tnr Kunst, Literatur, Theater n. geselliges Lebet». Nedigirt von Leopold Kordesch. ^ Z.Ä. Freitag am A. Juni Ä83V. Vo» dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich zwei Nummern, jedes Mal ein halher Bogen. Der Preis des Blattes ist in Loiback aanzjnhria 6, halbjährig z sl. Durch die k. t. Post unter «üuuvert mit »oriosre,er Zusendung ganzjährig u, halbjährig 4 st. C, M., und w,rd halbjährig voraus« bezahlt. Alle t. f. Postämter nehmen Pränumeration an. I n L»ih»ch pränumerir! man dem, Verleger am R»»n, Nr. lyo, im ersten Stocke. Spruch ^Vas schlinnnc Gewissen ist ei» Hund, Der heult und hellt zu jeder Stund'; Es ist ein Hohn, der immer kräht, Line Glocke, die lautet früh und spät; Ein Fluß, der immer rauscht und läuft. Eine Orgelpfeife, die immer pfeift; Ei» Fuhrmann, der schnalzt °hn' Unterlaß, Ein Wagen, der knarrt auf jede,» Paß; Ein Puls, der nimmer ruht und weilt. Vis daß die Schuld die Straf' ereilt. Ioh. Nep. Vogl. Menschenleben. Es gleichet einem Stammbuch unser Leben, Wo jeder Tag —ein unbeschrieb'nes Blatt — Die Thaten weiset, ob sie uns erheben. Oh nicht! — die Frucht gleicht immer nur der Saat. Und so steht eommeutarisch unser Walte» In's Lebensdcnkbuch deullich eingetragen; So vor der Welt zum Lesen aufgeschlagen. Zeigt siel, der Mensch in allerlei Gestalten. Wohl uns, wenn keine der beschriebenen Seite» Des Schlechten uns hcanzeigt, und wir frei Von, stich des inner» Wurmes emhcrschreiten! Uns blüht im Alter noch des Lehens Mai. Doch wen» Entehrendes wir frevelnd treiben Und auch Ermahnung nicht zurück uns führt. Bleibt unser Stammbuch ewig unberührt, Und Niemand wird sich in dasselbe schreibe»! — Leopold Kordesch. Der letzte Wurf. Wahre vaterländische Ncgebeuheit aus de,» Jahre l'yz. Von Joseph Buche »ha in. (Forlsetzung.) Der Unfall, welcher den Reisenden an der Strassen-Wendung am Berge begegnete, ward unterdessen durch den Träger nach seiner ganzen Länge und Breite unten in der Wirthsstude erzählt. Die Vermuthung eines hohen Stan­des und eines unermeßlichen Vermögens der beiden Rei­senden und manches Andern, was der Rohsinn des unge­bildeten Landvolkes im Laufe des Gespräches ausbrütete, trieb die neugierigen Leute hinaus vor die Werkstätte des Schmides, dessen Geselle schon unermüdct hämmerte, um den prächtigen Wagen gleich zu besehen, und vielleicht noch was mehreres zu erfahren. Eben ,war auch der Meister selbst in die Schmiede getreten. Er hatte seine schwere Noth mit der Antwort auf all' die vielfältigen Fragen von dem Vorfalle, welcher nach seiner Versicherung diesen zwei Konigen passirte. Was? Konige?— schrien die Hochverwundcrten. Nun, wenn auch nicht Könige, aber doch nicht viel weniger mögen sie scyn! Solchen Neichthum sah ich noch nie, und es thut mir ordentlich leid, daß ich sie nicht über die Zayerbrücke hinüber in das größere Wirthshaus gewiesen habe, sondern hierher zu meiner Gevatterin, wo sie recht unbequem sind. Sähet ihr nicht die grosien, prächtigen Rin­ge, welche die Fremden auf ihren Zeigefingern tragen? Herrgott! so ein Ring muß ja in der Nacht leuchten!—Und dann dieser Wagen, betrachtet nur die Arbeit. Kein an­derer Schmid in Krain, als ich, versteht sich darauf, das sag' ich euch — und dann die Kassctruhe, die mein Ge­selle trug — ich versichere, sie muß voll vom puren, gel­ben Golde gewesen seyn. -— Während das Landvolk den Schmid und den Wa­gen umstand und sich von seinem Erstaunen nicht erholen konnte, war die Trinkstube leer geworden. Zwei Menschen nur lehnten in einem Winkel. Ihr äußerst schlechte? An­zug verriet!) deutlich die mißlichste Lage der Beiden. Die Wirthin, welche mit dem alten Herrn eben den Lieutenant zum Wagen begleitet hatte, bemerkte dieses, verwies sie unwillig, heimlich zwischen den Zähnen „Bettelvolk" und dergl. murmelnd, und begab sich bald darauf, als ihre Gäste gekommen, die Zeche bezahlt und sich fortbegeben hatten, in ihre Schlafkammer. Der Morgen kam, und mit ihm der Schmid mit sei­ner vollendeten Arbeit, mit der er früher fertig geworden, als er gedacht. Vor dem Schenkhause pries er noch den Anwesenden die Vorzüge seiner Arbeit, und ging dann in die Trinkstube, sich für die Mühe der Nacht ein Bischen 42 gütlich zu thun. Der fremde Herr wollte lange nicht her­unterkommen. Es verstrich eine Stunde nach der andern, es ward beinahe Mittag. Der Fremde ließ sich noch im­mer nicht sehen. Dies befremdete und., beunruhigte nicht nur den Schmid und die Hausleute, sondern auch die Wirthin, die schon ehevor zwei Mal vergebens leise an die Thüre geklopft hatte. Man ging jetzt vereint zur Dach­stube und horchte. — Kein Laut. Man pochte leise — lauter — endlich mit Gepolter. Nichts rührte sich. — Da erbrach der Schmid die ohnehin leichte Thür mit Gewalt. -— Welch ein Anblick! — Am Boden ausgestreckt lag der leblose Körper des Fremden. Die Augen, nach Oben ge­hoben, schienen aus den Augenhöhlen gepreßt zu seyn, der Mund war gräßlich verzerrt mit hinaushängender Zunge, und am Halse erblick« man alle Spuren einer gewaltsa­men Erdrosselung. Kleidung, Reisekoffer, selbst der vom Schmid so hoch gepriesene Ring war von der Hand deS Fremden verschwunden. Der Raubmorder schien durch das offene Fenster entflohen zu seyn, woher er auch gekommen seyn mochte, nachdem man dasselbe offen, sonst 'aber keine Spur eines gewaltsamen Einbruches fand. Der Schmid faßte sich zuerst. Er lief eilig die Treppe hinab, packte mit gewalügen Armen die Deichselstange des Wagens, und begann denselben keuchend nach seiner nicht weit entlegenen Wohnung zu ziehen. Die Wirthin, d^e ihm nachgelaufen kam, bemerkte seine Absicht. Auch sie glaubte den Regreß für ihre Rechnung einzig an diesem Wagen suchen zu müssen. 'Sie umklammerte daher mit bei­den Armen die Federn des hintern Wagengestelles und stemmte sich mit den Füssen Fegen die sich vorwärts bewe­gende Kraft — umsonst^ wollte sie ihre Ansprüche nicht fahren lassen, so mußte sie sich zur allgemeinen Belusti­gung der Dorfbewohner bis zur Wohnung des Schmidmei­sters schleppen lassen. Auch hier ging es ihr um kein Haar besser. Der Schmid, ein bekannter Feind deö Wider­spruchs, wollte von de« Ansprüchen und Propositioneu der Wirthin nichts begreifen, und als ihm des Geschnatters und Schimpfens zu viel wurde, schickte er sich an, die Klagende mit einer glühenden Eisenstange hinauszutreiben, welches sie denn doch nicht abwarten wollte, daher schel­tend fortging. Unterdessen war die entsetzliche That ruchbar gewor­den. Das ganze Dorf lief zusammen. Man staunte, arg­wohnte, erschöpfte sich in vergeblichen Muthmaßungen über den Thciter -»- umsonst. Das nahgelegeue Ortsgerichc Go'rtschach, davon auisirt, gab sich mit der Invigilirung des Ruchlosen alle Mühe, aber er war und blieb ver­schwunden. Der Fall wurde nach Laibach angezeigt und der Unglückliche zur Erde bestattet. Nach ein Paar Ta­gen kam der junge Offizier mit blutendem Herzen an, be­zahlte alle Rechnungen und schied mit einer Empfindung, die ich einer geübtem Feder zur Schilderung überlasse, von einem Orte, wo er sein Alles verlor. Sechs Jahre nach diesem Vorfall hatte ein Haupt­mann vom Regimcnte Thur n zu Laibach eines Morgens Coinpagüie-Napport abgehalten. Der dienstthucnde Unter­offizier, ein junger, brünetter Mann , im Helm, mit dem langen, eingepuderten Haarzopfund den Ungeheuern, über die Kniee gehenden,, Kamaschen, trat ein, um noch ctw,as zu rapportiren. Der Hauptmann maß ihn mir strengem Blick von der Ferse bis zur Scheitel, schien mit der net­ten Adjustirung desselben zufrieden, und bemerkte beim Sa­lutiren einen blitzenden Ring an der Hand des Soldaten. Sieh da! er gibt es ja sehr hoch! bemerkte der- Kom­mandant mit einem Blicke auf die Hand des Unteroffiziers, die dieser unwillkührlich zu verstecken suchte Eine Kleinigkeit, Herr Hauptmann! Es ist das Geschenk meines Vaters, zur Erinnerung an den Tag meiner Assen­tirung zum Regimente, stotterte der Sprecher. Ein Geschenk seines Vaters? ei, ei! dabei faßte der Hauptmann den Ring recht in's Auge. Ja ! es ist, wie ich sagte. Trägt der Ring in der inner« Platte nicht, eine Kro-, ne, und unter derselben im Querfelde einen fliegenden Geier? quästionirte im scharfen Tone der Vorgesetzte. Der Angeredete zog den Ring vom Finger und wollte ihn dem Hauptmann übergeben. Antwort will ich! schrie dieser, den Ring zurückwei­send. Ich glaube, es ist so! zitterte es von den Lippen des Unteroffiziers. Er glaubt es nur? — Wer ist sein Vater, was und wo ist er? Er ist mit wir zugleich Soldat und' Zimmermann bei der *ten Compagnie. Gut! lege er nur ab bis auf weiter« Befehl. Der Hauptmann rief den Feldwebel aus dem Neben­zimmer, befahl ihm, dem Korporal die Armatur abzuneh-' men, und den Profoßen mit Wache herbeizuholen. Bald darauf trat dieser mit drei Mann Wache ein. Der Haupt« mann befahl dem Staunenden, seinen Arrestanten in stren­gen Gewahrsam, zuvor aber dessen Ring und sonstige Ef­fekten in Empfang zu nehmen und ja Sorge zu tragen, daß Niemand mit dem Gefangenen in Berührung komme. Zu gleicher Zeit erging ein Aviso an die *te Compagnie, den alten Zimmermann gefangen zu nehmen. Es waren dies zwei Menschen, die, wie man sich erinnerte, vor ein Paar Jahren zum vaterländischen Regimente sich freiwil­lig engagirten. Sie lebten gegen Jedermann verschlossen, und vermieden alle Kameradschaft; übrigens waren sie pünktlich in ihrem Dienst und standen in keinerlei Ver­dacht; daher ihre Gefangennehmung beim Regimente auch lein geringes Erstaunen erregte. (Beschluß folgt.) Sell. Erzählung von Franz Wilh. von Tlbeühutner. (Fortsttzung.) II. Am Eingänge des Ortes stand ein Bräuhaus, und unter zwei Ungeheuern Linden vor demselben befanden sich 43 einige grün angestrichene Tische und Stühle, welche bewie­sen, daß der Brauer auch das Schankrecht ausübe. I n der That saß ein kleiner, runder Herr, in einem leichten Sommerrock gekleidet und mit einem ungewöhnlich großen Strohhut bedeckt, bei einem dieser Tische, während Glas und Flasche vor ihm standen, er selbst aber aus einer lan­gen Türkenpfeife den Rauch in dicken Wolken gcmüthlich vor sich hinblies. Ich habe es in der Fremde nie leiden mögen, den Einsamen, Abgesonderten zu spielen, und.wenn meine Landsleute auch nicht durchgängig für sehr gesellige Reisende bekannt sind, ist dies gewiß nicht meine und de­rer Schuld, welche denken wie ich: im freien Felde singen die Lerchen, warum sollen die Menschen, welche auch eine Stimme haben, dort nicht ebenfalls singen dürfen? Ich n.ahm an demselben Tische Platz, bei welchem der kleine Runde saß, und es schien, daß diese Aufmerksam­keit ihm Vergnügen mache, da er, ohne meine Einleitung abzuwarten, gleich selbst mich ansprach. Die Unterhaltung drehte sich anfangs, wie gewohnlich, um das Wetter, um den Ort des Herkommens und die von dort mitgebrachten Neuigkeiten. Dann sagte mir der Kleine, er sey der Guts­herr, der Baron v. St."^ , habe ungemein lange Weile, weil sich hier und in der Nähe für ihn durchaus kein Um­gang finde, das Vergnügen der Jagd ihn nicht mehr an­spreche — er war zu dick dafür geworden — und daß er doch für den Augenblick auf dem Gute sich aufhalten müsse, weil Baulichkeiten, die er selbst leite, seine Gegenwart fordern, diese jedoch nicht so umfangreich wären, seine Zeit vollkommen auszufüllen, und — da es ihm Freude mache, wieder einmal einen Fremden um sich zu sehen, er die an­gelegentliche Bitte an mich habe, wenigstens heute ihm meine Gegenwart zu gönnen. Ich hatte gegen den Vorschlag nichts einzuwenden, und, bald befanden wir uns auf dem Wege nach dem Schlosse. Neugierig, zu erfahren, wer mein Wegweiser gewe­ sen, beschrieb ich dem Baron denselben, und fragte um seine Verhältnisse. Das ist ein Mensch, erwiedcrte der Baron, von dem man eigentlich am besten thut, wenn man gar nicht von ihm spricht. Der Teufel mag zwar aus ihm klug werden, aber sein äußerer, bezaubernder Anstrich täuscht, und jeden­ falls ist wenig an ihm, sonst lebte er in andern Verhält­ nissen. Er war öffentlicher Beamte, quittirte oder mußte wahrscheinlich quittiren, kam Hieher und taufte sich den kleinen Freihof da drüben und lebt hier, obgleich seine Frau, die aber eben so wenig taugt wie er, und ihn pro­ stituirt haben soll, bei ihm ist, in vertrauten Verhältnissen mit einer dritten Person, welche, wie man wissen will, wo sie her ist, auch nicht den besten Ruf gehabt hat. I m Anfange, da er Hieher kam, und so lange seine Verhält­ nisse nicht bekannt waren, haben wir uns öfter gesehen, auch der Amtmann und selbst der Pfarrer hielten Umgang mit ihm, denn er ist nicht ohne Bildung, und versteht es, für sich einzunehmen; aber als man seine Verhältnisse durch, zusehen begann, zogen wir natürlich Alle uns von ihm zu­ rück, und er weicht uns nun auch aus, weil ihn das Ge­wissen zu drücken scheint, und geht nicht einmal in den Markt, sondern eine Stunde weit von hier in die Kirche, wenn dies noch wahr ist, denn man will wissen, daß er nicht einmal Religion habe und an etwas glaube. Ich denke, Sel l ist sein Name; weiteres, als was ich gesagt habe, weiß ich nichts von ihm und kümmere mich auch nicht um ihn, da er mir, wie allen anderen vollkommen gleichgültig seyn kann. Ich hatte mir den Mann anders gedacht, als ich ihn beschreiben hörte — indes; ,hier mußte man ihn besser ken­nen und richtiger zu beurthcilen vermögen, als ich dies konnte aus einer Bekanntschaft von wenigen Minuten. Der Baron war Witwer, seine einzige Tochter in einer Pension, und so lebte er denn wirklich ohne eine ihm zusagende Umgebung. Der Pastor und der Gerichts­haltcr waren zwar tägliche Gäste auf dem Schloße, so lange sich der Baron auf dem Gute befand, und auch heute fan­den wir sie, da es eben Mittag war, dort bereits vor, aber, wie ich auf den ersten Blick weg hatte, konnten beide dem Baron zu nichts dienen, als daß er nur eben nicht allein zu Tische saß. Der Geistliche war ein stiller, sanf­ter Greis, dessen Gegenwart indes; den sich gerne etwas frei bewegenden Baron mehr zu drücken als zu erheben schien, und der Gerichtshalter—ein langer, hagerer Mann mit schwarzen, stechenden Augen, welche er hinter eine schwarzgefaßte Brille verbarg, die auf einer Adlernase saß, den Mund endlich zu einem ewigen, sardonischen Lächeln verzogen — schien nur da zu seyn, um als scharfer Gegen­satz zu dem milden Ernste zu dienen, welcher auf dem Ge­sichte des Pfarrers thronte, und um der lebensfrohen Gutmü­thigkeit, welche in dem Baron sich aussprach, in dem eige­nen Antlitze die beißendste Ironie entgegen zu stellen. .Zu­dem hatte der Mensch seine Gesichtsmuskcln auf eine Weise in der Macht, daß — wäre er Schauspieler geworden, Demschland nicht mehr Ursache gehabt haben würde, Eng­land um den Ruhm seines Garri t zu beneiden. Ehe wir noch zu Tische gingen, machte der Baron mich auf die wirklich schöne Aussicht aufmerksam, welche vom Balkon des Schlosses sich darbot, und der Pfarrer, wie der Gerichtshalter waren uns eben an die Seite getreten, als ich in einiger Entfernung vom Schloße meinen Weg­weiser von heute einem kleinen, isolirten Gehöfte zuschrei­ten sah. Der Baron hatte ihn ebenfalls bemerkt, und sagte auf ihn zeigend: »SehiN Sie, dies ist er, von dem wir gesprochen haben, und welchem, wie ich aus ihrer Be­schreibung vermuche, Sie dorr im Walde begegnet sind. Als ich dies bejahet hatte, wandte der Schloßherr sich an die beiden Andern und forderte von ihnen die Bestätigung dessen, was er von Sel l gesagt hatte. Der Geistliche antwortete nicht, er sah blos mit dem unverkennbaren Aus­drucke tiefer und klagender Wehmuth nach dem Bezeichne­ten hin, der Gerichtshalter aber deutete seine Zustimmung mit Worten und Geberden an, und wir verließen, noch ehe Sel l seinen Hof erreicht hatte, den Balkon. Der trübe Blick des Greises, nichi die Erzählung des 44 Barons und deren Bestätigung durch den Gerichtshalter vermochte auch mich, den Glauben an den sonderbareil Fremden aufzugeben. (Forlsetzung folgt.) Preiscourant für Mauuscript-Verbesserun­gen. (Ulli dem Aufmerksamen.) Sehr willkommen dürfte den Iournal-Redactoren ein Preiscourant für die Mühe seyn, welche sie bisweilen mit dem Corrigiren und Umgestalten eingesendeter Beiträge vergeuden müssen. Wer nie Nedacteur gewesen, kann kei­ne Ahnung von dem Gefühl haben, welches den Rothstift durchströmt, wenn er bisweilen zwei Stunden lang in dem verwachsenen Dickicht herumgefegt, und endlich zu einer freien Aussicht kommt — aber zur Aussicht, das; mit dem durchgejäteten Artikel doch kein Ruhm zu gewinnen seyn wird. Kinder senden jetzt Beiträge an die Nedactionen ein mit der Birie um ein Honorar von 10 Thalern für den Druckbogen. Aus folgendem Preiocouranr mögen sie er­sehen , dasi sie eigentlich noch den Redactionen für die Durchsicht jedes Schreibbogens 10 Thaler Honarar schul­dig sind. Allgemeiner Prei s - Courant: i) Für Verbesserung eines orthographischen Fehlers — 1 Gr. (I n zwei Jahren muß jeder Redacteur ein kleiner Crösus seyn.) — 2) Für Verbesserung eines grammatikalischen — 4 Gr. (Dabei sind sehr gute Geschäfte zu machen, nament­lich in Beiträgen, welche aus dem Deutsch-Oriente kom­men.) — 3) Ausmerzung eines Unreinen Reimes — 2 Gr. (Darin empfiehlt sich die schwäbische Dichterschule.) — 4) Motivirung der Catastrophe in einer Tendenz- Novelle (schweres Stück Arbeit) — 1 Thaler. — 3) Ausbesserung der Charakter-Verzeichnung einer Geliebten (sehr undank­bar.) — i Thlr. 8 Gr. — 6) Veredlung des Charakters eines Liebhabers (dabei bekommt oft die Novelle eine ganz andere Phisiognomie, als dieselbe sich der Verfasser entworfen) — 2 Thlr. 20 Gr. — 7) Ausrottung einer langweiligen Tante aus einem Lcbensbilde, (sehr ledernes Geschäft für den Nedacteur) — 3 Thlr. 2 Gr. allein; — mit einigen S ch o osih unde n — 3 Thlr. 12 Gr. — 8) Herbeischaffung einer mystischen, im geisterhaften Helldunkel schwebenden Figur in einer historischen Novelle — i Thlr. (Durch den starken Gebrauch schon sehr sel­ten geworoene Waare.) — 8) Etwas Linderung des Welt­schmerzes — 3 Louisd'or pr. Schreibbogcn. (Sehr ge­wagt für den Redacteur, weil nach der Durchsicht solcher Artikel gewöhnlich ein gefährlicher Kinnbacken - Krampf vom häusigen Gähnen eintritt.) Und so in's Unendliche forc. — Bei Uebersendungen nur einigermaßen erträglicher Handschrift sind einige Procente nachzulassen. Zu geneig­ten Aufträgen empfiehlt sich jede lebende Redaction. Theatralisches Gnckkastcnbild aus Prag . Von Eberhard' Arnold Jonas. Dies Nildniß ist bezaubernd schön, Wie ich kein ähnliches gcseh'n. Baubcrflöte. Es liegt in der Natur eines Theaters, daß daranf Opern, Dra­men, Lustspiele, Posse,, >,„d die in unserer Zeit beliebt gewordenen Glieder« verrenkungs-Lrercitien abwechseln, daher man sich auch gefaßt machen muß, das Hohe und Niedrige im Gebiete der dramatischen Kunst zu sehen. Den,. Bau e r von, Dresdner Hoftheoler, eine ausgezeichnete Künstlerin, gab hier mehrere Gastrollen, bei welchen die Kritlk etwas gcthcilt seyn muß. Vor einigen Ir,hren bewunderten wir sie in naiven Rollen, und damals rivali­ sirte sie mit Mad. Binder , welche in derlei Parthien unübertrefflich ist. Wir waren sehr erstaunt, als sie das Rcpertoir für »Johanna von Orleans« und »Maria Stuart« ankündigte. Ein hiesiger Referent sagt: »Ich habe viele Stnart's gesehen, aber eine schönere nie.« Diese Rollen zeigten vom Slndium, von. Streben, den Geist des Stückes und nicht das bloße Wort wieder zu geben, aber sie sagten der Individualität der Darstellerin nicht zn; denn bei der tragischen Begeisterung ist auch eine starke, mctoll­reiche Stimme nöthig, und es reicht die melodische Sprache nicht hin, welche uns im Convcrsotionsfachc cutzückt; kurz, Dlle. Baue r konnte nicht so vollkommen entsprechen, als es der Fall in den später» Rellen war. Mit Donna Elena in »Rubens in Madrid« machte sie den Uebergang zn jenen Parthien, in welchen sie eine bewnndcrungswerthe Anmuth entwickelt, und auch künstlerischen Anforderungen entspricht. Als Hedwig im »Voll zu El­lcrbrunn« gewann sie alle Stimmen für sich. Ich habe keine bessere Hedwig, jn selbst auch keine schönere gesehen. I n »Jelva«, diesem alten und gute,, Stücke trat sie in der Titelrolle auf. Wer in Prag Mad. Binde r darin nicht gesehen hat, dem durfte unsere Gastdarstcllcrin genügen. — Frau von Lucy in: «Die junge Pothc« und »die Schwäbin« waren zwei Rollen, in welchen Dlle. Bauer brillantirte. Letzteres Stück und ein aus der fran­zösischen Dranienfabrit Hieher verpflanztes: »das grüne Portefeuille« das aber nicht viel taugt, brachte sie zu ihrer Nenesice, und »ahn, dann in den »Hagestolzen« leider zu früh von uns Abschied. »Wie viel der Musen?« Ich glaube, um eine mehr, als früher, und zwar für die Posse; dieser große Spruch ist in einer großen Possenfte­nenmosait unter dem Titel: »Die Posse vor Gericht« zun» Northeile unsers wackern Komikers Fe ist man tcl , gemacht worden. Nein, Apollo ist die Posse Verklagt von der Tragödie und dem feinen Lustspiele, daß sie frech beide Verdränge; Apoll«, als ein gnädiger Pap« bei dergleichen Sachen, citirt die Posse/ gibt ihr zugleich den Befehl, einige Proben ilires Ltrcbens abzu­legen, und entschließt sich dann gnädigst, sie nebe» den andern Produkten der dramatischen Muse zu dulden. Nnn, glaube ich, werden die andern ge­gen diese Consanguinität appellircn, und somit müssen wir nächstens eine' »eile Muse für die Posse von Apollo verschreiben. Herr Wollncr , Komiker vom Ioscphstädtcr Theater aus Wien und Copist Rai m u u d s, ist hier eingetroffen, und läßt viel von sich erwar­ten , da aber sein erstes Auftreten dnrch Unpäßlichkeit verhindert wurde, so tan» ich erst später über ihnreferiren. Endlich noch etwas von sehr wich­tiger Art: Unlängst las man auf allen Straßenecken: Herr Direktor Avc­rin o wird mit seiner Gesellschaft, die in Wien durch 4? Vorstellungen aus­serodcntlich gefallen hat, im S.iltanzc und akrobatischen Künsten eine aus­serordentliche Vorstellung geben — er ist gekrönt mit den Ehrcnmedaillcn von Ron,, Florenz und Genua -c. Man will behaupten, daß diese Gesell­schaft in Gliederverrenkungcn, halsbrecherischen und anderen Hebungen Klischnig, Lawrence und Redisha und die Beduinen weit zurück­lasse. I n Gottes Namen! wenn es wahr ist, sollen Sic davon h-orcn. Krain's Flora Mitgcthcilt von Andreas Fleisch»! an». Von den vorzüglichsten Gewächsen des k. k. botanischen Gartens zu Laibach sind bis zun, ?. Juni folgende zur Blüte gekommen: ^elllionema 5<>XAt!Ie, Fellen-Steintäschel.—HcKUIe» <2Iav°nn,',e, clavcnisches Achillenkraut. — ^.indiü L!«l>rH, kahles Gänsekraut. — ^r,»o­i>« alpin,-,, Alpen-Meergrasnelte. — ^5r>ari,Fu« »kNcinuliz, gebräuchlicher Sparael. — ^Vzp, lenuit'nliuü, dünnblnttriger Spargel. — «Dunv^llaria verticillata, quirlblätlrige Weißwurz. — <^li3U3 Labuillni,,, Bohnen­baum. — l^t. nininuz, Alpen-Bohnenbaum. — Orittae^uz nx^acanln, Weißdorn. — s!rnt. »inno^n» , einsammiacr Weißdorn. — U!plnt>>x>!> »luruliü, Mauer-Doppclsamme. — Ilorniinum p/renüicum, Drachcn­manl. — (5er:>c^un! incilruatum, fleischfarbiges Sperberkraut. — Hex n^uikuUu,!',, Stechpalme, — l^azerpitium 8i!er, roßlümmclartiges Laser-kraut, — l.oni, siielumfasscnde Kresse.— l,ilium c:lrriiuli<:u,n, trainische Lilie. — lVlelilti^ Nüli25<>r>t>/l­1un>, mclissenblältr. Immcblatt. — lVInlüpuZnermu,» i'irutKriu,», farren« blättriger Striemensame. — ?aüä<-rutll ^erii> , gelbe Päderute. — lio^a nlpin», AIpenr»se.—?li/t<-u,ul> l>etuni<:i>etc,!iu,!i, bctonienblättr. Rapun­zel,— ll:>nunculu5 inunwnuZ, Gebiras-Haonenfuß,— 8:>xilr,,^a Hi^uon, traubenb ütigcr Steinbrech. — 'lk^muz nlriinuZ, Alpenquendel. — Volo­riünell» iuc