DIE EPIGRAPHIK UND DAS FORTUNA PRIMIGENIA HEILIGTUM VON PRAENESTE. DER VERSUCH EINER ZUSAMMENFASSUNG MANFRED CLAUSS Berlin Als die Italiener Fasolo und Gullini 1953 ihre Arbeit über das Heiligtum d er F o rtu n a Prim igenia in Palestrina veröffentlichten,1 entfachten sie eine lebhafte Diskussion um die Datierung des Heiligtums.2 Ist der Bau in der Form , in der er bis heute erhalten geblieben ist, in vorsullanischer oder sulla- n ischer Zeit errichtet w orden? Da die A nsichten über den archäologischen B efund auseinandergehen, w urde das epigraphische M aterial zu Hilfe genom­ men. 1 Datierung anhand paläographischer Merkmale Fasolo u nd Gullini zogen bei ihrem Versuch, die Inschriften zur Datierung des H eiligtum s zu verwenden, hauptsächlich diejenigen heran, die von Gebäu­ deteilen des H eiligtum s stam m en. Um diese sehr fragm entarisch erhaltenen Zeugnisse, aus deren Text sich keinerlei Datierungselem ent erm itteln liess,3 zeitlich einordnen zu können, versuchten sie einen paläographischen Vergleich m it anderen Inschriften. An den Steinen aus Praeneste stellten die beiden F orscher folgende U nterschiede fest : Eine G ruppe von Inschriften (a) h at eine regelm ässigere Form der Buchstaben — sie sind abgerundeter — als die einer zw eiten Gruppe (b). Daher gehörte fü r sie die letzterw ähnte Gruppe (b) — n ich t so abgerundete B uchstaben — einer älteren Zeit an, u nd zw ar einer Zeit, die m ehrere Jahrzehnte vor der sullanischen liegt.4 Diese älteren In­ schriften w urden daher in die M itte des 2. Jahrhunderts datiert. Fasolo und Gullini gewannen dieses Datum durch den Vergleich der »älteren« Zeugnisse m it d er Inschrift des Siegers von Pydna 168 v. Chr., L. Aemilius Paullus, aus Delphi.5 Beim Vergleich der Inschrift aus Praeneste m it derjenigen aus Delphi fiel ihnen die Ähnlichkeit der B uchstaben A, E und R auf.8 Dieser D atierungsversuch anhand paläographischer Indizien ist in der For­ schung bereits heftig k ritisiert w orden,7 so dass hier einige wenige Bem erkun­ gen genügen. W ickert prägte in den dreissiger Jahren das Bonm ot, der Di­ letta n t auf dem Gebiet der lateinischen Epigraphik sei an nichts sicherer zu A rheološki v estn ik 28 (1977) 131 erkennen als daran, dass er jede Inschrift nach der Schriftform zu datieren wisse.8 Man sollte nicht, wie Fasolo und Gullini es taten, Inschriften aus Prae­ neste und Delphi m iteinander vergleichen.9 Dazu kommt, dass die Schriftform von Bauinschriften nicht m it derjenigen von Ehreninschriften übereinstim m en muss. Schliesslich sind die epigraphischen Zeugnisse aus Praeneste, die mit der Bautätigkeit am Heiligtum in Zusammenhang stehen, so fragm entarisch erhalten,1 0 dass sich von daher schon ein paläographischer Vergleich verbietet. Nach der deutlichen Distanzierung Degrassis von diesen Vergleichen1 1 sind sie auch nicht m ehr gem acht worden. Jetzt w urde nach neuen W egen gesucht, um m it Hilfe der Inschriften ein sicheres D atum für den Bau des Heiligtums zu gewinnen. 2 Datierung aufgrund des Namenmaterials In einer Arbeit aus dem Jahre 1969 versuchte Degrassi zu zeigen, dass die Epigraphik den Schlüssel zur Lösung des Problems geben könne.1 2 E r griff dabei eine alte These auf, die Dessau im CIL vertreten hatte.1 * D essau glaub­ te, dass diejenigen republikanischen Inschriften aus Praeneste, in denen Ver­ trete r der alten Fam ilien in öffentlichen Ä m tern genannt werden, aus der Zeit vor Sulla stammen. E r sah es als unw ahrscheinlich an, dass diese Fam ilien das Blutbad des Jahres 82 v. Chr. lebend überstanden hätten1 4 und dann direkt wieder zu städtischen Äm tern gelangt seien. Diese These hat D egrassi weiter ausgebaut. W ir besitzen aus Praeneste eine Reihe von G rabinschriften, die mit Sicherheit der vorsullanischen Zeit angehören, näm lich dem 3. u nd 2. vor­ christlichen Jahrhundert. Durch diese Inschriften haben w ir die N am en von Familien, die vor der sullanischen Koloniegründung in Praeneste lebten. Ins­ gesam t sind 138 gentes aus der Zeit vor Sulla bekannt; von diesen Namen sind nach der sullanischen Gründung n u r noch 20 überliefert, d. h. n u r jeder siebte.1 5 Degrassi erklärte diese Erscheinung wie Dessau als Folge des Blut­ bades, das Sulla in der Stadt hatte ausführen lassen. E r zog w eiter den Schluss, dass eine Inschrift der republikanischen Zeit, die den N am en einer »alten« Familie enthält, m it grösster W ahrscheinlichkeit der Zeit vor der sulla­ nischen Koloniegründung angehört.1 6 Anhand dieses K riterium s datierte De- grassi von 59 Inschriften, die in Zusam m enhang m it dem Heiligtum in Prae­ neste stehen, 30 sicher oder m it grösster W ahrscheinlichkeit in vorsullani- sche Z eit;1 7 folglich sei das Heiligtum vor der Koloniegründung errichtet worden.1 8 Diese Argumentationsweise Degrassis h at einen entscheidenden Fehler. Die von ihm genannten 138 gentes kennen w ir fast ausschliesslich aus etwa 300 Inschriften aus dem 3. und 2. vorchristlichen Jahrhundert. Diese 300 Zeugnisse gehören zu einem Friedhof, d er n u r in diesem Z eitraum benutzt w urde.1 9 Die grosse Zahl von Namen ist also dem Zufall zu verdanken, dass w ir einen Friedhof aus dieser Zeit kennen. Einen solchen Friedhof aus dem 1. vorchristlichen Jahrhundert, den es zweifellos gegeben hat, kennen wir nicht. Es erscheint uns daher m ethodisch unzulässig, das N am enm aterial aus diesem einmaligen Fund m it dem jenigen M aterial zu vergleichen, das wir aus nachsullanischer Zeit aus Einzelgrabfunden, E hreninschriften, Votivin­ schriften, Bauinschriften usw. erhalten haben. Was sich vergleichen lässt, ist das N am enm aterial derjenigen Inschriften aus vorsullanischer Zeit, die nicht aus diesem einzigartigen Fund stam m en, m it denjenigen aus der Zeit der Kolonie. Dann aber haben w ir es in vorsullanischer Zeit m it 14 Fam ilien zu tun, von denen w ir jede dritte in späterer Zeit kennen, davon drei auch in städtischen Ämtern. Das auf den ersten Blick so frappierende V erhältnis von 7:1 — Nam en aus vorsullanischer : nachsullanischer Zeit — en tp u p p t sich also bei näherem H insehen als Ergebnis des Vergleichs von M aterial, das nicht verglichen w erden darf, da es völlig unterschiedlicher A rt ist. Damit entfällt auch das von Degrassi herausgearbeitete D atierungskriterium . 3 Datierung aufgrund des Namenform ulars Degrassi glaubte in dem oben erw ähnten Aufsatz2 0 nicht n u r eine Datierung der M ehrzahl der Inschriften aus dem Heiligtum in vorsullanische Zeit ge­ sichert zu haben, sondern fand noch genauere zeitliche Begrenzungen. Dabei ging er von der B eobachtung aus, dass die auf den Inschriften zahlreich ge­ nannten liberti m it einer Ausnahme ein cognom en haben. Die Nennung eines Freigelassenen m it cognom en kom m t seiner Meinung nach m it Sicherheit in Inschriften seit 112/111 v. Chr. vor.2 1 Liberti ohne cognomen treten seines E rachtens auf Inschriften, die später als 71 v. Chr. errichtet w urden, nicht m ehr auf.2 2 Da er die D atierung des Heiligtums in vorsullanische Zeit als ge­ geben annahm , schränkte er den Zeitraum anhand des neuen Indizes auf die Zeit zwischen 110 und 100 v. Chr. ein.2 3 Die These, dass cognom ina für Freigelassene am Ende des 2. vorchrist­ lichen Jahrhunderts in Gebrauch kam en u nd nahezu regelm ässig seit 90 bis 85 v. Chr. erscheinen, w urde von M ommsen aufgestellt und später von Gordon ausführlich belegt.2 4 Diese Zeitangaben können aber allenfalls als ungefähre A nhaltspunkte genom m en werden. Die D atierung der Inschriften exakt inner­ halb des Zeitraum s 112 bis 71 v. Chr. anhand der Tatsache, ob ein libertus ein cognom en trägt oder nicht, ist dagegen unverständlich. Von den in Frage kom m enden Inschriften in CIL I sind n u r etw a 6 % sicher zu datieren.2 5 Das besagt aber nichts darüber, ob die übrigen 94 % auch genau dem Zeitraum zugehören, der von den 6 °/o abgesteckt w ird.2 6 Was garantiert, dass die In­ schrift CIL I2 673 aus dem Jahre 112/111 v. Chr. die älteste ist, auf der liberti m it cognomen Vorkommen? Damit entfällt auch die dritte M öglichkeit, das epigraphische M aterial zu datieren, das m it dem Heiligtum in Praeneste in Zusam m enhang steht. Die vorliegende kurze U ntersuchung kann keine neuen Datierungsmöglich­ keiten vorschlagen u nd will es auch nicht. Es ging lediglich darum , die Gren­ zen solcher M öglichkeiten aufzuzeigen. Die Fehler, die bei den verschiedenen V ersuchen gem acht w urden, lagen darin begründet, dass von d er Epigraphik m ehr gefordert w urde, als sie leisten kann2 7 und dass die E pigraphiker oft einer Lösung um jeden Preis nicht w iderstanten haben. Abschliessend bleibt festzustellen, dass die Inschriften aus Praeneste, die in Zusam m enhang m it dem Fortuna Prim igenia Heiligtum stehen, am besten der Zeit zwischen 150 und 50 v. Chr. zuzuweisen sind.2 8 Für genauere Ein­ grenzungen m üssen archäologische K riterien gefunden werden. 1 F. Fasolo - G. Gullini, II santuario della Fortuna Primigenia a Palestrina (Rom 1953) — im folgenden FG. 2 Vgl. die Literatur bei G. Gullini, La datazione e l'inquadramento stilistico del santuario della Fortuna Primigenia a Palestrina, in: Aufstieg und Nieder­ gang der Römischen Welt I 4 (Berlin- New York 1973), S. 798—799. 3 FG S. 273 hatten Inschriften, in de­ nen der senatus der Stadt erwähnt ist, in vorsullanische Zeit datiert. Dies griff G. Gullini, Ancora sul santuario della Fortuna Primigenia, in: Archeologia Classica 6 (1954) S. 142—144, wieder auf; vgl. ders., La datazione — siehe oben Anm. 2 —, S. 763. Zu der Kritik an diesem Verfahren vgl.: A. Degrassi, L’ e­ pigrafia e il santuario della Fortuna Primigenia, in: Archeologia Classica 6 (1954) S. 303—304 = Scritti vari di an­ tichità I (Rom 1962) S. 631—632. — H. Kahler, Rez.: FG, in: Gnomon 30 (1958) S. 381. — G. Lugli, Nota sul santuario della Fortuna Prenestina, in: Archeolo­ gia Classica 6 (1954) S. 308. 4 Zur Gruppe a gehört die Inschrift FG Nr. 6 S. 271, deren Text — RO LVCV auf VARJRO LVCV[LLVS ergänzt — eine Datierung in sullanische Zeit er­ möglicht. 5 CIL P 622 = CIL III 14203— = D 8884 = ILLRP 323. 6 FG S. 284. 7 Vgl. A. Degrassi — siehe oben Anm. 3 — S. 302—303 und H.-G. Kolbe, Ein Inschriftpalimpsest republikanischer Zeit aus dem Fortunaheiligtum von Praeneste, in: Epigraphische Studien 5 (1968) S. 173—174. 8 L. Wickert, Rez.: Handbuch der Ar­ chäologie, hrsg. v. W. Otto, München 1937, in: Klio 31 (1938) S. 126. 9 Es ist auch kein Fortschritt, wenn man, wie Lugli — siehe oben Anm. 3 — S. 310 es tat, zu einem paläographischen Vergleich eine Inschrift aus Tivoli her­ anzieht. Da Lugli das Heiligtum in sul­ lanische Zeit datieren will, stammt seine Vergleichsinschrift aus dieser Zeit. 1 9 Es fehlt überhaupt an sicher datier­ baren Inschriften aus Praeneste aus der Zeit zwischen 150 und 50 v. Chr. Die In­ schrift des Varro Lucullus — siehe oben Anm. 4 — hat ganze sechs (!) Buchsta­ ben. 1 1 Degrassi hat diese Kritik bekräf­ tigt: Epigraphica IV, 1. Quando fu co­ struito il santuario della Fortuna Primi­ genia di Palestrina, in: Memorie della Classe di Scienze morali e storiche del­ l’ Accademia dei Lincei 14 (1969) S. 113. 1 2 »... che le epigrafi possono darci la chiave per la soluzione del problema«: ebd. 1 3 CILXTV S. 289, rechte Spalte. Ge­ gen diese These wurde schon bald Ein­ spruch erhoben: R. Delbrueck, Helle­ nistische Bauten in Latium I (Strass­ burg 1907) S. 58. — H. v. Heintze, Das Heiligtum der Fortuna Primigenia in Präneste, dem heutigen Palestrina, in: Gymnasium 63 (1956) S. 538. — H.-G. Kolbe — siehe oben Anm. 7 — S. 175. 1 4 Vgl.: App., BC I 94, 434—438. — Liv., per. 88. — Lucan. II 193—195. — Plut., Sulla 32, 1. — Plut., praec. ger. rei publ. 19 p. 816. — Val. Max. IX 2, 1. — Zu dieser These ist auf den Bericht Ap- pians hinzuweisen, der davon spricht, dass Sulla die Senatoren umbringen liess, die zu Marius hielten. Damit ist implizit ausgesagt, dass es Parteigänger Sullas auch in Praeneste gab, die am Le­ ben blieben; vgl. B. Andreae, Römische Kunst (Ars Antiqua 5), Freiburg-Basel- Wien, S. 61. 1 5 Vgl. Degrassi — siehe oben Anm. 1 1 — S. 114—116; dort sind die entspre­ chenden Inschriften genannt. 1 6 Ebd. S. 116. 1 7 »... certamente o con grandissima probabilità«: ebd. S. 125. 1 8 Mit Hilfe der Namen versuchte auch G. Lugli, Il Santuario della For­ tuna Primigenia in Preneste e la sua datazione, in: Rendiconti della Classe di Scienze morali, storiche e filologiche del­ l'Accademia dei Lincei 9 (1954) S. 63, die Inschrift FG Nr. 1 S. 266—268 in die Zeit vor Sulla zu datieren. Auf dem Stein steht C AV [------------ ] FS C F RAV CVS usw.; wegen der Länge der Lücke müs­ sen die Namen zweier Personen ergänzt werden. FG ergänzten: AV[ILIVS (?) — das nomen ist in Praeneste belegt — und L ETRILI(?)WS usw. — L. Etri- lius C. f. Raucus ist bezeugt. Der Stein wurde also aufgrund in vorsullanischer Zeit bekannter Namen ergänzt und dann als vorsullanisch eingestuft. Gegen dieses Verfahren im Wege der petitio principii wandte sich schon Kolbe — siehe oben Anm. 7 — S. 175. 1 9 Vgl. CIL XIV S. 328—329. 2 0 Siehe oben Anm. 11. 2 1 Zu den Bedenken gegen diese Da­ tierung der Inschrift vgl. A. E. Gordon, Epigraphica I. On the First Appearence of the Cognomen in Latin Inscriptions of Freedmen, in: University of Califor­ nia, Publications in Classical Archaeolo­ gy 1, 4 (1935) S. 157. Es ist keineswegs sicher, dass die Inschrift aus dem Jahre 112/111 v. Chr. die älteste datierte ist, auf der ein libertus sein cognomen an­ führt. Die Inschrift CIL I2 663 = CIL III 713 = D 4053 = ILLRP 210, auf der dies ebenfalls geschieht, ist aus dem Jahre 130 oder 92 v. Chr. Degrassi entscheidet sich offenbar für das Datum 92 v. Chr., ohne freilich die andere Möglichkeit zu erwähnen. 2 2 Degrassi — siehe oben Anm. 11 — S. 126; die in Frage kommende Inschrift ist CIL I2 686 = CIL X 3783 = D 633 = ILLRP 722. 2 3 Degrassi ebd. 2 4 Die Arbeiten Mommsens sind zi­ tiert bei Gordon — siehe oben Anm. 21 — S. 151. Vgl. Gordon S. 153 und seine Tabelle S. 158 und neuerdings I. Kajan- to, On the First Appearence of Women's cognomina, in: Akten des VI. Internatio­ nalen Kongresses für Griechische und Lateinische Epigraphik München 1972 (Vestigia 17), München 1973, S. 402—404. 2 5 Vgl. Gordon ebd. S. 152. 2 6 Es fällt bei der Gruppe der datier­ ten Inschriften auf, dass sehr viele aus Capua stammen — so auch die beiden, die die für Degrassi entscheidenden Da­ ten liefern (siehe oben Anm. 21 und 22). Offenbar war es in Capua eher üblich — als z. B. in Praeneste — Inschriften durch Konsul—Angaben zu datieren. Schon dieser Grund muss davon abhal­ ten, die von Degrassi gegebenen zeit­ lichen Grenzen auf die Inschriften aus Praeneste zu übertragen. — Vgl. auch Gordons These — siehe oben Anm. 21 — S. 155—156. 2 7 Auch die neueste Abhandlung über die Datierung des Heiligtums von Gul- lini — siehe oben Anm. 2 — zeigt, wie stark auf epigraphische Argumente ge­ baut wird: »[Le iscrizioni] avevano co­ stituito l’ argomento principale in favo­ re di una cronologia 'alta'«; S. 764. 2 8 Vgl. Kolbe — siehe oben Anm. 7 — S. 176. EPIGRAFIKA IN SVETIŠČE FORTUNE PRIMIGENIJE V MESTU PRAENESTE Povzetek Avtor dokazuje, da za svetišče Fortune Primigenije v mestu Praeneste na podlagi fragmentarnih napisov, ki mu pripadajo, ni mogoče reči, ali spada v čas pred ali po Sulli, in očita metodične napake trem doslej predloženim načinom datiranja z epigrafskim materialom. 1. Datiranje na podlagi paleografskih značilnosti, ki že samo po sebi ni zanes­ ljivo, ne pride v poštev zato, ker ni dopustno primerjati obliko črk na relevantnih napisih iz mesta Praeneste z onimi iz Delfov in prav tako ne gradbenih napisov s počastilnimi, kar sta oboje storila Fasolo in Gullini, ki sta starejšo grupo pre- nestinskih napisov (in z njo svetišče) datirala v sredo 2. stoletja pred Kr. Ne glede na to pa tudi fragmentiranost napisov s svetišča ne dovoljuje paleografske pri­ merjave. 2. Datiranje na podlagi imenskega materiala, kot ga je — delno po Dessau v CIL — predložil Degrassi, je prav tako treba zavrniti. Razmerje 7 : 1 pri gen- tilnih imenih pred Sullovim krvavim obračunom z nasprotniki in po njem namreč bazira na dejstvu, da je 138 gentes, ki nastopajo pred Sullo in od katerih jih dobimo po Sullini vladi le še 20, znanih skoraj izključno s 300 napisov, ki pripadajo enemu samemu pokopališču iz 3. oziroma 2. stoletja pred Kr., medtem ko za posullansko dobo nimamo na razpolago napisov z enega pokopališča pripadajočega 1. stoletju, ampak je imensko gradivo zbrano s posamičnih grobnih najdb, počastilnih, votivnih in gradbenih napisov. Tako kriterij, ki ga je dobil Degrassi, in z njim datiral 30 (od 59) svetiščnih napisov v predsullansko dobo, s čimer bi bilo seveda datirano v to dobo tudi svetišče, ne drži, ker je izdelan na metodični napaki. Primerjati bi se dalo le imensko gradivo napisov, ki ne izvirajo iz omenjenega enotnega poko­ pališča. V tem primeru pa ostane le 14 gentes in od teh nastopa v kasnejšem času vsaka tretja. 3. Datiranje na podlagi imenske formule. Degrassi je menil, da ni le zagotovil datiranja svetišča v predsullansko dobo, ampak je datacijo natančno omejil. Liberti na napisih s svetišča imajo namreč z eno izjemo cognomen. Ta pojav naj bi se začel leta 112/111 pred Kr., po letu 71 pa liberti brez kognomena po Degrassijevem mnenju sploh več ne nastopajo. Degrassi je tako izdelal nov indic in datiral sve­ tišče med leto 110 in 100 pred Kr. Tezo, da so se začela pojavljati cognomina pri oproščencih na koncu 2. stoletja pred Kr. in da nastopajo skoraj redno nekako od 90/85 leta dalje, je postavil Mommsen in pozneje izčrpno dokazoval Gordon. Vendar gre le za približne oporne točke, kajti od napisov v Korpusu, ki pridejo v poštev, je možno zanesljivo datirati le 6 %, s čimer ni rečeno, da ostalih 94 % spada na­ tančno v čas, ki ga omejuje omenjenih 6 %. Tako odpade tudi ta Degrassijeva data­ cija. Jasno je, da od epigrafike nekateri zahtevajo več kot more dati, in da se epi- grafik često ne zna odreči rešitvi za vsako ceno. Vsekakor je najbolje pripisati napise iz svetišča v mestu Praeneste času med 150 in 50 pr. Kr., za točnejšo časovno omejitev pa je potrebno najti arheološke kriterije.