f ii r Vaterland, Kunst, Wissenschaft und geselliges Leben. M^ 35. 8««»«l»K a«„ i. ZR»l. 1.847» ^ Dem Hochwnrdigsten, Hoch^uuerehrendstcn Herrn Herrn Am Tage seines Antritts der Visthümer Trieft und Capo d' Istria. *) ^ein Streit des Volks. ob deutsch', ob wälschll Sprüche, Kein sinnlos Zanken, wo nur Eifer schilt. Einträchtig Ringen für die gute Sache . Und edler Wettstreit, wo's dos Reckte gilt, Zwei treue Brüder unter einem Dache, Voll raschen Wirkens, wenn Vernunft befiehlt: So war es. als D u jüngst von uns geschieden . So triffst D u wieder uns im rüst'gen Frieden. Ein schönes Land ward Deinen weisen Mühen — Langst theuer Deinem Herze« — anvertraut; Oelzweig und Lorber grünt und Myrthen blühen, Als wär' das Meer in jedem Jahr nock Braut; Den Felsen selbst wird holder Reiz verliehen. Wenn sie der Lenz mit Blumen überbaut, Früh schon begrüßt er freundlicher Geberde Dieß Stück Italien auf deutscher Erde. Doch auch der Mensch H.U bald den Winl verstanden. Umsonst nicht rief ihn gütig die Natur; Zeigt Säule noch und Bogen selt'ne Spur- U»d immer ist der Bauherr nock zu Handen < Die Jahre andern seine Formen nur, Aus Marmor steigt die Wand. aus Holz die Mauer, Ein Schatz. wie zu Athen einst, dem Erbauer- *) Wir entlehne» dieses Gedicht aus dem uns vorliegenden, in italie-^ Ascher S räche verfaßten Gedenkbuche, welches der Mun.c.Palrat d 3t^t Triest dem Gefeierten am Tage semer Besitznahme des «. ,. '. ^> ' '« Inthronisation selbst aber den Sonntag darauf (am .8. Apr.l) m.t dem größt möglichsten Pompe in Triest Statt- Die Redaction. Es donnert vom Castell, es dröhnt vom Meere , Und Oest'reicks Banner rollt sich präcktig auf', ! Woher des Wegs? was bringt der Kiel. der schwere? ! Der nahm aus Westen, der aus Ost den Lauf; Mit Gaben bunt. als ob es Christnacht wäre, Lockt der Vazar dann frohes Volk zum Kauf; Rauchfaulen wirbeln rings empor im Kreise, Aus Stambul kam, aus Indien die Reise. Verzeih', daß wir zuerst von uns gesprochen, Und was wir bieten, freudig ausgelegt; Wer sich vergistt. dem ist die Kraft gebrochen, Kein edles Herz ist's, das verzagend schlagt. Langst kennst Du uns. nicht erst seit flücht'gen Wochen, Und weißt, wie froh wir Alle heut' bewegt. Daß unser Gruß Üein Kind der matten Sitte, Nein! daß er dringt aus uns'rer Herzen Mitte. __ Ein hohes Amt. dem anvertraut die Geister Und dem die Herzen übergeben sind! Ein hohes Amt, doch auch ein hoher Meister ' Ein Steuermann, vertraut mit Well' und Wind! ' Erwünschte Fahrt; Bei Meeresstille reis't er, : Kein Lüftchen überhorcht er. noch so lind; Und kömmt der StiisM im Zorn dahergeflogen. Hält fest sein Arm das Steuer in den Wogen! — Die Schlange von Strobelhof. Vaterländische Sage von I o s. V u ch e n h a i „. ^ (Fortsetzung.) „^^»'llhig!" herrschte der Unbekannte den Anwesende« zu, die, von dem Geiste des Burgherrn beseelt, mit ihm vereint die Schmach an dem Fremdling zu rächen sich anschicken wollten. »Nicht einen Schrittweiter, oder bei Gott! ich lehre Euch, wie unbefiederte Raben aus dem Neste stiegen," setzte der Närhselhafte hinzu, mit dein Zeigefinger.D seiner Rechten entschlossen nach den gothischen Fenstern wer- ^ send, worauf er von seinem Sitze aufstand und mit festem Schritte durch das Thor auf den Gang hinaustrat, um, wie es schien, mir einem seltenen Keimerauge die Höhe zu prüfen. Alle sahen einander bebend an — und schwiegen. Der Fremde war nach einiger Zeit von seiner mathematischen Berechnung zurückgekommen und vor den Burgherrn mit verschränkten Armen getreten. Dieser stand noch immer in seiner frühern Stellung. « »Wahrlich! Euere Burg ist in einer sehr angenehmen Gegend. Die 'örtliche Lage derselben wäre zu etwas Bessern, geeignet, als zum gemeinen Buschklepper-Handwerke. 138 Euer Vorahiie, der vom Kaiser Max I., welchem er das edle Waidwerk lehrte, zu dessen Erimierlmg und Ehre Ihr Euer goldenes Kertlein mit dem flimmernden Diamant-Sterne um den Hals traget, stand in sehr hohen Ehren. Er muß es Euch sehr übel nehmen, daß Ihr diesem elenden Gesin-del Eure Burg zur Zufiuchtstätte gewidmet," begann von neuem der Fremde, ohne die Ainvesenden zn beachten. »Wenn Euch die Geschichte meines Hauses, wenn, wie Ihr sagt, Euch mein niederes Treiben bekannt ist, so nennt mir Euren Namen. Ich fordere solchen noch einmal, damit - ich weiß, wer der Mann ist, der so unberufen in mein Eigenthum zu dringen und die Handlungen meines Lebens zu tadeln sich erkühnt," erwiederte Ulrich auf diese Anrede, dem das Blnt noch immer sehr heiß durch die Adern strömte. «Ihr fordert? Gut. Ich gehorche. Ich heiße — Paolo Grimaldi — und bin der thätigste Freund des Rathes der Zehn in Venedig," erwiederte der Fremde in einem gedehnten Tone, daß es den Anwesenden kalt vor Schauer über den Rücken zu rieseln begann. »Paolo Grimaldi!" — bebte es vom Munde zu Munde, und leichenblaß wnrden die sonnenverbrannten Gesichter , denn nur zu gut war allen, dem Rufe nach, der berüchtigte, rankevolle Bandit und Spion der Republik Venedig bekannt. »Ja, so heiße ich," bekräftigte der Angestarrte. »Ich bin Euch allen, wie ich sehe, wohlbekannt. Mein Gethanes ist hiemit gerechtfertigt, denn mich halten keine Bande und mich hindern nicht Schlösser, noch Riegel. Mich schrecken uicht Gewalten, noch Meere. Ich sattle mit dem Winde !,nd reite mit derSonne. Genug! — Wo istderGefangene? Er war in der verwichenen Nacht, auf dem Wcge nach Deutschland, unweit Euerer Marksteine ergriffen und in Eure Burg gebracht. Ihr habt dem hohen Rathe hiemit einen wesent. lichen Dienst erwiesen. Ich habe solches bereits zur hohen Kenntniß gebracht," bemerkte ablenkend der Gefurchtste. Beinahe vernichtet suchte der Burgherr Muth bei seinen Genossen. Sie aber waren aus dem Saale verschwunden. ,Der Name Paolo Grimaldi hatte die Vögel verscheucht, And Ulrich befand sich allein mit dem fürchterlichen Manne. »Ich wünsche den Schlüssel zu seinem Kerker. Ich musi >den Gefangenen sehen und sprechen. O ich bin gut unterrichtet! — Der Weg zu seiner Haft führt hier über den Hof, links durch das enge Pförtlein, in jenen Eckthurm, 35 Stufen hinauf zur linken Seite in eine Mauernische, wo Euer Gold liegt, und 10 Klafter tiefer der fragliche Gegenstand," bemerkte der Fremde, indem er mit der Hand den benannten Weg beschrieb, sodann aber zu einer Ecke des Saales hintrat, wo ein Bund Schüssel aufgehängt war. Ohnmächtig zu sprechen, glotzte Ulrich den Schrecklichen mit weit geöffnetem Munde an. Daß Jemand so genau -mit dem Innern der Burg, und namentlich mit diesem Theile derselben bekannt wäre, wohin außer dem Burgherrn selbst und in außerordentlichen Fällen nur seine Tochter, sonst Niemand noch gekommen war, schien ihm unbegreiflich zu seyn. Unterdessen hatte Paolo die Schlüssel durchgemustert. »Der Schlüssel, den ich suche, fehlt. Ich kenne ihn genau, denn er trägt am Hauptringe einen kleinen Einschnitt, in der Form eines römischen X. Ihr pflegtet solchen auch in Eurer Brust zu tragen", grollte Paolo, zu dem Hocherstaunten zurückkehrend. »Nun, wird's bald?" wiederholte er, seine Hand wie zum Empfange ausstreckend. Dem Burgherrn ging es durch Mark und Bein. Er fuhr mechanisch nach seiner Brust und übergab dem Unbegreiflichen das Verlangte. »Nehmt hin, doch schonet meines Kindes; was mich anbelangt, weiß ich, daß ich Euch verfallen bin," nahm endlich der Geängstigte, dem es vor den Augen zu schwindeln begann, das Wort. Der Fremde, dem die Angst des Burgherrn Vergnügen machte und der sich wahrscheinlich geschmeichelt fühlte, von jenem als ein Wesen anderer Art gehalten zu werden, schritt dem Eingangsthore zu und winkte Ulri ch, ihm nachznfolgen. Der Burgherr wankte ihm mehr todt als ledendig nach; daß nun sein letztes Stündlein gekommen, und daß der Fremde der leibhafte Böse sey, war ihm mehr als gewiß. Das unvermuthete Davonschleichen der so plötzlich eingeschüchterten Nachtvögel befremdete Ulrich's Tochter nicht wenig. Sie stand seit dem Kampfe mit den Bären bei ihrem Fensterlein, um noch einmal den Starken zu sehen. Daß sich im Saale etwas Außerordentliches zugetragen haben mußte, das war ihr gewiß. Sie mußte sich hierüber näher überzeugen, und kann man einer Tochter, dem einzigen Kinde, die Besorgniß für ihren Vater, wenn sie anch Eva's Tochter nicht wäre, verargen, daß sie sich in dem daran-stoßcnden Gemache auf die Lauer stellte? Ruperta hörte Alles und — verstand nichts. Wer der Frauen Neugierde kennt, wird die Folter leicht ermessen können, welche die Arme bis zur Zurückkunft der Abgegangenen erdulden mußte. Sie kamen endlich-, doch nicht allein. In ihrer Mitte befand sich noch eine dritte Gestalt, ein schmächtiger Mann von etwa 30 Jahren, welcher bleich und matt, endlich genöthiget war, zwischen den Beiden Platz zu nehmen. Paolo untersuchte ihn sehr genau. Einige Papiere gelangten so in seine Hand. Er durchlief sie sehr schnell, wie es schien hoch erfreut, während Ulrich seinen Gefangenen mit sorgsamen Augen bewachte. Ruperta hatte nun Zeit genug, den Armen zu beobachten. Auf den Zehen stehend, blickte sie durch die achteckigen, in Blei gefaßten Glasscheiben eines Fensters, durch welches man in den Saal sehen konnte. Der Bewachte hatte ein interessantes Gesicht, einen flammenden Blick und eine kühn gebogene Nase, nur um den Mund ging ein Zug, der ihr nicht gefallen wollte. Aber er war unglücklich und der Arme hatte ihr ganzes Mitleid. Je länger sie ihn ansah, desto wehmüthiger und schwerer ward es ihr um's Herz. Etwas Unnennbares sing sich in ihrem Innern zu regen an. Es war nicht Lust, nicht Furcht, nicht Freude und nicht Schmerz, aber zwischen diesen Extremen lag das Unnennbare und eben für dieses hatte sie keinen Ausdruck. Es war der erste Mann — die erste und einzige Perle in der Umgebung ihres Vaters, daher diese Sympathie. (Fortsetzung folgt) 139 Bemerkungen des Georg Ionke über die il, der baierischen „B ic» e„z e i tu n g" erschienene Recension seines Bie neu wer kchen s. (Fortsetzung.) A n t w o r t. Jeder Bienenwärter muß doch so viel Vernunft und Einsicht haben, daß er durch seine Stellung und durch seine Beschäftigung den Flug der Bienen ohne einer nöthigen Warnung jemals selbst hindern uud in eine Verwirrung bringen wird. Dasi aber bei der Sommerung der jungen Bienen, nach der Meinung des Herrn Recensenten, auch alte Bienenmütrer heraus gehen sollen, widerspricht der Erfahrung aller practischen Bienenzüchter, weil es all-gemein bekannt ist, daß eine alte, schon Brüt erzeugende Königin ihren Stock sonst niemals verläßt, außer weuu sie mit dem Vorschwärme zugleich auszieht, oder allenfalls wegen eines organischen Fehlers von ihrem Volke selbst hinaus geschleppt wird. Ueber den §. 16 äußert sich der Referent mit folgenden Worten: „Der Streit des Herrn Verfassers ist ein Kampf mit einem Schatten. Denn in der Meinung desselben hat noch Niemand von Hunger- oder Bettelschwärmen gesprochen. So viel Referenten bekannt ist, verstehen alle Schriftsteller unter einem solchen Schwärme niemals einen Theil, sondern sämmtliche Bienen eines Stockes, die sich regelmäßig auf schon bewohnte Stöcke werfen uud sich uicht andern schwärmen gleich geberden." — Erwiederung: Kein vernünftiger Bienenzüchter wird das Ueberftedeln oder Auswandern des sämmtlichen Bienenvolkes unter die Bienenschwärme zählen und sie Hunger-oder Bettelschwärme nennen. Es geschieht zwar, daß manchmal, nämlich, wenn in einem Stocke die Faulbrut stinkend wird, oder wenn sich viele Ameisen, oder mehrere von den grauen Schmetterlingen, nämlich von den sogenannten Bienenw'ölfen entstehende Würmer, oder auch einige Schwabenkäfer in einem Stocke einge-Mstet haben, die sämmtlichen Bienen ausziehen und sich eine andere, reine Wohnung aufsuchen; allein derlei übersiedelnde Bienen halten nur solche Menschen für Schwärme, welche von den eigentlichen Bienenschwärmen gar keinen Begriff haben. Ob nun schon der Herr Recensent dem ganzen übrigen Inhalte, von §. 17 — 32 meines Bienenwerkchens, seinen Beifall schenkt, uud beim Ausspruche seines Haupturtheils selbst gesteht, daß er in diesem Büchlein viel Wahres und Gutes gefunden habe, so sagt er am Ende doch, daß er es ungeachtet dessen nicht unbedingt anempfehlen könne, weil es auch noch vieles Veraltete enthalte und man in neuerer Zeit in seinem Vaterlande schon vorzüglichere Werke über Bienenzucht besitzen soll. Antwort: Ueber diese Schlußfassung des Herrn Recensenten kann ich mit Recht sagen, daß mein Bienen.-büchleiu der Anempfehlung desselben wahrlich gar nicht dedarf, weil es sich durch seinen Inhalt selbst empfiehlt; denn dieser besteht aus vieljährigen Erfahrungen und aus durch eigene Versuche gesammelten Kenntnissen; cr gründet sich auf unumstößliche Beweise, weßwegen diese Abhandlung auch gegen alle Kritik und jeden Angriff fest steht und unerschütterlich bleibt, wie ein Haus, welches auf Felsen gebaut ist. Denn es haben dasselbe nicht allein die erfahrensten Bienenzüchter Illyriens, sondern auch mehrere andere berühmte Bienenväter aus andern Staaten als ein gutes und gemeinnütziges Werk anerkannt, weil eS alles, einem Bienenzüchter zu wissen nöthige Wahre enthalt und es Niemand mit Grunde einer Unrichtigkeit beschuldigen kann. (Schluß folgt.) Kaiser Joseph II. im Conrrollorgange. Mitgetheilt uon Moritz D ermann. (Aus den „Sonntagsblattcrn".) Ein begüterter Edelmann mißhandelte einen seiner Bauern, welch' letzterer im Controllorgange seine Klage anbrachte. Joseph befahl, daß der Edelmann kein Brot mehr essen dürfe. Anfangs lachte er darüber, aber bald wurde es ihm unentbehrlich, und er fuhr zum Kaiser, um Nachlaß dieser empfindlichen Strafe zu erbitten. Joseph fragte ihn, ob er denn nicht mit Fleischspeisen und Wein zufrieden wäre, da doch Brot eine so gemeine Speise sey. »Aber es ist die Seele der Nahrung!" erwiederte der Gutsbesitzer. »Warum seyd Ihr also so unvernünftig, Diejenigen zu mißhandeln, die Euch dasselbeliefern?" antwortete ihm der strenge Kaiser. Als er einst bei den Fenstern auf den Burgplatz herabsah, bemerkte er, daß der Lieutenant der Wache von meh^ reren Landleuten mit Hutabnehmen begrüßt wurde, wobei selber aber leine Miene verzog, sondern verächtlich sich abwandte. Joseph ließ den Lieutenant in den Comrollorgang rufen. Dieser blähte sich auf und schmeichelte sich mit den tollsten Hoffnungen und Erwartungen, indem er sich nichts anders denken konnte, warum ihn der Monarch habe holen lassen. Mit Dreistigkeit trat er vor den Kaiser hin. Joseph fragte: »Heißen Sie nicht *^? Ist nicht Ihr Vater der ^*?" »Ja, Eure Majestät." »Ihr Vater verwendete wohl viel auf Ihre Erziehung?" »Ja, Eure Majestät, wir Kinder hatten treffliche Lehrer." »So? das wundert mich! Wie aber geht es denn zu, daß Sie nicht höflicher sind? Sie danken ja nicht einmal den Leuten, die Sie grüßen. Merken Sie sich's: ein freundliches Gesicht uud den Hut in der Hand, kosten Nichts und bringen oft Vieles ein." Ein Bürgerssohn erhielt vom Kaiser einen wichtigen Posten, der sonst bloß Adeligen zu Theil wurde. Als sich der junge Mann im Gange für diese Auszeichnung bedankte, sagre er sehr bescheiden: »Euer Majestät, ich bin aber nicht vom Adel,, sondern bloß bürgerlich." Joseph antwortete: «Ich weiß daS recht gut, weiß aber, daß Sie jedem Stande Ehre machen. Ihre Verdienste adeln Sie, und wer etwas dagegen hat, der wird es mit mir zu thun haben." Ein Bauer kam einst in den Gang, um mit dem Kaiser über seine Angelegenheiten zu sprechen. Als er hörte, selber sey ausgegangen, ließ er eine Vlsitkarte mit seinem Namen dort. Joseph lachte, als er selbe sah, über diese bäurische Etiquette. 140 Feuilleton. Luxus iu Paris. — Ein Correspondent der »Ti-mes" in der französischen Hauptstadt, berichtet dahin U.A.: »Es ist dieses in der That das Zeitalter der Ueppigkeit in Paris. Es herrscht hier eine unglaubliche Verschwendung in Möbeln, Wagen und Pferden. Im Spiel und in Privat-Extravaganzen gehen täglich ganze Vermögen darauf. Kein junger oder alter Herr darf auf Celebritat Anspruch machen, wenn er nicht einen sehr kleinen Hur auf dem Kopfe, eine Cigarre fortwährend im Munde, sein Zimmer überall von ungeheuer theurem, unpafsendem und garstigem (nachgemachten) altcrthlimlichem Mobilar angefüllt, englische Pferde, sechzehn Faust hoch, Wagen, die fast die Elde berühren, und einen Reitknecht, so klein als nur möglich, hat, dabei muß er auch des Nufes der Galanterie genießen, das heißt, zu den Spiel-Soir^es der rauchenden und Champagner trinkenden, kürzesten und flachsten, am wenigst distinguircen Frauen in ganz Europa eingeladen werden. Nicht übel! — In Münster wurde einem Hand-werksburschen, ohne S chwefeläth er, ein Zahn so aus-gerissen, daß er sein Lebtag kein Weh mehr daran spürt. Der Barbier bog ihm nämlich den Kopf zu sehr über die Stuhllehne und brach ihm das Genick! — Die Polizei soll dem Barbier die zahnärztliche Praris bis auf Weiteres untersagt haben. Gin Zug echter kaufmännischer Ginsicht. — In der „Gegenwarr" lesen wir: Als die Nachricht von dem furchtbaren Bukarester Brande, der Millionen einäscherte, sich verbreitete, und der Horizont der Handelswelt sich dadurch noch trüber umzog, als die Handlungshäuser einer gewissen Stadt die auf sie gezogenen Wechsel — aus Vorsicht — zurückzuweisen sich bemüßiget sahen, faßte der Leipziger Handelsstand den humanen u»d weisen Beschluß, sämmtlichen redlichen und biedern Butarester Kaufleuten, (welche sonst ihre Deckungen für die in Leipzig gekauften Waren mit auf Wiener Bankiers gezogenen Wechseln zu machen pflegten) einen eigenen, freien Credit auf 12 Monate zu eröffnen; sie ermunternd, ihren nachträglichen Bedarf ungehindert anzugeben und sich versichert halten zu wollen, daß man gerne bereit seyn werde, ihre Aufträge ohne allen Anstand zu effectuiren und sie, kräftig zu unterstützen. — Dieser edle und kluge Zug beurkunder nicht allein den echten und großen kaufmännischen Geist, sondern dürfte den umsichtigen Leipzigern seiner Zeit, und nach und nach wenigstens einen Theil des bei den Bukarester Kaufleuten (ohne ihr Verschulden) erlittenen Schadens ersetzen, und es ist nicht zu zweifeln, daß die unglücklichen Bukarester Alles aufbieten werdeu, der Großmuth mit Dankbarkeit entgegenzukommen. Sie weiden erlisten, erraffen, wetten und wagen, um ihre Schulden abzutragen. — Unsererseits wünschen wir ihnen vom Herzen Glück zu ihrem neuen Beginnen. Möge die gütige Vorsehung ihr Streben, die Ehrlichkeit darzuthun, segnen, ihren jetzigen Kummer lindern und ihre neuen Unternehmungen gedeihlich werden lassen. Näuberische Bettler. — I" Antwerpen wurde eine Anzahl junger Mädchen, die zum ersten Male zum Abendmale gingen, beim Nachhansegehen von einem an den Kirchenchüren lungernden Haufen Bettler überfallen und ihrer Kleider, Geldbörsen und leichtverziercen Gebetbücher beraubt. Die dortige Polizei wird nun wohl endlich gegen das unausstehliche Wegelagern armer Weiber und Männer in den Kirchen einschreiten. Zahlreiche Nachkommenschaft. — Die „Bähe- mia" meider: In Klattan starb am «0. März ein Müllermeister, Namens Wenzel Urban, der sich einer änßcrst zahlreichen Nachkommenschaft erfreuete. Er hatte 7 Kinder, wovon 3 Söhne, nahe an die 70 Jahre alt, und die älteste Tochter, 73 Jahre alt, noch leben, und von diesen 53 Enkel, 104 Urenkel und 2 Uiurenkel. Er selbst war 94 Jahre alt geworden, hatte 63 Jahre in der zufriedensten Ehe gelebt und noch am Hochzeitstage seiner Urenkelin mitgetanzt. Böhmen — zählt, nach einer Angabe der „Bohe-mia," 1096 Brauereien und 842 Branntweinbrennereien. Bier wurden im Jahre »845: 903,676 Faß, im I. 1846: 883,298 Faß gebraut; die Branntweinerzeugung betrug im Jahre 1845: 2,757.732'/^, im I. l 846 aber 2,769.l 15'/^ Eimer. Am gesegnetsten mit Branntweinbrennereien ist der Chrudimer Kreis, welcher deren 1l2 zählt; am ärmsten daran sind die Saazer, wo nur 8 Branntweinbrennereien bestehen. ^Theater in Laibach. Ueber das Repertoir der letzten zehn Tage (vom 19, bis einschlie« ßig 29-April) kann ich mich, durck Krankheit am Theaterbesuche gehin» dert. nur kurz fassen, Diese verflossen»» zehn Tage sind zugleich dic letzten der Saison gewesen, denn mit der vorgestrigen Vorstellung des Bauern-fe l d'schen Lustspiels „Großjährig" nahm Herr T h o m <: mit seiner Gesellschaft vo„ Laiback Abschied und die Thore unsers Musentempels schlössen sich bis zum künftigen Theatercurse. Die letzten >u. Vorstellungen brachten uns 3 neue Stücke, als: „König Ren6s Tochter," lyrisches Schauspiel in 2 Acten von Heinrich Herz; „Die Auferstandene," Schauspiel, oder vielmehr Drama in 3 Aufzügen und einem Vorspiele von Friedrich Adami, und „Großjährig,» Originallustspiel in 2 Aclen. von Vaucrn-felt,, All? drei Stücke haben durch ihre Trefflichkeit, die gute Veschung und das fleißige Zusammenwirken der Darsteller entschieden angesprochen, in denen die Träger der Hauptparthien, als die Herren T k 0 m 6 < V uch, wald, Moltt, Schnitzer und Dlle. Alexandrine Calliano besonders exccllirten. Unter >5>8 Vorstellungen der Saison entfallt fast ein volles Drittel auf ganz neue < hier und zum Theil auch anderwärts in Deutschland noch nicht gesehene Stücke, da Herr Thom6 das Neueste bezog, und so in Bezug der Novitäten und der überraschenden Abwechselung des Theater - Neperloirs allen bisherigen, hier bekannten Theat.roi-rectoren zuvor that, eine Anerkennung, die ihm auch der Neid nicht vor-enthalten könnte- Nenn wir einen Ueberl'lick auf die Gesellschaft selbst werfen, so müssen wir ebenfalls gestehen, daß Herr Thomü die ansang» lichen Schwächen und Mängel, die den weiblichen Theil der Gesellschaft als unzureichend darstellten, theils durch die Gastvorstellungen der Dlle. Spengler, theils durch die Acquisition der beiden Schwestern Callian 0 sattsam, man möchte sagen, glänzend überdeckte. Vorzüglich ist es Dlle-Antonie Calliano, die als Localsängerin alle Vorgängerinen in diesem Fache unbestritten weit überragte, die andern zwei aber sich als Schauspielerinen von großer Routine auswiesen- Die Opfer, die Herr T h 0 m 6 in dieser verflossenen Saison gebracht, sind lehr bedeutend, und man muß es gestchen, daß er als Theaterdirector in der That nicht mehr thun konnte. Rechnen wir dazu noch die jüngsten Gastdebuts ter Hoftänzer Dlle. Vrussi und Herrn C a m p i l l i, so wird das Gesagte noch einleuchtender- Es ist wahr, Herr Thom« hat im Laufe der zwci letzlverflossenen Theatcrcurse zuweilen hie und da einen durchreisenden Künstler auftreten lassen, mit dessen Virtuosität es oft nicht am besten bestellt war. allein, da mus, man den guten Willen für's Wert nehmen; er wollte Abwechselung bieten und hat auch mitunter manchen guten Wurf gemacht, so zum Beispiel heuer mit d»r Tänzergesellschaft des V e si z t e r Sandor, mit Varon Kl es he im, mit dem (ioncertisten (5esare Rossi lc. Herr T h 0 m 6 scheidet aus unserer Mitte als ein Mann, dem wir unsere Achtung nicht versagen können, und indem ich mein Referat, welches eigentlich dießmal nur einen flüchtigen Uebelblick der ebe» beendeten Theatersaison darbietet, schlief,?, bemerke ich zual.'ich, dah diese Rubrik, b,i Verwaisung unseres Musentempels, von nun an mit interessanten Kunst- und Theaternotizen aus der Fremde ausgefüllt weiden soll. Leopold K 0 rdesch. Verleger: Ignaz Alois Gdler v. Klcinmayr.