Wezugspretse Für Gsterresch-Ungarn ganzjährig K 6 — halbjährig K 3 — Für Amerika: ganzjährig D. 2- — Für das übrige Ausland ganzjährig K 6'50 Briefe ohne Unterschrift werden nichtberückflchtigt, Manuskripte nicht zurück-gesendet. Gottscheer Sote Erscheint mit einer illustrierten Beilage „Wandermappe" am 4. und 19. eines jeden Monates. Bestellungen übernimmt die H>erwaktung des Kottscheer Moten in Gottschee Nr. 121. Berichte sind zu senden an die Schriftleitung des Kottscheer Moten in Gottschee. Anzeigen (3i.|emte; werden nach Tarif berechnet und von der Ver. waltung des Blattes übernommen. Die „Wandermappe" ist nur als Beilage des Gottscheer Boten erhältlich. Postsparkassen-Konto Nr. 842.285. Wr. 19. Kottschee, am 4. Hktoöer 1918. Jahrgang XV. Gründung des „Ausschusses M Förderung der Geschichte und Landeskunde von Gottschee". Kerausgaöe der „MeitrSge zur Heschichte und Landeskunde von Gotisch«". Sowie der blühende und fruchttragende Baum seine Wurzeln verborgen in der Erde hat, ebenso wurzelt im Menschen? und Völkerleben die lebendige Gegenwart in der dunklen, oft schon ganz verschollenen und unbekannten geschichtlichen Vergangenheit. Die Vergangenheit ist der Gegenwart Vater, sowie die Gegenwart wieder aus stch heraus die Zukunft gebiert. Wer die Jetztzeit richtig erfassen, verstehen und deuten will,- wer nach einem zuverlässigen Kompaß für die Zukunft sucht, der darf daher der Geschichte seines Volkes, seines Volksteiles, seiner engeren Heimat nicht gleichgültig und teilnahmslos gegenüberstehen. Bismarck hat einmal gesagt, es sei eine Schande, wenn ein Deutscher seine eigene Geschichte nicht kennt. ' So ist es auch keine Ehre, wenn einer von der Geschichte des Volkskreises, aus dem er hervorgegangen, von der Vergangenheit des Landstriches, der seine Heimat ist, keine Kenntnis besitzt, ja vielleicht nicht einmal ein Interesse dafür hat. Daraus erhellt die Wichtigkeit der Geschichte, und zwar nicht bloß der allgemeinen Geschichte von großen Völkern, Staaten und Reichen, sondern auch vvn Grönländern, Landschaften und Städten. Das ist denn auch der treibende Gedanke und der Grund, warum es in allen Grönländern und in vielen Gebieten, auch in so manchen Städten und Märkten, zur Bildung von Geschiehts» und Landeskundevereinen gekommen ist und weshalb die Erforschung der Ortsgeschichte so vielfach mit Liebe und Eifer gepflegt wird. Auch bei uns in Gottschee war vor ein paar Jahrzehnten auf diesem Gebiete ein löblicher Eifer rege. In den „Mitteilungen des Musealvereines für Grain" und im „Deutschen Kalender für Grain" erschienen der Reihe nach wissenschaftliche Aufsätze über die Geschichte Gottschees und dankenswerte Beiträge zur Landeskunde unserer engeren Heimat. Dann aber trat leider ein Stillstand ein, die vielversprechenden ortsgeschichtlichen Forschungen und Studien wurden nicht mehr fortgesetzt, sondern schliefen ein, es fehlte eben an Anregung und auch an Gelegenheit, sich auf diesem Gebiete betätigen zu können. Nun sollen die landeskundlichen Bestrebungen in unserer Heimat zu neuem Leben erweckt werden. Daß dies jetzt, noch inmitten der Wirren des schrecklichen Weltkrieges, geschieht, ist für uns Gottscheer gewissermaßen ein Lichtblick in der düsteren gegenwärtigen Zeit, bildet dieser Umstand doch einen erfreulichen Beweis dafür, daß Gottschee „trotz Wetter, Sturm und Graus", trotz mancher bedrohlicher Anzeichen, den Mut nicht sinken läßt, sondern fest und aufrecht steht und mutig auf seine Zukunft vertraut. Am 16. September konstituierte stch in Gottschee der „Ausschuß zur Förderung der Geschichte und Landeskunde von Gottschee". Er besteht aus folgenden Herren: Kaiser!. Rat und Bürgermeister. Alois Loy (Obmann), Bürgermeister-Stellvertreter Herzog!. Forstrat Rudolf Sch ading er, k. k. Landesgerichtsrat und Gerichtsvorsteher Ottokar Cerslein, k. k. Notar Dr. Moritz Karnitschnig, Buchdruckereibesitzer Josef Pavlicek (Schriftführer und Kassier) und Schulrat Josef Obergföll. Es wurde beschlossen, alljährlich eine wissenschaftliche Jahrschrift herauszugeben, unter dem Titel: „Beiträge zur Geschichte und Landeskunde von Gottschee". Mit der Schristleitung wurde Schulrat Obergföll betraut. Die Aufsätze und Beiträge, welche das Gepräge gediegener Wissenschaftlichkeit mit möglichst volkstümlicher Darstellungsweise zu vereinen bestrebt sein werden, sollen nicht nur die Ortsgeschichte im engeren Sinne umfassen, sondern, je nach Vorhandensein von Fachkräften und deren Bereitwilligkeit, sich schriftstellerisch zu betätigen, auch das gesamte Gebiet der Landeskunde, also auch Volkskunde, Naturkunde usw. behandeln. Einen Schatz von geschichtlichen Urkunden über die Herrschaft Gottschee dürfte das fürstlich Auerspergsche Archiv in Losenstein-leiten (Oberösterreich) bergen. Bei der Gewogenheit, welche Se. Durchlaucht Fürst Karl Auersperg seinem Herzogtum Gottschee jederzeit entgegengebracht hat, hofft man, keine Fehlbitte zu tun, wenn um die Zugänglichmachung des genannten Urkundenschatzes und dessen Verwertung in der Gottscheer Jahrschrist ersucht werden wird. Die durch die Herausgabe der „Beiträge zur Geschichte und Landeskunde von Gottschee" erwachsenden Kosten werden gedeckt a) durch einen ständigen Jahresbeitrags b) durch das Erträgnis Zuwendungen Verkaufes der Jahrschrift, c) durch sonstige und Spenden. Im laufenden Jahre (November oder Dezember) erscheint der erste Jahrgang der „Beiträge zur Geschichte und Landeskunde von Gottschee". Er wird einen längeren Aufsatz über die Herkunft der Gottscheer und die Besiedlung Gottschees enthalten, außerdem eine Reihe kleinerer Beiträge zur Landeskunde. Die Schrift wird allen Gottscheern zugesendet werden, bei denen ein Verständnis und Interesse für die Sache vorausgesetzt wird, und hofft man, daß durch zahlreiche Abnahme derselben das heimatliche Unternehmen geldlich gekräftigt und gefestigt werden wird. Der Preis d'er Jahresschrift ist mit drei Kronen fe st gesetzt. Wir begrüßen das vaterländische Unternehmen mit wahrer Freude und wünschen ihm den besten Erfolg. Es entspricht einem längst gefühlten Bedürfnisse, gereicht unserer engeren Heimat zur Ehre und wird dazu beitragen, das Ansehen und die Wertschätzung Gottschees in weiten Kreisen zu fördern und zu heben. Es bezeugt auch, daß der Heimatgedanke bei uns Kraft und Leben hat. Wenn wir Gottscheer uns im Lande Grain auch fernerhin unversehrt erhalten wollen, müssen wir trachten, uns nicht nur völkisch, politisch und wirtschaftlich zu stärken, sondern auch unser geistiges Rüstzeug nicht rosten zu lassen. Und dazu gehört nicht in letzter Linie auch die Erforschung unserer Geschichte und die Darstellung unserer Landesknude. Die Ausnützung des heurigen Luchenvollmast-Iahres für die Volksernährung. Lasset Willionenwerte nicht ungenützt zugrunde gehen! Bekanntlich liefert die Buchnuß (Buchecker, Buchei) ein sehr wohlschmeckendes, haltbares, dem Olivenöl nicht nachstehendes Speiseöl. Das heurige Jahr bringt nun „zur rechten Stunde" eine enorm reiche Buchelmast. Die Äste der Samenbäume hängen zum Brechen hernieder, das frische Blattgrün der Buchenkrone wird übertönt vom verheißungsvollen Notbraun der nach Dausenden und Dausenden zählenden Fruchtkapseln. Es gilt nun, diesen kaum jemals dagewesenen Segen auch auszunützen. Viele Tausende von Litern des köstlichen Speiseöles werden dem Gemeinwohl zugeführt werden t0imeI®ie „Osten. Forst- und Jagdzeitung" (27. September 1918) bringt aus der Feder des Revierförsters Keese in Eldagsen (Hannover) einen sehr interessanten und lehrreichen Anfsatz über die Technik des Buchecker-Sammelns, dem wir folgendes entnehmen: Das Sammeln der Bucheln geschieht zur Zeit der Reife im Oktober. Die üblichen Sammelarten sind die folgenden: erstens durch Abklopfen der Zweige von dazu geeigneten Samenbäumen, unter die man große Laken oder Tücher ausbreitet, was aber nur bei warmem, sonnigem Wetter geschehen kann, wenn die Buchenkapseln geöffnet sind; zweitens durch Zusammenfegen der bereits abgefallenen Bucheln und drittens durch Auslesen der einzelnen Samenkörner. Welche Art hievon die zweimaligste ist, richtet stch nach den örtlichen Verhältnissen. Zum Abklopfen eignen sich nur Samenbäume an Wegen und Rändern der Bestände, deren weit herüberhängende Zweige mit Leitern zn besteigen sind, lvas aber bei den Buchen mit hohem Kronenansatz innerhalb der Bestände nicht möglich ist. Diese Art der Gewinnung kann natürlich nur stattfindeu, solange die Bucheln noch größtenteils auf den Bäumen ftfeen ' Das Zusammenkehren der bereits abgefallenen Bucheln geschieht am besten unter breitkronigen Samenbäumen, auf Stellen, die nicht schon vergrast und zu stark mit Laub bedeckt sind. Zweckmäßig dürfte es daher erscheinen, geeignete Plätze schon vor der Buchelernte von allem Laub und Unrat zu reinigen. Die durch das Zusammenfegen gewonnenen Bucheln werden mittels Kornsieben gereinigt. Die dritte Art der Gewinnung, das Auslesen _ der Eckern (Bucheln), ergibt den reinsten Samen, ist aber sehr mühselig und nur da lohnend, wo kein Gras oder eine allzu starke Laubdecke das Sammeln zu sehr erschwert. . Als samentragend kommen nur die über 60- bis 80fährlgen Bestände in Frage; ein großer Teil hievon steht im sogenannten Licht- oder Besamungsschlage und ist daher infolge der Einwirkung des Sonnenlichtes der Boden in diesen Beständen schon meistens durch jungen Buchenaufschlag, Graswuchs, Himbeersträucher, Farnkraut usw. dermaßen bewachsen, daß das Einsammeln der Bucheln auf die vorhin angeführten üblichen Arten sehr schwierig und fast unmöglich ist. Hier könnte nur eine andere Methode zum Ziele führen, nämlich das Fällen der zum Einschläge für den kommenden Winter bestimmten Bnchenstämme während der Reisezeit, mit darauffolgendem Abpflücken der Buchenkapseln durch Schulkinder. Werden die so gesammelten und noch geschlossenen Kapseln dem Sonnenlichte auSgesetzt, bezw. erwärmt, so springen sie bald auf und die Körner fallen durch Schütteln leicht heraus. Nach früher gemachten Erfahrungen gibt das Hektoliter reinen Bucheln etwa 10 kg schmackhaften Öles. Das Gewicht eines Hektoliters Bucheln beträgt 40—50 kg, die Körnerzahl im Hektoliter gegen 192.000, im Kilogramm etwa 4000. Die Aufbewahrung der Bucheln geschieht ähnlich wie beim Getreide: Abluftung und Lagerung an einem trockenen Ort sind dabei unerläßliche Bedingung, damit die Bucheln nicht verderben. Es verlohnt sich gewiß, alle Kräfte anzuspannen, um diesen reichen Segen in weitestem Maße einzuheimsen. In erster Linie wären hiebei die Schulen heranzuziehen. Dr. H. Reich fügt diesem interessanten Aufsatze noch bei, jeder kleine Haushalt möge sich sorgen, einige Liter Speiseöl für den Eigenbedarf zu erzeugen. Fünfzig Kilo Buchenkerne sind von fleißiger Kinderhand bald gesammelt. Sie geben überreichlich den Jahresbedarf an Speiseöl. Die Abfallprodukte nach dem Auspressen, der sogenannte „Ölkuchen", liefern ein ausgezeichnetes Viehfutter. Doch darf man Pferden diese Ölkuchen nicht verabreichen. — Nimmt man, was nicht zu hoch gegriffen ist, für das Gott» scheer Gebiet (herrschaftlicher- und Bauernwald zusammen etwa 20.000 Hektar Wald) einen Buchenbestand von etwa 2,000.000 Bäumen (100 auf 1 Hektar) an und rechnet man hievon nur die Hälfte, also 1,000.000 Buchen als fruchttragend, so gäbe das zehn Millionen kg Samen = 100.000 Meterzentner, was 1,000.000 kg = 10.000 Meterzentner Öl ergäbe, also 100 Waggons Ol. Und wenn es, sehr pessimistisch gerechnet, nur den fünften Teil davon ergäbe, so wären es 20 Waggons. Man hat im Sommer bei uns die Himbeeren mit so großem Eifer gesammelt, wichtiger, nützlicher und ertragreicher wäre nunmehr das ftfftematische Sammeln der Bucheln. ^ r . . Jeder Landwirt kann sich so selbst fernen Jahresbedarf an Öl verschaffen. Er fällt in seinem Waldanteil für den Winter mehrere Samenbuchen, die reich mit Bucheln behängen sind. Da man bei uns Ölpressen nicht hat, preßt er sodann die Bucheln unter Benützung eines Tuches oder eines Stückes Hausleinwand durch die Obstpreffe — allerdings nur ein Notbehelf — und bekommt so ein gutes Öl, das freilich nicht raffiniert ist. Aber die Dalmatiner verwenden ja auch nicht raffiniertes Ölivenol und die Steirer Bauern pressen sich ihr Kernöl (Kürbiskernöl) auch selbst. Selbst wenn das Öl verderben sollte, ist es als Schmieröl noch immer wertvoll und zu verwenden. In früheren Jahrhunderten trieb man m Buchchahren bei uns die Schweine in die Buchelmast. Wenn Heuer ein Bauer selbst davon absehen sollte, sich Buchelöl zu erzeugen, so sollte er wenigstens seine Schweine mit Bucheln füttern, die ein ausgezeichnetes Futter für die Mast sind. Also, Landwirte, eifrig ans Werk und nicht lange gezaudert, denn die Buchelreife beginnt bereits I Sammelt mit allen Kräften, was aufzubringen ist, sei es zur eigenen Verwendung, sei es zum Verkaufe. Die landwirtschaftliche Filiale in Gottschee ist gerne bereit, nähere Auskünfte zu erteilen. Aus Stadt und Land. (Vom politischen K o n z e pts d i enste.) Der k. k. Landesregierungskonzipist Herr Friedrich Den in Gottschee wurde zum Bezirkskommissär auf seinem gegenwärtigen Dienstposten ernannt. , — (Kriegsauszeichnungen.) Dem Oberleutnant Herrn Hugo Sch aut a des IR 17, wurde für tapferes Verhalten vor dem Feinde neuerlich bei Verleihung der Schwerter die Allerhöchste belobende Anerkennung bekanntgegeben. Dem Oberleutnant Herrn Felix Kren, IR 17, wurde das Militärverdienstkreuz dritter Klasse mit der Kriegsdekoralion und den Schwertern verliehen. — (Die belobende Anerkennung) des Militärkommandos Graz wurde dem Oberleutnant i. d. Res. Herrn Franz Eisenzopf des IR 27 ausgesprochen. — (Kriegsauszeichnung.) Herrn Johann Macher, Kaufmann in Gottschee, wurde die Silberne Tapferkeitsmedaille zweiter Klaffe zum zweitenmale verliehen. (Fünfte Kriegsauszeichnung.) . , N _ — (Fachinspektion des Zeichenunterrichtes.) Herr Prof Ladislaus Pazdirek in Graz wurde für die Schuljahre 1918/19 bis 1920/21 zum Fachinspektor für den Zeichenunterricht an den Mittelschulen und Lehrerbildungsanstalten in Steiermark, Kärnten und Krain ernannt. — (Vom Volksschuldienste.) Der Bezirksschulrat in Gottschee hat die Supplentin Fräulein Maria Maurin zur provisorischen Lehrerin an der vierklassigen Volksschule in Suchen ernannt. An Stelle der krankheitshalber beurlaubten Lehrerin Fräulein Franziska Stöckl wurde die gewesene Supplentin in Masern Fräulein Gabriele Högler zur Supplentin an der Volksschule in Stalzern bestellt. — Der Landesschulrat hat den Austritt der Lehrerin S. Charitas Rupnik und den Eintritt der absolvierten Lehramtskandidatin S. Archangela Theresia Kunc an der Volksschule im Marienheim in Gottschee sowie den dienstlichen Abgang der bisherigen Lehrerin und Leiterin S. Barbara Alaska Rothschedl und die einstweilige Betrauung der Lehrerin S. Pauline Remigia Ro s m a nn mit der Leitung der vorgenannten Privatoolksschule zur Kenntnis genommen. An Stelle des in aktiver Dienstleistung stehenden Lehrers Herrn Josef Kosar wurde die absolvierte Lehramtskandidatin Fräulein Theresia Turk zur Supplentin an der Volksschule in Hohenegg- bestellt. — (Trauung.) Am 2. Oktober fand in Oberlaibach die Trauung des Herrn Richard Loser, Kaufmanns in Triest (Gottschee), mit Fräulein Josesine Kunstel, Tochter des Kaufmanns Herrn Kosef Kunstel in Oberlaibach, statt. Herzlichen Glückwunsch! — (Kriegstrauung.) Am 23. September wurde in der hiesigen Stadtpfarrkirche Herr Josef Jaklitsch, k.-u. k. RUO I. Klasse, dermalen im Felde, mit der verwitweten Frau Josefine Perz geb. Jaklitsch aus Gottschee getraut. Trauzeugen waren für die Braut Herr k. k. Richter Gottfried Jaklitsch, für den Bräutigam Herr Ferd. Cian, Privatier. Herzlichen Glückwunsch I — (Ein Mahnwort an die Bauern.) Auf dem deutschen Volkstag in Mariatrost (Steiermark) sagte Pfarrer Dr. Gimpl u. ct.: Der Bauer mußte Raubbau an seinem Boden treiben. Er wird schwere Not haben, den Boden wieder in den alten Zustand zu versetzen, um die Konkurrenz mit den ungarischen Bauern auszuhalten. Bauern, sparet mit dem Geld! Geht nicht in Samt und Seide, traget das Geld nicht ins Wirtshaus. Es wird eine Zeit kommen, wo ihr das Geld notwendig braucht. — (Schnee.) Am 2. Oktober mischten sich unter den starken Regen Schneeflocken. Der Bergwald wurde weiß. Ein allzufrüher Vorbote des Winters! — (Schüleraufnahme) am k. k. Staatsgymnasium in Gottschee zu Beginn des Schuljahres 1918/19: Vorbereitungsklasse 15—j—2 (hospitierende Privatistinnen), 1. Klasse 27+2, 2. Klasse 23+2, 3. Klasse 19+2, 4. Klasse 15, 5. Klasse 9+1, 6. Klasse 13+1, 7. Klasse 6+2, 8. Klasse 7. Ins Gymnasium traten also 119+10 Schüler und Schülerinnen ein, in die Borbereitungsklasse 15+2 Schüler und Schülerinnen. Gesamtausnahme: 146 Schüler und Schülerinnen. — (Jahresbericht der Bezirkskrankenkasse in Gottschee.) Die Bezirkskrankenkasse in Gottschee hat an der Hand eines von der Staalsdruckerei in Wien aufgelegten Musterstatuts die neuen Statuten verfaßt und der Bezirkshauptmannschaft in Gottschee zur Vorlage an die Landesregierung behufs Genehmigung übermittelt. ■— Zu Beginn des Jahres 1917 belief sich der Mitgliederstand auf 328; durch Einberufungen zur Kriegsdienstleistung und Arbeitseinstellungen verringerte er sich mit Ende Dezember 1917 auf 249, und zwar 217 männliche und 32 weibliche Mitglieder. Die monatliche Durchschnittszahl betrug 270. Von diesen Mitgliedern erkrankten im Berichtsjahre 69 männliche und 4 weibliche, zusammen 73 Mitglieder mit 1770 Krankheitstagen. Die durchschnittliche Krankheitsdauer einer Person betrug sohin 24 Tage. Gestorben sind 2 männliche Mitglieder. Für sämtliche Krankheitslage wurde, ohne die Tätigkeit des Schiedsgerichtes in Anspruch zu nehmen, das Krankheitsgeld vollkommen ausbezahlt. Die ärztliche Behandlung besorgte in den Gerichtsbezirken Gottschee, Reifnitz und Großlaschitz je ein Arzt. Die Geschäfte der Kasse besorgte der Obmann und ein Diener, die Krankenkontrolle die Vertrauensmänner der Gemeinden. Was die Kassagebarung anbelangt, weist der Rechnungsabschluß (vom 1. Jänner bis 31. Dezember 1917) folgende Ziffern auf: Einnahmen: Beiträge der Mitglieder: wirklich eingenommen K 4369'78, am 31. Dezember noch ausständig K 449 36, zusammen K 481914; Beiträge der Arbeitgeber: wirklich eingenommen K 2185'02, am 31. Dezember noch ausständig K 224'68, zusammen K 2409"70; Eintrittsgelder K 5'64, Strafgelder K 1432, sonstige Einnahmen K 65 20, Zinsen K 1318'86, am 31. Dezember noch ausständig K 9'64, zusammen K 1328 30, Reservefond am Schluffe des Vorjahres K 19.262 95; Gesamteinnahmen daher K 29.322'39. Ausgaben: Krankengeld K 2495 67, Kosten der Ärzte und Krankenkontrolle K 1135'27, Heilmittel K 589'21, Spital- und Transportkosten K 480 30, Beerdigungskosten K 80'40, Verwaltungskosten K 2239'50, Abschreibung vom Inventar K 2'39, andere Abschreibungen K 47'60, sonstige Ausgaben K 9'50, gegenwärtiger Reservefond K 21.812'30, Lombardzinsen K 480 70, Gesamtausgaben K 29.322D3. Der Vermögensausweis am 31. Dezember 1917 weist folgende Posten auf: Aktiva: Bargeld mit 31. Dezember 1917 K 159'96, Wertpapiere K 27.790, Postsparkasse K 284'66, Sparkasseeinlage K 3387'31, Wert des Inventars K 21'55, Ausstände an Kasseubeiträgen K 674'04; zusammen K 32.317'52. Passiva: aufgenommene Darlehen K 9491'80, un-berichtigte Forderungen des Arztes K 412'50, der Apotheken K 170'22, anderweitige unberichtigte Forderungen K 430 70, gegenwärtiger Reservefond K 21.812*30; zusammen K 32.317 52. Die Bezirkskrankenkasie hat auf die Kriegsanleihen gezeichnet: auf die 3. Kriegsanleihe K 10.000, auf die 4. K 8000, aus die 5. K 5000, auf die 6. K 5000, auf die 7. K 2000, zusammen K 30.000. — Der Obmann Herr Hans Arko hat vor 24 Jahren (im Jahre 1894) die Bezirkskrankenkasse mit einem Fehlbeträge von 4000 K übernommen, nun besitzt sie einen Reservesond von nahezu 22.000 K — ein sprechender Beweis für die umsichtige, treffliche Verwaltung. — (Die Kriegsschäden Laibachs.) Der Laibacher Gemeinderat beschloß, bei der Kreditanstalt für den südlichen Kriegsschauplatz zwecks Deckung der durch die Kriegsereigniffe im Stadtgebiete verursachten Schäden, die nach der Schätzung des städtischen Bauamtes mit vier Millionen Kronen beziffert werden, die Aufnahme eines Darlehens von 3Millionen zum ermäßigten Zinsfüße. — (Vorsicht!) Eine alpenländische Realitäten-Verkehrs-Kanzlei versendet.an Landwirte unseres Bezirkes Zuschriften, in denen vertraulich angefragt wird, ob sie geneigt wären, ihren Besitz zu verkaufen. Die Käufer selbst werden vorläufig nicht genannt. Wir möchten davor warnen, sich mit solchen auswärtigen Gütermaklern in derlei Geschäfte einzulassen. Was ein bäuerlicher Besitz irgendeinem Reflektanten in Steiermark oder sonstwo wert ist, das ist er sicherlich auch uns selbst wert. Realbesitz geht jetzt vor Geld. Will man aber verkaufen, so gibt es reelle Käufer im Lande selbst, die in unsere Verhältnisse besser Hineinpassen als fremde Elemente. — (Zur Volkskunde Gottschees.) Die Literatur über Gottschee ist leider selbst in den Kreisen der gebildeten Gottscheer noch zu wenig bekannt. Wie viele wissen z. B., daß wir auch über die Volkskunde von Gottschee wissenschaftliche Aufsätze und Schriften besitzen! Herr Lehrer Wilhelm Tschinkel in Gottschee, der auf diesem Gebiete eifrig und erfolgreich sich betätigt, hat bereits im Jahre 1904 ein Büchlein erscheinen lassen. Es ist betitelt: „Sagen aus Gottschee". Preis 80 Heller; gegenwärtig bereits vergriffen' In der „Zeitschrift für österreichische Volkskunde" von Dr. Mich. Haberlandt veröffentlichte Herr Lehrer Tschinkel im Jahre 1907 den sorgfältig verfaßten Aufsatz: „Brauch und Volksglaube in Gottschee." Besonders fest halten bei uns bekanntlich die Bräuche, die mit den Feldarbeiten des Landwirtes verknüpft sind. Manche Bräuche stellen Reste deutschen Volkstums dar, deren Ursprung bis ins germanische Heidentum zurückreicht. Im Jahrgang 1908 der genannten Zeitschrift folgten sodann aus Herrn Tschinkels sachkundiger Feder die „Volksspiele in Gottschee" und im Jahrgang 1909 der Aufsatz „Zur Gottscheer Volkskunde," der auch manches Interessante über Volksheilkunde enthält nebst mehreren Legenden. Dieser Aufsatz und die „Volksspiele in Gottschee" sind auch als Sonderabdrücke erschienen (Wien 1910, Verlag des Vereines für österreichische Volkskunde) ; Preis jedes der beiden Sonderabdrücke 1 K. Diese Schriften sollten nicht bloß Freunde der Gottscheer Volkskunde besitzen, sondern auch unsere heimischen Schulbüchereien, ebenso wie auch die „Grammatik der Gottscheer Mundart" von Dr. Hans Tschinkel, dann das grundlegende Werk von Dr. Hauffen „Die deutsche Sprachinsel Gottschee" und die geschichtlichen Aufsätze über Gottschee in mehreren Jahrgängen des „Deutschen Kalenders für Krain" in keiner Schulbücherei unseres.Ländchens fehlen sollten. Auch der Leseverein in Gottschee sollte die Literatur über Gottschee möglichst vollständig besitzen. So mancher Fremde, der sich für unser Ländchen interessierte und Gottschee aufsuchte, fragte bei dieser Gelegenheit schon um Bücher und Schriften über Gottschee. Es sollte wenigstens eine Stelle in der Stadt Gottschee geben, wo man im Interesse des Fremdenverkehrs derlei Schriften zur Einsichtnahme bieten könnte. — (Höchstpreise für Erdäpfel.) Mit der Verordnung des k. k. Landespräsidenten in Krain vom 20. September 1918 sind beim Kleinverkaufe von Kartoffeln (in Mengen unter einem Meterzentner) für ein Kilogramm Kartoffeln nachstehende Höchstpreise festgesetzt worden: für Kipfler 66 Heller, alle anderen Sorten von Kartoffeln 36 Heller. — (Kriegsbesch ädigten-Fürsorge.) Kriegsminister Frh. v. Stöger-Steiner erklärte, vom Bau von Jnvalidenhäusern, in welchen die Insassen zur Untätigkeit verdammt seien, werde abgesehen werden. Invaliden mit mindestens 75% Erwerbsunfähigkeit soll durch Zuweisung eines kleinen Hauses mit Grundstück oder eines bescheidenen Handels- und Gewerbebetriebes eine dauernde Existenzmöglichkeit gesichert werden. — (Krebse in der Ri ns e.) In früherer Zeit wimmelte es in der Rinse von Edelkrebsen. Unter jedem Stein, in jeder Fuge waren sie zu treffen. Schon Valvasor pries den Krebfenreichtum unseres Flüßchens. Da trat vor etwa 30 Jahren überall in Europa die Krebsenpest auf, welche die Krebsenbestände vernichtete. Bei uns war 1893 das Jahr der Krebsenvernichtmtg. Den Ansteckungsstoff hatten wahrscheinlich Wasservögel (Wildenten) und Fischottern von der Knlpa oder anderswoher in die Rinse übertragen. Durch volle 25 Jahre war kein Krebs mehr zu sehen. Die Versuche, bosnische Krebse und galizische Sumpfkrebse anzupflanzen, waren vergeblich. Nun wurde heuer endlich wieder das Vorkommen von Krebsen in der Rinse festgestellt, und zwar nicht nur im Oberlaufe bei Windisch-dorf und beim Ubrich, sondern auch in der Stadt. Man fand nicht nur kleine Krebse, sondern auch einzelne größere Stücke. Es heißt nun, die Krebse schonen — insbesondere die Weibchen —, dann wird in den nächsten Jahren ihre Zahl immer mehr zunehmen und sich allmählich wieder der frühere große Krebfenreichtum einstellen. — (Heimatsgefühl; Familien-Kriegschroniken.) Das Kostbarste, das ein Land besitzt, sind seine Menschen. Von diesem Schatze ist uns in Gottschee leider ein großer Teil durch die Auswanderung nach Amerika verloren gegangen. Die Art und Weise, wie jetzt die Deutschen in den Vereinigtet! Staaten behandelt werden, dürfte für die Zukunft doch einigermaßen abschreckend wirken und nach dem Krieg den Auswandererstrom aus Gottschee vielleicht stauen. Man muß aber auch alles tun, um dem Heranwachsenden Geschlechte die Heimat lieb, wert und teuer zu machen. Eltern, Geistliche und Lehrer sollten sich nach Kräften bemühen, das Heimatgefühl zu fördern. Freilich muß man die Heimat selber genauer kennen, um ein gehobenes Heimatgefühl in die Seele der Jugend pflanzen zu können. Nur wer feine Heimat kennt, liebt sie mit allen Fasern. Und wer sie liebt, ist auch bereit, seine ganze Krast für sie zu opfern. Auch aus diesem Grunde ist es zu Begrüßen, daß bei uns von nun an alljährlich eine Jahrschrift für die Geschichte und Landeskunde an unserer engeren Heimat erscheinen wird. 600 Jahre siedeln wir Gottscheer schon in unserem Ländchen und wie wenig ist noch unsere Vergangenheit aufgehellt! Außer den Namen der jeweiligen Herr-fchaftsbesitzer und einigen Notizen bei Valvasor über Türkeneinfälle n. dgl. ist uns im übrigen nur sehr wenig bekannt. Das Arbeitsfeld, das da zu beackern sein wird, ist also ein umfangreiches. Es wird heißen, Jahr für Jahr immer mehr Bausteine zusammenzutragen für die einst zu schaffende zusammenhängende Geschichte von Stadt und Land Gottfchee. Wir werden unsere liebe Heimat und ihre Vergangenheit von Jahr zu Jahr besser kennen lernen. Sind wir doch leider so ziemlich traditionslos geworden. In Seelen, die durchdrungen sind von großen, erhebenden Überlieferungen, kann auch eine dauernde Entmutigung nicht platzgreifen. Und hat nicht auch unser teures, liebes Gottschee große Erinnerungen? Sind nicht die Jahrhunderte währenden Türkenkämpfe eine Heldenzeit unseres Volkes gewesen P Schade, daß von unseren Bürger- und Banern-familien bisher die geschichtliche Überlieferung so wenig gepflegt worden ist, daß wir keine Familienchroniken besitzen. Man sollte wenigstens jetzt, in der gegenwärtigen großen Zeit, mit der Anlegung solcher Fainilienanszeichnungen und Familien-Gedeukbücher beginnen. Als Grundlage und teure Andenken von dauerndem Werte könnten da die Feldbriefe und Feldpostkarten des Vaters, des Bruders, des Sohnes dienen und wären sie auch in einem noch so holperigen Deutsch geschrieben. Sie sollen ein Heiligtum der Familie bleiben, das treu aufbewahrt wird. Da und dort findet sich vielleicht auch ein fchreibkundiger Sohn, der nach dem Kriege feine Erinnerungen schriftlich aufzeichnet. Möge unsere Anregung auf fruchtbaren Boden fallen. Familien, die ihre eigene Geschichte in Ehren halten, werden auch die festeste Stütze ihrer Heimat sein. Sie werden eine innigere, weil inhaltsvollere Heimatliebe besitzen und sich eine größere Kraft erwerben, der Heimat treu zu bleiben in jeder, wenn auch noch so schwierigen Lage. Die Familienerinnerungen werden gewissermaßen einen bürgerlichen oder bäuerlichen Adelsbrief darstellen und der Familie Kraft und Halt gewähren in Zeiten der Not und der Bedrängnis. — (Ein Wort über Enthebunge n.) Selbständige Land-wirte (Grundbesitzer) werden leichter enthoben als solche, die keinen eigenen Besitz haben. Wenn daher alte, gebrechliche Eltern nicht anderweitige Bedenken haben, mögen sie jetzt ihren halben oder ganzen Besitz ihrem Sohne übergeben. Dieser ist dann selbständiger Besitzer und kann so eher auf eine Enthebung hoffen. Ganz sicher ist die Enthebnng freilich dann auch noch nicht, aber wahrscheinlicher. Mit vielen Schwierigkeiten verbunden ist die tatsächliche Enthebung auch daran, wenn der Mann Feldpostnummer hat. In diesem Falle kann das Landesverteidigungsministerium nur einen Antrag auf Enthebung stellen, die Enthebung selbst durchführen kann es nicht. Der Enthebungsantrag geht in einem solchen Falle an das betreffende Armeekommando. Dieses Kommando ist vom Landesverteidigungsministerium aber vollständig unabhängig, es braucht sich an die Vorschläge des Ministeriums nicht zu halten und hält sich oft auch nicht daran. Der Mann ist dann auf dem Papier zwar enthoben, aber heimkommen kann er nicht. Wenn daher Eltern mehrere Sohne beim Militär haben, die nicht zu jung sind, und von denen der eine eine Feldpostnummer hat, der andere aber nicht, so ist es ratsam, um Enthebung desjenigen Sohnes einzureichen, der keine Feldpostnummer hat. — (Direkte Kartofselversorgung der Konsumenten.) Um einem Wunsche weiter Kreise der Nichtselbstversorger entgegenzukommen, hat die Landesregierung über Ermächtigung des Amtes für Volksernährung gestattet, daß die Nichtselbstversorger ihren Kartoffelbedarf durch direkten Bezug vom Produzenten decken dürfen. Hiebei sind folgende Grundsätze zu beachten: 1.) Der Bezug darf nur innerhalb des Landes erfolgen. 2.) Die Jahresverbrauchsmenge bis zur nächsten Ernte darf für die Person höchstens 100 kg betragen. 3.) Bezugsbewilligungen dürfen nur nach Verzicht auf die Kartoffelkarten ausgestellt werden. 4.) Die Gesuche um Bezugsbewilligungen innerhalb desselben politischen Bezirkes sind an die politische Behörde I. Instanz (Bezirkshauptmannschaft), Gesuche um Bezugsbewilligungen außerhalb des politischen Bezirkes ätt die Zweigstelle der Kriegsgetreideverkehrsanstalt in Laibach zu richten. Die politische Bezirksbehörde (im 1 Falle) und die Zweigstelle der Kriegs- getceideverkehrsanstalt (im 2. Falle) stellen dem Konsumenten Transportbescheinigungen aus. 5.) In dem Gesuche muß die genaue Adresse (Name, Wohnort, Hausnummer) des Produzenten, d. i. des Landwirtes, von dem der Nichtselbstversorger Kartoffeln beziehen will, angeführt werden, da sonst die Gesuche au den Gesuchsteller zur Ergänzung zurückgestellt werden müßten, was nur Zeitverlust bedeuten würde. 6.) Behufs Erzielung einer raschen Erledigung der Gesuche daüen die Parteien dieselben nach den bei den politischen Bezirksbehörden (Bezirkshauptmannschaft, in Laibach beim Stadtmagistrat) erhältlichen Formularien zu verfassen. 7.) Die Frist für die Einbringung der Gesuche um Bewilligung des kurzwegigen Bezuges von Kartoffeln endet mit 2. November 1918. Eine Verlängerung dieser Frist wird unter keinen Umständen stattfinden. Es müssen daher die Gesuche bis zu diesem Zeitpunkte eingebracht werden. Jene Gesuche jedoch, welche bis zum 2. November zur Post gegeben werden, werden noch berücksichtigt werden. Sowohl die Produzenten als auch die Konsumenten werden jedoch nachdrücklichst darauf aufmerksam gemacht, daß Preisüberschreitungen strengstens geahndet werden. Der Höchstpreis für gewöhnliche Erdäpfel beträgt bei Mengen unter 100 kg 36 h, für Kipfler 66 h für 1 kg, bei Mengen von wenigstens 100 kg und darüber für gewöhnliches Erdäpfel 20 K per Meterzentner, für Kipfler jedoch 50 K pro Meterzentner. Diese kurzwegige Belieferung von Kartoffeln gilt nur für private Haushaltungen (Kartoffelkartenbesitzer). — (Trotz reicher Blüte wenig Obst.) Die Äpfel- und Birnbäume haben Heuer im Frühjahr reichlich Blüten getragen und doch gibt es so wenig Äpfel und Birnen, nur die Zwetschkenbäume tragen reichlicher. Woher kommt diese Erscheinung, die nicht nur bei uns, sondern auch überall anderwärts heuer zu beobachten ist? Der Landwirt pflegt zu sagen: Nach der vorjährigen reichen Ernte müssen die Bäume rasten. Aber die Annahme, daß nach einer reichen Ernte eine mindestens einjährige Pause in der Fruchtbarkeit ernteten müsse, ist nicht richtig. Direktor Sprenger schreibt in den Gartenbau-Mitteilungen: Infolge der geringen Bodenfeuchtigkeit im vorigen Sommer zeigten sich an den Obstbäumen nur sehr kurze Holztriebe, die aufgenommenen Nährstoffe wurden somit größtenteils zur Bildnng von Fruchtaugen verbraucht, daher das reiche Blühen im heurigen Frühjahr. Manche Bäume ließen nun sämtliche Blüten, einige fast alle fallen, woran in erster Linie die geringe Bodenfeuchtigkeit, in zweiter Linie Mangel an Nährstoff (Dünger) schuld trug. Die Schneelage war im vergangenen Winter viel zu ungenügend, um bei der Schmelze die Erde vollkommen zu sättigen. Die Frühjahrsniederschläge blieben aus, weshalb es einleuchtend ist, daß die Blüten bei dem Abgange der ihnen so notwendigen Feuchtigkeit von vorneHerein dem Untergange geweiht waren. Wo trotzdem die Bedingungen zum Fruchtansatz vorhanden waren, hat der Apfelblütenstecher die Hoffnungen zerstört. '— (Zur südslawische Frage.) In einem Aufsatze (Die deutsche Realschule in Laibach) schreibt Landtagsabgeordneter, Herr Dr. Eger u. a., es sei nicht anzunehmen, daß Staatsmänner, die die Interessen der Monarchie und der Dynastie vor Augen haben, einer Verwirklichung der slawischen Deklarationsbestrebungen nähertreten werden. Es werde dann der Augenblick kommen, in dem eine allgemeine Ernüchterung eintreten wird aus dem Rausch, in dem man sich jetzt befinde. — (In schwerer Stunde.) Eine Reihe.schwerer Tage liegt hinter uns. Nerven, Nerven! Man darf sie jetzt nicht verlieren. Wir stehen jetzt in dem schwersten Zeitpunkt des Weltkrieges. Bulgarien hat eine katastrophale Niederlage erlitten, hat uns im Stich gelassen und einen Waffenstillstand mit der Entente abgeschlossen. Dadurch ist für die Monarchie im Süden eine ernste Lage geschaffen worden. Aber sie ist zum Glück keine kritische. Die entsprechenden militärischen Vorkehrungen sind im Verein mit dem Deutschen Reich ungesäumt und umfassend getroffen worden; sie sind im guten Gange und es ist afles geschehen, um der weiteren Entwicklung auf dem Balkan mit Ruhe entgegenblicken zu dürfen. Auch im Westen gab es sorgenvolle Tage. Der Einbruch der feind- lichen Heeresmassen in die Siegsriedstellungen schuf eine bange Lage. Aber der Durchbruch ist dem Feinde nicht geglückt. Wir dürfen auch dort dem Ausgange mit Vertrauen entgegensehen. — (Was auf dem Spiel steht.) Einen Aufruf zur nationalen Verteidigung erläßt der sozialdemokratische „Vorwärts", indem er in der eindringlichsten Weise darstellt, was alles über Deutschlands Volk hereinbräche, wenn es die Westfront nicht hielte: Hungersnot, Arbeitslosigkeit, Bürgerkrieg, Seuchen und schließlich ein Frieden, der die Hölle auf Erden wäre. Weiter heißt es dann in dem Artikel: „Darum, nicht um die Machthaber zu schützen, muß die Westfront sestbleiben. Die Standhaftigkeit einiger Wochen kann uns das Elend vieler Jahre ersparen! . . . Die Regierung, die an den Friedenstisch geht, muß eine Volksregierung sein, die das ganze Volk hinter sich hat, wo es gilt, die Sicherheiten des kommenden Friedenszustandes festzulegen, aber auch dort, wo es notwendig ist, den imperialistischen, Deutschlands Zukunft vernichtenden Forderungen der Gegner mit festem Willen zu begegnen. Das kann sie nur tun, wenn die Front fest ist und wenn im Lande Ordnung herrscht I Der größte Krieg, den die Menschheit erlebt hat, endet, wie alle Weiterblickenden vom ersten Tage an gesagt haben, als ein reiner deutscher Verteidigungskrieg. Als solcher muß er jetzt so rasch wie möglich und so gut wie möglich zu Ende gebracht werden. Wir Volk haben dazu unsere Pflicht getan und denken nicht, sie im letzten Augenblick zu verlassen. Nun tut auch ihr oben eure Pflicht, bescheidet euch in Dankbarkeit für all das, was euch erspart und erhalten blieb, und begreift, daß die neue Zeit da ist, in der die Völker sich selbst regieren 1" — (Die Ruhr) herrscht jetzt in vielen Gegenden Krams. Sie ist eine ansteckende Krankheit des Darmes und entsteht dadurch, daß Ruhrbazillen bei der Nahrungsaufnahme in den Darmkanal gelangen und so Entzündungsprozesse erzeugen. Die Ruhr beginnt mit Durchfällen und heftigem Stuhldrang, oft begleitet von krampfartigen Schmerzen im Bauche. Die Stuhlentleerungen sind stark schleimhältig und oft mit Blut untermischt. Durch Fliegen, die sich auf den Entleerungen Ruhrkranker niederlassen, können die Keime nicht nur auf Gebrauchgegenstände aller Art, sondern auch auf Nahrungsmittel übertragen werden. Man kann sich vor Erkrankung an der Ruhr durch folgende Maßregeln schützen: 1.) Enthaltung von allen schwerverdaulichen Nahrungsmitteln, vor allem von solchen, bei denen die Gefahr einer Verunreinigung besteht: Also: Kein ungeschältes Obst essen! Keine Gurken, keinen Salat, keine Melonen essen! Keine ungekochte Milch trinken! Den Genuß ungekochter Speisen womöglich überhaupt vermeiden! 2.) Größte Reinlichkeit in Aborten! 3.) Reinigung der Hände nach jeder Benützung des Abortes und vor jeder Nahrungsaufnahme! 4.) Bei verdächtigen Krankheitserscheinungen (Durchfällen, Erbrechen, Kolikschmerzen) sofort den Arzt verständigen! — (Keine neue Überprüfung der Enthobenen.) Landesverteidigungsminister v. Czapp erklärte, eine Überprüfung des Nichttauglichkeit-grades bei Enthobenen der Geburtsjahrgänge 1892 bis 1866 sei nicht beabsichtigt. Es sind daher die etwa in den Zeitungen'hierüber veröffentlichten Nachrichten irrig. — (Kaiserworte.) Kaiser Karl erwiderte anläßlich der festlichen Ankunft von Ferienkindern aus Ungarn am 27. September auf die Ansprache des Wiener Vizebürgermeisters Hierhammer u. a. folgendes: „ . . . Der nun schon über vier Jahre dauernde Krieg, dessen baldiges Ende wir alle herbeisehnen, legt der Bevölkerung des ganzen Reiches ungeheure Lasten auf. Standhaft erträgt sie diese Leiden in dem Bewußtsein, daß wir alle nichts anderes wollen, als auf unserem heimatlichen Boden ungestört und in Frieden leben zu können. In keinem anderen als in diesem Sinne verteidigen die wackeren Söhne des Vaterlandes mit ihrem Blut und ihrem Leben die gemeinsame Existenz; und in erhabener Aufopferung bestehen auch die Helden des Hinterlandes — nicht in letzter Linie die Frauen — den schweren Kampf um die Rettung des Staates aus Not und Gefahr ... Die Bevölkerung fühlt es, daß Ich und die Kaiserin mit ihr eines Herzens und eines Sinnes sind, daß alle Meine Gedanken sich darauf richten, mit Gottes Hilfe Meine Völker aus bitterer Drangsal zu befreien und ihnen die Möglichkeit eines geordneten Daseins zu verschaffen..." — (Kriegswetten in England.) Die „Times" meldet, daß bei „Lloyds" umfangreiche Wetten über die Dauer des Krieges abgeschlossen werden. Es wurden Prämien von 25 Prozent dafür gezahlt, daß der Krieg bis 31. März 1919 zu Ende sein wird. 50 bis 60 Prozent wurden sür Wetten gezahlt, daß der Krieg bis 1. Juli, beziehungsweise bis 30. September 1919 aus sein wird. — (Vertagung der „Entscheidung"?) Der „Temps" meldet von der Front: Die neue deutsche Front hält bisher allen Angriffen stand. Ob die Verteidigung der Front eine Fortsetzung der Fochschen Pläne für dieses Jahr zuläßt, wird in militärischen Kreisen nicht als unbedingt sicher angesehen. Das würde eine Vertagung der letzten Entscheidung um den Boden Frankreichs auf das nächste Frühjahr bedeuten. — Clemenceau besichtigte vor einigen Tagen die Zerstörungen in Reims und erklärte, das Ende des Krieges fei nicht mehr ferne; es gelte noch einen Winter durchzuhalten. — Wenn nicht die Halsstarrigkeit Clemenceaus und ähnlicher Staatsmänner in den Ländern der Feinde das Friedensanerbieten der Mittelmächte wirkungslos machte, brauchten wir keinen fünften Kriegswinter mehr zu haben. Die Regierungen der Feindstaaten wollen keinen Frieden, ihre Antworten sind brüsk, ihre Presse tobt in Vernichtungsgeschrei und will einen Gewaltfrieden mit dem Knie auf der Brust und mit der Hand um die Gurgel des Gegners. So brutal ist gegenwärtig die Kriegsraserei im Verbandslager. Aber es ist die Frage, ob das eine Stärke oder eine Schwäche des Gegners ist. Der Fanatismus ist kein guter Berater von Nationen und Staaten. Endlich wird sich doch die Vernunft melden müssen gegen diesen Unsinn, gegen dieses wahnwitzige Verbrechen an der Menschheit, einen Krieg auch dann noch fortsetzen zu wollen, wenn ein guter, anständiger Friede erreichbar ist. — (Bekämpfung des Rotzes durch ein Heilserum.) Nach einer uns von zuverlässiger Seite zugekommenen Mitteilung hat die Heeresverwaltung beschlossen, ein Rotzforschungslaboratorium zu errichten mit der Aufgabe, dieser schrecklichen Seuche mit einem Heilserum an den Leib zu rücken. Es sind zu diesem Zwecke bis jetzt etwa 200 Stück rotzkran^e Pferde dem Laboratorium zur Verfügung gestellt, das durch das große Entgegenkommen der Heeresverwaltung mit allen erdenklichen Hilfsmitteln reichlichst ausgestattet wurde. Bisher wurden bekanntlich nach den Bestimmungen der Tiersencheugesetze alle rotzerkrankten Pferde sofort getötet und war wegen der großen Gefährlichkeit dieser Seuche für Tiere und Menschen jeder Heilungsversuch verboten. Nun sollen mit Hilfe der größten Vorsichtsmaßregeln und nach den Erfahrungen der modernen biologischen Serumforschung Heilungsversuche gegen den Rotz gemacht werden. Zu dieser überaus schwierigen Mission hat die Heeresverwaltung Herrn Dr. Hans G anslmayer, Chefbakteriologen des Rotzlaboratoriums , berufen, da man sich auf Grund seiner wissenschaftlichen Arbeiten am pathologisch-anatomischen Institut in Wien, am kaiserlichen Gesundheitsamt in Berlin bei Geheimrat v. Ostertag und als langlähriger Direktor-Stellvertreter am Jmpsstoffinstitut des Ackerbauministeriums eine erfolgreiche Lösung dieser schwierigen Probleme verspricht. Herr Dr. Gansl-mayer war bisher als Cheftierarzt eines Feldartillerieregimentes an der Piavefront eingeteilt, wo er sich sehr wohl sühlte. In dieser großen Sache hat er sich aber mit Rücksicht aus die hervorragende Bedeutung einer erfolgreichen Lösung dieses Fragenkomplexes hiesür bereit erklärt und die Berufung angenommen. Diese Berufung ist sehr ehrenvoll und schließt in sich eine Anerkennung der Bedeutung seiner bisherigen serologischen Arbeiten, die auch in Deutschland, und zw. am kaiserlichen Gesundheitsamte in Berlin, zu einer größeren Versuchsreihe Veranlassung gegeben haben. Herr Dr. Ganslmayer geht nun mit Energie und großer Hoffnung an das Werk und ist von der Zuversicht erfüllt, daß die Heilung des Rotzes mit einem Impfstoffe gelingen wird. Mit der Lösung dieser Frage wird auch Klarheit gebracht in das Gebiet der Rindertuberkulosebekämpsuug, was hinwiederum für die wissenschaftliche Tuberkuloseforschung große Perspektiven eröffnet. — (Speisefett — aus Bucheln.) Eine reiche Ernte, die nicht erhofft war, sür welche keines Menschen Hand gesät, keines Menschen Sorge gehegt hat, verheißen uns Heuer unsere Buchenwälder zum Nutzen unserer arg bestellten Fettöpse. Die Buchel — diese ölreiche Frucht der Buchen —, welche in Jahren einer normalen „Mast" nur spärlich fällt, hängt in Üppiger Fülle in den Kronen der Buchen und wird bald in dichten Hlmsen den Wald--boden bedecken. Dann gilt es nur, sie zu bergen und der Ölge-winnung zur Erzeugung von Speisefett nutzbar zu machen. — Die Buchelkerne werden zu angemessenem lohnenden Preise von der Österreichischen Öl- und Fettzentrale A.-G. und — in kleineren Mengen. — durch die Übernahmsstellen der Hauplsammelstelle beim k. k. Amt für Volksernährung übernommen. — Um den Sammlern nebst dem. Sammellohn auch einen erheblichen Anteil am Ölertrag der Bucheln zu sichern und sie hiedurch zur Sammeltätigkeit wirksam anzuregen, hat die Öl- und Fettzentrale mit Ermächtigung des k. k. Handelsministeriums und des k. k. Amtes für Volksernährung als Prämie für die Ablieferung von je 100 Kilogramm Bucheikernen das Anrecht auf den Bezug von drei Kilogramm Speisefett zum Preise von 15 K für ein Kilogramm eingeräumt. Diese als Prämie für die freiwillige Sammlung der Buchelkerne gewährte Fettzubuße wird in die rationierte Fettquote nicht eingerechnet. — Es ist zu hoffen, daß die Einbringung der Bucheln allgemein mit intensivem Interesse betrieben werden wird und hiedurch unserer Fettversorgung namhafte Mengen dieser jetzt so kostbaren Ölfrucht zufließen werden. — (Neues Grundverkehrsgesetz.) Die Regierung hat den Entwurf eines Grundverkehrsgesetzes ausgearbeitet, der als Regierungsvorlage im Reichsrate eingebracht wurde und bestimmt ist, an die Stelle der kaiserlichen Verordnung vom 9. August 1915 zu treten. Nach diesem Gesetzentwürfe wird dem Verkäufer eines Grundes das Recht eingeräumt, vom Kaufe zurückzutreten, solange dieser nicht in einverleibungsfähiger Form bekundet ist. Hiedurch wird mancher Verkauf noch in letzter Stunde vereitelt werden können. — (Viehverkauf und Einkommensteuer.) Ju einem Merkblatt der Kärntner Biehoerwenungsgesellschaft über die Einkommensteuerpflicht des Erlöses für verkauftes Vieh wird ausgeführt: Wie viel habe ich von dem Erlöse meines im Jahre 1917 verkauften Viehes zur Einkommensteuer einzubekennen? Antwort: Nur so viel, als ich aus dem Verkaufe von Vieh erzielt hätte, wenn ich meinen ganzen Fundus instruktus (das ist: das zur Fortsetzung des ordentlichen Wirtschaftsbetriebes.nach Friedensverhällmssen erforderliche Vieh) hätte behalten können. Was ich mehr verkaufen, mußte, um das habe ich mein Stammkapital geschädigt; dieser Mehrerlös unterliegt nicht der Einkommensteuer. — Die Tabakanpflanzungen der Bauern.) Die Tabaknot hat manche Pfeifenraucher veranlaßt, selbst Tabak anzubauen, wenngleich dies ohne Bewilligung der Finanzbehörde nicht gestattet ist. Sie wollen selbst ein wirklich rauchbares Kraut gewinnen, da-bekanntermaßen alle Tabakersatzprodukte, seien sie nun Huflattich, Buchenlaub, Rosenblätter, Steinklee usw. zu nichts taugen, weil sie, trotz der Beize, zu gehaltlos sind. In manchen Gebirgsgegenden haben. Bauern in ihrer Not an Tabak selbst zu den Blättern der Herbstzeitlose (Hemer) gegriffen, doch oemrfachte das Rauchen der Blätter dieser Giftpflanze Bergistungserscheinnngen leichteren und schwereren Grades. Die Südländer entbehren den Tabakgenuß noch schwerer. In Kroatien ist aber die Finanzbelörde so einsichtsvll, den Bauern auf dem halben Wege entgegen- zu kommen. Sie hat mit Rücksicht ans die außerordentlichen Verhältnisse das Anbauen von Tabak in einem gewissen beschränkten Ausmaße gestattet, hebt jedoch für jede Tabakpflanze eine Steuer von 15 bis 20 Heller ein. — (Für eine slowenische Nationalsteuer.) Der Präsident des Volksrates in Laibach Dr. Anton Korošec richtet an die südslawische Öffentlichkeit den Appell, mittels freiwilliger Volkssteuer dem Volksrate die materiellen Mittel sicherzustellen. Witterdorf. (Kirchliches.) Hochw. Herr Kaplan Heinrich Witt ine, der seit August 1915 hier in der Seelsorge tätig war und durch sein bescheidenes, ruhiges Auftreten in Kirche und Schule ersprießlich wirkte, hat am 1. Oktober seinen neuen Posten als Pfarrverweser in Stockendorf angetreten. Wir wünschen, daß auch da seine Arbeit segensreich wäre. Im Seminarpriester Herrn Joh. Semič erhalten wir einen neuen Kaplan. — (Mangel auf allen Seiten.) Vor Eintritt strenger Witterung müßten jetzt bei Haus und Hof die Dächer ausgebessert werden. Doch wegen Mangel an Ziegeln und Schindeln werden solche Arbeiten wieder aufgeschoben. Für unsere Pfarrkirche wird schon seit zwei Jahren vergebens da und dort um Ziegel angeklopft. Auch aus Reifnitz sind solche nicht erhältlich, da man sie nur gegen Lebensmittel abgeben will. Die hiesige Schule kann das nötige Brennholz nicht aufbringen. Für eine Klafter Brennholz in Scheitern werden bereits 300 K verlangt und dabei ist die Zufuhr noch obendrauf zu bezahlen. Bei den Kindern fehlt es an Gewand und an Schuhwerk. Die im Mai auf behördliche Weisung erfolgte Bestellung auf Holzschuhen hat noch heute keine Erledigung gesunden. • Unter solchen Umständen muß der Schulbesuch leiden. — (Todesfall.) Die Besitzersfrau Josefa Sturm aus Unterloschin Nr. 4 ist nach kurzer Krankheit am 29. September im Spital in Laibach. 35 Jahre alt. gestorben. Sie hinterließ fünf Kinder im jugendlichen Alter. — (Sterbefälle.) Am 5. August ist der Radetzky-Veteran Michael Nadler aus Ort 4, im älter .von 88 Jahren, am 21. August der Besitzer Johann Zupančič aus Windischdorf 24 gestorben. Waierke. (Weinlese.) Der vorjährige Wein war bekanntlich ein Kapitalwein von einer Güte, wie sie seit Jahrzehnten nicht gewesen war. Heuer hatte man nicht ohne Grund starke Befürchtungen. Die Reben hatten zwar im Frühjahr vielversprechend angesetzt, aber der viele Regen zur Zeit der Rebenblüte und sodann die durch die späteren Regengüsse begünstigte Ausbreitung des Oi-diums, das wegen Mangels an Schwefel nicht genügend bekämpft werden konnte, stimmten die Erwartungen immer mehr herab. Es schien, als ob es nicht nur wenig, sondern auch nur schlechten, sauren Wein geben würde. Nun ist aber die Weinernte doch nicht so schlecht ausgefallen, wie man befürchtet hatte. Wir haben immerhin eine mittlere Ernte zu verzeichnen. Freilich, wo wie dies in Rodine der Fall war, der Hagel fast alles vernichtet hatte, konnte sich die Rebe auch später nicht mehr erholen. Mosel. (Schreckliche Dieb stähle.) Matthias Kraker in Verderb ist ein braver und fleißiger Fuhrmann. Am 24. September ließ er seine Pferde in Gottschee beim Hufschmied A. Jakomini beschlagen. Herr Jakomini wollte ihm die beiden Pferde um 10.000 Kronen abkaufen, Kraker wollte jedoch auf den Verkauf nicht ein-gehen, fuhr nach Hause und stellte sie in seinen etwas abgelegenen Stall. Das war am Abend. In der Früh ging er wieder in den Stall — die Pferde waren aber nicht mehr da, sie waren gestohlen samt einem Wagen. Die Diebe hatten vom Wagen noch das Futter abgeladen, konnten in der Eile nur ein Kummet finden und nur ein Pferd einspannen, das andere wurde nur angebunden. Dann ging die Diebsfahrt vom Stall über die Äcker auf den Weg und von da über Reintal auf die Straße nach Videm bei Bresowitz. In Videm wurde der Wagen samt Kummet gefunden. Beides war ihnen hinderlich zum schnellen Davonkommen. Fuhrmann Kraker ging mit einem Feldgendarm auf die Suche. Die Pferdediebe konnten nicht aufgespürt werden. Kraker, sonst arm, ist nun ein geschlagener Mann, der sich nicht einmal Zugtiere für die Landwirtschaft wird verschaffen können. Die Pferde waren von roter Farbe und könnten vielleicht auf Märkten erkannt werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind die Diebe über die Kulpa nach Kroatien und ist wenig Hoffnung vorhanden, sie aufzuspüren. — In Unterfliegendorf wurde eine Keusche (Nr. 10) gauz ausgeraubt. Den armen Leuten wurden fast alle Lebensmittel und Kleider genommen. Die Diebe scheinen wegen der Nähe Kroatiens aus diesem Lande zu kommen. . — (Heiteres.) Der Joschele war der Liebling der Mutter, kam zum Militär und in russische Gefangenschaft. Nach mehrjähriger Abwesenheit schreibt er, daß er sich schon auf österreichischem Boden befindet und bald nach Hause kommen wird. Die Mutter erwartet ihn mit Sehnsucht. Vor kurzem klopft es um Mitternacht an. „Mutter, ich, Euer Sohn Josef, bin dal" Er spricht nur rein deutsch. Die Mutter will es nicht glauben, denn ihr Sohn kann das Gottscheeische doch nicht vergessen, haben; sie meint deshalb, der Klopfer könne nur ein Fremder sein, und macht nicht auf, da sie ganz allein im Hause ist. per Sohn ruft aber ganz gemütlich: „Wenn Ihr mich nicht entlasset, so lege ich mich hier auf die Bank." Gesagt, getan. Joschele legt sich auf die harte Bank vor dem Hause. Der Mutter gibt es keine Ruhe, sie steht in der Nacht noch einmal auf, schaut bei der Haustür heraus/ sieht den Mann wirklich auf der Bank liegen, macht aber schnell wieder zu. Erst in der Früh getraut sie sich, genauer nachzuschauen. Nun erst erkennt sie ihn und ruft voll Freude: „Joschele, bist's Du!" und lacht. Ueber diese heitere Wiederkehr haben auch die Nachbarn gelacht. Der Sohn wird bald wieder gottscheeisch lernen. ■ Altfriesach. (Der schreckliche Krieg) hat von unserer Ortschaft wieder ein Opfer gefordert, nämlich den allbeliebten 35-jährigen Zimmermann Josef Agnitsch von Nr. 25, Schützen eines freiw. Schützenbataillons. Er ist im Sommer 1915 eingerückt und stand dermalen im Etappenraum der italienischen Front in Verwendung. Schwer krank an Malariafieber kam er vor kurzem auf einen achttägigen Urlaub in seine Heimat und erlag am 15. September nach Empfang der heil. Sterbesakramente unter schrecklichen Schmerzen der heimtückischen Krankheit. Der Verstorbene hinterläßt die trostlose Witwe und vier unversorgte Kinder im zartesten Alter. Sei einmaliger Einschaltung kastei die viergespaltene Uleindruckzeile oder eren Raum so Heller, bei mehrmaliger Einschaltung 8 Heller. Sei Einschaltungen durch ein halbes Jaijr wird eine zehnxrozer tige, bei solchen durch das ganze-Zahl -in- zwanzigprozentige Ermäßigung gewährt. Anzeigen. 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