und zum Anwalt wurde Dr. Fried und später auch noch Dr. Harp-ner bestellt. Von nun an beginnt die geregelte Rechtsschutz-tätigtest: des Verbandes und es war eine angestrengte Arbeit, um überall die Genossen an die planmäßige Mitwirkung zu gewöhnen und immer neue und neue Kräfte zu finden, die bereit waren, sich der Eisenbahnbediensteten anzunehmen und ihre Sachen zu führen. Diese Arbeit ist uns glänzend gelungen; heute haben wir in ganz Oesterreich, fast in einer jeden Stadt, tüchtige Rechtsfreunde, welche sich der gewiß schwierigen Aufgabe unterzogen, in das Labyrinth der österreichischen Eisenbahninstruktionen einzudringen, den Dienst und das Leben der Eisenbahner zu studieren und ihn mit Erfolg zu vertreten, und wir können stolz sagen: Das Werk ist uns gelungen, der Eisenbahner stehtheutenichtverlassenvordemGericht, ihm steht ein tüchtiger Fachmann zur Seite! Mit jedem Jahr sind die Anforderungen an das Rechtsbureau gestiegen und besonders nach der Aktivierung der berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungsanstalt und des Schiedsgerichtes stiegen diese Anforderungen immer mehr. Wir brauchen nicht erst zu erwähnen," daß die geehrten Eiscnbahnnnternehmungen nicht zurückgeblieben sind in dem Bestreben, dem Eisenbahner Gelegenheit zu bieten, den Rechtsschutz in Anspruch zu nehmen. Auch die Unterstützungstätigkeit stieg von Jahr zu Jahr und wenn auch im allgemeinen die bescheidenen Mitteln des Verbandes und später des Rechtsschutzvereines die zur Unterstützung aufgewendeten Beträge nicht jene Höhe erreicht«, die geeignet gewesen wären, die Not des Ansuchenden voll zu lindern, so wurden die Unterstützungen nach den individuellen Bedürfnissen des Petenten verteilt und außerdem wirkten die Ortsgruppen in erfreulichem Maß an dieser Tätigkeit mit. Um unseren Genossen die Tätigkeit des Nechts-bureans zu veranschaulichen, fügen wir diesen Zeilen eine Tabelle bei, wobei wir bemerken, daß bis zum Jahre 1896 — also der Zeit der Aktivierung des Rechtsbureaus — keinerlei Aufzeichnungen geführt wurden und daher in der Zeit von der Gründung der Or-ianisation bis inklusive 1895 keinerlei Statistik möglich ist. r2. 'S* e <2 U o S o tt 'u ta rr I 8 Inet« . « a S "--a 35 s U u U « W 2 2 so 55 JD «t ci 5 ö) 5, g <9 INI INI ä CO •Ct-O?CCCCCl'-QC0O ' 1 Hrim Ol rh tfS cp tÖ £1 J« r-t Dl Dl CO Dl L ff » S! -t* . =o " 2" aä iT 5 3 tf 2= äS Z, 53 .5 « *1 *1 CO iC Dl *1 *i o O CO b» C »fJ >f5 C 1 » 1 Tjt »C 3 1 I o ^ Ol D IC IC r-. i—! 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In dieser feierlichen Stunde wollen wir auch erkennen, daß es der Organisation allein nicht möglich gewesen wäre, alles das zu leisten, wenn sie nicht von der Opferwilligkeit, Arbeitsfreudigkeit und Energie unserer Genossen Funktionäre in den Ortsgruppen und in den Ausschüssen der verschiedenen Humanitären Institutionen auf das tatkräftigste unterstützt worden wäre; auch unserer Rechtsvertreter darf nicht vergessen werden, die sich derjenigen, die ihrer Hilfe bedürftig waren, tatkräftigst angenommen hatten; allen diesen Mftwirkenden sei hier namens der Taufende unser wärmster Dank und Anerkennung ausgesprochen. Und so treten wir, auf der begonnen Bahn fortschreitend, in das dritte De-ennium unserer Tätigkeit, unseren Kollegen und Genossen zum Schutz und unseren Feinden zum Trutz. Jamals und heute. EinRückblick. Halten wir ein bißchen in dem Alltagslärm inne. Bemühen wir uns, die Verhältnisse der Neunzigerjahre auf den Eisenbahnen und unter den Eisenbahnern für einen Augenblick Revue passieren zu lassen. Welche Stellung nahm damals das untere und mittlere Personal in dem öffentlichen Leben ein? Man wußte nur so Mel, daß diese Leute Züge bedienen. Frachten expedieren und berechtigt sind, blaue Uniformen zu tragen. Die große Oeffeicklichkcit nahm von dieser Berufsgruppe so gut wie gar keine Notiz und hatte auch keinen Anlaß dazu. Die Eisenbahnverwaltungen ließen den Zeitungen qnartalmäßig das Schweigegeld in Form von Fahrplanankündigungen zukommen und diese sorgten dafür, daß kein verpöntes Wort sich in itire Zweiten oerirre. Ich selbst habe im Jabre 1890 einen Artikel, betitelt: „Ein Schmerzensschrei der Elsen--' bahner", an alle Wiener Tagesblätter versendet. In demselben führte ich ziffermäßig den Nachweis, auf welche raffinierte Art das Personal geschunden und geknechtet wurde. Aber keines von diesen' Blättern n a h m h i e v o n N o t i z. Ich versuchte das Experiment noch öfters, aber ohne jeden Erfolg. Als ich ber der „Oesterreichischen Bolkszeitnng" und beim „Wiener Tag-blatt", die sich als unabhängig und demokratisch bezeich-neten, persönlich vorsprach und Beschwerde erhob, wurde mir rundweg erklärt, daß die Zeitungen für d e r-artige Tinge kein Interesse haben. Wie steht es heute? Ein ganzes Dutzend von Fach-blättern, die sich ausschließlich mit Standesfragen beschäftigen. steht den Eisenbahnern zur Verfügung. Voran das älteste und beste Blatt: „Der Eisen- bahne r". Schonungslos wird jedes Unrecht, das an dem Personal begangen wurde oder begangen werden sollte, der Oeffentlichkeit gezeigt. „Der Eisen- bahner" vertritt die Stelle eures öffentlichen Anklägers, welcher das öffentliche Gewissen wachzurufen hat. Die kleinste Begebenheit wird registriert. Jedem einzelnen steht er als Sprachrohr, als Herold zur Verfügung. . „ . . _ Welch gewaltiger Wandel hat sich feit jener Zeit nicht vollzogen? Damals stand der Bedienstete allein und verlassen da. von niemand beachtet, von niemand gehört. Und heute? Seine Organisation schützt ihn in allen Lagen des Lebens, seine Zeitung verteidigt ihn und läßt ihn zu Tausenden sprechen, das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht befähigt ihn, in der Gesetzgebung mitzureden. Aus dem Unmündigen ist ein vollwertiger Staatsbürger geworden. Und wie stand es um die Bediensteten auf der Bahn? Dies kurz zu sagen, ist schwer. Es herrschte die reine Anarchie. Bedienstete standen oft 10 bis 15 Jahre auf einem systemisierten Posten, ohne angestellt zu werden. Zog er dennoch das große Los, so war er sein Leben lang zu hungern verurteilt. E" konnte sich auf 300 bis 350 Gulden jährlichen Anfangsgehalt gefaßt machen. Die Kranken- und Pensionsversicherung war unzulänglich und in denselben führten die Tirektions-menschen uneingeschränkt das große /Wort. Das Recht der Krüppeln war ein prozessuelles. Die Behandlung war eine beschämende. Jedes A.spiranterl sah den Bediensteten für einen Schuhfetzen an und behandelte ihn darnach. Ein Beschwerderecht gab es nicht. Wer es dennoch wagte, riskierte viel. Mitten in diesem Sumpfe blühte der Kastengeist, der sich gegen jede Einigkeit wie ein Frosch aufblähte und den Kollegen weismachen wollte, er sei eint Löwe. Eisenbahner zu sein, war damals ein gar „glänzen-d e s" Elend. Dummheit und Stolz trugen immer wieder neue und dieselben Früchte! Gegen die Unterstellten war man brutal, gehen oben hündisch unterwürfig. So etwas wie Mannesehre war ein unbekanntesTing. I e i t t e l e S und G ö r g e y ließen sich von charakterlosen Kreaturen huldigen, wenn in dem „Eisenbahner" oder in einer Versammlung eine offenes Wort gegen ihre Heiligkeit ausgesprochen wurde. Das Denunziantentum stand in voller Blüte. Jeder wollte auf dem Rücken seines Kameraden schonungslos vorwärts kommen. Das war damals eine allgemein geübte „Sitte" und galt als Richtschnur 31111t Vorwärtskommen. Wie ganz anders ist es heute! Menschentum und Mannesehre sind erwacht. Der Bedienstete hat sich eilte geachtete Stellung unter den Mitbürgern und den Vorgesetzten aller^ Grade errungen und ist bestrebt, dieselbe Zu erhöhen, sein Auftreten ist sicherer, seine Intelligenz größer, dieLebenshaltung höher und seine Arbeitsleistung weit besser geworden. Aus eigener Kraft hat sich das Eisenbahnproletariat innerhalb zweier Dezennien zu einem Kulturfaktor emvorgeschwungen. Der Bedienstete kennt sich heute in der Volkswirtschaft und Politik ebensogut wie in seinem Dienst aus. Und kennt die Zusammenhänge. Die knechtische Disziplin mußte, der selbsterwählten eisernen Pflichterfüllung weichen. Das Denunziantentum und der Kastengeist sind im Aussterben und werden gegenwätig nur mehr bei den „Gelben" geduldet und geübt. Der Dienst, die Arbeitszeit, die Anstellung, das Avancement, die Behandlung halten entgegen den damaligen Verhältnissen keinen Vergleich mehr aus. Täglich und stündlich arbeitet die Organisation an ihrem wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg. Vom Grund aus hat der organisierte Eisenbahner die für ibn geschaffenen Humanitätsinstitute reformiert. Ueberall hat die Organisation ihre bewährten Vertreter sitzen, die die Interessen ihrer Mitkollegen mannbar verfechten. An Stelle des prozessualen Rechtes für die Krüppeln ist die liquide Unfallsrente getreten. Mit einem Wort: an Stelle des einzelnen kommt der Wille der Gesamtheit in der Organisation überall zum Ausdruck. Wie ein roter Faden zieht sich die Organisationsarbeit durch unser ganzes Leben. Die falsche Scham und der Kastengeist, die den Proletarier lehrten, Hunger zu ertragen und sich an den glitzernden Knöpfen zu ergötzen, ist im Schwinden und zum Teil schon erloschen. Wie ein Märchen klingt es an unser Ohr, wie einst die Beamten-zeitung „Bahnfrei" und die „Verrehrszeitung" mit flammenden Worten Protest erhoben, weil die Bediensteten der Neueu Wiener Tramway eine den Eisenbahnern ähnliche Uniform bekamen. Mit tränenerstickter Stimme beklagten die beiden Blätter, daß das „Ehrenkleid" des Eisenbahners tief beleidigt worden sei, und riefen den Staatsanwalt und alle Teufel zur Hilfe auf. Mit Wehmut erinnern wir uus an das Huldi-gungstelegramin, welches die Bahnmeister bei ihrer Pilsner Tagung au den Eisenbahnminister Wittek sandten und ihn flehentlich uni Verleihung des Degens baten. „Alle Unbillen, die man ihnen auferlegte," fo erklärten sie damals, „wollen sie mit Geduld ertragen: aber eines, — eines — den Degen, können sie unmöglich noch länger entbehren!" Daß die Arbeiter in die Provisionierung einbezogen wurden, daß das Maschinen- und Zugbegleitungspersonal die anderthalbfache Dienstzeit angerechnet erhält, daß das Quartiergeld erhöht und 40 Prozent in die Pensionsbemessungsgrundlage zugestanden werden, daß die Bahnwächtcr in die Kategorie III der Bediensteten eingereiht wurden, daß die Nachtdienstzulage für einen großen Teil des Personals ausbezahlt wird und die An« stellungs- und Beförderungsverhältnisse als geregelt zu betrachten sind, daß die Erholungsurlaube festgelegt und, daß die Bediensteten in den Arbeiterausschüssen und Personalkommissionen ein Vertretungsrecht besitzen, all das soll nur so nebenbei miterwähnt werden, um zu ersehen, wie es „damals war und wie es heute l st". Wir sind die letzten, die mit den Errungenschaften zufrieden sind, und wissen nur zu gut, was alles noch zu tun ist, um das Los des Eisenbahners erträglich zu machen. Es muß uns aber am heutigen Tage erlaubt sein, zu sagen, daß wir das, was wir bei der Gründung andeuteten, in vollem Umfang gehalten haben. Hätten die Eisenbahner ihre Mitgliedsbeiträge statt in die Organisation bei einer Sparkasse hinterlegt und diese Einlage mit 1000 Prozent verzinst erhalten, so wäre das Ergebnis ein Bettel gegenüber dein Erreichten. An alle jette, die über dies und jenes nörgeln, stellen wir heute die Bitte: einen Augenblick innezuhalten und selbst zn prüfen, was war, was i st und was sein wird! R H. ®in Rückblick auf die interaetionele Kmbahnerbewegmg. ’’ Von Hermann Jochade (Berlin). Heute, wo die österreichische Eiseubahuergetverk-schaft auf eine zwanzigjährige Tätigkeit zurückblicken kann, geziemt es sich wohl, auch einen kurzen Ueberblick über die internationale Eisenbahnerbewegung zn geben. Es geziemt sich dieses um so mehr, da die österreichische Gewerkschaft vom Anfang an, wo von einer Internationale unter den Eisenbahnern überhaupt die Rede sein kann, stets mit dabei gewesen ist. Stets hat die österreichische Eisenbahnergewerkschaft ihren internationalen Charakter praktisch zum Ausdruck gebracht und stets als eine vom Sozialismus durchdrungene fortschrittliche Organisation mit im Vordergrund gestanden. . es, was mich veranlaßt, die Verdienste der öfter-manschen Eisenbahnergewerkschaft, welche sie sich um die Ausbreitung internationaler Beziehungen unter den iMenbaynertt erworben hat, hier am zwanzigjährigen ^ubllamnstag rückhaltlos und mit Freude anzuerkennen. Schon sehr fnih, wenigstens am ersten von allen Gruppen im Transport- und Verkehrsgewerbe, begannen die Ellenbahner internationale Beziehungen anzuknüpfen. Das lag ^ ja auch ganz in der Natur ihres Berufes. Den .lnstoß zu einer internationalen Verständigung gab der Verband des holländischen Eisenbahtt-personals „Steeds Voorwaarts". Eine Verständigung war bald erzielt, und im Jahre 1893 fand dann der erste internationale Eisenbahnerkongretz in Zürich statt. Vertreten waren dort die Schweiz, Italien, Oesterreich, Frankreich, Holland und England. In Deutschland gab es damals noch keine moderne Eisenbahnergewerkschaft. Der Kongreß beschloß die Einrichtung eines internationalen Sekretariats, dessen Kosten vorläufig durch freiwillige Beiträge der einzelnen Eisenbahnerverbände bestritten werden sollten. Holland wurde mit der Leitung beauftragt. Ein Antrag der Holländer, die stark der sozialrevolutionären Niuwenhuisschen Richtung zuneigten, bei einem Kriegsausbruch sofort den Betrieb einzustellen, wurde auf Betreiben der Schweizer und Engländer kurzweg abgelehnt, dagegen wurde ein Antrag angenommen, wonach die von einem Verband mit mindestens zwei Dritteln seiner Mitgliedschaft beschlossenen (Streiks moralisch wie finanziell von allen anderen Verbänden unterstützt werden sollten. Den Verhandlungen über die Arbeitszeit und Ruhepausen legte man das schweizerische Bundesgesetz vom 27. Jnli 1890 zugrunde. Der Kongreß erklärte sich fiir den Achtstundentag für alle Eisenbahner und für eine wöchentliche ununterbrochene Ruhezeit von 36 Stunden. Der gewöhnliche Güterverkehr sollte an Sonntagen eingestellt werden. Die Ausführungen dieser Gesetzesbestimmungen sollten besondere Eisenbahnerinspektoren überwachen. Der zweite internationale Eisen-b a h n e r k 0 n gr eß war 1894 inPari s. Dieser Kongreß bestätigte die Beschlüsse des vorigen im wesentlichen, doch sollten Sonntags Frachtzüge zur Beförderung von Nahrungsmitteln und leicht verderblichen Dingen zulässig sein. Die Frage der Mindestlöhne wurde vertagt, weil ein „internationales Studienkomitee" erst lohnstatistische Daten sammeln sollte. Der .Kongreß erklärte sich des weiteren für Abschaffung der Akkordarbeit und der Prämien. Nach zwanzigjähriger Dienstzeit sollte jeder Eisenbahner eine Pension erhalten, die mindestens zwei Drittel seines früheren Lohnes ausmachen müßte. Schließlich sprach sich der Kongreß mit Mehicheit für die Vergesellschaftung der Eisenbahnen wie aller Produk-tionsmittel aus. In einer vertraulichen Sitzung wurde auch über den Generalstreik verhandelt. England war in Paris wegen des gleichzeitigen Jahreskongresses des englischen Eisenbahnerverbandes nicht vertreten, Wohl aber außer den auf dem Züricher Kongreß vertretenen Ländern noch Spanien. Frankreich wurde mit der Leitung beauftragt. Der dritte internationale Kongreß der Eisenbahner tagte 1895 in Maila 11 d. England war wieder nicht vertreten, wohl aber Spanien und Portugal. Aus England und Amerika lagen Sympathieschreiben vor. Der Kongreß sprach sich unter Bestätigung der früheren Beschlüsse für Mindestlöhne, welche die einzelnen Nationen auf Grundlage der Kosten der Eristenz-mittel festzustellen hätten, aus, ebenso für die Einführung von gesetzlichen Schiedsgerichten, die aus einer gleichen Zahl von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu bestehen hätten. Der internationale Studienausschuß sollte alle drei Monate eine Zeitung herausgeben, die über den jeweiligen Stand der Eisenbahnerbewegung in den verschiedenen Ländern zu berichten hätte, ferner die Verhältnisse der Eisenbahner der verschiedenen Organisationen möglichst ziffernmäßig zur Kenntnis zu bringen. Die Leitung ging au Italien über. Für 1898 konnte kein Kongreß zustande kommen, da die italienische Organisation, die auch die Leitung der Geschäfte bis zum nächsten Kongreß zu erledigen hatte, von der Regierung aufgelöst wurde. Die leitenden Personen flüchteten mit der Verbandskasse über die Grenze nach der Schweiz. Im Jahre 1897 sollte dann ein Kongreß in B a r-c e I 0 n a stattfinden. Es kam aber nicht dazu, infolge der spanisch-kubanischen Wirren, die auch die politischen Verhältnisse des Landes lahmlegten. Das internationale Studienkomitee vegetierte nur, ohne Kraft und Saft, da es eben an den nötigen Geldmitteln zur Durchführung der Kongreßbeschlüsse fehlte. Das Komitee war aber nur auf die freiwillige Unterstützung der angeschlossenen Organisationen angewiesen. Eine sehr unsichere Sache! Bis zum Jahre 1900 existierte das Komitee ziemlich im Verborgenen und ließ wenig von sich hören. Inzwischen hatten sich auch die Hafenarbeiter und Seeleute eine Organisation geschaffen. Am 30. Juli 1896 wurde in London die Internationale Federation of Shlp, Dock and River Workers gegründet. An dem Gründungskommers beteiligten sich Vertreter aus Amerika, Holland, Belgien, Deutschland, _ Frankreich, Schweden und England. Die Federation beschränkte sich vorläufig nur auf Hafenarbeiter und Seeleute, aber schon einige Jahre später, im Jahre 1898, sah man sich gezwungen, den Titel umzuändern, und zwar in Internationale Transportarbeiterfederation, um auch Trans-Port- und Verkehrsarbeiter aufuehmeu zu können. Die Eisenbahner in Oesterreich, Frankreich und Deutschland schlossen sich auch dieser Federation an, um in dieser die Arbeiten des Studienkomitees fortsetzen zu können. _ Nach Schluß des internationalen Transportarbeiter« kongresses, 1900 in Paris, fand dann zum erstenmal wieder eine Zusammenkunft der Vertreter der Eisenbahner stütt, und zwar waren solche anwesend aus Oesterreich, Frankreich, Deutschland, Holland und Spanien. Es wurde beschlossen, das Reglement der internationalen Eisenbahnerorganisation entsprechend den Beschlüssen des Transportarbeiterkongresses zu ändern und ein neues Studienkomitee eingesetzt, mit dem Auftrag, Erhebungen über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Eisenbahner in allen Ländern zu veranstalten und das Material den Eisenbahnerorganisationen zugänglich machen. Die Unkosten sollten vorläufig aus dem noch vorhandenen Fonds von 2142 Frcs., der sich in den Händen der italienischen Eisenbahner befand, gedeckt werden. Sodann sollte jede Organisation der Eisenbahner per Jahr 10 Frcs. zur Bestreitung der laufenden Ausgaben an das Komitee zahlen. Die französischen Eisenbahner bekamen die Leitung und der Kamerad Gusrard wurde Sekretär. Der nächste internationale Kongreß 1902 in St 0 ckh 01 m ging vorüber, es folgte der Kongreß 1904 in Amsterdam, ohne das man in der Zwischenzeit viel von der Tätigkeit des neuen StudienkomiteeZ erfahren hätte. Eine Anregung des Kameraden Guerard, im Anschluß an den internationalen Kongreß in Amsterdam eine Konferenz der Eisenbahner abzuhalten, fand _ nicht die genügende Unterstützung. Dieser Kongreß im Jahre 1904 brachte überhaupt eine Wendung in der internationalen Bewegung der Transport- und Verkehrsarbeiter. Das kam so! Die Leitung der internationalen Federation lag seit Gründung in Händen der Engländer. Eine nachlässige Geschäftsführung brachte die Federation ziemlich zur Auflösung. Auf dem Kongreß in Amsterdam erfolgte dann eine gründliche Abrechnung mit den Engländern, besonders seitens der Vertreter der deutschen und des Vertreters der österreichischen Eisenbahner. Die Leitung wurde den Engländern genommen und den Deutschen übertragen. Schreiber dieses wurde Sekretär. Darauf, traten die Engländer ans der Federation ans. Es ver« blieben nur noch elf Organisationen mit 77.672 Mitgliedern in sieben Ländern. Die Mehrzahl der Mitglieder entfielen anf die deutschen Organisationen und auf die Eisenbahnergewerkschaft in Oesterreich. Diese begannen NUN die Federation neu aufzubanen und den Versuch 31t. unternehmen, das verloren gegangene Vertrauen wieder zurückzuerobern. Und siehe da, es gelang! Schon auf dem nächsten internationalen Kongreß, der 1906 in Mailand stattfcmd, gehörten der Internationalen Federation bereits 22 Organisationen mit 207.231 Mitgliedern in 13 Ländern wieder an. Diesem Kongreß ging eine Konferenz der Vertreter der Eisenbahner voraus. Vertreter waren anwesend aus Italien, Oesterreich, Frankreich, Schweden, Holland, Deutschland und Ungarn. Diskutiert wurde über die Frage, ob eine Reorganisation des Internationalen Komitees zum Studium der wirtschaftlichen Lage der Eisenbahner auf der alten Basis, das heißt außerhalb der Internationalen-Transportarbeiterfederation, vorgenommen oder ob den Eifenbahnerorganisationen empfohlen werden sollte, sich der Federation anzuschließeu. Ein Antrag des Vertreters dr Eisenbahner Oesterreichs, des Genossen Tomschik, daß Letzteres zu geschehen habe, wurde von der Konferenz angenommen. Damit war das Internationale Studien-komitee endgültig erledigt und die Arbeiten dieses Komitees jetzt der Leitung der Federation übertragen worden. Der nachfolgende Kongreß war auch insofern! von Wichtigkeit, da hier zum erstenmal über die Taktik im wirtschaftlichen Kampf, speziell bei den Eisenbahnern/ gesprochen wurde. Genosse Tomschik war Referent. Am Schluß feines Referats schlug er folgende Resolution vor: Der V. internationale Transportarbeiterkongretz in Mailand 1806, empfiehlt zur praktischen Durchführung dcs> wirtschaftlichen Kampfes den Eisenbahnern folgendes: 1. Aufhebung der separatistischen Vereine (Kategorien--Vereine) und Gründung von Zentralvereinen in jedem Land mit genügend hohen Beiträgen. 2. Da man eine bestimmte Regel für die Art des wirtschaftlichen Kampfes der Sifcitbahtter für alle Länder gemeinsam nicht aufstellen kann, der Kongretz sich daher nicht daraus einlassen kann, ausnahmslos die passive Resistenz oder den Streik als Kampfmittel zn empfehlen, fo empfiehlt der Kongreß den Eisenbahnern: „In eine Bewegung zur Erringung wirtschaftlicher Vorteile für die Eisenbahner ist nur dann ein« zutreten, wenn die Sympathie der Bevölkerung vollständig auf ihrer Seite ist." Mit Rücksicht auf die volkswirtschaftliche Bedeutung und der staatlichen sowie völkerrechtlichen Bedeutung der Eisenbahner, ist die Verantwortung der Organisationsleiter in jedem Land im Interesse der Eisenbahner eine so hohe, daß Kampfmittel wie Streiks und passiv- Resistenz,- nur tm äußersten Fall in Anwendung zu bringen sind, wenn sich weder aus dem Wege der Verständigung der Organisationen nut den Eifenbähnverwaltungen oder durch das Parlament eine dringend notwendige Verbesserung der Lebenslage der Eisenbahner erreichen Iaht. , : Die Vorbedingung zur Anwendung eines solchen äußersten Kampfmittels ist eine gute, zielbewnßte Organisation. , j Tiefe Resolution wurde einstimmig angenommen^ und damit den Eisenbahnerorganisationen die Richtlinien für die Durchführung ihrer wirtschaftlichen Kämpfe gegeben. Das war ein großer Fortschritt, ein Fortschritt aus dem Grunde, weil bisher bei fast allen Eisenbahnerorganisationen in Bezug auf die einzuschlagende Taktik bet der Durchführung ihrer wirtschaftlichen Kämpfe vollständige Regellosigkeit vorherrschte. Der auf Mailand folgende internationale Kongreß war 1908 in Wien. Der Internationalen Federation gehörten jetzt bereits 44 Organisationen mit 496.620 Mitgliedern in 18 Ländern an. Auch auf diesem Kongreß hielten die Vertreter der Eisenbahner eine Konferenz zur Beratung ihrer speziellen Berufsfragen av. Vertreten waren die Eisenbahner von England, Frankreich, Italien, Schweden, Dänemark, Deutschland, Oesterreichs Rußland, Belgien, Schweiz und Ungarn, insgesamt mit SOo.bOO organisierten Eisenbahnern. Der Hauptanteil der^ Verhandlungen dieser Konferenz entfiel auf bte Frage: „W eiche O r g a n i s a t i 0 n s s o r m i st für die Eisenbahner aller Länder die b e st e?" Der Extrakt der Verhandlungen war eine von den französischen und österreichischen Vertretern aus-gearbeitete Resolution mit folgendem Wortlaut: Es ist notwendig, in jedem Land eine einzige zentralistische Organisation für das Eisenbahnpersonal zu errichten. Dies ist die einzige Form, die geeignet ist, Vorteile zu erringen und den privaten und Staatsbahnverwaltungen cm liegen-gewicht zu bieten. .... . Eine Ausnahme von diesem Prinzip ist nur bann zu* lässig, wenn das Gesetz eines Landes den zeutmustncheu Organisationen ein Hindernis entgegenstellt. Demgemäß bestätigt der Kongreß den Beschluß ves Kongresses zu Mailand von 1006 und empfiehlt von neuem den Anschluß an die Zentralvereine. „ _ . Mit besonderer Entschiedenheit legt der Kongreß Lert aus den internationalen und interkonfessionellen Charakter der gewerkschaftlichen Organisationen aller Eisenbahner. Von der Tatsache ausgehend, daß das Unternehmertum, gegen daS totr uns zu wehren haben, international und interkonfessionell vereinigt ist, muß in jedem Versuch, die Eisenbahner nach nationalen Organisationen innerhalb eines tstoates_ zu trennen, eine Schwächung der gemeinsamen Kraft und somit eine Schädigung unserer wirtschaftlichen Interessen, die noch besonders dadurch bedroht werden, daß die Unternehmungen die Nationen eines Landes gegeneinander im wirtschaftlichen Kampf auszuspielen suchen, erblickt werden. . • 1 Von denselben Grundsätzen geleitet, spricht sich der Kongreß schließlich gegen alle Versuche, religiöse Momente in die Berufsorganisation zu tragen, aus und weist insbesondere alle unter welchem Deckmantel immer eingeleiteten Versuche, die Eisenbabnerschaft klerikalen Zwecken dienstbar zu machen, wie auch das Bestreben, diese von einer energischen Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen abzulenken, mit aller Entschiedenheit zurück. Diese Resolution wurde im Plenum des Kongresses einstimmig angenommen. Mit Annahme dieser Reso* lution war neben der Festlegung der Taktik im Wirt» schaftlichen Kampf nunmehr auch die Orgauisationsform international geregelt worden. Ein anderer Antrag, der von Brunner (Deutschland) gestellt war, fand gleichfalls Annahme. Ter Antrag lautete: Das Zentralkomitee der I. T. F. wird beauftragt, Erbebungen zu veranstalten in den der I. T. F. angeschlossenen Ländern: a) über die Zahl der in den verschiedenen Gruppen des Eisenbahndienstes beschäftigten Arbeiter und Unterbeamten sowie über deren Dienst- und Lohnverhältnisse; bl über Zahl, Umfang und Einrichtungen der auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Organisationen der Eisenbahner; c) über Kampfesweise und Errungenschaften der bestehenden Organisationen. Die Erhebungen sollen alsbald begonnen und so gefördert werden, dag das Resultat derselben rechtzeitig vor dem Stattfinden des nächsten Internationalen Transport-arbeiterkongresses den beteiligten Organisationen zur Information zugestellt werden kann. Die der I. T. F. cingefchlofsenen Organisationen werden verpflichtet. Einrichtungen zu treffen, welche geeignet sind, dem Zentralkomitee die Erhebungen zu ermöglichen. Die Art dieser Einrichtung ist jeder einzelnen Organisation überlassen mit der Maßgabe, daß eine Person zu ernennen ist, welche im Namen der Organisation die Korrespondenz mit dem Zentralkomitee zu führen hat. Der nächste internationale Kongreß wurde 1910 in K openhagen abgehalten. Angeschlossen waren der I. T. F. damals 42 Organisationen mit 467.918 Mitgliedern in 16 Ländern, gegen 1908 also ein kleiner Rückgang, der auf die Einwirkungen der wirtschaftlichen Krise zurückzuführen war. Dieser Kongreß beschäftigte sich hauptsächlich mit Angelegenheiten der Hafenarbeiter und Seeleute. Seitens der Eisenbahner lag ein Bedürfnis zur Abhaltung einer besonderen Konferenz nicht vor. Dem Kongreß sollte ein Referat über „Stand, Anwendung und Einfluß der internationalen Gesetzgebung auf die soziale und rechtliche Lage der Eisenbahner" durch Genossen Brunner (Berlin) erstattet werden, aber die Zeit war zu sehr vorgeschritten, es unterblieb, weshalb beschlossen wurde, das Referat dem Protokoll einzufügen. Ein Antrag der Eisenbahner Hollands wurde angenommen. Der Antrag lautete: Der internationale Sekretär wird beauftragt, eine Ilebersicht zusammenzustellen a) aus den bekommenen Informationen über die Arbeitsbedingungen der Eisenbahner, in welcher die Angestellten, die dieselbe Arbeit leisten, möglichst mit- demselben Namen angedeutet werden; b) über die Einrichtung und Arbeitsweise von Personal-ausschüsscn der Eisenbahner und über die gesetzlichen Bestimmungen gegen das Streikrecht; e) über die finanziellen Ergebnisse der Staats- und privaten Eisenbahnbetriebe und die Resultate vor dem nächsten Kongreß den angeschlossenen Verbänden zuzustellen. Ferner empfiehlt der VII. internationale Kongreß den angeschlossenen Organisationen der Eisen- und Straßenbahner, in den verschiedenen Ländern dahin zu streben, daß die Staatsbehörden Vorschriften über die Arbeitsbedingungen erlassen, bk denen bei den Privatgesellschaften mindestens entsprechen müssen. Hiezu lag noch ein von den schwedischen 23er* tretern der Eisenbahner gestellter Zusatzantrag vor, der wie folgt lautete: In Uebereinstimmung mit dem von den holländischen Eisenbahnern gestellten Antrag unterstützen wir diesen und ersuchen den Zentralrat der I. T. F., Informationen über den besagten Gegenstand zu sammeln, aber ferner auch Informationen betreffend die Lohn- und Arbeitsbedingungen, Pensionen, Krankenunterstützungen k. einzuziehen und nach Bearbeitung dieses Materials den angeschlossenen Organisationen die Resultate mitzuteilen. Auch dieser Antrag wurde angenommen. Es mangelt dem Jnternatioimlen Sekretariat nun nicht an Aufträgen, und es wird alle Kräfte anspannen müssen, um den in de» verschiedenen Resolutionen geäußerten Wünschen gerecht zu werden. Natürlich wird dieses nur mit Unterstützung der Eisenbahnerorganisationen selbst geschehen können. An dieser mangelt es aber in vielen Fällen bedauedicherweis sehr. Neben dieser Tätigkeit hat das Internationale Sekretariat sein Augenmerk auch darauf zu richten, daß immer neue Kämpfer der I. T. F. zugeführt, ihr Einfluß und ihre Macht immer größer werden. Nach dem geringen Rückgang der Mitgliederzahl im Jahre 1910 stieg diese bis zum 1. Juli 1911 wieder auf 44 Organi-fationen mit 532.615 Mitgliedern in 18 Ländern. Am Schluß des Jahres 1911 waren es schon 46 Organisationen mit 7 0 7.839 Mitglieder in 19 Ländern. Das ist eine Zunahme seit dem letzten Kongreß in Kopenhagen (1910) um 211.219 Mitgliedern. Mit einem solchen Erfolg können wir zufrieden sein. Der Wunsch nach Zentralisation wird immer stärker, ganze Gruppen von Organisationen schließen sich zu Föderationen oder zu Einheitsorganisationen zusammen, und erhöhen so ihre Kampfbereitschaft und Stoßkraft zum Vorteil der organisierten Berufskollege». Den Eigenbrödlern, den Zaudernden und Unorganisierten wird dadurch die Notwendigkeit mit Gewalt aufgedrängt, nicht länger abseits zu bleiben, sondern einzutreten in die Reihen derjenigen, die durch Beseitigung des blöden Standesdünkels und aller egoistischen Bestrebungen eine Organisation geschaffen haben, in der alle ohne Unterschied ihrer Kategorie Mitglied werden und ihre Interessen vertreten können. Deshalb muß unser aller Wunsch sein, besonders am 20jährigen Jubiläumstag unseres österreichischen Bruderverbandes: Weg mit dem Separatismus! Kräfte (je zwei Per Bahn) von dem jeweiligen Vertreter der Bahnanstalt ausgelost werden sollen. Die Lesterreichische Nordwcstbahn delegierte den Oberinspektor Görgey zu dieser Mission. Dieser loste außer dem einen noch den Genossen Taub als zweiten au Genosse Taub war schon damals sehr beliebt bei den Direktionen und so gab es lange Gesichter bei der Nordwestbahn ob dieses Haupttreffers. Genosse Taub rührte sich gleich bei der Nordwest bahn und lernte auch dem bis dahin lammsfrommen Personal das „Rühren". * Es gab eine Unmenge _ von Mißständen, die er studierte und nach deren Abhilfe er fann. Um ihm aber die Zeit zum Studieren zu kürzen, wurde Taub von der Direktion zur Streckeuleitung versetzt. Die Direktionsgewaltigen sagten sich, der Mensch hat nach 3 Uhr nachmittags zu viel Zeit, wenn er aber bis 6 Uhr Dienst hat, wird er „braver" werden. Es wurde ja vorher versucht und ihm nahegelegt, daß, wenn er „brav" ist und die übrigen Leute in Ruhe läßt, er vermöge seiner Fähigkeiten Karriere machen wird, er wird Bureauchef u. s. w. Aber Taub blieb taub. Normale Versetzungen gibt cs bei der Bahn im zählige, infolgedessen wird kein Aufsehen dabei gemacht; anders bei der Versetzung des unruhigen Taub. Es wurden bei der Streckenleitung Beratungen ab gehalten, was der Mann arbeiten soll, wo er arbeiten soll u. s. w. , . Beim Sekretär der Streckenleitung gings nicht, da kommen allerlei Personalangelegenheiten znr Sprache, zur Berichterstattung :c., da hört und sieht er zu viel. Also hinüber zur Materialabteilung — ia, aber alles in der Welt hat zwei Seiten. Wohl war Taub jetzt seitwärts vom eigentlichen Getriebe, aber er war auch abseits wegen der Beobachtung, was er tut und was er ^ Taub verstand ja das Materialgeschäft zu wenig, infolgedessen suchte er die Zeit mit Besserem zn verwerten. „ c , . Er bekam Besnche vom Personal vor und nach dem Bureau, sah Zeitungen durch, verfertigte Artikel für dieselben, kurz er tat dasselbe, was er im Zentraldienst tat, nur war der Unterschied der, daß er in der Mitte des Bahnhofes war und nach allen Seiten gleich weit hatte, beziehungsweise gleich weit zu erreichen war. Während man bei gewöhnlich sterblichen Bedien steten immer gleich die „richtigen" Worte fand bei irgend einem Anlaß, wurde bei der Streckenleitung beim Genossen Taub eine Ausnahme gemacht. Die sonst sehr ge strenge Streckenleitung überließ zumeist dem Material führet1, bei dein Taub zugeteilt war, die Zurecht Weisung Taubs. Sonst wurde der Uebeltater. ob ^'n genieur oder Oberbauarbeiter, mit ziemlich tief gehenden und einschneidenden Worten aus den Weg gebracht, wo inan ihn gerne haben wollte, beim Genossen Taub hieß es: „Ja, er ist Jlmen ungeteilt. Sie miisten faaen, er soll dieses und jenes unterlassen und Sie fleißig unter-ftüfeen Als alle Kunststückel nichts nützten, wurde Genosse Taub wieder zur Direktion genommen, er aber benutzte immer und jederzeit die Gelegenheit, um das ^erfortal aufzurüttelu, er war der Pionier, er war der Agitator aus der Nordwestbahn. .UI Die Mitverwaltung int Lebensintttelmagazm, tut Unterstützungsfonds, das Fallen des Witwenrentenzwanges und vieles andere hat Taub mit den damaligen wenigen nackensteifen Genossen dem Personal erworben. Er legte Grund, er legte die Saat unter den groRtcn Schwierigkeiten und mit den größten Opfern, Geld, Frau und Familie waren ihm erst tn zweiter Lime heb, in erster Linie waren es Organisation und Agitation. Und wenn heute so mancher nationale oder klerikale Held sich wichtig macht und schreit, so soll er bedenken, daß es Genossen waren, die wegen der Ernte vor Zähren vorgesorgt haben. Er holte sich bei den vielen agitatonichen Arbeiten den Keim der Proletarierkrankheit, und möge Taub auch schwache Seiten gehabt haben, aber seine starken Seiten haben sie zehnfach aufgewogen. . Und als er im August vorigen Jahres zu Grabe getragen wurde, war nur ein kleines Häuflein Getreuer bei der Totenfeier, aber das Angedenken aller sehenden Eisenbahner, besonders der Nordwestbahner, ist dem Agitator Taub gesichert A« die Unorganisierten. Set Agitator. Von Josef Schwab. Es war kurz vor der Auslösung _dcr radikalen Eisenbahnerorganisationen im Jahre 1897. Das Zentralabrechnungsbureau gab verschiedene Arbeiten an die einzelnen Bahndirektionen ab. Infolge der verringerten Arbeit wurde auch eine Anzahl Beamte verfügbar. Nachdem aber die einzelnen Beamten grundverschieden waren, zum Beispiel Leistungsfähigkeit. Alter und sonstiges, wurde vereinbart, daß die zu versetzenden „Wenn die Wässerlein kämen zu Häuf' Gäben sic einen Flutz: Weil jedes nimmt seinen eigenen Lauf. Ein's ohne das and’rc vertrocknen muß." Dielen Sinnspruch des Dichters Rückert sollte sich jeder Eisenbahner nicht nur einmal, sondern zweimal durchlesen. Er ist bedeutsam vor allem für die Arbeiterschaft, und jeder Kollege, der den Wert und den Nutzen der Gewerkschaftsorganisation erfaßt hot, wird das Zu treffende dieses einfachen Sprüchleins ohneweiters be greifen. . . Der Dichter Rückert erzählt tn diesem schmucklo,en Verslein von den vielen Wässerchen, die in dünnen Fäden die Erde durchrieseln. Auf Bergeshöh im Tannen- und Buchendickicht entspringen sie und eilen zu Tal, eines hierhin, das andere dorthin. Und da geschieht es denn oft, daß solch ein Wässerlein sich verirrt, keines der anderen vereinigt sich mit ihm zu größerer Stärke, es geht seinen eigenen Weg. verliert sich schließlich tut Sande und vertrocknet ,,, r. Wären aber diese Wäßerlein vernunftbegabt, wüßten sie, daß Vereinigung mit ihresgleichen größere Stärke bringt, dann kämen sie zu Haus. Eins flösse ins andere. Und das Bächlein wüchse schließlich zum Fluß und nach weiteren Vereinigungen der ineinander fließenden Gewässer zum breiten, starken Strom, auf dem stattliche Schiffe mit hohen Masten und bunten Fähnlein sich wiegten und der alle Wasserfahrzeuge auf seinem blanken, glänzenden Rücken sicher dahinführen würde. Begreifst du nun das Verslein Rückerts, lieber Kollege? Es ist nichts weiter als eine symbolische An spielung auf die Notwendigkeit d e r O r g a n t-s a t i o n ! Rückerts Sprüchlein besagt, daß sich die ein» zellten zusammenfinden müssen, um durch gleichen Willen und geeinte Kraft etwas Großes, etwas Vollkommenes, etwas Mächtiges darstellen zu können! In unser modernes Leben übertragen bedeutet der Sinnspruch Rückerts folgendes: Der einzelne Mensch ist machtlos, er irrt als solcher hierhin und dorthin, sinkt in die Tiefe und schließlich verrinnt sein bißchen eigene Kraft hilflos im Sande. Aber in der als Ganzes gedachten Interessengemeinschaft können Menschen Großes und Kraft« volles leisten und große Taten vollbringen.... , Der Spruch Rückerts symbolisiert also die 9t o U Wendigkeit der Organisation. Er zeigt, daß der einzelne machtlos ist, erhebt die entgegengesetzte Tendenz als Naturgesetz, erklärt, daß die organisierte Masse kraft- und machtvoll dasteht, daß die Organisation für die Erreichung eines großen Zieles G r n n d b e d t n-, g u n g ist und daß ohne sie beim besten Willen nichts erreicht werden kann. Diese ganz natürliche Lebensweisheit haben sogar viele Tiere instinktiv in sich ausgenommen und sie betätigen den Gemeinsamkeitssinn zur Erhaltung ihrer Art. Wir wissen aus der Naturbeschreibung, daß dieser Gemeinsamkeitssinn Bienen, Ameisen, Vögeln, ja sogar den wilden Pferden und Wölfen innewohnt. Ist es da nicht ganz natürlich, daß nunmehr der vernunftbegabte Arbeiter erstrechtdie Pflicht hätte, sich in der Organisation zusammenzuschließeu, um das. wozu die Kraft des einzelnen nicht ausreicht, durch das verstärkte Gewicht der organisierten Masse durch-, zudrücken? ' . . „ Alle, die ein gleiches Lebens- uud Existenzinteresse, hahen, müssen gleiche Pfade wandeln und in ihren Zielen gleichen Sinnes sein. Alle muß das Band der geeinten und gefestigten Organisation umschließen, deren große Zauberkraft darin liegt, daß sie alle die einzelnen winzigen Bruchteilchen von Schaffensdrang, Willens-» und Tatkraft zusammensaßt und zu einem kraftvollen, unwiderstehlich vorwärtsdrängenden Ganzen vereinigt! Jede Interessensphäre bedarf der umfassenden Organisation, anderenfalls das Stärkere sie unterwirft und zu Boden drückt. Und nun schauen wir uns in der Praxis um. Was bist du, lieber Kollege, als einzelner ? Was bist du, wenn du dich um die wirtschaftlichen und politischen Ereignisse nicht kümmerst und dem Ringen und Kämpfen deiner Klassengenossen mit verschränkten Armen zu-schaust? Du lebst in den Tag hinein und räsonierst weidlich, daß es dir schleckt ergeht. Die Preise der Lebensmittel steigen, du schimpfst darüber. Begreife es: Es sind machtvolle, dir feindlich gesinnte und stark organisierte Jnteressencliguen, die dir das Brot und Fleisch verteuern und sich dadurch eigene persönliche Vorteile verschaffen. Deine Steuern steigen, du schimpfst. Begreife es doch: Gutorgauisierte Kräfte sind am Werke, die aus deiner Not Vorteile ziehen wollen. Derne Wohnnngs- miete ftciflt, btt räfenierft. Oteber *toHefle, öS sind btc wohlorganisierten Hauswirte, die dir erhöhte Mietpreise auffllviiigcit. Ueberall sind die Gegner der Arbeiter am Werke, um durch ihre Organisation ihre,Interessen rnck-sichtslos zu vertreten und dir damit dein kümmerliches Leben noch mehr zu versauern und zu verbittern.... Darüber schimpfst und räsonierst du. Damit aber erreichst du nichts und du lockst damit keinen Hund und keine Katze hinter. dem Ofen hervor. Schimpfe nnd räsoniere weniger, aber h a n d l c ! Tue das, was jene schon getan haben: Schließe dich gleichfalls mit deinen Klassengenossen zusammen und kämpfte gegen da» dich bedrückende Unrecht in starker und geschlossener Organisation! Nur die Organisation kann otr ^ Wir leben im Zeitalter der Teuerung, die wohl-organisierte und mächtige Jnteressencltquen zu ihrem Vorteil herbeigeführt haben. Alles wird teurer. Um dein Lohn bleibt gleich knapp und deine .Arbeitszeit bleibt gleich lang. Möchtest du denn nicht billigeres Brot und Fleisch essen, höheren Lohn und kürzere Arbeitszeit haben? Das möchtest du ganz gewiß! Aber wenn du möchtest, dann wünsche nicht bloß, dann wolle auch! Als einzelner wirst du, wenn du eine Forderung stellst, nur Hohn und Spott ernten. Um etwas durchzu-setzen, baflU gehört nicht bloß der Wunsch, dieier ^roi der Schwachen, sondern der Will e, die T a t . So handelt der Starke. Als einzelner Mensch aber bist du nicht stark. Nmt wohl, dann vereinige ,duy mit deinen Klassengenossen in machtvoller Organisation nnd erkämpfe durch sie und mit ihr das dir vorenthaltene Recht! Die vornehmste Ausgabe der gewertichaftlichen Organisation besteht darin, bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen für die Berussangehongen zu, schassen. Sie macht aus dem einzelnen schwankenden einen Willensstärken aufrechten Menschen, der die Kraft der organt-sierten'Masse in sich W die Solidarität seiner Berufs-genossen empfindet und selbstbewußt seine Forderungen intd die Interessen seiner Arbeitskollegen vertritt! Mag nun dieser erneute Mahnruf nicht nngehort verhallen. Stehe nicht länger zurück und unterlasse nicht länger, was deine e i n f a ch st e P s l i ch t ist. Sieh auf die Unternel)tner. Sie sind vereinzelt starker als du und trotzdem schließen sie sich in ihrer Organisation zusammen, um dich zu bekämpfen und atiszu-benten. Und da willst d u n o ch länger zu tu ck° st e h e u ? Tritt also endlich der Organisation bei. Stehe nicht länger teilnahmslos zur Seite. Ohne Crgamiatioii bist du nichts, in i t ihr bist du eine Macht. Willst du, daß es dir und deiner Klasse besser ergehe, dann hinein tn die Organisation! Hier darf cs weder ein Wenn noch ein Aber geben! Du gehörst zu uns und wir gehören zu d i c r ! Du brauchst u n s und w i r brauchen d ich ! Wir gehören zusammen, d u und wir! Nur vor et nt find die Schwachen mächtig! Das beherzige und deshalb hinweg mit allem schädlichen Zandern und Schwanken, sei endlich ein ganzer Mann und werde ein tatkräftiges Mitglieder deiner Organisation! Das ist eilte unbedingte Notwendigkeit und,deine strenge, unabweisbare Pflicht. Uebertrage das Dichterwort Rückerts auf dich selbst, vehrzige, daß alle Wässerchen vereint einen stolzen und starken Strom und alle Arbeiter vereint eine große Macht bilden, jene solidarische und organisierte Einigkeit, die dich und uns in unserem ebenso gerechten wie notwendigen Streben vorwärtsbringt! . Also hinein ind i e Organisation! Nur sie ist unsere große und mächtige Helferin im Kampfe für die Besserstellung unseres Lebens! Und je mehr in der Organisation vereinigt sind, um so größer ist unsere Macht und Stärke und um so leichter und schneller werden wir unsere Widersacher überwinden! Unser Vereimabreichen. 1892 bis 1912. Entgegen der allgemeinen Sitte begehen wir den heutigen Tag. Kein Festestaumel unterbricht die gehobene Stimmung all derer, die für den stolzen Bau Ziegel herbei-schleppten, damit diese Schuh- und Trutzorganisation in ihrer heutigen Gestalt erstehen konnte. Aber deswegen ist uns der Tag nicht weniger heilig! Wir alle empfinden eine reine, aber stille Herzensfreude über unseren Fortschritt. Hindernis um Hindernis wurde überwunden, bis unser vor zwanzig Jahren geborenes Kindlein zum Hanniüal heranerzogen worden ist, der mit eisernem Hammer vor den Toren Roms steht. Legionen stehen hinter diesem Riesen, hören sein Wort und folgen seinem festen Schritt. Sie alle wissen, daß der Weg noch weit, unendlich weit ist, der uns aus der Knechtschaft des Kapitalismus führt. Aber alle, die ihm folgen, kennen keine Ermüdung, keine Verzagtheit. Ein inneres Feuer beleuchtet den beschwerlichen, steinernen Weg. Alle kennen die Gefahren, die ihrer noch harren, sie wissen genau, welche Riesenkräfte angewendet werden müssen, um das Ziel zu erreichen. Da gibt's kein Rühmen, gibt's kein Zagen! Die Befreiung der Arbeiterklasse vom Joche des Kapitalismus und der Barbarei kann nur das Werk der Arbeiterklasse selber sein. Feinde auf allen Seiten! Oben und unten, hüben und drüben. Und dennoch: es muß sein! Wir werden sie alle bezwingen! Am heutigen Tage geloben wir aufs neue, den eingeschlagenen Weg bis ans Ende zu gehen, weil wir ihn gehen müssen. Der Mann ist am stärksten, wenn er allein, ganz auf seine eigene Kraft angewiesen ist. Hilfe, Erlösung können wir uns nur selber bringen. Deshalb: Vorwärts, immer wieder vorwärts! Eines aber wollen wir unseren Genossen am heutigen Tage doch bieten: Ein Vereinsabzeichen zur Erinnerung an den zwanzigjährigen Bestand unserer Truhburg, au die zwanzigjährige treue Freundschaft, die uns alle verbindet, und an die soziale Betätigung im Interesse unserer Berufsgenossen. Es soll ein Ehrenzeichen, ein Erkennungszeichen für jene Soldaten sein, deren Lebensaufgabe und -Ziel ist, für eine neue, bessere und gerechte Gesellschaftsordnung zu kämpfen. Dieses Abzeichen ist in Form und Ausdruck unserem Ziele würdig. — Mit Stolz wird jeder Eisenbahner dieses Ehrenzeichen tragen und damit nach außen dokumentieren, daß er der alten, zwanzigjährigen Kampfesorganisation als Genosse an-gehört und in ihrem Sinne lebt und wirkt. Dieses Erkennungszeichen trägt auf rotem Grunde unser Losungswort: „Auf freier Bahn der neuen Zeit entgegen!" und die Jahreszahl 1802. Feld und Inschrift werden von einem kühnen Flügelrad geziert. Dieses Vereinsabzeichen darf nur an unsere Mitglieder abgegeben werden. Es wird vorläufig in deutscher, tschechischer und polnischer Sprache erscheinen, und ist nur durch die Administration des „E i s e n-b a h n e r" erhältlich. Die Genossen müssen daher ihre Bestellungen an den bekannten Vertrauensmann der Ortsgruppe richten, der ihnen die Abzeichen gegen Barzahlung ausfolgen wird. Wir glauben, daß die Wiederkehr des zwanzigsten Wiegenfestes unserer Organisation nicht sinnreicher und dauernder zum Ausdruck kommt, als durch dieses Jubiläumsvereinsabzeichen. Deshalb bitten wir um rechk rege Verbreitung. Der Vorstand. Aus eigener Kraft. Wenn etwa vor zwanzig Jahren sich jemand anheischig gemacht hätte, uns unsere heutige Stellung, die wir innerhalb der Eisenbahner und der gesamten Arbeiterschaft einnehmen, vorauszusagen, der wäre ausgelacht worden. Eher hätte man uns den lammfrommen Bären des Herzogs von Gotschee als verwunschenen Prinzen vorstellen können, als zu ahnen, was wir heute sind. Denn io rosig und so leicht, wie heute noch viele Eisenbahner die Entwicklung der Organisation ansehen, stellten sich die Gründer den Ausbau ihres Vereines, der einmal zu so großen Erfolgen ausersehen sein sollte und dem die führende Rolle unter den Eisenbahnern zufällt, nicht vor. Es ging ihnen ungefähr so, wie es zuweilen dem Bräutigam vor der Hochzeit ergeht. Zuerst große Hoffnung und Enthusiasmus, weil seine höchsten Wünsche der Erfüllung nahen. Doch nach der Hochzeit, als die Mutter „Sorge" sich neben dem „Glück" breitmachte, da brachen ungeahnte, bittere und wehmutsvolle Gedanken über ihn herein. Er sah nur zu bald ein, daß der Dichter Unrecht hatte, als er die bekannten Worte in die Verse kleidete: Raum ist in der kleinsten Hütte . . - Von Tag zu Tag wurde es ihm klarer, daß sich im engen Raume alles stößt, verdorrt und unentwickelt bleibt. Dieselben Gedanken übermannten die Gründer, als sie als Aftermieter im ersten Jahre ihres Glückes in dem Kellerloknl in der Hohenstaufengassc sich cinmieteten. Arme Leute, so trösteten wir uns, kochen mit Wasser. Ein bitterer Trost liegt in diesen Worten. „Wie kommen wir aus dem gesundheitsschädlichen Loche heraus?" lag allen auf den Lippen. Eine unsichtbare Hand schrieb in unser Herz, in unser Hirn die Antwort mit ehernem Griffel ein: Durch Arbeit und nur durch Arbeit! Und wir arbeiteten. Wir arbeiteten viel. Wir arbeiteten Tag und Nacht. Nach einem Jahre konnten wir uns einen zwei Meter langen und breiten Milchladen im X. Bezirk, Van der Nüllgassc 18, mieten. Vom Keller stiegen wir hinauf ins . Parterre. Wir arbeiteten weiter! Und als wir größer und stärker wurden, zogen wir in die Magdalcnenstraße und dann in die Schloßgasse und nahmen dort passablere Unterkunftslokale auf. Wir befanden uns bereits im Mezzanin. Wir arbeiteten ungeschwächt weiter! Als die Organisation immer stärker und mächtiger wurde und zu ihren Bestrebungen mehr Genessen benötigte, sprengte sie die Enge des Mezzanins und zog in den ersten Stock in die Zentagasse. Welch ein Wandel der Zeiten! Ein Stück Entwicklungsgeschichte! Und wieder stehen wir vor einer neuen Etappe in dieser Entwicklung, vor der Erfüllung unseres Herzenswunsches, unsere Braut, die Organisation, in ein eigenes Heim einzuführen. Werden wir diesen Wunsch durchsetzen können? so tritt des öfteren ein kecker Frager auf. Da steigt wieder die unsichtbare Hand auf und schreibt in Riesenlettern die Worte nieder: Durch Kraft und Arbeit werdet ihr euer Ziel erreichen. Und wieder beginnen wir eine schwere, eine ungelernte Arbeit zu üben.-------------- In einem Jahre, wenn unser Fachblatt sein zwanzigjähriges Jubiläum feiern wird, soll das eigene Eisenbahnerheim erstehen. Eine Stätte der Erholung, der Erbauung wird c§ fein. Nicht mehr unter fremdem Dache, durch Zahlung hoher Profitraten wohlgelitten, nein, im eigenen Heime, frei aller Fesseln werden die Organisation und ihre Mitglieder sich niederlassen können. Der Eisenbahner, der weit von der Provinz nach Wsin kommt, ist nun nicht mehr, fremd.---------------Er geht in sein Heim, das er unterrichten geholfen hat, das ein Stück seiner Arbeit, seines Schaffens ist, wo er unter gleichgesinnten Freunden billig und bequem sich niederlasscn, ausruhen und übernachten kann. Bäder stehen dem müden Reisenden zur Verfügung. Im eigenen Lese- und Schreibzimmer kann er seine Korrespondenzen erledigen. Telephone verbinden ihn mit der ganzen Welt. Mansarden und bequeme Einzelzimmer laden ihn zur Ruhe ein. Für gute und billige Kost sowie für einen Labetrunk wird gesorgt sein. Herz und Seele finden durch gute Vorträge, Zvklen, Musik ac. ihre Nahrung. Luftige, moderne Säle werden den Eisenbahnern zu Besprechungen und Konferenzen zur Verfügung stehen. Vier Tramwaylinien und die Stadtbahn verbinden sie mit allen Verkehrszentren der Stadt. Kurz, die Zcntrallcitung will alles daransetzen, den organisierten Eisenbahnern in Wien und in der Provinz ein gastlich Haus zu bauen. Alle Vorbereitungen sind getroffen und in einigen Tagen werden die ersten Spatenstiche erfolgen. Leider lasten auf dem Verein schwere Sorgen. Die Mittel, die zu diesem Zweck zur Verfügung stehen, sind beschämend klein. Der an euch ergangene Appell, Sammlungen und Spenden einzulciten, fand wenig geneigte Ohren, aber viele zugeknöpfte Taschen. Trotz allen guten Willens und der aufreibenden Arbeit kann der Verein aus nichts kein sichtbares Zeichen der Macht erstehen lassen. Deshalb stellen wir heute an dem Jubeltage nochmals an alle unsere Genossen die eindringlichste Bitte, uns finanziell zu unterstützen. Mittel und Wege gibt es hiezu genug. Der Zweck ist sicher ein Opfer wert. Mit unserem Schweiße allein kann ein solches Werk nicht erstehen. Das Eisenbahnerhcim gehört allen und alle sollen solidarisch ihr Schärflein zum Gelingen des schönen, des hohen Zieles beisteuern, damit cs gelinge! Genossen! Macht dem Wahlspruch des Vereines, der an unser Haus geheftet sein wird, alle Ehren: Aus eigener Kraft ein eigenes Heim! Der Vorstand. Inland. Wie der Staat sich den Privatbahnverwaltungen ans-licfcrt. Wir haben kürzlich auf Grund einer Meldung in bürgerlichen Blättern mitgetcilt, daß gerüchtweise verlautet, der Sektionsrat im Eisenbahnministerium Dr. v. G i n t l, werde die Stelle eines Generaldirektors bei der Buschtiehrader Eisenbahn übernehmen. Wir knüpften damals an diese Meldung die Bemerkung, man müsse erst abwarten, was man von offiziöser Seite aus zu dieser Meldung zu sogen haben werde, die deshalb nicht ohneweiters zu glauben fei, weil die Busch-tiehrader Bahn zu den v e r st a a t l i ch u n g s r e i f e n Eisenbahnen gehöre, so daß der Staat gerade keine Veranlassung haben kann, noch vorher als Kontrahent einer seiner Beamten aus der ober« sten Stelle der st a a t l i ch e n E i s c n b a h n v e r» waltun g, an die Spitze des genannten Privatunternehmens gestellt zu wissen. Statt eines Dementis, das man hätte erwarten können, bringt nun das „E i s e n-bahnblatt" folgende Meldung: Am 15. d. M. hat Sekiionsrat Dr. Hans V. Gintl die Stelle eines Generaldirektor st ellvertreters der Buschtiehrader Bahn angctrcten. Dr. von Gintl ist im Jahre 1876 zu Prag als Sohn des verstorbenen Herrenhausmitgliedcs und Präsidenten des Aussiger chemischen Vereines Hofrates Dr. Gintl geboren und absolvierte seine Universitäts- wie die technischen Studien in Prag. Im Jahre 1898 kam er zur Staatsbnhndircktion Prag und wurde zwei Jahre später in das Eisenbahnministerium .einberufen, woselbst er zunächst im Tariferstcllungs- und Abrechnungsbureau tätig war. Im Jahre 1902 kam er in das Departement für Trans-portangelegenheitcn und 1906 in das Präsidialbureau, woselbst er in den letzten zwei Jahren als Stellvertreter des Vorstandes fungierte. In dieser seiner Stellung hat sich Dr. v. Gintl eine umfassende und gründliche Kenntnis der in das Eisenbahnfach eiuschlagenden Angelegenheiten erworben. Im Vorjahre wurde das Departement, aus dein Dr. v. Gintl hervorgegangen war, seiner Leitung unterstellt. Die reichen Aktionäre der Buschtiehrader Bahn werden sich nicht wenig freuen, daß sie für die kommenden Verstaatlichungsverhandlungen einen Manu aus der staatlichen E i s e n b a h n v e r w a I t u n g in ihrem Unternehmen sitzen haben, der ihre Interessen mit Sachkenntnis wird vertreten können. Und sie haben alle Ursache, sich über die Dummheit dieses Staates königlich zu freuen. * Hofrat Pollak gestorben. Sonntag den 24. März wurde Hofrat Pollak zu Grabe getragen. Hofrat Pollak hatte im Eisenbahnministerium das Departement V für Wohlfahrtseinrichtungen und Wohnungsfürsorge inne. Auch wurde er als Regierungsvertreter des öfteren ins Parlament entsendet. wenn sozialpolitische Fragen, die die Eisenbahner tangierten, in Beratung standen. Hofrat Pollak war seit einigen Jahren schwer krank. In diesem Zustand schleppte er sich fast &i§_ zu seinem Ende in die Kanzlei, um dort seiner vermeintlichen Pflicht zu obliegen. Ein ungezähmter Ehrgeiz und ein nach allen Seiten ausgewachsenes Mißtrauen trieb ihn statt zur Erholung immer wieder ins Bureau. Seit 19 Jahren hatte dieser Beamte niemals einen Urlaub verlangt. Der Verblichene war unter den Vertrauensmännern der organisierten Eisenbahner sehr bekannt, weil er in die Krankenkassen, in die Berufsgenossenschaftliche Unfallversicherung, in den Provisionsfonds überall als Vertreter des Eisenbahnministeriums ent», sendet wurde. In dieser Eigenschaft hat der Verstorbene leider kein gutes-Angedenken hinterlassen. In der Unfallversicherungsanstalt sowie in den Krankenkassen trat er stets als kurzsichtiger Bürokrat auf und stellte sich höheren Auffassungen feindlich gegenüber. Hofrat Pollak war auch der Verfasser des neuen Sozialversicherungsgesetzes der Eisenbahner und des in unserem Blatte besprochenen Motjvenberichtes. Auch als Regierungsvertreter im Sozialtzersicherungsausschuß stemmte er sich mit Händen und Füßen gegen die Belastung des der maligen Zustandes. Daß die Wohnungsfürsorge auf den Eisenbahnen so unfruchtbar war, muß schließlich auch auf sein Konto gesetzt werden. Aus diesen Gründen wird sein Heimgang von der Eisenbahnerschaft wenig betrauert und findet kein nasses Auge. * Wie sich die Unternehmer organisieren. Ueber die Gründung einer internationalen Ausbeuterorganisation wurde letzthin der „Arbeiter-Zeitung" ans Brünn geschrieben: Der günstigste Zufall weht uns ein Zirkular zu, aus dem hervorgeht, daß eine große Aktion im Zuge ist, um eine Organisation der deutschen und tschechischen Arbeitgeber Mährens im Bauhandwerk zur Bekämpfung der sozialdemokratischen Gewerkschaften zu schaffen. Baumeister, Maler, Anstreicher, Zimmerer. Tischler. Bildhauer, Stem-metze, Svengler, Installateure, Glaser, Dachdecker, Schlosser, Fuhrwerker, alle werden sie in dem Zirkular aufgerufen, dem Verband beizutreten, um „die unhaltbar gewordenen Verhältnisse, welche durch den Terrorismus der unter sozialdemokratischer Führung stehenden Arbeiter herbeigeführt werden, endlich einmal abzuschütteln". Ter Verband soll den Titel führen: „Arbeitgeberverband der Bauhandwerker und Baumate-rialienlicferanten", und er will „dem r a st l o s v o r-w ä r t s s ch r c i t e n d c n G e s p e n st d e r Ar beiter-Organisationen ein »Bis hieher und nicht weiter* gebieten". Arbeitgeber, die sich weigern sollten dem Verband beizutreten, werden damit bedroht, d a ß s i e keine Arbeit angewiesen erhalten — was natürlich kein Terrorismus ist. Interessant sind die Unterschriften auf dem Zirkular, das friedlich deutschnationale, und tschechischnationale Unternehmer vereinigt. Da _stcl)t zu lesen: Alfred Dressier mestsky ra Staatsbahndirektionen größere Herstellungen geplant.! Im Bereich der Staatsbahndirektion Lemberg kommt da vor allem die Ausführung eines Rangierbahu-hofes (Abrollanlage) samt Zugsörderungsanlage in der Station Lemberg in Betracht, ein Bau, dessen Kosten den Betrag von 15 Millionen Kronen Wohl überschreiten werden und für den Heuer die erste Rate eingestellt ist. In der Station Lemberg werden ferner Heuer die im Zug befindliche Erweiterung der Geleise- und Sicherungsanlage und eine Reihe Umgestaltungen im Bahn-Hof vollendet werden. Weiters wird man in diesem ^ahr die Bauarbeiten für die Erweiterung der Station Lemberg-Podzamcze und die Rekonstruktion des anschließenden Teiles der Betriebslinie Lemberg-Podwolo-czyska zum Abschluß bringen. Für die Station D r o h o-bycz ist die Adoptierung und Erweiterung des Auf-nahmsgebäudes, sowie der Bau einer Zugförderungsanlage und Herstellung von Einrichtungen für die Wasserreinigung vorgesehen. Bei der N o r d b a h n direktion sind auch Heuer wieder eine Reihe von Stationserweiterungen geplant.. Wir erwähnen die Bauten in den Stationen Floridsdorf, L e o p o l d a u, S t r a tz h o f, L u n d e n b u r g, P r e r a u, S e i t e n d o r f, im Hanptbahnhof Oder- berg (Ausgestaltung für das gleichzeitige Gin- und Ausfahren der Personenzüge), ferner Bauten im Oder-berger Außenbahnhof, die Ausgestaltung der Haltestelle Zabrzeg zu einer Ladestelle, die Zugförderungs-anlage u. s. w. in D z i e d i tz irnd den Umbau des Auf-uahmegebäudes in O s tv i e c i m. Bei der Umgestaltung und Erweiterung des Bahnhofes Krak c u werden der Vorbahnhof und Raugierbahnhof Heuer fast vollendet werden, während der Neubau deS Personenbahnhofes wohl noch nicht begonnen werden wird. Kleinere Arbeiten sind in der Station K r a s n a und eine nicht unbeträchtliche Erweiterung in Biala in Aussicht genommen. Auf den verstaatlichten Linien der Staat s-eisenbahngesellschaft werden in der Station Wien die in Ausführung begriffenen Arbeiten (Verlegung der Eilgiitermagazine u. s. w.) Heuer vollendet. Kleinere Bauten sind für die Stationen B i l o w i tz, Obran, K ö n i g s f e l d, N i m b u r g, Prag (St. E. G.) und S ch ö n p r i e f e n, Umschlagplatz, in Aussicht genommen. Im Bereich der N o r d w e st bahn direktiou ist eine größere Stationserweiterung in der Station S t o ck e r a u anläßlich des zweigeleisigen Betriebes geplant. Weniger umfangreiche Herstellungen sind in der Station Wien, N. W. B. (Herstellung einer Entstaubungsanlage), ferner in den Stationen Oberh ollabrunn, P o d s b r a d, Bad B s I o h r a d, AI t p a k a, Z n a i m, Deutschbrod, Königgrätz, Reichenau bei (Gablonz und Jg lau (Voreinleitungen für die dortige Stationserweiterung) in Aussicht genommen. Ausland. Von den reichsdeutschen Eisenbahnarbcitern. Ten Arbeitern der preußischen und der sächsischen Staatseisenbahnen wird von den Regierungen bekanntlich nicht nur das Koalitionsrecht rundweg abgesprochen, es wird ihnen auch jede Beteiligung an sozialdemokratischen Bestrebungen bei Strafe sofortiger Entlassung verboten. So wurden kurz vor der Reichstagswahl die Eisenbahnarbeiter durch die bekannten Verfügungen für „nationale" Stimmabgabe zu beeinflussen gesucht, nachdem ihnen verschiedentlich kleinere Lohnzulagen gemacht worden waren. Die sächsische Eisenbahnverwaltung gewährte eine Lohnzulage von 20 Pf. per Tag ab 1. Oktober 1911 und diese Zulage bezeichnete der Finanzminister v. Seydewitz im sächsischen Landtag als weitgehende Vergünstigung. Inzwischen haben aber die Werkstattarbeiter die Erfahrung machen müssen, daß die Lohnzulage für sie gar nicht in Frage kommt, denn es wird jetzt fortwährend au den Stückpreisen „reguliert", so daß nach der Lohnzulage zum Teil weniger verdient wird als vorher. Aber selbst bei den Betriebsarbeitern und bei den Arbeitern der Bahnmeistereien bildet diese Lohnzulage nur 'einen Tropfen auf einen heißen Stein. Von den Arbeitern wird immer höhere Arbeitsleistung verlangt und ihre Bezahlung wird schlechter statt besser. Man betrachte nur folgende Zahlen, die dem statistischen Bericht der sächsischen Staatseisenbahnen für 1910 entnommen sind. Die Gesamteinnahmen aus dem Personen- und Güterverkehr betrugen: 167,656.246 Mk. im Jahre 1909 und 179,087.253 Mark in; Jahre 1910. Auf einen Kilometer mittlerer Betriebslänge kamen 1909: 51.202 Mk., 1910: 54.014 Mark. Das ist eine ganz enorme Steigerung des Verkehrs. Trotzdem wurde das Personal nicht wesentlich vermehrt und die Gesamtsumme an Lohnausgaben ist von 1909 zu 1910 zwar nur um etwa 2% Millionen gestiegen: sie betrug aber im Verhältnis zur Gesamteinnahme 1909 20 Prozent und 1910 nur 19 Prozent, während die Heber-schüsse von 25-50 Prozent im Jahre 1909 auf 29-05 Prozent im Jahre 1910 im Verhältnis zur Gesamteinnahme gestiegen sind. Der Ueberschuß betrug 1909 42,757.497 Mark und 1910 52,033.733 Mk. Das Jahr 1911 brachte nun eine ungeheure Mehrbelastung des Personals. Aus dem statistischen Bericht ist weiterhin aber auch ersichtlich, daß die Löhne der unteren Eisenbahner gänzlich unzureichend sind. So beträgt der durchschnittliche Tagesverdienst im Jahre 1910 (vom 1. Oktober 1911 ab kommt dazu durchschnittlich 20 Pf. Zulage) für die Bauunter-haltungsarbeiter Mk. 303, bei der BahnbeNackmng sogar nur Mk. 2-72, bei den Neubauämtern Mk. 3-26, beim Zugbealeitungsdienst Mk. 3-24, bei den Werkstattarbeitern im Zeitlohn nur Mk. 309, im Stücklohn Mk. 5-18. Der Durchschnittsverdienst sämtlicher Arbeiter, deren Zahl sich auf rund 30.000 beläuft, wird auf Mk. 3-46 per Tag angegeben. Bei solch geringem Lohn muß das Personal, mit Ausnahme der Arbeiter in den Hauptwerkstätten, deren Arbeitszeit täglich 9 (stunden beträgt, wöchentlich bis zu 142 Stunden Dienst leisten. Nicht mehr als 56 Stunden durchschnittlich per Woche arbeiten nur 4-78 Prozent, über 56 bis 63 Stunden 4-34 Prozent, über 63 bis 70 Stunden 22-66 Prozent, über 70 bis 77 Stunden 37-54 Prozent, über 77 bis 84 Stunden 19-29 Prozent, über 84 bis 91 Stunden 7-17 Prozent und mehr als 91 Stunden wöchentlich noch über 4 Prozent. Das ist eine ungeheuerliche Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft, und die Lage der sächsischen Eisenbahnarbeiter ist nach diesen amtlichen Ziffern eine tief traurige. «• Forderungen der italienischen Eisenbahner. In der letzten Zeit waren die Kommissionen der einzelnen Eisenbahnerkategorien bestrebt, die Forderungen und Wünsche des Gesamtpersonales (Beamte und Arbeiter) in Bezug auf die Aufnahmsbedingungen, Entlohnung, Arbeitszeit und Dienstpragmatik zusammenzufassen, um sie dann den maßgebenden Instanzen zu unterbreiten. Die Kommission der Beamten zum Beispiel befaßte sich mit der Regelung der Gehalts- und Arbeitsbedingungen der Schreiber (Kopisten). Diese Leute sind bis jetzt noch in keine Klasse eingeteilt. Am 24. Februar fand in Turin eine Konferenz statt, die sich mit dieser Frage, befaßte. Als erfreuliche Erfolge der Agitation ist zu konstatieren, daß vor der Konferenz noch der Generaldirektor der Eisenbahnen durch eine besondere Bekanntmachung die Stellung dieser Beamten provisorisch regelte. Die Aushilfsbeamten hielten zlvei Versammlungen in Florenz ab und beschlossen zu verlangen, daß nach lojähriger Gesamtdienstzeit und nach 6jähriger Dienstleistung als Aushilfsbeamte oder auch nach weniger als lojähriger Dienstzeit, aber nach 9jäb-riger Dienstleistung als Aushilfsbeamte diese zu wirklichen Beamten befördert werden müssen. Das Zugspersoual und besonders die Maschinisten verlangen besondere Entschädigungen für die sogenannte Arbeitszeit, ferner eine Kilometerindemnität von 1-5 Lire Per 100 Kilometer, eine Prämie von 2 Lire für jede gesparte Tonne Brennmaterial, eine Prämie für gewonnene Minuten, Regelung der Abzüge für Mehr-gebrauch von Brennmaterial und für verlorene Zeit, Entschädigung für Nachtdienst, für Nachtbereitschaft und im Falle der ItÜbersiedlung, Regelung der Entschädigung für Tunnelstrecken, Regelung der Dienstschichten sowie eine Reihe von weniger bedeutenden Aufbesserungen verschiedener Natur. Die Kommission der Arbeiter hat ein Memorial an die Generaldirektion überreicht, worin folgendes verlangt wird: Gleichstellung der Arbeiter der verschiedenen Zweige sowohl in moralischer, als auch in. ökonomischer Beziehung: Bezahlung der Feiertags: die durchschnittliche Arbeitszeit soll höchstens neun Stunden täglich betragen, ausgenommen die Arbeiter des aktiven Dienstes, für welche eine Arbeitszeit von zehn Stunden und Bezahlung der lleberstunden verlangt wird: Teilung der Arbeiterin solche erster und zweiter Klasse (die jetzigen Arbeiterdritter Klasse sollen nach dem vierten Dienstjahre in die zweite, jene der zweiten nach dem sechsten Dienstjahre in die erste Klasse befördert werden): die Zulage, die jetzt bezahlt wird, soll in den Lohn inbegriffen und der höchste Lohn soll nach 23 Jahren erlangt werden und nicht erst nach 28 Jahren, wie jetzt üblich. Andere weniger bedeutende Aufbesserungen verlangen die Arbeiter der Instandhaltung. Das Manövrierpersonal hat der Direktion den Entwurf einer neuen Dienstordnung unterbreitet. Es wird hiedurch eine Gehalts- und Arbcitszeitregelung verlangt, Erhöhung der Zulagen und der Entschädigungen sowie unentgeltliche Lieferung von zum Dienst notwendigen Gegenständen. Der deutsche Bergarbciterstreik ergebnislos beendet. Der Streik der reichsdeutschen Bergarbeiter mußte ohne Erfolg abgebrochen werden. Ihrer Widersacher waren zu viele. Das großmächtige Grubenkapital nimmt teilte Rücksicht auf die um ihr Recht kämpfenden Bergarbeiter. Es kennt nur den starren Tespotenstand-Punkt, dem selbst die Staatsmänner sich beugen müssen. Wehe dem Minister, der ernsthaft den Versuch gemacht hätte, sich vermittelnd _ zwischen die Parteien einzumischen. Der Handelsminister Möller hat seinen Frevel im Jahre 1905 mit seinem Sturz büßen müssen. Bis zum letzten Augenblick haben auch diesmal die Grubengewaltigen ihren Herrenstandpunkt gewahrt. Auch noch die verminderten Forderungen beantworteten sie mit der höhnischen Erklärung, daß allgemeine Lohnerhöhungen mit Rücksicht auf die Verschiedenc-rtigkeit der Per-hältuisie der einzelnen Reviere unmöglich seien, daß Ueberschichten bei steigender Konjunktur nicht entbehrlich seien und daß sie die gesetzlich den Unternehmern zur Last fallenden erhöhten Anforderungen der Reichsver-sicherungsorduung nicht tragen könnten. Neben diesem mächtigen Gegner stand die Treulosigkeit der Christlichen. Ihre früheren Zusicherungen, sich in die Reihen der Kämpfenden zu stellen, hielten sie nicht. Nach leeren Ausflüchten kam der offene Verrat. Dazu der mächtige wirtschaftliche Druck der Grubenherren: die Androhung der Strafschichten, die Kündigung der Werkswohnungen. Nur wer die große wirtschaftliche Abhängigkeit kennt, in die die Bergherren die Bergarbeiter zu zwingen wußten, kann ermessen, von wie großem Einfluß das auf die Lohnbewegung sein mußte. Wie aus Deutschland berichtet wird, hat dieser momentane Mißerfolg aber, keineswegs entmutigend unter den Bergarbeitern gewirkt. Es finden im Gegenteil zahlreiche Neu Beitritte zu der Gewerkschaft statt. Die deutschen Bergarbeiter werden also ihre Reihen fester schließen, um sich zu neuen und erfolgreichen Kämpfen zu rüsten! Aus dem Gerichtssaal. Mißwirtschaft und Polizeigeist in der Staatsbahn-vcrwaltung. Die österreichische Bureaukratie ist imstande, die beste Einrichtung zugrunde zu richten. Ein Prozeß, der gegenwärtig beim Bezirksgericht Josefstadt geführt wird, ist ein drastischer Beweis dafür. Die Staatsbahnen werden nicht wie ein Verkehrsunternehmen verwaltet, sondern wie ein Polizeiamt. Es ist also, als ob die hohen Herren von der Bureau-kratie die Absicht hätten, den Großkapitalisten Wasser auf die Mühlen zu treiben, und ihnen förmlich den „Beweis" aufdrängen wollten, daß große Unternehmungen vom Staat viel erbärmlicher verwaltet werden als von Kapitalisten. Was sich in dem Prozeß zeigte, ist geradewegs eine Komproinittierung der staatlichen Bahnverwaltung. Man vernehme! Der Spediteur Jacques Po Hak hat im vorigen Jahre bei der Direktion der N. W. B. wegen der Nichteinhaltung der Lieferungsfristen beim Transport von Frachten sowie wegen anderer Umstände Reklamationen erhoben. Die Erledigung der Reklamationen ließ oft monatelang auf sich warten. Der Spediteur war darum gezwungen, die 31. W. B. auf Zahlung der Beträge, die er durch die Reklamationen erlangen wollte, zu klagen. In der Mehrzahl der Fälle wurde auch die N. W. B. verurteilt. Die Staatsbahnen, die, wie die Herren Minister versichern, nicht imstande seien, die dringendsten Forderungen ihxer Angestellten zu bewilligen, haben also infolge des saumseligen Geschäftsganges Staatsgeld für Prozeßkosten hinausgeworfen! Die Vergeltung für den Spediteur, der die Bahn' geklagt hatte, blieb aber nicht aus. Die Nordwestbahndirektion hat beim Taxamt die Anzeige erstattet, daß auf der Beilage zu einer Reklamation der Stempel nicht mit Tinte überschrieben, sondern mit einer- Stampiglie überdruckt war. Wohlgemerkt, es handelt sich nicht um eine Stempelhinterziehung, sondern um einen Formfehler, der jetzt gar keine Bedeutung mehr haben kann, da die gegenwärtigen Stempelmarken doch nicht abgelöst werden, also niemals zwei- mal verwendet werden können. Bei staatlichen Behörden, auch bei Gerichten, besteht allerdings der schauderhafte Gebrauch» „falsch" gestempelte Eingaben oder Vollmachten ruhig anzu* nehmen und den „Schuldtragenden" dann durch das Taxamt strafen zu lassen, anstatt ihn — was viel weniger zeit- und arbeitsraubend wäre — auf seinen Fehler aufmerksam zu machen. Es ist das echtester Polizeistaat. Die Nordwestbahndirektion, die andere Aufgaben hätte, als Polizei zu spielen, trieb es aber auch nicht anders. Eine nette Verkehrsunternehmung, die sich nicht um die Erledigung von Reklamationen über den Verkehr, sondern darum kümmert, ob ein Stempel mit Tinte oder mit Stampiglienfarbe bedeckt ist! Pollak richtete eine Beschwerde an die Nordwestbähndirektion, aber darauf bekam er die Antwort, die Bahndirektion sei wie jede andere Behörde verpflichtet, so etwas beim Taxamt anzuzeigen! Man hat sich allerdings unter der Entsetzung des Herrn Taussig von der Diktatur über die N. W. B. etwas anderes vorgestellt, als eine neue „Behörde" zu bekommen, noch dazu eine neue Polizei. Als nun der Spediteur zufolge einer Anzeige der Nordwestbahndirektion wieder mit einer Stempelstrafe belegt wurde, richtete er an die Direktion einen Brief, in dem er der Bahn Denunziation verwarf und sie der Dt i tz w i r t-schaft beschuldigte. Die Direktion der Bahn trat den Brief der Staatsanwaltschaft ab, die nun gegen den Spediteur die Anklage wegen Beleidigung einer „B e h ö r d e" erhob. Vor dem Bezirksgericht Josefstadt kam es nun zur Verhandlung. Der Verteidiger Dr. Mathias erklärte nun, der Angeklagte wolle den Wahrheitsbeweis für den Vorwurf der Mißwirtschaft erbringen. Der Bezirksrichter Dr. Blaschtowitschka vertagte deshalb die Verhandlung. Hoffentlich werden die Herren, die für den Betrieb der Staatsvahnen verantwortlich sind, aus dem Prozeß lernen, was sie zu tun haben, wollen sic ihre Verwaltung nicht noch länger dem öffentlichen Spott aussetzen. Vom Schiedsgericht der berussgenossenschaftlichen tim fallversichcrungsanstalt. (Ergebnis d e r Schi c d s -gerichtsverhandlungen vom 9., 12., 15., 1 9., 2 3., 2 4., 3 0. und 31. Jänner 191 2.) Die an den obenangeführten Tagen verhandelten 04 Fälle wurden, wie nachstehend angeführt, erledigt: Rentenerhöhnng in 12 Fällen, und zwar: Cyrill H o t o v y (Nordbahn) von 12 auf 20 Prozent, Josef Taschek (Innsbruck) von 15-5 auf 22-5 Prozent, Josef Honarzynski (Lemberg) von 30 auf 30 Prozent, Karl Brückner (Nordbahn) von 90 auf 120 Prozent, Daniel Duszczynski (Lemberg) von 75 auf 90 Prozent, Johann Kaupa (St. E. G.) von 27 auf 45 Prozent, Josef Toinann (Nordbahn) von 9 auf 18 Prozent, Michael 6 i nt (Villach) von 50 auf 00 Prozent. Franz Z i m m c l (Wien) von 75 auf 90 Prozent, Franz Navratil (Nordbahn) von 24 auf 60 Prozent, Josef Hrdlicka (St. E. G.) von 20 auf 30 Prozent, und Alexander Rag (Nordwestbahn) von 75 auf 90 Prozent. Reutenzucrkennung in 7 Fällen, und zwar: Leopold M a t u s i a k (Lemberg) 36 Prozent, Michael Iuzwa (Lemberg) 6 Prozent, Johann Ruprecht (St. E. G.) 12 Prozent, Karl Subr (Prag) 9 Prozent, Cyrill Huüath (Nordbahn) 23'6 Prozent, Karl Böschin ger (Steyertalbahn) 9 Prozent, und Siegfried Eimer (Nordbahn) 10 Prozent. Zurückweisung in einem Fall, und zwar: Adalbert W o I s k y, Lemberg. Klageabweisung in 44 Fällen, und zwar: Konrad Jenner (Nordbahn), Matthias K r iz (Pilsen), Matthias Bühnt (Nordbahn), Jakob Pevee (Triest), Josef L am streck) t e r (Innsbruck), Hermauu S ch m i d t (Innsbruck), Andreas S t a n i s ch (Czernowitz), Heinrich Seidel (k. k. Post), Johann Michal (Südbahn), Jakob Skoeaj (Südbahn), Stefan S k u p i n a (Nordwestbahn), Anton Marek (Lemberg), Franz Mihelie (Südbahn). Anton L a r i s ch (Nordbahn), Johann 6 a in a l (St. E. G.), Felix Witkowski (Krakau), Johann Kulas (Lemberg), Michael Dycis (Lemberg), Ferdinand Pohl (Lemberg), Adalbert Cebis (B. E. 23.), Franz Kanitzscherder (Südbahn), Alois Renner (Innsbruck), Johann Jarczhk (Krakau). Matthias D o I e j s (Pilsen), Josef F r o I i k (Prag). Michael Walto wiez (Lemberg), Basilius Struk (Lemberg), August I an icz ek (Stanislau), Ferdtnand Jas-kiewicz (Stanislau), Stephan Tinko (Sudbahn). Franz Kozeluh (Prag). Miroslaw Posptsil (Nordwestbahn), Franz Tratntr (Südbahn), Ladislaus Ciesliecki (Stanislau), Anton Kral (Nordbahn), Valentin Mucha (Krakau), Otto Gut (St. E. G.). Josef Mazurek (Lemberg), Demeter Huminski (Lemberg), Josef Helm reich (Villach), Rudolf Podkrajbek (Südbahn), Karl Ul bin g (Südbahn), Franz Las (Prag), und Josef K r e j c i k (Nordwestbahn). i_ I —»»»m»— [„iifUJllüSJL_________________ Streiflichter. Eine Gratulation des Herrn Staatsanwaltes. Noch rechtzeitig vor dem 2. April, an welchem Tage vor zwanzig Jahren der Grundstein zu unserer Organisation gelegt wurde, hat sich auch der Herr Staatsanwalt als Gratulant ein-gefunden. Er gratulierte so, wie eben Staatsanwälte einer sozialdemokratischen Zeitung zu gratulieren pflegen. Zw eint a l hintereinander hat er die letzte Nummer des „Eisenbahner" konfisziert. Und so wichtig war ihm diese Sache und so gründlich wurde diese Arbeit besorgt, daß auf den Wiener Bahnhöfen mit der Abfahrt der Postzüge zugewartet werden muhte, um nach konfiszierten „Eisenbahnern" fahnden zu können. Alle Hochachtung vor dieser Gründlichkeit und diesem Pflichteifer! Sonst findet man sie nämlich bei der Wiener Polizei nicht immer. Zum Beispiel, wenn man etwa bei hell» lichtemTage von irgend einem Plattenstrolch überfallen wird und die Hilfe der Polizei in Anspruch nehmen will, da kann es einem schon passieren, daß das die Staatsgewalt repräsentierende Amtsorgan, natürlich belehrend, sagt: „Kennen Sö den Mann? Haü'n So Zeugen? Nein? Na, da kann ma halt nichts mach'n!" Und als ordentlicher Staatsbürger geht man dann gedeftct weiter, weil man sich schließlich der Ueber-zeugung nicht verschließen kann, daß die Staatsgewalt, die soeben versagt hat, keine Zeit zu verlieren hat. Es könnte sonst unterdessen durch einen konfiszierte» Zeitungsartikel der Staat gestürzt werden. Und der Staat darf nicht gestürzt werden, weil es erstens laut Paragraph soundso nicht erlaubt ist, und weil zweitens es tun den österreichischen Staat auch sehr schade wäre. Und dann, wie gesagt, hat es uns recht gefreut, daß der Staatsanwalt zum zwanzigsten Jahrestage unserer Organisation nicht auf uns vergessen hat. Wie wäre es, wenn unsere Mitglieder die Aufmerk-samkeit des Herrn Staatsanwaltes damit quittieren, daß sie für die 83.000 Blätter, die man uns tv e g n a h m, ebensoviel neue Mit, glieder anwerben würden? > Auch eilt Eiscnbahner-„Fachblatt". Die Zeitung des Verkehrsbundes hat es im Schimpfen gegen die Sozialdemokraten und im Verleumden aller Handlungen derselben zur Virtuosität gebracht, wozu nicht wenig als Vorbilder die christlichsozialen Blätter beigetragcn haben mögen. Die übrige geistige Kost, die die Verkehrsbund-Zeitung ihren scheinbar recht anspruchslosen Lesern vorsetzt, ist aber um so bescheidener geraten. Im Feuilleton der letzten Nummer der Verkehrsbund-Zeitung bringt Herr Tschulik neben einer Huldigungsansprache einer Bürgerschülerin unter anderem gereimte Regeln fürs Haus, die sehr stark an die goldenen Bauernregeln: Regnet's zu Martini in der Früh, Brauchst du abends kein Paraplui!" oder: Jst's am Silvestertag warm oder kalt, Ist doch das Jahr zu Ende bald!" erinnern. Herr Tschulik empfiehlt da den Eisenbahnern zu ihrem Nutzen und Frommen ganz ernst: Vorsichtig geh' mit Feuerung um, Brauch' nie dazu Petroleum. Polstermöbel mutz man klopfen, Wasserleitung nicht verstopfen. Petroleum, vergitz das nicht. Hat schon manch' Unheil angcricht'. Die Lampen, sie setze am Tage in Stand, Dann sind sie auch fertig des Abends zur Hand, u. s. w. u. s. w. Nächstens soll Herr Tschulik, wie man uns erzählt, selbst den Pegasus reiten, um ähnliche gereimte Regeln auch bezüglich des Eisenbahndienstes aufzustellen Da wird es dann in der „B e r keh rs b u nd - Z e i t u n g" ungefähr heißen: Oberbauarbeiter, gib acht und schau', Daß dir der Krampen den Schuh' nicht zerhau'! und Willst du die Karten richtig zwicken. Muht du die Zange zusammendrücken! u. s. w. Unter Umständen können dann diese gereimten Ratschläge Tfchuliks als bahnbrechende Reformvorschläge eine neue Epoche des Eisenbahnbetriebes einleiten. Es sind recht einfältige Patrone die Herren Vcrkehrs-bündler mit ihrem Tschulik. Würde ihre Einfalt nicht zuweilen von ihrer bedenklichen Schimpferei überholt, mit der sie alles herabzusetzen suchen, was immer im Interesse des Eisenbahnpersonals unternommen wird, könnte man ruhig über den kindisch-läppischen Inhalt ihres Fachblattes hinweggehen. So aber mögen diese Proben aus dem Inhalt des christlich-sozialen Eisenbahnersachblattes erweisen, von welchem Geist und Ernst die christlichsoziale Eisenbahnerbcwegung beseelt ist, deren Kampfruf nunmehr lautet: P e t r o l c u m, vergitz das nicht, Hat schon manch' Unheil angericht'l Die Aussig-Teplitzer Eisenbahn mimt einen sonderbaren Arbeiterfreund. In der bürgerlichen Presse macht die folgende Notiz die Runde: Wie der „Neuen Freien Presse" aus Prag gemeldet wird, hat das Eisenbahnministerium in der Angelegenheit der Tariferhöhung der Aussig-Teplitzer Bahn an diese einen Erlaß gerichtet, mit welchem in Berücksichtigung der von der Bahnvcrwaltung in Aussicht genommenen finanziellen Zuwendungen an daS Personal, deren Erfordernis mit rund 400.000 Kr. beziffert wird und unter der Voraussetzung, daß diese Maßnahme in dem vereinbarten Umfange zur Durchführung gelangen wird, worüber die Gesellschaft binnen drei Monaten eine detaillierte Nachweisung voiZulegen sich verpflichtete, die Genehmigung zur Durchführung einiger Tariferhöhungen erteilt, deren Gesamteffekt mit zirka 300.000 Kr. veranschlagt wird. Es ist möglich, daß die Betriebsrechnungen des abgelaufenen Jahres etwas besser auSfallcn als ursprünglich angenommen wurde. Jedenfalls ist die bisherige Maximaldividendenentschädigung von 85 Kr. als Minimum anzusehen und vielleicht wird die Dividende etwas darüber hinausgehen. Immer stürmischer fordert das in einer guten Organisation vereinigte Personal der Aussig-Teplitzer Eisenbahn eine Lohnerhöhung, da die schändliche Bezahlung der Bediensteten den derzeitigen Tcuerungsverhältnissen keineswegs entspricht. Der Herr Generaldirektor Endercs steht zwar als echter Scharfmacher auf dem Standpunkt, daß das Personal nichts zu fordern habe, daß es höchstens kniefällig betteln dürfe. Aber nichtsdestoweniger muß etwas geschehen, das begreift sechst dieser Herr, denn sonst könnte cS leicht passieren, daß das notleidende Personal selbst holt, was ihm im Guten nicht gegeben wird. 400.000 Kr. soll das ausmachen, was an Lohnerhöhung dem Personal zufallen soll. Daß das für den einzelnen Mann eine Bagatelle sein wird, die einer Frozzelei ähnlicher sein wird als eine Hilfe in der Not, das kann heute schon gesagt werden, selbst dann, wenn die Aermsten im Verhältnis die höchste Zuwendung erhalten, was eine gerechte Aufteilung wäre. Das Geschäftsergcbnis des letzten Jahres Ut nach obiger Notiz so, daß zumindest die bisher höchste Dividende auch heuer bezahlt wird, wahrscheinlich aber noch Srm sS)ic Bah» hat also glänzende Geschäfte gemacht. ,ynlü davon nun das ab, was die Bediensteten erhalten sollen? Ach nein, die Aktionäre wollen nicht auf einen Heller ihres durch eifriges Faulenzen „erworbenen" Anteiles verzichten. Die Austig-^eplitzer Eisenbahn ist zum Eisenbahnministerium gelaufen und der Staat gewährt der im Gelde schwimmenden Gesellschaft eine Tariferhöhung, um durch die Mehreinnahmen die „Zuwendungen an das Personal zu decken. Das ist ein echt österreichischer Skandal! Die dienstliche Austragung uoit Ehrenangelegenheiten. Der Blockwächter Ludwig Ander! der Stadtbahnhaltestelle Schönbrunn respektiert die Ehre seines Nebenmenschen sehr gering. Gelegentlich eines Gespräches unter Wächtern machte er die Äußerung, Genosse 2-0m m^rfe ld habe die Wächter verkauft und verraten. Genosse Sommerfeld, dem es privat ganz gleichgültig ist, wie Ander! über ihn denkt, hielt es im Interesse der Funktion,, die er als Personal» kommissionsmitglied bekleidet, für angezeigt, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen, und er suchte im Dienstwege um die Erlaubnis an. Ander! gerichtlich belangen zu dürfen. Kurz vor der Verjährung diese» Ehrenbeleidigungs-deliktcs wurde Genosse Sommerfeld zum Bahnbetriebsamt Wien-Westüahnhof berufen, wo ihm nahcgelegt wurde, sich mit einer widerrufenden Erklärung des Ander! zufriedenzu geben, um eine Klage zwischen zwei Eisenbahnbediensteten zu vermeiden. Genosse Sommerfeld ging gutmütig auf diesen Vorschlag ein und Ander! gab die weitestgehende Erklärung, daß er seine Aeutzerung zurücknehme, bedauere und daß er bereit sei, diese Erklärung auf seine Ko sten im „Eisenbahner" zu veröffentlichen. Letzteres tat An.de rl aber bis zum heutigen Tage nicht. Der unter bahnamtlicher Vermittlung zustande gekommene Ausgleich wurde von Ander! nicht eingehalten und Genosse Sommerfeld sah sich daher veranlaßt, in der Sprechsaalrubrik unseres Blattes den Ander! energisch an die Erfüllung seiner Verpflichtung zu mahnen. Das Bahnbetriebsamt Wien-Wesibahnhof hat zwar soweit ganz einwandfrei gehandelt, so weit es zur friedlichen Austragung der Angelegenheit vermittelte. Es nimmt aber sonst die an den Bediensteten begangenen Ehrverletzungen nicht sehr ernst, da es, wenn es den einen Teil bewog, sich der Klagemöglich-kciten zu begeben den anderen Teil zu verhalten hätte, die zur .Herstellung der verletzten Ehre e i n-gegangene Verpflichtung einzuhalten. Genosse Sommerfeld kann sich die schriftliche Erklärung, die er in Händen hat, nicht umhängen, das wäre gegen die Uniformierungsvorschriften, und der sühnelose Ausgang derartiger Angelegenheiten verlockt die Herren mit den großen Mäulern nur zu neuerlichen Ausschreitungen. Die gegen derartige Elemente geübte Geduld und Nachsicht mutz einmal ein Ende nehmen. Es muß den Leuten energisch auf den Mund geschlagen werden, die bei jeder Gelegenheit schreien, verkauft und verraten worden zu sein und die selbst nicht das geringste zur Verbesserung ihrer Lage beitragen, die Vogelfreiheit der Ehre der sozialdemokratischen Vertrauensmänner muß endlich aufhören! Korrespondenzen. Zellerndorf. Von dort wird uns geschrieben: Mit trübseligen Gesichtern schleichen die Mitglieder des Reichsbundes deutscher Eisenbahner in Zellerndorf herum. Mit großen Ver-sprechungcii wurden die Bediensteten zum Beitritt herangelockt» und jetzt, wo einzelne Mitglieder durch verschiedene Unglücks» fälle berechtigt wären, Ansprüche erheben zu können, zeigt sich, daß beim Reichsbund in Zellerndorf vieles faul ist. Am 24. Oktober 1011 verunglückte der Verschieber Leopold Kinast, welcher Mitglied des Reichsbundes war. Zur Anschaffung eines Kranzes für den an den Folgen der Verletzungen verstorbenen Kollegen wurde eine Sammlung eingeleitet, zu der auch Genossen beitrugen. Der Magazinsmeister Lang besorgte einen Kranz mit schwarzrotgoldener Schleife. Dieser Kranz soll jedoch bis heute noch nicht bezahlt sein. Ebenso hat dieWitwe die 30 Kr., die für jeden einzelnen Todesfall bezahlt werden, auch noch nicht erhalten. Am 21. November 1011 starb der Ober-bauarbeiter Wechselberger in Putkau, dessen Witwe bis heute immer noch auf die 80 Kr. wartet. Der Obmann der Ortsgruppe in Zellerndorf ist Herr Fen t ler, TeIe graph i st in Zellerndorf. An diesen Herrn mögen sich die Reichsbundmitgliedcr in erster Linie wenden. Dieser gute Mann ist verpflichtet, Aufschluß zu geben, wohin das für den Kranz gesammelte Geld gegeben wurde, und warum den beiden Witwen nach Kinast und Wechselberger die Stcrbefondsbeiträge von je 30 Kr. nicht ausbezahlt werden. Villach. (K. k. S t a a t s b a h it.) Ein recht liebenswürdiger Vorgesetzter und nettes Vorbild seiner Untergebenen in Hinsicht auf Bildung und genauer Pflichterfüllung ist der Stationsleiter Herr K e n d a in der Station Uggowitz. Dort ist nämlich alles umgekehrt. Statt daß der Stationsleiter die Dienstverrichtungen feines ihm unterstellten Personals beaufsichtigt, wäre gerade das Gegenteil notwendig. Dieser Herr glaubt, der Dienst müsse so verrichtet werden, wie es ihm paßt, die Vorschrift wird einfach auf die Seite gestellt, und wenn so ein Untergebener die Vorschrift höher hält, als es Herrn K e n d a lieb ist, der kommt dann bei diesem Herrn schön an. Dies soll folgender Fall beweisen. Der Wächtersub-siitut Franz S a m o n i g bemerkte in seinem Dienstbuche die von Herrn Ken da so oft unterlassene Wechselkontrolle mit einem Fragezeichen, was diesem Herrn nicht allzuwenig in den Kopf stieg. Dies veranlahte nun Herrn K e n d a, den Wächtersubstituten am 13. d. M. in die Wächterhütte zu rufen, wo er denselben mit allen möglichen Kosenamen betitelte und sich noch weiters wie folgt ausdrückte: Wenn ich nicht im Dienste stände, möchte, ich Sie schlagen, daß Ihnen Hören und Sehen verginge, so möchte ich Sie schlagen, daß Sie der Teufel holte. Sie Lausbub, Sie dreckiger; Sie werden nicht mehr Dienst machen in der Station. Es wird wohl kaum der Fall sein, daß die k. k. Staatsbahndirektion mit der Borgangsweise des Stationsleiters K e n d a einverstanden ist, und wäre es .Pflicht derselben, die Sache genau zu untersuchen und diesen Herrn eines Besseren zu belehren. - St. Michael ob Leoben. Der Verkehrsbeamte Pfeiffer in der Station St. Michael kann eS nicht unterlassen, die Angestellten und Arbeiter bei jeder sich bietenden Gelegenheit anzurempeln. Kürzlich rief er einem Bediensteten zu: „Sie sind ein Angestellter? Wissen Sie nicht, was Sie zu tun haben? Sie haben mich zu grüßen!" Selbstverständlich wird jeder Vorgesetzte und sämtliche anständige Menschen von dem Personal in St. Michael jederzeit gegrüßt. Doch die Hauptaufgabe bei der Ausübung des Dienstes in einer so verkehrsreichen Station wie St. Michael bleibt doch immer, sein ganzes Augenmerk der Sicherheit zu widmen. Dem ganzen Betrieb und der Sicherheit des reisenden Publikums wäre verdammt wenig gedient, wenn sich der Pflichteifer der Bediensteten nur im Komplimente- und Buckerlmachen äußern würde. Die Hochachtung des Personals erwirbt sich der Vorgesetzte durch ein korrektes und unparteiisches Vorgehen, Vielleicht dürfte Herr Pfeiffer herausfinden, daß es einige Bedienstete geben mag, die gerade nur bei seiner Person jenes korrekte, mannhafte Benehmen im Dienste dem Personal gegenüber vermissen. Spittal o. d. Dia». Von dort wird uns berichtet: Wir haben hier in Kleblach unter dem Bahnmeister Prutz eine Behandlung zu erdulden, die wir uns unter keinen Umständen länger gefallen lassen. Bahnmeister Prutz behandelt die Oberbauarbeiter, als wären diese die größten Verbrecher und Taugenichtse. Die Arbeiter sollen sich von dem Bahnmeister die ärgsten Beschimpfungen gefallen lassen und werden dabei mit der Hundspeitsche bedroht. Infolge dieser schlechten Behandlung ist eine starke Erregung unter den Oberbauarbeitern bemerkbar, die sich direkt gegen den Peiniger Prutz richtet. Zu all diesen Unannehmlichkeiten trügt auch der Umstand bei, daß der Bahnmeister Prutz eine sehr zweifelhafte Verrechnungsmethode der geleisteten Ueberstunden durchführt. Sämtliche Bedienstete und Arbeiter in dem Bahnrneisterrayon Mündern sich, daß sich bis heute noch keiner der Herren Vorgesetzten bemüht hat, die nicht immer einwandfreie Verrechnungsmethode des Prutz genauer zu kontrollieren. Die gesamten Bediensteten fordern vor allem, daß dem Bahnmeister das mysteriöse Handwerk mit den Ueberstunden gelegt, und daß eine menschliche Behandlung diesem Bahnmeister aufgetragen wird. Pontafel. (Eine „Errungenschaft" der deutsch national-gelben Organisation int HeizhauS.) Am 8. März gab der Maschinenmeister Kramer den Heizhausarbeitern bekannt, daß künftig die Ueberstunden nicht mehr bezahlt werden dürfen, sondern für gemachte Ueberstunden an anderen Tagen freie Stunden gewährt werden. Als nun am 10. März eine Versammlung der nationalen Organisation stattfand, brachten die Arbeiter die Angelegenheit zur Sprache und verlangten Abhilfe. Schließlich wurde beschlossen, daß eine Deputation unter Führung des Assistenten Dr. Weier beim Maschinenmeister intervenieren solle. Am 12. März wurde der Beschluß auch durchgcführt. Die Herren Dr. Weier, Ebenwallner und Kreisenbacher, welche die Deputation bildeten, sprachen beim Portier zur Audienz vor, die dann nach vorschriftsmäßiger Meldung der Maschinenmeister auch gnädigst gewährte. Die Deputation soll der Maschinenmeister in zuvorkommender Weise behandelt haben. Er ließ sich sogar so weit herab, den Assistenten Dr. Weier neben ihm Platz nehmen zu lassen und versprach in seiner bekannten Arbeiterfreundlichkeit alles zu tun, was in seiner Macht steht. Und richtig gelang es den Bemühungen des Dr. Weier, den Maschinenmeister zu bewegen, die Ueberstunden, die ohnehin ohne Zutun des Dr. Weier oder des Kramer bezahlt werden müssen, wieder zu bezahlen, denn schon am 13. März ließ Kramer verkünden, daß er über die Bitte der vom nationalen Verein entsendeten Deputation die Ueberstunden wieder bezahle. Unter den deutschnationalen Arbeitern herrscht über diesen Erfolg große Freude, und Herr Dr. Weier, dem es gelungen ist, den Maschinenmeister so umzustimmen, ist der Held des Tages, und für Kramer wird eine Dankdeputation vorbereitet. Die tzeizhausleitung in Villach, der das Heizhaus Pontafel, nicht aber die dortigen Angestellten unterstellt zu sein scheinen, wird wegen der Mißwirtschaft in Pontafel von Herrn Kramer in Disziplinaruntersuchung gestellt werden, und der Herr Maschinenmeister wird auch mit dieser wieder sehr-gnädig sein. Amstetteti. Es ist dringend nötig, die Professionisten der Bahnerhaltung vor dem hier sein Unwesen treibenden Bahnwächter Weiß zu warnen. Dieser edle Menschenfreund gebraucht Redensarten, die zwar manchmal durch übermäßig genossenen Alkohol oder Größenwahn verursacht sein mögen, die sich aber die Arbeiter im allgemeinen und die Professionisten im besonderen nicht länger mehr gefallen bissen dürfen. Herr Weiß, wir raten Ihnen dringend, kehren Sie zuerst den ungeheuren Misthaufen vor Ihrer eigenen Tür weg, bevor Sie sich um andere Leute kümmern. Sollten Sie auf einen guten Rat nicht hören, so könnten wir den Vorsatz fassen, auf Sie keine Rücksicht mehr zu nehmen. Wir könnten so viel von Ihnen an das Tageslicht bringen, daß Ihnen die Lust gewiß vergehen würde die Professionisten noch weiter zu bespitzeln. Ferner können wir Nachweisen, daß auch andere Leute sich bereits dafür interessieren, wie oft und wie lange sich Herr Weiß während seiner Dienststunden in der Bahnhofrestauration aufhält. Auch ist es noch gar nicht so lange her, daß der ehrenwerte Herr Weih selbst noch ein Arbeiter war und noch dazu gar kein durch besonderen Fleiß ausgezeichneter. Wäre alles, was dieser Mann früher tat und sagte, Herrn Inspektor Ableidinger bekannt, so könnte Weiß wahrscheinlich noch lange keine Arbeiter schikanieren, sondern er müßte froh sein, selbst nicht sekkiert zu werden. Also, Herr Weih, baldige und sehr durchgreifende Besserung, sonst fahren wir mit schwererem Geschütz auf! Znaim. Am 7. März 1012 kam es in der Station Oberhollabrunn zu einer ziemlich starken Streifung des von Wien verkehrenden Güterzugcs Nr. 85 und des von Sketschen kommenden Schnellzuges Nr. 4, bei der glücklicherweise keine Opfer an Menschenleben zu beklagen waren Es wurden einige Personen leicht verletzt, wobei auch der Schrecken ungünstig auf den Gesundheitszustand der Verletzten wirkte. Recht eigentümlich ist jetzt die Suche nach dem Schuldtragenden. Wir wollen hier ein kleines Geheimnis lüften. Die eigentlichen Hauptschuldigen wären bei der Verwaltung der Bahn und bei den Vorgesetzten Instanzen zu suchen. Es _ werden immer Erlässe und Zirkulare über die Manipulation der Züge herausgegeben, welche von der Station nicht im geringsten geachtet werden können, und jeder einzelne Beamte ist verhalten, ’ nach seinem Gutachten zu handeln. Unter der privaten Verwaltung der Nordwestbahn gab es eilte derartige Fülle sich gegenseitig widersprechender Anordnungen nicht als gegenwärtig, und jetzt wirb nur an dem trockenen Paragraphen herumgeritteit. ob ihre Anordnungen auch praktische Vorteile haben, davon haben die höhen Herren in den Tintenburgen keine Ahnung. Ta hat man eine Unmenge Züge, aber nirgends eine Zeit zum Manipulieren. Wollen die Stationen die Züge glatt sortbringen, damit keine Kalamitäten entstehen, dürfen sie mit den Zügen nicht manipulieren, und da kommt eS oft vor, daß die eine oder die andere Station ihr Brutto zwei bis drei Tage lang nicht wegbe-kommt. Sind die Stationen dann doch mitunter gezwungen zu manipulieren, so wird der Zug verspätet und dann geht der Wirbel auf der ganzen Strecke los. Unter diesen skandalösen Zuständen hat das Zugs- und Lokomotivpersonale am meisten zu leiden. Im Eisenbahnministerium wird fortwährend reformiert und es wird stets von einer Vereinfachung deS Eisen* bahndienstes gesprochen, aber wer lacht da nicht über eine derartige Vereinfachung. Beim Personal wird ganz unsinnig gespart, cs werden fortwährend Posten aufgelassen und Personalstände reduziert, aber wohlgemerkt nur bei dem produktiven niederen Personal. Es kommt heute in vielen Stationen vor, daß auf einen arbeitenden Bediensteten zwei bis drei überwachende Organe kommen. Das kann unmöglich so fort-gehen, wenn es nicht noch zu größeren Katastrophen kommen soll. Der Zug Nr. 85 in Hollabrunn war durch die^Manipulationen in den Zwischenstationen, für die kein genügender Aufenthalt vorgesehen ist, verspätet eingelangt. Dadurch hatte er in Hollabrunn mehrere Gegen- und Vorfahrzüge abzuwarten. Er hatte in diesen Stationen Wagen abzustellen und solche mitzunehmen Dem Zuge Nr. 85 blieb nur eine Manipulationszeit von 15 bis 18 Minuten zwischen dem vorfahrenden Zuge Nr. 161 und dem von HetzmannSdorß der nächsten Station, kommenden Zuge Nr. 4, Da mußte bei der unpraktischen Anlage der Station jede Minute gute ausgcnützt werden, um nach Zug Nr. 4 sofort wegfahren zu können, damit der Zug nicht eine derartige Verspätung erleide, daß derselbe dann überhaupt nur mehr schwierig weitergcbracht werden kann. Weiters hat folgender Umstand zum Entstehen dieses Unfalles wesentlich beigetragen. Der Vorstand von Hollabrunn sucht in seinem übertriebenen Spareifer an der Beleuchtung zil sparen. Den Nacht- und Weichenwächtern wird unter Androhung von Strafen im NichtbefolgungSfalle aufgetragen, einen Teil der Lichter in den Zugspausen auSzuloschen. -Der Zug Nr. 83 fuhr nach Zug Nr. 161 hinauö, um zu verschieben. Wie derselbe vom Magazinsgeleise Hinausfuhr, um einige Verschiebungen vorzunehmcn, 'wurde die Grenzmarke überfahren, Dies hätte aber den Unfall noch nicht herbeigeführt, wenn der Weichenwächter zur Stellung der Weichen für die Freimachung des Geleises für den einsahre'nden Zug auf seinem Posten gewesen wäre. Er mußte diesen aber wegen dir Sparerei' mit dem Lichte verlassen, um beim Einfahrtssignal das-zweite Licht anzuzünden. Dadurch wurde die Zuge» Partie in der Vollendung des VerschubeS, es war nur mehr ein Wagen abzustoßen. aufgehalten. Bevor sich der verschie. bende ZugSbegleiter und der Zugsführer überzeugen konnten, ob die Grenzmark: frei ist, war Zug Nr. 4 in der Nähe der Station. Der verschiebend« ZugSbegleiter gab dem Zuge Nr. 4 noch Haltesignale, aber die Distanz war bereits zu kurz geworden, und es trachte gleich darauf. Jetzt sucht man in dem Zugsführer und in dem verschiebenden Zügsbegleiter nach der Instruktion den Schuldigen, wiewohl sie im Interesse des Dienstes gehandelt haben, um den Aug. rechtzeitig fortzubringen und bei Annäherung der Gefahr ihr Möglichstes getan haben. Die Schuldigen sind ganz wo anders zu suchen als in diesen beiden Personen! Große Schuld an dem Unfall trägt auch die Sparerei mit dem Personal. Es soll eine Menge Arbeit geleistet werden, zu der das nötige Personal nicht bei-gestellt wird. Es sollen auch die Züge anders zeitlich verteilt Werden, damit genügend Zeit zum Manipulieren frei wird und damit nicht so gehastet gearbeitet werden mutz. Dann werden sich derartige Fälle leichter hinanhalten lassen, aber es scheint die Sache absichtlich auf die Hast-:rei angelegt, da jetzt die Verspätungen nichts kosten. Würden die Züge länger gehen, mutzte dem Personal die ge-leistete Arbeit laut Stundengeld bezahlt werden. Wir sind schon neugierig, wer kjesesmal wieder zum Sündenbock auserkoren wird. Wie wir sprechen hörten, soll Kondukteur Stöckl als Signalmann bmn Zuge Nr. 78 im kritischen Moment in der Station Hollabrunn gewesen sein. Der genannte ist der Znaimer Häuptling der „Jednota". Was in dieser Organisation für eine Sorte von Leuten beisammen sein mutz, die sich einen solchen Menschen an die Spitze ihrer Organisation stellen, möge folgender Fall lehren: Jeder andere Kollege ist froh, wenn er von Emvernahmen über solche Dinge verschont bleibt. Stockt hat sich selbst als Zeuge angetragen. Derselbe soll angegeben haben, datz der Zugsführer dem verschiebenden Zügsbegleiter den Auftrag erteilt habe, nur bis zur Grenze vorzuziehen, was nicht einmal der Zugsführer selbst behaupten konnte, da er selbst bei der Protokollaufnahme angab, datz er dies nicht sagte. Die Oesfentlichkeit und die Kollegen mögen selbst urteilen, was das für ein Vorgang ist und wie dieser Vorgang geeignet ist, einen Kollegen zugrunde zu richten Wenn diese tschechischnationale Organisation derartige Elemente als Obmänner hat, wie muh es erst dann im allgemeinen bei diesen Leuten aussehrn? Wir Znaimer Zugs-bcgleiter werden, wenn es sich bewahrheitet, datz die Aussage Stockls falsch ist, einen derartigen Menschen nicht in unserer Mitte dulden und darauf bestehen, datz ihn die wohlverdiente Strafe ereilt Czernowitz. (D i e He izha u s m isere.) Unser Heizhaus bekommt unter dem Personal immer mehr den Namen eines N a r r e n h a u s e s. Infolge der Wirtschaft, die in demselben getrieben wird, geht es im selben auch fast schon so zu, wie in einem Narrenhaus, was auf das Sparsystem, die Tantiemenwirtschaft und auf die Willkür einzelner Vorgesetzter zurückzuführen ist. Dem Heizhaus Czernowitz ist die Beförderung der Güter- und Gülereilzüge nach Jtzkany und Sta-aislau und die der gemischten Züge nach Nowosielitza zugeteilt. Es sind nach Jtzkany, Hadiksalva und Hliboka 7 Zugspaare, nach Stanislau 5 und nach Nowosielitza 6. Dein Schnellzug Nr. 1 mutz des öfteren von Czernowitz nach Hadikfalva eventuell zurück vorgespannt werden. Autzerdem sind täglich noch viele Erforderniszüge z:t führen. Um eine solche Arbeit leisten zu können, sollten entsprechend viele und gute Lokomotiven samt dem erforderlichen Personal stets am Platze sein. Es wird aber bei uns im Heizhaus Czernowitz unökonomisch und oft bis zur Unsinnigkeit gespart, was manchmal in große Verlegenheit und Verzweiflung unseres Heizhausmachthabers endet und oft großen Skandal und Anstände verursacht Daran, daß hier zu wenig Lokomotiven und daß sie alle in schlechtem Zustand sind, hat der Herr Inspektor Schneebaum die Hauptschuld, da er nicht vor dem Eisenüahnministerium bvn Mut ausbringt, um den Herren dort einmal die Wahrheit zu sagen. Es wird alles vortrefflich vertuscht, der Rest der sich nicht vertuschen läßt, wird mit Geldstrafen dem Lokomotiv-pcrsonal auf den Nucken gehängt Der größte Teil der Czerno-witzer Lokomotiven ist in einem verwahrlosten Zustand und dieser Umstand ist auch erklärlich, weil sich die Lokomotiven ständig im Dienst befinden und von einer Hand in die andere wandern. Die Lokomotiven entsprechen hier auch nicht ihren Leistungen, es müssen zum Beispiel Lokomotiven der Serie 60 Vorspann den Schnellzügen leisten u. s. w. Es war die Rede davon, daß nach Czernowitz fünf Lokomotiven der Serie 429 kommen sollten, aber unser Herr Inspektor Schneebaum hat die Aufnahme dieser Lokomotiven abgelehnt, weil, was wir jrfjon lange konstatierten, er in fachlicher Beziehung sehr konservativ ist. Mit den jetzigen Lokomotiven kann der Dienst nur schwer gemacht werden. Die Maschinenmeister trachten den Lokomot.vführer mit den halbdefektcn Lokomotiven außerhalb des Heizhausrayones zu bekommen. Dann soll sich der Lokomotivführer behelfen wie er will. Trägt einer von den Lokomotivführern die nötigen Reparaturen ins Reparaturbuch ein, so bekommt er vom Herrn Inspektor S ch n e e b a u m den Titel: „schlechter Führer" und wird von den Maschinenmeistern N i k o r o w i c z, Zacher und A b r a t o w s k i und dem Werkmeister Aigner mit mürrischer Miene betrachtet und mit schiefem Blick gemessen. Einem jungen Anwärter, der die notwendigen Reparaturen cinschr.ibcn würde, wird die Feuerschaufel unter Sie Nase zum riechen gegeben. Wird aber ins Buch keine Reparatur geschrieben und geschieht etwas auf der Strecke, dann spricht der Herr Inspektor abermals in seinem Urteil aus: ..Sie sind Sei mir kein Fiibrer". Die Schlamperei im Heizhaus Czernowitz geht über alle Grenze». Strafen, Sekkaturei, und Protektionen, ein Durcheinander wie wirklich in einem NarrenhauS. Ein jeder von den Vorgesetzten ist nervös, jeder möchte gerne Strafen verhängen, denun-zieren, an der Existenz der Untergebenen rüi.ein, sich rächen rc. Die Maschinenmeister diktieren und der Inspektor bestätigt. Jüngere Lokomotivführeranwärter fahren auf Befehl des Herrn Schneebaum beim Regulator, ältere bei der Schaufel, trotz des Rangstatus. Niemand kann hier sein Recht finden, weil es so die Heizhauskamarilla will. Der Herr Heizhausinspektor Schneebaum wird obendrein noch manchmal mit bem_ Personal kotzengrob. Maschinenmeister Zacher belegte unlängst Bedienstete mit den gröbsten Schimpsworten und niemand darf ein Wort des Protestes aussprechen, weil auch niemand beim Inspektor Schneebaum Gehör bekommen kann. Mit allen Errungenschaften der Lokomotivführer sieht es im Heizhaus Czernowitz traurig aus. WaS heute bewilligt, wird morgen kassiert, ohne jemanden zu fragen. Die dritte Turnus» grnppe besitzt einen elenden Dienst, die Herren haben etwas zusammeiigebracht. was aller Vernunft spottet und nur in Czernowitz einzuführen möglich war. Das Personal mutz durch einige Tage ununterbrochen mit sehr kleinen Pausen immer im Dienst fein. In der zweiten Turnusgruppe wird durch sieben Nächte, zum Teil unterbrochen, nacheinander gefahren, wobei noch mit mehrstündigen Verspätungen zu rechnen ist. Die Dienstdauer beträgt bis 18 Stunden, das sieht aber niemand. Jetzt wird ein großer Schwindel in Bewegung gesetzt, um Schnellzüge nach Czernowitz zu bekommen. ES war bereits eine Deputation dieser Tage in Wien im Eisenbahnmini-sterium. Wir werden nächstens diese Machinationen schildern. Wenn einer von den Streckenreservelokomotivsührern seine vorgeschriebene Ruhezeit zu Hause beanspruchen will und dem Rufe des Avisärs manchmal kein Gehör schenki, und liebes» mudung meldet, kommt der Herr Inspektor Schneebaum mit den Verdächtigungen: »Ihr vom Westen macht mir immer im Dienst Schwierigkeiten, warum machen mir die hiesigen diese Schwierigkeiten nicht und warum fahren diese immer, so oft man sie avisiert!" Ministcrialverordnungen und Erlässe sind Beim Herrn Inspektor Schneebaum für die Katze, pur er und seine Maschinenmeister sind maßgebend für die Dienst- und Ruhezeiten des Personals. Im Monat Mai 1911 wurde beim Zug 474 von Jtzfant) am Graphikon der zweiten Turnusgruppe folgende Bemerkung stillschweigend hingeschrieben: Ad. Betriebsleitungserlatz Zl. 473/1 IV, ist das Personal dieses Zuges beim Eintreffen im Heizhaus abzulösen. Ausrüstung, respektive Abrüstung erfolgt durch das Bereitschaftspersonal. Das alles ist nur geschrieben geblieben, man kann auch verspätet nach Czernowitz mit diesem Zug kommen, kein Hahn kräht um das Personal. Im Monat Februar, trotz des Beschlusses der Personalkommissioii, wurde der Prämienausweis nicht hinter GlaS gegeben, weil, wie böse Zungen Behaupten, einer der Lokomotivführer zu grotze Prämien hatte und die Herren das andere Personal damit nicht aufregen wollten. Der KohlenmaßausweiS wird nicht genau angegeben, die Zettel werden nicht mit Datum versehen. Wir werden noch aBwarteu, welche Turnusse jetzt ins LeBeii kommen werden, welches Personal zur Zusammenstellung der Turnusse hcrang’zogen werden wird, ob die Stationsreserve eine gründliche Reform erfahren wird, ob die Prämien eine gemeinschaftliche, gruppenweise Berechnung erfechten werben und ob im allgemeinen der Herr Inspektor Schneebaum gewillt sein wird, mit Hilfe des Herrn Baurats Keller die Schlamperei aus dem Czernowitzer Heizhaus wegzuräumen. Dann werden wir wieder das Wort nehmen. Bodenbach. (E i n Schildbürger st ückchen des W e r k st ä 11 e n v o r st a n d e s.) In den letzten Tagen des Monats Februar 1912 kam in der Werkstätte ein Wagen, Serie Ina, mit gerissenem Tragbaum von Triest hier an. Der Leiter der Wagenwerkstätte und der Werkmeister sagten sich nach der Untersuchung, datz dieser Wagen auf alle Fälle der Fabrik zugewiesen werden mutz» und es scheint auch dem Oberhaupt der ganzen Werkstätte und des Heizhauses eine diesbezügliche Meldung gemacht worden zu sein. Kraft seines Amtes und anscheinend mit frisch geöltem Sprechorgan untersuchte dieser den Wagen noch einmal; das Resultat war, datz der Vorstand den Auftrag gab, dieses Gebrechen müsse auf alle Fälle hier behoben werden. Es durften! dem Herrn Vorstand wahrscheinlich die Tantiemen vor den Augen geflimmert haben, weil er von einem Kostenbetrag sprach, über den wir nicht kritisieren wollen. Auftrag ist Austrag; sich mit diesem Herrn auseinanderzusetzen, schien allen zwecklos, weil er ja niemand zu Worte kommen lätzt, und es wurde an die Arbeit gegangen. Jedoch vergebens. Der Tragbaum, welcher gewitz eine Länge von 12 Meter hat, war derart gerissen, daß der Ritz an der oberen Kante 13 Millimeter und am Futze, wo ein ganzes Stück mit herausgerissen war, 110 Millimeter betrug. Diese Arbeit muh in einer Bude, in der erstens kein Platz, dann kein Krahn und überhaupt keine Einrichtung für derartige Arbeiten sich befindet, begonnen werden. 14 Tage muhten die Arbeiter fchiuden, ganz zwecklos, ohne einen Schritt nach vorwärts zu kommen, sondern bloß deshalb, um den Wagen transportfähig zu machen, damit er bis nach Prag in die Fabrik rollen konnte. Wir fragen nun: Was für Arbeit, und zwar nützliche, hatten die Arbeiter, welche an diesem Wagen geschunden haben, fertig gebracht? Dazu dürsten noch dem Herrn Vorstand diese Mehrausgaben die Tantiemen vermindert! Oder werden dieselben vielleicht dadurch erst recht höhere? Um wie vieles wäre es bester, wenn der Herr Vorstand an jenen Wagen so arbeiten lieh, welche Reparaturen bedürfen, die wirklich geleistet werden können. Wir verweise» da hauptsächlich aus jene Reparaturen, deren richtige Ausführung auf deu Verkehr einen grohen Einfluß üben können, und zwar aus die der Kuppeln und Bremsen. Es ist ein Skandal, wie das Wagenmaterial ausschaut, und man wundert sich nur, datz aus der Strecke Klkahn-Bodenbach nicht mehr Unglücksfälle Vorkommen. Die »iuppeln drehen sich nicht, sind aber derart beschmiert, daß die Zugsbegleiter allem anderen nur keinem Kondukteur ähnlich sehen. Die Kleider des Fahrper-sonals werden frühzeitig durch das Herumkriechen unter den BremSwagen ruiniert, weil das Fahrpersonal gezwungen ist, sich in den Zwischenstationen die Bremsen zu übersetzen, wenn aus der regelmäßigen Talfahrt nicht eine TodeLsahrt gemacht werden soll. Hier Herr Allerhand, wäre Arbeit genug, und zwar nützliche, aber nicht solche, deren Inangriffnahme den bekannten Schildbürgerstückchen gleicht. Wien XIII. (Aus dem Heizhaus H>ittel-d o r f.) Die Zustände im Heizhaus Hütteldors nehmen Formen ein, die einer öffentlichen Besprechung dringend bedürfen; zwar führen die Verkehrsmängel des heutigen Winters eine beredte Sprache, doch die Ursachen derselben sind so mannigfaltiger Art, daß eine Klarstellung höchst notwendig erscheint. Völlige Apathie des fachmännisch ausgebildeten Heizhausleiters, nervöse, gedankenlose Sparwut der unter sich konkurrierenden und strebenden Supplenten, gepaart mit Unkenntnis der Details des Dienstes bilden die Signatur der Heizhausleitung. Tie Stadtbahn mit ihrem eigentümlichen Dienst, dem sotwährenden Anfahren uud Anhalten, den stickigen Tunnels, den heißen, geschlossenen Maschine», der Menge von Signalen, der Menge der Vorschriften, betreffs Feuerns, Rauchens, Speisens, die Notwendigkeit des minutiöspräzisen Verkehrs, stellen Anforderungen an das Maschinen-personal, die seit Eröffnung der Stadtbahn, durch relativ geringere Dienstleistung, unterbrochen von ausgiebigen Ruhepausen ihre Berücksichtigung fanden. Welche Erbitterung mutz unter dem Personal entstehen, wenn diese wohlbegründete Erleichterung im Dienst das Sparobjekt all dieser Gewerbe-schuler und Ingenieure bildet, die das Heizhaus als Durchhaus zu höhere» Posten benützten. Durch anderthalb Jahrzehnte tauchen immer neue Aspiranten auf, um immer wieder mit frecher, täppischer Hand die Dienstleistung als Objekt ihrer Sparkunst auszuwählen. Wann tritt hier endlich ein Stillstand in der Ausbeutung ein? Die Herren Singer und A u s p i tz treiben es wohl am ärgsten, da sie aus den letzten Resten noch etwas herausschinden wollen. Während aber das Personal zu immer mörderischeren Touren gezwungen wird, immer mehr um die dienstfreie Zeit betrogen wird, ist in der Leitung etwas Erstaunliches vor sich gegangen. Bestand die Heizhausleitung früher aus einem Oberingenieur, einem Ingenieur einem Gewerbeschüler, einem Werkmeister uud einem Vorarbeiter, so besteht sie jetzt aus zwei Inspektoren, zwei Oberin gerne u r e n, einem Ingenieur, einem Werkmeister und einem Vorarbeiter. Da glauben wir es gern, datz man, um so viele Herren zu erhalten, sparen muh. Datz diese unangebrachte Svarerei beim Fahrpersonal sowie die unrationelle Ausuützuug der vorhandenen Maschinen Verkehrsmängel im Gefolge habe» muh, ist einleuchtend. Der geistige Urheber dieser Mängel, Oberingenieur Singer, tritt nun als ErhebungSkommissär auf und trachtet mit allen Mitteln feine eigene Schuld auf die Bediensteten abzuwälzen. Wie hierbei der Glaube an Gerechtigkeit im Personal zerstört wird, so wird auch die Disziplin und Autorität untergraben. Und wie wird dieser Turnus gemacht? Mit einer einem ungarischen Pferdehändler alle Ehre machenden Ueberredungskunst wird den Vertretern des Personals der mangelhafte Turnus aufgeschwatzt, um kaum unterschrieben, durch eingeschobene Mehrdienstleistunge» überlastet zu werden. Beschwert sich nachträglich das Personal, erhält eS von dem Herrn die höhnische Antwort: „Hättet ihr nicht unter« gerieben." Nun Beispiele. Es ist Winter. Die Kohle im ender zu einem Stück gefroren; sie geht infolge der langen Tour zur Neige. Der Heizer mutz Nach jedem Einfeuerri, das ist auf der Stadtbahn je drei Minuten, in den Tender springen und mit Hammer und Meihel die letzten Reste losmeißeln und ist nicht imstande, nachzukommen. Der Führer fährt und feuert, während der Heizer im Tender weitermeißelt. Der Führer fährt und feuert, ohne die Signale beobachten zu können, bringt sich und seine Fahrgäfie in höchste Gefahr, und warum? Weil ein gedankenloser und unverantwortlicher Mensch Touren zusammengepreßt hat, die selbst bei schönem Wetter nur mit Ueberanstrengnng zu bewältigen sind. Wir empfehlen solche Touren einer löblichen Generalinspektion dringend zum Studium. Der Verkehr, bekannt durch seinen berühmten Vet« kehrskontrollor Segula, der Züge und Maschinen wie in einer Manege durcheinandcrwirbeln, alle Turnusse über den Haufen werfen darf, ohne daß eS jemand wagt, ihm sein Handwerk zu legen, leitet Züge von einer Lokalstrecke auf die andere ein. Tie Reisenden sind an den Fingern abzuzählen, die im ganzen Jahre etwa von Klosterneuburg nach Purkersdorf fahren. Könnten diese paar Personen nicht in Hütteldors aussteigen, am selben Perron fünf Minuten warten, um dann weiterzufahren? Am Hauptzollamt müssen alle Reisenden doch auch umsteigen. Nun, der Herr Verkehrs» konlrollor braucht von der Zugssörderuug nichts zu verstehen ; was tut aber die Heizhausleitung, um ihren an Kohle, Wasser, Leistungsfähigkeit ausgeplüudertcu Maschinen das Bewältigen dieser unmöglichen Touren zu ermöglichen? Statt in Hütteldors auf Geleise 13 eine ausgerüstete Maschine zur Weiterfahrt bereitzuhalten, läßt sie die unausgerüstete Maschine weitcrfahren und erschwert den Dienst noch dadurch, daß sie in der auswärtigen End- und Ausrüstsiatiou den Kohlenarbeiter heimschickt, so datz die Führer und Heizer nach beendeter Tour noch die Dienste des Kohlenarbeiters verrichten müssen. Ein ersparter Kohlenarbeiter und ein schamlos ausgebeutetes Fahrpersvnal einerseits, und zwei Inspektors e tutti quanti anderseits; ist das nicht ein höchst bedenkliches Sparen? Dürften wir als am Staatshaushalt interessierte Staatsbürger nicht verlangen, datz einmal die andere Seite als Sparobjekt ins Auge gefatzt würde? Nun wollen wir an einem Fall beweisen, wie Oberkominissär Singer Mängel erledigt. Trotz aller Bitten und Vor, stellungen ist es dem Personal nicht gelungen, den Turnus-macher, Herrn Oberfomminär Singer, zu einer Fahrt auf der Maschine zu bewegen, damit er aut eigenen Leib fühlt, was es heißt, auf der Stadtbahn nur 100 Kilometer zu fahren, was es heißt, mit leerem Tender, leerem Wasserkasten und vollem Aschenkasten Dienst zu machen, und wie selbst die sogenannten Erholungspausen in den Umkehr-statioitcit beschaffen sind. Es ist gar nicht zu verwundern, wenn der Herr vom Fahren so viel Begriff hat, wie ein deutscher Philisoph vom Kamelreiten im Wüstensand. Alle Mängel, die zum größten Teil seinen miserablen Turnus als Grundursache haben, sucht er mit der Bosheit, Faulheit und Dummheit des Personals zu rechtfertigen. Eine krankhafte Ueberreiztheit und Sierbosität ist die Folge dieser oft heftigen Auftritte, da sich die Opfer deS Turnusses nicht als Schuldige hinstellen lassen wollen. Es ist begreiflich, datz kleine Mängel, die oft der Rede nicht wert sind, durch das provokatorische Auftreten dieses Herrn, der sich sogar erdretstet, dem in langer, Bitterer Lehrzeit erprobten Personal Mangel an_Sachkenntnissen vorzuwerfen, bald zu Delikten deS Personals sichren, die weit über den eigentlichen Mangel reichen. Vor kurzem kam ein Lokomotivführer zu diesem Herrn, um einen kleinen Mangel zu erledigen; das war um J410 Uhr vormittags. Doch der Herr, unwillig über sein gestörtes Zeitunglesen, hietz den Führer, ein andermal zu kommen. Der Führer, ein höchst genauer, ernster Mann, doch leicht erregbarer Natur, war über diese Zumutung empört. Ein Wort gibt das andere und au* bei« Tteincn ManM roirb eine ’fleobe »erleb««*,, be» heiligen Ansehens des Vorgesetzten. Nun kommt _ das Unglaubliche. Der Führer wird vom Dienst suspendiert, wird von Aerzten und Spezialärzten untersucht, Auge und Ohr werden gesund, Jntellett normal befunden. Der Führer mutz 23 Tage unfreiwillig feiern, erleidet dadurch einen Schaden, der einer empjindlidjcu Strafe. gleichkommt, und steht etwa gar noch bot einer Bestrafung. Der ^nervöse, kranke Oberkommissär Singer, dessen angegriffenes Aussehen schon jedem Laien als Krankheitssymptom auffällt, wird nicht untersucht und wird neuerlich auf das Personal losgelassen. Im harten Dienst der Strecke kämpft sich der Mensch brav durch und in der heimtückischen Heizhauskanzlei passiert ihm sein Eisenbahnunglück. Diese Zustände schreien zum Himmel und erfordern eine gründliche Remedur, che das gequälte Personal zur Verzweiflung getrieben wird. Villach. (Staatsbahnhof) Es ist höchst notwendig wieder einmal über die Zustände zu schreiben, welche hier herrschen, damit Herr Hosrat Ostheim, welcher seinerzeit alles in Ordnung fand, sieht, wie sehr die Bediensteten sekkiert und wie sie ungerecht behandelt werden. Herr Sume-tinger, welcher meinte, durch die Versetzung der Genossen H e i tz l und P i r k e r vor dem bösen „Arbeiteroillc' Ruhe zu haben, täuscht sich. Wir werde» nach wie vor mit unserer Kritik nicht zuriickhalten. Es hat sich in Villach (Staatsbahn) ein System eingeschlichen, das ein wahrer Skandal ist; das Personal erfährt eine Behandlung, als wenn in Villach eine Strafstation wäre und lauter Verbrecher dort ihren Sammelpunkt hätten. Ein ganzes Heer von Zuträgern ist in -^atig-keit, denen jederzeit freier Zutritt gestattet ist. Auf Gimnd der Meldungen dieser Leute werden die Strafen bemessen. Die Strafen haben in Villach eine Höhe erreicht, daß man sich unwillkürlich fragt, wo die Aufsichtsbehörde, die Direktion ist. Fällt denn dies derselben nicht auf? Von einer einzigen Station lausen mehr Strafen ein, als vom ganzen Direk-tionsbezirk. Herr Hofrat Ostheim, dem die Sache schriftlich und mündlich mitgeteilt wurde, brachte nur ein negatives Resultat heraus. Warum, laßt sich leicht denken. Däs Personal laßt sich aber diese Behandlung und das Abknöpfen der sauer verdienten Kronen nicht mehr gefallen. Es wird gezwungen fein, nachdem die Staatsbahndirekkion sich nicht traut, Halt zu gebieten, zur Selbsthilfe zu greisen und den beiden Herren S u m e t i n g c r und Fügner den Standpunkt gehörig klar zu machen. Wir glauben, daß der Herr Vorstand, dem ein ganzes Heer von Hilfskräften zur Verfügung steht, doch in der Lage fein müsse, die Station selbst zu leiten und daß er die fortwährenden Belehrungen des Sumetinger gar nicht braucht. Herr Sumetinger sollte einen Dienst zugewiesen erhalten, der ihm die Schikanierung deS Personals unmöglich macht. Der Herr Vorstand soll sich selbst über die Dienstleistung jedes einzelnen überzeugen und danach handeln. ES ist heute unmöglich (uud dies muß sestgehalten werden), mit dem Herrn Vorstand in irgendeiner Angelegenheit zu sprechen; kaum betritt man die Kanzlei, steckt schon der Sumetinger seine Nase herein, und der Herr Vorstand duldet cS, weist ihn nicht zurück und schadet dadurch nur seiner Autorität. Vom Herrn Vorstand Fügner, dem der Ruf eines strengen, aber sehr gerechten Porgesetzten voransgegangen ist, wundert es uns sehr, daß er sich als alter Beamter von einem Sumetiuger beeinflussen lätzt. Welches Ressort Herr Suine-tinger zu besorgen hat, ist uns unsatzbar. In grötzeren Stationen ist der Stellvertreter gleichzeitig Stationskassier, und kn Villach? Da hat er die strenge Ausgabe, den Herrn Vorstand täglich beim Ruudgang durch die Station zu begleiten und zu schauen, ob die Zylinder wohl geputzt sind. Dazu kommt er aber der Staatsbahnverwaltung denn doch zu hoch zu stehen. Mürzzuschlag. (Zum Eisenbahnunfall im Semmeringer H a u p 11 u n n e I.) Am 13. Jänner 1612 wurde an der Strecke Semmering-Mürzzuschlag der leere Maschinenzug 827b avisiert; als solche Verkehren Lokomotiven, wenn der Expreßzug Nr. 14 oder der Schnellzug Nr. 8 eine Vorspann- oder Nachschiebelokomotive von Mürzzuschlag bis Semmering benötigt, jedoch war das letztere am selben Tage nicht der Fall, oder es Kat die Dirigierung zugetroffen, daß die eine oder die andere Vorspann-, respektive Schiebelokomotive aus ErsorderniSrüclsichten nach Gloggnitz weiterfahren mutzte. Es wurde daher der Zug Nr. 827 b zu seiner regelmäßigen Abfahrtszeit vom Semmering mittels Glockenschlagsignal abgesagt. Während dieser Zeit hatten die beiden Bahnwagenführer Vinzenz Perner und Franz Glaser, welche jeder mit einer Partie Arbeiter im Haupttunnel beschäftigt waren, ihre Bahnwagen beim Blockposten Nr. 21 vor dem süglichen Ende des Tunnels aus dem Geleise ausgeworfen, um den Zug 327 b sowie den Postzug Nr. 33. abzuwarten Nachdem nun das Absagesignal für Zug 287b erfolgte und der Zug Nr. 33 um 4 Uhr 25 Minuten den Blockposten passiert hatte, bestand für die beiden Bahnwagenführer keine Gefahr mehr, daher sie ihre Bahnwagen in das Geleise warfen und in den Tunnel entfuhren. Zu bemerken fei hier, daß Zug Nr. 827 b um 3 Uhr 59 Minuten am Semmering feine Abfahrt hat und vor dem Zug Nr. 33 in Mürzzuschlag um 4 Uhr 28 Minuten anlangen sollte, also zu einer Zeit, wo Zug Nr. 33 erst in Steinhaus eintrifft. Infolgedessen konnten die beiden Bahnwagenführer einen Irrtum in der Signcklabgabe nicht, erblicken und galt für sie dieses Absagesignal als zu Recht bestehend. Während der Zeit, in welcher die beiden Züge Nr. 8 und 14 verkehrten, wartete am Semmering der Güterzug Nr. 858. Bei der Borspannlokomotive des Zugs Nr. 858 machte der Lokomotivführer Alois Beit die Wahrnehmung, daß seine Lokomotive für. die Weiterfahrt nach Gloggnitz untauglich sei. Dies meldete Veit dem diensthabenden Verkehrsbeamten, und derselbe veranlaßte, daß die Lokomotive als verspäteter Zug Nr. 827 b nach Mürzzuschlag zurückkehre. Tatsächlich ließ der Beamte diese Lokomotive um 4 Uhr 39 Minuten vom Semmering abfahren, ohne daß eine schriftliche Avisierung durch den Tunnel erfolgt wäre, daher auch die Arbeiter von dem neuerlichen Einleiten dieses Zuges keine Kenntnis haben konnten. In dem Tunnel, in welchem durch den Verkehr der Züge Nr. 8, 14. 33 und 858 ein dichter Rauch angesammelt war, wodurch die Fernsicht für die Arbeiter sowie auch für den Lokomotivführer vollständig verhindert war, ereignete sich noch die unglückliche Situation, daß der Zug Nr. 827 b mit dem von Mürzzuschlag kommenden Güterzug Nr. 825 kreuzte, welcher am Semmering um 4 Uhr 42 Minuten eintrifft. Nachdem es wiederholt vorgekommen ist, daß solche Maschinenfahrten von Semmering nach Mürzzuschlag ohne schriftliche Avisierung e i n g e l e i t e t wurden, ja sogar turnusmäßige Lastzüge von Mürzzuschlag nach Semmering kamen, und als der Lokomotivführer der Schiebelokomotive schon im Begriff war, an die Spitze des Zuges zu fahren, er erst den Befehl erhielt, zurück nach Mürzzuschlag zu fahren, so läßt es sich klar erkennen, was für eine leichtsinnige Manipulation getrieben wird. Die k. k. Generalinspektion möge ein solches Turns- und Dienstverhältnis prüfen, wo der Lokomotivführer, welcher in Mürzzuschlag mit einem Zug abfährt, noch nicht weiß, daß er vom Semmering wiederum retourfahren mutz, anderseits, daß mit einem nächstfolgenden Personen- oder Schnellzug schon eine Lokomotive stärkerer Serie als dirigert im Vorspanndienst nach Gloggnitz fährt. Das ist ein System, welches geeignet erscheint. Leben und Eigentum in Gefahr zu versetzen, daher der Tod des Öberbau-arbeitexs sowie die Verletzung des Partieführers Perner nichts anderes sind als ein Ausfluß dieses verwerflichen Systems, weshalb diese Personen, mit deren Wissen ein solches System praktiziert und gehandhabt wird, einzig und allein verantwort-*’ch sind. Recht sonderbar wandelt cs den Fachmann an, wenn wahrnehmen kann, daß bei diesem Unfall sogar der Block« signaldiener hiefiir verantwortlich gemacht werden soll. Der Mann, welcher seine» Posten nicht verlassen darf, soll für eine Handlung verantwortlich gemacht- werden, welche ihm nicht bekannt ist. Das Gericht wird die Aufgabe haben, den faktisch Schuldigen zu suchen. Krems o. d. Donau. Das hierortige Frachtenmagazin wurde vor zwei Jahren mit einem Magazinbeamten beglückt, der, allem Anschein nach, ein großer Sozialistenfresser werden will. Sein Name lautet Dr. Roman Steinwender. Daß ihm die Sozialdemokraten ein Dorn im Auge sind, beweist die Bevorzugung derjenigen Magazinarbeiter, die dem Reichsbund deutscher Eisenbahner angehören. Seine Ausdrücke beweisen es, mit wem man cs zu tun hat. Als Genosse Brandl, den man direkt aus dem Eisenbahndienst hinausgeekelt hat, feine Abrechnung genommen, hat der Herr Doktor Steinwender in Gegenwart mehrerer Zeugen gesagt: „Der eine Sozi ist draußen und die anderen werden ihm Nachfolgen!" Die Angelegenheit mit Genossen Brandl ist cs wert, etwas detaillierter besprochen zu werden, damit die Genossen wissen, ■ mit welchen Mitteln hier im Magazin gegen Sozialdemokraten gearbeitet wird. Es ist hier einigemale vorgekommen, daß einige geringfügige Diebstähle im Magazin verübt wurden. Genosse Brandl hat einen alten Rock im Magazin hängen, welchen er schon einige Wochen lang nicht am Leibe gehabt hat. Nun in diesem Rock fand der Magazindiener Gaßner einige Orangen,^die angeblich aus einer Kiste heraus* gestohlen wurden. Genosse Brandl, darüber befragt, erklärte der Wahrheit entsprechend, daß er den Rock schon einige Wochen gar nicht benützt habe und daß er sich überhaupt nicht erklären kann, wie die Orangen gerade in feinen Rock hineingekommen sind. Genosse Brandl mutzte mit dem Herrn Doktor Steinwender zum Herrn Bahnbetriebsamtsvorstand, Inspektor Pospichal, welcher ihm diesen Diebstahl vorhielt und den Dienst kündigte. Als Brandl ihm die Wahrheit sagte, fragte er ihn, o£l er wieder arbeiten wolle. Genosse Brandl dankte aber und trat sofort aus dem Dienst der Bahnverwaltung. Nun fragt 'JchS: „Hat Gaßner gesehen, wie Brandl die Orangen in den Rock steckte? Hat Herr Dr. Steinwender, welcher gewiß soviel •^us studiert hat, um eine Untersuchung unparteiisch führen J?nnen’ auch diesen Fall genau untersucht? Mit demselben .«echte, als Gatzner den Brandl des Diebstahls beschuldigte, -nf » ßjptzeren Rechte hätte Brandl dem Gatzner den Vor-nmrr des Diebstahls machen können. Es bleibt immer die Frage 0 ~n: m’C fj'v?0 Gatzner es wissen, datz in dem Rock des Genomen Drandl die gestohlenen Orangen zu finden sind? Konnte nicht gerade er die Orangen hineingesteckt haben? Diese Frage ist allen Beteiligte» zum Studium zu empfehlen. Datz aber der Herr ~r. Stettttoender nicht auf diese Frage gekommen ist! Nun wir empfehlen ihm nachträglich, über diese Frage nachzudenken, vielleicht kommt 5r zu einem besseren Resultat als zur Beschuldigung eines vollständig Schuldlosen. Selbstverständlich mutz ex dabei den Chauvinismus beiseite lassen, sonst trübt ihm dieser den Blick und er wurde nicht der objektive Untersuchungsrichter, sondern nur der nationale Parteimann sein. Herr Dr. Steinwender! Als Vorgesetzter müssen Sie unparteiisch fein und bleiben und zu diesem Behufs empfehlen wir Ihnen den Herrn Inspektor Pospichal als Musterbeispiel der Unparteilichkeit. Amstetten. In der Station Weher an der Enns treibt seit einiger Zeit ein Individuum, welches auf den Namen ^"Wasser hört und seines Zeichens ein Magazinsaus-cieirL ®PieI' welches sich die Zugsbegleiter, die das ^weiseihafte Vergnügen haben, mit genanntem Herrn dienst- lich verkehren zu müssen, nicht länger gefallen lassen können. Kommt zum Beispiel ein Manipulant zur llebemahme, respektive Uebergabe der Verrechnungspapiere über aus- und zuzuladende Güter in die Magazinkanzlei, so brüllt ihn genannter Magazinaufseher an, er habe in der Kanzlei nichts zu suchen; wartet dagegen der Manipulant im Dienstwagen auf genanntem Herrn, so kann er sicher sein, datz dieser Denunziant nicht zu ihm kommt, um im Interesse des Dienstes die Aus- und Zuladung möglichst rasch durchzuführen, sondern daß er stracks zum Diensthabenden und zum Herrn Vorstand läuft, um die ganze Zugspartie zu vcrnadern. Der Herr Vorstand, kommt dann im Sturmschritt herbei, um, ohne sich um den wahren Sachverhalt im mindesten zu erkundigen, über Zugsführer, Manipulanten und Kondukteure ein Donnerwetter niederpraffeln zu lassen und so unsinnige Befehle zu erteilen, daß ihn nicht nur die Zugsbegleiter, sondern auch am Platz beschäftigte Hlzverlader erstaunt ansehen. Ein solcher Fall ereignete sich am 6. März l. I. bei Manipulationsgüterzug Nr. 976. Die Kondukteure hatten bereits sieben Koli aus dein Kurswagen ausgeladen und ins Magazin gebracht, als Kniewasser erschien und zu schreien begann: „Hier wird nichts ausgeladen, wo ist der Manipulant?" Auf die Antwort der Kondukteure, daß er im Dienstwagen auf die Uebergabe warte, schrie er weiter, er brauche in den Dienstwagen nicht zu gehen, und rannte sofort zum Herrn Vorstand. Der Herr Vorstand fiel natürlich gleich über den Zugsführer und Manipulanten her und befahl, daß mit den Kurswagen sofort an den Zug zu fahren fei und daß die Aus- und Zuladung zu unterbleiben habe. Nur dem Pflichtgefühl und der ruhigen Selbstbeherrschung des Manipulanten ist es zu danken, daß dann doch noch die Ausladung bewerkstelligt wurde. Bei dem gleich darauf ankommenden Zug Nr. 976 wiederholte sich fast genau derselbe Vorgang. Als der den Zug Nr. 976 führende Oberkondukteur dem Herrn Vorstand die Meldung erstattete, daß er auch einen Wagen abzustellen habe, machte dieser Herr die geistreiche Bemerkung: „Machen Sie mit dem Wagen was Sie wollen, meinetwegen werfen Sie ihn in den Graben hinunter!" Wie sich eine solche Vorgangsweise mit gewissen Paragraphen der Dienstordnung und anderer Instruktionen zusammenreimen lätzt, das zu begreifen mutz man dem Herrn Stationsvorstand von Weyer und seinem Schützling Kniewasser überlassen. Sollte das hier angeführte nicht genügen, die beiden Herren dahin zu bringen, datz sie den mit Arbeit überbürdeten Zugsbegleitern die redliche Erfüllung ihrer dienstlichen Pflichten nicht unmöglich machen, so können wir noch mit weiterem Material dienen. Wir werden uns in Hinkunft schon tut Interesse des Dienstes gegen eine solche Behandlung mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln zu wehren wissen. Also bitte, Herr Vorstand und auch Herr Kniewasser, recht baldige Besserung, sonst müßten wir uns an dieser Stelle wieder sehen. Selzthal. (Ein Willkürakt.) Das k. k. Bahn-betriebsamt Selzthal hat mit 15. Oktober 1911 den seit zirka zehn Jahren in der hiesigen Station für das Verschubpersonal bestandenen Turnus von der Zeit von 7 Uhr bis 7 Uhr auf die Zeit von 8 Uhr bis 8 Uhr verlegt. Es geschah dies ohne irgendwelche Notwendigkeit und ohne stichhältige Begründung, rein nur aus dem einen Grunde, dem Verschubpersonal die Macht des nur zu bekannten Vorstandes, des Inspektors Koller, fühlen zu lassen. Daß diese Abänderung keineswegs mit dem Dienste im Zusammenhang steht, beweist folgender Umstand: Die Zugsgruvpierung ist sowohl in der Zeit von 7 bis 8 Uhr früh als auch in der Zeit von 7 bis 8 Uhr abends mit geringen Avändmtrtgtii dieselbe wie seit Jahren. Die kleinen Zeitdifferenzen bei den Personenzügen üben ans den Verschubdienst keine Wirkung aus. Mit dieser Turnus-Verlegung ist aber gegen das Verschubpersonal folgender Schlag ausgeführt worden. Es wurde diesem die Möglichkeit genommen, mit den um 'A8 Uhr früh abgehenden Personenzügen nach auswärts zu fahren. Diese Möglichkeit nützten früher die Verschieber zu Einkaufsfahrten in größere Orte, wie Knüelfeld, Leoben oder Linz aus. Nun ist diesem Personal diese Gelegenheit, sich etwas günstiger mit Bedarfsartikeln zu versorgen, benommen. Daraus mag die Rücksichtslosigkeit dieses Willküraktes gegenüber diesen Bediensteten, die man, wie -wir an anderer Stelle ausführen, unter den ungünstigsten Wohnungsverhältnissen leiden läßt, richtig ermessen werden. Wo ist das wiederholt betonte Wohlwollen der höheren Dienststellen, wenn die k. k. Staatsbahndirektion Villach derartige Willkürlichkeiten duldet? Priesen bei Koinotau. Bekanntlich besteht hier eine Ortsgruppe des Reichsbundes deutscher Eisenbahner. Durch verschiedene unrühmliche Vorkommnisse in der letzten Zeit wurden einzelne treudeutsche Mannen dieser merkwürdigen Organisation durch die Hüter des Gesetzes dienstlich — versetzt. Doch derartige Vorkommnisse sind für den Obmann der Ortsgruppe Priesen, Hermann Wagner, Zugsführer bei der B. E. B., ganz schnuppe. Dieser gute Mann hat gegen seine Berufskollegen ein sehr brutales Benehmen, wie man wohl nicht gleich einen zweiten derartigen Kerl treffen wird. Dabei hat Wagner an dem Stationsvorstand und an dem Bahnarzt in Priesen eine große Stütze. Wir wollen uns heute mit diesem zweifelhaften Helden nicht weiter befassen, doch fordern wir den guten Mann auf, gegenüber dem übrigen Personal sich ein besseres Benehmen anzueignen und die rote Garde hübsch in Ruhe zu lassen. Die Manderln vom Reichsbnnd in Priesen haben alle Ursache hübsch ruhig zu sein, denn sonst könnten wir eines Tages mit einigem Material Herausrüden und die noch vom letzten Karambol übriggebliebene Herrlichkeit des Reichslmndes hätte ein schnelles Ende' gesunden. VersammlrmgsberichLe. Selzthal. Sonntag den 10. d. M. sprachen hier die Vorstandsmitglieder der berufsgenossenschaftlichen Unfallversiche-rungsanstalt Genosse W a b i t s ch und Genosse Decker. Genosse Wabitsch besprach in leichtverständlicher Weise die Handhabung des Unfallversicherungsgesetzes sowie er an der Hand drastischer Beispiele die Nichtbeachtung des Gesetzes durch einzelne Dienststellen nachwies. Schließlich schilderte Genosse W a-bitsch noch drastisch das Treiben des seinerzeitigen christlichsozialen Vorstandes. Genosse Decker sprach ausführlich über die Aufgaben der Vorstandsmitglieder. Die Versammlung zollte diesen Ausführungen reichen Beifall. Gmunden. Dte Zahlstelle hielt am '2. März eilte Versammlung ab, in welcher Genosse Erhärt über die Forde-rungen der Eisenbahner einen beifällig aufgenommenen Vortrag hielt. Oderberg. Am 17. März sprachen hier in einer massenhaft besuchten Versammlung die Genossen Müller und Wawrecka über die Forderungen der Eisenbahner. Aus den Organisationen. Leobersdorf. Bei der im März stattgefundenen Generalversammlung der Ortsgruppe Leobersdorf wurden folgende Funktionäre gewählt: Hermann Vinzenz, Leobersdorf, Badnerstratze 24, Robert Häufet und Johann Glas, Stellvertreter; Johann Ziert, Kassier, Heinrich Maras, Leopold Schwarz und Franz W a l d h e r r für Pottenstein, Subkassiere; Julius Steyskal, Schriftführer, Franz Hauben-wallner und Rudolf Wiebauer, Stellvertreter; Leopold Grand! und Theodor Reichel, Kontrolle; Johann Ze-jtt ann, Oberkondukteur, Franz Holzinger, Kondukteur, Ignaz D i r r h, Kondukteur, Alois H o st i e k a, Kondukteur, Josef Schür rer, Lokomotivführer, Johann Kostecka, Verschieber, Josef P fitz er, Verschieber, Johann B anow itz,' Verschieber, Josef Helekalek, Umlader, Matthias Frey-ler, Wagenschreiber, und Josef Propst, Ausschüsse; Steyskal, Zierl, Reichel und Pfitzer, Lokalausschuß. Nach den Wahlen referierte Genosse D u Z e I aus Wien über Zweck und Nutzen der Organisation, über deren Arbeitsleistung und Kämpfe, wofür er riesigen Applaus erntete. Ferner Brachte er einen ausführlichen Bericht betreffs der Hinterbliebenenunter-stützung. Nach einem Appell um massenhaften Beitritt schloß der Obmann die sehr gut besuchte Versammlung. Sämtliche Zuschriften sind an den Obmann zu richten. Kufstein. Bei der am 11. März stattgefundenen ordentlichen Generalversammlung wurden folgende Genossen gewählt: Johann Berger, Obmann, Jakob Wächter und Hans Kieblinger, Stellvertreter; Johann W i p p e l, Schrift« führet, Paul Kohlhofer, Stellvertreter; Leonhard S Lotte r, Kassier, Felix Hager, Stellvertreter; Gustav Hnttac und Rudolf Kreidl, Bibliothekare; Karl Walter und Alios Dedek, Revisoren; Josef Steidl und Johann Sin eh) an« ter, Ausschußmitglieder. Genosse Scheib ein brachte in andertljaltistündtgent Referat die Berichte über die Lohnbewegung bei den 1 k. Staatsbahnen und über die Arbeiterausschuß-sitzung am 6. Feber 1912 Bei der Südbahn, welche mit großem Interesse entgegengenommen wurden. Anschließend daran erläuterte Redner auch den Zweck und Wert der Organisation mit der Aufforderung, daß derselben alle Eisenbahner Beitreten müssen. Obmann Berger machte die Versammelten auf den großen Wert der HinterBliebenenunterstützung aufmerksam, speziell aus den eminenten Vorteil, derselben noch vor dem 81. März 1912 Beizutreten. Anmeldungen hiezu können Bei den Portieren behoben und auch dort wieder abgegeben werden. Alle Zuschriften in Vereinsangelegenheiten sind an Genossen Joh mn Berger, Krankenhausgaffe 14, in Geldangelegenheiten ait Genoffen Leonhard ©tot ter, Krankenhaus-gasse 14, zu richten. Unzmarkt. Bei der am 16. März abgehaltenen Generalversammlung wurden folgende Genossen in den Ausschuh gewählt: Johann Wies er, Obmann; Stefan Stadler, Schriftführer und Kassier; Engelbert Maier, Bibliothekar; Brat ach und \50fef Bücher, Kontrollore; Isidor Gra-dischnig und Quell, Ausschußmitglieder; Brat ach Subkassier für Scheisling, Johann Wieset für St. Georgen und Quell für Thalheim. Alle Zuschriften sind an Johann W i e s e r, Bahnwachter Nr. 216 in St. Georgen a. d. M., zu richten. Bereittsabende werden schriftlich bekanntgegeben. Villach. (K. k. S t a a t s b a h n.) Als Turnusvertrauens-ntänner für das Zugbegleitungspersonal wurden gewählt: Personenzug: Matthias Omann, Oberkondukteur, und Josef Götzenbrugger, Kondukteur; für die Güterzüge: Ehrtsattth Ambros, Oberkondukteur, und Franz Raup, Kondukteur; für die Manipulanten.: Johann G r u B e r, Kondukteur. Hiezu wird bemerkt, datz sich sowohl das Lokopersonal als auch das auswärtige in Turnusangelegenheiten nur an die OBgenannten zu wenden habe. Jngerndorf. (Mitteilungen der Ortsgruppe.! Es diene zur Kenntnis, daß jeden zweiten Dienstag im Monat die regelmäßigen Monatsverfammlungen stattfinden, in denen über wichtige Organisation^ und Tagesfragen beraten wird. Separate Einladungen werden in Hinkunft nicht mehr ausgegeben, deshalb diese Bekanntgabe ein für allemal gilt. Pflicht der Mitglieder ist es, nicht allein an den Monatstier» fantntlungcit, sondern an allen von der Ortsgruppe bekannt-gegebenen Zusammenkünften. Vergnügungen und sonstigen Veranstaltungen, wenn möglich samt Frauen, tetlzunehnteit. Es soll die Bibliothek auch etwas mehr Benützt werden. Die Ausgabe von Büchern erfolgt jeden Mittwoch und Samstag von 8 bis 9 Uhr abends. Mitglieder, welche Rechtsschutz beanspruchen, haben rechtzeitig bei der Ortsgruppeiileitung darum anzusuchen, und zwar gleich nach der protokollarischen Einvernahme. Nicht, lote es häufig vorkommt, erst die Vorladung zur Hauptverhand Iuntt abwarten, weil die Frist dann öfters zu kurz ist, um sich mit dem angewiesenen Vertreter ins Einvernehmen setzen zu können, oder überhaupt einen solchen zu Bekommen. Ferner darf ein Mitglied nicht drei Monate mit den Bettragen tjtt Rückstand sein, wenn dasselbe auf seine erworbenen Mitglieds« rechte nicht verzichten will, ist auch hier Pünktlichkeit 10» erste Gebot. Auch kommt eö mitunter vor, datz Mitglieder, die zur Hinterbtiebenenuntcrstützung zahlen, glauben, es genügt, wenn sie die 50 H. für die Hinterbliebenenunterstutzung zahlen, jedoch mit den Mitgliedsbeiträgen im Rückstand bleiben können. Der Beitrag für die HinterBliebenenunterstützung wird nur unter einem mit den fälligen Monatsbeitrag vom Kassier entgegengenommen. . „ fr- £. Beschwerden. Wünsche, Ansuchen und sonstige Eingaben an die Ortsgruppe haben schriftlich zu erfolgen, und zwar auf reinem Papier, welches nur auf einer Seite deutlich und leicht leserlich zu beschreiben ist- Int Interesse der Ordnung soll man es vermeiden, sich eines rbelietiigen bleibcschrtcbcnen Käsezettels zu bedienen. Ferner sind alle Zuschriften an den Obmann Genossen Alois Burkert, Markusplatz 14, Geldsendungen an den Kassier Genossen Max Achatzy, Josef Wünschstraße 6, zu adressieren. 1 Zieditz. Bei der am 17. März abgehaltenen Generalversammlung wurden folgende Genossen in den Ausschuß gewählt ■ Gustav Winklet. Zahlstellenleiter. Anton Voller. Stellvertreter ; Adalbert Sw 0b0da, Kassier, Karl Schmrdkunz, Stellvertreter; Josef Leicht. Schriftführer Anton Hopf. Stellvertreter; Anton Schrei ter. Bibliothekar; Anton K n e i tz l und Nikolaus Bäcker, Revisoren; Lorenz G a r et« und Ludwig Schmidt. Ausschuhmitglieder; Josef Gare 1 s, Subkassier für die Strecke. _ Nachdem Genosse Joses Kraus ein ausführliches Referat über den Bau des EisenbahnerheimS in Wien hielt, Beschütz die Versammlung, als Gründer dem Verein Eisenbahnerheim mit dem Betrage von 20 Kr. beizutreten. Sämtliche Zuschriften in Vereinsangelegenheiten sind wie bisher an Gv'ab Winkle r, Blocksignildiener in Zieditz, in Geldangelegenheiten an Adalbert Swoboda, Weichen« Wächter in Zieditz, zu senden. Die Monatsversammlung findet jeden ersten Sonntag nach dem 3. jeden Monats in Pleiers Gasthaus in Kloben nachmittags statt, und die Mitglieder werden ersucht, stets zahlreich zu erscheinen. Triest V. Am 13. März tagte die Generalversammlung der Ortsgruppe V Triest, dir sehr gut besucht war. Folgende Genossen wurden in den Ausschuh gewählt: Ignaz Mihevc/ Obmann, Anton Eutic, Stellvertreter; Friedrich Mastnak, Schriftführer, HanS Foitl, Stellvertreter; Matthias Su-pttncic, Kassier, Rudolf 9t e ch I, Stellvertreter; Siegmund Schmalstieg, Liborius Scherzet: und Julius I u-hardt, Kontrolle; Alois Pribil, Alois Bernhardt, Wenzel H r u s ch k a und Franz Hirzen berge r, Ausschüsse. Alle Zuschriften sind zu richten an Genossen Ignaz Mihevc, Via Edrnondo de Arnicis Nr. 2, 3. Stock, Personal» haus. . > Innsbruck (Ortsgruppe IV). Jedes Mitglied bekommt eine auf Kosten der Ortsgruppe angeschaffte Broschur« unentgeltlich ausgefolgt und wird ersucht, diese zu studieren, nicht weiter zu borgen und nicht zu verschenken. An Nichtmitglieder, welche die Broschüre zu lesen oder zu besitzen wünschen, wird sie vom OrtSgruppcnkassier oder den Ausschutzmitgliedern gegen Erlag von 6 H. per Stück abgegeben. Ferner diene den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unsere gemeinsame Eisenbahnerbibliothek im Vcreinslokal Pickl (ehedem Marsoner), Museum st ratze, jeden Mittwoch von 7 bis 8 Uhr abends geöffnet ist. Sie enthält Werke der Klassiker, tonn ältere und neuere deutsche Romanschriftsteller, gute lieber* setzungen fremder Autoren, natur- und fachwisfenschaftliche, Partei- .und gewerkschaftsliterarische, philosophische und Ge-fchichtswerke, so daß jedes Lesebedürfnis auf seine Rechnung kommt. Unser Bibliothekar, Genoffe Engl (£. 58.), geht jedem Bücherentleiher mit Rat und Tat an die Hand, wie er überhaupt die Bücherei mit vollem Verständnis und viel Erfahrung leitet. Die Bibliotheksbenützung ist durchaus unentgeltlich, doch werden Bücher nur gegen Vorweis des Mitgliedsbuches ausgeborgt. Im Mitgliedsbuch ist die Bibliotheksordnung enthalten. Heiligenstadt. Bet der am 2. März stattgefundenen Generalversammlung wurden folgende Genossen gewählt: August Hutterer, Obmann, Anton Jandl und Dominik D r e V o, Stellvertreter; Adolf Kotrba, Kassier, Heinrich R e b s ch, Stellvertreter; Franz Matous, Schriftführer, Adolf Patt e l k a, Stellvertreter; Wilibald Klotz und Johann KoLe-Iuch, Bibliothekare; Genossin Marie Roitz, Subkassierin für Brigittenau; Thomas Nowak und Anton Birnbaum e r, Kontrolle. Zuschriften in Ortsgruppenangelegenheiten sind zu richten an August Hutterer, XIX, Nutzdorferlände 17, in Geldgebarung an Adolf Kotrba, XIX, Boschstrahe 41. Kleinmünche». Am lg. März fand hier die Gründung einer Zahlstelle statt. Genoffe I a k u b e tz aus Linz brachte ein ausgezeichnetes Referat über „Zweck und Nutzen der Organisation". Zur Leitung der Zahlstelle wurden folgende Genossen gewählt: S ch n u t e r, Zahlstellenleiter; Heiß, Kassier; Wasenleber, Schriftführer; Bernecker, Wührer und Steininger, Subkassiere; Karlinger und K e p p- l i n g e r, Kontrolle. Paffau. Am 2. März hielt die hiesige Zahlstelle ihre diesjährige Generalversammlung ab. Genosse Zajcz brachte sämtliche Berichte zur Verlesung und gab bekannt, datz die Kontrolle alles in Ordnung gefunden hat. Hierauf wurde dem scheidenden Ausschutz das Absolutorium erteilt und folgende Genossen neubeziehungsweise wiedergewählt: Josef Fröschl, Zahlstellenleiter, Wenzel Zajcz, Stellvertreter; Johann Schmidt, Kassier, Franz Denk und Fritz Fuchsberger, Stellvertreter; Johann Moser, Schriftführer, Matthias Stöger, Stellvertreter; Johann Obermayer und Matthias Enzl-müller, Kontrolle; Edmund Müller, Ferdinand H a i n z l-mayer und Matthias Mayer, Ausschüsse. Nachdem noch einige Mitglieder ihren Beitritt zur Hinterbliebenenunterstützung angemeldet hatten, wurde die Versammlung geschlossen. Sämtliche Zuschriften sind an Genossen Josef Fröschl, Passau (Bayern), Brunngasse 15, zu senden. Land eck. Am 10. März fand die diesjährige Generalversammlung unserer Ortsgruppe statt. In die Ortsgruppenleitung wurden nachstehende l^nossen gewählt: Alfred Kleck, Obmann, Georg Kirschbichl er und Josef T f ch o m, Stellvertreter; Adolf Tschom, Kassier, Johann Prandauer, Stellvertreter; Johann Sie gl, Schriftführer, Johann Zach, Stellvertreter; Johann Je st er und Oebelsb e rger, Bibliothekare ; Oswald Thurner und Josef Henzinger, Kontrolle; ferner wurden zwei Genossen als Beisitzer und vier Genossen als Subkassiere bestellt. Als Referent war Genoffe Martin R a p o l d i aus Innsbruck erschienen, welcher ein vorzügliches Referat über den Wert und die Bedeutung unserer Organisation erstattete und den Unterschied derselben von den gelben Gewerkschaften in klarer Weise auseinandersetzte. Hierauf wurde beschlossen, jeden Monat zwei Vereinsabende obzu-halten, und zwar jeden dritten Montag im Monat; der zweite wird jeweilig durch Einladungen und in der „Volkszeitung" bekanntgegeben Alle Zuschriften in Vereinsangelegenheiten sind an den Obmann Alfred Kleck, Lokomotivführer, Landeck, Schroffen-steinstratze 12, zu richten. Weiskirchlitz. Sonntag Len 10. März fand die diesjährige Generalversammlung statt. Die Berichte des Obmannes wurden mit grotzem Beifall entgegengenommen. Bei Punkt „Neuwahl" wurden folgende Genossen gewählt: Karl Hennlich, Obmann, Johann I a n d a, Stellvertreter; Karl Hochmann, Schriftführer, Heinrich Kutzer, Stellvertreter; Heinrich Jo-kel, Kassier, Georg Masanz, Stellvertreter; Josef Wrbik und Anton Nesveda, Bibliothekare; Jofef Dietl und Ferdinand Lustig, Kontrolle; Wenzel Lohr, Wenzel Holik, Franz Lieb sch er und Josef Stepan, Ausschußmitglieder; Anton Kühnel, Subkassier für Rosenthal. Weiter diene den Genossen zur Kenntnis, datz für die Station Tcplitz-Waldtor Genoffe Hennlich die Monatsbeiträge entgegennimmt. Alle Zuschriften sind zu richten in Vercinsangelegen-heiten an Karl Hennlich, Blocksignaldiener, Teplitz, Waldtor-Bahnhof Nr. 722, in Geldangelegenheiten an Heinrich Jokel, Weiskirchlitz Nr. 50. Die Genossen wollen zur Kenntnis nehmen, datz im Monat April der Feiertage wegen die Versammlung entfällt. Meidling. Samstag den 2. März l. I. hielt in Otts Gasthaus, XII, Atzmahergasse, die Ortsgruppe Meidling ihre diesjährige Generalversammlung ab. Die gut besuchte Versammlung nahm die erstatteten Berichte mit grotzer Befriedigung zur Kentnis. In die neue Vereinsleitung wurden einstimmig gewählt: Josef Hondl, Obmann, Ferdinand Herzog, Karl Tauber, Stellvertreter; I. Andraschitz, Schriftführer; Michalus, Evidenzführer; Oha ge, Kassier; Philip, Bibliothekar; Schrom, Nejepsa, Pfeffer, Ausschuhmitglieder; Anton Gr einer, Heinrich Engert, Kontrollore. Nach Erledigung der Tagesordnung fand im Anschluß an die Versammlung eine gemütliche Unterhaltung mit humoristischen Vorträgen und Musik statt. Nach der geleisteten schweren Jahresarbeit war diese intime Unterhaltung gewiß auch eine Aufmunterung zur weiteren Arbeit im künftigen Vereinsjahr. Hiemit sei noch ersucht, datz alle Vereinszuschriften an Genossen Obmann Josef Hondl, XII,Eichenstrahe 5, alle Zuschriften in Geldangelegenheiten an den Genossen Kassier Karl O h a g e, XU, Murlingengaffe 59, 1. Stock, Tür 5, zu richten sind. «>»»>!>! L ....... —-...................■im........... I I— — Technisches. Der schnellste deutsche Zug. In früheren Jahren hielt die preußische StaatSbahnstrecke Hamburg-Wittenberge (160 Kilometer in 111 Minuten durchfahren) unbestritten den Schnelligkeitsrekord unter sämtlichen deutschen Bahnstrecken. Die dort erreichte Geschwindigkeit betrug 86-5 Kilometer in der Stunde. Zum 1. Oktober 1906 liefen ihr aber zwei andere deutsche Linien zu gleicher Zeit den Rang ab: die badische Strecke Freiburg-Baven-Oos (103 Kilometer in 71 Minuten) und die preußische Strecke Berlin-Halle (16V7 Kilometer in 110 Minuten); die hier entwickelte Fahrgeschwindigkeit betrug also 87, beziehungsweise 88-2 Kilometerstunden. Nun sind auch diese beiden Schnelligkeitrekorde abermals um ein geringes übertroffen, und zwar von einer bayerischen Strecke, die noch dazu an Länge sämtliche erwähnten Strecken übertrifft. Zum 1. Mai 1911 wurde nämlich der bayerische D-Zug 39 auf der 198'7 Kilometer langen Strecke München-Nürnberg (München ab 8 Uhr 12 Minuten vormittags) zunächst derart beschleunigt, daß er für die genannten 199 Kilometer nur noch 138 Minuten . brauchte, was einer Geschwindigkeit von 86'4 Kilometerstunde entspricht. Er kam damit den beiden Geschwindigkeitsziffern der Strecken Freiburg-Baden-Oos und Berlin-Halle bereits sehr nahe. Zum 1. Juni ist nun aber, infolge Führung eines Vorzuges zum Zug D 39, die Fahrzeit von Vor- und Haupt-zug nochmals um 3 Minuten vermindert worden, so daß sie heute 135 Minuten betragt. 199 Kilometer in 135 Minuten: das kommt einer Stundengeschwindigkeit von nicht weniger als 88'4 Kilometerstunden gleich. Dabei ist die große aufent-hatlos durchfahrene Streckenlänge von Interesse. Es kommt allerdings auch in Betracht, daß ein großer Teil der Strecke, nämlich die 81 Kilometer von München nach Jngoldstabt, in fast _ ununterbrochenem gleichmäßigen Gefäll liegen und daß München in einer Meereshöhe von 250 Meter, dagegen Nürnberg nur in einer solchen von 309 Meter liegt, so daß ein Gefalle von zusammen 211 Metern dem Zuge zustatten kommt. In der umgekehrten Richtung ist. denn auch die Geschwindigkeit entsprechend geringer, da die beiden D-Züge 166 Minuten, also 31 Minuten mehr als auf der Hinfahrt brauchen. Verschiedenes. Unseren ersten Mrnpfern! Was war es, bas das Werk euch wagen ließ, Das Werk, das keinen Ruhm, das keinen Lohn verhies?, War't ihr von tollem Uebermut getragen, Den Kampf ungleicher Kräfte kühn zu wage»; War es die Freude an dem harten Krieg? — Es war der felsenfeste Glaube, der Glanbe an der Menschenrechte Sieg! Wenn Menschenwille, Menschenhand Die Erde zwang ins Eisenbanid, Wenn die Kolosse, die die Feuerfunken f prüft': Um keuchend, hurtig ihre Last zu zieh'n Auf dieser erdenweiten Bahn, Dem Menschengeist sind untertan, Was war' dir da ei» unerreichbar Ziel, O Mensch, wenn deinem Willen zu erringen es gefiel! So dachtet ihr, und Hoffen euer Wagen trug Empor zum Sieg. Der Eisenwille schlug Den felsenstarken Widerstand entzwei Unlb eures StrebenS Bahn ward frei! — Und wir, daS große Heer, wir wollen rastlos walten, Sie immerdar für euer Streben freizuhalten. Literatur A/s einmalige Vorzugsofferte bietet die Erste Wiener Volksbuchhandlung, Wien VI, Gumpendorfersiratze 18, folgende Hauptwerke des Sozialismus und der Sozialpolitik an: 1. Heft: Das Gemeineigentum am Boden. Von Thomas Spence. Uebersetzt von F. v. Eichmann. Mit einer Abhandlung: „Der ältere englische Sozialismus von Thomas Spence" von Georg Adler. Früher 50 Pf., geb. 90 Pf.; jetzt 35 Pf., geb. 70 Pf. 2. Heft: Das Eigentum. Von William Godwrn. Uebersetzt "von Dr. Max Bahrfeldt. Mit einer Abhandlung: „Der englische individualistische Radikalismus im 18. Jahrhundert und William Godwin" von Georg Adler. Früher Mk. 1-50, geb. MI. 1'90; jetzt Mk. 1-10, geb. 1-45. 3. Heft: Das Volksbuch. Von Felieits de Samen-nais. Uebersetzt von Alfred Pactz. Mit einer Abhandlung: „Lamennais und der religiöse Sozialismus des 19. Jahrhunderts" von Georg Adler. Früher 2 Mk., geb. Mk. 2-40; jetzt Mk. 1-50, geb. 1-80. 4. Heft: D i e Wirkungen der Zivilisation auf die Massen. Von Charles Hall. Uebersetzt van B. Ol-denberg. Mit einer Abhandlung: „Mehrwertlehre und Bodenreform in England im 18. Jahrhundert von Charles Hall" von Georg Adler. Früher Mk. 1-80, geb. Mk. 2-20; jetzt Mk. 140. geb. Mk. 1-70. 5. Heft: Di e Nationalökonomie des Saint-Simonismus. Von ProSper Enfantin. Uebersetzt von Dr. Albert Villaret. Mit einer Abhandlung: „Saint-Simon und der Saint-Simonismus" von Georg Adler. Früher Mark 2-20, geb. Mk. 2-60; jetzt Mk. 160, geb. Mk. 1-90. 6. Heft: Fouriers System der Sozialen Reform. Von Viktor Tonsiderant. Uebersetzt von Dr. Hugo Kaatz. Mit einer Abhandlung: „Fourier und der Fourieris-mus" von Georg Adler. Früher Mk. 2-20, geb. Mk. 2-60; jetzt Mk. 1-60, geb. 1-90. 7. Heft: Das Recht auf Grundeigentum. Von William Ogilvie. Uebersetzt von M. Freund. Mit einer Abhandlung: „Bodenreform früherer Zeiten" von Georg Adler. Früher Mk. 2-20, geb. Mk. 2-60; jetzt Mk 1-60, geb. Mk. 1-90. 8. Heft: Vom menschlichen Glück. Von John Gray. Uebersetzt von M. Freund. Mit einer Abhandlung: „Der Englische Sozialismus im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts" von Georg Adler. Früher Mk. 2-20, geb. Mk. Mk. 2'60; jetzt Mk. 1-60, geb. 1-90. 9. Heft: Die revolutionäre Methode. Von Enrico Fern. Uebersetzt von Dr. Robert Michels. Mit einer Abhandlung: „Die Entwicklung der Theorien int modernen Sozialismus Italiens" von Robert Michels. Früher 2 Mk., geb. Mk. 2-40; jetzt Mk. 1-50, geb. Mk. 1-80. 10. Heft: Verteidigung der Arbeit gegen die Ansprüche des Kapitals. Von Thomas Hodgskin. Uebersetzt von Dr. Friedrich Raffel. Mit einer Abhandlung: „Der englische Sozialismus zu Anfang des 19. Jahrhunderts" von Georg Adler. Früher Mk. 1'20, geb. Mk. 160; jetzt 90 Pf.. geb. Mk. 1-20. Eingesendet. (Für diese Rubrik übernimmt Die Redaktion leine Verantwortung.) Zur Warnung! In verschiedenen Orten der Monarchie treibt sich ein Schwindler herum, der unter dem Verwand, Vertreter der Firma Josef Kraus in Rachod zu fein, unbc-fugterweise Aufträge für die Firma entgegennimmt und sich Angaben von 2 bis 16 Kr. leisten läßt, die natürlich unterschlagen werden. Wir werden ersucht, festzustellen, daß die Firma Josef Kraus in Nachod niemals Agenten beschäftigte und daß daher jedermann, der sich als Vertreter oder Agent dieser Firma ausgibt, anzuhalten ist. Ausweis des VereinZs „Wenbahnerheim", Wien. An Spenden für das„Eisenbahnerheim" sind bei uns aus folgenden Orten in der Zeit vom 19. bis 29. März L I. eilige-laufen: Ortsgruppen: Bruck a. d. M. 20 Kr., Mahrisch-Neu-dotf 20 Kr., Ober-Gerfpitz 20 Kr., Ransnitz 20 Kr.. Meran 20 Kr., Aussee 10 Kr., Amstetten 20 Kr., Budigsdorf 20 Kr., Fünfhans 20 Kr., I. K. XIX. 10 Kr., S. Bl. II. 20 Kr., K. Papesch. Hf. 20 Kr., P. Frieser, Bruck a. d. M. 10 Kr., Beran 20 Kr., Brodecky 20 Kr., Suchen- 20 Kr., Bohrn 20 Kr., Taussig 20 Kr., Falta 20 Kr., Holub 20 Kr., Prag, LiSkov, Ortsgruppe Triest IV. 20 Kr., Stauding 20 Kr.. Troppau 20 Kr., Böhmisch-Kamnitz 20 Kr., Spittal a. d. Dr. 20 Kr., Furth i. W. 20 Kr. * Werte Genoffen! Bezüglich der Abrechnung für das „Eisenbahnerheim" bringen wir Ihnen zur Erleichterung der Durchführung folgendes zur gefälligen Kenntnis: Die Ihnen seinerzeit gesendeten Drucksorten, das ist Gründer-, Förderer- und Mitgliedskarten, sowie Mitgliedsund Sammelblocks müssen separat in die Abrechnung eingestellt werden, und sind dieselben detailliert in die Einnahmen- sowie AuSgabenscite im Kassenbuche zu buchen. Alle diesbezüglichen Geldsendnngen ersuchen wir auf separate» Erlagscheinen, welche die Bezeichnung E. B. H. trage», uns zu übermitteln. Im weiteren müssen Sie, werte Genossen, immer für jette Beiträge, die Sie an tut8 abführen, jedesmal den Namen sowie die Kartennummer des betreffenden Käufers oder Mitgliedes verzeichnen und auf dem Erlagschein abgekürzt vermerken; zum Beispiel: 1. Gr. Nr. 212, für Herrn Anton Müller, Linz, 20 Kr. 2. Für. Nr. 326, für Herrn Albert Mayer, und Nr. 4*5, für Herrn Josef Brenner, Linz, 20 Kr. Für Sammelblocks 6 Kr., 16 Mitgliedsbeiträge L 50 Heller — 8 Kr. Die Coupons, welche dem Mitglied übergeben werden, sowie jette, welche an die Zentrale abgeführt werden» müssen ebenfalls die Mitgliedsnummern sowie den Namen des Mitgliedes tragen und können der Gewerkschafts-Conponsendung allmonatlich beigelegt werden, um so dar Postporto hiefür zu ersparen. Die Mitgliedsnummern sind Zentralnummern und finden Sic dieselben schon vorgedrnckt auf den Mitgliedskarten. Die Quittierung geschieht durch die Entstempelung mit der Ortsgruppenftainpiglie sür >das betreffende Halbjahr. Die Vereinsleit ung. Mitteilungen der Zentrale. ZcntralauSfchustsitznnfl vom 20. März 1912. Aufstellung des Programms für die in der Zentrale zu beratenden Angelegenheiten. — Entgegennahme der Berichte über die Durchführung der Lohnregulierung. — Beratung über die Frage des Baues von Personal-Häusern und der Gründung von Baugenossenschaften. Sprechsaal. ©tnlttfcttng zu der am 6. April 1912, 8 Uhr abends, in Herrn Leopold Krijschs Weinhalle, Wien IX, Nserbachstraße 29, stattfinbenden Bahnrichtcrverfammlung. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit der Per fonaffommisfton in der letzten Funktionspsriode. 2. Storni« nierung der Kandidaten für die Neuwahlen in die Personal-kommt]'? ton. Kollegen und Genossen! Wir erwarten, daß ihr zu dieser wichtigen Versammlung alle pünktlich erscheint. Der Einberufe r. Signalmeister in Mähren. Die Kollegen werden hiemit zu der am Sonntag den 7. April 1912 um 12 llhr mittags in Brünn, Zeile Nr. 15, stattfindenden Besprechung höflichst eingeladen. Tagesordnung: 1. Die Forderungen der Signalmeister. 2. Bericht Über das bisherige Resultat der Aktionen sowie über die Stellung der Bahnverwaltung zu den Forderungen. Die Wichtigkeit der Tagesordnung bedingt eine allgemeine Teilnahme der Kollegen an djeser dringenden Besprechung. Mit kollegialem Gruß K. Ernst, Obmann deZ Exekutivkomitee". Bedienstete und Arbeiter der ©iiliofin! mtiglteo vinion ü-cunzer, «eiiqieoet xn x Babenberger straße 120, 2. Stock, zu adressieren. Erklärung. In einem Gespräch mehrerer Blockwächter äußerte sich per Blockwächter Lubtotg Ander! der Haltestelle Schönbrunn der Wiener Stadtbahn, ich hätte die Wächter verkauft und verraten. Da ich den Blockwächter Ander! wiederholt vergeblich aufforderte, die Aeutzerung im „Eisenbahner" zu widerrufen, und da dieser dies bis nun nicht tat, erkläre ich ihn insolange für einen Lügner und Verleumder, info-lange er seine Aeutzerung im „Eisenbahner" nicht widerruft. Josef Sommerfeld, Blocksignaldiener, Mitglied der Personalkommission. Erklärung. Da trotz meiner bereits abgegebenen Erklärung, daß Kollege Cakert kein Recht habe, sich bei seinen Versammlungen auf ein Einverständnis mit meiner Person berufen zu können, mir neuerlich Mitteilungen zukommen, daß dies Kollege Cakert trotzdem tue, erkläre ich von dieser Stelle aus, daß ich weder mit den Ausführungen, die ja meist Angriffe auf die Organisation als auch auf den österreichischen und ungarischen Lokomotivführerverein und Vorwürfe wegen der Haltung der beiden vorerwähnten Vereine in der letzten Lohnbewegung bildeten, noch mit den von denselben vertretenen, unseren Stand voraussichtlich keinesfalls zum Nutzen wohl aber zum Schaden gereicherxden Aufstellungen einverstanden bin und sowohl in Villach als auch in Marburg in meinen Ausführungen gegen die Ausführungen Stellung nahm. DieS zur Kenntnisnahme. Mit Parteigruß Franz RuLiöka. Allgemeiner Rechtsschutz-- und Gewerkschaftsverein für Oesterreich. Ortsgruppe Leoben. Am Mittwoch den 3. April l. I. findet um 8 Uhr abends im Hotel „Lamm" in Leoben eine Versammlung des Verschubpersonals statt, zu welcher Genosse Decker aus Wien als Referent erscheinen wird. Das Berschubpersonal der Stationen Leoben, Bruck, St. Michael, Knittelfeld, Zeltweg, Vordernberg und Selzthal wird im eigenen Interesse ersucht, in Anbetracht der Wichtigkeit dieser Versammlung, zu derselben recht zahlreich zu erscheinen. « r » I"sgruppe WolfSberg. Am 8. April l. I. findet im Hotel «chellander um 3 Uhr nachmittags eine öffentliche Eifert-bahnervcrsanxmlung statt, zu der alle dienstfreien Eisenbahner freundlichst eingeladen werden. Niemand versäume diese günstige Gelegenheit zu benützen. Ortsgruppe Budweis. Die nächste Mitgliederversamm-ung wird am 8. April um 9 Uhr vormittags im Vereins-lokal abgef)alten. Die Monatsversammlungen finden jeden ersten Sonntag un Monat, die Ausschutzsitzungen jeden ersten Dienstag nach dem 15. statt. ., Ortsgruppe Teplitz. Die nächste Monatsversammlung mxt Vorlesung wird am 7. April um 8 Uhr abends im Re-£.."äunVr ^gehalten. Die Kollegen werden «sucht für zahlreichen Besuch zu agitieren. Zuschriften sind m Aosef Schmidt, Zexslergasse 10, in Teplitz zu richten. , 11$ Ortsgruppe Marchegg. Am 5. April findet im Gast- 5 folf ;®erin K- Tensch eine Eisenbahnerversammlung sZJfcb?r Tagesordnung statt: Zweck und Nutzen der Per“ E urck> Arbexterausschüsse. Referent aus Um zahlreiches Erscheinen wird dringendst ersucht. Witolirhsr, *110 Muffccl D-e Mitglieder werden ersucht, ihre 3?r SührelUt * ^-mpelung an den Marienbad^ Den geehrten Mitgliedern wird Eternit aur ÄennintS gebracht, daß am 8. April (Ostermontag) um 2 Uhr nachmittags in Rempers Gasthaus (Bahnhof) unsere wünscht stattfindet. Vollzähliges Erscheinen er» Ortsgruppe Wickwitz. Laut Beschluß der letzten Versammlung findet am 8. April im Vereinslokal ein Eisen-Bahncrfranzchcn statt. Der Reinertrag von diesem Kränzchen *” 5 atS m ?ßr«Umr,®au eines Eisenbahnerheims in Wien gespendet. Die Genosten werden ersucht, sich zahlreich an dieser Veranstaltung zu beteiligen und fleißig zu agitieren. fAenero?^tsgru^ppe Prerau I. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung Nndet am 8. April (Ostermontag, um 6 Uhr abends tm Hotel „Austria" statt. Es ist Pflicht eines leben dienstfreien Mitgliedes, pünktlich zu erscheinen. Die rück-st^d-gen Mitglieder werden ersucht, ihre Mitgliedsbeiträge zu begleichen, um der Rechte nicht verlustig zu werden. Auch ' ~ie ausgeborgten Bücher aus der Bibliothek bis 5. April zuruckzustellen, um eine genaue Kontrolle durchfuhren zu können. y Ortsgruppe Klosterneuburg. Die nächste Mitgliederver-sammlung findet emt 2. April um halb 8 Uhr abends in der Restauration „zur Schießstätte" in Klosterneuburg statt, wo über die Tätigkeit der Arbeiterausschüsse berichtet wird. Re-Wtent aus Wien. nQrf.-.C,r<88r“’,?c» Wiener-Reustabt. Am 31. März um 3 Uhr lui^/,"?6s findet un Arbeiterheim eine Mitgliederversamm-ißertom,' ®,c Kollegen werden ersucht, für den Besuch dieser bringen 8 fleißig zu agitieren und. die Frauen mitzu- am 2. te?ruWe 5lbul6er9V, Monatsversammlung wird GasthaiZ ^um 7 Uhr, abexw« im Bereinslokal (Bellacks fteuNdlichst AZL dienstfreien Kollegen sind , ► vnfrb Siersdorf. Die diesjährige Generalversamm-rung wttb am t. Aprxl um ^4 Uhr nachmittags in der Restau-ratmn C5walb w giei;gb0r£ abgehalten. Die Kollegen werden Referen^aus Wie^^ Versammlung vollzählig zu erscheinen. Inhalt der Nummer 9 vom 20. März 1912. re.-r ^ ^ ^ . ^rkrtellmajorität. Ein Brottrust. Eine Elsenbahnkatastrophe Bet Krakau. Baugenossenschaften und WohnungsfragL. Zur bevorstehenden Lohnregulierung bei den k. k. österreichischen Staa^bahnen. Eine neue brutale Maß. regelung auf der Ausstg-Tep itzer Eisenbahn. Unsere Hintep. bliebenenunterstützung ut Aktion. Bergarbeiterstreiks. Feuilleton: Föhn. Die neue Eisenbahn. , I« L"d: Die Demagogie des Deutschen National-Verbandes. Der Gang zum Grabe der Märzgefallenen. Wie teuer StaatSbahnkinien in Galizien gebaut werden. Separatistischer- Arbeiterverrat. Ausland: Der Streik auf der Jllinois-Zentraleisen. bahn. Die Lokomotivführer der New Doä-, New Haven- und Hartford-Eisenbahngesellschaft fordern Lohnerhöhungen. Unzufriedenheit unter den Eisenbahnern in England. Aus dem Gerichtssaal: Ueberfahren eines Fuhrwerks. Zuerkennung einer Vollrente. Die mit einem Unfall verbundene Todesgefahr ist bei der Rentenbemestüng zu berücksichtigen. Streiflichter: Was ist'S eigentlich mit den Urlauben der Arbeiter? Die Entlohnung des Lokomotivperso» nals bei Verschubdienstleistungen. Eisenbahnhygiene. AuS den Amtsblättern: Zirkulare der Südbahn: 82, Berechnung des Nachzahlungsbeitrages bei Übernahme eines Bediensteten aus dem Pensionsinstitut für Diener in das Pensionsinstitut für Beamte. 83, Anhang zu dem Statut der Personalkommission für Beamte, Unterbeamte und Diener der Zentrale und der österreichischen Linien. 84, Anhang zur Geschäftsordnung der Personalkommission für Beamte, Unterbeamte und Diener der Zentrale und der österreichischen Linien. Korrespondenzen: St. Valentin. Gmünd. Boden-Bach. Gmünd. Innsbruck. Spielfeld. Triest-St. Andrea. Triest. St. Andrea. Triest-St. Andrea. Villach. Lebring. Versammlungsberichte: Jägerndorf. Stratz- walchen. Neulengbach. Görz ü. Hadersdorf am Kamp. Versammlungen der Stationsdiener der Wiener Stadtbahn. Aus den Organisationen: NeuhauS i. B. Wien XVI. Chodau. Lundenburg. Knittelfeld. Innsbruck III. Send. Weipert. Michelob. Kritzendorf. Floridsdorf. Aussig a. E. Oberhollabrunn. Linz a. d. D. Wien-Dobling. Admont. Göding. Znaim. Silin. Letschen. Brünn II. Hormons. Steyr. Marchegg. Feldkirch. Technisches: Selbsttätige Untergrundbahnsignale. Ausweis des Vereines „Eisenbahner-h e i m". Sprechsaal: An sämtliche Mitglieder des Spar- und Borschußvereines der Ce. R. W. B. Erklärung. Mitglieder des Lebensmittelmagazins Linz! Eisenbahner der k. k. Staats-bahndirektion Wien. Adressenänderung. Offene Anfragen: An die Generalinspektion, an die Direktion der Oe. N.-W.-B., an die Staatsbahndirektion Olmütz, an die Verkehrsdirektion der Südbahn, an die Staatsbahndirektion Prag. Allgemeiner Rechtsschutz- und Gewerkschaf t s v e r e i n: Stadlau, Lienz. Neuhaus i. B. ZierSdorf. Komotau. Teschen. Turnau. Bozen. Böhmisch-Leipa. Mürzzuschlag. Pettau. Graz I. Trautenau. Bregenz. Rosenbach. Oberleutensdorf. Briefkasten der Redaktion. An viele Einsender: Nachdem die vorliegende Nummer des „Eisenbahner" als Festnummer gedacht und dementsprechend mit Artikeln versehen ist, konnte eine ganze Anzahl von Einsendungen nicht untergebracht werden. Wir bitten daher um Geduld, bis es uns der Raum wieder allmählich gestattet. I. L. in N.-S. Sie müßten im Dienstwege um Versetzung ansuchen, was aber aller Voraussicht nach ganz erfolglos sein würde, außer daß Sie jemand finden, der auf einen Tausch eingeht, was aber auch nicht wahrscheinlich ist. — Johann Kroll. Wenn Ihre Angaben auf Richtigkeit beruhen, rücken Sie am 1. Juli 1912 auf 1200 Kr. und am 1. Juli 1914 auf 3000 Kr. vor — Veilchenblau. Es ist uns nicht bekannt, von welchen Fabriken die privaten Firmen, die die Uniformen für die i k. Staatsbahnlivdrensteten liefern, das Tuch beziehen. — Rubin. Nachkauf von Jahren kostet doppelte Beiträge und stufenweise zu berechnende 4 Prozent Zinsen (§ 4 des Provisionsstatuts). — P. F. in W. Die Patent-anmeldegebühr beträgt 20 Kr., die erste Jahresgebühr 40 Kr., die beide bei der Patentanmeldung zu erlegen sind. Mittellosen Personen, insbesondere Arbeitern, welche von ihrem Arbeitslohn leben, können diese Gebühren gestundet werden. Auch an und für sich brauchbare Erfindungen haben im Eisenbahnbetrieb wenig Aussicht auf wirkliche Verwendung, da deren Verwendung zumeist ganze Umwälzungen im Eisenbahnbetrieb mit unübersehbaren Kosten verursachen würde (so das mehrfach mehr oder weniger glücklich gelöste Problem der Selbstkuppelung). Es ist auch eine Unmenge von Verbesserungen an Einrichtungen des Eisenbahnwesens patentiert, so daß manche neu auftretende Erfindung lange überholt ist, ohne daß diese alten Patente ausgenützt werden können. Davon, daß für die Verbesserungen auf dem angeführten Gebiet ein Preis ausgesetzt sein soll, ist uns nichts bekannt. Die Verwertung von Patenten ist in der Regel nur durch kapitalskräftige Unternehmungen möglich, die dann wohl auch den größeren Teil eines eventuellen Ertrages einheimsen. — 252. Sie haben in Ihrem gegenwärtigen Gehalt gegenüber dem bestehenden Gehaltschema eine Differenz von 23 Jahren. Denn, wenn Sie am 1. Jänner 1879 mit 900 Kr. angestellt worden wären, so hätten Sie die Gehaltstufe von 1200 Kr., die Sie erst am 1. Jänner 1910 erreicht haben, bereits am 1. Jänner 1887 erreichen müssen. Sie haben daher auf Grund des Härteausgleiches Anspruch auf zwei Kürzungsjahre. Für den Inhalt der In-•erste Übernimmt die Redaktion und Administration keine wie Immer geartete Ver-o e antwortung. o Mer® Für «tn Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion und Administration keine wie Immer geartete Ver-o e Entwertung, e e Im Dienste geht nichts über eine wärmende und anregende Rindsuppe, Eine solche ergibt — nur durch Übergleßen mit V* Liter kochendem Wasser — MÄ6SI' Würfel (fertige Rindsuppe) ä5 t. 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