Nro. XII. ^^v l 8 c> 4. Laib ach er i^ch Wochenblatt. Z i: ,ll Nutzen und Vergnügen. AlsZugab'elurEdel von KleinmayerschenLaibacherAeitung. Völkerbe sck?rcidunF der pohlische Edelmann wenig oder nur Vier), . ^. ist ungarischer Wein. Man hat die Bemerku,g ^ . , . . ,^ ^. , . gemacht, daß man in Lcmderg und dem stacht 0 sterreichl, chcn ^ 0 n a r ch l e. H,^.^ G<,liziens oft bessere Weine, als in N5 .n ^ --------------- trinke, waches lcicft zu erachten ist, indem man Fortsetzung. in Galizi n sich auch das^Gctrank mchr ko ^n __ . ^. ^ . ^ s' - laßt, un<' dieses dl'r Gütp< der Speisen oorzicht. Trtllrlust der Gal^er. ^ Wien herrscht gerads der umgekehrte Fa l. Es ist Landessitte in Galizim, vor der Mit- ^0 gcrirgsägig der Umstand scheinet, ob iemia) tagssurpc ein Gsaochcn AramUlvein au^znk'c.- rolhcn cder weißen Wein trinkt; so erkennt rcn. Die pohlnische Edelfrau macht den Anfang man doch öfter an eben demselben Traiteur-Ti- und giebt da.-m das Stanglsglas in die Hände sche in iemberg aus dieser Kleinigkeit, ob dieser des Gastes. ÄlV'sei-, um die Dame nicht zu be- oder jcncr Gast ein geborner Pohle oder ciit ü'idigcn, muß den Brannnvein rein austrinkrn, Dsiencichcr sey; denn der erstere liebt ungari- wenn er nicht gleich Anfangs als Verächter der schc rothe und der letztere österreichische,, weiße '' L.mdl'Ssilten stch bloß gcbcn will. Samit man Weine., ^ ja nichl ir. Versuchung gcrathc,, einigen Brannt- Einen Rausch zu haben, wird ubrsgens bey wcin nbrig zu lassen; so wird bey mchrern pohl- ecktter vaterlandilcher GeMschaft in den galizi- nisten Edelleuten das flache Untergestell an der schen Erblandern für keine Schande gehalten. ! dünnen Handhabe des Stangelglascs abgcbro- Viel mehr nicht mittrinken wollen, heißt in ci- ! chen oder abgeschlagen. Auf dicft Art wird dann ncr ahnlichen Gesellschaft beynahe eben so viel, der Trinkende, damit der Branntwein im Gla- als nicht freundschaftlich gesinnet seyn. M.m ft wegen des nolbwendigl'n Umfallens des Stan- scheint in Galizicn zu hohe Begriffe von behcrz- gclalases nicht auf das reine Tischtuch sich ver- ten Trinkern zu haben. Ich will gern zugeben, schütte, zum Allstlinken um so mchr gczwun- daß es einer lustigen Trmkgesellschaft ein wenig g'n, als es Unart, wäre, das halb volle Glas lastig fallen muß, einen Menschen neben ihr zu einem Tritten hinzureichen. So wird man nach sehen, der stüher abbricht, bloß den Zuschauer und nach, wenn man langer und öfter unter der und Zuhörer macht, und alles bey seinem, d^rH ländlichen Edcl-Classe slch ausbalt, gleichsam mc- Getränke weniger erhitzten Kopfe aussaßt, aber Modisch zum Trinker umgcschaffen. nicht so reichlich erwiedert.. Allein man sollte Das zweyte Getränk, welches nach dem Ti- doch etwas mehr Rücksicht auf die körperliche M)c folgt, (oeu.n, wHhrMd der Mahlzeit, trinkt. Consiimtion eines jeden nehmen, als bisher ge- ,ie beobachteten in ihren Erfindungen alle Regeln desselben auf das genaueste, sie hatten die deutlichste Exposition die semste Verwicklung, die ungezwungenste Auflösung des Knotens, und gaben durch die Kraft der Gcberdc cin so redendes Gemählde des Lebens, der Sitten, und Leidenschaften, daß alles Volk wie im rczitirenden Schauspiele getauscht wurde. Ihre Kunst bestand also nicht in der Gewandt-heit und Schnelligkeit lhrer Füße, sondern die ! Seele ihrer Kunst, das, was die außerordentlichen Wirkungen auf ihr Volk hervor brachte, war das innere Gefühl der Leidenschaft, jeder Regung der Seele, die sich in dcm lebendigsten Ausdruck über die Bewegungenihres Leibes ergoß, und die Empfindungen widerspiegelte, die ihren Busen durchströmten *). *) Daher forderten sie auch einen solchen Reichthum von Kenntnissen von ihren Tänzern. Sie for-< ^ dert.n Dichtu gs mft und Musik bon ihnen, um ihre Empfindun en mit Natur zu beleben, Philosophie, um die Hue«« 5er Leidenschaft aufzuspüren, und ih«> Gränzn zu bestimmen, Mahlerey und Gymnastik, Stellungen, körperlichen Anstand, und Grupvirunien Zu lernen. Der Begriff aUer Zeiten, und a'ler Gebräu ^l>e mußte in seiner Seele wohnen. Kenntniß der Geschichte» aller Nationa be cbenh iten der alten, und neuern Zeiten, der lebhaftere Witz, die richtige Bc-urthcil>mcskraft, die feurig,'e Phantasie das alles waren Erfordernisse des Mannes, der sich be^ den Alten der Tanzkunst widmen wollte. Dieß war die Tanzkunst der Römer rmd Griechen, aber sie artete aus, und kam in diese? ausgearteten Gestalt auf unsere Zeiten. Der l^'iliae Augustin crzahtt, daß man zu seinen Zeiten jemanden hinstellen mußte, der den Zuschauern den Inhalt des Balles erzählte. Ihre Kunst war niäus als c^ne heftige Bewegung ohne Gegenstand, eine dloße Bemü'nmg, reit-zendc Gestali, liebliche Hände, und Füße zu zeigen, bloße Entwicklung angenehmer Verhallnisse des Körpers. — Was uor einigen Iahrzehndcn Roverrc zurWiederher^ellung der yöhernTanzkunst thun wollte, war be» all seiner vorlreffli-chm Theorie doch nur der Versuch eines Einzelnen, und bey dem sinnlichen Geschmacke seines Publikums für ihn eine zu schwere Aufgabe. Wollte man die Tanzkunst heutiges Tages dem Geiste der Alten n>ch am ähnlichsten erblicken, so müßte man sie nach de.m" Urtheile der größten Kenner auf dem Theater der zu Paris suchen. Ein deutscher Schriftsteller von tiefem Kunstsinn sagt: Ich glaube nicht, daß man in der Welt einen Platz fände, wo das alte Griechenland und seine Äichtungcn mit so vieler Haltung, und iu einem so glücklichen, und dczanbern den Kolorite wieder erschien. Voll hoher Schönheiten ist seine Charakteristik der vorzüglichsten Ballettänzer, mit kü«nen Pinselzügen einer mahlerischen Darstellung schildert er die Lieblinge Tervsichorens einen Vestris, eine Clotilde, eine Gardcl. Die Pkantasie führt uns entzükcn-de Bilder vor die trunkenen Sinne, und Griechenland blüht vor uns auf. „ Vestris, so schildert er, ist tin schöner Mann, sein Wuchs ist edcl, und aedränat, sein gan.er An-siand spricht Freyheit und Liberalität, wie sein bürgerliches Leben. Wcnn er aus dem Hintergrunde mit dre' gi'antischen Schritten über die Vühne schreitet, und die übrigen Künli er sich schüchtern in den Hintergrund zurückziehen, Vestris sich dann vor dem trunkenen Zuschauer hoch tn die Luft schwingt, und schwebend über ihm hängt, dann raset der Beyfall durchs parterre und die Logen. Von neueln sckm-ebt er über > die Menge cmpor — in tiefer St» e hän^t alles a» l seinem Fluge — lven,: er nun wieder zur Erde zurück- l kehrt, HUlt nichts mehr die Entzü.lung; Alles siebt von seinen Sitzen auf , lautes Klatschen, und cm wilder re ellostr Muf des Be falls, deS Danks, dep En: thusiasmus lüßt den Künstler eine Pause machen. — Nun gaukeln um ihn die Gruppen der Tanger, ün5 s'änzerinmn; sie sch i^ssen ihn ein , lrsen sich auf, h'i-psen -u ihm hinan, u>'d flattern um das schone Götterbild wie Genien. Itzt regt er sich zu neuen Attitüden, deren Deutuig mit magiscker Gewalt auf dtt Gruppen um in wirkt , sie verfch ingen sich, die Tan? zerinncn wehri? durch dic Reihen genügsam, freudig, lindisch , daß sie dem Gotte eins Bewegung ab g won» nen, und spielen end'ich in tausend sich umsch rngen^ den -inien dic Variationen zu s incr Attitüde Garde! und Thevi^ny, zwey Grazien, schweben vom Zephyr getragen, oder auf den Woqen des dräu- « senden Orchesters daher; ihre Nähe entzückt dm Gott, l das herrliche Bild regt si.y wunderbar, in neuen fra^- 1 pantcn Momenten des minuschen Spieles versinkt der i trunkene Zuschauer, die schöne Stellung lost sich in 1 schönere auf, die Tänzerreihe bildet um^dic herrlichen z Gestalte!, den Hintergrund zu einem entzückenden Ta- 1 bleau. — ! Der Wettstreit beginnt; Zartheit und Nebe ist der 1 Charakter der herrlichen Erscheinung. Gardel und l Chevi^nn umgaukeln den Mann , sie nahen und stieben, jetzt eilen sie in sei^e Arme, und hängen verschlungen an ihm , ihr Augc trunkeu in dem snnen. Aus dem Hintergrunde zcr Menge. Ciotilde tritt mit stolzen Schritten durch die Reihen, und Gardel und Chevigny entfliehen. — Nun hat der Gott die Göttin gefunden, und das Fest der ^iebe beginnt. Jede Bewegung spricht Kraft und Grösse aus. Ich habe Viganon's gesehen, und bewunderte sie, aber damahls kannte ich die Gardcls und Vestrit noch nicht. Gehorsam nahen sich ie:>c vier Tänzerinnen wieder, und schlingen um Bcyde e n wunderbares Labyrinth vou schönen Linien, die dcr lühnste Pinsel nicht auf-. fassen kann. Wie viele Werke einer schönen Kunst verschlingt der Moment nicht! Die Italiener zeigen in ihren Balletten grosse mimische Starke, Feuer des Ausdrukes, Lebhaftigkeit mahlerischer Gesten, besonders aber hohe, und oft bewunderungswürdige Schnell/rast im Schwünge dcr Bewegung, oder in dem eigentlichen grotesken Tanze; aber die Franzosen verbinden Raschheit mit Ausdruck,. Kraft mit Delikatesse, Schwungkraft mit Grazie, sie laben das zarte, naive, tändelnde n-ehr in ihrer Gewalt, und ihre Ballette sind endlich voll Witz, Scharfsinn, und Geist, kurz von dcr vortrefflichsten Erfindung. M Das Wiener-Hoftheater besitzt zwey Tanzest rinnen van denen jede in ihrer Art vortrefflich ^ ist, die uns aber in Rücksicht des Geschmackes, ' und der blossen körperlichen Fertigkeit als Beyspiel der achten, und unächtcn Tanzkunst dienen. Madame Casscntini ist die Zauberinn des pantomimischen Tanzes. Sie faßt jedes Mahl ' ihre Rolle ganz auf, ist so naiv und reihend, ^ ' schwebt so anspruchlos daher jede Bewegung ^ voll Wahrheit. In dem neuen Ballcte: Die verliebten Thorheiten erschöpfte sie nach dem Ausdrucke eines beliebten Journales alles was gratiöse Fertigkeit, so wohl im mechanischen Tanz, als wahrer Ausdruck in der Pantomime zu Gegenständen der Kunst machen kann. —> Madame DelCaro besitzt eine Gcschicklichkcit, die an einem Grotesktanzer die höchste Bewunderung erregen müßte, sie ist m dem mechanischen Tanze, im Solo unendlich weit über die Cas-sentini, ja in ihrer Art vielleicht einzig, aber sie erniedrigt besonders in Darstellung erhabener Charactere durch die gänzliche Vernachlässigung des Edeln und Zarten gerade wenn sie am n:ei-stenbrillirt, die Kunst oft bis zum Gaukelspiele. Nach dieser verschiedenen Tendenz der Kunstfertigkeit theilt sich auch der GeiA/mack des Publikums in zwey Partheyen. Die eine liebt das natürliche, ausdrucksvolle Einfachheit und De-licatesse, die andere liebt das überraschende Kühne, man möchte sag"n,, das hereumäffige der Kunst, oder wieSchink sagt, dieSeiltanzcrgau-t'cley. Der eine will nur mahlerische Gruppirun-gen reißende Attitüden sprechende Mimik, der andere will nur Solos und tausendfältige Bra-vourspnmge sehen« So wie jedes Extrem den wakren Zweck verfehlt so ist es auch hier.— Wenn der Ballctmeister ein Genie, sein Ballet ein Gemählde der Sitten, und Empfindungen, eine acht genialische Kunsischöpftlug ist, so wird man jene mechanischen Kunstanstrengun-gcn leicht entbehren, oder doch nur gerne sparsam fthen; fehlt es aber dem Ballete an Geist und Geclc, oder ist es nicht in hohem Grade scharfsinnig, reich an Aawcchslung, und mahlc-l.'scher Darstellung, so- ist man froh, wenn die einschlummerden Sinnc durch grelle Züge, und-kräftige Contraste wieder aufgeweckt werden. Überhaupt muß man oic Wirkung der pantomimischen Tanzkunst sehr in subjcctivcr Hin-ßcht betrachten. Ein einfaches Ballet von m'it-tclmäfsmer Erfindung kann in seiner Art eben ! ft> vortrefflich scpn, als ein, großes heroi- sches vom erhabensten Character, so bald seine Ausführung den strengen Forderungen der Kunst entspricht. Auch im Kleinen ergötzt die Vollkommenheit, und es wäre ungereimt, jedem Werke der Kunst den Maßstab des Vortrefflichsten anpaffen zu wollen. Die Seele eines Kunstwerkes ist — Harmonie seiner Theile. Diese Harmonie wird in einem Ballete erreicht, wenn alle einzelnen Par-' thien mimischer Darstellung den individuellen Kräften der Tänzer angemessen sind, wenn die Ausführung durch die möglichste Präcision, durch das strengste Verhältnis der Bewegung zum Nyytmus, raschen Gang, Geist und Lc?en gewinnt, und ein vollkommenes in einander greifen des Ganzes bildet. Wenn aber der Rhyt-mus der Musik dem Momcntcngaüge des mimischen Tanzes nicht ans das genaueste entspricht, wenn noch überdies das Auge den Gcnnß seines Vergnügens bey der Disharmonie einer unvollkommen besetzten Musik anfUnkc^cn des Oh-