Franko pauschaliert. Nr. 15. Erscheint am 1., 10. und 20. eines jeden Monates. 2. (17.) Zahrg. Bezugspreise: für Jugoslawien: ganzjährig 20 K, halbjährig 10 K. für Österreich: ganzjährig 26 li, halbjährig 13 K. für Amerika: 2 50 Doll. — Einzelne Nummern 70 b. Die Ouertreibereien des „Genojsen- jchasters" in Gottschee. Wir sind keine Freunde von Zank und Streit, wir lieben den Frieden, allein auch die Friedens¬ liebe hat ihre Grenzen; es können Umstände ein- treteu, wo Schweigen als Mutlosigkeit oder Bei¬ stimmung gedeutet werden könnte. In dieser Lage befinden wir uns gegenwärtig gegenüber dem zu Anfang März l. I. in Gvtlschce ins Leben ge¬ rufenen Wochenblatte „Der Genossenschafter". Dieses Blatt gibt sich nicht als ruhiges, sach¬ liches Fachblatt, wie es früher der „Landwirt" gewesen war, sondern nimmt eine stänkerhafte, hetzerische Haltung ein, so daß es hiedurch in allen ruhig und anständig denkenden Kreisen Un¬ willen und Entrüstung hervorgerufen hat. Wenn wir trotzdem mehrere Wochen lang zu diesem Treiben schwiegen, geschah dies einesteils deshalb, weil wir glaubten, es werde das Blatt selbst soviel Schickiichkeitsgefühl ausbringeu, daß es von seiner Schreibweise ablassen würde, und weil wir andererseits auch befürchteten, es könnte eine offene scharfe Fehde zwischen zwei heimischen deutschen Blättern der Sache unserer Heimat und unseres Volkstums zum Schaden gereichen. Nun aber hat uns die direkte Herausforderung dieses Blattes und die Stimme des Volkes dazu ge¬ drängt, aus unserer Reserve hcrauszutreten. Wir wurden von mehreren Seiten aufgefordert, unserer journalistischen Pflicht nachzukommen, da ein weiteres Stillschweigen unsererseits Mißdeutung erführe. Ohne vorerst auf Einzelheiten emzugehen, haben wir in den letzten zivei Folgen unseres Blattes zunächst entschiedene Verwahrung einge¬ legt gegen den rüden, verletzenden Ton, den der „Genossenschafter" vielfach angeschlagen hat. Es steht ja gewiß jedermann frei, Kritik zu üben, aber diese soll sich unter Gebildeten in den Formen des Anstandes halten und uns Deutsche, die wir uns ohnehin in einer so schwierigen Lage be¬ finden, im Lande nicht öffentlich bloßstellen. Heute nun wollen wir der Haltung des „Ge¬ nossenschafters" inhaltlich näher treten und sie beleuchten. Dabei kommt vor allem die gegenwärtig wichtigste und brennendste Angelegenheit in Be¬ tracht, nämlich die Stellungnahme zu der revo¬ lutionären kommunistischen Bewegung. Infolge der monatelang betriebenen Wühlereien von sozialdemo¬ kratisch-kommunistischer Seite war die Sache in Gottschee schließlich so weit gekommen, daß an¬ läßlich des letzten Arbeiterstreiks bereits das Ärgste zu befürchten war. Erwarteten ja doch die Streikenden sogar die tätig- Mithilfe ge¬ wisser irregeleiteter Bauern und es wäre zweifellos zu Gewalttaten gekommen, wenn nicht im letzten Augenblick Militär hier eingetroffen wäre. Ver¬ geblich hatten wir in unserem Blatte schon seit Monaten laut und eindringlich unsere aufklärende, mahnende und warnende Stimme erhoben, ver¬ geblich hatten mir unserem vielfach irregeleiteten Landvolk den Wahnsinn der sozialistisch-kommu¬ nistischen Ideen vor Augen geführt. Wir predigten tauben Ohren. Der mittlerweile neugegrüudete „Genossenschafter" berühmte sich, Tausende unserer Gottschee, 20. Mai 1920. Bauern, ja die gesamte Bauernschaft, hinter sich zu haben. Es wäre demnach seine Pflicht ge¬ wesen, seinen Anhängern, um sie vor Unglück und Schaden zu bewahren, zuzurufen: Bauern, seid auf eurer Hut, traut nicht fremden Ver¬ führern, tragt eure Haut nicht zu Markte für utopistische, staatsfeindliche Phantome, laßt euch auf keinen Fall für revolutionäre Zwecke aushetzen gegen die staatliche Ordnung I Was tat aber der „Gen."? Er schwieg und schwieg und schweigt sogar jetzt noch immer dazu. Nicht eine Zeile der Mißbilligung, Warnung und Aufklärung brachte er. Hui tscet, consentirs vlckstur. Ja, noch mehrl Gewisse Bemerkungen machten sogar den Eindruck, als ob man der immer bedrohlicher sich gestaltenden Bewegung sogar ganz sympathisch gegenüber stünde. Dies umso mehr, als ein gewisser Parallelismus, eine bewußte oder un¬ bewußte Rollenverteilung ganz unverkennbar war. Während nämlich die kommunistischen Aufwiegler aus Laibach und Marburg unser argloses Land¬ volk betörten und verhetzten, nahm der „Gen." die bürgerlichen Hauptstützen der Ordnung in der Stadt aufs Korn und suchte ihr Ansehen und das Vertrauen des Volkes zu ihnen durch ätzenden Hohn und beißenden Spott zu unter¬ graben. Mau erg änzte sich also gegenseitig. Unter allen Umständen aber hat der „Gen." eine grobe Unterlassungssünde auf dem Gewissen. Wenn jetzt das Gottscheerland in den maßgebenden Kreisen und in der breiten Öffentlichkeit wieder- arg in Mißkredit gekommen ist, wenn einer Reihe von Landsleuten der gerichtliche Prozeß gemacht und so manche Familie in Unglück und Leid versetzt wird, so ist dabei auch der „Gen." nicht von aller Schuld frei. Aber auch in nationaler Beziehung hat sich der „Gen." als ein Schädling unserer Heimat er¬ wiesen. Verrät es nicht überhaupt Mangel an nationalem Gewissen und an nationaler Gesinnung, wenn in einer so schwierigen Zeit ohne Bedenken ein gehässiger Kampf von Deutschen gegen Deutsche vom Zaune gebrochen wird? Der nationale An¬ stand hätte es geboten, daß, wenn Meinungs¬ verschiedenheiten unter uns Gotlscheern bestehen, dieselben intru muw8, innerhalb unserer Häus¬ lichkeit hätte ausgetragen, nicht aber au die große Glocke gehängt werden sollen. Ist das nicht eine bedauernswerte Bloßstellung unserer Heimat, eine Schwächung unserer nationalen Position? Die Schamröte muß es aber jedem Gottscheer ins Gesicht treiben, wenn er im „Gen." (Nr. 8, S. 4) folgende perfide Zeilen liest: „Trotz des Verbotes hielten die Sozialdemokraten am ver¬ gangenen Sonntag ihre Versammlung ab. Hiebei zogen sie unter anderem in recht verständlicher Weise über den Bürgermeister von Gottschee los. Er war der Anführer einer Abordnung, welche bei der Regierung in Laibach eine Loyalitäts- kuudgebung unserer Bevölkerung zum Ausdrucke brachte. Es wird hiebei im allgemeinen nicht viel zu beanständen geben. Daß aber diese Ab¬ ordnung ausgerechnet um fast anderthalb Jahre zu spät hinanfwanderte, das fiel sogar im slo¬ wenischen Lager auf und wurde belächelt. Auch der ganze Vorgang, ivie man die Unterschriften hiezu besorgte, ist würdig der anderen Taten dieser Herren. Warum nicht einen offenen Weg Briefe ohne Unterschrift werden nicht berücksichtigt. — Zuschriften werden nicht zunickgestellt. — Berichte sind zu senden an die Schriftleitung. — Postsp.-Nr. 10.975. Anzeigen-Aufnahme u. -Berechnung in der Buchdruckerei. betreten und alles in des Volkes Angesicht durch¬ führen? Dieses maulwurfsartige, lichtscheue Vor¬ gehen ist es, was zu Widerwillen Anlaß geben mußte. Immer wieder das alte Lied, welches unsere Bauern nicht mitsingen wollen. Auch sie wollen zumindest gefragt werden, wenn man in ihrem Namen etwas unternimmt. Im übrigen aber war der Meinungsausbruch der Versamm¬ lungsteilnehmerdiesbezüglich insoweit interessant, weil er die Liebe des Volkes zum früheren „Führer" in nicht mißzuverstehender Weise kenn¬ zeichnet. Vernünftige Herren in Gottschee hatten schon anläßlich des Umsturzes im Jahre 1918 anempfohlen, eine Abordnung nach Laibach zu senden, um unsere Anerkennung des jugoslawischen Staates auszudrücken. Aber damals hatten einige Köpfe Präsidentschafts gelüste und fa¬ selten von einer Republik Gottschee, einem Ge¬ bilde, welches auch im günstigsten Falle nicht hätte lebensfähig sein können. Und weil aus diesem Hirngespinste selbstverständlich nichts werden kvnnre, blieb dann nichts anderes übrig, als nach dieser langen Zeit in den sanren Apfel zu beißen. In keinem der beiden Fälle aber fragte man den Bauer, was er eigentlich will." Wir sind einfach starr! Das Blatt denunziert die eigenen deutschen Stammesgenossen und fällt ihnen in ganz gemeiner Weise in den Rücken! Eine Judastat an der eigenen Heimatl Ein Vor¬ gehen, für das wir nur die bekannte Greuter'sche Interjektion zur Verfügung haben! Eine Rekord¬ leistung, wie wir sie selbst in nichtdeutschen Hetz¬ blättern bisher nicht gefunden haben! Verrät es nicht völligen Mangel an Takt, Heimatliebe und Nativnalgefühl, wenn eine ernste, würdige Kund¬ gebung der Gottscheer dem Staate gegenüber mit grinsendem, faunischem Behagen vor der Öffent¬ lichkeit dem Spotte und Hohne preisgegeben, lächerlich gemacht und auf diese Weise in ihrer Wirkung geschwächt wird? Einfach abscheulich! Übrigens ist es gar nicht wahr, daß man ein¬ undeinhalb Jahre verstreichen ließ, ohne sich zu rühren. Schon am 4. November, also gleich in den allerersten Tagen nach dem Umsturz, begab sich eine Abordnung von Gottschee zur damaligen Narodna vlada nach Laibach und es wurde sodann sofort eine Denkschrift ausgearbeitet, die von den Vertretern der Gottscheer Landgemeinden und im vollen Einverständnisse mit unserer ländlichen Be¬ völkerung unterschrieben und nach Laibach an die Regierung geleitet wurde. Man strebte damals aus durchaus gesetzlichem Wege eine Autonomie für Gottschee an, und zwar aus Gründen des größeren nationalen Schutzes für unser Ländchen. Erreicht wurde dieses Ziel allerdings nicht, aber daß mau ein edles nationales und heimatliches Streben, das hiebei die Triebfeder bildete, nun nachträgich vor der Öffentlichkeit lächerlich macht und an den Pranger stellt, ist denn doch der Gipfelpunkt der Niedrigkeit. Eine wahre Ephi- altestat! Die gleiche niedrige Denkungsweise ist es ferner, wenn dabei gewissen Personen Präsidenr- schaftsgelüste angedichtet werden; es ist vielmehr notorisch, daß gcradejene Persönlichkeit, gegen welche dieser Giftpfeil gerichtet ist, es war, die stets aufs nachdrücklichste und eindringlichste vor allen Utopien warnte. Ganz falsch ist weiters auch die Behauptung, Seite 46. Gottscheer Zeitung — Nr. 15. Jahrgang II. daß die Unterschriften durch ein „maulwurfsartiges, lichtscheues Vorgehen" gewissermaßen nur erschlichen worden seien. Es erhielten vielmehr alle Land¬ gemeinden, bezw. Vertrauensmänner den vollen Wortlaut der Loyalitätserklärung zugesendet, jeder¬ mann wußte also genau, was er unterschrieb. Den Quertreibereien der Kommunisten und ge¬ wisser ländlicher Gesinnungsgenossen des „Gen." ist es offenbar zuzuschreiben, daß so manche Unter¬ schrift nicht geleistet wurde und die Einsendung der Zustimmungserklärung da und dort sich in die Länge zog, so daß die Aktion hinausgeschobe» werden mußte. (Schluß folgt.) Aus Stadt und Land. Gottschee. (Vom politischen Dienste.) Der Leiter der hiesigen Bezirkshauptmannschaft, Herr Oberbezirkskommissär Dr. Franz Ogrin, wurde zur Landesregierung in Laibach einberufeu. Herr Bezirkshauptmann Ant. Mencinger wurde von Radmannsdorf nach Gottschee versetzt. — (Vom Notariate.) Der Justizminister hat den Herrn Notar Dr. Bilko Maurer von Loitsch nach Gottschee versetzt. — Herr Dr. Maurer versieht das hiesige Notariat provisorisch bereits seit etwa einem Jahre. Seine Versetzung nach Gott¬ schee ist nun eine definitive geworden. — (Ernennung.) Gend.-Revierinspektor Herr Joh. Stefan dl in Bischoffeld, Steiermark, wurde nach Neuregelung der Dienstpragmatik in die IX. Beamtenrangsklasse eingereiht. — (Nach Frankreich!) Eine Anzahl von Arbeitern des hiesigen Kohlenwerkes (Gottscheer), denen infolge des Streiks die Wiederaufnahme verweigert wurde, gedenkt nach Frankreich zu wandern, um dort Brot und Verdienst zu suchen. — (Bittere Lehren) sind es, die jetzt so manchem zuteil wurden. Viele unserer Bauern hatten in den letztvergangenen Monaten jenen Personen, die bisher ihre zuverlässigen, wohl¬ meinenden Berater waren, den Rücken gekehrt und sich von fremden Verführern ins rote Garn treiben oder von Demagogen, die ihren niedrigen Instinkten schmeichelten, betören lassen. Und die Folgen davon? Dieser und jener Landwirt wird jetzt seinen Unverstand und Wahnsinnsrausch mit schwerem Kerker büßen müssen; eine Reihe von Bauern¬ söhnen, besonders aus der oberen Pfarre, wurde nach Beendigung des törichten, zwecklosen Streiks beim Kohlenwerke nicht mehr aufgenommen, so daß die betreffenden Familien empfindlichen ma¬ teriellen Schaden haben. Es ist höchste Zeit, daß der rote Rausch endlich aus den Köpfen ver¬ schwinde und wieder vernünftigem Denken Platz mache. Auf jeden Rausch folgt die Ernüchterung und diese hat sich auch bei uns jetzt reichlich ein¬ gestellt. Allen jenen, die mit der revolutionären kommunistischen Bewegung liebäugelten, mögen die jüngsten Ereignisse zur Warnung dienen. Gewisse Leute sollten ihre bisherigen Anschauungen in die große Wäsche geben, damit sie reiner werden. Man beginnt überhaupt eine Demokratie, die in Pöbelherrschaft auszuarten droht, immer mehr satt zu bekommen. Man sehnt sich wieder nach der Herrschaft der Besten und Edelsten aus dem Volke, denen jedoch die Freude an der Betätigung am öffentlichen Leben nicht durch sich demokratisch gebärdenden Krakeel verekelt werden darf. — (Erhöhung des Briefportos.) Vom 16. Mai l. I. an ist das Briefporto auf 1 X, das Porto für Postkarten auf 60 k erhöht worden. — (Die Polizeistunde) ist gegenwärtig behördlich für Gasthäuser auf 9 Uhr, für Kaffee¬ häuser auf 10 Uhr abends angeordnet. — (Neuerliche Erhöhung des Salz¬ preises.) Vom 1. Mai an sind zufolge Ver¬ ordnung des Finanzministers für das Salz bei der Abgabe aus den staatlichen Magazinen fol-^ gende Preise festgesetzt: 100 KZ gemahlenes und Steinsalz 560 X, weißes Meersalz 520 X, graues Meersalz 480 X, Fischersalz 428 X, bezw. 380 und 340 X. — (Die Banknoten zu 50 und 20 X) haben nach dem 15. Mai in unserem Staate jede Zahlkraft verloren. — (D a s S t a n d r e cht a n fg e h o ben.) In¬ folge veränderter Verhältnisse ist das am 4. Mai verhängte Standrecht nunmehr ausgehoben worden. — (Schuljahrsschluß.) Nach einer Ver¬ ordnung des Unterrichtsministers endigen die Vor¬ träge an Mittelschulen Heuer am 19. Juni. Am 28. Juni werden die Schulzeugnisse verteilt und beginnen die großen Ferien. — (Eisenbahn Gottschee-Baker.) Bei der Konferenz, die kürzlich unter dem Vorsitze des Stellvertreters des Eisenbahnministers in Belgrad stattsaud, wurde u. a. auch die Frage der Erbauung der Eisenbahnlinien Tschernembl- Ogulin und Gottschee-Baker (Bukkari) in Er¬ wägung gezogen. — (G o t t s ch e e n n d d i e k o m m u n i st i s ch e Bewegung.) Die bolschewistisch kommunistische Bewegung ist bekanntlich gegenwärtig eine allge¬ meine Volkskrankheit, eine pathologische Erschei¬ nung, von welcher der Reihe nach alle europäischen Völker befallen werden. Auch die jüngste beim Eisenbahner- und Acbeiterstreik in ganz Jugo¬ slawien zutage getretene revolutionäre Bewegung hatte internationalen und nicht bloß lokalen oder nationalen Charakter. Es ist daher eine übel¬ wollende Entstellung der Wahrheit, wenn gewisse Laibacher Blätter aus nationaler Gehässigkeit der kommunistischen Bewegung in Gottschee ein natio¬ nales oder spezifisch gottscheerisches Gepräge an¬ dichten. So schreibt z. B. die „Jugoslavija" (10. Mai): „ ... Den Herren in Gottschee (,Klein- berlirL) schien nun der richtige Augenblick gekommen zu sein und sie begannen die Gründung der Re¬ publik' vorzubereiten. Schon längst träumten sie davon, daß am 1. Mai der Fürst Auersperg mit seinen Tausenden von Bauern und Arbeitern nach Gvtffchee kommen und nach kurzer Ansprache die Gottscheer Republik errichten würde. Sie hatten bereits alle Bäume bezeichnet, wo sie den Bezirks¬ hauptmann, den Pfarrer, den Bürgermeister und den Stativnsvvrstand aufhängen würden." Dem¬ gegenüber sei der Wahrheit gemäß bemerkt, daß kein einziger ernst zu nehmender Gottscheer, am allerwenigsten aber die maßgebenden Kreise in Gottschee oder gar Fürst Auersperg anläßlich der Streikbewegung auch nur im entferntesten an eine „Republik Gottschee" dachte. Es kann ja sein, daß einer oder der andere kommunistische (nicht¬ deutsche) Hetzer diese angebliche „Gottscheer Re¬ publik" als Köder benützte, um naive Bauern zu betören, geradeso wie man auch die Teuerung als Lockmittel ausspielte, um das Volk zu sich herüber¬ zuziehen. Zwei von den zuin Aufhängen bestimmten Personen sind Deutsche. Wie kann also da ein deutscher, nationaler Hintergrund gewittert werden? Ein unehrlicher Kniff des Artikelschreibers der „Jugoslavija" ist es ferner, wenn er die Haupt¬ rädelsführer Tisljar, UrsiL und RebiL, welche slo¬ wenischer Volkszugehörigkeit sind, in deutscher Schreibung (Tischler, Urschitz, Rebitsch) bringt, also so, als ob sie deutsche Gottscheer wären. Än die weitere Mitteilung, daß für die Plünderung der Stadt sowie für eine Reihe sonstiger Gewalt¬ taten alles bereits vorbereitet war, daß für die künftige „Gottscheer Republik" die Rollen der Minister usw. bereits verteilt waren usw., wird im Blatte sodann die Bemerkung geknüpft, daß die Gottscheer Bürger im geheimen alles das mit allen Kräften unterstützt und daß insbesondere die Kaufleute für den Streikfonds große Opfer gebracht hätten. Wenn Spenden für den Streikfonds von Deutschen und Slowenen gegeben wurden, geschah das nicht aus Sympathie für die kommunistische Sache, die ja gerade unsere Kaufleute in erster Linie bedrohte, sondern einzig und allein aus Besorgnis vor dem roten Terror. Schließlich warnt das Blatt die Regierung, den Loyalitäts¬ erklärungen der Gottscheer Glauben zu schenken. In ähnlicher, wenn auch im Tone anständigerer Weise urteilt auch „Slovenski Narod" (10. Mai), welcher dabei insbesonders auf die verdächtige Haltung des „Genossenschafters" hinweist. Man müsse, meint das Blatt, den Gottscheern gegenüber deshalb die Haltung einer Revision unterziehen. Man sieht also, wie sehr die jüngsten Ereignisse dem guten Ruse unserer Heimat geschadet haben. Dabei müsset! nun die Gutgesinnten, die doch die überwiegende Mehrzahl bilden, mit leiden. Der größere Teil unseres Ländchens ist ja von der kommunistischen Seuche noch rein, nur die Dörfer in der Nähe des Kohlenwerkes sind stärker an- gestcckt. Aber auch dort sind die Gottscheer von Haus aus durchaus nicht Revolutionäre oder Auf¬ wiegler. Nur durch die Vergiftung durch fremde, nichtdeutsche Agitatoren, sind sie verdorben worden, und auch das, wie wir glauben, nur vorübergehend. Den meisten werden ja schon jetzt die Augen aufgegangen sein. Um den schlechten Eindruck zu verwischen oder wenigstens abzu¬ schwächen, wäre es jetzt vielleicht am Platze, daß seitens der Gottscheer Landgemeinden ein Protest gegen die kommunistischen Wühlereien erhoben und der Regierung bekanntgegeben würde. Im übrigen heißt es jetzt auf der ganzen Linie: Naschest zurück zur Ordn«ug! Sofortiger Austritt unsererBauernausdersozial- d e m o k r a t i s ch - k o m m u n i st i s ch e n Organi¬ sation! Zurück zu den alten guten Beratern, die man niemals hätte verlassen sollen! Auch der „Genossenschafter" wäre von seinen eigenen An¬ hängern zur Ordnung zu rufen und aufzufordern, durch seine Haltung nicht ein Schädiger der Heimat zu sein. Sein Arbeitsfeld ist die Förderung des Gen offen schafts wese ns undder Land¬ wirt schäft, nicht aber die Hetze gegen Männer, die dem öffentlichen Wohle dienen, und die wohlwollende passive Assistenz gegenüber den kommun istischen Umtrieben. Bleibt das Blatt au ch ferner¬ hin ein Schädling der Heimat, so gebe man ihm den Laufpaß. Briefkasten. Kerrn Wenufch in Hottschee. Nachdem Sie Ihre an uns gerichtete, aber für die vorige Nummer unseres Blattes zu spät eingelangte Zuschrift mittlerweile im „Genossenschafter" veröffentlicht haben, sind wir dessen enthoben. Was den „Genossenschafter" anbelangt, ver¬ weisen wir auf unseren Leitaufsatz. Verantwortlicher Schriftleiter C. Erker. — Herausgeber und Verleger Josef Evvich. Buchdruckerei Josef Panlicek in Gotische-. Gin Kamitienhaus oder WM mit 2—3 Zimmern samt Zugehör höchstens eins Halbs Stunde entfernt in der Umgebung der Stadt Gottschee gelegen, wird von einem Deutschen gegen Barzahlung zu kaufen gesucht. 1—2 Joch Garten oder Ackergrund dabei erwünscht. Angebote sind an Herrn Karl Kupfer, Kausöefltzer in Laiöach, Wostamt 7, zu richten. Verkauft werden am 30. Mai in Kölschen bei Rieg 2000 Stämme SchwarzßolMume. Reflektanten können das Holz besichtigen. Hlevierjägerstelle zu besetzen. Bedingt: Kenntnisse der einfachen Forst¬ arbeiten, Deutsch und Slowenisch, Verheiratet. Anbot und Zeugnisabschriften an Kerrschaft Aeukkoster St. Weier im Sannthak Sei Hel,je. Wrlustanzeige. Auf dem Markte in Nesseltal wurde eine Brieftasche mit einem Betrage von über 20.000 K verloren. Der ehrliche Finder möge den Fund dem Verlustträger Weier Kovse in Kinnach, Noll Seisenöerg, gegen eine Be¬ lohnung von 2000 X zurückgeben. Gesucht werden: 5 Wäscherinnen, 4 Büglerinnen (Hranzöügkermnen), 2 Aöwascherinnen für Hotel Miramare in Cirkvenica. Eintritt kann sofort erfolgen. 1° Vom tiefsten Schmerze gebeugt, geben die Unterzeichneten allen Verwandten und teil¬ nehmenden Freunden Nachricht von dem Hin¬ scheiden ihres innigstgeliebten, unvergeßlichen Onkels, des Herrn Matthias Weber Kaufmann welcher Sonntag, den 11. April, um V«1 Uhr nachts nach längerem, schmerzvollem Leiden und Empfang der heiligen Sterbesakramente im 72. Lebensjahre selig in dem Herrn ent¬ schlafen ist. Die entseelte Hülle des teuren Verblichenen wird in der Kapelle des Wiener Zentralfried¬ hofes (Eingang II. Tor) aufgebahrt, dortselbst Donnerstag, den 15. April 1920, um ^/4 2 Uhr nachmittags feierlich eingesegnet und sodann im eigenen Grabe zur ewigen Ruhe bestattet. Die heilige Seelenmesse wird Freitag, den 16. April 1920, uni 10 Uhr vormittags in der Dom- und Metropolitankirche zu St.Stefan am Hochaltäre gelesen werden. Wien, am 12. April 1920. Minna Wetsche, Anna Königmann, Aofa Werh als Nichten.