Dient vornehmlich der Unterstützung und Ausbreitung der ITlissionstätigkeit der Söhne des heiligsten Berzens 3esu und sucht Verständnis und werktätige hiebe des ITlissionswerkes in Wort und Schritt zu iördern. Das Arbeitsfeld dieser Missionäre ist der Sudan (Zentral-Afrika). Der „Stern der Reger" erscheint monatlich und wird vom Missionshaus üliiland bei Brixen (Südfiroi) herausgegeben. Hbonnemenfspreis ganzjährig mit Posfoersendung 2 K — 2 IRk. — 3 Frc. Der Heilige Vater Papst Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den apostolischen Segen erteilt. Für die Wohltäter «erden wöchentlich zwei heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten überluden von Brixen, Brünn, iieifmeritj, Uinz, üimiitz, Marburg, Crient, Triest und Wien. Heft 7. guli ton. XVII. 3ahrg. Stand des apostolischen Vikariats Khartoum im Jahre 1913, (Schluß.) In K Hart 0 u m bestehen von der neuen Kirche erst die Fundamente. Für den Stand unserer Religion ist es schon ein Nachteil, daß wir von allen Bekenntnissen die letzten sind, die es in der Hauptstadt zu einer Kirche bringen. Über die Dringlichkeit des Baues werde ich Ihnen noch gesondert schreiben. In den drei letztgenannten Stationen widmeten sich die Schwestern der Behandlung der Kranken, deren über 70.000 ihre Hilfe in Anspruch nahmen. Die große Mehrzahl der Katholiken besteht aus Eingewanderten aus Europa, Syrien und Ägypten. Der Erwerb hat sie hi eher geführt. Die einen erkämpfen sich kaum das tägliche Brot, die andern kommen bei gutem Verdienst und großen Ausgaben auf keinen grünen Zweig. Schon dieser Kampf um das Dasein ist der Religion ungünstig. Noch mehr ist es die Umgebung, in der sie leben. Selbst keine einheitliche Kirchengemeinde bildend, sondern in verschiedene Nationalitäten und Riten geteilt, sind sie als katholische Minderheit unter einer großen Überzahl von Nichtkatholiken und Mohammedanern zerstreut. Anstatt des anregenden Beispiels einer geschlossenen Christengemeinde haben sie den Jndifferentismus zahlreicher Religionsgenossen und die ablehnende Haltung der Anders- und Ungläubigen vor Augen. Welche Jugend aus und in solchen Verhältnissen und ohne anderweitiges Zutun heranwächst, läßt sich denken. Wie solchen! Unheil abhelfen? Die Kinder zum Religionsunterrichte sammeln! Das wäre nur mit Beihilfe der Eltern möglich. Aber de- ren Verständnis für religiöse Bedürfnisse ist zn gering, als daß sie ihre Kinder zu etwas anhielten, woraus sie keinen praktischen Nutzen für ihr irdisches Fortkommen ersehen. Da gibt es nur e i n wirksames Mittel, und das ist die S ch u l e. Auch die religiös gleichgültigsten Eltern verstehen ihren Nutzen und wünschen ihre kleinen Kinder tagsüber loszuwerden und ihren älteren durch entsprechende Schulbildung leichteres und besseres Brot zu verschaffen, als sie sich verdienen müssen. In den Schulen der Regierung wird mohammedanische. Religion gelehrt. Daher haben die Griechen und die Kopten ihre eigenen Schulen errichtet. Daneben bestehen die Schulen der Anglikaner und der amerikanischen Presbyterianer. Auch wir müssen unsere Missionsschulen haben. Ohne sie würde unsere Jugend religionslos oder akatholisch werden. Die Zukunft des Katholizismus im ungeheuren Gebiete des mohammedanischen Sudan beruht in allererster Stelle aus unseren Schulen. Ohne sie ist eine erfolgreiche Seelsorge undenkbar, und sie sind der wichtigste Teil derselben. Wenn es einst in der schullosen Qeit kaum ein Kind gab, welches das Kreuzzeichen gewußt hätte, so findet sich heute nach zehn Jahren kaum eines, das es nicht wüßte, und an 40 Kinder gehen hier in Khartoum allsonntäglich und andere häufig auch in der Woche zur heiligen Kommunion. Das spricht mehr als alles für den seelsorglichen Wert der Schulen. Die hiesige Schule hat außer einem geprüften englischen Lehrer noch sechs eingeborene Hilfslehrer aus Ägypten urto Syrien, abgesehen von zwei Priestern, welche den Religionsunterricht erteilen. In Anbetracht der Armut der Eltern und der erwähnten Konkurrenz kann die Schule ihren Zweck nur dann erreichen, wenn sie billig und vielfach kostenlos ist. Und da ist jeder Heller so gut angewendet, daß ich kaum eine bessere Verwendung wüßte. Zu einer Schule braucht es Lehrer und zu einer katholischen Missionsschule katholische Lehrer. Diese werden erzogen im Lehrerseminar, das mit der Schule, verbunden ist. Es werden talentierte Knaben ausgenommen und ganz unentgeltlich erzogen und unterrichtet, um dann der Mission als Lehrer gegen Entgelt zu dienen. Aus dem Seminar, das von Assuan nach Khärtoum verlegt wurde, sind bisher sechs Hilfslehrer hervorgegangen und zehn Zöglinge werden gegenwärtig zu solchen herangebildet. Sie müssen jung aufgenommen und ganz auf unsere Kosten erhalten werden. Ein solcher Lehrerzögling kostet jährlich 400 Kronen, seine siebenjährige Ausbildung somit 2800 Kronen. Es gibt im Sudan eine bedeutende Anzahl katholischer Kinder, Leren beide over eines der Eltern gestorben sind, dann Kinder völlig unbemittelter Eltern und endlich andere, Mulatten, welche aus Verbindungen Weißer mit Einheimischen hervorgegangen sind. Diese Kinder wachsen entweder zu Wildlingen heran oder fallen Andersgläubigen in die Hände. Die Mulatten bleiben der meistens mohammedanischen Mutter überlassen. Ohne eine geregelte Vorsorge gehen alle die genannten Kinder unserer Religion verloren. Da ist ein Feld großer Missionstätigkeit. Wären gut bemittelte und gut gesinnte Eltern hier, so könnte man diese Kinder dort unterbringen. Aber solche Familien sind kaum zu finden; entweder sind die gutchristlichen selbst arm oder die wohlhabenden glaubenskalt. Was tun? H e i m e für Knaben und Mädchen sind da wahre Rettungsanstalten. Mit der Knabenschule zu Khartoum ist ein Knaben heim verbunden, das aber Heft 7. Stern der Neger. 147 -str'O. I* M, MI ML^L .LZ -1 zrj ,<,: W - : iffliBllWn m Y../MSB mit 25 Zöglingen schon überfüllt ist. Im elenden Schwesternhaus zu Omdurman sind zwölf Mädchen in einer Lehmhütte untergebracht. Es gibt im ganzen nördlichen Sudan, der größer ist als ganz Österreich, Knaben und Mädchen, die ganz verlassen sind. Man bietet uns diese Kinder an, wir würden sie gerne aufnehmen. Aber! Der jährliche Unterhalt eines Kindes kostet 350 Kronen. Die vollständige Erziehung eines Knaben bis zur Erwerbsfähigkeit kostet 2000 Kronen. Ein Teil der Knaben muß ein Handwerk erwählen. Es besteht.daher eine Schreinerei, in welcher die Jungen dieses Handwerk lernen. Eine kleine Druckerei mit einem deutschen Drucker wurde eben in Betrieb gesetzt. Eine Schmiede, zwar noch in einer Lehmwerkstälte, wartet auf den Meister. Eine Schuhmacherei in einer Pförtnerwerkstätte sollte noch vervollkommnet werden. Mit etwas Geld könnten diese Werkstätten leistungsfähig gemacht werden. Sie wären sowohl finanziell nützlich, als auch eine herrliche Vervollständigung des Erziehungsgedankens der Schule. Ausbildung und Erziehung braver Handwerker wäre gerade hier, wo die Arbeit nicht besonders in Achtung steht, eine Kulturtat. In der Hebung des Arbeiterstandes liegt einer der größten Werte des Christentums. Gelingt es der Mission, fleißige und strebsame Arbeiter heranzubilden, so legitimiert sie sich dadurch als christliche Kulturträgerin. An den größeren Orten der Wanderseelsorge wäre eine Schule am Platze. Die Katholiken von El Obeid erbaten sich in einer schriftlichen Eingabe eine Missionsschule Daudi Dictum II., König von Uganda (in Staatsmacht). für ihre Kinder, die sonst die mohammedanische Regierungsschule besuchen müßten. Die Regierung wies uns ein Grundstück von 7000 Quadratmetern an. Die Einrichtung einer solchen Schule kostet etwa 2000 Kronen und der jährliche Unterricht ebensoviel. Solcher Diasporaschulen wären augenblicklich vier notwendig. 148 Stern der Neger. Heft 7. In K h a r t o u m N orth oder H a l -f a i) a wurde eine Prokur Der apostolischen Präfektur Bahr ei Ghazal errichtet. Schließlich noch ein Wort über die W a n-d e r s e e l s o r g c im Sudan. Der englisch-ägyptische Sudan besitzt einen Flächeninhalt von 2,548.000 Quadratkilometern. Von den 14 Provinzen haben jene von Berber, Blauer Nil, Dongola, Haifa, Khartoum, Kordofan, Rotes Meer, Sennar und Weißer Nil mohammedanische Bevölkerung. In diesem weiten Gebiete von 1.560.000 Quadratkilometern leben rund 2000 eingewanderte Katholiken zerstreut, zum Großteil Orientalen vom melchiti-schen, maronitischen, syrischen, armenischen, koptischen und chaldäischen Ritus und Lateiner aus England, Österreich, Deutschland, Italien, Malta, Ägypten und der Levante. Für die Melchiten wirkt in Omdur-man ein Priester ihres Ritus mit provisorischer Kapelle. Dazu kommen etwa 100 katholische Neger. Die Zahl der Katholiken an den einzelnen Orten wechselt häufig. Augenblicklich zählen Khartoum 500 eingewanderte Katholiken, Orndurrnan 340, El Obeid 132, Nahud 87, Atbara 86, Haifa 84, Port Sudan 68, Schendi 54, Kassala 47, Wad Medani 32, Suchn 31, Kosti 28, Berber 27 und Darner 25, während Abu Hanied, Kareirna, Argo, Merowi, Gebeit, Singa, Sennar, Kaua, Gos Abu Görna, Bara und El Odeya unter 20 Seelen zäh-len. Wie überwältigend die Überzahl der Mohammedaner ist, erhellt aus folgenden Angaben: Khartoum mit den Vororten 60.000 Mohammedaner, Omdurman 43.000, Wad Medani 20.000, El Obeid 18.000, Due im 13.000, Atbara 5200 und Nahud 5000. Die Entfernungen der Orte von einander sind ganz ungeheure, oft mehrere hundert, ja selbst tausend Kilometer. Diese weite Diaspora wird durch Wan-derseelsorgc pastoriert. Mit der Eisenbahn oder zu Schiff und in wochenlangen Reisen zu Kamel oder Esel durchzieht der Missionär dieses Gebiet und besucht ein- oder mehrmals jährlich die einzelnen Orte. Daselbst wartet seiner eine vielgestaltige Arbeit. Die ersten Tage verbringt er mit Besuchen in jeder einzelnen Familie oder der einzelstehenden Kaufleute in deren Laden. Da lernt er die Bedürfnisse aller kennen. Die Guten kommen von selbst und gleich anfangs zum Empfang der heiligen Sakramente. Die Lauen und Sünder müssen mit Geduld und Hingebung erst vorbereitet werden. Da sind Streitigkeiten zu schlichten und Feindschaften auszusöhnen, eheliche Zwistigkeiten beizulegen, unbotmäßige Söhne zum Gehorsam gegen die Eltern zu bringen, Ärgernisse zu beseitigen, Glaubenszweifel zu lösen und abergläubische Gebräuche auszumerzen. Dann müssen Wucherer zurechtgewiesen, pflichtvergessene Eltern ermahnt, Gewohnheits- und Gelegenheitssünder bekehrt werden. Kinder und nicht selten Erwachsene müssen auf die Beichte und auf die Kommunion vorbereitet werden. 'Verlassene und gefährdete Kinder müssen gerettet und in unsere Kinderheime befördert werden. Armen und Arbeitslosen muß augenblicklich Unterstützung und Hilfe oder Erwerb für die Zukunft verschafft werden. Der Priester muß allen alles werden, Seelsorger, Berater, Arbeitsvermittler, Schiedsrichter. Den ganzen Tag läuft er die Ortschaften auf und ab, watet jetzt in tiefem Sande und dann in zähem Schlamme, bald unter tropischem Regen und bald unter glühendem Sonnenbrand und dann wieder in Wind und Sandsturm. Nachdem der Missionär den Tag über von Tür zu Tür, von Familie zu Familie, von Seele zu Seele -geeilt ist, hört er am Abende die reumütigen Beichten und am Morgen fährt er damit fort, bis die tt Heft 7. St L'ni d e v 9c'r gcr: 1-19 Stunde der heiligen Messe herannaht. Und nachdem er früher jedem unter Vier Augen das für seine Seele Heilsame dargelegt, hält er nun beim Gottesdienste eine Ansprache an alle und teilt die heilige Kommunion aus. Es sind Ausnahmen, daß einzelne allen priesterlichen Kunstgriffen gegenüber sich ablehnend Verhalten. Die weitaus größte Mehrzahl nähert sich dem Tische des Herrn öfter und andere täglich während der Anwesenheit des Wandermissionärs. Und wie dankbar sie für die gespendeten Gnaden sind! Die ganze Zeit des Besuches des Missionärs ist für sie ein Festtag. Und wenn er Von ihnen scheidet, begleiten sie ihn in rührender Anhänglichkeit auf seinem Wege und ihre Reden haben die Freuden des Wiedersehens zum Gegenstände. Auch nach dem Scheiden bleibt der Missionär imBerkehrmitdenlZläu-bigen. An jedem Orte besitzt er einen oder m ehrere Vertrauensmänner, die ihn schriftlich über die wichtigsten Vorkommnisse unterrichten. Diese Wanderseelsorge faßt in sich alle Zweige der Seelsorge zusammen: Gottesdienst, Spendung der Sakramente, Predigt, Katechese, caritative und soziale Priesterarbeit. Sie erstreckt sich über ein Ge- biet, das Österreich an Ausdehnung übertrifft. Aus diesem ersten Berichte über das jetzige Vikariat erhellt/wie viele Anforde- Stcmislaus niugwcmya, 3u[tizminiiter von Uganda. rangen an uns gestellt werden. Man möchte meinen, daß die Teilung meine Sorgen verringert habe. Ich spüre das nicht. Ganz besonders fühle ich die Geldnot drückender als je. Das bedarf einer Erklärung. Das 150 Stern der Učeger. Heft 7. alte Vikariat hatte nicht nur fein Bargeld, sondern Schulden. Um nun der neuen Präfektur und dem jetzigen Vikariat den schuldenfreien Eintritt in ihre Existenz zu sichern, habe ich 12.500 K zur Tilgung der Schulden beigesteuert und dazu noch weitere 25.000 K für die neue Präfektur hergegeben und mit 7900 K die Station Dil-ling gegründet. Man wird fragen, woher dieses Geld gekommen fei. Es war Sammelgeld, das ich auf meiner letzten Reise (1912/18) in Deutschland und Tirol durch Predigten zusammengebracht hatte und hauptsächlich für den Kirchenbau zu verwenden gedachte. Da kam die Teilung, welche ohne obige Beiträge gar nicht möglich gewesen wäre; ich gab diese Summen und stellte den Kirchenbau zurück. Dazu kommt ferner, daß die liegenden Güter meines Vikariats hier im Sudan bei der jetzigen großen Finanznot fast nichts einbringen und anderseits gerade in diesem fortgeschrittenen Teile des Sudans alles verhältnismäßig teuer ist. Ich bin daher in der Tat nach der Teilung ganz bedeutend ärmer als vor derselben und in den bisherigen zehneinhalb Jahren meines Amtes spürte ich die Geldnot nie so sehr wie jetzt, sie ist weitaus mein schwerstes Kreuz. Ich stehe da mit einem ungeheuren Vikariat, in dem so vieles neu zu schaffen ist, und habe kein Geld. Da möchte man meinen, es sei schön, Missionsbischof zu sein. Mir kommt es vor wie ein glänzendes Martyrium. Das will aber nicht sagen, daß mir der Mut fehlt, es zu tragen. Mtit habe ich, gottlob, ebensoviel als Gottvertrauen. Aber ich will unsere Not kundtun, wie ja überhaupt kaum ein Missionär zur Feder greift, ohne von der Not getrieben zu sein. lind da dieses Vikariat nach der Teilung ganz naturgemäß noch viel mehr als vorher aus die Hilfe aus Österreich und Deutschland angewiesen ist, so schließe ich diesen Bericht mit der stehenden Bitte aller Missionäre, unsere lieben Freunde und Wohltäter mögen uns gerade jetzt unterstützen, damit wir das Vikariat über die ersten Schwierigkeiten, zu deren größten die finanzielle zählt, hinwegzubringen. Mein und unser aller Dank bleibt ihnen gesichert. Aber Geld ist etwas und sehr viel und doch nicht alles. Wir brauchen viel mehr Priester und Brüder. Die Missionsbegeisterung wühlt besonders heute unter der Jugend. Möchten recht viele Priester, Theologen, Gymnasiasten und Handwerker sich an unser Missionshaus Milland bei Briten um Aufnahme wenden! Drüben in Europa Brennen tausend jugendliche Seelen vor Begierde, sich den Missionen zu widmen, und hier lechzen Hunderttausende von durstigen Heidenseelen nach den erfrischenden und belebenden Heilswahrheiten, und sie verschmachten, weil es an Missionären gebricht. Ganz besonders nützlich wären Laienbrüder, gelernte Handwerker. Gute Laienbrüder, welche, eine anständige Küche zu machen verstehen, könnten Gesundheit, Kraft und Leben der Missionäre erhalten, Schreiner unsere Werkstätte in Khartoum einträglicher gestalten und die Nubaneger ihr ehrbares Handwerk lehren, Schmiede könnten durch ihre Kunst die Mission unter den Schilluk zu noch größerem Ansehen bringen, Gärtner und Bauern durch ihre Arbeit die Einkünfte der Mission heben, Maurer gesunde Wohnungen erbauen, mit einem Worte, jeder Handwerker kann sich nützlich machen, und wer kein Handwerk versteht, durch Beaufsichtigung der Eingeborenen und Überwachung des Hauswesens vorzügliche Dienste leisten. Also, auf denn, du liebe studierende und arbeitende Jugend Österreichs und Deutschlands, erkenne den Ruf Gottes und gehe hin in das traute Missionshaus in Mil- 151 Heft 7. Stern der Neger. land bei Brixen, reihe dich mutig ein in die eifrige Schar der Leviten und Novizen, bis dich der Gehorsam zu uns herüberschickt. Und nun, hochwürdiger P. Rektor, beten Sie mit den lieben Insassen des Missionshauses für uns, damit unsere heuri- gen Arbeiten und Unternehmungen tröstliche Früchte erzielen zu '®otte§ Ehre und der Seelen Heil. In herzlicher Verehrung bleibe ich Euer Hochwürden sehr ergebener t Fr. Tav. Geyer, apostol. Vikar von Khartoum. Islam, Kolonialpolifik und die katholischen Millionen. (Fortsetzung.) III. Habe ich mich im vorausgehenden Abschnitte mit den europäischen Kolonialregierungen, nebst ihrem Tun und Lassen gegenüber Islam und Kultur beschäftigt, so bin ich es jetzt der Vollständigkeit meiner Schilderung schuldig, die Weißen, seien es Kolonisten, seien es Beamte, als Privatpersonen ein wenig unter die Lupe zu nehmen, um das Gute, welches von ihrer Anwesenheit in den Kolonien bezüglich Islam und christlicher Kultur ersprießt, zu würdigen, aber auch um manche Schattenseite in gehörige Beleuchtung zu setzen. Es geschieht dies nicht aus Aufsässigkeit, sondern daß dem Mel gesteuert werde, auch daß man lerne, manche in Schriften und Zeitungen veröffentlichte Auslafsungen von Kolonisten gegen die katholischen Missionen etwas niedriger zu hängen, was nichts anderes heißt, als sie auf ihren w a hren Wert einzuschätzen. Zu meiner Überraschung und Beschämung lese ich diesbezüglich von der größten Kolonie meines lieben Deutschen Reiches nicht gerade Rühmliches. Ich lasse zuerst den Herrn v. Dalwigk reden, komme aber nachher schon mit den Glossen! Herr v. Dalwigk sagte auf dem Aachener Katholikentage: „Das wirksamste Mittel, dem Islam das Vordringen unter die Neger zu wehren und christliche Kultur zur Annahme zu bringen, auf das ich ganz besonders aufmerksam machen möchte und das mich erst auf den Gedanken gebracht, diesen Vortrag zu halten, ist die Ansiedlung möglichst vieler (gute r) christlicher Elemente in den Kolonien. Bis jetzt haben die Pflanzer, Kaufleute, Regierungsvertreter (!) meistens den Missionen gleichgültig, viele sogar feindlich gegenübergestanden. Nicht oft findet man Europäer, welche den Missionen freundlich gesinnt sind; solche, die ihre christlichen Pflichten erfüllen oder mit den Missionären in Verbindung stehen, sind eine Seltenheit. Besonders unter den sogenannten großen Herren ist der Missionsfreund sehr schwach vertreten. Dazu kommt, daß, wie schon früher bemerkt, der Islam von der Regierung und auch von anderen Europäern geradezu protegiert wird. Der Neger muß dadurch natürlich zu der Ansicht kommen, daß das Christentum in Europa keine besonders geachtete Stellung einnimmt — dies ist e i n Ziel der Freimaurerei in den Kolonien—; wenn dann der Neger, auf den nur Macht, Vermögen und Rücksichtslosigkeit einen Eindruck ausüben, sieht, daß die großen (?) Herren die Mission nicht viel achten, wird er deshalb auch die christlichen Missionen nicht als vollwertig ansehen. Wie ganz anders würde es werden, wenn recht viele tüchtige und vermögende christliche junge Leute sich in den Kolonien ansiedeln und mit den Missionären in Verbindung treten würden! Der Neger würde das Christentum mit ganz anderen Augen ansehen und damit würde auch der Einfluß des Islams bedeutend sinken. Manche einflußreiche Europäer geben sogar öffentlich ihrer Mißachtung gegenüber den Missionen Ausdruck, loben den Islam und die Zuhörer stimmen ihnen bei. Was werden die Neger darüber denken, von denen doch ein Teil in der Lage sein, daß die Missionäre nicht m itwähIen ko n n e n!'. Aber 'chalbver-fanlte Existenzen schon! Ich widersprach ihm, indem ich auf die großen Verdienste der Missionäre hinwies. Die anderen schwiegen — wohl aus deutschem Mannesmute oder weil auch bei ihnen etwas faul war — und über die Angelenheit wurde nicht weiterverhandelt. Man sieht, daß es durchaus notwendig ist, daß christliche Ansiedler sich in den genannten Vertretungen befinden." Die RipomFiille (der slil beim Austritte aus dem Vikforia=nianza). ist, der deutschen Unterhaltung zu folgen? Diese öffentlichen Angriffe würden aufhören oder jedenfalls abnehmen, wenn christliche Ansiedler denselben entgegentreten und ihre rnissionsfreundliche Gesinnung kundgeben würden. Auch in den parlamentarischen oder wirtschaftlichen Vertretungen der Kolonie werden christliche Ansiedler in der Lage sein, wichtige Beschlüsse durchzusetzen zugunsten der Mission oder ihr feindliche Anschläge zu verhindern. In einer Sitzung des wirtschaftlichen Verbandes (Interessenvertretung der Pflairzer und Kaufleute) tat bei einer Verhandlung über das zu erwartende Wahlrecht ein junger Landmesser den Ausspruch: ,3t 6 e r dieses Wahlrecht muß so beschaffen Ganz nette Sachen! Also die Pflanzer, Kaufleute und sogar Regierungsvertreter (wohl mehr untergeordnete Beamte) stehen den Missionen gleichgültig, viele sogar feindselig gegenüber! Warum? Welches sind denn die Ursachen? Es sind die nämlichen, deren schon im ersten Abschnitt Erwähnung geschehen, nämlich: Begierlichkeit der Augen (Eigennutz und Habsucht), Begierlichkeit des Fleisches (Unzucht) und Hoffart des Lebens (Stolz), denen noch der jetzige, im deutschen Protestantismus üppig wuchernde U n glaub e beizuzählen wäre. Glaubt doch die weitaus größere Hälfte der jüngeren protestantischen Pastoren nicht mehr an die Gottheit Christi! Die Kolonien haben niemals einen sittlich guten Ruf genossen. Es kommt da Heft 7. Stern der Neger. 153 eben immer eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft in Frage; man kann solcherlei schon auf den Meeresdampfern studieren. Auch in den Kolonien der Spanier, der Portugiesen und der Franzosen im Mittelalter und später war es nicht viel besser inbetrefs des dorthin zugeströmten Menschenmaterials. Aber es wurde damals dort von Rechts wegen noch k a t h o-l i f cs) regiert, wobei der Haß gegen den Glauben nicht aufkommen konnte. Jetzt ist es anders, schlimmer! Kommt da der katholische Priester und Missionär, so ist und bleibt er trotz Höflichkeit, Zuvorkommenheit und Uneigennntzigkeit für die mißratenen Menscheugewächse immer ein st u ut m e r M a h n er! Man will eben so gerne unter sich sein und für manches dunkle Tun keine rechtschaffenen Zeugen haben oder Leute in der Nähe, welche gewöhnlich alles erfahren und zu welchen getretene und in den Schmutz gezogene Existenzen, sowohl Eingeborene als auch Weiße Sklavinnen, in letzter Linie doch ihre Zuflucht nehmen. Da haben wir einen der schwarzen Punkte, warum, wie v. Dalwigk sagt, auch untergeordnete Regi e r u n g s v e r t r e-ter den Missionär mit scheelen Augen ansehen. Es ist eben mehr als mißlich, wenn man z. B. von der Mission gezwungen wird, gegen jemanden vorzugehen oder einzuschreiten, mit welchem man int Raucherklub immer vertraulich zusammensitzt. Auch in Ägypten und anderswo geben sich die Herren Konsulatsbeamten lieber mit Bankerottangelegenheiten ab, als manchem armen Geschöpfe energischen Schutz angedeihen zn lassen. Jeh selbst habe dies im Jahre 1909 herausgefühlt, trotzdem man mir in schwieriger Angelegenheit sowohl im österreichischen als auch im griechischen Konsulate zu Kairo höflich entgegengekommen und an die Hand gegangen ist. Die Hauptlast nahm man mir aber nicht ab. Ich schutzloser Missionär mußte mich schließlich allein durchkämpfen, allein andere beschützen, allein viel Krummes gerade machen. Die Christen unter den Heiden mehren sich, der Missionär ist ihr natürlicher Beschützer. Es versteht sich nun von selbst, daß man sich aus christlichen Dörfern, besonders wenn man unverheiratet oder o h it e F r a u ist, keine schönen Dienst-mädchen und Köchinnen als „Mädchen für alles" mehr holen kann. Der Missionär will wissen, wohin und zu wem sie kommen würden. Wenn es in bezug aus Habsucht oder Sinnlichkeit — letzteres Wort zeigt gewiß, daß ich auch feinfühlig sein kann, wenn das Gemälde nicht gröbere Farben verlangt — happcrt, so legt er eben sein „Veto" ein, welchem gewöhnlich gerne Folge geleistet wird. Den Herren wird er betagte Frauen für den Dienst anempfehlen, aber solche kann man in der Hauptsache nicht brauchen, sie sind nicht mehr anziehend. Befinden sich die in Frage stehenden Kolonisten in mohammedanischer Umgebung, so fallen die bei christlichen Negern gefundenen Schwierigkeiten fort. Man wendet sich einfach an den Scheik el balad - und alles kann man haben, was nur das lumpige Herz begehrt. Deshalb loben diese Helden den Islam und preisen ihn als die rechte und passende Religion für die Ne-ger; deshalb halten sie immer Freundschaft mit den von der Küste lDentsch-Ost-afrika) eingewanderten Arabern und nehmen sie in Schutz! Es gibt ferner Pflanzer und Kaufleute, welche jahraus jahrein mit billigen Arbeitskräften schaffen wollen: gewöhnlich viel Arbeit, geringer Lohn! Der Missionär klärt aber die Christen über den landesübliche n Lohn auf, auf daß sie nicht übervorteilt werden. Er will, daß sie es mit der Zeit zu etwas bringen sollen; er will weiter, daß sie den Sonntag frei haben: alles Dinge, welche sich mit Pflanzerhabsucht nicht Vereinen lassen; daher Haß und Verleumdung der Missionäre! Ein mohammedanischer Häuptling liefert aber die dummen und armen Hascher seines Bezirkes für einen Schundlohn und nimmt dann noch davon den üblichen Back-schisch für sich. So sind die Mohammedaner viel handsamer für Lüstlinge und Haibsüchtige, der Islam für Kolonien eine Jdealreltgion! Er wird daher gepriesen ltnb mit allen Mitteln gefördert! Wer fürchtet und schmäht denn die Gendarmen und die Polizei? Die Lumpen und die Verbrecher, und die, bei welchen etwas faul ist im Staate Dänemark! Es sollte sich jeder Christ, nicht nur die Kolonisten allein, schon aus Klugheit hüten, gegen Priester und Missionäre loszuziehen; denn ein sittlich reiner und unbescholtener Mensch tut es nicht! Die Erscheinung des Missionärs und sein Tun ist für ihn keine Rüg e oder st n m me 1 n-k l a g e; er hat sich eben nichts vorzuwerfen! Herr v. Dalwigk erwähnt das Beispiel eines Grünschnabels, des jungen Landmessers. Auch ein Freiheitsheld, welcher andere knebeln will! Würde man dem Vorleben dergleichen Jammergestalten nachspüren und sie untersuchen lassen auf ihren leiblichen und seelischen Gesundheitszustand, so könnten die Amtsgerichte und Bezirksämter öfters in die fürs ganze Land erwünschte Lage kommen, bezeichnete Individuen aus der Kolonie zu weisen. Den Missionären das Wahlrecht vorenthalten! Diese verpesten niemanden. Es ist auch ein Zeichen der Zeit, daß in den deutschen Kolonien sich solche Regungen bemerkbar machen. Daß sich in den englischen Kolonien offene Gottlosigkeit breitmachen darf, kann man nicht behaupten, eher das Gegenteil. Im englisch-ägyptischen Sudan hätte man es schon schüchtern versucht, aber Verwaltung und Justiz setzten bald einen Dämpfer daraus. So wird es hoffentlich auch lange bleiben — gewiß nicht zum Schaden der Kultur —, wenigstens solange, als unser guter und allverehrter Generalgouverneur und Sirdar SirReginald Wingate die Geschicke des Sudans leitet. Und das ad nmltos annos! Die höheren englischen Beamten zeigen sich in der Regel taktvoll, nobel und öfters auch großmütig, besonders, wenn sie den Privatmann hervorkehren können. Ein offizieller Charakter wird aber den Missionen nicht zuerkannt; selbe können sich nur durch Geltendmachung ihrer Kulturarbeit Wertschätzung erwerben. Nicht selten findet man unter den englischen Offizieren, welche für ein oder zwei Jahre in Zivilämter kommandiert werden, sehr liebe, herzensgute Leute, besonders wenn sie Katholiken sind. Das sind sie dann, Offiziere wie Beamte, von verschwindenden Ausnahmen abgesehen, ganz und offen! Dieses gute Beispiel verfehlt nicht, auf die heidnischen Schwarzen sowie ans die Europäer ©nbriuf zu machen. Von den französischen Kolonien muß man gerade das Gegenteil schreiben. Haß gegen die Religion überhaupt und gegen die Missionen macht sich dort von Jahr zu Jahr bemerkbarer, was auch nicht zu verwundern ist, wenn man die fast allgemeine Gottlosigkeit in Frankreich in Betracht zieht. Dazu hat in den französischen Kolonien die Hefe der Gesellschaft mehr Spielraum als anderswo. Kurz, die in diesen Zeilen gezeichneten Schattenseiten befinden sich! auch dort, darüber noch! ein großes Quantum m e h r! Im früheren Kongostaate, jetzt belgische Kolonie, hatte man vor Jahren die Dreistheit, gegen die Missionen ins Feld zn ziehen mit den Geschützen der feilen Presse. Dreistheit nenne ich es, denn säst alles war erlogen. Halb als dann die MissionWe mit ganz anderem Material herauszurücken drohten, lag bald Windstille über dem ganzen liberalen Blatter-walde. Denn man hätte da Kanonen aufgefahren, welche mehr als eine freimaurerische und f r e i b e u t e r i s ch e Größe in der Kolonie und in Belgien selbst hinweggeputzt hätten. Es blühte dort zu gleicher Zeit ein Ausbeutungssystem, welches an Unverschämtheit grenzte. Die Missionäre waren zu unbequeme Zuschauer. Nach Übernahme des Kongostaates durch Belgien hat sich gleich vieles gebessert. Es freut mich, von den französischen Kolonien in Afrika und von der belgischen Kongokolonie etwa s Gutes buchen zn können, daß dort nämlich ein strengeres Regiment und mehr Kontrolle den Mohammedanern gegenüber gehandhabt wird. Anderen sei dies zur Nachahmung empfohlen! (Fortsetzung folgt.) Welchen Nutzen die Schilluk aus der Viehzucht ziehen. (Schluß.) Die Schaf- und Ziegenzucht bilden für den Schilluk gute Einnahmen. Braucht er eilt Kleid, so verkauft er ein Schaf, hat er Schulden, so werden sie meistens mit Schafen und Ziegen beglichen. Beim Heirateir muß jeder Schilluk außer den 10 Stück Großvieh noch jedem Verwandten seiner zukünftigen Frau eine Ziege oder ein Schaf schenken. Bei westlichen Gelegenheiten kommt es oft vor, daß Schafe geschlachtet werden, besonders bei Hochzeiten. Bei der Totentrauer, betn sogenannten „Jok", ist es üblich, daß Stiere geschlachtet Werdern Je reicher der Tote war, desto mehr Stiere werden geschlachtet, meistens 2 bis 4, manchmal aber auch 6 bis 10 Stück. Außerdem werden auch, bei großen Opserit Stiere geschlachtet, um die Seeleir der Toten zu besänftigen und '©litis und Segen auf die Widder der Familie-, das ganze Dorf oder den Distrikt herabzuflehen; um Regen zu erbitten oder jemand' von schwerer Krankheit befreien zu helfen. Im übrigen aber werden zu Opfer- uitd Kultushandlungen meistens nur Schafe und Ziegen verwendet. Mit solchen Tieren werdcit auch die Hexenmeister und Zauberer für ihre vermeintlichen Dienste ausbezahlt. Auch als Geschenke imb Gunst-erweisungen dienen diese Tier>e. Besucht man einen reichen Häuptling oder Königssohn, so wird ein Schaf vott seinen Leuten herbeigeführt, hierauf wird es geschlachtet, gekocht und dem Besucher und seinen Leuten zum Essen vorgesetzt. Natürlich darf das übliche Negerbier dabei nicht fehlen. Denn dann hat erst das Fleisch seinen guten Geschmack, sagt der Schilluk, wenn es tüchtig mit Bier begossen wird. Mit Vieh musste der Schilluk bis ills letzte Jahr seine Steuern entrichten. Jedes Dorf mußte je nach seiner Größe "und seinem Reichtum an Vieh je einen Stier oder eine Kuh abliefern. Da war oft guter Rat teuer uttd die Scheiks und die Dorfältesten zerbrachen sich die Köpfe und wandten ihre ganz schlaue Landespolitik an, um die Leute zum Zahlen zu bewegen. Obwohl vott Jahr zu Jahr immer eine andere Familie den Stier für die Regierung 156 Stern der Neger. Heft 7. herausgeben mußte, so gab es doch immer wieder endlose Streitigkeiten und Plackereien, welche nicht selten mit Mord und Totschlag endeten. Dieses Jahr nun müssen die Schilluk für jedes Stück Großvieh sieben Piaster (1 ■ 7 5 Kronen) zahlen und für jedes Schaf oder Ziege je einen halben Piaster. Dadurch sind viele Streitigkeiten im Lande verhindert worden und die Schilluk sind mit der Neuordnung recht zufrieden, zumal sie das Geld leicht aufbringen können und dabei kein Stück Großvieh vermissen oder darangeben müssen. lieh und sie magern ab und gehen bei Krankheiten rasch ein. Die Schilluk-, Denkn- und die Nuerkühe sind ans Land gewohnt, nur leiden sie fast alle unter der Inzucht und werden zu sehr ausgebeutet. Hier ist unsere Mission an erster Stelle berufen, den Schilluk aufzuhelfen und dieselben zu einer praktischen und vorteilhaften Viehzucht anzuleiten, zumal da für unsere Missionsstation die Viehzucht die einträglichste Quelle zu werden verspricht. Wir haben zurzeit eine Anzahl Knaben aus entfernten Dörfern, welche in der Religion unterrichtet werden und itn= Entebbe (Ortschaft am Piktoria=slianza). Hat der Schilluk große Schulden, so verkauft er meistens einen größeren Stier um 2d bis 30 Real (100 bis 150 Kronen), selten aber und nur in allergrößter Bedrängnis, wie zur Zeit der Hungersnot, entäußert er sich auch der einen oder andern Kuh. In den ersten Jahren mußte unser Oberer, Pater Bauhölzer, das notwendige Vieh meistenteils von den Arabern kaufen; von den Schilluk war einfach ttichts zu bekommen. Erst nach dem letzten Hungerjahre konnten wir bei den Schilluk und den Denka unseren Bedarf an Vieh decken. Die Kühe, welche man von den Arabern kauft, stammen von Lyri und dem Kordofan. Da sie in ihrem Lande aufgewachsen sind, so können sie sich nur schwer an das hiesige Klima gewöhnen; außerdem ist ihnen das wässerige Gras nicht zuträg- ser Vieh abwechselnd hüten. Diese lernen so tagtäglich praktisch, wie man das Vieh aufziehen lind, ohne dem Wachstum der einzelnen Stücke zu schaden, aufs beste und gewinnbringendste ausnützen kann. Als unser Brüder Christian Platz, ein Schweizer, zum erstenmal Käse ans der Milch bereitete, da Waren die Burschen Aug' tind Ohr für diese neue Methode. Das Käsemachen verstehen die Schilluk tricht und haben keine Ahnung davon, und doch ist es hier gar nicht einmal so schwer und würde .sich sehr rentieren. Hingegen machen die Schilluk viel Butter, die jedoch infolge der Hitze bald ranzig wird; sie hält sich kaum einen Tag. Deshalb wird sie nach der Bereitung gleich ausgekocht und in Flaschen gefüllt. Dieses Butterfett Heft 7. Stern der Neger. 157 ibieitt zur Bereitung von Speisen, außerdem reibt Jung und Alt sich Körper und Gesicht damit ein. Oft wird es aber verkauft, und zwar eine große Flasche voll um 4 bis 5 Piaster (ein Piaster 25 Heller). Beim Einkauf von Butterfett muß man schon ein bißchen praktische Kenntnisse von Schilluksitten und -gebrauchen haben. Manche Schilluk schwängern nämlich ihre Butter unit allen möglichen Zutaten, von denen man manche gar nicht nennen darf, lut'il sie dein werten Leser Furcht und Ekel einjagen würden. Doch sind diese Butterpanscher im Lande nicht allzu zahlreich, und es gibt, Gott sei Dank, viele reinliche und ordnungsliebende Familien, welche eine sehr gutes Bntterfett bereiten und verkaufen. Im Schilluklande gehört die Butter der gesamten Familie; im nahen Lande der Denka hingegen haben die Frauen das alleinige Eigentumsrecht auf diese kostbare Himmelsgabe. Sie müssen aber dort auch das Geschäft des Melkens allein besorgen imb andere schwere Arbeiten, wie den Bau der Hütten usw., auf sich nehmen, wovon die Schillukfrauen hier ganz verschont bleiben. Im Lande der Söhne Nikangs darf keine Frau Kühe oder Ziegen melken, es gilt das als große Schande für die Frauen; auch die verheirateten Männer sind davon meistenteils ganz ausgeschlossen und kön-nen sich nur in äußerster Not, wenn zum Beispiel keine Knaben und Jünglinge vorhanden wären, dazu hergeben. Sonst steht dieses Amt nur Knaben imib Jünglingen zu. Hat ein Schilluk viele Kühe, so ist das in ihren Augen mit einer gewissen Gefahr verbunden; der glückliche Besitzer lebt in ständiger Furcht, seines Reichtums wegen von irgendeinem Feinde verhext zu werden und so frühzeitig sterben zu müssen, ohne die Früchte seines Reichtums genie- ßen zu können. Um dieser Gefahr zu entgehen, bringen jene, die einen großen Vieh-stand ihr eigen nennen, einen Großteil desselben bei verschiedenen vertrauten Freunden, Verwandten und Bekannten unter, welche oft Tagereisen weit entfernt wohnen. Diese letzteren nehmen dann atlq Sorgen und Verpflichtungen für das an-vertvaute Vieh auf sich und bekommen als Lohn hiefür das alleinige Genußrecht der Milch. Natürlich werden da die armen Kühe von diesen Beuten stark ausgenützt, und es wird wenig Rücksicht auf die Aufzucht der Kälber genommen. Während des Jahres kommt der Eigentümer des Viehes öfters auf kurzen Besuch, um nachzusehen, wie es mit seinem Klein- und Großvieh stehe und ob es auch gut behandelt werde. Alle wichtigen Ereignisse über den Stand, das. Gedeihen und die Vermehrung seiner Tiere werden ihm vom Viehhalter getreulich mitgeteilt. Ist ein Stück Vieh durch Krankheit verendet, so wird das dem Eigentümer sofort mitgeteilt. Ist er nun großmütig, so begnügt er sich mit dem Felle und schenkt das Fleisch seinem Wsehhalter; andernfalls muß ihm beides ins Haus gebracht werden und nur Kopf und Eingeweide bleiben dem Wiehhierten. Unter diesen Umständen kann man ruhig behaupten, kein Schilluk weiß, wieviel Vieh ein anderer besitzt. Hierzulande herrscht nämlich ein starker Brotneid; keiner gönnt dem andern etwas. Nur die allernächsten Ver-wmrdten lieben sich wahrhaft uitib helfen einander. Hat der Vater sein Vieh bei Freunden gut verborgen, so wissen nur seine größeren Söhne und seine Frau Bescheid; alle anderen Haus- und Dorfgenossen haben keine Ahnung davon. Um den andern Sein ten nicht die Wahrheit sagen zu müssen und sie alle zu hintergehen, hält der reiche Viehbesitzer einige Stücke Klein- und Groß- Vieh im eigenen Dorfe und jammert von Zeit zu Zeit über seinen kleinen Viehstand und die schlimmen Zeiten. Auch der Viehhalter ist zum Schweigen verpflichtet, und es kommt sehr herbeigerufen, und in der vorletzten Nacht sei gar von unbekannten Leuten der Schwanz dieser Kuh um -eine Fingerlange abgeschnitten worden; man hätte, was im ganzenLandeals selten vor, daß einer errät, wessen Vieh er zu verpflegen hat. Selbst wenn die Regierungsbehörde die jährliche Viehsteuer eintreibt, wird nicht offenbar, wieviel Vieh der einzelne besitzt. Die Steuer zahlt nämlich nicht der Besitzer, sondern der Viehhalter. Vor einiger Zeit kam ein Schilluk zu mir und wollte absolut Zwillings-kälber bei unserem Vieh unterbringen. Auf meine wiederholten Fragen hin, teilte er mir aufrichtig mit, daß diese Kälber nicht ihm, sondern einem andern Schilluk gehören,welcher in großer Angst sei, diese beiden Tierlein könnten verhext oder von seinen Feinden gestohlen werden. Das ganze Dorf sei nämlich neidisch auf diesen Mann, weil seine Kuh schon öfters Zwillinge gebracht hätte. Ja, noch mehr: seine Feinde hätten bereits einen der zahlreichen Hexenmeister Ägyptischer Soldat und Sohn eines Schillukhäuptlings. etwas Schreckliches und Verderbliches gilt, Blutstropfen im Hofe, nahe beim Hause dieses unglücklichen Mannes gefunden. Als ich nun staunend und zu-gleich über seinen Aberglauben lächelnd den Gewährsmann fragte, wie er und sein Freund denn aufdenGedanken gekommen seien, diesebeidenTiere gerade bei uns unterzubringen, da wir doch für sie Fremdlinge seien, deutete er mit einem Finger aufmeinSchreib-zeug uud den dabeiliegenden Federhalter und sagte triumphierend : „Ihr Weißen könnt vieles, was wir nicht können, vor euren Schreibereien haben die Hexenmeister eine Heidenangst, außerdem besitzt ihr ja in euren Kästen alle möglichen Medizinen, welche alle Einflüsse unserer Zauberer und Amuletteumacher fernhalten und abwenden". Heft 7. 159 Stern der Neger. Was dieser gute Mann wohl für eine Idee born Schreiben und vom Gebrauche unserer Medizinen haben mochte! Ja, der Aberglaube macht aus Männern Einfaltspinsel, Lügner und Halbnarren. Geht man z. B. in ein fremdes Dorf und sieht man dort eilte schöne Kuh oder einen feisten, feingehörnten ©tier, fo darf man feiner -Bewunderung absolut nicht durch Worte Ausdruck geben und dieselben etwa öffentlich loben oder ihre Schönheit Preisen. Hat man dieses doch getan und geht ein solches Stück Vieh durch reinen Zufall zugrunde, fo muß man dasselbe bezahlen, geradeso, als ob man es selbst getötet hätte. Der abergläubische Schillük traut nämlich niemanden und wittert überall Zauberei und Hexerei. Sagt nun jemand, seine Kuh oder sein Stier sei schön, so ist das bei ihm gleich soviel, als ob dieser Mann ihm aus purem Neide Schaden zufügen und sein Tier zu Stibe hexen wolle. Als besonders große Hexenmeister sind unter den Schillük die Zauberer der Denka verschrien. -Gewiß ist, daß die Denka die Schillük an Schärfe des Verstandes und schnellerer Auffassung der Sache weit übertreffen, und daraus folgt auch, daß ihre Hexenmeister verschlagener und raffinierter sein können als ihre Kollegen im Schil-luklande. Natürlich wird dabei auch viel gelogen und übertrieben und werden aus gewöhn-lichenSchurken-und Gaunerstreichen außergewöhnliche Hexen- und Zaubertaten geschaffen. Erst kürzlich behauptete mir .gegenüber ein Schillük, d-aß ein Denka-Hexenmeister mir -ein Büffelkalb herbeihexen könne, wenn ich ihm nur ein tüchtiges Trinkgeld verspreche. Der 'Handel wurde abgemacht und ich versprach eine große Belohnung, aber leider ist der -gute Mann mit all seinen Tenfelskünsten bis heute nicht imstande gewesen, sein dreist gemachtes Versprechen einzulösen. Bei uns in Europa kann man doch das sauer Erworbene mit aller Ruhe genießen, aber hierzulande geht das nicht, wie aus dem Gesagten hervorgeht. Alles schwebt in Furcht und man hat keine rechte Freude an feinem -Vieh, weil man stets Krankheiten und Verlust durch zauberische, böse Mächte fürchtet. Hier kann nur die wahre Kultur, welche mit dem Christentum ihren Einzug halten wird, einem armen Volke Licht und wirklich anhaltende Hilfe bringen. Und wenn auch der schlaue Höllenfürst int Vereine mit den Hexenmeistern alles aufbietet, sein Reich zu behaupten, so ist trotzdem die Zeit nicht mehr ferne, wo Christi Lehre siegreich und unbehindert mit ihr die Kultur vordringen werden. Die bedrängten Schillük werden dann freudig aufatmen und sich gleichsam wie neugeboren fühlen, nachdem sie alle .Hexenfurcht, die gleich einem Alp auf ihnen ruht, abgeworfen haben. Aber .auch ihre wirtschaftliche Lage wird sich dann bedeutend bessern und besonders auch der Haupterwerbszweig des Landes, die -Viehzucht. Wir Missionäre find hauptsächlich ins Land gekommen, um das arme Molk dem Heid-entume zu entreißen, doch schließt dieser unser Hauptzweck keineswegs aus, daß wir dem Volke auch in seinen materiellen Verhältnissen ratend und -helfend zur Seite stehen. Dieses letztere ist sogar ltnlBebingt notwendig, denn auf diese Weife erst werden wir uns ihr Vertrauen gewinnen und sie für unsere Lehren empfänglich machen. In dreizehnjähriger unverdrossener Arbeit sind wir ihnen mit gutem Beispiele vorangegangen und sind jetzt in der glücklichen Lage, die ersten Früchte unserer Arbeit einheimsen zu können. Und wir -erleben wirklich Freude mit diesen ersten Früchten. Standhaft und gelehrig leben unsere ersten -Christen, frei von allem He- 160 Stern der Neger. Heft 7. xenwahne, in Ruhe und christlichem Frieden dahin, ihren noch im Heidentume befangenen Stammesgenossen sind sie aber ein leuchtendes Beispiel, das wenigstens zum Nachdenken zwingt. Wenn auch dieser Gottesacker im heißen, sonnverbrannten Sudan schwierig zu bebauen ist und große Anstrengungen, Arbeit und Geduld kostet, wenn der Tücke dieses schlechten und tödlichen Klimas gar mancher von uns zum Opfer fallt, und in Die äußerst kurze Dämmerung war schon verstrichen und die Nacht hatte ihren Schleier über 6i