Nienstag vrn 31. December 1833. Nomdardisch - Venetianisches Königreich. (^rivatschrciben aus Mailand.) Am 6. Do cember war unsere Start der Schauplatz einer fürchterlichen Begebenheit. Es hatten sich nämlich ei« nige aus Picmont zu den Galeeren verurtheilte Vcr» bvecher in die Lombardie geflüchtet und Anfangs November sogar zu Mailand einen Kaufmann un« nc'lt der Porta Ticincse ermordet. Die Polizci lvar ihnen jedoch bald auf der Spur. An gcdach« lem Tage ergriff ein Polizeidienerdas Haupt dieser verruchten. Bande, einen gewissen dcNa Bianca, eben als er in Unterredung mit seinem Spießge' fcNen lvar, doch gelang es ihm mit Zurücklassung seines Mantels zu eulspnngen. Mit einem Ntilct im Munde und zrcti geladenen Pistolen in den Händen nahm dclla Bianca zuerst seiue Flucht ge« gen die lZontrada Brisa, als er aber bei dcmHause des commandirendcn Hrn. Generalen die beiden Schildlvachen erblickte, kehrte er um, und suchte gegen S. Francesco zu durchzukommen. Auf da5 Geschrei der herbeigelaufenen Menge, zog ein Or« donnanz. Corpora! des Regimentes Latterman, der zufällig dieses Weges ging, den Säbel und versetzte dem Verruchten mehrere Hiebe; ein Kaufmann, dcr den (Zorporal unterstützte, wurde durch den Leib geschossen. Run stürzte sich ein Tischlcrgesclle auf den Mörder; cr erhielt aber einen Stich mit dem Sti. let, dah er sogleich todt zur Erde sank. Seinen Todt röchle ein anderer Tischlcrgesclle, der mit ei« «cm Stücke Holz dem lvüthcndcn dcNa Bianca ei« «en so tüchtigen Schlag auf den Kopf versetzte, daß er zu Boden taumelte, aber hier noch so viel Be. sinnungLlraft behielt, daß «r mit der andern Pi« stole sich unter das Kinn schoß, und mit dem Sti« lete mehrere Stiche in den Unterleib gab, bis er in einigen Minuten seinen Geist aufgab. — Der andere Räuber Spevasico rvurde ohne Widerstand festgenommen. Päpstliche Staaten. Ancona, den 27. November. Briefe aus dieser Stadt melden, daß nächstens 5ao französische Soldaten zur Ablösung im Hafen von Ancona an« tommen werden. — Am vclstcffenen Sountage wurde das griechische Naticnalw^ppen an der Noh« nung des griechischen Consuls Duratti befestiget. Die b^cr befindlichen Hellenen feierten dieses Er« cigniß auf eine, ausgezeichnete Art. (B. v. T.) Tcutschlanv. Nürnberger Blätter enthalten über einen Mordversuch gegen Kaspar Hauser, der scit etwa zn-ei Jahren in Ans bach lebt und auf einer dortigen Kanzlei arl'cttet, fclgcndc Details: ^Häuser rrurde am ,H. December tcs Mcrgcns um 9 Uhr von einem unbekannten Mann in blcmcm Manttl, mit Spcrcn und cincm stalten Backenbart, auf den Nachmittag um 5 Uhr in den Schlcßgartcu eingeladen, indem er ihm Wichtiges zu entdecken habe. Häuser leistete unbesonnener Ncise, ohne Jemanden ctrvas davon mitzutheilen, dieser Einla» dung Fclgc. Um halb 4 Uhr Nacl'millags slinzte Hauser cithcnilcs und rcrstört in das Zinnncv dcs Lehrers, dem^die Aussicht über ihn übertragen ist. und zog diesen unter den abgerissenen Ausrufun» gen: Sä?lohgarlen — Bcutcl — Uz — Dent^ mahl — nach dem EcNcßgartcn son, siel abe^ schcn ulUertvcgö vcr Enttröftung niltcr. Jetzt cnt. H2a deckte der Lehrer erst, daß Hauser verwundet war, undWeppte ihn nur mil Mühe nach Hause zurück. Von,hier aus schickte er einen Polizeisoldatcn nach dem Schloßgarten ab, welcher bei Uzens Denk« mahl einen klonen Madchenarlnitsbeutel von vio« letfarbcner Seide liegend fand, dcr einen Zettel enthielt, ans welchem in verkehrter Schrift, so daß sie'nur im Spiegel lesbar ward, folgende Worte standen: »Häuser wird es euch ganz genau erzählen können, wie ich aussehe und woher ich bin. Dem Hauser die Mühe zu ersparen, will ich es euch fel« bcr s^gen, woher ich komme — — Ich komme von von-------Der daicrischen Gränze--------Am Flus» fe-------------------------Ich will auch sogar noch den Namen sagen M. L. O.« — Die arztliche Untcrsu« chung dal crgcbcn, daß die Wunde mit einem 5)4 ZoN breiten zweischneidigen Stichwerkzeuge, und zwar nur 3)1 Zoll untcr dem Herzen, beigebracht »rordcn; sic ist tlcf, aber nicht absolut gefährlich. Mit dem, vorher ganz gesunden, seitdem aber, wohl in Folge des Schreckens, sehr entstellten und von der Gelbsucht befallenen Verwundeten konnte seiner Schwäche halber nur erst ein kurzes Verhör angestellt werden." In der allgemeinen Zeitung liest man sodann folgende Todes - Anzc ige: Kaspar Hauser, mein geliebter Kmvnid, ist nicht mehr. Er starb zu Ansbach gestern Nachts 10 Nhr an den Folgen der am 14. d. M. ourcl) einen Meuchelmörder erlitte» nen Verwundung. Ihm, dem Opfer gräucloollcr älterlickcr Unnatur, sind nun die Räthsel gelöst, an welche die Vorsehung sein trauriges Daseyn ge> knüpft hatte. Im ewigen Frühling jenseits wird der gerechte Gott ihm die gemordeten Freuden der Kindheit, die untergrabene Kraft der Jugend und die Vernichtung für ein Leben, das erst seit fünf Jahren ihn zum Bewußtseyn des Menschen erhoben hatte, rcicd vergelten. Friede seiner Asche! Nmnberg, den iL. December ^855. Binder, erster Bürgermeister. (B. v. T.) F2 r a n k r e i ch. Paris, den 16.-December. Zu Ajaccio hat jlch eine Commission gebildet, um zu dem Anden« ten des Kaisers Napoleon in seiner Geburtsstadt ein Denkmahl zu errichten. — Hr. Napoleon de Bassano, ältester Sohn des Herzogs, wurde der französischen Gesandtschaft zu Brüssel, und Hr. Eugen Ney, dritter Sohn dcS Marschalls, jener zu Napoli di Romania beigegebcn. Der Moniteur enthält einen Bericht über 5ie Militärjustizverwaltung im Jahre i352. Die Ar< mee bestand aus 393,^02 Mann; aus diesen wurden 4627 Individuen, und zwar g3 zum Tode, 391 zur Zwangsarbeit, i3a zum Kerker, 5c>3 zu Eisen, il^Hur öffentlichen Arbeit und 2556 zur Einspcrrung vcrurtheilt. Von den y5 zum Tode Vcrurthcilten wurden nur i3 hingerichtet, alle übn» gen Strafurtheile wurden in Transportirungcn in fremde, militärisch besetzte Länder verwandelt. (B. v. T.) Die letzten Depeschen des Hrn. v. Rayneval über Spanien wurden nicht bekannt gemacht, weil sie besorglicher sind. Die Sache ist auf der Halb» inscl noch bei weitem nicht zu Ende. Es wird mit Spanien wie mit Portugal gehen: dcr Bürgerkrieg dürfte sich über das ganze Gebiet verbreiten. Die schauderhaften Mahregeln der Generale der Königinn in dcr Provinz Guipuscoa können die ganze Halbinsel in Brand setzen. Ein solcher Zu« stand kann nicht lange dauern. Unsrr Ministerium sieht dieß wohl ein, und deßwegen verstärkt es fortwährend seine Beobachtungsarmcc, so daß diese jetzt 35,o«V Mann stark ist. Die letzten Briefe aus Oran erzählen ein schau« derhaftes Ercigniß. Sieben bis acht Offiziere waren auf die Jagd gegangen, cs kamen aber nur vie» von ihnen zurück. General Desmichcls hatte am >4. November einen Theil der Besatzung ausrücken lassen, um sie aufzusuchen, und man fand nun in emer kleinen Entfernung von der Siadt die vier Körper in einer Reihe liegend mit adgehaue« nem Kopf und auf furchtbare Art verstümmelt. (Allg. Z.) Toulan, ,0. December. Der Seepra'fect hat die Ordre erhalten das Linienschiff Nestor für die Commission in Algier segclfcrtig zu halten. Die Lastcorvccte Marne wird von Brest erwartet und ist bestimmt sammt der Fregatte Asträa Truppen zur Expedition nach Konstantine zu üdcrschif» fen. Die Briggs Sylfe und Gnomone, wcl» chc sich gegenwärtig in unserm Hafen befinden, wer« den auf Befehl ausgerüstet. (l<'uj. äi Ve>.) O p 2 n i e lt. „Bayonne, 1,. December. Wir haben die Zeitungen von Madrid vom 3. und 5. December. Die erstere enthält die GebictSeintheilung des Kö« nigreichs mit Ausnahme der baskischen Provinzen. Sie ist blos eine Abschrift des Wcrks Josephs mw der «Zortes von »821- Die Königinn.Regentinn hat eine Adresse an die insurgirtcn Provinzen erlassen. 42» und ihnen versprochen ihre Privilegien beizubehalten. Man spricht von der Gränze von Navarra, daß ein Bataillon Insurgenten versucht habe, in das Thal Azioa einzudringen, dah aber dessen Einwohner in Masse aufgestanden wären, und die Re« bellen zurückgeschlagen hätten, die sich hierauf nach Espinal zurückzogen. Bayonne, ,3. December. Nach Briefen aus Madrid vom 9. d. M. war Hr. von Zea noch Minister, sollte aber entweder durch Bardaji oder durch Pizarro erseht werden; letzterer hatte mehr Wahrscheinlichkeit. Diese Nachricht gelangte auch durch ein Schreiben des Grafen Rayneval an den General Harispe. El Pastor ist vorgestern mit seinen Freiwilligen und Liniensoldatcn aufgebrochen, um an dem von General Valdez gegen die Ucber^ bleibscl des nördlichen Earlismus zu versuchenden Hauptschlage Theil zu nehmen. Der Earlistenchef Zabala hält sich noch mit ,000 oder 1200 Mann in Biscaya, wo übrigens, wie im Norden über« Haupt, die Entwaffnung auf Befehl des GcncralS Valdez eifrig betrieben wird. Bordeaux, 14. December. Die heute an« gekommenen Briefe bestätigen die Nachricht vom Einzüge spanischer Truppen in zwei portugiesische Stätte, und erklären sie ausfolgende Art. Don (Zarlos se'l mit einigen hundert Mann in Epanien erschienen; sogleich habe der Graf von tZauhagena diese Invasion zurückgetrieben und bei der Verfolgung hätten die Truppen der Königinn das portu« g. November zum 1. December be» Honnen; die Schiffbrücken wurden an die Ufer ge« trieben, und am 3. war die bisher durch Boote unterhaltene Communication ganz unterbrochen. Am 5. sing man indeß bereits an über das Eis zu behen. ' (Allg. Z.) Gsmannisches Reich. Konsiantinopel, 25. November. Cdhem Ssiendi. Ver von der Pforte zur Ncgulirung der Tribut «Zahlungen Mehemed Ali's nach Alexan« drien geschickt worden war, ist hierher zurückgekehrt, und hat dem Sultan ein erwünschtes Resul« t