222294 Schutt. Schutt Dichtungen von Anastasius Grün. Leipzig, W c i d m a n n ' s che Buchhandlung^ 18 4 6. * O' 222294 Seinem verehrten Freunde Joseph Freiherrn von Hammer - Purgstall der Verfasser. Aug' m Auge lächelnd, schlangen Arm in Arm einst West und Ost; ' Zwillingspaar, das liebumfangen Noch in Einer Wiege kos't! Ahriman ersah's, der Schlimme, Ihn erbaut der Anblick nicht, Schwingt Len Aauberstab im Grimme, Draus manch rother Blitzstrahl bricht. Wirft als Riesenschlang' in's Berte Ringelnd, bäumend, zwischen sie Jener Berg' urew'ge Kette, Die nie bricht und endet nie. Läßt der Lüfte Vorhang rollend Undurchdringlich nicderziehn, Spannt des Meers Sahara grollend Endlos zwischen beiden hin. Doch Ormusd, der Milde, Gute, Lächelnd ob dem schlechten Schwank, Winkt mit seiner Aauberruthe, Sternefunkelnd, goldesblank. Sieh, auf Taubenfitt'gen fächelnd, Bon der fernsten Luft geküßt, Schifft die Liebe, kundig lächelnd, Wie sich Ost und Westen grüßt! Blüthenduft und Thau und Segen Saugt im Osten Menschengcist, Steigt als Wolke, die als Regen Mild auf Westens Flur dann fleußt! Und die Brücke hat gezogen, Die oom Ost zum West sich schwingt, Phantasie, als Regenbogen, Der die Berge überspringt! Durch die weiten Meereswüsten, Steuernd, wie ein Silberschwan, Zwischen Osts und Westens Küsten Wogt des Lieds melod'scher Kahn. Schutt. 1 Schutt. Das Gespenst geht um, aber wer fürchtet's am Lag? Wem cs denWegvertritt, geh' durch den zerfließenden Schatten, Wem es grauet davor, werfe sich nieder zum Grund! Italia. Ständchen eines Morgenländers. Der Thurm am Strande. Ich lag im weichen Gras, gelehnt auf Trümmer, An Istriens vom Lenz umblühtem Strande; Der Himmel guoll in abendrosgem Schimmer, Das Meer erglomm im purpurrothen Brande. Sie wollen flammend beid' in Eines fließen, Nicht sieht das Äug', wo Meer und Luft sich trennen, Wie sich zwei Lippen an einander schließen, In einem ew'gen Liebeskuß zu brennen. Von Liebe wollen Flur und Hain erzählen, Das ist rings ein Erröthen, Flüstern, Kosen! Die Wellen Hüpfen an's Gestad' und stehlen Sich flüchtig Küsse von des Strandes Rosen. 6 ^4° Sie legen Nachts gar heimlich und behende An's Land der Muscheln farbenreich Geschmeide, Daß Morgens an der Liebe zarter Spende Der Rosen Äug' sich beim Erwachen weide. Doch du dort, alter Thurm, öd' und zerfallen, Willst du nicht auch von Lieb' ein Wörtlein sagen? Mich dünkt es, deine morschen Quadern lallen Ein böses Lied, aus alten bösen Tagen! Dein Antlitz blickt so ernst, als ob es zürne, Und finstres Moos ist dämmernd drauf zu schauen, Wie auf des Denkers tiefgefurchter Stirne Die dunklen und gedankenschweren Brauen. Wohl dämmert's in dir von Erinnerungen, Wie Schuldbewußtscin in Les Sünders Herzen, Du finsterer Geselle, rings umschlungen Von ros'gen Schäkern und verliebten Scherzen! Ob deinem Thor ein Wappen, moosumwoben! Ein Löwe ist's, Las Evangelium haltend! Venedig, ha, dein Leu! Wohl muß ich loben Des Sinnbild's Wahl, dein ganzes Sein entfaltend! Der Mähne Königsmantel schüttelnd, Lene, Doch nicht verleugnend das Geschlecht der Katze! Das heil'ge Buch des Glaubens und der Treue Erhoben hoch, — doch in bekrallter Tatze! Großmüthig, wenn gesättigt schon vom Morden, lind sanft, wenn du gebändigt mußt erliegen, Dein Thron die Kluft, drin nie es Tag geworden, Und doch voll Glanz und Ruhm undKraft undSiegen! Sprich, und was wolltest du am Thurme dorten? Ich ahn's, ein Kerker war's! Als Kerkermeister Hat sich der Leu gelegt vor seine Pforten, Denn gern in Haft hielt Leiber er und Geister! Sieh hin jetzt: du zertreten, er zerschlagen! Sieh selbst dein Werkzeug: Ketten, Eisenstangen Im Purpurschmuck des Rost's, am Siegeswagen Der Freiheit, als entthronte Awingherrn prangen! Selbst in die Quadern, die den Thurm dir trugen, Ist einst der Freiheit frischer Hauch gefahren, Daß sie in wilder Lust aus ihren Fugen, Sich selbst entknechtend, taumelten in Schaarcn! -tK 8 Die Klagen, die sie hörten, tönen wieder Aus ihrer Marmorbrust, der schmerzgeweihten; Es senkte drauf sich dunkler Epheu nieder, Die immergrüne Elegie der Zeiten. Ein Oelbaum sprießt nicht fern, den Schutt verschönend, Und Rosen rankten dran die jungen Triebe; Zur Menschensaat des Hasses pflanzt versöhnend Natur so gern den Frieden und die Liebe. Doch wie die Lüfte flüstern heimlich leise, Und wie die Wellen rauschen auf und nieder, Wehn aus den Trümmern, still, in düstrer Weise, Zu mir herüber des Gefangnen Lieder: 2 «Ich war bescheidener Sonettendichter, Im Qualm Venedigs zündend Himmelslichter, Gebundne Rede meisternd wohlbedächtig, Gebundner Hände jetzo minder mächtig. Da lieg' ich nun gleich einem schlechten Werse, Verrenkt, gezwängt, vom Wirbel bis zur Ferse,. Die Ketten klappernd wie unreine Reime, In übler Form verwischt die schönsten Keime! Bor'm Thor San Marco's hielt ich Siesta gerne, Betrachtend irdische und Himmelssterne; Einst ungefähr, vertieft ganz in ihr Blitzen, Blieb einer Prozession im Weg ich sitzen. Einst in Fenice's höchstem Logenrange Sah ich ein schönes Kind mit heitrer Wange; Ich flog empor, — da safl der alte Doge In einem Winkel, ach, derselben Loge! Aum Unglück reimt' ich einmal auf: Tyrannen In einem Klinggedicht das Wort: von dannen! Ein andermal fiel mir auf: Senatoren Kein andrer Reim just ein, als: Midasohren! Die Reime, traun, sind reine, rcgeltrcue, Ich brauchte gleich sie wieder ohne Reue; Doch meinten drauf die Herrn, auf mein Sonette kVäb's keinen bessern Reim mehr, als: die Kette!» ---z- II -r-I- «An's Meer, gleich diesem, baut die Kerker alle! Ringsum nur Meer, endloser Himmel drüber! Setzt eures Sklaven enge dunkle Halle Der Freiheit und Unendlichkeit genüber! Daß, wenn er schuldig, selbst der Wellen Kosen Ihm Nachts und Tags von seiner Schuld erzähle Und fort und fort ihm laut der Brandung Tosen Des Herrn Gerichte donnre in die Seele! Daß, wenn er schuldlos, nicht an's Dhr euch dringe. Euch nicht den Schlummer störe seine Klage, Daß sie des Meeres Rauschen ganz verschlinge, Daß sie des Windes Flügel weiter trage! Ich klimm' empor zum hohen Fensterbogen, Und kralle fest mich an des Gitters Stäben! Ha, endlos seh' den Dzean ich wogen, Nur fern, gar fern ein weißes Segel schweben! -rH 12 Hz- Ach, meiner Freiheit Bild ! Nicht flieh so schnelle! Es eilt mein Herz dir nach, nicht kann es rasten, Es schwebt als Möwe über dunkler Welle Und klammert schreiend sich an deine Masten!» «Ihr, denen in die Hände ward gegeben, Wenn sich's die Händ' etwa nicht selbst genommen, Das Recht, zu schalten über Menschenleben, Kennt ihr des Menschenlebens Sinn und Frommen? Ich rath' euch, wallt aus eurer goldnen Klause Einmal hinaus in Frühlings Sonnenblicke, Doch laßt mir fein den Doctorhut zu Hause, Die grüne Brille, Coder und Perücke! Und wenn, von all dem Licht und Glanz entborget, Ein leiser Abglanz schlich in eure Seele, Dann ist es Zeit, dann weilet nicht, und sorget, Daß Flinte, Beil und Messer euch nicht fehle. Seht dort den Rosenstrauch im Duftmeer fluthen ! Das Messer her, vom Stamme ihn zu trennen! — Er liegt im Staub, und scheint nun zu verbluten Aus so viel Wunden, als da Knospen brennen. l! Seht ihr die Lerche hoch im Frühroth schimmern t Das Feuerrohr herbei, und streckt sie nieder! — Vor euch im Rascngrün mit leisem Wimmern Versiegt die holde Quelle süßer Lieder. Seht dort der Linde Haupt die Wolken grüßen! Die Art herbei, den Stamm ihr zu zerklüften! — Da liegt die Riescnleiche euch zu Füßen, Ihr Sterbcröcheln ist ein süßes Düften. Und will euch Wehmuth nun in's Herz, so lenket Heimwärts den Pfad, und nehmt an eurer Schwelle Den Säugling aus der Gattin» Arm, und senket Eu'r sinnend Haupt zu seiner Lockenhellc. Und denktdes Baum's, zerspellt zu tobten Trümmern, Und denkt der Knosp', erblaßt im Todesbeden, Und denkt des Liedes, aufgelöst in Wimmern, Und ahnt es leise, was ein Menschenleben!» 1 o s «Das grause Königsspiel will ich nun spielen, Und laden zu Gerichte meine Richter! Es drückt das goldne Zepter euch nur Schwielen, Doch hoch empor das seine schwingt der Dichter! Ihr könnt die Ebenbürtigkeit nicht tadeln Des Geift's in mir, ihr stolzen Purpurträger! Er wird zum Throne diesen Schemel adeln Und vor die Schranken rufen eure Kläger! Da sprach die Kette meines Arms: Bei Erzen Schlief einst ich sanft und tief in ew'gen Rächten! Was rißt ihr mich dem Berge aus dem Herzen, Solch' unbewehrte Arme zu umflechten? Der Wölbung Quadern sprachen drauf: Wir trugen Am Dom des Herrn einst mit als Felsensäulen! Was habt ihr uns geschmettert aus den Fugen, Zu hören dieses Armen Klage heulen? Des Bettes Diele sprach: Ich ragt' als Eiche, Auf grünen Höh'n zu säuseln Gottes Ehre! Was habt ihr mich gefällt mit frechem Streiche, Daß ich Ließ Herz jetzt an mich pochen höre! Bor'm Fenster eine Lerche klagte bitter: Was zeigt ihr mir, der Freiheitseelen einer, Der Knechtschaft gelb Gesicht durch schwarzes Gitter, Und eine Seele, ach, so frei, gleich meiner! Es sprach meinHerz: Euch freut, was mannigfaltig, Doch ein Gepräg' nur wollt ihr für Gedanken! Ihr liebt die Blumen, weil sic vielgestaltig, Doch darf nicht frei das Herz Gefühle ranken! In plumpe Fesseln wollt den Geist ihr schlagen, Der gottgesandt, wie Wölk' und Regenbogen; Die Wolke wettert, ihr könnt sie nicht jagen, Und knebeln nicht könnt ihr den Regenbogen! Und nun vernehmt den Urtelsspruch des Richters: Für Kett' und Schmach, die ihr ihm ließt bereiten, Denn also richtet mild das Herz des Dichters, Gibt euren Namen er Unsterblichkeiten! -44- 17 41- Nur erst gesellt er seine Ketten alle Zu Kron' und Stab in eures Wappens Rahmen, Es raffeln weit durch des Jahrhunderts Halle Wie seiner Ketten Klirren eure Namen. » Schutt. 2 l 8 Hi- « Durch meines Kerkers Eisengitter rangen Sich meine Blick' empor zum Himmel droben. Den Ball des Mondes sah ich leuchtend prangen, Bom goldnen Kranz der Sterne rings umwoben. Da klang's aus ihnen in mein Herz, und keimte Gleichwie ein kindisch Mährchen alter Tage, Bevor der Götter Schaar die Erde räumte Dem Mcnschenvolke von gemein'rcm Schlage. Es war ein Ries' einst, hochgewaltig, tüchtig, Der sprach zum Mond: Dein Licht behagt mir eben, Doch bist du mir zu wanderlustig, flüchtig, Und solltest fein an festem Wohnsitz kleben. Nicht übel stündest du mir über'm Kette Als Abendlamp' in meinem Schlafgcmache! Er' spricht's und schmieret eine goldne Kette, Und hängt den Mond dran auf am Himmelsdache. 19 -f-l- Doch der rollt fort und fort unaufgehalten, Und klingend riß die Riesenkette droben, Daß in Millionen Trümmer rasch zerspalten, Weithin gesä't, die goldncn Splitter stoben! Und sieh, als Sterne sind sie dort geblieben, Da leuchten sie in's Herz mir ihre Kunde; Als Freiheitshymn', in goldncr Schrift geschrieben Tief auf des Himmels dunklem, ew'gen Gründe.— Es flüchtet gern mit seinen stillen Schätzen Das Menschenherz in die gestirnte Ferne; Es will der Mann in Fesseln gern versetzen Selbst seine Ketten in die ew'gen Sterne.» 2 -t-Z' 20 «A- 1 «War einst ein König, der hielt liebumfangen Den Leib der Königinn, der schönen, jungen! Ob Lug' in Lug' und Hand in Hand auch hangen, Er hätte gern noch fester sie umschlungen! Des Gartens Rosen formt er da zur Kette, Die hält ihr Haupt in süßer Haft umwunden. So ward aus Rosen einst die erste Kette, So ward von Liebe einst die Kett' erfunden. Zwei Königskinder sind's, die dort zu Ringen Der Wiesenblumen schlichte Halme runden, Mit solchen Fesseln spielend sich umschlingen; Und so hat Lieb' die Kette fortgewunden. Den Tempel steh', wo Priester um die Wette Mit Myrt' und Ros' Lltar und Saul' umwunden! So hat die Liebe fest mit ihrer Kette Den Himmel an die Erde schön gebunden. 2'1 Todt sind das Königspaar, die Kinder, Priester! Doch Kränze ihren Aschenkrug umkosen! So band den Staub des Grabes, welk und düster, Der Liebe Kette an des Lebens Rosen. Da sah der Haß, wie Lieb' erfand die Kette, Das, was sie liebt, noch fester zu umwinden! Er formt, — aus Erzesblüthen, — nach die Kette, Noch fester, was er haßt, an sich zu binden! Doch von Guirlanden scheint mein Arm umwunden, Gleich Blumen flüsternd mir die schöne Mähre: Wie selbst im Haß ein Fünkchen Lieb' entzünden, Wie selbst der Haß bei Lieb' einst ging in Lehre.» 8 ° Gebt mir ein Buch!—Sie wollen kein'S nür gönnen! So mag mein Äug' im Buch des Himmels blättern, Das dem Gefangnen sie nicht rauben können, Und lesen, Herr, in deinen ew'gen Lettern! Ich seh' den Aether rein und leuchtend blauen, Und seh' das Abendrot!) in Flammen zittern, Draus mild der Englcin Thränen nicdcrthauen, Ich seh'S, — doch aus des Kerkers Eisengittern/ Seh' ziehn die Wolke mit der Brust voll Segen, Des Mondes Kahn im Meer der Nächte prangen, Die Sterne sich im goldnen Wirbel regen, Ich seh'S, — doch durch des Kerkers Eisenstangen. Ich seh' die Morgenwolke leuchtend steigen, Und mitleidsvoll der Rosen Bild und Reize, Die längstentbehrten, meinem Auge zeigen! Ich seh'S, — doch durch des Gitters ehrne Kreuze. 23 Ich sah die Wetter, die nun ausgestritten, Zch seh' den Regenbogen flammend schweben; Des Himmels lichter Grund doch ist durchschnitten, Ach, von des Kerkergitters schwarzen Stäben! Da dünkt es mich, im Buch des Himmels wären Die schönsten Stellen, heiligsten Legenden, Des Friedens und der Liebe Gotteslehren MitschwarzcmStrichdurchkreuztvonMcnschenhänden., -i4- 2t ^4- !> «Wie eine Rose aussieht, müßt' ich gerne! Wohl mußt' ich's einst, doch hab' ich's,traun,vergessen, Denn zwischen mir und jenes Frühlings Ferne Dehnt längst der Knechtschaft Nacht sich unermessen! Ich sah die Rose einst in einem Garten, Durch den die Spiele meiner Kindheit flogen; Ich sah sie einst auf flatternden Standarten Der Heere, die zum blut'gen Kampfe zogen. Ach sah fie einst im Dom vor'm Brautaltare An einer Jungfrau Herz sich zärtlich schmiegen; Ich sah sie einst in meines Vaters Haare, Als Tod ihn auf den Schrägen streckte, liegen. Ich sah, wie an der Brust der Mörder einer Sie mit zur Richtstatt führt' im Sünderwagen; O daß ich faß' im Karren anstatt seiner, Daß ich die Rose könnt' am Herzen tragen!» -t-Z- 23 Hi¬ lft <> Ich zog aus meinem Strohbett eine Lehre Und hielt sie lang vor's Lug' in meinen Händen; Als ob in ihr ein stiller Zauber wäre, Könnt' ich die Blicke nimmer von ihr wenden. Ein Feld voll Garben stieg vor meinen Blicken! Ha, wie sie flüsternd durch einander gaukeln, Geschäftig mit den goldnen Häuptern nicken, Und weithin ihres Meeres Wogen schaukeln! Von blanken Sicheln, durch die Schwaden ringend, Ist, Silberkähnen gleich, dieß Meer befahren, Und Schnittermädchen, aus den Wogen springend, Eö sind der Meeresgöttinn Dienerschaaren. Und blanke Dörfer rings und grüne Hügel, Darüber hin der ew'ge Himmel blauend, Und Lerchen drin, von Morgenroth die Flügel, Und von Gesang die Kehlen überthaucnd! -iv 26 Die Wälder säuseln und dre Quellen klingen, Dort um die Linde tönt's von Flöt' und Geigen, Daß Bursch und Dirne sich im Reigen schwingen, Und selbst die Blüthen tanzen von den Zweigen! Die Garben ruhn den Zungfrau'n nun zu Füßen, Und auf den Garben farb'ge Kränze liegen; Ich fasse einen, um in eines süßen, Geliebten Hauptes Locken ihn zu schmiegen; — Da rasselt mir am Arm die Kett' entgegen, Der Hand, der bebenden, entsinkt die Aehre!- Du dürrer Halm, wie hält' ich's denken mögen, Daß ich durch dich noch einst so elend wäre!» -S- 27 4-l- « Sic haben aus der Erde mich gestoßen. Und nur ein Stücklein Himmels mir gelassen, Soviel vom Kerkerfensterlein umschlossen In seinen Eisenrahmen wollte passen! Des Menschen Blick und Wort darf mich nicht laben; Ich seh' Ein Antlitz nur auf weiter Erde, Das deine, Graukopf, fütternd deine Raben, Daß ihre Kette nicht zu locker werde! Die Zeit hab' ich begraben und vergessen, Ich zähle nicht der Knechtschaft bange Stunden! Nur reinen Waitzen mag der Landmann messen, Doch nicht das Unkraut, das er drin gefunden! Ich weiß nicht, wann es Lenz! Ich darf nicht sehen Die Rosen glühen und die Blüthen blinken, Die grüne Wies' in duft'gen Halmen stehen, Und in den Schooß ihr goldne Früchte sinken! »4G 28 ^ch- Jch seh' den Herbst nicht an Len Blumen rütteln, Ach, wie mich welke Blätter selbst erfreuten! Ich seh' ihn nicht das Laub der Wälder schütteln Als Sand in's Stundenglas der Jahreszeiten! Ich sah die Zeit, den rüst'gen Falken, steuern Einst hoch ob mir, mit klingendem Gefieder! Doch mit durchschosfinem Flügel, matt und bleiern, Sank er vor meines Kerkers Pforten nieder.» -l-Z- 29 4-l- 12 « Ein Vöglein seht sich auf die Fenstereisen, Sein Schnabel hält des Waldes Purpurbeerc, Es drängt sein Herz, im Liede laut zu preisen Bon Freiheit, Waldeslust die süße Mähre! Doch wie es mich ersieht, denkt's mit Erbarmen: Nein, schweigen nM ich, daß die Wonnefülle, Die mich labt, nicht betrübe diesen Armen, Mein Beerlein nur will ich verzehren stille. Wie so das Vöglein an der Beere pickte, Mußt' ich vomBaum,dran sie einstschwellte,träumen, Und dann vomWald, aus dem derBaum mir nickte, Dann von den Feldern, die den Wald umsäumen; Dann von dem Strom,der durch dasFeld geschlungen, Dann von dem Meer, zu dem der Strom mag reisen, Bon Ländern dann, die von dem Meer umklungen, Bon Sternen dann, die Meer und Land umkreisen! — 30 Was List du, Vöglein, für ein Bogelriese Mit ehr'nen Fängen und gewalt'gen Schwingen, Daß du die Weltenkugel, als sei diese Ein winzig Beerlein, mir vermocht zu bringen!» -k- 3j 13 «Ich schaute Bilder einst von Sudlerhänden, Da hatten Mond' und Sonnen Mund und Nasen, Da sah den Sturm ich hinter Wolkenwänden Als wind'gen Jungen volle Backen blasen. Ein übler Maler ist der Schmerz, gleich ihnen, Denn, blick' ich auf aus diesen Finsternissen, Seh' ich nur fromme, heil'ge Menschenmicnen Als Sterne, Sonn' und Mond vom Himmel grüßen. D Menschenantlitz! Wundervoller Spiegel, Vom lauen Hauch der Gottheit leis umflossen! Du heilig Buch, in dessen Purpursiegcl Des Himmels ew'ge Räthscl tief verschlossen! — Dein Antlitz nur blieb mir, mein Kerkermeister! Doch ist der Spiegel unpolirt befunden, Das schöne Buch verklebt mit schnödem Kleister, Und, ach, in Fell unsaubrcn Thier's gebunden. -t» 32 Sch¬ und dennoch, was verloren ich mit Beben, Ich les' es drin, in altem Glanze tagend! All, was ein Antlitz nur vermag zu geben, Gibt deines mir, wenn Alles gleich versagend! Wie, als der Lava schwarze Krusten sprangen, Das heitre Bild des Liebesgott's draus blickte, So find' im Furchenschutte deiner Wangen Das Lächeln ich, de? Glanz mich einst entzückte. Die Wolken deiner Stirne müssen sinken, Ich lasse reinen, lichten Himmel tagen, Drauf der Gedanken Stern' und Sonnen blinken Und kühn gewalt'ge Regenbogen schlagen. Die Augen dein, im Zauberschlaf seit Jahren Zween Bären gleich in busch'ger Höhle sitzend! Den Bann lös' ich! Sie werden, was sie waren: Zwei Königskinder in Demanten blitzend! Dein Mund, versperrt wie dieses Kerkers Pforte, Er thut sich auf nun als Triumphesbogen, Draus die geharn'schten Sieger: Ernstesworte, Bekränzte Jungfraun: Liebesworte, wogen. 23 Dein Busen , klanglos , wie die dürre Scholle, Wölbt sich zum Dom voll süsser Liedertöne; Aus deines Leib's formloser Felsenrolle Entsteigt der delph'sche Gott in ew'ger Schöne! Selbst deiner eh'rnen Hand kann ich nicht zürnen, Wenn sie die Fesseln prüft, ob sie nicht weichen; Ich seh' sie Kron' und Lorber würd'gen Stirnen Und mild ein labend Brod der Armuth reichen. Du finstrer Schließer dieser ird'schen Hölle, Wie jauchzt mein Herz bei Leiner Schlüssel Klingen! Du bist Sankt Peter mir, vor dem zur Stelle Weitaus die Pforten meines Himmels springe»! D bleib', daß dir in's Antlitz still ich schaue, Mein durstig Äug' am Quell des deinen labe, Dass aus den Trümmern ich den Tempel baue, Und aus dem Schutte meine Götter grabe. » 3 « Dec Riegel knarrt zur ungewohnten Stunde, Ein Mann tritt ein im Kleid von schwarzer Farbe, Verschnitten ist sein Haar zur Glatzenrunde, Sein Mund fast lippenlos wie eine Narbe. Ein Ärüppelast des Edelpalmenbaumes, Mannheit genannt! Nicht tränkt und nährt begeistern? Sein Wort als süße Frucht so schönen Baumes, Als unrein Harz nur triest's andringlich, kleisternd! Er spricht von Büßen und Bereun, Bekehren, Bon Demuth, die sich höh'rec Weisheit schmiege, Bon Rückkehr zu der Gläub'gen frommen Heeren, Vom TodeSgraun, das einst auch Starke biege. - D lieber Mann, wollt ihr ein Bögler werden, Müßt ihr aufstreuen bessere Futterbrockenz Wollt ihr als schlauer Werber euch geberden, Muß Uniform und Handgeld reicher locken! 33 Ä- Es legt' ein Mann dem alten satten Leuen, Den mehr als er der feuchte Norden zähmte, SeinHaupt zumSchlund, drinkeineAähne dräuen;— Ob er des Pöbeljubels sich nicht schämte? Ein Gaukler ist's, indess ein Held mir heisset Der Neger, der im Wüstensand ihn meistert, Das Lamm dem Rachen jenes Leu'n entreißet, Den Hunger stachelt, Sonnenbrand begeistert! Rur leichten Gauklerruhm, nicht Heldensiege Wird euer Priestereifer sich erjagen, Nimmt als Genossen er im Glaubenskriege Mein Elend, meine Ketten, Todeszagcn. Ein Sterbender ist gar ein Sanfter, Milder, Muss viel, wird euch sich auch gefallen lassen, Und gleichen Sinn's, Sterbkerze, Heil'genbilder, Den Kuhschwanz auch nach Jnderweise fassen. Er kann euch nicht von seinem Bette scheuchen; Könnt' er die Hände regen, wollt' er lieber Dem Weib, den Kindern sie zum Abschied reichen; Nicht ihr bekehrt, besiegt ihn, nein, das Fieber. 3 ' -HS- 36 Ht- Mich wird das heil'ge Brod von weißem Waitzen Rach schwarzer Kerkerkrumme nicht anwidern; Auch mögt ihr mit dem heil'gen Del nicht geizen, Heilbalsam ist's den kettenwunden Gliedern. Mit dem gesunden, geistesfrischen Sünder Klimmt auf den Berg, daß weit in's Land er sehe, Dort werdet ihm des heil'gen Worts Verkünder, Denn Gottes Rede scheut nicht Gottes Nähe. Steht Mann dem Mann und Wort dem Wort entgegen, Daß Licht und Waffen gleich sür beide Streiter! Ist eures Wortes Schwert gefeit mit Segen, Wird dann ein Sieg ihm, herrlich, groß und heiter! Die Linde, feierlich geneigt die Gipfel, Wird stumm ihr Jawort nicken eurem Psalme, Fortrauschen werden ihn des Waldes Wipfel, Fortsäuseln werden ihn der Wiesen Halme. Aus jeder Blume ihm entgegenlächeln Wird euer Wort in farbenreichen Lettern; Die Lüste werden's um das Dhr ihm fächeln, Die Wolken werden's um das Haupt ihm wettern. -j-? 37 Mit Feuerpfeilen streckt die Sonn' ihn nieder, Das Wort des Lichtes in das Herz ihm gießend; Der Geist fährt, nicht in Flammenzungen wieder, Herab auf ihn in Blüthenflocken fließend.» IS »Glückauf, ein Jahr der Haft vorbei! denn winken Seh' ich ein grünes Blatt am Fensterrande; Gottlob, 's ist wieder Lenz! Schon will mich's dünken, Als schaut' ich weit in sonn'ge Blumenlande! Ich höre klingen die krystall'nen Bronnen, Den Sprosser flöten zwischen duft'gen Ranken! Jn's Kerkerdunkel glänzen Frühlingssonnen! - Dir', stilles, grünes BlLttlein, muß ich's danken! Doch wehe, weh'! Des Epheu's starr Gewinde Hab' ich gesehn statt sast'gem Lenzgesträuche, Ach, statt des Frühlings ros'gem, frischen Kinde, Nur seine Mumie, die immergleiche! Des Epheu's Ranken grünen Fesseln gleichen, Und mit dem Schergen steht er längst im Bunde; Daß nicht des Kerkers Steine lockernd weichen, Schlingt seine Arm' er um des Thurmes Runde! 3 9 «A- Sein bitt'res Amt dem Wächter zu ersparen, Nach mir zu schielen durch des Fensters Raine, Kroch er heran, mühvoll, vielleicht seit Jahren! Jndeß nach einem einz'gen Lenz ich weine.» -l-> 40 44- 16 « Frei , frei bin ich! Die Knechtschaft ist zu Ende! Das offne Thor, ha, wie mich's fast erschreckte! Wie ungelenk jetzt sesselfrei die Hände, Die einst in Ketten leicht zu Gott ich streckte! Frei, frei bin ich! Die Fesseln sind gefallen, O Licht, wie blend'st du meine Augenlieder! Frei darf ich durch den Garten Gottes wallen Und stürzen an die Herzen meiner Brüder! Reicht eure Hände mir! — Doch, ach, wie sollen Sie dringen durch der Gräber grüne Decken! Und die Lebend'gen flieh'n, denn nimmer wollen Sie mit des Sklaven Handschlag sich beflecken! Wohlan, so will ich selber denn erringen Mir neue Liebe und ein neues Leben! Noch fühl' ich Jugendkraft den Arm beschwingen, Der Jugend Locken noch um's Haupt mir schweben! LI Hi- Da nahm mein Todfeind schweigend mich am Arme Und stellte mich vor einer Quelle Spiegel: O weh, mein Haupt eisgrau, daß Gott erbarme! AufWang' undStirn der Knechtschaft Furchensiegel !— Und so ist ungesehn und ohne Grüße Mein Lenz gewallt durch meines Kerkers Grauen; Die Hülle tiefer, ew'ger Finsternisse Ließ mich die leuchtende Gestalt nicht schauen! Empfang', o Kerkernacht, dieß Herz jetzt wieder, Als Blume, die gewöhnt an deine Schatten! Zn dich als Marmorurne leg' ich's nieder, Zm Grabgewölb der Zeit euch zu bestatten. » -rs- i2 Ä- 17 — Und still verklingen des Gefangnen Lieder, Die Wellen wimmern, fahle Wolken reisen; Da jauchzt es unfern mir, und jauchzet wieder, Und singt, mir fast zur Unzeit, lust'ge Weisen. Mir naht ein Greis mit silberweißen Haaren, Doch Morgenroth des Frohsinns auf der Wange; Ei seltne Nachbarschaft! Wie Rosenschaarcn Umblühend Gletschereis am Alpenhange! Willkommen Greis! Du mußt wohl Kunde wissen Bon diesem düstern, grauenvollen Hause, Wer einst geächzt in seinen Finsternissen? Weß Ketten klirrten durch die dunkle Klause? « Geächzt hat Niemand als die Wetterfahne, Wenn sie der Wind gedreht im spröden Gleise! Geklirrt hat nichts hier, als von dem Altane Die Becher all' in lust'ger Brüder Kreise! «Ein Lcuchtthurm war dieß Haus in alten Tagen, Zerfallen nun, seit dort gebaut der neue; Anstatt des Invaliden, lahmgeschlagen, Trat der Rekrute in die offne Reihe. «Ich war sein Wächtersmann, der wohlbestallte, Gottlob, daß Pech und Wein dem Land nicht fehlen! Ha, wie, wenn Wind und Wetter pfiff und hallte, Geflammt die Leuchten und gejauchzt die Kehlen!» So sprach der Greis; noch leuchtet des Gelages Erinnerung um's Haupt dem alten Zecher, Wie durch der Dämmrung GrauNachglanz desTages, Wie Reste Rebenblut's durch leere Becher. — So sang ich in des Lichtes Heiligthumen Bon Finsternissen und verdorrten Lenzen! Der Gärtner zieht zu Wonn' und Lust die Blumen, Und, ach, verbraucht sie oft zu Todtenkränzen! So war der Hain des Friedens und der Liebe Mir überschattet von dem Baum der Schmerzen! Mich dünkt's wohl gar, des dunklen Stammes Triebe, Sic wurzeln nur in meinem eignen Herzen. -t4- LL Verglommen mählich ist die Abendröthe, Es senkt die Rächt des schwarzen Mantels Schwere Rings um die Trümmer und die Blumenbeete, Und über weites Land und ew'ge Meere. Da läßt der Himmel Mond und Stern' erglimmen, Da glühn am Golf empor des LeuchtthurmsFlammen: Licht! Licht! ihr Losungswort, das große, stimmen JehtErd' und Himmel, Gott und Mensch zusammen. Eine Fensterscheibe. Ihr fragt mich lächelnd, ob ich Glaser worden, Die Zunft erlauscht um freien Dichterorden, Daß ich mit so gebrechlich zarter Waare In das Gedräng' des Dichtermarktes fahre? Erlaubt, daß ich das blanke Glas euch deute, Ihr war't mir milde stets, o seid's auch heute; Wie schad', wenn Einer aus der Hand mir's stieße, Und euch's in Scherben siele vor die Füße! — Seht dort des Klosters morsche Mauerzinken Verschämt und halb versteckt aus Föhren blinken; Ha, welch lebend'ges Leben rings sich regte, Als einst der erste Abt den Grundstein legte! Aus Kronen brachen Kön'ge da Juwele, Daß es an Steinen für den Bau nicht fehle; Es lösten Frau'n die güldnen Kettlein wieder, Um fest zu binden des Kolosses Glieder. Alltäglich stand mit frühster Morgenhelle Der Abt, den Bau befeuernd, schon zur Stelle Mit strengem Worte und mit mildem Weine, Daß man mit Fug aus Wein den Mörtel meine. Da schlich einst still ein Bettler um die Wände Und brachte scheu ein Pfennigstück als Spende: »Herr, laßt dieß Sandkorn eurem Bau gesellen, Nur karger Trank quillt aus versiegten Quellen.» Es sprach der Abt: «Schön Dank und Christi Gnade! Das gibt für's Fenster dort die Scheibe grade!» Da ging der Schalk und wünscht' in seiner Seele, Daß es dem Hause nie an Lichte fehle. Doch, von des Abtes Demantring geschrieben, Zst in der Scheibe noch der Spruch geblieben: «Aus eines Bettelsackes Finsternissen Seht hier das Licht und Gold der Sonne fließen!» Und rüstig aus dem blanken Mauerwalle Stieg Kuppel, Kreuzgang, Thurm und Säulenhalle; Hoch ragt der Bau und dehnt sich weit und weiter Als feste Schanze für die Glaubensstreiter. -r-ö L9 Zum Bannerträger sie den Thurm erkiesen, Hoch flammt das Goldkreuz in der Hand des Riesen; Gleich tausend goidnen Schilden glühn vom Hügel Weithin in's Land der Fenster lichte Spiegel. Als eine Wache stolz und auserkoren, Stehn hohe Marmorbilder vor den Thoren; Nie lüstet's sie, in Schlummer sich zu neigen, Denn Wächterpflicht ist Wachen ja und Schweigen. Es braus't aus hundert Kehlen um die Wette Empor als Schlachtgesang Choral und Mette; Als Trommeln laut zum Sturm die Kanzeln klingen, Drauf rüst'ge Schlägel ihre Wirbel springen. Und horch, sie lösen dröhnend ihr Geschütze: Die Glocken sind's auf luft'gem Wolkensitze! Wenn ihre Donner durch den Aether zittern, Scheines selbst bei heitrem Himmel zu gewittern. So war cs einst! — Jetzt sehn die grauen Reste Scheu auf des sonn'gen Thales Blüthenfeste, Wie wenn ein Greis geriet!) in Kinderspiele, Ein düstrer Eremit in's Tanzgewühle. Schutt. 4- 30 -A- Durch jenen Riß der Kuppel, halbzerfallen, Drängt Mond und Stern sich in des Domes Hallen, Als sei'n zu stiller Andacht sie gekommen, Zu mehren dort die kleine Schaar der Frommen. Zch seh'den Thurm,gesenktenHaupt's mit Schweigen, Den stolzen Leib gekrümmt in Demuth neigen; Hat ihm des Alters Last gebeugt den Rücken? Will neuer Zeit er seinen Bückling nicken? WarfSturm die ries'genQuadern auch zuLrümmern, Seh' ich des Bettlers schwaches Glas doch schimmern! Als ob, was fromm des Herzens Andacht weihte, Selbst die Zerstörung zu berühren scheute! Am Stcrncnkranz, Madonna's Bild umschwebend, Seht eines Taubenpärchens Nest jetzt klebend, Als rief es girrend zu dem Erdensohne, Daß Liebe gerne bei den Sternen wohne! Sankt Peters Bild ließ seine Schlüssel fallen, Als stünde Edens Thor nun offen Allen; Sie sanken in die scharfen Nesseln nieder: Rur Handschuh oder Eisen hebt sie wieder! Z I ^4- Auf schmalen Raum im weiten Bau beschiedcn Sich jetzt des Glaubensstreites. Invaliden, Als flöhen sie vor der Zerstörung Tritten; Rasch aber folgr die Sieg'rinn ihren Schritten! Und wie der Arm der Zeit die Pfeiler schüttelt, Und an den Kuppeln und Gewölben rüttelt, Dröhnt dumpf der Fall der Steine durch die Hallen, Wie des Berfolgers ferne Schüsse fallen. Der Zellen und des Kreuzgangs öde Massen Sind längst dem Feind als Beuten überlassen, Drin Eul' und Fledermaus ihr Lager breiten, Borposten des Wertilgungsheers der Zeiten. Manch Marmorbild in Gras und Rosensträuchen Versenkt, gleich unbegrab'ncn Kriegerlcichen! Wie vom erklommnen Wall, weht vom Altane Das grüneMoos als Siegs - und Fricdensfahne! — So liegt ein kranker Greis im Todesbeben, Durch's Herz allein noch zuckt ein Fünkchen Leben; Die Seele ahnt's, es spricht's sein brechend Auge, Daß er der Welt, und sie ihm nimmer tauge. Tritt hin,mein Lied, — wir kämpfen nicht mit Leichen !— An seines Mundes Hauch Lein Licht zu reichen! .Berwandl' in Epheu dich und fröhlich treibe Zur Wand empor, bis an des Bettlers Scheibe! Wirf einen Blick hinein, dann lustig weiter! Und schleudre deine Festguirlanden heiter, Daß ihr Gewind' von SLul' an Säule reiche, Ein weicher Kranz den Schläfen dieser Leiche. Zch aber singe durch die deutschen Gauen, Wo rüst'ge Meister stolze Dome bauen; Nehmt hin mein Lied, und laßt es euch gefallen Als eine Scheib' in deutschen Dichterhallen! 33 Ä- 2 Am Hochaltar, umflammt von Kerzenglanze, Strahlt in des Priesters Hand die Goldmonstranze, Um die als Kranz, aus lautrem Gold gegossen, Ein Rebenreis und eine Aehre sprossen. Traun, solche Huldigung wie beiden diesen, Ward seiner Reb' und Aehre je erwiesen! Seht, jetzt erhebt der Priester die Monstranze Mit ihrem goldnen Red' - und Aehrenkranze: Und alles Volk sinkt auf die Knie' im Kreise, Und schlägt an's Herz und flüstert betend leise, Des Weihrauchs dust'ge Wolken aufwärts ringen, Die Glocken donnern, und die Glöcklein klingen! Da denkt die Aehre still: Ich wollt', ich stünde Im Felde bei den Schwestern, frei im Winde, Wie sie zu wallen leis im goldnen Reigen, Und selbst das Haupt, von Segen schwer, zu neigen! -iS- 34- -lk- Da denkt die Rebe still: O könnt' ich sprossen Auf steilem Hügelrain bei den Genossen, Wie sie, vom Fruchtkorb schwer, den Rücken neigend, Und selbst das Knie in stiller Andacht beugend! öö Ä- Ein greiser Mönch schleicht durch des Kreuzgangs Hallen, Horch, Flüche seiner bleichen Tipp' entwallen, Wie aus zerfallnen Tempeln in der Wüste Ein Schwarm von Panthern springt mit Mordgelüste! Ich lauscht', und Fluch um Fluch entbot der Alte All dem, was heilig, lieb und groß ich halte; Mir war's, als schleudert' er mit Hohn, zerrissen, Mir meiner Freuden Blüthenkranz zu Füßen! Als ob er an der Wand zu Trümmern würfe Den Goldpokal, draus ich Bcgeistrung schlürfe! Als ob der Geifer seines Mund's bespeie Das heil'ge Banner, dem ich stolz mich reihe! Halt an!—Mein Schwert sollt' aus der Scheide klirren, Die Pfeile zücht'gend aus dem Köcher schwirren, Wenn dich die weißen Haare nicht, die milden Fürsprecher, deckten mit den Silberschilden! -H- 86 Sie sind des heil'gen Stromes weiße Wellen, Die sanft ein schroffes Jnselhaupt umquellen; Der Silberlocken Brandung heiligt, schirmet Des Wahnes Tempel selbst, der draus sich thürmet. 4 Gewalt'ge Tische dehnen sich im Saale, Doch wenig Gäste sammeln sich zum Mahle; Wie stand dieß Schlachtfeld einst voll Waffenbrüder! Wie hat der Tod gelichtet jetzt die Glieder! In jenem Schrank, dem Arsenal der Zecher, Gleich Panzern todter Helden stehn die Becher; Doch alle leer, vom Spinnennetz durchwoben, Vom Staub des Aeitenmoders überstoben! In tiefer Gruft, in üppigem Gedränge, Mit trocknen Lippen schläft der Zecher Menge; Mich dünkt's, als ob zur Gruft die Becher schielten, Als ob zum Schrank der Schädel Augen zielten! Gern wallt' ich stündlich in der Gruft Gemächer, Denn heiter sind die Träume lust'ger Zecher; Doch blieb' ich Mitternachts im Mondenschcine Richt mit den leeren Bechern gern alleine. 38 -KH- Da ziehn, wie blankem Sarg entsteigend ihnen, Die Geister froher Stunden, trüb an Mienen, Im Trauermarsch, in langen Heeresbahnen,- Worüber mit gesenkten schwarzen Fahnen. -HZ- 59 ^4» 5 Im Beichtstuhl sitzt em Priester zu Gerichte. Glaubt nicht des Jünglings ros'gem Angesichte ! Ein Eisfeld ist sein Herz, das kalte, rauhe, Ein Spiegel, drin sich nur der Himmel schaue! Und eine Wüste ist's, die schrankenlose, Die öde, kahle, ohne Quell und Rose, Draus nur die Pyramide « Gott» sich hebet, Doch einsam, düster, grau und unbelebet. Ein lockig Mägdlein kniet zu seinen Füssen, Ihr Herz ihm ganz und reuig aufzuschliessen; Drin hat die Sünd' ein Gärtlein, ein gar schönes Boll Rosenhecken und voll Quellgctönes. Nun ihre Worte den Bericht beginnen, Und von den ros'gen Lippen lispelnd rinnen, Da wird es ihm, als ries'le eine Quelle Durch seinen Wüstensand ganz frisch und Helle. 60 Ich weiß mit Blüthenranken, Baumspalieren Die Wand, die von der Welt uns trennt, zu zieren; Was sollt' ich ob der Scheidemauern klagen, Die mir so schöne Blüth' und Früchte tragen! «So ist, o Herr, ein stilles, schönes Schweben Durch Blüthenglanz und Sonnenduft mein Leben! So mag mein Geist zu deines Frühlings Hallen Durch Blüthenglanz und Sonnenduft einst wallen! - '° Ha, Zeit ist's, meine Blumen zu begießen! Ach, unbeschrieben muß mein Buch ich schließen! Dich Rose meines Gartens leg' ich wieder Als Zeichen in der Chronik Blätter nieder. 86 Hl- > Da magst du Würze hauchen in die Spalten Des vollgeschriebnen Säkulums, des alten, Und in das leere, weiße Blatt des neuen Dein Morgenroth und deine Düfte streuen. -- -tö 87 -§r- Wie seid ihr schön, ihr lieben, grünen Ranken, Die jener Zelle Fensterlein umschwanken, Ihr steigt empor wie Stufen luft'ger Stiegen, Drauf grüne Teppiche gebreitet liegen! Wie lieb' ich euch, ihr Ranken, schön und heiter, Ihr grünen Sprossen einer Frühlingsleiter! An euch empor ziehn kletternd meine Träume, Neugierig blickend in des Innern Räume. Den letzten Mönch seh' drin aus Anie'n ich liegen, Die Andern all' sind längst zur Gruft gestiegen, Den Andern allen drückt' er zu das Auge, Und Keiner blieb, der sein's zu schließen tauge. Da fließt um's greise Haupt in ernster Mahnung Wie leiser Flügelschlag ihm Todesahnung, Als fühlt' er säuselnd drauf im Windeswallen Sanft einen Kranz von dürrem Herbstlaub fallen. -»4- 88 Hr- Er rafft sich auf; mit dumpfem Nachhall gleiten Des Mönchs Sandalen durch der Gänge Weiten, Ihm dünkt es, wie er hört die Doppeltritte, Als ob mit ihm der Geist des Hauses schritte! Den Dom entlang bis zu des Chores Bogen! Da greift er mächtig in der Orgel Wogen, Und läßt aus voller Brust laut durch die Hallen Sein: « Großer Gott, wir loben dich! » erschallen. Und wie die Tön' im leeren Dom mit Dröhnen Ringsum, gewalt'gen Brausens, wiedertönen, Ist's, als ob Antwort ihm aus Grüften klänge, Und mit der Chor der todten Brüder sänge. Jetzt ist eS still, und Lied und Klang zerstoben! Des Mönches offnes Äug' starrt kalt nach oben, Als spräch's: Seht hier denletzten Mönch, ihrFrommen! Denn mich zu schließen will kein Bruder kommen! Und eine Weile drauf mit leisem Flimmern Erlosch im Dom der ew'gen Lampe Schimmern; Doch mir schien's, da ihr letztes Flackern bebte, Als ob des Domes Seele still entschwebte. — -H- 89 -x-r- Und eine Weile drauf, da stürzen fallend Die Engelchöre, jenes Kreuz umwallend! Wie wenn ein Baum am Grabe, sturmgerüttelt, Drauf seine weißen Blüthenflocken schüttelt. — Und eine Weile drauf, den Dom erschütternd, Stürzt selbst der Baum, im Fall zu Moder splitternd ! Ihm nach Gewölbe, Kuppeln, Säulen rollen, Wie Särgen eine Schaufel Erdenschollen! — Und eine Weile drauf wallt diesen Steinen Die Zeit vorbei, wie morschen Todtrnbeinen; Streut fromm darüber eine Handvoll Erde, Daß ihnen christliche Bestattung werde. — Und eine Weile drauf, der Erd' entsprießend, Wehn grüne Saaten drüber, lichtbegrüßend, Stehn volle Rosen draus, so duft'ge, Helle! Das ist wohl eine schöne Grabesstelle. Und durch die Saatengänge, Rosenhallen, Seh' einen Dichter ferner Tag' ich wallen, Sein Lied, auf lust'gen Saaten leis geschaukelt, Sein Lied, von frischen Rosen hell umgaukelt! -j-» 9« Sie aber wollen'S ihm nicht anoertraucn, Was ihnen in der Tieft ward zu schauen, Wie einst in meinem Herzen schon sie keimten, Und drin den Traum der Auferstehung träumten! Nur eine Lerche, sonn'gen Aethers trunken, Als Geist der Glocke, die dort tief versunken, In Thurmeshöhe schwebend über ihnen, Läßt tönen ihre schönen Matutinen. — So hielt mein Herz Les letzten Mönchs Begängniß. Schon bricht herein mit Grausen das Verhängnis, Die Kuppeln bersten, und die Pfeiler wanken! — Wie schad' um meine lieben, schönen Ranken! Cincinnatus. 93 Ä- 1 Im Golf Neapels, an Pompeji'S Küsten Liegt eines Schiffes majestät'scher Bau; Matrosen, an Len Masten klimmend, rüsten Zur nahen Abfahrt Segel schon und Tau. Am Missisippi grünten einst die Wipfel, Jetzt im Tyrrhenermeer sich spiegelnd dort Entlaubt und kahl! Jedoch von ihrem Gipfel Tönt lust'ger Vögel Lied noch immerfort! Von aussen über der Kajüte schimmert Ein Römerheld, geschnitzt, als Schutzpatron, Dess Haupt ein goldner Lorberkranz umflimmert, Dess Hand als Strauß Eyanen hält und Mohn. Ein Garbenbund liegt ihm zur Linken munter, Rechts droht das Beil aus Ruthen grimm heraus; Die Aehnlichkeit verbürgend, spricht darunter Eoldschrift Len Namen: «EincinnatuS» aus. Bon vier und zwanzig Sternen golddurchschoffen Neigt drüber sich die blaue Flagge mild, Wie eine späte Glorie, die umflossen Mit Sternenglanz das alte Heldenbild. Ein Sohn Amerika's, gekreuzt die Hände, Lehnt still am Mast an Eincinnatus' Bord; Sein Äug' durchschweift im Flug des Golfs Gelände, Winkt hier ein Lebewohl, nickt Grüße dort: «Europa's Hand Italia, die schöne, Erhebt sich segnend über'm Wogcnglanz, Und daß des Meeres Haupt sie liebend kröne, Hält sie Neapels Golf als würd'gcn Kranz. «Er riß vor Füll'! Im Blüthenkuß nicht küssen Misenums und Minervens Kap sich mehr! Wie einzle Blumen liegen losgcrissen, Zerstreut, die schönen Inseln bunt umher! «O Capri, Rose, schön im Spätrolh glühend! Doch sich, Tiber's zertrümmert Ricsenschloß, Es ist der Kuß der Schlange, geifersprühend, Der, Rose, dir entweiht den keuschen Schooß! 9ö Ä- «Nisita's, Ischia's weiße Burgen schimmern Wie Wasscrliljen über'm Meeresplan; Doch Kettcnklang und der Gefangnen Wimmern Steigt als der Kelche Duften himmelan! «Ihr Blüthen rings, mich täuscht nicht euer Kosen! Ich weiß, ihr seid ein Selam nur der Schmach! Geschrieben hat in Lorbern und in Rosen Hier jede Zeit die Gräu'I, die sie verbrach! «Ich weiß es, Ros' und Lorber trunken schwellen Rur in dem Duft, der rings aus Gräbern steigt; Drangen, Reben und Granaten quellen Nur von dem Blute, das sic reich gesäugt! «Sie alle sind Guirlandcn nur, zu ranken Um einen großen Blutaltar: dieß Land, Die von des Opfers Todeskrampf noch schwanken, Dran noch sein letzter Sterbehauch gebannt! «Es-lodert mitten Lurch des Weltbrands Trümmer Vesuv, das letzte Haus, das fort noch brennt; Neapel, stolz gehüllt in Lärm und Schimmer, Sein Schutt ist deines Baues Fundament! -»-z- 96 Ä- «Dein Bolk, nur Trümmer jenes sturmentrafften, Gewalt'gen Heldenvolks voll Glanz und Kraft, Und deines Marktes kleine Leidenschaften Nur Trümmer einer großen Lebenskraft! «Eastellamare dort, wo Anjou's Weste In Trümmern stottert noch manch blutig Wort! Elysium, eines Himmels Trümmerreste! Avernus, einer Hölle Trümmer dort! « Sorrent's Gestad' im blauen Flor von Lüften! Wie mich dieß Wort mit süßem Schmerz beschlich! Sieh', aus Gesängen und Drangendüsten Wiegt ein zertrümmert Dichterleben sich! «Pompeji, sei gegrüßt, erhabne Leiche! Die Gegenwart als Leichenräuber schwingt Den Spaten; seht, wie er mit jedem Streiche Au Tag ein Stück der Weltgeschichte bringt! «Du bist das Antlih nur vom Leib des Riesen, Den noch umhüllt der Erde Leichenkleid! Doch deines Hauptes welke Züge wiesen Die alte Kraft und Füll' und Heiterkeit! -r-ö 97 u Dein Sarno, der dir einst als Kraftathlete Der Schätze Last zum Port gewälzt so leicht, Sich, wie er mühsam jetzt zum Mceresbeete, Gleichwie ein Greis zum Grab auf Krücken, schleicht! >< Und triumphirend über Menschenkräfte Pflanzt manchen Baum in deiner Hallen Flur, Manch Moos dir auf Altar' und Säulenschäfte Als Fahne der Erobrung die Natur. «Doch blinkt noch unversehrt der Gräber Straße; Ach, das allein Beständ'ge ist das Grab! Und lächelnd wandelt deine öde Gaffe Der alte Sonnenschein noch auf und ab.» — So sxrach des fernen Westens Sohn, indessen Die Sonn' am Horizonte niederzog, Bon wo durch's Meer ihr Glanzstreif unermeffen Bis an sein Schiff als goldne Brücke flog. Und auf der goldnen Brücke wandelt heiter Des Jünglings Geist gen -Westen unverwandt, Wallt durch die Mecreswüste, immer weiter, Und fort und fort, da ruft er jubelnd: Land! Schutt. 7 -i4- 98 «Land! Land! o meines Vaterlands Gestade! Willkommen Baltimores schöner Strand! Der mit den grünen Armen die Rajade, Das Meer, als seine süße Braut umspannt! «Es braust der Susquehannah, wogenschlagend, Ms Hymne dir vom Mund zum Preis der Braut; Washingtons Mal, als lichter Pharus ragend, Liegt dir als Talisman am Herzen traut. «Seid mir gegrüßt ihr Wälder, Königsriesen, Umwallt von farb'ger Ranken blühndem Reis, Die purpurnen Trompeten gleich, als bliesen Sie in Posaunen eurer Schönheit Preis ! «Gewaltige Ströme, drauf des Dampfschiffs Wolke Durch Urwaldswüsten und Savannen steigt, Und, wie die Säule Rauchs einst Jakobs Wolke, Die Bahn zu neuen, schün'ren Eden zeigt! «Ihr Städte, über Nacht entsprossen schnelle Gleich Blumen, seht, an euren Marktbrunn lenkt Der Damhirsch seinen Schritt und sucht die Quelle Die gestern noch im Walde ihn getränkt! -HZ, 99 « Ihr stillen Pflanzungen einsam Zerstreuter, Wo zu Len Bäumen floh des Menschen Schmerz, Die, greisen Aerztcn gleich, ihr Laub wie Kräuter Ihm heilend legen auf das wunde Herz! « Sieh, Leben rings auf jedem deiner Züge ! Selbst jene Grabeshsigel alter Zeit Verhüllt, wie eine tausendjähr'ge Lüge, Auch eines tauscndjähr'gen Waldes Kleid ! «Selbst die Enpresse Mont Bernon's, die düsternd Bom Grab des Helden ferne Schiffer grüßt, Ein Lied des Lebens säuselt sie, das flüsternd Auf's Vaterland noch wie sein Segen fließt! «Wehklagend flieht der Urwald immer weiter, Bison entstürzt und Panther mit Geheul, Und hinter ihnen schwingt triumphesheiter Der Mensch, obsiegend der Natur, das Beil! »Mein Vaterland, in deines Lebens Glanze Sieh hm jetzt in Pompcji's Angesicht, Daß auch Las Leine einst im Todeskranze So ruhig lächle, und so ernst, so licht! -bK 4 00 s So soll mein 8slvs! einst auch Enkeln klingen,. Wenn über ihren Reben, Quellen, Rosen, Im Jubelfluge, auf des Windes Schwingen, Vorüber meine Aschenroste tosen! -tl' 106 -! 3 Sei mir gegrüßt, Dhio, schöner Strom, Der im gebetesstillen Urwaldsdom Auf neuer Stadt' unheil'gen Marktlärm stößt, Hier Goldsaat tränkt, dort Felskolosse flößt! Ein Bild der Zeit, begegnen sich auf dir Der Riesenbaum, den Sturm entwurzelt, hier, Und dort des Dampfschiffs wandelnder Pallast, Des Wilden Kahn, gebaut aus einem Ast! Hier hörtest du des Britten feilschend Wort, Des irren Indianers Wehruf dort, Und lauschest jetzt des Deutschen ernstem Lied, Das auf dem Strom der Sehnsucht heimwärts zieht! Du sangst mein Wiegenlied, du hieltest klar Dem Jüngling einst der Reinheit Spiegel dar, Und hast geflüstert leis in's Herz dem Mann Des Ernstes und der Kraft ein Wörtlein dann! -vf- IVI Du siehst mein Vaterhaus, so deutscher Art, Als ob's ein Engelpaar in luft'gcr Fahrt, Wie einst Loretto's Gnadenhaus, hierher Gerad' vom Rhein getragen über's Meer. Drin grüß' ich, heimisch Larenpaar, dein Bild, Dich großer Fritz, dich Joseph weis' und mild! Am Fenster klimmt ein Rosenstrauch hinan, Auch er durchmaß als Zweig der Meere Bahn. Ein Frühlingsargonaute zog er fort, Der, steuernd aus der Heimath sichrem Port Nach ferner Lenze goldnem Sonncnvließ, Daheim sein Liebchen Nachtigall verließ. D Deutscher, deine Heimathlieb' ist gleich Dem Feuerwcin, an Duft und Gluthen reich, Der, wenn er weiter Meere Bahn durchzog, Rur höh're Gluth und neue Würzen sog! Bor'm Hause liegt ein Feld, aus dessen Raum Manch Strunk noch ragt von manch gefälltcmBaum, Ein Urwaldsforum, von deß Säulcnzahl Des Feindes Sturm nur ließ manch Piedestal. t 08 Und mitten in gesunkner Säulen Kreis Als Triumphator sitzt ein ernster Greis, Als Zepter blitzt die Axt in seiner Hand, Als Siegeswagen fuhr sein Pflug durch's Land! Mein Water ist's! Seht rings sein rüstig Heer! Es starrt von Golde schimmernd Speer an Speer! Die Saaten sind's, sie lagern nah und fern Gewaffnet all' für ihren süßen Kern! Das sind vom Rhein die Truppen, deren Zelt Er siegreich an Ohio's Bord gestellt; Sie flüstern, Kriegern gleich an fremdem Strand, Vertraut vom schönen, fernen Vaterland. Colibri-Schwärme flattern farbenreich Um's Heer, vcrbuhlten, lust'gen Dirnen gleich; Ihr Losen, laßt mir ungeschwächt und stark Die schöne Fremdenschaar an Kern und Mark! Die Heerde, die im Walde läutend geht, O Held, ist'deiner Thaten Hofpoet; Gleich dem erhebt, wenn Hunger sie beschlich, Am allerlautsten ihre Stimme sieb. -i-s- los Hi- Sieh Riesenbäume, die geschont dein Streich, Mit Kränzen üpp'ger Schlingeblumen reich Behängt die Arm', als Abgesandte stehn, Die kamen, Frieden von dir zu erstehn! Und Nachts, wenn durch des Urwalds dunkles Grün Myriaden Feuerfliegen leuchtend sprühn, Jst's die Beleuchtung nur, die funkeln läßt Dem Sieger die erstürmte Stadt zum Fest! Nur dort im Mondenschein ragt todt und kahl Uralter Bäume Patriarchenzahl, Wie Geister der im Kampf Erschienen fast, Ein stummes Händeringen jeder Ast! Sieh fern die Wogen eines Feuermeers! Wie Lagerfeuer des geschlagnen Heers! Als schwänz' das Flammenschwert ein Seraphchor, Flammt einmal noch der Wald im Zorn empor! Die Ros' am Fenster glüht im Wiederschein, Sie nickt wohl grüßend in die Nacht hinein, Doch dünkt mich, in dem blüthenreichen All Fehlt ihr die heim'sche, deutsche Nachtigall. Du hast erkämpft ein schönes Vaterland! Was neigst du sinnend, Greis, deinHauptzurHand? Ob deines Herzens stillen Rosen nicht Wohl auch die heimische Nachtigall gebricht? !> ---t- Des schönsten Busens Form seh' ich bewahren Dich, graue Lave, Aphroditens Becher! Der Liebe Trank, den ew'gen, feuerklaren, Schlürf' ich aus dir, ein durst'ger Liebeszecher! Ich seh' die schönste von Pompeji's Frauen Im Garten, der sich sonnig vor ihr breitet! Wohl ist er schön und blüthenvoll zu schauen, Doch schöner, üpp'ger blüht, die durch ihn schreitet. Es hält Akanth und Bur als Wacht von Zwergen In Haft Viol' und Ros' im grünen Erker; Ihr Mieder doch mag als Gefangne bergen Zwei schönre Röslein wohl in seinem Kerker. Ich seh' als Silberschaft den Springquell steigen, Und ihn als Schnee millionenflockig fallen, Gleich einer Trauerwcid' aus Silberzweigen, — Doch schöner, weißer ihren Busen wallen! Da sieht der Geist des Feuerbergs hernieder BoM Flammenthron z ihn faßt die Macht der Liebe! Bebt, wenn euch Götter hassen, Erdenbrüder, Doch auch nicht minder bebt ob ihrer Liebe! Schon eilt, daß ihn kein Späher überrasche, Sein Mohrensklave, jene schwarze Wolke, Mit einem Schleier — ach, von Staub und Asche! — Der Liebe Haus zu hüllen vor dem Bolke! Schon muß dem Kuppler nach, daß er nicht weile, Sein Sklavenvogt, der Sturm, jetzt brausend fahren; Der peitscht mit Feuerruthen ihn zur Eile, Und zaust in seinen schwarzen, grausen Haaren! Schon tobt herab der Herr die Bergestreppe,' Im Purpurmantel glüh'ndcr Laven wallend; Vesuv als Page hält Len Saum der Schleppe, In ries-gem Bogen seinem Arm entfallend! So ungestüm hehr Jenen Liebeshitze, Daß aus der Feuerkron' im Niederwallen Ihm Diamanten: flammenhelle Blitze, Granaten: glüh'nde Felsen, taumelnd fallen! -H- 113 Ä- Schon ist er da, die Arme ausgebreitet, Die seur'gen, dass den süssen Leib er hasche! Doch ab von seinem Herzen dieser gleitet, Und knickt zur Erd' als eine Handvoll Asche. Die Rosen sind verdorrt am Hochzeitfeste! Die Quellen sind versiegt im Gartengrunde! Nur in des Königsmantels Lava preßte Sich ab des schönsten Busens volle Runde. Da sprach der Gott: «Weib, deines Leibes Schöne Berweh' nicht, Rosen gleich, im Kuß der Winde! Sie soll entzücken noch die Enkelsöhne, Stets leb' ein Zeuge, der sie ihnen künde! «Du graue Lave, sollst in Staub nicht fallen! Als Lampe, schöngeformt, sollst Lu erhellen Glanzstrahlend der Jahrtausend' Tempelhallen, Und voll des heil'gen Oels der Liebe quellen! « Als runde Dpferschale sollst auf Erden Der Liebe ew'gen Nektar du kredenzen, Draus sich Jahrtausende berauschen werden, Und deren Rand die spätsten Rosen kränzen! » Schutt. 8 -r-z- iti -§4- ö Ihr meine Grüße, fliegt, Sturmvögeln gleich, Weit über's Meer! Senkt auf die Gipfel euch Der Alleghany, wo ihr schauen mögt Das Haus im Thal, das meine Liebe hegt. Des alten Pflanzers Häuschen, schmuck und blank, Bor dessen Thor auf weicher Rasenbank Vereint wir saßen einst, und meine Hand Des Waldes Blumen ihr zu Kränzen band. Ihr Haupt lag in des greisen Vaters Schooß, Deß Silberhaar aus ihre Locken floß, Wie nieder zu des schönen Saatfelds Gold Ein Wasserfall die weiße Schaumfluth rollt. Wie ihre Augen, Sonnen im Azur, Geglänzt ob ihrer Wangen Rosenflur! Des Alten Blick' ein hütend Wächterpaar, Daß ja kein Leid den Rosen widerfahr'! -4^ 113 Hd- Als Adler wiegten meine Augen schnell Sich über Saatgold, Rosenflur und Quell, Doch flogen stets sie wieder ohne Ruh Nach Adlerbrauch den beiden Sonnen zu! Da sprach die Liebste: O erzählt mir sein, Was für ein Ding mag eine Krone sein? Ob sie so schlimm, wie du, mein Water, klagst? Ob sie so schön, wie du, Geliebter, sagst? Der Alte sprach: Einst unheilschwanger stand Die Krone als Komet ob unsrem Land; Die Wiesen dorrten, Saaten sengte Reif, Das Gräßlichste war des Kometen Schweif! Ich sprach: Die Sonne ist des Himmels Kron'; O sieh, welch Glanz ausströmt von ihrem Thron! D sieh, wie reich ihr Unterthan, die Welt, In Blumen, Korn und Laub voll Segen schwellt! Er sprach: Da galt es die Gigantenschlacht! Der Pelion wieder auf den Ossa kracht! Mit Pfeif' und Trommel lustig himmelan Stürmt der Gigante Aankee-Jonathan! 8' -t-?- ti 6 -Kt- Ich sprach: Sieh dort der Berge Königsschaar, Gekrönt mit Sonnengold das dunkle Haar! Sieh hier gekrönt mit Laub der Cedern Schaft, Denn Kronen sind das Erbe ja der Kraft! Er sprach: Den Unstern packt beim Zopf der Held, Juchhei, und schleudert ihn hinab auf's Feld, Daß er in Splitter stob, der Felsen klang! Ein Splitter, ach, mir an den Schädel sprang! Ich sprach: Wie strahlt in fürstlich reicher Pracht Der Mond als Kronendiadem der Nacht! Das Haupt der Rose schaukelt eine Kron'! Denn Kronen sind der Schönheit Siegeelohn. Er sprach: Frei ist das Land! Nur manchesmal Mahnt mich der Krone dieser Narbe Qual, Der Kron', die weit seht über'm Meeresraum Fortblüht, für uns ein fremder Auslandsbaum! Ich sprach: Sieh hier, von Blüthenfüll' umdrängt, Den Tulpenbaum, mit Kronen ganz behängt, Dastehn als Christbaum für ein Königskind, Da Kronen ja Geschenk der Liebe sind! -SH- It7 4j- Er sprach: Des Volkes hoher Geist wird sein Der schöne Herbst mit klarem Sonnenschein, Der einst hinweg, wie welke Blumen, rafft Die letzte Krone manchem stolzen Schaft! Ich sprach: Die Liebe kommt als Frühling drauf, Und weckt pom Winterschlaf die Blumen auf, Und bringt zurück die Blüthen jedem Schaft, Die Kronen auch der Schönheit und der Kraft! — So sprachen wir, indeß der Liebsten Haupt Längst meiner Blumen Krone reich umlaubt, Die arge Kron', gen die der Water focht, Die schöne Kron', die der Geliebte flocht! Noch glüht die alte Wund' im Schmerzendrand! Vor dem Rebellen doch, dem greisen, stand Sein Kind, gekrönt als Kön'ginn, zu emxfahn Die Huldigung vom treusten Unterthan. ll 8 6 Dort im zweitausendjähr'gen Schilderhause Bor'm Thor Pompeji's lehnt ein morsch Gerippe; Den Speer hält noch die Knochenfaust! — Welch grause, Mißlungne Posse auf des Todes Lippe! In der Livrey bourbon'scher Listen schreitet Dabei ein neuer Wächter auf und nieder; Des Romers Sanduhr, den er ablöst, gleitet Auch ihm, und mißt des trägen Tages Glieder. Und zu dem knöchernen Kam'raden spricht er: «Db sie dich All' auch Bild der Treue nennen, Ich kann in dir, du Armer, den Berichter Bon tausendjähr'gem Narrenthum nur kennen! « Ei, meintest du die Vaterstadt zu schirmen? Die Katapulte des Besuvs zu hemmen? Die Gluthgeschwader, die, den Wall zu stürmen, Er niederbraufen ließ, zurück zu dämmen? 119 Ä- «Auch ich bin einst in Waffen schon gestanden, Der Freiheit Banner rauschte aus mich nieder! Durch der Abruzzen grüne Thale wanden Wie weiße Mauern sich der Deutschen Glieder. «Als Wall des Vaterlands den Kugeln allen Wollt' ich die freie Brust entgegentragen, Ei, hätte nur in nahen Waldeshallen Nicht eine Nachtigall so schön geschlagen! «Zn ihre Reihn, hoch in der Faust den Degen, Wär' ich gestürzt, von Todesmuth entglühet, Ei, hätte nur hart neben meinen Wegen Nicht eine Rose gar so schön geblühet! «Die Trommeln wirbeln und die Fahnen wehen; Ja herrlich ist's, im Feld des Ruhms zu sinken! Ei, hält' ich nur die Traube nicht gesehen So schön und voll an grüner Hecke winken! »Das Leben ist das Schönste doch im Leben! Drum rett' ich dir, Italia, das meine! Und sieh, auch dankbar sind die lieben Reben, Dir Nachtigallen und die Rosenhainr!» t 20 -Z4- Er spracht, doch hält dm Speer noch ohne Wanken Der tausendjähr'ge Wächter ihm entgegen! — So ein Geripp' mag eigene Gedanken Bon Reben, Rosen, Nachtigallen hegen. -dA 121 A* 7 Ist heut der Ent' und Wälschhuhns jüngster Tag, Daß rings ihr Krächzen schreit aus Hof und Hag? Der Pflanzer rückt zur Wachtparad' von Haus, Und rupft sich einen Federbusch erst aus! Oer Festtag ist's der Unabhängigkeit! Vor Pittsburgs Thoren stehn in's Glied gereiht Des Pflugs, der Werkstatt Söhne, kriegrisch bunt, Der Glatzkopf hier, dort Jüngling Rosenmund! Kopfschüttelnd walltder Hauptmann durch dicReihn, Durch Weiß und Kupferfarb' und Groß und Klein! Die Jacke hier, daneben der Talar, Perückenhaupt und wehend Lockenhaar! Daß Gott erbarm'! Ei, Nachbar lieb und werth, Ihr tragt ein gar zu rostig, schartig Schwert! «Bei Saratoga trug's mein Vater schon, Den Pfirsichbaum stutzt jetzt damit der Sohn! «So trägt es stolz, von Sieg und Lenz erwählt, Des Kriegs und Friedens Scharten schön vermählt, Wie auf des wahren Helden Angesicht Der Schlacht und Schenke Narb' in Eins sich flicht! » He Freund, deinHelmschmuck spielt gar seltnenGlanz ! Ich mein', er wuchs auf eines Hahnen Schwanz! « Ei, ist der Hahn mir doch kein übler Bot', Sein Ruf und Flügelschlag bringt Morgenrot!)! » Den Bauch zurück, Gevatter, wenn du's kannst! Die ganze schöne Front verdirbt dein Wanst! « Er ist nur eine Festung mehr dem Land! Vertheid'gen soll sie männlich meine Hand!» Der trägt die Whiskyflasche angeschnallt, Wie das Osagenweib ihr Kind im Wald! «Wohl eines schönen Kornfelds guter Geist Wohnt drin, der mich der Heimath denken heißt!» He, Flügelmann, dein Zopf erschreckt mich fast, Steif und gespenstisch, wie ein kahler Ast! «Und ist's ein Ast, hüpft wohl ein Wöglein drauf Und spielt ein hübsches Lied von Freiheit auf!» -l-Z» 123 Heda, weß ist das Füllen, das dort läuft, Und an des Fähnrichs brauner Stute säuft? «Zürnt nicht! Wer wäre doch so schlimm gesinnt, Zu trennen gar die Mutter von dem Kind!» Die weiße Schärpe, Mer, läßt dir sein, Doch paßt sie wahrlich nicht in Glied und Reihn! «Des Kindleins Bahrtuch ist's, das mir erblich, Und mahnt geweihter, heil'ger Erde mich!» Der Regenbogen, der doch farbenreich, Ganz farblos, Kinder, ist er gegen euch! «Zwängt, Water, nicht den Leib in spröde Norm, Sind unsre Herzen doch in Uniform!» Zerfetzt ist das Panier, drum ihr euch reiht! Zu Mess' und Predigt kein Kaplan bereit! «Fahn' ist ja jeder Baum im Vaterland, Gott selbst hat ihm gestickt das Fahnenband! «In unsichtbarer Priesterhand erhöht, Schwebt hoch, vom blauen Baldachin umweht, Die Sonne durch der Wolken Opferduft, Der Lieb' und Freiheit Hostie, in der Luft.» -K 424 Hj- 8 Dort läßt sich's am Triumphthor, das erschlossen Pompeji's Forum einst den Siegeswagen, Ein brauner Lazarone, hingegossen, Wie die Philosophei im Staub, behagen! AmMarmorblock,—draufmocht' einGott einst glänzen! Stützt er sein Haupt, traun, eine seltne Base! Ein Lorberbaum umweht's mit Schattenkränzen, Und streut ihm seine Blätter auf die Nase. Der Tag ist lang, und so geschieht's zu Zeiten, Daß ihn beschleichen mancherlei Gedanken, Die um den alten Stein wie Moos sich breiten, Hinan des Lorbers Schaft wie Epheu ranken: «Ich seh' im Lavapflaster dieser Straße Das Gleis noch von Les Triumphators Wagen, So frisch, als sei er noch nicht fern die Gaffe; Vielleicht gelingt mir's noch, ihn zu erjagen! »Ein Wörtlein, das ich ihm zu sagen hätte, Treibt mich ihm nach! — Doch nein! Wozu soll's frommen Wozu aufstehn von so bequemem Bette! Will er's just wissen, mag er selber kommen! «Ich spräche: Freund, wozu dein großes Wagen? — Auf Laß ein Siegeslied dir sei gesungen! Wie schad', die schönen Ross' in Schweiß zu jagen! Wie schade um des Volkes gute Lungen! «Wozu so viele Weg' im Weltenraume? — Daß dir den Lorber reichen deine Brüder? Sieh, Freund, freiwillig senkt in diesem Baume Der Himmel selbst den Lorber auf mich nieder! «Wozu dein Krieg, da's Keinem eingefallen Zu stehlen uns dieß blaue Meer, die Reben, Den schönen Himmel, Rosen, Nachtigallen? Was sonst ist werth, drum Schwert und Schild zu heben? «Der Westen Fall, die Siege deiner Heere Bebürden dich mit Pflicht zu neuen Siegen; Mir gibt die Last, die früh ich trug zum Meere, Tagüber frei im Sonnenglanz zu liegen! -r-ö 126 44- «Wozu dein Prunkpallast? Was ist's vonnöthen, Sich zu vermauern diesen schönen Himmel! Lustwandeln gehn heißt nur dem Herrn zertreten Den Rasen und der Blumen bunt Gewimmel. «Wozu auf der Orangen Bäume klettern? Sie werden reif selbst in den Schooß dir fallen! Was soll im Rosendorn die Nase blättern? Dem Dust liegt selber dran, zu ihr zu wallen! « Der Stein und ich sind Freunde und Vermählte, Untrennbar liegend Tag und Nacht beisammen; Er gibt vom Ueberfluß mir seiner Kälte, Ich ihm vom Ueberfluffe meiner Flammen! «Wie wär's behaglich, ewig hier zu liegen, Wenn über mir der Vögel Flüge jagen, Das Laub sich wiegt, Vesuvs Rauchwolken fliegen, Und Goldgewölke ziehn und Sonnenwagen! «Und vor mir dieses Meer mit weißen Segeln! Herr, gut ist's, dass du gabst Bewegung allen, Und Lass nicht ich den Wolken, Wellen, Vögeln Nacheilen muß, nein, Laß sie zu mir wallen! 127 4-r- «Gut ist's, daß diese Deutschen, Russen, Britten An mir vorüber selber stolpernd schnaufen, Und Laß nicht ich zu ihren fernen Hütten Nach England, Deutschland, Rußland mußte laufen! «Seht meinen König dort vorüberfahren! Die Goldkaross' am Sechsgespann von Falben! Ich lieg' im Staub, und kann mir's so ersparen In Staub zu werfen mich um seinethalben! «Hier ruh' ich sanft, wenn mich auch Regen näßte; Ihr kennt nicht Trockenwerdcns Wohlbehagen! Hier lieg' ich, bis ich einst zur ew'gen Sieste Nicht selbst geh', nein, gottlob mich Andre tragen! «Den Sonntagsgang zur Kirch' auch könnt' ich sparen! Denn sieh an mir vorbei die Priester wallen Mit Zahn' und Kreuz und Zügen frommer Schaaren! Etwas vom Segen muß auf mich auch fallen! «Wenn hoch in meiner Hand, nach Landessitten, Mir über'm Haupt die Maccaronen schweben, Mein Freund, da muß empor sich unbestritten Das Auge selber auch zum Himmel heben! -bZ- -128 -f-j- «Wenn Abends in Les Meeres Spiegelbade, Zu Füßen mir, sich Mond und Sterne wiegen, Da dünkt mich's wohl, es sei in seiner Gnade Der Himmel selbst zu mir herabgestiegen. «Empfängt mein Fürst so glänzende Vasallen, Wie sie als Sterne, Wellen, Wolkenmassen, Als Menschen, Blumen, Vögel zu mir wallen, Bis Abends ich in Hulden sie entlassen? «Was auf der Erde Oberfläche prunkte, Im Kreislauf muß vorbei es glänzend jagen, Jndeß ich, gleich der Erde Mittelpunkte, Zn Ruhe lieg' und ewigem Behagen! «Und wenn ich Eines doch mir wünschen sollte, So wollt' ich, Maccaronen wären Schlangen, Und kämen, statt daß ich bisher sie holte, Hinführo selber doch zu mir gegangen!» So knüpft der dunkle Pfad in Enkeltagen Sich an des Ahnherrn Gleis, das glanzerhellte, Dem Sklaven gleich, der sich am Siegeswagen Einst hinter Roms Triumphatoren stellte. -l-Z- -129 -f-t- Mit einer Kron' in Gold und Demantschimmer Spielt seine Hand, ihn selbst darf sie nicht krönen! Dem trunknen Sieger ruft er zu: Denk' immer, Daß du ein Mensch nur, Sohn von Staubessöhne»! So Dieser auch. — Ob aus dem schönen Baume Ihm zu ein Flüstern die Gedanken rauschte? Ob in der Lorberwipfel Schattenraume Der Geist des alten Triumphators lauschte? Ich aber möcht' ungern den Anblick missen Des Lorbers, um dieß braune Haupt sich wiegend, Des Kleids, von einem Herzen warm, zerrissen Sich an die kalte Pracht Les Marmors schmiegend. Schutt. S -kZ- 130 44- s Es wogt ein Schiff auf ferner Meeresbahn, Sein Bild, der Nautilus, schifft nebenan, Bläht auch sein Segel, — doch kein Sturm zersprengt's Lenkt auch sein Schifflein, — doch kein Riff bedrängt's Um's Schiff Delphine gaukeln, nah und fern. Wie treue Hund' am Wagen ihres Herrn; Sie blasen lustig aufwärts Well' auf Well', Des grünen Meeresgartens Springeguell! Wo steuert hin das Schiff im Wogcntanz? Mit Menschenfracht ist's überladen ganz! Uuswandrer sind's, die fern an Westens Strand Jetzt suchen, was sie fliehn: ein Vaterland! Sieh, da begab sich's, daß ein fremdes Weib Von süßer Bürd' erleichtert fühlt den Leib, Ein Kind gebährend in des Schiffes Raum, In Meeres Mitt' ein fruchtbehängter Baum! 131 »k-1- Der Kapitän, die Hände fromm erhöht, Spricht ihm als Priester Segen und Gebet; Ist eines Sonnenstrahles stiller Flug In's Menschenherz nicht Priesterweihe gnug? Es schöpft res Meeres Welle seine Hand, Und netzt dem Kind der heitren Stirne Rand: «O Sohn des Meers, des Lebens wahrer Sohn! Dich weiht's als Kind in seine Räthsel schon! «Sieh, dich gebar in Wind und Wellenreich Dein Mütterlein, dem Sturmesvogel gleich, Der unter'm Flügel, hoch ob weiter Fluth, Im Flug ausbrütet seine junge Brut! «Nicht Spannen Erde nennst du Vaterland, Die Scholl' ist nicht des Menschen Hcimathstrand! Dein erstes Lebensbild ist Well' und Wind, Wie einst wohl auch dein letztes: Well' und Wind! «Die Riff' als Pathen in dein Wieglein sehn, Der Sturm läßt drüber seine Locken wehn, Das Meer als Lmme wiegt's und singt zu Zeit Das alte Weltlied: Unbeständigkeit! 9' 132 « So worden Wetterlaun' und Sturmesschein Dir einst nur Mährchen deiner Kindheit sein! Ob's oben tobt, du wahrst dir, wie die Fluth, Die Perle, die in deiner Tiefe ruht. «Ihr Andern, alte Kinder alter Welt, Für euch auch ist das Weltmeer aufgestellt, Das Becken eurer Taufe soll es sein, Drin wascht euch von der alten Erbsünd' rein! «Knüpft auf den alten Hochmuth an den Mast! Den alten Kncchtsiun rasch kielholen lasst! Den Hass und Neid, Habsucht und Glaubenswuth, Senkt tief den alten Plunder in die Fluth!» Und horch, da tönen Glocken fern im West, Wohl ziemt ja Glockenläuten solchem Fest! Sieh, Schmetterlinge schaukeln sich im Raum, Wie Blüthen, losgeweht vom Frühlingsbaum! Es wiegt als Kranz sich sanft zum Angcbind' Der Glocken Klang, der Falter Glanz um's Kind; Zugleich erschallt vom hohen Mastkorb da Der Zubelruf: Land! Land! Amerika! -r-ö 133 Ä- Da stürmen All' in Hast aufs Deck hinan, Das Äug' will früher landen als der Kahn, Es forscht und fragt den fernen blauen Strand: Was bringst Lu mir, du meiner Sehnsucht Land - Der, dem die Heimath ein Stück Brod verwehrt, Meint Fruchtbaumgärten, Felder, saatbeschwert, Geräum'ge Keller zwischen Rebenhöhn Und ries'ge Speicher voll des Korns zu sehn! Der dort, dem Pfaffenwuth vergällt sein Land, Ahnt ein gigantisch Pantheon am Strand, Das aufgethan, zu jener Eifrer Spott, Den Göttern allen in dem Einen Gott! Und Jener, dem blutrünstig noch die Hand Von Ketten, die er trug im Vaterland, Will dort der Freiheit Siegesbogcn sehn, Rings freies Volk mit Lied und Tanz sich drehn! Greis, der geflüchtet über Meeresfluth Sein Nestchen Lebe», dieses winz'ge Gut! Du ahnst dort Waldesstille blüthenvoll, Draus bald dein Hügel sich erheben soll. '134- O Weib, du sichst ein Häuschen schimmerndweiß, Darin einst walten soll dein stiller Fleiß, Du hebst dein Kind, wie Mosen Nebo's Höhn, Bon ferne der Verheißung Land zu sehn! Wohl ist's noch fern! Ein schmales, blaues Band Liegt's auf des Horizontes weitem Rand; Ein blauer Strich nur steigt daraus hervor. Ragt Dbelisk, Thurm oder Säul' empor? Jetzt sind sie nah! Ein Baum ist's nur! Es steigt Einsam sein Miesenschaft; hoch oben zweigt Ein Dom von Laub, als sei gestellt hinauf Ein Tempel auf des Obelisken Knauf! Mauritia ist's, die Palm', im lauen Wind Des Wipfels grüne Fächer wiegend lind! Die Krone säuselt aus den luft'gen Höhn, Wie Menschenwort, harmonisches Getön: «Willkommen Fremdling! Sprich,was thut dir noth ? Verlangst du Brod, sieh, meine Frucht ist Brod, Und dürstet dich, trink' meinen Palmenwein, Ich will dein Acker, Quell und Weinberg sein ! -dH- t3ö Ä- »Bist nackt Lu, web' ein Kleid aus meinem Bast, Und schläfert dich, ruh' unter mir, mein Gast, Mein Schatten wirkt dir Decken leicht und nett, Ich will dir Wollenheerde sein und Bett! « Willst beten du, wölb' ich dir grünen Dom, Und willst du schaun auf Land und Meeresstrom, Bon meinen Höhn siehst du's in Fried' und Sturm! Ich will dir Kirche sein und Wart' und Thurm! «Sieh hier wildfreie Söhne der Natur! Ich bin ihr Reich, ihr Haus und ihre Flur! Auf Wieg' und Brautbett senk' ich Palmenreis, Ihr Sterblied faust' ich einst als Glocke leis. «Schwämmst du als Diogen' im Fasse her, Rasch schwing' an's Land den Fuß! Doch stoß' insMeer Dein Faß zurücke mit dem andern Fuß! Denn Leine Tonne selbst ist Ueberfluß. >> -i-r. 136 10 Im Circus dort, ob einer dunklen Aelle Verfallnem Thor, winkt aus der Quadern Riffen Ein Blüthenstrauch, gerankt gar fröhlich Helle, Wie einer Schenke Kranz mit lust'gcm Grüßen ! Wir treten ein! Nicht müht um seine Gäste Der Wirth, der hagre, sich in diesen Räumen; In einer Ecke hält er ruhig Sieste, Die tausendjähr'gen Träume auszuträumen. Seht auf den Polstern tausendjähr'ger Laven, Die einst geprunkt in Purpurs Königsfarbe, Gekauert das Geripp' des Fechtersklaven, Verwischt selbst seiner Stirne Siegesnarbc! Er träumt vielleicht noch fort die dunkle Kunde Vom Spartakus, der Knechtschaft Ahasvere, Dcß bleich Gespenst noch wandelt seine Runde, Erneuend stets die alte, blut'ge Mähre! 137 -f-i- Er träumt von der Arena Bahn und Stufen, Vom Siegeskranze, der ihm zugeflogen; Fast schüttelte des Volkes Beifallrufen Die Sterne noch dazu vom Himmelsbogen! Wohl dünkt die bandumwundne Blumenkrone Ihm ein verschönert Nachbild nur des Strickes, Den er als Seichen seiner Knechtschaftfrohne Einst trug als grausen Kranzreif des Genickes! Ein Wort durchschlängelt dort den Stein derWände, «Inbertss» heißt's und flammt wie irre Blitze; Wohl ritzten's in's Gestein des Sklaven Hände Einst, statt des Griffels, mit desKampfdolchs Spitze. Noch ist die fahle Stirn' dahin gerichtet, Noch ist das hohle Äug' dahin gewendet, Wie nach dem Sterne, der sein Dunkel lichtet, Wie nach der Sonne, deren Glanz ihn blendet. Wie aus dem Becher Weins, des guten, alten, Die Sehnen Kraft und Muth die Herzen saugen, Sv tränkt' aus jenem Wort, sie wach zu halten, Mit Licht für lange Nächt' er seine Augen. 138 Du schöner Strauch vor'mThor, den fremden Gästen Log nicht dein Zeiger, der gewinkt zum Weine! Za hier ist Wein! Und zwar vom stärksten, besten! Hier wird geschenkt der Tausendjähr'ge, Reine! Ihr aber, Franken und Germanen, Britten, Und sonst all' dieser Trümmerwelt Nomaden, Laßt einzutreten euch nicht lange bitten! Ein Schlückchen im Borbeigehn wird nicht schaden. -r» 13S 4!- 11 Der Apalachen Wellenberge loh'n Im Abendrothe, währen» Glockenton Zum Feierabend durch die Pflanzung hallt, Und mählich still es wird im dunklen Wald. Der Specht, Urwalds Kapellenmeister, pickt Nicht mehr den Takt; er weiß, daß ihm's nicht glückt Zu stimmen in des Einklangs Melodei Des Käuzchens Pfiff, des Papageien Schrei. Lm Schatten einer Sycomore sitzt Am räum'gen Tisch, aus Acajou geschnitzt, Der Pflanzer, dem aus Kannen silberblank Entgegengualmt des Theebaums duft'ger Trank. Geschmiegt an ihn der ros'gen Kinder Schaar, Die ihm die schlanke Lieblings-Skwa gebar, Umblüht verschönend seine rauhe Kraft, Wie Nikisranken blühn am Cedernschast. I il> Welch Segensfeld liegt vor ihm aufgethan! Sein weißes Wohnhaus blinkt im Wiesenplan, Das Maisfeld rauscht, die Baumwollstaude weht, Das Zuckerrohr in Hellen Blüthen steht. Wie eine Opferschale, feierlich, Hält er die volle Tasse jetzt vor sich, Und der Begeistrung stiller Glanz umflicht Fast Priesterlich sein strenges Angesicht: «Heil China dir! Durch ferne Meere weit Eilt jetzt mein Dank zurück in ferne Zeit, Und sucht den Mann, der dieses heil'ge Kraut, Den Nektar unsrer Freiheit, einst gebaut! «Als er noch schritt an des Hoangho Strand, Und still die Saat entsunken seiner Hand, Wohl hat kein Ahnen dessen ihn umweht, Daß eines Welttheils Freiheit er gesä't! «Hoch vom Pagodenthurm der Mandarin Schaut über's Land und streicht sich froh das Kinn! Der Theebaum säuselt so geheimnißvoll, Als ob er mehr als Blüthen tragen soll. -r-s- lii ^-l- « Ob sein Vasall es leise nur errieth, Als er Ließ Kraut auf glühem Roste briet, Daß Sankt Laurenzens Rost er schürt und sacht, Der einst als Blutzeug' unsres Worts erwacht? «Der Arzt, deß Forschergeist aus diesem Kraut Dem Siechen wunderkräst'gen Trank gebraut, Er mußt' es doch nicht, der gelahrte Mann, Wie daß sein Kraut auch Ketten sprengen kann! »Der Britte, der einst mit dem dunklen Kraut Voll seines Segelschiffes Bauch gestaut, Nicht mußt' er'S, daß die Rach' er führt' als Gast, Und daß die Freiheit schwebt' ob seinem Mast! «Hat jemals, Boston, es Lein Meer geträumt, Daß es ein Fruchtfeld einst voll Saaten keimt? Daß seinem Schooß dereinst entsteigen soll Der Baum der Freiheit, groß und blüthenvoll? «O Kinder, haltet fest an Recht und Licht! Aus Rosen selbst der Dorn der Rache sticht! Es sä't der Mensch, Loch ob den Saaten wacht Still eine dunkle, räthselvolle Macht.» — 142 «i- So sprach der Mann und strich sich froh das Kinn; Geheimnißflüsternd rauscht die Saat dahin, Und hinter ihm blickt aus dem Zuckerrohr Ein krauses, dunkles Negerhaupt empor. -t-Z- "I i3 12 Schuttfreie Lampe, steh, wie dich mit Funkeln Des Lichtes, deines Baters, Augen grüßen, Seit dich aus tausendjähr'gem Kerkerdunkeln Die Schaufel seiner Feindin Nacht entrissen! Erfüllt hast du den Lichtbcruf, den edeln, Noch kündet's deiner Mündung Kohlenfarbe; Sie steht dir gut, wie bleichen Kriegerschädeln Des alten Schlachtfelds tiefe EhrcnNarbe. Db einst dein Licht am Bett der Liebe blinkte t Da warst du in der Rächte Ozeane Ein Schifflein, dem vom Borde fächelnd winkte Zum Liebeshasen deine Flamm' als Fahne. Ob einst dein Strahlenschrein vielleicht geschimmert Als Phöbuswagen durch die Nacht des Weisen, Deß Herz, von Menschenclend tief bekümmert, Rachforscht des Glückes lichten, sel'gen Gleisen t Da warst das Frühroth du, an dessen Wärme Des Geistes Rosen blühend ausgegangen, Um dessen Strahlenkern, wie Lerchenschwärme, Gedanken ihre jungen Flügel schwangen. Die Rosen werden Kränze, die auf Erde» Der alten Götter Tempel reich umschlingen; Die Lerchen aber, Flügelbarden, werden Der alten Götter Preis am Himmel singen. So sann und nickt' einst ein am Tisch von Steine Des Weisen Haupt, als wenn's noch prüfen werde, Ob selbst es nun, ob jener kälter scheine? — Noch rollt, des alten Elends voll, die Erde! Ein Andrer kam; und wieder, Lampe, zittert Dein Strahlenschrein am Tische eines Weisen, Deß Herz, vom Menschenclend tief erschüttert, Nachsorscht des Glückes lichten, sel'gen Gleisen. Da warst du eines Scheiterhaufens Lohe, Drein warf die alten, heitren Götter alle, Wie dürres Reisig, der Zerstörungsfrohe, Daß ganz in Staub und Asch' ihr Glanz zerfalle! -bK- l 48 Hl- Und lächelnd schaut' in'S Prasseln er der Flamme, Bis einst er selbst am grausen Opferheerde Hinglitt, wie dürres Reis vom Lebcnsstamme! — Fort rollt, des alten Elends voll, die Erde! Ein Andrer kam; und wieder, Lampe, schimmert Hehr dein Gedankenpharus einem Weisen, Deß Herz, vom Menschenelend tief bekümmert, Nachforscht des Glückes lichten, sel'gen Gleisen. Da wardst die Glorie du, von der umfangen Glanzvoll vor ihm das Ehristuskreuz jetzt ragte, In deren Strahl versunkne Gräber sprangen, Und weithin das Gesild der Zeiten tagte! Sein Antlitz blieb, nun sich das Äug' geschloffen, Als ob der Tod ihm zur Verklärung werde, Bon einer lichten Glorie selbst umflossen! — Noch rollt, des alten Elends voll, die Erde! Die Lampe steht, Pompeji's Schutt entstiegen, Jetzt wieder auf dem Tische eines Weisen, Deß Geist ruf des Papyrus welken Zügen Nachschlcicht der Ahnen fernen, lichten Gleisen. Schult. "I -i 6 -s-l- Ein Lenz, zweitausend Jahr' im Grab vergessen, Als ries'ger Rosenphönix leuchtend, schreitet Aus des Papnrus Kohlen ihm, — indessen Sein eigner Lenz oor'm Thor rorübergleitet! Mann, füll' mit Lel die Lampe, daß sie heiter Zum Tempeldienst des Lichts entzündet werde, Und sinne du das alte Räthsel weiter! Noch rollt, des alten Elends voll, die Erde. 13 Im Saalgewölb' des Urwalds ruh» im Kreis Viel kräst'ge Männer, manch ein ernster Greis, Der Weißen Abgesandte friedlich bei Indianern, Waldessöhnen, stark und frei. Die Friedenspfeife kreist nach altem Brauch, Der Männer Friedenswort' umhüllt ihr Rauch, Wie über Frühlings schönstem Rösenbeck In stillem Flug ein Morgenwölkchen steht. Zum Bund des Friedens sind sie hier oereint! Schon rann genug des Blutes ja, schon scheint Belegt des grünen Saales Boden fast Mit rothen Prunktapeten von Damast! Ein Häuptling sprach: Nach Bätersitte macht Aus Erd' und Laub das Grab dem Beil der Schlacht, Das manchen unsrer weißen Brüder traf! Drin schlaf' es, ungewcckt, nun ew'gen Schlaf! lO ' -k»?- 1i8 -A- Ein Andrer drauf: Das Laub verträgt der Wind, Die Erd' aufwühlt des Waldes Thier geschwind! Drum soll des Kampfes Beil geborgen sein, Grabt's unter Wurzeln einer Ceder ein! Ein Andrer draus: An Wurzeln nagt der Wurm, Au Boden schleudert Cedern selbst der Sturm! Drum, soll zu Tag des Unheils Beil nicht mehr, Wälzt jenen Berg als Grabstein drüberher! Ein Andrer drauf: Sogar des Berges Bauch Durchwühlt der Schacht des weißen Bergmanns auch ! Drum, soll fortan es ew'ger Friede sein, Senkt in den Strom des Hasses Beil hinein! Ein Andrer drauf: Aus tiefster Stromesnacht Wird's von des Fischers Netz zu Tag gebracht! Drum, daß es weltverheerend nie ersteh', Senkt's mitten in des Weltmeers großen See! Ein Greis darauf: Ließ Beil von Holz und Erz D laßt's am Tag! Doch greift in euer Herz! Drin liegt das Schlachtbeil, das vielleicht schon jetzt Won euch manch Einer frisch zum Kampfe wetzt! l s-9 Das Herz ist tiefer als Gebirg' und See'n, Und doch wird draus das Beil zu Tag erstehn! Bis eine Handvoll Erd' einst, drauf gestreut, Es besser birgt als Meer und Berge heut! — So sprachen sie, indcß im Waldesraum Still über ihren Häuptern jeder Baum In rauhen, braunen Armen, windumspielt, Den grünen Zweig des cw'gen Friedens hielt. -4^ 460 li Dm Golf hinaus, fort von Pompcji's Küsten Wogt eines Schiffes majestätischer Bau; Die Segel, die vom Abendwind geküßten, Blähn lustig sich, es knarrt in Mast und Tau! Und, horch! Kanonendonner lauthin knallen. Dein Abschiedsgruß, o Gncinnatus, klingt, Daß, ausgcschreckt, die Schaar der Nachtigallen Bon Maro's Grab sich ängstlich flatternd schwingt! Wie rauh, o Mensch, ist selbst dein Gruß der Liebe! Preßt deine Hand des Freundes Hand in sich, Scheint's fast, als ob es dich zu sprechen triebe: Freund, fühle meine Kraft, und wahre dich! Der Sohn Amerika'S, gekreuzt die Hände, Lehnt still am Hauptmast an des Schiffes Bord; Sein Äug' durchschweift im Flug des Golfs Gelände, Winkt hier ein Lebewohl, nickt Grüße dort: löl «Leb' wohl, Europa! Daß dein Lug' sich Helle! Du Niobe, verschönt vom Riesenschmerz! Gleich ihrer ist auch deiner Leiden Quelle Dein Reichthum, Len du liebend drückst an's Herz! «Gegrüßt, Amerika, du jüngre Schwester! O nimm res Schmerzens Kinder mild von ihr! Leg' an dein Herz sie, daß der Schmerzen größter An seiner Fülle Heilung trink' aus dir! «SchlingtHand in Hand, laßt Haupt am Haupte lehnen, Ihr Schwestern, euch zu Füßen Mceresglanz! Es stehn die Kronen, die Europa krönen, Gut an Amerika's laubgrünem Kranz! — « Wie bunt und herrlich rauscht dein Wald, o Leben! Und sieh, doch ist's nur Eine Lebenskraft, Die graue Moose heißt am Boden kleben, Und Palm' und Ceder in die Wolken rafft, «Die blühnden Lotos wiegt im Wellenschaume, Der Rosen Purpurkleider taucht in Dust, Die Reben lehrt den Flug von Baum zu Baume, Den Kaktus keilt in starre Felsenkluft! 132 Ä- «Wie reich, o Menschengeist, dein Garten glühte, Nur Eine Kraft ist's, die zum Keim dich drängt, Und Krone, Lyra, Hirtenstab, als Blüthe, —Ach, auch das Schwerdt!—an deinen Baum gehängt! » Und diese Blüthen sind zum Kranze worden, Der bunt sich um der Zeiten Harfe schlingt, Die bebend in den ewigen Accordcn Der Menschheit Schmerz, der Menschheit Jubel klingt!— «Der alte Baum fleht, ewig grünend, nieder Auf sein verwehtes Laub, das unten lauscht; O Mensch, du sinkend Blatt, du sinkst auf Brüder, Und hörst's, wie dir schon nach ein Bruder rauscht! «Am Baum vorbei strömt, heut noch voll, wie gestern, Die Quelle flüsternd in das ew'ge Meer! O Mensch, du flücht'ge Welle, eilst zu Schwestern, Und hörst die andern eilen hinterher! -Die goldne Wolke, ausgelöst in Thränen, Stürzt ihrer Mutter an das Herz, dem Meer! Zugvögel flattern durch die Luft mit Sehnen, Wie loses Laub vom Herbstbaum, irr umher! -r-Z- <63 « Ein stiller Todesjubel wehr im Raume -Wie Laubessäuseln, ach, nicht minder schön, Als säh' ich lächeln süß ein Kind im Traume Bei ferner Morgenglocken Festgetön. « Stürz' als ein Niagara, schleiche leise Als Sarno, gleit' ein Tröpflein Thau's in's Meer, Sieh, bald zerrinnen, die du schlägst, die Kreise, Du wirst zur Well' und ruhig wird das Meer! «Sieh, Welle, allen Himmel glanzentglommcn Sich spiegelnd in dem Ozeane hier! Da wird wohl auch auf dich ein Sternlein kommen, Das spiegle heilig, rein und treu in dir!» — So um das blühnde Haupt des Jünglings schreiten Gedanken, während, lieblichen Getöns, Die Wellen rings, die regen, sie begleiten Mit der Musik des Werdens und Bergehns. Wie klein die Gluth Vesuvs schon glimmt, die ferne ! Sie mengt als Stern sich in der Sterne Reihn, Als ob der glühende Vernichter gerne Sich hüllte in des Lichts und Segens Schein! -U» tl)4- In Nacht längst des Gestades Lichter traten; An Bord die Flagge selbst hat Nacht umstrickt, Die Slernlein zweimal zwölf der Brüderstaaten Auf himmelblauen Grund in Gold gestickt. Doch hat sich glanzvoll über ihr zur Stunde Vereinter Sternenreiche Flagg' entrollt: Auf dunklem, himmelblauen Wappengrunde Millionen Sterne funkelnd all' in Gold! Fünf Ostern. -»2 137 1 Im Orient, wo — wie aus blühndcm Hage Ein spielend Kinderpaar rothwangig grüßt — Das heitre Mährchen und die sinn'ge Sage In Rosenwäldern zwischen Blumen sprießt; Dort gibt manch rauher Hirte dir die Kunde: Es walle Jesus Christus, ungesehn, Zu Ostern jährlich um die Morgenstunde Im Auferstehungsklcid auf OelbcrgS Löhn, Und seh' hinab nach seines Wandelns Thale, Das ihm ein Kreuz und Leichentuch einst wies; Wo Zion stolz geprangt im goldnen Strahle, Granitnes Bollwerk, das sein Fluch zerblies! - Und Ostern war es einst; der Herr sah nieder Zur kahlen Flur, verödet und ergraut, Rings Trümmer, Asch' und Staub, und Trümmer wieder Und Schutt auf Schutt, soweit das Auge schaut! "168 -A- Er weiß, es sind Ließ nur die wirren Schollen Durchwühlten, neugepflügten Ackerlands, Wo einst die Saatenwogen fluthen sollen, Und winden sich der goldne Garbenkranz! Er sieht daraus den Baum der neuen Lehre Mit tiefer Wurzel, ries'gem Säulenschaft, Sich steigend wölben über Land und Meere Und weithin streuen Schatten, Früchte, Kraft! Des Lods Triumphzug ging durch diese Gründe, Rings keine Spur von eines Menschen Pfad! Kein Wogel singt, es rauscht kein Blatt im Winde Es weht kein Halm, es grünet keine Saat! Daß doppelt groß der Sieg des Todes rage, Lebt spärlich hier noch Eines Lebens Schein: Es seufzt, wie eines Dichters Lcichenklagc, Des Kedrons Quelle zischend durch's Gestein: » Einst streckt' ich wohlbehaglich meine Glieder Im Blüthenpfühl, auf weichem Silberkies, Bis von Moria's alter Beste nieder In meinen Schooß der Sturm die Trümmer stieß! tt>9 « Nun ich den Leib von Stein an Steine trage, Muß ich wohl ächzen laut vor Schmerz und Zorn; Nun die Gelenk' an Trümmern wund ich schlage, Ist, gleich als blut' er, jetzt so roth mein Born! «MeinBorn, so klar einst, weisend noch als Spiegel Der Kön'ge Burg, den Tempel gottverklärt, Pallastbesäte, wallumkränzte Hügel Und auch ein Bolk, einst solcher Fülle wcrth! » O daß sich am Gestein zu Scherben schlüge Der Spiegel, dem einst Solches ward zu schaun, Auf daß dicß Bild des Tods er nimmer trüge, Dieß Bild verdorrter Fluren voll von Graun! « Der Fluren, die biurtrunken als Hyäne Der Menschen Besten, Titus, würgend sahn! Db er auch Abends da geweint die Thräne: Richt sei des Guten heut genug gethan? «Ob, als er trümmerfroh sein Beil ließ schimmern, Die Hand ihm niemals bebte, ahnungsvoll: Daß seine Mutter Rom von Zions Trümmern Gesteinigt einst, erschlagen werden soll? «Nicht ahnt' er's! Denn dem Mccre der Verheerung Gebot' er wohl zu zügeln sonst die Wuth, Statt dass er, ein Neptunus der Zerstörung, Rings aufbeschwor zum Sturm der Wogen Muth! «Ha, wie de» Gottesfluches Worte, liegen Gestein und Leichen über's Thal gesät, Darüber Roma's Aar in Siegesflügen Als Leichcnrabe, schwarzen Fittigs, weht! — «Hier lag sie einst, die Königin der Städic. Der Hügel vier bedeckt' ihr Riesenleib, Bier goldnen Pfosten gleich am Königsbette, Drauf ruht' im Sonnenkleid das hohe Weib. »Fruchtreiche Gärten, ihr zu Füßen, standen Als Blumenvasen rings um's Bett gereiht, Und neben ihr die Palmcnhügel sandten Zhr Kühlung zu, aus Fächern, grün und breit. «Des goldnen Tempels Kuppel krönte glänzend Als heil'ge Krone ihrer Stirne Saum: Nur Eine Kron', ein Königshaupt bekränzend! Ein Tempel Gottes nur im Erdenraum! 161 -f-t- «Und ihre beiden lichten, schönen Augen: Die Söhn' und Töchter waren'? ihre? Land?; Wer mag den Preis der Zwei zu richten taugen? Wer sagt cs, welche? glomm in schönrem Glanz? «Den edlen Bau der königlichen Glieder Hielt ihr ein dreifach Bollwerk fest umspannt, Gleichwie von Gold und Erz ein schimmernd Mieder, Um da? ich mich als Demantgürtel wand. --Da liegt sie nun, die größte aller Leichen! Vom Haupt fiel ihr die Kron' und barst am Stein! Der Quadern Trümmer rings, die fahlen, bleichen, Sind ihres Leib? zerfallene? Gebein! «Die Gräber nur, die sie in Fels einst hieben, Sie halten seht noch, wie seit Jahren schon; Sie sind rings um Ließ große Grab geblieben, Termitenhügel um den Libanon! «Und als der alte Bau zusammenkrachte, Flog weit des Staube? Wolke, riesengroß, Daß grau die Flur jetzt, die so grün einst lachte, Und grauen Schleier trägt das ärmste Moos! Schutt. l l ^4» 162 »Da floh des Bolkes Rest, lebend'ge Leichen, Todt ohne Tempel, Satzung, Vaterland! Da sah ich Baum und Strauch weithin erbleichen, Und morsch aufs Antlitz sinken in den Sand! «Fort flogen da der Büsche Nachtigallen, Die Vögel all', weit über's ferne Meer; Richt ziemt es ihrem freud'gen Lied, zu schallen, Wo Alles schweigt und trauert ringsumher. »Fort zogen da die Rosen auch nach ihnen, Bis an das blaue Meer, das: Halt! gebot; Da blühn sie gaukelnd nun die reichen, grünen Gestad' entlang, ein Blumenmorgenroth! «Fort zogen auch die bunten Jahreszeiten; Kein Lenz ist, wo nichts keimt, nichts grünt und glüht, Es will kein Herbst die kahle Flur durchschreiten, Denn kein Verwelken gibt's, wo nichts geblüht. « Fort alle Farben, fort auch alle Töne! Und alles, alles Leben fortgcdrängt! Ich blieb allein zurück, als eine Thräne, Die an dem Auge der Vernichtung hängt.» -O» 163 Hi- 2 Und wieder Dstern war es einst, und wieder Sah Christus von des Oelbcrgs Höhn zu Thal; Auf alle Fluren sank der Lenz schon nieder, Nur hier blieb alles wüst und grau und kahl. Gleichwie die Schwalbe wohl die Brandesstelle Des einst so schönen Hauses bang umschwebt, Und doch, ob mitoerbrannt auch ihre Zelle, Das neue Nestchen an die Trümmer klebt; So wagte mählich an die Trümmerreste Der Mensch sich wieder hier, und in's Gestein Baut' er sich Hütten, Häuser und Palläste, Bis er es wachsend sah zur Stadt gedeih». Und wie manch Samenkorn, manch Stäubchen Erde Der Wind auf's öde Brandgemäuer weht, Das aus der Todesasche Leben werde, Wenn Moos und Strauch darüber grünend steht; l 64 ^4- So wollte hier der Mensch zum Gärtlein schmücken Mit Erde reichrer Fluren diesen Sand, Und trug ein Stücklein Lenzes auf dem Rücken In'S öde Thal, daraus ihn Gott verbannt. Wenn Einer wallt am Kirchhof, durch der Brüder Zerfallne Leichen, Stein vorbei zu Stein, Kalt rieselt der Gedank' um'S Haupt ihm nieder: Staub warst du einst, Staub wirst du wieder sein ! Wenn diese Stadt ihr Luge wollte lenken Auf Schutt und Trümmer rings, draus ihr Entstehn, Sie müßte auch wie jener Wandrer denken: Du wardst aus Trümmern, wirst inTrümmer gehn! Sie denkt es nicht! Denn, horch! von ihren Zinnen Schallt freudighell der Glocken voller Klang. Wer fröhlich singt, mag nicht des Sterbens sinnen, Und Glocken sind der Städte Lied und Sang. Dort um Len Dom aus grauem Felsgesteine, Drin in Len Hallen, draußen im Geflld, Schaart sich in Helm und Panzer die Gemeine Kampfrüst'ger, ehrner Männer, rauh und wild. -r-S- iss -zg- Wie ali' die Speer' auf's Marmorpflastcr klirren! Wie muthig draußen wiehert Pferd an Pferd! Und Panzer glänzen, farb'gc Banner schwirren, An jeder Lende hängt ein rasselnd Schwerdt. Ha, liegen sie in Krieg mit ihrem Gorte, Daß sie in Erz umlagern rings sein Haus? Ha, will den Himmel stürmen gar die Rotte, Daß sie zum Tempel zieht gewaffnet aus ? Doch nein! Wie sie in Demuth plötzlich nieder Bei'm Orgelklang auf ihre Kniee saust! Es beugt das Haupt sich und die stolzen Glieder, Und reuig schlägt an's Herz die Eisenfaust. Das Ehristuskreuz, das heil'ge, seh' ich ragen Hoch von des Domes Kuppeln, licht und frei, Die Männer auch es all' am Busen tragen: O daß auch er ein Dom des Gottes sei! Sie hefteten in Farben aller Arten Das Kreuz aus ihre Kriegesmäntel sich, Wie wandelnde, lcbend'ge Kreuzstandarten, Zur Huldigung gesenkt jetzt feierlich. -iv 166 -f-l- Wie am Altar, wo tausend Ampeln flimmern, Der Priester jetzt das Brod des Opfers bricht, Seh' roth von Blut ich seine Hände schimmern, Und traun, mich dünkt's, von Christi Blut ist's nicht! Wie er bei'm Sanktus schlug der Brust entgegen, Da klang ein Panzer unter'm Meßgewand; Und statt des Weihbrunnsprcngels dann bei'mSegen Schwang fast sein Schwerdt er, das daneben stand. Zunächst am Altar, andachtsvoll gcneiget, Im sammtnen Betstuhl, kniet ein Mann allein, Bor Allen schön, selbst schön, auf's Knie gcbeuget, Fürwahr, noch schöner müßt' er aufrecht sein! Des Manns Gebet gleicht seinen heim'schen Eichen, Die stolz sonst fühlend ihres Marks Gewalt, In Demuth doch die Wipfel niederstreichen, Wenn Sturm, die Orgel Gottes, drüber hallt: << Bollbracht ist's! — ach, wie alles Menschenstrebcn! Kein Stein, drum nichtschon kämpfte Menschcnwuth! Kein Strauch, an dem nicht Menschenthränen kleben! Kein Stäubchen Land, an dem nicht Menschenblut! -kH 167 Li¬ tt Wir knien jetzt an dem Grab, auf das in Thränen Die Christenheit längst hielt den Blick gebannt, So wie die Sonnenblume, die mit Sehnen Gen Aufgang hält das Angesicht gewandt. «Aus Blumen aller Zonen reich gewunden, Ein Todtenkranz, sich senkend auf dein Grab, So sind die Lande all' in uns verbunden, Sich beugend, Herr, zu deiner Gruft hinab. «Das Kreuz, in dieses Thal einst starrend nieder, Der Schande, Schmach und Unthat blut'gcr Pfahl Auf Golgatha erhöhten jetzt wir's wieder Glanzvoll und hoch, des Sieges herrlich Mal! < Bon aller Kön'ge Kronen, allen Fahnen, In alles Land von allen Bergen dar, Auf allen Masten, allen Ozeanen, Strahlt glorreich jetzt, was einst ein Galgen war! «Sein Zeichen muß jetzt Heldenpanzer schmücken, Auf Domen flammen, hoch in Glanz und Pracht, Als schönster Schmuck am Fraucnbusen nicken, Und siegreich rauschen im Panier der Schlacht! -i-z- 168 4-r- «Lls wir erhöht dein Mal in jenen Räumen, Erhöhten, ach, wir selbst uns nebenbei, Wie Priester, wenn fle Kön'ge salben, träumen, Daß ihrer Huld Geschenk die Krone sei « Sie brachten mir de» Purpur, mich zu kleiden! Nicht färbte roth die Schnecke Sidons ihn; Ob dreifach auch getaucht in's Blut der Heiden, Doch bleicht er grau einst, wie dieß Thal, dahin. «Sic kränzten mich mit blankem Kronenbande! Ob dreifach auch durchglüht sein goldnes Laub In jener Städt' und Hütten rothem Brande, Doch fällt, wie dieser Schutt, sie einst zu Staub. « Nur Eine Krone wird hier ewig glänzen, Und ewig leuchten über'm Thale hier: Sie ward geflochten einst aus Dornenkränzen! Weh, daß die Kron' ich trage neben ihr!- « Wohl hat kein Echo Gott dem Thal gegeben, Daß Psalm und Glocke lautlos uns verklingt! Des Opfers Rauch will nicht zum Himmel schweben, Wie kommt'S, daß kriechend er am Boden ringt? 16S «Ha, seh' ich die Gemeine, die zum Feste Statt grüner Palmen blut'ge Schwerster trug, Da ahn' ich hier auch Kains Opferrestc, Der seinen Bruder argen Grimms erschlug. «Da ahn' ich'S, rings »an allen Stirnen grelle Muß auch des Brudermörders Blutmal schrcin!- Ach, wär' ich jener Pilger an der Schwelle, Und trüg' ein Herz, wie er, so still und rein! « Wer trug ihn über die Gebirgesheere? Wer reicht' an Schwindelstegcn ihm die Hand? Wer lehrt' ihn schwimmen durch die weiten Meere? Der hohe Glaube war's, der ihn gesandt! «Und sank' er in dem Meer, es trüg' die Welle Doch seine Leiche an den heil'gen Strand! Und stürb' im Wandern er, sein Antlih Helle Hielt' ihm der Glaube liebend hingcwandk! « Sein Pilgcrstab vernahm kein Menscheiiröchcln, Es trank kein Blut sein härener Talar; Wie Fittige die heiße Stirn umfächeln, So weht ihm linden Trost der Glaube dar. ------ 170 u D daß mir keine Kron' am Haupte glühte ! Gleich ihm nur Muschelschalen an dem Hut! Leer sind die Muscheln, da ihm im Gemüthe Tiefinnen hell des Glaubens Perle ruht. «O läg' mein Haupt, wie sein's, am Schwellensteine, In lichte Träume sterbend eingewiegt! Die bleiche Lilje sinkt im Erdenhaine, Der Glaube zu den Himmelssternen fliegt.» 171 H!- 3 Und wieder Ostern war's, vom Oelberg wieder Sah Christus in das Thal zur Stadt hinab; Das Kreuz, gestürzt ist's von den Zinnen nieder, Nur eins steht schüchtern noch ob seinem Grab. Hoch von Moschcenkuppeln, Minareten Prangt goldnen Strahls der Halbmond über'S Land; Der Ruf des Muessins gebeut zu beten, Wo stolz einst Salomonis Tempel stand. Dem Stein gilt's gleich, welch Zeichen man ihm wählte, Ob er als Tempel, Dom, Moschee euch dien'! Bom Menschen lernt' er's ab, daß gleich ihm's gelte, Tritt Mönch, Levite oder Derwisch ihn. Der Moslim riß herab aus Himmclssernen Den Mond, zu schmücken seinen Erdenraum; Der Christ hob von der Erde zu den Sternen Sein Kreuz, gezimmert nur aus ird'schem Baum. — Zerstäubt, vermodert längst der Kreuzes Fechter! Kein Psalm, kein Glvckenklang in weiter Lust! Nur Mönche blieben, hütend noch als Wächter, Wie treue Doggen, ihres Herren Gruft. Dieß leere Grab, sie kauften es mit Golde, Krambuden schlug der Heide drinnen auf; Dem müden Pilger beut um schnöde Solde Er Platz für seine beiden Knie' zu Kaust Der Ostern Fest ist's heut! Auf allen Bahnen Ziehn fromme Ehristcnpilger wohl heran? Durch alle Lande reiche Karavancn? Und rüst'ge Schiff' auf aller Meere Plan? Nein! Oed' und leer sind noch des Domes Hallen, Darin zerstreut nur cinzle Beter knien! Vielleicht daß draußen noch vor'm Thor sie wallen? Blick' um dich, Auge, wo die Wandrer ziehn ? Kein Pilger hier! Nur Beduinen jagen Auf flinken Rossen durch das Haidcland; Kein Pilger dort! Die Christcnschiffe tragen Des Kaufherrn Gold und Ballen nur zum Strand. "173 -A- Sieh dort bemoost vier Trümmerwändc rage», Längst eingebrochen ist Gewölb' und Dach; Ein Kirchlein Gottes war's in alten Tagen, Jetzt stürzt es mählich seinen Bauherrn nach. Es sprießen grüne Teredinthen drinnen, Sie stehn dir letzten, treuen Beter hier; Es wölbt ihr Laub zu Kuppeln sich und Zinnen, Es ragen ihre Stamm' als Säulenzier. In ihrem Schatten ruht ein müder Waller, Olivenfarbe trägt sein Angesicht, Wahrzeichen trägt auch er der Pilger aller: Den Stab und Staub, — doch Christi Zeichen nicht! Er ist ein Körnlein jener Handvoll Saamen, Die einst der Sturm von diesem Boden hob, Und in die Länder sä'te aller Namen, Und weit hinaus in alle Winde stob! Ein Jude ist'S, ein Ast vom Wunderstammc Gefällt, zerschmettert längst, Loch nicht verdorrt! Des Markes Kern versenkt von Blitzesflamme, Des Wipfels Zweige grünend fort und fort! i 7 4- Und wie um'sHaupt bci'mLaubeswehn ihm schwanken Bald Sonnenlichter, bald die Schatten dicht, So gaukeln drin die Bilder und Gedanken, Bald mitternächtig schwarz, bald sonnenlicht: «Die Lerche steuert pilgernd in den Lüsten Dem Lenze nach und seiner Blüthenspur; Der Hirte wandert von enthalmtcn Tristen Zu frischem Weideplatz auf reichrcr Flur. « Nicht, gleich der Lerche, folg' ich Frühlingsspurcn, Und doch wie sie, so wandr' ich fort und fort! Nicht, gleich dem Hirten, such' ich schönre Fluren, Und doch wie er bin ich bald hier, bald dort! «Der Hirsch, den ihr mit Hunden ließet Hetzen, Der rennt durch Büsch' und Felder fort und fort; Er rennt noch immer fort in scheuen Sätzen, Wenn Treibers Hand und Ruthe längst verdorrt! «Zch säe nicht, ich pflüge keinen Boden, Mich schreckt kein Hagel, denn ich ernte nicht! Doch beut mir jedes Land von seinen Broden, Und meinem Durste nie der Quell gebricht! « Des Nordens Eiche und des Südens Palme Hat um das Haupt schon Schatten mir gestreut; Der Wüste Sand, der Alpen dust'ge Halme, Sie halten mir des Schlummers Bett bereit. «Ich wohn' in engen Gassen, dunklen Schleiften, Wohin der Christ uns aus den Städten stich; Er ahnt es nicht, wie selbst in Drachenklüften Des Weibes Kuß, des Kindes Lächeln süß! «Ich lerne keine von Len Sprachen allen, Nur meine trag' ich durch die ganze Welt; Natur der Staare ist's, die Sprache lallen Des Peinigers, der sie gefangen hält! «Mir blüht kein Vaterland! Die Brüder ringen Durch's Leben sich, zerstreut, im Wandrerkleid! Und doch sind wir ein Bolk! In Eins verschlingen Gemeinsam Elend uns, gemeinsam Leid! « Bom Manne, der nicht sterben kann, die Sage Lallt manch ein Christenkind, vom Ahasver! Es wallt vorbei der Völker Sarkophage Mein Volk, unsterblich, thränenlos, wie er! Nicht weiß ich's, dämmern uns des Fluchs Gerichte, Strahlt Segen uns aus der Geschicke Buch? Auf unsrer Töchter schönem Angesichte Les' ich sogar den leisen Hauck von Fluch ! «Pflanzt in den Süd ein Reis von Nordens Tannen, Wenn's nicht verdorrt, sprießt's doppelt grün und groß > Wollt in den Nord ihr Südens Lorber bannen, Erfriert er nicht, verkrüppelt doch sein Sproß. «In allen Äonen doch, Gepräg' aus Steine, In Färb' und Bildung bleibt mein Antlitz gleich; So heiß ist Südens Brand nicht, daß er's bräune, So kalt kein Norden, daß er's tünche bleich! -Die Christen sahn's, da mocht' es ihnen dünken, Es sei wohl eisenfest auch unser Leib, Daß unser Blut ihr Schwerdt sie ließen trinken, Uns niederdolchten Greis und Kind und Weib! «Die Christen sahn's; und unsres Leibes Glieder Hielt da wohl auch für feuerfest ihr Wahn, Daß sie uns Haus und Hütten brannten nieder, Und unter uns den Holzstoß schärten an! -j-s- 177 -Ht- «Was zürnen sie? Weil einst, was noch sie üben, Gerichtet einen Sünder wir nach Fug! Wenn das er lehrte, was sie thun und trieben, Traun, war's kein Unrecht, was an's Kreuz ihn schlug! «Ihr schmäht, daß wir den Blick zum Mammon wenden; Wie wir ihn suchen, suchet ihn auch ihr! Nur tappt ihr plump nach ihm mit schweren Händen, Mit leichter Wünschelruthe winken wir! «Verachtet mich, Loch will Triumph ich stimmen! Zertritt mich, Christ, wie einen Wurm der Flur! Muß ich mich unter deinen Sohlen krümmen, Jst's doch oor Schmerz nicht, nein, vor Wollust nur! « Voll Lust ja denk' ich's unter deinen Füßen, Wie deines Priesters halb du bist, halb mein; Wie wir uns beid' in dich zu theilen wissen! Sein soll das Jenseits, mein das Diesseits sein! «Ich denk's, daß meines Volks ein Mann darf winken, Und Demant und Juwel, entfärbend sich, Aus deines Königs stolzer Krone sinken, Der dich auch treten kann, so wie du mich! Schutt. 12 -lA l 7 8 «Brausst hoch zu Roß dahin, im Goldesschimmcr, In Purpur wallend, schwingend das Panier! Ich lieg' im Koth, und weiß, ihr seid nicht immer So stolz, und bückt euch noch herab zu mir! » Entfalt', o Ehristenstaat, dein Prunkgefieder Und schlag' dein schimmernd Farbenrad als Pfau! Des Regenbogens Leuchten spiegle wieder, Des Sternenhimmels Funkeln gib zur Schau! « Gern mag der Pfau im Sonnenglanz sich blähen, Doch schämt er seines eklen Fußes sich! Ich bin der Fuß, magst ihn mit Scham besehen, Doch trägt nur er dein Prunkgebäud' und dich! «Und beugt der Unfern Einer auch dem Quelle Sein Haupt, zur Weih' in Eures Glaubens Bund; Meint ihr, ihn lockt des Paktol's reinre -Welle? Ich mein', er ahnt das Körnlein Golds am Grund! > Schön seid ihr, der Provence grüne Thalc, Mein Heimathland, mir oft im Traum gegrüßt, In das, gleichwie in eine goldne Schale, Der Reben Born von sonn'gen Hügeln fließt! 182 -'1- «Auf das des Oelbaums grüne Wälderkrone Sich wie em Kranz des ew'gen Friedens legt; An dessen Herzen laut in Hellem Tone Der volle Pulsschlag frischer Quellen schlägt! «Ihr Haine von Orangen und Granaten, Du grüne Trift, du farbig Blumenried! Du endlos Gartenland voll reicher Saaten, Du wonnig Erdreich von Musik und Lied! «Doch schöner sind, o Zion, deine Thale, Ein Hymnus aus Gestein, der schweigend klingt, Wo schwebend über Schutt und Trauermale Der Todesengel Hallelujah singt! «Ja, schöner ist dein fahl Geflld, zertreten Boni Tritte der Geschlechter, die's durchwühlt, Stumm wie die Lippen des Anachoreten, Durch deren Ernst kein leises Lächeln spielt. «Za, schön bist du, wie einer Mutter Leiche, An's Herz das Kreuz geschmiegt noch goldesklar! Noch strahlt ein Ahnen durch's Gesicht, das bleiche, Daß einst ihr Sebooß der Welt Geschick gebar! -4^ l 83 -Zch- « Und freudig soll mein morsch Gebein versinken Einst in dein graues Leichentuch, o Thal, Bäh' nur mein brechend Auge wieder blinken Bon allen Zinnen hoch des Kreuzes Strahl! « Und ließest du auf allen Bergen wieder, Herr, deine Oriflamme siegreich stehn, Der Glocken Klang, der Christenpilger Lieder Anstatt der Blumen über'S Grab mir wehn! «Zwar als du jüngst in deiner Gottheit Schöne Im Traum mir nah, ries donnergleich dein Zorn: Hinweg, Unwürd'ge, ihr der Zwietracht Söhne, Nicht fürder schändet hier des Friedens Born! «Ich pflanzte, reichen Schirms sich zu entfalten, Einst meinen Fruchtbaum in den Erdenhain; In tausend Aeste habt ihr ihn zerspalten, Und jeder Zweig will selbst ein Baum nun sein! « Es loosten, als sic sahn am Kreuz mich ragen, Um mein Gewand die Söldner unverweilt; Doch ruchlos habt ihr selbst mein Grab zerschlagen, Und frech in seine Trümmer euch getheilt! k 84- «Ihr, die in meinem Dom um eine Stufe, Um eine Pfort' ihr wild in Hader schwellt; Wißt, daß der Erdball rings zu mir die Stufe, Und meine Pforte rings die weite Welt! « Ihr, die ihr um ein Altarlämpchen streitet, Ihr Blinden ahnt in eurer Nacht es kaum, Daß, meines Lichtes soll, sich glänzend breitet Rings um und über euch der Erde Raum! <> Gewürm, bleib' an den morschen Steinen kleben, Und nage fort an moderndem Gebein! Mein Wort, es quillt lebend'ges, volles Leben, Und nicht gefesselt ist's an tobten Stein! - « So sprachst du, Herr; — doch was meinAug'in Thränen Längst von dir flehte, hast du jetzt gesandt! Es baute kühn ein Heer von Gottfrieds Söhnen Sich Zelte in der Pharaonen Land! «Zn ihrem Blick die alte Schlachtcnweihe! Um's Haupt des alten Ruhmes Wiedersehen!! In Arm und Brust die alte Kraft und Treue! Da wird wohl auch der alte Glaube sein! 183 » Heiß glüht die Senne! Doch ihr Haupt zu kühlen Gebricht's an frischen Siegespalmen nie! Des Nilstroms Katarakte stäubend spülen Des neuen Ruhmes Taufe über ste! « Dort steht der Feldherr auch!—Meint ihr, es biete Hesperiens Gartenland ihm Kränze nur? O seht, wie jetzt, sein Haupt zu kränzen, blühte Als Lorberwald Sahara's sand'ge Flur! «Du hast, o Herr, ihm in den Arm gegossen Von deiner Kraft, die Libans Cedern bog! Du hast sein Haupt mit deinem Geist umflossen, Der einst in Flammenzungen niederflog! « Ich weiß es, seines Degens Feuerruthe Schwang über Murad Bei allein er nicht! Und mit des Mamelucken Uebermuthe Geht nicht allein sein Zürnen in's Gericht! «Ich weiß, als Straße nur zu Zions Thalc Liegt ihm die Wüste oor den Augen da; Ich weiß, der Pyramiden Riesenmale Sind ihm die Staffeln nur zu Golgatha! 4 86 A- -> Da wird einst stehn, den Halbmond zn den Füßen, Das goldne Kreuz hoch in der Hand, der Held, Die graue Flur den grauen Mantel grüßen: Er deckt, wie sie, die Größe einer Welt! «Aus Golgatha läßt ruhn er seine Aare Um's Kreuz, deß Sieg den schönsten Kranz ihm gab! Die andern Kränze nimmt er aus dem Haare Und legt sie nieder auf's befreite Grab. » - So sprach derMönch;— und horch, die fernenHügel Erdröhnen dumpf, wie eh'rner Heere Gang; Und horch, in Lüften rauscht's wie Adlerflügel, Wie ferner Waffenhall und Schlachtgesang. Ja, seine Heere sind's! — Doch raschen Zuges, Im Siegesglanz, ziehn sie vorbei, vorbei! Ja, seine Adler sind's! — Doch stolzen Fluges Rauscht ihres Fittigs Schlag vorbei, vorbei! -t,- 187 3 Und Ostem wird es einst, der Herr sieht nieder Wem Oelberg in das Thal, das klingt und blüht Rings Glanz und Füll', und Wann' und Wonne wieder, So weit sein Äug', — ein Gottesauge, — sieht! Ein Ostern, wie's der Oichtergeist sieht blühen, Dcm's schon zu schaun, zu pflücken jetzt erlaubt Die Blüthenkränze, die als Aron' einst glühen Um der noch ungebornen Tage Haupt! Ein Ostern, wie's das Dichteraug' siebt tagen, Das über'm Nebel, der das Jetzt umzieht, Die morgenrothen Gletscherhäupter ragen Der werdenden Jahrtausende schon sieht! Ein Ostern, Auferstehungssest, das wieder Des Frühlings Hauch auf Blumcngräber sä't! Ein Ostern der Verjüngung, das hernieder .Jn's Menschenherz der Gottheit Athem weht! t 88 ^4» Sieh, welche Wandlung blüht auf Zions Bahnen! Längst hält ja Lenz sein Siegeslager hier; Luf Bergen wehn der Palmen grüne Fahnen, Im Thale prangt sein Zelt in Blüthenzier! Längst wogt ja über all den alten Trümmern Ein weites Saatenmeer in goldner Fluth, Wie fern im Nord, wo weiße Wellen schimmern, Bersunken tief im Meer Bineta ruht. Längst über alten Schutt ist uncrmeffen Geworfen frischer Tristen grünes Kleid, Gleichwie ein stilles, freundliches Bergessen Sich senkt auf dunkler Tag' uraltes Leid. Längst stehn die Höhn umfahn von Rebgcwinden, Längst blüht ein Rosenhag auf Golgatha; Will jetzt ein Mund den Preis der Rose künden, Nennt er gepaart Schiras und Golgatha. Längst alles Land weitum ein sonn'ger Garten ! Es ragt kein Halbmond mehr, kein Kreuz mehr da! Was sollten auch des blut'gen Kampfs Standarten? Längst ist es Frieden, ew'ger Frieden ja! -189 ^4- Der Kedron blieb. Er quillt vor meinen Blicken Jn's Bett von gelben Aehren eingeengt, Wohl noch als Thräne, — doch die dem Entzücken Sich durch die blonden, goldnen Wimpern drängt! Das ist ein Blühen rings, ein Duften, Klingen, Das um die Wette sprießt, und rauscht, und keimt, Als galt' es jetzt, geschäftig einzubringen, Was starr im Schlaf Jahrtausende versäumt! Das ist ein Glänzen rings, ein Funkeln, Schimmern Der Stadt' im Thal, der Häuser auf den Höhn! Kein Ahnen, Laß ihr Fundament auf Trümmern, Kein leiser Traum des Grabs, auf dem sie stehn! Die Flur durchjauchzt, des Segens freud'ger Deuter, Ein Volk, vom Glück geküßt, an Tugend reich; Gleich Len Gestirnen ernst zugleich und heiter, Wie Rosen schön, wie Eedern stark zugleich. Begraben längst in LrS Wergessens Meere, Seeungethümen gleich in tiefer Fluth, Die alten Gräu'l, die blut'ge Schergenehre, Der Krieg und Knechtsinn, und des Luges Brut. -r-z- 4 90 Auf Golgatha, in eines Gärtchens Mitte, Da wohnt ein Pärlein, Glück und Lieb' im Blick; Weit schaut in'S Land, gleich ihrem Äug', die Hütte, Es labt ja Glück sich gern an fremdem Glück! Einst, da begab sich's, daß im Feld die Kinder Ausgruben gar ein formlos, eisern Ding; Als Sichel däucht's zu grad' und schwer die Finder, Als Pflugschar fast zu schlank und zu gering. Sie schleppen's mühsam heim, gleich seltnem Funde, Die Aeltern sehn es, — doch sie kennen's nicht! Sie rufen rings die Nachbarn in der Runde, Die Nachbarn sehn es, — doch sie kennen's nicht. Da ist ein Greis, der in der Jetztwelt Tage Mit weißem Bart und fahlem Angesicht Hercinrogt, selbst wie eine alte Sage; Sie zeigen'S ihm, — er aber kennt es nicht! Wohl ihnen allen, daß sie's nimmer kennen! Der Ahnen Thorhcit, längst vom Grab verzehrt, Müßt' ihnen noch im Äug' als Thräne brennen! Denn was sie nimmer kannten, — war ein Schwerdt! -t-s- 191 44- Als Pflugschar soll's fortan durch Schollen ringen, Dem Saatkorn nur noch weist's den Weg zur Gruft Des Schwerstes neue Heldenthaten singen Der Lerchen Epopee'n in sonn'ger Luft! - Einst wieder sich's begab, daß, als er pflügte, Der Ackersmann wie an ein Felsstück stieß, Und, als sein Spaten rings die Hüll' entfügte, Ein wundersam Gebild aus Stein sich wies. Er ruft herbei die Nachbarn in der Runde, Sie sehn sich's an, — jedoch sie kennen's nicht! Uralter, weiser Greis, du gibst wohl Kunde? Der Greis besieht's, — jedoch er kennt es nicht! Ob sie's auch kennen nicht, Loch steht's soll Segen Aufrecht in ihrer Brust, in ew'gem Reiz, Es blüht sein Same rings auf allen Wegen; Denn was sie nimmer kannten, — war ein Kreuz! Sie sahn den Kampf nicht und sein blutig Zeichen, Sie sehn den Sieg allein und seinen Kranz! Sie sahn den Sturm nicht mit den Wetterstrcichcn, Sie sehn nur seines Regenbogens Glanz! — -j-Z- 192 -Z-j- Das Kreuz von Stein, sie stellend auf im Garten, Ein räthselhaft, ehrwürdig Alterthum, Dran Rosen rings und Blumen aller Arten Empor sich ranken, kletternd um und um. So steht das Kreuz inmitten Glanz und Fülle Auf Golgatha, glorreich, bedeutungsschwer: Verdeckt ist's ganz von seiner Rosen Hülle, Längst sieht vor Rosen man das Kreuz nicht mehr. Epilog. Schutt. 13 -is. 193 44- Wie der Somma Reben sprießen Aus vesuv'schem Schuttgerölle, Als ob eine Saat von Grüßen Aus versunknen Tempeln quölle! Hält' es Einer ahnen mögen, Daß der Heidengötter Grabe Einst entsteigt solch schöner Segen, Dran manch guter Christ sich labe! — Wie zu Worms der Reben Kette Um den Dom der Liebenfraue Reich sich rankte, an der Stätte Der verbrannten Klosterbaue! Wäre Ahnung wem geworden, Daß einst gaukelnd um die Grüfte Bärt'ger Kapuzinerhorden Solch ein lieblich Träumen düste! — 13' -O- 196 Hz- Mögt ihr Reben aus dem Schutte Fort und fort so herrlich wallen, Bis zu dust'gem, sast'gem Schutte Selber ihr im Herbst zerfallen! Südens Reben, Nordens Reben, Laßt empor die Ranken schießen, Daß sie riesenhoch sich heben, Beider Wipfel sich umschließen! Wölbt euch dicht und schön zur Laube Für die Freunde und den Dichter! Südens Traub' an Nordens Traube! Und dazwischen Sonnenlichter! Freunde, laßt uns lagern drunter In dem grünen Dom der Zecher! Keltert von den Trauben munter In die tiefen, goldnen Becher! Und es werden selbst die Frommen, Traun! uns nicht zu schelten taugen, Da, durch Christi Thran' entglommen, Milch der Liebenfrau wir saugen! -t°Z- k 97 Deffn' ein bischen, Laubgewinde, Uns zur Aussicht deine Halle, Daß sich durch die sonn'gen Gründe Unser Äug' ergehend, walle! Daß wir durch den Kranz von Reben Goldne Saaten wogend schauen, Dorf und Kirchthurm blank sich heben, Strom und ferne Meere blauen. Und die Burg mit morschen Warten, Die als Puppe hängt am Hügel, Doch vielleicht als Rebengarten Schlägt einst schöne Falterflügel! Seht im Wind das Laub sich kräuseln! Mög' es einst, wenn Hörer lauschen, Wie ein frisches Laubessäuseln Auch durch unsre Lieder rauschen! Herz an Herz, und Arm' in Armen! Weckt die jungen Keim' im Boden, Daß sie meinen, zu erwärmen Schon durch Frühlings lauen Odem! 198 Laßt ertönen die Gesänge, Daß die Rosen in den Tiefen Früh'r erweckt, als ob die Klänge Eines Lenzes wach sie riefen! Und umlacht von Blüthenscherzen, Und umspielt von Zephyrs Kosen, Süße Hoffnungen im Herzen, Sinken wir einst in die Rosen. Anhalt. Seite Widmung Der Thurm am Strande. 3 Eine Fensterscheibe. 45 Cincinnatus. 91 Fünf Ostern. 155 Epilog. 195 Druck von F. A. Drockhaus in Leipzig. ^121^ IM