Deutscher MauöenDoA herausgegeben von der Gesellschaft der „Söhne des hlst. Herzens Jesu". Erscheint monatlich 32 .Zeiten stark. — Preis ganzjährig 3 K = 3 Mk. — 4 Frcs. 3« Ci 1901. IV. Iahrg. J n l\ alt: Die Lröffilung des oOmit Mit..................... jLvfu’u-iüil'bci’ deutscher Wiflionäre. P. Augu st Schynse (Forts.).............................. Die Sljimucst im Sudan (Forts.).................. Legende des Morgenlandes. Der hl. Pantaleon Kr» Sieger für die Sache der Ilcgcr (Forts.) . Der Fortschritt des Katljolicismns in Afrilin Anndfchau in den Wiflionen....................... Vermischte Nachrichten: Ernte des Todes. — Wie die Dinta ihre Todten begraben..................... Seite 193 I 197 201 j 20ü 208 212 217 j 219 I Seite Aits' dem Marienvcrer» für Asrilia: Psarrgruppe Favoriten Wien X. (Schluss.) . ...............222 Abbildungen: Aegyptisch - sudanesische Ilrtillcrie. — Das Martyrimn der hl. Apollonia. — Elfenbein-Karawane, — Der hl. Pantaleon. — Hochzeitszug in Aegypten. — Schlangen= tempel. — Der Riesenbaum Baobab. YTTTTfTTTTTT TTITXXTT0T1:J![TTTKTTT!C TTTTTT TTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTYT WrftronsHcrus MühLcrnö 6er Mviieen—Stt*oC. 1901. } |*AA |7 aIäm s erbittet das Gefertigte von seinen Freun- Mili UOIKSIODII! ßen Urtd 6önnern entbehrliche Bücher, -= I —_—wenn auch älteren Datums, besonders « ascetischen und theologischen Inhaltes. lt1i$$ion$bau$ miibland bei Brixen. 1 1 1 i 1 j. 1 1 1 1 1 1 1 mb- Aelters Fahrgänge jgj öks „Stern öer Neger" sind noch erhältlich unö zwar: 5er erste Jahrgang ä 2 K, der zweite (2. für sich abgeschlossenes Halbjahr) ä 1 K, 5er dritte ä 2 K. Alle Jahrgänge zusammen bezogen kosten nur 4 Kronen. DM- Behufs Erleichterung in der Versendung ersuchen wir die verehrlichen Ab-nehmer höflichst, bei allen Anfragen, Geldsendungen u. s. w. stets die Sdl" gedruckte Echleifnuminer mitangeben zu wollen. Goxrwsponöenz der Expedition. Eingegangene Geldsendungen. (58om 30. Mai bis 30. Juni 1901.) Dür das Missionshaus: Frl. Luise Krill, Wien............................4.— S. Frau Anna Rühl f. arme Zöglinge .... 6.90 ft Dr. Joh. Chr. Mitterrutzncr, Neustift f. d. Abbrändler in Gesirah ........ 20 — K. K. I. Butschek, Wafsenqumst., Pola .... 3.— ft. Max von Braunschweig, Abbazia................. 200.— ft. Ed. Borawski, Uschawina, f. b. Abbrändler in Gesirah.........................................20— K. A. Hartmann, Köndringen.........................11.75 ft. Durch Coov. Jg. Stridl, Waidhofen (Dbbs) . 8.— ft. Frl. Luise Schweighofer, Lienz................10.— ft. Aus Westfalen.................................316.— ft. Vicar Baader, Gerlazhofen.........................8.22 ft. Ungenannt aus Bezau . . 20.- ft. St. Petrus-Claver Sodalität, Salzburg . . . 23 - ft. Peter Hoffmann, Heimbach . . 35.31 ft. Jakob König, Trier a. d. Mosel . . . . . 11.75 ft. Di. Di. Mnhland . . 4,— ft. Roia Leilner, Mühland ft. Wolf, k. k. Schulrath, Salzburg . . . . 3,— ft. Ilür heilige Messen: Aus Brixen . . 20— ft. Butschek, Pola . . 2— ft. Baronin Nagel, Bornholz . . 66 51 ft. R. Seiner, Göß . . 109.40 ft. H Schröer, Steele . . 74.02 ft. König, Trier . . 11.50 ft. Von M. Waldstein, Ordensfrau vom hlstn. Herzen in Wien, namens der Marianischcn Damen-Congrcgation Immaculata, zwei weiße Talmatiken für das Missionshaus. — Von Josefa Mösmer, Ober-Mieming, Tirol, Rosenkränze und Halsbänder. — Von Julius Krill, Modelleur, Blaut ko, ein überlebensgroßes Herz-Jesubild in Handzeichnung. Diesen und allen übrigen Wohlthätern sagen wir ein herzliches „Wergckt's Kalt!" und Villen um weitere milde Gaben für unser Missionshaus. Deutscher Glaubensbote. Mr. 7. Inti 1901. IV. Iahrg. Die Eröffnung >^Ycv Lekannte Lionel Deklv hat folgende Be-schreibung des letzten Theiles seiner Reise vom (Snp der outen Hoffnung nach Chartnni an den Daili) Telegraph gesandt. Das Innere des englisch - ägyptischen Sudans ist nunmehr dnrch den Sirdar dem Verkehr eröffnet. Bereits ist ein monatlicher, regelmäßiger Postdienst zwischen Chartnm und Uganda eingerichtet, und um de» neuen Verkehrsweg rasch bekannt und bevorzugt zu machen, werden alle Aufträge, die die englischen Officiere des Uganda-Protcctorats in Chartum machen, kostenlos ausgeführt. Bis vor kurzer Zeit erhielten diese Officiere ihre Provisionen und Briefe über Mombasa, und mussten sich glücklich heißen, wenn ihre Bestellungen' nach zehn Monaten ausgeführt waren. Die Kosten des Transports ans diesem Wege betrugen I Schilling 6 Pens pro Pfund. Briefe ans Europa brauchten ungefähr vier Monate, wenn sic nicht ganz verloren giengen. Jetzt können die Officiere ihre Bedürfnisse, auch der reichsten Art, in Chartnm decken, mit weit weniger Auslagen, als ans dem alten Wege, und innerhalb 6 Wochen nach Abgang der Bestellungen. Briefe von England nach Gon-dokoro brauchen SO bis 40 Tage. Bei Shambe begegneten wir einem großen See, dem .ersten einer Reihe von Seen, die dort der Nil des obern Nil. ' bildet, derselbe fasst eine ganz enorme Menge Wassers. Dreiviertel Stunden später hatten wir einen andern dieser Seen zu passieren, ungefähr 10 Meilen lang und (i bis 7 Meilen breit. Das wirkliche Nilbett ist versperrt durch die letzten Ueberrestc des Sudd, der aber in Bälde geschnitten sein wird. Der Sudd verhindert hier nicht die Schiffahrt, da die zwei Seen einen Durchgang bieten, ivelche dem Ablauf des Wassers aus dem Hauptstrom ihr Dasein verdanken. 250 Meilen südlich von seiner Bereinigung mit dem Bacher cl Gazal beginnt der Nil dnrch einen Hohlweg von Papyrusstauden seinen Weg zu nehmen. Die Uferlande sind schön geformt und hie und da auch mit Bäumen eingefasst. Links und rechts breiten sich — auf 250 Meilen hin — ungeheuere Lagunen von 10 bis 15 Meilen Länge aus, welche durch kleine Canäle mit dem Hauptstrom verbunden sind. Die Papyruswäldcr wachsen ans einer Torfschichte von 10 bis 15 Fuß Dicke und stehen ans solidem Grund. Wenn der Nil eine außergewöhnliche Steigung erfährt, kommen die Ufer dieser Lagunen unter Wasser, und cs lösen sich mit Hilfe des Nordwindes Stücke derselben ab, die nach und nach in den Haupt-strom gezogen werden. Die abgelösten Uferstücke, die so groß sind, dass man sie kleine Jnsclchen heißen darf, einmal in das Flussbett gerathen, warten nur 194 Der obere Nil. auf die nächste Flussbiegung, um so ans Land geschwemmt zu werden, wo sie der Nordwind, der während 6 Monate des Jahres über daS Land südlich von Chartum weht, festhält. Nachkommende Insel-stücke haben das gleiche Schicksal, bis am Ende die Blenge des angeschwemmten Landes derart groß ist, dass sie den Fluss versperrt. Auf dem Sande wächst und wuchert der Papyrus. Er erreicht eine Höhe von 20 Fuß, und seine Wurzeln verflechten sich bei der in den Tropen herrschenden Vegetation im Sande, dadurch die angeschwemmte Erde kräftig zusammenhaltend. Neu ankommende Jnselchen legen sich neben ihre Vorgänger und bilden bald durch den Druck des Stromes eine feste Masse, welche die Wasser des Hauptbettes oft auf Hunderte von Meilen aufhält. Um einen Ausgang zu finden, erzwingt sich nun die gestaute Wassermenge einen Weg unter dem Damm und spült kleine Canälchen in den niedern llfent aus, in dieser Weise neue Lagunen bildend. Wenn, was während der Derwischherrschaft der Fall ivar, die zuerst gebildete Obstruction nicht fortgeräumt wird, bilden die neuentstandenen Lagunen ivieder neue Dämme. Die Folge hievon ist, dass die schon existierenden Lagunen immer größer und größer werden, und immer mehr der Hauptcanal verstopft wird. So haben sich hier drei große Seen gebildet, welche zu Gordons Zeit noch nicht da waren. Sir Samuel Backer fand den Nil blockiert durch' den Sudd zwischen dem Bacher et Gazal und dem Sobat. In seiner Beschreibung sagt er, dass der Weiße Nil plötzlich aufgehört habe. Nach all dem kann man sich vorstellen, in was für einem Zustande Major Peake mit seinen Arbeitern den Fluss gefunden haben mag: er fand ihn versperrt und konnte nur eine leise Strömung unterhalb des Dammes bemerken. Die Oberfläche des Sudd war ganz trocken, und man konnte daraus stehen. Hunderte von Leuten waren auf demselben an der Arbeit zur selben Zeit. Sondierungen mit langen Stangen zeigten, dass der Sudd eine Dichte von 12 bis 20 Fuß habe, und das Wasser etwa 60 Fuß unterhalb fließe. Die Frage war, nicht einen Canal in den Damm zu graben, sondern ihn ganz wegzuschaffen. Zuerst wurden die Schilfrohre und der Papyrus, welche auf der Oberfläche des Sudd wachsen, geschnitten und verbrannt, 8 Fuß tiefe Gräben wurden dann in den soliden und harten Torf gegraben, der durch die Strömung zusammengepresst war. Das Werk begann auf dem größten Damm. Stück für Stück löste sich von demselben los und fuhr den Nil hinunter, und nun ist da, wo noch vor kurzem der Nil aufzuhören schien, ein schöner Canal von 100 bis 400 Pard Breite und 12 bis 20 Fuß Tiefe entstanden. Gewiss darf der Schnitt des Sudd als eine der größten Arbeiten angesehen ivcrden, welche in den letzten Jahren in Afrika ausgeführt worden sind, und hohe Ehre gebürt Major Peake und seinen Leuten. — Für die Bewässerung Unterägyptens ist dadurch viel gethan. Die nun befreite Wassermenge muss ganz enorm sein, da, seitdem der Sudd geschnitten, der Nil bei Wadelni um 5 Fuß gefallen ist, und Wadclai 500 Meilen südlich der Suddgegend liegt. Das Uebel ist sehr alt. Als die Römer Aegypten erobert hatten, wurde ein Centurio zur Erforschung der Nilquellen ausgesandt, der bald seinen Weg versperrt fand durch den Sudd. Alle Flüsse in Uganda — ebenso der Kagcrasluss, der Hauptnährer des Victoria Nyanza — sind auf ähnliche Weise versperrt, und ich bin überzeugt, dass in nicht zu langer Zeit Schritte gethan werden, um die Obstruetion im Kagerasluss zu heben, der dadurch iveit ins Land hinein schiffbar sein würde. Es bleibt nun die Frage: Wie kann den Lagunen, die auf 250 Meilen dem Nil entlang stehen, ihr Wasser entzogen und dem 'Nil erhalten werden. Das Wasser, das sich in dieselben verliert und dort zum Theil verloren geht, würde, glaube ich, den Betrag des Wassers, das jetzt nach Aegypten kommt, um ein Zehntel vermehren. Wer diese Frage löst, tvird dein Reichthum Aegyptens noch Millionen hinzufügen. Ich muss protestieren gegen die Ansicht, als sei der Weiße Nil nur ein nutzloser Sumpf. Die Gegend zwischen Gondokoro und dem. Sobat ist praktisch noch unbekannt, aber wir wissen, dass sie dicht bevölkert und reich an Vieh ist, und dass Baumwolle dort in Fülle wächst. Es bleibt noch zu ermitteln, ob der Papyrus nicht industriell verwertet und eine Quelle des Reichthums werden kann. Wir erreichten Faschoda berühmten Angedenkens an einem Morgen. Es liegt an einem seichten Nilarm, und ist durch eine Insel vom Hauptcanal getrennt. Eingeborne in großer Zahl haben sich inzwischen dort angesiedelt. 500 Aards vom Dorfe entfernt liegen die Ruinen der einstmaligen ägyptischen Festung, deren Steine Marchand zum Baue seiner Station verwendete. Das Fort des berühmten Franzosen lag auf einer Anhöhe, etwa 18 Fuß über der Umgebung. Es nahm einen sehr schmalen Raum ein, etwa 50 Iard auf jeder Seite, den dann eine Ringmauer von 5 Fuß Höhe umschloss. Die nächste Umgebung des Fort (ungefähr 3 bis 4 acres) ist durch eine Brustwehr von mindestens 30 Fuß Höhe geschützt. Es unterliegt keinem Zweifel, dass dieser Platz sehr stark, aber viel zu groß war für die kleine Schar, über die Marchand verfügte. Das kleine Fort in der Mitte hätte eine 195 Der obere Nil. Belagerung von über mehr als drei Tagen nicht aushalten können, weil das Wasser ein paar hundert Uard entfernt liegt und ohne Bedeckung nicht erreicht werden konnte. „Fort Marchand" ist nun von einer kleinen Wudanesenabtheilung besetzt, welche die englische und ägyptische Fahne, die dort oben wehen, bewacht. Zwischen Nil und Fort, unter hohen Palm-bäumen, ist der Garten, ans dein Marchand den Kohl nahm, den er an Kitchener sandte. — Ueber ihn und seine Expedition nach Faschodn konnte ich aus dem Munde eines Kanoniers, der dabei war, einiges Interessante hören. Bekanntlich unternahm der Sirdar nach dem Siege von Omderninn eine Expedition nach Faschoda. Ans dem Wege dorthin traf er ans ein Heer von 4000 Derwischen und auf zwei Kanonenboote, welche auf betn Wege waren, Marchand und seine noble Schar wegzufegen. Im Augenblicke, wo die Derwischboote in Sicht kamen, krachte ein Schuss ans einer der britischen Schnellfeuerkanonen, der sein Ziel, den Dampfkessel eines der Derwischboote, .zerschmetterte. 'Der Kanonier, der sich nicht wenig über seinen prächtigen Schuss freute, wünschte bald, lieber nicht so gut gezielt zu haben, als er Lord Kitchener auffahrend barsch fragen hörte, wer für diesen muthwilligen Schuss verantwortlich sei, da doch die Boote ohne Schuss hätten genommen und gleich tvieder verwendet werden können. Niemand wollte den Schuss abgefeuert haben, und nur der bald darauf entspringende Kampf mit den Derwischen am Ufer rettete den eifrigen Schützen großen Kalibers von einem unangenehmen Zusammcn-treffen mit dem General. Die Derwische würden in die Flucht geschlagen und Marchand ivar vom glorreichen Tode gerettet, da er niemals gegen die vom Chalifeu gesandte Uebermacht hätte bestehen können. Beim Anblick des Kanonenbootes des Sirdar, richtete sich die kleine französische Besatzung zur Vertheidigung, da die Nachricht vom Falle Omdermans noch nicht hierher angelangt war und man infolgedessen Derwische zu kommen glaubte. Sobald aber die britische Fahne ansichtig wurde, war Marchand im Klaren, er bestieg ein Boot, um mit Kitchener zu conferieren. Marchand lehnte es natürlich ab, seinen Platz ohne höheren Befehl zu verlassen. Auf dem Platze, wo jetzt das Dorf Faschoda ist, wurde die englisch-ägyptische Fahne gehisst, und eine starke Abtheilung schwarzer Soldaten dortgelasscn. — In Europa hatte man keine klaren Vorstellungen von der Lage Marchauds, als die Faschodafrage aufs Tapet kam. Nach mühsamen Umfragen habe ich mich versichert, dass der kühne Afrikakreuzer (?) große Mengen Luxusartikel, wie Kaffee, Zucker, Gewürze und sogar Wein hatte, aber an Mehl, Korn usw. Mangel litt. Seine Leute würden innerhalb einiger Wochen verhungert sein Es muss daran erinnert werden, dass Marchand gar keine Verbindungslinie hatte, und vollkommen abgeschnitten tvar vom Laude, von dem er ausgieng. Die Gegend um Faschoda war beinahe ganz entvölkert, und er hätte innerhalb einer Umgebung von 300 Meilen nicht die für eine Monatsration hinreichenden Lebensmittel finden können. Der Bacher et Gazal, durch den er seine Leute auf Boten und einem kleinen Dampfer geführt hatte, hatte sich wahreu.d seines Aufenthaltes in Faschoda verstopft und s ein Dampfer wäre nicht imstande gewesen, einen Durchgang durch den Sudd zu erzwingen. In der That, seine Lage war sehr gefährlich, und dies ist auch der Grund, weshalb er nach der Räumung von Faschoda seinen Weg nicht zurück nach dem französischen Congo nehmen konnte, sondern durch Abessinien marschieren musste. Seinen Dampfer konnte er noch den Sobat hinauf benützen, um ihn dann am Fuße der Abessiuischen Berge zurückzulassen. Auf eine Insel gebracht, wurde ein Dach über ihn gebaut und er flößte den Nuers, die dort wohnen, einen solchen Respekt ein, dass niemand demselben sich je zu nahen wagte. Letztes Jahr sandte der König Menelik eine gute Anzahl Leute, um denselben nach Abessinien zu bringen. Ein paar englische Officiere fanden dieselben bei dem Versuche, das Boot über eine gefährliche Klippe hinwegzubekommen. Das Haupt der Uutcruehumng, dem die englischen Officiere riethen, das Boot in Stücke zu zerlegen und weiter zu schaffen, drückte sein Vertrauen aus, des Kaisers Befehl ausführen zu können, ohne das Boot in Stücke zerlegt zu haben. Aber bald sah er das Unmögliche seines Vorhabens ein, ließ das Boot mit Aexten in zwei Stücke hauen, wodurch es natürlich ruiniert war. — Was weiter Marchauds verzweifelte Lage beweist, die sich durch die Verstopfung des Bacher cl Gazal ergab, ist die Thatsache, dass Lieutenant Touquedor, der ihm mit frischen Lebensmitteln und Munition folgte, nicht imstande war, den Nil durch den Bacher el Gazal zu erreichen und sich gezwungen sah, nach Shambc seinen Weg zu nehmen. Aber auch dort fand er den Nil blockiert, und es war erst vor einem Jahre, als die belgische Expedition durch den Sudd zu fahren versuchte, dass man ihn fand und von der Besetzung des Sudans durch die Engländer benachrichtigte. Lieutenant von Touquedor entschloss sich auf das hin, Shambe aufzugeben, und traf bald Major Peake'S Suddexpedition, von der er einen Dampfer nach Chartum zur Verfügung erhielt. Ohne das Ansehen Marchauds verkleinern zu wollen, glaube ich, dass Lieutenant von Touquedor tticht die Anerkennung gefunden hat, welche seine großartige Leistung ver 196 Der obere Nil/ dient. Ohne die Vortheile, welche Marchand zuhilfe hatte, mit nur einer Hand voll Senegalesen, erzwang sich Lieutenant v. Tonquedor einen Weg durch bis dorthin unerforschte Theile von Afrika. Während ich auf jenem Haufen von Ruinen stand, — Fort Marchand mit einem Sumpf zur Linken, eine weite Wüste im Rücken und den Nil in der Front, konnte ich nicht umhin, an die schwere Verantwortlichkeit zu denken, welche auf der Regierung gelegen haben würde, welche zwei Staaten in einen Krieg gestürzt hätte — eines so elenden Stück Landes wegen. barkeil aufrecht zu erhalten. Bald fuhr ihm eine zweite Kugel in den Magen, worauf er vom Kamcel stieg, sein Schaffell ausbreitete und mit seinen Emiren sich daraufsetzte. Als sein Sohn sah, dass das Spiel verloren gieng, versuchte er zu entfliehen, aber der Chalifc feuerte ihn wieder an und schoss ihn in den Arm. „Wir haben den Honig getrunken — sagte er zu seinen Emiren — lasst uns nun auch den Essig dazu nehmen." Auf seinem Schaffelle ausharrend, fiel er dann schließlich von Kugeln förmlich durchlöchert. Die Emire kämpften bis zum Letzten, J den Tod der Uebergabe vorziehend. Das war das Aegyptiscb-sudanesiscbe Artillerie. Ich sah auch den Platz, wo die letzte gegen den Chalifen ausgesandte Expedition landete. Er ist unterhalb Kaua. — Von Omderman vertrieben, wandte sich der Chalife bekanntlich nach Süden, wohin ihm bald die englisch-ägyptischen Truppen folgten, aber ohne ihn fassen zu können; während man ihn südlich suchte, war er wieder nach Norden gezogen, in der tollen Hoffnung, Omderman wieder zu erobern. — Die zweite Expedition landete ungefähr 300 Meilen südlich von Chartum und überraschte ihn etwa 40 Meilen im Lande drin. Unter Sir Reginald Wingate's Commando wurde ein scharfer Angriff gemacht, und gleich bei Beginn der Action wurde der Chalife an der Hand verwundet. Er verbarg die Wunde vor seinen Anhängern, um den Ruf seiner Unverwund- Ende der Chalifen und der dunklen Geschichte dcS Mahdismus. Lebend und als Gefangener würde der Chalife eine unaufhörliche Sorge der Regierung gewesen seht. Sein Tod hat nun den letzten Vorwand eines neuen Aufstandes weggeräumt. Am 1. Januar erreichte ich Chartum. Als ich sieben Jahre früher den Nil bei den Nipponfällen, wo er aus dem Viktoria-Nyanza fließt, passieren musste, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass es 1901 möglich wäre, von Chartum nach Kairo zu reisen. Ich brauchte daiuals 3 Jahre, tint vom Cap nach Ugnada zu kommen, 3 Jahre voller Mühen, Sorgen und Gefahren. Es sind nun nicht einmal 18 Monate, seitdem ich das Ende der Capeisenbahn bei Bulawayo verließ, und vom „Viktoria-Nyanza Lebensbilder deutscher Missionäre. 197 (1200 Meilen südlich von Chartum) bis hierher gelangte ich in etwas mehr als zwei Monaten. 4coch 7 Jahre und die RMeS'sche Eisenbahn wird dein weisenden den Weg von Kairo zum Cap zu Lande ermögliche». Es wird 25 bis 30 Tage in Anspruch nehmen, den Continent in seiner ganzen Länge zu durchfahren. Deutsch-Ostafrika, so groß auf der Karte, wird zivischen Morgen- und Mittagessen passiert werden können. Mit Ausnahme uon Deutsch-Ostafrika wird der Reisende ans der ganzen Route die englische Flagge wehen sehen. Lebensbilder deutscher Missionäre. P. August Schn use. .Fortsetzung.) uf telegraphische Weisung des Cardinals Lavi-ge.rie eilte P. Schynse von Lille nach Paris, um mit P. Merlon und P. Dupont, welch' letzterem die Leitung der Karawane übertragen war, die Missions-Expedition nach dem mittlern und obern Congo anzutreten. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren, reisten die drei Missionare van Paris nach Lissabon, ivo sie sich am 10. Juli 1885 einschifften; nach 21 tägiger Fahrt langten sie am 27. Juli im Hafen von Banana an der Congo-Mündung an. Das Gepäck der Missionäre aber war noch nicht angekommen. In der Hoffnung, dass es bald folgen werde, schifften sich die Missionäre mit einem kleinen Dampfer nach Boma, Cara call a, Vivi ein. Zum Ucbcrfluss erkrankte hier P. Merlon, und P. S ch y n se musste die ganze Besorgung des Gepäckes übernehmen, welches aber immer noch nicht kommen wollte. Deshalb kehrte P. Schynsc von Vivi nach Banana zurück; so sehen wir ihn in den ersten Monaten seines Aufenthalts in Centralafrika meistens auf unangenehmen und beschwerlichen Reisen Congo auf- und abwärts, treffen ihn in dieser Zeit wiederholt an demselben Orte, dreimal in Banana, fünfmal in Boma und Vivi, um nothwendige Geschäfte, meistens wegen des Transportes des Gepäckes zu besorgen, bei allen Unannehmlichkeiten und Bcschiver-»issen stets heiter und guten Muthes. Doch die Zeit und den Aufenthalt in den einzelnen Orten hatte er gut benutzt, mit sich mit den afrikanischen Verhältnissen bekannt zu machen; er hatte Äuge und Urtheil für Land und Leute, für Leben und Treiben am untern Congo, was er in farbenreichem Bilde mit getreuer Hand in seinen Congobriefcn schildert. (Zwei Jahre am Congo. Erlebnisse und Schilde- rungen von P. Schynse, herausgegeben von Karl Hcspcrs. Köln 1889.) Am Congo lernte er nebst vielen europäischen Forschungsreisenden seinen berühmten Landsmann, den damaligen Lieutenant Wißmann kennen und bekundete in der Folge für den mit die deutsche Sache in Afrika so hochverdienten Officicr stets eine innige Verehrung. Auch mit Dr. Mense aus Kassel, den er an den Ufern des Congo traf, und der in dem Missionär „die Tugenden des Priesters mit den Eigenschaften eines echten deutschen Mannes verbunden" bewunderte, blieb er von diesem Zeitpunkte ab in freundschaftlicher Verbindung. Nachdem alles geordnet war, trafen endlich zu Ostern die Genossen zu Kwamvnth zusammen, wo sie froh vereint das Osterfest feierten, um dann bald nachher dort am Congo, wo die drei verschiedenen Stämme: Batcke, Babmna und Bayanzi sich begegnen, mit der Gründung ihrer Missionsstytion zu beginnen, welche in dem Winkel, den der Kassai (Kwa) mit dein Congo bei der Mündung bildet, sich erheben sollte. Lassen wir P. Schynse selbst die Gründung dieser Missionsstation schildern: „Am Gründonnerstage kamen wir nach Kwamouth und dankten Gott, dass wir Ostern unter uns feiern konnten. Am 29. April gicngen wir über den Kassai (Kma) das gewählte Terrain beschauen. Ein Plateau, steil in den Congo abfallend, von ca. 30 Meter Erhebung, mit 3—4 Meter hohem Grase und Buschwerk bedeckt. Vom Flusse konnte man nichts sehen. Ich stieg ans einen Baum. Das Land ist eben, der Fluss scheint eine Bucht zu bilden und unsere Stelle ein Vorgebirge. Nach stromabwärts fällt das Terrain sanft in eine Thalmulde, auS welcher einige Palmenkronen über 198 Lebensbilder deutscher Missionäre. das Gestrüpp hervorragen. Wir steckten das Gras an hundert Stellen in Brand und retteten uns ge-schivind vor den Flammen ins Canot und giengen nach Kivamouth zurück, uns in der Dunkelheit am Flammenmeere freuend. Am 3. Mai giengen wir wieder hinüber, P. Dupont und ich, diesmal mit Zelt, Bett, Aextcn u. s. w. und hatten Abends richtig einen Platz frei, um unsere Zelte aufzuschlagen. Das Feuer hatte nur stellenweise gearbeitet. Doch halfen wir nach. Von Morgen bis Abend hieben mir Bäume um, die nach acht Tagen vertrocknet waren, worauf ivir das Ganze anzündeten — Schlangen, Ameisen usw. zum Leide. Am 4. wählte ich einen Stamm, kroch hinauf und hieb ihm die Krone herunter, suchte dann einen andern, den ich querüber band und formte so das erste Kreuz, unter dessen Schutz wir uns, Land und Leute stellten. Nach acht Tagen hatten wir genügend Raum, um Pläne zu machen. Ich vergrub mich acht weitere Tage in den eine halbe Stunde entfernten Hochwald, mit zwei Negern Holz schlagend; das Savannen-Buschwerk ist eben nur zum Feuern gut. Dazu gab uns Gott täglich ein Sturzbad, einen tropischen Regen, weshalb ich im Wald stets ein großes Feuer unterhalten ließ, um mich alsbald wieder zu trocknen. Dann giengs ans Holzherbeischleppen, ein ganzer Tag wurde dazu verwendet, um einen gangbaren Pfad zum Walde zu machen — glücklicherweise hatte uns ein Elephantentrupp hübsch vorgearbeitet — und Holz bearbeiten. Ich habe nie das Zimmermannshandwerk gelernt, doch Noth macht erfinderisch. Im Schweiße unseres Angesichts (die Regen endeten am 20. Mai, und die Sonne arbeitete mit Hochdruck) hackten und sägten wir mnthig; unsere schwarzen Arbeiter waren weg; wir hatten nur mehr zwei Leute und zwei Knaben, unfähig zum Holzarbeiten; Ende Juni war das Gerüste fast fertig: ein Haus, 23 Meter lang, 7V2 breit, mit rund herumlaufender Veranda. Dann wurde es mit Stroh gedeckt, die Wände mit . Stroh und Palmzweigen geflochten, und am 23. Juni schlief ich nach dreizehn Monaten einmal wieder „zu Hause", und die böse Zeit war vorbei; wir hatten eine kleine Kapelle, zwar nur aus Stroh, doch kehrte der göttliche Heiland ja auch in einem Stalle zu Bethlehem ein. Inzwischen bauten wir weiter, Haus für die Lente, Hühner- und Ziegenstall, Hundehütten, Küche, Backofen usw.; es kamen uns nämlich am Anfang August 12 Loangos von der Küste zu Hilfe. Wenn ich daran denke, was wir da alles trieben, so kann ich das Wort nur bewahrheiten: der Missionär muss bewandert sein «in omnibus et aliquot aliis» (in allem und einigen Dingen mehr). Gott Dank, wir wetteiferten mit unsern schwarzen Nach- barn in der Gesundheit; schlecht verpflegt, — wir konnten uns nicht um die Küche kümmern, ein -Neger-bube war da Meister, — ohne Dach und ein schadhaftes Zelt, in strömendem Regen, glühender Sonne, harter Arbeit blieben wir frisch ans, nur einmal warf uns die Sonne anfs Bett für einen halben Tag, damit waren wir los. Seit April hatte ich kein Fieber, dafür aber Appetit und Durst; der Congo ist ja nahe. Man sagt, unsere Nachbarn, die Byanzis, seien schlimme Gesellen; ihre Feinde behaupten sogar, sie wären dem Mcnschcnfleisch durchaus nicht abgeneigt. Sie kamen täglich schauen, wie unser HauS vorwärts gehe; ein Dorfschulze drohte uns sogar mit Krieg, wenn wir ihm nicht 300 Dutzend Taschentücher gäben, wofür er nichts bekam als den guten Rath, seine Drohungen nicht zu wiederholen, sonst kämen wir in sein Dorf, und fräßen ihn mit seinem ganzen Dorfe. Große Worte gelten hier viel! Da wurde er ganz zahm und gut Freund. Im klebrigen gelten wir im Lande für unüberwindlich; kein Nfumn kann eine so große Pfeife rauchen, wie ich es that, ehe sie mir zerbrach; keine Flinte trifft so sicher, wie die unsere; kein Zauberer hat so gute Medicamcntc wie wir, und kein Weißer war noch so freundlich wie die letztgekommenen. So leben wir in gutem Einverständnis, wir sind bei den berüchtigten By-anzis gut aufgenommen. Ich gieng z. V. völlig allein mit ihnen in den Kassai; ich hatte eine kleine Armee, fünf Piroqucn; damit mich diese Bande nicht mit gar zu hungrigen Blicken beschaue, schoss ich ihnen zehn Flusspferde, von denen jedes mindestens zehnmal mich aufivog; so war ich also völlig sicher. Auf zehn Meilen in der Runde aß alles Fleisch, und sie waren in diese für sic sehr interessante Beschäftigung so vertieft, dass ich am fünften Tage ihre Kochtöpfe umwerfen und meine Armee mit Gewalt in die Piroqnen treiben musste. Sie konnten nur 6 p,, Thiere mitnehmen und hatten beschlossen, die anderen 3*/2 an Ort und Stelle aufzuessen, was wohl noch zwei Tage gedauert hätte; so eine Ncger-verdauung geht über alles, was man sich vorstellen kann. Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich sage, dass ein Mann, wenn er es hat, zehn Pfund Fleisch in einem Tage isst; hat er nichts, ist er natürlich sehr mäßig. Ich bin nunmehr beim fünfzehnten Flusspferd angelangt, alle mit der ersten Kugel gelobtet bis ans zwei, von denen eins mich zu Lande angriff, ein altes Männchen, dessen weitaufgcrissencr Rachen durchaus nicht vertrauenerweckend war. Doch hatte ich Zeit, die Büchse zu laden, und schoss es ans zwei Meter Entfernung mitten in den Rachen, es über- Lebensbilder deutscher Missionäre. 199 schlug sich rückwärts, siel ins Wasser und fnm nur mehr todt zum Vorscheine; die erste Kugel in die Schläfe säst sehr gut, und weis; ich mir nicht zu erklären, ivic es darnach noch an einen Angriff denken konnte. Weniger Glück hatten wir mit einem schönen Elephanten. Wir übernachteten im Canot am Congoufer, als er uns ans zwanzig Schritte nahe kam. Mit zwei Kugeln lief er in den Sumpf, Diese frohe Zeit in Bungana sollte leider nicht lange währen. Im Februar wurde P. Schynse beauftragt, wieder eine mühselige Reise nach der Küste anzutreten. In einem schwachen Canot trat er seine Reise an. Am 1. März schwebte sein Leben in größter Gefahr, und nur dem Schutze des hl. Josef schrieb er seine Rettung zu. An einer Fclsspitze des sogenannten Black-River wurde sein Kahn vom Sturm Das Martyrium der bl. JJpollonia. wo Eingeborne ihn todt fanden, es uns aber erst sagten, als sic das Elfenbein (wohl 1000 Frs. wert) verkauft hatten. Die Kugel des P. Superior saß in der Schulter, die meine im Auge. Durch derartige Streiche steigt unser Ansehen, und sollte eines Tages die Losung kommene „gegen die Weißen", so hoffen wir um uns herum genügend Freunde zu haben, um sicher zu sein." — und den Wellen umgeworfen, und, fortwährend mit den Wellen kämpfend, erreichte er doch glücklich das Ufer. Des andern Tags sandte ihm, wie er selbst äußerte, sein Schutzpatron, der hl. Josef, als sein Canot tut Begriffe war, in einen Strudel zu gerathen, wovon er ivie seine Loangos keine Kenntnis hatten, einige treue Bapanzi, die ihn tvarnteit und ihn in die richtige Fährte lenkten. „Ohne ihre Dazwischen- 200 Lebensbilder deutscher Missionäre. hmft", sagt P. Schynse in seinem Tagebuch, „hätten mir an diesem Tage sicher das Leben verloren." — In Leopoldville erhielt er die Nchhricht, dass Cardinal Lavigcrie seine Missionäre vom Congo abberufe. Der König von Belgien hatte dem Papste den Wunsch geäußert, dass das Missionswerk in dem unter seiner Oberhoheit stehenden Congostaate Missionären belgischer Nationalität übertragen werden möge. Infolgedessen wurde eine andere Vertheilnng der Missionsgebiete vorgenommen, und wurden die Weißen Väter ans dem Congostaate abberufen. Ein entsetzlicher Schlag für P. Schynse! Eine schöne vielversprechende Mission, der er zwei Jahre körperlicher und geistiger Mühe und Entsagung gewidmet hatte, war vernichtet! Die Wildnis war urbar gemacht, die neuen Pflanzungen trieben in jugendlicher Kraft, und was mehr war, die Herzen der Eingebornen, über welche die Missionäre bereits eine höhere und richterliche Gewalt erlangt hatten, waren gewonnen — alles dieses mussten sie aufgeben; zwei Jahre der Mühen und unaussprechlichen Entbehrungen hatten sic — menschlich gesprochen — vergebens ertragen. Es war dies für P. Schynsc ein furchtbarer Schmerz; doch als Christ und Ordensmann folgte er in demüthigem Gehorsam der Fügung Gottes und dem Rufe seiner Obern, wenn auch blutenden Herzens. An der Küste angelangt, entließ P. Schyvse seine Loangos, seine treuen Arbeiter bei den Bauten und Anlagen der nun aufgegebenen Otation, und erwartete die Ankunft des P. Dupont, um mit ihm die Rückreise nach Algier anzutreten. Ueber diese Rückreise schreibt er in seinem Tagebuche nur ganz kurz: „Am 18. Mai schifften wir uns ein nach Lissabon; Lissabon 13. Juni; Algier 19. Juni"; — ein Beweis für die Größe seines Opfers, denn die Stunden seiner schwersten Prüfung pflegte er in seinem Innern mit Gott durchzukämpfen, ohne dass die Außenwelt davon Kenntnis haben durfte. — Zugleich mit der Abberufung der beiden Missionäre vom Congo hatte der Cardinal Lavigerie P. Schynse sofort der im Juni 1887 nach Ost-Afrika abgehenden Missions-Karawane zugetheilt, zu deren Abreise jedoch der Missionär vom Congo noch nicht zurückgekehrt war. Somit war P. Schynse gezwungen, von seiner apostolischen Thätigkeit einige Zeit auszuruhen — freilich eine Ruhe, die einer anstrengenden Thätigkeit aufs Haar ähnelte, aber dennoch wegen des Klimawechsels seiner Gesundheit sehr zustatten kam. — In Algier blieb er nicht lange, nur einige Stunden. Morgens hatte er die See verlassen und am Abende des nämlichen Tages schiffte er sich schon wieder nach Lyon ein, wohin ihn der Cardinal telegraphisch berufen hatte. Der Cardinal hatte bereits seinen biedern, treuen und festen Charakter, sowie sein gesundes und klares Urtheil kennen und schätzen gelernt und rief ihn nun zu sich, dass er ihm Bericht erstatte und dann theils als sein Begleiter, theils als Beauftragter mehrere Reisen in Europa unternehme. Mehrere Tage verweilte Schynse in Lyon bei dem Cardinal, mit dem er über verschiedene Punkte verhandelte. Ueber seinen Freimuth gibt folgende Anekdote ein beredtes Zeugnis. ES war am Abende des zweiten Tages seines Aufenthaltes in Lyon, als P. Schynsc wie am Vortage beim Cardinal als Gesellschafter und Berichterstatter erscheinen musste. In seiner kernigen Weise sagte er da im Laufe bcS Gespräches: „Gestern hielten mich Eminenz über das Abendessen hinaus, sodass ich, als ich um halb.zehn Uhr bei Ihnen verabschiedet wurde, nichts mehr erhalten konnte, deshalb habe ich heute zu Abend gegessen, bevor ich zu Ihnen kam"; — der Cardinal gab darauf lächelnd die Antwort: „Ihr Deustche seid doch selbst im Speisen praktische Köpfe." Von Lyon aus reiste P. Schynse in Gesellschaft des P. Bresson zunächst nach Köln, um den dortigen Erzbischof K r e m e n tz in Missionsangelegenheiten aufzusuchen. Auf der Reise erhielt P. Schynse die Nachricht von der schweren Erkrankung seiner Mutter und eilte an deren Krankenbett, in der frohen Hoffnung, einige Tage in seiner Heimat verweilen zu dürfen. Er täuschte sich. Wie wir bereits einmal erwähnt haben, hatte P. Schynsc vor dem Eintritt in den Orden seiner Militärpflicht nicht Genüge geleistet und war somit dem Strafgesetze verfallen. Obschon ihm zu wiederholten Malen außerdeutsche Staatsbeamte das Heimatsrecht ihrer Staaten angeboten hatten, nahm er eS nicht an, „er wollte ein Deutscher bleiben, wenngleich ein straffälliger". So schenkte ihm denn auch gleich nach seiner Ankunft die Ortspolizci eine so zärtliche Aufmerksamkeit, dass er sich genöthigt sah, am nämlichen Abend noch in Laienkleidung sich zurückzuziehen. Am Jahrestage des Todes seines Vaters war es, wo auch er von den Seinen Abschied nahm — für immer. „Aus Wiedersehen" rief er tröstend seiner schwer niedergebeugten Mutter zum Abschiede zu, — ja es sollte bald ein Wiedersehen geben — im Himmel. Unerkannt, von einem Jugendfreunde begleitet, eilte mitten in der Nacht der gute Mann, der dem deutschen Volke mit seinem Ordenskleide tausendmal mehr genützt hat, als er es hätte unter dem doppelten Tuche können, der Eisenbahn zu. Der Schnellzug entführte Die Thierwelt tut Sudan. 201 ihn nach Köln und über Aachen der belgischen Grenze zu. — Nach mehreren Reisen, bald in B e l g i e n, bald in H olla nd, bald in Fr a n kr e i ch ließ er sich Ende August 1887 in dem kleinen Seminar zu St. E u g c n bei Algier nieder, um als Ockonom für die leiblichen Bedürfnisse des Hauses zu sorgen und um gleichzeitig den Zöglingen den Unterricht in der Mathematik zu ertheilen. Ueber seine Thätigkeit in dieser Stellung lassen wir am besten einen seiner damaligen Schüler sich aussprcchcn. Dieser sagt: „P. Schynse kann nur von jenen wahrhaft geschützt werden, die, wie wir, in den innigsten Beziehungen zu ihm gestanden haben, ihn als Seelenführer gc-wählt hatten. Wie wusste er uns zu fassen, zu leiten und zu rathen! Aber bei all diesem machte er nicht viele Worten alles an ihm war That. Mächtig tvirkte auf uns sein Beispiel ein. Sah man ihn ain Altare, so fühlte man mit, tote sehr er von der heiligen Handlung durchdrungen war. Unter seinen Tugenden glänzt seine tiefe Demuth, seine gänzliche Selbstentsagnng. Oft sahen wir ihn den letzten Platz aufsuchen, während er den jünger» Mitbrüdern den Vorrang ließ. Aengstlich verbarg er die Gaben des Geistes, die Gott ihm verliehen hatte, obschon ihn jene seiner Mitbrüder, die ihn besser kannten, wieder-holt baten, dieselben mehr hervortreten zu lassen. Aber ernst wies er stets solches Ansinnen zurück: „Ich bin nur nach Afrika gckonnncn, um als Missionär für die Kirche und die Seelen zu arbeiten, nicht um für mich Anerkennung zu suchen." — Bewunderungswürdig war auch die ausdauernde Geduld, welche er auf dem schmierigen Posten eines Oekonomen in St. Engen stets bekundete, und die oft auf eine harte Probe gestellt wurde. Sein Zimmer war vielfach förmlich belagert, bald von arabisch, bald von französisch, bald von deutsch redenden Bittstellern, oft von solchen nitS allen drei Nationen zugleich, von denen jeder wieder ein ganz verschiedenes Anliegen hatte! aber nie verlor P. Schynse seine Ruhe, seine Selbstbeherrschung. Bitter empfand er jedoch oft in dieser Stellung die sarkastischen Anspielungen französischer Kaufleute, mit denen er verkehren musste, und denen er als OrdenS-mann nur Schweigen entgegenbrachte. Als seine Obern jedoch von diesen Schwierigkeiten durch andere Kenntnis erhalten hatten, entbanden sie ihn gewisser Verpflichtungen nach außen, damit er sich umsomehr den Schülern, besonders den deutschen, widmen könnte. Auch die Aufsicht über die deutschen Schüler während der Erholung war P. Schynse übergeben. Während dieser Stunde belebte er unsere Unterhaltung durch seine Erzählungen vom Congo, durch die Schilderung seiner Erlebnisse, was stets einen regen geistigen Austausch zur Folge hatte, sodass selbst die französisch redenden Schüler sich hervordrängten und beobachtend mt§ umstanden, obgleich sie die Unterhaltung nicht verstehen konnten. Denn nur das reinste Deutsch durfte bei P. Schynse gesprochen werden, ein Deutsch, frei von jedem Gallicismus. Wehe dein, der von dieser Norm abwich! In seinem äußern Austreten hatte P. Schynse etwas Militärisches, was manchen Franzosen von ihm zurückhielt. Trotz dieser scheinbaren Härte nach außen besaß er ein inniges, tieffühlendes Herz, von dem man wusste, dass es jedes Leid aufrichtig theilte. Er zeigte stets einen tiefen Ernst, der selbst dem Momente der Heiterkeit nicht wich." (Schluss folgt.) —aö®<3a-— Die Thierwell im Sudan. sein Herz, das ivirklich gut genannt werden kan». Die schwarzen Fischer jagen das Nilpferd mit der großen Harpune! diese ist aus Eisen und sehr stark, etwa 7 bis 8 Zoll lang und an einem dicken Strick befestigt, den sich die Fischer selbst aus Bast und stückweise wohl auch aus Nindsleder anfertigen. Die Harpune steckt wie eine Lanze an einem Stabe, doch ist sie so eingerichtet, dass der Stab gleich vom Eisen (Forlsetznug.) losgeht. Weil die Jagd ans ein Flusspferd immer ein gewagtes Spiel ist, daher rücken immer mehrere zusammen auf mehreren Schiffen ans. Finden sie eines am Lande, so schleichen sie sachte hinzu und einer schleudert ihm die Harpune in die Seite, zieht alsdann das Holz zurück, und daS 'Thier sieht sich wüthend um; da raffen die Jäger wohl alle Kräfte zusammen, um das Thier mittels des festen Strickes zu halten, tun ihm noch eine Harpune von der andern Seite in den Leib zu stoßen. Können sie es 202 Die Thierwelt im (Eiibnit. so befestigen sie den Strick schnell on einem Baume. Doch dos Thier wehrt sich, brüllt furchtbar, geht auf sie loS mit weit aufgerissenen: Rachen, sucht^dic Stricke abzubeißen, gelingt ihm das, so müssen die Jäger fliehen, und das Thier mit der Harpune im Leibe läuft in den Fluss, wo es wohl doch verenden inuss. Ebenso macht cs der Fischer häufig in: Flusse. Es geht wüthend auf die Jäger los, die in den Schiffte::: sind, zerschnwttert ein Schiff, und die da-darauf sind, müssen sich ins Wasser stürzen und fliehen. Allein geschieht die Jagd in: Wasser, so hat die Harpune einen kurzen Strick mit einem Schwimm-holz an: Ende, so dass die Jäger genau wissen, wo das Thier ist, wenn es den Strick nicht abgebissen: dann jagen sie ihn: nach und wiederholen den Stoß, bis sie cs in einen Canal treiben, wo sie es mit Stricken halten können. Wird es diese Stricke nicht los, so wird ihm so lange mit Harpunen und Lanzen > zugesetzt, bis es nach und nach, oft erst in sechs Stunden erliegt. Furchtbar ist das Gebrüll des so ringenden Thieres, aber wie Wespen stechen die Jäger immerfort in seinen Wanst, bis es unter ihrem Jubelgcschrei verendet. Das ist nun wahrhaft ein Fest für die Jäger, die nun 20 Zentner und noch mehr Fleisch verzehren können! Ter Held, der ihn: die erste Harpune glücklich in den Leib schleuderte, und so am meisten beitrug zum Fange, bekommt den bestimmten Ehrenthcil; alles andere wird vertheilt — und zwar an alle im Dorfe, und in zwei bis d.rei Tagen ist alles verzehrt, selbst die — Haut. Nur die Zähne werden verkauft. Und fahren die Jäger nach dem Fange die Schifflein heim, so fährt der Held des Tages voraus und besingt ununterbrochen seine Heldenthat, während die Schifflein in: Jubel ihm folgen und dann zuhause ihren Familien ihr Glück erzählen. Die leeren Kochtöpfe werden gleich gefüllt, und ein Tanzsest beschließt den Freudentag. Ein sehr wildes Thier ist das Nashorn (Rhinoceros), von dem selbst bei den Negern der Spruch gilt: Weiche ihm aus, damit es dich nicht sieht. Dieses Riesenschwein mit seinem behörnten Rüssel ist sehr schwer zu todten, weil seine Haut sehr dick ist: doch wird es gern gejagt wegen seines Hornes und der prächtigen Zähne. Das Horn des Rhinoceros soll, wenn es noch vom lebenden Thiere abgehauen werden kann, die Eigenschaft besitzen, dass, wenn man in die Höhlung Milch gibt, dieselbe binnen kurzem Käse werde. So erzählen wenigstens die Sieger. Thatsache ist, dass in: Kaufe die „lebenden Hörner", wie man sie nennt, viel theurer sind. — Von Affen findet sich in der Waldzone des Sudan eine große Menge, und darunter der Schimpanse; besonders sind die Stummelaffen in vcrschic- - denen Arten vertreten. Die beliebteste Art ist der Colobus verus, den die Araber mit ■: Vorliebe N o ss - N a 8 (Halbmensch) nennen. Ganz eigenartig ist der Colobus palliatus, der bedeutend hoch wird, sammtschwarze, lange Haare und eine weiße Mähne hat: er findet sich gerne in den scnnaarischen Gebüschen und Wäldern. Der hässliche Ham a dry as mit seinem abscheulichen Geschrei findet sich in: felsigen Taka, in der Nähe des Rothen McereS. Besonders zahlreich aber kommen die Affen an: Bahr-Ghazal vor, wo die Eingcbornen Meriffa (ein von Sorghum gewonnenes, berauschendes Getränk) an den Baun: hinstellen, sodass die Affen einen „Affen" bekommen und so in die Gefangenschaft und in das Handelsmonopol der Regierung gerathen. Von Flatterthieren finden sich Millionen von Fledermäusen in ganz Nubien, die besonders vom April bis znm Eintritte der Regenzeit in der Dämmerung in solchen Scharen hcrumflattern, dass man mit Ruthen leicht eine Menge erschlagen könnte. Den andern Classen der Thierwclt entsprechend groß ist jene der Reptilien. An Eidechsen ist wohl kein Land so reich als der Sudan. Die Steppen sind voll von Dorn- und War n eidech se n. In: Nile findet sich die Nileidechse (Varanus niloticus), die bis l]/3 Meter lang wird. Diese Thiere leben in: Flusse von Fischen, verschmähen aber auch anderes Fleisch nicht; sie gehen sogar bis eine Stunde von: Flusse auf die Jagd nach Federwild. Davon nmchtcn die Missionäre in Hl. Kreuz eine unangenehme Erfahrung. Einer hatte Perlhühner gezähmt, aber eine Nilcidechsc brachte ihn um alle. Ein andersmal bekam wieder so ein Thier Appetit auf Tauben und stattete dem Taubenschlag der Mission fleißig Besuche ab; die Missionäre ahnten nichts, gaben vielmehr immer den Katzen die Schuld, wenn wieder eine Taube fehlte. Doch eines Tages kam der Dieb ans Licht, er wurde auf frischer That ertappt, und man machte ihm mit Lanzen ein Ende, und die Tauben hatten nun Frieden und vermehrten sich wieder. Die Araber und Neger essen ihr Fleisch, das nach Moschus riecht, wie das von: Krokodil. — Kleinere Eidechsen gibt cs viele Gattungen und sind sie so unschuldig wie bei uns. Die kleinste Gattung aleu wird nicht länger als 5 Centimeter. Ganz etwas Unheimliches ist das Krokodil, dieser Flussdrache mit seinem weiten Rachen voll Zähne, mit seinen Klauen, womit es alles zu zerreißen scheint. Seine Ausrottung wäre für die Nil-bcwohner ein Glück. Zu zehn Stücken und n:chr liegen sie aus den Sandinseln übereinander, wo sie mit geöffneten: Rachen sich sonnen und schlafen. Sie sehen wie schwarze Felseninseln aus, die aber lebendig Sie Thierwelt im ©übnit. 203 werden, wenn ein Schiff naht, und kopfüber ins Wasser sich stürzen, weil sie Kugeln zu empfangen gewohnt sind, welche ihnen aber nichts anhaben können. Doch so fürchterlich es im Wasser ist, wo es selbst die größten Fische verfolgt und zerreißt und sogar Kühe und Ochsen packt, indem es ihnen in den Hals beißt, sie untertaucht und so erstickt, oder, wie es auch häufig geschieht, ihnen die Füße abbeißt; so fehlt ihm doch aller Muth, wenn der Gegenstand, den es erhaschen ivill, außer dem Wasser ist. Delin DaS Krokodil scheint diese Freundschaft auch zu schätzen, denn unbesorgt laufen diese Vögel bei demselben herum, fliegen sogar ans dessen Rücken und Kopf, ohne dass jenes eine gefährliche Bewegung macht. Kommt dann jemand, z. B. ein Mensch, so erheben sie ein helles Geschei, das Krokodil erwacht, stürzt sich eilends in den Fluss und taucht unter. Das Krokodil frisst bloß im Flusse. Weil diese Thiere so räuberisch sind, so ist bei beit Kyetsch, wenn sie ihre Herden über den Fluss treiben, die Sitte, eine alte Elfenbein-Karawane. kann es seine Beute nicht meuchlings mit seinem Schweife in den Fluss schlagen, so hält es sich fern und beobachtet verrätherisch — man sieht bloß seine Äugen und Nasenlöcher verrätherisch ans dem Wasser Hervorschauen — es schleicht herum ivie ein Dieb, mit den günstigen Augenblick zu erhaschen, unbemerkt den Schlag zu führen! kehrt aber der Mensch sich um und sieht es an, so taucht es unter. Diese Thiere liegen untertags häufig am sandigen Ufer und schlafen mit offenem Rächen. Da haben sie gleichsam einen Wächter bei sich, der sie- beim Herannahen einer Gefahr gleich weckt; es ist dies der große Strandläufer, der sich meistens, in so schöner Gesellschaft findet. Ziege in den Fluss zu werfen, gleichsam als Opfer-für das Krokodil; denn sollte sich gerade da so ein Ungeheuer befinden und Hunger haben, so hat es etivas zu verspeisen, aber es ist bloß eine alte Ziege geopfert, und es kostet keine so liebe Kuh. ;Die Krokodile sind am Weißen Nil sehr zahlreich, so dass wegen ihres Gestankes oft abends die ganze Luft voll Moschus ist, und man so ihre Nähe fühlt. — Neger packt cS selten an, weil es dieselben im trüben Wasser wegen ihrer schwarzen Hautfarbe nicht seyen soll; den Weißen hingegen wird cS verderblich. Die Krokodile vermehren sich sehr, denn nach Aussage bei' Neger sollen alte Weibchen sogar 100 Eier legen, 204 Die Thierwelt int Sudan. während es jüngere auch bei dreißig bewenden lassen. Wenn sie ans den Eiern kommen, sind sie 20 bis 25 Centimeter lang, sie wachsen aber bis zu 5 und 6 Meter Länge. An Schlangen ist der Sudan auch nicht arm, und die Neger fürchten sich vor ihnen viel mehr, als vor dem Krokodil, weil die meisten ungemein giftig sind. Nur eine, die schlanke grüne Natter, die gerne im Schilfgrase am Ufer des Flusses herabhängt, soll nicht giftig sein. ES gibt viele Gattungen von kleinen, bloß zwei Fuß langen Vipern bis zu der Niesenschlange Python. „EinesTages", erzählt ein Missionär, „segelten wir am Anfange dcS Kyetsch-LandeS vorüber. Wir hatten keinen Wind, und so mussten die Matrosen das Schiff mit einem langen Seile ziehen. Da hieß eS auf einmal: eine Schlange! eine Schlange! Und wirklich, das Thier lag auf seinen Eiern im Neste. Der Schiffsjäger und wir giengen sogleich hinaus und er schoss ihr eine Kugel in den Hals; das Thier wand sich in seinem Blute, und dann ans einmal schnellte cs empor und mannshoch stand eS mit dem Kopfe da, der Hals blähte sich auf, und schon wollte cs auf den Jäger losstürzen, da flog ihm noch eine Kugel durch den Kops, und die Bestie sank zusammen. Wir stetigen den Kopf mit einem Latze, weil sie mit dem Schweife noch gewaltig herumschlug und zogen sie mittels eines FlaschcNzuges aus den Mastbaum hinaus, wo sie nach einer halben Stunde sich reckte und verendete. Wir zogen die Haut ab, sie maß 19 Wiener Schuh; sie war eine Python, auch die Neger heißen sie so. In ihrem Neste waren 70 bis 80 Eier, worin schon kleine Schlangen waren. — Während wir die Haut abzogen und das Gerippe präparierten, fiel uns das Betragen unseres Dolmetschers auf, der ein Dinka war; er war ungemein traurig, ivährend die andern lachten. Befragt, warum er so traurig sei, sagte er: Bei unserem Stamme ist cs Brauch, wenn so ein Thier in das Lager kommt, ihm einen Ochsen zu schlachten und zu opfern, und ihr macht es ihm so! Also scheint dieser Schlange eine Art Verehrung gezollt zu werden; freilich essen das Fleisch des Ochsen die Neger und nicht die Schlange. Auch die Bari stellen der schwarzen Schlange Milch vor und opfern ihr solche." — Da kann cs einen gar nicht wundern, wenn sich diese Schlangen bei so zarter Behandlung stark vermehren und so zahlreich sind, dass man davor nie sicher ist. Man sieht sie im Walde, im Garten, sie kommen in die Häuser, und gerade hier scheint es ihnen sehr zu gefallen. Besonders erregen ihren Appetit die Hühnereier, die sie sammt den Schalen verschlingen. Wie viel diese Bestien in ihrem Schlunde unterbringen können, lässt sich aus folgender Thatsache schließen. Am Bahr-Ghazal war einmal ein neunjähriges Mäd-chen verschwunden. Man hatte bei seinem Verluste gleich auf so eine Landstrcicherin von einer Python den Verdacht, suchte ihr Lager auf und richtig — lag sie da dick und faul in der Sonne und ivnrdc erschlagen. In ihrem Bauche fand man noch das arme Kind — natürlich todt. Den Balg, der etwa 3 Schuh breit und 16 Schuh lang war, erwarb sich der Missionär Abbc; Hcnriot, ließ ihn zu einem Lanfteppich verarbeiten und sandte ihn den Seinen nach Frankreich. Das Gift mancher Schlangen hat eine furchtbare Wirkung. Ein Knabe wurde beim Fischen von einer Schlange gebissen, sogleich schwoll sein Fuß schrecklich auf und faulte ganz weg. „Eines Herbstes", erzählt ein Missionär, „als ich gerade im Gartenhanse allein in Gegenwart einiger Neger zu Mittag aß, hatte ich die seltene llcbcrraschung, dass mir neben den Teller eine Schlange herabfiel. Die Schwarzen sprangen ans und liefen zur Thüre hinaus. Da die Schlange aber vom Falle etwas betroffen war und nicht schnell genug davon kam, hatte ich noch Zeit, ihr mit einer Schaufel den Garaus zu machen. Nachdem das Essen geendet, fand ich im Dachstroh noch eine, die ebenfalls nicht entkam. Diese Thiere steigen nämlich überall hinauf, um nach Insekten zu suchen. Weil so viele Schlangen angetroffen wurden, nahmen wir bei jedem Gange, selbst zur Gartenarbeit immer ein Gewehr mit uns, und die Neger hatten eine ungemeine Freude, wenn wir wieder eine mit Schrott erschossen, oder in Ermangelung einer andern Waffe mit einer Schaufel in Stücke gehauen hatten." — Die Neger haben nämlich bloß Stichwaffen, welche gegen diese Thiere nichts taugen, und weil sie nackt sind, so können sie ihnen nicht recht beikommen und todten so sehr wenige. Doch vertilgen sie ohne Zweifel unzählige durch das Abbrennen dcS dürren Grases im Spätherbste, tvo sie auch noch verschiedene Helfer haben. Denn ivie jedes Thier seinen Feind hat, so fehlt es auch den Schlangen nicht an solchen. Es sind dies die großen Reiher und Storch-Gattungen, welche sich hauptsächlich mit Schlangcnjagd abgeben; ja selbst Habichte verschmähen diese Beute nicht, und nie sind diese Vögel beschäftigter, als bei diesen großen Grasbränden, wo sie rechts und links auflauern, um alles zu erhaschen, was dem Feuer entfliehen will. Auch Frösche fehlen nicht und beehren Einen — besonders die großen abscheulichen Kröten — häufig mit ihrem Besuche, da sie mit Vorliebe in der Regenzeit in die Häuser und Hütten sich zurückziehen. Die Thimvelt im Sudan. 205 Trotz des gefräßigen Krokodils, der Nimmersattheit von Reihern, Pelikanen und anderen Feinden ist der 9ti( reich an F is ch e n. Welsen-, Karpfen- und Aal-Arten finden sich da in bedeutender Menge und Größe. Unter den bekannten und unbekannten Gattungen kommt auch der elektrische Fisch nicht selten vor. Die Bari nennen ihn den Stpßer. Der elektrische Schlag, den er bei jeder Berührung immer versetzt, so lange er lebt, mag wohl die Waffe sein, die ihm die Mutter Natur gegeben. Eine ebenso interessante Gattung ist der S ch a l f i s ch oder P a n -zerfisch, den bis zur Hälfte des Rückens eine Schale wie ein Panzer bedeckt, an dessen Ende auf der Mitte des Rückens ein starker Grat hervorsteht, den er aufstellen und niederlegen kann. Dieser Grat und seine ebenso starken dicken Flossen sind die Waffen, womit er sich vertheidigt, und wie die Neger behaupten, selbst dem Krokodil gefährlich wird. Denn erhascht das Krokodil solch' einen Fisch, und will ihn verschlingen, so streckt er im Rachen seines Feindes den Rückgrat und seine Flossen fest auseinander, sodass sie inS Fleisch eindringen; so sperrt er dem Krokodil den Athem, und es muss ersticken. Eine andere Gattung könnte man mit Recht den P l a t t k o p f f i s ch nennen wegen seines plattgedrückten Kopfes, nur hat er uoch die Auszeichnung, dass er, wenn er nur etwas größer ist, schuhlauge Fühlhörner hat. — Da dürfte cs bei dieser Gelegenheit ivohl am Platze sein, einiges über die schwarzen Fischer zu sagen. Bon dem Lande der Kyetsch und Tuik an, bis hinauf zu den letzten Dinka, den Bor und Elpab trifft man mit Flusse kleine Dörflein und weiter südlich selbst größere Ortschaften an, worin ein armes Bölklein lebt, das sich meist vom Fischfänge nährt. Sie leben in patriarchalischer Verfassung, haben beinahe keine Hausthiere, und wenn mancher von ihnen Vieh besitzt, so lassen sic cs gewöhnlich in der nassen Zeit mit der Herde eines benachbarten befreundeten Häuptlings auf die Weide gehen. Weil sic arm sind, werden sie von den Besitzern großer Herden verachtet; obwohl sie an und für sich nicht ärmer, eher behaglicher leben als jene. Sie sind nicht Nomaden, sondern bleiben in ihrem Dörflein, und obwohl sie nach den gleichen Sitten leben, sind sic doch weit thätiger und arbeitsamer als ihre Nachbarn beim Vieh. Die Noth zwingt sie. Sie leben größtentheils vom Fischfänge, der, wenn sie bessere Werkzeuge hätten, sehr ausgiebig sein würde. Sie fischen mit der Angel, die nichts anderes ist, als ein krummes Eisen, vorn zugespitzt, ohne Widerhaken; sic befestigen mehrere an einer langen Schnur, welche von Schwimmholz emporgehalten wird, oder fischen auch mit einzelnen. Die Schnur machen sie aus dem Baste einer kleinen Staude, die unserm Hanfe sehr ähnlich sieht. Als Köder nehmen sie Fleisch, Eingeweide der Thiere oder Frösche. Ferner bedienen sie sich einer kleinen Harpune mit Widerhaken, welche sic den Fischen in den Leib stoßen. Diese Waffe ist an einer sehr langen Schnur befestigt und wird mittels eines Stockes nach dem Ziele geworfen; ist ein Fisch getroffen, so lässt der Stock von dem Eisen los und der Fisch hängt an der Schnur und wird so herausgezogen. Sic gebrauchen selbe zu Schiffe, das ein Mann durch Ruder in Bewegung setzt; da steht der Fischer am Vorderthcile und schleudert die Harpune überall hin, links und rechts und zieht sie, sooft er fchlgeworfen, mittelst der langen Schnur wieder an sich. ES ist wohl eine langweilige Arbeit, selbst in diesem so fischreichen Flusse. Ist daS Wasser seicht, dass er zu Fuß gehen kann, so befestigt der Fischer diese Harpune und Schnur an einer sehr langen Rohrstange, womit er so lange unter dem Wasser hin- und hersticht, bis ein armes Fischlein an seinem Eisen hangt, womit er dann sogleich nach Hause geht, um sein Mahl zu halten. Oft fischen sie auf diese Weise zu zwanzig mitsammen und an seichten Stellen helfen ihnen noch die Weiber, die mit einer Art weiter Körbe, die sie ins Wasser drücken, einen Fisch darin zu erhaschen suchen. Das Netz kennen diese Fischer nicht, wohl aber schließen sie, wenn der Wasserstand niedrig ist, mit Rohrstangen kleinere Canäle, lassen in diesem Zaune Oeffnungcn, worein sie Körbe legen, und treiben die Fische hinein. Auf diese Weise fangen sie oft viele. Ist der Wasserstand sehr hoch, so ver-schlüpfen sich die Fische überall im Grase bis tief in den Wald hinein. In dieser Zeit fangen die Fischer die meisten. Sie rösten die Fische oder braten sie am Feuer und trocknen sie auch in der Sonne und kaufen sich damit Milch von den Viehbesitzern. Die Fische find bei den am Nile wohnenden Nc-gerstämmen die Hauptnahrung; Europäern sind sie ungesund, wenn sie auch noch so wohlschmeckend sind. Unter Provicar Dr. Knoblecher aßen die Missionäre an Freitagen immer Fische, weil sie die traurigen Folgen noch nicht kannten. Am Samstage und Sonntage aber hatten gewöhnlich alle Fieber. Da kam Knoblecher ans den Gedanken, dass das Wasscrtrinken mit den Fischen nicht im Einklang stände; er ließ aus seiner Heimat (Krain) Wein kommen und ordnete für jedes MissionsmitgW» an Freitagen ein GlaS Wein an. Es wurde besser, aber die Fieberanfälle wiederholten sich von Zeit zu Zeit doch. Msgr. Comboni behielt die Praxis KnochlccherS bei, 206 Legende de? Morgenlandes. schaffte aber später nach allerlei Proben und Berathungen den Fisch ab, und das Fieber blieb aus. — Wie überall gibt es auch hier außer den Fischen noch allerlei Thiere im Wasser, wie z. B. die großen Spinnen und Muscheln, deren Schalen oft den Grund des Nil weithin füllen und Muschelbänke bilden. Auch wird oft eine Art gefunden, die der Schale nach der Auster ähnlich ist. Diese Schalen benützen die Neger statt der Löffel. Von Wasserschnecken trifft man mehrere Gattungen an, deren Gehäuse spiralförmig, selten platt sind. Als das größte Schalenthier erscheint auch hier die Schildkröte, wovon cs zwei Gattungen gibt, von denen die Landschildkröte (Testudo sulcata) größer ist; ihre Schale wird als Schüssel verwendet und dient auch als Boden des einzige» Saiteninstrumentes, das die Neger besitzen. (Schluss folgt.) Legende des Morgenlandes. §er he. 'g'antaCcon, ^Tar (aprer. (27. Juli.) hl. Pantaleon stammte aus einer angesehenen Familie zu Nikomedia. Sein Vater war Heide, seine Mutter aber, Eubula mit Namen, war eifrige Christin und verwendete alle ihre Sorgfalt darauf, dass ihr einziges Kind in christlichem Glauben und in Gottesfurcht erzogen werde. Leider ereilte sie der Tod, als der Knabe noch klein war, und nun war der heidnische Vater sein einziger Er- und Ver-zichcr. Er sparte zwar keine Kosten, um dem Sohne eine gründliche wissenschaftliche Ausbildung zu verschaffen, verlangte aber von ihm auch die Theilnahme an den Götzenopfcrn. — Doch der gute Same, den die Mutterliebe noch imstande war, in das empfängliche Kindesgemüth zu streuen, keimte darin auch ohne äußere Pflege durch die eigene Triebkraft Tend die göttliche Gnade fort. Nach, dem Wunsche des Vaters studierte Pantaleon die ärztliche Kunst, übertraf weit seine Studiengenossen und wurde bald der Liebling seines Lehrers, der ihn auch bei Hof bekannt machte und einführte. Sein Weg zur Schule führte ihn täglich an einem ärmlichen Hause vorüber, in welchem ein christlicher Priester, namens Hermolaus, mit einigen Glaubensgenossen sich versteckt hielt. Dieser beobachtete oft den schönen Jüngling, seine noble Haltung, seinen sinnenden Ernst und den wohlthuenden Ausdruck seines freundlichen Wesens, ward für ihn eingenommen und wagte eines Tages, ihn zum Besuche zu laden. Pantaleon nahm die Einladung an, kam des andern Tages und plauderte offenherzig mit dem ehrwürdiger Greife über seine Herkunft und seine Lebensschicksale: er bemerkte unter anderm, dass seine Mutter eine Christin gewesen sei. Auf die Frage, ob er denn selbst nicht auch Christ sei, gab Pantaleon zur Antwort: „Ich ehre hoch daS Andenken an die theuere Mutter, bewahre noch manche ihrer Lehren treu int Herzen, muss aber der Religion meines Vaters und des Staates folgen, da ich sichere Aussicht habe, Leibarzt des Kaisers zu werden und zu hohen Ehren zu gelangen." — Der greise Priester benützte die Gelegenheit, Pantaleon von einem Arzte zu erzähle», der alle Aerzte au Macht und Weisheit übertreffe, und wie dieser Arzt durch ein einziges Wort Blinde sehend, Lahme gehend, Taube hörend mache, der Menschen, die bereits gestorben, wieder zum Leben erwecke, dass dieser Arzt, und das sei die Hauptsache, die Seele» zur höchsten Herrlichkeit im Himmel führe! Dieser Arzt sei in allen Leiden und Trübsalen ein liebevoller Tröster, mächtiger als alle Götter, die nur. zu Aberglauben und Irrthum verführe». — Solche Reden machten den Jüngling nachdenklich; sic weckten in ihm die Erinnerung an die Lehren seiner Mutter — der himmlische Seclcnarzt wollte ihm nicht mehr aus dem Sinn, body hatte er noch einige Bedenken, an ihn zu glauben; er ivollte selbst dessen Macht erfahren. Eines Tages gieng er, in solche Gedanken vertieft durch die Felder. Er erblickte ciu Kind, das von einer daneben liegenden giftigen Schlange gebissen worden war und nun todt am Boden lag. Zuerst wich er erschrocken zurück; plötzlich aber blieb er stehen und dachte bei sich: „Wenn das wahr ist, was Hermolaus von Christus gesagt hat, so wird cs hier offenbar werden." Er betete - zum Himmel emporblickend: „O Gott der Christen, wenn du wirklich der Herr über Leben und Tod bist, so tobte diese WVWWWW A A A mm® . A;.j ' \ / ■ L/. Jr S| M vM % g s Ö . Pantakon, Mart 208 Ein Ncgcr für die Sache der Neger. Schlange, und belebe das Kind." — Und so geschah cs. Voll Freude eilte Pantaleon zu dem Priester-greise und erklärte sich bereit, an Christus zu glauben. Er blieb bei demselben und bereitete sich auf die Taufe vor, die er auch am siebenten Tage empficng. — Nun war es seine erste Sorge, auch den Vater für Christus zu gewinnen; es wollte nicht gelingen; aber auch da kam ihm die Gnade von Oben zuhilfc. Ein Augcnkranker, der durch langwierige Versuche verschiedener Aerzte sein Vermögen und — sein Augenlicht verloren hatte, kam zu Pantaleon und bat ihn um Hilfe. Pantaleon versprach ihm im Vertrauen auf die göttliche Hilfe Heilung; der Vater war über die Großsprecherei, wie er meinte, ungehalten, weil ja die besten Aerzte den Kranken bereits aufgegeben hätten. Der Sohn ließ sich nicht beirren, ermunterte den Kranken zum Vertrauen auf den wahren Gott, rief den Namen Jesu an und berührte die blinden Augen. Sogleich war der Blinde sehend und erklärte sich bereit, diesen so mächtigen Jesus anzubeten. Auch der Vater konnte der Gewalt des augenscheinlichen Wunders nicht widerstehen und stimmte mit ein in das Lob des allmächtigen Christen-gottes; —• beide empfiengcn die hl. Taufe. Pantaleon wirkte fortan segensreich im ärztlichen Berufe; besonders waren cs die Armen, die sich seiner Sorgfalt erfreuten. Stets war er darauf bedacht, mit dem Körpern auch die Seelen zu heilen. Sein Ruf wurde weithin verbreitet und der Zulauf zu ihm mit wunderbarem Erfolge gekrönt. Aber auch der Neid der heidnischen Aerzte wurde wach; sie 6co6=. achteten ihn scharf auf Schritt und Tritt. Ills sie sahen, dass Pantaleon mit Vorliebe die wegen ihres Glaubens im Kerker schmachtenden Christen behandle, zeigten sie cs beim Kaiser an, dass er ein Christ sei. --------—-V—-v- > Dieser ärgerte sich nicht wenig, dass Pantaleon, den er so sehr schätzte, ein Christ sein sollte, stellte ihn zur Rede und verlangte, dass Pantaleon den Göttern opfere. Pantaleon gab zur Antwort: „Thaten sprechen lauter als Worte, Wahrheit geht über alles: je mächtiger ein Gott ist, desto mehr verdient er Vcr-crhrung. Ich schlage dir eine Probe vor; lasse einen Schwerkranken hierherbringen, rufe deine Aerzte »ud Priester, dass sie ihre Götter anrufen und ihn heilen; ich will indessen zu meinem Gott beten; derjenige Gott, der den Kranken gesund macht, soll dann als der einzig wahre angebetet, und die übrigen entfernt werden." Maximian nahm den Vorschlag an; ein Kranker, der als unheilbar von den Aerzten aufgegeben worden war, wurde hcrbeigctragen; die Götzendiener beteten mit vielen Opfern zu ihren Göttern, aber umsonst; Pantaleon betete zu Jesus und befahl dem Kranken im Namen des Gekreuzigten aufzustehen. Sogleich stand dieser auf — ganz gesund. Der Kaiser blieb dem gegebenen Worte nicht treu, vielmehr wandte er die ärgsten Peinen an, um Pantaleon zu zwingen, dass er den Staatsgöttern opfere; aber der jugendliche Held harrte mit wunderbarer Standhaftigkeit aus, bis der Kaiftr des Wartens müde, ihn an einen Oclbaum binden und mit dein Schwerte tobten lies; — am 27. Juli 305. Die Griechen zählen den heiligen Pantaleon, den sie Pantclecmon neunen, zu den „großen Märtyrern"; eine alte Kirche unter seinem Namen war zu Konstantinopel, wohin seine Reliquien übertragen worden. Später kam ein Theil derselben nach St. Denis bei Paris und sein Haupt nach Lyon; andere Theile desselben werden an andern Orten aufbewahrt. Pantaleon gilt, neben dem heil. Lucas, als besonderer Patron der Aerzte und zählt zu den 14 Nothhclfcrn. (Ein Keger für hu Zache öer Keger oöer „Meine Brüder, die Keger in Afrika." Ein ernstes Wort an Europas Christen von P. Daniel Sorur Hcharim Den, zu Kairo (f am 11. Jänner 1900). ^>as Christenthum ist das einzige Mittel, um zur wahren Civilisation zu gelangen. Es ist der große Pädagoge des Menschengeschlechtes, indem cs die Wiedercrhebung des Menschen zur ehemaligen Würde bezweckt, in welcher er geschaffen war, von der er aber zu seinem größtem Unglück hcrab-gesunken ist. (Fortsetzung.) Ich habe mir die Aufgabe gestellt, die Frage zu beantworten: Kann insbesondere die Ncgorrasse ohne Christenthum zur Civilisation gelangen? wird sic durch dasselbe wirklich dahingclaugcn? Was ist wahre Civilisation? Sic besteht nicht etwa in schöner Kleidung, Höflichkeit und feinen Ilmgangsformeln. Sie besteht auch nicht in Gewerbe- Ein Neger für die Sache der Neger. 209 fleifi, Geschäftsgewandtheit, Erfahrung und Umsicht im Handel und Verkehr. Sie besteht endlich nicht in Entdeckungen und Erfindungen oder in überlegener Politik, äußerer Macht und Kriegskunst. Dies alles ist bloß materielle Bildung, ist bloß die äußere Schale der wahren Civilisation. Der richtige Kern aber ist richtiges Denken und Handeln nach den Lehren des Glaubens und den ewigen Gesetzen der Sittlichkeit. Alles andere hangt nicht unmittelbar mit Wesen, Ziel und Bestimmung des Menschen zusammen} ja die äußere Bildung ist geradezu wertlos, wenn die innere fehlt. Einst war der heidnische Orient Sitz der Civilisation, während der Westen noch in der wildesten Barbarei versunken war. Nun ist die orientalische Civilisation fast verschwunden und der Occident hat sich derselben bemächtigt und sie zu höherer Vollendung geführt. Suchen wir die inneren Gründe dieser auffallenden Erscheinung zu erforschen. An zwei großen Uebeln krankte fortwährend der Organismus der antiken Gesellschaft} diese waren der Götzendienst und die Selaverei. Der erstere verdunkelte den Verstand und machte den Menschen immer unfähiger, das Wahre und Gute zu erkennen. Letztere löste den Verband derGesellschaft ans, indem sie die Menschenwürde und Menschenrechte der Mehrzahl mit Füßen trat und dieselbe wie Thiere unter das grausame Joch einer Minderheit beugte, anstatt alle durch das Band gegenseitiger Achtung und einer vernünftigen Unterordnung zu einigen. Durch die wahre Religion mussten beide Uebel entfernt werden: sie brachte mit dem Glauben an Einen Gott und Einen Vater aller Menschen auch die Erkenntnis, dass alle unter sich Brüder sind, Glieder Einer Familie und Gesellschaft. Aus eigener Kraft vermochte das Heidenthum sich nicht zur besseren Erkenntnis zu erheben. Als die Civilisation der orientalischen Völker zerfiel, eignete sich das Abendland, nicht bloß die materiellen und intellectNellen Errungenschaften des Orients an, sondern es erhielt von dem Christenthum überdies die Befreiung von den obengenannten Uebeln. So gieng der Occident nicht bloß schrittweise, sondern gleichsam im Flug vorwärts und überholte den Orient. Der sittliche Zustand der europäischen Völker war zur Zeit des Heidenthums nicht viel besser als derjenige der heutigen Heiden. Erst das Christenthum brachte den Geist wahrer Freiheit und Gerechtigkeit, indem es bem Missbrauch roher Gewalt gegenüber dein Besiegten aufs schärfste entgegentrat und nndcrcr-seits dentüthige Unterwerfung unter den Sieger lehrte. Das Christenthum alleilt hob jenen schrecklichen Grundsatz: „Vae viclis — Wehe den Besiegten" — auf und machte es möglich, die nach Sprache und LebensgewHnheiten verschiedensten Völker unter das sanfte Joch eines Souveräns zu vereinigen, wie wir noch heute sehen können. Sollte aber das Mittel, welches dem heidnischen Europa Heilung von seinen Leiden brachte, nicht auch das heutige heidnische Afrika zu heilen und zu retten vermögen? Das ganze Elend unter dem die unglückliche Neger-rasse seufzt, hat eine doppelte Quelle: Die inneren Zivistigkeiten und Kriege unter den einzelnen Stämmen, und die Sklaverei. Erstere iverden aufhören, sobald die Selaverei verschwindet} somit bildet diese eigentlich das größte, ja einzige Hindernis für die Civilisation der Negerrasse. 9um ist cs aber gerade der Islam, welcher dieses abscheuliche Institut gleichsam als wesentlichen Bestandtheil seiner Religion ansieht und beschützt. Also kaitn der Neger niemals civili-siert werden, so lange die Herrschaft des Islam in Afrika nicht vollständig gebrochen ist. Aus den Berichten der Missionäre und Reisenden ist zu ersehen, ivelche Verwüstungen ganzer Länderstriche die Sclavenjagden der Araber im Innern Afrikas angerichtet haben. Solange man diesen Auswürflingen der Menschheit nicht wirksam entgegentritt und sie verhindert, ihre mörderischen Raubzüge gegen die schwarze Bevölkerung fortzusetzen, solange man sie an den Küsten von Afrika, Asien und selbst in Europa, wenigstens in der Türkei und besonders in Konstantinopel, ihren schmählichen Menschenhandel treiben lässt, so lange wird auch eine dauernde Besserung der Zustände im schwärzen Erdtheil absolut nicht zu hoffen sein. Es wäre eine große Undankbarkeit, wenn ich, ein Zieger, der seine Freiheit durch Europa und den Katholicismus erhalten hat, nicht anerkennen motite, dass schon viel für uns geschehen ist. Andererseits kann ich doch nicht verhehlen, dass die Europäer mit Recht von den Arabern verlacht werden, da sie mit mohammedairischen Regierungeit Conventionen abschließen zur Abschaffung des Sclaveuhandels und ihnen die Ausführung derselben überlassen. Dieses Verhalten zeigt, dass man in Europa entweder die Perfidie des orientalischen Charakters nicht kennt oder keinen ernstlichen Willen hat, die Vertrüge durchzuführen, oder dass man die genaue Erfüllung aller Vertragsbestimmungen nicht energisch genug verlangt. In diesem Falle wäre es besser, gar keine Ccmveutioncn zu schließen, denn so verräth man bloß die eigene Schwäche. Solange jene Scheusale, welche Menschen, wie das Vieh verkaufen, bloß zu einer Geldstrafe oder einigen Jahren Gefängnis verurtheilt iverden, und zwar bloß dann, wenn man sie auf frischer That ertappt} solange dieser Handel sogar 210 E n Neger für die Sache der Neger. unter den Augen der Vertreter europäischer Regierungen ungestraft getrieben wird; solange- man die Harems immer wieder mit Negerinnen versehen darf zur Befriedigung thierischer Lust, solange wird der Sklavenhandel fortbestehen und fortgedeihen zum Hohn und zur Schande der Menschheit, wenn auch die Politiker Europas eine Convention um die andere schließen, um der gebildeten Welt Sand in die Augen zu streuen und die Hohe Pforte täglich eine Tirade ergehen lässt „zur Bekämpfung des Sclaven- dann ihre Unfähigkeit für Civilisation und Christenthum constatiert werden kann, dann mögen gewisse Schriftsteller fortfahren zu schreiben, der Neger nicht cnlturfähig. Sich selbst überlassen aber werden die Neger niemals eine den Arabern imponierende Macht bilden können. Darum sollte man sie anleiten, sich in de» verschiedenen, von Europa besetzten Ländern unter einer Oberführnng zu vereinigen, um sie so zur geeigneten Zeit gegen die Araber, welche bei jeder fiocbzcitsztig ln JTcgyptcn. Handels." Das sicherste Mittel wäre vielmehr, über jeden Sclavenhändler ohne Ausnahme die Todesstrafe zu verhängen, sei er nun Bey, Pascha oder Kadi, Sultan oder Wegelagerer. Auch sollten die europäischen Regierungen ihre eigenen, in mohammedanischen Ländern sich aufhaltenden Unterthanen besser im Auge behalten, da diese bisweilen — leider! — selbst durch Sclavenhandcl den christlichen Namen schänden. Wenn einmal der Sclavenhandcl ernstlich verboten ist, auch die möglichen Maßregeln zur Erhaltung, der schwarzen Rasse ergriffen worden sind, und wenn günstigen Gelegenheit über sie herfallen, widerstandst fähig zu machen. Hierbei wäre das Colonisationssystem der katholischen Missionäre von außerordentlichem Vortheil. Dann wäre aber sehr zu wünschen, dass in den christlichen Negerdörfern, welche ans den Nenbekehrtcn gegründet werden und die Kern- und Stützpunkte zur Verbreitung von Bildung und Christenthum sind, I nicht bloß die Religion und die friedlichen Arbeiten I gelehrt würden, vielmehr sollten die christlich gewordenen Schwarzen, die nun Freie sind, mit de» Mitteln der Vertheidigung gegen die Araber bekannt Ein Arger für dir Sache der Neger. 211 gemacht und militärisch geschult werden. .Die Neger, die ihre Freiheit gewiss bald zu schätzen wüssten, würden sich in diesem Falle bald nicht blas; als gute Christen, sondern auch als tapfere Soldaten er-wciscn. Solche Versuche sind mit gutem Erfolge am Taugauj!ka-Sce gemacht worden. Welch herrlichen Sieg die schwarzen NeULekchrtcn von Uganda über die Muhammedaner am 5. October 1889 erfochten, wie sie durch ihren von der wahren Religion eingegebenen Patriotismus, durch ihren im Christenthum gestählten Hcldenmuth dem angestannnteu König den Thron gegen seine islamitischen Feinde wicder-erobertcn, ist noch in aller Gedächtnis. Die politische Lage Europas ist unsicher und schwankend, und cs wäre gar nicht unmöglich, dass die Europäer eines Tages die in Afrika gewonnenen Positionen aufgeben müssten. Befinden sich dann die Missionsstationen nicht im Vertheidigungszustande, so werden sich die Araber die günstige Gelegenheit nicht entgehen lassen, über dieselben herzufallen und die Früchte und Erfolge so vieler Jahre, die unsägliche Opfer an Geld und Menschenleben gekostet haben und noch kosten, an einem Tage zu vernichten. Welch ein unberechenbarer Schaden wäre dies für die Christianisierung und Civilisiernng der Neger! Man nehme, um die Missionsstationcn in Afrika zu sichern, die Redactionen der Jesuiten in Paraguay zum Vorbild. Wohl ist es nicht unsere Aufgabe, irdische Reiche und Staaten zu gründen, oder gar das Kriegshandwerk selbst auszuüben. Aber wir haben das Recht und die Pflicht, nicht bloß unser eigenes Leben und unsere eigene Freiheit zu schützen, sondern auch uns derjenigen thatkräftig anzunehmen, deren geistliche Väter wir geworden sind. Nicht das meine ich, dass die Missionäre sich in jenen Ländern unabhängig machen sollen, wo sie vor den europäischen Mächten festen Fuß gefasst hatten; sie sollen vielmehr den Negern zugleich mit den religiösen Wahrheiten auch die Nothwendigkeit gegenseitiger Einigung begreiflich machen, damit sie ihr Leben und Eigenthum gegen die Araber zu vertheidigen imstande seien. Die Mission von Centralafrika gründete im Jahre 1874 eine Niederlassung unter den Nuba, welche im blutigen VcrnichtungSknmpfe gegeneinander lagen. Die Missionäre begnügten sich nicht damit, ihnen das Evangelium zu predigen, sondern suchten auch die einzelnen Stämme miteinander zu versöhnen und sie zum gemeinsamen Kampf gegen die (Mallaba und Baggarah zu vermögen. Und dieser Organisations-versuch untre den Missionären auch sicher gelungen, wenn nicht der Aufstand des Mahdi im ägyptischen Sudan dazwischen gekommen wäre. Das ist es, worauf die Missionäre unter denjenigen Stämmen, die »och unabhängige Territorien bewohnen, neben dem religiösen Unterricht das Hauptaugenmerk richten müssen: das neugewonnene Gut des christlichen Glaubens soll durch Wahrung der eigenen Freiheit geschützt und erhalten werden. Die Zweifel, welche man in die Bildungsfühigkeit des Negers sowohl in intellcctneller als in sittlicher Beziehung bis in die neueste Zeit hinein gesetzt hat und zum Theil noch setzt, entbehren jeder positiven Grundlage. In den beiden ersten Capiteln habe ich die verschiedenen Gründe unseres zurückgebliebenen Zustandes besprochen. Nun will ich Autoritäten das Wort lassen, die hierin ein competentes Urtheil haben, dabei aber gewiss nicht im Verdacht besonderer Voreingenommenheit für die Neger-Rasse stehen. So spricht sich Spckc in seinem Bericht über die Reise zu den Nilqucllen also aus: „Es ist eine ganz i lächerliche Behauptung, der Neger sei nicht cultur-I fähig. Unsere Schulkinder zeigen im allgemeinen eine Auffassungsgabe und eine Geschicklichkeit, welche von europäischen Schulkindern jedenfalls nicht übertroffen werden." Kapitän Burton sagt in seinem Bericht über die Reisen zu den großen Seen: „Der Neger hat einen lebhafteren Geist als der englische Bauer, wenn dieser ohne Erziehung bleibt." Stanley schreibt in seinem Buche: „Wie ich Livingstone fand", Cap, 6, folgendes: „Unter der Menge, welche mich bei der Landung in Bagamoyo empficng (Januar 1871), befand sich auch ein französischer Pater (gns der Congregation vom hl. Geiste), der zur dortigen Mission gehörte . . Ich muss gestehen, dass die glücklichen Erfolge dieser Mission mich ge-radezu überraschten, und die 200 Schulkinder, welche unter ihrer Obhut stehen, liefern durch ihre Leistungen den glänzendsten Beweis für die vortreffliche Erziehung, welche sie erhalten. Nach Tisch kamen etwa 20 junge Leute mit Musikinstrumenten. Da8 Spiel dieser jungen Suaheli überraschte mich. In der That, welcher Contrast, an so entlegener Küste junge Neger französische Musikstücke aufführen zu hören!" (Damals war Ostafrika noch kein deutsches Gebiet.) (Schluss folgt.) Der IsortschM des Katholicismus in Afrika im 19, Jahrhundert. Eine Centenarbetrachtung von C. G - j. Von bcr einst so herrlich blühenden altchristlichen Kirche Nordafrikas mit ihren 800 Bischofsitzen und vielen Millionen Bekennern waren am Anfange des 19. Jahrhunderts bloß 15.000 Katholiken mehr übrig, von denen 7000 ans die verschiedenen linierten Riten Aegyptens, 8000 auf die gefangenen Christen und Galeerenselaven der afrikanischen Nordstaaten entfielen. Auch in den spanischen portugiesischen und französischen Colonialgebieten hat der Katholicismus infolge der politischen Umwälzungen bedeutende Einbuße erlitten und von den ehemaligen 485,000 Christen blieb fast nichts mehr übrig. So sehr hatten der Islam, das Schisma und die europäischen Kirchenverfolgungen mit dein Christenthume in Afrika aufgeräumt. Der ganze große Weltheil glich anno 1800 in religiöser Beziehung einer ungeheuern, leblosen Sahara. Es musste auf's neue wieder in den verlornen Missionsgebieten unter großen Schwierigkeiten der Grund zur Einführung des Christenthums gelegt werden. Die katholische Missionsthätigkeit hat nun im Verlaufe der letzten 100 Jahre in der That aus dieser traurigen Wüste eine Menge der herrlichsten Oasen hervorgebracht, und ihrer unausgesetzten Sorgfalt ist es gelungen, besonders unter der Heidenwelt sehr erfreuliche Erfolge zu erzielen. Nordafrika. Aegypten. Einst eine hervorragende Pflegestätte des Christenthums und selbst in seinen Wüsten von heiligmäßigen Anachoreten bewohnt, war Aegypten im Laufe der Jahrhunderte durch den Fanatismus der Anhänger Muhammeds ganz und gar eine Domäne des Islam geworden. Die wenigen mit Rom müertcn Bekenner der verschiedenen orientalischen Riten fristeten in religiöser Beziehung nur ein kümmerliches Dasein und waren schutzlos dem Verfalle preisgegeben. Der Aufschwung religiösen Lebens im Lande der Pharaonen datiert erst vom Jahre 1864, in welchem der Vieekönig Mehemed Ali Religionsfreiheit proelamierte. Sogleich begannen die Jesuiten mit größtem Eifer die Missionsthätigkeit und hatten sich hiebei auch der Gunst der Regierung zu erfreuen. Hätte Frankreich sein Augenmerk auf den Schutz des Katholicismus in Aegypten und auf Förderung der religiösen Interessen gerichtet, anstatt auf die Durch- führung religionsfeindlicher freimaurerischer Projeete, so stände Aegypten sicher unter französischem und nicht unter englischem Protectorate. So aber hat die englische Propaganda ein weites Feld für ihre Thätigkeit gefunden, nnd es sind zahlreiche protestantische und selbst mohammedanische Schulen entstanden. Die Katholiken waren nur auf den Schutz der Propaganda in Rom angewiesen, die auch ihr Möglichstes that, um besonders die Kopten zu einigen; eS wurde für sie ein Patriarchat zu Alexandrien errichtet, und ebenso für die übrigen Angehörigen des lateinischen Ritus ein apostolisches Vicariat und eine Präfectur errichtet. Auch die Armenier erhielten zu Alexandrien einen bischöflichen Sitz. Die Anzahl der katholischen Kopten betrug vor 10 Jahren 25.000, der Armenier 1200, der Anhänger des griechisch-melchitischen Ritus 800, des syrischen Ritus 6000, des maronitischen 4500, des chaldäischen 500 Bekenner. Seitdem haben die llnionsbestrebungen große Erfolge erzielt und die katholisierende Bewegung unter den 606,276 Kopten hält noch immer an. Im Jahre 1899 traten z. B. 3475 schismatische Kopten zur katholischen Kirche über. Gelingt es, diese Bewegung noch mehr zu fördern und zu kräftigen, dann wird es nicht so schwer sein, nicht nur die ägyptischen Kopten, sondern auch ganz Abessynien für den Katholicismus zu gewinnen. Die Wüste Sahara, in den ersten Zeiten des Christenthums schon mit vielen christlichen Bischofssitzen versehen, fiel mit ihren zahlreichen Volksstämmen ebenfalls ganz und gar dem Islam anheim. Sonderbarer Weise haben manche dieser Wüstenstämme selbst nach ihrer Vereinigung mit dem Muhammedanismus gewisse Ueberbleibsel der ursprünglichen christkatholischen Religionsangehörrgkeit bewahrt. Die T u a r e g S z. B. haben noch mancherlei christliche Gebräuche, halten das Zeichen des Kreuzes hoch in Ehren, betreten keine Moschee und beten Jesum, den Sohn Mariens, an. Sie gelten daher unter den Muhammedanern als Schismatiker. Allein trotz dieser Verwandtschaft mit dem Urchristenthum gelingt es äußerst schwer, diese verwilderten Wüstenbewohner zum wahren katholischen Christenthume zurückzuführen. Cardinal Lavigerie hat gerade für die Missionsarbeit unter Der Fortschritt des Katholicismus in Afrika. 213 diesen Saharavölkern die Gesellschaft der Weißen Väter gcMindet. Um in ihrer Thätigkeit Erfolg zu haben, ist es ihnen zur Aufgabe gemacht, alles europäische Wesen sorgfältig zu vermeiden, ihre Lebensweise nach Art der einheimischen Araber und Wüstensöhne einzurichten, mitten unter denselben Zn leben und zu arbeite», um so unmittelbaren Einfluss auf ihre harten Gemüther zu üben. Sic predigen daher nicht direct das Evangelium, sondern lehren es durch ihre Werke der christlichen Nächstenliebe und versuchen so den Fanatismus des Islam brachzulegen. Trotz allen Fleißes scheiterte schon mancher Bckchrungs-versnch unter den Saharabewohnern. 6 Missionäre, die unter die grausamen und blutgierigen Wüstcn-söhue vordrangen, wurden getödtet. Aber die Weihe» Väter ließen nicht ab, und bis jetzt ist es ihnen schon gelungen, ungefähr 420 Seelen ans den 4 Millionen Bewohnern des innern Afrika für die katholische Religion zu gewinnen. Der Fortschritt des Katholicismus im Rahmen des 19. Jahrhunderts weist in Nordafrika folgende Zahlen auf: 1800: 17.000; 1900: 628,300 Katholiken. Diese vertheilen sich auf die einzelnen Länder, wie folgt: Katholiken Muhammedaner Juden Marokko. . . 6,700 7,800,000 Algier u. Tunis 490,000 4,748,000 Tripolis. . . 6,200 7,980,000 Aegypten . 125,000 9.400,000 Saharagebiet . 420 4,000,000 200,000 90.000 14.000 25.000 ? 628.320 33,928,000 329250 Gesammtbcvölkcrung: Marokko .... 8,000,000 Algier und Tunis . 5,700,000 Tripolis .... 8,000,000 Aegypten .... 10,000,000 Saharagebiet . . . 4,000,000 35,700,000 Hiezu wären noch zu erwähnen 606,276 schismatische Kopten in Aegypten und 15.045 verschiedene evangelische Scctcn-Angchörigc. Algie r. Während in den französischen Besitzungen Nordnfrikäs, in Tunis und Algier, das Judenthum seine» Platz ungehindert behalten und erweitern durfte, war cd den katholischen Missionären verboten, unter den Muhammedanern für Ausbreitung des Christenthums zu arbeiten. Der Islam hingegen wurde so sehr begünstigt, dass die französischen Beamten so weit giengen, sogar ihren Glauben zu vcrläugncn und Renegaten zu werden, in der Erwartung, da- durch bei den Muhammedanern mehr beliebt zu werden. Allein das Gegentheil war der Fall. Man verachtete die Abtrünnigen und sprach: „Die Franzosen sind Hunde, sie beten nie!" Erst nachdem Frankreich die Erfahrung gemacht, dass sein Einfluss in Afrika nicht befestigt werden könne, wenn nicht aus der Heimat durch fremde Colonisation christlicher Einwanderer feste Stützpunkte geschaffen würden, entschloss cs sich, auch für die katholischen Missionen etwas zu thun. Es wurden französische Priester nach Afrika entsendet, religiöse Orden wurden wieder zugelassen und ein Bischofssitz wurde systcmisiert. Obwohl die Regierung der katholischen Missionsthätig-keit auch fernerhin noch immer Hindernisse bereitete und neue Schwierigkeiten schuf, nahm der Katholicismus doch viel rascher zu, und es konnte daran gedacht werden, für A l g i e r ein Erzbisthum mit zwei Suffraganbezirken zu errichten. Dem eifrigen Cardinal Lavigcrie ist hauptsächlich der große Fortschritt zuzuschreiben, den die katholische Kirche int französischen Afrika bis in die neueste Zeit gemacht hat. Seinem Einflüsse ist die Gründung eigener christlicher Araberdörfer zu verdanken. 1873 drangen die Jesuiten ins Innere des Landes vor, tim unter den Kabylen ihre MissionSthätigkeit ztt beginnen. Tunis hatte bereits 1842 ein apostolisches Vicarial erhalten, und die MosleminS schickten sogar mit Vorliebe ihre Kinder in die katholischen Schulen der Schnlbrüder und St. JoscfS-Schwcstern. Diese guten Verhältnisse ivnrdcn 1877, als Tunis unter die Oberhoheit Frankreichs kam, glücklicherweise nicht gestört, sondern noch mehr gefördert, so dass Papst Leo XIII. in der Lage war, im Jahre 1884 die alte Erzdiöcese zu resuseitieren. In Marokko hingegen war das Christenthum so sehr vernichtet worden, dass nur in Tanger eine kleine Colonie von Katholiken mit einem einzigen Franciscanerpater existierte. 1862 wurde in einem Vertrage mit Spanien festgesetzt, dass das Christenthum freien Eingang und ungestörte Ausübung erhalten solle; seitdem ist es auch hier in steter Zunahme begriffen. 'Tripolis, ehedem durch seine Piraten berüchtigt, besaß vom Christenthum keine weitere Kunde, als tvas die von den Seeräubern gefangenen und und zu den Rudern vernrtheilten oder verkauften Christensclaven dorthin vermittelten. Nach Verschwin-dcn des Piratenwcsens konnte sich daS Christenthum im Stillen und ziemlich ungestört entfalten. Beson-ders die barmherzigen Schwestern haben mit ihren Schulen und Erziehungsanstalten in dieser Hinsicht sehr Verdienstliches geleistet. Um daS Jähr 1800 214 Dor Fortschritt dos Katholicismus ut Afrika. bestand in Tripolis bereits eine apostolische Präfectur mit ca. 2000 Katholiken und 2 Missionaren, gegenwärtig jedoch zählt es schon 10 Missionäre, 6 Kirchen und o Schulen für 6500 katholische Christen Centralafrika. Noch bevor die berühmten Forschungsreisenden des 19. Jahrhunderts ins Innere des „dunklen Erdtheiles" vorgedrungen waren, hatte das Institut der Propaganda zu Rom schon ein apostolisches Vicariat für Ccntralafrika organisiert, daS später die Bezeichnung „für den Sudan" erhielt. Die Anfänge der Missionsthätigkeit waren hier außerordentlichen Schwierigkeiten unterworfen, und die hervorragendsten Afrikareisendcn haben auf ihren Begegnungen mit katholischen Missionären nicht genug die aufopferungsvolle Thätigkeit derselben Zn rühmen gewusst. Eine raschere Entfaltung des innerafrikanischen Missions-wesens wurde jedoch erst nach Beilegung der kriegerischen Aufstände deS Mahdi und seiner zahlreichen Anhänger ermöglicht. Hauptsächlich setzten sich die Missionäre im Gebiete der Nilquellen und an den großen Gebirgsseen Mittelafrikas fest, und es wurden da mehrere große Missionsbezirke gegründet, wie Victoria Nyanza, Tanganjka (später in zwei Gebiete getheilt!, Ober-Congo, Unyanyembe und Nyassa. Die Zahl der bekehrten Einwohner beläuft sich gegenwärtig etwa auf 18.300. Westafrika. Der weitaus größte Theil der westafrikanischen Küste gehörte im 18. Jahrhunderte noch den Portugiesen. Nachdem aber der berüchtigte Minister Pombal die Jesuitenvertreibung und Ordensaushebung in-sceniert hatte, wodurch auch die afrikanischen Missionsgebiete betroffen wurden, litt die Pflege des Christenthums in diesen Ländereien, welche damals noch eine riesige Diöcese St. Paul in So ant) o mit mehreren Millionen Katholiken bildeten, ungeheuren Schaden, und zwar so, dass infolge der gänzlichen Verlassenheit in religiöser Beziehung und infolge der hiedurch bedingten zunehmenden Verwilderung diese großen Gebiete auch in politischer Hinsicht für Portugal verloren giengen. Als die europäischen Großmächte über Verthcilung der herrenlosen Gebiete Afrikas Verhandlung pflogen, konnte Portugal seine Prioritätsrechte auf die westafrikanische Küste nicht mehr nachweisen, weil fast jede Spur der ehemaligen christlichen Cultur vertilgt erschien, und kein Gotteshaus, keine christliche Gemeinde, kein Priester vorhanden war, der zum Beweise der früheren Ansässigkeit und Culturthätigkeit Portugals hätte dienen können. Die ihrer Bischöfe und Priester beraubte Herde war natur- gemäß dem Untergänge verfallen und die wenigen Uebcrreste derselben trugen völlig heidnisches Gepräge an sich. Es musste also mit der Christianisierung Westafrikns sozusagen von Grund auf neu begonnen werden, und das geschah vielfach erst in der zweiten Hälfte deS 19. Jahrhunderts. Jetzt sind diese Küsteu-strecken bereits in zahlreiche apostolische Vicariate und Präfecturen eingetheilt, und viele Missionsstationen wurden errichtet. Senegal und S e n e g a m b i e n werden beide von einem Bischöfe verivaltet. Hier wurde das Christenthum unter französischem Einfluss zivar viel weniger gefördert als der Islam, aber dennoch entwickelte sich die katholische Missionsthätigkcit sehr kräftig. Im Jahre 1840 gab cs dort noch keinen einheimischen Katholiken, gegenwärtig gibt cs deren schon 12.800, die von 35 Missionären geleitet werden. 30 Kirchen und Kapellen wurden erbaut. Der Küstenstrich von Sierra Leone und der Negerfreistaat Liberia stehen ganz unter britischem Einfluss, weshalb sich hier hauptsächlich die protestantische Missionsthätigkeit entfalten konnte. Allein auch die katholische Mission unter Leitung der Väter vom hl. Geiste machte seit 1863 erfreuliche Fortschritte. Jetzt besteht schon für die 2000 Katholiken Liberias ein apostolisches Vicariat mit 10 Missionären, 7 Schwestern und 6 Schulen. Die protestantische Mission zählt hingegen 40.000 Anhänger. Günstiger steht es um die katholische Missionsarbeit an der Sclavenküste; cs besteht da ein apostolisches Vicariat mit 4 Präfccturen, 45 Missionären, 21 Kirchen und 42 Schulen. Während int Jahre 1860 noch nichts vorhanden war, zählt man 1900 bereits 22.300 katholische Christen. Nicht minder erfolgreich sind die Missionen am Gab tin und an der Küste von Guinea. Man zählt dort gegenwärtig 7530 Katholiken. ' Im Congo gebiet waren am Beginne des Jahrhunderts noch fchwache Spuren der einstigen blühenden Christenmission zu finden, jedoch musste die Missionsarbeit wieder von Grund auf beginnen. Dies konnte ungehindert erst geschehen, nachdem durch die europäische Diplomatie die politische Verthcilung dieser Ländereien zum Abschlüsse gelangt und ban heiligen Stuhle auf dessen Intervention hin die Ncligions-und Cultusfrciheit zugestanden worden war. Im französischen und belgischen Congogebiet wurden alsbald apostolische Vicariate errichtet und die Missionsarbeit unter verschiedene geistliche Orden vertheilt. In ganz Westafrika sind bis jetzt 18 katholische Missionsnntcrnehmungen thätig unter der Oberleitung von 6 apostolischen Vicaren und 9 apostolischen Prüfecten. 186 Missionäre arbeiten an der Ehri- Der Fortschritt des Katholicismus in Afrika. 215 stianisierung bcr Eingeborenen, 112 Kirchen und Kapellen sind erstanden, und die Zahl der Katholiken ist auf 47.050 gestiegen. Die Protestanten zählen jedoch in ihrem Missionsgcbiet von Westafrika circa 100.000 Confcssionsangehörige. Ostllfrika. Beinahe die ganze Küste von Ostafrika gehörte ehemals den Portugiesen. Die Dominicaner hatten die Christianisierung des Landes übernommen und ein geordnetes Bisthum gegründet. Durch das bekannte Verfahren Po mb als gegen die Ordcnslente wurde auch dieses große und ivcitc Gebiet seiner Priester und Lehrer beraubt, und damit verlor auch die portugiesische Herrschaft ihre politische Stütze. Ein Stück nach dem andern gicng verloren, theils an die überinächtigcn Briten, theils an die aufständischen Eingeborenen. Als Portugal durch Verträge mit den Negerhäuptlingen am Zambesi seine alten Besitzrechte regeln und befestigen wollte, erhob England (1890) unter Androhung des Krieges Protest, und Portugal musste weichen, obwohl es die unanfechtbarste» Besitztitel gehabt hätte, wenn noch die alten Dominicaner - Missionsgründungen bestanden hätten, die Pombal durch seine kirchenfeindliche Politik dem Untergange geweiht hatte. Das war die Rache des Schicksals an den Portugiesen, die der Kirche und ihrer Priester entbehren zu können glaubten. Nunmehr sind die größten Landstrecken Ostafrikas in den Händen der Engländer und der Deutschen, Portugal ist auf ein verhältnismäßig geringes Gebiet beschränkt geblieben. Die katholische Missionsarbeit am Zambesi und in den Nebenländern haben die Jesuiten übernommen; ihre Erfolge sind wegen der fortwährenden Feindseligkeit der einheimischen Neger-stämme zwar noch nicht sehr bedeutend, aber cs ist dach schon ein fester Grund zu rascherem Fortschritt gelegt. Auf der etwa 2000 Meilen langen Küstenstrecke von Nord- und Süd-Zanguebar hat die katholische Missionsthütigkcit erst in den Sechziger-jahren des 19. Jahrhunderts begonnen und infolge der von Seite Englands und Deutschlands in gleich zuvorkommender Weise erlangten Förderung einen sehr erfreulichen Aufschwung genommen. Es bestehen dortselbst 1 apostolischer Vicar, 1 apostolischer Prüftet, 22 Missionäre, 10 Kirchen, 12 Schulen und 10.000 Katholiken. Aethiopien u nd A b c s s p n i c n bilden im Jahre 1840 noch ein einziges apostolisches Vicariat. Sechs Jahre später wurde für das Gebiet der Gallasstäiume ein neues errichtet und von dem früheren losgetrennt. Hiezu kam 1894 für das von den Italienern an der Küste eroberte Gebiet die apostolische Präfcctur von Erythrea. Die Negus von Abessynien verhielten sich bis in die neueste Zeit ziemlich feindselig gegen das röinisch-katholische Christenthum, erst unter dem gegenwärtigen König Menelik wurden friedlichere Verhältnisse angebahnt, hauptsächlich durch die Intervention des apostolischen Stuhles. Lazaristenmissionäre sind jetzt dortselbst an der Arbeit, um die Uebcrrcste des einstigen blühenden Christenthumes in diesen Gegenden zu sammeln, neue Gründungen zu errichten und die schismatischen Kopten Abcsspnicns und Aethiopiens zur Vereinigung mit Rom zu führen. Die Zahl der römisch-katholischen Bewohner dürfte bereits 35.000 erreicht haben. Südafrika. Von den ehemaligen christlichen Ansiedelungen der Holländer und Portugiesen an der Südspitze Afrikas blieb bis zum Beginne des 19. Jahrhunderts nicht viel übrig. Nachdem die Engländer von Copland und Natal Besitz ergriffen hatten, waren sie der beginnenden katholischen Missionsthütigkcit schon aus dem Grunde nicht abgeneigt, weil cs ihnen sehr daran gelegen sein musste, die ins Innere des Landes zurückgedrängten wilden Volksstämme besser im Zaume zu halten. 3 837 erhielt die Capcolonie ein apostolisches Vicariat, heute sind bereits 2 apostolische Vicare im Lande, 52 Missionäre sind an der Arbeit und den 50 Katholiken, die cs anno 1800 hier gab, stehen jetzt 125.000 gegenüber. DaS apostolische Vicariat Natal, welches vor 50 Jahren kaum 800 katholische Christen zählte, hat dermalen 12.000 auszuweisen mit 19 Priestern, 140 Trnppistcn (Marianhill), 60 Trappistinnen, 21 Kirchen, 17 Schulen, 1 Mädchenpensionat und 2 Waisenhäuser. Der Oranje-Freistaat besitzt ebenfalls eine katholische Mission mit einem apostolischen Vicar, der zu Kimberley residiert. Auf eine Million Einwohner kommen schon 5600 Katholiken. In Transvaal gibt es dermalen ungefähr 6200 katholische Christen; der apostolische Vicar hat seinen Sitz in Johannesburg. Wenn wir ganz Südafrika zusammenfassen, so ergibt sich eine Gesammtzahl von 8 Mssionsbezirken mit 4 apostolischen Vicaren, 3 apostolischen Prüfe eten, 106 Missionären, 97 Kirchen und Kapellen, 124 Schulen und 138.800 katholischen Christen. Die afrikanischen Inseln gehören als Colonialbesitz verschiedenen europäischen Großmächten an und waren infolgedessen dem Christen-thnme eher zugänglich, als die noch unerforschten Regionen im innersten Afrika. Die den Spaniern und Portugiesen gehörigen kleineren Inselgruppen im atlantischen Ocean an der Westküste Afrikas sind 216 Sciflaiigeiitcmpel in Afrika ^ I Rundschau in ben Missionen. 217 größtentheilS von Katholiken bewohnt i ihre Zahl wird dermalen mit 834.650 angegeben. Die der Ostküste Afrikas vorgelagerten Inseln des indischen Meeres sind zumeist französischer Besitz lind zählen 300.000 Katholiken, mit Ausnahme von Madagaskar, welches nur französischer Schutzstaat ist und von einer einheimischen Königin regiert wird. Die katholische Missionsthätigkeit wurde aus Madagaskar mit Bewilligung der Königin im Jahre 1862 von den Lazaristen mit so reichem Erfolge begründet, dass die Zahl der Convcrtiten bis 1880 ans 80.000 gestiegen war. Ja, die Königin Raschcrina (j- 1868) wurde selbst eine Katholikin und begünstigte das MissionS-ivesen nach Kräfte». Ihre Schwester und Nachfolgerin nahm jedoch den Protestantismus an, der hierauf Staatsreligion wurde. "Nach Einbruch der Franzosen entstanden alsbald unaufhörliche Gehässigkeiten und Verfolgungen gegen die europäischen Katholiken, die Missionäre wurden vertrieben und die blühenden Seelsorgsgcmeinden wieder zerstört. Hingegen konnte unter dem Schutze der Regierung der Protestantismus ungehindert seine Propaganda entfalten. In den letzten 20 Jahren des verflossenen Jahrhunderts besserten sich auch für die Katholiken die Verhältnisse wieder und katholische Missionäre konnten ihre Arbeit mit sehr bedeutendem Erfolge wieder aufnehmen. Im Jahre 1898/99 allein wurden 400 neue Kirchen I und Kapellen erbaut und 700 katholische Schulen i errichtet, die von 115.968 Kindern frequentiert werden, j Die Anzahl der getauften Katholiken ans Madagaskar j beträgt nach den neuesten Ausweisen 93.805, die der Kntechnmene» 266.877. Die protestantische Mission theilt sich in 6 verschiedene Sectcn. Die Gcsammt-bcvölkerung der Insel beträgt 3,500.000 Einwohner. Die römisch-katholische Bevölkerung der gesummten afrikanischen Inselwelt erreicht sohin mit Einrechnung der im Unterrichte befindlichen Katcchumcncn 1,495.352 Seelen. Uebersicht der Confessionen in Afrika: Kathol. Christen 2,900.070 Schismal. Kopte» 4,800.000 Protestanten 1,700 000 Mohammedaner 40 000 000 Jaden . . . 400.000 Heiden . . . _96,000 000 Gcsamtbcvölkerung 145,800.000 9,400.000 Christen, 50,000.000 Monotheisten 5 Rundschau in (Europa. 2x0111. Die bei der Propaganda in Rom für Sclavönlosknuf eingegangenen Spenden im Betrag: 210.000 Lire wurden in folgender Weise vertheilt: Kamerun 20,000, Unter-Niger 20,0.00, Gallas 10.000, Ober - Eimbebasicn 20,000, Süd - Nyanza 20.000, stlord-Npanza 20,000, Unpanpembe 20,000, Npassa, Ober-Congo, Togo, franz. Guinea, Gabun, franz. Congo, Unter-Eöngo, bclg. Congo je 10.000 Lire. — Nach Ausweis der Gcrarchia Caltolica wurden von dem hl. Vater Leo XIII. bisher errichtet 2 Patriarchalsitze (Goa und Alexandrien), 31 Erzbistümer, 101 Bisthümcr, 2 unabhängige Abteien, 3 Apost. Delegaturen, 61 Apost. Vicariate, 24 Apostol. Präfcctnren, im Ganzen also 224 neue Kirchensprengel, von denen die große Mehrzahl ans die Missionslündcr kommen. Deutschland. Noch immer nicht genügend bekannt ist die betrübende Nothlage der katholischen Kirche in Sachsen, wo infolge des Mangels an Kirchen und den Missloueu. Seelsorgskräften mancher Pfarrer jede Woche mehr als einen Abfall zu beklagen hat. In dem über 2 Stunden von Dresden entfernten Jndnstrieorte Mügeln befinden sich 30 kath. Schulkinder, doch ist niemals katholischer Gottesdienst) in Dresdner. Vororten, wie in Pieschen und Cotta, wird monatlich einmal die hl. Messe gelesen, und an manchen Orten mag es »och schlimmer sein. Dass man mit Recht von riesengroßen Verlusten der katholischen Kirche in Sachsen spricht, beweisen die folgenden Angaben, welche die fast mit jedem Jahre wachsende Zahl der znm Protestantismus abfallenden Katholiken darstellt 1895: 173, 1896:186, 1897: 183, 1898:310, 1899: 508! Dänemark. Der hochw. Bischof von Kopenhagen Joh. v. Euch hat nach Aalborg, im nördlichsten Theil von Jütland gelegen, die deutschen Camillianer ans Holländisch-Limbnrg berufen. Die Stadt mit mehreren Fabriken und regem Handel zählt jetzt 31000 Einwohner, darunter zahlreiche Katholiken, welche aber in religiöser Hinsicht recht verwahrlost waren. 218 Rundschau in den Missionen. Auch die in dem Landdistricte von Aalborg wohnenden Katholiken standen vereinsamt und jeglichem katholischen Einflüsse entzogen. Nicht einmal ein Bct-saal war da, sodass anfangs die hl. Messe in einem gemietheten Locale gefeiert werden musste. Nun wurde ein Kirchlein erbaut und kurz vor Weihnachten vom Bischöfe eingeweiht. In der Mission wirken die PP. Tempories und Kcmneyer. Portugal. Die religiösen Genossenschaften müssen sich, durch ein Dekret gezwungen, innerhalb eines Jahres verweltlichen. Lieben Klöster sind schon geschlossen. Das thut dasselbe Portugal, welches der Orden in seinen Kolonien so sehr bedarf und dieselben dort verhältnismäßig vielleicht reichlicher unterstützt als in irgend einem ander Staat! Warum? Asien. Vorderindien. Der apostolische Präfect von Assam P. Aug. Münzlohcr aus der Gesellschaft des göttlichen Erlösers schreibt den „Kath. Missionen" über den Fortgang seines Sprengels. In 7 Stationen wohnen unter 7 Millionen Andersgläubigen 1440 Katholiken. Außer 9 Priestern und 2 Laienbrüdern der genannten Gesellschaft sind in der Mission zehn Ordensschwestern thätig. In 11 Schulen genießen an 200 Kinder den Unterricht, während in den 3 Waisenhäusern 55 Waisenkinder beherbergt werden; außer einem Spital besitzt die Mission 3 Armenapotheken, in welchen an Kranke Medicinen gratis vertheilt werden. In 2 kleinen Druckereien werden verschiedene Schriften in der Landessprache herausgegeben. In der Erzdiöcese Bombay weisen die deutschen Jesuiten 17.013 Katholiken auf — davon 1926 Europäer; Schulen, Gottegien und Pensionate 25 mit 516 Lehrern und Lehrerinnen und 5754 Zöglingen und Kindern (3709 Knaben, 2045 Mädchen); Anstalten der Barmherzigkeit 5 mit 211 Pfleglingen. Getauft wurden 3904: 354 Heiden, 29 Protestanten, 3001 Heiden-, 523 Christenkinder (2724 Heiden- ' linder wurden in der Todesstunde getauft). Leylon. Die junge Diöcese Trincomali zahlte 1900 7976 Katholiken, 24 Kirchen und Kapellen, 44 Schulen mit 1579 Kindern (1092 Knaben, 487 Mädchen). Getauft wurden 36 Erwachsene und 278 Kinder. Afrika. Senegambien, dessen jugendlicher Obcrhirt, Bischof Boleyn, als erstes Opfer des gelben Fiebers siel, erhielt in der Person des P. Dr. Alfons Kuncmann einen neuen Apost. Vicar, dessen Jurisdiction auch die Präscctur Senegal unterworfen ist. Der hochw. Herr ist ein geborncr Elsässer und wirkt schon seit langen Jahren in Westafrika. In ftyassa, dem jüngsten Apost. Vicariate der Weißen Väter, das infolge harter Anfänge erst 195 Christen und 1850 Katechumcnen zählt, haben sich in diesem Jahre die Priester der „Gesellschaft Mariä" niedergelassen. Dem Laufe des Schire folgend haben sic in einem weltverlornen Eckchen des großen Gebietes bereits eine Station errichtet. In Belgisch Kongo schreitet die Mission der Priester vom hlsten. Herzen rüstig voran. Sie zählt bereits 1100 Katholiken und 1500 Katechumcnen, die sich auf sechs Posten vertheilen, von denen St. Gabriel mit 4—500 und Stanleyville mit 30 Katholiken und 900 Katechumcnen die bedeutendsten sind. Am Kilimandscharo, zwischen Kiboscho und Moschi, soll eine neue Missionsstation unter dem Titel: Zur hl. Theresia im Um erstehen. Es wird wohl die höchst gelegene Mission Afrikas sein, nur zwei Tagemärsche unter dem ewigen Schnee. Es ist daselbst verhältnismäßig kalt und gesund, die Bevölkerung ist sehr zahlreich. In Dcutsch-Gstasrika wurde die seit etwa zwei Jahren gegründete Missionsstation der Väter vom hl. Geiste: Fischcrstadt, vor einiger Zeit von den Blattern schwer heimgesucht. Von den sechs Schulen mit etwa 370 Kindern bestehen nur noch drei mit beiläufig 200 Kindern; das Land ist weit und breit entvölkert. Madagaskar. In dem Districtc der französischen Jesuiten im Apost. Vicariat Central-MadagaSkar stieg die Zahl der Katholiken im Vorjahre auf 8500, getauft wurden 1034 Erwachsene und 654 Kinder (30 in Todesgefahr). In den Schulen sind 6500 Knaben und 6300 Mädchen. Im vorigen Jahre wurde die 24. Kirche fertiggestellt. Amerika. verein. Staaten. Nach einem Schreiben des jungen Indianer-Missionärs Fr. Wilh. Kratz S. J. gährt es bedenklich unter den Indianern, besonders den Sioux und den Ogcllallah's. Der „rothe Mann" ist aufgebracht, denn die Herren in Washington haben die ihm bis jetzt gelieferten Rationen zu wahren Hungerrationen herabgedrückt, das unfruchtbare Jn-dianergebiet bietet ihm keine Lebensmittel, und so will er lieber mit dem „Kriegsbeil" in der Hand sterben; vielleicht wird der Einfluss der Missionäre die Sache wieder schlichten, obwohl die Missionäre selbst bitter klagen, da ihren Jndianerschulen die Staatszuschüsse entzogen wurden, so dass die Schulen I Vermischte Nachrichten. 219 früher oder später geschlossen werben müssen. Eine saubere Gerechtigkeit das! Philippinen. Nach dem neuesten Catholic Directory zählt das Jnselland in seinen 5 Diöcesen 6,565.998 Katholiken mit 967 Seelsorgsstationen und 665 Priester». Von den Pfarreien und Missionen kommen ans die Beschuhten Augustiner 228, auf die Unbeschuhten Augustiner 238, die FranciS-caner 175, die Dominicaner 109, Jesuiten 42, Kapuziner 16, Benedictiner 6 und Weltpriester 158. — Das große Jesuitencolleg in Manila zählte im letzten Schuljahr an 1000 Zöglinge. Interne kann man wegen Raummangel nur 250 aufnehmen. Die übrigen sind Halbiuterue und Externe. Die Normal-schule zählte über 600 Zöglinge. Brasilien. Vom 1.—3. Februar hielten die deutschen Katholiken im südlichsten Staate Brasiliens, Rio Grande do Sul, ihre vierte General-Versammlung ab. Gegen 3000 Personen hatten sich zu diesem Katholikentage eingcsundeu, und es ist zu hoffen, dass die katholischen Interessen, namentlich was die Schul- und Colonisationsfrage betrifft, durch diese Versammlung ebenso mächtig gefördert werden, wie durch die Katholikentage in den Vorjahren, deren Frucht it. a. die Gründung eines katholischen Lehrer-vereines mit einer monatlich erscheinenden Lehrer-zeitung und eines katholischen Bauernvereines, ebenfalls mit einem monatlich erscheinenden Organ, dem „Bauerufrcund", ist. Auf der Tagesordnung stand auch das Thema der confessiouell getrennten Colonisation, welche gewiss im Interesse beider Coufcssiouen liegt und eine genügende Seelsorge weit eher ermöglicht. — Aus der Kapuziner-Mission am Maranuon in Rordbrasilicu wird berichtet, dass anfangs März in der Station Älto Alegre 4 Kapuziner der Mailänder Provinz und 7 Tertiarkapuziuerinucn aus Genua von den Indianern überfallen und gelobtet worden sind. In Patagonien wirken recht segensreich in zwei Apost. Vicariaten die Salesianer Don Boscos. Das Apost. Vicariat Nord- und Central-Patagouien zählt auf 729.339 Ouadratkilometern 106,014 Einwohner, worunter etwa 5000 Indianer. Hier wurden im letzten Vierteljahrhundert 15 Pfarreien, 23 Kapellen, 66 sogen. Residenzen, 14 Schulen für Knaben, 10 für Mädchen gegründet, in denen durchschnittlich 2000 Kinder erzogen werden. Das Missiouspersonal besteht gegenwärtig außer dem Apost. Vicar aus 35 Priestern, 9 Klerikern, 32 Katechisten und 78 Schwestern. — Die Apost. Präfectur Süd-Patagonien erstreckt sich über 507,049 Quadratkilometer mit nur 14,637 Einwohnern, worunter 4300 Indianer. Hier bestehen 3 Pfarreien, 11 Kapellen, 28 Residenzen, 3 Knaben- und 4 Mädchenschulen mit zusammen durchschnittlich 600 Kindern. Personal: 5 Priester, 5 Kleriker, 36 Katechisten, 37 Schwestern. — Selbst die armen, tiefstehenden Stämme der Feuerländer sind zum guten Theil christlich und an eine sesshafte Lebensweise gewöhnt worden. — Auch die Colonisten-seelsorge in diesen Provinzen liegt fast ausschließlich in den Händen der Salesianer. Sie versehen 16 Pfarreien, 34 Kapellen und erziehen in 17 Internaten 1500 Knaben, während die Schwestern 12 Schulen mit 1300 Mädchen leiten. Australien. Die französischen Trappisten, die im Jahre 1892 von der Regierung 600.000 Acres Laud in Beagle Bai zur Anlegung von Negermissionen erhielten, drei Stationen daselbst gründeten und etwa 300 Neger tauften, wurden über Verfügung des Generalcapitels des Ordens zurückberufen. Der Abschied war für Mönche und Neubekehrte gleich schmerzlich. An Stelle der Trappisten traten nun die Pallotiuer und reisten bereits am 6. Januar die beiden Patres Walter und White dahin ab. Vermischte Nachrichten. Ernte des Todes. Am 25. Februar l. I. ist P. Eugen Ritter aus der Congregation der Väter vom hl. Geist am Unteren Niger dem mörderischen Fieber zum Opfer gefallen. In L a u t e n b a ch im Elsaß geboren, hatte er erst am 23. Juli 1899 seine Primiz gefeiert. — Am 2. März starb, in Tumleo im Kaiser Wilhelmsland P. Nicol. Spölg cn aus der Gesellschaft vom Göttlichen Worte. Der Verstorbene stammte aus Mariaweiler bei Düren. Schon als Knabe trat er in das Missionshaus zu Steyl ei». Nach Absolvierung der niederen Studien gieng er im Jahre 1893 mit seinen Classengenossen nach St. Gabriel bei Wien, wo er im Herbste 1899 die philosophisch - theologischen Studien vollendete. Bald darauf wurde er in die Mission von Neu-Guiuea entsendet, wo er 220 Bermischie Nachrichten. gegen Weihnachten 1899 in Begleitung eines Akit-bntbcrS ankam, -lines) dem Tode des hochw. P. Schleiermacher, der am 2. März 1900 starb, übernahm P. Spölgen dessen Station. Doch schon Ende Juli desselben Jahres musste er von dort zurückkehren. Eine Erholungstour, die der Kranke machte, brachte nur eine scheinbare Besserung hervor. Anfänglich allerdings schien ihm die Abwechslung gut bekommen zu sein, aber er wurde wieder rückfällig und am 2. März legte das Schwarzwasserfieber den jungen hoffnungsvollen Missionär ans die Bahre. Msgr. Hacquard, opoji Vicar der Sahara ist am 1. April aus diesem Leben geschieden. Derselbe wurde zu Albesdorf in Deutsch-Lothringen im Jahre 1860 geboren, trat im Jahre 1879 in die Gesellschaft der Weißen Väter ein. 1884 znm Priester geweiht, war er einige Jahre als Lehrer in der apostolischen Schule zu Algier thätig. Im Laufe der Jahre eignete er sich bedeutende Sprachkcnntnisse an; vor allem sprach und schrieb er die arabische Sprache sehr geläufig und war in der arabischen Litteratur durchaus bewandert. Vom Jahre 1891 ab wurde er in den Missionen Sahllras verwendet. Ein Jahr vorher hatte er an der Gründung des deutschen Missionshauses Marienthal in Luxemburg mitgewirkt. Im Jahre 1898 wurde er apostolischer Vicar der Sahara und des Sudan. — In Daressalam ist Br. Zimmermann 0.8.B. beim Bau der St. Joscfskirche abgestürzt und infolge der erlittenen Verletzungen gestorben. Wie die Tinka ihre Todten begraben. Die Tinka singen: „Der Mensch kommt zur Welt, geht zur Erde zurück und kehrt niemals wieder." Das bedeutet nicht: „Mit dem Tode ist alles aus." Die armen Heiden nehmen die Dinge, wie sie vor Augen sind. Ich habe um der Wissenschaft willen nachgeforscht, was sie darunter verstehen, wenn sie sagen: Sonne und Mond kehren wieder, aber der Mensch kehrt nimmer wieder. Man sagte mir, dass die Sonne des Nachts heimlich zurückkehre, von wo aus sic sich dann erhebe. Vor langen Zeiten sah es einmal ein Mann, der es dann erzählte. Da aber noch niemand einen Todten zurückkehren sah, denken sie, dass der Mensch nicht wiederkehre. In Bezug daraus ist eine Fabel, die unter den Njam-Njam erzählt wird, nicht ohne Interesse. Sic lautet: Einstmals sah ein Greis einen Todten liegen, über den der Strahl des Mondes seine Strahlen ergoss. Der Greis führte eine Anzahl Thiere herzu und sprach zu ihnen; Wer unter euch unterzieht sich der Aufgabe, diesen Leichnam an das gegenüberliegende Ufer des Flusses zu tragen und wer trägt den todten Mond hinüber? Zwei Kröten traten heran, die eine hatte lange, die andere aber kurze Beine. Die erste wollte den Morid, die zweite dagegen die menschliche Leiche hinübertragen. Die Trägerin des Mondes, daS war die mit den langen Beinen, kam mit ihrer Last heil und' ganz über den Fluss, die aber mit den kurzen Beinen ertrank. Das ist der Grund, weshalb der todte Mond untergeht und stets wieder von neuem erscheint, während der Mensch, wenn er einmal gestorben ist, nicht mehr wiederkehrt!! Dies trifft mit einem Liede der Dinka zusammen. Diese scheinen nicht mir eine unklare Vorstellung deS zukünftigen Lebens zu haben, sondern auch eine Ahnung von Lohn und Strafe nach dem Tode. Einige meinten, es bewohnten die Guten nach dem Tode „das Haus des Friedens", die Bösen dagegen das „Haus des Feuers". Andere glauben, dass ein Teufel aus der Wüste komme, um den abgeschiedenen Bösen zu holen und in die Länder des Feuers zu bringen. Um den Glauben der heidnischen Neger bezüglich des künftigen Lebens noch besser zu beleuchten, diene uns die Betrachtung über die Art und Weise, wie sie ihre Verstorbenen behandeln. Sehr verschieden sind bei den Stämmen die Beerdigungsgebräuche, aber immer und überall bemerkt man eine gewisse Sorgfalt für ihre theuren Verstorbenen. Alle im Sudan bekannten Völker begraben ihre Todten und zwar in verschiedenen Stellungen, ausgestreckt oder sitzend, oder zusammengekrümmt, nackt oder bekleidet, entweder eingehüllt oder eingenäht in Häute, Stoffe oder Baumrinde, mit Speise, Getränk, Früchten, Waffen, Gerätheu versehen, oder aber ohne diese Dinge. Sobald bei den Dinka jemand stirbt, wird sogleich das Grab gemacht und zwar vor seiner Hütte. Und das geschieht einestheils, damit die zahlreichen Hyänen den Leichnam nicht wieder herauszerren, aüderiitheils auch deswegen, weil sie es lieben, ihre Todten in der Nähe zu haben. Die S ch i l l u k glauben, die Geister der Verstorbenen verbleiben in ihrer Nähe. Der, welcher daS Grab macht, legt sich Erde in die Ohren, um nicht das Geheul des Verstorbenen zu hören. Der nächste Erbe ergreift die Waffen des Dahingegangenen und schwingt sie heftig und mit großem Geschrei nach allen Richtungen, um die Geister und Teufel zu verjagen, denen man den Tod und alles andere zuschreibt. Man schcert dem Leichnam daS Haupt, schiebt es zwischen die Knie, und in dieser Stellung wird der Todte beerdigt. Zum Zeichen ihrer Trauer scheeren auch alle nahe oder ferne Verwandten das Haupt, legen einen Strick um den Hals und Hüften und fasten; der Mann drei, die Frau vier Tage. Vermischte Nachrichten. 221 Am fünften Tage zündet man auf dem Grabe ein großes Feuer an und tobtet dort ein Schaf als Todtenopfer in folgender Weise: Der Priester oder Zauberer des Landes führt das Thier rings um das Grab herum, die Verwandten umgeben das Opfer-thier, fassen cs um die Mitte, werfen es zur Erde und ersticken cs langsam, während der Priester seine verschiedenen Handlnngen und Künste ausführt. Dies Opfer wird theils für den Todten, theils für seine Angehörigen dargebracht , damit der böse Geist ihnen kein anderes Uebel zufüge und bitfd) den Tod kein anderes Familienglied nehme. Die Wohlhabenderen opfern übrigens einen Ochsen, den sie aber nach Belieben ver-schmausen. In manchen Orten besteht mehr der Gebrauch, dass der Zauberer das Schaf oder einen Hammel um das Grab herumführt und bann das Thier in den Wald jagt, wo es dann den Raubthieren oder Dieben anheimfällt. Die Bedeutung aller dieser Todtenopfer kann eine vielfältige sein. Theils möchte man durch dasselbe die Wuth der bösen Geister beschwichtigen und sie günstig stimmen, theils aber auch dem wahrenSchmerze Ausdruck verleihen. Während die Verwandten und Be- Der Riesenbaum Baobab. getragen. Sie beweinen das Thier rote'einen Menschen. Drei Tage lang trügt ihr Besitzer den Strick am Halse und theilt allen sein Unglück mit, später legt man dann den Strick um die Hüften. Auf diese Weise kommen die Wohlhabenderen nie aus der Trauer heraus,, ein solcher Strickträger ist gewöhnlich ein Besitzer vieler Kühe. Die VeerdignngSgebrünche der Bari sind ähnlich denen der Dinka. Der Erbe oder das Oberhaupt der Familie ergreift die Waffen des Verstorbenen, stürzt aus der Hütte heraus und eilt um dieselbe herum, schwingt die Waffen mit großem Geheul, schleudert die Lanze und einen Stock, die bösen Geister zu verjagen. Ein Abgesandter bringt Verwandten und Nachbarn die Kunde von dem Begräbnis, und alle versammeln sich und heulen und schreien aus aller Macht. Die Beerdigung vollzieht sich wie bei den Dinka. Nach derselben wirft man Erde ans das Grab, alle setzen sich rings um dasselbe heulend und schreiend nieder. Endlich scheeren sich alle daS Haupt. Die Nachbarn jedoch schreien nid)t umsonst, sie möchten Fleisch haben, so muss denn die Familie deS Verstorbenen mit einem guten Mahle dan- freunbete trauern, legen sie allen Zierrat, mit dem feit, was ziemlich kostspielig ist, da bei einer sie sich sonst schmücken, ab, wie z. B. Glasperlen, Ringe u. dgl., statt dessen tragen sie fast ein halbes Jahr lang einen Strick, ans den Blättern der Baume bereitet, um den Hals. Um einen Verstorbenen, der ein großes Erbe hinterlassen hat, währt die Trauer mit dem Stricke ein volles Jahr. Diese Weise der Trauer ist vielfach bei den Dinka üblich und wird and) bei dem Tode einer Kuh, ihrem Lieblingsthiere, solcher Gelegenheit bis zu drei Ochsen geopfert werden, und bei alledem gibt es noch Klagen und Unzufriedenheit. Wenn der Sterbende kaum den letzten Athemzug ausgehaucht hat, setzen die Bongo den Todten bei. Sie beugen mit Gemalt die Kniee gegen das Kinn und binden mit starken Fesseln Kopf und Beine zn-fantmen. In so gekrümmter Haltung gebunden, ver- 222 Aus dem Marien-Verein für Afrika. senken sie den Körper in einen aus Leder genähten Sack und legen ihn in ein sehr tiefes Grab. Sic machen eine Grube von ungefähr zwei Meter Tiefe mit einer seitlichen Nische, wohin sic den Leichnam legen. Ein Mann wird mit dem Antlitz nach Norden, ein Weib nach Süden schauend begraben. Ueber der Gruft errichten sic einen hohen Steinhaufen, auf dessen Spitze ein Krug mit Wasser gestellt wird. Die Gräber der Vornehmen werden mit den Schädeln von Thieren geschmückt, Banner und Fetzen und ein Zaun von Pfählen mit Thier- und Menschenfiguren umgibt das Grab. Diese rohen, ziemlich merkwürdigen Holzfiguren stellen den Verstorbenen, sowie Weiber, Söhne und Töchter dar; letztere gehen geschmückt vor einander vom Grabe zur Hütte. Der kindliche Entwurf der hervortretenden persönlichen Merkmale des Verstorbenen selbst und ihre rohe Darstellung in Holz beweist ohne Zweifel das lebhafte Interesse. So roh diese Versuche auch sein mögen, lassen sie doch einen natürlich künstlerischen Sinn durchblicken und einen Keim von Bildhaueranlage bemerken, und Fleiß und angewandte Mühe beim Schnitt dieser Figuren bekunden die Liebe, mit welcher der wilde Künstler sich der Ausführung seines Ideals unterzog. Noch ist bemerkenswert, dass der Gemahl die rohe Holzfigur seines Weibes als Schutzgöttin in seiner Hütte aufstellt, und dass man auch am Eingang der Wohnungen die aufgestellten Gestalten lieber Verstorbener findet. Alles dieses beweist die Sorgfalt der Heiden ihren Todten gegenüber und das gute Andenken, das sie ihnen bewahren. Fälschlich nimmt man an, diese angeführten Holzfiguren wären die Götzenbilder der Heiden. Die Muselmänner, welche in jene entlegenen Länder dringen, Feinde, wie sie sind von jeder Darstellung, gemalt oder gemeißelt, wüthen gegen diese Figuren und zerstören an vielen Orten mit manch' anderen schönen Eigenschaften der heidnischen Neger auch diese Keime künstlerischer Thätigkeit. Die N j am-Nj am beerdigen ihre Todten in der Weise, dass sie dieselben nicht mit Erde bedecken, sondern sie legen sie in eine Art Kammer, ans Holzwänden gebildet, manchmal auch in einen hohlen Baum. Die Verwandten des Verstorbenen drücken ihre Trauer durch Scheeren des Hauptes und Hinstreuen der Haare sammt ihrem reichen Kopfschmuck auf die Wege des Waldes aus. Die Bauart der Grabkammern erinnert sehr an die Gräber der Muselmänner, wie auch die Gewohnheit an die Gebräuche der Mohammedaner erinnert, Gefäße mit Wasser, Speisen und Früchten an das Grab zu stellen. Das geschieht in vielen heidnischen Gegenden. Damit will man nicht allein ein Todtenopfer darbringen, sondern auch den Verstorbenen mit allem Nothwendigen versehen, falls er Hunger oder Durst hätte. Eine Bewirtung mit einheimischem Bier bildet fast überall das Todtenmahl für Freunde und Nachbarn. Aus dem, was wir über den religiösen Glauben der heidnischen Neger gesagt, ersieht jeder, dass die Erkenntnis, die wir bis jetzt über diesen wichtigen Gegenstand haben, eine begrenzte ist, aber dennoch hinreichend, um das hohe Bedürfnis zu zeigen, das diese Stämme nach dem Erneuerungswerke der christlichen Religion haben. Wie viel Herrlichkeit wird der Heiland erwerben durch die Verehrung der zahlreichen Generationen ! Zwei unter sich feindliche Gemalten umstrciten diese Völker, Islam und Christenthums die erste, um sie der Vernichtung und dem Verfalle zuzuführen, die andere, um ihnen Leben und künftige Wohlfahrt zu geben. Der Sieg und der Triumph wird Christi sein, was schon klärlich prophezeit worden ist: Et corain illo procidenl Aethiopes — und jenem entgegenziehen die Acthi-opier! Aus dem Warien-Verem für Afrika. Psarrgruppe Favoriten Wien X. (Schluss). Nachdem der hochw. Präsident bei dieser II. ordentlichen Generalversammlung am 11. März 1901 den Rechenschaftsbericht und den detaillierten Cassabericht für die Zeit vom 1. Januar 1900 bis 31. December 1900 selbst erstattet hatte, und derselbe seitens der Mitglieder des Vereines mit lebhafter Befriedigung zur Kenntnis genommen wurde, fand sogleich die Neuwahl des Ausschusses statt. Es wurden einstimmig wiedergewählt die Herren: Leopold Hruza, Johann Cymbal, Josef Halbgebauer, Johann Schacherl, Franz Jippmann und Hans Fritsche und zu Revisoren Pfarrer zu St. Johann Evangelist X.Bez. Eduard Karabaczek, und Herr Wilhelm Berger. Aus beut Marion-Verein für Afrika. 223 Der Präsident dankte im Namen sämmtlicher Funktionäre für das entgegengebrachte Vertrauen und erwähnt noch in besonderer Anerkennung die Ausdauer und Opferwilligkeit der Vereinsfuuctionäriunen, der Damen: Frl. ScheiriNger Ludmilla, Frl. Auguste Fiala, Frl. Marie Krupieka, Frl. Laura Streit, Frau Antonia Hock, Frau Anna Rohrer, Frau Anna Waupotitsch, Frau Theresia Wagner, Frau Anna Brettner, Frau Francisca Brunner, sowie der ehrw. Schwester Adele Spieler, mit welcher sich dieselben an dem Werke der christlichen Nächstenliebe betheiligt haben, und bat schließlich alle Anwesenden, dem Vereine auch künftighin ihre Unterstützung angedeiheu zu lassen. (Rauschender Beifall). Hierauf ergriff Hochw. Herr Pfarrer bei St. Anton X. Bezirk Mathias Eisterer, Schriftsteller und Redacteur des St. Norbertusblattes etc., mit anhaltendem Applaus begrüßt, das Wort zu einem äußerst interessanten, belehrenden Vortrag über seine Erlebnisse während seiner im Jahre 1898 in das heilige Land unternommenen Reise (von Triest über Alexandrien und Kairo nach Jerusalem). — Im Nachstehenden geben wir den beiläufigen Inhalt dieses herrlichen Vortrages wieder. „Die ehrwürdigen Borromäerinuen haben sich im Oriente schon einige Verdienste um das Erziehungsund Unterrichtswesen erworben. Afrikanische Lehrerinnen sangen uns zum Empfange im Institute zu Alexandrien allerliebste österreichische Volkslieder nebst der Volkshymne, und ein arabisches Mädchen sprach folgende Pilger-Begrüßung: „Seid willkommen, seid gegrüßet Pilger nach dein heiligen Land, Seid willkommen, Ivo die Palmen Rauschen an des Niles Strand! Deutsche Lieder uehm't entgegen, Die Euch wünschen Gottes Segen, Die als froher Jubelchor Steigen zu dem Herrn empor!" Wieder eine andere trug ein noch längeres Gedicht vor, dessen erste Strophe lautete: Hohe Gäste, fromme Pilger, Die ein edles Ziel geeint, Seid im Orient willkommen, Wo die Sonne heller scheint. Harret Euer deutsche Sprache, In Aegypten auch gepflegt, Euch in dieser zu begrüßen Freudig tuts das Herz bewegt." Und endlich: Leget denn, von Gott geleitet, Noch den kleinen Weg zurück, Bis an Joppe's alten Ufern Heil'ges Land grüßt Euren Blick. Werdet überall da finden Nur der Heil'gen rothe Spur, Habsburgs kaiserliche Spenden, Treu den Ahnen folgend nur." DaS war für uns eine angenehme Ueberraschung beim Betreten des heißen und jetzt so heiß um-strittenen afrikanischen Bodens, Spuren von Habsburgi edlen Kaiserspenden zu finden. Es sollte aber noch herrlicher kommen in Kairo, wo wir Dienstag, den 19. April 1898 ankamen: Am Bahnhöfe überraschend großartiger Empfang; mächtig brausend schallten uns auch hier die Klänge unserer geliebten Volkshymne entgegen. Sie kamen von einer am Bahnhof aufgestellten Musiker-Truppe der pechschwarzen, aber schön weiß gekleideten Neger-Pfleglinge des katholischen Missions-Seminars in der Vorstadt Jsmailia. — Das Institut mit schwarzen Zöglingen und Patres (P. Daniel Sorur leider gestorben) in der Vorstadt Jsntailia zählt 12 Priester mit achtzig Pfleglingen. — Der k. k. österreichische bevollmächtigte Minister Baron Karl Heyd ler, Ritter von Egeregg, Generaleonsnl Herr Baron Sonnleithner, Bischof Sogaro, derPatriarch Kyrillos Macario, der unter betn Schutze Sr. Majestät 10.000 rechtgläubige und über 600.000 irrgläubige Kopten leitet, die Negercolonie ©estra, geleitet von den „frommen Müttern der Neger" (Klosterfrauen), Dr. Becker, Leibarzt des Khediven und sieben Personen des Pilgerzuges wurden zu einer Soiwe — die in meinem Leben unvergesslich bleibt — eingeladen. Damals kam gerade das Telegramm über den großen Sieg der vereinigten englischen Armee über die Mahdisten bei Chartum; alles war in der freudigsten Aufregung, dass die frohe Heilsbotschaft nun bald wieder zu den armen Sudanesen getragen werde mit den Segnungen des Christenthums. — Durch geistige und materielle Unterstützung wirkt dort Oesterreich (Missionshaus Mnhland bei Brixen in Tirol) für die Ausbreitung des Glaubens. Mögen die katholischen Missionen dort hoch über die Höhe und über das Alter der Pyramiden hinaus ivachsen und gedeihen." Am Schlüsse seiner zündenden Ausführungen bereitete die animierte Versammlung dem hochw. Redner geradezu stürmische Ovationen. Hierauf sprach — ebenfalls stürmisch begrüßt — der Central-Ausschuss des Marien-Vereines für Afrika, Se. Gnaden Canonicus Msgr. Anton Schöpf-l ent Huer, ein liebevolles Schlusswort mit folgendem beiläufigen Gedankengange: Ausgehend vom Evangelium des IV. Fasteu-sonntages beleuchtete der hochw. Canonicus den traurigen Zustand eines Besessenen, der durch die Macht 224 Aus bcm Marien-Vereiu für Afrika. Jesu vom Teufel befreit und zu Gott geführt wurde. Tie Seele des zu bekehrenden Negers ist dem Einflüsse des Unglaubens und des Irrthums unterworfen, die katholische Kirche — weil sie eine sorgsame Mutter für alle Menschenkinder ist — muss ihre Sorgfalt auch den armen Negersclaven in Afrika zuwenden und unsere heiligste Lebensaufgabe soll es sein, dem Erlöser die Erlösten vermehren zu dürfen durch Mitwirkung am großen Werke der Glaubens-vcrbrcituug. Dadurch ivird ja nicht nur die Freiheit des Leibes durch die Aufhebung der Sclaverei, sondern auch die Freiheit der Seele durch das Licht des Christenthums in dem heißen Boden Afrikas befördert. . . . Wir besitzen in Oesterreich eine Congregation der Söhne deS hlst. Herzens Jesu, die nun ihre Hauptniederlassung sammt Noviciat in Mühlaud bei Brixen « Tirols hat. Dieselbe gibt die Missionszeitschrift „Stern der Neger" (3 Kronen jährlich) heraus und sorgt für die Entsendung von Missionaren nach Centralafrika und nimmt uttentgeltlich Studenten und Handwerker, welche Missionsberus haben, als Candidate» auf. Unterstützen wir die Bestrebungen der Missionäre, damit die Heiden zur Erkenntnis Gottes und der Wahrheit gelangen. Wir sind bereits dieser Erkenntnis theilhaftig geworden und können unseren Dank für dieses Glück Gott nicht besser abstatten, als wenn wir erstens beten (Pater unser und Ave Maria), dass der Herr recht viele Arbeiter in den verwilderten Weinberg des Heidenthums schicke und ihre großen Bemühungen segne; denn Menschen können nur pflanzen und begießen, das Gedeihen kommt von Gott. Zum andern wollen wir aber auch daS Missionswerk durch Beiträge fördern, sei es als Mitglieder oder als Theilnehmer des Vereines durch den monatlichen Geldbeitrag von wenigstens zehn Hellern. Jede Gabe, anch die kleinste, ist willkommen und wird gewissenhaft ihrer Bestimmung zugeführt. (Abonnement „Stern der Neger".) Es liegt aber in derlei Opfern, welche wir uns nach Maßgabe des Vermögens für die Sache Gottes auferlegen, viel Edles und Segenbringendes für uns selbst. Wir erweisen hiedurch unseren armen Mitbrüdern in fernen Heidenlanden das schönste Werk der Nächstenliebe, wir erzeigen dadurch unserer eigenen Seele die größte Wohlthat. Denn wenn wir beitragen, dass das Reich Gottes auf Erden zu den Ungläubigen kommt, dann dürfen wir die tröstliche Hoffnung hegen, dass uns nach diesem Leben das Reich Gottes im Himmel zukotnmen tverdc. Sorgen wir daher, überzeugungstreue Katholiken zu sein, uns durch Uebung des praktischen Christenthums geistig zu stärken, die Kinder und Hausgenossen christlich zu erziehen und auf die nächste Umgebung nach Möglichkeit durch Wort, Beispiel, Schriften und Gebet fördernd im christlichen Geiste einzuwirken. Was würde es nützen, in der Ferne unter Mühe ttnd schweren Opfern einige Heiden bekehren zu helfen, wenn mitten unter uns Christen das Neuheidenthum mächtig aufwüchse? Leuchtet das Licht des christlichen Glaubens und daS Feuer wahrer Gottesliebe in den Herzen der inländischen Katholiken, daun erwacht von selbst größerer, allgemeiner Eifer auch für die Förderung des Missionswesens durch Wort und That." Diesen gedankenreichen und ganz besonders actuellen Ausführungen des hochw. Canonicus folgte rauschender, andauernder Beifall. Der hochw. Herr Präsident Cooperator Sir stattete den hochw. Rednern seinen innigsten Dank für ihre ausgezeichneten Borträge ab und sagte in seinen Schlussworten allen Freunden, Wohlthätern und Gönnern des Vereines ein tausendfaches „Bergelt's Gott" für die zahlreichen und theilweise großen Unterstützungen und drückte den tiefgefühltesten Dank aus sämmtlichen Mitgliedern für die Anempfehlung des Vereines in ihrem Bekanntenkreise, sowie den christlichen Tagesblättern (Vaterland, Reichspost, Neuigkeits-Weltblatt, Deutsches Volksblatt, Volksblatt für Stadt und Land re.) und sonstigen Zeitschriften,'welche jederzeit daslJnteresse.des Marien-Vereiues für Afrika durch freundliche Publicationen förderten. Der Abend brachte auch einige gelungene Auf-, führungen (Clavier-Vorträge von Frl. Auguste Fiala) und nach Schluss des ofsiciellen Theiles der Versammlung folgte eine große thaumaturgische Vorstellung eines arabischen Negromanten, im Oriente gekannt unter dem Namen „El maraphet", der mit seinen phänomenalen Prodnetionen und deelamato-rischen ^teccit auf dem Gebiete der Sensationszauberei, Somnambulismus, Physik, Optik und Hydraulik auf die Lachmuskelu der Zuhörer bezaubernd wirkte, womit die schöne Versammlung ihren würdigen Abschluss gefunden hat, bei der viele neue Mitglieder ausgenommen wurden. Für die Schriftleituug: P. Xaver Geyer F. 8. C., Oberer. — Druck von A. Weger's sb. Hofbuchdruckerei, Brixen