C BLEJA. FESTSCHRIFT zur Feier des fünfundzwanzigjährigen Bestandes selbständiger Gemeindesatzungen von Cilli veranstaltet von der DEUTSCHEN WACHT. Herausgeber: Gerhard Ramberg. Cilli, 1892. "V e r 1 a, g' d.er lDe-0.tscl2.eiL "V^a-clLt. Die autonome freie Gemeinde gibt die beste Gewähr für ein rasches und kräftiges Emporblühen des eigenen Gemeinwesens und ist zugleich die sicherste Grundlage für ein ordentliches Staatswesen, vorausgesetzt, dass sie lebensfähig, in geregelten Finanzverhältnissen, und von einem zielbewussten geläuterten Gemeinsinn ihrer Mitglieder getragen ist — vide Cilli u. s. w. JSREDNJA CNJIZNICA CELJE ^ 4^4 M z -if.Goó Q 'a.-i.isis'S Das Localmuseum der Stadt Cilli. Im Menschenleben gibt’s ein Sehnen, es gibt ein wundersames Band, das gleich sich bleibt in Lust, in Thränen, das ist die Lieb’ zum Vaterland ! Dem deutschen Volk die Ehrenkrone, dieweil’s ihm nie daran gebricht, es ist die Lieb’ zu jedem Sohne, der unsrer Mutter Sprache spricht ! Drum mein „Glückauf“ Dir eichumlaubte, D i r, nie versiegte Göttermacht, die von des Glöckners eis’gem Haupte hinabreicht in den tiefsten Schacht! — Wie so manches Andere seine Drangperiode kennt, so trat in Oesterreich im Anfänge der achtziger Jahve sozusagen epidemisch das Verlangen nach Gründung von Localmuseen zu Tage, und wenn nach einem Decennium nur der kleinste Theil beschlossener Gründungen zur erfreulichen Thatsache geworden ist, so liegt der Grund darin, dass man in den meisten Fällen sich weder gefragt hatte, ob der Ort und seine Umgebung überhaupt dauernd Gegenstände biete, die gesammelt, aufbewahrt zu werden thatsächlich werth sind, noch ob das Verständnis für geschichtliche, für naturgeschichtliche Werthe in der Bevölkerung so wach sei, dass das Unternehmen — durch allseitige, opferwillige Unterstützung kräftig erhalten — auch dauernd und mit Erfolg alle ihm unvermeidlich, namentlich in kleinen Orten, begegnenden Schwierigkeiten zu überwinden im Stande sein werde ; mit einem Worte, der Grund liegt darin, dass den meisten dieser Beginnen die Liebe zur Heimat, der wahre Localpatriotismus fehlte. Das hiesige Localmuseum, am 1. Mai 1882 eröffnet, liefert durch das, was bis heute an Denkwürdigem aufgebracht worden, den besten Beweis, dass eben hier in weitem Umkreise „jeder Zoll geschichtlicher Boden“, der bisher nur zum kleinsten Theile geöffnet, untersucht worden, dass es hoch an der Zeit war, dem Schacher, der mit dem Aufkäufe geschichtlicher Funde zu Spottpreisen und Weiterverwerthung an das Ausland hier systematisch betrieben worden, den Riegel vorzuschieben ; auch dafür zu sorgen, dass alles für diese Gegend Denkwürdige so aufbewahrt werde, dass es unversehrt der Nachwelt erhalten bleibe. Allerhöchster Namenszug Seiner Majestät des Kaisers. Aus dem Gedenkbuche des Localmuseums. Es gilt das Letztere namentlich betreffs der ganzen, grossen Reihe der durchwegs dem Boden der Römerstadt Ce leja entstammenden, für die Geschichte hochwichtigen römischen Denksteine, deren Material (Marmor vom Bachern) nicht wetterbeständig ist, daher die Schriftzeichen, sobald die Steine nicht wie im Lapidarium in sorgsam gedecktem Raume verwahrt werden, verschwinden. Die Ausgrabungen der letzten Jahre aber haben gezeigt, welche grosse, dankbare Aufgabe noch hier vorliegt ; es sei diesbezüglich nur auf die im Jahre 1889 in der Stadt selbst erfolgte Eröffnung des grossen römischen Sudatorimus (Schwitzbades) mit den vollständig erhalten Vorgefundenen Heiz-vorrichtungen, auf die gelungene Hebung des schönen, aus 248.000 Steinchen bestehenden Mosaikbodens, welcher fortan das Vestibül des neuen Museum-Gebäudes zu Graz zieren soll, hingewiesen. Bacchische Maske von Cilli. Das erfreulichste Zeichen aber dafür, dass hier die Absicht eine ernstliche war, das Localmuseum nicht nur zu gründen, sondern auch zu erhalten und zu fördern, der erfreulichste Beweis dafür, dass thatsächlich das richtige Verständnis für die Sache bei der hiesigen Bevölkerung vorliege, ist wohl die opferwillige Unterstützung, welche der Musealverein bei seinem Wirken für das Localmuseum, seinem Streben, die Burgruine Ober-Cilli zu erhalten in allen Schichten der Bevölkerung, hervorragend von Seite der Frauen, von Seite der Sparcassc der Stadtgemeinde Cilli u. A. bis zur Stunde unausgesetzt gefunden hat. Fürwahr die Thatsache spricht dafür, dass diese Bevölkerung selbstbewusst die Bedeutung der Neuzeit und ihre Aufgaben voll und richtig erfasst und nur so konnten wir nach 10 Jahren bereits an dem Punkte anlangen, wo jeder, der Localmuseen anderer Orte besucht hat, bestätigen muss, dass, wenn wir uns ob Platzmangels nicht in jeder Richtung und jeder Weise auf das äusserste einschränken müssten, wenn wir — wie dies anderwärts nur zu oft nachweisbar — jedem Fragmente eines Topfscherbens Platz und Aufschrift gönnen wollten, die hiesigen Sammlungen bereits doppelt so grossen Raum als uns zur Verfügung steht, einnehmen würden. Indem auf die in dem „Führer durch die Sammlungen des Localmuseums der Stadt Cilli“ gegebenen Details wie auf die bezüglichen, namentlich in den „Mittheilungen der k. k. Centralcommission für Kunst- und historische Denkmale“ von 1864—1892 erschienenen Abhandlungen hingewiesen wird, sollen nachstehend nur die werthvollsten, wichtigsten Erwerbungen berührt werden. Der erste La T é n e-F und S t e i e r m a r k s liegt hier vor. Zu Dreschendorf gehoben, ähneln die Eisenwaffen den Funden, welche 1858 zu La Tene am Neuenburger See gemacht wurden und der in Rede stehenden, zwischen die Hallstädter und die Römerzeit sich einschaltenden Zeitperiode den Namen gegeben haben: ganz ähnliche Formen und Grössen und vor Allem jene charakteristischen S-förmigen Krümmungen, zu denen längere Gegenstände ausnahmslos abgebogen wurden, um in dem Raume des engen Grabschachtes Platz zu finden. Zweifellos die schönste Perle der Sammlungen ist die „Bacchis c h e Maske von Cilli“ (siehe Abbildung), auf welche Bezeichnung sich die archäologische Welt geeinigt bat, indem dieses wunderbare Bronzerelief bis jetzt einzig in seiner Art dasteht, Vergleichsmaterial hiefür vollständig mangelt Von anderer und zwar tiefernster, ja trauriger Bedeutung, aber gleichfalls, wenigstens für Oesterreich allein dastehend ist der R i e m e n, der a u s Menschenhaut bei lebendigem Leibe geschnitten worden (siehe Führer Seite 24). Ebenso ist uns, ausser dem der Pfarrkirche St. David, kein Original des Wappens des Grafen von Cilli aus hiesiger Gegend bekannt, es nimmt daher das vor Kurzem an der Burgruine Ober-Cilli gefundene, in Sandstein gehauene Wappenbild hervorragende Bedeutung für sich in Anspruch. Von der Original -Ausgabe des steiermärkischen Wappenbuches des Formschneiders Zacharias Bartsch 1567 sind überhaupt nur sehr wenige Exemplare mehr erhalten, vollständig aber d. i. alle 172 Blätter führend dürfte allein nur das hier vorliegende Exemplar sein. (Siehe Führer Seite 25.) Maske aus Marmor. Dorischer Krieger. Römische Geriithe (fibula, stilus u. s. w.). Gewiss hochinteressant ist das I n s i e g 1 der hiesigen Maler-Innung aus dem XV. Jahrhundert, d. i. aus einer Zeit, wo der bisherige Markt Cilli Stadtrechte erlangte, mit der gothischen Inschrift „Xikla der Maler“, welche 3 Paletten umfasst. (Siehe Führer Seite 25.) Nicht minder heachtenswerth sind jene Todtenhauben aus Goldbrokat aus dem nur von 1589 bis 1600 bestandenen protestantischen Friedhofe am heutigen „Golcehofe“. (Siehe Führer Seite 25.) Speziell für hier ist das „Buch der Chroniken und Geschichten etc.“, geschrieben von dem späteren Papste Pins II. (Aeneas Silvius Piccolomini), einem heftigen Gegner der Grafen von Cilli, von hohem Interesse, welches als Incunabl des Jahres 1493 in deutscher Uebersetzung als Hartmann — Schädl aufliegt. (Siehe Führer Seite 24.) Betreffs der Abbildung „Norischer Krieger“ — weitere Details siehe Führer Seite 8 — sei erwähnt, dass Kopf und Rumpf dieses Standbildes getrennt im Kopriunzabache gefunden, die Statue an der Brücke nächst der heutigen Landwehrkaserne aufgestellt, daselbst aber durch Anstreichen mit Theer so verunreinigt worden, dass der grösste Theil der Oberfläche über-meisselt werden musste. Die Maske aus Marmor (siehe Abbildung) wurde in Lava gefunden und dürfte als Relief Verwendung gehabt haben. Das Material ist Bacherei' Marmor ; die Arbeit zeugt von kunstfertiger Hand. Als typisch für die Römerzeit sind die zahlreichen, in den mannigfaltigsten Formen vorliegenden Geräthe und Schmucksachen (siehe Abbildung der Fibeln, Stilus u. s. w.) zu bezeichnen. Die naturgeschichtliche Abtheilung, namentlich die Petrefacten-Samm-lung birgt so Manches, worauf auch jedes grössere Museum mit Recht stolz sein könnte. Auch hier kann nur das Wichtigste hervorgehoben werden. Dem vorliegenden vorzüglich erhaltenen Ammoniten T rachyceras Julium, am Fusse des Schlossberges gefunden, dankt die lange zweifelhaft gebliebene Schieferzone ihre Bestimmung als Wengener Schiefer. Als grosse Seltenheit ist die fossil wohlerhaltene Vogelfeder zu bezeichnen. Der Tapirushungar. ist das erste Exemplar, welches sich in allen zur unzweifelhaften Bestimmung massgebenden Resten erhalten vorgefunden hat. Die G e h i s s r e s t e des A n t h r a c o t h e r i u m i 11 y r. werden nur durch jene der Sammlung der k. k. geol. Reichsanstalt übertroffen. Ebenso zählt die Sammlung der fossilen Schildkröten und Fiàche ob ihrer Prachtexemplare zu den werthvollsten ihrer Art. Besonders reich aber ist die Abtheilung der fossilen Flora mit ihren wunderbaren Palmen resten (namentlich den Sabalgattungen) und den 9 sonstigen Erzeugnissen der Tertiaerflora, welche erst jüngst wieder um 400 Stücke Vermehrung fand. Vollberechtigt und beruhigt können wir daher Fortbestand und weiteres Erblühen dieses Localmuseums einer so warmen Liebe zur Heimat an vertrauen, die trotz hochwogender Stürme unentwegt dahinstrebt, die schweren Unterlassungssünden der „guten, alten“ Zeit mit thatkräftiger, unermüdlicher Hand zu tilgen, der Nachwelt die gemeinnützigsten Schöpfungen zu überantworten, die ihre Entstehung ausnahmslos unserer zwar viel geschmähten und vervehmten, die deutsche Heimat und ihre Geschichte aber stets gleich hochhaltenden Zeit danken ! Bergrath B-iedl. Altrömischer Fund. (Ein Körnchen doutschon Humors.) Hückwärtsschattende Klio, die geisterfrischend mir nahet Wenn in die Finthen der Zeit sich mein Gedanke versenkt, Lasse vor Allem Dir zollen die Schuld des heissesten Dankes, Dass Du mich würdig erkannt, stolz Dein Dolmetsch zu sein. Du enthülltest mir gütig die hochbedeutsame Kunde, Welche ich pflichtgemäss nun banne auf schlechtes Papier. Meissein sollte ich zwar in festgefügte Gebilde, Was Du mir gnädig vertraut, urbi et orbi zu Nutz. Zürne doch, Himmlische, nicht, denn Stein und Erze zerfallen, Guttenbergs herrliche Kunst trotzet der ewigen Zeit. Scripta manent; und während nur Wenigen leuchtet ein Denkmal, Lesen Dein Wort auf Papier Abertausend zugleich. Also dienen jetzt Lumpen der wissensdurstigen Menschheit, Der sie gewalkt und bedruckt bringen das geistige Licht. Sieh’, Deine liebliche Schwester, die singen und sagen mich lehrte, Drängt auch bei diesem Bericht mich auf gewundenen Pfad. Tiefernste Klio, verzeihe ! Zu Deinem alleinigen Dienste Kehre ich reuig zurück, glücklich Dein Sprachrohr zu sein. Würdige alte Celeja, auf deren gesegnetem Grunde, Gleich der üppigen Saat, stolze Erinnerung blüht; Ragende Thürme erzählen, wie einstmals in finsteren Zeiten Mächtige Zwingherrn geherrscht, wo jetzt der Bürger gebeut ; Weit, viel weiter zurück noch leuchtet Dein schmeichelnder Name, Wie ihn der römische Mund wohllautend latinisiert. Schon in den Peutinger Tafeln erscheinet die wichtige Sannstadt Auf dem Itinerar, dem die Cäsaren gefolgt ; 11 Werth voll historisches Zeugnis aus längstentschwundenen Tagen Gab schon manch kostbarer Fund, leider von Sammlern verschleppt. Gleichwohl bringet der Zufall auch jetzt noch verborgene Schätze Die ein Jahrtausend gedeckt, plötzlich ans rosige Licht ; Aber die seltensten Zeugen aus grossen, altrömischen Zeiten Athmen, Celeja, in Dir, ohne dass Du sie erkannt ; Zahllose Generationen bedecket die städtische Scholle, Dennoch directe vererbt, lebt auf ihr römisches Blut. Höret und staunet gleich mir, geliebte und ehrsame Bürger, Wie sich nach Klios Bericht wunderbar Alles gefügt: Kaiser Claudius sandte um vier und fünfzig nach Christo, Sicher zu Horicum’s Heil, Prätor Auspicius ab ; Dieser Auspicius stammte aus jenem berühmten Geschlechte, Dessen tüchtiger Ahn Ruhm und Ehre erwarb ; Dann zum Hüter der Retter des Capitoles ernannte, Seinen Verdiensten zum Lohn, ihn der hohe Senat. Jupiter liebte den Adler und Venus die girrenden Tauben, Juno den prächtigen Pfau, Leda den zärtlichen Schwan ; Doch die Verehrung, die Rom entgegenbrachte den Gänsen, Niemals ward sie zu Theil einem gefiederten Thier. Selbstverständlich auch liebte die wachsamen heiligen Gänse Jegliches Glied des Geschlechts, welchem das Hüteramt ward. So auch Auspicius, welcher mit Mühe und rührender Sorgfalt Brachte ein jugendlich Paar mit in die neue Provinz ; Dieses gedieh und zeugte in Noricums reizender Hauptstadt Durch die Jahrhunderte fort zahlreiche Nachkommenschaft. Und es erhielt sich bis heute in freiautonomer Gemeinde — Klio lüget ja nicht — reines römisches Blut. An dem südwestlichen Ausgang des reizumflossenen Städtchens, Wo zu dem herrlichen I^ark führt der gezimmerte Steg, Dehnet ein Waschplatz sich aus am Ufer des blinkenden Flusses, Dessen plätschernde Fluth unsere Nerven curiert. Hier ist die Stätte, an welcher dem archäologischen Sinne Sich ein Wunder erschliesst, seltener, einziger Art : Windische „Wäschitze“ rühren hier emsig die sehnigen Arme, Schneeiges Linnen ringsum, trocknet in würziger Luft ; Aber mitten hindurch, Gebietern des Ortes vergleichbar, Schreitet erhobenen Haupts, stolz ein geflügeltes Paar ; Wachsamen Auges behütet es sorgsam das Weisszeug der Bürger, Passet dem Frieden sich an, da kein Barbar uns bedroht. Stehe, Wanderer, still und neige Dich Roms Epigonen, Capitolinisches Blut lebt und pulsieret hier fort. Steirische Gänse nur sehen modern verbildete Augen, Aber dem Wissenden zeigt uralte Spur sich sogleich. Ja, vom Stamme der Gänse die einst Auspicius brachte Mit nach dem norischen Sitz, blüht hier ein kräftiger Zweig. Ist es der letzte ? Rom besitzt von den herrlichen Ahnen Längst kein Federchen mehr, einzig ihr Ruhm lebt noch fort ; Wir aber hören die Stimmen, die einst die Tiberstadt warnten, Fröhlich vom Ufer der Sann schallen die Hügel empor, Bis zu dem Häuschen des Winzers inmitten des Rebengeländes, Rings von dunkelem Tann, Eichen, Kastanien umsäumt. — Hebet noch lange und freudig, Ihr capitolinischen Vögel, Euer Wächteramt aus an den Gestaden der Sann. Aber, nehmt Ihr einst Abschied vom neu erblühten Celeja, Werdet Ihr sicher geehrt, wie Ihr es redlich verdient : Als Euer eigenes Denkmal die Enkelgeschlechter noch staunen Wohlpräparieret Euch an, in dem Museum „Local“. Wilhelm du Nord. Celeja Claudia. Eine wohlerhaltene Lanzenspitze liegt vor mir. Sie dient mir seit wenigen Tagen als historischer Briefbeschwerer. Als sie der Huberbauer ausgegraben, war sie noch in Gesellschaft einiger werthloser Scherben Siegelerde und träumte süsse Erinnerungen auf einer Stätte, wo ich vor Jahren die ziemlich gut erkenntlichen Reste eines Römerbaues — etwa war es ein praedium — aufgedeckt. Wie ich die Lanzenspitze betrachte, liegt sie resignirt auf Briefen und Correspondenzkarten und erweckt — auf das Alibi fürs Museum Carolino-Augusteum wartend, wohin sie bald wandern muss — in mir Erinnerungen, die noch bei weitem süsser sind, als die einer verrosteten Lanzenspitze. Es war ein herrlicher Herbsttag, da sass auf den moosbegrünten Mauern der Burg Cilli ein selig Paar, das in die Reihe jener Reisenden gehört, die ihren Bädeker mehr im Herzen tragen, denn unterm Arm und dem mans ansah auf fünf Stadien Entfernung, dass es ein — Hochzeitsreisepaar ist. Ihr Schleier — natürlich von blauer Farbe — wehte im lauen Herbsthauch vom grauen Reisehütchen verlockend gegen Süden — natürlich, denn die Hochzeitspaare sind jene Gestirne, die nur im Süden aufgehen — und der graue Staubreisemantel — der muss dabei sein — gleiste im matten Gold des Sonnenlichtes. Des Mannes Schlapphut zeigte jenen idealen Schwung, der seinen Träger als Verfasser eines nach langer Reise glücklich in den Hafen eines nicht honorirenden Verlegers gelangten Epos charakterisirt. Eine eigenthüm-liche Patina liegt auf allen diesen Poetlein. Sie sollten längst von den Anthropologen in eine noch zu bestimmende Classe von Zweifüsslern gesteckt werden. Unbeschreiblich schöner Ausblick bot sich den jugendlichen AVander-vögeln von ihrem Luginsland, und wars ihnen nicht zu verdenken, wenn sic in Betrachtung des schönen Stück deutschen Landes, voll gewaltiger alter Geschichte und Sage, der Gefahr eines Schnupfens vergassen. Plötzlich — die bessere Hälfte des Hochzeitspaares hatte die liebe Gewohnheit mit durchbohrender Standhaftigkeit fort und fort zu fragen — rauschte der Epheu am grossen viereckigen Thurm, zu dessen Fuss sich die Reisenden gelagert, und aus seinem dunklen Sammt tauchte ein herrlich Frauenbild. Von des schönen 'W eibes Haupt glänzte die goldschwere Mauerkrone, von den Schultern floss in edeln Falten die purpurverbrämte Toga und in den Händen strahlten die Abzeichen kaiserlicher Würde. Es war kein Zweifel, dass die ätherische Dame aus sehr vornehmem Hause war, ja, vielleicht gar die Schutzherrin dieses Landes. Goldblond wie die Saat im Thale war ihres Haares Geflecht, und in ihren Augen spiegelte sich das bezauberndste Landschaftsbild, von den silbernen Wellen des Sanus getheilt. Aus der Ferne grüsste des Hochgebirge blaudämmernder Höhenkamm und über die volksbelebte Stadt wölbte sich des Himmels Dom, im blaugrün des Edelrosts glänzend, der uns antike Funde so werthvoll macht. Den Fluss hinauf und hinab zogen wohl bemannte Trieren, an dem Hafen der Gewerkbauten landend, hinter denen sich die Tempel- und Weihebauten hoben, vom Palatium der Stadt gekrönt. Die breite, von Denkmälern verschönte Strasse endigte in der Ruhestätte für die Todten und an den Marmorfliessen der Votivsäulen prangten die Namen der Proconsulen, die in der Stadt ihren Sitz hatten. Das waren Erinnerungszeichen an hochverdiente Männer, die in der Folge selbst den Kaiserthron bestiegen. Da standen in verwitterten aber unauslöschlichen Zeichen die Verdienste eines Pertinax, Septimius Severus, Valerian und Aurelian. Eine ehrenwerthe Gesellschaft war noch an andern von Pinien und Oypressen beschatteten Denkmälern der Todtenstrasse zu lesen oder schmückte das Forum in ganzer Gestalt, vom Meissei des Bildhauers verewigt. Ein unbegrenztes Macht und Grösse gebietendes : t e s a x a loquuntur! Ohne sich conventionell vorzustellen, trat die ätherische Dame auf des Schlapphuts blauumschleierte Genossin und sprach : Dort ragt der Tempel des Mars, der im ganzen Reiche berühmt ist und dort der des Hercules und Mercur ; dort der des Mithras, des Neptun, der Fortuna und Isis. Wo die grauen Rauchwolken aufsteigen in die klare Luft, bringen sie dem wackeren Rutilianus ein Weiheopfer ; er ist ein deutscher, der norische Scipio, und war als Gelehrter und Feldherr hochverdient. Die göttergleiche Dame war sehr gesprächig und fand in der blau-umschleierten Fremden eine dankbare Lauscherin. Eben wollte sich das Gespräch in einen classischen Kaffeeklatsch verwandeln — denn des Fragens war kein Ende — als vom Thale herauf Kriegslärm erscholl. In schimmernder Rüstung zogen die Legionen aus der Stadt in die Ebene hinaus, und von allen Seiten tönte der Furchtlosen Ruf Attila! Eine gewaltige Schlacht ward geschlagen, die Legionszeichen sanken in Staub, und in dämmeriger Ferne stand, wie aufgehenden Taggestirns Pracht Odoaker an der Heruler Spitze. Da perlten Thränen von den Wangen des schönen Weibes und sie warf, wie zum Abschied, in den Schoss der blauumschleierten Nachbarin eine Tonscherbe. Schriftzeichen standen auf der rothschimmernden Fläche. Bisher war der Mann, der seinen Schlapphut wie eine Aureole trug, träumend gesessen. Nun aber griff er begierig nach der Scherbe, ünd im Bewusstsein seines Werthes — denn die liebe Genossin konnte die Graffiti nicht entziffern — las er : CELEJA CLAUDIA p. f. und steckte die antike Visitenkarte in seine Reisetasche. Mataseo, MDCCCLXXXXH. A. Breitner. Sanneck-Cilli. Von Hans Grasberger1. Sannecker stolz Geschlecht, Noch könntest stolz du ragen, Gefürstet unter Magen,*) Gestreng für Tross und Knecht! Dir mehrten sich die Frohnen, Dir füllte sich der Schrein Und von verwaisten Thronen Der früheste war dein. Noch trotzten Thor und Thurm Der grimmen Eisenkralle, Dem schlauen Ueberfalle, Dem Wetterstrahl und Sturm . . . 0 dass im Uebermute Du, stolz- und glückbethört, An deinem eigenen Blute Gefrevelt unerhört ! Du tratest untern Fuss Des Herzens ew’ge Rechte, Des Lebens Keim und Mächte, Der Liebe Frühlingsgruss : Unseliges Beginnen ! Daran erlosch dein Licht, Zerbrachen deine Zinnen Entlud sich das Gericht. Wie jäh du hingerafft Und ausgetilgt vom Leben, Wer hört’ es ohne Beben, Wo deine Veste klafft? Die bleichen Mauern stöhnen Des Nachts noch schauerlich Von Desenitz, der schönen, Vom armen Friederich. *) Altertümlich = Verwandte. In Trümmern ragt die mächtge Ritterburg ; Zerfallne Mauern, längst verlassne Säle, Verblichnen Glanzes karge Ueberreste Gemahnen ernst mich an vergangne Zeit. Einst war es anders wohl in diesen Mauern : Stolz klang des Ritters Stimme durch die Säle, Von lautem Waffenlärm erscholl das Haus ; Und wenn nach heissem Strauss mit reicher Beute Die Kämpfer wiederkehrten in die Burg, Erfüllte Spiel und Tanz die weite Halle, Bis neuer Streit zu neuem Siege rief. Auch düstre Bilder treten vor die Seele In dieser Burg verödeten Gemächern : Dort sass im Thurm des strengen Grafen Sohn Und büsste grauser Unthat schweren Frevel ; Dort lagerten, den eignen Herrn befehdend, Einst wilde Rotten und von Blut und Morden Ward hier des Bodens dunkles Grün gefärbt. — Nun ist es still geworden hier im Schlosse: Der Epheu schlingt sich um die morschen Mauern, Mitleidig deckt des Immergrüns Geranke Des Friedrichsthurmes düster graue AVand. Wo einst im Kampf die Waffen grell erklangen, Tönt heute keck der Amsel heller Schlag Und grüne Matten bieten duftge Grüsse, Wo einst das Ross die reife Saat zerstampfte. 0 möge stets, so lang die starken Mauern Dem Wind und Regen kühn die Stirne bieten, Die alte Burg, das Heim der stolzen Grafen, Herniederblicken auf ein glücklich Volk. Mög’ immerdar die trotzig starke Veste,' Die deutscher Muth vor manchem Feind beschirmte, Ein Denkmal deutscher, nie bezwungner Treue, Stolz niedergrüssen auf ein deutsches Land ! „Viel Feind’, viel Ehr!“ Dies ist die stolze Kunde, Die aus dos Schlosses morschen Trümmern spricht; 0 bleibe deutsch, mein Volk, zu jeder Stunde, Lass froh erschallen es von Mund zu Munde: Durch Kampf zum Sieg, durch Finsternis zum Licht!!! Otto Fischbach. Die alten Cillier Grafen. Von P. K. Rosegger. Cilli, das alte Celle, oder wie es die Römer nannten, die Colonia Claudia Celeja, ist der Hauptort der unteren Steiermark. Die Stadt liegt in einem von Wald- und Weingärtenhügeln umgebenen, schönen Thale, am Ufer der Sann. Auf den Höhen freundliche Landhäuser und Kirchen. Die Stadt ist trotz ihres Alters jugendlich heiter und freundlich, hat breite Strassen mit hübschen Gebäuden und Stadtmauern mit grossen, runden Eckthürmen. Eine alte Chronik erzählt uns von den schönen Zeiten von Cilli : ,,Da waren auch die edlisten und mäblein (marmorne) thüren und palasten wunderlich gepaut, dass die selbich stat billeich die ander Troja war geheissen.“ 1493 waren die Türken da, doch Georg von Herberstein liess sie nicht in die Stadt. In der Pfarrkirche ist ein schöner Marmoraltar ; vor Allem sehenswerth ist die alte Capelle an derselben, eines der schönsten Baudenkmale. Das im Jahre 1370 gestiftete Minoritenkloster dient heute zum Theil als Zinswohnung, den andern Theil bildet die deutsche Kirche. In dieser Kirche bewahrt man achtzehn Schädel der Cillier Grafen. Dass Cilli sehr alt ist, beweisen zahlreiche Alterthümer, die man hier fand und immer noch findet; viele derselben sind im Joanneum zu Graz aufbewahrt. Die römischen Cloaken, welche die Stadt unter der Erde in allen Richtungen durchkreuzen, werden noch jetzt zu Canälen benutzt. Im Norden der heutigen Stadt hat ein Jupitertempel gestanden. Am 12. October 283 — man weiss den Tag noch ganz genau! — ist hier der heilige Bischof Maximilian (ein Cillier) enthauptet worden, weil er dem Mars nicht opfern wollte. „Auf der Stelle, wo sein Haupt hinfiel, sprudelte von dem Augenblicke an eine Quelle hervor,“ über welcher heute eine Capelle steht, zu der viel Volk herankommt, weil es ans Wunder glaubt und das Wasser also heilsam ist. Viel zu leiden hatte Cilli in den wilden Zeiten der Völkerwanderung, aber zertreten liess es sich niemals. Auf dem Schlossberge, der sich unterhalb der Stadt scharf vorschiebt und das Sannthal plötzlich einengt, ragt das weitläufige und vielgestaltige Gemäuer der Ruine Ober-Cilli. Ucber Schuttgcrölle treten wir in den Burghof; die Mauern sind eingesponnen von Epheu. Oestlich erhebt sich in gewaltiger viereckiger Masse der Friedrichsthurm, in welchem Kaiser Friedrich, verfolgt DIE BURGRUINE OBER-CILLI. LICHTDRUCK NACH EINEM AQUARELL VON LUDWIG HANS FISCHER (WIEN). DIE BURGRUINE ÜBER-CILLI. Lichtdruck nach einem Aquarell von Ludwig Hans Fischer (Wien). von seinen Mitbewerbern um das Erbe sich verbarg. Alles andere ist gar sehr zerfallen. „Ein Trümmerwerk, an dem Vernichtung nagt, Gewaltige Pfeiler, Riesenrippen gleich, Erwarten einzeln ihren Todesstreich ; Und Mauern fragen, winkelig, schroff und dick. Um ihren vorigen Zweck des Wandrers Blick. Hier einer Treppe Saum, dort ein Gemach, Wo bald ein Herz und bald ein Becher brach.; Hier noch ein Hof, wo manch ein Schwerthiob klang, Jetzt wuchert Gras den Waffenplatz entlang; Dort, wo der Zelter kampfbegierig stand, Ein Fruchtfeld jetzt, gepflanzt von karger Hand.1 Inmitten dieser Trümmer mag man sich erinnern, dass hier die Burg gestanden, die vor Zeiten der Mittelpunkt jener siebzig Herrschaften gewesen — zerstreut in fünf Ländern — über welche einst der letzte Cillier gebot. Sie alle haben, sofern sie nicht vom Erdboden verschwunden sind, andere Herren erhalten ; die Ruine Ober-Cilli aber wurde eines freien Bauers freies Eigen. (Gegenwärtig gehört die Ruine der Stadt Cilli.) Lange Jahre hindurch hat dieses mächtige Dynastengeschlecht in Steiermark geherrscht, wie es im ganzen Innerösterreich vielleicht sonst keinem mehr gelungen war. Es stieg durch Gunst und Glück zu hoher Macht ; aber auf dem Gipfel angelangt, war ein jähes Stürzen und Verlöschen. Das Geschlecht, aus dem Hause der Freien von Sanneck stammend, wurde 1341 zu Grafen von Cilli erhoben. Es ist reich an Romantik. Eine Tochter dieser Grafen war 1402 Königin von Polen. Unter den Cilliern kennt die Geschichte auch ein gar berüchtigtes Weib, die schöne Barbara, deren Gema! niemand Geringerer war, als Kaiser Sigismund. Aber die schöne, glänzende Frau hat es mit der ehelichen Treue nicht sonderlich genau genommen und in ihren späteren Jahren hat sie gar Himmel und Hölle geleugnet — fasten und beten sei albern, angenehm zu leben und die Freuden der Welt zu geniessen sei der Menschen einziges Ziel, denn mit dem Sterben des Leibes sei auch die Seele todt. Das waren die Grundsätze dieses einen Weibes im fünfzehnten Jahrhundert. Und sie lebte darnach -- da hat sie ihr Gemal von sich gewiesen. Ein ähnlicher Charakter mochte ihr Bruder Friedrich gewesen sein. Unter den Dienstfräulein seiner Gemahn war die Tochter eines armen, kroatischen Edelmannes — Veronika von Tesche nitz. Sie war reizend, Graf Friedrich sah, sie war schöner als seine Gattin. Und eines Morgens ist die Gräfin todt im Ehebette gefunden worden. Untersuchungsrichter, wie heute, gab es damals nicht, und Graf Friedrich vermälte sich mit der schönen Veronika. Friedrichs Vater aber war gar adelsstolz 3* und wollte nicht, dass das Blut der Cillier gemischt werde mit dem armen, unberühmten kroatischen Geschlcchte. Er Hess Veronika bei Abwesenheit ihres Gemals, den zur Zeit Kaiser Sigismund in Ungarn gefangen hielt, hart verfolgen, sie floh und irrte schutzlos in den Wäldern. Bei Pettau wurde sie von den gräflichen Spähern aufgegriffen. Der Altgraf wollte sie als Hexe verurtheilen lassen, die das Herz seines Sohnes verblendet und vergiftet habe, aber die Richter gingen nicht darauf ein, und so blieb dem Tyrannen nichts übrig, als seine Schwiegertochter selbst aus dem Leben zu schaffen. In seinem Schlosse Osterwitz, wo sie nach der Chronik lange „ungessen und un-getrunken“ lag, wurde sie im Bade erstickt. traf von Ciffi «Veronika y-UeSenitz - Derlei erzählte sich die böse Welt freilich lieber, als die vielen Verdienste, die sich die Cillier um Land und Staat erworben hatten, und wofür Friedrich von Cilli, Veronikas Gatte, gefürstet wurde. Von nun an übten die Cillier fürstliche Gewalt in ihrem Gebiete und schrieben sich „Von Gottes Gnaden“. Bald jedoch gab es Fehden zwischen den Cilliern und dem Landesfürsten und den Mächtigen von Oesterreich, Ungarn und Böhmen, bis eines Tages Ulrich von Cilli, „ein Recke mit blutunterlaufenen Augen, wollüstig und ohne Treu und Glauben, ein Heuchler und Betrüger, würdig seiner Tante, der Kaiserin Barbara“, von seinem Feinde, dem Ungarn Ladislaus Hunyady im Zweikampfe ermordet wurde. (5rctf 5rteòrtd?s Klage. 35on $ans fatile. Derlaffen, nerftofen, Dem Siedjtfjum nerfallen, (Bekannt aus ber ZTtenfdjen Belebter ©emeinfdjaft, Dem emigen £id)te ©ntjogen, entfrembet, So fd)lepp id) bie (Tage 3n Qual unb Bebränguts ! Du ©raufamer, Stoljer, Den Pater id) nenne, Z(id}t banf id] Dir ßartem, Der motjlluftergriffen Das Dafein mir fdjeufte, Um foldjem Derb erben 3m Züalpie bes ^ornes Untjeim midj ju geben ! Du raubteft bie Stuft mir, Das £id)t unb bie ^reil^eit, Die ©ott, ber (Erfd^affer, Den menfcfylidjen IDefeu 3u allen gemeinem ©enuffe gegeben ; Du raubteft bas IDeib mir, Das innig geliebte, 3n graufamer ffärte Das Baub, bas gefnüpfie, ©eroaltfam jerrei^enb ! Dod) nimmer nermagft Du, lDafymr>i|iger IDütljrid], Die Ijimmelgeborne Ullmädjtige Siebe 3m 3nnern 5U tilgen. Sic lehrte midj, ftegreid), U)as tjinberub unb Ijemmenb Befielen il?r roefyrte, 3u tilgen, 311 bannen ; Sie leitet mir bie Kräfte, Die Drangfal’ 511 bulben, Die Du mir nerfjängteft ; Sie fpreugt bie ©emäuer Unb öffnet bem ©eifte 2tus bunflem Perliefe Den IDeg in bie ^reiljeit, Sie 5eigt meinem Bliefe Die Itebenbe ©attin, Die treulid} bie ffeimfunft Des ©alten erharret ! Unb follen bie Steine, Die rings mid} umfd) liefen, Itidjt etycr fidj bredjen, 2tls flüchtig bie Seele Dem Körper entfdjminbet, — Dann foli fte mid) lehren, Die öimmelgeborue ^roljlocfenb 511 fterben ! Cilli im Jahre 1720. Von Prof. A. Gubo. Am lieblichsten Alpenwasser, von zwei heiligen Bergen umgeben, am Fusse der alten Grafenburg liegt die Burgstadt Cilli, Feste Mauern mit fünf überragenden Thürmen umschliossen sie und gewaltige Thore, deren der Thor-wartel wartet, gewähren Einlass. Reges Leben herrscht aussen und innen. Längs der altrömischen Heerstrasse bewegen sich schwere Fuhrwerke mit Salz, Eisen und Wein ; frohe Wandersburschen ziehen aus dem Deutschen ins Wälsche, und die Robudin-Dragoner, die sich vor 30 Jahren bei Szalan-kemen ausgezeichnet (jetzt 10. Dragoner-Regiment), tummeln auf schneidigen Rossen den Plan auf und ab, oder fangen verwegenes Landstreichervolk zusammen und führen es vor den Rath, der ernst und weise in Stadt und Umgebung waltet und richtet. An der Spitze steht der Stadtrichter Benedict Huster, ein ehrsamer Bäckermeister und Hausbesitzer. Im December des Vorjahres wurde der Ausschuss für dieses Jahr am Rathhause aus der Gesammtbürgerschaft gewählt ; aus ihm gieng der Rath, bestehend aus „12 Assessoren“ und aus der „Sechst“, hervor; diese erkoren den Stadtrichter. Durch die Verleihung des Acht- und Bannbriefes seitens der innerösterreichischen Regierung in Graz ist seine Amtsführung rechtskräftig. In allen Sachen der Verwaltung und Gerichtsbarkeit versammelt sich der Rath unter dem Vorsitze des Richters am Rathhause, und zwar 3'—4mal im Monate. In sehr wichtigen Sachen wird der gesammte Ausschuss einberufen. Freilich kommt es vor, dass neben dem Stadtrichter nur 3— 4 Assessoren und 1—2 von der Sechst anwesend sind ; solches behindert jedoch die Berathung nicht. Nach kurzer Darlegung des Gegenstandes erfolgt sofort der Rathschluss oder die Decisio (Entscheidung) im Sinne des Antrages. Nur Gerichtsverhandlungen, bei denen statt des Stadtrichters auch ein eigener Gerichtswalt erscheint und der Advocat Dr. Morkutti oder Friedrich von Turteltaub den Angeklagten vertreten, nehmen mehr Zeit in Anspruch. Ehren-beleidigungssachen enden in der Regel mit Vergleich, Abbitte oder Kirchenbusse. Der Stadtschreiber Reitter hat den Hergang der Sitzung zu proto-collieren. Die Rathschlüsse werden vom Stadtrichter zur Ausführung gebracht ; einmal stellen die Räthe das billige Ansuchen, „dass die placitirten Puncta und Petita vom Stadtrichter auch vollzogen werden.“ Seit dem grossen Brande vom Jahre 1692 ist die Stadt noch nicht vollständig hergestellt, daher sind die Häuser billig und leicht zu haben. So kauft der Hofrichter von Gairach ein grosses Haus um 230 Gulden ; als er es genau angesehen, findet er, dass ein Gewölbe einzustürzen drohe. Er übernimmt es nur mit Beistinnnung des Käthes unter der Bedingung, dass es 6 Jahre soldatenfrei bleibe. Ein anderes Haus wird um 150 Gulden und das „Häuserl auf der Schütt“ (Kaiser-Josef-Platz)' um 9 Gulden verkauft. Auch die Miethe ist eine sehr geringe. Der Frau Hauptmann Koller wird ein Haus um 18 Gulden, dem Med. Dr. Glowinch eines um 20 Gulden jährlich überlassen. Der Rath sorgt für Reinlichkeit und Sicherheit in Stadt und Umgebung. Er befiehlt, dass der Graben durch die Mühlgasse von den Anrainern fleissig geputzt werde, dass in der Neugasse ein jeder Besitzer vor sein Haus Hölzer lege, damit der Gehsteig practikabel werde. Auf dem Boden jedes Hauses muss ein Schaff mit Wasser sein, in den Gassen ist wegen Feuersgefahr alles überflüssige Holz zu entfernen. Gegen die Roth von aussen sollen Flinten, Säbel, Karabiner und Sprengstücke vorgesorgt werden ; übrigens trägt jeder Bürger seinen Säbel, womit zum Yerdrusse , des Rathes besonders von den Burschen manch leidiger Unfug getrieben wird. Als echte Steirer besuchen die Cillier fleissig die bürgerliche Schiessstätte, die vom Ausschüsse in Stand gehalten wird ; zur „Emporhebung des bürgerlichen Schiessens“ bewilligt der Rath 2 Gulden 15 Kreuzer. Ja. mit der Cassa steht es nicht glänzend. Die Steuern fliessen sehr spärlich ein, die Parteien müssen wiederholt aufgefordert, auch bedroht werden, bis sie endlich die Abgabe und alte Rückstände zahlen, und der Steuereinnehmer (Stadtcassierer) kommt wegen Zahlung der Stadtsteuer ans Land in Verlegenheit. Die Haussteuer beträgt vom 1. Jänner 1719 bis Ende Juni 1721 nur 24 Gulden 12 Kreuzer. Die Gewerbe blühen und werden vom Rathe wohl überwacht. Riemand darf ein selbständiges Gewerbe ausüben, der nicht das Bürgerrecht hat, und das wird vom Rathe nur Meistern, die entweder in Cilli geboren oder sich allda häuslich niederlassen und mit „authentischen christlichen Documenten“ ausweisen, verliehen. Die alten Privilegien der Bäcker, Hafner, Hufschmiede, Zinngiesser, Seilermeister, Stricker und Strumpfwirker werden geschützt gegen die „Frötter und Sterer“ und gegen Yorkäuferei. Als der Apothekergesell Ignaz Moser um Verleihung des Apotheker-Jus einkommt, wird er abgewiesen, weil in der Stadt nie mehr als zwei Apotheken gewesen. Dem bürgerlichen Orgelbauer Franz Janätschek wird über Bitte bestätigt, dass er allhier sesshaft und manche Werke zur Zufriedenheit gemacht hat, auf dass er eine grössere Arbeit in Agram übernehmen könne. i Am meisten geben dem Rathe die Fleischhacker zu schaffen. Sintemal das Fleisch immer theurer wurde, bestimmt endlich der Rath, dass das Pfund 4 / Ansicht der Stadt Cilli im Jahre 1750. nur um 10 Pfennige verkauft werden dürfe. Trotz wiederholter Eingabe und Beschwerde seitens der Zunft blieb es beim Beschlüsse. Und als Dr. Morkutti namens der Fleischbackerzunft eine scharfe Vorstellung macht, wird ihm bedeutet, „sich hiefüro keiner hitzigen Anzeig zu gebrauchen, auch nicht mehr anmassen auf den magistratlichen Decreta Notata zu machen und selbe gleichsam als Beilag beizuschliessen, wodurch die gerichtlichen Instrumenta als Scharteken geachtet werden.“ Zur Förderung des Handels wird nicht gestattet, Wein aus Krain durchzuführen, ohne ihn zu verkaufen. Laut Decretes der innerösterreichischen Landesregierung wird untersagt, Schmalz „fürzukaufen“ und ausser Land zu führen ; ebenso wird die Einfuhr des venetischen Salzes, Getreides und der Juwelen strengstens verboten. 1 Das Jahr 1718 war ein sehr gutes Weinjahr, die zwei folgenden müssen minder gewesen sein ; denn der Rath fühlt sich gezwungen, um der Theuerung vorzubeugen, zu bestimmen, dass der gute 1720ger per Mass um 3 Kreuzer, der schlechte um 2 Kreuzer ausgeschenkt werde ; der Dawiderhandelnde hat einen Ducaten Strafe zu zahlen. Im übrigen leben diese Cillier ruhig und fromm. Bei Hochzeiten und gewöhnlichen Komödien ist Musik erlaubt, dagegen sind Maskeraden und Tänze ausser Hochzeiten untersagt. Ungeziemendes Benehmen in der Kirche und auf der Gasse wird nach Gutdünken des Abtes und Erzpriesters geahndet. Die Kirchenreitungen wie auch die Spitalsangelegenheiten werden vom Rathe überwacht. Die P. P. Minoriteli und Kapuziner geniessen grosses Ansehen. Als Schulmeister waltet Thomas Rausch, ein alter Mann, der weder bei alt, noch weniger bei jung Achtung geniesst. Sein Vorgänger war Wenzel Müller, dessen Sohn Josef der „steirische Robinson“ ist. Zli t e r 5 p r u d). Güter Ktnber, Cüjfrer IPetn, Pmyberger £obn — lüatm be grotti ZHuajj mas lohn! (<£ i 11 i e r 111 u n b a r t.) 27 Zwei Schwestern. Kennt ihr die Schwestern, hold und stark, Das Antlitz hold, kernfrisch das Mark, Ihr Blick ist kühn, ihr Herz ist mild, Den Aar führt beider Wappenschild, Die gleiche Unbill rächen sie Die gleiche Sprache sprechen sie In Worten stolz und wohllautreich, Dem Rauschen ihrer Wälder gleich, Ihr Land ist beinahe nicht zu scheiden, Ein Berg gehört gar oft den beiden, Dom Falken, der zu Horste streicht, Der Fittig über Beide reicht, Ein Eichbaum mag mit seinen Zweigen Zugleich sich über Beide neigen : Es zieht durch beider Schwestern Lande Die Donau ihre schönen Bande : Ein schlankes Kind der Schwarzwaldtannen, Entsprosst dem Gau der Alamannen, Kommt sie ins Land der Bajuvaren Stolz, wie im Hochzeitzug gefahren, Bis die vollbusige Matrone Mit mancher Tochter, manchem Sohne Glückspendend durch die Ostmark zieht ! — Die beiden Schwestern preist mein Lied, Die Wotanstöchter voller Kraft, An Leib und Geist walkürenhaft ! Die beiden Schwestern, treu gesellt, Trotz bieten sie der ganzen Welt. Mit blankem Schild und scharfem Schwert, Wie sind so herrlich sie bewehrt ! Zum Frieden scheuchen sie die Drachen, Die drohend an den Grenzen wachen. Lasst jubelnd uns die Becher heben, Die beiden Schwestern sollen leben : Die Schwestern, denen keine gleich ! Hoch Deutschland und hoch Oesterreich ! Felix Dahn. 4* Zur Geschichte der Cillier Stadtpfarrkirche. So wenig geschichtlich vollgiltige Belege man für die Annahme besitzt, Maximilian, Bischof von Lorch, sei um das Jahr 280 n. Chr. hier enthauptet worden, weil er dem Gotte Mars zu opfern sich geweigert habe, so kennzeichnet diese Legende doch eine Zeit, wo der bis dahin allein herrschenden Religion der Römer bereits ein neues, die bisherigen Anschauungen und Grundsätze mit der Macht tiefgefühlter Ueberzeugung bekämpfendes Glaubensbekenntnis gegenüberstand, um mit einer jedes Hemmnis ebenso rasch als siegreich bewältigenden Kraft vorschreitend, schon wenige Jahre später in Constantin dem Grossen selbst einen eifrigen Anhänger und Verbreiter zu finden. Wenngleich die Stürme der Völkerwanderung wie der nächst späteren Zeit bis auf die spärliche Nachricht, dass anno 579 n. Chr. der Bischof von Cilli sich Johannes nannte, dass dieses Bisthum dem Patriarchate von Aquileja unterstand, jede Kunde von der Einführung und ersten Verbreitung des Christenthums in hiesiger Gegend verwischt haben, so spricht die eben berührte Nachricht allein schon dafür, dass die Religion der Liebe sehr frühe hier Eingang fand, dass ihre Verfechter mit Feuereifer bemüht waren, sie zur allein herrschenden zu gestalten. Die Thatsache, dass wir in Steiermark und Krain so auffallend viele, gerade der ältesten Kirchen auf den höchsten, ihre ganze Umgebung weithin beherrschenden Punkten erbaut sehen, mag ihre einfachste Erklärung darin finden, dass der immer kleiner werdende Theil der an dem alten, heidnischen Glauben festhaltenden Bevölkerung immer heftigere Anfechtung seiner Glaubensübung von Seite der stetig mächtiger werdenden Christenmehrheit zu dulden hatte und als endlich die 'blutigen Opfer, die heidnischen Cultusgebräuche überhaupt verboten wurden, um ungestört zu sein und jede Annäherung der Gegner rechtzeitig gewahr zu werden, seine Opferstätten auf jene, den weitesten Ausblick beherrschenden Punkte verlegte, bis auch diese von den Christen genommen und von ihren Priestern in ganz praktischer Weise der Ausübung der neuen Religionsgebräuche dadurch gewidmet wurden, dass man christliche Kirchen daselbst erbaute. Die Schwierigkeit der Beschaffung der Baumaterialien auf solche Höhen beseitigte man dadurch, dass die unentgeltliche, opferwillige Herbeischaffung alles zum Baue Nöthigcn als ein besonders gottgefälliges Werk bezeichnet wurde. Gewann hiedurch die Ausführung kirchlicher Bauten wesentliche Unterstützung, so förderte man den Zweck auch dadurch, dass man das Material der Mauerwerke der heidnischen Opferstätten zu den Fundamenten verwendete. Mit dein Anwachsen der Wohnorte und ihrer Einwohnerzahl sehen wir das Fortschreiten kirchlicher Kunst quantitativ wde qualitativ Hand in Hand gehen in Bauten, welche neben dem Streben, Kunstvolles, Erhabenes zu schaffen, den Zweck der Widerstandsfähigkeit, der Festigkeit, der Wehrhaftigkeit deutlich ausgeprägt zeigen, indem die Kirche und deren nächste Umgebung, der Friedhof, in Zeiten der Kriegsgefahr immer als die Stätte galt, wo im Falle äusserster Bedrängnis Schutz für Person und Eigenthum gesucht, wo auf geweihter Heimatstätte mit dem Muthe der Verzweiflung der entscheidende, letzte Kampf gekämpft wurde. Dafür sprechen heute noch die Schiessscharten an den Aussenmauern, ebenso jene aus dem Kirchendache oft, und zwar immer senkrecht übeider Thüre oder den Fenstern weit vorspringenden Giebel, die sogenannten „Pechnasen“, welche dazu dienten, den Feind, sobald er unterhalb eindringen wollte, von oben aus mit siedendem Pech zu begrüssen. Der Stil unserer Kirchen bauten war anfangs durchw'egs nur der romanische, doch prägt sich verhältnismässig frühe der Uebergang zum gothischen aus, in welchem er endlich aufgeht. Wir irren daher nicht, Grabstein des Bischofs Hermann v. Freisinnen ; Sohns Hermanns If. von Cilli. wrenn wir, diese Wandlung zu Grunde legend, auf das Alter dieser oder jener unserer Kirchen schliessen. Deutlich zeigt den eben berührten Uebergang die Kirche zu Spitalitsch bei Saiz-Kloster*), während mit der Klosterkirche zu Saiz selbst, deren in keiner Weise zu entschuldigender Untergang für ewige Zeiten ein kohlrabenschwarzer Punkt in der Geschichte unserer Zeit für diese Gegend bleibt, eine der schönsten Zierden gothischer Baukunst zu Grunde ging. — Die Reste der einst blühenden Römerstadt Celeja, welche zur selben Zeit mit Petovium, U (bei Pettau), Flavium Solvcnse (bei Wagna), i/ Virunum (am Zollfelde) d. i. um das Ende des 5. Jahrhunderts n. Chr. durch Brand und Zerstörung zu Grunde ging, wurden durch Hochwässer der Sann einerseits, der Vogleina andererseits nach und nach mit fruchtbarem Schlamme mehr als einen Meter hoch bedeckt und die durch den Zusammenfluss beider Gewässer bevorzugte Stätte bot durch junge, üppige Humusbildung einen wünschenswerten Ort für neue Besiedelung. Doch vermochte diese bis zum 15. Jahrhundert keine namhafte Entfaltung zu gewinnen, und um das Jahr 1451, wo dieser Ort endlich durch Friedrich Grafen Vili. 110: Wandnische der Capelle der Grafen von Cilli. Epiatelseite. von Cilli Stadtrechte erhielt, sagt die Cillier Chronik *) Siehe „Der Kirchenschmuek“, Blätter des christlichen Kunstvereins der Diöceae Seckau 1872. „1450 haben die von Cilli umb die Stadt ein neues Gemäuer angefangen, die vor nit umbgemauert, sondern nur mit einem Zaun und Graben eingefangen war.“ So wie man anzunehmen berechtigt ist, dass das Christenthum sehr frühe hier Eingang und Verbreitung fand, die hiesige Christengemeinde sehr frühe bereits ihre eigene Kirche besass, können wir für diese nur den romanischen Baustil in Anspruch nehmen ; wir können mit Wahrscheinlichkeit annehmen, dass solche an der Stelle der heutigen Pfarrkirche St. Daniel stand und nach und nach im Verhältnisse der Zunahme der Bevölkerung des Marktes Cilli, welche mit dem Erblühen des Geschlechtes der Grafen von Cilli zusammenfallt, das Bedürfnis nach Erweiterung des Gotteshauses erwuchs. Diese Ansicht ist es, welche die ausgezeichnete, fachgerechte Abhandlung : Die Pfarrkirche zu Cilli, aufgenommen von Sunko, beschrieben von Johann Graus*) vertritt und in nachstehenden Zeilen im Auszuge Raum findet : An der längst bestandenen Kirche, deren Alter wir mindestens in das 12. Jahrhundert rück-Wandnische der Capelle der Grafen von Cilli. versetzen müssen, sind Evangeliumseite. von dem 14. Jahrhundert an durchgreifende Aenderungen vorgegangen und wenn das „Strassburger Visi-tationsprotocoll“ von 1545 bemerkt : „Fundator der Khirchen (N. Daniel) ist Graff Hoermann von Cilli* (Hermann I. starb 1385), so betrifft dies den Hauptumbau dieser Kirche und als ein Theil dieser Neuerung ist die *) Siehe Mittheilungen der k. k. Centralcommission für Kunst- und historische Denkmale XIII, Nr. 7. schöne Capelle an der Nordseite, bekannt unter dem Namen „Capelle der Grafen von Cilli“, auch „Siebenschmerzen-Capelle“, anzusehen. Aus der Bauperiode des romanischen Stiles erübrigt heute nur noch das Mittelschiff, alles Uebrige ist Resultat späterer wiederholter Zubaue, welche weder Berücksichtigung des ursprünglich Vorhandenen, noch unter sich Festhalten an einem einheitlichen Gedanken zeigen. E i n Punkt nur vermag die Verstimmung über derartiges V orgehen zu beschwichtigen und dies ist die eben genannte Capelle. Bern nördlichen Seitenschiffe vorgelegt, ist dieselbe erfreulich und lehrreich zugleich, was die Go-thik auch bei uns wollte und konnte, sobald sie, von den Fesseln einer älteren Baulast befreit, ihre eigenen Wege gehen konnte. Ein eigenthüm-liches, höchst wirksames Ziermotiv sind die Heiligen-Balda-chine, die mit ihren Nischen und Conso-len die Wände beleben und auch die architektonische Gliederung der Ca- Der Hochaltar der Pfarrkirche St. Daniel. pcllß Il6b6n (Nach einer Aufnahme von Johann Graus.) Ein hervorragender Schmuck sind die zwei breiten Wandnischen rechts und links vom Altare jede prächtig in einer fünftheiligen Gliederung geschaffen, an der die Krönung mit Giebeln, Thürmchen, Masswerk und Laubwerk köstlich durchgebildet ist. Die Nische auf der Epistel-Seite (siehe Abbildung) hat eine Bank unter sich ; ist also eine Session gleich der schönen Nischenbank H. Oelgefässe von Cilli und Tüffer. Auf die Ausstattung dev Kirche wenig zu bemerken. Darunter ist wohl in erster Linie zu nennen das prächtige Marmorwerk des Hochaltares, Mensa und Tabernakel (Siehe Abbildung) nach einer darin ersichtlichen Inschrift von 1743. Letzterer ist für die Geschichte des Tabernakel-Baues wegen seiner offenen grossen Expositions-Nische in Tempelform von Belang und von einer auffallenden Verwandtschaft mit den noch reicheren offenbar italienischen Werken in den Jesuiten-Kirchen zu Laibach und Triest. Eine grosse Menge von Grabdenkmalen, innen und aussen an den Kirchenwänden aufgestellt, erinnern an so manche Persönlichkeiten, welche zur Stadt einst in Beziehung waren. Da ist der gothi-sche Grabstein des Bischofes Hermann v. Freisingen, eines Sohnes Graf Hermann II. von Cilli, f 1421 (siehe Abbildung), ferner einer Frau Susanna von Auersperg, Gattin des Burghauptmannes Andre Hohenbarter von Cilli, im Dome zu Marburg, zuMaria-Neu-stift, zu Oberwölz u. s. w. Jene an der Evangelienseite (siehe Abbildung) ist als Schrank ausgeführt, steht dort, wo sonst die schrankartigen Wand - Tabernakel des Mittelalters zu finden sind und mag wohl zu einem ähnlichen Zwecke, zur Bewahrung der Keliquiarien, der für das heil. Opfer nöthigen Gefässe und Geräthe gedient haben. Heber dem Altäre in einem spät-gothischen (zum Theile modernisir-ten) Astwerkgehäuse sehen wir noch eine Pietà aus dem 14. Jahrhundert. selbst übergehend, haben wir nur sehr H. Oelgefäss für Gratwein. f 1486. Dem erstgenannten Steine steht am Eingänge zum Hochchore gegenüber Andre Hohenwarts Epitaph, darauf genannt „obrister erbdruchsess in krain und Hauptmann auf ober cilli“, f 1503. So viel im engsten Kähmen über diesen ehrwürdigen Bau, der, wenigstens in seinem Kerne, auf ein sehr hohes Alter Anspruch erhebt, in seiner „Siebenschmerzen-Capelle“ aber ein Schmuckstück gothischer Kunst auf uns vererbt hat. Hoffen wir, dass Christenliebe und Kunstsinn stilgerechte Restaurirung in allen noch thunlichen Richtungen recht bald zur Tbat werden lassen ! Bergrath Riedl. Grabspruch für Frau Baumbach. Von Job. Gabriel Seidl. Hier schlummert eine Frau — was sie gewesen, Weiss, wer sie kannte, wer von ihr gehört, Fromm, einfach, wahr, zur Wohlthat auserlesen, In reger Rührigkeit durch nichts gestört. Mit wandellos getreuer Liebe dachte An die Vorausgegangenen sie zurück ; Als Mutter, Gross- und Uigrossmutter wachte Sie sorgsam über ihrer Theuren Glück. Und so hat auch Gott, was Wenigen beschieden, Des Lebens fernstes Ziel ihr vorgesteckt. So schlummre sie denn jetzt in sanftem Frieden, Bis einst der Herr sie zur Vergeltung weckt! Für all das, was sie liebend, lindernd, labend Aus reiner Menschenliebe mild bescheert, Hat noch in ihres Lebens spätem Abend Sogar des Kaisers Gnade sie geehrt. Aus der Chronik des Gymnasiums in Cilli. Löbliche Direction ! Geehrter Lehrkörper ! Das durch meinen verehrten alten Freund und Collegen Director Josef Premru zu meinem 70. Geburtstage mir zugesendete Beglückwünschungs-Telegramm hat mir die reinste, innigste Freude bereitet. Wenn ich erwäge, zu welcher Bedeutung sich das zu meiner Zeit kleine, bescheidene Cillier Gymnasium, an dem ich durch 11 Va Jahre mit Lust und Liebe gelehrt habe, in wenigen Lustren emporgeschwungen hat, und ich mich an dieser Anstalt noch immer nicht vergessen sehe, so kann mich dies nur mit gerechtem Stolz erfüllen . . . Wien, am 1. Juli 1874. Johann Gabriel Seidl, emerit. Professor des k. k. Gymnasiums in Cilli, k. k. Hofrath. (Mitgetheilt von Peter Končnik, k. k. Schulrath.) An der Seidl-Quelle. (Sonett aus dem Nachlasse von Otto Lang.) Willkommen mir, du traulich ernste Stelle, Zur Ruh und Labung allen AVegemüden! Ja, hier umweht mich süsser Waldesfrieden Und sanfte Melodien rauscht die Quelle. 0 könntest du wohl bessre Labsal bieten ? — Des lieben Sängers Bild taucht aus der Welle Verrauschter Tage auf so freundlich helle Und ringsherum entspriessen Sangesblüten. Und mächtig tönen aus dem sanften Rauschen Des Dichters Grüsse an die Sannstadt wieder. — Entzückt will hier ich deinen Klängen lauschen : Erquickungsvoll strömt’ auch dein Quell der Lieder Und Segen spendend; denn zum Herzen fliehen Der Quelle und des Liedes Harmonien. Anmerkung. An der Seidl-Quelle ist ein Veralein von Johann Gabriel Seidl ge-meisselt, in das der Dichter die Namen zweier Freunde (Rauscher und Stromer) oingeHochten hat. Das obige Sonett nimmt auf dieses Verslein Bezug. Cilli in seinen Beziehungen zur Literatur. Wenige kleine Städte dürfte es geben, über die mehr geschrieben worden, wenige vielleicht aber auch, über die man Rühmlicheres und Besseres hat berichten können, als Cilli. Da hat schon vor 1800 Jahren Plinius (IIT, 146) den schönen Namen dieser Stadt der Nachwelt nicht vorenthalten zu dürfen geglaubt, und mit Recht ; denn Celej a war die Hauptstadt Noricums, und Plinius ein hoher Beamter. Vielleicht wäre er gerne Statthalter in Noricum geworden ! Es sind auch schon in jener Zeit ausgezeichnete Männer aus Cilli hervorgegangen, z. B. Titus Varius Clemens, der mehrere der ersten Provinzen des römischen Reiches verwaltet, und von dessen segensreicher Thätigkeit noch heute acht erhaltene Denkmäler sprechen. Unter anderem hat dieser berühmte Mann — ein Cillier — in Afrika (!) eine Wasserleitung gebaut; wann wird unter unseren Stadtvätern ein Titus Varius erstehen ? Celejas Herrlichkeit wurde von der Völkerwanderung verschlungen, aber das Gedächtnis an den erloschenen Glanz ist geblieben, und dem Mittel-alter erschien das alte Celeja als eine Stadt von Marmorpalästen, Säulenhallen und prächtigen Tempeln und berühmt durch die Tugenden und den Gemeinsinn seiner ausgezeichneten Bürger. Die alte Römerstadt und ihre Denkmäler fanden natürlich mannigfache literarische Bearbeitung. Man vergleiche Kn a bl: Die Procuratores Augusti, A r n e t h : Die neuesten archäologischen Funde in Cilli, Schio ss ar: Die alte Römerstadt Cilli, Pichler: Ein neues Römerdenkmal in Cilli und den Aufsatz : Die Römerzeit (in dem Werke : Die österreichisch-ungarische Monarchie in W ort und Bild, Steiermark), Kenner: Die Militärstadt Celeja und : Römische Grabsteine aus Carnuntum und Celeja. Für das Verständnis der in unserem Local-Museum niedergelegten römischen Eunde, die, nebenbei gesagt, nicht so wertlos sein können, da selbst ein Mommsen zu deren Beurtheilung in unserer Stadt geweilt, haben C o n z e s Schrift über den „Norischen Krieger“ und Schneiders Abhandlung: „Ueber die bacchische Maske“ besondere Bedeutung. Und der beste Kenner derselben, Bergrath Riedl, hat durch zahlreiche Aufsätze einen grösseren Kreis für dieselben zu interessieren verstanden. Auch das bedeutendste Bauwerk, das im Mittelalter in Cilli erstanden, seine Pfarrkirche, hat in S u n k o (einem Cillier) einen tüchtigen Zeichner und in Graus einen gelehrten Beschreiber gefunden. Suppantschitsch und Kumar (in seinem Almanach) haben die uralte Maximiliankirche in Cilli und die mit derselben verknüpfte Sage behandelt. Weit über hundert Jahre war Cilli der Sitz eines der mächtigsten Adolsgeschlechter des deutschen Reiches, eines Geschlechtes, das die Blätter der Geschichte mit seinem Ruhm erfüllte und einer grossen Zahl von Historikern und Chronisten Stoff für ihre Erzählungen lieferte. Wer wissen will, wie viel diese zu berichten hatten, der sehe sich einmal an, was unser ausgezeichneter Historiker K r o n e s , der die Geschichte der Cillier Grafen der historischen Forschung erschlossen, in der Abhandlung : Die zeitgenössischen Quellen zur Geschichte der Grafen von Cilli etc. in den Beiträgen zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen, 8. Jahrgang, zusammengestellt. Die interessanten Daten, die in diesen alten Schriften niedergelegt sind, haben Forscher der Jetztzeit zu eingehenderen Darstellungen einzelner Perioden der Geschichte Cillis angeregt. Der erwähnte Gelehrte hat in zahlreichen Aufsätzen, z. B. Graf Hermann II. von Cilli, Veronica von Teschenitz u. s. w., das gesammelte Material in fesselnder Weise verarbeitet ; Tangi, Schlossar, J. G. Seidl, Puff, Hormayr, Supan, Reissenberger, Stein haben wertvolle Beiträge in historischer, geographischer und ethnographischer Beziehung geliefert (vgl. Schlossar : Die Literatur der Steiermark), O r o ž e n’s slovenische Chronik ist als Gescbiehtsquelle von Bedeutung, und Gubo hat in drei aufeinander folgenden Programmen des Cillier k. k. Obergymnasiums die Geschichte des Grafen Friedrich II. erschöpfend behandelt. Nicht nur des Historikers Interesse erregten die alten Cillier Grafen. Wenn auf Glück und Glanz jähes Verderben und Untergang folgt, wenn nicht allein des Glückes immer rollendes Rad, sondern auch eigenes Verschulden daran mitgewirkt, dann tritt der tragische Dichter in seine Rechte und malt uns ein unvergänglich Bild von der Menschheit Glück und Leid. So fand auch der edlen Cillier Grafen Fall dramatische Bearbeitung in K a 1 c h b e r g s und B o m b e 1 1 e s’ Tragödien : Die Grafen von Cilli. Frank machte die Geschichte der Cillier Grafen zum Vorwurfe eines historischen Romanes. Eben jetzt arbeitet der Wiener Romanschriftsteller Richard March an einem ähnlichen Werke. Und die Lyrik ? Sollte es in der schönen Sannstadt, in der manch hart gesottener Junggeselle unzählige Meineide für den Fortbestand seines Cölibats geschworen, — und es gibt noch immer manchen Saulus — die über eine Umgebung verfügt, die jedes Menschenherz erfreut, und über einen Wein in den unterschiedlichen Kellern, der auch einem Pädagogen die Zunge löst für Dinge, die nicht nothwendig in der Grammatik stehen müssen, sollte es in Cilli keine Lyriker gegeben haben und noch geben ? Johann Gabriel Seidl hat 11 Jahre seines Lebens als Lehrer am Gymnasium in Cilli ge- glänzt ; seine herrlichen Dichtungen Bi Folien sind hier entstanden, und wie viele innige Gedichte lassen vermuthen, dass die Veranlassung dazu nicht weit von dem Dichter habe gesucht werden müssen ! Dass noch heute die poetische Ader in Cilli nicht vertrocknet ist, beweisen die Samen Wilhelm du Nord, Julius Syrutschek, Alexander Sturm, Franz Tiefenbacher. Sollte so mancher Name hier nicht verzeichnet sein, so bitten wir um Entschuldigung; wir versprechen dafür, dass wir uns in Hinkunft genauer erkundigen werden. Dass hier auch mancher weibliche Lyriker angeführt werden könnte, wissen wir ganz gut; doch das bleibt Geheimnis. Einen Dichter von bedeutender Begabung dürfen wir nicht vergessen; es ist dies Hans Falke. Wenn auch kein Cillier von Geburt und Abstammung, so ist doch feststehend, dass er sein poetisches Talent, und wir sagen das mit geziemender Hochachtung, hier entwickelte, und dass ein guter Theil seines innigen Empfindens in unserer Stadt Grund und Wurzel hat. Mehr aber als in Versen wurde die Schönheit Cillis, seiner engeren und weiteren Umgebung in Prosa gepriesen. Wir erwähnen Ilwof in: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Noés, Frisch aufs Glantschniggs und Hoisels hieher gehörige Schriften. Wie ehrenvoll erwähnt auch P. K. Rosegger in dem Prachtwerke: Steiermark und Kärnten und in seinem Buche Am Wanderstabe (Wien, Hartleben) unserer Stadt! Vielen geborenen Cilliern aber wurde erst durch Knittls geistreiches und humorvolles Buch Cilli ein richtiges Lichtlein aufgesteckt über die historische, nationale und wirtschaftliche Bedeutung ihres Geburtsortes und über die prächtigen Berge, in denen es eingebettet. Mit welcher Liebe die Cillier an ihrer Stadt hängen, bezeugt eine eben erschienene Chronik des letzten Vierteljahrhunderts von Fürstbauer, und wie sie es verstehen, sie und ihre Umgebung auch für Fremde anziehend zu machen, beweist eine Reihe von Führern und Plänen von Cilli und Umgebung — wir verweisen auf Baron Thalherr’s Führer von Cilli (1875) und auf den im Jahre 1886 von Fritz Wehrhan gezeichneten Plan von Cilli und Umgebung und eine grosse Zahl von Aufsätzen in den Zeitungen für Alpenkunde und Berichten in den Tagesblättern und unterschiedlichen Kalendern. Aeltere Arbeiten dieser Art sind : Kinderman n, der südliche Theil von Untersteier = mark oder der Cillier Kreis (1793), Galls und Kaisers Specialkarten des Cillier Kreises. Auch die Wissenschaft fand in Cilli stets eifrige Pflege. Gutenbergs schwarze Kunst wurde in unserer Stadt jedenfalls schon vor hundert Jahren geübt. Vor uns liegt ein Buch, gedruckt 1792 in Cilli, betitelt: Kritische Untersuchungen über die Ursache und Wirkung des Lächerlichen von Keppler — muss ein gelehrter Mann gewesen sein, denn auf dem Titelblatte finden wir das Horaz’sche : si quid superest agendum abgedruckt — und seit jener Zeit haben die Cillier nie aufgehört, sich mit Druckerschwärze abzugeben. Eine Reihe von Programmen, seit den fünfziger Jahren, des hiesigen Oher-gymnasiums liefert Beiträge für alle Zweige des Wissens. Der Philosoph Lindner, der Botaniker Leitgeb, der Naturhistoriker Krašan, die längere Zeit als Gymnasiallehrer in unserer Stadt gewirkt, Professor Heinriche r, ein Cillier, haben sich berühmte Namen als selbständige Forscher erworben. Als kirchlicher Schriftsteller ist Fürstbischof Stepischnegg von Bedeutung, die juridische Wissenschaft hat in Dr. Gertscher einen namhaften Vertreter. Auf dem Gebiete der Schulbücherliteratur war Schulrath Končnik erfolgreich thätig, die Medicin und die ritterliche Waidmannskunst finden durch Dr. Hoisel liebevolle Pflege. Eine gemeinverständliche, wertvolle Geschichte Cillis findet sich in Knittls: Cultur und Landschaftsbilder Steier- marks und Kärntens. Der Cillier Oblak gilt für einen bedeutenden Slavisten, und Gopčevič, ein genauer Kenner der südslavischen Geschichte, lebt gegenwärtig in Cillis gastlichen Mauern. Ferner hat die Kriegs Wissenschaft, deren Kenntnis auf Cillis vielumstrittenem Boden durchaus nicht überflüssig ist, in dem in unserer Stadt lebenden General Kill ich es erst jüngst einen Vertreter gefunden, mit dem selbst die hohen Herrn des Generalstabes und die Delegationen rechnen müssen. Einen eigenen Abschnitt aber würde der schon als Lyriker erwähnte Hauptmann du Nord verdienen, der seit Jahren erblindet ist. Sein schöner, von weissem Bart und Haar umrahmter Kopf, der durch die blauen Augengläser kaum entstellt wird, ist wohl schon jedem Cillier aufgefallen, wenn du Nord an der Seite seiner Gattin festen Schrittes und erhobenen Hauptes durch die Strassen geht. Je weniger sein leibliches Auge sicht, desto mehr scheint sein geistiges Auge zu erschauen. Von selbständigen Werken hat du Nord veröffentlicht: einen Band ^historischer Wiener Erzählungen“ (Prohaska, Teschen) eine Biographie des Admirals Tegetthoff (Dieter, Salzburg), einen Abriss der Geschichte von Bosnien und der Herzegovina (Verlag des wissenschaftlichen Vereines) und mehrere Flugschriften. Zahlreich sind seine in deutschen und französischen Blättern zerstreuten Aufsätze politischen, geschichtlichen und militärischen Inhalts. Von den dichterischen Arbeiten du Nord’s hat die im Versmass des Originals durchgeführte Uebersetzung von Macaulay’s altrömischen Heldengesängen unbedingt bleibenden Wert. Ein anderer Offizier im Ruhestand, Major Pokorn y, der seit Jahren in Cilli lebt, hat Reise-Erinnerungen in der Deutschen Wacht veröffentlicht. Und die Deutsche Wacht selbst, die seit 17 Jahren in Cilli erscheint, ist sie nicht auch ein Stück Literatur, berufen für Wahrheit und Recht einzustehen und das Ihre beizutragen, dass die Liebe zum deutschen Volks- und Schriftthum, wie in vergangenen Zeiten, in uns fortlebe und sich fortvererbe auf die, die nach uns sein werden? Dass unsere Cillier Zeitung nicht nur eine politische, sondern auch eine nicht zu unterschätzende literarische Bedeutung hat, mag die Thatsache beweisen, dass frühere Schriftleiter gegenwärtig grossen und geachteten Blättern angehören. So tratBesozzi dem Grazer Tagblatt, Ehrlich der Tagespost und Qünzel der Münchener Allgemeinen Zeitung bei. Man sieht also, dass, kurze Uebergangszeiten abgerechnet, von jeher tüchtige und angesehene Schriftsteller die Deutsche Wacht geleitet haben. M. Kurz. An die Deutsche Wacht. Im Anfang war das Wort und ward zur That Und hat im Sturm das Licht aus sich geboren, Drum streut im deutschen freien“ Wort die Saat, Die Eintracht aus, die Ihr Euch zugeschworen, Denn aus dem Worte quillt die Lebenskraft, Die ihren Beif um dieses All geschlungen, Sein Wetterstrahl entflammt die Leidenschaft Zu jenen Bränden, die die Welt bezwungen. Drum lasset Euer Wort wie Sturmeswehn, Erbrausen durch das Land von Süd bis Korden Und nicht zum erstenmal wird es geschehn, Dass ein beredtes Wort zur That geworden. B. Standbild der Styria auf der Franz Karls-Brücke in Graz (gegen Süden gewendet). Von Hans Brandstetter. Altes Cillier Theater. Es giebt Orte, die der liebe Hergott in ausnehmend rosiger Laune geschaffen zu haben scheint ; Orte, deren Umgebung meist der Grossartigkeit des Ausblicks entbehrt, doch so viel des Angenehmen, Lieblichen bietet, dass auch der Fremdling rasch diesen Fleck Erde liebgewinnt und freudig zu seinem neuen, bleibenden Heim wählt; dass schon dessen Kinder in jenem gemeinnützigen Streben, das Cultur und Fortschritt begleitet, opferwillig mit den Erbgesessenen wetteifern ! Und mit der unaufhaltsamen Entwicklung geistiger wie körperlicher Kraft sehen wir gerade in solchen aufblühenden Orten am frühesten so manche schöne Kunst im Dienste der Wohlthätigkeit geübt und dauernd gepflegt ! In weitem Umkreise mag man ein Städtchen suchen, das wie Cilli im Jahre 1822 einen Verein besass, der am 1. September jeden Jahres einen warmen Aufruf an Herren wie Frauen zur thätigen Mitwirkung an Liebhaber-Theatervorstellungen ergehen Hess, die mindestens von 14 zu 14 Tagen vom Herbste bis zum Frühjahr gegeben wurden, an denen sich thatsächlich alle Stände, an denen sich in aufopferndster Weise Jung und Alt betheiligte, und die, wie der im Localmuseum erliegende, alle diesbezüglichen Schriftstücke umfassende Fascikel zeigt, ihren ganzen Reinertrag dem Armenfonde widmeten. Wenn die Rechnungen der Armencasse „danknehmigst Empfänge“ bis zu dem für jene Zeit sehr nahmhaften Betrage von 1470 Gulden aus diesem Unternehmen bestätigen, so liegt die Erklärung für derartigen Erfolg wieder nur in der allseitigen Unterstützung und einer so thätigen Mitwirkung, dass wir im Verlaufe der Jahre neben einer langen Reihe hier lebender Beamten, Professoren (wie lange Zeit hindurch als einen der allerthätigsten Joh. Gabriel Seidl) die weitaus grösste Zahl der Grossväter und Väter, der Grossmütter und Mütter der heutigen Generation in einer oder der andern Weise mitwirkend finden. Neben diesem Vereine, an dessen Spitze Jahrzehnte hindurch der Stadtkämmerer Joh. Bapt. Jeretin (später dessen Sohn Eduard bis 1881) stand, ja Hand in Hand mit demselben gehend, wirkt hier und zwar bis zum Anfänge der fünfziger Jahre ein Musikverein, und die zu Gunsten der Armenpflege erzielten Erfolge sind unzweifelhaft dem gemeinsamen, einheitlichen Streben beider Vereine zu danken. šHilterfdMtfptel lifi-uirnn 9Jlit l)d(;cr S5eroU[tgung rviiib Sciite Eamftag ben 1«» $ftar'6 1817 »en 6« in ©tencmiant ynliltSictfn ©tfioufpittfc = (Sefclifc^aft unii» te» Beitmig tel 3 of ein dfnfiMei am ^upe 6rt Ulven = 5)ciiitic5, fehl ©o&ti 5 = 5 = ^ Kitler Guno non * s e 8 GKbelb f feine Got&fcr = s # ' = Cutter (Sertraub, t^re (jeroefenc itmme = « ©rof ^ugo von SBerbeubcrg = = : = ©uibo, ein Stnabe : '5 * 5 = ©rdftn gHat^ilbe von 25urgunb ss: Killer toai^er von, SSlonup 58 runo = < ; s s = » SDÌeifier Siencbijr ein $a^binbcr =5:5 I Kifloä fein fie^rbube isst. Gin SÖiibcfrtn 5 ' „ z - - Gin .Ocbfnbdubffr, ürobanfen, $8o(f. ^err $8fcf. £err Sralfcp. b. j. f)rrr ©lein. 9)?aiam Sitrmaper S!Riibam$re9fuioer. ^etr SÖlumt. 3obanno Saforlutt. 9Rabam Sraif*. 3»fepb Sratf4. ^err ^rrpfingcr. 3ofrp() Sralfif). Slugufl ^rebfnigcr. Kofalia 58raifcb. gjfabam ©ilimaper, reirb in obiger KoOc (ìcb begen< 311 empfehlen futpen. greife Der gMd^e: (Et|iet */ù64/ foé/f **-*• « ^^^=+=F^==±r=fT=^iz mI ! 1/ v T č&aJOl<rH Čj?rf-*tS^*craAl' 3 51 ~£ l/ r- r i 3 -^F T=f ^l; Die Steira san Justi, Kreuzlusti und frisch, Steckn d’ Sunti af a Gabi Wia an bachonon Fisch. Es beschwindeln und überlisten, Wenn just Gelegenheit lacht, Die Juden dich und auch die Christen In ähnlicher Niedertracht. Wer ka Dirndl kriagt, Dös is a arma Schippe! Wer ka Dirndl mag, Dös is a Batzenlippel ! Hans F r a u n g r u b e r. Drum willst du gedeihen und gelten, Sei überall auf der Hut, Ob in dieser besten der Welten Der Andere Christ oder Jud. Hans v. H o p f e n. Wenn ich sterbe, sprach Columbus, Bitter lächelnd auf dem Siechbett, Und zum Westen hingewendet ; Lasst mit mir in meinem Sarge Auch die Ketten mitbegraben, Die ich dafür tragen musste, Dass ich gegen Aller Glauben Eine neue Welt entdeckte, Eine vorher unbekannte, Und Castiliens Herrscherpaare, Wie ich es gelobt von Anfang, Zum Besitz sie hingegeben ! Andren Lohns hab ich entbehrt. Martin Greif. Ein deutscher Schuster, der gutes Leder nimmt und solid arbeitet, leistet mehr für das Deutschthum als hundert Commersredner. Michel Knittl. Wer schaut nicht gern auf grünem Blatt Ein funkelnd Tröpflein Th au Ihm gleichet unsre liebe Stadt In Südmarks grüner Au. Die Becher hoch ! Die Herzen weit ! Gott schütze Cilli allezeit! A. S. Z. v. M. Der Mann sei stolz auf alle Misserfolge, die er durch Selbsterniedrigung hätte vermeiden können. Gerhard Bamberg. Ist von Jahren und herben Geschicken das Haupt uns gebeuget, Finden wir nirgend den Trost, den unsre Seele ersehnt Trägt noch die Kunst uns empor über alle irdischen Leiden ! Sie nur, die hohe, verklärt zu Lächeln die schmerzlichen Thränen. Louisabeth K ö c k e 1. Ich grüsse dich Stadt im Th ale der Sann Sei immerdar treu gesinnt! Im Geiste stets ein eiserner Mann, Im Herzen bleibe ein Kind. Franz W o 1 f f. Bibamus! Die Luft ist lau, die Sonne glüht Koch einmal hell im Sinken Frisch auf, ihr Freunde, schnell ein Lied Und lasst uns trinken, trinken ! Seht doch den frommen Heiligenschein Um unsre Häupter blinken ! Der Propfen springt — es strömt der Wein, Lasst singen uns und trinken ! Komm her, komm her, mein schönes Kind, Nimm Platz an meiner Linken, — Der Lenz verrauscht, die Zeit verrinnt, Lass küssen uns und trinken ! Mag immerhin die Wissenschaft Sich noch so weise dünken : Die Wahrheit perlt im Rebensaft, Drum, Brüder, lasst uns trinken ! Und ruft der Tod : Jetzt ists genug, Ihr nimmersatten Zecher ! Dann, Freunde, schnell noch einen Zug ; In Trümmer dann die Becher ! C. v. Petrovitsch. Ehrenbürger Neckermann. Der Gemeinderath von Cilli hat in seiner Sitzung vom 16. September 1892 den Bürgermeister Dr. Neckermann zum Ehrenbürger ernannt. Die Nachricht davon hat nirgends überrascht und überall Freude geweckt, wo deutsche Männer geliebt und geachtet sind. Denn ein deutscher Mann in des Wortes schönster, edelster Bedeutung ist unser Bürgermeister. Klar, wie Krystall ist seine Seele ; lauter, wie Gold ist sein Wesen. Die Stürme der Jugend haben in seinem Innern ausgetobt, eine abgeklärte Ruhe beherrscht sein ganzes Sein. Aber wenn die kraftvolle Gestalt sich erhebt und der beredte Mund sich öffnet, da leuchtet noch edle Begeisterung aus dem Auge, dessen Glanz uns lehrt, dass die Ideale im Herzen dieses Mannes nicht erstorben sind ; sie lodern nicht mehr, aber sie glühen noch. Eine durchaus harmonische Natur, flieht Neckermann auch nicht die Genien des Humors, und er kann sich nach des Tages Mühen im Freundeskreise harmlos vergnügen. Ein gut Gewissen und das Bewusstsein treu erfüllter Pflicht sind ja die besten Bedingungen der wahren Heiterkeit. Ein tüchtiger Arzt, hat Dr. Neckermann seine Thätigkeit sosehr in den Dienst der Allgemeinheit gestellt, dass ihm die Ausbeutung seines Wissens die Umsetzung seiner Fälligkeiten in klingende Münze nur nebensächlich schien. Ein Theil des Dankes für diese seltene Uneigennützigkeit gebührt wohl auch der Gattin des Gefeierten. Das Schicksal hat diesem wackeren Mann eine wackere Frau gegeben. Ihrer Anspruchslosigkeit ist es sicherlich mit zu verdanken, dass der Bürgermeister nicht sosehr auf Gelderwerb zu achten braucht. Ihr Gemeinsinn und ihre Liebe zum Deutschthum haben sie davor bewahrt, dem Gatten das aufopferungsvolle Wirken zum Vorwurf zu machen. Sie darf einen Theil der Ehre, die unserm Bürgermeister zutheil geworden ist, füglich für sich in Anspruch nehmen. Unsere Stadt feiert den 25jährigen Bestand ihrer selbständigen Satzungen. Würdiger konnte diese Feier nicht eingeleitet werden, als durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes an unsern Bürgermeister Dr. Neckermann. . Aus der schönen Rede, die Josef Rakusch in der denkwürdigen Ge-meinderaths-Sitzung vom 16. September gehalten hat, theilen wir folgende Sätze mit : 8 Aus do v Urkunde für Ehrenbürger Neckermann. Zeichnung von A. Kasimir. Vierfache Vorzüge zeichnen diesen Mann vor Allem aus : reiches, tiefes Wissen, politischer Muth, fleckenloser Charakter und Liebe zur Vaterstadt. Leuchten der Wissenschaft wie Hyrtl, Rokitansky, Oppolzer haben Bildnis dos Bürgermeisters Dr. Neckermann. ihm ihre grossen Anschauungen ins Herz gepflanzt und denen ist er treu geblieben bis heute. Er hat die Cillier gelehrt, welche Bedeutung Luft, Reinlichkeit und Ordnung besitzen. Was der Arzt Neckermann als richtig erkannte, hat der Bürgermeister Neckermann durchgeführt. Er hat sanitäre 8* Gesetze geschaffen, durch die das einst enge, finstere und arme Städtchen gesunder, heiterer und schöner geworden ist. Wer sich lieute in Wald und Hain ergeht, wer im Sannstrom Labung findet, wer sich an unseren Bergen ergötzt schuldet auch Herrn Dr. Neckermann mittelbar für diese Freuden Bank . . . Als warmer Freund Cillis hat er das Menschenmögliche zur Entwicklung der Stadt geleistet. Wenn wir das schöne Krankenhaus, die neuen Friedhöfe, die breiten Strassen, das schöne Pflaster, den Stadtpark, das Theater betrachten : mit allen diesen Neuerungen ist der Name Neckermann verknüpft. Auch die Gründung eines Fondes zum Baue eines Yersorgungs-hauses für verarmte Bürger und die Erweiterung des Stadtgebiets durch die Parkstadt sind auf seine Anregung entstanden . . . Bei jedem edlen Menschen setzt man die Tugend der Dankbarkeit voraus. Und sollte der Gemeinderath, der doch seinen Mitbürgern zum Muster dienen soll, diese Tugend nicht üben ? Zeigen wir also, dass wir dankbar sind und spenden wir Herrn Dr. Neckermann die höchste Ehre, die der Bürger zu verleihen hat : Die Bürger krone! Nicht nach langen Für- und Widerreden, sondern, wie von einem Gedanken beseelt, hat der Gemeinderath die Ehrung Neckermanns beschlossen. Und mit gutem Rechte konnte der Vorsitzende, Herr Bürgermeister-Stellvertreter S tiger das schöne Wort sprechen : Der Gemeinderath habe durch diesen Beschluss nicht nur den Bürgermeister, sondern auch sich selbst geehrt. Urkundlich sind nun zwei Worte aufgesetzt, die bisher ungeschrieben, aber doch gleichsam von allen guten Cilliern anerkannt waren. Die Worte heissen : Ehrenbürger Neckermann. G. R. 2ht Doctor Zìccfcrmann. 3d) ^ab ju f)aus einen roacfren 2Irjt, I)er iüks fann cutteren, Uiein Hegen urtò fein tDetterfturm Hann feine Hunft beirren. 3dj fùtile fdjlaff unb trag mein Blut, ßab £eib= unb Seelenfcfjmerjen, I)a Ijol id? mir ben Iloctor l^er Unb brücfe ifm jum ßerjen. Unb um bie U)ette gefeit mir, So redjt nad) XDanbrerroeife, €in flotter Zftarfd), ein füllet Crunf, Unb id) bin im ©eleife. Bas ift ber befte HTcbicus, Ber grünblidffte non allen. reicht maljr ein foldjer IDunbermann frmirbt and) bein (gefallen ? Ber Boctor fpridft: Homml gelj mit mir Unb fiil^rt mid] auf bie gelber Hub treibt mid} fort oljne Haft unb Hulj Burdj IBiefen unb burdj U)älber. Unb meil bu um ben Hrjt midj fragft, So mill idj iljn bir entbeefen, <£s ift mein Boctor rooljlbeftellt (£in fnorriger IBanberftecfen. Brunne r. Cillis Bürgerthum. leich deinem Namen hat sich treu bewährt Dein wackres Bürgerthum zu jeder Zeit, Was es ererbte, das hats hochgeehrt Und fest gehalten selbst in Noth und Streit, Und wird es halten sondrer Furcht und Zagen, Mit ungebrochnem Math das Höchste wagen. Des Friedens Werke, arbeitsfroh erstrebt, Gedeihen allgemach zu deinem Wol, Denn ein Gedanke iste, der dich belebt, Ein Geist des edlen Thatendranges voll, Er leitet segenbringend alles Mühen, Dass du in fernster Zeit noch mögest blühen. Dein Ruf dringt weit hinaus im besten Klang, Der wahr und ungeschmälert dir gebührt, Da dir ja durch Beharrlichkeit gelang. Was immer Du geplant und ausgeführt; Und was du schaffest ohne Rast und AVankon, Dir werdens spätere Geschlechter danken. Und wieder eine folgenreiche That, Ein herrlich Doppeltest dich hocherfreut, Fruchtbringend wird entfalten sich die Saat, Die du wie sonst auf guten Grund gestreut; Wie heute aber wirst du dich in Ehren Für alles Gute immerdar bewähren. Franz Tiofenbaeher. Das Sparcassegebäude Mahnung. Gegrüsst sei, holdes Cilli ! Lieblichster der Orte ! Eil ich nach Süden, freut sich dir mein Herz entgegen Gern rastet’ ich in deiner Wälder Schattenwegen Die dich gemacht zu Sommers schönstem Ruheporte. Doch weiter ziehts mich! Du, o rebumschlungne Pforte Bist ja als Eingang nur zu Schönerem gelegen, Geschützt von Burgen, rings der Fruchtgelände Segen Malten dich Färb und Pinsel besser auch, als Worte! Heut darf ich Farben nicht, — darf nur die Feder brauchen! Doch will ich sie zu einem Mahnwort ein nun tauchen Und dieses, reizend Städtchen, dir entgegenbringen : Kehr ich aus Welschland heim, grüsst mich zuerst das traute, Das deutsche Wort an deinem Thor, mit süssem Laute. Hüte den goldnen Schatz! Lass nie das Wort verklingen! R. Gerold. Wate’s Tod. Ich bin ein Greis von Jahren, Ein Kind bin ich von Herz, Ich habe viel erfahren, Ich kenne Lust und Schmerz. Ich bin herumgekommen In vieler Völker Land, Hab manches Meer durchschwommen Ich stritt einst auf dem „Sand.“ Da war ein Speereschwingen, Ein Hauen, scharf und wild ! Hei, rote Funken springen Sah man aus Helm und Schild ! 0 Gudrun, Königin ne, Du nährtest grosse Kot, Um deine treue Minne Litt mancher Held den Tod .... Ich hiess auf Strand und Wellen Der Alte mit dem Bart, Wo seid ihr, Trautgesellen Der kühnen Heeresfahrt? Siegvater hat entboten Kur mich nicht aus der Schlacht Ich schaudre vor Hels Toten Und vor der ewgen Kacht. Ich fühls, es geht zu sterben Stets tat ich meine Pflicht, Ich habe keinen Erben — Den Strohtod sterb ich nicht! Heraus mein Schwert, du gutes, Hellfunkelnd — starkes Erz, Viel trankst du Männerblutes — Durchbohr des Eigners Herz. Allvater mags vergeben; — Ihr Trautgesellen mein, Im Sterben und im Leben, Ich möcht bei euch nur sein ! In Odins lichtem Saale, Da sitzet ihr zuhauf Bei Met und frohem Mahle: Kehmt auch den Alten auf! Hans Kordon. Das S a n n b a d. Von Dr. J. Hoisel. Silberwellige Sann, so wird mit Vorliebe das Wasserband genannt, das unser herrliches Sannthal durchschlängelt, bei Cilli in rechtem Winkel abbiegt, um der grünen Save zuzuströmen. Ja, silberwellig ist unsere Sann, doch mehr als Silber gilt sie uns, sie ist eine Perle, in Gold gefasst, die wir auszunützen begonnen, aber lange noch nicht jene Schaffenskraft gezeigt haben, die eine reichliche Verzinsung des uns zur Verfügung stehenden Natur-kapitales bürgt. — Schon der Ursprung unseres Kleinods, der erste Lauf durch schroffe Felsmassen, unter welchen sich das krystallhelle Wasser seinen Weg bahnen muss, um das paradiesische Sannthal zu erreichen, geben der Sann einen eigenthümlichen Reiz. Aber nicht das ist es, was wir hier hervorzuheben beabsichtigen, nicht die Wirkung auf das Auge wollen wir schildern. Jenes wunderbaren Einflusses müssen wir gedenken, den das Sannbad auf uns ausübt. Nicht darin erschöpft sich die Wirkung dieses Naturbades, dass wir unsere in der Sonnenglut ermüdeten Glieder erfrischen, den Kanzleistaub ab-waschen, uns einen guten Appetit holen, wodurch wir uns wohl kräftigen, erfrischen, gesund erhalten —, das vermag auch ein anderes Flussbad. Unsere Sann müssen wir in die Classe der unmittelbar Krankheiten heilenden, sogenannten indifferenten Thermen einreihen. Heute, wo wir den Lehren der Hygiene so vieles verdanken, hat unsere Sann eine doppelte Bedeutung, die glücklicherweise mehr und mehr anerkannt wird. „Fliessendes Gastein“ so nannten wir unser Kleinod vor siebzehn Jahren in einer Badeschrift, die bereits in 3000 Exemplaren abgesetzt wurde, und wir nehmen keinen Anstand, heute diese Benennung noch kräftiger hervorzukehren. Fast Alles, was der herrliche Alpencurort Gastein vermag, leistet auch unsere Sann, doch kommen dieser noch die mechanischen Beeinflussungen: das rasche Wassergefälle (die Sann hat ein Gefälle von 606-4 Meter während ihres nur in Steiermark befindlichen Laufes von 87-17 Kilometer, ihre Stromgeschwindigkeit beträgt 2T8 Meter in der Secunde,) Aufenthalt in freier Luft, Schwimm-Übungen u. s. f. zugute. Wo, fragen wir, findet sich ein zweiter Fluss, der krystallklar wie unsere Sann, Temparaturen bis zu 30° C. erreicht und durch diese Eigenschaft sich umsomehr noch den Wirkungen der Akrotothermen nähert? 9 S a n n b u d mit dem Waldbaus e. Sagen wir zu viel, wenn wir behaupten, dass die Sann es ist, die uns als Grundlage der weiteren Entwicklung Cillis dienen soll? Nein, wir sprechen damit nur eine Thatsache aus und behaupten, dass das Sannbad, schon gegenwärtig von Hunderten, ja Tausenden gesucht, uns die Basis abgibt, auf der wir das schöne, deutsche Cilli zu höherer Blüthe bringen, uns gross machen und Wohlhabenheit schaffen können. Schon hat unser regsamer Stadtverschönerungsverein den Grundstein gelegt, auf dem fortgebaut werden muss, und. dessen sind wir überzeugt, er wird es auch künftighin verstehen, die Pfade zu wandeln, um aus Cilli eine Badestadt im wahren Sinne des Wortes erstehen zu machen. Rie Rhodus, hie salta, so rufen wir den Freunden Cillis zu ! — Arbeitet in diesem Sinne, doch nur zielbewusst, und Eure Arbeit wird Zinsen tragen, die Ihr heute zu hoffen gar nicht wagt. — Das Werk hat begonnen, nun stramm dem Ziele entgegen, der Erfolg kann nicht ausbleiben ! Wie deine Wipfel rauschen . . . Wie deine Wipfel rauschen, Wald, du wogendes Meer! Mit entzücktem Lauschen Schreit’ ich in dir einher. Mächtig tragen nach oben Will mich das heil’ge Gebraus — Von ihren Mügeln gehoben Schwingt sich die Seele voraus! Ferdinand von Saar. Sonnensieg. Heil dir — der Nebel sinkt — Sonne im Blau ! Vöglein, das stumm so lang Sass wie im Traum, Freudig auf Gräsern blinkt Funkelnder Thau. Schwingt sich mit hellem Sang Frei durch den Raum. Winkend an Baum und Strauch. — Erst noch so matt — Siegender Himmelsstrahl ! Sonnige Lust! Regt sich im frischen Hauch Zweiglein und Blatt. Mir auch die dumpfe Qual Nimm von der Brust ! Ernst Rauscher. 9* (2- m àjx iXo/ii /io^. » ^1- ^ÌPahM'IV -kj-ivw 'lj-vv|/VVv{HXzvj^1vwìv /tfa^n/ fe 35: 5 i' ; t- -. sS >=5 v -,> ^ ,..' t V J Lwv ^VV kj ,-t^vV /i^UiX) yi^-vv^/^LvVh/ OVw^v|/V /^^aA^^Wv A^vv-vW , y|/\A^i/ /V^) /^V rflJt _1 ^ — j 15. 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Glutreicher Sommertag ! — Der harzgc Duft Im Fichtenwald macht alles schlummertrunken ; Die stilln, verschwiegnen Bäume, selbst die Luft, Sind unbemerkt in tiefen Schlaf versunken. Am Baum das Vogelweibchen träumt : es wär Besuch bei ihr der vorjährigen Jungen ; Am Fusse fällt Ameisen es so schwer, Dass sie den todten Käfer nicht bezwungen. Die Spinne, die sich just vom hohen Ast Zur Erde wollte sachte niedersenken, Spinnt nicht den Faden aus; auch sie hält Rast Und scheint an weitre Beute nicht zu denken. So liegt ein holder Schlaf auf der Natur Geh Menschenkind, versuch ihrs gleich zu machen, Und wenn du wohlig träumst, wünsch ich dir nur, Du mögest nie aus solchem Traum erwachen ! W i n t e r t a g. (Am Stadtberg.) Schnee auf dem Wald ! — Ein Vöglcin, wenn es scheidet, Senkt auch die matten Flügel — so die Fichten, Die Aeste eisbeladen — und sie richten Trüb auf den Schnee den Blick der sie bekleidet. Umfängt der Schlaf ein Menschenkind für immer Oder für wenig Stunden nur, herrscht balde Stille im Traumgemach — so jetzt im Walde; Auf seinem Antlitz liegt ein Todtenschimmer. „Lebt wohl ihr Vögle in !“ hörst du leis ihn flüstern, „Ihr braunen Rehe, seh ich euch je wieder?“ Und traurig träufeln seine Thränen nieder — So weint ein Sterbender mit den Geschwistern. Und da so zärtlich Abschied er genommen, Birgt er sich sorgsam in die schneeige Hülle, Des Waldes Tliiere aber schweigen stille — Das weisse Todtenkleid macht sie beklommen. Das obere Sannthal. Von Prof. Dr\ Johannes Frischauf. Die landschaftliche Schönheit des Sannthales nochmals anzupreisen, scheint eine ganz überflüssige Arbeit zu sein, denn dieses Thal hat ja eine internationale Berühmtheit erlangt. Dennoch dürfte die grosse Erleichterung des Zuganges zu den Gebirgs-Ausflügen, welche die im Jahre 1891 eröffnete Bahn Cilli-Wöllan gewährt, wodurch Cilli als Haupt-Ausgang dieser Ausflüge auftritt, es rechtfertigen, wenn wir die Naturfreunde neuerdings auf das obere Sannthal aufmerksam machen. Die frühere trotz aller schönen Bilder, welche die dichtbewaldeten Hügelzüge am rechten und linken Sannufer dem Auge des Beschauers gewähren, doch ermüdende Strassenwanderung bis Ritzdorf, ersetzen wir jetzt durch die Bahnfahrt. Von Ritzdorf bis Laufen benützt man in der Regel den Postwagen, aber bereits von Ritzdorf an ist die Fusswanderung lohnend. Man überschreitet den Hügelrücken zwischen der Pack und der Sann, und erreicht nach einer angenehmen Wanderung durch Föhren und Eichenwald, gemischt mit Edelkastanien, Weingärten und Feldern die Poststrasse 20 Minuten vor Prassberg. Der weitere Weg führt bei dem prächtig gelegenen Schloss Altenburg und dem Kloster St. Nazareth und der interessanten Kirche von Oekoniea vorbei nach Laufen, wo das treffliche Gasthaus des Bürgermeisters Fludrnik eine willkommene Rast bietet. Bis zur nächsten Ortschaft Leutsch (2'/g Stunden zu Fuss) kann man noch zur Noth fahren, wir ziehen aber die Fusswanderung vor und benützen für die erste Weghälfte den Fusssteig am rechten Ufer der Sann. In Leutsch sind wir bereits im östlichen Haupt-Quartier für die Hochtouren im Sannthale. In rühmlichem Aufschwung sind hier alle auf Unterkunft und Verpflegung befindlichen Verhältnisse. Der Gasthof zur Nadel und das Haus, welches die wackeren Eheleute Planinschek bewohnen, lassen keinen Wanderer hungrig oder durstig weiter ziehen. Von ihrer luftigen Höhe, wo die Eheleute früher vielen Ausflüglern Gastfreundschaft geboten haben, sind sie jetzt ins Thal gezogen. Von Leutsch nach Sulzbach, der letzten Ortschaft des Sannthales, ist die Wanderung nur mehr zu Fuss möglich, bei niederem Wasserstande kann man allenfalls zu Pferd oder Wagen — man muss mehr als zwanzigmal über die Sann — diesen Weg zurücklegen, der in Grossartigkeit der Bilder kaum irgendwo übertroffen wird. Hat man auf bequemem Wege die ersten 20 Minuten am rechten Ufer zurückgelegt, so treten die Felsmassen so enge zusammen, dass nur ein mühsamer Steig am linken Ufer, zunächst am Logar-Fels, dann durch die gegen ein Meter breite Felsspalte der „Nadel“ quer durch Felswände wieder zur Sann hinab führt ; von hier leitet der Weg wieder an das rechte Ufer hinüber, worauf er beim Eingänge des grossartigen Robanthales vorbei, dann bald am rechten, bald am linken Ufer nach Sulzbach führt-Niemand versäume es, etwa eine Viertelstunde weit in das Robanthal zu gehen, um den Thalschluss zu bewundern, welchen die Abstürze des Welki Werch (links) und der spitzen Oistriza (rechts) bilden ; durch die tiefste Stelle ist die Anlage eines Steiges für das Jahr 1893 geplant — künftig der kürzeste und schönste Weg zur Oistriza. Sulzbach ist trotz seines Reichthums an Holz, trotz hoher landwirth-schaftlicher Cultur noch immer von der Aussenwelt abgeschlossen. Die besten Bau- und Nutzhölzer müssen verfaulen, Buchenholz ist ganz werthlos, und das Vieh kann der Bauer höchstens nach Kärnten überdies nur nach sehr beschwerlichem Triebe — verkaufen. Bei schlechtem Wetter ist Sulzbach sogar ganz abgesperrt. Trotzdem ist hier ein kräftiger und höchst intelligenter Bauernstand. Nicht weniger als 19 jagdberechtigte Besitzer zählt die Gemeinde Sulzbach, und obwohl keine Schule besteht — der Geistliche ertheilt freiwillig einen dürftigen Unterricht — können doch fast alle Leute lesen und schreiben, fast jeder Bauer hält eine Zeitung. Die reichlichen Wasserkräfte hat man hier sinnreich zum Treiben der landwirthschaftlichen Maschinen nutzbar gemacht, ja es dürfte uns bei einem späteren Besuche nicht wundern, wenn wir die Sulzbacher Almen elektrisch beleuchtet fänden. Im Dorfe an der Sann sind meist nur kleinere Häuser ; das jetzt wieder hergestellte Gasthaus Sturm ist das grösste Gebäude, und bietet auch einer grösseren Gesellschaft Unterkunft. Die grossen Gehöfte liegen fast sämmtlich auf der Höhe, von den meisten geniesst man die prächtigsten Aussichten auf das Gebirge. Noch eine Wegstrecke von einer Stunde hat man durch die Thalenge. Von erdrückender Mächtigkeit sind die Abstürze am linken Ufer, dann plötzlich, welch ein Contrasti Das Thal biegt von der westlichen Richtung nach Süden, wir stehen am Eingänge des breiten fast ebenen Logarthaies. Grüner Thalboden, bewaldete Lehnen und Bergformen der fantastischesten Gestalt als Abschluss. Im Tirale selbst sind die Gehöfte des Logar und Plesnik und vor letzterem das neue Touristenhaus, welches Piskernik erbaute, und hier ein Standquartier für die Touren im obersten Sannthale geschaffen, das von allen Besuchern gerühmt wird. Am häufigsten wird wo! der Thalschluss mit dem Rinkafalle, dem schönsten der Steiermark, besucht. Aber vielfach werden von hier aus die Touren auf die Oistriza, in die oberen Terrassen des Sannthales und die überaus grossartige Wanderung über den Sannthaler-Sattel durch die obersten Stufen der Yellacher und Seeländer Kotschna (d. i. die Tour Nawo-dine) unternommen. Vom Eingänge des Logarthaies setzt sich die ursprüngliche nach West ziehende Thalenge noch fort (20 Minuten) bis zum Eingänge des Jeseria-thales, das an seinem Abschlüsse unter den Felswänden der Merslagora den riesigen, leider zu wenig bekannten Schneetrichter des Skaf birgt. Vom inneren Sannthale führen lohnende Uebergänge nach Kärnten und Krain. Der von Sulzbach nach Eisenkappel bietet an seiner Uebergangs-stelle wol die schönste Aussicht auf die Sulzbacher Almen, auf das Logarthai und auf die Bergriesen des centralen Theiles der Sannthaler Alpen. Koch lohnender ist jene Tour, wenn man vom Uebergänge nach Vellach(vom Pau-litsch-Sattel) durch den Wald südlich (in 3/4 Stunden) auf die freie Höhe (1656 m) steigt. Der Anblick auf die Hauptkette der Sannthaler Alpen, der Einblick in die Yellacher Kotschna und auf die bizaren Felsformen der Nawo-dine sind überwältigend. Dazu geniesst man noch eine Fernsicht, die vom Bacher und der Koralpe bis zum Gross-Glockner und Triglav sich erstreckt. Mögen die heuer wieder begonnenen Studien des immer dringender werdenden Strassenbaues Leutsch-Sulzbach endlich zu einem günstigen Ergebnis führen, damit die reichen Naturschätze des inneren Sannthales erschlossen werden können ! Das Recht der kleinen Städte auf klassische Stücke. Während meines zehnjährigen Aufenthalts in Wien war es mir unverständlich, wenn die Operette heftig angefeindet wurde. Hat sie denn gar keine Berechtigung? dachte ich. Es gibt doch unleugbar für den geistig angestrengt Arbeitenden gelegentlich Stimmungen, in denen er weder ein Trauerspiel, noch ein Lustspiel vertragen kann. Er will weder lachen, noch weinen, weder erhoben noch gekitzelt sein: er will blos ruhen, blos sich erholen. Dann soll er sich schlafen legen! sagen kluge Leute. Aber der nervös überreizte Mensch findet keinen Schlaf; er braucht einen Uebergang. Da tritt nun die Operette in ihr Recht. Sie erfordert keine Aufmerksamkeit, kein Hineindenken und kein Mitfühlen. Man setzt sich ruhig auf seinen Platz, lässt sich von leichten, anmuthigen Weisen umgaukeln und lächelt hie und da über einen schlechten Witz des Textbuches oder über eine komische Geberde des Darstellers. Man könnte so das Operettentheater oftmals eine geistige Erholungsanstalt nennen. Und in Wien wird vor Allem viel gethan, um die Vorliebe für die Operette zu steigern. Heben der Hofoper war viele Jahre lang das Theater an der Wien die einzige Wiener Bühne, die das, was sie aufführte, mustergiltig autführte. Kurz und gut, ich war von der Berechtigung der Operette im Allgemeinen überzeugt, und es überraschte mich daher, als mir Rosegger bei einer Begegnung in Graz allen Ernstes sagte: Wir haben hier einen Anti-Operettenverein, der es sich zur Aufgabe macht, diese Kunstgattung mit allen erlaubten Mitteln zu bekämpfen. Als ich nicht sogleich in diese Philippica einstimmte, fragte Rosegger misstrauisch: Sie sind gewiss auch ein Freund dieses musikalischen Unsinns? Hachdem ich versucht hatte, meine Ansicht zu rechtfertigen, sagte Rosegger: Sie sprechen vom Standpunkte des Grossstädters. Als solcher haben Sie auch nicht Unrecht. Ich aber spreche vom Standpunkte des Provinzbewohners und habe noch weniger Unrecht . . . Und er setzte mir in überzeugender Weise auseinander, dass die Operette der Ruin einer guten Provinzbühne werden könnte und in vielen Fällen auch schon geworden sei. Sowohl der Ankauf, als die Ausstattung sind unverhältnismässig theuer. Und das ist begreiflich. Denn gerade da, wo dem Geiste so wenig geboten wird, muss wenigstens das Auge vollauf befriedigt werden. Eine Operette io verlangt ferner mehr Proben, als ein klassisches Trauerspiel. Aus demselben Grunde. Es muss Alles so vortrefflich eingeübt sein, dass der Zuschauer von den Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, gar nichts merken kann. Hat nun die Aufführung Erfolg, so muss dieselbe so oft als nur irgend möglich wiederholt werden, um den grossen Geld- und Zeitverlust, den sie verursacht, wieder wett zu machen. In diesem Falle fehlt dann die Zeit zur Vorführung klassischer Werke. Hat aber die Operette keinen Erfolg — umso schlimmer! Dann sind alle Opfer an Zeit und Geld für Ankauf, Einübung und Ausstattung unwiederbringlich verloren, und die Leitung ist — wenn dieser Fall sich nur zweimal im Laufe einer Spielzeit wiederholt — genöthigt, die Thore zu schliessen. Die Operette hat ihre Berechtigung, so lange sie in der Grossstadt bleibt, wo sie eine eigene Bühne hat und keine andere Kunstgattung verdrängt. In der Provinz aber ist sie vom Hebel, da sie häufig den materiellen, noch häufiger aber den künstlerischen Ruin eines Theaters herbeiführt. * * * Seit diesem Gespräch mit Rosegger, das schon in Lausers Allgemeiner Kunstchronik veröffentlicht wurde, sind Jahre vergangen; ich habe seitdem die Theaterverhältnisse in kleineren Städten kennen gelernt und habe vollständig eingesehen, dass Roseggers Ansicht in dieser Sache zutreffend ist. Der Spielplan unserer Provinzbühnen wird von den Operetten beherrscht. Daneben behauptet sich höchstens noch das nervenerregende Sensationsstück. Und als Lückenbüsser wird manchmal ein hausbackenes Lustspiel eingeschoben. Auf das klassische Schauspiel verzichtet man. Der Theaterbesucher nimmt also statt edler Begeisterung Sinnenkitzel oder Nervenreiz ; im besten Falle Langeweile mit nach Hause. Dem Magen eines Erwachsenen wird ab und zu ein bischen Caviar nicht schaden ; doch welche Mutter wäre so thöricht, ihrem Kinde zu jeder Mahlzeit Caviar zu geben ? Was der Caviar für den Magen, ist die Operette für die Sinne. Und wir schämen uns nicht, unsere halbwüchsigen Söhne, unsere reifenden Töchter solchen schädlichen Einflüssen auszusetzen ! Manche Eltern sagen freilich : Unser Kind darf diese Operette hören; es versteht ja die unanständigen Witze doch nicht ! Solche Eltern lügen sich selbst an, denn bei den Operetten liegt das Unsittliche viel seltener im Wortwitze, als in den allgemeinen Vorgängen, sozusagen : in der Luft, die das Ganze durchweht. Dabei will ich nicht verschweigen, dass in jüngster Zeit ernsthafte Versuche gemacht worden sind, die Operette in eine reinere Luft zu versetzen. Der Bettelstudent, der Zigeunerbaron, Gasparone, der Feldprediger, der Vogelhändler und die sieben Schwaben sind Früchte solcher Bemühungen. Wenn die Operettendichter auf dieser Grundlage weiterbauen und Singspiele oder Yolksopern unter der Bezeichnung Operette auf den Markt bringen, werden sie vielen Gegnern die Waffe aus der Hand winden. Aber die gesunde Entwicklung der Provinzbühnen wird die Operette auch in diesem Falle hindern. Der Leiter eines kleinen Stadttheaters, der gute Sänger zahlen muss, hat kein Geld für gute Schauspieler übrig. Da die Operette seine Haupteinnahmsquelle bildet, wird er das Schauspiel nur in zweiter Linie berücksichtigen. Sobald er die Sänger entlassen darf, ist er in der Lage, tüchtige Schauspieler anzuwerben. Der Spielplan braucht keineswegs eintönig zu werden, denn es können neun verschiedene • Gattungen des Schauspiels abwechselnd gegeben werden. Diese neun verschiedenen Gattungen sind: das klassische Lustspiel, das zeitgenössische Lustspiel, das klassische Trauerspiel, das zeitgenössische Trauerspiel, das romantische Schauspiel, das zeitgenössische Schauspiel (Sittendrama), das Yolksstück, der Schwank und die Posse. An jedem Tag der Woche könnte also der Bühnenleiter — auch ohne Operette — eine besondere Gattung bieten. Durch kurze Gastspiele guter Opern-Gesellschaften könnte überdies den Wünschen der Musikfreunde Rechnung getragen werden. Eine solche Neugestaltung der Provinzbühnen würde wenigstens unsere Jugend mit den Meisterwerken der grossen Dichter bekannt machen, während sie heute aus dieser Quelle künstlerischer Begeisterung nicht schöpfen darf. Mir hat ein erwachsenes Mädchen aus wohlhabendem und angesehenem Hause in Cilli erzählt, dass sie noch niemals ein klassisches Stück gesehen habe. Ist das nicht kennzeichnend für die herrschenden Bühnenzustände? Die Behauptung, das heutige Geschlecht gewinne an klassischen Trauerspielen keinen Geschmack, ist leeres Geschwätz. In Eger habe ich eine Yor-stellung von Wilhelm Teil erlebt, bei der das Haus von jubelndem Beifall erdröhnte ; und in Meran hat selbst die Grossstädter unter den Theaterbesuchern eine Aufführung von Kabale und Liebe vollauf befriedigt. Die kleinen Städte haben ein Anrecht auf die Meisterwerke unseres dramatischen Schriftthums ; darum halte ich es für ein dramaturgisches Verdienst, Bühneneinrichtungen klassischer Stücke zu schaffen, die auch von kleinen Theatern benutzt werden können. Shakespeare ist heutzutage den kleinen Bühnen ganz verschlossen. In meinem Aufsatze über Goethes Bearbeitung von Romeo und Julia in Nr. 234 und 235 der Beilage zur Münchener Allgemeinen Zeitung habe ich die Ansicht ausgesprochen, dass insbesondere bei Shakespearschen Bühnen-Einrichtungen auf mittlere und kleine Theater Rücksicht zu nehmen sei: Je leichter aufführbar ein Meisterwerk gemacht wird, desto häufiger wird es aufgeführt; je häufiger es aufgeführt wird, desto mehr Menschen lernen es ( 76 - kennen; je mehr Menschen es kennen, desto veredelnder und läuternder wirkt es. Ein gutes Buch kann niemals Gemeingut des Volkes werden, solange es nur in Prachtausgaben erscheint. Nun können freilich die grossstädtischen Theater Prachtaufführungen bieten, an denen sich auch der Galleriebesucher erfreuen mag. Es lebt aber ausserhalb der grossen Städte noch genug bildungsfähiges Volk, für dessen künstlerische Genüsse zu sorgen nicht die letzte Pflicht ist. Herr Dr. Eugen Kilian hat mir die Ehre erwiesen, meinen Aufsatz in einer ausführlichen Kritik (in Nr. 297 der Beilage zur Münchener Allgemeinen Zeitung) zu würdigen. Er anerkennt meine „rühmenswerthe Unparteilichkeit“, ist aber ganz entgegengesetzter Ansicht, wie ich und sagt: Ueberdies scheint mir der Grundsatz Bambergs, bei der Bearbeitung Shakespeares in erster Linie auf die Möglichkeit der Aufführungen auf mittlere und kleinere Bühnen Bedacht zu nehmen, doch stark anfechtbar zu sein. Herr Dr. Kilian lebt in Karlsruhe, und im dortigen Hoftheater werden klassische Stücke angemessen dargestellt. Wenn der geschätzte Gegner, (dessen sachliche Kritik mich übrigens herzlich gefreut hat) in einer österreichischen Provinzstadt lebte, wenn er wüsste, wie öde der Spielplan unserer kleinen Bühnen ist, würde er meinen Standpunkt sicherlich begreifen. Seit einiger Zeit macht sich ja auch in den Gressstädten ein Rückschlag bemerkbar. Die Lust an der Operette erkaltet. Wenn früher das Theater a. d. Wien, das Carltheater und theilweise auch die komische Oper diese Kunstgattung pflegten, hat die Operette gegenwärtig mit einer Wiener Bühne mehr als genug. Statt dessen entstehen immer neue Schauspielhäuser, die ohne Zweifel auf unsere Dichter befruchtend wirken werden. Während also in Wien das edlere Schauspiel sichtlich einer neuen Blüthe entgegengeht, müssen sich die Provinzbühnen immer noch mit misslungenen oder halbgelungenen Operetten abmühen. Werke, die zehn Mal in einer Spielzeit vor vollen Häusern gegeben werden können, sind heutzutage selten Da aber die Bühnenleitung doch etwas Neues bieten muss, lässt sie Operetten einüben, von denen sie im Voraus weiss, dass sie nur ein oder zwei Mal aufzuführen sind. Die meisten neueren Operetten sind eben weder musikalisch werthvoll, noch kurzweilig. Es lässt sich denken, mit welcher Lust die Künstler Zeit und Arbeit für eine verlorne Sache aufwenden ! Und selbst die leichteste Operette nimmt mehr Zeit und grössere Arbeit in Anspruch, als das schwierigste Schauspiel. Da alle mittleren und kleinen Stadttheater die Operette nicht entbehren zu können glauben, wird es immer schwerer, brauchbare Sänger anzuwerben. Der Bühnenleiter muss oft grosse Opfer bringen, ehe er einen halbwegs genügenden Tenor erhält. In Cilli sind in dieser Spielzeit nicht weniger als drei Operettensängev abgelehnt worden. Welche Summen Geldes mag dieser dreimalige Wechsel gekostet haben ! Ein Chorsänger erhält keinen geringeren Gehalt, als ein mittlerer Schauspieler. Man denke also, wie vortreffliche Darsteller ein Bühnenleiter anwerben könnte, wenn er auf die Operette und ihren ganzen Kram verzichten könnte ! Es wäre wahrlich an der Zeit, das klassische Schauspiel für unsere Provinzbühnen zurück zu erobern und der Operette den Eintritt zu verwehren. Nur auf diese Art können wieder. gesunde Verhältnisse, kann wieder ein anständiger Spielplan geschaffen werden. In Deutschland ist Mainz mit gutem Beispiel vorangegangen. Welche Stadt wird wohl in Oesterreich voran, gehen ? Gerhard Bamberg. ! Ili gxxxxxxxxxxxxxxxxxx: y » II' sa i ü! Ii m m ii m m XV > m M w| Spezerei- und Delicatessen-Geschäft, Mehl -Niederlage der Marburger Dampfmühle Karl Scherbaum & Söhne in. Billiger als aas Haltet raä Triest. BE: ZEBeiclxli.a-ltig'es X-ja-g-er in Spezerei & »elieatessen, echtem Itheln-welne. italienischem & »almatiner Weiss-unil llothweine. Directer Import von echtem Malaga-, Madeira-, Sherry-und Portwein, echtem Jamaika-Rum, französischem Cognac und neuen 1892er feinsten Theesorten. Alleinige Niederlage und Versandt des wiederholt prämiirten allseitig beliebten Sannt haler Käses. Niederlage von Kleinoschegg’schem Champagner. feinste Sorten, in grösster Auswahl. — Versandt in 5 Kilo-Säckchen nach allen Poststationen franco. s I ■ S! I é B I È \ von non HB Marburg a. D. !" 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Sie bis jegt erfdjienenen 18 Riefte enthalten : $cft I: Äo|)tJent)it, ©ofaujtBa-itfl, @0iaufd)tud)t, (Sofaufce, (Sofnittec gegen ben SDonnertoget unb ®ad)ftein uon ber Swiefetattie. 4>eft II : @toctnerfoau8, ©rofgloetner don ber grani 3ofef8-§öl)e, @eebid)I, Sirmiec, 5Pfanbetfd| arte unb gfeifj-@Ietfd)er. aliene: .^cft III : Eingang in’8 9}ioltatQal, ^odialitenfaü im iüialtatüal, ^pödialpenipiijc im 2JinItatl)aI, ^od)fteg, iPfliigi^of unb örarbftatt. £>cft IV : 9iaibleriee gegen ben Gangart, 9?aiblerfaß, Söeißenfelierfec, 5Iitfd)t bei 2arui§, unb 9iaibt mit ben 5 ©gibber )en. -gieft V: iprtfdjad) gegen Offen, s4.Vdrtid)nd) gegen SBeften, ÜJiaria-SBört^, Äeutfdjadjev @ee, f^aatcr ©ee gegen Offen, f^aafer ©ee gegen SBeften. $eft VI: Setter ©ce mit bem fteinernen Sfteer, Sett am ©ee mit bem Äifcfteinljorn, Slnfic^t uon ber ©djmitten-ij'düe gegen bie ©roßglodtnergrubbe, ^ufdieretèfa^r im fä’fertljal, 2Bie8bad)born ini ^erteitentQai, Ülnfidjt ber ©locfnergruppe im (yerleitent^al. .^cft VII : Söurg SBcrfen mit bem Slennengebirge. 23iül)n-bad)tt)a( mit bem fteinernen ttReer, ijintereö 33lügn-bac^t^al mit bem fteinernen ttWeer, Öifdjof^ofen, ^od)- Ibnig non Sftitterbevg auè -ini 9Niil)(bac{)ti)aI, 8id)ten-ftein^Iamm bei <5t. 3obann. ^eft Vili: mtfftein/šidfatfatt 9Ìa6fcI6, ÄibTo* im 9tan-ristbal, DìauriStboi mit bem ©onnbticf, ^artljie Äolm-©aigurn im 9?nuri8ti)a(. $cft IX : ^ufdjertbai. Verleiten, Äa^run mit bem Äitj» fteintjorn, Orglertjiitte im Äabnxnerttjat, 2Ba iter faß-boben im Kapruner tifai, iOtofcrboben im Äafjrunert^al. ,^eft X: 5farIinocr=@Ietfd)er, ©enebiger vom ©orfevt^al, ber große .£>abad)er Äee8, Crimini, ÄrimmlcrfaU, iöreit-borit bei ?ofer. £>eft XI: Suffee non ber (5r.V)eqo;i 3obann-^romenabe au8, 9llt-9lufice mit bem üofer, Šoferbiitte, ©rnnblfee, ^)interbnd)fatt am SEo^Iiberfee, Kammer fee. .^eft XII: ©t. 3obann gegen ba§ SEennengebirge, ©t. 3obnnn mit bem §ocl)grünbe(f, .^odigrünbcdbauS mit bem jDacbftein, jpodifbnig vom §od)grünbecf and, ?idj-tenfteinflamm bei ©t. 3obann, ©tegenroadit an ber ©roßarlerftraße. ^eft XIII: 2)ad)ftein Von ber ©ectviefe au?, 2Ut‘91uffeg mit bem 2)ad)ftein, bie SEriffeltvanb bei 2llt-2lufjee, Slugftal^e bei ©runblfce, 8abngang-©ee am tobten ©ebirge, ber ©arftein bei 2llt-9lufjce. ^eft XIV : ftriebbof ©t. s45eter in ©aljburg, Heftung ^obcn-@Olsburg, ©aljburg von SDtaria-'PIain, ©alj. bürg vom ÄaiJU^inerbctge, ©algburg von 9)tiittn, ©alj-bürg mit beni Äapu^incr- unb ©atSberge. £eft XV : Sligen mit bem ©aisberge, ©ai«bergbat)n, 9)Zonat§id)Vó6d)cn in ^eübrunn, ©djloß 2Inif, ©(bloß ^eobolbSfron, ©oüinger SB affer fall bei ©algburg. ^icft XVI : S3erd)te8gnben, (Sinfabrt in ben ÄönigSfce, Äönig8fee, ©t. öartbolomä mit bem SBafemann, Oberfee bei bem ÄimigSfee, ^»interfee, ^eft XVII : ©munben,'3fd)l, ^allftatt, Unteràd) am Sitterfee, üötonbfee, ©t. SBoIfgangfee. ^icft XVIII : ©efäufe mit ber $od)tborgrubbc (S31anfbibe), Slbntont, iööfenftein v. boben Stauern, ^odjgoHing, SDacbftein bei 9Uanbling, ©rintming. „2)ic b'ftcrrcitbiftbc ©cbirgžmelt" erfebeint in jmangSlofen -heften, je fed?8 fiinftlerifd) anögefiibrte colorirle Slnfidjlen auf (Snrton entljaltenb, in bem febr gefälligen formate von 17 : 25 cm unb in äftappen. Oäbrlid) iverben 4—6 «^efte nuögegeben unb ift ba8 (Sr* fd)eiueit ber ganjen öfterreid)ifd)en Sllfjemvelt ^ojcctirt. 5ßrei§ bei' §efte l— IO in 3)?appe à ö. SB. fl. 1-50. iPitiä ber jpefte H unb folflenbe à ö. 5Ö. fl. 1-80. 3cbcö jycft toirb a^act abgegeben. M' 3u je 6 heften finb elegante ficinmnnb=(ritüclobc6 mit reitber ©olbpreffung, tvelcbe auf jebent ©ölontifdie aufgelegt tverbeu fdunen, à fl. 1*20 ju boben. $aS Unteinel)men, roeldiež bie Ijenlidjen ©e= birgžfcenerien ber öfteireidjif^en Süpenroclt im !8übe »ermittelt, roirb geroip bei allen greunben bei Sllpenroelt eine bcfonberS fnunblidje sHur= naf)me finben ; bie Silber roerben als (Érinner--ungäblätter glüctlid) »erlebter SBanbertage immer gerne ruieber ange)el)en roerben.— gebe» Silb ift »ermöge feiner gefälligen ©röfje and) feljr geeignet, in fl einem Dlaljmen baš gtuimer ju jiecen. @ufturbifber aus ^teiermarß. ipreiš elegant brod)irt (290 6.) fl. 3-—. SiefeS Steif, unter ÜJlittuirfung IjetDorragenber gad): männer tjeraušgegeben, be^anbelt »iele roid)= tige groeige bež uiirtbfèaftlidjcn unb Gultur= lebenž, unb entljält ein fo reidieš culturge= fd)ic£)tlid)e§, »olfžiuirtbfdjaftlii^ež, tedmifdješ unb ftatiftifd)ež SDlaterial, bab ež für Sille, laeldie ftd) mit bem geiftigen unb materiellen Seben unfereš ßeimatlanbeS »ertraut madien roollcn, ein unenrbeljvlidjež Hilfsmittel ift. 5^16 eljerne 5^iarß- @ine Sianberung burd) baS fteirifdje Dberlanb »on gerbinanb itrauf;. I- öanb (471 &.) ißreiS brod)irt fl 3-60. 'Ulit über 100 STbbilbungen »on St. ©erafcb, ßrneftine »on Sird)Sberg, Sari O’Synd), ©ruft 'flaper unb ©eorg SBeineib, foiuie auS ber ,,Defterreid)ifd) = ungarifdien Uionardiie in Slort unb IBilb", ben „Ulit: (bedungen" ber £. £. SentrabGommiffion für IjiftorifcbeSenfmäler unb bem „ft'irdienfdimud" unb 2 Harten »on SllfonS Ggle, f. u. f. Hauptmann. 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